Himmel, Hölle, Lauheit





Willkommen!

Kommunion:

Vorbereitung und Danksagung


vom Heiligen M.M. Loyola



Verfasser von „Erste Kommunion“, „Beichte und Kommunion“ und „Heim ins Vaterhaus“.
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Nach der Originalausgabe
des
Pater Thurston S. J.
übersetzt von M. Banska.
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Dritte Auflage
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1916
Regensburg und Rom
Druck und Verlag von Friedrich Pustet
New York und Cincinnati: Fr. Pustet und Co.

Imprimatur.
Ratisbonnae, die 18. Februarii 1916
Dr. Scheglmann
Vi. Gen.

Und der Geist und die Braut sagen:
Komme!
Und der es hört, soll sagen:
Komme!
Amen. Komm Herr Jesus!



Einführung

An gediegenen Kommunionbüchern ist kein Überfluss. Zumal solche, die auch außerhalb der Klöster auf Beifall rechnen dürfen, sind selten. Das vorliegende Büchlein mit dem trefflichen Titel „Willkommen“ fand im Ausland eine sehr freundliche Aufnahme. Seine Übersetzung ins Deutsche ist freudig zu begrüßen.
„Willkommen“ ist ganz eigenartig angelegt. Es geht keine gewöhnlichen Wege. Keine Überschwänglichkeiten, keine Phrase, alles ist gesunde Glaubensnahrung. Aus jeder Seite weht die erfrischende Luft des Wortes Gottes entgegen. Dass das Büchlein in überreicher Fülle gerade die Heilige Schrift ausschöpft, ist sein wertvollstes Vorzug. Die geschickte Anwendung derselben wirkt geradezu herzerquickend. Wie fein treffen die Anwendungen den rechten Ton, wie verständnisvoll schlagen sie oft die tiefsten Saiten des Seelenlebens an, wie überraschend lauschen sie der Seele ihre Regungen, ihre Anliegen ab, wie schlicht und schön kleiden sie dieselben in wenige Worte! Und wann die schönen Gebete ausgeklungen — und darin liegt wieder ein besonderer Vorzug — werden ihre Gedanken noch lange nachhallen und zu fruchtbarer Eigenarbeit die Seele wirksam anregen.
Möge das schöne Büchlein auch in der Übersetzung viele Freunde finden. Seine Benutzung wird die tief begründeten Absichten des Heiligen Vaters über den häufigen Empfang der heiligen Kommunion bei vielen mehr und mehr verwirklichen.

G. Rohr, Rektor in Godesberg



Einleitung

Viele Umstände pflegen die Art und Weise unserer Vorbereitung für den Besuch eines Gastes zu bestimmen — seine Stellung, seine Beziehungen zu uns, der Zweck seines Besuches, vielleicht auch unsere persönlichen Bedürfnisse. Für alle diese Fälle und für jeden einzelnen gibt es nur ein passendes Wort. Und dieses Wort heißt „Willkommen“. Ob der Gast dieses Wort von unseren Lippen hört, ob er es auf unserem Antlitz liest, gleichviel, er ist zufrieden. Ein „Willkommen“ in leuchtenden Buchstabe begrüßt den Herrscher. „Willkommen“ klingt schön von den Lippen des ärmsten Bauern, wir hören es gerne selbst von einem, den wir nicht näher kennen. „Willkommen“ passt für den vertrauten Freund wie für den Verwandten, es steht auch dem Kinde gut. Es ermüdet nicht, es wird nicht langweilig oder überflüssig. Denn je nach den Umständen ändert es seine Bedeutung, indem es bald den Gast, bald uns selbst erfreut. Ist jemand fröhlich oder traurig, ist ihm Unrecht geschehen, ist er müde, geängstigt, beunruhigt: „Willkommen“ passt für alle Fälle.
Unser Herr ist einer aus uns und in allem, die Sünde ausgenommen, ist er uns ähnlich geworden. Sein Herz erwidert, gleich unserem Herzen, den Gruß „Willkommen“. Schneller schlug Sein Herz, wenn Er, müde von der Arbeit des Tages, am Abend die Schwelle des Hauses zu Nazareth überschritt und ein „Willkommen“ im Antlitze Seiner Mutter las, wenn Er dieses „Willkommen“, hell und glänzend, dem ganzen Hause zu Bethanien aufgedrückt sah und Marthas ehrfurchtsvollen, doch herzlichen Gruß und das Lispeln ihrer Schwester vernahm, unhörbar für alle andern, nur nicht für Ihn. So süß ist dieses „Willkommen“ Seinem Ohr, dass Er sich herablässt, es zu erbitten: „Zachäus, steig eilends herab, denn heute muss Ich in deinem Hause Einkehr nehmen. Und Zachäus stieg herab und empfing ihn mit Freuden.“ „Und als die Jünger, die nach Emmaus gingen, sich dem Flecken, ihrem Ziele, näherten, da stellte Er sich, als wollte Er weitergehen. Aber sie drangen in Ihn und sprachen: Bleib bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging mit ihnen hinein.“
Hören wir, wie der Heiland anderseits das Willkommen vermisst und wie schmerzlich Ihn die bloß äußerliche Form des Anstandes berührt: „Du gabst Mir keinen Kuss.“
Wir wissen also, was wir Ihm bieten sollen; das Hauptziel bei unseren Kommunionen muss Seine Freude sein. Allerdings gehen wir zu Ihm, um gesättigt, bereichert, getröstet zu werden; doch ein stärkerer Grund, ein dringenderes Bedürfnis muss für uns die Erwiderung Seiner Liebe sein; mit Freuden müssen wir den Gast in unser Herz aufnehmen, dessen Wonne es ist, bei uns zu sein.
Unser Willkommen pflegt, wie wir gesehen, verschieden zu sein, je nach der vorherrschenden Stimmung. Bald ist es frohlockend, bald demütig, bald ernst und voll der tiefsten Gefühle und dann wieder der Ausdruck des Dankes, je nachdem Lob oder Reue, Vertrauen und Sehnsucht oder Liebe das Zepter führen. Aber immer sind es nur Variationen über einen Akkord und jede derselben wird ihr Echo finden in seinem eigenen „Willkommen“ an der Schwelle unserer ewigen Heimat. Wenn wir herauskommen aus der Finsternis der Welt, werden wir Ihn dort erblicken, wie Er auf uns wartet. Unzählige Male ist er uns als Gast Willkommen gewesen, während der Zeit unserer Pilgerfahrt; nun ist unsere Stunde gekommen, nun sind wir Seine Gäste. „Kommet, ihr Gesegneten Meines Vaters, besitzet das Reich, das euch vom Anbeginn der Welt bereitet ist. ... Gehe ein in die Freude deines Herrn. ....“



Das Willkommen eines Sünders
I.
„Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ (Mt 9, 15)



Vor der Kommunion

Warum ist euer Meister mit den Zöllnern und Sündern, so sprachen die Schriftgelehrten und Pharisäer zu den Zwölfen, als bei dem Gastmahl des Matthäus viele Zöllner und Sünder kamen und sich mit Jesus und Seinen Jüngern zu Tische setzten. Da aber Jesus es hörte, sprach Er: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. (Mt 9,12) „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ Merke, wie schnell unser Herr eine Antwort gibt! Er selbst antwortet, nicht nur, um Seine Jünger einer Schwierigkeit zu entheben, sondern weil er mit eigenen Lippen eine Frage beantworten wollte, die jeden von uns persönlich betrifft, eine Frage, die Ihm Gelegenheit bot, Seine Liebe zu den Ausgestoßenen, den Verachteten zu zeigen und sie an Sich zu ziehen, durch Worte, zärtlicher als der zärtlichste Seiner Diener sie hätte finden können.
Er wies diese Anschuldigung, ein Freund der Zöllner und Sünder zu sein, nicht zurück. Im Gegenteil, sie ist Ihm ganz willkommen. Die Tadler, die Ihm Seine Handlungsweise zum Vorwurf machten und weit und breit davon sprachen, erwiesen Ihm einen Gefallen. Es war keine Verleumdung, sondern eine segensvolle Wahrheit; nichts lag Ihm mehr am Herzen, als dass dieselbe von jedem Menschen, der sich auf Irrwegen befand, anerkannt werden möchte.
Weisest Du nicht, o Herr, den Grund, den wir für das Fernbleiben von der Kommunion vorbringen, nämlich unsere Unwürdigkeit, mit Vorliebe zurück? Du hast dich nicht geändert seit den Tagen Deines Erdenlebens. Noch immer ist es Deine Wonne, bei den Sündern und Schwachen Dich aufzuhalten. Sollten sie nicht jetzt, wie damals, in Scharen zu dir eilen und mit Freuden Dich aufnehmen?
Oh Gott, gar oft möchte ich an meinem Herzen verzweifeln. Oh dass Du doch nicht so viel für mich getan hättest; oder dass doch die Menschwerdung und die Eucharistie Wunder wären, die Du für die Menschheit im Allgemeinen und nicht mit besonderer Berücksichtigung meiner Nöte und aus besonderer Liebe zu mir gewirkt hättest! Oder, dass Du weniger geduldig und nachsichtig wärest! Wie aber ist es möglich, dass ich Dich beleidige und es überdies so wenig fühle, da ich doch aus Erfahrung weiß, wie Du bist! Nicht als ob ich Dich nicht liebte, oh mein Gott; Du weißt, dass ich Dich liebe. Doch welche Beweise gebe ich Dir? Kann Liebe neben Untreu bestehen? Mein Herz sollte brechen, wenn ich an meine Sünden denke. Es sollte überfluten von Lob und Dank beim Anblick dessen, was Du für mich getan und noch täglich tust. Es sollte trostlos sein beim Anblicke der Beleidigungen, die Dir zugefügt werden. Es sollte vor Sehnsucht pochen beim Gedanken an die Stunde, in der ich vor Dir erscheinen und Dich von Angesicht zu Angesicht sehen werde.
Mein Gott, besäße ich jene Macht über mein Herz, die Du besitzest, so würde die Sache, denke ich, anders stehen. Doch es muss in der Tat etwas Gutes sein um diesen demütigenden Zustand, da Du ihn ändern könntest, und es dennoch nicht tust. Vielleicht diene ich Dir aufrichtiger, wenn ich stumm und gefühllos zu Deinen Füßen knie, als wenn ich die gewünschte, fühlbare Andacht besäße. Nun denn, wenn dieser armselige Dienst Dir genügt und er sicherer für mich ist, so will ich zufrieden sein und in demselben verbleiben, solange es Dir gefällt, nur auf das Eine bedacht —, dass dieses Gefühl des Ferneseins von Dir nicht einem bewussten Fehler meinerseits zugeschrieben werden könne.




Nach der Kommunion

„Ich bin der Herr, dein Gott, der heilige Israels (Is 43, 3)
Oh großer, o heiliger Gott, ich werfe mich nieder in den Staub vor Dir. Mit den Seraphinen, die ihr Angesicht vor Dir verhüllen, bete ich Dich an. Heilig, heilig, heilig, Gott der Heerscharen! Oh Herr, mein Gott, mein Heiliger (Hab 1,12), wie kannst Du zu mir kommen? Wie
kannst Du eine solche Vereinigung zulassen? Eine Vereinigung mit einer Seele, wie die meinige ist? Mit dem Hauptmann bekenne ich: „Oh Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehest unter mein Dach.“ Mit Petrus sollte ich ausrufen: „Gehe hinweg von mir, mein Herr, denn ich bin ein Sünder!“ Doch Du findest mehr Gefallen an mir, wenn ich mit den Jüngern von Emmaus Dich innig bitte: „Bleib’ bei mir, o Herr, bleibe bei mir!“ Auf deine Einladung hin: „Kommet zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid,“ habe ich mich Dir genahet. Ich darf kommen, denn ich habe eine Bürde Dir zu Füßen zu legen. Ich darf kommen, denn Deine Einladung ergeht an alle. Ich bin betrübt über alles, was Dir an meiner Seele missfällt; ich bin betrübt nicht so fast über einen Schmerz oder ein Leid, das die Sünde mir zugefügt, als vielmehr über die Beleidigung, die sich gegen Deine Heiligkeit richtet. Wasche mich von meinen Ungerechtigkeiten und reinige mich von meiner Sünde! „Denn Du, oh Herr, bist gütig und milde und von großer Erbarmung für alle, die Dich anrufen.“ (Ps 85,5) Du bist heute als meine Nahrung zu mir gekommen, damit ich koste und sehe, wie süß der Herr ist.
O gütigster Herr, erinnere Dich, dass Du gekommen bist, Sünder, wie ich einer bin, zu rufen
und an Dich zu ziehen. Haben Deine Augen Sünden in meiner Seele entdeckt, so vergiss nicht, dass sie auch Reue gesehen haben. Sei eingedenk, dass Du ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz noch niemals zurückgewiesen hast!
„Ich irre wie ein verlorenes Schaf; suche Deinen Diener!" (Ps 118,176)
„Siehe, Ich selbst will nach Meinen Schafen sehen und sie heimsuchen.“ (Ezech 34,11)
„Wie ein Hirt seine Herde aussucht, also will auch Ich Meine Schafe aussuchen und sie erretten aus allen Orten, in welchen sie zerstreut worden am Tage des Gewölkes und der Finsternis. Ich will sie auf die beste Weide führen, daselbst sollen sie ruhen auf grünem Grase. Ich selbst will Meine Herde weiden, Ich selbst will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Was verloren, will Ich suchen, was vertrieben, zurückführen, was gebrochen, verbinden, was schwach, befestigen, was fett und stark, behüten. (Ezech 34,12 ff.)
Oh Hirte meiner Seele, der Du mich so lange, so unermüdlich gesucht hast, welchen Dank soll ich Dir erstatten?
Am Tage des Gewölkes und der Finsternis war ich irregegangen, Du hast mich zurückgebracht. Auf die süßeste Weide hast Du mich geführt. Du willst, dass ich Dir alle meine Angelegenheiten anvertraue, die geistigen sowohl als die zeitlichen, dass ich alle meine Sorge auf Dich werfe und mich ruhig Deiner Vorsehung überlasse. Und dennoch bin ich von Furcht erfüllt. Was irregegangen, hast Du zu Dir zurückgeführt. Oh guter Hirte, ich bin verwundet, ich bin schwach. Wie soll die Zukunft besser sein als die Vergangenheit? „Dein bin ich, hilf mir!“ (Ps 118, 94) Die Vorsätze, die ich so oft gebrochen, erneuere ich vertrauensvoll. Lehre mich durch Erfahrung, dass ich alles vermag, in dem, der mich stärkt. Lass mich in Dankbarkeit und Freude ausrufen: „Gut ist der Herr denen, die auf ihn hoffen.“ (Thren 3,25)
„Gut ist der Herr, Er stärket am Tage der Trübsal.“ (Nah 1,7)
„Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn und Seine Versöhnlichkeit gegen die, so sich zu Ihm bekehren! (Sir 17,28)



Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu deinen Füßen niederlegen.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



11.02.2020 - 17.02.2020

Das Willkommen eines Kindes
II.
„Wer den Willen Meines Vaters tut, Der im Himmel ist, der ist Mein Bruder, Schwester und Mutter.“ (Mt 12,50)


Vor der Kommunion

Die lieblichste unter allen Eigenschaften Gottes ist Seine Vaterschaft. Er kann es nun einmal nicht ändern, Er ist unser Vater. Ist Er nicht dein Vater, der dich erworben, der dich gemacht und erschaffen? (Deut 32,6) Zu Ihm, als unserem Vater, nehmen wir unsere Zuflucht. Er ist nicht bloß die Quelle des Lebens und der Kraft, ein fernstehender Herrscher, der Richter der Lebendigen und der Toten, unser Schöpfer, nein, Er ist unser wirklicher, liebender, treu besorgter Vater, Der uns an Kindes Statt angenommen und zu dem gemacht hat, was Sein eingeborener Sohn von Natur aus war: „Söhne Gottes und mit Ihm, dem Eingeborenen unter vielen Brüdern.“
Doch dieser liebliche Name Vater erschöpft nicht unsere Ansprüche auf Seine Liebe. Er befiehlt uns, an Ihn zu denken, wie an einen Geliebten, einen Bruder, eine Schwester, eine Mutter — Verhältnisse, die an und für sich unvereinbar sind. „Du hast Mein Herz verwundet, Meine Schwester, Meine Braut! (Cant 4,9 ) „Wer immer den Willen Meines Vaters tut, Der im Himmel ist, der ist Mir Mutter, Bruder, Schwester.“
Jedes dieser Verhältnisse schließt eine eigenartige, besondere Liebe in sich, die wir in Ihm vereinigt finden. Die Liebe eines Bruders, so opferwillig, so zärtlich, beschützend; die Liebe einer Mutter, so wachsam, selbstlos, nachsichtig, so voll von unbegrenztem Mitleid mit jeder Schwäche, jedem Unglück; die Liebe einer Schwester, einer Braut, mit ihren besonderen Merkmalen, mit ihrer Zärtlichkeit — alle Schönheit der menschlichen Liebe finden wir, in unbegreiflich hohem Grade, in Ihm vereinigt. Was aber ist in mir, das imstande wäre, eine solche Liebe auf mich zu lenken? Oder vielmehr, wie ist es möglich, dass eine Liebe, und wäre sie ebenso feurig wie die Deine, nicht erkaltet, wenn sie in Berührung mit meinem eisigen Herzen kommt? Die heilige Theresia rief eines Tages im Übermaße ihrer Liebe aus, dass, wenn sie sich auch freuen würde, jemanden im Himmel auf einer höheren Stufe der Herrlichkeit zu erblicken, als sich selbst, sie doch nicht wisse, ob sie sich darüber freuen könnte, wenn sie eine Seele sehen müsste, die Gott noch mehr liebte als sie. Für mich würde sich ein ganz entgegengesetzter Wunsch geziemen. Im Bewusstsein meiner armseligen Liebe, meines armseligen Dienstes sollte ich wünschen, dass jedes andere Geschöpfe dich mehr lieben möchte als ich. Und doch, o Herr, kann ich einen solchen Wunsch nicht hegen. Ich könnte es nicht ertragen, diejenigen, die weit weniger von Deiner Hand empfangen haben als ich, Dich mehr lieben würden als ich. Wenigstens möchte ich nicht zuletzt in der Reihe jener stehen, die Dich lieben. Daher will ich Dich, der Du alles vermagst, inständig bitten, mein empfindungsloses, kaltes Herz von deinem Herzen zu entflammen und es dem Herzen der heiligen Theresia ähnlich zu machen. Jetzt, da Du im Begriffe bist, zu mir zu kommen, nimm mein Herz, entflamme es durch die Berührung mit Deinem eigenen, oh mein Gott, Der Du ein verzehrendes Feuer bist!



Nach der Kommunion

„Heilig, heilig, heilig, ist der Herr, Gott der Heerscharen!“ (Is 6,3)
„Alles Land bete Dich an und singe Dir, lobsinge Deinem Namen! (Ps 65,4)
„Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn! und erhebet Ihn über alles in Ewigkeit!“ (Dan 3,58)
„Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115, 12)
„Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen Dich rühmen! (Ps 144, 10)

Mein Gott, Du bist bei mir und mein Herz ist kalt, hart und trocken. Insofern als diese Kälte von
meinem Mangel an Glauben und von der Geringschätzung der mir erwiesenen Ehre und Liebe herrührt, schmerzt sie mich bitter. Aber insofern sie eine gerechte Strafe für meine Sünden ist, eine Buße, die ich für dieselben tun, ein Leiden, das ich für Dich tragen kann, unterwerfe ich mich von ganzem Herzen. Ich habe keinen Anspruch auf das Brot der Kinder, das kleinste Krümchen, ein Stückchen harter Rinde ist mehr, als ich verdiene.
Unendliche Liebe, die Du zu mir kommst, die Du trotz meiner Unwürdigkeit gerne kommst; weder Kälte, noch Härte, noch das Gefühl der Strafwürdigkeit, noch Schmerz soll mich daran hindern, mich Dir zu nahen und Dir mein armes Herz, das zu suchen Du aus weiter Ferne gekommen bist, gerade so anzubieten wie es ist.
Ich vertraue auf Dich, o mein Gott, Du wirst mir den Sieg verleihen über meine Schwachheit. Nach einem langen und ermüdenden Kampf wirst Du mir endlich den Frieden gewähren; trotz meiner Fehltritte und meiner Sündhaftigkeit wirst Du Deine Pläne an mir verwirklichen. Gibt es etwas, mein Vater und bester Freund, das mich mit Furcht erfüllen und vom Vertrauen auf Dich abhalten könnte?
Meine Vergangenheit? Herzlich bereue ich alles, was Dir aus jener Zeit missfallen oder Dich geschmerzt hat. Ich weiß, ich habe gesündigt gegen Dich. Aber Dein innig geliebter Sohn opfert Sich täglich in der heiligen Messe für mich, ein Opfer, das die Sünden von tausend Welten zu vernichten vermag, und in der heiligen Kommunion hilft Er mir immer und immer wieder, Akte der Reue zu erwecken.
Meine Gegenwart? Ich weiß, dass meine täglichen Sünden und meine Untreue gar wohl bewirken können, dass Du Dein Angesicht von mir wegwendest. Aber im heiligen Opfer und in meinen Kommunionen biete ich Dir vollkommene Genugtuung für alle meine Versäumnisse.
Meine Zukunft? Oh nein, mein Vater, wem könnte ich sie anvertrauen, wenn nicht Dir? Begründet ist allerdings meine Angst vor Deinen Urteilen und ich fürchte sie, damit ich gerettet werde. Aber größer als meine Furcht ist mein Vertrauen; denn meine Furcht hat ihren Grund in mir selbst, mein Vertrauen aber stützt sich auf Dich.
Blicke also, o Herr, auf das Antlitz Deines Gesalbten, Der Sich als Lösegeld für mich hingegeben und Der mir eine Wohnung in dem Hause meines Vaters bereitet hat! Schaue auf Deinen vielgeliebten Sohn, an Dem Du Dein Wohlgefallen hast, und um Seinetwillen wirf auch einen Blick der Liebe und Erbarmung auf mich! Vergib mir, was ich in der Vergangenheit und in der Gegenwart gesündigt, und gewähre mir für die Zukunft so reiche Gnaden, dass ich noch vor meinem Tode vollständige Genugtuung und Ersatz leisten könne!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



04.02.2020 - 10.02.2020

Das Willkommen eines Kindes
I.
„Ist Er nicht dein Vater, Der dich erworben, Der dich gemacht und erschaffen?“ (Deut 32, 6)


Vor der Kommunion

Dort im Tabernakel, den ich mit meinem Arm umschließen kann, ist alles enthalten; der Gott, von Dem, in Dem, durch Den alle Dinge gemacht sind. „Der Gott meines Lebens.“ (Sir 23,4) „Der Gott, Der meinen Odem in Seiner Hand hat.“ (Dan 5,23)
Und dieser Gott ist mein Vater. Zu dem Bande, das mich an Ihn bindet, als Sein Geschöpf und Seinen Diener, hat Er das der Kindschaft hinzugefügt. Diener Gottes ist ein so großer, edler Titel, dass Er Selbst ihn seinen besonderen Günstlingen beilegt: „Mein Diener Abraham (Gen 26,24); Mein Diener Jakob (Is 14); Mein Diener Moses (Num 12,7); Mein Diener Job.“ (Job 42,7) Immer und immer wieder gibt er wohlwollende Versprechungen „um meines Dieners David willen“. (3 Reg 11,13)
Im neuen Gesetze, dem Gesetze der Liebe, rühmen sich die Auserwählten Gefährten und Freunde unseres Herrn des Namens Diener. „Simon Petrus, Diener und Apostel Jesu Christi“; „Paulus, ein Diener Jesu Christi“.
Aber dieses Band war nicht fest genug für die Liebe Dessen, der uns Seinen eingeborenen Sohn als Bruder gab. „Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“ (1 Joh 3,1), ruft Johannes, der Lieblingsjünger, aus, der einzige unter den Aposteln, der sich in seinen Episteln nicht den Namen Diener beilegt. „Geliebteste, jetzt sind wir Kinder Gottes,“ ruft er voll Entzücken aus! „Daher sind wir nicht Diener, sondern Söhne.“
„Vater“ ist der Name, den unser Herr selbst uns auf die Lippen legt, und dieser Name verleiht alles das, was er bedeutet: „Wenn aber Sohn, dann auch Erbe.“ (Gal 4,7) Er gibt uns das Recht, zu unserem himmlischen Vater zu treten als „die lieben Kinder“ (Eph 5,1) und in all unseren Nöten „Abba, Vater“ zu rufen. Der Vater ist der Ernährer der Familie. Wir rufen zu unserem himmlischen Vater um unser tägliches Brot, um die Nahrung der Seele nicht weniger als um die Nahrung des Leibes. Der Ruf unseres Herzens betrifft uns selbst: „Meine Seele dürstet nach Gott.“ (Ps 41, 3) „Gleich wie ein Hirsch verlangt nach Wasserquellen, also verlangt meine Seele nach dir, oh Gott!“ (Ps 41, 2) „Und Er erfüllte Ihnen Ihre Wünsche; es wurde ihnen das nicht entzogen, um was sie baten.... Er gab ihnen Himmelsbrot; Engelsbrot aß der Mensch.“ ( Ps 77,24 f.) „Du nährtest dein Volk mit Engelsspeise und gabst ihnen Brot vom Himmel, bereitet ohne Arbeit, das alle Annehmlichkeit und jeglichen Geschmackes Süßigkeit in sich hatte. Denn diese Deine Speise machte offenbar, wie gütig Du gegen deine Kinder bist.... Deine Kinder, oh Herr, die Du lieb hast!“ (Weish 16,20 ff.)
Ein Kind, das sich auf die erste Kommunion vorbereitete, sagte: „Ich finde es ganz wunderbar, dass Gott unsere Nahrung werden soll; denn, ich glaube“, fügte es zögernd hinzu, „das kann ihm doch nicht gefallen.“ Dann und wann kommt auch uns, gleich jenem Kinde, blitzartig aufleuchtend die Einsicht, in welche unbegreifliche Tiefe Gott in diesem Geheimnisse hinabsteigt; doch wie ein Blitz verschwindet sie auch wieder, und wir blicken auf zu Ihm in der Hostie und Er kommt zu uns an die Kommunionbank und der Schleier ist so dicht wie immer; wir können nichts tun, als „Credo“ rufen und jenen Tag erwarten, an welchem dieses Credo sich auflöst in das „Schauen von Angesicht zu Angesicht“.
„Das ist Gott, unser Gott.“ (Ps 47,15)
Doch die Liebe wird durch die Ehrfurcht nicht beeinträchtigt und unsere Ehrfurchtsbezeigungen halten die unendliche Majestät Gottes nicht ferne. Als Geschöpf liegen wir zu den Füßen unseres Schöpfers; als Kinder umringen wir die Knie des Vaters, verkehren vertraulich mit Ihm, tragen Ihm alle unsere Nöte vor, freuen uns in Seiner Gegenwart und schätzen uns glücklich, weil Sein Auge auf uns ruht und weil dieses Auge bis in das Innerste unserer Herzen blickt. Seine eigene unendliche Vollkommenheit ist Ihm hinlänglicher Ruhm. Er sieht ab von den Formalitäten irdischer Höfe und ist zufrieden mit der einfachen Huldigung des geringsten seiner Untertanen, des jüngsten seiner Kinder.
Mein Gott, ich bin nicht erstaunt über so manche Wunder, die mich mein Glaube, in Bezug auf Dich, lehrt: Dein absolutes Sein, Deine Ewigkeit, Deine Allmacht, Deine Unendlichkeit in jeder Vollkommenheit. Aber dass Du, der Inbegriff aller Seligkeit, in Liebe zu Deinem kleinen Geschöpfe entbrennst, das ist unbegreiflich, fast unglaublich. Welche Freude, dass mein Glaube unter anderen Geheimnissen mich lehrt, dass, wenn ich zitternd vor Dir erscheine, um mich mit Dir zu vereinigen, Du liebend zu mir sprichst: „Mit Sehnsucht habe ich verlangt.“
Komm also, Vater, lass Dich herab zu dem Willkommen, das ich zu geben imstande bin! Neige dich huldvoll und empfange meine Anbetung, meine Danksagung, meine Ehrfurchtsbezeigung und meine Liebe!



Nach der Kommunion
Gesegnet sei Gott, der Herr, heute!“ (3 Reg 5,7)
„Lobe, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102, 2)
„Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Lobet den Herrn, denn gut ist der Herr; lobsinget Seinem Namen, denn Er ist lieblich!“ (Ps 134, 3)
„Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106,9)
„Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ (Offb 4,11)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen!“ (Offb 7,12)
O könnte ich ganz und gar mir die furchtbare Wahrheit vergegenwärtigen, dass ich in meinem Herzen, als mein Eigentum, meinen Schöpfer und Vater besitze, Ihn, von Dem ich ausging, Ihn, zu Dem ich zurückkehre, der mein ewiges Geschick in Seinen Händen hält. Ihn, mit Dem ich viel enger verbunden bin als mit irgendeinem anderen Geschöpfe! Ein treuer Diener, ein Vertrauter, ein Freund, ein geliebtes Kind - all das bin ich meinem Gott, Der mich erschuf. Habe ich nicht Ursache zur Freude im Dienste Gottes, zur freiwilligen Hingabe alles dessen, was ich bin und habe, zur Anbietung von Diensten, die keine anderen Grenzen haben als meine Niedrigkeit und Schwachheit.

Mein Gott, Der Du willst, dass ich Dich Vater nenne, gib, dass ich Dich als Vater ehre, und Dir als meinem Vater diene! Lege in mein Herz all die Eigenschaften, die Du mit Recht von Deinen Kinder erwarten kannst! Gib mir jenen erhabenen Gedanken der Gotteskinder, die Deinen Ruhm und Deinen Dienst zum Ziel ihrer Wünsche machen, die sich als treue Diener, aber auch zugleich als „überaus liebe Kinder“ erweisen! Ernstlich wünsche ich das größte und erste all Deiner Gebote zu erfüllen, Dich aus meinem ganzen Herzen und aus meiner ganzen Seele zu lieben, aus meinem ganzen Gemüte und aus allen meinen Kräften. Lass mich Dich lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele dadurch, dass ich Dir alle meine Gefühle weihe! Sei Du immerdar der Erste in meinem Herzen! Wenn ich Dich auch nicht mit jener Innigkeit lieben kann, mit welcher ich Dich in der Ewigkeit lieben werde, o gib, dass ich Dich wenigstens ehre durch jene Liebe, die Dich und deine Angelegenheiten allen Geschöpfen und allen Dingen vorzieht! Lass mich Dich lieben aus meinem ganzen Gemüte, indem ich alle meine Gedanken und Werke nicht auf ein selbstsüchtiges Ziel richte, sondern auf die Heiligung Deines Namens und die Erfüllung Deines Willens in allen meinen Standespflichten! Lass mich Dich lieben aus allen meinen Kräften durch ausdauernde Anstrengung, meinen Willen in Einklang mit dem Deinigen zu bringen, trotz aller Gebrechlichkeit und aller Fehltritte! Lass mich Dich lieben, nicht nur in Worten, sondern in der Tat und in Wahrheit! Lass mich Geschmack finden an harter Arbeit in Deinem Dienste und gib, dass ich für Dich, für Deine Kirche und zum Heile der Seelen bereitwillig Mühen und Opfer auf mich nehme!
O Vater, wenn ich heimkehre von meiner langen Lebensreise, nimm mich in Deine Arme; lege mein Haupt an Deine Brust als Ersatz für meine lange Trennung von Dir, für meine mühevolle Suche nach Dir, für die Furcht, D ich nie zu erreichen, die mich lebenslänglich verfolgte, für die durch meine Sündhaftigkeit zu oft hervorgerufene Trennung von Dir, für die Armseligkeit meines Dienstes, die ich teilweise selbst verschuldete und die teilweise, o Schöpfer, das Ergebnis der hinfälligen Natur ist, die Deine Hände geschaffen! Wenn ich mich dann an Deine Brust schmiege und Deine Arme mich umschlingen, so nimm meine ersten glücklichen Tränen hin als Anbetung, Danksagung, Sühne und kindliche Liebe, die ich Dir so lange vorenthalten habe und die Du in Deinem väterlichen Mitleid, wie ich hoffe, als Ersatz für die Vergangenheit annehmen wirst!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“


29.01. - 05.02.2020

Das Willkommen eines Geschöpfes
II.

Aus der Tiefe


Vor der Kommunion

O mein Gott, ich wollte, ich könnte nach der Kommunion vor dir hinsinken, tief und immer tiefer, bis zu jenem Gerade der Selbsterniedrigung, der dem ursprünglichen Nichts des Geschöpfes entspricht. Aus dieser Tiefe Dich anzubeten, das wäre mein Wunsch. O möchte Deine göttliche Majestät meine Anerkennung des unendlichen Abstandes zwischen mir und Dir als würdige Anbetung und Verherrlichung annehmen! Ich vereinige mich mit all jenen, die, von Dir erleuchtet, diesen Abgrund der Selbsterniedrigung erreicht haben. Mit den himmlischen Hierarchien, die in Deiner Gegenwart sich umso tiefer beugen, je edler sie sind, je näher sie deinem Throne stehen, je mehr sie Dich lieben und je mehr sie von Dir geliebt werden; ich vereinige mich mit den erhabenen Geistern, die vor Deinem Antlitz sich verhüllen, mit den vierundzwanzig Ältesten, die ihre Kronen zu Deinen Füßen niederlegen, mit jener, die sich eine Magd des Herrn nannte, die Dich anbetet aus der Tiefe einer Erniedrigung, die wir nie ergründen, nie begreifen können; mit Deinem wesensgleichen Sohn, wahrer Gott vom wahren Gott, Der, als Mensch, sich tief vor Dir erniedrigt. Von jenem Abgrunde aus, der mir als Geschöpf gebührt, in Vereinigung mit allen Geschöpfen, bete ich Dich an, oh mein Gott. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr!
Gibt es einen tieferen Abgrund als diesen? Kann etwas über dem Nichts sein oder unter demselben? Ja, denn dieser Abgrund ist zwar tief, aber er ist nicht dunkel. Er bedeutet unermessliche Entfernung des Geschöpfes von seinem Schöpfer: diese Entfernung jedoch trennt nicht. Im Gegenteil, sie bahnt eine Annäherung, eine Verbindung an durch die gegenseitigen Beziehungen zwischen Überfluss und Dürftigkeit. Die Sünde aber ist schwarz und abstoßend, ihr Ende ist vollständige und ewige Trennung des Schöpfers von dem Werke seiner Hände.
Was ist Sünde? Sie ist die ins Werk gesetzte Leugnung der Ansprüche Gottes auf unsern Gehorsam. In überlegter Weise kehren wir gegen Ihn die Gaben, die wir aus Seiner Hand empfangen haben; zu gleicher Zeit klammern wir uns an diese Hand und erwarten von ihr Leben und alle Genüsse, die das Leben bringt. So habe auch ich gehandelt, als ich sündigte. Das ist der tiefere Abgrund. Weit über ihn erhebt sich die Oberfläche der Schöpfung, beleuchtet von dem Sonnenschein der Göttlichen Liebe. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr!
Außer diesen beiden Abgründen gibt es noch einen, nämlich den Abgrund des Mangels, entstanden aus den beiden andern. Der Mangel des Geschöpfes ist vollständig. Nichts besitzt es aus sich selbst. Bis in sein innerstes Wesen ist es auf ewig von des Schöpfers Willen abhängig. Das natürliche Leben seines unsterblichen Geistes ist zwar von ewiger Dauer und nur durch denselben Akt der Allmacht, der es ins Dasein rief, kann es zurückgenommen werden. Aber alles, was das wirkliche Leben ausmacht, ein Leben, das diesen Namen verdient, das Glück, das aus der vollen Tätigkeit und Befriedigung seiner Kräfte entspringt — all dies ist des Geschöpfes Not; das ist das unermessliche Bett des Ozeans, das einzig und allein Der ausfüllen kann, Der es geschaffen. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir. Ein Abgrund ruft dem andern zu.
Wie aber kann ich bemessen die Not, in welche die Sünde mich gestürzt? Aus mir selbst besitze ich nichts, womit ich die Unerträglichkeit meiner unsterblichen Seele stillen könnte.
Gott ist das Ziel, für das ich geschaffen wurde, das ich erreichen muss, wenn ich nicht immer und ewig in fruchtlosen Wünschen mich verzehren will. Und von Ihm habe ich mich losgerissen! Mit welchen Worten kann ich beschreiben, wie notwendig mir die Gnade ist, die mich wieder mit ihm vereinigt? Abyssus abyssum invocat! Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr!



Nach der Kommunion

„Herr, Herr allmächtiger König! Du hast Himmel und Erde gemacht und was in des Himmels Umkreis enthalten; Du bist der Herr über alles und es ist keiner, der Deiner Majestät widersteht.“ (Esth 13,9) Woher kommt es, dass mein Herr zu mir kommt?
Niedersinke ich in Deiner Gegenwart, tief, immer tiefer; wie der Funke des fernsten Sternes vom Himmelsraum niederfällt, so sinke ich in Deiner Gegenwart weiter, immer weiter hinab, bis ich die dem Geschöpfe gebührende Stelle erreiche, den Punkt, auf welchem es durch des Schöpfers Wort aus Seinem Nichts entsprang. O, wenn es mit dieser Tiefe abgetan wäre! Aber tiefer und dunkler als der leere Raum des Nichts ist der Abgrund der Sünde. Und in diese Untiefe hat Deine Hand hinabgegriffen, um mich zu retten. In dieses Elend hat Ihn Sein Herz hinabgezogen, um mich zu lieben. Ja, zu dieser Verkommenheit hat Er sich herabgebeugt, um mich zu Ihm emporzuziehen.
„Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener, und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Denn Großes hat an mir getan, Der da mächtig und Dessen Namen heilig ist.“ (Lk 1,49)
„Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115/12)
Lobe, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102,2)
„Lobet den Herrn vom Himmel her! Lobet Ihn in den Höhen! Lobet Ihn, alle Seine Engel, lobet Ihn, alle Seine Heere!“ (Ps 148,1 ff)
„Singet dem Herrn, lobsinget Ihm, erzählt alle Seine Wunder!“ (Ps 104,2)
„Lobet den Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit währet Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 105,1)
Aus der Tiefe. Schrecklich, o mein Gott, ist die Stimme der Sünde, die im grellen Missklang der Herausforderung zum Throne Deiner Majestät emporsteigt, zu jeder Stunde, im Geräusche des Tages und in der Stille der Nacht. Ich aber freue mich in dem Gedanken, dass sie nicht, ja bei weitem nicht jene ruhige Höhe erreichen kann, wo Du thronest in unzugänglichem Lichte, dessen Reinheit sie ebenso wenig trüben kann, wie das Feuer und der Donner unserer Kanonen die weit entlegenen Sterne stören. Ich rühme mich meiner Armseligkeit, durch welche die Möglichkeit, Dich zu beleidigen, eingeschränkt ist. Dank meiner endlichen Natur bin ich zu einem unendlichen Akte unfähig. Doch dadurch, dass Du selbst Dich mir hingabst, habe ich Gewalt über Unendliches. Daher kann ich meine Sünde größer machen, als meine Übeltat gewesen. Gesündigt habe ich vor Deinen Augen, doch nicht mit einer Bosheit, die unendlich ist. Mit Christus im Herzen kann ich Dir unendlichen Ruhm, unendliche Ehre erweisen. Dank sei Dir gesagt für Deine unaussprechliche Gabe. Zur Sühne für meine Undankbarkeit bringe ich Dir dar den Dank deines vielgeliebten Sohnes. Zum Ersatze für die Unwürdigkeit, mit der ich Dich behandelt habe, für alle meine Unehrerbietigkeit in Deiner heiligen Gegenwart, opfere ich Dir Ihn auf, Ihn, Der um Seiner Ehrerbietigkeit willen erhört wurde. Zum Ersatz des Dienstes, den ich Dir schulde, und den ich Dir so lange verweigert habe, opfere ich Dir den unendlichen Wert der Werke Dessen, Der stets alles tat, was Dir gefiel. Zur Genugtuung meiner Kälte, Unachtsamkeit und Herzlosigkeit gegen Dich, meinen Schöpfer und Vater, bringe ich Dir die unendliche Liebe Deines zärtlich geliebten Sohnes dar, all Seinen Eifer in Deinem Dienste, alle Arbeiten und Leiden Seines Erdenlebens, Seine Gleichförmigkeit mit Deinem Willen, der die Richtschnur all Seiner Gedanken, Worte und Werke war. Blicke auf das Angesicht Deines Sohnes und um Seinetwillen blicke auch auf mich mit Liebe und Erbarmen!



Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?



Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
Oh Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



22. - 28.01.2020

Das Willkommen eines Geschöpfes
I.
„So wisse also heute und nimm es zu Herzen, dass er, der Herr, Gott ist und kein anderer.“ (Deut 4,39)


Vor der Kommunion

Hierin liegt meine beste, meine fruchtbarste Vorbereitung für die Kommunion, eine Vorbereitung, die von Gott selbst empfohlen ist — nämlich in meinem Herzen die fruchtbare Wahrheit zu überlegen, dass Derjenige, Der zu mir kommt — Gott ist.
Du bist klein, mein Herz, sehr klein; es ist kein Raum in dir in diesem Augenblick für irgendeinen anderen Gedanken, wenn dieser so hohe, so tiefe, so weite Gedanke in dich eingehen und von dir Besitz ergreifen soll. Hinweg also mit allen irdischen Bildern; verschließe fest den Eingang in sein Heiligtum, dass kein Lärm von außen hierher gelange und dich störe. Lenke all deine Kräfte auf diesen Gedanken: Derjenige, welcher zu dir kommt, ist Gott, Der keinen Anfang hat, für Den die Zeit ein Punkt ist, der unzugängliches Licht bewohnt, Der gewissermaßen nicht Vollkommenheiten besitzt, sondern Selbst die eine vollendete Vollkommenheit ist.
„Schöpfer des Himmels und der Erde und aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.“ „Herr aller Geschöpfe.“ (Jud 9,17) Ursprung der Urbilder aller Geschaffenen, aber auch aller bloß möglichen Dinge. „Siehe, des Herrn, deines Gottes, ist der Himmel, und der Himmel der Himmel, die Erde, und alles, was darin ist.“ (Deut 10,14) Von Ihm ist jede Form und Farbe, jede Harmonie, jeder Wohlgeruch, alle Güte, Wahrheit und Schönheit, alle Majestät und Heiligkeit, alle Liebe und Treue, alle Zärtlichkeit und Süßigkeit, aller Friede und alle Ruhe, was immer ein Geschöpf an Schönheit, Fruchtbarkeit und Güte besitzt. „Der da ist über alles, Gott, hochgelobt in Ewigkeit.“ (Röm 9,5)
Derjenige, Der zu mir kommt, ist Jesus Christus, der Eingeborene des Vaters, Sohn Gottes, gezeugt vom Vater vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater; durch Welchen alles erschaffen ist; Welcher wegen uns Menschen und wegen unseres Heiles vom Himmel herabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und Mensch geworden ist; Der für uns auch gekreuzigt wurde, Der unter Pontius Pilatus gelitten hat und begraben wurde; Der am dritten Tage wieder auferstanden nach der Schrift und aufgefahren ist in den Himmel, wo Er sitzet zur Rechten des Vaters und wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; und Seines Reiches wird kein Ende sein.
Derjenige kommt zu mir, Der meine Natur annahm, um mich zu retten, zu gewinnen und in Sein Reich zu führen; Der in dieser Natur litt und Der in dieser Natur, zur Rechten des Vaters sitzend, mich erwartet. Für mich, als wäre ich allein, ist Er Mensch geworden, für mich, als ob sonst niemand wäre, gab Er Sein Leben am Kreuze hin. Für mich ist Er wieder auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Für mich bittet Er dort oben und bereitet mir einen Platz. „Siehe, dein Heiland kommt!“ (Is 62,11) „Amen, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20)
Derjenige, Der da kommt, ist Herr und Lebensspender, Der ausgeht vom Vater und dem Sohne; Der mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird. „Mein Geist wird in eurer Mitte sein; fürchtet euch nicht!“ (Apg 2,6) „Der Geist des Herrn wird über dich kommen und du wirst in einen neuen Menschen verwandelt werden.“ (1 Sam 10,6) „O, wie hast Du Deine Barmherzigkeit verherrlicht, o Gott!“ (Ps 35,8) „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115,12) „Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen dich rühmen!“ (Ps 144,10)



Nach der Kommunion

„Ehre sei Gott in der Höhe!“
Ehre sei Gott für eine Herablassung, größer als die Erniedrigung zu Bethlehem und auf Kalvaria, denn in den engen Windeln und am Kreuze war Selbstbestimmung und Freiheit. Doch in der Hostie hat Er Sich Selbst verleugnet. Vor der Krippe lag anbetend seine Mutter; unter dem Kreuze standen vor Liebe und Anhänglichkeit einige treue Seelen. Aber hier! Herr, woher geschieht mir dies, dass Du zu mir kommst? Ehre Dir in der Höhe, in dem Schoße des Vaters von Ewigkeit! Ehre Dir in der tiefsten Erniedrigung, wozu Deine Liebe Dich drängt in Deiner heutigen Herabkunft zu mir!
„Und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“
Friede dieser meiner Seele, zu welcher der Friedensfürst gekommen ist, Friede; denn trotz all meiner Armut, Schwäche, Unbeständigkeit hoffe ich, guten Willen zu haben. Darauf kannst Du bauen, o Herr, und wenn ich Dir guten Willen entgegenbringe, wirst Du zufrieden sein. Aber soll der gute Wille wahrhaft sein, da muss er der Leitung Deiner Gnade folgen, muss bereit sein zu Anstrengung und Selbstverleugnung. Und ich bin so schwach! Gib mir Kraft, o Herr! Du weißt, ich bin voll guter Wünsche, doch wenn die Zeit zum Handeln kommt, wenn sich die Gelegenheit bietet, Dir auf meine eigenen Kosten zu dienen, so sträube ich mich. Und so neige ich immer „nach zwei Seiten“ (3 Reg 18,21), bin immer unruhig, unzufrieden, denn wer hat Dir widerstanden und Frieden gehabt? Ich bitte um Stärke, o Herr! Du hast mir Wünsche gegeben; gib mir, was Du mir eben so leicht zu geben vermagst, die Kraft, sie auszuführen! Und so werde ich den Frieden verdienen, der den Menschen, die guten Willens sind, verheißen ist.
„Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir verherrlichen Dich!“
Ich und meine Seele werden sich erfreuen in Ihm, sagte Tobias, als wollte er in der Fülle seines Herzens sich vervielfältigen, um seinen Lobpreis zu verdoppeln, indem er Unmögliches wünscht, gleich Maria, als sie Gott verherrlichte. Ich und meine Seele wollen sich in Dir erfreuen, o Gott, mein Heiland, der Du in mir wahrhaft zugegen bist. Wir preisen Dich für alles, was Du in Dir selbst bist; wir preisen Dich für alles, was Du uns bist. Wir beten Dich an als unseren Schöpfer und unseren Gott, als den überaus starken Gott. (Gen 46,3) „Herr aller Geschöpfe!“ (Jud 9,17) „Du hast Himmel und Erde gemacht und was in des Himmels Umkreis enthalten ist.“ (Esth 13,10) Wir loben Dich als Kindlein in der Krippe und preisen Dich in jeder deiner äußersten Herablassung als Gast in unserer Seele.
„Wir sagen Dir Dank wegen Deiner großen Herrlichkeit!“
Wir sagen Dir Dank für Dein unendliches Mitleid mit Deinen Geschöpfen, dem Werke Deiner Hände, und für die Wunder, die Du für uns gewirkt hast in Deiner Erlösung, in Deiner Kirche und Deinen Sakramenten; in der Eucharistie, die Du zum Gedächtnis all Deiner wundervollen Tage eingesetzt hast. Aber vor allem für Deine große Herrlichkeit, o Herr, Gott, himmlischer König. Gott, allmächtiger Vater! O Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn! „Gebenedeit bist Du, o Herr, Gott Israels, unsers Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Dein, o Herr, ist die Herrlichkeit und die Macht und die Ehre und der Sieg, und Dir das Lob; denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, ist Dein; dein, o Herr, ist das Reich und Du bist über alle Fürsten. Dein ist der Reichtum und Dein ist die Ehre: Du herrschest über alle; in Deiner Hand ist die Kraft und die Macht. In Deiner Hand ist die Größe und die Herrschaft über alles. Und nun, unser Gott, danken wir Dir und loben Deinen herrlichen Namen.“ (1. Par 29, 10 ff)



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“

15. - 21.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
II.
„Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“
(Mk 9, 23)


Vor der Kommunion

Glaube, lebendiger Glaube würde alle unsere geistigen Übel heilen und all unserer Not abhelfen. Nichts als diesen lebendigen Glauben forderte der Herr von denen, die hilfeflehend zu Ihm kamen, als er auf Erden wandelte. Glaube fordert er auch von uns allen. „Er konnte dort nicht viel Wunder wirken wegen ihres Unglaubens“, so wird uns berichtet, als ob diese ungläubige Gesinnung Seine Hände gebunden und sogar Seine Allmacht beeinträchtigt hätte. Andererseits sagte Er zu dem Vater, der Ihn um die Heilung seines Sohnes anflehte: „Wenn du glauben kannst, alles ist dem möglich, der glaubt.“ Er spricht, als ob die Erhörung unserer Gebete viel mehr in unserer Hand als in der Seinigen läge. Dieser arme Vater hatte gesagt: „Wenn Du etwas vermagst, hilf uns, habe Mitleid mit uns!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wenn du glauben kannst, so ist alles möglich.“ Und sofort rief der Vater unter Tränen aus: „Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!“ Und von jener Stunde an war der Knabe geheilt. Aus den Worten unseres Herrn erkennen wir, dass Er weiß, wie schwer uns der Glaube fällt, ferner dass er uns zu einem lebendigen Glauben zu führen sucht, indem Er uns den Lohn dafür darbietet, und dass der Glaube alles, was er will, von Ihm erlangt. Er versteht die Schwierigkeit, die uns der Glaube macht. Umgeben von sichtbaren Dingen, fällt uns die Überzeugung schwer, dass das, was wir täglich sehen und mit Händen greifen und das uns so fest und dauernd scheint, doch nichts als ein Schatten ist, im Vergleich mit den unsichtbaren Dingen, in deren Mitte wir einst leben werden. Es fällt uns schwer, die Tatsache festzuhalten, dass wir bei Tag und Nacht, beim Wachen und Schlafen, unter dem Auge Desjenigen sind, Der uns näher ist, als wir selbst uns sein können; dass wir in Ihm leben, uns bewegen und sind, und in Ihm jede Fähigkeit der Seele und des Leibes gebrauchen; dass, unbeschadet unserer Willensfreiheit, Seine Vorsehung doch alle unsere Handlungen so leitet, dass sie zur Vollstreckung seiner Absichten dienen.
Wir sehen so schwer ein, dass diese Vorsehung, welche Schmerz, Kummer, sogar moralische Übel zulässt, doch alles zum Besten der Auserwählten wendet, und dass ohne ihr Wissen kein Haar von unserem Haupte fällt, dass wir, obgleich elend und klein in unseren Augen, doch in den Augen unseres himmlischen Vaters unaussprechlich teuer und kostbar sind, dass Er uns immer gut aufnimmt, wenn wir zu Ihm kommen, und am allerbesten dann, wenn wir kommen, um Vergebung unserer Sünden zu bitten. Schwer fällt uns die Überzeugung, dass dieselbe göttliche Person, die das Haus zu Nazareth heiligte, in jeder katholischen Kirche zugegen ist, nicht bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig; dass Derjenige, der mit Seinen zwölf Aposteln längst des Sees dahinwandelte, Der mit ihnen aß und trank, Der schlief, wenn Er ermüdet war, betete, wenn, Kummer Ihn drückte, Der über den Verlust eines Freundes weinte, Der freudigen Herzens erschien, wo immer ein Willkommen Ihn erwartete, und Der trauerte, wenn die Seinigen Ihn nicht aufnahmen, — dass Er noch immer auf Erden weilt, mitten unter uns, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, unveränderten Wesens, mit derselben Zärtlichkeit und Liebe, die Ihn während Seines irdischen Lebens Seinen Freunden so teuer machten!
Diese Wahrheiten sind schwer mit so lebendigem Glauben festzuhalten, dass sie uns in Fleisch und Blut übergehen. Daher sagt der Herr: Wenn du glauben kannst. Welch andere Antwort hätten wir, als die Worte des jüdischen Vaters: Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!
Bereitwillig hilft Er uns; doch wie überall, so auch hier: Er hilft jenen, die sich selbst helfen. Und wie helfen wir uns? Durch die ruhige Erwägung dessen, was wir durch den Glauben besitzen. Er verlangt von uns keine Anstrengung, um andächtige Gefühle zu erwecken, Er verlangt nur den überlegten Akt des Glaubens. Ganz nahe meinem Herzen ist nach der Kommunion jenes Herz, das mich bis in den Tod geliebt, das sich erschöpft hat in allen Arten von Opfern und Arbeiten, das, um meine Liebe zu gewinnen, sich der lieblichsten Gleichnisse bediente; das Herz, das meinen Undank schmerzlich fühlte und das mich jetzt auffordert, Sühne zu leisten für die Vergangenheit und Liebe mit Liebe zu vergelten. Wie könnte ich, von diesem Beweggründen ausgehend, meinen Glauben beteuern, ohne wenigstens den Wunsch zu fühlen, die verlangte Gegenliebe entgegenzubringen?
Oh Gott, mein Gott, ich glaube fest und unerschütterlich, dass ich im Begriffe stehe, jenes Herz in mein Herz aufzunehmen, das mich bis zum Tode am Kreuze geliebt. Ich glaube an Seine Liebe zu mir. Obgleich ich schwach, unwürdig und wiederholt in Sünden gefallen bin, zweifle ich nicht an deiner Liebe zu mir. Gerade für Seelen wie die meine ist das Wunder des heiligen Sakramentes gewirkt worden — ein Heilmittel gegen jede Krankheit der Seele. Ich glaube, Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben! Du kennst die Schwierigkeiten, die sich mir entgegenstellen, besser als ich selbst. Du weißt, wie die Sorgen des Lebens, die ich jeden Morgen auf mich nehme, mich niederdrücken, meine Gedanken in Anspruch nehmen und mir wenig Zeit lassen für die Erinnerung an dich und die Angelegenheiten meiner Seele. Eben aus diesem Grunde komme ich zu dir und werfe alle meine Sorgen auf dich; aus diesem Grunde übergebe ich meine Seele in deine Hut; aus diesem Grunde vertraue ich dir an meine Leiden und Versuchungen, die arbeitende Hand, den geschäftigen Geist, das Gesamtwerk meines Lebens; richte du es empor, heilige es, mache es verdienstvoll für den Himmel! Mit Deinen Werken vereinige ich die meinigen; ich will sie einzig nur für Dich vollbringen. Ich glaube, dass du wirklich zugegen bist, weil du es gesagt hast. Erinnere dich an Dein Wort: Alles ist dem möglich, der glaubt, und zum Lohn für meinen Glauben heile meine Seele!



Nach der Kommunion

In tiefster Anbetung beuge ich mich vor Dir, o mein Gott und Heiland! Du bist Derselbe, der auf das Wort: „Herr, ich glaube“ das kranke Kind des israelitischen Vaters geheilt hat; Du bist Derselbe. Herr, ich glaube und vor Dir niederfallend bete ich Dich an.
„Betet Ihn an, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 96, 7)
„Lobet den Herrn, alle Seine Auserwählten, und danket Ihm!“ (Tob 13,10)
„Lobsinget unserm Gott, Ihr alle Seine Diener, und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß! (Offb 19,5)
„Lobsinget Seinem Namen, lasset herrlich erschallen Sein Lob!“ (Ps 65,2)
„Denn Dieser ist Gott, unser Gott in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ (Offb 4,11)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen!“ (Offb 7,12)

Durch Deine Berührung wurde jener arme, kranke Knabe geheilt; tue mir desgleichen; ich glaube fest, dass Du es kannst. Ich hoffe auf Dich, indem ich mein Vertrauen auf Deine Liebe und Dein Mitleid setze. Krank und verwirrt, wie ich bin, übergebe ich mich Deinen Händen. „Wenn Du etwas vermagst,“ so sprach der Vater des armen Knaben. Ich weiß, Herr, dass Du alles vermagst und dass Du mit einem einzigen Wort mir helfen kannst. Überdies weiß ich, dass Dein Wunsch, mir zu helfen, noch größer ist als mein Verlangen nach Hilfe. Ich liebe Dich und danke Dir für Deine Güte und überlasse mich ganz Dir. Dank sei Dir gesagt für die unverdiente Gabe des Glaubens, der mich lehrt, dass Du wirklich und wahrhaftig in mir zugegen bist. Herr, vermehre meinen Glauben, denn in dem Maße, als er wächst, werden Hoffnung und Liebe mit ihm zunehmen! Hilf, dass ich nach diesem Glauben lebe, gib, dass er alle meine Werke durchdringe! Gib, dass ich deine Hand in allen Vorkommnissen dieses Lebens erkenne, dass ich die Leiden mir zunutze mache, dass ich die vergänglichen Dinge der Zeit im Lichte der Ewigkeit betrachte, dass ich lebe für das zukünftige Leben!
„Herr, vermehre meinen Glauben!“ Das war das Gebet Deiner Apostel, das Flehen all Deiner Heiligen. Ihr ganzer Gottesdienst, all ihre Verdienste, die ganze Macht ihrer Gebete, ihr guter Einfluss, ihre Liebe zu Dir, ihre Freude in Dir die ganze Ewigkeit hindurch entspross jenem Keime, — der einst klein war wie das Senfkorn — dem Glauben ihrer Taufe, dem Glauben der einen wahren Kirche.
Auch ich bin ein Kind der Kirche; auch ich habe den Glauben, den die Heiligen haben. O mein Gott, lasse ihn in meinem Herzen Frucht bringen, wie in dem ihrigen! Vermehre meinen Glauben! Gib mir jenen Glauben, der Berge versetzt, der jedes Hindernis, das mich von Dir trennen könnte, aus dem Weg räumt und dem du einst das Lob erteilen wirst: Groß ist dein Glaube!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8, 32)
Was kann ich dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt.“




08. - 14.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
I.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29)


Vor der Kommunion

Gar viele unter uns können den sehnsüchtigen Wunsch, zur Zeit unseres Herrn gelebt zu haben, nicht unterdrücken. Man darf uns versichern, dass wir gegen die Zeitgenossen Jesu Vorteile genießen, wir verharren doch bei dem Gedanken, dass, wenn es uns vergönnt gewesen wäre, zu Seinen Füßen zu knien, Seinen Blicken zu begegnen, Seine Stimme zu hören, wir unwiderstehlich zu Ihm würden hingezogen worden sein, und dass wir Ihn geliebt hätten mit einer Hingebung, die uns, Gott sei es geklagt, ganz und gar fehlt.
Zwei Gedanken mögen diesen harmlosen, ja sogar nützlichen Wunsch zu unserem Vorteil wenden.
Versetzen wir uns im Geiste an irgendeinen Ort, wo der christliche Glaube noch nicht eingeführt ist, wohin aber immerhin einige Kenntnis von Christus gedrungen; stellen wir uns vor, welches unser Los wäre, wenn wir an diesem Ort geboren worden wären. Wir haben einige Bruchstücke von den Erzählungen des Evangeliums gehört, wir haben vernommen, dass Christus, nachdem er das Werk der Menschenerlösung vollbracht hat, in christlichen Ländern noch immer auf Erden wohnt, um der Trost und die Hilfe Seiner Nachfolger bis zum Ende der Zeiten zu sein, dass dort das Opfer auf Kalvaria alle Tage erneuert wird zur Tilgung der täglichen Sünden. Wir haben gehört, dass Er dort, obgleich Sein Antlitz nicht gesehen noch Seine Stimme gehört wird, Sein Heilswerk unter den Menschen durch Seine wirkliche Gegenwart fortsetzt; dass Er dort Tag und Nacht verweilt, um jeden, der sich naht, willkommen zu heißen, ihn anzuhören, zu trösten, ihm zu helfen, mit dem gleichen Erbarmen wie damals, als Er auf Erden wandelte. Wie groß wäre die Sehnsucht unseres Herzens, in solch einem gesegneten Land geboren und unter Seine Jünger gezählt worden zu sein, so wahrhaftig wie zur Lebenszeit unseres Herrn!
Ferner: Versetzen wir uns im Geiste an jenen Ort, wohin wir — wie wir zuversichtlich hoffen — mit Gottes Gnade eines Tages gelangen werden, an den Ort schmerzlicher Leiden, sehnsüchtigen Wartens, — den Reinigungsort. Während wir dort in unserer Hilflosigkeit schmachten, welche Gedanken werden uns beschleichen über den Tabernakel, über den Kommuniontisch, über jenen „Tag des Herrn“, wo wir ungehindert in Seine Gegenwart kommen und wieder gehen konnten, um unser Herz vor Ihm auszugießen und Hilfe für jede Not zu erflehen. Nie hat während der dreiunddreißig Jahre des Erdenwallens Jesu ein Herz sich so innig nach Seiner sichtbaren Gegenwart gesehnt, wie wir uns sehnen werden nach den Gnaden der heiligen Messe und der heiligen Kommunion jener Zeit, die dann für immer entschwunden sein wird.
Wollen wir diese Gnaden nicht benutzen, solange wir sie haben? „Siehe, jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heiles.“ (2 Kor 6,2) „O, dass du die Gabe Gottes kennetest,“ spricht unser Herr, „du würdest dich nicht nach den alten Zeiten, nach Judäa oder Galiläa zurücksehnen. Hier auf dem Altar ist Bethlehem, hier ist Kalvaria. Hier an der Kommunionbank können wir, sooft wir wollen, Jesus von Nazareth begrüßen, Ihn an unser Herz drücken und uns an Ihn schmiegen.
O dass ich meine eigenen Vorrechte mir so zu Gemüte führte, wie ich die meiner Mitmenschen schätze! Warum sollte ich das jüdische Volk oder den kleinen Haushalt zu Bethanien oder die Zwölfe beneiden? Ich habe Deine Worte, lieber Heiland; diese Worte belehren und erwärmen mein Herz; ja ich bin sogar glücklicher als das Volk deines Landes; mit Muße kann ich über Deine Worte nachdenken; in den heiligen Büchern sind sie für mich niedergeschrieben. Sogar den Ton Deiner Stimme kann ich dann und wann vernehmen: „Tabitha kumi”, “Eloi, Eloi lamma sabacthani“. Inmitten des Gewühles und der Hitze des Tages, inmitten der Stille der Nacht darf ich zu Dir kommen, um Dir die Nöte und Ängste meiner Seele und ihre brennenden Fragen vorzutragen. Gleich den heiligen Frauen kann ich Dir von Ort zu Ort folgen, in der Tat Dir meine Liebe beweisen, indem ich nach besten Kräften Dir und den Deinigen diene. Wie die Schwestern im Bethanien kann ich Dich unter meinem Dach aufnehmen und Deinen Worten der Liebe, der sanften Warnung oder des Vorwurfes lauschen. Ich kann Dir die Anliegen meiner Lieben und all jener, die mir und Dir teuer sind, anempfehlen; ich kann mit liebender Vertraulichkeit Dich drängen, wenn Du die Erhörung meines Gebetes verzögerst. Weinen kann ich mit Dir bei den Gräbern, die mir meine Liebsten und Besten geraubt, und mit Martha auf die Verheißung lauschen, dass sie eines Tages mir zurückgegeben werden. In der Stunde der Trostlosigkeit kann ich im Ölgarten an Deiner Seite niederknien und meine Bitte mit Deinem lauten Rufe und Deinen Tränen vereinen. Wenn Leiden mich umwogen, so kann ich zur Geißelsäule eilen oder zum Pfahl der Schmach und Deine Sanftmut in mein Herz einziehen lassen. In jeder Not nahmen Deine Anhänger Zuflucht zu Dir, während Du auf Erden wandeltest; ich kann das gleiche tun. Nur eines wird gefordert — der Glaube. O Herr, vermehre meinen Glauben!



Nach der Kommunion

Tantum ergo sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Adoro te devote, latens Deitas,
Quae sub his figuris vere latitas.

Plagas, sicut Thomas, non intueor,
Deum tamen meum te confiteor:
Fac me tibi semper magis credere,
In te spem habere, te diligere.

Tiefgebeugt lasst uns verehren
Dieses große Sakrament!
Dieser Bund wird ewig währen
Und der alte hat ein End.
Fester Glaube soll uns lehren,
Was das Auge nicht erkennt.

In Demut bet’ ich Dich, verborg’ne Gottheit an,
Die ich in Brotsgestalt verhüllt nur schauen kann.

Die Wunden seh’ ich nicht, wie Thomas einst sie sah,
Doch rufe ich gläubig aus: Mein Gott und Herr ist nah!
Gib, dass mein Glaub’ an Dich, die Hoffnung auf Dein Wort,
Und meiner Liebe Glut sich mehre fort und fort.


Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben. Und dennoch hast Du gesagt, o Herr: „Selig die Augen, welche die Dinge sehen, so ihr sehet.“ Wahrhaft selig waren die Augen, welche sahen, was Könige und Propheten zu sehen sich sehnten, das Antlitz, in das die Engel zu schauen gelüstet. Wie groß muss die Glückseligkeit sein, die ein solches Glück sogar noch übersteigt! Wie groß der Lohn, wenn nach überstandener Prüfung die Schleier fallen und der Glaube unverhüllt Dein Antlitz schaut!
Aber auch hienieden schon ist der Glaube glückselig; seine Geduld, sein Hoffen, sein Anklammern an Gott, trotz Schwierigkeiten und Finsternissen und trotz des menschlichen Stolzes, dem diese Dinge beschwerlich fallen — all das ist Gottesdienst, ein Gottesdienst von Gott selbst gewählt. Von Anbeginn, o Herr, hast Du den Glauben gewählt als einzigen Weg, um Zutritt zu Dir zu erlangen. Diesen Pfad entlang sind all Deine Heiligen gewandelt. Zum Lohn für ihren Glauben sahen die Blinden, hörten die Tauben, wurden die Aussätzigen rein; so war es, als Du auf Erden wandeltest. Zu allen Zeiten erlangten die Sünder Verzeihung durch den Glauben und die Gerechten Beharrlichkeit bis zum Ende. Wenn ich glaube, dann darf ich, und zwar in dem Maße als ich glaube, Großes von Dir hoffen.
Herr, vermehre meinen Glauben! Gib mir den Glauben jener Generationen von Heiligen, die hienieden nie dein Antlitz schauten: den Glauben einer Agnes, eines Augustinus, einer Theresia, eines Thomas von Aquin und eines Ignatius! Sie sind meine Brüder und Schwestern im Reiche Gottes, nicht getrennt durch eine unüberbrückbare Kluft, sondern enge mit mir verbunden als Wanderer auf dem nämlichen Wege, stets bereit, mich aufzuheben, wenn ich strauchle oder falle, mich zu stützen, wenn ich ermatte, und in den Stunden der Finsternis mit mir von jenem Lichte zu sprechen, das jenseits der fernen Hügel leuchtet. Auch sie wandelten einstmals so wie ich im Glauben. Auch sie hatten ihre Stunden der Prüfung und der Leiden, auch sie wurden auf ihrer irdischen Pilgerfahrt durch Deine sakramentale Gegenwart, die ich zur Stunde besitze, erquickt.
Herr, vermehre meinen Glauben! Mit Thomas falle ich Dir zu Füßen, mein Herr und mein Gott! Mit Petrus und mit Martha bekenne ich Dich als Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Nichts möge je meinen Glauben verdunkeln. O Herr, erleuchte ihn vielmehr, bis er mich zum vollkommenen Lichte führt! Möge jede Kniebeugung vor Deinem Tabernakel, jede Besuchung vor demselben, jede Kommunion Dich durch meinen Glauben verherrlichen. Mit Freuden, o mein Gott, gebe ich Dir meinen Verstand und die Liebe meines Herzens hin! Mit Freuden diene ich Dir ohne Vorbehalt während der kurzen Spanne meines irdischen Lebens. Nur bis zu den Toren der Ewigkeit hinan verlangst Du Glauben von mir. Bin ich einmal angelangt innerhalb jener Tore — welche Veränderung! Welche Enthüllung! Meine Augen werden den König in Seiner Herrlichkeit schauen. Ich werde Deinen Ruhm schauen und befriedigt sein. Wenn ich dann vor Deinem enthüllten Antlitz niederfalle, wie innig werde ich Dir für die Gabe des Glaubens auf Erden danken!


Jesu, quem velatum nunc aspicio,
Oro fiat illud quod tam sitio:
Ut te revelata cernens facie,
Visu sim beatus tuae gloriae.

Oh Jesus, Du bist hier dem Auge noch verhüllt,
Wann endlich wird des Herzens Durst nach Dir gestillt;
Dass ich Dich schaue unverhüllt von Angesicht,
Und ewig selig bin in Deiner Glorie Licht!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, der Du den Tod keines Menschen willst, der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



01. - 07.01.2020

Das „Willkommen“ Mariens

„Ich will mich erfreuen in Gott, meinem Heilande.“ (Hab 3,18)


Vor der Kommunion

Welch ein Beispiel haben wir in Mariens Willkommen! Wie schön vereint Sie Liebe mit Anbetung! In der Christnacht drückt Sie Ihr göttliches Kind an ihre Brust! O innige Umarmung der Mutter, verbunden mit der Ehrerbietung und der Hingabe des Geschöpfes. Wie vernichtet Sie Sich in Seiner Gegenwart; wie vereinigt Sie all Ihre Kräfte in Ihm; wie frohlocket Sie von ganzem Herzen; wie freudig bietet Sie Ihm Ihre Dienste an; wie glüht Sie vor Dankbarkeit, da Sie Ihn Willkommen heißt in der Menschwerdung, bei der Geburt, bei jeder Kommunion, die Sie zu Ephesus und Jerusalem aus den Händen des heiligen Johannes empfängt!
Mannigfaltig ist die Art der Aufnahme, je nachdem sie einem König, einem Vater, einem Eroberer, einem Wohltäter, einem Freunde, einem Bräutigam, einem Kinde gilt. Alles das war Christus für Maria, ja noch tausendmal mehr. Sie sollte Ihm das einem Gotte gebührende Willkommen entgegenbringen. War Sie hierzu fähig? Ihr Herz und Ihr Geist bewegten sich allerdings in Regionen, wohin der kühnste Flug der Seraphim und Cherubim niemals gelangt. Aber wenn Sie nach der Kommunion, die Hände über die Brust gekreuzt, in Anbetung niedersank, da fühlte Sie, wie kein anderes Geschöpf es je gefühlt, da bekannte Sie in tiefster Demut, von der wir keine Ahnung haben, die äußerste Unzulänglichkeit Ihrer Anbetung und Liebe.
Maria wusste, dass, Der da mächtig ist, Großes an Ihr getan hatte. Sie wusste, dass die Rückgabe all dessen, was Er Ihr gegeben, bei weitem nicht das erreichte, was Ihm gebührt, und dass eine unermessliche Schuld blieb. Rings um Sie erstreckte sich ein weiter Ozean von Vollkommenheit, den kein menschliches Lob ausfüllen konnte. Unaufhörlich versuchte Sie, Seinen Ansprüchen auf Ihre Huldigung gerecht zu werden, und unaufhörlich fiel Sie in Ihr Nichts als Geschöpft zurück. Doch nicht um darin zu verweilen. In dem Schatz, der Ihr in der Menschwerdung und in der Eucharistie anvertraut war, hatte Sie genug, ja mehr als genug, um das zu ersetzen, was Ihr mangelte. Sie hatte den wesensgleichen Sohn dem Vater als Anbetung, Preis und Dank anzubieten.
Derselbe Schatz ist auch uns anvertraut. Wie Maria, so bringen auch wir nach bestem Vermögen unsere Danksagung dar. Doch „eingedenk, dass wir unnütze Knechte sind, arm und verächtlich, elend und blind“, nehmen wir gleich Ihr unsere Zuflucht zu dem unendlichen Gott in unserer Seele und opfern Ihn Ihm selbst als ein „Willkommen“, das Seiner würdig ist.
Heilige Maria, zu dir komme ich in meiner großen Not. Ich bin im Begriffe, den Allerheiligsten in mein Herz aufzunehmen. Doch, o liebe Mutter, ich schrecke davor zurück. Ich weiß es, Sein Auge kann keine Unvollkommenheit ertragen. In Seinen Engeln fand er Sünde. Ich weiß auch, dass Er die Tiefe meiner sündhaften Seele durchschaut und erforscht. Und dennoch heißt er mich zu Ihm kommen und mich mit ihm auf die innigste Weise vereinigen, die hienieden denkbar ist. Wie, ich Sünder soll vor dem Allerhöchsten stehen, ich soll es wagen, mich demjenigen zu nahen, vor welchem die fleckenlosen Engel ihr Antlitz verhüllen und unaufhörlich „Heilig, heilig, heilig“ singen?
Gepriesen sei Seine Liebe und Sein Erbarmen. Er selbst hat mir den Weg bereitet. Er hat die Bedingungen so leicht gemacht, dass ich keine Entschuldigung habe, wenn ich mich fernhalte und die Einladung, an Seinem Abendmahle teilzunehmen, ablehne. Das hochzeitliche Kleid der Gnade ist — streng genommen — alles, was Er verlangt. Weniger konnte Er nicht fordern. Das übrige überlässt Er meiner Liebe. Deine unbefleckte Reinheit, o Mutter, Deine glorreiche Heiligkeit war nicht zu viel als Vorbereitung für Ihn — und Er ist zufrieden mit dem armseligen Empfang, den ich Ihm bereite.
Er selbst übergibt mir das hochzeitliche Kleid, und um den Schmuck der Gnade, der mir leider mangelt, zu ersetzen, heißt Er mich meine Zuflucht zu jenen nehmen, die mir von ihrem Überfluss mitteilen können: die Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, Engel, Erzengel, Cherubim, Seraphim, — das ganze himmlische Heer — stehen mir kraft der Gemeinschaft der Heiligen zu Diensten; doch hilfsbereiter, gütiger, zugänglicher als alle ist Sie, die Heilige der Heiligen. Obgleich Mutter Gottes und Königin des Himmels ist Sie eingedenk, dass Sie meine Mutter ist, und hält es nicht unter ihrer Würde, von Ihrem Throne herabzusteigen, um mir in meiner Not zu Hilfe zu kommen. Wie eine Mutter ihr Kind mit ihren eigenen Juwelen schmückt, auf dass es schicklich am königlichen Hof erscheinen könne, so gewährt Sie mir alles, was ich wünsche, alles, um was ich bitte, damit ich Wohlgefallen vor den Augen des Königs der Könige finden möchte.
O liebe Mutter, Du siehst, was mir mangelt, o gib es mir! Ich bin so arm und unwissend, dass ich nicht einmal weiß, was mir abgeht. Teile mir von Deinen Schätzen mit. Du wirst nicht gleich den klugen Jungfrauen handeln und mich abweisen, auf dass ich das, was mir mangelt, anderswo erbitte. Du hast genug für Dich und mich. Du bist die Ausspenderin aller guten Gaben Gottes, die Mittlerin, durch welche alle Tugenden von Ihm, dem Haupte, uns, seinen Gliedern, zukommen. Gib mir Anteil an den Gnaden, die Deine Seele bereicherten und so wunderbar in den Augen Gottes machten. Gib mir Anteil an jenem Glauben, den keine Prüfung zum Wanken brachte; an jener Hoffnung, die bei jeder Heimsuchung sich nur um so inniger an Ihn anschloss; an jener Liebe, die vollkommen selbstlos und zu jedem Opfer bereit war. Gib mir vor allem die Demut, welche Dich mehr als alle anderen Tugenden Gnade vor dem Allerhöchsten finden ließ, eine Demut, die ich haben muss und um die ich mehr als um alles andere bitten sollte.
O Mutter, erfülle mein Verlangen! Mein Herz ist kalt und unbewegt trotz der Schönheit und der Reize Deines göttlichen Sohnes, trotz Seines Wunsches, bei mir zu sein. Zeige mir hier und jetzt die gesegnete Frucht Deines Leibes, Jesus, dass ich bewogen werde, Ihn zu lieben und Ihn bei Seiner Ankunft willkommen zu heißen.
Komm, Herr Jesus, komm! Komm und sieh, wie mich die Hand Deiner Mutter zu meiner Vereinigung mit Dir geschmückt hat. Blicke nicht auf meine Armut; blicke auf die Reichtümer, die Sie aus Ihrem Herzen genommen und womit sie das meinige geziert hat.



Nach der Kommunion.

„Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande.“
„Denn Großes hat an Mir getan, der da mächtig, und dessen Name heilig ist.“ (Lk 1,46 f.)
„Lobet den Herrn, all Seine Engel, die ihr gewaltig seid an Kraft!“ (Ps 102, 20)
„Preiset mit Mir die Größe des Herrn; gemeinsam lasset uns Seinen Namen erheben!“ (Ps 33, 4)
„Denn Er ist Gott, unser Gott auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Preiset unsern Gott, ihr alle seine Diener, und ihr alle, die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb. 19, 5)
„Singet Lob unserm Gott, singet, singet Lob, unserm König, singet!“ (Ps 46,7)
„Denn dies ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Gepriesen sei Gott, der Herr, an diesem Tage.“ (III. Reg. 5,7)
„Amen. Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12)

O mein Gott, könnte ich Dir doch das beste aller Willkommen anbieten! Ich vereinige mein armseliges Willkommen mit dem Willkommen Mariens bei der Menschwerdung; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich in der Christnacht zum ersten Male an Ihre Brust gedrückt; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich nach dreitägigem Suchen wiedergefunden; mit Ihrem Willkommen an jedem Abend bei Deiner Heimkehr von der täglichen Arbeit. Mit Ihrem Willkommen, als Sie, die Arme ausbreitend, Dich vom Kreuze herab in Ihren Schoß aufgenommen; mit Ihrem Willkommen, als Sie am Ostermorgen, beim Aufgang der Sonne, Dich erblickt hat. Ich vereinige mein schwaches Willkommen mit dem Ihrigen, als Sie Dich in Brotsgestalt empfangen, in jenen Jahren nach Deiner Himmelfahrt, da Ihr Leben durch Deine sakramentale Gegenwart erhalten wurde. Ich vereinige mein Willkommen mit dem Ihrigen, das als Antwort dem Deinigen entgegentönte, als Du Sie, am Tage Ihrer Himmelfahrt, in Deine Arme schlossest.
O könnte ich doch, und wäre es auch in unermesslicher Ferne, Ihrem Beispiel in Anbetung, Lob, Sühne und Liebe folgen! O hätte ich jene Gleichförmigkeit des Willens, des Geistes und Herzens, welche Sie ganz mit Dir verband und welche Deinem gottmenschlichen Herzen so viel Trost und Freude bereitete!
Auch ich möchte dich schützen, o Herr, vor der Kälte der Winternacht, dadurch, dass ich Dich in mein Herz aufnehme, aber auch durch teilnehmende Sorge für Deine leidenden Glieder, indem ich sie speise, kleide und beherberge, denn von ihnen gilt das Wort: „Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan.“ (Mt 25,40)
Auch ich will Dich suchen, wenn Du dich vor mir verbirgst, sei es in gerechter Strafe für meine begangenen Sünden oder für meine gegenwärtige Nachlässigkeit in Deinem Dienste. Ich will Dich suchen, so oft ich Dich durch meine Unachtsamkeit verloren habe. Ich will mich prüfen über den Empfang der heiligen Sakramente, über die Anhörung der Heiligen Messe, über die Pflichten meines Standes, über die Verantwortlichkeit denen gegenüber, die Du mir anvertraut hast und für welche Du Rechenschaft von mir verlangen wirst, über die Folgen meines Beispiels bei meinen Hausgenossen. Und habe ich gefunden, dass ich durch eigene Schuld Deine fühlbare Gegenwart eingebüßt habe, so will ich mich tief vor Dir verdemütigen. Kann ich aber keinen besonderen Grund für die Entziehung Deiner Gegenwart finden, so will ich mich meiner verborgenen Fehler wegen demütigen: „Denn ich bin mir zwar nicht bewusst, aber darum noch nicht gerechtfertigt: der mich richtet, ist der Herr.“ (1 Kor 4,4) In Deiner gebenedeiten Mutter war nichts, was Strafe oder Reinigung forderte. Nur zur Vermehrung Ihres Verdienstes diente der Schmerz des dreitägigen Verlustes. Was mich betrifft, so hat die Entziehung Deiner fühlbaren Gegenwart eine dreifache Ursache und Frucht. Gib, o Herr, dass ich sie Deinen Absichten entsprechend benutze. Ich nehme sie als Strafe für meine Sünden, als Läuterung meiner unvollkommenen Liebe und zur Vermehrung meines Verdienstes. Mühevoll suche ich Dich hienieden. Gib, dass ich dadurch verdiene, Dir dort oben näher zu kommen. Gleich Deiner gebenedeiten Mutter will ich Dich suchen, bis ich Dich finde. O Du, Den meine Seele liebt, lass Dich finden, wann der Tag anbricht und die Schatten verschwinden, und in alle Ewigkeit will ich Dich nicht lassen!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“