Himmel, Hölle, Lauheit





Die Besuchungen des allerheilígsten Sakraments des Altars
und Begrüßungen der allzeit unbefleckten Jungfrau Maria


für jeden Tag vom Heiligen Alfons Maria de Liguori



02.07.2019

Nach einer alten und mehreren neueren Ausgaben neu bearbeitet und mit einigen Zusätzen und Übungen versehen 1867
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Mit bischöflicher Genehmigung

Kommet her zu Mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.
(Mt 11, 28)




Der Text dieses Buches aus dem Jahre 1867 wurde durch einen Translator (Übersetzungsgerät) aus Japan aus der alten deutschen Schrift in die jetzige lateinische Schrift umgewandelt, und zwar durch das Sprechen der Texte in den Translator und die automatische Umsetzung der gesprochenen Worte in digitalisierte lateinische Buchstaben. Über das Internet sind dann die Ergebnisse im Heimcomputer aufrufbar geworden. Vor 150 Jahren drückte man sich vielerseits anders aus als heute. Die Rechtschreibung und Zeichensetzung wichen häufig von der heutigen ab. In diesem Buch (Heft) wurden nur wenige Änderungen vorgenommen. Der alte Text, aber auch die Zeichensetzung bleiben also, von wenigen Ausnahmen abgesehen, so, wie sie damals waren. Vor allem die Zeichensetzung ist hier und da in unseren Augen fehlerhaft.

Durch die Abweichungen von damals und heute kam es zu vielen Übertragungsfehlern. Diese vielen Fehler, die das Übersetzungsprogramm dabei auswarf, sind hoffentlich alle gefunden und korrigiert. Falls noch Fehler auftauchen sollten, wäre es hilfreich, diese an folgende Mailadresse zu melden. Vielen Dank!




16.07.2019

Neunte Besuchung

Jesus im Sakramente voll Verlangen, uns Gnaden mitzuteilen

Betrachtung. Ich sah einen, der einem Menschensohne glich, umgürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. (Offb 1, 13) Auf solche Weise ist Jesus im allerheiligsten Altarssakramente gegenwärtig; seine Brust ist voll von Gnaden, die er aus Barmherzigkeit mitteilen will, und wie eine Mutter, die ihre Brust den Kindern darreichet, erwartet uns Jesus. »An den Brüsten wird man euch tragen.« (Is 66, 12) — Hierher gehört, was Pater Alvarez sagt, dass nämlich Jesus Christus in dem allerheiligsten Sakramente mit vollen Händen von den ausgesuchtesten Gnaden zugegen sei, und mit höchster Begierde gläubige Seelen sucht und erwartet, dass sie zu Ihm kommen und dieselben Ihm abnehmen. Die heilige Katharina von Siena pflegte jedes Mal, wenn sie diesem Liebesmale sich näherte, mit einer so verlangenden Begierde hinzutreten, wie ein säugendes Kind an die Brust der Mutter sich drängt.

Gebet. Oh eingeborener, allerliebster Sohn des ewigen Vaters! ich erkenne es, dass Du der würdigste und der vortrefflichste Gegenstand unserer Liebe bist. Ich begehre in meiner Liebe zu Dir so hoch zu steigen, als Du es von mir und von allen Geschöpfen verdienst, oder doch wenigstens soweit, als jemals eine erschaffene Seele gestiegen ist. Ich weiß zwar, dass ich als ein ehemaliger Verräter und Aufrührer wider Deine Liebe, die Gnade, Dich lieben zu können, nicht verdiene; ich weiß, dass ich unwürdig bin, hier vor Deiner Gegenwart zu stehen. Ich höre aber aus Deinem eigenen Munde, wie Du von mir geliebt zu werden verlangst. Ich höre, wie du mir zurufest: „Mein Sohn, gib Mir Dein Herz und versage es Mir nicht.“ Und wiederum: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben aus deinem ganzen Herzen.“ Du begehrst also mein Herz zu besitzen, wenn es Dir schon ehemals untreu gewesen. Weil nun dieses Dein einziges Verlangen ist, Herr und Besitzer meiner Liebe zu sein, so hast Du dieser Ursache wegen mich, da ich den ewigen Tod verdient hatte, noch beim Leben erhalten, mich noch nicht in die Hölle begraben, damit ich Zeit gewinne, mich von Herzen zu dir zu bekehren, alle meine Anmutungen auf dich zu wenden und dich ewig zu lieben. Da du dich würdigest, meine Liebe nicht zu verachten, und willst, dass ich Dich liebe: Sieh also, höchstes Gut, ich kehre von nun an zu Dir zurück; ich übergebe mich Dir ganz und ohne Ausnahme. Ich liebe Dich, mein Gott voll der Güte und unbegrenzter Liebe! Ich erwähle Dich wirklich als den einzigen König und Beherrscher meines armseligen Herzens, welches ich, weil Du es haben willst, mit tiefster Ehrfurcht zu Deinen heiligen Füßen lege. Wahr ist es, ich bekenne es, dieses Herz, das ich Dir geben kann, ist ein ganz erkaltetes und unreines Herz; aber wenn Du es annimmst, wirst Du es zu verbessern wissen. Verändere mich also, oh Herr, ach! verändere mich; denn ich wage es nicht, länger so zu leben, wie ich bisher gelebt habe; so undankbar und mit so wenig Liebe gegen Deine unendliche Güte, die mich so sehr liebt und unendlich von mir geliebt zu werden verdient. Gib und verleihe, oh Gott meines Herzens, dass ich von heute an all’ die Liebe ersetze, die ich Dir bis jetzt geraubt und auf eine undankbare Weise an andere Geschöpfe verschwendet habe.
Seufzer. Mein Gott, Gott, mein allerhöchstes Gut!
Ich will Dich lieben; Dich zu lieben ist mein fester Entschluss, mein unverbrüchlicher Vorsatz.
(Hier die geistliche Kommunion)

Begrüßung der göttlichen Mutter

Maria ist Ihrem lieben Sohne Jesus so viel als möglich ganz ähnlich; denn da sie eine Mutter der Barmherzigkeit ist, freuet es sie, die Elenden zu trösten und ihnen zu helfen. Das Verlangen Mariens, uns Gutes zu erzeigen, ist so groß, dass Bernardin von Bustis sagt: Größeres Verlangen trägt Sie, dir Gutes zu erweisen und Gnaden zu erhalten, als du zu empfangen begehrst.

Seufzer. Unsere Hoffnung, sei gegrüßet!
(*Tugendübung: Seelen für Jesus zu gewinnen suchen, für Sünder beten usw.)
Seufzer. Oh Jesus, mein Herr und mein Gott, besitze mich, denn ich bin dein Knecht: ich bin dein Knecht und der Sohn deiner Magd. Du hast meine Bande zerrissen. (Ps 115, 16)
Christliches Almosen. 1 »Vater unser« als Dank für die Erschaffung, Erlösung und Heiligung. 1 »Vater unser« für die unwissenden und verblendeten Sünder. 1 »Vater unser« für die armen Seelen, die mit uns im Verkehr gestanden. 1 Ave Maria.



15.07.2019

Achte Besuchung

Um uns nicht abzuschrecken, hat Jesus im Sakramente die Pracht seiner Majestät abgelegt

Betrachtung. Steh auf und eile, Meine Freundin, Meine schöne, und komm! (Hohelied 2, 10) Jede Seele, welche Christus im heiligsten Sakramente heimsucht, redet Er mit eben diesen Worten, wie jene heilige Braut, an: Meine Seele, die du Mich hier besuchest, erhebe dich aus deinem Elende; Ich bin darum hier gegenwärtig, damit Ich dich mit Gnaden bereichere. Eile und nähere dich zu Mir; fürchte dich nicht vor Meiner Majestät; denn siehe, sie ist ja in diesem Sakramente ganz in Demut gehüllt, um dir die Furcht zu benehmen und dein Vertrauen zu mehren. Meine Freundin! Nicht mehr meine Feindin bist du, nachdem du Mich liebest und von Mir geliebt wirst. Meine Schöne, diese Schönheit gibt dir Meine Gnade; komm und empfange Mich, und begehre mit großem Vertrauen von Mir, was du willst.
Die heilige Theresia sagt: Es habe der König der Glorie deswegen die Pracht Seiner Majestät abgelegt und sich mit den Brotsgestalten bekleidet, damit Er uns Mut mache, Seinem göttlichen Herzen mit größerem Vertrauen zu nahen. — So lasset uns denn mit aller Liebe und dem vollkommensten Vertrauen zu Jesus gehen, uns mit Ihm vereinigen und um Gnade bitten.

Gebet. Oh ewiges, für mich Fleisch gewordenes Wort Gottes! Wer kann die Freude bestimmen, die meine Seele empfinden soll; wenn ich bedenke, wer ich bin und wer Du bist. Wenn ich erwäge, dass ich der Unwürdigste und Undankbarste unter allen deinen Geschöpfen bin, Du aber ein Gott der höchsten Majestät, der unbegrenzten Güte, Der mir nicht nur erlaubt, in Seiner Gegenwart zu erscheinen, sondern aus Seiner unendlichen Liebe mich auf die zärtlichste Weise selbst einladet und aufmuntert, sooft es mir gefällt, zu Ihm zu kommen.
Oh Seelen, die ihr Gott liebet, wo ihr euch immer befinden möget, im Himmel oder auf Erden, fahrt fort, Ihn zu lieben; aber liebet Ihn auch für mich. Oh Maria, meine Mutter, verschaffe, dass ich meinen Gott recht liebe. Und du, aller Liebe würdigster Herr! Sei Du der einzige Gegenstand all’ meiner Liebe; sei Du der Herr meines ganzen Willens. Besitze mich ganz und alles, was ich habe. Ich opfere Dir meinen ganzen Verstand, damit er allezeit mit der Erinnerung an deine Güte sich beschäftige. Ich schenke Dir mein ganzes Herz, damit es nichts außer Dir liebe. Ich übergebe Dir meine Seele, damit sie Dein eigen sei. Ich widme Dir und Deinem Dienste meinen ganzen Leib, damit auch Er mir helfe, Dein Wohlgefallen zu vermehren.
Da ich nun nichts mehr habe, was ich Dir geben könnte, so wünsche ich noch über alles dies, dass alle Menschen Dich, Geliebter meiner Seele und die Zärtlichkeit Deiner Liebe, mit der Du sie liebst, erkennten, damit sie alle nur lebten, um Dein heiliges Wohlgefallen so zu befördern, wie du es verlangst und würdig bist. Oh dass doch wenigstens ich, von Liebe Deiner unendlichen Schönheit ganz eingenommen, leben möge. Von nun an will ich mich beeifern, immer das zu tun, was Dir angenehm ist. Ich nehme mir mit wahrem Ernste vor, von allen dem nichts zu unterlassen, was ich als Dir wohlgefällig erkennen werde, sollte es mir auch noch so beschwerlich fallen, — sollte ich deswegen alles, selbst das Leben verlieren. Oh wie glücklich könnte ich mich schätzen, alles zu verlieren, um Dich zu gewinnen; Dich, meinen Gott, meinen Reichtum, meine Liebe, mein alles.

Seufzer. Jesus, meine Liebe! nimm mich ganz hin, besitze mich ganz und alles, was ich habe.
(Hier die geistliche Kommunion)


Begrüßung der heiligsten Jungfrau

Wer klein ist, der komme zu Mir! Also ruft Maria uns allen zu, als kleinen Kindern, welche zu ihrer Obsorge eine Mutter nötig haben, dass wir zu Ihr, als der liebreichsten Mutter unter allen, unsere Zuflucht nehmen sollen. Der Pater Nieremberg sagt: Die Liebe aller andern Mütter sei nur ein Schatten gegen jene Liebe, welche Maria zu einem jeden von uns trägt. Ach meine liebste Mutter, oh Mutter meiner Seele! Du liebst mich, und niemand ist nach Gott, der mehr und sorgfältiger, als Du, mein Heil verlangt. Mutter! zeige, dass du meine Mutter bist.

Seufzer. Liebste Mutter, bewirke, dass ich Deiner immer eingedenk sei.
(*Tugendübung: Gegen Geringere liebevoll und nicht herablassend sein, und sein Übergewicht über solche nicht im mindesten fühlen lassen.)
Seufzer. Oh Jesus, Urheber meines Lebens, Dir lebt meine Seele; denn Du bist mein Leben, und Sterben mein Gewinn. ( Phil 1, 21)



14.07.2019

Siebente Besuchung

Jesus will im Sakramente bei uns bleiben bis ans Ende der Welt

Betrachtung. Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt (Mt 28, 20). Dieser unser liebevolle, getreue Hirt, welcher für uns, seine Schäflein, Sein Leben hingegeben hat, wollte durch den Tod von uns nicht abgesondert werden. Sehet, sagte Er, ich bin alle Zeit bei euch; euretwegen habe Ich in diesem Sakramente bleiben wollen, hier werdet ihr mich finden, sooft ihr immer wollt, allzeit bereit euch zu helfen, euch zu schützen und mit Meiner Gegenwart zu trösten. Ich werde euch nicht verlassen bis ans Ende der Welt, und solange ihr auf Erden sein werdet. Unser göttlicher Bräutigam wollte, sagte der heilige Petrus von Alcantara, dass Seine geliebte Braut auf der Welt, und in so weiter Entfernung von dem Himmel, nicht so lange allein und ohne Gesellschaft sei; darum hat Er dieses Sakrament eingesetzt, in welchem Er sich entschlossen, in eigener Person zu verbleiben. Hätte Er uns wohl eine vornehmere und bessere Gesellschaft als diese, geben können?

Gebet. Oh mein Herr und Heiland! Welches Herz wird von Deiner Freundlichkeit und Herablassung nicht gerührt? Ich bin hier, Dich heute zu besuchen. Aber mit wie einer weit größeren Liebe entrichtest Du bei mir deinen Gegenbesuch, wenn Du vermittelst der heiligen Kommunion in mein Herz eingehest. Du bist alsdann nicht nur bei mir gegenwärtig, sondern Du wirst sogar auch meine Speise; Du vereinigst Dich ganz mit mir, Du gibst Dich mir ganz hin, so dass ich dann in Wahrheit sagen kann: Mein Jesus! Nunmehr bist Du ganz mein Eigentum. Wie kann ich demnach bei dieser Erkenntnis, die erste und edelste meiner Pflichten, verkennen (ohne mich des hässlichsten Lasters der Undankbarkeit schuldig zu machen), mich Deiner Güte, ohne einigen Vorbehalt, vollkommen zu übergeben? Ob ich zwar nur ein unbedeutender Wurm der Erde bin, und Du der allerhöchste König, Herr und Gott des Himmels und der Erde.
Oh Gott der Liebe! Oh du Liebhaber meiner Seele! Wann wird doch einmal jener seliger Augenblick anrücken, an welchem ich mich nicht mehr mit leeren Worten, sondern in Wahrheit Dein vollkommenes Eigentum zu sein, freuen werde? Niemand als nur Du allein kannst dieses bewirken. Vermehre in mir diese Hoffnung und stärke dieses mein Vertrauen zu Dir, durch die Verdienste Deines kostbaren Blutes, damit ich sicher der Gnade teilhaftig werde, mich noch vor meinem Tode mir ganz abgestorben und Dir vollkommen eigen zu sehen.
Herr von unbegrenzter Güte! Du hörest das Gebet aller Menschen; höre doch an dem heutigen Tage auch das Seufzen einer Seele, die Dich ernstlich zu lieben verlangt. Ich will Dich lieben, oh unendliches Gut! mit allen meinen Kräften. Ich will Dir in allem, was Du mir befiehlst, gehorsam sein, ohne Eigennutz, ohne Hoffnung auf einigen Trost oder Belohnung. Ich verlange Dir zu dienen aus reiner kindlicher Liebe, einzig und allein, um Dein göttliches Wohlgefallen zu vermehren, und Deinem mich so innig liebenden Herzen Freude zu machen. Eine ewige Liebe zu Dir sei die einzige Belohnung für meine Dienste, um welche ich Deine Barmherzigkeit bitte.
Oh Jesus, du geliebter Sohn des ewigen Vaters! Sei Du der Herr meiner Freiheit, meines Willens, meines Herzens, und der unumschränkte Beherrscher alles dessen, was ich bin und habe; und dafür gib mir sonst nichts, als Dich selbst. Denn ich liebe Dich, Dich suche ich, nach Dir seufze ich, nach Dir verlangt mein Herz; Dich allein und nichts anderes will meine Seele besitzen.

Seufzer. Mein Jesus, mache mich dir ganz eigen.
(Hier die geistliche Kommunion)

Begrüßung der heiligsten Jungfrau

Mildreichste, allerliebste Mutter! Die ganze Kirche nennt und grüßt dich: Unsere Hoffnung! Darum sei auch meine Hoffnung! Nächst Gott nannte Dich der heilige Bernardus die ganze Ursache seiner Hoffnung. Er sprach: Mit festem Vertrauen kehre sich derjenige zu Dir, welcher am Rande der Verzweiflung steht. Oh barmherzigste Mutter! Wenn Du durch Deine Fürbitte auch diejenigen selig machest, welche wegen der Größe ihrer Missetaten der Verzweiflung nahe sind, so hilf auch mir Armseligen, der ich meine ganze Hoffnung unerschütterlich auf Dich setze.

Seufzer. Oh Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich.
(*Tugendübung: Jesus bitten und alles aufopfern um die Gnade der Beharrlichkeit,)

*Seufzer. Oh Jesus, mein Seligmacher, mache mich selig, denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, worin wir können selig werden. (Apg 4)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« für alle, die zu unserer Bekehrung beigetragen, Beichtvater usw. 1 »Vater unser« für die rückfälligen Sünder. 1 »Vater unser« für unsere Verstorbenen geistlichen Wohltäter. 1 Ave Maria.



13.07.2019

Sechste Besuchung

Wenn wir Jesus liebten, würden wir oft an Ihn denken; Er hat uns Seine Liebe durch die Tat gezeigt

Betrachtung. Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. (Lk 12, 34) Jesus Christus will dadurch sagen, dass alles dasjenige unser Schatz sei, wofür unser Herz am meisten eingenommen sei, dass alle Neigungen, alle Anmutungen unsers Herzens nur allein auf jenen Gegenstand gerichtet und gewendet zu werden pflegen, der in unserem Herzen den ersten Platz einnimmt. Daher heften die Heiligen ihre ganze Liebe und alle ihre Anmutungen an das hochwürdigste Sakrament des Altars, weil Jesus Christus allein jener Lieblingsgegenstand ist, der in ihrem Herzen den ersten und vorzüglichsten Platz einnimmt.

Gebet. Oh mein liebenswürdigster Jesus, der Du aus Liebe zu mir Tag und Nacht hier im Altare verschlossen bleibst, ziehe mein Herz ganz an Dich, so dass es ferner an nichts als an Dich denke, nichts als Dich liebe, nichts als Dich suche, nichts als Dich wünsche. Bewillige mir diese Gnade, um welche ich Dich durch die Verdienste Deines Leidens bitte.
Oh göttlicher Heiland, oh himmlischer Liebhaber unserer Seelen, wie lieblich sind die zärtlichen Erfindungen Deiner Liebe, womit Du unsere Seelen zu Deiner Gegenliebe lockest.
Oh ewiges Wort, oh eingefleischter Sohn des himmlischen Vaters, Du warst nicht zufrieden, für uns Mensch geworden, für uns am Kreuz gestorben zu sein; Du hast überdies auch dieses Sakrament zur Gesellschaft, zur Nahrung und zum Unterpfande der Seligkeit uns gegeben. Aus dieser Absicht zeigst du Dich in so mancherlei Gestalten. Du erscheinst unter uns Menschen jetzt als ein Kind im Stalle, jetzt als ein armer Handwerksmann in der Werkstatt, jetzt als ein Todesschuldiger am Kreuze, jetzt unter den Gestalten des Brotes auf dem Altare. Was konnte noch zu erfinden übrig geblieben sein, dass Du nicht schon getan hast, um unsere Liebe zu dir rege zu machen? Oh unendliches, liebenswürdiges Gut, wann werde ich denn endlich anfangen, den zärtlichen Absichten so vieler außerordentlicher Beweggründe Deiner Liebe ernstlich zu entsprechen? Herr, ich will nicht leben, als nur um Dich einzig und allein zu lieben; denn wozu ist mein Leben, wenn ich es in Deiner Liebe und zu deinem allerhöchsten Wohlgefallen nicht ganz zubringe, da Du das deinige für mich ganz aufgeopfert hast? Und was soll ich auf der Welt lieben, wenn ich Dich, den Allerhöchsten, den Allerfreundlichsten, den Allergütigsten, den Allerliebenswürdigsten nicht liebe? — Es lebe demnach meine Seele, nur um Dich allein zu lieben! Sie zerfließe in ewige Liebesflammen bei der bloßen Erinnerung an Deine Liebe, bei der bloßen Anhörung der Namen: „Krippe, Kreuz, Sakrament!“ werde sie von heißer Begierde entzündet, große und beschwerliche Dinge aus Liebe für Dich, mein Jesus, zu ertragen, der Du so vieles für mich leiden wolltest.

Seufzer. Verleihe mir, oh Herr, die Gnade, nicht eher zu sterben,
als bis ich dir zuliebe etwas Gutes gewirkt und viel Widerwärtiges
werde gelitten haben.
(Hier die geistliche Kommunion)

Begrüßung der göttlichen Mutter

Ich bin wie eine schöne Olive auf dem Felde; Ich bin jene Olive, von welcher ohne Unterlass das Öl der Barmherzigkeit fließet. Ich stehe auf den Feldern, damit alle Mich sehen und ihre Zuflucht zu mir nehmen. Also redet Maria zu uns. Lasset uns demnach mit dem heiligen Augustinus zu Ihr sagen: „Gedenke, oh barmherzigste Jungfrau Maria, dass es unerhört ist, dass einer, der seine Zuflucht zu Dir genommen hat, sei verlassen worden.“ Gütigste Mutter! Ich lebe in dem festen Vertrauen, dass ich der erste nicht sein werde, der von dir verstoßen werden sollte.
Seufzer. Oh barmherzige Mutter! Erwirb mir die Gnade,
dass ich jederzeit zu dir meine Zuflucht nehme.
(*Tugendübung: Ein äußeres Werk, z.B. der Abtötung, Selbst¬über¬win¬dung usw. tun aus Liebe zu Jesus.)

Seufzer. Oh Jesus, mein Erlöser, Dein bin ich, nimm mich an; denn mit Deinem Blute, wahrlich einem hohen Preise, hast Du mich erkauft. (1. Kor 6, 10)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« um Erlösung von der Sünde und den sündhaften Neigungen. 1 »Vater unser« für die Gefangenen. 1 »Vater unser« für die verlassensten Seelen im Fegfeuer. 1 Ave Maria.



12.07.2019

Fünfte Besuchung

Jesus hat uns im Sakramente einen Zufluchtsort bereitet

Betrachtung. Der Sperling, sagt David, findet seine Wohnung unter einem Dache und die Turteltaube in ihrem Neste; Du aber, mein König und Herr, hast Deine Wohnung errichtet auf dem Altare (Ps 88), in welchem Du jederzeit bleiben wolltest, und wo wir Dich leicht finden können. Mein Gott, muss man nicht sagen, die Stärke der Liebe zu den Menschen beherrsche Dein göttliches Herz, und Du (erlaube mir, so zu reden), Du wissest nicht, was Du noch mehr tun solltest, um von Menschen geliebt zu werden. Leite, oh liebevoller Jesus! Leite doch auch alle unsere Neigungen nach Dir allein. Wie unvernünftig ist es, jenen Gott kaltsinnig zu lieben, welcher alles, was Er hat, verwendet, damit Er uns seine Liebe zu erkennen gebe. Ach, ziehe uns zu Dir, oh höchstes Gut, mit der süßen Gewalt deiner Liebe. Gib uns Deine Schönheit zu erkennen, welche so sehr verdient geliebt zu werden.

Gebet. Oh unendliche Majestät, oh unbegrenzte Güte, Du liebest so sehr die Menschen; Du hast so vieles getan und gelitten, um von den Menschen geliebt zu werden; Du bist, wenn auch alles dieses nicht wäre, in Dir selbst der Liebenswürdigste; und wie kommt es doch, dass unter den Menschen so wenige sind, die Dich lieben? — Nein, ich will von nun an nicht mehr zu der unseligen Zahl dieser Undankbaren, wie ich es bisher war, gehören; ich bin ernstlich und fest entschlossen, Dich zu lieben, so viel ich kann, Dich über alles zu lieben, nichts außer Dir zu lieben und Dich nur wegen Deiner unendlichen Vollkommenheit zu lieben; denn Du bist es würdig, Du verdienst es von mir, und es ist Dein heiligster Wille, es ist Dein nachdrücklichster Befehl, ich will ihn aufs vollkommenste befolgen. — Aber eins schreckt mich bei diesem meinen Vorsatze, dass ich Ihm vielleicht nicht getreu bleiben werde, weil die Erfüllung desselben, in Ansehung meiner so langen Entfernung von Dir, und in Ansehung der zum Teile angeerbten, zum Teile aber durch freiwillige Schuld mir zugezogenen Seelenschwäche, meine Kräfte übersteigt. Jedoch, ich kenne Deine Güte, oh Gott meiner Seele, und darum hoffe und erwarte ich von Dir allein die nötigen Kräfte, um meinen Vorsatz zu erfüllen, um Dein Verlangen vollkommen befriedigen zu können. Die unendlichen Verdienste Deines Leidens sind mir ein hinlänglicher Bürge dafür, dass Du mir die dazu nötige Gnade verleihen werdest.
Die Güter dieser Erde gib, oh gütigster Vater, denen, die nach denselben verlangen; für mich sind sie viel zu gering, als dass ich mich nach ihnen sehnen sollte; mein Herz ist für etwas weit Erhabeneres geschaffen; ich suche und begehre den Reichtum Deiner Liebe. Ich liebe Dich, mein Jesus, mein unendliches Gut, Du bist mein Reichtum, meine Liebe, mein Vergnügen.
Seufzer. Mein Jesus, du hast dich mir ganz gegeben;
ich übergebe mich dir ganz ohne Ausnahme.
(Hier die geistliche Kommunion)


Begrüßung der göttlichen Mutter

Meine Frau und Königin! Durch Deine Schönheit und Güte ziehst Du die Herzen der Menschen an Dich, wie Dein Diener Bernardus aus der Erfahrung bezeugt. Ach, lieblichste Mutter, ich bitte dich, nimm auch mein Herz und meinen Willen von mir! Ich schenke Dir beide, damit Du sie, mit Deinem Herzen und Willen vereinigt, Gott vorstellst.
Seufzer. Lieblichste Mutter, bitte für mich!
(*Tugendübung: Immer bei Jesus Hilfe suchen.)

Seufzer. Oh Jesus, du Erstgeborener unter vielen Brüdern, bereite mir, wie du versprochen hast, einen Ort in dem Reiche deines Vaters, damit, wo du bist, auch ich sei. Joh 14.
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« um ein wahres Verlangen nach dem Himmel. 1 »Vater unser« für die lauen und gleichgültigen Christen. 1 »Vater unser« für die Seelen, die wegen Lauigkeit im Fegfeuer sind. 1 Ave Maria



11.07.2019

Vierte Besuchung

Wie der Freund im Umgange mit dem Freunde, so findet die liebende Seele ihre größte Freude im Umgang mit Jesus im Sakramente, worin Er für uns das ist, was Er im Himmel für die Seligen ist

Betrachtung. Ihre Gemeinschaft hat nichts Bitteres und ihr Umgang nichts Verdrießliches (Weisheit 8). Gute Freunde in der Welt finden großes Vergnügungen aneinander; sie bringen oft ganze Tage miteinander zu. Wer Jesus im hochwürdigsten Sakramente nicht liebt, dem wird der Aufenthalt bei ihm verdrießlich vorkommen; da hingegen die Heiligen ihr Paradies vor dem heiligsten Sakramente gefunden haben. Die heilige Theresia sagte nach ihrem Tode in einer Erscheinung zu einer geistlichen Jungfrau ihres Ordens: »Diejenigen, die im Himmel und die auf Erden sind, müssen vollkommen gleich sein in der Reinigkeit und in der Liebe; wir zwar in dem Himmel durch die Freude, ihr aber auf Erden durch das Leiden; und was wir im Himmel gegen das göttliche Wesen tun, eben dieses müsset ihr tun auf Erden gegen das hochwürdigste Sakrament.« So ist denn das Allerheiligste Altarssakrament unser Paradies auf Erden.

Gebet. Oh unbeflecktes, für uns am Kreuze geschlachtetes und geopfertes Lamm! Erinnere Dich, dass ich eine aus jenen Seelen bin, die du mit unaussprechlichen Schmerzen auf dem Wege des bittersten Todes erlöset hast! Du bist gegen mich so freigebig gewesen, dass Du dich mir ganz gegeben hast. Du gibst dich mir noch täglich, indem Du dich auf dem Altare Deinem himmlischen Vater ohne Unterlass für mich aufopferst. Würdige dich also, mein Eigentum so zu verbleiben, dass ich Dich niemals durch irgendeine Untreue verliere. Wirke auch zugleich durch Deine Gnade der Gestalt in mir, dass auch ich vollkommen Dein Eigentum sei. — Sieh, oh Herr, ich schenke mich Dir gänzlich; verfahre mit mir nach Deinem Belieben. Ich schenke Dir meinen Willen, fessle ihn mit den angenehmen Banden Deiner heiligen Liebe, damit er von nun an ein ewiger Leibeigener Deines heiligsten Willens sei. Ich will nicht mehr leben, um meine Neigungen und Begierden zu erfüllen, sondern allein um Deiner unendlichen Güte wohlzugefallen. Zerstöre also und vernichte in mir alles, was Deinem allerheiligsten Herzen missfallen könnte. Gib Gnade, dass ich nichts anders denke, als Dir zu gefallen; nichts anders wünsche, als was Du verlangst. Unschätzbarer Erlöser, ich liebe Dich von ganzem Herzen. Ich liebe Dich, weil Du willst, dass ich Dich lieben soll. Ich liebe Dich, weil Du aller Liebe würdig bist. Ach, warum kann ich Dich denn nicht so lieben, wie Du geliebt zu werden verdienst! Warum flieht der Tod vor mir, den ich aus Liebe zu Dir herzlich gerne umarmen wollte! — Herr, nimm wenigstens mein Verlangen an und gib, dass ich dich liebe. Amen.

Seufzer. Oh heiliger, göttlicher Wille, dir opfere ich mich gänzlich!
(Hier die geistliche Kommunion)

Begrüßung der göttlichen Mutter

Ich bin eine Mutter der schönen Liebe, sagt Maria; das ist jener Liebe, welche den Seelen die größte Schönheit gibt. Die heilige Magdalena von Pazzis sah in einer Erscheinung, wie die göttliche Mutter einigen Seelen die göttliche Liebe gleich einem süßen Safte einflößte. Diese Gabe wird nur durch Maria ausgeteilt; bei ihr müssen wir demnach um dieselbe anhalten.
Seufzer. Oh Maria, meine Hoffnung! mache mich Jesus,
deinem liebsten Sohne, ganz eigen.
(*Tugendübung: Gänzliche Hingebung in den Willen Gottes, wünschen und beten, dass Gottes Wille vollkommen an uns geschehe.)

Seufzer. Oh Jesus, du Menschensohn, du hast, obschon Gott gleich, Knechtesgestalt angenommen. Niemals möge Hoffahrt in meinem Sinne und in meinen Worten herrschen. (Tob 4, 14)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« um Liebe zur Erniedrigung. 1 »Vater unser« für alle Hoffärtigen. 1 »Vater unser« für die armen Seelen, die durch unser gegebenes böses Beispiel im Fegfeuer leiden. 1 Ave Maria.
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« für unsere Eltern und Geschwister. 1 »Vater unser« für die Kinder, die eine schlechte Erziehung haben. 1 »Vater unser« für die armen Seelen, die durch unsere Schuld im Fegfeuer leiden. 1 Ave Maria.



10.07.2019

Dritte Besuchung

(*Inhalt: Jesu Freude ist es, im Sakramente bei uns zu sein, und wir sollten nicht gerne mit Ihm umgehen?)

Betrachtung. Meine Freude ist, unter den Menschenkindern zu sein. (Sprichwörter 8, 31) Sieh, hier ist unser Jesus, welcher Sich nicht damit begnügt hat, dass Er aus Liebe zu uns gestorben ist, sondern auch nach seinem Tode in dem heiligsten Sakramente hat bei uns bleiben und hierdurch zu erkennen geben wollen, dass Er seine Freude und Wonne unter den Menschen finde. »O ihr Menschen!« ruft die heilige Theresia aus, »wie könnt Ihr einen Gott beleidigen, der sich erklärt, dass er bei euch seine Freude findet?« Jesus hat sein Vergnügen in dem Umgange mit uns, und wir sollten kein Vergnügen bei Ihm finden? Wir, sage ich, die wir uns der Ehre rühmen können, in seinem Palaste wohnen zu dürfen? Wie hochgeehrt schätzen sich jene Diener und Untertanen, welchen in dem königlichen Palaste zu wohnen gestattet ist? Sehet, hier ist der Palast des allerhöchsten Königs! Dies ist das Haus Gottes, in welchem wir mit Jesus Christus wohnen. Lernen wir also dankbar dafür zu sein, und aus dem Umgang mit Jesus im Geiste zuzunehmen.

Gebet. Mein Gott und mein Herr! Sieh mich hier vor diesem Altare, wo du meinetwegen Tag und Nacht zugegen bist. Du bist die unerschöpfliche Quelle alles Guten; Du bist der vortrefflichste Arzt in jeder Krankheit; Du der reichste Schatz für alle Armen. Sieh, zu Deinen Füßen hier liegt heute der allerärmste, der allerschwächste Sünder, der bei dir Gnade und Erbarmen sucht. Versage, oh liebevoller Jesus, versage mir nicht Dein Mitleiden. Es ist wahr, ich erkenne es, mein Elend ist über alle Maßen groß; aber dennoch will ich deswegen meine Hoffnung nicht sinken lassen; denn mit den Augen des Glaubens sehe ich dich in diesem Sakramente und weiß, dass Du nur deswegen vom Himmel herab gestiegen bist, um mir Gutes zu erweisen. Ich lobe Dich, ich danke Dir und liebe Dich. Wenn Du Dich würdigen willst, mir aus Gnade zu erlauben, bei Dir ein Almosen zu suchen, so vernimm gütigst, um was ich Dich bitte: Ich habe einen Vorsatz gefasst, Dich in Ewigkeit nicht mehr zu beleidigen. Erleuchte mich also mit Deiner Gnade und verleihe mir Kraft und Stärke, Dich vollkommen zu lieben und diesen Vorsatz ins Werk zu bringen. Ja, mein Gott und Herr, ich liebe Dich aus meiner ganzen Seele und mit allen meinen Neigungen. Ich mache zwar diese Erklärung mit Wort und Mund, und, wenn ich mich nicht selbst betrüge, wohl auch mit dem Herzen; aber von Dir hoffe und erwarte ich die Gnade, dass ich es noch in diesem Leben im Werke zeigen, in der Ewigkeit aber in der Wahrheit und vollkommen ausüben möge. Gebenedeite Gebärerin meines Gottes, ihr himmlischen Geister und alle Heiligen Gottes, verhelfet mir dazu, dass ich meinen liebenswürdigsten Gott über alles liebe.
Seufzer. Oh kostbares Brot der Engel! sei meine Speise hier und in der Ewigkeit.
(Hier die geistliche Kommunion)

Begrüßung der göttlichen Mutter

Ihre Bande sind Bande des Heils. Der fromme Pelbartus sagt: Die Andacht gegen Maria sei eine Kette der ewigen Gnadenwahl. Lasset uns unsere Liebste Frau und Fürsprecherin inständig bitten, sie wolle uns immer fester und fester binden mit den Ketten der Liebe und des Vertrauens auf ihre mächtige Fürbitte.
Seufzer. Oh gütige, oh milde, oh süße Jungfrau Maria!
erbarme Dich meiner und bitte für mich!
(*Tugendübung: Aufopferung seiner selbst an Jesus.)
Seufzer. Oh Jesus, Fleisch gewordenes Wort, wohnend in uns, mache mich deiner göttliche Natur teilhaftig! (1. Petr 2)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« für unsere Wohltäter. 1 »Vater unser« für die für die Erlösung Undankbaren. 1 »Vater unser« für unsere Wohltäter im Fegfeuer. 1 Ave Maria.



09.07.2019

Begrüßung der göttlichen Mutter

Lasset uns mit Vertrauen hingehen, schreibt der heilige Paulus, zu dem Throne der Gnaden, damit wir zur rechten Zeit Barmherzigkeit finden. Der heilige Augustinus versteht unter diesem Throne Maria, die göttliche Mutter, durch welche Gott alle Gnaden erteilt.
Oh liebreichste Mutter! Wenn Du so sehr verlangst, den Sündern zu helfen, und ihnen so häufige Gnaden erhältst: siehe mich an, mich, den allergrößten Sünder aus allen, ich nehme meine Zuflucht zu Dir, verschaffe mir genügsame Hilfe, und zwar bald, damit ich nicht zugrunde gehe.
Seufzer. Oh Maria, du Zuflucht der Sünder! Wende Deine barmherzigen Augen zu mir armen, jedoch reumütigen Sünder, und erhalte mir Verzeihung.
(*Tugendübung: Jesus öfters für seine Liebe danken durch Seufzer, und alles zur Danksagung aufopfern.)
Seufzer. Oh Jesus, du ewige Weisheit, nimm alles eitle Wissen von mir; denn nichts wünsche ich zu wissen, als Dich, meinen Jesus, den Gekreuzigten. (1. Kor 2)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« für alle Prediger, Professoren, Lehrer. 1 »Vater unser« für alle von eitler Wissenschaft Aufgeblasenen. 1 »Vater unser« für die armen Seelen im Fegfeuer, die wegen Hoffart und Kleiderpracht darin sind. 1 Ave Maria.



08.07.2019

Zweite Besuchung

Jesus hat sich so sehr aus Liebe zu uns erniedrigt, dass Er im Sakramente nicht Knechtsgestalt, sondern sogar die geringe Brotsgestalt angenommen hat.

(Die Tugendübungen)

Betrachtung. Der gottselige Pater Nieremberg von der Gesellschaft Jesu sagt, weil das Brot eine Speise sei, die sich sowohl genießen als auch aufbewahren lasse: So wollte Jesus Sich uns auf Erden unter den Gestalten des Brotes hinterlassen, damit Er nicht allein sich mit den Seelen, die Ihn lieben, in der heiligen Kommunion vereinigen könne, sondern auch um Sich uns, in dem Tabernakel sorgfältig aufbehalten, stets gegenwärtig darzustellen, und uns an die Liebe, die Er gegen uns trägt, zu erinnern. Der heilige Paulus schreibt den Philippern (Röm 2): Er hat Sich Selbst vernichtet und die Gestalt eines Knechtes angenommen. Was sollen wir aber sagen, wenn wir bedenken, dass er sich unter die Gestalt des Brotes verborgen hat? »Keine Zunge ist imstande, « sagt der heilige Petrus von Alcantara, »die Größe jener Liebe zu erklären, welche Jesus gegen eine jede Seele trägt, die im Stande der Gnade ist; deswegen hat dieser süßeste Bräutigam, als er aus diesem Leben scheiden wollte, Sich Selbst zu einem fortwährenden Andenken in diesem Sakramente hinterlassen, damit Seine Abwesenheit niemandem eine Ursache wäre, Seiner zu vergessen, und kein anderes Denkmal wollte Er hinterlassen, um zwischen Ihm und uns eine immer lebhafte Erinnerung zu erhalten, als — Sich Selbst.«

Gebet. Guter Jesus! Die Absicht eines Aufenthaltes in dieser von Menschenhänden erbauten Hütte ist ja keine andere, als die Bitten der Bedürftigen anzuhören, die hierher kommen, und die Gnade, ihre Herzen vor Dir auszuschütten suchen. Oh, so höre denn an dem heutigen Tage das demütige Begehren eines der undankbarsten Sünder auf Erden. Von Reue, Schmerz und äußerster Beschämung durchdrungen, wage ich es, mich dem Fuße des geheiligten Thrones Deiner ewigen Barmherzigkeit und Liebe zu nahen. Ich erkenne das Übel, welches ich begangen, als ich Dich, meinen Gott und Herren, beleidigte. Jenes, um welches ich Dich gegenwärtig vor allem Übrigen bitte, ist, dass du dich mit väterlicher Liebe würdigen wollest, alle Beleidigungen und Undankbarkeiten, womit ich in meinem vergangenen Leben Deiner unbegreiflichen Güte begegnet bin, mit ewiger Vergessenheit zu bedecken. — Ach, mein Gott und mein alles! Wie unglücklich war ich, dass ich mich wider Dich versündiget; oh, wäre es doch niemals geschehen! —
Da ich nun hoffe, bei Dir, mein Jesus, Gnade und Vergebung gefunden zu haben, so erlaube denn meinem Herzen, Dich mit größerer Vertraulichkeit anreden zu dürfen. — Oh du Durchforscher der Herzen und Nieren, vor dem kein Gedanke des Menschen verborgen bleibt! Allwissender, du weißt schon, was ich von dir noch mehr zu verlangen wünsche. Seitdem ich erkenne, wie lieblich Du bist, ist meine Seele von Liebe zu Dir ganz eingenommen; und ich fühle einen unwiderstehlichen Trieb, in der Liebe zu Dir zu wachsen und Dir zu gefallen. Aber meine Schwäche und meine Hinfälligkeit sind das große Hindernis, und ich bin in beständigem Kummer, dieses Ziel nicht zu erreichen, wenn Du mir die Kräfte dazu nicht verleihest.
Mögen doch, oh großer Gott, mögen Himmel, Erde und alle Geschöpfe aus Deiner allerweisesten Verfügung heute noch Deine unbegrenzte Macht und unendliche Güte erkennen; möge doch auch ich aus einem meineidigen Aufrührer, der ich bisher gegen Dich gewesen bin, in einen großen und eifrigen Liebhaber Deiner allerhöchsten Majestät umgeschaffen werden! Du allein kannst dies bewirken, und Du willst es auch tun. Ersetze Du in mir alles, was mir mangelt, so will ich Dich mit Inbrunst lieben; oder doch wenigstens so viel lieben, als ich Dich zuvor gehasst habe. Dich liebe ich, oh mein Jesus, ja, Dich liebe ich über alles. Ich liebe Dich mehr als mein Leben, mein Gott, meine Liebe, mein alles!
Seufzer. Mein Gott und mein alles!
(Die geistliche Kommunion)


07.07.2019

Ein anderes und kürzeres Gebet, um sich dem Schutze Mariä zu empfehlen

(vom heiligen Aloysius)

Heilige Jungfrau Maria, meine Führerin und meine Königin! Sieh, ich wende mich an Dein erbarmungsreiches Herz, und stelle von heute an meinen Leib und meine Seele und alles, was mich angeht, unter Deine Obhut und Deinen besonderen Schutz. Dir vertraue ich und Deinen Händen übergebe ich alle meine Hoffnungen und Tröstungen, alle meine Trübsale und Bedrängnisse. Dir empfehle ich mein ganzes Leben, und ganz besonders das Ende desselben, auf dass durch Deine heiligste Fürbitte und durch Deine Verdienste alle meine Werke nach Deinem und Deines Sohnes Willen stets geordnet und gelenkt werden mögen. Amen. Wenn du Tages zweimal das heiligste Sakrament besuchest, so verrichtet das erste Mal das erste und das zweite Mal das letzte Gebet. Wenn du nur einmal besuchest, so wähle eins von diesen, je nachdem du Zeit hast, das längere oder kürzere.
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(* Tugendübung: Beständiger und vertrauter Umgang mit Jesus.*)
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Seufzer. Oh Jesus, wahrer Gott vom wahren Gott, sei mir ein beschirmender Gott und ein Haus der Zuflucht, daß du mir helfest. (Ps 30, 3)
Geistliches Almosen. 1 »Vater unser« **) um festen Glauben an die Gegenwart Jesu im heiligen Sakramente. 1 »Vater unser« für alle Ungläubigen. 1 »Vater unser« für die armen Seelen im Fegfeuer, die wegen mangelhaften Glauben darin sind. 1 Ave Maria. (Siehe Seite 2 Nr. 4 und 5)
*) Die bei jeder Besuchung angegebene Tugendübung lese man morgens, denke etwas darüber nach, wie man solches den Tag über ins Werk stellen wolle, verrichte öfters entsprechende andächtige Seufzer, und opfere alle Werke zu dieser Meinung auf.
**) Nach den beiden ersten „Vater unser“ sprich ein „Ehre sei“ und nach dem letzten ein „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.“ So auch im Folgenden.

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06.07.2019

Begrüßung der heiligen Jungfrau

Ein anderer, für uns überaus glückseliger Brunnen ist Maria, unsere liebste Mutter, so reich an Gütern und Gnaden, dass, nach dem Zeugnisse des heiligen Bernardus, kein Mensch in der ganzen Welt ist, welcher daran nicht teilhabe: Von ihrer Fülle haben wir alle empfangen. Maria, die heiligste Jungfrau, ist von Gott mit Gnaden erfüllet worden; darum hat der Engel zu ihr gesagt: Gegrüßet seist Du, voll der Gnaden. Allein nicht nur für sich, sondern auch für uns, sagt der heilige Petrus Chrysologus, hat Maria jenes Meer der Gnaden erhalten, damit sie hernach Ihren getreuen Pflegekindern davon mitteile: „Diese Gnade hat jene Jungfrau bekommen, welche allen Zeiten das Heil wiedergeben sollte.“
Seufzer. Du Ursache unserer Fröhlichkeit, bitte für uns!

Gebet um den mächtigen Schutz und die Fürbitte der göttlichen Mutter

(Wird am Ende jeder Besuchung verricht)

Heiligste, unbefleckte Jungfrau, meine geliebteste Mutter Maria! Du bist die Mutter meines Herrn und Heilandes, die Königin der Welt, Fürsprecherin, Hoffnung und Zuflucht der Sünder. Zu dir eile ich heute meine Zuflucht zu nehmen, ich, der armseligste unter allen Sündern. Vor Deinen Füßen, oh große Königin, lege ich mit gebührender Ehrfurcht meine demütigste Huldigung nieder, und mit innigstem Gefühle meiner Seele danke ich dir für so viele mir bis auf diese Stunde erwiesenen Gnaden, besonders aber dafür, dass Du mich durch Dein liebevolles Verwenden von der wegen meiner Sünden so oft verdienten Hölle errettet hast. Ich liebe Dich, oh liebenswürdigste Frau und Herrscherin, und aus reinster Liebe zu Dir mache ich den unveränderlichen Vorsatz, Dir allezeit zu dienen und nach Möglichkeit zu verschaffen, dass auch andere Dir dienen. Auf Dich setze ich nach Jesus, Deinem Sohne, alle meine Hoffnung, das ganze Heil meiner Seele. Nimm mich zu Deinem Diener (Deiner Dienerin) auf, oh Mutter der Barmherzigkeit, und behalte mich unter Deinem mächtigen Schutze.
Weil ich weiß, dass Du bei Gott alles vermagst, darum seufze ich zu Dir und rufe mit beängstigtem Herzen: Rette mich von allen Versuchungen, oder erhalte mir wenigstens hinlängliche Stärke, um über sie bis an mein Lebensende immer zu siegen. Von Dir begehre ich eine wahre Liebe zu Jesus. Durch Dich hoffe ich auch einstens selig zu sterben. Oh meine liebreichste Mutter! Ich bitte Dich durch Deine Liebe zu Gott, steh mir allezeit bei, besonders aber in dem alles entscheidenden letzten Augenblicke meines Lebens. Verlass mich nicht, solange Du mich noch nicht unter den seligen im Himmel siehst. Dort werde ich Dich preisen, dort Deiner Barmherzigkeit ewiges Lob singen. Also hoffe ich; also sei es!



05.07.2019

Die geistliche Kommunion

(Du brauchst nicht jedes Mal alle diese fünf Formen der geistlichen Kommunion zu gebrauchen, sondern gebrauche eine von diesen, und zwar diejenige, welche dir am besten gefällt, oder bediene dich zur Abwechslung dann der ersten, dann der zweiten, dritten usw. Die drei letzten sind auch als Stoßgebete zu gebrauchen. Versuche auch oft die geistliche Kommunion frei zu verrichten, indem du nur die Worte gebrauchst, die dir dein eigenes Herz gerade eingibt.)

Erste Form. Anbetungswürdiger Jesus! Ich glaube fest, dass Du in dem heiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe Dich über alles. Aus Liebe zu Dir bereue ich alle meine Sünden; in Ewigkeit will ich nicht mehr sündigen. Meine Seele verlanget, Dich zu empfangen. Weil ich dich aber gegenwärtig wesentlich im Sakramente nicht kann empfangen, so komme geistlicher Weise und kehre mit Deiner Gnade in mein Herz ein. Ich umarme Dich, oh Jesus, als schon wirklich gegenwärtig. Ich vereinige mich ganz mit Dir, lasse nicht zu, dass ich mich jemals von Dir trenne.
Zweite Form. Oh süßester und liebster Herr, den ich jetzt mit Andacht empfangen möchte, Du kennst meine Schwachheit und die Not, die ich leide, in welch’ großen Sünden und Lastern ich liege, wie oft ich darnieder gebeugt, versucht, verwirrt und befleckt werde. Um Gnade bitte ich, um Barmherzigkeit flehe ich! — Oh Du meine Süßigkeit, allein von nun an bis in Ewigkeit; Du meine Speise und mein Trank, meine Liebe und meine Freude und all’ mein Gut! — Möchtest Du mit Deiner Gegenwart mich ganz entzünden, durchglühen und in Dich verwandeln, damit ich ein Geist mit Dir werde durch die Gnade der innerlichen Vereinigung und durch die Verschmelzung glühender Liebe! (Nachfolge Christi, Thomas von Kempen 4, 16)
Dritte Form. Ich bitte Dich, oh mein Herr Jesus Christus, dass die süße und feurige Gewalt Deiner Liebe mich ganz verzehre, damit ich aus Liebe Deiner Liebe sterbe, nachdem Du aus Liebe meiner Liebe hast sterben wollen. (Vom heiligen Franziskus).
Vierte Form. Oh nicht geliebte Liebe, oh nicht gekannte Liebe, oh mein Bräutigam! Wann wirst Du mich ganz zu dir hinziehen! (Von der heiligen Maria Magdalena von Pazzis)
Fünfte Form. Jesus, mein Reichtum, meine süße Liebe! Verwunde und entflamme Du dies Herz, dass es nur für Dich glühe, Dich nur liebe! (Vom heiligen Petrus von Alcantara)

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Bemerkung: Nach verrichteter Besuchung und geistlicher Kommunion wird eine Besuchung und Begrüßung der jungfräulichen Mutter Jesu vor einem Ihr zu Ehren erbauten Altare oder Bilde vorgenommen.



04.07.2019

Erste Besuchung

Jesus im Sakramente, die Quelle aller Gnaden, kann allein unser Herz befriedigen

Betrachtung. Siehe da die Quelle alles Guten, Jesus Christus im hochwürdigen Altarssakramente, ruft uns unaufhörlich zu und spricht: Wer Durst hat, der komme zu Mir. Joh 7, 37. Oh, was für reichhaltige Ströme der Gnaden haben aus dieser Brunnquelle des Allerheiligsten Sakramentes heilige Seelen jederzeit geschöpfet, wo Jesus alle Verdienste seines Leidens uns mitteilet, wie es der Prophet vorher gesagt hat: Mit Freuden werdet ihr aus dem Brunnen des Heilandes schöpfen. Joh 12, 3. Nachdem die Gräfin von Feria, jene erleuchtete Lehrjüngerin aus der Geistesschule des ehrwürdigen M. Avila, in den Orden der heiligen Klara getreten, hatte sie die Gewohnheit, sehr oft und lange vor dem hochwürdigen Gute zu verweilen, so dass man sie aus dieser Ursache die Braut des allerheiligsten Sakramentes insgemein zu nennen pflegte. Als sie eines Tages befragt worden, was sie doch durch so viele Stunden vor dem Hochwürdigen täte, antwortete sie: »Ich wollte hier durch die ganze Ewigkeit verbleiben. Ist denn nicht die Wesenheit Gottes hier selbst zugegen, die im Himmel die Weide der Seligen sein wird? Gütiger Gott, der höchste Herr Himmels und der Erde ist da wesentlich zugegen, und man kann noch fragen, wie man die Zeit in Seiner Gegenwart zubringen könne? Was man bei ihm tue? Oh mein Gott, was tut man nicht vor diesem Sakramente! Man liebt, man lobt, man sagt Dank, man bittet. Was tut denn ein Armer in Gegenwart eines Reichen? Was ein Kranker in Gegenwart eines Arztes? Was ein Durstiger bei dem Brunnen? Und ein Hungriger bei einer mit Speise wohl besetzten Tafel?«
Gebet. Oh mein liebenswürdigster Jesus! Jesus, du Süßigkeit und einzige Liebe meines Herzens! Jesus, Du vollkommenster Befriediger der Wünsche meiner Seele! Ach, wie viel hat es Dich gekostet, in diesem Sakramente bei uns wohnen zu können! Du musstest zuvor sterben, um alsdann auf den Altären als ein Schlachtopfer unter uns Menschen zu verbleiben. Wie viele Unbilden, Lästerungen und Entheiligungen hast du bis jetzt in diesem unbegreiflichen Denkmale Deiner Liebe ertragen müssen, um uns durch Deine Gegenwart zu trösten und in unseren Bedürfnissen beizustehen! Doch Deine Liebe und das Verlangen, von uns Gegenliebe zu gewinnen, hat alle diese Entheiligungen überwunden.
So komme denn, oh großer Gott und Herr! Komm und würdige Dich, Besitz von meinem Herzen zu nehmen! Schließe für alle Zeit die Pforte desselben, damit kein Geschöpf mehr hineindringe, um einen Teil jener Liebe für sich zu rauben, die ich Dir allein schuldig bin und die ich niemandem als Dir einzig und allein weihen will. Du allein, mein anbetungswürdigster Erlöser! Herrsche über mich; Du allein besitze mich. Und wenn ich Dir bisweilen vielleicht nicht vollkommen gehorsam sein sollte, oh so schone mich nicht; züchtige mich nach aller Schärfe, damit ich für die Zukunft aufmerksam gemacht werde, Dir nach Deinem Verlangen wohlgefällig zu sein. Lasse nicht zu, gütigster Jesus, dass ich von nun an irgendein anderes Vergnügen suche oder verlange, als Dein Wohlgefallen zu vermehren, Dich, meinen auf dem Altare verborgenen Gott oft zu besuchen, mich selbst mit Dir vertraulich zu unterhalten und dich in der heiligen Kommunion mit inbrünstiger Andacht oft zu empfangen. Möge doch, wer da immer will, andere Güter dieser Welt suchen; ich, meines Teils, liebe, wünsche, suche und verlange kein anderes, als den allein seligmachenden Schatz und Reichtum Deiner Liebe. Diesen allein bestrebe ich mich hier am Fuße Deines Thrones zu suchen. Gib, oh Jesus, dass ich meiner selbst ganz vergesse, um mich nur Deiner unendlichen Güte allein jederzeit erinnern zu können. Nein, ich beneide euch nicht, ihr heiligen Seraphim, wegen der Herrlichkeit, die ihr genießet; wenn ich euch dennoch etwas missgönnen dürfte, so wäre es die Liebe, womit ihr gegen meinen und euren Gott entflammt seid. Ach, lehret mich, was ich tun soll, um Ihn recht zu lieben und ihm gefällig zu sein.
Seufzer. Mein Jesus! Dich allein will ich lieben, nur Dir allein begehre ich zu gefallen.
Anmerkung: Hier folgt die geistliche Kommunion, die am Ende einer jeden Besuchung zu üben ist.


03.07.2019

Tugendübungen,

die vor jeder Besuchung des allerheiligsten Sakramentes sollen verrichtet werden.
Mein Herr Jesus Christus, Der Du uns aus Liebe zu den Menschen hier in diesem Sakramente Tag und Nacht gegenwärtig bist und ganz voll der Liebe und Gütigkeit wartest, rufest und alle aufnimmst, welche kommen, Dich heimzusuchen; ich glaube, dass Du wahrhaftig in dem heiligsten Altarssakramente gegenwärtig bist. Ich bete Dich an aus dem tiefsten Abgrunde meines Nichts und sage Dir Dank für so viele mir von dir erwiesenen Gnaden, besonders dass Du Dich selbst mir in diesem göttlichen Geheimnisse geschenket, mir Deine allerheiligste Mutter zu einer Fürsprecherin gegeben und mich gerufen hast, Dich in dieser Kirche zu besuchen.
Ich grüße jetzt Dein liebevolles Herz in dreifacher Absicht:
Erstens zur Danksagung für diese so große Gabe;
zweitens zur Vergeltung aller Unbilden, welche Dir von den Ungläubigen, den Ketzern und gottlosen Katholiken zugefügt worden sind;
drittens begehre ich Dich durch meine vorhabende Besuchung an allen denjenigen Orten auf Erden anzubeten, an welchen Du in diesem Sakramente ohne Ehrbezeugung und ganz verlassen zugegen bist.

Mein Jesus! Ich liebe Dich aus ganzem Herzen. Es reuet mich, dass ich bisher Deiner unendliche Güte so vieles Missfallen verursacht habe; mit Deiner Gnade nehme ich mir vor, Dich künftighin nicht mehr zu beleidigen; für das Gegenwärtige aber widme und übergebe ich armseliger Mensch mich Dir mit meinem ganzen Willen, mit allen Neigungen und Begierden, mit allem, was ich bin oder habe. Von nun an verfahre mit mir und dem Meinigen nach Deinem Wohlgefallen; nichts suche ich, nichts begehre ich, als Deine heilige Liebe, die endliche Beharrlichkeit und die vollkommene Erfüllung Deines göttlichen Willens.

Dir empfehle ich auch die armen Seelen im Fegfeuer, vorzüglich diejenigen, welche mit besonderer Andacht diesem hochheiligen Sakramente und Deiner unbefleckten Mutter ergeben waren. Auch bitte ich für alle armen Sünder, dass Du Dich ihrer erbarmen wollest. Endlich vereinige ich, mein liebster Heiland, alle meine Begierden und Seufzer mit den Anmutungen Deines liebevollen Herzens, und also vereiniget, opfere ich dieselben Deinem himmlischen Vater auf, und bitte Ihn durch Deinen heiligsten Namen, dass er sie aus Liebe gegen Dich annehmen und erhören wolle.

* Zweite und kürzere Tugendübung

Oh mein Herr Jesus Christus! Ich armer Sünder komme jetzt zu Dir, um Dich im allerheiligsten Sakramente anzubeten, zu preisen und Dir zu danken für alle Wohltaten, dass du mich erschaffen, erlöset und geheiliget hast, aber besonders dafür, dass Du dies heilige Sakrament eingesetzt hast, um darin zu unserer Hilfe und zu unserem Troste Tag und Nacht bei uns zu wohnen; um Dir zu danken für alle die Gnaden, die Du mir in der heiligen Kommunion geschenkt hast und hast schenken wollen; zur Genugtuung für alle Unbilden und Verunehrungen und Sünden, die von den Ungläubigen und Ketzern, von den lauen Christen und von mir oder durch meine Schuld von anderen gegen Dich in diesem Sakramente der Liebe sind begangen worden; um Dich im Geiste anzubeten und zu verehren an allen Orten der Erde, wo Du am wenigsten besucht und verehrt wirst; um Dich um die Gnade zu bitten, niemals unwürdig, sondern immer würdiger und andächtiger zu kommunizieren und Dich in der Stunde des Todes als Wegzehrung zu meinem Heile zu empfangen; endlich um Dich ewig im Himmel zu schauen, zu preisen und zu lieben. Oh Jesus, dazu gib mir Deine Gnade! Armen.



02.07.2019

Beginn des Textes am Festtag: Mariä Heimsuchung
(Dazu erhielt ich die Bemerkung, dass Jesus als "Eucharistie" zum 1. Mal durch die Straßen getragen worden ist im Schoß (Tabernakel/Monstranz) der Mutter auf dem Weg zu Ihrer Base Elisabeth)


Erinnerung über den Gebrauch dieses Büchleins


1. Einen Unterricht über den großen Nutzen der Besuchung des allerheiligsten Sakraments und der Übung der geistlichen Kommunion; über die Art und Weise, diese zu üben.

2. Wenn du nicht in die Kirche gehen kannst, um den lieben Heiland zu besuchen, so kannst du auch zu Hause die Besuchung verrichten. Du kannst dich etwas nach der Gegend hinwenden, wo das heilige Sakrament ist, und im Geiste vor dem Tabernakel niederknien. — Erlaubt es die Zeit dir nicht, in einmal alles zu beten, so tue es z.B. in dreimal: morgens die Tugendübung Seite 3 oder 4; mittags die Besuchung selbst; abends das Gebet zur Muttergottes Seite 7 oder 8, und das geistliche Almosen.

3. Wer die fromme und heilsame Gewohnheit hat, täglich dem heiligen Messopfer beizuwohnen, kann auf die bei den Messgebeten am Ende dieses Büchleins angegebene Art die Besuchung verrichten.

4. Hast du keine Zeit, die ganze Besuchung zu beten, so bete die Tugendübung Seite 3 oder die kürzere Seite 4 und dann das Gebet bei jeder Besuchung, indem du die Betrachtung überschlägst. Dann grüße mit einigen Worten Maria, und sprich das Schlussgebet Seite 7 oder das kürzere Seite 8. Oder du kannst es so machen: Mache erst die Meinung, dann betrachte etwas über den für jeden Tag hinzugefügten Seufzer, besonders über das durch den Druck ausgezeichnete Wort, z.B. bei der ersten Besuchung: „Oh Jesus, wahrer Gott.« Er ist dein Gott, dein Schöpfer, du, sein Geschöpf, bist ihm Anbetung, Dank und Dienst schuldig. Welche Ehrfurcht würde dich durchdringen, wenn du lebendigen Glauben hättest. Verrichte einige Herzensseufzer, dann sprich die Tugendübung Seite 3 und nach kurzer Begrüßung der allerheiligsten Jungfrau das Gebet Seite 7 oder Seite 8. Wenn du mehrmals im Tage das heilige Sakrament besuchst, z.B. morgens, mittags und abends, so kannst du jedes Mal die folgende Besuchung nehmen; am ersten Tag also die erste, zweite, dritte und sofort.

5. Die am Schluss einer jeden Besuchung beigesetzten Seufzer kannst du öfters am Tage verrichten, und betrachte, was — wie es das ausgezeichnet gedruckte Wort dir sagt — dein Jesus für dich ist. Die »Vater unser« als geistliches Almosen bete am Schlusse vor dem Sakramente oder, wenn du keine Zeit mehr hast, auf dem Wege oder zu Hause.

6. Gebrauche diese Besuchungen fleißig, aber übe dich auch, deinen Heiland frei aus deinem eigenen Herzen anzubeten. Die Worte, die aus dem Grunde des Herzens kommen, sind ihm lieber. Dies Büchlein soll und kann dir als Muster dienen.

7. Alles, was nicht vom heiligen Liguori ist, sondern vom Herausgeber, ist mit einem Sternchen (*) bezeichnet.

8. Endlich empfehlen wir uns deinem andächtigen Gebete.

Gelobt sei Jesus, Marie und der heilige Alfonsus!