Himmel, Hölle, Lauheit





Willkommen!

Kommunion:

Vorbereitung und Danksagung


vom Heiligen M.M. Loyola



Verfasser von „Erste Kommunion“, „Beichte und Kommunion“ und „Heim ins Vaterhaus“.
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Nach der Originalausgabe
des
Pater Thurston S. J.
übersetzt von M. Banska.
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Dritte Auflage
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1916
Regensburg und Rom
Druck und Verlag von Friedrich Pustet
New York und Cincinnati: Fr. Pustet und Co.

Imprimatur.
Ratisbonnae, die 18. Februarii 1916
Dr. Scheglmann
Vi. Gen.

Und der Geist und die Braut sagen:
Komme!
Und der es hört, soll sagen:
Komme!
Amen. Komm Herr Jesus!



Einführung

An gediegenen Kommunionbüchern ist kein Überfluss. Zumal solche, die auch außerhalb der Klöster auf Beifall rechnen dürfen, sind selten. Das vorliegende Büchlein mit dem trefflichen Titel „Willkommen“ fand im Ausland eine sehr freundliche Aufnahme. Seine Übersetzung ins Deutsche ist freudig zu begrüßen.
„Willkommen“ ist ganz eigenartig angelegt. Es geht keine gewöhnlichen Wege. Keine Überschwänglichkeiten, keine Phrase, alles ist gesunde Glaubensnahrung. Aus jeder Seite weht die erfrischende Luft des Wortes Gottes entgegen. Dass das Büchlein in überreicher Fülle gerade die Heilige Schrift ausschöpft, ist sein wertvollstes Vorzug. Die geschickte Anwendung derselben wirkt geradezu herzerquickend. Wie fein treffen die Anwendungen den rechten Ton, wie verständnisvoll schlagen sie oft die tiefsten Saiten des Seelenlebens an, wie überraschend lauschen sie der Seele ihre Regungen, ihre Anliegen ab, wie schlicht und schön kleiden sie dieselben in wenige Worte! Und wann die schönen Gebete ausgeklungen — und darin liegt wieder ein besonderer Vorzug — werden ihre Gedanken noch lange nachhallen und zu fruchtbarer Eigenarbeit die Seele wirksam anregen.
Möge das schöne Büchlein auch in der Übersetzung viele Freunde finden. Seine Benutzung wird die tief begründeten Absichten des Heiligen Vaters über den häufigen Empfang der heiligen Kommunion bei vielen mehr und mehr verwirklichen.

G. Rohr, Rektor in Godesberg



Einleitung

Viele Umstände pflegen die Art und Weise unserer Vorbereitung für den Besuch eines Gastes zu bestimmen — seine Stellung, seine Beziehungen zu uns, der Zweck seines Besuches, vielleicht auch unsere persönlichen Bedürfnisse. Für alle diese Fälle und für jeden einzelnen gibt es nur ein passendes Wort. Und dieses Wort heißt „Willkommen“. Ob der Gast dieses Wort von unseren Lippen hört, ob er es auf unserem Antlitz liest, gleichviel, er ist zufrieden. Ein „Willkommen“ in leuchtenden Buchstabe begrüßt den Herrscher. „Willkommen“ klingt schön von den Lippen des ärmsten Bauern, wir hören es gerne selbst von einem, den wir nicht näher kennen. „Willkommen“ passt für den vertrauten Freund wie für den Verwandten, es steht auch dem Kinde gut. Es ermüdet nicht, es wird nicht langweilig oder überflüssig. Denn je nach den Umständen ändert es seine Bedeutung, indem es bald den Gast, bald uns selbst erfreut. Ist jemand fröhlich oder traurig, ist ihm Unrecht geschehen, ist er müde, geängstigt, beunruhigt: „Willkommen“ passt für alle Fälle.
Unser Herr ist einer aus uns und in allem, die Sünde ausgenommen, ist er uns ähnlich geworden. Sein Herz erwidert, gleich unserem Herzen, den Gruß „Willkommen“. Schneller schlug Sein Herz, wenn Er, müde von der Arbeit des Tages, am Abend die Schwelle des Hauses zu Nazareth überschritt und ein „Willkommen“ im Antlitze Seiner Mutter las, wenn Er dieses „Willkommen“, hell und glänzend, dem ganzen Hause zu Bethanien aufgedrückt sah und Marthas ehrfurchtsvollen, doch herzlichen Gruß und das Lispeln ihrer Schwester vernahm, unhörbar für alle andern, nur nicht für Ihn. So süß ist dieses „Willkommen“ Seinem Ohr, dass Er sich herablässt, es zu erbitten: „Zachäus, steig eilends herab, denn heute muss Ich in deinem Hause Einkehr nehmen. Und Zachäus stieg herab und empfing ihn mit Freuden.“ „Und als die Jünger, die nach Emmaus gingen, sich dem Flecken, ihrem Ziele, näherten, da stellte Er sich, als wollte Er weitergehen. Aber sie drangen in Ihn und sprachen: Bleib bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging mit ihnen hinein.“
Hören wir, wie der Heiland anderseits das Willkommen vermisst und wie schmerzlich Ihn die bloß äußerliche Form des Anstandes berührt: „Du gabst Mir keinen Kuss.“
Wir wissen also, was wir Ihm bieten sollen; das Hauptziel bei unseren Kommunionen muss Seine Freude sein. Allerdings gehen wir zu Ihm, um gesättigt, bereichert, getröstet zu werden; doch ein stärkerer Grund, ein dringenderes Bedürfnis muss für uns die Erwiderung Seiner Liebe sein; mit Freuden müssen wir den Gast in unser Herz aufnehmen, dessen Wonne es ist, bei uns zu sein.
Unser Willkommen pflegt, wie wir gesehen, verschieden zu sein, je nach der vorherrschenden Stimmung. Bald ist es frohlockend, bald demütig, bald ernst und voll der tiefsten Gefühle und dann wieder der Ausdruck des Dankes, je nachdem Lob oder Reue, Vertrauen und Sehnsucht oder Liebe das Zepter führen. Aber immer sind es nur Variationen über einen Akkord und jede derselben wird ihr Echo finden in seinem eigenen „Willkommen“ an der Schwelle unserer ewigen Heimat. Wenn wir herauskommen aus der Finsternis der Welt, werden wir Ihn dort erblicken, wie Er auf uns wartet. Unzählige Male ist er uns als Gast Willkommen gewesen, während der Zeit unserer Pilgerfahrt; nun ist unsere Stunde gekommen, nun sind wir Seine Gäste. „Kommet, ihr Gesegneten Meines Vaters, besitzet das Reich, das euch vom Anbeginn der Welt bereitet ist. ... Gehe ein in die Freude deines Herrn. ....“


15. - 21.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
II.
„Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“
(Mk 9, 23)


Vor der Kommunion

Glaube, lebendiger Glaube würde alle unsere geistigen Übel heilen und all unserer Not abhelfen. Nichts als diesen lebendigen Glauben forderte der Herr von denen, die hilfeflehend zu Ihm kamen, als er auf Erden wandelte. Glaube fordert er auch von uns allen. „Er konnte dort nicht viel Wunder wirken wegen ihres Unglaubens“, so wird uns berichtet, als ob diese ungläubige Gesinnung Seine Hände gebunden und sogar Seine Allmacht beeinträchtigt hätte. Andererseits sagte Er zu dem Vater, der Ihn um die Heilung seines Sohnes anflehte: „Wenn du glauben kannst, alles ist dem möglich, der glaubt.“ Er spricht, als ob die Erhörung unserer Gebete viel mehr in unserer Hand als in der Seinigen läge. Dieser arme Vater hatte gesagt: „Wenn Du etwas vermagst, hilf uns, habe Mitleid mit uns!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wenn du glauben kannst, so ist alles möglich.“ Und sofort rief der Vater unter Tränen aus: „Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!“ Und von jener Stunde an war der Knabe geheilt. Aus den Worten unseres Herrn erkennen wir, dass Er weiß, wie schwer uns der Glaube fällt, ferner dass er uns zu einem lebendigen Glauben zu führen sucht, indem Er uns den Lohn dafür darbietet, und dass der Glaube alles, was er will, von Ihm erlangt. Er versteht die Schwierigkeit, die uns der Glaube macht. Umgeben von sichtbaren Dingen, fällt uns die Überzeugung schwer, dass das, was wir täglich sehen und mit Händen greifen und das uns so fest und dauernd scheint, doch nichts als ein Schatten ist, im Vergleich mit den unsichtbaren Dingen, in deren Mitte wir einst leben werden. Es fällt uns schwer, die Tatsache festzuhalten, dass wir bei Tag und Nacht, beim Wachen und Schlafen, unter dem Auge Desjenigen sind, Der uns näher ist, als wir selbst uns sein können; dass wir in Ihm leben, uns bewegen und sind, und in Ihm jede Fähigkeit der Seele und des Leibes gebrauchen; dass, unbeschadet unserer Willensfreiheit, Seine Vorsehung doch alle unsere Handlungen so leitet, dass sie zur Vollstreckung seiner Absichten dienen.
Wir sehen so schwer ein, dass diese Vorsehung, welche Schmerz, Kummer, sogar moralische Übel zulässt, doch alles zum Besten der Auserwählten wendet, und dass ohne ihr Wissen kein Haar von unserem Haupte fällt, dass wir, obgleich elend und klein in unseren Augen, doch in den Augen unseres himmlischen Vaters unaussprechlich teuer und kostbar sind, dass Er uns immer gut aufnimmt, wenn wir zu Ihm kommen, und am allerbesten dann, wenn wir kommen, um Vergebung unserer Sünden zu bitten. Schwer fällt uns die Überzeugung, dass dieselbe göttliche Person, die das Haus zu Nazareth heiligte, in jeder katholischen Kirche zugegen ist, nicht bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig; dass Derjenige, der mit Seinen zwölf Aposteln längst des Sees dahinwandelte, Der mit ihnen aß und trank, Der schlief, wenn Er ermüdet war, betete, wenn, Kummer Ihn drückte, Der über den Verlust eines Freundes weinte, Der freudigen Herzens erschien, wo immer ein Willkommen Ihn erwartete, und Der trauerte, wenn die Seinigen Ihn nicht aufnahmen, — dass Er noch immer auf Erden weilt, mitten unter uns, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, unveränderten Wesens, mit derselben Zärtlichkeit und Liebe, die Ihn während Seines irdischen Lebens Seinen Freunden so teuer machten!
Diese Wahrheiten sind schwer mit so lebendigem Glauben festzuhalten, dass sie uns in Fleisch und Blut übergehen. Daher sagt der Herr: Wenn du glauben kannst. Welch andere Antwort hätten wir, als die Worte des jüdischen Vaters: Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!
Bereitwillig hilft Er uns; doch wie überall, so auch hier: Er hilft jenen, die sich selbst helfen. Und wie helfen wir uns? Durch die ruhige Erwägung dessen, was wir durch den Glauben besitzen. Er verlangt von uns keine Anstrengung, um andächtige Gefühle zu erwecken, Er verlangt nur den überlegten Akt des Glaubens. Ganz nahe meinem Herzen ist nach der Kommunion jenes Herz, das mich bis in den Tod geliebt, das sich erschöpft hat in allen Arten von Opfern und Arbeiten, das, um meine Liebe zu gewinnen, sich der lieblichsten Gleichnisse bediente; das Herz, das meinen Undank schmerzlich fühlte und das mich jetzt auffordert, Sühne zu leisten für die Vergangenheit und Liebe mit Liebe zu vergelten. Wie könnte ich, von diesem Beweggründen ausgehend, meinen Glauben beteuern, ohne wenigstens den Wunsch zu fühlen, die verlangte Gegenliebe entgegenzubringen?
Oh Gott, mein Gott, ich glaube fest und unerschütterlich, dass ich im Begriffe stehe, jenes Herz in mein Herz aufzunehmen, das mich bis zum Tode am Kreuze geliebt. Ich glaube an Seine Liebe zu mir. Obgleich ich schwach, unwürdig und wiederholt in Sünden gefallen bin, zweifle ich nicht an deiner Liebe zu mir. Gerade für Seelen wie die meine ist das Wunder des heiligen Sakramentes gewirkt worden — ein Heilmittel gegen jede Krankheit der Seele. Ich glaube, Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben! Du kennst die Schwierigkeiten, die sich mir entgegenstellen, besser als ich selbst. Du weißt, wie die Sorgen des Lebens, die ich jeden Morgen auf mich nehme, mich niederdrücken, meine Gedanken in Anspruch nehmen und mir wenig Zeit lassen für die Erinnerung an dich und die Angelegenheiten meiner Seele. Eben aus diesem Grunde komme ich zu dir und werfe alle meine Sorgen auf dich; aus diesem Grunde übergebe ich meine Seele in deine Hut; aus diesem Grunde vertraue ich dir an meine Leiden und Versuchungen, die arbeitende Hand, den geschäftigen Geist, das Gesamtwerk meines Lebens; richte du es empor, heilige es, mache es verdienstvoll für den Himmel! Mit Deinen Werken vereinige ich die meinigen; ich will sie einzig nur für Dich vollbringen. Ich glaube, dass du wirklich zugegen bist, weil du es gesagt hast. Erinnere dich an Dein Wort: Alles ist dem möglich, der glaubt, und zum Lohn für meinen Glauben heile meine Seele!



Nach der Kommunion

In tiefster Anbetung beuge ich mich vor Dir, o mein Gott und Heiland! Du bist Derselbe, der auf das Wort: „Herr, ich glaube“ das kranke Kind des israelitischen Vaters geheilt hat; Du bist Derselbe. Herr, ich glaube und vor Dir niederfallend bete ich Dich an.
„Betet Ihn an, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 96, 7)
„Lobet den Herrn, alle Seine Auserwählten, und danket Ihm!“ (Tob 13,10)
„Lobsinget unserm Gott, Ihr alle Seine Diener, und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß! (Offb 19,5)
„Lobsinget Seinem Namen, lasset herrlich erschallen Sein Lob!“ (Ps 65,2)
„Denn Dieser ist Gott, unser Gott in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ (Offb 4,11)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen!“ (Offb 7,12)

Durch Deine Berührung wurde jener arme, kranke Knabe geheilt; tue mir desgleichen; ich glaube fest, dass Du es kannst. Ich hoffe auf Dich, indem ich mein Vertrauen auf Deine Liebe und Dein Mitleid setze. Krank und verwirrt, wie ich bin, übergebe ich mich Deinen Händen. „Wenn Du etwas vermagst,“ so sprach der Vater des armen Knaben. Ich weiß, Herr, dass Du alles vermagst und dass Du mit einem einzigen Wort mir helfen kannst. Überdies weiß ich, dass Dein Wunsch, mir zu helfen, noch größer ist als mein Verlangen nach Hilfe. Ich liebe Dich und danke Dir für Deine Güte und überlasse mich ganz Dir. Dank sei Dir gesagt für die unverdiente Gabe des Glaubens, der mich lehrt, dass Du wirklich und wahrhaftig in mir zugegen bist. Herr, vermehre meinen Glauben, denn in dem Maße, als er wächst, werden Hoffnung und Liebe mit ihm zunehmen! Hilf, dass ich nach diesem Glauben lebe, gib, dass er alle meine Werke durchdringe! Gib, dass ich deine Hand in allen Vorkommnissen dieses Lebens erkenne, dass ich die Leiden mir zunutze mache, dass ich die vergänglichen Dinge der Zeit im Lichte der Ewigkeit betrachte, dass ich lebe für das zukünftige Leben!
„Herr, vermehre meinen Glauben!“ Das war das Gebet Deiner Apostel, das Flehen all Deiner Heiligen. Ihr ganzer Gottesdienst, all ihre Verdienste, die ganze Macht ihrer Gebete, ihr guter Einfluss, ihre Liebe zu Dir, ihre Freude in Dir die ganze Ewigkeit hindurch entspross jenem Keime, — der einst klein war wie das Senfkorn — dem Glauben ihrer Taufe, dem Glauben der einen wahren Kirche.
Auch ich bin ein Kind der Kirche; auch ich habe den Glauben, den die Heiligen haben. O mein Gott, lasse ihn in meinem Herzen Frucht bringen, wie in dem ihrigen! Vermehre meinen Glauben! Gib mir jenen Glauben, der Berge versetzt, der jedes Hindernis, das mich von Dir trennen könnte, aus dem Weg räumt und dem du einst das Lob erteilen wirst: Groß ist dein Glaube!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8, 32)
Was kann ich dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt.“




08. - 14.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
I.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29)


Vor der Kommunion

Gar viele unter uns können den sehnsüchtigen Wunsch, zur Zeit unseres Herrn gelebt zu haben, nicht unterdrücken. Man darf uns versichern, dass wir gegen die Zeitgenossen Jesu Vorteile genießen, wir verharren doch bei dem Gedanken, dass, wenn es uns vergönnt gewesen wäre, zu Seinen Füßen zu knien, Seinen Blicken zu begegnen, Seine Stimme zu hören, wir unwiderstehlich zu Ihm würden hingezogen worden sein, und dass wir Ihn geliebt hätten mit einer Hingebung, die uns, Gott sei es geklagt, ganz und gar fehlt.
Zwei Gedanken mögen diesen harmlosen, ja sogar nützlichen Wunsch zu unserem Vorteil wenden.
Versetzen wir uns im Geiste an irgendeinen Ort, wo der christliche Glaube noch nicht eingeführt ist, wohin aber immerhin einige Kenntnis von Christus gedrungen; stellen wir uns vor, welches unser Los wäre, wenn wir an diesem Ort geboren worden wären. Wir haben einige Bruchstücke von den Erzählungen des Evangeliums gehört, wir haben vernommen, dass Christus, nachdem er das Werk der Menschenerlösung vollbracht hat, in christlichen Ländern noch immer auf Erden wohnt, um der Trost und die Hilfe Seiner Nachfolger bis zum Ende der Zeiten zu sein, dass dort das Opfer auf Kalvaria alle Tage erneuert wird zur Tilgung der täglichen Sünden. Wir haben gehört, dass Er dort, obgleich Sein Antlitz nicht gesehen noch Seine Stimme gehört wird, Sein Heilswerk unter den Menschen durch Seine wirkliche Gegenwart fortsetzt; dass Er dort Tag und Nacht verweilt, um jeden, der sich naht, willkommen zu heißen, ihn anzuhören, zu trösten, ihm zu helfen, mit dem gleichen Erbarmen wie damals, als Er auf Erden wandelte. Wie groß wäre die Sehnsucht unseres Herzens, in solch einem gesegneten Land geboren und unter Seine Jünger gezählt worden zu sein, so wahrhaftig wie zur Lebenszeit unseres Herrn!
Ferner: Versetzen wir uns im Geiste an jenen Ort, wohin wir — wie wir zuversichtlich hoffen — mit Gottes Gnade eines Tages gelangen werden, an den Ort schmerzlicher Leiden, sehnsüchtigen Wartens, — den Reinigungsort. Während wir dort in unserer Hilflosigkeit schmachten, welche Gedanken werden uns beschleichen über den Tabernakel, über den Kommuniontisch, über jenen „Tag des Herrn“, wo wir ungehindert in Seine Gegenwart kommen und wieder gehen konnten, um unser Herz vor Ihm auszugießen und Hilfe für jede Not zu erflehen. Nie hat während der dreiunddreißig Jahre des Erdenwallens Jesu ein Herz sich so innig nach Seiner sichtbaren Gegenwart gesehnt, wie wir uns sehnen werden nach den Gnaden der heiligen Messe und der heiligen Kommunion jener Zeit, die dann für immer entschwunden sein wird.
Wollen wir diese Gnaden nicht benutzen, solange wir sie haben? „Siehe, jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heiles.“ (2 Kor 6,2) „O, dass du die Gabe Gottes kennetest,“ spricht unser Herr, „du würdest dich nicht nach den alten Zeiten, nach Judäa oder Galiläa zurücksehnen. Hier auf dem Altar ist Bethlehem, hier ist Kalvaria. Hier an der Kommunionbank können wir, sooft wir wollen, Jesus von Nazareth begrüßen, Ihn an unser Herz drücken und uns an Ihn schmiegen.
O dass ich meine eigenen Vorrechte mir so zu Gemüte führte, wie ich die meiner Mitmenschen schätze! Warum sollte ich das jüdische Volk oder den kleinen Haushalt zu Bethanien oder die Zwölfe beneiden? Ich habe Deine Worte, lieber Heiland; diese Worte belehren und erwärmen mein Herz; ja ich bin sogar glücklicher als das Volk deines Landes; mit Muße kann ich über Deine Worte nachdenken; in den heiligen Büchern sind sie für mich niedergeschrieben. Sogar den Ton Deiner Stimme kann ich dann und wann vernehmen: „Tabitha kumi”, “Eloi, Eloi lamma sabacthani“. Inmitten des Gewühles und der Hitze des Tages, inmitten der Stille der Nacht darf ich zu Dir kommen, um Dir die Nöte und Ängste meiner Seele und ihre brennenden Fragen vorzutragen. Gleich den heiligen Frauen kann ich Dir von Ort zu Ort folgen, in der Tat Dir meine Liebe beweisen, indem ich nach besten Kräften Dir und den Deinigen diene. Wie die Schwestern im Bethanien kann ich Dich unter meinem Dach aufnehmen und Deinen Worten der Liebe, der sanften Warnung oder des Vorwurfes lauschen. Ich kann Dir die Anliegen meiner Lieben und all jener, die mir und Dir teuer sind, anempfehlen; ich kann mit liebender Vertraulichkeit Dich drängen, wenn Du die Erhörung meines Gebetes verzögerst. Weinen kann ich mit Dir bei den Gräbern, die mir meine Liebsten und Besten geraubt, und mit Martha auf die Verheißung lauschen, dass sie eines Tages mir zurückgegeben werden. In der Stunde der Trostlosigkeit kann ich im Ölgarten an Deiner Seite niederknien und meine Bitte mit Deinem lauten Rufe und Deinen Tränen vereinen. Wenn Leiden mich umwogen, so kann ich zur Geißelsäule eilen oder zum Pfahl der Schmach und Deine Sanftmut in mein Herz einziehen lassen. In jeder Not nahmen Deine Anhänger Zuflucht zu Dir, während Du auf Erden wandeltest; ich kann das gleiche tun. Nur eines wird gefordert — der Glaube. O Herr, vermehre meinen Glauben!



Nach der Kommunion

Tantum ergo sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Adoro te devote, latens Deitas,
Quae sub his figuris vere latitas.

Plagas, sicut Thomas, non intueor,
Deum tamen meum te confiteor:
Fac me tibi semper magis credere,
In te spem habere, te diligere.

Tiefgebeugt lasst uns verehren
Dieses große Sakrament!
Dieser Bund wird ewig währen
Und der alte hat ein End.
Fester Glaube soll uns lehren,
Was das Auge nicht erkennt.

In Demut bet’ ich Dich, verborg’ne Gottheit an,
Die ich in Brotsgestalt verhüllt nur schauen kann.

Die Wunden seh’ ich nicht, wie Thomas einst sie sah,
Doch rufe ich gläubig aus: Mein Gott und Herr ist nah!
Gib, dass mein Glaub’ an Dich, die Hoffnung auf Dein Wort,
Und meiner Liebe Glut sich mehre fort und fort.


Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben. Und dennoch hast Du gesagt, o Herr: „Selig die Augen, welche die Dinge sehen, so ihr sehet.“ Wahrhaft selig waren die Augen, welche sahen, was Könige und Propheten zu sehen sich sehnten, das Antlitz, in das die Engel zu schauen gelüstet. Wie groß muss die Glückseligkeit sein, die ein solches Glück sogar noch übersteigt! Wie groß der Lohn, wenn nach überstandener Prüfung die Schleier fallen und der Glaube unverhüllt Dein Antlitz schaut!
Aber auch hienieden schon ist der Glaube glückselig; seine Geduld, sein Hoffen, sein Anklammern an Gott, trotz Schwierigkeiten und Finsternissen und trotz des menschlichen Stolzes, dem diese Dinge beschwerlich fallen — all das ist Gottesdienst, ein Gottesdienst von Gott selbst gewählt. Von Anbeginn, o Herr, hast Du den Glauben gewählt als einzigen Weg, um Zutritt zu Dir zu erlangen. Diesen Pfad entlang sind all Deine Heiligen gewandelt. Zum Lohn für ihren Glauben sahen die Blinden, hörten die Tauben, wurden die Aussätzigen rein; so war es, als Du auf Erden wandeltest. Zu allen Zeiten erlangten die Sünder Verzeihung durch den Glauben und die Gerechten Beharrlichkeit bis zum Ende. Wenn ich glaube, dann darf ich, und zwar in dem Maße als ich glaube, Großes von Dir hoffen.
Herr, vermehre meinen Glauben! Gib mir den Glauben jener Generationen von Heiligen, die hienieden nie dein Antlitz schauten: den Glauben einer Agnes, eines Augustinus, einer Theresia, eines Thomas von Aquin und eines Ignatius! Sie sind meine Brüder und Schwestern im Reiche Gottes, nicht getrennt durch eine unüberbrückbare Kluft, sondern enge mit mir verbunden als Wanderer auf dem nämlichen Wege, stets bereit, mich aufzuheben, wenn ich strauchle oder falle, mich zu stützen, wenn ich ermatte, und in den Stunden der Finsternis mit mir von jenem Lichte zu sprechen, das jenseits der fernen Hügel leuchtet. Auch sie wandelten einstmals so wie ich im Glauben. Auch sie hatten ihre Stunden der Prüfung und der Leiden, auch sie wurden auf ihrer irdischen Pilgerfahrt durch Deine sakramentale Gegenwart, die ich zur Stunde besitze, erquickt.
Herr, vermehre meinen Glauben! Mit Thomas falle ich Dir zu Füßen, mein Herr und mein Gott! Mit Petrus und mit Martha bekenne ich Dich als Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Nichts möge je meinen Glauben verdunkeln. O Herr, erleuchte ihn vielmehr, bis er mich zum vollkommenen Lichte führt! Möge jede Kniebeugung vor Deinem Tabernakel, jede Besuchung vor demselben, jede Kommunion Dich durch meinen Glauben verherrlichen. Mit Freuden, o mein Gott, gebe ich Dir meinen Verstand und die Liebe meines Herzens hin! Mit Freuden diene ich Dir ohne Vorbehalt während der kurzen Spanne meines irdischen Lebens. Nur bis zu den Toren der Ewigkeit hinan verlangst Du Glauben von mir. Bin ich einmal angelangt innerhalb jener Tore — welche Veränderung! Welche Enthüllung! Meine Augen werden den König in Seiner Herrlichkeit schauen. Ich werde Deinen Ruhm schauen und befriedigt sein. Wenn ich dann vor Deinem enthüllten Antlitz niederfalle, wie innig werde ich Dir für die Gabe des Glaubens auf Erden danken!


Jesu, quem velatum nunc aspicio,
Oro fiat illud quod tam sitio:
Ut te revelata cernens facie,
Visu sim beatus tuae gloriae.

Oh Jesus, Du bist hier dem Auge noch verhüllt,
Wann endlich wird des Herzens Durst nach Dir gestillt;
Dass ich Dich schaue unverhüllt von Angesicht,
Und ewig selig bin in Deiner Glorie Licht!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, der Du den Tod keines Menschen willst, der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



01. - 07.01.2020

Das „Willkommen“ Mariens

„Ich will mich erfreuen in Gott, meinem Heilande.“ (Hab 3,18)


Vor der Kommunion

Welch ein Beispiel haben wir in Mariens Willkommen! Wie schön vereint Sie Liebe mit Anbetung! In der Christnacht drückt Sie Ihr göttliches Kind an ihre Brust! O innige Umarmung der Mutter, verbunden mit der Ehrerbietung und der Hingabe des Geschöpfes. Wie vernichtet Sie Sich in Seiner Gegenwart; wie vereinigt Sie all Ihre Kräfte in Ihm; wie frohlocket Sie von ganzem Herzen; wie freudig bietet Sie Ihm Ihre Dienste an; wie glüht Sie vor Dankbarkeit, da Sie Ihn Willkommen heißt in der Menschwerdung, bei der Geburt, bei jeder Kommunion, die Sie zu Ephesus und Jerusalem aus den Händen des heiligen Johannes empfängt!
Mannigfaltig ist die Art der Aufnahme, je nachdem sie einem König, einem Vater, einem Eroberer, einem Wohltäter, einem Freunde, einem Bräutigam, einem Kinde gilt. Alles das war Christus für Maria, ja noch tausendmal mehr. Sie sollte Ihm das einem Gotte gebührende Willkommen entgegenbringen. War Sie hierzu fähig? Ihr Herz und Ihr Geist bewegten sich allerdings in Regionen, wohin der kühnste Flug der Seraphim und Cherubim niemals gelangt. Aber wenn Sie nach der Kommunion, die Hände über die Brust gekreuzt, in Anbetung niedersank, da fühlte Sie, wie kein anderes Geschöpf es je gefühlt, da bekannte Sie in tiefster Demut, von der wir keine Ahnung haben, die äußerste Unzulänglichkeit Ihrer Anbetung und Liebe.
Maria wusste, dass, Der da mächtig ist, Großes an Ihr getan hatte. Sie wusste, dass die Rückgabe all dessen, was Er Ihr gegeben, bei weitem nicht das erreichte, was Ihm gebührt, und dass eine unermessliche Schuld blieb. Rings um Sie erstreckte sich ein weiter Ozean von Vollkommenheit, den kein menschliches Lob ausfüllen konnte. Unaufhörlich versuchte Sie, Seinen Ansprüchen auf Ihre Huldigung gerecht zu werden, und unaufhörlich fiel Sie in Ihr Nichts als Geschöpft zurück. Doch nicht um darin zu verweilen. In dem Schatz, der Ihr in der Menschwerdung und in der Eucharistie anvertraut war, hatte Sie genug, ja mehr als genug, um das zu ersetzen, was Ihr mangelte. Sie hatte den wesensgleichen Sohn dem Vater als Anbetung, Preis und Dank anzubieten.
Derselbe Schatz ist auch uns anvertraut. Wie Maria, so bringen auch wir nach bestem Vermögen unsere Danksagung dar. Doch „eingedenk, dass wir unnütze Knechte sind, arm und verächtlich, elend und blind“, nehmen wir gleich Ihr unsere Zuflucht zu dem unendlichen Gott in unserer Seele und opfern Ihn Ihm selbst als ein „Willkommen“, das Seiner würdig ist.
Heilige Maria, zu dir komme ich in meiner großen Not. Ich bin im Begriffe, den Allerheiligsten in mein Herz aufzunehmen. Doch, o liebe Mutter, ich schrecke davor zurück. Ich weiß es, Sein Auge kann keine Unvollkommenheit ertragen. In Seinen Engeln fand er Sünde. Ich weiß auch, dass Er die Tiefe meiner sündhaften Seele durchschaut und erforscht. Und dennoch heißt er mich zu Ihm kommen und mich mit ihm auf die innigste Weise vereinigen, die hienieden denkbar ist. Wie, ich Sünder soll vor dem Allerhöchsten stehen, ich soll es wagen, mich demjenigen zu nahen, vor welchem die fleckenlosen Engel ihr Antlitz verhüllen und unaufhörlich „Heilig, heilig, heilig“ singen?
Gepriesen sei Seine Liebe und Sein Erbarmen. Er selbst hat mir den Weg bereitet. Er hat die Bedingungen so leicht gemacht, dass ich keine Entschuldigung habe, wenn ich mich fernhalte und die Einladung, an Seinem Abendmahle teilzunehmen, ablehne. Das hochzeitliche Kleid der Gnade ist — streng genommen — alles, was Er verlangt. Weniger konnte Er nicht fordern. Das übrige überlässt Er meiner Liebe. Deine unbefleckte Reinheit, o Mutter, Deine glorreiche Heiligkeit war nicht zu viel als Vorbereitung für Ihn — und Er ist zufrieden mit dem armseligen Empfang, den ich Ihm bereite.
Er selbst übergibt mir das hochzeitliche Kleid, und um den Schmuck der Gnade, der mir leider mangelt, zu ersetzen, heißt Er mich meine Zuflucht zu jenen nehmen, die mir von ihrem Überfluss mitteilen können: die Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, Engel, Erzengel, Cherubim, Seraphim, — das ganze himmlische Heer — stehen mir kraft der Gemeinschaft der Heiligen zu Diensten; doch hilfsbereiter, gütiger, zugänglicher als alle ist Sie, die Heilige der Heiligen. Obgleich Mutter Gottes und Königin des Himmels ist Sie eingedenk, dass Sie meine Mutter ist, und hält es nicht unter ihrer Würde, von Ihrem Throne herabzusteigen, um mir in meiner Not zu Hilfe zu kommen. Wie eine Mutter ihr Kind mit ihren eigenen Juwelen schmückt, auf dass es schicklich am königlichen Hof erscheinen könne, so gewährt Sie mir alles, was ich wünsche, alles, um was ich bitte, damit ich Wohlgefallen vor den Augen des Königs der Könige finden möchte.
O liebe Mutter, Du siehst, was mir mangelt, o gib es mir! Ich bin so arm und unwissend, dass ich nicht einmal weiß, was mir abgeht. Teile mir von Deinen Schätzen mit. Du wirst nicht gleich den klugen Jungfrauen handeln und mich abweisen, auf dass ich das, was mir mangelt, anderswo erbitte. Du hast genug für Dich und mich. Du bist die Ausspenderin aller guten Gaben Gottes, die Mittlerin, durch welche alle Tugenden von Ihm, dem Haupte, uns, seinen Gliedern, zukommen. Gib mir Anteil an den Gnaden, die Deine Seele bereicherten und so wunderbar in den Augen Gottes machten. Gib mir Anteil an jenem Glauben, den keine Prüfung zum Wanken brachte; an jener Hoffnung, die bei jeder Heimsuchung sich nur um so inniger an Ihn anschloss; an jener Liebe, die vollkommen selbstlos und zu jedem Opfer bereit war. Gib mir vor allem die Demut, welche Dich mehr als alle anderen Tugenden Gnade vor dem Allerhöchsten finden ließ, eine Demut, die ich haben muss und um die ich mehr als um alles andere bitten sollte.
O Mutter, erfülle mein Verlangen! Mein Herz ist kalt und unbewegt trotz der Schönheit und der Reize Deines göttlichen Sohnes, trotz Seines Wunsches, bei mir zu sein. Zeige mir hier und jetzt die gesegnete Frucht Deines Leibes, Jesus, dass ich bewogen werde, Ihn zu lieben und Ihn bei Seiner Ankunft willkommen zu heißen.
Komm, Herr Jesus, komm! Komm und sieh, wie mich die Hand Deiner Mutter zu meiner Vereinigung mit Dir geschmückt hat. Blicke nicht auf meine Armut; blicke auf die Reichtümer, die Sie aus Ihrem Herzen genommen und womit sie das meinige geziert hat.



Nach der Kommunion.

„Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande.“
„Denn Großes hat an Mir getan, der da mächtig, und dessen Name heilig ist.“ (Lk 1,46 f.)
„Lobet den Herrn, all Seine Engel, die ihr gewaltig seid an Kraft!“ (Ps 102, 20)
„Preiset mit Mir die Größe des Herrn; gemeinsam lasset uns Seinen Namen erheben!“ (Ps 33, 4)
„Denn Er ist Gott, unser Gott auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Preiset unsern Gott, ihr alle seine Diener, und ihr alle, die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb. 19, 5)
„Singet Lob unserm Gott, singet, singet Lob, unserm König, singet!“ (Ps 46,7)
„Denn dies ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Gepriesen sei Gott, der Herr, an diesem Tage.“ (III. Reg. 5,7)
„Amen. Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12)

O mein Gott, könnte ich Dir doch das beste aller Willkommen anbieten! Ich vereinige mein armseliges Willkommen mit dem Willkommen Mariens bei der Menschwerdung; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich in der Christnacht zum ersten Male an Ihre Brust gedrückt; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich nach dreitägigem Suchen wiedergefunden; mit Ihrem Willkommen an jedem Abend bei Deiner Heimkehr von der täglichen Arbeit. Mit Ihrem Willkommen, als Sie, die Arme ausbreitend, Dich vom Kreuze herab in Ihren Schoß aufgenommen; mit Ihrem Willkommen, als Sie am Ostermorgen, beim Aufgang der Sonne, Dich erblickt hat. Ich vereinige mein schwaches Willkommen mit dem Ihrigen, als Sie Dich in Brotsgestalt empfangen, in jenen Jahren nach Deiner Himmelfahrt, da Ihr Leben durch Deine sakramentale Gegenwart erhalten wurde. Ich vereinige mein Willkommen mit dem Ihrigen, das als Antwort dem Deinigen entgegentönte, als Du Sie, am Tage Ihrer Himmelfahrt, in Deine Arme schlossest.
O könnte ich doch, und wäre es auch in unermesslicher Ferne, Ihrem Beispiel in Anbetung, Lob, Sühne und Liebe folgen! O hätte ich jene Gleichförmigkeit des Willens, des Geistes und Herzens, welche Sie ganz mit Dir verband und welche Deinem gottmenschlichen Herzen so viel Trost und Freude bereitete!
Auch ich möchte dich schützen, o Herr, vor der Kälte der Winternacht, dadurch, dass ich Dich in mein Herz aufnehme, aber auch durch teilnehmende Sorge für Deine leidenden Glieder, indem ich sie speise, kleide und beherberge, denn von ihnen gilt das Wort: „Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan.“ (Mt 25,40)
Auch ich will Dich suchen, wenn Du dich vor mir verbirgst, sei es in gerechter Strafe für meine begangenen Sünden oder für meine gegenwärtige Nachlässigkeit in Deinem Dienste. Ich will Dich suchen, so oft ich Dich durch meine Unachtsamkeit verloren habe. Ich will mich prüfen über den Empfang der heiligen Sakramente, über die Anhörung der Heiligen Messe, über die Pflichten meines Standes, über die Verantwortlichkeit denen gegenüber, die Du mir anvertraut hast und für welche Du Rechenschaft von mir verlangen wirst, über die Folgen meines Beispiels bei meinen Hausgenossen. Und habe ich gefunden, dass ich durch eigene Schuld Deine fühlbare Gegenwart eingebüßt habe, so will ich mich tief vor Dir verdemütigen. Kann ich aber keinen besonderen Grund für die Entziehung Deiner Gegenwart finden, so will ich mich meiner verborgenen Fehler wegen demütigen: „Denn ich bin mir zwar nicht bewusst, aber darum noch nicht gerechtfertigt: der mich richtet, ist der Herr.“ (1 Kor 4,4) In Deiner gebenedeiten Mutter war nichts, was Strafe oder Reinigung forderte. Nur zur Vermehrung Ihres Verdienstes diente der Schmerz des dreitägigen Verlustes. Was mich betrifft, so hat die Entziehung Deiner fühlbaren Gegenwart eine dreifache Ursache und Frucht. Gib, o Herr, dass ich sie Deinen Absichten entsprechend benutze. Ich nehme sie als Strafe für meine Sünden, als Läuterung meiner unvollkommenen Liebe und zur Vermehrung meines Verdienstes. Mühevoll suche ich Dich hienieden. Gib, dass ich dadurch verdiene, Dir dort oben näher zu kommen. Gleich Deiner gebenedeiten Mutter will ich Dich suchen, bis ich Dich finde. O Du, Den meine Seele liebt, lass Dich finden, wann der Tag anbricht und die Schatten verschwinden, und in alle Ewigkeit will ich Dich nicht lassen!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“