Tagesheiliger, Spruch des Tages





Märtyrer 2019





22.07.2019
Hl. Jakobus
* am See Gennesaret in Galiläa, dem heutigem Jam Kinneret in Israel
† um Ostern 44 in Jerusalem in Israel
Gedenktag: 25. Juli

Jakobus, Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome, war der ältere Bruder des Apostels Johannes. In den Evangelien fallen die beiden Zebedäussöhne wiederholt auf. Wegen ihres ungestümen Temperaments (vgl. LK 9, 52-54) hat Jesus sie „Donnersöhne“ genannt (Mk 3, 17). Jakobus war Zeuge der Verklärung Jesu und auch seines Gebets am Ölberg. Als Erster der Zwölf erlitt er den Märtyrertod; König Herodes Agrippa I. ließ ihn ums Jahr 44 mit dem Schwert hinrichten. Nach alter spanischer Überlieferung soll sein Leib in Santiago de Compostela begraben sein.



21.07.2019
Hl. Christine
* in Volsinii, heute Ruinen bei Bolsena in Italien
† um 287/307 daselbst
Gedenktag: 24. Juli

Von Christina, Tochter heidnischer Eltern, wird in der Legende erzählt, dass sie von einer Dienerin zum Christentum bekehrt wurde. Von ihrem Vater wurde sie dann mit zwölf Dienerinnen in einen Turm auf einer Insel im See von Bolsena eingeschlossen, denn Christina sollte den silbernen und goldenen Göttern, die er ihr aufgestellt hatte, geweiht bleiben. Christina aber zerbrach die Götterbilder, warf andere in den See und schenkte das Gold den Armen. Der wütende Vater ließ sie von zwölf Männern schlagen, bis diese schwach wurden, dann ins Gefängnis werfen, wo ihre weinende Mutter sie beschwor, nachzugeben; aber Christina blieb standhaft. Der zum Richter in den Christenverfolgungen jener Zeit bestellte Vater ließ ihr die Glieder zerbrechen und ihre Haut mit Nägeln reißen, worauf sie ihm einen Fetzen ihres Fleisches ins Gesicht warf. Als man sie auf ein Rad band, unter dem ein Feuer angezündet wurde, schlugen die Flammen aus und töteten 1.500 Umstehende.
Christina wurde daraufhin der Zauberei angeklagt, wieder ins Gefängnis geworfen, dann in der Nacht auf einer Basaltplatte in den See hinausgestoßen, damit sie ertrinke; Engel hielten sie aber über Wasser und Christus selbst erschien ihr, taufte sie und übergab sie dem Erzengel Michael, der sie an Land brachte. Wieder als Zauberin angeklagt, sollte sie nun enthauptet werden, da wurde ihr Vater tot aufgefunden. Sein Nachfolger im Richteramt setzte die Martern fort: Er ließ in einer eisernen Wiege Öl, Pech und Harz entzünden, Christina hineinlegen und von vier Männern schaukeln, "auf dass sie um so heftiger brenne". Sie aber lobte Gott, dass er sie als Neugeborene - weil neu getaufte Christin - sanft wiegen lasse, und entstieg unverletzt.
Christina wurde geschoren und nackt vor eine Apollo-Statue geschleift, diese zerfiel zu Staub, der Richter starb vor Schreck. Sein Nachfolger sperrte sie fünf Tage in einen glühenden Ofen, sie wandelte darin und sang mit den Engeln. Schlangen wurden gebracht - sie leckten ihren Schweiß ab und legten sich kühlend um ihren Hals. Als ein Zauberer nun die Schlangen reizen sollte, stürzen sich diese auf ihn und töten ihn; Christina aber gebot den Schlangen, an einen wüsten Ort zu entweichen und erweckte den toten Zauberer. Schließlich wurden ihr die Brüste abgeschnitten, sie verströmten Milch statt Blut. Als ihr die Zunge abgeschnitten wurde, behielt Christina die Sprache, und sie warf die Zunge dem Richter ins Gesicht, worauf der erblindete. Von den Pfeilen, die er nun auf sie abschoß, trafen sie zwei und töteten sie. Die Kirche in Bolsena bewahrt in einem Sarkophag die Gebeine Christinas und die Basaltplatte mit ihren Fußabdrücken, mit der sie auf den See hinausgestoßen worden sei.
An dieser Stelle ereignete sich auch das "Blutwunder von Bolsena", das zur Einführung des Festes Fronleichnam Anlass gab. 1263 feierte der böhmische Priester Peter von Prag auf seiner Pilgerfahrt nach Rom in der nach Christina benannten Kirche in Bolsena eine Messe. Er hatte Mühe mit dem Glauben an die Transsubstantiation der Elemente bei der Wandlung, aber er wurde nun überzeugt, als bei dieser Messe einige Tropfen Blut von der Hostie auf die Messgewänder und den Marmorfußboden der Kirche fielen. Zum Andenken daran erhob Papst Urban IV. schon ein Jahr danach das 1246 in Belgien enstandene Fronleichnamfest zum allgemeinen Kirchenfest und veranlasste den Bau des prachtvollen Domes von Orvieto. Noch heute findet am 18. Juni, dem Tag des Wunders, in Bolsena ein großartiges Blumenfest zu Ehren der hl. Eucharistie in den Straßen des Städtchens statt.



20.07.2019
Hl. Christophorus
* in Kanaan
oder in Lykien in der heutigen Türkei
† um 250 (?) in Lykien in der heutigen Türkei (?)
Gedenktag: 24. Juli

Über das Leben des Märtyrers Christophorus ist nicht viel bekannt. Er hat in Kleinasien vermutlich unter Kaiser Decius (um 250) das Martyrium erlitten. In Chalkedon wurde ihm 452 ein Kirche geweiht. Auch in der abendländischen Kirche wurde Christophorus viel verehrt. Er gehört zu den Vierzehn Nothelfern. Aus seinem Namen (Christophorus - Christusträger) hat sich die Legende entwickelt, er habe auf seinen Schultern das Christuskind über einen Fluss getragen.



19.07.2019
Ezechiel
† im April 571 v. Chr. (?) bei Babylon, dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak
Gedenktag: 23. Juli

Ezechiel stammte aus priesterlichen Geschlecht (Ezechiel 1, 1 - 3). Er wurde 597 v. Chr. mit etwa zehntausend Juden aus der Oberschicht in die Gefangenschaft nach Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak - verschleppt (2 Könige 24, 14) und lebte mit anderen Verbannten in Thel-Abib (Ezechiel 3, 15) am Fluss Chebar (Ezechiel 1, 1) - wohl dem heutigen Schatt en-Nil bei Babylon, wo er 593 zum Propheten berufen wurde. 22 Jahre lang wirkte er unter den Exilierten, stärkte ihren Glauben auch in der Fremde und ließ sie das Exil als Buße für die Verfehlungen der Väter verstehen.
Der Überlieferung nach starb Ezechiel als Märtyrer, der gevierteilt wurde.



18.07.2019
Hl. Victor
Märtyrer
† um 300 in Marseille
Gedenktag: 21. Juli

Victor war der Legende nach römischer Hauptmann, der seine Soldaten Deutherius, Felicianus und Alexander bekehrte und sie zur Taufe führte. Als sie der Verfolgung unter Kaiser Maximianus ausgesetzt waren, tröstete und stärkte er seine Glaubensgenossen. Schließlich ergriff man ihn selbst, als er am Jupiter-Altar nicht opfern wollte. Er wurde grausam gemartert: in eine Mühle gelegt, die aber sofort stillstand; der Mühlstein, den man auf ihn legte, erdrückte ihn nicht, so dass man ihn enthauptete. Sein Leichnam wurde in den Fluss geworfen, aber von Engeln erhoben. Mit ihm starben seine Gefährten.
Die Schilderung des Martyriums von Victor erinnert an die Leiden, die bei Polykarp von Smyrna oder Ignatius von Antiochien beschrieben werden. Gräber aus der Mitte des 3. Jahrhunderts wurden 1963 in der Krypta der Kirche St. Victor in Marseille gefunden; da die hier Verehrten im 5. Jahrhundert schon anonym waren, ist die Leidensgeschichte des 6. Jahrhunderts rein fiktiv; sie nennt Victor auch Bischof von Marseille; als solcher bezeichnet ihn auch Hrabanus Maurus.



17.07.2019
Hl. Margareta
* in Antiochia in Pisidien, heute Ruinen bei Yalvaç in der Türkei
† 305 daselbst (?)
Gedenktag: 20. Juli

Margareta - in der Ostkirche ist Marina der gebräuchliche Name - ist eine legendäre Märtyrerin. Sie soll die Tochter eines heidnischen Priesters gewesen sein. Die christliche Amme erzog sie demnach zum Glauben; der Vater verstieß seine Tochter, als er dies bemerkte und denunzierte sie beim Stadtpräfekten. Sie floh, wurde aber gefunden und vor Gericht gestellt; die Richter begehrten die hübsche Angeklagte, wurden aber von ihr abgewiesen und rächte sich umso grausamer. Margareta wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber gleich enthauptet wurden wie schließlich auch Margareta.
Nach anderer Überlieferung sah der Stadtpräfekt Olybrius Margareta Schafe hüten und begehrte die schöne christliche Jungfrau. Da sie sich standhaft weigerte, ließ er sie mit eisernen Kämmen reißen, mit Fackeln brennen und ins Gefängnis werfen. Mehrfach erschien ihr der Teufel als ein riesiger Drache und wand sich um sie, um sie zu verschlingen, aber er wurde zerbrochen durch das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte; sie entkam seinen Krallen unbeschädigt. Dem nun in Menschengestalt erscheinenden Teufel setzte sie ihren Fuß auf den Scheitel, um ihm seine Machtlosigkeit zu zeigen. Immer wieder wurde sie von den bei ihren weiteren Martern erlittenen Wunden wundersam gesund, das Volk erkannte dies, viele ließen sich daraufhin taufen. Schließlich zur Richtstätte geführt, betete sie vor ihrer Enthauptung für ihre Verfolger und alle, die in Zukunft ihr Gedächtnis anrufen würden, besonders die Frauen in Kindsnöten.
Die von einem nicht näher identifizierten Theotimos verfasste Leidensgeschichte der Margareta folgt dem Typus der Jungfrauen-Passiones; sie erfuhr zahlreiche lateinische und dann volkssprachliche Bearbeitungen. Margareta wurde schon bald in der Ostkirche verehrt, im Westen wurde sie zuerst im Martyrologium von Hrabanus Maurus erwähnt, dann wurde ihre Verehrung besonders vom Zisterzienserorden gefördert. Angebliche Reliquien sind seit 1185 in Montefiascone in der Toskana. Margareta war eine der Stimmen, von denen später Jeanne d'Arc geführt wurde. Infolge des Drachen-Attributs wurde Margareta zuweilen mit der von Georg befreiten Königstochter gleichgesetzt und beide gemeinsam zu Kirchenpatronen erkoren.
Margareta ist eine der Nothelferinnen; mit Barbara und Katharina von Alexandria gehört Margareta zu den beliebten "drei heiligen Madln"; zusammen mit Dorothea sind sie die vier Virgines capitales, die wichtigsten Jungfrauen. Für Bauern begann früher am Margaretentag die Ernte.



16.07.2019
Hl. Apollinaris von Ravenna
† um 200 (oder um 75 ?) in Ravenna in Italien
Gedenktag: 20. Juli

Apollinaris war nach alten Legenden mit Petrus aus Antiochia - dem heutigen Antakya - nach Rom gekommen und wurde dann von diesem ausgesandt, um als Glaubensbote in Ravenna zu wirken, wo er zwanzig Jahre lang Bischof war. Heiden überfielen, misshandelten und töteten ihn auf qualvolle Weise.
Nach anderen Berichten überlebte Apollinaris qualvolle Peinigungen und Verfolgung, wurde mehrmals als tot geltend fortgetragen, entkam nach Dalmatien, verkündigte dort das Evangelium und wendete eine große Hungersnot ab. Nach seiner Rückkehr wurde er mit einer Keule erschlagen.
Wieder andere Quellen berichten eine ähnliche Lebensgeschichte am Ende des 2. Jahrhunderts. Eine stattliche Zahl von Martern, Heilungen, Wundern ist in der Legenda Aurea über ihn zusammengestellt.
Über Apollinaris' Grab in Ravenna wurde die weltberühmte dreischiffige Basilika S. Apollinare in Classe gebaut und 549 geweiht, seit dem 9. Jahrhundert erhebt die Kirche S. Apollinare Nuovo den Anspruch, seine Begräbnisstätte zu sein. Die Verehrung war früh schon auch in Rom, Mailand und Dijon beheimatet. Von Dijon breitete sie sich aus im Elsass, so in Obermichelbach - dem heutigen Michelbach-le-Haut, nahe Basel -, dazu in der Schweiz und bis nach Reims und Gorkum / Gorinchem.
Kaiser Otto III. brachte nach einem Besuch in Ravenna den Kult nach Burtscheid - heute ein Stadtteil von Aachen. Die Abtei Siegburg hat - möglicherweise durch Anno - Reliquien, vielleicht aus Dijon, erhalten und verbreitete den Kult im Rheinland; die Siegburger Propstei Apollinarisberg bei Remagen wurde ein berühmter Wallfahrtsort mit Pilgerfahrten, vor allem Mitte Juli. Die Reliquien auf dem Apollinarisberg kamen der Legende nach 1162 zusammen mit denen der heiligen Drei Könige durch Erzbischof Reinald von Dassel nach Deutschland, diese Überlieferung ist eine durch das Zusammenfallen von Apollinarisfest und Translationsfest der Drei Könige am 23. Juli angeregte Erfindung aus der Zeit um 1450. Diese Gebeine wurden von Herzog Wilhelm I. von Jülich geraubt und 1383 nach Düsseldorf gebracht; zuvor hatte ein Ritter mit Namen Gerhard von Einenberg den Kopf versteckt, so dass der in Remagen verblieb. In Folge des deutsch-französischen Krieges kam er 1812 auch nach Düsseldorf, wurde 1826 aber wieder nach Remagen zurückgeführt.



15.07.2019
Hl. Justa und Rufina
* in Sevilla in Spanien
† um 305 daselbst
Gedenktag: 19. Juli



Justa und ihre Schwester Rufina sollen der Legende nach Töchter eines Töpfers gewesen sein, die mit dem Erlös aus dem Gewerbe ihres Vaters für Arme sorgten. Bei einer heidnischen Prozession zerstörten sie die Prozessionsfigur der syrischen Göttin Salambo, wurden festgenommen und gefoltert. Justa wurde im Brunnen ertränkt, Rufina enthauptet und verbrannt.
König Ferdinand III. errichtete über der Stätte ihres Martyriums eine Kirche und ein Kloster.



14.07.2019
Hl. Theodosia von Konstantinopel
† 29. Mai 726 in Konstantinopel, dem heutigen Ístanbul
Gedenktag: 18. Juli



In der Zeit des so heftig geführten Streits um die Verehrung von Ikonen stürzte Theodosia einen Beamten des Kaisers Leon III., der ein Bild Christi am Palasttor entfernen sollte, von der Leiter hinab. (Andere Überlieferung: Mehrere Frauen waren beteiligt.). Zur Strafe wurde sie enthauptet.
Die Reliquien der Theodosia wurden in der nach ihr benannten Kirche in Ístanbul aufbewahrt, die 1453 in ein Flottenarsenal, 1566 in die Gül-Moschee umgewandelt wurde.



13.07.2019
Hl. Friedrich von Utrecht
* um 780 in Friesland
† 18. Juli 838 in Utrecht
Gedenktag: 18. Juli



Friedrich stammte aus friesischem Adel, lebte schon in jungen Jahren als Büßer und wurde Priester. Er wirkte als Missionar in Friesland, wurde 828 Bischof von Utrecht und bekämpfte heidnische Sitten und Irrlehren. Seine erklärte Ablehnung der Heirat von Kaiser Ludwig, dem Frommen, mit Judith und seine Parteinahme für die Kaisersöhne zog den Hass der Kaiserin auf ihn; auf ihre Veranlassung hin wurde Friedrich während einer Messe ermordet.



12.07.2019
Hl. Theresia vom hl. Augustinus und Gefährtinnen
† 17. Juli 1794 in Paris in Frankreich
Gedenktag: 17. Juli



Theresia vom hl. Augustinus, mit bürgerlichem Namen Madeleine-Claudine Ledoine, und weitere fünfzehn Karmelitinnen, darunter Marie-Françoise Gabrielle de Croissy, Marie-Gabrielle Trézel, Anne-Marie-Madeleine Thouret mit dem Ordensnamen Charlotte, Marie-Antoinette Brideau, Marie-Antoniette Hanisset, Marie-Anne Piedcourt, Rose-Christin von Neuville, Anne Petras, Marie Claude Cyprienne Brard, Marie-Geneviève Meunier, Angélique Roussel, Marie Dufour und Juliette Vérolot, wurden während der französischen Revolution 1792 aus ihrem Kloster in Compiègne vertrieben. Am 24. Juni 1794 wurden sie verhaftet. Weil sie ob ihrer Treue zur Kirche und zum Ordensberuf den Eid auf die Zivilkonstitution widerriefen, wurden sie zum Tod verurteilt und in Paris enthauptet; vor ihrem Tod erneuerten sie ihre Ordensgelübde, betend und singend bestiegen sie das Schafott.
Die treuen Dienerinnen Jesu Christi haben sich bereits am Vormittag auf ihren Tod vorbereitet, indem sie an nichts anderes mehr dachten als dem Herrn ihr Lob zu singen. Denn nachdem man sie auf die Karren hinauf gehoben hatte, die sie vom Justizpalast zum Denkmal „Barrière du Trône“ bringen sollten – erst vor kurzem hat man das Denkmal anstelle des Revolutionsplatzes, der früher den Namen „Platz Ludwigs XV.“ getragen hat, zum Hinrichtungsort bestimmt –, sangen sie den Psalm Miserere, die Muttergottes-Antiphon Salve Regina sowie das Te Deum. Am Schafott angelangt, stimmten sie das Veni Creator an und erneuerten ihre Gelübde.
Es war erstaunlich, dass der Scharfrichter, die Wache und das Volk dies alles zuließen, ohne sich im Geringsten darüber lustig zu machen oder ein Zeichen von Ungeduld zu zeigen… Gerade auch die Leute, die sich an die vorüberziehenden Karren herangedrängt hatten und die gewohnt waren, gegen alles zu schreien, was für sie aristokratisch war, waren auffallend still, und wenn etwas zu hören war, dann waren es Worte der Klage, die angeregt waren vom himmlischen Duft, den die Schwestern ausstrahlten: „Ach, diese guten Seelen! Ich bin mir sicher, dass sie direkt in den Himmel kommen werden… Oh ja!
(Zeugnis von Schwester Marie von der Menschwerdung, Subpriorin, die nicht ermordet wurde)



11.07.2019
Hl. Felix und Hl. Nabor
* in Afrika
† 304 in Lodi bei Mailand in Italien
Gedenktag: 12. Juli



Felix und Nabor waren Legionäre im Heer des Kaisers Maximinianus Herkuläus (Mitkaiser Diokletians). In der Christenverfolgung wurden beide ihres Glaubens wegen enthauptet.
Ihre Gebeine wurden 313 nach Mailand gebracht, wo sich schnell ein rege Verehrung entwickelte und eine Kirche erbaut wurde. Später wurden Reliquien von ihnen zusammen mit den Dreikönigsreliquien von Rainald von Dassel nach Köln überführt und ruhen im Obergeschoss des Dreikönigsschreins. Die Häupter der beiden wurden 1959 in Namur in Belgien aufgefunden und nach Mailand zurückgebracht.



10.07.2019
Hl. Hermagoras
† um 305 in Singidunum, dem heutigen Beograd in Serbien
Gedenktag: 12. Juli



Hermagoras war Lektor in Singidunum. Zusammen mit Fortunatus erlitt er in den Christenverfolgungen unter Diokletian das Martyrium.
Spätere Legenden erzählen von ihm als Schüler der Apostel und erstem Bischof von Aquileia. Demnach sei er von Markus in Aquileia bekehrt, dann wegen seines heiligmäßigen Lebens in Rom Petrus vorgestellt und von diesem als Bischof eingesetzt worden. Als Christ entlarvt und unter Kaiser Nero um 65 verhaftet, habe er im Gefängnis seinen Wärter Pontianus, die Familie von Gregorius und die Matrone Alexandra, die er von Blindheit heilte, bekehrt. Zusammen mit Fortunatus sei er schließlich enthauptet und im Beisein der von ihm Bekehrten bestattet worden.
Hermagoras' Gebeine kamen um 400 nach Aquileia; bis heute werden sie in Grado bei Aquileia aufbewahrt.
Aquileia war eine der ersten Städte, in der das Christentum ungehindert ausgeübt werden konnte; der Patriarch von Aquileia war nach dem Bischof von Rom der zweitwichtigste Mann der Kirche des Westens. Zu seiner Glanzzeit unterstanden dem Patriarchen von Aquileia mehr als 25 Diözesen zwischen Bayern, Ungarn, Dalmatien und Norditalien. Als 452 Hunnenkönig Attila die Stadt zerstörte, wurde der Bischofssitz nach Grado verlegt. 606 wurde das Patriarchat von Aquileia geteilt, weil das Domkapitel seinem Patriarchen nicht von Grado wieder zurück nach Aquileia folgen wollte; in der Folge erhielt der vom Papst in Rom und vom Patriarchen in Byzanz - dem heutigen Ístanbul - unterstützte Patriarch in Grado die Jurisdiktion über Istrien und die Adriaküste, während der schismatische Konkurrent aus Aquileia seinen Sitz in langobardisches Gebiet verlegte. Unter der Herrschaft von Karl dem Großen blühte Aquileia neu auf. Die weltliche Herrschaft des Patriarchen von Aquileia endete 1420 mit der Besetzung durch Venedig. Im kirchlichen Sinne wurde das Patriarchat erst 1751 auf Drängen der Habsburger von Papst Benedikt XIV. aufgelöst und durch die neu gegründeten Erzdiözesen Udine und Gorizia ersetzt. Der Titel des Patriarchen lebt bis heute fort im Patriarchat von Venedig.
Die Basilika von Aquileia enthält bis heute farbenprächtige, faszinierende Bodenmosaiken vom Anfang des 4. Jahrhunderts, u.a. das Bild eines Kampfes zwischen Hahn und Schildkröte; es soll den Kampf zwischen Glauben und Unglauben darstellen. Der Hahn, Sinnbild für das Christentum und das Licht, stellt sich der Schildkröte, dem Sinnbild für Unglauben, entgegen.



09.07.2019
Hl. Oliver Plunket
* 1629 in Loughcrew in Meath in Irland
† 11. Juli 1681 in Tyburn, heute Teil des Stadtbezirks West End in London in England
Gedenktag: 11. Juli




Oliver war der Sohn einer adligen Familie. Er studierte in Rom und wurde dort zum Priester geweiht. 1669 wurde er Erzbischof von Armagh und Primas von Irland. Nachdem unter der Militärdiktatur Oliver Cromwells die Katholiken Irlands blutig verfolgt und vertrieben worden waren, der katholische Glaube verboten war und nur im Untergrund weiterleben konnte, geriet auch Oliver Plunkett, der seine Kraft einsetzte, um die Sakramente zu spenden, heilige Messen zu feiern und die irische Kirche zu erneuern, in die Fänge der Verfolger. 1679 wurde er als Hochverräter gefangen genommen. Trotz gekaufter Zeugen konnte er nicht verurteilt werden, da kein protestantischer Bischof oder Würdenträger sich dazu hergab, gegen ihn auszusagen. Erst in London wurde er 1681 verurteilt, erhängt und gevierteilt.



08.07.2019
Hl. Erich
* in Schweden
† 1160 bei Uppsala in Schweden
Gedenktag: 10. Juli




Erich (oder Erik) wurde nach dem Tod seines Vaters schon 1150 König von Schweden; er war ein frommer, asketischer Mann, auf die Erhebung von Steuern verzichtete er. Zu seiner Zeit war Schweden zwar schon nominell christianisiert, aber in Kultur und Lebenspraxis noch sehr in heidnischen Formen verhaftet. In seiner Regierungszeit stärkte er die Kirche und versuchte, den christlichen Glauben zu festigen. Erik unternahm mit seinem Bischof Heinrich 1154 und 1156/57 siegreiche Kreuzzüge gegen die Finnen, gründete dort Klöster und Kirchen.
1160 wurde er nach dem Besuch der Heiligen Messe am Himmelfahrtstag aufgrund einer vom dänischen Prinzen Magnus Henriksson angezettelten Verschwörung ermordet: "Sie hauten und erstachen ihn unwürdiglich." Erzählt wird, dass eine blinde Witwe, in deren Haus die Diener den Leichnam brachten, ihre Augen mit seinem Blut berührte und sehend wurde.



07.07.2019
Hl. Andreas Bauer OFM
* 1866 in Gebweiler, heute Guebwiller im Elsass in Frankreich
† 9. Juli 1900 in Taeyuen-fu in China
Gedenktag: 9. Juli

Andreas Bauer wurde Laienbruder der Franziskaner. Er wirkte als Missionar im Norden von Schansi / Shanxi in China und wurde beim Boxer-Aufstand im Gefängnis zusammen mit zahlreichen anderen Christinnen und Christen ermordet.



06.07.2019
Hl. Augustinus Siding Zhao Rong
* um 1746 in China
+ 1815 in China
Gedenktag: 9.Juli




Siding Zhao Rong war einer der Soldaten gewesen, die den heiligen Missionar Jean-Gabriel-Taurin Dufresse, im Jahr 1785 von Chengdu nach Beijing, Peking, eskortiert hatten, als dieser in die Verbannung geschickt wurde; durch dessen Vorbild angeregt, wurde er Taufschüler, Christ und schließlich Priester des Apostolischen Vikariates Sichuan. Als die Verfolgung wütete, wurde auch er aufgegriffen, für den Namen Christi in den Kerker geworfen und grausam gefoltert. An einem nicht genau bekannten Tag in den ersten Monaten des Jahres 1815 ist er in der Haft zugrunde gerichtet worden. Das Martyrologium Romanum gedenkt seiner am heutigen Datum, eine andere chinesische Tradition gedenkt seiner am 27. Januar.



05.07.2019
Hl. Kilian, Bischof
* in Mullagh in Ulster (heute County Cavan) (?) in Irland
† 689 (?) in Würzburg
Gedenktag: 8. Juli



Der irische Wanderbischof Kilian kam mit seinen Begleitern, dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan, im 7. Jahrhundert aus Irland ins Frankenreich. Es war die Zeit der irischen Mission, auf die, zusammen mit der späteren angelsächsischen Mission, die Christianisierung der Germanen/Deutschen beruht. Kilian missionierte in und um Würzburg. Nach einem Bericht, der ums Jahr 840 abgefasst wurde, kam es zu einem Konflikt mit der in Würzburg ansässigen, christlich gewordenen Herzogsfamilie, weil Kilian dem Herzog gegenüber auf der Beachtung des kirchlichen Eherechts bestand. Um 689 wurde Kilian mit seinen beiden Begleitern im Auftrag der Herzogin ermordet. Seine Reliquien wurden 722 aufgefunden und 788 in Gegenwart Karls des Großen in den als Grablege erbauten Salvatordom überführt, nach dessen Zerstörung in das heutige Neumünster.
Auch heute wird Kilian im Frankenland und besonders im Bistum Würzburg sehr verehrt.



04.07.2019
Hl. Maria Goretti
* 16. Oktober 1890 in Corinaldo bei Ancona in Italien
† 6. Juli 1902 in Le Ferriere bei Nettuno in Italien
Gedenktag: 6. Juli




Maria Goretti wuchs als Älteste von sieben Kindern in ärmlichen Verhältnissen in Corinaldo in der Nähe von Ancona auf. Da die Eltern die Familie durch ihre kleine Landwirtschaft nicht mehr ernähren konnten, zogen sie schließlich nach Le Ferriere in die Nähe von Nettuno, wo der Vater ein Jahr danach an Malaria starb.
Maria führte ein vorbildliches und äußerst frommes Leben, unterstütze die Mutter bei der Arbeit und sorgte sich um ihre jüngeren Geschwister. Auch um die Mitpächter Serenelli kümmerte sie sich.
Der fast zwanzigjährige Sohn dieser Familie, Alessandro Serenelli, belästigte und bedrängte das Mädchen. Obwohl es mehrere Übergriffe gab, schwieg Maria ihrer Mutter gegenüber, um sie nicht noch mehr zu belasten.
Schließlich verlor Alessandro am 5. Juli 1902 die Geduld und wurde gewalttätig. Das Mädchen wehrte sich heroisch und wurde durch 14 Messerstiche schwer verletzt. Ins Krankenhaus verbracht, starb sie einen Tag später. Auf dem Sterbebett verzieh Maria Goretti ihrem Mörder und versprach, für seine Bekehrung zu beten.
Der Mörder Maria Gorettis wurde zu 30 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Jahre nach Marias Tod, während denen Alessandro keine Anzeichen von Reue zeigte, erschien ihm in einem Traum (oder einer Vision) die junge Märtyrin und reichte ihm eine Blume. Dies war der Anlass für seine Bekehrung. Nach seiner frühzeitigen Entlassung aus der Zwangsarbeit, die ihm als Strafe auferlegt wurde, lebte er als Klostergärtner im Kapuzinerkloster Ascoli Piceno; er schloss sich auch dem 3. Orden an und führte ein Leben der Buße. Er starb 1970.
Die Reliquien der heiligen Maria Goretti befinden sich in der Krypta der Kirche Madonna delle Grazie der Passionisten in Nettuno; auch in ihrem Geburtsort Corinaldo gibt es ein ihr geweihtes Heiligtum.
Bei der Heiligsprechung Maria Gorettis am 24. Juni 1950 versammelten sich rund 500.000 Menschen. In seiner Ansprache hob Pius XII. hervor, dass das Mädchen wegen ihres Verzeihungsaktes gegenüber ihrem Mörder und aufgrund ihres bedingslosen Eintretens für die Tugend der Keuschheit zu verehren sei.



03.07.2019
Hl. Thomas
* in Galiläa (?) in Israel
† 72 in Kalamina, d.i. Mailapur, der heutige Stadtteil Mayilapuram in Madras / Chennai in Indien (?)
Gedenktag: 3. Juli



Thomas, dessen aramäischer Name „Zwilling“ bedeutet, war einer der zwölf Apostel Im Johannesevangelium wird er als Grübler und Zweifler dargestellt (vgl. Joh 11, 16; 14, 5; 20, 24-29). Er erhielt, als er die Abschiedsrede Jesu unterbrach, die große Antwort: „Ich bin der Weg und die Wahrheit uns das Leben“ (Joh 14, 6). Er ist es, der das klarste Bekenntnis zum auferstandenen Herrn abgelegt hat (Joh 20, 28), nachdem er zunächst die Nachricht von der Auferstehung Jesu nicht hatte glauben wollen. - Nach der Legende soll er später in Indien missioniert haben und dort als Märtyrer gestorben sein. Im 3. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach Edessa überführt. Ephräm der Syrer (vgl. 9. Juni) hat ihn durch Hymnen verherrlicht.

02.07.2019
Sel. Raimundus Lullus von Palma
* um 1232 in Palma di Mallorca in Spanien
† 1315 / 1316 in Tunis in Tunesien (?)
Gedenktag: 3. Juli



Ramon Llull, Sohn eines katalanischen Ritters, war Oberhofmeister am Hof von König Jakob I. in Palma di Mallorca und später Erzieher von dessen Sohn, dem Prinzen Jakob II. Er genoss das Leben am Hof, 1256 heiratete er, seine Frau Blanca schenkte ihm zwei Söhne. Dann aber gab er seinem Leben, beeindruckt vom franziskanischen Ideal der Armut, eine radikale Wende: nachdem ihm um 1263 vier Visionen Christi zuteil wurden, schloss er sich als Tertiar den Franziskanern an und studierte privat auf dem Klosterberg Randa in der Mitte von Mallorca, wohin er sich bis 1274 immer wieder zurückzog, Arabisch, Philosophie, Medizin und Theologie.
Die Kombination verschiedener Wissensgebiete und Weisheiten kulminierten bei Ramon Llull zu einer neuen universalen, ja mystischen Sicht Gottes und der Welt, die sich ihm in den Symbolen des Kreises und des Dreieckes erschloss. Hierin sah er seine große Berufung: sein ihm in den mystischen Visionen geschenktes Wissen gehöre der Welt; er verfasste fast dreihundert Werke über Theologie und Philosophie, Grammatik und Mystik, Astronomie und Logik - nicht im gebräuchlichen Latein der Gelehrten, sondern meist seiner Muttersprache; seine Poesie ist die wohl schönste der katalanischen Sprache. Um 1272 schrieb er auf Arabisch sein Liber contemplationis, Buch der Versenkung. An seinem 1274 begonnenen Werk "Ars", ("Lehrbuch"), hat er mehr als dreißig Jahre lang gearbeitet - er wollte mit Hilfe des Verstandes Gott beweisen und das weltbeste Buch zur Bekehrung der Ungläubigen, besonders der Muslime, schreiben. Dazu helfen sollte auch eine von ihm konstruierte Maschine aus sieben Scheiben, die jeweils Begriffe wie Gott, Mensch oder Wahrheit u.a. trugen; das Drehen der Scheiben ergab immer wieder andere Verknüpfungen, die den Gottesbeweis untermauern sollten; durch Auswechslung der Scheiben ergaben sich immer neue Kombinationen; waren die Scheiben mit Zahlen versehen, konnten Berechnungen durchgeführt werden; Ziel war in alledem der Zugang zu den himmlischen Datenbanken, in denen alle Wahrheit ist, wie es ein Historiker formulierte. Seine Maschine half mit entsprechenden Scheiben angeblich sogar bei der Bibelübersetzung oder der Überführung des Korans in die Bibel.
Llulls großes Ziel war die Vereinigung des christlichen, jüdischen und islamischen Glaubens. Dabei stellte er immer wieder die Vernunft in den Mittelpunkt seiner Arbeit und Argumentation: seine These war, dass Anders- und Ungläubige mit Vernunftgründen zu bekehren seien; auch häretische Christen akzeptierten vernünftige Argumentationen und die besseren Argumente, die für die Wahrheit des christlichen Glaubens sprechen. Logik und Dialog reichten, Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen. Seine wissenschaftliche Arbeit führte dazu, dass man ihn mit den Ehrentiteln Doctor phantasticus und Doctor illuminatus bezeichnet.
1276 gründete Ramon Llull in Palma di Mallorca das Kloster Miramar mit einer Missionsschule für Minderbrüder, die als Missionare für die arabische Welt ausgebildet wurden. Raimundus verließ seine Familie, wohnte in Bougie / Bejaia in Algerien und bereiste 1281 bis 1282, 1297 bis 1299, 1305 und 1306 Nordafrika. Reisen nach Barcelona, Zypern, Cilicien in der heutigen Türkei, Genua, Pisa und Lyon sollten zwischen 1299 und 1308 ebenfalls der Bekehrung von Häretikern und Muslimen dienen. Seine Lehren und seine Appelle für Toleranz hatten aber nicht immer Erfolg: in Tunis wurde er mehrfach festgenommen und ausgepeitscht. Dennoch lehrte er mit großem Eifer und gilt als der wichtigste Missionar unter Muslimen im Mittelalter.
Das Scheitern seiner Mission machte ihn mit dem Kreuzzugsgedanken vertraut, um so das heilige Land zurück zu erobern. Hatte er sich zunächst mit ganzer Kraft der Überzeugung durch Argumente verschrieben, kam nun immer mehr der Gedanke militärischer Aktionen gegen die Muslime in den Vordergrund.
1311/12 nahm Ramon Llull am Konzil in Vienne teil und erreichte die Einrichtung von Lehrstühlen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch in Paris, Oxford und Bologna. 1313 bis 1314 wirkte er auf Sizilien, ab 1314 wieder in Tunis. Bei dieser Missionsreise wurde er bei seinem Fußmarsch durch Algerien - wohl Ende des Jahres 1315 - von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Schon dort oder auf der Schiffsreise zurück in seine Heimat oder nach der Ankunft in Palma di Mallorca erlag er den schweren Verletzungen. In der Kirche des Franziskanerklosters in Palma wurde er bestattet; dort ist bis heute sein Sarg oben unter dem Gewölbe des Altarraumes.
1376 wurde Ramon Llull von Papst Gregor IX. zum Ketzer erklärt, seine Schriften wurden verboten und verbrannt. Dennoch war Nikolaus Cusanus ein großer Bewunderer von Ramon Llull, sammelte seine Werke und sorgte für deren Verbreitung. Gottfried Wilhelm Leibnitz baute um 1700 eine Rechenmaschine nach Llulls Vorgaben. Unter Mathematikern gilt sein Ars magna als erster Computer der Welt; Programmierer der Fa. Siemens übersetzten Llulls Regeln in heutige Computersprache - sie funktionieren! Im 19. Jahrhundert wurde Ramon Llull zum Märtyrer der Kirche erklärt und rehabilitiert.



01.07.2019
Die ersten heiligen Märtyrer der Stadt Rom
† 64 in Rom
Gedenktag: 30. Juni


Ein Fest aller Märtyrer, die in der Verfolgung Neros ihr Blut vergossen, wurde in Rom seit 1923 gefeiert; der neue römische Kalender hat die¬sen Gedenktag, der sich an das Fest der Apostel Petrus und Paulus anschließt; auf die ganze Kirche ausgedehnt. - Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, er selbst habe die Stadt Rom angezündet, „schob Nero die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen verhassten Menschen, die das Volk Christianer nannte. Der Name leitet sich von Christus ab; dieser war unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pi¬latus hingerichtet worden ... Man verhaftete also zuerst die Leute, die bekannten, dass sie Christen waren; dann auf ihre Anzeige hin eine ganze Menge. Sie wurden nicht gerade der Brandstiftung, wohl aber des allgemeinen Menschenhasses überführt. Die Todgeweihten benützte man zum Schauspiel. Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an, man ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen. Nero hatte für diese Schauspiele seinen Park zur Verfügung gestellt und veranstaltete ein Zirkusspiel: Im Aufzug eines Wagenlenkers mischte er sich unter das Volk oder stand auf seinem Wagen ...“ Das schreibt der (heidnische) römische Geschichtsschreiber Tacitus im 15. Buch seiner Annalen.



30.06.2019
Catharina
1550


Acht Tage nachdem die Vorgenannten aufgeopfert worden sind, ist auch eine Frau, namens Catharina, zum Feuer verurteilt worden, welche, als sie noch gefangen saß, von den Mönchen sehr gequält worden ist, dass sie abfallen sollte; sie sprach aber: Ich stehe so fest auf meinem Glauben, dass ich mich dafür zu Gottes Ehren an einem Pfahle braten lassen will. Was würdet ihr, wohl für euren Glauben tun; gewiss nicht viel, darum bessert euch, ehe ihr zu Schanden werdet. Als sie nun verurteilt war, lebendig verbrannt zu werden, und zum Richtplatze hinausging, wurde sie von einem Bruder begrüßt, und als sie zu der Schaubühne kam, wurden auf ihr Begehren ihre Hände entfesselt. Da ist sie niedergekniet und hat Gott inbrünstig um Kraft angerufen, welche ihr auch zuteil geworden ist; denn als sie aufstand und an den Pfahl gebunden wurde, hat sie herzhaft gesagt: Ich werde um der Wahrheit willen getötet; darum will ich ohne Furcht alles leiden, was euch in die Hände gegeben ist, an mir zu tun. Da kam ein Verführer herbei, um sie zu trösten und (wie er sagte) zu stärken; sie aber sprach: Schweige, denn du bist von deiner Qual ganz ermüdet; höre auf mich zu trösten, und tröste dich selbst; denn derjenige, um dessen willen ich leide, wird nun mein Trost sein. Sodann ist sie, unter dem Anschauen allen Volkes, im festen Vertrauen zu Gott, welchen sie anrief, lebendig verbrannt worden, und hat ihre Seele und ihren Leib, Gott zu einem Brandopfer, mit einem standhaften Gemüte aufgeopfert.



29.06.2019
Walter von Stölwick
1541

Im Jahre 1541, den 11. Februar, ist noch ein frommer und getreuer Bruder, Walter von Stölwick genannt, von Vilvoorden in Brabant den reißenden Wolfen in die Hände gefallen, von welchen feindseligen Papisten er um der Wahrheit willen vieles hat leiden müssen. Derselbe hatte, als ein kluger Baumeister sein Haus auf den festen und unbeweglichen Stein Jesum Christum gegründet, darum ist er auch in allen diesen hohen Versuchungen standhaft geblieben, ungeachtet ihm in einer dreijährigen Gefangenschaft die Blutdürstigen viel strenge und tyrannische Pein in ihren Untersuchungen zugefügt haben, sodass er endlich an dem bezeichneten Orte, den 24. März 1541, zum Tode verurteilt und mit Feuer verbrannt worden ist; er ist aber seinem Herrn und Schöpfer bis zum Tode getreu geblieben und hat den wahren Glauben der Wahrheit und seine unbewegliche lebendige Hoffnung mit seinem Tode und Blute standhaft befestigt. Darum wird er auch, als ein gehorsames Schaf des großen Hirten der Schafe, diese Stimme hören: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, besitzt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn.



28.06.2019
Arnold Jacob mit seiner Hausfrau und seinem ältesten Sohne
1539

Gleichwie es sich in den Zeiten Esaus und Jakobs zugetragen, dass der, welcher nach dem Fleische geboren war, den verfolgt hat, der nach dem Geiste geboren war, so hat man auch dergleichen in dieser Zeit im Überflusse erfahren, was sich unter vielen andern an einem gottesfürchtigen Bruder, namens Arnold Jacob, sowie an seinem Weibe und seinem ältesten Sohne gezeigt hat. Dieselben wohnten im Lande, der Ryp genannt; weil sie aber von oben aus Gott wiedergeboren und die ewige Erbschaft, welche solchen im Himmel vorbehalten ist, suchten, sind sie von Esaus Nachfolgern gehasst und bis zum Tode verfolgt worden, welche sie aus dem Lande Ryp nach Monickendam, in Nordholland gelegen, gefänglich gebracht haben, wo sie um der Wahrheit willen viel leiden mussten. Da sie aber auf Christum gegründet waren und sich durch keinerlei Pein von demselben haben abziehen lassen wollen, so sind sie an dem bezeichneten Orte, ungefähr im Jahre 1539, vom Leben zum Tode verurteilt; ihr Urteil ging dahin, ertränkt zu werden, was auch in folgender Weise vollzogen ist. Man bediente sich bei der Exekution großer schwerer Steine, welche der Scharfrichter nicht aufheben konnte, sodass ihm hierin die Gefangenen helfen mussten; hiernächst sind sie wie unvernünftige Tiere, mit Steinen an den Hals gebunden, ins Wasser geworfen worden, worauf der Tod erfolgt ist. Sie haben also ihr Leben nicht geliebt, sondern dasselbe um des Zeugnisses Jesu willen dem Tode übergeben, welcher in seiner herrlichen Zukunft ihre verworfenen Leiber von den Toten wieder auferwecken und sie im Himmel mit ewiger Unsterblichkeit krönen wird.



27.06.2019
Tjaert Reynertß
1539

Auch war um das Jahr 1539 ein gottesfürchtiger Hausmann, namens Tjaert Reynertß, welcher nicht weit von Harlingen in Friesland wohnte, wo er von den blutdürstigen Papisten vieles um der Wahrheit willen hat leiden müssen. Die Ursache seiner Gefangenschaft ist gewesen, weil er Menno Simon aus Mitleiden und brüderlicher Liebe in seinem großen Elende heimlich in seinem Hause beherbergt hatte; als dieses die Beneider ausgekundschaftet haben, ist er dieserhalb ergriffen und grausam verhört worden; derselbe aber, als ein frommer Held und Zeuge Jesu, hat in seiner größten Not seinen Schöpfer nicht verleugnen wollen, sondern hat den Glauben der ewig bleibenden Wahrheit ohne Scheu und unerschrocken vor den Tyrannen und Blutdürstigen bekannt. Deshalb ist er an dem bezeichneten Orte als ein Oberster der Mörder, nach dem Vorbilde seines Herrn Jesu, auf das Rad gelegt worden, obgleich er ein Zeugnis auch von seinen großen Feinden hatte, dass er ein recht frommer Mann gewesen.
In dieser Zeit ist die Tyrannei und Verfolgung der gottesfürchtigen Christen sehr grausam gewesen, so dass die neidischen Papisten, welche die Wahrheit hassten, die Portraits vieler der ausgezeichnetsten Lehrer und Vorsteher der Gemeinde Jesu Christi abmalen und an die Pforten und öffentlichen Plätze anschlagen ließen, und eine Summe Geldes darauf setzten, wenn jemand dieselben dem Scharfrichter oder Henker in die Hände liefern würde.



26.06.2019
Philippus von Keurs, im Jahre
1537

Es hat sich auch im Jahre 1537 zu Casses in Flandern ein gottesfürchtiger frommer Bruder, namens Philippus Keurs, seines Handwerks ein Schreiner, aufgehalten. Als er sich auch von der gegenwärtigen argen Welt abgesondert und auf den Kreuzesweg, welcher zum Reich Gottes führt, begeben hatte, so haben ihn die Diener dieser Welt (gleichwie auch seinen Herrn und Meister Jesum), gehasst, geschmäht und verfolgt, weshalb er endlich in die Hände der Tyrannen gefallen ist, welche ihn mit harter und schwerer Gefangenschaft unbarmherzig zugesetzt haben. Da er aber nicht auf beweglichen Sand, sondern auf den unbeweglichen Felsen gegründet war, so ist er im allem wie das durchläuterte Gold standhaft geblieben. Als er sich nun durch nichts von der Wahrheit abziehen lassen wollte, ist er daselbst vom Leben zum Tode verurteilt worden und hat also den Glauben der Wahrheit mit seinem Blute und Tode befestigt, und gleichwie er hier seines Herrn und Meisters Christi Leiden teilhaftig geworden ist, so wird er auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit sich sehr freuen und fröhlich sein und die Krone der ewigen Herrlichkeit empfangen und ewig genießen. (Abschrift aus einigen sehr alten Zeugnissen.)



25.06.2019
Bastian Glasmacher und Hans Grünfelder
1537

Auch ist im Jahre 1537 Bastian Glasmacher und Hans Grünfelder zu Imst im Ober-Inntale um des Glaubens und der Wahrheit Gottes willen gefangen gesetzt worden; diese hat man mit dem Schwerte gerichtet und dann verbrannt. Sie haben mit großer Freude den Herrn, samt seinem heiligen Worte und seiner Wahrheit bekannt. Als man sie hingerichtet, ist eine große Menge Menschen gegenwärtig gewesen; Hans hat überlaut gerufen und gesprochen, und das Volk bis an seinen Tod zum Besten angemahnt und gewarnt; desgleichen auch Bastian, so dass sich das Volk sehr über sie wunderte. Ihre Gebeine konnte man nicht ganz verbrennen, weshalb man sie ins Wasser geworfen hat; auch hat man des einen Herz nicht verbrennen können, zweifelsohne ihnen zum nachdrücklichen Zeugnisse.



24.06.2019
Georg Baser und Leonhard Seiler
1536

Georg Baser, ein Diener des Herrn und seiner Gemeinde mit dem Bruder Leonhard Seiler, seinem Mitgehilfen, wurde in eben demselben Jahren zu Neudorf in Österreich auf seiner Durchreise gefangen genommen und daselbst in den Stock gelegt. Am andern Tage kam der Richter von Metlyng mit dem ganzen Rate und andern Leuten vom Volke mit ihnen, und fragten sie, warum sie gefangen lägen? Sie antworteten: Um des Glaubens an Christum und der göttlichen Wahrheit willen.
Man hat sie sodann eine Strecke von Neudorf, in die Mark Metlyng (zwei Meilen von Wien gelegen) geführt. Auf dieser ganzen Reise haben sie mit aller Freimütigkeit von der Wahrheit Zeugnis gegeben, und zu ihnen mit vielen Worten von dem Gerichte und Urteile Gottes geredet, dass sich auch der Richter und alle übrigen darüber entsetzten, und nicht ein einziges Wort dagegen sagen mochten.
Sie haben sie aber daselbst in ein gemeines Gefängnis gelegt, worin ihre Mitgefangenen sie sehr gottlos, schändlich und niederträchtig misshandelt haben, was ihnen täglich so großes Herzeleid und Kummer verursachte, dass sie es lieber gesehen hätten, man hätte sie, um solches gottlose Wesen nicht zu hören, in ein stinkendes Loch gelegt.
In der Zeit ihrer Gefangenschaft hat man wegen der Kindertaufe und wegen des Sakraments viele und dringende Fragen an sie gerichtet, und ihnen dabei gesagt, dass wir sie alle gottlos und ungläubig nennten, worauf sie wegen der Kindertaufe ihnen antworteten, dass sie ihnen dieselbe gar wohl zuständen, und hinzufügten: weil sie sich Christen nennten, aber dabei den Namen Christi missbrauchten, und auch das Geringste, welches Christus befohlen und geboten hätte, mit keinem Finger anrührten, so sollten sie wissen, dass sie des Teufels seien, und wenn sie keine Buße wegen ihrer Sünden tun würden, so würde Gott ihren falschen Ruhm vertilgen, und sie würden mit der ganzen Welt und dem reichen Manne in den Abgrund der Hölle verstoßen werden; solches würde gewiss geschehen, wenngleich sie es bis jetzt nicht glaubten.
Nachdem sie beinahe ein ganzes Jahr im Gefängnisse zugebracht hatten, in welcher Zeit sie sich zum Tode zubereiteten, denn sie waren hierzu willig, guten Mutes und fröhlich im Herrn, so dass sie Gott, den gnädigen Herrn, baten, dass er sie aus dieser sterblichen Hütte und argen, blinden Welt erlösen wolle und dabei eine gute Hoffnung, große Freude und ein herzliches Verlangen hatten abzuscheiden, so dass sie jede Stunde und jeden Augenblick bereit waren, durch Gottes Hilfe und Beistand, um der Wahrheit Gottes und des Namens unsers Herrn Jesu Christi willen, trotz aller Pein und Leiden, welche ihnen auch zustoßen würden, männlich und ohne Furcht zu sterben, sind sie nachher aus besonderer Schickung Gottes, ohne Verletzung ihres Gewissens, wunderbar erlöst worden und in Frieden bei der Gemeinde zu Trasenhofen angekommen, woselbst sie als gute, würdige und liebe Brüder im Geiste empfangen und mit großer Freude aufgenommen worden sind.



23.06.2019
Hieronymus Kels, Michael Seifsieder, Hans Oberacker
1536

Im Anfange des Jahres 1536 wurde Hieronymus Kels von Kufstein mit Michael Seifsieder von Wald aus Böhmen und Hans Oberacker aus Etschland, ausgesandt, um nach der Grafschaft Tyrol zu reisen. Als sie aber zu Wien in Österreich ankamen, sind sie von dem Wirte, wo sie herbergten, auf folgende Weise verraten und gefänglich eingezogen worden. Als sie nämlich die Abendmahlzeit hielten, wurden sie von den Anwesenden aufgefordert, mit ihnen zu trinken, als sie nun merkten, dass sie keinen Bescheid tun wollten, ließ der Wirt Papier holen, und schrieb einen lateinischen Brief, welcher unter andern Worten in Deutsch also lautete: Hier sind drei Personen, welche mir Wiedertäufer zu sein scheinen. Er wusste aber nicht, dass der Bruder Hieronymus Latein verstand. Hierauf sagte der Bruder Hieronymus zu den andern Brüdern, es möchte geschehen, wie es dem lieben Gott gefiele, sie wollten sämtlich darauf warten. Nach zwei Stunden kamen des Richters Knechte und führten sie gebunden vor den Richter; als man sie verhört hatte, brachte man sie ins Gefängnis.
Nach acht Tagen forderte sie der Richter vor sich und seine Beisitzer, wo man ihnen sagte, sie sollten widerrufen. Der Bruder Hieronymus sagte: Sie sollten selbst von ihrem Unglauben abweichen und den Namen Gottes oder Christi nicht missbrauchen. Der Richter aber ist hierüber sehr in Zorn geraten, und weil Hieronymus ferner sagte, dass sie keine Christen wären, so sprach der Richter: Du bist ein verzweifelt böser Bube; gleichwohl hat Hieronymus, nachdem er wohl zehnmal darüber befragt worden, sein voriges Bekenntnis stets wiederholt. Darauf sagten die Beisitzer: Dieser heillose Mensch ist nicht wert, dass sich deine Weisheit über ihn erzürne; sie haben sich aber heftig über ihn und seine Brüder erzürnt, und sie wieder ins Gefängnis führen lassen. Nach acht Tagen hat sie der Richter alle drei wieder vor sich gefordert, und hat drei auserlesene arge Pfaffen zu sich genommen. Als nun dieselben mit Hieronymus reden wollten, dabei unsere Berufung verachteten, und unsern Glauben lästerten und vorgaben, sie wären gesandt, um sie wegen ihrer Irrtümer zu belehren, sagte er zu ihnen freimütig und unerschrocken: Wir sind auf dem rechten Wege, unser Ruf ist von Gott, auch hat uns Christus gelehrt, dass wir keiner fremden Stimme gehorchen sollten; auch fügte er hinzu: Wir sind willig allen Menschen Rechenschaft und Beweis von dem Grund unserer Hoffnung zu geben, aber mit Mönchen und Pfaffen, welche vom Papste, dem Antichristen, ausgesandt sind, begehren wir nicht zu reden, denn sie sind große Buben, Hurer, Meineidige, Schalke und Verführer, wie auch diese.
Darauf sagte der Richter: Mein guter Hieronymus, du kennst die guten Herren noch nicht. Hieronymus sagte: Gott ist mein Herr, sie aber keineswegs; dann hat er ihnen auf ihre Fragen wegen der Messe, der Erbsünde, der Kindertaufe, der Berufung und des grausamen abgöttischen Sakramentes geantwortet, was länger als zwei Stunden gedauert hat. Hierauf haben sie ihm zu Gemüte geführt, dass er doch sein liebes Leben, sein Weib und Kind, und dabei ihre treue Zusage, zu Herzen nehmen und zu Gott bitten möge, und dass auch sie bitten wollten; er aber sagte, dass sie die Wahrheit hätten und dabei bleiben wollten, man möchte tun, was man wollte; als sie nun auch die übrigen Brüder mit ihrem Gifte nicht anstecken konnten, hat sie der Richter wieder ins Gefängnis legen lassen, worin sie einander trostreiche Lieder zugesungen haben und fröhlich in Gott gewesen sind; und weil sie einander im Gefängnisse hören konnten, haben sie einander zugerufen und sich getröstet und gestärkt; auch haben sie ihr Glaubensbekenntnis mit vielen Beweisgründen aus der heiligen Schrift den Herren zu Wien und dem Richter schriftlich übergeben.
Dem gedachten Bruder Hans Oberacker ist des Herrn Tag dreimal erschienen, wie er uns aus dem Gefängnisse hat wissen lassen, und er hat solche Dinge (die er nicht aussprechen konnte) mit den innerlichen Augen des Herzens und auch mit seinen leiblichen Äugen gesehen, denn er sah den Zustand der Kinder Gottes, und welche große Gnade sie von Gott empfangen hatten, dagegen aber auch, wie gewaltig und schrecklich dieser Tag den Gottlosen sei, so dass er auch bat, Gott wolle ihn nimmermehr in solches Gericht fallen lassen, welches über die Bosheit so groß und schrecklich sei.
Nachdem man nun diese Brüder auf mancherlei Weise versucht hatte, und sie gleichwohl, als tapfere Ritter und Liebhaber Gottes, im Glauben standhaft blieben, sind sie von den Pilatuskindern zum Tode verurteilt und den Freitag vor Judica in der Fasten des gedachten Jahres in Wien zu Asche verbrannt worden.



22.06.2019
Peter Gerhard, Peter Georg, Peter Leydecker und Janneken Melz
1536

Im Jahre 1536, auf St. Margarethen Tag, des Morgens, hat der Schultheiß am Zürik See drei Brüder und eine Schwester, mit Namen Peter Gerhard, Peter Georg, Peter Leydecker und Janneken Melz gefangen genommen, welche er halb bekleidet mit sich geführt und sie auf einen Stein gesetzt hat, wo sie sieben Wochen gefangen gelegen und sich durch kein Leiden oder zugefügtes Elend zum Abfall haben bewegen lassen.
Als sie nun examiniert oder verhört wurden und man ihnen viel Menschensatzungen vorlegte, welche sie mit Gottes Wort zu widerlegen suchten, sagte der Bürgermeister: Wir achten euer Wort Gottes nicht, sondern wir halten uns an des Kaisers Befehl und werden alle diejenigen, welche dagegen handeln, auf eine spöttische Weise ausrotten. Sie antworteten: Herr Bürgermeister, damit beweisest du, dass du ein Vorsteher des babylonischen Reiches und des Bels sein willst, was dir zwar auf Erden einige Belohnung eintragen kann, aber endlich eine Ursache sein wird, dass dir mit dem Antichristen und dem gekrönten Tiere die ewige Verdammnis im feurigen Pfuhle zu Teil werden wird. Nachher wurden sie auf die Folterbank gebracht (wiewohl gegen ihre Rechte, indem sie Bürger waren), gleichwohl haben sie nicht abfallen wollen, wiewohl sie gepeinigt wurden, dass ihnen das Blut an den Füßen hinunterlief; sie vertrauen aber Gott und riefen ihn beständig an. Nachdem man sie gepeinigt hatte, führte man sie wieder hinauf, wo sie einander mit dem Worte Gottes trösteten.
Endlich sind sie den 4. September zum Tode verurteilt worden, worauf man sie ungebunden nach der Schaubühne geführt hat, wohin sie sich ohne Furcht als Schäflein Christi demütig begeben haben; hier sind sie niedergekniet und haben mit Stephanus gesagt: Herr Jesu, nimm unsern Geist auf, worauf sie in kurzer Zeit sämtlich enthauptet, ihre Leiber verbrannt und die Häupter auf Pfahle gesetzt worden sind; also haben nun dieselben ihr Opfer vollendet.




21.06.2019
Sieben Brüder
1536

In diesem Jahre sind auch sieben Brüder, mit Namen Hans Beck, Wahlfahrt Schneider, Christian Alzeiter, Balthasar Gesel, Wohlfahrt aus Getzenberg, Hans Maurer und Peter Kraneweter aus Gosedaum in Etschland gefänglich abgeführt worden; man hat mit ihnen vorgenommen und gehandelt, um sie zu überwinden und zum Abfalle zu bringen, als sie aber ihnen nichts abgewinnen konnten, weil sie bei der Wahrheit und ihrem Glauben standhaft blieben, so haben sie die Pilatuskinder zum Tode verurteilt, welche sie, nach dem Rate der Hohenpriester, dem Scharfrichter übergaben; derselbe musste nun die Sache zu Ende bringen. Also sind sie von diesem Leben zum Tode gebracht worden, sie haben das Volk gewaltig zur Buße angemahnt und bewiesen, dass dieses die göttliche Wahrheit sei, und dass keine unreinen, trägen oder unachtsamen Herzen in der Probe bestehen könnten. Wohlfahrt war einmal abgefallen und hat nach der Gottlosen Begehren getan, hat aber nachher solches wieder beklagt und beweint; als er nach einigen Tagen abermals berufen ward, hat er den Herrn wieder bekannt und gesagt, der Teufel hätte ihn dazu verführt, dass er gegen Gott getan hätte; hierauf hat man ihn abermals zu den andern in den Turm geführt und hat auch mit den andern den Tod standhaft erlitten. Also haben sie sämtlich zu Gosedaum die Wahrheit mit ihrem Blute bezeugt.


20.06.2019
Andreas Claessen von Drouryp
1935

Es ist ein teures Wort und aller Beachtung wert, welches unser Heiland gesprochen und zu unserer Lehre und unserm Unterrichte hinterlassen hat, indem er sagt: »Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren, wer aber sein Leben verlieret um meinet oder des Evangeliums willen, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.« (Mt 16,25; Lk 9,24)
Diese evangelische Lehre haben viele treue Zeugen Christi, welche ihr Leben freiwillig um seines heiligen Namens willen übergeben haben, zur tröstlichen Ermahnung zu Herzen genommen, indem sie auf die Verheißungen und herrliche Belohnung gesehen haben, welche nicht in dieser, sondern in der zukünftigen Welt ausgeteilt werden wird, denn Weisheit Kap. 3 steht geschrieben: »Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an. Von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ihr Verderben, aber sie sind im Frieden. Obwohl sie wohl vor den Menschen viel Leidens haben, so sind sie doch gewisser Hoffnung, dass sie nimmermehr sterben. Sie werden ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren, denn Gott prüfet sie wie Gold im Ofen und nimmt sie wie ein fettes Opfer an.«
Dieses ist ein herrliches Zeugnis und kommt sehr wohl mit dem heiligen Apostel Paulus überein, dass wir durch viel Trübsal ins Reich der Himmel eingehen müssen, gleichwie auch unser Heiland sagt, dass der Weg schmal und die Pforte enge sei, die zum Leben führt und dass wenige darauf wandeln; wenige in Ansehung des großen Haufens und der größten Menge, welche den breiten Weg erwählen und zu ihrem eigenen Schaden und ewigen Verderben durch die weite Pforte gehen.
Wenige wurden zu Sardis gefunden, die ihre Kleider nicht befleckt hatten; gleichwohl werden diese wenigen als Überwinder gekrönt und mit weißen Kleidern angetan werden; auch werden ihre Namen nicht aus dem Buche des Lebens getilgt werden, sondern es wird der Sohn Gottes ihre Namen vor seinem Vater und seinen Engeln bekennen und solches wird allen Überwindern verheißen und zugesagt Offb 3,1.
Solches haben diejenigen zu Herzen genommen, welche nicht auf dasjenige, was sichtbar und vergänglich ist, sondern auf das Unsichtbare gesehen haben, wie solches an den frommen Zeugen und Märtyrern Christi sichtbar ist, welche nicht allein ihr Hab und Gut und das große Ansehen, das sie in der Welt hatten, sondern auch ihr eigenes Leben um Christi willen gerne verlassen haben, denn weder Verfolgung noch irgendein Geschöpf in der Welt konnte sie von der Liebe Gottes in Christo abschrecken Röm 8.
Solches ist unter andern an einem tapfern Helden und gewaffneten Ritter Christi, Andreas Claessen von Drouryp, einem Dorfe in Friesland, zwischen Leeuwarden und Franecker gelegen, zu ersehen, welcher im Jahre 1535 unter dem Statthalter Georg Schenck gefänglich eingezogen und nach Leeuwaarden gebracht, daselbst aber den 16. März enthauptet und auf ein Rad gelegt worden ist.
Dies ist am dritten Tage nach seiner Gefangenschaft geschehen, die Frommen haben ihn aber heimlich fortgenommen und begraben; er ruht nun mit seiner Seele unter dem Altar Gottes.
Er hatte sieben Kinder, welche, nach des Vaters Tode, in Armut und Jammer umherwandern mussten; doch haben gleichwohl einige, die ihnen günstig waren (aber nicht ohne Gefahr), ihnen Unterhalt verschafft; aus dem eigenen Zeugnisse ihrer Nachkommen haben wir diese Dinge aufgezeichnet, die uns ihre schriftlichen Zeugnisse in Ansehung dieser Sache aus der Stadt Franecker in Friesland zugesandt haben, welche unterzeichnet waren: Juke Wybes, den 13. März 1658.



19.06.2019
Sybrant Jantz, Henrich Gysbrecht von Campen, Steven Benedictus, Femmetgen, Egberts Tochter und Welmut, Jantz Tochter
1535

Zu Hoorn, in Westfriesland, sind im Jahre 1535 drei Brüder und zwei Schwestern gefangen genommen worden, genannt Sybrant Jantz, Henrich Gysbrechts von Campen und Steven Benedictus, Femmetgen Egberts und Welmut, Jantz Tochter, weil sie nicht mehr der römischen Kirche, sondern den Geboten Gottes gehorsam zu sein suchten. Diese haben, als man sie durchforscht hat, ihren Glauben, insbesondere wegen der Taufe, männlich bekannt; als sie gefragt wurden, ob sie wiedergetauft seien, haben sie bekannt, dass es geschehen; und es hat sie nicht gereut, dass sie sich nach der Ordnung Christi zur Vergebung oder Begrabung der Sünden haben taufen lassen, damit sie Christum anziehen und den Bund eines guten Gewissens erlangen möchten. Als die Herren der Finsternis vernahmen, dass sie darüber keine Reue hatten, und dass sie standhaft bei ihrem Glauben bleiben wollten, haben sie dieselben nach des Kaisers Befehle zum Tode verurteilt, wie das nachstehende Todesurteil, welches sie über dieselben ausgesprochen, klar beweist:
Nachdem M. Anton Sonk, Schultheiß, den Sybrant Jantz, Henrich Gysbrechts von Campen, Steven Benedictus, Femmetgen Egbrechts und Welmut, Jantz Tochter, gerichtlich angeklagt, dass sie sich gegen die geschriebenen Rechte, unsern christlichen Glauben und die Befehle der kaiserlichen Majestät, unsers allergnädigsten Herrn, haben wiedertaufen lassen, ohne dass sie deshalb Buße getan oder Ablass erlangt, und zu Recht erkannt, dass sie, die sich alle und ein jeder insbesondere daran verschuldet, ihres Leibes und ihrer Güter verlustig sein und mit dem Tode gestraft werden sollen, so dass die Mannspersonen mit dem Schwerte gerichtet, sodann ihre Leiber auf Räder, ihre Köpfe aber auf Pfähle gesetzt werden, den Frauen hingegen ein Stein an den Hals gehängt werden soll und sie damit ertränkt werden sollen – so hat er darüber richterlichen Ausspruch des Rats begehrt, welcher, nachdem er die Antwort und Verteidigung der vorgemeldeten Angeklagten angehört, und dass sie öffentlich bekannt, dass sie ohne Ablass wiedergetauft seien, mit seinem ritterlichen Ausspruch für Recht erkannt, dass alle Vorgemeldeten nach den Befehlen der kaiserlichen Majestät und den geschriebenen Rechten ihr Leben und Güter verschuldet haben, nach Inhalt der Freiheiten dieser Stadt, und dass alle mit dem Tode gestraft werden sollten, so dass die Mannsperson mit dem Schwerte hingerichtet, ihre Leiber auf Räder, ihre Häupter aber auf Pfähle gesetzt werden sollten, es wäre denn, dass die Herren hierin denen Gnade erweisen wollten, die widerrufen und Reue bezeugen, dass aber den Frauen ein Stein an ihren Hals oder Leib gebunden und sie also ertränkt werden sollen. Beschlossen in Gegenwart aller Ratsherren und der drei Bürgermeister. Geschehen den 7. Juni 1535.
Nachdem das Urteil gesprochen, haben sie dieselben zum Tode hinausgeführt, wohin sie alle beherzt gegangen sind und unter andern die Worte gesprochen: Der Knecht ist nicht besser als sein Herr; haben sie dieses an dem grünen Holze getan, was werden sie am dürren tun, und dergleichen Reden mehr. Als sie an den Ort kamen, welcher dazu zubereitet war, sind sie enthauptet worden. Die beiden Frauen aber haben sie an die See geführt, ihnen Steine an den Hals gebunden und so in die See geworfen und ertränkt; ihre Leiber sind lange zum Spott und zur Schmach umhergetrieben worden, bis endlich die Obrigkeit befohlen hat, sie herauszuziehen und begraben.
Christlicher Leser, hieraus kannst du klar ersehen, warum und aus welcher Ursache diese Leute haben sterben müssen und dass es sich nicht so Verhalten, wie einige blinde Eiferer des abgöttischen Papsttums gegen die Wahrheit lästern und sagen, dass sie nicht um der Religion oder des Glaubens, sondern allein ihres Aufruhrs und der Missetaten willen umgebracht worden seien; man kann hieraus urteilen, wie lügenhaft und unverschämt sie hier handeln, indem sie ihre Verurteilung mit der Belagerung von Münster, welche in jenem Jahre stattgefunden, in Verbindung bringen, welcher bösen Taten sie gleichwohl nicht beschuldigt worden, vielweniger dabei tätig gewesen sind. Aber hierin erweisen sie ihre alte pharisäische Art, welche, als sie Christum zum Tode brachten, seine gute Lehre nicht zum Vorwande brauchten, sondern vorgaben, dass er um seiner Gotteslästerung sterben müsste. Dieses ist die Art aller Tyrannen, dass sie die Unschuldigen nicht allein peinigen und töten, sondern ihnen noch falsche Beschuldigungen aufbürden. Wenn aber der Tag kommt, welcher kommen wird, dann werden sie sehen, wie schwer sie sich vergangen und werden mit Schrecken sagen: Seht, das sind diejenigen, die wir zum Spotte und zum höhnischen Beispiele hatten, wir Narren hielten ihr Leben für unsinnig und ihr Ende für eine Schande; wie sind sie nun unter die Kinder Gottes gezahlt und ihr Erbe ist unter den Heiligen. (Kopie aus einer gewissen alten Schrift.)



18.06.2019
Peter Küster
1535
Im Jahre 1535 war ein frommer Bruder, genannt Peter Küster, welcher zu Saardam, in Nordholland, in der Kirche das Küsteramt verwaltete; als er aber Erkenntnis der Wahrheit erlangt, ist er als Lehrer der Gemeinde eingesetzt worden, und ist um der Verfolgung willen nach Amsterdam gezogen, woselbst ihn der Schultheiß, auf Angeben eines Weibes, welche in dieser Nachbarschaft wohnte und in ihrem törichten Eifer den Ort, wo er wohnte, offenbarte, gefänglich eingezogen hat, und da dieses gerade zu einer Zeit geschah, als in der Welt böser Aufruhr und heimliche Anschläge sich ereigneten, so wurde dieser Freund Gottes dessen auch verdächtig gehalten; es ist jedoch aus seinen eigenhändigen Schriften, gleichwie auch aus seinem Bekenntnisse zu ersehen, dass er hierin unschuldig gewesen sei, auch wissen verschiedene glaubwürdige Zeugen, dass er sich stets von Herzen dagegen gesetzt habe; nichtsdestoweniger aber, weil er sich auf seinen Glauben nach dem Befehle und der Ordnung Christi hatte taufen lassen, und außerdem das Lehramt bediente, wurde er zum Tode verurteilt und zu Amsterdam mit dem Schwerte hingerichtet, und erwartet nun mit allen Frommen den Lohn, welchen Christum verheißen, indem er sagt: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen; seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden.



17.06.2019
Wilhelm Wiggertz von Barsinghorn in Nordholland
1534

Um das Jahr 1534 ist ein gottesfürchtiger, frommer Bruder, namens Wilhelm Wiggertz, in Barsinghorn wohnhaft, einem Dorfe in Niederholland bei Schagen gelegen, weil er den wahren Glauben bekannte und belebte, von da nach Schagen auf das Schloss gefänglich gebracht worden; an diesem Orte hat er ungefähr acht Tage gefangen gelegen, und ist des Morgens früh bei anbrechendem Tage in dem vorgenannten Schlosse um des Zeugnisses Jesu Christi willen in großer Beständigkeit mit dem Schwerte hingerichtet und enthauptet worden. Da er ein gottesfürchtiger, lieber Mann war, so haben die Herren von Schagen ihn oft in der Verrichtung ihrer zeitlichen Geschäfte gebraucht; deshalb ist es geschehen, dass, als die Diener von Schagen in sein Haus kamen, um ihn gefangen zu nehmen, er dafür gehalten hat, dass sie aus voriger Freund- und Kundschaft gekommen waren. In dieser Voraussetzung hat er seine Hausfrau ausgesandt, etwas Speise zu holen, um diesen Dienern damit aufzuwarten; aber ehe sie wiedergekommen, ist der Diakon mit seinen Dienern, welche von dem römischen Antichristen ausgesandt worden sind, erschienen und hat dieses wehrlose Schäflein Christi mit sich nach Schagen genommen, obschon der Schultheiß zu Barsinghorn sich für den Gefangenen als Bürgen stellen wollte. Als nun des vorgenannten Wilhelm Wiggertz Vater, Wigger Henrich, welcher gleichfalls ein obrigkeitliches Amt bekleidete, gesehen, dass sein gottesfürchtiger Sohn heimlich gegen Recht und Billigkeit mit dem Schwerte ermordet wurde, hat er von Stunde an seine Bedienung niedergelegt und kein weltliches Amt mehr bedienen wollen.

16.06.2019
Sicke Schneider
1533

Um das Jahr 1533 ist ferner ein frommer Held und Nachfolger Jesu, namens Sicke Schneider, gewesen, welcher sich auch nach dem Rate des Heiligen Geistes von der babylonischen Hure und all ihrem falschen, selbsterdichteten und gegen Gott streitenden vermeinten Gottesdienst abgesondert und Christum Jesum wieder angenommen hat, indem er dieses wahren Gesetzgebers unsträflichen Fußstapfen nachzufolgen und seiner in der Heiligen Schrift enthaltenen Stimme allein zu gehorchen gesucht hat. Deshalb hat er sich nach dem Vorbilde und der Ordnung Christi unter den Gehorsam begeben und die christliche Taufe auf seinen Glauben, als das Zeichen eines wiedergeborenen Kindes Gottes nach der Lehre Christi, angenommen, und hat also gesucht, in Gehorsam vor seinem Schöpfer zu leben und zu wandeln; er ist dieserhalb zu Leeuwarden in Friesland in Bande und Gefängnis geraten, und hat von den Widersachern der Wahrheit vieles leiden müssen. Weil er aber durch keine Marter zum Abfall gebracht weiden konnte, so ist er an jenem Orte in großer Standhaftigkeit mit dem Schwerte hingerichtet worden, und hat also den wahren Glauben mit seinem Tode und Blute bezeugt und befestigt. Darum wird er als ein tapferer Streiter Jesu Christi mit allen wahren Überwindern mit weißen glänzenden Kleidern angetan werden und den Segen erblich besitzen.



15.06.2019
Christina Haringin
1533

In diesem Jahre 1533 ist eine Schwester, namens Christina Haringin gefangen genommen, nach Kitzpil geführt und daselbst an eine Kette geschlossen worden; sie ist aber gleichwohl im Glauben standhaft geblieben. Da sie aber schwanger war und bald gebären sollte, so haben sie dieselbe wiederum auf freien Fuß gesetzt, bis sie würde geboren haben, und obgleich sie wusste, dass man sie nachher wieder einziehen würde, sie auch wohl zehnmal hätte entrinnen können, so ist sie gleichwohl nicht geflohen, sondern ist freimütig dageblieben.
Als sie nun den Kriegsbedienten kommen sah, ging sie ihm entgegen und fragte ihn, was er wollte? Er sprach: Ich komme, um euch wieder abzuholen. Also haben sie dieselbe übermal in die Stadt Kitzpil gebracht, und bald darauf um des Glaubens willen, bei welchem sie standhaft geblieben ist, mit dem Schwerte hingerichtet (welches doch an einer Frau nicht gebräuchlich gewesen) und sie nachher verbrannt. Dieses kluge und tapfere Weib, oder Schwester in Christo, welche ihren Mann, ein kleines Kind, Haus und Hof und alles zeitliche Vermögen verlassen, hat ihr weibliches Gemüt mit solcher männlichen Tapferkeit durch die Gnade Gottes im Glauben gewaffnet, dass sie dem Herrn ihre Gelübde bezahlte und dem Bräutigam Christo mit ihrer brennenden Lampe und scheinendem Lichte fröhlich entgegenging, worüber viele Menschen sich verwundert haben.



14.06.2019
Ludwig Fest
im Jahre 1533

Im Jahre 1533 ist Ludwig Fest, ein standhafter Zeuge der göttlichen Wahrheit, zu Schwatz im Inntale um des Zeugnisses Jesu Christi willen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Er hat uns ermahnt, dass wir nicht eigennützig sein sollten; auch hat er im Anfange seines Leidens um der Barmherzigkeit Gottes willen gebeten, dass wir einander nicht beschweren und betrüben sollten, denn wenn jemandem dergleichen Versuchung zustößt, so schmerze es ihn zuerst, und es sei kein Wunder, wenn es ihn alsdann in seinem Herzen bekümmert; auch hatte er begehrt, dass man zu ihm ein gutes Vertrauen haben sollte; er hoffe mit der Hilfe und Kraft seines himmlischen Vaters treu zu bleiben, welches er auch getan hat.



13.06.2019
Hugo Jacob Kraan und Maritgen, seine Hausfrau, mit zwei andern
1532

Als das Wort Gottes durch des Herrn Gnade wiederum hervorzuleuchten anfing, auch von vielen Menschen mit großer Begierde angenommen und mit vieler Leben und Tode bezeugt und versiegelt wurde, hat auch Hugo Jacob Kraan von Assersouw und seine Hausfrau Maritgen mit zwei andern, deren Namen uns nicht bekannt geworden sind, das Wort Gottes empfangen und angenommen. Es ist aber diesen Personen in der Tat so ergangen, wie Paulus früher gesagt hat, dass alle, die gottselig in Christo Jesu leben wollen, Verfolgung leiden müssen, und Jesaja: Wer sich vom Bösen abkehrt, muss jedermanns Raub sein. Denn sobald sie dieser finstern Welt mit ihrem fleischlichen Wandel und falschem, erdichtetem Gottesdienste abgesagt und gesucht haben, dem ewigen Lichte und der Herrlichkeit Christo Jesu nachzufolgen, sind sie von den Kindern der Finsternis und Belials gehasst und bis auf den Tod verfolgt worden. Deshalb ist endlich Maritgen, des Hugo Jacobs Hausfrau, zu Haarlem gefangen gelegt, und, nachdem sie auf mancherlei Weise versucht worden, im Jahre 1532 daselbst in großer Standhaftigkeit ertränkt worden, und hat die angenommene Wahrheit mit ihrem Tode befestigt; Hugo Jacob Kraan aber mit seinen beiden Glaubensgenossen, ist nach Grafen-Haag gefänglich gebracht worden, wo sie viel um der Wahrheit willen haben leiden müssen. Weil sie aber auf den Felsen gegründet waren, so haben sie sich durch keine Pein zum Abfalle bewegen lassen. Darum sind sie von des Antichrists Dienern zum Tode verurteilt worden, welche Art des Todes so schrecklich gewesen, dass alle Menschen, die solches gesehen haben, sich mit Recht über dieselben haben erbarmen müssen, denn sie sind im Jahre 1532 an gemeldetem Ort mit Ketten an Pfähle geschlossen worden, um welche sie ein großes Feuer gemacht haben, so dass sie gebraten worden sind, bis endlich der Tod erfolgt ist. Gleichwie sie ihr Leben hier nicht geliebt, sondern dasselbe im Gehorsam um des Zeugnisses Jesu Christi willen übergeben haben und standhaft geblieben sind, so werden sie auch in der Erscheinung unseres Seligmachers Jesu Christi, statt dieses sterblichen Rockes des Fleisches, mit dem unsterblichen angetan und mit der Krone der ewigen Herrlichkeit von Gott belohnt werden.



12.06.2019
Conrad Fichter und einige andere
1532

Conrad Fichter ist zu Stertzingen im Jahre 1532 um des Glaubens willen gefangen genommen worden; man hat ihm viel Pein und Schmerzen angetan, und er ist so auseinander gespannt und gestreckt worden, dass die gottlosen Scharfrichter und Pilatuskinder selbst meinten, er würde es nicht ertragen können, sondern zerreißen müssen. Außer ihm sind noch einige gefangen genommen worden, welchen viele Pfaffen und andere durch Verdrehung der Schrift mit Schalkheit, List, Betrug und Gaukelei, um sie zu überwinden, heftig zugesetzt haben; man hat sie auch durch Drohungen gegen das Leben ihrer Weiber und Kinder zu schrecken versucht, und davon mit ihnen gehandelt; als sie aber dieselben von der Wahrheit nicht abziehen konnten, haben sie dieselben zum Tode verurteilt und hingerichtet; also haben sie standhaft mit ihrem Blute die Wahrheit bezeugt.




11.06.2019
Lambrecht Gruber, Hans Beck, Lorenz Schuhmacher, Peter Plauer, Peter, sein Knecht und Hans Taller
1532

Auf dieses Jahr 1532 sind sechs Brüder, mit Namen Lambrecht Gruber, Hans Beck, Lorenz Schuhmacher, Peter Plauer, Peter, sein Knecht und Hans Taller zu Stertzingen im Etschlande um der göttlichen Wahrheit willen gefangen genommen, auch hart gepeinigt und ausgespannt worden, wodurch man sie zum Abfalle zu zwingen gesucht hat; sie haben sich aber ritterlich und männlich in demjenigen gehalten, was ihnen Gott anvertraut und was sie Gott in der christlichen Taufe zugesagt hatten. Nachher hat man sie zum Tode verurteilt und hingerichtet; sie haben alle sechs die Wahrheit Gottes tapfer mit ihrem Blute bezeugt; auch haben sie sich sehr über den Tag ihres Abschiedes aus dieser Welt gefreut um des Leidens und der Pein willen, welche sie von der Welt und ihrem grausamen Mutwillen erlitten hatten, so wie auch um der entsetzlichen Lästerung und Gottesverachtung willen, welche alle Liebhaber Gottes schmerzlich berührt, die sie zur Zeit ihrer Gefangenschaft anhören mussten. Sie haben von uns ihren Abschied genommen und uns ermahnt, dass wir nicht schläfrig und sorglos sein sollten, des Herrn Wort zu hören und zu bewahren, gleichwie auch im Gebete und Dienste Gottes; denn wenn jemand an solche Plätze kommt, so ist es ihm sehr nötig, dass er solches getan hat und es gereuet ihn alsdann, wenn er eine Stunde unnützlich zugebracht hat.



10.06.2019
Veit Pilgrims zu Glabbek im Jahre
1532

Hier dürfen wir auch nicht des Veit Pilgrims, eines hochdeutschen Bruders, tapfere und von Gott gestärkte Standhaftigkeit verschweigen, welcher nichts höher achtete als die Seligkeit seiner Seele, und welcher, der Grausamkeit derjenigen ungeachtet, welche den Fußstapfen Kains im Vergießen des unschuldigen Blutes nachfolgen, das Evangelium in aller Aufrichtigkeit und Einfalt darnach eingerichtet hat. Als aber die Welt durch sein heiliges Leben in ihrer Bosheit gestraft wurde, hat sie solches nicht ertragen können; deshalb hat man ihn zu Glabbek im Herzogtume Gülch im Jahre unseres Herrn Jesu Christi 1532 im Winter gefangen genommen, und wiewohl er bereit gewesen, seine Lehre und sein Leben mit dem Leiden zu versiegeln, so ist er doch damals durch die Hilfe seiner Freunde und Blutsverwandten erlöst und aus dem Kerker befreit worden. Weil er aber diesen Himmelsweg in Heiligkeit und Gottseligkeit unverzagt betreten hatte, so ist er den Blutdürstigen abermals in die Hände gefallen, und hat von den Gottlosen viel Leiden ertragen müssen; auf der einen Seite haben ihn die Pfaffen und Mönche durch vieles und loses Wortstreiten mit allerlei List und Nachstellung (wiewohl umsonst) zum Abfalle zu bewegen gesucht; auf der andern Seite aber haben sie ihn durch scharfes und strenges Peinigen abschrecken wollen; er hat aber alle Qual und Pein überwunden, die Wahrheit tapfer bestätigt und bezeugt, dass er über alles Zeitliche und Sichtbare noch ein höheres, das ist ein ewiges Himmelsgut zu seinem Ziele habe; darum hat er auch sein Leben nicht geachtet, sondern es für eine Seligkeit gehalten, um des Namens Christi willen zu leiden, und hat mit einer außerordentlichen Freimütigkeit gesagt: Er hoffe nun, das Schäflein sei zum Schlachten tüchtig und fett genug. Die Blutdürstigen, welche sonst keinen Tadel an diesem unüberwindlichen Helden und Streiter Christi finden konnten, haben zu den grausamsten Mitteln ihre Zuflucht genommen; sie haben bewirkt, dass sein Todesurteil ausgesprochen worden ist. Als nun die Zeit seiner Aufopferung herannahte, haben sie, o unmenschliche Tyrannei, seine linke Seite geöffnet und siedend heißes Öl hineingegossen; dann haben sie ihn verächtlich auf einen Schlitten gelegt und nach dem Richtplatze geführt, wo er seine Seele Gott befohlen hat und zu Asche verbrannt worden ist.



09.06.2019
Georg Zaunringerad
1531


Der Bruder Georg Zaunringerad, ein Diener des Wortes Gottes, welcher durch Jakob Hueters Hilfe in der Grafschaft Tyrol ein Diener des Wortes Gottes gewesen, ist im Jahre 1531 hierher zu den Gemeinden in Mähren und dem übrigen Volke von diesem Jakob geschickt worden. Nachher hat er, um seines Amtes und Dienstes willen, sich in Frankenland aufgehalten, wo er nicht weit von Bamberg, um der göttlichen Wahrheit willen, mit dem Schwerte hingerichtet worden ist. Also hat er seinen Glauben und seine Lehre, wovon er keineswegs hat abstehen wollen, mit seinem Blute bezeugt und hat mit Christo gelitten, damit er auch, durch seine Gnade, mit ihm die Herrlichkeit im ewigen Reiche erben möchte.



08.06.2019
Walter Mair mit zwei andern
1531

Walter Mair, seines Handwerks ein Küfer, ein Diener des Wortes Gottes zu Wolsburg in Kärnten, ist im Jahre 1531 mit zwei andern gefangen genommen und mit dem Schwerte gerichtet worden. Diese haben die Wahrheit standhaft auch im Tode bezeugt, und also ihr Leben für den Bund Gottes und sein Heiliges Wort dahingegeben; darum wird man auch ihre Namen in dem Buche des Lebens finden, und der zweite Tod wird über sie keine Gewalt haben.



07.06.2019
Martin, der Maler, Wolfgang Eslinger, Pain, Melchior und noch drei
1531

Martin, der Maler, ein Diener des Wortes Gottes, ist in diesem Jahre 1531 mit sechs anderen um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen aus der schwäbischen Gemeinde gefangen genommen worden. Nachdem nun mit ihnen vieles verhandelt worden ist, hat man ihnen endlich verheißen, dass, wenn sie Widerrufen wollten, sie unbekümmert nach Hause zu ihren Weibern und Kindern gehen könnten. Hierauf haben sie fröhlich mit nein geantwortet und gesagt, dass sie nicht abfallen, sondern willig sterben wollten. Als sie nun beinahe ein Jahr gefangen gelegen, hat man sie alle sieben zum Tode verurteilt. Man führte sie in das Rathaus und las ihnen einige Artikel ihrer Lehre vor. Als man ihnen den ersten Artikel vorlas, sprach Bruder Wolfgang Eslinger: Gleichwie ihr heute richtet, so wird euch Gott auch richten, wenn ihr vor sein Angesicht kommt. Gott wird euch wohl kennen. Als man ihnen den dritten Artikel vorlas, sagte Bruder Pain: Ihr besudelt eure Hände mit unserem Blute; Gott wird euch solches in Wahrheit nicht schenken, sondern es von euch fordern. Als man den vierten Artikel las, sprach Bruder Melchior: Wir wollen es heute mit unserem Blute bezeugen, dass dieses die Wahrheit sei, worin wir stehen. Als man ihnen den fünften Artikel vorlas, sprach Bruder Wolfgang zum zweiten Male: Lasst ab von euren Sünden und Ungerechtigkeiten und tut Buße, so wird euch Gott solches nimmermehr zurechnen. Nachher hat man sie alle sieben mit einem Geleite und einer Wache nach dem Gerichtsplatze hinausgeführt, woselbst sich der Bruder Martin, gleichwie auch die übrigen, Gott seinem Herrn anbefohlen und ihn gebeten hat, dass er ihnen ein seliges Ende verleihen und seine Schäflein in seine Fürsorge nehmen wolle. Als man sie auf die Wiese oder den Acker brachte, sagte des Müller Knecht (welcher ungefähr 16 Jahre alt war) zu dem umstehenden Volke, sie sollten von ihren Sünden ablassen und sich zu Gott bekehren, denn es sei kein anderer Weg zum Himmel als durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher den Kreuzestod erlitten und uns erlöst hat. Als man sie nun in den Kreis führte, ist ein Edelmann zu diesem Knechte in den Kreis geritten und hat ihn also ermahnt und gebeten: Mein Sohn, lass ab von deiner Verführung und widerrufe sie; was lässt du dir weis machen, schone dein junges Leben, ich will dich mit mir nachhause führen und dich stets bei mir behalten; wenn du mir folgst, sollst du lebenslänglich gute Tage bei mir haben. Der Knecht aber sprach: Solches wolle Gott niemals zulassen, dass ich das irdische Leben behalten und das ewige verlieren sollte; daran würde ich töricht handeln; ich will solches nicht tun; dein Gut kann weder dir noch mir helfen; ich erwarte ein besseres, wenn ich bis an das Ende beständig bleibe. Ich will meinen Geist Gott übergeben und Christo anbefehlen, damit sein bitteres Leiden, welches er am Kreuze erlitten hat, an mir nicht umsonst sei. Dieser Knecht war in seinem Gemüte von Gott erfüllt, denn obwohl er an Jahren jünger als seine anderen Brüder gewesen ist, so waren sie doch, was das Gemüt betrifft, von gleichem Alter. Also haben sie alle sieben Gott und seine Wahrheit ritterlich und mit Freuden bis zum Tode und Blutvergießen bekannt.
Dieser oben erwähnte Martin sagte, als man ihn über die Brücke führte: Nur dieses Mal noch werden die Frommen über die Brücke geführt, dann aber nicht mehr. Solches ist auch geschehen, denn es hat sich nicht lange darauf zugetragen, dass ein solches Ungewitter und eine solche Wasserflut entstand, dass durch deren Ungestüm die Brücke eingerissen und fortgetrieben wurde.



06.06.2019
Georg Steinmetz
1530


Dieser Georg Steinmetz ist im Jahre unseres Herrn 1530 zu Pforzheim in Deutschland um des Zeugnisses Jesu Christi willen gefangen genommen und enthauptet worden, und hat allen Gläubigen zum Troste in ihrem Leiden die folgende Ermahnung zurückgelassen:
Wir danken Dir, o Gott, von Herzen für deine väterliche Treue. Niemand soll deine Gnade verspotten oder dieselbe verachten, dass es ihn nicht an seinem letzten Ende, wenn er von hier scheiden soll, gereuen möchte. O Herr, hilf und steh uns bei durch Jesum Christum; Gott hat viele zu seinem ewigen Lichte berufen, welche er auch mit vielen Leiden und Pein heimgesucht hat, wie man hier auf Erden sieht, denn es scheint, dass man hier durch das Feuer der Angst geläutert werden müsse; ja wir müssen sämtlich durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen und von allen Sünden und Lastern gereinigt werden; wer nun hierin Christo nachfolgt, der wandelt auf rechtem Wege. Christus sagt: Ich bin der Weg und die Tür, die Wahrheit und das Leben, gehet ein durch mich, vor mir steht noch ein Zaun, das Kreuz stehet in dem Wege, solches muss ein jeder tragen, der zu dem Vater kommen will. Und nach meinem Gefühle muss die Wahrheit sagen, dass das Kreuz viel schwerer erscheint, als es in sich selbst ist; mancher Mensch hat einen Abscheu davor, als ob er das Kreuz nicht tragen könnte, darum will man an demselben Vorbeigehen und sucht einen andern Weg. Aber wir können nicht zu Gott kommen, ohne das Joch Christi zu tragen, denn wer diese Tür vorbeigeht, und durch eine andere in den Schafstall einzubrechen sucht, der ist ein Dieb und Mörder und wird die Rache Gottes, als die ewige Pein, leiden müssen. Christus will solche Jünger haben, wie ich zu beweisen hoffe, die ihm das Kreuz nachtragen und ihm in allen seinen Wegen folgen, um sein Joch bis ans Ende zu tragen. Wer nun sein Kreuz nicht tragen will, sondern sich von dem Satan bewegen und abhalten lässt, der soll billig auf das merken, was Christus sagt: Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem Vater, der im Himmel ist, und wer mich verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater, der im Himmel ist. O Gott, erhalte uns doch zu deinem Lobe und zu deiner Ehre, damit die Liebe in uns nicht erkalte; dazu gib uns Stärke, Weisheit und Verstand durch deinen Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit leiten kann, damit wir ja nicht verzagen, sondern wohlgemut sind, auch auf dem schmalen Wege bleiben, darin fortgehen, Leib und Leben daran wagen, und also durch Christum zum Vater gelangen. Gelobt sei der Herr, unser Gott, der uns zu seinen Knechten und Kindern berufen hat. Wir wollen ihn ohne Aufhören loben und preisen, in Zeit und Ewigkeit, damit wir unsere Kleider in dem Blute des Lammes waschen, und nachher aus diesem kurzem Tode und Leiden mit Ihm in die ewige Freude eingehen mögen. In solchen Gesinnungen ist dieser Zeuge Jesu Christi gestorben, und, wie oben gemeldet, zu Pforzheim enthauptet worden.


05.06.2019
Georg und Alda Grünwald
1530

Im Jahre 1530 ist Bruder Georg Grünwald, ein Schuhmacher und Diener des Wortes Gottes und seiner Herde, zu Kufstein an der Inn, um der göttlichen Wahrheit willen gefangen genommen, zum Tode verurteilt und verbrannt worden, und hat also dasjenige, was er mit seinem Munde bekannt und gelehrt hat, auch ritterlich mit seinem Blute bezeugt, und Christum, ja dessen göttliche Wahrheit, mit Verleugnung des irdischen vergänglichen Lebens bekannt, damit ihn Christus an jenem Tage auch vor seinem himmlischen Vater bekennen und ihm daneben ein unsterbliches Leben in der himmlischen ewigen Klarheit geben möchte.
Einige Tage nach der Hinrichtung des Georg Grünwald ist der Bruder Alda gleichfalls um des Glaubens willen zu Kufstein gerichtet worden.



04.06.2019
Georg Baumann
1529

Um diese Zeit ist ein Bruder, namens Georg Baumann, zu Beuschlet in Württemberg um des Glaubens und des Wortes Gottes willen gefangen genommen worden. Der Edelmann, dessen Untertan er gewesen, hielt ihn eine Zeitlang gefangen und ließ ihn entsetzlich ausspannen und peinigen, brachte es auch durch Gefängnis, Marter und Pein und durch allerlei Verheißungen so weit, dass er überredet wurde und ihnen zu folgen sich bereit erklärte; nachher verlangten sie von ihm, dass er in der Kirche widerrufen und bekennen sollte, dass er von seinen Irrtümern abgestanden sei, welches er ein- oder zweimal tat, in die Kirche ging und seinen abgezwungenen Widerruf ausrichtete; unterdessen ging er in sich selbst, betrachtete die Ehre Gottes und seines heiligen Namens, desgleichen wozu er gekommen sei.
Als er daher zum dritten Male wieder in die Kirche kam und seinen Widerruf bekannt machen sollte, sagte er zu dem Pfaffen und zu denen, die bei ihm standen: Ihr habt mich verurteilt und durch Angst und Pein dahin gebracht, dass ich mich bereit erklärt habe, euch zu folgen, nun aber widerrufe ich und widerspreche diesem allem, und es ist mir leid, dass ich solches getan habe. Hierauf hat er angefangen, aufs Neue zu bekennen, dass dieses die göttliche Wahrheit und der rechte Glaube, ja der Weg zum Leben in Christo sei, und dass er in seinem Glauben und Bekenntnisse bis an sein Ende beharren und standhaft bleiben wolle. Was hatten nun die Pfaffen und Diener weiter zu erwarten; sie nahmen ihn ohne Verzug wieder gefangen und man verurteilte ihn sofort zum Tode. Als man ihn zum Richtplatze hinausführte, sang er wohlgemut auf dem ganzen Wege; es war im Dorfe sehr kotig, aber er ging so schnell, dass ihm sogar die Schuhe im Kote stecken blieben; er achtete und merkte dies jedoch nicht, sondern ließ sie darin stecken und eilte nach dem Richtplatze, sang auch vor Freuden, weil Gott wieder solchen Mut in sein Herz gelegt hatte, so ward er enthauptet und durch das Schwert gerichtet. Der Edelmann, der ihn hat richten lassen, und fast alle, die im Gerichte saßen und ihn verurteilt haben, sind eines bösen Todes gestorben und haben ein schreckliches Ende genommen, womit ihre fröhlichen Tage in dieser Welt aufgehört haben.



03.06.2019
Philipp von Langenlonsheim
1529

Einer der letzten Brüder, welche sie in der Stadt Greitze hinrichteten, wurde Philipp von Langenlonsheim genannt. Als ihm der Scharfrichter das Haupt abschlug, ist ihm etwas vor das Angesicht gefahren, sodass er mit den Händen nach dem Angesichte griff, was das Volk wohl sah, aber nicht wusste, was es gewesen, oder warum er so tat; denn die Rede ging nachher, dass ihm etwas, gleich einer schwarzen Henne, um sein Angesicht geflogen sei, weshalb er sich so mit den Händen gewehrt hatte; einige sagen, es sei ihm das Blut in das Angesicht gespritzt; und obwohl er es am besten wusste, was es gewesen, so haben es nachher gleichwohl auch andere sehen können, was es gewesen sein müsse, denn diesem Scharfrichter ist die Nase bis an das Haupt abgefallen; so plagte und suchte Gott ihn heim um des unschuldigen Blutes willen, womit er sich nicht wenig befleckt hatte, wodurch Gott klar und öffentlich die Drangsal, die sie den Frommen angetan, zu erkennen gegeben hat. Auch ist der Pfalzgraf durch verschiedene Umstände so bewegt und erschreckt worden, dass er später keine Lust mehr hatte, seine Hände in solchem Blute zu waschen, und viel darum gegeben hätte, dass es nicht geschehen wäre.



02.06.2019
Ungefähr 350 Personen
1539

Es werden bei Altzey nach des Kaisers Befehle ungefähr 350 Personen im Jahre 1539 um des Glaubens willen getötet.
Damals ließ der Pfalzgraf nach des Kaisers Befehl in kurzer Zeit 350 Menschen um des Glaubens willen hinrichten; insbesondere hat sein Burggraf zu Altzey, Dietrich von Schonberg, in der Stadt Altzey viele enthaupten, ertränken und töten lassen. Die Herren, die zu der Gemeinde gekommen sind und zu der Zeit in Altzey wohnten, haben es selbst gesehen, dass man sie aus den Häusern geholt, in welchen man sie versteckt wusste, und wie die Schafe zum Richtplatz geführt; nichtsdestoweniger haben sie zum Widerrufe nicht überredet werden können, sondern sie sind dem Tode wohlgemut entgegengegangen; wenn man mit dem einen Teil derselben beschäftigt war, sie zu ertränken und zu richten, so sangen unterdessen die Übrigen, die den Tod erwarteten, bis der Scharfrichter sie auch ergriff; daneben blieben sie standhaft in der erkannten Wahrheit, hatten Gewissheit ihres Glaubens, den sie von Gott empfangen hatten, und standen als kluge Ritter. Alle Meister dieser Welt und ihrer Hoheit mussten an ihnen zu Schanden werden.
Einige, die sie nicht hinrichten wollten, haben sie gar am Leibe gestraft; einigen derselben haben sie die Finger abgehauen, anderen Kreuze an die Stirne brennen lassen, und sonst viel Grausamkeiten an ihnen ausgeübt, so dass gedachter Burggraf selbst sagte: Was soll ich tun? Je mehr ich ihrer richte, desto mehr nehmen sie zu.
Dieser Burggraf Dietrich, der sich an solchem unschuldigen Blut nicht wenig versündigt hatte, ist als er einstmals von der Tafel aufstand, eines schrecklichen und schnellen Todes gestorben.



01.06.2019
Noch zwei Brüder und zwei Schwestern
1529

Auf solche Weise gedachten sie das Licht der Wahrheit und das Feuer Gottes auszulöschen und zu dämpfen, aber es geriet desto mehr in Brand. Damals nahmen sie auch einen Mann und eine Frau, desgleichen einen Knecht und eine Magd gefangen. Wer sich nur zu dem Glauben begab, und sich von dem Wesen, der Gesellschaft und Abgötterei dieser Welt absondern wollte, den nahmen sie gefangen und haben an einigen Orten alle Gefängnisse vollgesteckt, um sie dadurch abzuschrecken; aber sie sangen im Gefängnis und waren fröhlich, so dass ihre Feinde die sie ins Gefängnis gesetzt hatten, in größerer Furcht und Angst lebten, als diejenigen, die im Gefängnisse lagen. Sie wussten nichts mit ihnen anzufangen, insbesondere, weil es sich nur um den Glauben handelte.



31.05.2019
Neun Brüder und einige Schwestern, nachher noch einer
1529

Um dieses Jahr hat auch die Erkenntnis der Wahrheit in den Gegenden am Rheinstrome zu scheinen begonnen, so dass ein göttlicher Eifer und ein Feuer Gottes aufgegangen ist, welches die Pfaffen durch die Obrigkeit, die sie dazu aufreizten, gewaltig zu dämpfen suchten. Es wurden zuerst, ohne des Kurfürsten oder Pfalzgrafen Befehl, lediglich auf Anstiften der Pfaffen mit Hilfe der Edelleute in der Stadt Altzey neun Brüder und einige Schwestern um des Glaubens willen gefangen genommen, welche eine lange Zeit gefangen gelegen haben. Als man nun darauf wartete, was man mit ihnen verhandeln sollte, so hat der Burggraf zu Altzey den Pfalzgrafen, als seinen Fürsten und Herrn, um Rat gefragt, wie er mit ihnen zu Werke gehen sollte; der Fürst aber hat ihnen zur Antwort gegeben, sie hätten ja ihr Landgericht zu Altzey, dahin möchte er sich wenden, und sie darüber urteilen lassen. Als nun der Burggraf demselben nachfolgte, und sie vor das Landgericht stellte, so wollte man sie nicht verurteilen, weil man sie bloß um des Glaubens willen gefangen gesetzt hatte, und sonst keine Ursache des Todes vorhanden war. Unterdessen wurde ein Reichstag gehalten, wo der Pfalzgraf im Rate vorbrachte, dass er Gefangene hätte, die des Glaubens oder der Wiedertaufe wegen angeklagt waren, mit welchen er zu Verfahren hatte. Hierauf wurde solches den vier sogenannten Ketzermeistern übergeben; diese haben sie auf des Kaisers Befehl verwiesen, worin sie genügende Auskunft finden würden, was der Kaiser ihretwegen beschlossen und verordnet hat, wonach sie sich in ihren Verhandlungen mit diesen Menschen zu richten hätten.
Diese Verordnung schreibt nämlich ausdrücklich vor, dass alle Wiedertäufer und Wiedergetaufte, sie seien Manns- oder Weibspersonen, wenn sie ihren Verstand und ihre Jahre erlangt haben, mit Feuer und Schwert, oder auf andre Weise, nach den Umständen der Personen, vom Leben zum Tode gebracht werden sollten; auch sollte man sie, wo man sie antreffen würde, vor Gericht stellen, verklagen und überführen, und bei schwerer und scharfer Strafe auf keine andere Weise mit ihnen handeln oder zu Werke gehen.
Als sie nun nicht abweichen wollten, hat man ihnen diesen Befehl vorgelesen, worauf sie ohne weitere Verurteilung auf des Kaisers Befehl zum Tode geführt, die Brüder durch das Schwert hingerichtet, die Schwestern aber in der Pferdetränke ertränkt wurden. Als sie noch gefangen lagen, ist eine Schwester ins Gefängnis gekommen, hat die andern gefangenen Schwestern getröstet und zu ihnen gesagt, dass sie sich ritterlich halten, bei dem Herrn standhaft bleiben, um der zukünftigen ewigen Freude willen dieses Leiden nicht achten sollten. Als man aber solches gewahr wurde, hat man auch sie in der Eile gefangen genommen; und dieselbe wurde nachher verbrannt, weil sie die andern so getröstet und gestärkt hatte; jene aber, wie gemeldet worden, hat man ertränkt.



30.05.2019
Daniel Kopf, nebst zwei Brüdern und vier Schwestern
1539

Daniel Kopf, ein Diener des Wortes, ist in Steiermark zu Bayrisch-Graitz nebst sechs andern gefangen genommen worden, von welchen er mit zwei Brüdern zum Schwerte verurteilt ist, vier Schwestern aber ertränkt worden sind. Sie haben mit ihrem Leben bezeugt, dass dieses der rechte Weg zum ewigen Leben in Christo Jesu sei, und dass sie nicht davon abweichen wollten, solange ein Atemzug in ihnen wäre, wenngleich Scharfrichter, Feuer, Wasser und Schwert sie davon abzubringen suchten. Man hat noch von diesem Daniel Schriften in der Gemeinde über die Taufe und andere Gegenstände, ferner auch vier geistliche Lieder, welche er gemacht hat.



29.05.2019
Anna von Freiburg
1529

Diese Anna von Freiburg war in der Furcht des Herrn sehr ernstlich, weil sie aber an Christum glaubte, auch sich auf den Glauben an ihn taufen ließ und dadurch mit Christo aufzustehen und in einem reinen, neuen Leben zu wandeln suchte, so hat ihr Widersacher solches nicht ertragen mögen; darum haben seine Diener diese Anna verfeindet, angeklagt und gefangen genommen und haben sie nach schwerer Pein, die sie erlitten und standhaft ertragen, zum Tode verurteilt, ertränkt und nachher verbrannt; solches ist zu Freiburg im Jahre 1529 geschehen. Als sie sterben sollte, hat sie das nachfolgende Gebet zu Gott getan und nachstehende Ermahnung der Nachwelt hinterlassen:
Ewiger, himmlischer, lieber Vater, ich bitte zu dir aus dem Grunde meines Herzens, laß mich doch nicht von dir weichen, erhalte mich doch in deiner Wahrheit bis an mein Ende. O Gott, bewahre mein Herz und meinen Mund; halte doch Wache über mir, dass ich mich niemals wegen der mir bevorstehenden Trübsal und Angst oder in sonstigen Nöten von dir abwende! Mache mich wohlgemut und fröhlich in meinem Leiden, Ewiger Gott, mein lieber Vater, unterweise und lehre mich, dein armes, unwürdiges Kind, dass ich auf deine Wege und Fußpfade Acht geben möge, o Vater! Das ist mein herzliches Begehren, dass ich durch deine Kraft alle Trübsal, Leiden, Angst und Pein bis zum Tode überwinden möge, und laß mich hierin standhaft sein, o Gott, damit ich von deiner Liebe nicht geschieden werde; es wandeln sehr viele auf diesen Wegen, aber es wird ihnen der Kelch des Leidens zu trinken dargereicht. Auch beschuldigt man uns falscher Lehre, um uns von Christo, unserem Herrn, abzuziehen. Aber, o Gott, ich erhebe meine Seele zu dir, und traue auf dich in allen Widerwärtigkeiten; laß mich nicht zu Schanden werden, damit sich mein Feind nicht über mich auf dieser Erde erhebe. Ich liege zwar bei ihm hier gefangen, aber, o Gott, ich warte deiner von Herzen, mit großem Verlangen, dass du für uns aufwachen und deine Gefangenen erlösen wollest. O lieber himmlischer Vater, rüste uns mit den fünf klugen Jungfrauen aus, damit wir vorsichtig sein und auf den Bräutigam nebst seinen himmlischen Scharen warten mögen. O himmlischer König, speise und tränke uns doch dem Geiste nach mit deiner himmlischen Speise, die niemals vergeht, sondern im ewigen Leben verbleibt; denn wenn du uns würdest deine Speise entziehen, so wäre unser ganzes Tun samt uns umsonst und verloren; aber wir hoffen auf dich durch deine Gnade, dass es uns gelingen werde. Ich zweifle gar nicht an der Macht Gottes, denn seine Gerichte sind zu ehren; er wird denjenigen nicht verlassen, welcher sich im Glauben fest an ihn hält und auf seinen rechten Wegen zu wandeln sucht. O ihr Christen! Freut euch, und seid getrost in dem Herrn Christo Jesu jederzeit, dass er die Liebe und den Glauben in uns vermehren wolle. Gott tröste uns durch sein heiliges Wort, worauf wir fest vertrauen sollen. Ich befehle mich Gott und seiner Gemeinde. Er wolle heute mein Geleitsmann sein, um seines heiligen Namens willen. O mein Vater! Laß solches durch Jesum Christum geschehen, Amen.
Hierauf ist sie freiwillig zum Tode gegangen und ertränkt worden, wie oben gemeldet worden ist.



28.05.2019
Sieben Brüder
1529


Diese sieben Brüder sind um der evangelischen Wahrheit willen zu Gmünd im Schwabenlande sämtlich auf denselben Tag mit dem Schwerte hingerichtet worden und haben also mit ihrem Blute den Namen Christi standhaft bekannt. Ihre Geschichte lautet wie folgt:
Ich habe nicht unterlassen wollen, meine Brüder mit dem Handel bekannt zu machen, der sich hier in Deutschland bei uns zugetragen hat, gleichwie auch vielen wohl bekannt ist, wie die Welt über die Rechtgläubigen wütet und tobt, und wie sie die Knechte Gottes ihres Lebens und ihrer Güter beraubt; denn als Gott die Menschenkinder in Gnaden angesehen, so hat er ihnen mitten in ihrer Blindheit sein hellscheinendes Wort als ein Licht gegeben, damit wir an dasselbe glauben, und alle Sünde und Schande meiden sollten. Dieses Wort haben viele Leute als Wahrheit erkannt, es mit dem Munde angenommen und sich Christen nennen lassen, sind aber gleichwohl in ihrem sündhaften Leben fortgefahren und haben gedacht, der bloße Name sei genug, dass man nur den Schein beobachtete. Nachher hat es der Herr geschehen lassen, dass sein Wort in einigen kräftig wirkte, so dass es, wie der Prophet Jesaja sagt, in dem, wozu es Gott aussandte, glücklich ward und zu Ihm nicht leer zurückkehrte, sondern viele auf den rechten Weg leitete. Diejenigen, die nun also einen lauteren Wandel zu führen suchten, wurden gehasst und von den andern als Wiedertäufer gelästert, als ob sie von Gott abgefallen wären und sich zu Belial gewendet hätten, während sie doch ernstlich nichts anderes suchten und begehrten, als die Gebote Gottes durch seine Hilfe, nach ihren besten Kräften zu halten. Dessen ungeachtet pflegte man sie schmählicher weise Wiedertäufer zu schelten, obgleich sie einem jeden Menschen von Herzen gern vergaben und mit Leihen und Borgen, ohne Nutzen darin zu suchen, dem Nächsten behilflich waren, auch für ihre Feinde und Verfolger baten, wie man oft in der Stunde ihres Todes gesehen hat, und ebenso, dass sie ihren Glauben mit der Tat bewiesen haben. Im Jahre 1529 ist es in der Stadt Gmünd öffentlich geschehen, dass der Feind an einigen derselben mancherlei List gebrauchte, um sie abzuschrecken, aber es ist ihm nicht geglückt. Sie hatten daselbst einen Knaben gefangen, welcher erst 14 Jahre alt war; diesen hatten sie in den Turm gefangen gesetzt, in welchem er beinahe ein ganzes Jahr lang in harter Gefangenschaft gelegen und viel Ungemach erlitten; er blieb aber stets unbeweglich, wie oft sie ihm auch zusetzten, um ihn zum Abfall von seinem Glauben zu bewegen. Es wurden auch mit ihm sechs andere Brüder, fromme Männer, gefangen genommen und auf den Tod in den Turm gesetzt. Daselbst dankten und lobten sie Gott miteinander, trösteten sich untereinander, auch stand ihnen Gott mit seiner Gnade bei, dass sie treulich in dem Glauben blieben und sich weder durch Bedrohungen noch durch Schrecken bewegen ließen. Als nun die Zeit herannahte, dass sie aus dieser Welt scheiden sollten, so hat man ihnen ihr Todesurteil vorgelesen und sie dabei gefragt, ob sie von ihrem Glauben abfallen wollten. In diesem Falle könnten sie unbekümmert sein und wieder nachhause zu ihren Weibern und Kindern gehen. Hierauf wandten sich die Gefangenen zu ihren Feinden und antworteten ihnen: Wir haben Gott unsere Weiber und Kinder anbefohlen, er kann sie wohl bewahren, darum lasst van solchen Worten ab, denn wir sind willig und bereit zu sterben. Als nun auf dem Platze ein Kreis geschlossen wurde, wie man zu tun pflegt, wenn man mit dem Schwerte richtet, und der gedachte Knabe in demselben stand um enthauptet zu werden, so kam ein Graf zu ihm in den Kreis geritten, redete ihn an und sagte: Mein liebes Kind, willst du von dieser Verführung abstehen, so will ich dir einen Unterhalt geben und dich stets bei mir behalten; worauf der Jüngling antwortete: Sollte ich mein Leben lieben und deshalb meinen Gott verlassen und dadurch diesem Kreuze zu entgehen suchen, das würde mir nicht geziemen; dein Gut kann uns beiden nicht helfen, denn ich erwarte ein besseres im Himmel. Solches hat der Jüngling unverzagt geantwortet, und ferner gesagt: Ich hoffe auf das Reich meines Vaters, der mich erwählt hat, er kann alle Dinge zum Besten wenden und zurechtbringen; darum höre auf, solches von mir zu verlangen; ich begehre demjenigen auch in meiner letzten Not Gehorsam zu erweisen, der mich immer versorgt und erhalten hat. Ihn sollen wir aus unsers Herzens Grunde anrufen, wenn die Stunde herannahen wird, dass wir getrost aus dieser Welt scheiden sollen; werden wir nicht von Ihm abfallen, so wird er uns die ewige herrliche Krone geben. Unterdessen ist ein großes Getümmel unter dem Volke entstanden; denn ein jeder redete von der Sache, wie er es verstand. Hiernächst sind sie als fromme Helden durch das Schwert hingerichtet und, als getreue Zeugen Jesu Christi, dem Herrn ein Opfer geworden.
Als diese sieben Brüder noch im Gefängnisse waren, haben sie untereinander das Nachfolgende, worin ein jeder seine Gesinnungen und Gefühle ausgesprochen, aufgesetzt, belebt und ihren Brüdern gesandt.
Der Erste hat das nachfolgende Gebet getan: Aus der Tiefe meines Herzens rufe ich, o Gott, zu dir, erhöre doch mein Geschrei; sende doch deinen Heiligen Geist, gleichwie Du, o Christe, bis hierher mir denselben nicht entzogen, sondern williglich mitgeteilt hast. Wir verlassen uns auf dasjenige, was du uns befohlen hast; aber die Heiden suchen uns zu töten.
Der Zweite bat: Das Fleisch ist schwach, o Herr, solches ist dir wohlbekannt; es fürchtet sich vor einer geringen Pein; darum erfülle uns mit deinem Heiligen Geiste; solches bitten wir aus unsers Herzens Grunde, damit wir bis ans Ende standhaft bleiben und wohlgemut und tapfer dem Leiden, welches auf uns wartet, entgegen gehen, und weder Pein noch Schmerzen fürchten mögen.
Der Dritte bat: Der Geist ist willig und bereit, das Leiden zu begehren. O Herr, erhöre doch unser Gebet, durch Jesum Christum, deinen Sohn. Auch bitten wir dich für unsere Feinde, die leider so unwissend sind, dass sie nicht wissen, was sie tun, und nicht an deinen Zorn denken.
Der Vierte bat: Wir bitten dich, o Vater und lieber Herr, durch Christum, deinen Sohn, vermehre deine Herde, das kleine Häuflein; zünde in ihnen und in uns dein göttliches Licht an; solches wird unsere Herzen erfreuen, denn danach hungert und dürstet uns von Herzen.
Der Fünfte bat: O Gott, du hast uns in Gnaden angenommen und uns zu deinen Dienern gemacht; deshalb haben wir auch (durch deine göttliche Hilfe nach unserer Schwachheit) diesen Dienst treulich ausgeführt und vollbracht. Erhalte uns fernerhin unverrückt bei deinem Worte, denn wir begehren, dir stets gehorsam zu sein; komme uns zu Hilfe und sei unser Tröster.
Der Sechste bat: Du bist Herr Gott, mein Beschützer; wir wollen uns fest an dich halten; dann wird uns die Pein nicht schwer fallen, wenn man uns auch das Leben nimmt; du hast uns solches im Himmel in der Ewigkeit vorbehalten, und obgleich wir hier Schmach und Pein leiden, so wird solches nicht umsonst sein.
Der Siebte sagt: Den Leib, das Leben, die Seele und alle Glieder haben wir von dir, o Gott, empfangen; dieselben wollen wir Dir wieder aufopfern, zum Lobe und Preise deines heiligen Namens, es ist doch nichts weiter als Staub und Asche; wir befehlen unsern Geist in Deine Hände, Amen.



27.05.2019
Wolfgang Brand-Huber, Hans Niedermair, nebst andern, ungefähr siebzig
1529

Die Brüder Wolfgang Brand-Huber von Passau und Hans von Niedermair, beide Diener des Wortes und des Evangeliums Christi, sind im Jahre 1529 zu Linz, an der Gims gelegen, um der göttlichen Wahrheit willen, nebst vielen Frommen, zum Feuer, Wasser und Schwerte verurteilt worden, welches Gericht auch an ihnen und siebzig andern Personen vollzogen worden ist. Unter andern ist auch Peter Riedemann von Hirschberg, der im Jahre 1529 auf St. Andreasabend zu Gmünd gefangen genommen ist, obgleich er in der höchsten Todesangst auf allerlei Weise versucht wurde, dennoch treu und standhaft geblieben, so dass er zuletzt durch göttliche Fügung, nachdem er drei Jahre gefangen gesessen, wieder befreit worden.
Von diesem Wolfgang Brand-Huber sind in der Gemeinde noch Schriften vorhanden, worin er die christliche Gemeinschaft treulich unterrichtet und insbesondere gelehrt hat, dass man in allem, das nicht gegen Gott streite, der Obrigkeit gehorchen und untertänig sein müsse; auch hat er die rechte Taufe Christi und das wahre Abendmahl des Herrn sehr hoch gehalten, dagegen aber die Kindertaufe, das Sakrament und andere antichristliche Gräuel und Verfluchungen verworfen, wie seine Schriften, welche noch vorhanden sind, beweisen.



26.05.2019
Johannes Hut
1529



In diesem Jahre ist Johannes Hut, ein treuer Diener Jesu Christi, zu Augsburg in Schwaben, um des Zeugnisses Gottes willen, gefänglich eingezogen und in einen Turm gesetzt worden. Sie haben aber endlich mit ihren scharfen und peinlichen Fragen von ihm abgelassen und ihn als tot liegen lassen; als sie aber weggingen und in dem Gefängnisse ein Licht neben dem Stroh stehen ließen, ist das Stroh davon in den Brand geraten. Infolge hiervon haben sie ihn, als sie wieder in den Turm gekommen sind, tot gefunden, worauf sie ihn in einem Sessel sitzend, auf einem Wagen nach dem Hofgerichte geführt, wo er zum Feuer verurteilt worden ist. Sein Sohn Philipp Hut ist in der Gemeinde zu Heim in dem Herrn entschlafen. Dieser Johannes Hut hat die Danksagung gemacht, die wir bei des Herrn Gedächtnisse oder Abendmahl singen; außerdem hat er noch ein oder zwei Lieder gemacht.



25.05.2019
Ludovicus mit zwei andern
1529

Im Jahre 1529 ist gleichfalls ein Bruder, Ludovicus genannt, welcher ein Diener Jesu Christi und ein in der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache, nicht weniger in der Heiligen Schrift, wohlerfahrener Mann gewesen, nach einer langwierigen Gefangenschaft bei Costnitz am Bodensee, nebst zwei andern, mit dem Schwerte gerichtet worden. Bei seinem Tode hat er viele schöne Lehren gegeben, dass sich darüber jedermann wunderte und mit ihm weinte.



24.05.2019
Viglig Plaitner
1529

Der Bruder Viglig Plaitner, ein Diener Christi, ist zu Schardingen in Bayern, im Jahre 1529 verurteilt worden und hat um den Glauben und der göttlichen Wahrheit willen standhaft den Tod erlitten. Er wollte weder zur rechten noch zur linken Seite abweichen und hat sein Leben nicht bis in den Tod geliebt, sondern es um Christi willen dahingegeben, damit er dasselbe in der oberen Stadt der Gerechten mit allen Heiligen und Frommen ewig wieder empfangen möge.



23.05.2019
Georg Blaurock und Hans von der Reve
1529



Um diese Zeit, im Jahre 1529, ist Georg von dem Hause Jacobs, mit dem Zunamen Blaurock, nachdem er ungefähr zwei oder drei Jahre in der Schweiz und insbesondere in der Grafschaft Tyrol, wohin er selbst gereist ist, die Lehre der Wahrheit ausgebreitet und verkündigt hatte, damit er nämlich mit dem Pfunde wuchern und mit seinem Eifer für das Haus Gottes eine Ursache des Heils sein möchte, nebst seinen Mitgesellen zu Gusodaum gefangen genommen, um des Glaubens willen zum Tode verurteilt und nicht weit von Clausen lebendig verbrannt worden und zwar wegen nachfolgender Artikel: Weil er sein Priesteramt und seinen Stand, den er zuvor im Papsttume bediente, verlassen hatte; weil er nichts von der Kindertaufe hielt und den Leuten eine neue Taufe predigte; weil er die Messe oder Beichte verworfen, wie sie von den Pfaffen eingesetzt worden ist; weil er dafür halte, dass wir die Mutter Christi nicht anrufen oder anbeten müssen. Wegen dieser Ursachen ist er hingerichtet worden und hat, wie einem Ritter und Glaubenshelden gebührt, Leib und Leben dafür gelassen. Als er auf dem Richtplatze war, hat er ernstlich zum Volke geredet und sie zur Schrift angewiesen.
Nachdem nun die Liebe zur Wahrheit aufgegangen ist, so dass dieselbe unter den Menschen zu brennen angefangen und das Feuer Gottes sich entzündet hat, so sind in der Grafschaft Tyrol um des Zeugnisses der Wahrheit willen viele getötet und umgebracht worden, insbesondere in den nachfolgenden Plätzen: In dem Gusodaumer Gerichte, zu Clausen, Brixen, Sterling, Baltzen, Neumark, Katren, Terlen, in Gundersweg; desgleichen in dem Inntale zu Imbs, zu Petersburg, zu Steyen im Spruktal, Schwatz, Rotenburg, Kufstein und Kitzpichel; in diesen Plätzen hat eine große Menge der Gläubigen mit ihrem Blute die Wahrheit standhaft durch das Feuer, Wasser und Schwert bezeugt; dadurch hat sowohl das Volk Gottes als auch die Verfolgung täglich zugenommen. Einer ihrer Vorsteher und Lehrer in der Grafschaft Tyrol wurde Jakob Hueter genannt, welcher sich nicht lange darauf samt den Seinen mit der Gemeinde, die in Mähren versammelt war, vereinigt hat. Nachdem nun diejenigen, welche sich zu dem Jakob Hueter hielten, mit ihm aus der Grafschaft Tyrol nach Mähren zogen, wozu sie teilweise durch die große Verfolgung gezwungen und genötigt worden sind, so hat die Verfolgung und Tyrannei in der Grafschaft Tyrol sich täglich sehr vermehrt, weshalb die Frommen wenig Sicherheit hatten und viele von ihnen gefangen genommen und um des Glaubens willen auf allerlei Weise genötigt wurden, wozu denn die Pfaffen von dem Predigtstuhle mit großem Grimme gewaltigen Lärm schlugen und darauf bestanden, dass man solle zusehen, sie auszukundschaften und sie mit Feuer und Schwert zu vertilgen; auch hat man einige Male denjenigen viel Geld angeboten und verheißen, der sie angeben würde, wodurch sie zu Zeiten aufgefunden worden sind; man hat sie überall aufgesucht, in den Gebüschen und Häusern, welche im Verdacht waren, in allen Plätzen, auch innerhalb der verschlossenen Zaune; diese musste man öffnen oder sie brachen sie auf und durchsuchten die innere Fläche. Es war unter ihnen auch ein Judaskind, namens Prabeger, der sich einer Schalkheit bediente und dadurch viel zu erlangen glaubte; dieser lief zur Obrigkeit und verriet sie alle, brachte auch die Häscher und die Pilatuskinder mit Schwertern, Spießen und Stangen mit sich; vor denselben ging er her, wie Judas, der Verräter. Auf solche Weise haben sie viele gefangen, andere aber zerstreut und verjagt. Nicht lange darauf, als sie sich wieder versammelten, hat sich auch wieder ein Ischariot hervorgetan, namens Georg Früder, der zu den Pfaffen lief und sagte, wenn sie ihm Lohn geben wollten, so wolle er hingehen und es sollte sich niemand von den Brüdern vor ihm verbergen können. Hierauf haben ihm die Pfaffen, das Geschlecht der Pharisäer und Schriftgelehrten, Geld und guten Lohn und außerdem noch einen Brief gegeben, womit dieser Schalk ausgegangen ist, sich aufs Höchste verstellt und sein Gaukelwerk getrieben hat; er ging hin und wieder zu den Leuten, von welchen er dachte, dass sie davon Wissenschaft hätten, fragte überall im Pöstertale, wo die Brüder wären und wo er sie finden möchte, man sollte ihm doch dazu verhelfen; solches hat dieser Schalk unter vielen Tränen begehrt, unter dem Vorwande, dass er keine Ruhe hätte, bis er bei ihnen wäre; auf solche Weise hat er sie betrogen und ist endlich zu ihnen gekommen; er stellte sich vor ihnen ganz traurig, demütig und gütig an, wie einer, der Buße sucht und sich auf einen andern Weg begeben will; dann aber sprach er in großer Eile: Meine Brüder, wartet ein wenig, so will ich nachhause gehen und mein Weib und meine Kinder herholen. Der Diener hatte viel Überlegung und sagte zu ihm: Wenn du im Herzen falsch bist und etwas Arges im Sinne hast, so wird dich Gott gewiss darum Heimsuchen und du wirst sein Gericht schnell auf dich laden. Er aber sagte: O nein, davor behüte mich Gott! Kommt mit mir in mein Haus. Damit ging er fort und lief zum Richter, zu den Pfaffen und zu der Obrigkeit; dieselben kamen mit Gewalt, mit Schwertern und Stangen, und nahmen die Brüder und Schwestern gefangen.
Dergleichen Schalke taten sich noch mehr hervor; insbesondere einer, welcher Peter Lantz hieß; desgleichen ein anderer mit Namen Pranger; einige gingen in der Nacht mit vieler Schalkheit umher, stellten sich ebenso an und kamen zu den Plätzen und Häusern, worin sie jemanden zu finden hofften; aber Gott hat ihnen ihren verdienten Lohn gegeben, so dass sie wünschten, dass sie nicht geboren worden wären.
Außer dem erwähnten Georg Blaurock ist noch einer gewesen, namens Hans von der Reve, welcher mit zu denen gehörte, welche die Wahrheit des heiligen Evangeliums mit Ernst angenommen und die christliche Gemeinde zu der Zeit haben stiften und bauen helfen, als die Wahrheit durch das Papsttum und andere Irrtümer lange verfinstert gewesen ist. Nachdem sie nun ihr Lehramt eine Zeitlang treulich bedient, viele Menschen erbaut und unterwiesen und dadurch ihr Pfund mit Wucher auf Gewinn gelegt hatten, so sind sie endlich von der missgünstigen und neidischen Kainsart gefangen genommen und zu Clausen in Tyrol im Jahre unsers Herrn 1529 verbrannt worden.
Um nun zu bezeugen, dass sie in allem diesem sich in Gott erfreut und auch ihrer Brüder Trost und Stärkung gesucht haben, so haben sie das Nachfolgende ihnen zum Andenken hinterlassen:

Herr Gott! Dich will ich loben von nun an bis an mein Ende, weil du mir den Glauben gegeben hast, durch welchen ich dich kennen gelernt habe. Du sendest dein göttliches Wort zu mir, welches ich aus lauter Gnade merken und spüren kann. Von dir, o Gott, habe ich dasselbe empfangen, wie du weißt; ich hoffe gewiss, es wird nicht leer wieder zu dir zurück kehren. O Herr, stärke hierzu mein Gemüt, dass ich deinen Willen erkenne, dessen ich mich von Herzen erfreue. Wärest du mir, o Gott mit dem Worte deiner göttlichen Gnade nicht erschienen, als ich die schwere Last der Sünden gewahrte, welche mich sehr ängstigte, so hätte ich unterliegen und ewige Pein leiden müssen. Darum will ich deinen herrlichen Namen ewig hochloben und rühmen, weil du dich stets als einen barmherzigen, lieben Vater erweisest. Verstoße mich doch nicht, sondern nimm mich als dein Kind an. Darum schreie ich zu dir, hilf doch, o Vater, dass ich dein Kind und Erbe sein möge. O Herr, stärke meinen Glauben, sonst wird mein Gebäude, wenn mir deine Hilfe nicht beisteht, bald umfallen; vergiss mein nicht, o Herr, sondern sei immer bei mir; dein Heiliger Geist beschütze und lehre mich, dass ich in allen meinen Leiden stets deinen Trost empfangen und in diesem Streite ritterlich kämpfen möge, bis ich den Sieg erhalten haben werde. Der Feind hält mit mir eine Schlacht in dem Felde, worin ich nun liege; er hätte mich gern aus dem Felde verjagt; aber du, Herr, hast mir den Sieg gegeben. Er ist mit scharfem Geschütz auf mich eingedrungen, so dass mir alle meine Glieder vor der falschen Lehre und ihrem Zwange bebten. Aber du, o Herr, erbarme dich meiner und hilf mir armen Menschen, deinem Sohne, mit deiner Gnade und kräftigen Hand, damit ich überwinde. O Gott! Wie bald hast du mich erhört, wie bist du mit deiner Hilfe geeilt und hast meine Feinde zurückgeschlagen! Darum will ich zum Lobe deines Namens, in meinem Herzen singen und die Gnade, die mir widerfahren ist, ewig ausbreiten. Ich bitte dich nun, Vater, für alle deine Kinder; bewahre uns sämtlich in Ewigkeit vor allen Feinden unsrer Seelen; auf das Fleisch will ich nicht bauen, denn dasselbe vergeht und hat keinen Bestand, aber auf dein Wort will ich fest vertrauen, das sei mein Trost, darauf ich mich verlasse, das wird mir aus allen meinen Nöten zur ewigen Ruhe helfen. Die Stunden des letzten Tages, wo wir das Leben lassen müssen, ist nun sehr nahe. Lieber Herr! Hilf uns doch das Kreuz bis auf den Platz zu tragen und kehre dich zu uns mit aller Gnade, damit wir unsern Geist in deine Hände befehlen mögen. Ich bitte dich, o Herr, herzlich für alle unsere Feinde, wie viele derer auch sind; Herr, rechne ihnen ihre Sünde nicht zu; dieses bitte ich dich nach deinem Willen und so wollen wir (ich, Georg Blaurock und Hans von der Reve) im Frieden hinscheiden; der gute Gott wolle uns durch seine Gnade bis in sein ewiges Reich geleiten; gleichwie wir ihm auch fest vertrauen, dass er solches tun und sein heiliges Werk in uns vollenden und mit seiner Kraft bis ans Ende uns beistehen werde, Amen.
Dies ist auch augenscheinlich geschehen, denn diese beiden sind standhaft und unerschrocken um der Wahrheit willen gestorben und verbrannt worden.



22.05.2019
Hans Langmantel mit seinem Knechte und seiner Magd
1529

Hans Langmantel, ein reicher Bürger von angenehmem Geschlechte, hat mit seinem Knechte und seiner Dienstmagd, als die Gemeinden in Deutschland wieder aufgerichtet wurden, die Wahrheit des Evangeliums angenommen und haben von Eifer entflammt, an die Wahrheit geglaubt, das sündhafte Leben verlassen und sich zur Befreiung und Vergebung ihrer Sünden auf den Glauben an Jesum Christum taufen lassen. Sie sind deshalb alle drei gefänglich eingezogen worden und zuletzt, nachdem sie viel Anfechtung und Pein erlitten, um ihres Glaubens willen, welchen sie standhaft bekannten, getötet worden; den Hans Langmantel und seinen Knecht haben sie mit dem Schwerte getötet, die Magd aber im Wasser ertränkt. Als sie noch in strenger Gefangenschaft lagen, haben sie das Nachfolgende als eine Danksagung und ein Gebet, deren sie sich im Gefängnisse bedienten, ihren Brüdern zum Troste, zur Ermahnung und zum Andenken ungefähr im Jahre 1529 zugesandt:
O Gott! Vater vom Himmel, komm mit der Kraft deines Heiligen Geistes und erfreue damit unser Gemüt, Herz und unsere Sinne; gib uns allen dreien ein männlich Gemüt, um in dieser Angst, worin wir sind, zu streiten und zu siegen. Halte uns mit deiner rechten Hand, denn du bist unsere Stärke, streite für uns in dem Streite, und habe acht auf uns in der Not, damit wir im Streite bestehen möchten und nicht zurückweichen, wenn der Streit am heftigsten wird, darum, o Herr, halte doch Wache über uns und bewahre uns in dieser großen Not, da sich die Gottlosen gegen dein Wort aufmachen und uns davon abwendig machen wollen. O Gott, erhalte uns doch in deiner Obhut, damit wir nicht schwach werden und dein Wort fahren lassen. Lass, uns doch die Treue genießen, die du durch deinen Sohn Jesum Christum an uns vollbracht und erwiesen hast, damit wir aber solches stets fleißig betrachten möchten, so sende uns deinen Heiligen Geist und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe; führe du uns, der du dieselbe mit der Tat gelehrt und uns vorgelegt hast, dass wir uns auch darin üben und dieselbe, als deine lieben Kinder unterhalten und ausüben sollen, damit diese Gabe in uns komme und wir in dieser deiner Wahrheit unser Leben darnach einrichten möchten, wozu wir berufen sind, damit Friede und Einigkeit unter uns grünen möge und wir uns untereinander in der Wahrheit aus reinem Herzen lieb haben. Darum, o Gott, lass das Licht deiner göttlichen Klarheit uns erleuchten, damit wir darin wandeln mögen. O Herr! Erhalte uns darin als deine lieben Kinder! Lass uns doch nicht durch die grausame Finsternis dieser Welt, welche mit jeder Art von Untreue die Oberhand bekommen und welches alles den Tod nach sich zieht, ebenfalls verfinstert werden. Du aber, unser Vater, liebest die Billigkeit. In dir ist keine Finsternis, sondern die Welt ist damit verblendet. Du aber bist das ewige Licht, welches durch die Finsternis dringt. Damit wir nun ferner nicht mehr Kinder der Nacht, sondern Kinder des Tages sein mögen, so wache über uns mit deinem Heiligen Geiste und lehre uns mit Lust und Freude nach deiner göttlichen Art in diesem Licht fortgehen. O Gott, wir bitten noch einmal, sende uns zu diesem Zwecke deinen Heiligen Geist, verleihe uns seine Kraft, erneuere unsere Herzen und mache uns stark in dir, damit wir dir im Gehorsam folgen und deinen Namen verherrlichen mögen. Wenn diese Welt sich wider deine Worte empört und dem widerstrebt, dass unsere Seele in allen Trübsalen zu dir seufzt, wodurch sie uns abzureißen suchen, so gib uns, o Herr, dass wir auf deine Hilfe warten und hilf uns zur Überwindung. Gib uns Herr, dass wir uns durch keine Sünde oder Schuld beflecken und nimm von unserm Fleisch den Schrecken hinweg, womit man uns abzuziehen und in diesem Werke aufzuhalten beabsichtigt, damit wir im Streite nicht wanken, wenn man das Todesurteil an uns vollstrecken wird, sondern damit wir dir mit allen Frommen entgegengehen und in dem herrlichen Hochzeitskleide bei der Hochzeit erscheinen, welche deinem Sohne zubereitet ist, wenn Er seine Braut mit ewiger Freude und Lust aufnehmen wird, Herr! Stehe uns doch bei in allen Ängsten und Nöten und in der Todespein; gib uns das Himmelsbrot, sende uns deinen Tröster; denn du Gott bist ein Tröster der Elenden; du machest die Armen reich und stärkest die Schwachen; du kannst die Müden erquicken und den Schwachen Kraft geben, dass sie sich zu dir wenden; durch dich überwinden sie, die sich jetzt zum Streite begeben haben, um für die Wahrheit zu streiten. Hilf uns zum Siege in Christo, deinem Sohne, ja in ihm allein auf dieser Erde. Sei Du allein unser Helfer, beschirme uns mit deinem Schwerte, damit wir sämtlich als deine Helden die Krone erlangen und ewig bei dir sein mögen, Amen.



21.05.2019
Hilgard und Kaspar von Schöneck
1528

Diese beiden sind zu Ries im Fluchttale bei Brixen um der Wahrheit willen enthauptet worden und sind ebenfalls als treue Zeugen Christi gestorben; sie haben die folgende Ermahnung ihren Brüdern hinterlassen:
Merket alle auf und nehmet es zu Herzen, dass Gott alle Sünder, groß und klein, heimsuchen wolle, welche ihn verachten und seinen Namen lästern und nicht an ihr sündhaftes Leben denken. Gott wird einmal schnell aufwachen und seine Kinder erlösen. Wenn man auf die Lehre der Propheten achtet, so sieht man, dass es die letzte Zeit sei und dass Gott in dieser Zeit rufen wird, dass sich die Menschen zu ihm bekehren, nach seinem Willen leben und seine Geboten halten sollen. Wenn sie das tun würden, so würde dem Zorne gesteuert werden und er würde ihr Gott und Vater sein; denn Gott ist wegen seiner großen Güte in seinem Urteile langmütig, darum hütet euch vor Sünden und folget dem Teufel nicht, sondern befreiet euch von der Ungerechtigkeit, so wird euch Gott in dieser letzten Stunde nicht verlassen, denn Gott ist reich und auch barmherzig; bei ihm ist viel Gnade; er vergibt dem Sünder gern, der seine Sünden verlassen will, an Christum glaubt und seinen Namen anruft; diesen wird Gott nicht allein aus Gnaden von seinen Sünden freisprechen, sondern ihm auch freiwillig die ewige Belohnung schenken und geben. Merkt doch auf diese Dinge, o ihr alle, die ihr zu der Gemeinde Jesu Christi gehört und Gottes Kinder geworden seid! Lobt doch Gott mit Jauchzen, jung und alt, groß und klein; ihr, die ihr seinem Wort glaubt, liebt Gott als seine lieben Kinder und wandelt vor ihm mit reinem Herzen, so werdet ihr niemals verlassen, sondern von ihm bewahrt werden. O Gott, der du reich von Gnade bist, bewahre uns, deine Kinder, damit wir uns zu dir halten und diejenigen, die sich dir ergeben haben, nicht zu Schanden werden; führe sie fleißig mit deiner rechten Hand nach dem verheißenen Lande, dem ewigen Himmelreiche. O Gott! Dir sei Ehre in deinem hohen Throne, der du uns durch Christum, deinen Sohn beschenkt und uns deine göttliche Gnade mitgeteilt hast, wodurch wir dich mit Herz und Mund bekennen und uns nicht schämen, diejenigen unsere Brüder zu nennen, die dich in der Wahrheit als einen Vater anrufen. Gelobet sei dein heiliger Name! Amen.
Sebastian Frank erzählt, dass im Anfange die Taufgesinnten sich um viele Taufende vermehrt haben, so dass die Welt einen Aufruhr von ihnen befürchtete; sie sind aber dessen (wie ich höre), schreibt er, unschuldig befunden worden; gleichwohl hat man ihnen, besonders zuerst im Papsttume, mit großer Tyrannei zugesetzt.
Man nahm mit Gewalt gefangen und peinigte sie mit Brennen, mit dem Schwerte, mit Feuer, Wasser und mit mancherlei Gefängnissen, weshalb in wenigen Jahren sehr viele derselben getötet worden sind, welche man in verschiedenen Plätzen getötet hat, denn es sind zu Eynsheim allein an sechshundert umgebracht worden, welche alle als Märtyrer geduldig und standhaft litten.


20.05.2019
Neun Brüder und drei Schwestern
1528

In diesem Jahre sind zu Pruckhan an der Mauer in Steiermark neun Brüder und drei Schwestern gefangen genommen worden; diese hat man um ihres Glaubens willen zum Tode verurteilt und sie gebunden aus der Stadt nach dem Richtplatze geführt; sie aber waren fröhlich und getrost, sprachen und sagten: Heute wollen wir an diesem Orte um des Wortes Gottes willen leiden und ihm unser Opfer verrichten. Auch redeten sie die Herren von Pruckhan ernstlich mit den Worten an: Sie sollten wissen, dass sie unschuldiges Blut auf sich laden würden. Als man einen Kreis machte, knieten sie alle nieder und baten sämtlich alle zu Gott, dass sie nun dieses ihr Abendopfer vollenden möchten; dann standen sie auf und verfügten sich zum Schwerte; der Scharfrichter war betrübt, denn er tat solches nicht gern. Der Jüngste unter ihnen allen hat seine übrigen Brüder gebeten, dass sie ihn, weil er so wohlgemut und freimütig wäre, zuerst die Pein leiden lassen wollten, worauf er sie geküsst und gesagt hat: Gott segne euch, meine liebsten Brüder, heute werden wir zusammen im Paradiese sein. Also sind diese neun Brüder auf einem grünen Acker enthauptet worden; sie waren so unverzagt, dass man sich wundern musste; sie knieten nieder und vergossen ihr Blut durch des Schwertes Schlag. Die drei Frauen und Schwestern wurden ertränkt; sie wollten nicht von Gott und seiner Wahrheit abfallen. Die Jüngste lachte das Wasser an, welches daselbst viele gesehen haben. Einige hielten dafür, der Teufel habe sie verhärtet, aber andern wurde das Herz bewegt, dass sie auch bekannten, es müsste solches Gott geben, sonst wäre es unmöglich; demnach haben sie die heilige und göttliche Wahrheit ritterlich bekannt.


19.05.2019
Drei Brüder und zwei Schwestern
1528

Es haben im Jahre 1528 zu Zuaimb in Mähren drei Brüder und zwei Schwestern gefangen gelegen. Es war zu Zuaimb ein Richter, welchen man Herrn Ludwig nannte; dieser hasste die Brüder, wie er während der Gefangenschaft dieser drei Brüder und Schwestern bewiesen hat, denn dieser Ludwig hat dem Rate mit scharfen Worten zugeredet, was sie mit diesen täuferischen Ketzern anfangen wollten; sie hätten, sagte er, sowohl einen königlichen Befehl, als auch sein Gebot, und wenn sie dieselben nicht hinrichten ließen, so wollte er selbst zum König reisen und sie wegen ihres Ungehorsams anklagen, wenn sie aber dieselben richten lassen wollten, so wolle er mit seinen Pferden das Holz dazu anfahren lassen, um sie zu verbrennen. Hierauf hat ihm der Rat geantwortet: Lieber Herr Ludwig, wir wollen sie euch anbefehlen, tut mit ihnen nach eurem Gefallen; es ist euch übergeben. Hierauf hat er mit seinem Wagen Holz anfahren und diese drei Brüdern und zwei Schwestern verbrennen lassen. Demnach sind dieselben auf dieses kurze Urteil hingerichtet worden und haben Gott, der das rechte Brandopfer zugelassen hat, das Gelübde, das sie in der Taufe getan hatten, bezahlt und bis in den Tod für die erkannte göttliche Wahrheit gestritten.
Dieser Ludwig, durch der alten Schlange Hass und Neid angetrieben, hatte sich an dem Blute der frommen und unschuldigen Schafe des Herrn noch nicht gesättigt und musste seinen Schicksalsspruch erfüllen; er hat denen Geld angeboten, die ihm anzeigen würden, wo die Brüder zusammenkämen. Als ihm nun das Haus verraten wurde, hat er sich mit den Häschern und Schaarwächtern aufgemacht und ist über den Platz gegangen; hier ist dieser Richter Ludwig zufällig in ein Loch getreten, welches vor dem Hause war, wodurch man den Wein hinunterließ und hat in diesem Loche den einen Fuß verrenkt, so dass er niederfiel und jammernd rief, dass man ihm aufhelfen und die Schelme gehen lassen sollte. Als nun die Brüder dieses Geschrei vernahmen, haben sie sich davon gemacht.
Nachher aber ist dieser Ludwig todkrank geworden; er lag in großer Bangigkeit und fing plötzlich an zu rufen: O die Täufer, die Täufer! Nachher hat er weiter nichts mehr geredet, jene Worte aber hat er unaufhörlich gerufen; zuletzt brüllte er wie ein Ochse und wie ein wildes Tier, aß seine eigene Zunge, dass ihm der Schaum und das Blut zum Munde herauslief. Sein Weib und seine eigenen Kinder konnten nicht bei ihm bleiben; nur die Magd, welche ihm zugehörte, blieb bei ihm, bis er in seinem Blute erstickte. Diese Magd hat es dem Bruder Bastelward, welcher ein Diener gewesen, selbst erzählt, wie es zugegangen sei; seine ganze Freundschaft hat nicht gern, dass man davon redet und es war eine allgemeine Rede unter den Leuten, dass er sich an dem unschuldigen Blute verschuldigt hätte. Auf ähnliche Weise hat Gott öfters (mehr als in diesem Buch angezeigt oder erzählt werden kann) die Gottlosen mit dergleichen Exempeln zurückgehalten, damit dadurch sein Werk unter seinem Volke größere Fortschritte machen möchte, ihm zum Ruhme und zum Heile derer, welche die Gerechtigkeit und Besserung des Lebens suchen; denn wenn Gott seinem Werke nicht stets beigestanden hätte, so würde der Feind es bald ausgelöscht und kein Fünklein oder Sämlein von der Wahrheit übrig gelassen haben, was aber Gott nicht zulässt.



18.05.2019
Hans Feyerer mit fünf Brüdern und drei Schwestern
1528

Um diese Zeit ist gleichfalls Hans Feyerer, ein Diener des Wortes, mit fünf seiner Brüder oder Glaubensgenossen zu München im Bayerlande um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen verurteilt und verbrannt worden; auch hat man ihre drei Weiber ertränkt, welche ihr Leben freimütig, getrost und fröhlich dahingegeben und lieber dieses zeitliche Leben verlieren, als von demjenigen abweichen wollten, was Gott ihnen zu erkennen gegeben; sie haben ein elendes Leben verlassen, um zu ihrer Zeit bei Christo in dem Reiche Gottes ein anderes zu finden, welches allen denen, die bis ans Ende beharren, mit Abraham, Isaak und Jakob, mit allen Heiligen und Frommen verheißen ist.



17.05.2019
Thomas, Balthasar und Dominicus
1528

In demselben Jahre 1528 sind Thomas und Balthasar, beide Diener des Evangeliums und mit ihnen einer, Dominicus genannt, in der Stadt Brunn in Mähren gefangen genommen, zum Tode verurteilt und mit großer Standhaftigkeit um des Glaubens und göttlichen Wahrheit willen verbrannt worden; ehe sie aber gefangen worden sind, haben sie dem Rate angezeigt, dass sich derselbe vorsehen sollte und sich nicht an unschuldigem Blute vergreifen sollte, es würde Gott ihnen nicht ungestraft lassen. Hierauf ist Thomas Pelsser im Rathause aufgestanden, hat sich angestellt, als wollte er seine Hände waschen und gesagt: Ebenso will ich meine Hände in ihrem Blute waschen und werde meinem Gott einen Dienst damit tun; aber wenige Tage darauf ist es geschehen, dass ihn das Gericht Gottes getroffen hat; denn er ist plötzlich gestorben und in seinem Bette an seines Weibes Seite tot gefunden worden. Er hat demnach den Tod dieser Frommen nicht erlebt, worüber viele großen Schrecken gehabt.



16.05.2019
Hans von Stotsingen
1528



Als dieser Hans von Stotsingen um der evangelischen Wahrheit willen im Jahre 1528 eine Zeitlang zu Elzas-Zabern gefangen gewesen war, ist er zuletzt zum Tode verurteilt worden. Als er zum Richtplatze hinausgeführt wurde, hat er unterwegs an das Volk die nachfolgende Ermahnung gehalten, worauf er daselbst mit dem Schwerte enthauptet worden ist: Nun wenden wir uns in der Not mit dem Gebete zu unserem Gotte, dass er uns aus aller unserer Not erlösen wolle, damit unsere Herzen ihm ein reines Opfer bringen mögen, welches ihm wohlgefällig sein möchte. Unter diesem Opfer verstehe ich meinen ganzen Leib, das Leben, die Haut und die Beine, desgleichen auch Weib und Kinder. Wir sind geneigt, alle unsere Glieder aufzuopfern, wozu uns die Liebe treibt und zwingt. Pharao wollte solches gern verhindern und verwehren, aber wir kehren uns nicht daran und wollen auch nicht davon ablassen, sondern wir wollen für den Herrn unser Opfer bringen und durch seine Hilfe durchdringen. Er wird uns helfen und Beistand leisten. Kommt hierher, liebe Brüder, lasst uns die Sache tapfer angreifen; wir sind nun die Glieder Jesu; er ist unser Herzog; er hat eine herrliche Krone zubereitet, welche er denjenigen, die bis ans Ende beharren, aufsetzen wird. Du kleines Würmlein Jakob, sei mutig und unverzagt, obschon Pharao dir nach dem Leben steht, so ist doch das Leiden gering. Das Rote Meer wird dir offen sein und ob dir Pharao nachjagt, so wird er darin untergehen. Zage nicht, du kleine Herde, denn es ist hier um eine kurze Zeit zu tun, auch ist unser Fleisch ja nichts wert, sondern die Stadt, welche uns Gott im ewigen Reiche zubereitet hat, wo wir den Engeln Gottes gleich sein werden, ist von Wert. Wer kann die Würde bedenken? Solches hat uns Gott zugesagt, ja Gott verheißt uns durch sein Kind Jesum Christum viel Trost und Freude und verspricht uns ewige Ruhe, wenn wir sonst in ihm standhaft bleiben. Aber wir müssen auch den Kelch des Leidens mittrinken und mit seinem Sohne Jesu Christo leiden. Dennoch will er uns erlösen und uns guten Beistand leisten. Wenngleich uns die Heiden töten, so will er uns doch nicht verlassen, sondern ihre Gewalt in Stücke brechen, uns aus ihren Händen reißen und aus Gnaden herrlich krönen. Gott ist der Herr, der da schützen kann. Derselbe ist auch unser Schild, weil wir ihn zum Vater haben; er ist barmherzig und mildreich; wenngleich uns die Menschen vertreiben, so wollen wir doch stets bei ihm bleiben. Seine große Macht ist über uns, er lässt diejenigen, die seinen Bund halten, nicht verzagen; darum, wenngleich man uns lästert und anklagt, so freut euch darüber in eurem Herzen. Werft euer Vertrauen auf Gott, ihr werdet seine Hilfe genießen. Darum fürchtet weder Pein noch Tod; ich sage meinem Gotte Preis und Dank, dass ich ein Opfer geworden bin, wonach mich verlangt hat, denn Sterben ist mein Gewinn. O mein Gott, lass mich das Opfer deines Sohnes Jesu Christi genießen, Amen. Hiernächst hat er den Hals ausgestreckt und ist um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet worden.



15.05.2019
Achtzehn Personen werden zu Salzburg verbrannt
1528
Diese achtzehn Personen sind außer vielen anderen, durch den Eifer in der Furcht Gottes entflammt worden, so dass sie sich von der Welt und ihrer Abgötterei zu Gott bekehrt haben und auf den Glauben an Christum getauft worden sind, wobei sie sich unter den Gehorsam seines heiligen Evangeliums begeben haben. Dies haben ihre Widersacher nicht ertragen können, weshalb diese achtzehn gefangen genommen und endlich, als sie unter vielen Peinigungen fest bei ihrem Glauben beharrten, sämtlich zu Salzburg auf denselben Tag zum Feuer verurteilt und verbrannt worden sind und das Nachfolgende um dasselbe Jahr zum Andenken hinterlassen haben:
O Gott vom Himmel! Habe doch acht auf deine Schafe, die nur eine kleine Herde sind, damit sie weder von dir weichen, noch verführt werden; erhalte sie in deiner Obhut, hilf ihnen aus der beklagenswerten Not, denn das Tier jagt sie zu Tode, welchen sie leiden müssen; man wirft sie in strenge Gefängnisse, wo sie in der Tiefe dem Herrn lobsingen und ihn mit Herz und Mund verherrlichen. Ach Herr, erbarme dich ihrer und lasse es dir geklagt sein; komm eilend und hilf uns armen Kindern und erhalte uns in deinem Willen. Sie wollen uns von dir abziehen und dringen hart in uns mit ihrer großen Gewalt und Pracht. O Gott! Verleihe uns doch deine göttliche Kraft; wir haben keinen andern Herrn im Himmel und auf Erden als dich. Verleihe uns, was wir von dir begehren. Der Herr Christus sendet seine Boten aus und bietet uns durch dieselben sein Himmelreich an, welches von der Welt verspottet wird; wir aber haben mit großer Freude und Vergnügen des Herrn Reich und seine Gnade angenommen; darum schreien die Pfaffen über uns, sie wüten und sind über uns erbittert. Sie haben über fünfhundert Jahre die Wahrheit sehr verdeckt und die Menschenmasse mit falscher Lehre verführt; sie treten das Wort mit Füßen und verachten dasselbe. O Herr, gib, dass sie sich bessern und deinen Willen tun mögen. Ist es nicht eine klägliche Sache, dass man zu Salzburg achtzehn Personen sämtlich auf einen Tag verbrannt hat, nur um der Lehre Christi willen, von welchem sie bekannten, dass er allein der Herr sei? Sie wollten das Bild nicht ehren und das Tier nicht anbeten; sie wollten ihre Worte oder das Zeichen des Antichristen in ihrer Hand und Stirn nicht annehmen. Darum durften sie auch im Lande nicht kaufen und verkaufen, sondern sie blieben bei Christo und nahmen sein Zeichen an und ihre Namen sind im Buche des Lebens aufgeschrieben; sie haben als christliche Ritter die Krone des Lebens aus Gnaden erlangt und erwarten die ewige Freude.



14.05.2019
Leopold Schneider
1528

Dieser Leopold Schneider ist zu Augsburg als ein frommer Zeuge des Leidens Christi, um der Wahrheit willen im Jahre 1528 enthauptet worden und hat die nachfolgende Ermahnung, anderen zum Tröste und Unterrichte, hinterlassen:
Mein Gott, dich will ich in meiner letzten Stunde loben, dich, der du hoch dort oben im Himmel bist, will ich mit Herz und Mund preisen, denn du bist dessen würdig; stärke meinen Glauben, indem ich auf diese Fahrt des Leidens ziehen muss; gedenke meiner in Gnaden in diesem schweren Streite; meinen Geist befehle ich in deine Hände, in dir erfreue ich mich, Christi, stehe mir bei im Leiden, vergib es ihnen, himmlischer Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich werde gehasst, weil ich dein Wort nicht verlassen kann und man sucht die Seele von dem Leibe zu entblößen. Darum rufe ich dir zu, o Gott, um gnädige Hilfe; ich vertraue auf dich, denn ich habe sonst keinen Tröster. Was so klar geschrieben steht, Mk 16, dass, wer da glaubt und getauft wird, soll selig werden, dem kann je niemand widersprechen, darum soll man darauf Achtung geben. O ihr Verblendeten, warum entsetzt ihr euch und werdet betrübt, weil wir den Befehl Christi beobachten? Übt euch in der Heiligen Schrift, dann werdet ihr finden, was Christus, der Sohn Gottes, uns zu tun befohlen hat. Ich bitte euch alle, ihr lieben Brüder und Schwestern, habt doch zu Gott ein festes Vertrauen und seid über meinen bittern Tod nicht betrübt, denn Gott wird solches reichlich belohnen. Wir müssen doch einmal von hier und aus diesem Jammertale scheiden. Die Schrift bezeugt ja so klar, dass wer hier nur lachen und Freude haben will, zuletzt heulen und weinen soll; hier müssen wir in Geduld leiden, der Herr gebe, dass es in Unschuld geschehen möge. Wer hier seine Gabe auf den Altar bringen will, der muss diese auf dem Altar lassen und hingehen und sich zuvor mit seinem Bruder versöhnen und dann kommen und seine Gabe opfern. Darum bitte ich dich, o Gott, du wollest in Gnaden denen vergeben, welche mir den Tod antun. Meinen Geist und meine Seele befehle ich in deine Hand, o Gott! Hilf mir aus allen Nöten und wende dich niemals von mir; nimm meinem Fleische sein ganzes Vermögen, damit ich überwinden und von dir den Sieg erhalten möge, Amen.



13.05.2019
Hans Schlaffer und Leonhard Fryk
1528

Auch ist im Jahre 1528 der Bruder Hans Schlaffer, der früher römischer Pfaff, dann aber ein Lehrer des Wortes und des Evangeliums Christi gewesen, ein hochbegabter Mann, zu Schwatz im Inntale gefänglich eingezogen worden und mit ihm ein Bruder Leonhard Fryk. Man hat ihm mit strenger Pein sehr zugesetzt und durch die Pfaffen mit ihm von der Kindertaufe handeln lassen, aber er hat mit der göttlichen Schrift mündlich als auch schriftlich ihnen seine Verantwortung vorgelegt, wie durch das ganze neue Testament befohlen und zu ersehen ist, dass man zuerst das Wort Gottes lehren und nur diejenigen taufen soll, die es hören, selbst verstehen, glauben und annehmen. Dieses ist die rechte christliche Taufe und keine Wiedertaufe; der Herr hat nie befohlen, die Kinder zu taufen, sie sind schon zuvor des Herrn und solange sie in der Unschuld und Einfalt sind, kann man sie nicht verdammen. Auch haben sie ihn gefragt, worin eigentlich das Prinzip der Sekte der Wiedertäufer bestehe, worauf er ihnen antwortete: Unser Glaube, Tun und Taufen ist auf nichts anderes gegründet als auf den Befehl Christi in Mt 28; Mk 16, wo Christus sagt: »Gehet hin in alle Welt und predigt allen Kreaturen, wer da glaubet und getauft wird, soll selig werden,« nebst vielen andern Schriftstellen.
Auch haben sie gefragt, was für eine Absicht unter solcher Wiedertaufe verborgen sei, indem ihr Bestreben dahin gehe, Aufruhr und Abfall zu erwecken? Aber er antwortete ihnen: Es sei noch nie in sein Herz gekommen, Aufruhr zu erwecken, auch habe ihm solches an andern nicht wohl gefallen, ja er habe ein Haus geflohen, in welchem man uneinig gelebt habe; solches könne er durch alle diejenigen beweisen, bei welchen er bis dahin gewohnt habe. Auch sei darunter keine andere Absicht verborgen, als das Leben zu bessern und von dem lasterhaften Leben der Welt abzulassen, wie denn auch in seiner Lehre, welche er führte, das Gebot besonders herrsche, dass man der Obrigkeit in allen guten Dingen untertänig und gehorsam sein solle; wie hätte er nun sich vorgenommen haben sollen, Aufruhr und Abfall zu erwecken? Auch begehrten sie von ihm zu wissen, wer die eigentlichen Urheber und die Bedeutendsten dieser ketzerischen Hauptsekte seien (wie sie dieselben mit Unrecht nannten). Er sagte ihnen: Er wüsste keine Häupter seines Glaubens, als den Sohn Gottes, Jesum Christum, derselbe sei der rechte Herzog des Glaubens; dass man sie aber Ketzer und aufrührerische Sekten nenne, darüber sollte man die Klagen der Juden über Christum vor Pilatus und die Klagen über den Apostel Paulus vor dem Landpfleger Felix lesen. Desgleichen hat man ihn auch gefragt, was ihn veranlasst und dazu gebracht habe, dass er seine priesterliche Bedienung und sein Amt verlassen habe. Hierauf hat er ihnen gesagt, dass er solches um des Gewissens willen getan hätte, weil er in eines Propheten Stande sei und geglaubt habe, dass er von Gott ausgesandt sei. Auch begehrten sie von ihm zu wissen, wer ihn beschieden hatte, nach Deutschland zu ziehen, um solchen bösen Samen der Wiedertäufer fort zu pflanzen? Er antwortete ihnen hierauf: Es hätte ihn niemand dazu beschieden, sondern nachdem er nirgends einen Aufenthalt gehabt und im Elend hätte umherziehen müssen, sei er zu einem seiner Freunde gekommen, bei welchem er sich aufgehalten; von da sei er nach Schwatz gekommen, wo er nach dem Willen und wegen des Willens Gottes gefangen worden sei. Was den bösen Samen betreffe, wovon sie sagten, davon wüsste er gar nichts; er hätte nichts Böses vor, sondern vielmehr die lautere göttliche Wahrheit.
Nach diesen und andern Vorgängen haben sie ihn und seine gefangenen Brüder, nachdem er eine Zeitlang gefangen gelegen und nicht abweichen wollte, vom Leben zum Tode verurteilt und sie zu Schwatz mit dem Schwerte gerichtet und haben sie in solcher Weise die göttliche Wahrheit mit ihrem Blute bezeugt.
Er hat seinen Brüdern in Christo die nachstehende Ermahnung und Danksagung hinterlassen:
O Gott! Ich bitte um deine Gnade! Du wollest mir meine Sünden nicht zurechnen, indem Christus für dieselben genug getan hat, ehe ich geboren war. Ich war dein Feind und du hast mich geliebt, mich in Gnaden aufgenommen und für mich, zu meiner Erlösung, das unschuldige Blut deines geliebten Sohnes dahin gegeben, obgleich ich noch an mir viele Spuren der anklebenden Sünden wahrnehme, welche sich in meinem Fleische hervortun. Denn wenn ich das Gute tun will, hanget mir das Böse an. Um deswillen bin ich betrübt und mag wohl mit dem Apostel Paulus seufzen und rufen: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Und ich muss mir selbst antworten und sagen: Ich danke meinem Gott, der mir durch Christum den Sieg gegeben hat. Du bist mein Trost, denn weil ich von Herzen glaube, so kann ich nicht verdammt werden. Der Geist ist zwar willig und bereit, aber das Fleisch ist schwach, so dass es nicht dem Gesetze Genüge tun kann, bis Christus mit seinem Geiste stärkt. Wo menschliche Gesetze auf Erden regieren, da werden die elenden Gemüter verführt; ja, wo Jesus Christus nicht allein der Beherrscher ist, baut und die Aufsicht hat, da besteht kein Gebäude, sondern bleibt alles zerrissen und zerbrochen. Obschon die Welt andere Dinge hochhält, so sind sie doch vor Gott verschmäht; darum bitten wir dich alle gemeinschaftlich, jung und alt, groß und klein, dass du, o Gott, dich unserer erbarmen und uns armen Kindern getreue Hirten senden wollest, die deine Gabe austeilen, damit jede Menschenlehre ausgerottet werden möge; denn es ist Zeit, dass man rechte Buße tue und von dem Bösen ablasse, indem das strenge Urteil Gottes vor der Türe ist. Darum lasst uns zu der Züchtigung unseres Vaters unsere Zuflucht nehmen und ihm in Gehorsam uns unterwerfen, damit er uns, als seine Kinder, züchtige. Die Welt ist verblendet, sie kennt der Christen Leben nicht, sie hat davor einen Abscheu, flieht vor dem Kreuze und meint, es sei genug, wenn sie nur von dem christlichen Leben fein mit Worten reden könne, mit der Tat aber wenig vollbringt.
Aber, meine Brüder! Wer ein aufrichtiger Christ sein will, der muss Christum anziehen und ihm in seiner armen Gestalt gleich werden auf dieser Erde und darin mit getrostem Mute alles aufnehmen, was ihm in dieser Welt begegnet. Hier hilft kein auswendiger Schein, dass man Christum lieb habe und um seines Namens willen leide; man muss sich auch seiner nicht schämen, der uns zuerst geliebt und sich für uns dem schmählichen Tode übergeben hat. Es kann in Wahrheit nicht anders sein, als dass das Gericht erst an dem Hause Gottes anfange. So wird nun die Heilige Schrift erfüllt, weshalb die Strafe, womit die Welt heimgesucht werden wird, bereits vor der Türe ist; darum soll sich niemand versäumen, denn das Schwert ist gezogen, der Bogen ist gespannt und der Pfeil darauf gelegt und man zielt, um zu schießen. Ich meine hiermit nicht, dass man eine Ausflucht suchen, sondern des Vaters Züchtigung annehmen soll, wie oben gesagt worden ist, womit er uns zu demjenigen läutert, wozu er uns versiegelt hat, damit wir des ewigen, unvergänglichen Reichs mit ihm versichert sein und dasselbe ewig mit ihm in dem ewigen Leben besitzen sollten, wozu uns Gott sämtlich stärken und kräftigen wolle. Amen.



12.05.2019
Leonhard Schiemer, nach ihm wohl noch siebzig
1528

Im Jahre 1528 wurde Leonhard Schiemer von Vöklaburg gefangen genommen; er war ein Diener Gottes und ein sowohl in der Heiligen Schrift als auch in der lateinischen Sprache erfahrener Mann, welcher die wahre Taufe Christi und seiner Apostel und das wahre Abendmahl des Herrn, wie auch die Artikel des christlichen Glaubens, ja das Wort Gottes getreulich lehrte und gegen die Kindertaufe, wie auch gegen das abscheuliche Sakrament und andere Gräuel des Antichristentums zeugte. Anfänglich ist er ungefähr 6 Jahre lang ein Barfüßermönch gewesen, nachdem er aber das Leben der Mönche und Pfaffen mit dem Worte Gottes abgemessen und sowohl ihre Unreinigkeit und ihren Mutwillen, als auch ihre Scheinheiligkeit und Laster eingesehen hat, so ist zu Judenburg in Österreich aus dem Kloster gegangen und nach Nürnberg gezogen, wo er das Schneiderhandwerk erlernt hat, worauf er dann gewandert und nach Nicolsburg in Österreich gekommen ist. Daselbst hat er von Balthasar Hubmaier und von dessen Tode gehört und vernommen, dass einige dieses Glaubens, zu Veyen versammelt seien; diesen hat er nachgeforscht, ist zu ihnen gekommen, hat sie gehört und sich daselbst unter Oswalds Begleitung taufen lassen. Hierauf ist er nach Steyen gezogen, um daselbst sein Handwerk zu treiben. Dort hat er gelehrt und getauft, indem er von ihnen zum Lehrer erwählt worden ist; hat auch hin und wieder in Bayern bis nach Rotenburg im Inntale gelehrt und getauft. Hier ist er um seines Glaubens willen gefangen genommen und untersucht worden und hat viel mit seinen Widersachern gehandelt. Von diesen hat er verlangt, dass, wenn man seine Lehre und seinen Glauben für falsch und für Ketzerei halten wollte, so sollte man gelehrte Leute, Doktoren, Mönche und Pfaffen vor ihn kommen lassen, um mit ihm zu disputieren; wenn nun in dem Wortstreite mit wahrem Grunde aus Heiliger Schrift befunden würde, dass er unrecht hätte, so möchte man ihn deshalb als einen Ungerechten strafen. Auch hat er, um sowohl die Wahrheit als auch seine Schriften und Reden noch mehr zu befestigen, sich erboten, dass, wenn einige Gelehrte mit der Wahrheit der Heiligen Schrift ihn überzeugen würden, dass seine Lehre der Heiligen Schrift nicht ähnlich wäre, so sollte man ihm durch den Scharfrichter, indem er von ihnen überwunden sei, jedes Glied einzeln von seinem Leibe abschneiden und wenn er keine Glieder mehr habe, so sollte man die Rippen aus seinem Leibe herausholen, bis dass er seine Seele ausgehaucht; falls er aber nicht zum Verhöre und zur Disputation gelangen könnte und man ihn unverhört richten oder töten lassen wollte, so bäte er alle, die Zeugen seines Todes seien und alles umstehende Volk, dass sie hierin vor Gott am jüngsten Tage seine Zeugen sein wollten. Nichtsdestoweniger ist er nach des Kaisers, auch Königs von Ungarn und Böhmen, ausgegangenem Befehle zum Tode verdammt und dem Scharfrichter übergeben worden, welcher ihn den 14. Januar des erwähnten Jahres zu Rotenburg um des Zeugnisses Jesu willen, wovon er nicht abweichen wollte, enthauptet und zu Asche verbrannt hat. Nachher haben an demselben Orte nach diesem Leonhard an siebzig Personen eben dasselbe mit ihrem Blute bezeugt.

Dieser Leonhard Schiemer hat unter anderem die nachfolgende Ermahnung an alle diejenigen, welche um des Namens Christi willen im Leiden sind, zum Troste hinterlassen:
Wir bitten dich, o ewiger Gott, neige deine gnädigen Ohren zu uns, Herr Zebaoth! Du Fürst der Heerscharen, höre doch unsere Klagen, denn großes Ungemach und Plage hat die Oberhand genommen und der Hochmut ist in dein Erbe gekommen; und dazu haben sich viele vermeinte Christen verbunden und haben so den Gräuel der Verwüstung aufgerichtet. Sie toben und zerstören das Heiligtum der Christen. Sie haben es zertreten und der Gräuel der Verwüstung lässt sich als Gott anbeten. Sie haben deine heilige Stadt zerstört, deinen heiligen Altar umgeworfen und die Knechte darin, wo sie dieselben ergreifen konnten, ermordet. Und als wir als ein kleines Häuflein übergeblieben sind, haben sie uns mit Schmach und Schande in alle Länder vertrieben. Wir sind zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben; wir müssen Haus und Hof verlassen und gleichen den Nachtvögeln, die sich in den Steinfelsen aufhalten. In Höhlen und Steinklippen sind unsere Kammern, man stellt uns nach, gleich den Vögeln, die in der Lust fliegen. Wir gehen in den Gebüschen umher, man sucht uns mit den Hunden. Man führt uns wie stumme Lämmer, die ihren Mund nicht auftun, gefangen und gebunden. Man verschreit uns als Aufrührer und Ketzer. Wir werden als Schlachtschafe zur Schlachtbank geführt. Auch sitzen viele betrübt in Banden, welche an ihrem Leibe verderben. Einige sind durch die strenge Pein umgekommen und ohne alle Schuld gestorben. Hier ist die Geduld der Heiligen auf Erden. Deshalb müssen wir hier durch Leiden geprüft werden. Man hat die Gläubigen hier an die Bäume aufgehängt, erwürgt, in Stücke zerhauen, heimlich und öffentlich ertränkt; nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen und Jungfrauen haben hier gleichfalls die Wahrheit bezeugt, dass Jesus Christus die Wahrheit und der einzige Weg zum ewigen Leben sei. Gleichwohl rast die Welt und ruht nicht, sie wütet wie unsinnig; sie erdichten Lügen gegen uns und hören nicht auf zu brennen und töten, sie machen uns die Welt zu enge. O Herr! Wie lange willst du doch dazu schweigen? Wie lange willst du das Blut deiner Heiligen nicht rächen? Laß es vor deinem Throne aufsteigen! Wie köstlich ist das Blut deiner Heiligen vor deinen Augen. Darum haben wir zu dir allein in allen unsern Nöten eine tröstliche Zuversicht und keinen Trost, keine Ruhe oder keinen Frieden bei sonst jemand auf dieser Erde. Wer aber auf dich hofft, der wird in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. O Herr! Es ist keine Trübsal so groß, dass sie uns von dir scheiden könne, darum rufen wir dich ohne Aufhören an, durch Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welchen du uns zum Troste aus lauter Gnade gegeben hast, der uns die schmale Bahn und den Weg zum ewigen Leben zubereitet und bekannt gemacht hat. Ewige Glorie und Triumph, Preis und Ehre werden dir gegeben von nun an bis in Ewigkeit und deine Gerechtigkeit bleibe ewig. Alle Völker segnen deinen heiligen Namen durch Christum, den zukünftigen gerechten Richter der ganzen Welt. Amen.



11.05.2019
Johann Walen mit zweien seiner Mitbrüder
1527

Im Jahre 1527 hat ein getreuer Bruder, genannt Johann Walen gelebt, welcher mit zweien seiner Mitbrüder in Wasserland auf Crommenicsdyk wohnte. Diese drei sind mit einander um des Zeugnisses Jesu Christi willen von den blutdürstigen Papisten gefänglich nach Haarlem geführt und nach einer kurzen Zeit von da nach Grafenhaag gesandt worden, wo man sie sehr streng verhört und untersucht hat; doch haben sie in dem Verhöre durch die Kraft des Allerhöchsten, womit sie ausgerüstet waren, in Geduld widerstanden und dadurch alle ihre Untersucher und Peiniger, samt der Welt und allem, was man mit Augen sehen kann, durch den Glauben tapfer überwunden. Deshalb sind sie von dem Herrn der Finsternis an dem bezeichneten Orte zu einem solchen unmenschlichen und tyrannischen Tode verurteilt worden, wie gleich folgen soll. Man hat sie nämlich in Ketten an Pfahle geschlossen und sie dann mit einem Feuer umringt, sie so langsam gebraten, bis man hat das Mark aus den Beinen durch die Schenkel hat herausdringen sehen; in dieser Weise sind sie von unter herauf gebraten worden, bis der Tod erfolgt ist. Nachdem sie gestorben, hat man noch von ihren Leibern Kleider in Stücken abgerissen, an welchen man noch erkennen konnte, von welcher Farbe das Tuch gewesen. Weil sie nun dieses alles um des Namens Jesu und des Wortes Gottes willen und nicht wegen einer begangenen Missetat erlitten haben, sondern lediglich um den festen Grund der Wahrheit vor diesem falschen und ehebrecherischen Geschlechte zu bezeugen und zu bekennen, so wird der Sohn Gottes, wenn er in seiner Herrlichkeit erscheinen wird, sich ihrer auch nicht schämen, sondern sie vor seinem Vater und seinen auserwählten Engeln bekennen und sie mit ewiger Herrlichkeit im Himmel krönen.



10.05.2019
Thomas Hermans, und später noch siebenundsechzig
1527

Im Jahre 1527 wurde Thomas Hermans gerichtet, ein Diener des Evangeliums und des Wortes Gottes. Nachdem nämlich einige Personen zu Kitzpil gefangen genommen worden und aus Furcht vor der Tyrannei der Obrigkeit von der Wahrheit wieder abgefallen sind, aber dessen ungeachtet von derselben vor vielem Volke auf einen öffentlichen Platz gestellt wurden, wo ihnen die andern, um sie kleinmütig zu machen, mit vielen Lästerworten zugerufen: Ei, wie fein lassen nun eure Hirten und Lehrer ihr Leben für euch? – ist der genannte Thomas Hermans durch das Volk gedrungen, hervorgetreten und hat freimütig gesagt: Dies ist die Wahrheit, die ich euch gelehrt habe und ich will solches mit meinem Blute bezeugen. Hierauf ist er ohne Verzug gefangen genommen, gepeinigt, zum Feuer verurteilt und verbrannt worden. Er dichtete und sang ein Lied, als er hinausgeführt wurde, welches noch vorhanden ist. Sein Herz konnte man nicht verbrennen; zuletzt haben sie es in die See geworfen, welche in der Nähe des Richtplatzes war. Nach ihm sind an diesem Orte siebenundsechzig seiner Glaubensgenossen gerichtet worden. Der Richter zu Kitzpil, welcher viele derselben hat verurteilen und töten helfen und der sie sowohl vorher als nachher um ihres Glaubens willen Ketzer nannte, ist später, durch Gottes Verhängnis in eine entsetzliche Schande geraten, dass er selbst als Ketzer erfunden und von allen Menschen mit Recht dafür gehalten wurde, was jedoch nicht um des Glaubens willen geschehen ist, sondern weil ihn Gott in solche Schande hat fallen lassen, dass er auch vor der Welt in große Schmach und Unehre kommen musste.
Auch ist die Rache Gottes über den Stadtschreiber zu Kitzpil gekommen, der nicht wenig dazu beigetragen, dass dieses unschuldige Blut vergossen worden, indem er gesagt, er wolle sein Haupt nicht eher sanft niederlegen, bis er diese Leute hätte ausrotten helfen. Als er nämlich im Winter auf einem Schlitten in der Stadt herumfuhr und mit demselben umwenden wollte, hat ihn das Pferd an eine Mauer und an eine Eiche in der Straße geworfen, so dass ihm die Hirnschale zerschmettert worden ist; er hat also sein Haupt nicht sanft niedergelegt, sondern ein erschreckliches Ende genommen, wie die Brüder Hans Kitzpiler und Christian Harina bezeugt haben.


09.05.2019
Leonhard Kaiser
1527



Als die Gläubigen unter der Verfolgung und dem Kreuz sehr zunahmen, ist in Bayern ein gelehrter Messpfaffe gewesen, Leonhard Kaiser genannt, welcher Zwinglis und Luthers Schriften untersuchte, wie er denn selbst nach Württemberg gezogen ist und daselbst mit den Gelehrten Unterredung gepflogen, auch das Nachtmahl mit ihnen gehalten hat. Als er nach Bayern zurückgekehrt ist, hat er die Früchte und die Lehre sowohl der Taufgesinnten, als Zwinglis und Luthers in Überlegung genommen und sich unter das Kreuz zu der abgesonderten Kreuzeskirche der Taufgesinnten begeben und sich mit derselben im Jahre 1525 vereinigt, hat auch von der Zeit an sein Lehramt mit großer Kraft und mit großem Eifer und unerschrocken gegen alle Tyrannei, welche mit Ertränken, Verbrennen und Ermorden den Gläubigen drohte, fortgesetzt. Dieser Leonhard Kaiser wurde im zweiten Jahr seines Amts zu Scharding in Bayern gefangen genommen und von dem Bischof zu Passau, wie auch von andern Pfaffen und Domherren, auf den Freitag vor Laurentius, im August desselben Jahres zum Feuertod verurteilt. Sie banden ihn aber, als sie ihn zum Feuer hinausführten, auf einen Karren, zu dessen Seiten die Pfaffen gingen, welche Latein mit ihm redeten; er aber antwortete deutsch des Volkes wegen, wie sie denn auch vor Gericht mit ihm nicht deutsch sprechen wollten, obgleich er solches oft begehrte. Als er nun hinaus aufs Feld kam und sich dem Feuer näherte, hat er sich zur Seite des Karrens gebückt; mit seiner Hand, obgleich er gebunden gewesen, ein Blümlein ergriffen und zu dem Richter, der neben dem Karren zu Pferde ritt gesagt: Herr Richter, hier breche ich ein Blümlein ab, werdet ihr dieses Blümlein und mich verbrennen können, so habt ihr mich mit Recht zum Tode verurteilt; werdet ihr jedoch mich und das Blümlein in meiner Hand nicht verbrennen können, so erinnert euch daran, was ihr getan habt und tut Buße. Hierauf hat der Richter mit drei Schinderknechten viel Holz, mehr als sonst gewöhnlich ins Feuer geworfen, um ihn durch das große Feuer bald zu Asche zu verbrennen; als aber das Holz ganz verbrannt war, hat man seinen Leib unverbrannt aus dem Feuer genommen; hierauf haben die drei Scharfrichter mit ihren Knechten aufs neue Holz genommen und ein großes Feuer gemacht; als solches ausgebrannt war, war gleichwohl sein Leib vom Feuer nicht verzehrt, nur dass seine Haare versengt und seine Nägel etwas braun waren; als man seinen Leib unter der Asche hervorsuchte war er glatt und klar; desgleichen hat man das Blümlein geschlossen, unverwelkt und vom Feuer durchaus nicht verzehrt in seiner Hand gefunden. Hierauf haben die Scharfrichter seinen Leib in Stücke zerhauen und die Stücke in ein neues Feuer geworfen; als nun das Feuer abermals ausgebrannt war, lagen die Stücke gleichwohl noch unverbrannt im Feuer. Endlich haben sie die Stücke genommen und in einem Fluss, der Inn genannt, geworfen. Dieser Richter ist dadurch so erschreckt worden, dass er sein Amt niedergelegt hat und an einen andern Ort gezogen ist. Der erste Diener des Richters, welcher mit ihm war, auch dieses alles gehört und gesehen hatte, ist zu uns nach Mähren gekommen, unser Bruder geworden, und hat fromm gelebt, ist auch ebenso gestorben. Unsere Lehrer haben aus seinem Munde dieses zum Andenken aufgeschrieben und lassen es nun zu Gottes Ehre ausbreiten und bekannt machen.



08.05.2019
Felix Mantz, 1526



Felix Mantz hat gleichfalls in Deutschland an der Verbesserung des Glaubens mit gutem Erfolge gearbeitet. Als er aber die erkannte Wahrheit des Evangeliums mit großem Eifer belebte, lehrte und predigte, so ist er von seinen Widersachern beneidet, angeklagt, gefangengenommen und endlich zu Zürich, als ein Zeuge des Leidens Christi, um der evangelischen Wahrheit willen ertränkt worden. Dies ist im Jahre unseres Herrn 1526 geschehen, und hat derselbe seinen Mitbrüdern zum Troste und zur Ermahnung das Nachfolgende hinterlassen:
Mein Herz erfreuet sich in Gott, der mir viel Erkenntnis gegeben und beigelegt hat, damit ich dem ewigen, unendlichen Tode entgehen möge. Darum preise ich dich, o Herr Christus vom Himmel, dass du meinen Kummer und meine Betrübnis abwendest; diesen Heiland hat mir Gott als ein Vorbild und als ein Licht gesandt, der mich noch vor meinem Ende zu seinem himmlischen Königreiche berufen, damit ich mit ihm die ewige Freude genieße und ihn samt seiner Gerechtigkeit lieben sollte, welche hier und dort in der Ewigkeit bestehen wird, ohne welche kein Ding hilft oder besteht; darum werden so viele Menschen durch eine leere Meinung betrogen, welche diese in der Tat nicht haben. Aber ach, wie viele Menschen findet man heutzutage, welche sich des Evangeliums rühmen, wovon sie andern vieles lehren und verkündigen, die aber gleichwohl voll Hass und Neid sind und keine göttliche Liebe in sich tragen (Joh 5,42), welcher Betrug vor aller Welt bekannt werden wird, gleichwie wir in den letzten Tagen erfahren haben, wie diejenigen, welche in Schafskleidern zu uns kommen, aber reißende Wölfe sind (Mt 7), welche in der Welt die Frommen hassen und ihnen den Weg zum Leben und zum rechten Schafstalle versperren. Solches tun die falschen Propheten und Heuchler dieser Welt, die mit eben demselben Munde fluchen und auch zugleich bitten; deren Leben unordentlich ist; die die Obrigkeit anrufen, dass sie uns töten solle, womit sie das Wesen Christi vernichten (2Th 3,2). Aber ich will den Herrn Christum preisen, welcher viel Geduld mit uns hat; er unterweiset uns mit seiner göttlichen Gnade, er erzeigt allen Menschen Liebe nach der Art Gottes, seines himmlischen Vaters, was keiner von den falschen Propheten tun kann.
Hierauf müssen wir den Unterschied wahrnehmen, denn die Schafe Christi suchen die Ehre Gottes (Joh 10,2), diese erwählen sie und lassen sich davon weder durch Habe noch zeitliches Vermögen abhalten, denn sie stehen unter dem Schutze Christi.

Der Herr Christus zwingt niemanden zu seiner Herrlichkeit, sondern nur diejenigen, die willig und bereit sind, gelangen dazu durch den wahren Glauben und die Taufe. Wenn ein Mensch rechtschaffene Früchte der Buße wirkt (Apg 2,38), so ist ihm der Himmel der ewigen Freude aus Gnaden durch Christum, durch sein unschuldiges Blutvergießen erkauft worden, welches er gern vergossen hat. Dann beweist er uns seine Liebe und teilt uns die Kraft seines Geistes mit; und wer dieselbe empfängt und ausübt, der wächst und wird vollkommen in Gott. Die Liebe durch Christum soll allein gelten und bestehen, aber nicht das Pochen, Schelten und Drohen. Nichts als die Liebe ist es, woran Gott ein Wohlgefallen hat; wer die Liebe nicht beweisen kann, der findet bei Gott keinen Raum. Die lautere Liebe Christi wird hier den Feind vertreiben. Wer ein Miterbe Christi sein will, dem wird auch vorgelegt, dass er barmherzig sein müsse (Lk 6,36) gleichwie der himmlische Vater barmherzig ist. Christus hat niemals jemanden angeklagt, gleichwie die falschen Lehrer zu dieser Zeit tun, woraus hervorgeht, dass sie die Liebe Christi nicht haben und sein Wort nicht verstehen; gleichwohl wollen sie Hirten und Lehrer sein; aber endlich werden sie verzagen müssen, wenn sie es gewahr werden, dass die ewige Pein ihr Lohn sein wird, wenn sie sich nicht bessern. Christus hat niemals jemanden gehasst; deswegen hassen seine rechten Diener auch niemanden und folgen dadurch Christo auf dem rechten Wege nach, auf welchem er vorangegangen ist. Dieses Licht des Lebens haben sie vor sich und freuen sich, darin zu wandeln (Joh 8,12).

Diejenigen aber, welche gehässig und neidisch sind, können keine Christen sein; die auf boshafte Weise verraten, anklagen, schlagen und zanken. Dieses sind diejenigen, die als Diebe und Mörder Christo vorlaufen (Joh 10,1), die unter einem falschen Schein unschuldiges Blut vergießen, denn daran kann man sie erkennen, die es nicht mit Christo halten; denn sie zerstören aus Neid die Ordnung Jesu Christi, als Belials Kinder, gleichwie auch Kain seinem Bruder Abel getan hat (1Mo 4,8), als Gott sich zu Abels Opfer kehrte. Hiermit will ich meine Vorstellung endigen und begehre von allen Frommen, dass sie an den Fall Adams denken (1Mo 3,8), welcher den Rat der Schlange angenommen hat und Gott ungehorsam geworden ist, weshalb ihm die Todesstrafe folgte. In gleicher Weise wird es denen auch ergehen, die Christum nicht annehmen, sondern sich ihm widersetzen; die diese Welt lieben und keine Liebe zu Gott haben (Joh 5,42; 1Joh 2,15) und deshalb schließe ich hiermit, dass ich standhaft bei Christo bleibe und auf ihn trauen will, der alle meine Not kennt und mich daraus erretten kann, Amen.



07.05.2019
Hans Koch und Leonhard Meister
1524

Hans Koch und Leonhard Meister, ihrer Herkunft nach Waldenser, und zwar keine der geringsten unter ihnen, waren zwei fromme Männer, wie solches daraus erhellt, dass sie die christliche Wahrheit, die sie eifrig verteidigten, mehr liebten als ihr eigenes Leben, weshalb sie beide zu Augsburg um der Wahrheit des heiligen Evangeliums willen im Jahre 1524 getötet worden sind.
Hiervon werden in der heiligen Taufsgeschichte des Jacob Mehrning die Worte gelesen:
»Aus den böhmischen und mährischen alt-waldensischen Brüdern sind später einige vortreffliche Männer hervorgegangen, wohin namentlich Hans Koch und Leonhard Meister gehören, welche im Jahre …zu Augsburg getötet worden sind.« Taufsgeschichte, gedruckt 1646 und 1647, Pag. 748.
Diese beiden haben vor ihrem Tode Gott den Herrn ernstlich angerufen und gebeten und haben dieses ihr Gebet, worin sie die Ursache ihres Leidens angeführt, ihren Glaubensgenossen und allen Nachkömmlingen zum Troste und zur Vermahnung hinterlassen.
O Gott! Siehe nun von deinem hohen Throne das Elend deiner Knechte an, wie sie der Feind verfolgt, weil sie sich vornehmen den schmalen Weg zu betreten wie grausam sie auch verschmäht werden. Wer dich kennen lernt und sich an dein Wort festhält, der wird von ihnen verachtet und geschmäht. O Gott vom Himmel! Wir haben sämtlich vor dir gesündigt (Ps 106,6; Dan 9,5), darum strafe uns doch in Gnaden, wir bitten dich, laß uns deine Gnade genießen, dass durch uns deine Ehre vor dieser Welt nicht gelästert werde, die nun Willens ist, dein Wort zu vertilgen. Denn wir hätten wohl bei ihr guten Frieden, wenn wir deinen heiligen Namen nicht erkennten und nicht an deinen Sohn glaubten, dass er doch für uns am Stamme des Kreuzes für uns genug getan habe, wie auch, dass er unsere Sünden getragen und für unsere Schuld bezahlt habe (1Pt 2,24). Der Feind hat keine andere Ursache, uns mit solcher Wut zu versuchen, wie er täglich tut, als weil wir seinen Willen nicht vollbringen wollen, sondern dich, o Gott, in unserem Herzen lieben (Mt 22,37), welches weder der Satan noch sein Anhang ertragen kann. Darum peinigen sie uns mit aller Gewalt und verursachen uns viel Trübsal. Es ist also das unsere Missetat, weshalb uns der Feind so hart zusetzt, dass wir unsere Hoffnung allein auf dich, auf deinen lieben Sohn Jesum Christum und auf den Heiligen Geist setzen; darum müssen wir Schmach leiden, weil wir uns nicht gegen dich setzen (1Pt 4); wenn wir uns aber zur Abgötterei begeben würden, allerlei Bosheit ausübten und damit umgingen, so würden sie uns sicher, ruhig und unbeschädigt wohnen lassen. Darum, o Herr, nimm für uns die Waffen in die Hand und richte alle diejenigen, welche deine Gewalt und Macht nicht achten; würden wir dein Wort leugnen, so würde uns der Antichrist nicht hassen, ja wenn wir seiner lügenhaften Lehre glaubten, seinen Irrtümern folgten und mit der Welt auf den breiten Weg gingen, so würde sie uns günstig sein; da wir aber dir nachzufolgen suchen, so werden wir von der Welt gehaßt und verlassen (Mt 7,13). Wenngleich uns aber der Feind peinigt, so geschieht doch dieses nicht uns allein, sondern es ist Christo, unserem Seligmacher, auch geschehen (1Pt 4,1); denn sie haben auch ihm zuerst viel Schmach und Leiden angetan (Jes 53; Mt 27; Lk 24,26;Joh 15,18; 1Joh 3,13) und so ist es auch allen ergangen, die ihm anhingen und an sein Wort glaubten. Darum sagt Christus selbst: »Verwundert euch nicht, dass die Welt euch hasst, denn sie hat mich zuerst gehasst; sie haben meine Worte nicht angenommen, und sie werden auch eure Worte nicht annehmen; haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen, und wenn euch das alles widerfährt, so freuet euch und springt auf vor Freuden; denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.« Ferner tröstet uns Christus durch den Mund seiner lieben Apostel, indem er sagt: So wir mit ihm leiden, so werden wir uns auch mit ihm freuen, regieren in der ewigen Freude (Röm 8,17;2Tim 2,12). Was liegt denn daran, wenn wir hier eine kleine Zeit verspottet und verschmäht werden, während uns Gott die ewige Wonne und Seligkeit zusagt; o Herr! Du siehst und hörst den Spott, die Schmach und das Leiden, welches man deinen Kindern antut, du kennst auch ihr geringes und schwaches Vermögen; darum bitten wir dich, o Gott, schütze doch deine Ehre selbst und heilige doch deinen Namen, der nun von allen denen, die auf Erden sind, sowohl von Hohen als von Niedrigen, so abscheulich gelästert wird, erzeige deine Kraft, damit die Feinde deine göttliche Kraft merken und verstehen und sich schämen lernen. O Herr, Gott! Erbarme dich doch über deine armen Schafe, die zerstreut sind und keinen rechten Hirten mehr haben, der sie fernerhin unterrichte; sende ihnen deinen Heiligen Geist, der sie mit deiner Gnade speise und sättige, damit sie bis an ihr Ende keiner fremden Stimme gehorchen (Joh 10,5). O Gott! In deiner hohen Majestät erhöre gnädigst unsere Bitte, während wir nun in großer Anfechtung und im Streite sind und verlasse uns nicht; gib, dass wir durch Christum, deinen Sohn, unserem Herzog, beständig alles erdulden, welchem Ehre sei und der den Satan mit seinem ganzen Heere überwinden kann. Gelobt sei sein heiliger Name, Amen.



06.05.2019
Hieronymus Savanarola
Erwürgt und verbrannt
im Jahre 1498




Hieronymus Savanarola hat mit großem Eifer die Menschensatzungen in seiner Lehre verworfen, und die Seligkeit allein in Christo behauptet und erwiesen, dass man das heilige Abendmahl, Sakrament genannt, unter zwei Gestalten, das ist mit Brot und Wein, genießen soll, gegen die Weise der Papisten, welche dem gemeinen Volke nur schlechterdings eine geweihte Hostie darreichen. Die Ablassbriefe hat er verworfen und dabei noch gesagt, dass der Papst Christi Leben und Lehre nicht nachfolgte, und dass er der Antichrist sei, weil er den Menschensatzungen mehr zuschriebe als den Verdiensten Christi.
Um aller solcher Ursachen willen ist er auf Befehl des Papstes Alexander des Sechsten zu Florenz erwürgt und hernach zu Asche verbrannt worden.



05.05.2019
Stephanus
ein Ältester der Waldenser
wird zu Wien in Österreich wegen des Glaubens verbrannt um das Jahr 1471 verbrannt

Um das Jahr 1471 ist eine grausame Verfolgung in und um Böhmen gegen die alten rechtsinnigen Waldenser, deren rechtsinniges Bekenntnis des Glaubens wir nicht zu wiederholen brauchen, entstanden, welche durch Georgs, des Königs von Böhmen, Witwe, Johanna genannt, veranlasst worden ist, indem dieselbe, des Todes ihres Ehemannes ungeachtet, bei den Reichsfürsten stark darum angehalten, dass nicht nur diejenigen, welche man Böhmische Brüder nannte, sondern auch die alten Waldenser, überall ausgerottet werden möchten.
Aus diesem Grunde haben sich viele derselben nach Österreich begeben und sich daselbst niedergelassen, aber wie es der Rose der Gemeinde Gottes eigentümlich ist, unter den Dornen zu blühen, so ist es geschehen, dass auch daselbst keine Freiheit gefunden werden konnte, denn es haben des Antichristen Diener in der Stadt Wien in Österreich ihre Hände zuerst und hauptsächlich an Stephanus einen der ältesten, oder einen Ältesten ihrer Gemeinde gelegt, und ist überhaupt eine schwere Verfolgung gegen die Gläubigen entstanden.
Da aber dieser fromme Mann, wie es sich einem guten Hirten der Herde Christi geziemt, seinen Schäflein kein Ärgernis geben und des Wolfes wegen, der sie zu verschlingen drohte, nicht fliehen oder sein Amt und seinen Glauben einiger Pein wegen nicht verleugnen wollte, so ist endlich das Todesurteil über ihn ausgesprochen worden, nämlich, dass er mit Feuer hingerichtet, das ist, lebendig verbrannt werden sollte, welche harte Todesstrafe er standhaft erduldet und seine Seele in die Hände Gottes befohlen hat.



04.05.2019
Sehr viele Christen, Waldenser genannt
werden zu Eichstadt in Deutschland des Glaubens wegen
im Jahre 1457 getötet

Nachdem die Kirche Gottes in Deutschland nun eine Zeit lang Ruhe gehabt hatte, sodass dieselbe, wie es sich erwarten lässt, zu grünen, zu blühen und zuzunehmen anfing, so hat sich das Auge der Verfolgung bald wieder geöffnet.
Im Jahre 1457 wurden hauptsächlich in dem Bistum Eichstadt durch den Neid der Römischgesinnten die Versammlungen der Gläubigen aufgehoben, diese selbst gefangen genommen und alle, welche standhaft blieben, zum Tode verurteilt. Alle diese haben aus Liebe zu ihrem Seligmacher, und insbesondere zu ihren eigenen Seelen, ihr leibliches Leben dem Tode übergeben, und haben so die Wahrheit, welche sie bei der Taufe vor vielen Zeugen bekannt hatten, mit ihrem Blute bezeugt; deshalb wird ihnen der Herr, als triumphierenden Überwindern, nach ihrem Tode den Palmenzweig in die Hände geben und Kronen auf ihre Häupter setzen, und wird ihnen einen neuen Lobgesang in ihren Mund geben, sodass dieselben für alle ihre Leiden sich ewig erfreuen, jauchzen und fröhlich sein sollen.
»Gleichwie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.« (Hl 2,2) Dieses ist in der Zeit an den christlichen Gemeinden in Deutschland zu ersehen, welche sich wie eine blühende Lilie unter den Dornen der Tyrannei und der Verfolgung der Pfaffen hat aufhalten müssen. Die Gläubigen wurden zum Tode verurteilt, wozu sie sich freiwillig übergaben. Doch solches wird der Herr in der Ewigkeit vergelten. Verglichen mit 4Esr 2,42: »Ich, Esdras habe auf dem Berge Zion ein großes Volk gesehen, welches ich nicht zählen konnte; sie haben alle den Herrn mit Lobgesängen gepriesen «
Über die Aufopferung dieser Freunde Gottes haben wir nichts Gewisses erfahren können; nämlich, ob dieselben durch Wasser, Feuer oder Schwert umgekommen seien. Nur das wissen wir, dass sie wegen der Lehre der Waldenser, deren Bekenntnis wir oben angeführt haben, getötet worden sind.



03.05.2019
Thomas Rhedonensis
ein Franzose
wird lebendig verbrannt
im Jahre 1436

Thoms Rhefonensis ist aus christlichem Eifer nach Rom gezogen, wo er die reine Lehre Christi zu predigen hoffte. Als er aber daselbst das Gegenteil fand, und großen Gräuel, Heuchelei und Pracht bemerkte, so konnte er sich nicht enthalten, die Kardinäle und Geistlichen wegen ihres ungöttlichen Lebens zu bestrafen, und sagte, dass sie, gleichwie Christus und die Apostel, ehrbar und züchtig leben sollten, wodurch er sich sehr bald den Neid und Zorn dieser Leute auf den Hals gezogen hat, sodass er zum Papst Eugenius geführt und darauf in das Gefängnis geworfen wurde, wo er sehr geplagt und gepeinigt ward, ja, zuletzt zum Feuertode verurteilt und auch wirklich lebendig verbrannt wurde.



02.05.2019
Catharina von Thou aus Lothringen
wird zu Montpellier in Frankreich des Glaubens wegen verbrannt
im Jahre 1417

Im Jahre 1417, Im Jahre 1417, den 2. Oktober gegen 2 Uhr Nachmittags, ist es zu Montpellier in Frankreich geschehen, dass ein Todesurteil an einer aufrichtigen gottesfürchtigen Frau von Thou aus Lothringen, genannt Katharina, mit dem Zunamen Saube, gefällt und eben an demselben Tage auch vollzogen ist, welche, weil sie den Herrn, ihren Seligmacher, mehr liebte, als ihr eigenes Leben, sich standhaft durch den Tod hindurch gestritten hat; sie ist durch die enge Pforte in den weiten Himmel eingedrungen, und hat Fleisch und Blut an den Pfosten hängen lassen, welches auf dem Richtplatze zu Montpellier durch die Flammen geschehen ist.



01.05.2019
William Torpe
wird zu Saltwoden in England des Glaubens wegen umgebracht und verbrannt
im Jahre 1407

Als nun durch die Päpstlichgesinnten der Gräuel der Verwüstung anfing den wahren Glauben mehr und mehr zu unterdrücken, so ist es ungefähr im Jahre 1397 geschehen, dass ein gottesfürchtiger frommer Mann, William Torpe genannt, welcher zuvor ein Priester gewesen, wegen der Wahrheit des Evangeliums, und insbesondere wegen seiner Lehre, welche er gegen das Sakrament des Altars, gegen den Bilderdienst, gegen die Wallfahrten, gegen die Gewalt der Priester, gegen den Eidschwur predigte, stark verfolgt worden ist.
Von jenen Artikeln, deren er beschuldigt wurde, und insbesondere von seiner Lehre gegen den Eidschwur, was auch seine Widersacher dagegen eingewendet, haben wir oben Nachricht gegeben, als wir uns über seinen Glauben ausgesprochen haben.
Er ist aber nach der ersten Verfolgung, obgleich er bereits Gefangener war, auf die Fürbitten einiger gutmeinender Leute, und weil der Erzbischof von Canterbury, welcher ihn gefangen genommen hatte, in des Königs Ungnade gefallen war, wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Weil aber dieser fromme Zeuge Gottes nicht aufhörte, gegen die römische Kirche, insbesondere gegen das Eidschwören zu predigen, wie verschiedene alte Schreiber berichten, so ist er endlich ungefähr im Jahre 1407 zu Salopia gefangen genommen, von da nach Canterbury gebracht, und zuletzt in dem Schlosse Saltwoden festgesetzt worden, wo der Erzbischof und die Geistlichen viel mit ihm gestritten haben, um ihn von seinem Glauben abzubringen.
Unterdessen, weil viele unordentliche Menschen sich in das Gefängnis hineingedrängt hatten, beantragten einige derselben, dass er sofort verbrannt, andere aber, dass er in die See, welche in der Nähe war, geworfen und ertränkt werden möchte.
Es ist aber in diesem entsetzlichen Aufruhr ein Pfaffe aus ihrer Mitte vor dem Erzbischofe auf die Knie gefallen und hat ihn gebeten, dass es ihm gestattet werden möge, das Äußerste zu versuchen, um diesen William Torpe durch das Lesen seiner Messen oder Morgengebete, welche er für ihn tun würde, zu bekehren, und hat dabei gesagt: Ich darf es auf mich nehmen, zu versprechen, dass er nach drei Tagen so sichtbar verändert wird, dass er sich nicht weigern wird, das Geringste für den Erzbischof zu tun.
Aber der Erzbischof ergrimmte und wütete gleichwohl sehr, bedrohte auch den Märtyrer, dass er selbst verordnen sollte, dass er nach Verdienst gestraft würde, worauf denn erfolgt ist, dass man diesen frommen Zeugen Jesu, als er nicht abfallen wollte, im Gefängnisse auf dem Schlosse zu Saltwoden grausam misshandelt hat.
Einige halten dafür, dass er nicht lange nach diesem scharfen Verhöre in demselben Jahre 1407 im Monate August verbrannt worden sei.
Siehe Vignier im Jahre 1407, aus Wilh. Tindalus, doch ist Baläus der ersten Meinung; Gent. 7, Script. Brit., Cap. 42, in William Torpe, Pag. 538.
Dass ihm aber dieses alles widerfahren sei, nicht nur, weil er dem römischen Aberglauben widersprochen, sondern auch, weil er erkannt, dass man nicht schwören möge, ist oben erklärt worden, und wird durch E. H. H. von dem Laufe der Welt, aus verschiedenen Chroniken und Geschichten, gesammelt im Jahre 1611, in der Beschreibung des Eidschwörens, Pag. 99, ferner in P. J. Twisck, Chronik, 1. Teil, das 15. Buch auf das Jahr 1407, Pag. 758, bestätigt



30.04.2019
William Swinderby
wird zu London in England des Glaubens wegen im Jahre 1401 verbrannt

Im Jahre unseres Herrn 1339, wie die alten Chroniken anzeigen, ist William Swinderby, ein Priester aus dem Bistume Lincoln, wegen gewisser Meinungen angeklagt und vor den Bischof von Lincoln gestellt worden, welcher ihn über gewisse Artikel in der Kirche zu Lincoln nach der Weise oder dem Befehle der päpstlichen Rechte verhört hat, welche mit ihren gewöhnlichen Zeremonien übereinkommen.
Seine Beschuldiger und Ankläger waren nachfolgende Mönche: Bruder Johann Hincley, Augustiner, und Thomas Blaxton, Dominikaner, welche er in allen ihren Beschuldigungen widerlegt und erwiesen hat, dass die elf Artikel, die sie gegen ihn vorbrachten und welche sie aus seinen Predigten gezogen haben wollten, sämtlich erlogen und noch mit großen Verfälschungen vermengt gewesen seien.
Aber die vorgenannten Mönche, nachdem sie mit seinen Antworten und genaueren Erklärungen nicht zufrieden gewesen, haben ihm so heftig mit ihren Zeugnissen zugesetzt, dass sie ihn auch rücksichtlich derjenigen Punkte, deren sie ihn beschuldigten, für überführt annehmen. Sie brachten zugleich dürre Wellen und Reiser mit sich in die Stadt (nach englischer Weise), um ihn zu verbrennen, wollten ihn auch durchaus nicht freilassen, bis er ihnen versprochen, oder aus Furcht des Todes fest zugesagt hatte, dass er diese Artikel ferner weder heimlich noch öffentlich halten, lehren oder predigen sollte, und zwar bei Vermeidung, sich der angedrohten Strafe schuldig zu machen; außerdem haben sie einen schriftlichen Aufsatz gemacht, welchen er auswendig lernen und in Form eines Widerrufs hersagen sollte, wozu sie ihn mit harten Bedrohungen gezwungen hatten. Joh. Fox, Engl. Marterb., aus dem Register von Hereford.
In späterer Zeit jedoch hat der erwähnte William Swinderby gleichwohl nicht nachgelassen, seine Lehrsätze zu predigen, weshalb er auf Befehl des Königs Richard des Zweiten, im fünfzehnten Jahre seiner Regierung, welches auf das Jahr 1392 fällt, gefänglich eingezogen und nach der Verordnung Johannes, Bischofs von Hereford, welcher diesen Befehl von dem Könige empfangen hatte, in strenge Haft genommen ist.
Unterdessen hat man ihn im Glauben untersucht und gefunden, dass er verschiedene Stücke lehrte, welche gegen die römische Kirche stritten. Welche Artikel aber und wie sie beschaffen gewesen, wird nicht klar von den Schreibern ausgedrückt, jedoch kann man solches aus dem Bekenntnisse eines Walter Brute entnehmen, welchen Abr. Mellinus und andere in dem Stücke des Glaubens mit William Swinderby vergleichen, ja, berichten, dass Walter Brute ein Verfechter und Verteidiger der Artikel des William Swinderby gewesen sei, welcher unter andern folgende behauptet hat:
Dass es den Christen nicht erlaubt sei, aus einer Ursache oder in irgendeiner Lage weder bei dem Schöpfer noch bei seinen Geschöpfen zu schwören.
Dieser Artikel vom Nichtschwören wird allerdings William Swinderbys Artikel selbst genannt, welchen W. Brute verteidigt hat. Siehe in dem großen Christen-Marterb., gedr. 1619, Fol. 506, Col. 4.
Von der heiligen Taufe hat er das folgende Bekenntnis abgelegt: Er (nämlich Christus) ist begraben worden, damit wir alle zugleich mit ihm durch die Taufe in seinen Tod begraben werden möchten, damit wir, die wir der Sünde abgestorben sind (merke: dies ist kein Kinderwerk), der Gerechtigkeit leben möchten.
Was seine Lehre über alle anderen Stücke betrifft, so haben wir dieselbe sehr schriftgemäß, heilsam und gut befunden. Siehe hiervon Joh. Fox, Engl. Gesch., Pag. 440.
Das wenigstens ist gewiss, dass des William Swinderby Glaubensartikel durch den Glanz ihrer göttlichen Wahrheit dermaßen hervorgeleuchtet haben, dass die Kinder der Finsternis, nämlich die Römischgesinnten, dieselben nicht ertragen konnten, sodass sie ihm zuletzt nach einer langwierigen und harten Gefangenschaft, nachdem sie eine gerichtliche Untersuchung beendigt, den Tod angekündigt, nämlich dass er als Ketzer auf dem Smitsfelde zu London mit Feuer hingerichtet, das heißt, lebendig verbrannt werden sollte, was auch, dem Bericht nach, zwölf Jahre nach seiner ersten Gefangenschaft an ihm ausgeführt worden ist.
Den Tod dieses frommen Mannes beschreibt ein gewisser Schreiber aus Joh. Fox in Nachstehendem: Der Bischof, nachdem er von dem Könige diese Kommission und Vollmacht über William Swinderby erlangt hatte, hat sicherlich sein Möglichstes getan, um ihn ohne Verzug in Verhaft zu nehmen, aber mit der Ausführung des Todesurteils hat er gegen ihn nicht so rasch verfahren, sondern er hat ihn lange Zeit gefangen gehalten, bis er endlich verbrannt worden ist.



29.04.2019
36 Personen, Waldenser genannt

werden wegen des Glaubens im Jahre 1390 zu Bingen verbrannt

Der heilige Apostel Paulus schreibt sehr wahr, dass alle, die in Christo Jesu gottselig leben wollen, Verfolgung leiden müssen (2Tim 3,12); denn dieses hat sich im Jahre 1390 an einigen frommen Christen erwiesen, welche nicht nur Bürger zu Mainz in Deutschland gewesen, sondern auch ihr Bürgerrecht im neuen, ja, himmlischen Jerusalem hatten. Diese hatten den Glauben und die Lehre des Sohnes Gottes angenommen, worauf sie sich (wie man denken kann) als gehorsame Nachfolger Christi nach dem Bekenntnisse der waldensischen Brüder hatten taufen lassen, um dadurch ihre Seligkeit in den Fußstapfen des Glaubens mit Furcht und Zittern zu befördern, nach der Regel Phil 2,12.
Da aber die Oberherren der Finsternisse dieses Licht der Wahrheit nicht ertragen konnten, so ist es in der Stadt Bingen geschehen, dass 36 (nicht von den Geringsten) der erwähnten Kinder des Lichtes gefänglich eingezogen, und weil sie von der einmal bekannten Wahrheit nicht abfallen wollten, zum Tode verurteilt worden sind, nämlich mit Feuer hingerichtet, das ist, lebendig verbrannt zu werden, was auch an ihnen ausgeführt worden ist, und haben sie durch das Feuer ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer gebracht.



28.04.2019
Tulcinus und seine Hausfrau Margaretha
werden in Stücke zerrissen, außer ihnen werden noch 140 des Glaubens wegen zu Novaria in der Lombardei
im Jahre 1308 verbrannt


Um das Jahr 1305 hat das Licht der evangelischen Lehre über die lombardischen Berge, die man Alpen nennt, seinen hellstrahlenden Glanz entfaltet; dies ist durch einen frommen Mann namens Dulcinus von Novaria und seine Hausfrau geschehen, welche den rechtsinnigen Glauben der waldensischen Brüder angenommen hatten, und sowohl in der Lehre, als auch durch ihre Lebensweise herrlich hervorleuchteten, sodass Dulcinus durch seine Lehre und seine Hausfrau durch ihr gutes Exempel, beide aber durch ihren lebendigen und wirksamen Glauben, verschiedenen andern Leuten die Augen geöffnet und denselben die Hand geboten haben, um sich von dem Papsttume abzusondern und Jesu Christi in wahrer Buße und Lauterkeit des Lebens nachzufolgen, welches dieselben auch mit vollem Ernste aus Liebe zu Jesu Christi und um ihrer Seelen Heil willen getan haben.
Aber gleichwie es zur Zeit Johannes des Täufers zu geschehen pflegte, dass viele unwiedergeborene Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kamen, ebenso hat es sich hier, wie es scheint, zugetragen; denn, wie nicht anders zu erwarten steht, so sind auch einige Menschen seiner Lehre beigetreten, die daneben im Zorne, in Rachgier und nach dem Fleische lebten, was diesen guten Mann und seine Hausfrau, wie auch die Gemeinde, die er aufgerichtet hatte und welche sich in Gottseligkeit an die Lehre Jesu Christi zu halten begehrte (wie man wohl vermuten kann), nicht wenig verdrossen hat.
Unterdessen, als um das Jahr 1307 der Papst Clemens der Fünfte hiervon Nachricht erhalten, hat er den vorgenannten frommen Mann Dulcinus und seine Hausfrau als Erzieher verdammt, und sie, so wie auch alle, welche ihnen anhingen, auszurotten befohlen.
Zur Ausführung dieses Befehls ließen sich viele Römischgesinnte, welche sich mit dem Kreuze gezeichnet hatten, gebrauchen, welche die Missetat der falschen Heuchler auch den Frommen zuschrieben, und den einen mit dem andern auszurotten getrachtet haben, wiewohl die Frommen unter viel schwereren und unerträglicheren Peinigungen.
So ist es denn geschehen, dass sie den frommen Mann, Dulcinus, mit seiner Hausfrau, weil sie von dem Glauben nicht abweichen wollten, von Glied zu Glied zerrissen, sie dann zu Asche verbrannt und die Asche in die Luft gestreut haben.
Die vornehmsten Glieder der Gemeinde, 140 an der Zahl, welche Jesum Christum, den sie bekannt hatten, mehr liebten, als dieses zeitliche Leben, sind alle, nachdem sie bei der Wahrheit standhaft geblieben, mit Feuer und Flammen lebendig verbrannt worden, und haben so, als sie ihre Seelen Gott anbefohlen, sich zu einem lebendigen und angenehmen Opfer, ungefähr im Jahre 1308, preisgegeben.
Dieses sind diejenige Leute gewesen, von welcher Leonh. Krentzheim in seiner Chronik oder Zeitrechnung geschrieben hat, wie oben angeführt, indem er sagt:
Dulcinus und Margaretha errichteten eine neue Sekte oder Ketzerei, so reden die Papisten, welche den Wiedertäufern ganz gleich gewesen, und welche Stand hielt. Aus Leonh. Krentzheim, Chron.
Was ihre Marter betrifft, oder Martertum, schreibt Mellinus, aus einigen alten Geschichtsbüchern, so sind sie zuerst zergliedert, dann aber, wie wir zuvor angegeben haben, zu Asche verbrannt worden.
Diese Marter oder Martertum bekennen selbst die päpstlichen Geschichtsschreiber und sagen, dass nicht nur die Männer, sondern auch die Weiber die Marter sehr standhaft bis zum Tode in der Stadt Novaria in der Lombardei ertragen haben.



27.04.2019
Gerhardus Sagarellus
wird des Glaubens der waldensischen Taufgesinnten wegen
in der Stadt Parma verbrannt
im Jahr 1285

Im Jahre 1285 sind Gerhardus Sagarellus von Parma und Dulcinus von Novaria bekannt, und von den päpstlich Gesinnten für Ketzer erklärt worden.
Diese beiden sind insbesondere beschuldigt worden, wegen verschiedener Artikel, die ihnen zugeschrieben worden, und welche gegen den Aberglauben der römischen Kirche stritten, dass sie in Ketzerei verfallen seien, und dass sie diese ihre Lehre von den Waldensern entlehnt hätten; wie auch, schreibt Abr. Mellinus, wohl zu vermuten ist.
Diese Artikel, welche sie bekannt haben, und welche gegen die Lehre der römischen Kirche, um welcher willen sie auch Ketzer genannt wurden, stritten, sind im 2. Buche der Geschichte der Verfolg. und Mart., Fol. 470, Col. 3 beschrieben.
Endlich ist dieser Gerhardus Sagarellus, als er von der Wahrheit seines Seligmachers Jesu Christi nicht abweichen wollte, sondern standhaft dabei verharrte, von den blutdürstigen Ketzermeistern (wie man vermutet in eben demselben Jahre) in der Stadt Parma lebendig verbrannt worden.
Dulcinus, welcher wegen seines rechtsinnigen Glaubens sehr verleumdet worden ist, hat nach einigen Jahren standhaft den Tod erlitten. Doch hiervon ein Mehreres auf das Jahr 1307.



26.04.2019
Gerhard de la Motte, Diener der Christen, welche man Albi-Waldenser nannte
wird mit einigen andern seiner Mitgenossen zu Borreus, des Glaubens wegen
im Jahre 1227 verbrannt

Als nun die gläubigen, wehrlosen Albi-Waldenser eine Zeitlang in Ruhe gelassen waren, und die Lilie ihres rechtsinnigen Glaubens sauber und schön in Vergleichung mit den vorhergehenden Zeiten in etwas zu grünen und zu blühen anfing, so haben sich die Dornen der Verfolgung gar bald wieder darüber ausgebreitet, denn es wurde von den römisch Gesinnten diesen frommen und rechtsinnigen Leuten gar bald ihre Freiheit genommen, indem eben sobald, als man merkte, dass sie sich hie und da, obwohl heimlich, unter dem Schutze ihrer Obrigkeiten vermehrten, ohne Verzug Mittel hervorgesucht wurden, sie zu dämpfen, ja, sie auf einmal auszurotten.
Dieses erhellt aus dem Jahre 1227, indem geradezu gesagt wird, dass sich einige solcher Leute in dem Stadtlein Borriens aufgehalten, und dass, um dieselben zu fangen, der ganze Platz von Humbert von Beaujeu umgeben und eingeschlossen worden sei, welcher, als er den Ort erobert und Meister davon geworden, diese Leute gefänglich eingezogen und dieselben, als sie nicht von ihrem Glauben abfallen wollten, lebendig hat verbrennen lassen, welche alle die Wahrheit und die Lauterkeit ihres Glaubens, wie das Gold in dem Schmelzofen, durch ihren standhaften Tod mitten in den Feuerflammen bezeugt haben.
Gewisse papistische Schreiber berichten, dass einige, von welchen man sagt, dass sie Ketzer waren, in Borriens lebendig verbrannt worden seien, weil sie von ihrer Lehre nicht abfallen wollten; unter denselben wird Gerhard de la Motte genannt, von welchem man sagte, dass er unter ihnen ein Diaconus oder Diener gewesen.
Dem Berichte nach ist solches im Jahre 1227, zu Zeiten des Humbertus von Beaujeu, geschehen, welchen der König in Languedoc gelassen hatte.



25.04.2019
Ungefähr hundert Personen, welche Waldenser genannt wurden
sind zu Straßburg des Glaubens wegen verbrannt worden; desgleichen 39 zu Bingen, wie auch nachher 18 zu Mainz
im Jahre 1212


Im Jahre 1212 hat sich die wahre Lehre des Evangeliums unter den Waldensern, welche mit den Albigensern ein und dasselbe Volk gewesen, und ganz denselben Glauben gehabt, in dem Elsass sehr ausgebreitet; der Fürst der Finsternis aber, welcher dieses große Licht nicht ertragen konnte, hat alle Mittel angewandt, um dasselbe auszulöschen, sodass alle in demselben Jahre 1212 in Straßburg durch die Diener des Antichristen, insbesondere durch den Bischof dieser Stadt, auf einen Tag ungefähr hundert Personen, sowohl Männer als Frauen, ihres Bekenntnisses wegen lebendig verbrannt worden sind.
Der päpstliche Schreiber H. Mutius schreibt hiervon so: Im Jahre des Herrn 1212 ist in dem Elsass eine Ketzerei entstanden, durch welche sowohl Edle als Unedle verführt worden sind. Sie behaupteten, dass es erlaubt sei, das ganze Jahr hindurch alle Tage Fleisch zu essen, und dass es ebenso wohl eine Üppigkeit sei, unmäßig Fisch zu essen, als verschiedene Gattungen Fleisch zu essen. Ferner, dass diejenigen sehr übel täten, welche die Ehe verböten, weil Gott alles erschaffen habe, und alles in Heiligkeit mit Danksagung gebraucht werden möge. Dann folgt, was die Waldenser von der Kindertaufe, dem Eidschwören, der Messe und wesentlichen Verwandlung des Brotes im Nachtmahle gehalten haben, worüber zuvor berichtet worden ist.
An dieser ihrer Meinung, schreibt er, hielten sie sehr hartnäckig, und viele glaubten ihnen. Auch haben sie sich nicht gescheut (hört, wie die Papisten reden!), den allerheiligsten Herrn, den Papst, zu lästern, weil er den kirchlichen Personen zu ehelichen und ihnen auch auf gewisse Tage bestimmte Speisen zu essen verboten hat.
Deshalb hat der Papst zu Rom befohlen, dass man solche Menschen aus dem Wege räumen und umbringen sollte.
In Folge hiervon, schreibt er, sind denn ungefähr hundert Personen zugleich auf einen Tag von dem Bischofe von Straßburg verbrannt worden. H. Mutius, Chronik, Buch 19, im Jahre 1212.
Brusius in seiner Geschichte der Klöster in Hochdeutschland erzählt, dass um dieselbe Zeit 35, oder, wie andere lesen, 39 Personen, Einwohner von Mainz, nach Bingen gebracht und daselbst wegen der Lehre der Waldenser lebendig verbrannt worden seien; dass ferner zu einer andern Zeit von eben demselben Bischof von Mainz noch achtzehn andere, nämlich wegen ihres Bekenntnisses, ein gleiches Schicksal erlitten haben.



24.04.2019
24 Personen
werden wegen der Lehre der Waldenser zu Paris in Frankreich
lebendig verbrannt
Im Jahre 1210


Zu der Zeit, nämlich im Jahre 1210, wurden gleichfalls zu Paris 24, welche auch so hartnäckig gewesen (so nennt er, nach papistischer Weise, die Standhaftigkeit dieser Leute), lebendig verbrannt. Christ. Mass., Chronik, Buch 17, im Jahre 1210, verglichen mit dem großen Christen-Marterbuche, gedruckt 1619, Fol. 455, Col. 4.
Der Schreiber nennt diese Leute nach der Art der Papisten Ketzer, und ihren standhaften Glauben eine Hartnäckigkeit; doch wie ist es möglich, dass aus dem Munde des Boshaften etwas Gutes sollte hervorkommen können? Wir müssen uns aber deshalb nicht ärgern, weil nicht nur diese, sondern selbst auch die alten heiligen Propheten, Apostel und Diener Gottes mit vielen schmählichen Namen und Teufelstiteln von den bösen Weltmenschen belegt worden sind.



23.04.2019
Henricus und Alfuardus, zwei fromme Christen
werden, weil sie die evangelische Lehre behauptet, der eine in der Gegend von Schweden enthauptet, der andere unter den Normannen totgeschlagen
im Jahre 1067


In dem Jahre 1067 nach Christi Geburt war ein gottesfürchtiger Mann mit Namen Henricus, der von den römischen Geschichtsschreibern ein Fremdling genannt wird, vielleicht weil er sich unter den Römischen im Verborgenen oder als ein Fremdling hat aufhalten müssen.
Von diesem wird berichtet, dass er in den äußersten Gegenden das Evangelium Christi gepredigt habe und als er darüber ergriffen worden, sei er um des Namens Christi willen enthauptet worden.
Ein anderer frommer Christ, namens Alfuardus, hat nicht einmal, nachdem er lange heimlich, aber doch heilig, unter den Normannen sein Leben zugebracht, im Verborgenen Christi Eigentum verbleiben können.
Dieser, weil er seinen Feind zu beschirmen oder ihm Gutes zu tun suchte, wird von seinen Freunden, oder doch von denen, die seine Freunde hätten sein sollen, totgeschlagen.



22.04.2019
Pelagius, ein Jüngling von dreizehn Jahren
wird zu Cordoba, nachdem er vieles um des wahren christlichen Glaubens willen erlitten, und ihm Arme und Beine abgehauen worden, zuletzt im Jahre 925 enthauptet



Ungefähr zwei Jahre später, nämlich im Jahre 925, ist, dem Berichte nach, ein Jüngling von dreizehn Jahren, Pelagius genannt, um des Namens Christi willen in Cordoba getötet worden, dessen Geschichte sich so verhält:
Als es sich zutrug, dass sein Vetter Ermoigus (welchen einige Schreiber einen Bischof nennen) von dem arabischen Könige Habdarrhagman gefangen genommen und zu Cordoba verhaftet worden, hat dieser Ermoigus seinen Vetter, welcher damals ungefähr zehn Jahre alt war, um der Haft entlassen zu werden, statt seiner als Geisel gestellt, welcher in länger als drei Jahren nicht ausgelöst worden; es sei nun, weil seine Freunde solches versäumt haben, oder weil der König, da er sehr schön und gebildet war, ihn nicht in Freiheit setzen wollte.
Unterdessen hat sich der Jüngling tapfer in der christlichen Religion geübt, und sich selbst zu der bevorstehenden Marter, welche auf ihn zu warten schien, vorbereitet.
Als er ungefähr dreizehn und ein halbes Jahr alt war, wurde er vor den König gebracht, und als er vor ihm stand, fing er bald an, sein Glaubensbekenntnis zu tun, wobei er erklärte, dass er bereit sei, dafür zu sterben.
Der König, welcher eine andere Meinung hatte, als das Bekenntnis des Sohnes Gottes oder des christlichen Glaubens zu hören, hat hierauf diesem Jüngling, welcher im Bösen ganz unschuldig gewesen, einige ungeziemende Dinge vorgelegt, welche dieser junge Held Christi ritterlich und ganz christlich abgeschlagen hat, weil er lieber um des Namens Christi willen eines würdigen Todes sterben, als schändlich mit dem Teufel leben und mit so grausamen Sünden Leib und Seele beflecken wollte.
Der König, in der Hoffnung, dass derselbe sich noch überreden lassen würde, hat seinen Dienern befohlen, ihn mit schönen Verheißungen zu verlocken und ihm zu versprechen, dass, wenn er abfallen wollte, er alsdann an des Königs Höfe mit königlicher Pracht auferzogen werden sollte.
Der Herr aber, auf welchen er vertraute, hat ihn gegen alle Anlockungen dieser Welt gestärkt, sodass er sagte:
Ich bin ein Christ, und will ein Christ bleiben, und werde alle Tage meines Lebens nur Christi Geboten gehorsam sein.
Der König, als er gesehen, dass er standhaft blieb, ward im Zorne ergrimmt und sagte zu seinen Trabanten, sie sollten ihn nehmen, an eiserne Zangen aufhängen und so lange zwicken und auf und nieder lassen, bis er entweder den Geist aufgegeben, oder geleugnet habe, dass Christus sein Herr sei.
Als er aber dieses alles erlitten und überwunden hatte, stand er noch ohne Furcht und weigerte sich nicht, noch mehr Marter bis zum Tode zu leiden.
Als nun der Tyrann des Jünglings unerschütterliche Standhaftigkeit merkte, hat er befohlen, dass man ihn von Glied zu Glied in Stücke zerschneiden, und die Stücke in den Fluss werfen sollte.
Indem nun dieser Jüngling so vor dem Könige stand, und das Blut der an ihm verübten Marter von seinem Körper hinabträufelte, hat er niemanden als Jesus Christus, unsern Herrn, angerufen und gesagt:
O Herr! Erlöse mich aus der Hand meiner Feinde.
Als er nun seine Hände zu Gott erhob, wurden sie durch die Scharfrichter auseinander gespannt und ihm zuerst der eine, dann aber der andere Arm abgehauen; hierauf wurden ihm die Beine, zuletzt das Haupt abgetrennt. Nachdem solches geschehen, wurden die Stücke in den Fluss geworfen.
So hat dieser junge und fromme Zeuge Jesu Christi sein Leben auf den 19. Juni, im Jahre unseres Herrn 925, geendigt, nachdem seine Marter von morgens sieben Uhr bis zum Abend gedauert hatte.



21.04.2019
Eugenia, eine aufrichtige christliche Frau
wird um des Zeugnisses Jesu Christi willen bei der Stadt Cordoba enthauptet, im Jahre 923



Es wird berichtet, dass in demselben Jahre nach der Geburt Christi, nämlich 923, eine aufrichtige christliche Frau, namens Eugenia, in der erwähnten Verfolgung um des Namens Jesu Christi willen ergriffen, und da sie bei dem Bekenntnis des Glaubens an den Sohn Gottes standhaft geblieben, durch den Tyrannen und Verfolger Habdarrhagman zum Tode gebracht und dem 16. März im Jahre 923 enthauptet worden.
Es wird von ihr berichtet, dass in einem Dorfe bei Cordoba (wo die Marter geschehen), Marmolejos genannt, als man das Fundament eines Hauses gegraben, eine Grabschrift gefunden worden sei, deren Anfangsbuchstaben jeder Zeile ihre Namen angezeigt: Eugenia, ein Zeuge (nämlich Jesu), zum Beweis, dass sie um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gestorben sei; ferner konnte man auch daraus die Zeit entnehmen, zu welcher Zeit dies geschehen, und auf welche Weise sie getötet wurde, dass sie nämlich mit dem Schwerte enthauptet worden, auf die Zeit wie oben angeführt ist.



20.04.2019
Johannes Erigena, ein Schottländer
wird um des Bekenntnisses der evangelischen Wahrheit willen, durch Aufwiegelung einiger Mönche, zu Meldum in England, von seinen Schülern getötet
um das Jahr 884



Johannes Erigena, ein Schottländer und deshalb Scotus genannt, war in Ansehung seiner Lehre zur Zeit des Kaisers Ludovicus Pius und seines Sohnes Lothgar in einer gewissen Stadt Frankreichs berühmt.
Er ist außerordentlich tugendhaft, gelehrt und sehr beredt, und deshalb wegen dieser außerordentlichen Gaben sehr berühmt und geachtet gewesen.
Denn als Carolus, einer von des vorgenannten Kaisers Söhnen, gern eine gute Übersetzung und Auslegung der Bücher des Dionysius Areopagita, und besonders des Tractats, Hierarchia genannt, gehabt hätte, hat er dasselbe löblich und mit besonderer Geschicklichkeit ausgeführt, sodass Anastasius, welcher die Bücher in Verwahr hatte, damals eine Vorrede darüber gemacht, und wie folgt davon geschrieben hat:
Man muss sich wundern, wie dieser Barbar (das ist Ausländer oder Schotte), der in den äußersten Enden der Welt, nämlich in Schottland, gewesen und daselbst gewohnt hat, solche hohen Dinge mit seinem Verstande begriffen habe, und das Buch des Dionysius in eine andere Sprache, als dem Griechischen in das Lateinische, übersetzen hat können; ich meine Johannes, den Schottländer, der ein sehr heiliger und gottseliger Mann gewesen sein soll.
Dieses ist das Zeugnis einer seiner Widersacher, in Ansehung seiner Gelehrtheit und Gottseligkeit seines Lebens, sodass wir nicht nötig haben, hiervon mehrere Zeugnisse aus andern Schreibern beizubringen, und wollen es deshalb dabei bewenden lassen.
Nachher hat er, wie es scheint, ein Buch von der Eucharistie, das ist, von dem Dankopfer des Abendmahls, geschrieben, worin er den großen Irrtum der Papisten in dem Artikel der Transsubstantiation oder der wesentlichen Veränderung des Brotes in den Leib Jesu Christi, und auch die Messe, und die Opfer, welche im Papsttume für die Toten und Lebendigen gehalten werden, sehr gründlich und trefflich widerlegt hat. Dieses ist aber, wie bald folgen soll, die Ursache seines Todes gewesen.
Als er dieses Buch verfertigt hatte, wurde er von einigen sehr geliebt, unter welchen sich auch Berengarius, Diakon der Gemeinde zu Angiers, befand, von welchem berichtet wird, dass er seine Meinung in Ansehung dieses Stücks und vielleicht auch gegen die Kindertaufe, welche er stark widerlegte, aus den Schriften des Johannes Scotus geschöpft und gelernt habe, wovon wir betreffenden Orts ausführlicher handeln werden.
Dagegen wurde dieses Buch von denjenigen, welche scharfe Verfechter des römischen Aberglaubens und besonders der Transsubstantiation und Messe waren, sehr gehasst, sodass dasselbe, als es vor den Papst Leo den Neunten gekommen, die Veranlassung gegeben hat, dass beide, wie es sich annehmen lässt, nämlich er und sein Buch, als Ketzer verurteilt und verdammt worden sind; dieses ist hauptsächlich in dem Konsilium zu Bercellis geschehen.
Nachdem nun dieses geschehen war, und er den Hass des Papstes und vieler päpstlich Gesinnten auf sich geladen, hat er die Stadt Paris, wo er auf der hohen Schule Rektor gewesen, und also auch Frankreich verlassen und hat sich nach England begeben, wo er sich mit Lehren und Unterweisen der unwissenden Jugend ernährt hat.
Nach einigen Jahren aber, als die Mönche um ihrer Rachsucht und ihres Hasses willen ihn nicht länger dulden konnten, weil sein Glaube der römischen Kirche zuwider war, haben sie die Schüler, welche er unterrichtete, gegen ihn aufgewiegelt, sodass sie ihn mit Pfriemen und Federmessern totgestochen haben.
Andere Schreiber halten dafür, dass es die Mönche selbst getan haben, sintemal dieselben die Jugend, welche vermutlich blöde gewesen, aufgehetzt haben, in der Mordtat selbst aber vorangegangen sind, indessen ihnen die Knaben mit Federmessern und Pfriemen nachfolgten, sodass der erwähnte Märtyrer unter ihren Händen sein Leben gelassen hat.
Das wenigstens ist gewiss, dass er um seines Gewissens willen unter großen Qualen getötet worden ist, und dass die Mönche mit Hilfe seiner Schüler keine geringe Ursache davon gewesen, wie uns die Schreiber über die Art seines Todes berichtet haben.



19.04.2019
Auren, eine gottesfürchtige Jungfrau
wird um des Zeugnisses Jesu Christi willen, nach vielen und schweren Versuchungen, zu Cordoba mit dem Schwerte getötet
im Jahre 856



Diese Auren war von Geburt eine edle Jungfrau und eine Schwester des Märtyrers Johannes, von welchem zuvor gesprochen worden ist, aus der Landschaft Hispalis, oder Sevilien, und von einigen ihrer Landsleute verraten und angeklagt worden.
Der Richter, welcher ihr Blutsfreund gewesen, suchte sie mit allen Kräften von Christo abzuziehen, welches ihm auch zuerst gelungen ist; aber nachher bereute sie ihren Abfall und ging täglich in die Versammlung der Gläubigen, um durch das Anhören des Wortes Gottes in der Kraft des Geistes gegen dergleichen Streit für die Zukunft gestärkt zu werden.
Der Feind des menschlichen Geschlechts, der es nicht ertragen konnte, dass Aurea fest an Gott ihrem Schöpfer hielt als zuvor, hat wieder einen andern ausgefunden, der die Jungfrau bei dem Richter anklagen sollte, der sie dann auch sofort durch seine Häscher abholen ließ, und sie wie zuvor bedrohte.
Aber je schwächer sie sich in dem ersten Abfall gezeigt, der Anfechtung zu widerstehen, desto stärker hat sie sich in diesem zweiten Kampfe, die Märtyrerkrone zu gewinnen, bewiesen, denn sie antwortete dem Richter:
Ich bin nicht von Christo, meinem Gott abgewichen; ich habe die Religion der wahren Gottseligkeit nicht verlassen; ich habe keinen Augenblick deinem heillosen Gottesdienste angehangen. Obgleich es damals geschienen, dass ich mit meiner Zunge von Christo abgefallen wäre, so war doch mein Herz davon weit entfernt, und hatte ein festes Vertrauen zu meinem Herrn Jesu Christo, der mein Gewissen durch seine tröstlichen Verheißungen wieder aufgerichtet hat, wenn er sagt: Wer an mich glaubt, der soll, wenn er auch schon tot wäre, leben.
Wenngleich ich mit Worten in den Fallstrick der Verleugnung geraten bin, so war doch mein Herz durch die Kraft des Glaubens gestärkt, denn als ich von dir hinausgegangen bin, habe ich in meinem Herzen und Gemüt den Glauben festgehalten, den ich von Jugend auf verehrt habe.
So bleibt denn nichts anderes übrig, als dass ich mit dem Schwerte hingerichtet werde, oder dass du mir erlaubst, meinem Herrn Jesu Christo frei zu dienen.
Darauf sagte der Richter, dass man sie in dem Gefängnisse aufbewahren sollte, bis er dem Könige hiervon Nachricht gegeben, worauf sie Tags darauf auf des Königs Befehl mit dem Schwerte getötet, nachher aber mit einem Mörder mit den Füßen aufwärts an einen Galgen aufgehängt worden ist.
Ihr Leichnam wurde mit einigen Dieben und Mördern in den Fluss Betis versenkt. Sie ist den 19. Juli, im Jahre 856, zu Cordoba, unter der Regierung Mohammeds, dem Könige der Saracenen, gestorben.



18.04.2019
Nunilo und Alodia, zwei Geschwister, christgläubige Jungfrauen werden in der Stadt Osca um des Herrn Jesu Namens willen mit dem Schwerte getötet
um das Jahr 851



Zu diesem Schritte für den Namen Christi hat der Herr nicht nur Männer, sondern auch Frauen und junge Töchter befähigt, sodass in dem folgenden Jahre 851 (wie man auf das Genaueste ausrechnet) zwei Schwestern, Nunilo, die andere Alodia genannt, sich nicht gescheut haben, Jesum Christum, ihren himmlischen Bräutigam, unter den Mohammedanern mit ihrem Blute, ja, mit ihrem Tode zu bekennen, welche Sache sich in folgender Weise zugetragen hat:
Sie hatten beide einen mohammedanischen Vater und eine sogenannte Christin zur Mutter, welche aber nicht von großer Gottesfurcht gewesen, indem, wie die Alten berichtet haben, nachdem ihr Mann gestorben, einen Saracenen, Mohammedaner oder Ungläubigen geheiratet hat.
So kam es denn, dass diese frommen Töchter ihr Glaubensbekenntnis nach der Lehre Jesu Christi, ihres ungläubigen Stiefvaters wegen, welcher ihnen hierin entgegen war, weder frei halten noch beleben konnten.
Als sie deshalb genötigt waren, ihrer Mutter Haus zu verlassen, begaben sie sich zu ihrer Base, oder Mutter Schwester, welche eine rechtsinnige christliche Frau gewesen, die sie ferner in der christlichen Religion aufgezogen hat.
Dadurch wurde der neidische Feind des menschlichen Geschlechts zum Zorne gereizt, weil sie, von einem saracenischen Vater geboren, Christgläubige geworden, und hat sie durch Hilfe böser Menschen bei dem Oberhaupte der Stadt Osca anklagen lassen, weshalb sie kurz nachher vor den Richter gebracht wurden.
Der Richter, um sie von der christlichen Religion abzubringen, machte ihnen große Versprechungen von Gaben und Geschenken. Außerdem verhieß er ihnen beiden, ihnen zur Ehe mit trefflichen Jünglingen zu verhelfen, wenn sie sich zu der mohammedanischen Sekte bekennen wollten.
Da sie auf ihrer Meinung fest beharrten, und den Rat des Präsidenten oder Richters in den Wind schlugen, so drohte er anfänglich, sie mit allerlei Tormenten zu peinigen, und bedrohte sie zuletzt mit dem Tode durch das Schwert.
Worauf diese frommen Töchter, durch den Geist Gottes gestärkt, dem Richter standhaft und ohne Furcht geantwortet und gesagt haben:
O Richter! Wie kommt es, dass du uns gebietest, von der wahren Seligkeit abzuweichen, während uns Gott zu erkennen gegeben hat, dass in der ganzen Welt niemand reicher sei als Christus unser Seligmacher, und dass nichts vortrefflicher sei als der christliche Glauben, durch welchen die Gerechten leben, durch welchen auch die Heiligen Königreiche überwunden haben; denn außer Christo ist kein Leben, und außer seiner Erkenntnis ist auch nichts als der ewige Tod.
Es ist unser einziger und wahrer Trost bei ihm zu wohnen und mit ihm zu leben; aber von ihm abzuweichen, ist das ewige Verderben.
Solange wir leben, wollen wir uns von dessen Gemeinschaft nicht absondern lassen, denn wir haben ihm unsere Reinigkeit (oder jungen Jahre) zu bewahren übergeben und anvertraut, und hoffen, dass wir endlich seine Braut sein werden.
Den Gewinn der vergänglichen Güter dieser Welt, womit du uns zu verkehren gedachtest, achten wir für Kot und Schaden, damit wir Christum gewinnen, weil wir wissen, dass alles, uns unter der Sonne ist, außer Christum und den wahren Glauben an ihn, Eitelkeit sei.
Auch deine Drohungen der Strafen schrecken uns nicht, weil wir wissen, dass die Peinigungen, ja, der Tod selbst, nur eine kurze Zeit währen; dieser, welchen du uns als letztes Schreckbild vor Augen gestellt hast, ist es, wonach wir umso mehr verlangen, weil wir wissen, dass wir dadurch ohne Aufschub nach dem Himmel zu Christo, unserem Bräutigam, ziehen, um daselbst unaufhörlich von ihm durch seine Liebe umfangen zu werden.
Der Richter, als er die Standhaftigkeit ihres Glaubens und die Kraft ihrer Bekenntnisse bemerkte, hat für gut befunden, diese jungen Mägdlein voneinander zu trennen, einigen saracenischen Frauen zu übergeben, um sie in der mohammedanischen Religion zu unterweisen, und verbot ihnen sehr hart, weder sich untereinander, noch sonst jemand von den Christen zu besprechen.
Die Frauen, die sie aufgenommen hatten, um sie in der saracenischen oder mohammedanischen Religion zu unterweisen, hielten ihnen täglich ihre Abgötterei und schädliche Lehre vor, und suchten sie auf diese Weise mit dem Becher des Zornes Gottes aus Mohammeds Hand zu vergiften.
Allein es war alles vergebens; sie blieben standhaft, was von ihren Widersachern Hartnäckigkeit genannt wurde.
Endlich wurden sie beide vor Gericht gebracht und öffentlich zur Schau gebracht, auch hier haben die Christen, wie zuvor bekannt, Mohammed für einen Feind des christlichen Glaubens erklärt und seine Lehre verworfen, worauf beide in der Stadt Osca in Hispanien, auf den 22. Oktober des Jahres 851 nach Christi Geburt, hingerichtet worden sind, obschon andere in der Jahresrechnung dieser Geschichte bedeutend abweichen, worüber wir den Verständigen urteilen lassen.



17.04.2019
Johannes, ein Kaufmann zu Cordoba
wird um des Zeugnisses Jesu Christi willen scharf gegeißelt, rückwärts auf einen Esel gesetzt, verspottet und schrecklich gemartert
im Jahre 850

Im Jahre 850 nach der Geburt Christi ward Johannes, ein ungelehrter, doch frommer Mann, welcher einige Sachen zu verkaufen pflegte, um Jesu Christi willen in der Stadt Cordoba vor dem Richter von falschen Zeugen beschuldigt, dass er Mohammed verspottet und gelästert habe.
Da aber die Zeugen dieser Sache in ihren Beschuldigungen nicht glaubwürdig genug befunden wurden, um ihn zum Tode zu verurteilen, so wurde folgendes Zeugnis über diesen treuen Diener Gottes gefällt: Dass er scharf gegeißelt und gezwungen werde, Christum zu verleugnen; aber dieser fromme Bekenner Christi hat überlaut gerufen, dass er die christliche Religion selbst im Tode nicht verlassen wollte; gleichwohl er bekenne, dass er an den falschen Beschuldigungen, welche ihm beigelegt wurden, unschuldig wäre.
Durch diese Standhaftigkeit ist der Richter so sehr gegen Johannes erbittert worden, dass er ihn mit mehr als fünfhundert Schlägen geißeln und die Scharfrichter so lange mit der Geißelung fortfahren ließ, bis er leblos unter ihren Händen zur Erde fiel.
Als er aber nach dieser Marter zum Leben erwachte und Atem schöpfte, haben sie ihn rückwärts, oder verkehrt, auf einen Esel gesetzt und ihn in der ganzen Stadt von Straße zu Straße mit einem Ausschreier umhergeführt, welcher überlaut rief:
So soll man verfahren mit den Lästerern unseres Propheten und denen, die unsern Gottesdienst verspotten.
Da nun dieses zu Ende war, haben sie ihn in schwere Ketten gelegt und in das Gefängnis geworfen; was aber aus ihm geworden sei, darüber haben wir in der Beschreibung der Alten keine Nachricht finden können; doch ist es gewiss, dass er für den Namen Christi bis aufs Blut gestritten.



16.04.2019
Samson und Sydonius
Welche mit mehreren andern ihre Lehre gegen das Papsttum, vorzüglich gegen den päpstlichen Gesandten Bonifazius, Erzbischof von Mainz, behaupteten, ob aber dieselben deshalb gemartert und getötet wurden, wird nicht angegeben

Samson war ebenfalls ein Schottländer und ist ein Ältester und Gehilfe des zuvor genannten Clemens gewesen.
Dieser war mit Sydanius, Bischof in Bayern, und andern, die gleiche Endzwecke und Meinungen hatten, ein Herz und eine Seele, um sich dem päpstlichen Gesandten Bonifazius, der die Leute mit Aberglauben und Lasten zu beschweren suchte, mit Gottes Wort zu widersetzen; nicht nur Samson, sondern auch Sydonius und andere haben dies herzhaft getan.
Sie lehrten, sowohl mit Worten, als Schriften, dass des Bischofs Bonifazius apostolische Gesandtschaft, wie man sie nannte, dem Heidentum oder Antichristentum ähnlicher sei, als dem Christentum, und dass er Frankreich und Deutschland mehr deformiert (geschändet), als reformiert (gebessert) habe. Ferner, dass er ein Fuchsschwänzler und Schmeichler des Papstes zu Rom sei, welchem er sich, als ein geschworener Sklave, nicht nur verbunden, sondern sogar verkauft habe.
Dieses konnten sie dadurch bezeugen und erweisen, weil derselbe mit einem schweren Eide sich den beiden Päpsten, Zacharias dem Ersten und Gregorius dem Zweiten, dahin verbunden hatte, dass er alle Personen, die er mit seiner Lehre an sich ziehen würde, auch unter den Gehorsam des römischen Stuhles bringen wollte; und waren diese Dinge aus seinen eigenhändigen Schriften und Urkunden, die den vorgenannten Päpsten eingehändigt wurden, zu ersehen.
Ferner griffen sie ihn auch der bösen Gebräuche wegen an, welche er bei der Bedienung der Taufe (nämlich der Kindertaufe) eingeführt hatte; diese bestanden in Sprüchen, welche nach Art einer Beschwörung in gewisse Worte eingekleidet waren, wobei gewöhnlich auch einige Fragen an die Kindlein, die doch keinen Verstand hatten, getan zu werden pflegten, wie: Glaubst du auch?, worauf denn die Gevattersleute in des Kindes Namen geantwortet: Ja, ich glaube!, welche Dinge in Wahrheit strafwürdig gewesen, ohne welche jedoch die Kindertaufe wenig Kraft oder Ansehen hatte.
So missbilligten sie auch sehr, dass er ihnen zu ehelichen verbieten wollte, welches doch mit der Einsetzung Gottes stritt (1Mo 1,27–28), ja, eine Lehre der Teufel sei (1Tim 4,1–3).
Zuletzt wird gemeldet, dass die vorgenannten Personen und andere so wenig in Deutschland, als Frankreich mit ihrer Lehre gegen Bonifazius irgendetwas ausrichten konnten, weil sie durch die Tyrannei der römischen Päpste und durch die Gewalt der Könige in Frankreich sehr unterdrückt, ja, in öffentlichen geistlichen Versammlungen verdammt, ihrer Dienste entlassen, in Gefängnissen und Kerkern gefangen gehalten und so verwahrt worden sind, dass sie ihre Freiheit nicht erhalten konnten.
Was aber diese Personen, welche jene Lehre gehabt, für ein Ende genommen, haben die römischen Geschichtsschreiber (nach dem Bericht von A. Mellinus) zu bekennen sich geschämt.

15.04.2019
Clemens aus Schottland, ein Gehilfe des erwähnten Albertus
wird aus derselben Ursache, nämlich, weil er sich dem römischen Aberglauben widersetzt und denselben verworfen hat, nach vorhergegangener Verbannung durch die römisch Gesinnten, wie die Alten berichten, als ein Ketzer verbrannt
in dem Ausgange des Jahres 750

Nachdem nun dieser Clemens, welcher aus Schottland gekommen, sich zu Albertus, von welchem wir zuvor gesprochen haben, als ein Gehilfe gesellt und sich, was die Lehre betrifft, mit ihm genau vereinigt hatte, so hat er nicht allein angefangen, sondern auch wie sein Freund, den er gefunden hatte, nicht nachgelassen, den Papst und die römische Kirche in mehreren Stücken, welche größtenteils die Zeremonien derselben betroffen, mit geistigen Waffen zu bestreiten, und wenn es möglich wäre, auf eine evangelische Weise zu überwinden.
Deshalb ist er gleichfalls angeklagt und getötet worden, wie wir bald erzählen werden.
Die Beschuldigungen, welche gegen ihn vorgebracht wurden, waren ganz dieselben, wie sie gegen Albertus, seinen Gehilfen, aufgestellt wurden; dies kann uns nicht befremden, da er sich nicht nur als Freund und Mitgenosse, sondern auch als ein Jünger und Lehrling dem Albertus untergeordnet hatte, weshalb dieser ebenfalls von dem Papste auf des päpstlichen Gesandten Bonifazius Anklage mit demselben Banne belegt worden ist.
Als er sich aber stellte, um sich in einer geistlichen Versammlung zu verantworten, hat ihm Bonifazius hierzu den Weg verlegt und das Volk überredet, dass es nicht erlaubt sei, einen Ketzer, welcher exkommuniziert oder aus der Kirche verbannt worden, den Zutritt zu dem Gotteshause oder der geistlichen Versammlung zu gestatten, ja, dass man den Ketzern keinen Vorteil, es sei auf welche Weise es wolle, vermöge der Kirchenrechte und Satzungen, gewähren müsse.
Clemens nun, als er sah, dass durch diesen Einwurf der Mund ihm trefflich gestopft worden, hat, um sich selbst gehörig zu verteidigen, seine Zuflucht zu der Schreibfeder genommen und ein Buch über jene Sache gegen Bonifazius geschrieben.
Endlich wird bemerkt und für gewiss gehalten, dass dieser standhafte Zeuge Jesu Christi von den römisch Gesinnten als Ketzer, selbst gegen des Papstes Zacharias Willen, ungefähr im Jahr nach der Geburt Christi 750 oder kurz nachher verbrannt worden sei.



14.04.2019
Albertus von Gallia
Weil er sich dem römischen Aberglauben widersetzte, wurde nach Fulda in das Gefängnis gebracht, und ist daselbst, aller Wahrscheinlichkeit nach, gestorben und zu Grunde gegangen
im Ausgang des Jahres 750

Als Albertus, der durch den himmlischen Glanz der Lehre der Apostel erleuchtet war, sowohl durch die Rede als auch durch Schriften die Irrtümer und den Aberglauben der römischen Kirche bisweilen bestraft hatte, nämlich:
Dass man den Priestern oder Lehrern die Ehe nicht verbieten sollte.
Dass man die Überbleibsel oder Gebeine der Heiligen nicht ehren sollte.
Dass man die Bilder weder anbeten, noch auf gottesdienstliche Weise begrüßen sollte.
Darum hat ihn der päpstliche Gesandte Bonifazius bei dem Papste verklagt und viele erdichtete Lästerungen gegen ihn vorgebracht, welche mit bitterer Galle gegen ihn ausgespien worden.
Der Papst zauderte nicht lange, sondern hat ihn auf diese falschen Beschuldigungen und auf die obigen Artikel sofort unverhört verurteilt, in den Bann getan und das Urteil des Bannes dem genannten falschen Ankläger Bonifazius, seinem lieben Gesandten, zugesandt, um dasselbe durch ganz Frankreich gegen Albertus bekannt zu machen.
Aus diesem Grunde haben ihn die Papisten unter die Ketzer gezählt, aber dabei nicht angegeben, welcher Ketzerei wegen er verurteilt und so schmählich verbannt worden sei. Dies muss aus andern Schreibern genommen werden, das Zeugnis ausgenommen, welches oben aus Vicelius angeführt ist, nach A. M. Anmerkung.
Als nun Bonifazius diesen Brief mit dem Bannspruche über Albertus von dem Papste empfangen hatte, hat er jenen nicht allein durch ganz Frankreich bekannt machen lassen und ihn seines Dienstes entsetzt, sondern hat ihn außerdem in das Kloster zu Fulda gefangen legen lassen, in welcher Gefangenschaft er vermutlich vor Hunger, Durst und sonstigem Mangel verdorben und gestorben ist.



13.04.2019
Golauduch, eine christgläubige persische Frau
wird um des Zeugnisses Jesus Christi willen von den persischen Priestern sehr gepeinigt und bis zum Tode gemartert
ungefähr im Jahre 598

Ungefähr im Jahre 598, zur Zeit des Kaisers Mauritius, ist Golauduch, eine persische Frau, welche vormals der persischen Religion zugetan war, nachher aber zu Christo bekehrt und auf ihren Glauben getauft worden, in ihrem Glaubensbekenntnis bis an ihren Tod treu geblieben.
Hiervon gibt Evagrius Kunde (den wir für denselben halten, von dem wir an einer andern Stelle gesprochen haben) und berichtet, dass er die Taufe der Kandidaten, nämlich derjenigen, welche auf das Bekenntnis ihres Glaubens getauft worden, beschrieben und als eine löbliche Sache vorgestellt habe.
Unterdessen schreibt er von der erwähnten Golauduch also:
Zu derselben Zeit (nämlich unter der Regierung des Mauritius) hat die gottselige Märtyrerin Golauduch unter uns gelebt, welche, als sie viele Peinigungen erlitten und von den persischen Magiern oder Priestern hart gepeinigt wurde, zuletzt die Märtyrerkrone erlangt hat; ihr Leben hat der alte Stephanus, Bischof der Gemeinde zu Hierapolis, beschrieben.



12.04.2019
Arnoldus, ein Lehrer des Evangeliums und des christlichen Glaubens
wird in einem Walde bei Paris gemartert
im Jahre 511

Anfangs des elften Jahres dieses sechsten Jahrhunderts hat, dem Berichte nach, ein gottesfürchtiger Lehrer, namens Arnoldus, der seine ihm von Gott verliehenen Talente nicht vergraben, sondern um Christo, seinem Seligmacher, einigen geistlichen Gewinn zu erwerben, womit derselbe wuchern wollte, das Evangelium gepredigt. Aus diesem Grunde ist derselbe in einem Walde Frankreichs zu Tode gemartert und nachher unter die Zahl der frommen Märtyrer aufgenommen.
Hiervon gibt P. I. Twisck auf das Jahr 511 nachstehenden Bericht:
Als Arnoldus das Evangelium von Christo und von dem christlichen Glauben in einem französischen Walde bei Paris predigte, wurde er gemartert und ist daselbst von seiner Frau begraben worden.
Alle Umstände des vorerwähnten Arnoldus geben die Aufrichtigkeit seiner Person und seiner Meinung ganz klar zu erkennen, als auch, wie weit er von dem Aberglauben der römischen Kirche, welcher bereits sehr hoch gestiegen war, entfernt gewesen.
Es lässt sich ansehen, dass ungefähr 9 Jahre nach dem Tode des oben erwähnten Märtyrers Arnoldus, nämlich im Jahre 520, in Arabien eine große Verfolgung gegen die Christen entstanden, wovon P. I. Twisck so schreibt: Im Jahre 520 hat ein aufrührerischer Jude, der sich für einen zweiten Mose ausgab, ein grausames Blutbad unter den Christen zu Nagra in Arabien angerichtet, unter der Regierung des Kaisers Justinus; er erwürgte den frommen Bischof Areta und viele tausend Christen. Chron. von dem Untergange der Tyrannen, und jährliche Geschichte, Buch 6, Ausg. 1617, Pag. 180, Col. 1, aus Niceph., Buch 16, Cap. 6. Weil wir aber über diesen Bischof Areta keinen zuverlässigen Bericht haben erhalten können, ausgenommen dasjenige, was wir angeführt haben, ob er auch ein wahrer und rechtsinniger Bischof gewesen sei; desgleichen auch nicht über die viel tausend genannten Christen, welche mit ihm erwürgt sind, ob sie auch ein gutes Glaubensbekenntnis getan haben, woran wir sehr zweifeln, so nehmen wir uns derselben nicht an. Desgleichen ist zu bedenken, ob unter einer so großen Anzahl Menschen zum wenigsten hier und da nicht sollten einige gewesen sein, welche auf den wahren Glauben gestorben, nachdem dieselben zu Zeiten in verschiedenen Gegenden zerstreut gewesen, welches wir dem Urteile des gutwilligen Lesers überlassen wollen.



11.04.2019
Benjamin, ein Diakon der Gemeinde Christi
Nach viel erlittener Peinigung um des Namens des Herrn Jesu willen in Persien mit einem knotigen Stocke getötet
im Jahre 456



Dieser Benjamin war ein Diakon der christlichen Gemeinde in Persien, welcher gelegentlich die Lehre des heiligen Evangeliums dem Volke vortrug. Solches wurde von dem persischen König Geroranes so übel aufgenommen, dass er ihn in das Gefängnis werfen ließ, worin er zwei Jahre verblieb.
Darnach ist ein gewisser Gesandter zu dem Könige gekommen, um einige Landsachen zu verrichten. Dieser, nachdem er von Benjamin und seiner betrübten Gefangenschaft gehört, hat den König ersucht, ihn loszulassen.
Dieses hat der König unter der Bedingung zugestanden, dass der Gefangene mit keinem von seinen Magiern oder Priestern von der christlichen Religion sprechen oder gegen dieselbe disputieren sollte.
Um nun des Königs Gebote nachzukommen, hat der Gesandte solches dem Könige in Benjamins Namen versprochen.
Als er aber zu Benjamin selbst kam und ihn dazu ermahnte, antwortete Benjamin: Ich will dasjenige, was du in meinem Namen versprochen hast, nicht tun; ich kann mich nicht enthalten, die Lehre von dem Lichte des Evangeliums, welches ich von Gott empfangen habe, andern mitzuteilen; denn ich habe aus dem Evangelium gelernt, wie schwer diejenigen gestraft werden sollen, die ihr Pfund, welches ihnen zum Wuchern gegeben, in die Erde vergraben.
Unterdessen gebot der König, welcher nichts von der Antwort wusste, welche Benjamin dem Gesandten gegeben hatte, dass man ihn aus dem Gefängnis loslassen sollte.
Als nun Benjamin wieder frei geworden, ließ er nicht nach, auf vorgemeldete Weise das Volk zu ermahnen, und das Licht des heiligen Evangeliums auf den Leuchter zu setzen.
Als dieses etwa ein Jahr gedauert hatte, nachdem er aus dem Gefängnisse befreit worden ist, sind wieder neue Klagen gegen ihn bei dem Könige eingebracht worden, welcher ihn holen ließ und ihm gebot, seinen Gott, dem er diente, bei Leibesstrafe zu verleugnen.
Hierauf fragte Benjamin den König so: Welche Strafe, lieber König, hat der Mensch wohl verdient, welcher von dir und deiner Regierung abtritt, dieselbe verleugnet, und sich einem andern Herrn unterwirft, und ihm dient?
Der König antwortete: Solcher Mensch ist wert an Leib und Gütern, ja mit der schwersten Todesstrafe gestraft zu werden.
Benjamin fragte wiederum und sagte: Welche Strafe hat denn der Mensch wohl verdient, der seinen Gott und Schöpfer aller Dinge verlässt, um einen von seinen Dienern zu einem Gott zu heiligen, und den Gottesdienst, den man Gott allein schuldig ist, dem Geschöpfe zueignet?
Diese Worte nahm der König so übel auf und ward darüber dermaßen entrüstet, dass er seinen Trabanten befohlen, zwanzig Rohre vorn scharf zu machen, und dieselben als Splitter an seinen Fingern und Zehen zwischen das Fleisch und die Nagel zu stecken, welches auch geschehen ist.
Als aber der König sah, dass dieses alles der fromme Märtyrer standhaft erlitt, ja wenig achtete, hat er nach vielen andern Peinigungen einen astigen und knotigen Stock von den Henkern zurüsten lassen, welcher seiner abgeschnittenen Äste wegen so scharf als ein Dornstock war, denselben ließ er ihm in den Unterleib stecken und so lange hin und her ziehen, bis dieser getreue Diener Christi als ein wehrloses Lämmlein, das sich schweigend den Hals abschneiden lässt, unter des Scharfrichters Händen sein Leben geendigt.
Wir haben nicht erfahren, dass in Persien, wo dieser Benjamin ein Diakon der Gemeinde Christi gewesen, der römische Aberglaube eingerissen gewesen, vielweniger daran geglaubt wurde.



10.04.2019
Johannes und Paulus
welche sich dem Kriege widersetzten, unter Julianus dem Abtrünnigen als Ketzer getötet
um das Jahr 363



Es waren damals zwei besonders gute Freunde, Johannes und Paulus genannt, welche sich dem Kriege und Blutvergießen widersetzten. Diese wurden zu dem Kriege gerufen und dazu angespannt; weil sie aber nicht einwilligen wollten, so wurden sie deshalb, gleichwie auch um ihres aufrichtigen christlichen Bekenntnisses willen, als Ketzer zum Tode gebracht.
Hiervon schreiben verschiedene Autoren so:
Johannes und Paulus, weil sie nicht mit in den Krieg ziehen wollten, antworteten dem Abtrünnigen: Wir sind Christen, uns gebührt nicht zu kriegen; weshalb sie sterben mussten.
In der gründlichen Erklärung Daniels und der Offenbarung Johannes, gedruckt zu Harlem im Jahre 1635, Pag. 56, aus verschiedenen andern Autoren.



09.04.2019
Zwei Brüder, Donatianus und Rogatianus
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet
im Jahre 360



Es waren zwei Brüder, Donatianus und Rogatianus, aus Welschland von Geburt, davon der eine, nämlich Donatianus, den lauteren christlichen Glauben angenommen hatte und darauf getauft war; der andere aber, nämlich Rogatianus, war noch ungetauft, obwohl er bereits ein Neophit, Catechumenus oder Ankömmling gewesen, insoweit er durch seines Bruders Dienst zu der Erkenntnis der christlichen Wahrheit befördert worden.
Diese beiden wurden von den Verfolgern gefänglich eingezogen, da wünschte Rogatianus mit großer Begierde getauft zu sein, weil er wusste, dass er sterben müsste; solches aber konnte nicht geschehen, weil dazu keine Gelegenheit vorhanden war.
Sein Bruder Donatianus bat hierüber Gott, dass doch sein Blut statt des Sakraments der Taufe möchte zugerechnet werden.
Nachdem dieses geschehen, wurden sie beide des andern Tages enthauptet, in dem Jahre nach der Geburt Christi 360.
Die Verfolgung, die unter Julianus dem Abtrünnigen entstanden, hat nicht so sehr die Leiber als die Seelen verdorben.
Denn, weil er ein sehr loser Mann war und eine wohlversprechende, aber doch betrügliche Zunge hatte, so ist es geschehen, dass er an der Kirche Gottes durch seine Schmeicheleien mehr Schaden verursachte, als durch seine Tyrannei.
Nichtsdestoweniger sind unter seinem Regimente etliche aufrichtige Christen umgebracht worden, welche lieber durch den Weg des Todes zu dem ewigen Leben eingehen wollten, als durch den Weg des zeitlichen Lebens schmeichelnder Weise in den ewigen Tod und Verdammnis zu fallen, wie wir nachfolgend berichten wollen.



08.04.2019

Basilus, Bischof zu Pontus, Ammon, ein Diakon, ungefähr vierzig Frauenspersonen und
mehrere andere
sind im Feuer, Wasser und Eis getötet worden
ungefähr im Jahre 316


Als man meinte, die vorhergehenden Verfolgungen, insonderheit die unter Diocletianus und Maximianus sich hervorgetan, hatten die Blutdürstigkeit der Großen stillen sollen, so hat sich Licinius, welcher im Osten der kaiserlichen Stuhl inne hatte, damit nicht begnügen lassen.
Denn, als ihm die blutigen Winde durch das Haupt wehten, indem er durch den Satan angehetzt wurde, ließ er verschiedene fromme christgläubige Glieder ohne einige Gnade töten, nämlich Basilius, Bischof der Gemeinde Christi zu Amasen in Pontus; Ammon, einen Diakon mit ungefähr vierzig Frauenspersonen, von welchen er den einen mit Feuer, die andern mit Wasser töten ließ; nebst noch verschiedenen andern frommen Märtyrern, welche er in das kalte Eis stecken und so ihr Leben endigen ließ.
Dieses ist ungefähr im zehnten Jahre der Regierung des Licinius geschehen, welches mit dem Jahre nach der Geburt Christi 316 eintrifft.



07.04.2019
Eugenius, Auxentius, Maodatius und viele andere
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen nach vielen Tormenten auf verschiedene Weise getötet
im Jahre 311




Eugenius, dieweil derselbe Christum bekannte und der Heiden Gottlosigkeit bestrafte, wird deshalb die Zunge ausgeschnitten und ihm Hände und Füße gebrochen; ist also standhaft bei dem Herrn verharrt und aus diesem Leben geschieden.
Auxentius, ein Diakon der christlichen Gemeinde zu Auracea in Asien, wird um derselben Ursache, nämlich um des Glaubens an Christum willen, enthauptet.
Maodacius wird an den Zehen aufgehängt, mit glühenden Eisen durchbohrt und mit Fackeln verbrannt, um des Zeugnisses Jesu willen, und ist also seines Lebens beraubt worden.
Über das sind noch viele andere um des Glaubens willen getötet worden, deren Namen nicht ausgedrückt werden, deshalb müssen wir uns mit dem vorhergehenden begnügen.



06.04.2019
Petrus, Faustus, Didius und Ammonius
Zu Alexandria um des Glaubens willen getötet
im Jahre 310


Zu dieser Zeit hat man durch Kraft der blutigen Plakate des Maximianus verschiedene gottesfürchtige und gelehrte Personen verfolgt, welche durch wahres Bekenntnis Christo anhingen, wovon wir einige vorstellen wollen, desgleichen auch den Ort und die Zeit ihres Todes.
Petrus, Bischof der Gemeinde Christi zu Alexandria, wird mit Faustus, Didius und Ammonius, alle drei Älteste, um des Glaubens willen an Jesum Christum getötet, den 28. November im Jahre Christi 310, desgleichen auch verschiedene andere Bischöfe in Ägypten, welche um derselben Ursache willen ihr Leben gelassen haben.



05.04.2019
Lucianus, ein Ältester der Gemeinde Christi zu Antiochien
wird in das Gefängnis verschlossen und daselbst umgebracht
im Jahre 310



Unter vielen frommen Zeugen Jesu Christi, welche ihr Leben für die Wahrheit gelassen haben, ist Lucianus, welcher ein Ältester der Gemeinde zu Antiochien war, nicht einer der geringsten gewesen; denn es wird von ihm gemeldet, dass er ein sehr gottseliger, verständiger, wohlberedter und in der Heiligen Schrift geübter Mann gewesen; aber über das alles, dass er alles solches Gott zu Ehren, mit seinem Blute und Tode freimütig bezeugt und besiegelt habe.
Der Richter fragte ihn, als er vor seinem Richterstuhle stand und sagte: O Lucianus! Wie kommt es, dass, da du ein verständiger und weiser Mann bist, du dieser Sekte nachfolgst, davon du doch keinen Grund geben kannst? Oder, so du einigen Grund davon hast, laß uns hören.
Als er nun die Erlaubnis erlangt hatte zu reden, so hat er ein sehr schönes und herrliches Bekenntnis seines Glaubens getan, welches wohl wert ist, dass man es mit beifüge; aber um Weitläufigkeiten zu vermeiden, sind wir genötigt, dasselbe zu übergehen.
Sobald er sein Bekenntnis geendigt hatte, und das Volk seiner Meinung etwas glaubte, befahl der Richter, ihn wiederum ins Gefängnis zu bringen, bis man ihn daselbst umbringen würde; welches geschehen ist, denn sie haben ihn, wie die Alten berichten, daselbst ermordet.
Doch wird dieses alles Gott am jüngsten Tage offenbar machen und einen jeden nach seinen Werken belohnen.



04.04.2019
Irene mit ihren zwei Schwestern
lebendig verbrannt
im Jahre 309


In den Verhandlungen, die von dem Statthalter Dulcetius durch den heidnischen Blutschreiber beschrieben, einige fromme Märtyrer betreffend, wird zuletzt ein gewisses Todesurteil über drei Geschwister gefällt, welche bei der Wahrheit Jesu Christi beständig blieben, wovon in dem letzten Teile der vorgemeldeten Verhandlungen diese Worte stehen: Und als er, nämlich Dulcetius, Papier gefordert, so hat er folgendes Todesurteil über sie geschrieben: Weil Irene dem Gebote der Kaiser nicht hat nachkommen, noch den Göttern opfern wollen, und bis jetzt eine Christin geblieben, darum gebiete ich, dass sie gleicher Weise, wie auch zuvor ihre beiden Schwestern, lebendig verbrannt werde.
Als der Blutrichter dieses Urteil gegen sie ausgesprochen hatte, haben die Kriegsknechte Irene genommen und auf einen erhabenen Ort gebracht, wo zuvor ihre Schwestern getötet worden sind; als sie nun ein großes Holzfeuer angezündet hatten, ließen sie dieselbe hinaufsteigen; hierauf ist sie verbrannt worden, nachdem sie zuvor Gott zu Ehren liebliche Psalmen und Lobgesänge gesungen hatte.



03.04.2019
Zwei Geschwister von Antiochien
Weil sie von Christo nicht abweichen wollten, wurden in der See ertränkt
im Jahre 309

In dem achten Jahre der Verfolgung des Diocletianus, das ist im Jahre Christi 309, waren zu Antiochien zwei Geschwister, Jungfrauen, ehrbar in Sitten und gottselig im Leben, verständig und wohl unterwiesen in der Ausübung der Gottseligkeit, sodass die Welt nicht würdig war, sie länger bei sich zu behalten.
Diese wurden gefangen und untersucht, und als sie bei Christo standhaft blieben, von den Dienern des Satans in die Tiefe der See geworfen und ertränkt.



02.04.2019
Petrus Apselamus, ein junger Geselle zu Cäsaren
wird um des Namens Jesu Christi willen lebendig verbrannt
im Jahre 308


Kurz darnach, nämlich auf den elften Tag des Monats Januar, wird ein frommer Mann, genannt Petrus, mit dem Zunamen Apselamus, gefangen. Dieser war aus einem Dorfe, Amea genannt, an der Grenze von Eleutheropolis.
Er hatte eine Zeitlang ein abgeschiedenes, einsames Leben geführt und sich in der Stille allein auf göttliche Betrachtungen gelegt.
Als nun der Richter und die übrigen Herren, welche im Gerichte saßen, ihn öfters baten, er möge Mitleiden mit sich und seiner Jugend haben (denn er war noch in der Blüte seines Lebens), so verachtete er dies alles und setzte seine Hoffnung auf den lebendigen und wahrhaftigen Gott, welchen er lieber hatte als alles, was in dieser Welt ist, auch lieber als sein eigenes Leben.
Zuletzt hat er dieses sein Vertrauen auf Christum, seinen Seligmacher, als ein köstliches Gold durchs Feuer läutern lassen, und ist zu Cäsarea um des Namens Christi willen lebendig verbrannt worden, nachdem er seine Seele in die Hände Gottes befohlen hatte.



01.04.2019
Ares, Promus, Elias und einige fromme Christen, die ihre gefangenen Mitbrüder besuchen wollten
Zu Cäsaren gefangen und in die Metallbergwerke verwiesen; drei von denselben, nämlich, zu Ascalon getötet, im Jahre 308

Ungefähr im Anfang des Jahres unsers Herrn 308 sind einige gottesfürchtige Christen aus Ägypten abgereist, in der Absicht, nach Sicilien zu gehen, um die Bekenner des Glaubens, welche in die Metallbergwerke verbannt waren, mit einiger Notdurft in ihrem Elende und ihrer Armut zu versorgen.
Diese wurden zu Cäsaren von der Wache an den Stadtpforten gefangen, von welchen einige durch dasselbe Urteil zur Sklaverei ins Elend verwiesen wurden, welches darin bestand, dass ihre linke Kniescheibe ausgeschnitten und zugebrannt werden sollte, und so mit einem Auge und mit einem Beine die schwere Arbeit in der Sklaverei auszuführen.
Aus dieser Anzahl wurden drei zu Ascalon in Palästina gefangen, welche um der standhaften Bekenntnis ihres Glaubens willen auf verschiedene Weise gepeinigt wurden.
Einer derselben, Ares genannt, wurde lebendig verbrannt, die andern zwei, mit Namen Promus und Elias, wurden enthauptet, und haben also einen gottseligen Abschied aus dieser Welt genommen.



31.03.2019
Ennathas, eine christgläubige Jungfrau aus der Stadt Scythopolis in Palästina
Lebendig verbrannt, im Jahre 307

Nachdem einige Christen im Eifer für die Wahrheit den Firmilianus, Statthalter von Palästina, seiner großen Abgötterei halber bestraft hatten, und deshalb am 3. November des Jahres 307 nach Christi Geburt getötet wurden, so ist auf denselben Tag eine gewisse junge Tochter, mit Namen Ennathas aus der Stadt Scythopolis, dazu gekommen, doch nicht von selbst, sondern gezwungen, und hat für den Namen Jesu Christi mit den andern freimütig ihr Leben gelassen.
Zuerst wird sie sehr unbarmherzig und schändlich zugerichtet, dass es schrecklich zu beschreiben ist.
Zuletzt, als sie dennoch standhaft in dem Bekenntnis ihres Glaubens blieb, hat der Richter das Todesurteil über sie ausgesprochen, nämlich dass man sie lebendig verbrennen sollte.
So ist diese fromme Märtyrerin durch die enge Pforte gedrungen, dass ihr Fleisch an den Pfosten ist hängen geblieben, welches endlich der Herr mit Herrlichkeit und Majestät krönen und belohnen wird.



30.03.2019
Pamphilus, ein Ältester der Gemeinde zu Cäsaren in Palästina
Um des Namens Jesu willen schrecklich gemartert, im Jahre 306




Dieser Pamphilus war ein Ältester der Cäsarischen Gemeinde, ein wohlberedter, gelehrter und gottseliger Mann.
Von diesem wird berichtet, dass er nach vielen Leiden und Anfechtungen den Streit der Marter um des Namens Christi willen ausgestanden und so unter die Helden der Blutfahne Jesu Christi gerechnet worden sei.
Es scheint, dass er ein besonderer Freund von Eusebius Pamphilus gewesen, daher einige meinen, Eusebius habe seinen Zunamen Pamphilus von ihm entlehnt.
Wenigstens ist es gewiss, dass er diese Worte von ihm geschrieben, wie die Alten angemerkt haben:
Unter denjenigen, die von Urbanus, dem Statthalter von Palästina, zu Cäsarea mit allerlei Kreuz und Verdruss verwundet und in Ketten, Banden und Widerwärtigkeiten aller Art gehalten wurden, ist auch Pamphilus, mein allertreuester Freund, gewesen, welcher wohl der vornehmste Märtyrer unter den Märtyrern unserer Zeit, und der berühmteste an Tugend und Gottseligkeit gewesen ist.



29.03.2019
Theodosia, eine gottesfürchtige junge Tochter aus der Stadt Tyrus Kam, um die gebundenen Märtyrer zu trösten und wurde zu Cäsarea
in der See ertränkt
im Jahre 306




Im Anfange des fünften Jahres der zehnten Verfolgung ist Theodosia, eine gottesfürchtige junge Tochter aus der Stadt Tyrus, 18 Jahre alt, zu einigen gebundenen Märtyrern zu Cäsarea gekommen, als sie vor Gericht standen, ihr Todesurteil zu empfangen, welches den 2. April, des Sonntags, als den Auferstehungstag unseres Seligmachers, geschehen ist.
Die Ursache, warum sie solches tat, war, dieselben freundlich zu begrüßen und dieselben bis zum Äußersten zu trösten.
Hierauf wurde sie stehenden Fußes von den Kriegsknechten ergriffen und vor den Statthalter gebracht, welcher sie alsbald so übel zurichten ließ, als ob er unsinnig gewesen wäre, denn er ließ nicht allein ihre Seiten, wie sonst die Gewohnheit gewesen, mit allerlei erschrecklichen Peinigungen und schmerzhaften Tormenten öffnen, sondern auch ihre Brüste abschneiden.
Dieses alles hat sie mit einem fröhlichen Gesichte standhaft erlitten; als sie aber, von Schmerz überwältigt, kaum länger mehr leben konnte, ließ sie der Statthalter in die See werfen.
Also ist diese getreue Heldin Jesu Christi unter die Zahl ihrer Mitbrüder und Schwestern gerechnet worden.



28.03.2019
Sylvanus, Januaris, Sosius, Proculus, Pelagia, Theonas, Cyrenia, Juliana
haben alle um der evangelischen Wahrheit willen ihr Leben gelassen, im Jahre 305



Sylvanus, Bischof der Gemeinde von Emesse, einer Stadt in Apamea in Syrien, ist mit vielen andern den wilden Tieren vorgeworfen worden, um von ihnen verschlungen zu werden.
Januaris, Bischof der Gemeinde zu Beneventum, Sosius, ein Diakon der Gemeinde zu Misenum, Proculus, ein Diakon, und andere mehr sind sämtlich enthauptet worden.
Pelagia, eine junge Tochter, wurde in einem glühenden Ofen erstickt.
Theonas mit ihrer Gespielin Cyrenia, und Juliana, sind auf andere Weise ihres Lebens beraubt worden.



27.03.2019
Vierzig Jünglinge zu Antiochien
In eine kalte Pfütze geworfen und des andern Tages lebendig verbrannt, im Jahre 304


Da der Osten und Westen durch die Gewalt der Verfolgung über die Maßen beängstigt war, haben sich im Osten, nämlich zu Antiochien, vierzig fromme Jünglinge als tapfere Streiter Jesu Christi hervorgetan, welche öffentlich und mit Freimütigkeit den Sohn Gottes, Jesu Christus, ihren Seligmacher, bekannt haben.
Hierauf hat der Statthalter desselben Orts, nachdem sie gefänglich eingezogen worden, gewaltig dahin gearbeitet, sie von ihrem Glauben abzubringen; als aber solches alles umsonst war, ließ er sie in der kältesten Winterszeit nackend in einen sehr kalten Pfuhl werfen, da aber des andern Tages dieselben noch lebendig waren, ließ er sie alsbald zu Pulver verbrennen.
Einer von denselben, welcher noch sehr jung war und deshalb aus Mitleiden seiner Mutter geschenkt wurde, wird von derselben eigenhändig auf einen Wagen gesetzt, worauf die andern lagen und ermahnt, dass er doch seinen seligen Lauf mit seinen Mitbrüdern vollenden wolle. Dieses ist geschehen in dem dritten Jahre der Verfolgung, nach der Geburt Christi 304.



26.03.2019
Julitta von Iconien, eine ehrbare Witwe
ist zu Tharsus in Cicilien enthauptet worden, im Jahre 304



Als die Verfolgung Diocletianus am allerheftigsten entbrannte, suchte eine gewisse Witwe aus Iconien derselben zu entfliehen, weshalb sie mit ihrem Kinde von drei Jahren von Licaonia nach Seleucia ging, von da wiederum nach Tharsus in Cicilien; aber auch da konnte sie vor der heftigen Verfolgung nicht verborgen bleiben; denn der Statthalter derselben Herrschaft, Alexander genannt, nahm sie gefangen.
Als er sie nun mit vielem Schmeicheln vergeblich von dem christlichen Glauben abzubringen gesucht, hat er sie mit zähen Farrenschwänzen geißeln lassen.
Unterdessen suchte er ihr erschrockenes dreijähriges Kind, Quirius genannt, mit allerlei lieblichen und freundlichen Worten zu stillen; das Kind aber wehrte sich mit Händen und Füßen, und wollte von dem Tyrannen nicht geliebkost sein, und lief endlich zu der Mutter; wurde aber von dem Statthalter wieder ergriffen, wiewohl solches kein sanftmütiges und freundliches Ende genommen. Denn das Kind kratzte ihm in sein Angesicht und stieß ihn an seine Seiten, dass er vor Pein in Zorn geriet.
Darauf hat er das Kind bei den Beinen genommen, und dasselbe mit dem Haupte niederwärts die steinerne Treppe hinunter geworfen. Die Mutter, als sie solches sah, redete den Tyrannen also an:
Du darfst nicht denken, dass ich so kleinherzig sei, mich durch alle deine Grausamkeiten zu überwinden; denn das Zerreißen meines Leibes soll mich nicht abschrecken, vielweniger wird das Ausspannen meiner Glieder mein Gemüt berühren;
noch die Drohung des Feuers, noch der Tod selbst wird mich von der Liebe Christi scheiden können.
Je gewaltiger deine Tormente sind, womit du mir drohst, desto angenehmer sind sie mir; denn ich hoffe, dass ich desto eher zu meinem allerliebsten Sohne kommen und mit ihm die Krone der Gerechtigkeit von der Hand Christi empfangen werde.
Auf dieses Bekenntnis ließ sie der Statthalter an den Folterstock aufhängen, und ihr Fleisch mit eisernen Kämmen zerreißen, hernach brennendes oder siedendes Pech über ihren nackten Leib und das rohe verwundete Fleisch gießen, und zuletzt enthaupten.



25.03.2019
Agathopus, ein Diakon, und Theodulus, ein Vorleser der Thessalonischen Gemeinde
Welche um des Zeugnisses Jesu Christo willen bei Thessalonich ertränkt wurden
im Jahre 304



In demselben Jahre wurden zwei fromme Christen von Thessalonich mit Namen Agathopus, ein Diakon, und Theodulus, ein Vorleser der Thessalonischen Gemeinde, um des Zeugnisses Jesu Christi willen gefangen und vor Faustinus, den Statthalter der Stadt, gebracht.
Dieser hat zuerst Theodulus, als den Jüngsten von Jahren, vorgenommen zu peinigen, ihn entkleiden und anbinden lassen.
Unterdessen als Theodulus gepeinigt wurde, rief ihm der Ausschreier zu: Opfere, so wird man dich loslassen. Theodulus antwortete: Du kannst wohl meinen Leib entkleiden; aber mein Herz und Gemüt wirst du in Ewigkeit von dem Glauben an Gott nicht abbringen.
Als sie hingingen, um ihr Todesurteil anzuhören, weinten und klagten ihre Freunde sehr jämmerlich, sodass das Geschrei bis in den Himmel aufzusteigen schien; aber Theodulus sagte zu ihnen mit einem fröhlichen Angesichte: Wenn ihr um unserer alten Freundschaft willen weint, so sage ich euch, ihr solltet lieber fröhlich sein, weil wir in einem so ehrlichen Streit geprüft werden. Wenn ihr uns dieses Glück missgönnt und darüber betrübt seid, weil ihr dessen nicht mit teilhaftig seid, so steht euch die Türe der Gottseligkeit nicht weniger offen und die Verkündigung des Glaubens ruft: Kommet alle zu Christo; aber sie gibt denen allein die Krone des ewigen Lebens, welche weder durch Reichtum noch durch Wollust, noch durch Ehre dieser Welt sich haben zurückziehen lassen.
Zuletzt hat sie der Richter dahin verurteilt, dass ihnen die Hände auf den Rücken gebunden, schwere Steine an den Hals gehängt, und sie so ertränkt werden sollten; welches sie beide standhaft erlitten, und sind also unter die Zahl der heiligen Märtyrer gerechnet worden.



24.03.2019
Aedesius, der Bruder des genannten Apphianus
Um des Zeugnisses des Herrn willen zuerst in die Erzgrube von Palästina verwiesen, und hernach zu Alexandria in der See ertränkt, im Jahre 304




Kurz nach dem Tode der Märtyrer Apphianus und Ulpianus haben die Feinde der göttlichen und christlichen Wahrheit ihre Hände an den Bruder des Apphianus, mit Namen Aedesius gelegt. Als derselbe viele schöne Bekenntnisse getan hatte für den Namen des Herrn, wird er verurteilt, nach Palästina in die Bergwerke verwiesen zu werden.
Zuletzt, als in der Stadt Alexandria der Statthalter das Todesurteil gegen die Christen aussprach, und zu Zeiten alten Leuten mancherlei Schmach antun ließ, desgleichen auch mehrere andere Bosheiten von ihm ausgeübt wurden, trat er freimütig zu dem Statthalter auf dem Richtplatz und bestrafte ihn öffentlich wegen seines verkehrten und ungöttlichen Urteils, welches er über die unschuldigen Christen gefällt hatte.
Hierüber ward er gar unbarmherzig gepeinigt, welche Schmerzen er sanftmütig und nicht weniger standhaft ertragen, darnach hat man ihn in die See geworfen und ertränkt, gleichwie zuvor seinem Bruder geschehen war.



23.03.2019
Ulpianus
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen bei der Stadt Tyrus in den See geworfen und ertränkt
im Jahre 304


Zu derselben Zeit, ja fast in denselben Tagen, ward ein anderer Jüngling hervorgebracht, mit Namen Ulpianus, der in der Stadt Tyrus, nach langer und scharfer Peinigung, um des Zeugnisses Jesu Christi willen zum Tode verurteilt worden ist, mit einer ungewöhnlichen Strafe, nämlich, um in eine frisch abgezogene Ochsen- oder Kuhhaut mit einem Hunde und einer Otterschlange nackend eingewunden und also in die See geworfen zu werden.
Dieses Urteil ist an ihm vollzogen worden bei der Stadt Tyrus; die See aber wird zuletzt ihre Toten wieder herausgeben; alsdann wird dieser fromme Zeuge Christi nebst andern seiner Mitbrüder von dem Herrn mit der Krone der Unsterblichkeit belohnt und gekrönt werden.



22.03.2019
Apphianus, ein gottesfürchtiger Jüngling
Zu Cäsaren in Palästina im See ertränkt
im Jahre 304




Als das dritte Jahr der vorgemeldeten Verfolgung anging, hat sich auch die zweite Unterdrückung der Christen in Palästina durch Briefe angesponnen, die in des Kaisers Namen an den Statthalter Urbanus abgegangen sind, wodurch den Obrigkeiten in allen Städten befohlen worden ist, allen möglichen Fleiß anzuwenden, dass alle Christen, Männer und Weiber, alt und jung, den Götzen opfern sollten, und dass die Ausschreier durch die Stadt Cäsaren Männer, Weiber und Kinder zusammenrufen sollten, um sie in der Götzenkirche zu versammeln; auch sollten die Obersten aus jeglichem Vierteil der Stadt aus ihrer Rolle einen jeden Bürger mit Namen ablesen, damit sich niemand verbergen möge, wodurch ein großer Jammer und Betrübnis in der ganzen Stadt entstand.
Als es sich nun zutrug auf den Festtag der Abgöttin Hecate, dass der Statthalter von Palästina zu Cäsaren beschäftigt war, seine Opfer zu verrichten, so ist unterdessen Apphianus, welcher noch keine zwanzig Jahre alt war, unverzagt zu demselben gegangen, hat ihn wegen seiner ungöttlichen Abgötterei bestraft und ermahnt, davon abzustehen.
Hierüber ist dieser Jüngling Apphianus stehenden Fußes von den Trabanten des Statthalters, wie von wilden Tieren, jämmerlich zerrissen worden und hat von ihnen Schläge ohne Zahl empfangen, welche er alle sehr standhaft ertragen hat.
Hernach ward er eine Zeitlang in das Gefängnis gesteckt, zu Zeiten aber wieder hervorgebracht und sehr jämmerlich gepeinigt; in sein Angesicht und an seinen Hals ward so unmenschlich geschlagen und übel zugerichtet, dass diejenigen, welche ihn zuvor gekannt, ihn des geschwollenen Gesichtes und der Wunden halber jetzt nicht mehr erkennen konnten.
Auch nahmen sie auf Befehl des Statthalters leinene Tücher, steckten sie in Öl, um sie fett zu machen und banden sie um seine bloßen Beine; welche Tücher sie nachher in Brand steckten, sodass dieselben lichterloh aufflammten, wodurch nicht allein das Fleisch an seinen Beinen abgebrannt und verzehrt ward, sondern auch selbst das Mark in den Beinen dadurch zerschmolzen ist und abtropfte, welches eine Pein gewesen sein muss, die mit nichts zu vergleichen ist; doch hielt er sich in diesem allen sehr standhaft.
Drei Tage nachher wurde er wiederum vor den Richter gebracht und empfing das Todesurteil, nämlich in der See ertränkt zu werden, welches also an ihm vollzogen worden auf den zweiten Tag des Monats April im Jahre unseres Herrn 304.



21.03.2019
Primus und Felicianus, zwei Brüder, zu Numenta in Italien
Nach vieler Peinigung vor Löwen und Bären geworfen um zerrissen zu werden, zuletzt aber enthauptet
im Jahre 303




In demselben Jahre 303 wurden zwei Gebrüder, mit Namen Primus und Felicianus, vor den Blutrichter der Stadt Numenta in Italien gefänglich eingebracht.
Dieser hat Felicianus zuerst verhört und ausgefragt, ob er den Göttern opfern wollte, in Ehren leben und gute Tage haben; oder ob er mit allerlei Tormenten bis zum Tode gepeinigt werden wollte?
Felicianus antwortete: Was magst du mir noch von gemächlichen Tagen sagen? Ich bin nun achtzig Jahre alt, und schon dreißig Jahre mit der seligmachenden Erkenntnis Christi erleuchtet gewesen, und schöpfte noch immer die meiste Freude meines Herzens in seinem Dienste; willst du mich überreden, dass ich meinen Seligmacher verlassen soll, und dagegen die eitlen Wollüste dieser Welt annehmen? Das sei ferne, denn ich habe mir vorgenommen, Christo, meinem Herrn und meinem Gotte, bis an den letzten Atem meines Lebens anzuhängen.
Hierauf wurde dieser gute alte Mann in den Kerker gesteckt, und sein Bruder Primus hervorgebracht, welchen der Richter zu überreden suchte, dass Felicianus, sein lieber alter Bruder, abgefallen.
Aber Primus hatte ein ganz anderes Vertrauen, deshalb sagte er, solches sei erlogen.
Hierüber ward er mit Stöcken geschlagen und mit Lampen an seinen Lenden gebrannt; er aber hat mit dem Propheten David gesungen: O Herr, du hast uns mit Feuer versucht, eben wie das Silber geläutert wird.
Hernach wurden sie beide mit verschiedenen Tormenten versucht; dem Primus ward siedend Blei in die Kehle gegossen. Felicianus mit Geißeln von Blei geschlagen, seine Hände und Füße an einen Stock genagelt und unmenschlich gepeinigt.
Sie wurden den Löwen und Bären vorgeworfen, aber da sie von denselben nicht beschädigt wurden, ließ sie der Richter enthaupten und ihre toten Leiber vor die Hunde und Vögel des Himmels werfen; dennoch wurden sie unterdessen von den Christen begraben.



20.03.2019
Felix, Bischof der Gemeinde zu Thibaris in Afrika
Wird in genannter Stadt mit dem Schwerte getötet
im Jahre 303


Als Constantinus Chlorus und Gallerius Maximianus zum vierten Male Bürgermeister waren, ist von den Kaisern Diocletianus und Maximianus ein Gebot durch die ganze Welt ergangen, worin in allen Kolonien und Freistädten der Römer den Obrigkeiten befohlen wird, die göttlichen Bücher und Gesetze der Christen aus den Händen ihrer Bischöfe und Lehrer zu nehmen.
Die Abschrift dieses Plakates ward in der Stadt Thibaris in Afrika auf den fünften Tag des Monats Juni angeschlagen.
Als es sich nun zugetragen, dass der Procurator Fiscalis desselben Ortes die göttlichen und christlichen Schriften dem Felix abforderte, um dieselben zu verbrennen, antwortete er: Es wäre besser, dass ich selbst verbrannt würde, als die göttlichen Schriften, weil man Gott mehr gehorchen muss, als den Menschen.
Der Fiscal sagte: Nichtsdestoweniger gebührt es sich, dass des Kaisers Gebot deinem Worte vorgezogen werde. Felix antwortete: Gottes Gebot geht über der Menschen Gebot. Der Fiscal sagte: Bedenke dich wohl, was du tust.
Hier sollten wir nun überhaupt die Gerichtsverhandlungen, wie sie von dem Blutschreiber (wie man sicher glaubt) aufgezeichnet worden sind, mit beifügen; aber, um Weitläufigkeiten zu vermeiden, wollen wir nur den letzten und wichtigsten Teil derselben Gerichtsverhandlungen dem gutwilligen Leser von Wort zu Wort mitteilen:
Als sie nun daselbst ankamen, gebot der Statthalter oder Feldoberste Felix loszubinden und fragte ihn: Felix, warum willst du die Bücher des Herrn deines Gottes nicht übergeben, oder hast du vielleicht keine? Felix antwortete: Ich habe wohl, aber ich will sie dir nicht einhändigen. Der Statthalter antwortete: Tötet Felix mit dem Schwerte.
Als Felix das Todesurteil empfangen hatte, sagte er mit lauter Stimme: Ich danke dir, o Herr, dass du mich erlöst hast!, wurde auch sogleich nach dem Orte abgeführt, wo er sterben sollte. Zu welcher Zeit der Mond sich in blutrot verwandelte. Dieses ist geschehen am 30. August.
Felix, nachdem er auf den Richtplatz gekommen, erhob seine Augen gen Himmel und sagte mit lauter Stimme: O Herr Gott! Ich danke dir, dass ich 56 Jahre alt geworden bin; ich habe mich rein erhalten, die Evangelien oder evangelischen Bücher bewahrt; den Glauben und die Wahrheit unverfälscht gepredigt; o Herr des Himmels und der Erde, Jesu Christo, ich beuge meinen Hals unter das Schwert, dir zum Opfer, der du bleibst in Ewigkeit, und welchem zukommt Klarheit und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Soweit erstrecken sich die Verhandlungen des Martertums des Felix, die von Wort zu Wort aus den Akten, wie sie vor den heidnischen Richtern und Statthaltern niedergeschrieben, übersetzt und hier angeführt sind.



19.03.2019
Justus, ein frommer und gottesfürchtiger Jüngling von Auxerre in Burgund
um des Glaubens willen enthauptet
im Jahre 303




Als die Rottgesellen des Kaisers Diocletianus darauf aus waren, die Christen zu fangen, war ein gewisser Vater mit Namen Mattheus, mit seinen zwei Söhnen Justinanus und Justus auf der Reise nach Auxerre in Burgund begriffen, welches ihr Wohnort gewesen, sind aber unterdessen durch einige böse Kundschafter angeklagt worden.
Deshalb wurden sie von den vorgemeldeten Rottgesellen, nebst noch vier Reitern verfolgt, welche von des Kaisers Statthalter abgeschickt waren.
Der Jüngste von den zwei Söhnen, nämlich Justus, als er dieses merkte, gab es seinem Vater und ältesten Bruder zu verstehen, welche beide sich in einer Höhle versteckten; Justus aber hielt Wache davor.
Dieser, als er die Reiter sah, ging ihnen entgegen, welche ihn fragten, wer er sei, und wo seine Mitgesellen wären, worauf er geantwortet: Ich heiße Justus und bekenne freimütig, dass ich ein Christ bin, da ich euch aber als Verfolger der Christen ansehe, so ist es mir nicht erlaubt, meine Mitgesellen zu verraten.
Als sie nun ihre Schwerter auszogen und ihm damit drohten, antwortete Justus: In Wahrheit, ich werde mich glückselig achten, wenn ich um des Namens Christi willen allerlei Strafe, ja den Tod selbst erleide; denn ich bereite mich vor, meine Seele in dieser Welt zu verlieren, damit ich dieselbe zum ewigen Leben bewahren möge.
Hierauf zog einer der Kriegsknechte sein Schwert aus, und schlug ihm das Haupt ab. Sein Vater und sein Bruder haben seinen Leichnam zu Luperam begraben, welches im Jahre 303 nach der Geburt Christi geschehen.



18.03.2019
Pancratius, ein Jüngling von vierzehn Jahren
Um des Zeugnisses Jesu willen außerhalb der Stadt Rom enthauptet
im Jahre 303




Zu derselben Zeit war ein christlicher Jüngling von vierzehn Jahren, mit Namen Pancratius, welcher, als er vor den Kaiser Diocletianus gebracht wurde, von demselben so günstig aufgenommen ward, dass er ihm sagte, er wolle ihn als seinen Sohn annehmen, wenn er von Christo abweichen und den römischen Göttern Ehre erweisen würde.
Dieser Jüngling jedoch, welcher alt war in der Erkenntnis und Liebe seines Seligmachers, hat so standhaft seinen Glauben verteidigt und die Götter verachtet, dass auch der Kaiser, welcher in Zorn entbrannte, befahl, dass man ihm auf dem Wege Aurelia, gerade außer der Stadt Rom, das Haupt abschlagen sollte.
Also hat dieser Jüngling die Ehre seines Seligmachers lieber gehabt als sein eigenes Leben, darum er auch mit Recht unter die Zahl der frommen Märtyrer gerechnet worden ist.



17.03.2019
Euplius, ein frommer Christ
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet
im Jahre 302



Auf den 12. August des Jahres 302 nach Christi Geburt wird ein gewisser frommer Christ, mit Namen Euplius, in der Stadt Catana in Sizilien von den Kundschaftern der Römer ergriffen, da er eben beschäftigt war, das Evangelium zu lesen und andere Christen zu unterweisen.
Diese nahmen ihn gefangen und brachten ihn mit seinem Buche zu dem ausgespannten Segel oder dem Richterstuhl, worin der Blutschreiber und Richter saßen.
Unterdessen rief Euplius überlaut: Ich bin ein Christ, und wünsche für den Namen Christi zu sterben.
Calvisianus, der Statthalter, als er dieses hörte, sagte: Lasset den hereintreten, der so gerufen hat.
Als nun Euplius vor Gericht kam und die evangelischen Bücher bei sich hatte, sagte einer von des Statthalters Freunden, es gebühre ihm nicht, gegen des Kaisers Gebot, solche Papiere bei sich zu haben.
Der Statthalter fragte Euplius, woher er diese Schriften habe, oder ob er sie von Haus gebracht? Euplius antwortete: Ich habe kein Haus, mein Herr Jesus Christus weiß, dass ich kein Haus habe.
Da befahl ihm der Statthalter mit lauter Stimme, aus diesen Schriften etwas zu lesen. Euplius, als er das Buch aufgeschlagen, las diese Worte:
Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn das Himmelreich ist ihr. Item: Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst.
Als er diese und dergleichen Sprüche gelesen hatte, sagte der Statthalter: Was hat dieses alles zu bedeuten? Euplius antwortete: Dieses ist das Gesetz meines Herrn Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes.
Nachdem der Statthalter dieses Bekenntnis Christi gehört hatte, sagte er: Übergebt ihn den Henkern, dass er zur Folterbank geführt und so verhört werde.
Hierauf wurde er sehr jämmerlich und unmenschlich gepeinigt, ihm anbefohlen, seine bei sich habenden Schriften zu übergeben und, gleichsam Jesu Christi zur Schmach, verbrennen zu lassen, dessen er sich sehr standhaft geweigert und darüber den Namen Christi öffentlich angerufen, weil er würdig erfunden worden, um seinetwillen zu leiden.
Hierauf wurde er wieder zur Folterbank geführt und nach der vorhergehenden Weise grausam gepeinigt; doch hat er solches getreulich gelitten, den Herrn angerufen und gesagt: Ich danke dir, o Christo! Helfe mir, o Christo, um deinetwillen leide ich dieses alles, o Christo!
Der Statthalter wurde hierdurch noch mehr erbittert, ging unter das ausgespannte Segel, oder auf den Gerichtsplatz, und übergab das Todesurteil dem Blutschreiber, um solches gegen den frommen Mann abzuschreiben.
Hernach, als er wieder unter dem Segel des Gerichtsplatzes hervortrat und die Todestafel mit sich brachte, hat er das Todesurteil laut gelesen und also gesagt: Ich gebiete, Euplius, den Christen, mit dem Schwerte zu schlagen, weil er die Götter der Kaiser verachtet, die andern Götter lästert und sich nicht bekehrt. Er sagte auch ferner: Führet ihn hinweg! Als dieses Urteil abgelesen, wurde ihm alsbald das Evangelium-Buch, mit welchem er gefangen worden, an den Hals gehängt, dabei ein Ausschreier, welcher vor ihm herging, also gerufen: Euplius, ein Feind der Kaiser, wird zum Tode geführt.
Euplius ging mit Freuden nach dem Orte, wo er getötet werden sollte, und dankte Christo beständig für seine Gnade.
Da er auf den Gerichtsplatz kam, hat er mit großer Ehrerbietigkeit seine Knie gebeugt und den Herrn, seinen Gott, angebetet.
Sobald er geendigt hatte, hat er seinen Hals unter das Schwert ausgestreckt, und sein Blut zum Trankopfer für den Herrn vergossen.
Sein toter Leib ward hernach von den Christen hinweggenommen und begraben. Dieses ist geschehen zu Catana in Sicilien, im Jahre Christi 303, nach dem zwölften Tage des Monates August.


16.03.2019
Eucratis, eine tugendsame Jungfrau
um des Zeugnisses Jesu Christi willen nach vielen Schlägen und Wunden im Gefängnisse gestorben zu Cäsar-Augusta
im Jahre 302


Es wird nach dem Tode der Eulalia, aus Prudentia, von einer andern ehrbaren christlichen Jungfrau gemeldet, genannt Eucratis, welche zu Cäsar-Augusta den Geist dieser Welt zu Schanden gemacht, durch die Standhaftigkeit in ihrem Leiden, und durch die Gewalt, welche sie dem Himmelreiche angetan hat.
Die Alten geben zu erkennen, wie und auf welche Weise diese Heldin Christi gemartert worden, nämlich, dass nicht allein ihre Seiten mit Ruten und andern Instrumenten gepeinigt, sondern auch ihre Brüste abgeschnitten worden, sodass man ihre Leber sehen konnte, worauf sie wiederum ins Gefängnis gesteckt wurde und ist, weil ihre Wunden verdarben und verfaulten, welche sie um des Namens Jesu Christi willen empfangen hatte, sehr jämmerlich, aber doch mit einer fröhlichen Hoffnung gestorben.



15.03.2019
Eulalia, eine christliche Jungfrau
Um des Glaubens willen an Jesum Christum mit Lampen und Fackeln gebrannt und erstickt zu Emerita in Lusitania, in dem Jahre 302




Zu dieser Zeit war eine junge christliche Jungfrau mit Namen Eulalia, welche ungefähr 12 oder 13 Jahre alt war. Diese ward mit so großer Begierde und Eifer des Geistes entzündet, um Christi Namen zu sterben, dass sie von ihren Eltern aus der Stadt Merida irgendwo aufs Land, fern von der Stadt auf einen Hof getan wurde, woselbst sie sehr gut bewahrt und eingeschlossen ward.
Aber dieser Ort konnte nicht das Feuer ihres Geistes auslöschen noch ihren Leib länger verborgen halten; denn als sie in einer gewissen Nacht von da fortgekommen, ging sie des folgenden Tages sehr frühe vor den Richterstuhl und sprach zu dem Richter und der Obrigkeit mit lauter Stimme:
Schämt ihr euch nicht, dass ihr eure und anderer Seelen zugleich in das ewige Verderben werft, weil ihr den einigen, wahren Gott, unser aller Vater und Schöpfer aller Dinge, verleugnet? O ihr elenden Menschen, sucht ihr die Christen darum, sie zu töten? Seht, hier bin ich, eine Widersacherin eurer satanischen Opfer. Ich bekenne mit Herz und Mund Gott allein, denn Apollo und Venus sind nichtige Abgötter.
Der Schultheiß, vor dessen Richterstuhl Eulalia so freimütig geredet, ward sehr ergrimmt, rief den Henker und befahl ihm, dass er sie schnell fortnehmen, entkleiden und mit allerlei Strafen überfallen sollte, auf dass sie die Götter ihrer Väter durch die Strafe empfinde und lerne, dass es ihr schwer fallen würde, das Gebot unseres Prinzen, das ist Maximilianus, zu verachten.
Aber ehe er es so weit mit ihr kommen ließ, hat er sie mit folgenden schönen Worten angeredet:
Wie gerne möchte ich deiner schonen, wenn es möglich wäre, dass du deine Bosheit, das ist, deine halsstarrige Meinung von der christlichen Religion, vor deinem Tode widerrufen wolltest; denke doch einmal zurück, welche große Freude über deinem Haupte schwebt, welche du in dem ehrlichen Ehestande zu erwarten hast. Siehe, alle deine Freunde weinen über dich, und die betrübten wohlgeborenen Leute deines Geschlechts seufzen, dass du in der zarten Blüte deines jungen Lebens solltest sterben müssen.
Siehe, es stehen die Diener fertig, um dich mit allerlei Tormenten bis auf den Tod zu peinigen; denn entweder sollst du mit dem Schwerte enthauptet, oder von wilden Tieren zerrissen, oder mit Fackeln und Lampen geflammt und geräuchert werden, welches dir viel Heulen und Schreien verursachen wird, weil du die Pein nicht wirst ertragen können, oder du sollst zuletzt noch gar mit Feuer verbrannt werden.
Aller dieser Marter kannst du mit geringer Mühe entfliehen, wenn du mit der äußersten Spitze deiner Finger nur einige wenige Körnlein Salz und Weihrauch nimmst, und so opferst. Tochter, stimme diesem bei, und du wirst dadurch allen schweren Strafen entgehen können.
Es war dieser getreuen Märtyrerin nicht der Mühe wert, auf diese schmeichelnden und drohenden Worte des Schultheißen zu antworten, aber (mit kurzen Worten zu sagen) sie stieß die Bilder, Altar, Weihrauchfass und Opferbuch über einen Haufen.
Sogleich kamen zwei Henker hervor, welche ihre zarten Glieder zerrissen und ihre Seiten mit schneidenden Hacken und Klauen bis auf die Rippen aufschlitzten.
Eulalia nun, als sie die Zeichen und Striemen an ihrem Leibe ansah und überzählte, sagte: Siehe, Herr Jesus Christus, dein Name wird an meinen Leib geschrieben; welch ein großes Vergnügen finde ich darin, diese Buchstaben zu lesen, weil sie Zeichen deines Sieges sind; siehe, mein Purpurblut bekennt selbst deinen heiligen Namen.
Dieses sagte sie mit einem unverzagten und freudigen Angesichte, ohne ein Zeichen der Betrübnis zu erkennen zu geben, obschon ihr Blut aus den Wunden ihres Leibes, wie aus einem Brunnen, herausfloss.
Nachdem sie also mit Beißzangen bis auf die Rippen durchgraben war, haben sie mit brennenden Lampen und Fackeln die Wunden ihrer Seiten und ihren Bauch geflammt und gebrannt.
Zuletzt geriet ihr Haupthaar von der Flamme in Brand, wodurch sie, weil sie solches in ihren Mund schöpfte, erstickte.
Dieses war das Ende dieser zwar jungen, aber in Christo alten Heldin, welche die Lehre ihres Seligmachers lieber hatte als ihr eigenes Leben.
Dieses ist in Lusitania zu Emerita geschehen, heutigen Tages Merida oder Medina del Ria Secco genannt, in den äußersten und entferntesten Gegenden von Spanien gelegen, unter dem Kaiser Maximianus und dem Statthalter Dacianus, wie aus den alten Schriften und aus vorgemeldeten Schreibern ersehen werden kann.



14.03.2019
Cassianus, ein christlicher Schulmeister und Bischof von Brixen
um des Zeugnisses Jesu Christi willen auf obrigkeitlichen Befehl von seinen heidnischen Schülern getötet, zu Forum Cornelius
im Jahre 302


Es wird berichtet, dass Cassianus, Bischof der Gemeinde zu Brixen in Italien, durch die Gewalt der Verfolgung genötigt worden, in die Stadt Forum Cornelius, jetzt Imola genannt, zu flüchten, allwo er sich niedergelassen und eine Kinderschule errichtet; doch hat die Not der Verfolgung, welche auch daselbst einriss, seiner nicht geschont.
Denn kurz darauf ist er als ein Christ angeklagt worden, und nachdem er gefangen genommen war, hat ihn der Richter verhört, wie er sich ernähre, und was seine Handtierung sei, worauf er geantwortet, dass er ein Schulmeister sei, der die Kinder im Lesen und Schreiben unterrichte; gleichfalls wurde er auch nach seinem Glauben gefragt.
Als er nun nicht von seinem Glauben abstehen wollte, noch den Abgöttern opfern, wird er von dem Richter auf eine ganz ungewöhnliche Weise zum Tode verurteilt. Folgendes war das Urteil:
Lasset den Geisseler, das ist den Schulmeister, von seinen eigenen Schulkindern mit Griffeln, Pfriemen, Federn, Federmessern und andern scharfen Instrumenten, welche die Kinder in der Schule brauchen, tot sticheln, schneiden und stechen.
Hierauf wird Cassianus ganz entkleidet, ihm die Hände auf den Rücken gebunden und seinen Schulknaben übergeben, um, wie zuvor gemeldet, so gepeinigt zu werden.
Von diesen haben einige mit Steinen geworfen, einige mit Schulbrettern und Wachstafeln geschlagen, andere mit Griffeln, Federn, Federmessern und anderen scharfen Schulgerätschaften gestochen, bis endlich nach unaussprechlichen Tormenten der Tod darauf erfolgt ist, und indem er seine Seele Gott befohlen, aus diesem Jammertale erlöset worden.



13.03.2019
Phileas, Bischof der Gemeinde Jesu Christi zu Thumis in Ägypten Um der evangelischen Wahrheit willen an demselben Orte enthauptet
im Jahre 302


Es wird berichtet, dass nach dem Tode vorgemeldeter Märtyrer, Phileas, Bischof der Gemeinde zu Thunis in Ägypten, um des Glaubens an Jesum Christum willen, und weil er den Abgöttern nicht Ehre erweisen wollte, noch opfern, nach des Kaisers Plakate zum Tode verurteilt und enthauptet worden sei.
Von diesem schreibt Hieronymus, dass er, da er Bischof geworden, ein sehr schönes Buch gemacht habe von dem Lobe der Märtyrer, in Cathalogo.
Der Autor der Einleitung über den Märtyrerspiegel hat von ihm die Worte zurückgelassen: Phileas, Bischof zu Thunis, schreibt er, welchen der Richter angefleht und ihn gebeten hat, seine Hausfrau und Kinder anzusehen, blieb standhaft und ward enthauptet.
Einleitung über den Spiegel, gedruckt 1631, Fol. 43, Vol. 1, verglichen mit Mellinus, in dem ersten Buche von der Geschichte der Verfolgung und Martertum, gedruckt 1619, Fol. 101, ex Eusebio.
Ein Auszug aus den Briefen, welche der vorgemeldete Märtyrer Phileas von der Verfolgung zu Alexandria an die Gemeinde Christi zu Thumis geschrieben, und zum Trost und Ermahnung aller Gläubigen nachgelassen, enthält, wie grausam die Gläubigen gemartert worden, und wie standhaft dieselben sich darin betragen haben. Dieser erste Teil des Briefes des Bischofs Phileas ist von Eusebius Pamph. von Cäsar. so übersetzt worden in Hist. Eccl., edit. 1588, Lib. 8, Cap. 10.
Die heiligen Märtyrer, schreibt Phileas, welche mit uns gestritten, haben uns gute Exempel zurückgelassen. Denn, wie sie aus der göttlichen Schrift gelehrt waren, so haben sie die Augen ihres Herzens in Gott befestigt, und den Tod freiwillig ohne einige Furcht um der Wahrheit willen erlitten.
Denn sie dachten allezeit ohne Aufhören, dass unser Herr Jesus Christus um unseretwillen Mensch geworden, und dass er uns gelehrt, wie wir gegen die Sünde bis zum Tode streiten sollen, denn obschon er Gott gleich war, hat er solches doch nicht als einen Raub geachtet, sondern hat sich selbst erniedrigt, hat die Gestalt eines Knechtes angenommen, ist als ein Mensch befunden worden, und hat sich selbst erniedrigt bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze, dessen Exempel die heiligen Märtyrer nachgefolgt, alle Pein und Tormente erlitten und aufgenommen haben, auf dass sie das Gewissen ihres Glaubens nicht beflecken möchten, denn die vollkommene Liebe, die in ihnen war, trieb die Furcht aus.
Es ist mir nicht möglich, die Kraft, Leidsamkeit und Standhaftigkeit dieser Märtyrer auszusprechen, ja es ist fast denjenigen unglaublich, die es mit ihren eigenen Augen gesehen haben; denn es war erlaubt, dass ein jeder nach seinem Willen und Lust den Märtyrern eine Schmach antun, und sie nach Belieben peinigen konnte. Wenn jemand eine neue Art des Peinigens erdenken konnte und herbeibrachte, so durfte er selbst damit peinigen.
So weit erstreckt sich die Übersetzung des Eusebius, gedruckt 1588, was aber nun hier nachfolgt, ist von Mellinus aus dem vorhergehenden Briefe des Phileas so übersetzt worden:
Als einem jeden, schreibt er, von den Heiden volle Macht über die Christen gegeben ward, um ihnen allerlei Verdruss, Spott und Schmach anzutun, ja auf allerlei Weise sie zum Tode zu bringen, da schlugen sie einige mit Stöcken, andere mit Ruten, Geißeln, Peitschen, Besen, Riemen, Stricken und allem, was ihnen in die Hände kam, und dieser Spektakel ist zu Zeiten verändert und erneuert worden durch neue Arten von Plagen und Schlägen, welche die Märtyrer ertragen mussten.
Denn einigen wurden zuerst die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, an einen Geißelstoß aufgehängt und alle ihre Glieder durch des Scharfrichters Werkzeuge auseinander gespannt; hernach wurden sie von den Scharfrichtern auf obrigkeitlichen Befehl über ihren ganzen Leib, nicht allein an ihren Seiten, wie man den Mördern zu tun pflegte, sondern auch über ihren Bauch, Schienbeine, Hintern, etliche an allen empfindlichen Gliedern ihres Leibes mit eisernen Ruten gegeißelt.
Andere wurden mit der einen Hand an das Gewölbe einer Galerie aufgehängt und ihnen alle Glieder ausgespannt, welches jede andere Pein weit übersteigt.
Andere band man Rücken gegen Rücken zusammen und machte sie an Säulen fest, doch so, dass sie mit ihren Füßen den Boden nicht berühren konnten. Je stärker und je gewaltiger die Henker oder ihre Trabanten die Stricke und Seile anzogen, desto mehr wurden die Märtyrer durch das schwere Gewicht ihres Leibes gepeinigt.
Und diese grausame Peinigung dauerte nicht allein solange, als der Präsident sie verhörte, sondern er ließ sie auch zu Zeiten ganze Tage lang in solcher Marter hängen.
Indem nun der Präsident oder Blutrichter von dem einen zu den andern ging, um sie auf der Folterbank zu untersuchen, hat er seine Diener sehr genau auf die vorige Achtung geben lassen, ob jemand von den christlichen Märtyrern, durch die Gewalt der Tormente überwunden, in Ohnmacht fallen würde, gebot auch seinen Scharfrichtern, dass sie dieselben je länger je mehr mit Seilen ausspannen sollten.
Aber wenn sie sehen würden, dass die Märtyrer etwa den Geist aufgeben wollten, so sollten sie dieselben herunterlassen und über die Erde, Steine, Kieselsteine, Topfscherben und Fußangeln schleppen. Denn sie betrachteten die Christen nicht als Menschen, und wenn es ihnen möglich gewesen wäre, dieselben tausendmal zu töten, so würden sie es mit Vergnügen getan haben.
Trotz allen diesen vorgemeldeten Peinigungen haben die Feinde Christi gegen seine Gesalbten oder heiligen Märtyrer noch eine andere Art der Qual erdacht; denn nachdem sie zuerst gemartert worden, haben sie einige mit den Füßen in einen Block gelegt, und ihre Beine mit einer solchen Gewalt so weit auseinander gespannt, als sie nur immer konnten, sodass sie bis ins vierte Loch ausgespannt und festgeschlossen wurden, daher die Leiber der Märtyrer notwendig hinterwärts mit ihren Rücken über den Block liegen mussten, obgleich sie der schon erhaltenen vielen Wunden halber sich weder regen und bewegen konnten.
Andere, welche von den Folterbänken oder Folterstöcken abgenommen wurden, haben sie halbtot auf die bloße Erde geworfen, welches viel schrecklicher anzusehen war, als die Peinigungen selbst.
Unter diesen starben einige unter des Scharfrichters Händen während des Peinigens, andere, in welchen noch Leben war, wurden halbtot wieder in die Gefängnisse gesteckt, wo sie wenige Tage nachher vor Schmerz starben. Wieder andere genasen und wurden durch die Länge der Zeit, in welcher sie in den Gefängnissen verharren mussten, ganz gesund.
Diese wurden jetzt aber noch viel mehr im Glauben befestigt als zuvor, denn einem jeden wurde freie Wahl gelassen, nämlich entweder die schändlichen heidnischen Opfer anzurühren, um dadurch von aller Beschwernis, ja vom Tode selbst erlöst und in Freiheit gesetzt zu werden, oder, wenn sie nicht opfern wollten, das Todesurteil zu empfangen.
Ungeachtet dessen haben sie freimütig den Tod erwählt, in der festen Überzeugung dessen, was in Gottes Wort geschrieben steht: Wer fremden Göttern opfert, soll aus dem Volke ausgerottet werden. Item: Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben. In Epis. Phil.
So weit gehen die Worte des Märtyrers Phileas selbst, wie er dieselben in einem Briefe an die Brüder seiner Gemeinde geschrieben, nämlich die von Thumis, deren Hirte er gewesen, als er noch im Gefängnisse lag, und ehe er sein Todesurteil empfangen hatte, durch welchen Brief er seine Gemeinde zum Teil wissen lassen wollte, in welchem Stande er in dem
Gefängnisse gewesen; zugleich wollte er sie dadurch in der wahren Gottseligkeit in Christo ermahnen, um darin nach seinem Tode, der kurz darauf erfolgen würde, standhaft zu bleiben.



12.03.2019
Anthimus, Bischof der Gemeinde Christi zu Nicomedien
Gleichwie auch eine große Menge der Mitglieder derselben Gemeinde um des Zeugnisses Jesu Christi willen in der Stadt Nicomedien enthauptet
im Jahre 302




Unter die ersten der Märtyrer dieser zehnten Verfolgung wird Anthimus gerechnet, welcher ein Bischof der Gemeinde Christi zu Nicomedien gewesen ist, von welchem gemeldet wird, dass er damals, um des Zeugnisses Jesu Christi willen, in der Stadt Nicomedien enthauptet worden, gleichwie eine große Menge von der christlichen Gemeinde daselbst, welche mit ihm in großer Standhaftigkeit die Märtyrerkrone erlangt haben.
Umständlichere Nachricht von der Marter und dem Tode des Anthimus nach dem Berichte von Joh. Gysius:
Um dieselbe Zeit schreibt er, ist auch nach einem herrlichen Bekenntnis enthauptet worden Anthimus, Bischof von Nicomedien, und mit ihm eine große Zahl der Gläubigen.
Nicephorus schreibt, dass er erstlich auf das Grausamste geschlagen, mit brennenden Nägeln von Holz ihm die Fersen durchbohrt, auf zerbrochene Topfscherben geworfen, glühende Pantoffeln an seine Füße getan, Haut und Fleisch von seinen Leibe gerissen, mit Fackeln gebrannt, gesteinigt und endlich enthauptet.
Denselben Weg sind auch eingetreten Tyrannion, Bischof der Gemeinde zu Tyrus, Zenobius von Sidon, Sylvanus von Gaza, desgleichen auch Pamphilus, von welchem Eusebius insbesondere ein Buch geschrieben.



11.03.2019
Zenobius und seine Schwester Zenobia
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Aegen in Cicilien nach vielen Peinigen enthauptet
im Jahre 285



Nicht lange hernach, unter demselben Kaiser und Statthalter und in demselben Jahre, ward Zenobius, der Bischof der Gemeinde zu Aegea in Cicilien, mit seiner Schwester gefangen. Der Kaiser bot ihm große Ehre und Reichtümer an, wenn er seinen Geboten gehorchen und die Götter verehren wollte, im Weigerungsfälle aber würde er sich vieler Plage, Pein und Tormente aussetzen, worauf Zenobius antwortete:
Ich habe Jesus Christus lieber als alle Reichtümer und Ehre dieser Welt; der Tod und die Tormente, womit du mir drohest, ist kein Schaden für mich, sondern der höchste Gewinn.
Lysias, nachdem er diese Antwort von dem Märtyrer empfangen hatte, ließ ihn an den Folterstock aufhängen und unmenschlich über den ganzen Leib peinigen.
Indem nun die Scharfrichter mit Zenobius beschäftigt waren, ist seine Schwester Zenobia, nachdem sie solches vernommen, herzugekommen und hat überlaut gerufen: O Tyrann! Welches Schelmenstück hat mein Bruder begangen, dass du ihn so grausam peinigen lässt?
Als sie aber den Lysias also angesprochen hatte, und seine schmeichelnden und drohenden Worten in den Wind schlug, ward sie auch von den Dienern ergriffen, ganz entkleidet und neben ihren Bruder auf ein glühendes eisernes Brett oder Bratpfanne ausgespannt, geröstet und gebraten.
Der Tyrann verspottete die Märtyrer und sagte: Lasst nun Christus kommen und euch helfen, dieweil ihr diese Marter für ihn leidet.
Zenobius rief dagegen: Siehe, er ist bereits bei uns und kühlt die Flamme des Feuers an unserem Leibe mit seinem himmlischen Tau, obgleich du solches an uns nicht sehen kannst, weil du mit dichter Finsternis der Gottlosigkeit umgeben bist.
Lysias ward beinahe unsinnig und gebot, dass sie mit ihren nackten Leibern in siedende Kessel gelassen werden sollten; als er aber sah, dass sie das siedende Wasser nicht beschädigte, oder dass sie dadurch nicht zum Abfall bewegt werden konnten, ließ er sie zur Stadt hinaus bringen und ihnen das Haupt abschlagen.
Ihre toten Leiber wurden von Cajus und Hermogenes in der nächsten Höhle begraben.
Dieses ist geschehen im Jahre Christi 285, den 30. Oktober, in der Stadt Aegea, in Cicilien.


10.03.2019
Claudius, Asterius und Neon, drei Brüder
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen gekreuzigt
Donuina und Theonilla
Um desselben Zeugnisses willen tot gepeinigt, zu Aegea in Cicilien
in dem Jahre 289




In dem zweiten Jahre des Kaisertums des Diocletianus, welches mit dem Jahre 285 übereinstimmt, wird berichtet, dass drei fromme Christen, welches geistige und natürliche Christen gewesen, mit Namen Claudius, Asterius und Neon, durch ihre Stiefmutter, welche, wie es scheint, eine heidnische Frau gewesen, samt zwei christlichen Frauenspersonen, Donuina und Theonilla genannt, zu Aegea in Cicilien bei dem Richter derselben Stadt angeklagt worden, dass sie Christen seien.
Diese alle wurden in das Gefängnis gelegt, bis zur Ankunft des Statthalters Lysius, welcher in den Landschaften von Cicilien herumgereist, und auch nach Aegea gekommen, allwo er gegen die Christen Blutgericht gehalten.

Wie Claudius zuerst gerichtlich verhört worden
Als nun Claudius zuerst vor seinen Richterstuhl gestellt ward, fragte er ihn nach seinem Namen, und ermahnte ihn, die Blüte seiner Jugend nicht so ruchlos wegzuwerfen, sondern den Göttern zu opfern und also dem Gebote des Kaisers nachzukommen, auf dass er der verordneten Strafe entgehen möchte.
Claudius antwortete: Unser Gott bedarf dieser Opfer nicht, sondern hat mehr Wohlgefallen an den Werken der Liebe und Barmherzigkeit gegen unsere Nebenmenschen, und an der
Heiligkeit des Lebens; aber eure Götter sind unreine, böse Geister, und haben ihr Vergnügen an solchen Opfern, wodurch sie denjenigen, welche sie verrichteten, die ewige Strafe bereiten; deshalb werdet ihr mich nimmermehr bewegen, dass ich sie verehren soll.
Lysias sagte: Bindet ihn an und schlagt ihn mit Ruten, denn anders kann man seine Torheit nicht bezähmen.
Claudius sagte: Mit schweren Tormenten wirst du mir kein Leid antun, sondern dir selbst die ewige Strafe über den Hals ziehen.
Lysias sprach: Unsere Herren, die Kaiser, haben geboten, dass die Christen den Götzen opfern sollen, die Ungehorsamen wollen sie bestraft wissen, und verheißen Ehre und Ämter denjenigen, welche ihren Geboten Gehorsam leisten.
Claudius antwortete: Die Gaben und Wohltaten währen nur eine kurze Zeit, aber das Bekenntnis Christi gibt ewige Ehre und Herrlichkeit.
Lysias gebot, dass man ihn an den Folterstock aufhängen sollte, unter seine Füße flammendes Feuer legen, und Stücke von seinen Fersen schneiden.
Claudius sagte: Die Gott von Herzen fürchten, können weder durch Feuer noch andere Tormente überwunden werden, wissend, dass solche ihnen zum ewigen Leben gereichen.
Lysias gebot, peinigt ihn mit Beißzangen, zerkratzt oder durchschneidet ihn mit Topfscherben, und brennt ihn hernach mit brennenden Fackeln.
Claudius sagte: Gleichermaßen sage ich, dass du dieses alles für den Satan tust, und dass mir dies alles zum Guten, dir aber zum ewigen Verderben gereicht. Ja dein Feuer und alle deine Tormente befördern meine Seligkeit; so sind unsere Umstände beschaffen, dass diejenigen, welche um des Namens Christi willen so leiden, das ewige Leben erlangen.
Lysias befahl hierauf: Lasst von ihm ab, legt ihn wieder in das Gefängnis, und lasst einen andern hervorkommen.

Asterius wird gerichtlich verhört
Asterius, der zweite Bruder, als derselbe vor dem Statthalter Lysias stand, sagte Lysias: Willst du mir gehorsam sein, Asterius? Opfere den Göttern, und entgehe der Strafe.
Asterius antwortete: Ich will es nicht tun, denn ich ehre den einigen und wahren Gott, der den Himmel und die Erde gemacht hat, und der da kommen wird zu richten die Lebendigen und den Toten.
Lysias sagte: Werft ihn auf die Folterbank, reißt das Fleisch mit Beißzangen von seiner Seite, und sagt zu ihm: Glaube zum wenigsten jetzt und opfere den Göttern.
Asterius antwortete: Ich bin ein Bruder desjenigen, der eben zuvor gepeinigt worden ist, und wir haben einerlei Bekenntnis des Glaubens an Christum; tue was du kannst, meinen Leib hast du zwar in deiner Hand, nicht aber meine Seele.
Lysias gebot: Bindet ihm Hände und Füße, spannt ihn aus, nehmt Beißzangen, werft glühende Kohlen unter seine Füße, geißelt ihn mit Ruten und Farrenschwänzen.
Asterius sagte zu dem Statthalter: Du begehest eine törichte Tat, weil du nicht mir, sondern dir selbst schwere Tormente zubereitest; meinetwegen tust du am besten, denn ich mag wohl leiden, bis kein Glied an meinem Leibe ist, das nicht gepeinigt worden.
Lysias sagte: Löset ihn auf und bewahret ihn mit den anderen, und lasset den Dritten hervorbringen, welches auch geschehen.

Neon wird gerichtlich verhört
Als nun Neon vor dem Richterstuhle stand, sagte Lysias zu ihm: Sohn, gehorche mir und opfere den Göttern, damit du nicht nötig hast, solches alles zu leiden.
Neon sagte: Es sind keine Götter, auch haben sie gar keine Macht; du dienest den Götzen, aber ich ehre den Gott des Himmels.
Lysias sagte: Ergreift ihn bei dem Halse, und lasst ihm durch den Ausschreier ansagen, dass er aufhören sollte, die Götter zu lästern.
Neon antwortete: Der die Wahrheit redet, der lästert nicht.
Lysias gebot: Spannt ihn auf die Folterbank, streut Kohlen unter ihn, schlagt und schneidet ihn.
Neon sagte: Ich weiß, was mir nötig ist, deshalb werde ich tun, was meiner Seele ersprießlich ist; aber von meinem Glauben kann ich nicht abgebracht werden.
Nachdem nun Lysias hineingegangen war zu den übrigen Ratsherrn, die im Gerichte saßen, und das Segel über den Richterstuhl hatte ausspannen lassen, hat er mit den andern das Todesurteil über die drei Brüder beschlossen, und dasselbe, als er wieder herauskam, von einer Tafel abgelesen:
Claudius, Asterius und Neon, Gebrüder, die da Christen sind, lästern die Götter, und weigern sich zu opfern, sollen vor dem Saale gekreuzigt, und ihre Leichname den Vögeln des Himmels als Aas gelassen werden, dieses soll Eulalius, der Kerkermeister, und Archelaus, der Scharfrichter, ausführen.
Doch ehe sie zum Tode geführt wurden, brachte man sie wieder in das Gefängnis.

Hierauf ward vom Kerkermeister eine von den gefangenen Frauenspersonen, Donuina, hervorgebracht, zu welcher Lysias, der Statthalter, sagte: Siehe, Frau, dieses Feuer und diese Tormente stehen für dich bereit; willst du nun, dass man dich damit verschonen soll, so opfere den Göttern.
Donuina antwortete: Ich will es nicht tun, auf dass ich nicht in das ewige Feuer und in die höllische Pein verfalle; ich diene Gott und seinem Gesalbten, Christus, der den Himmel und die Erde, und alles, was darin ist, geschaffen hat, eure Götter sind von Holz, Stein und Menschenhänden gemacht.
Donuina wird auf der Folterbank verhört
Lysias sagte: Entkleidet sie mutternackend, spannt sie aus, und zerreißet alle ihre Glieder mit Ruten. Mittlerweile sie so geschlagen wurde, gab sie den Geist auf.
Hierauf sagte der Scharfrichter Archelaus zu dem Statthalter: Bei deiner Hohheit, Donuina ist gestorben. Lysias gebot, dass man ihren Leichnam in den Fluss werfen sollte.

Eulalius, der Kerkermeister, sagte: Hier ist Theonilla.
Lysias sagte zu ihr: Frau, du hast gesehen, welche Strafe die erlitten haben, und wie sie mit flammendem Feuer gepeinigt worden, welche ungehorsam waren; so ehre denn die Götter und opfere, auf dass du von diesen Strafen mögest erlöst werden.
Theonilla antwortete: Ich fürchte denjenigen, der die Macht hat, Leib und Seele ins höllische Feuer zu werfen und verbrennen wird alle diejenigen, welche von Gott abweichen und dem Satan Ehre antun.
Lysias sagte: Gebt ihr Backenstreiche in ihr Angesicht, werft sie nieder, bindet ihre Füße und peinigt sie gewaltig.
Theonilla antwortete: Dünkt es dich recht und gut zu sein, eine wohlgeborene Frau so zu misshandeln? Du weißt, dass du das nicht vor Gott verantworten kannst, was du an mir tust.
Lysias befahl: Hängt sie an ihrem Haarzopfe auf und gebt ihr Backenstreiche.
Theonilla wird scharf verhört
Nachdem Theonilla nackend dastand, sagte sie: Schämst du dich nicht, mich zu entblößen, indem du durch mich deiner Mutter und deiner eigenen Hausfrau, die auch weiblichen Geschlechts sind, gleiche Schande antust?
Lysias fragte, ob sie einen Mann habe, oder ob sie eine Witwe sei?
Sie antwortete: Ich bin nun schon über 23 Jahre Witwe und bin also allein geblieben, um Gott mit Fasten und Wachen zu bitten, und ihm desto feuriger zu dienen, welchen Gott ich erst gekannt habe, nachdem ich die Welt und die Abgötterei verleugnet habe.
Lysias gebot, dass man zu ihrer größeren Schande ihr Haupthaar mit einem Scheermesser abschneiden sollte, um ihren Leib Dornbüschlein legen und denselben an vier Pfählen ausspannen, alsdann soll man sie über den ganzen Leib schlagen und glühende Kohlen auf ihren Bauch legen, um sie also zu verzehren.
Welches alles durch Eulalius, den Kerkermeister, und Archelaus, den Scharfrichter, ausgeführt wurde, worauf ihr Tod erfolgte, und dann zu Lysias sagten: Herr, nun ist sie gestorben.
Lysias gebot, ihren toten Leib in einen ledernen Sack zu nähen, und ins Wasser zu werfen, welches auch geschehen ist. Und also haben diese heiligen Männer unter Lysias, dem Statthalter von Cicilien, in Aegea, gelitten, auf den 13. August, in dem zweiten Jahre des Diocletian, als er mit Aristobulus Bürgermeister war, im Jahre Christi 285.



09.03.2019
Symphorianus, ein frommer Christ zu Augustodunum, gegenwärtig genannt Autun
Um des Namens des Herrn Jesu willen enthauptet
um das Jahr 275




Man berichtet, dass, da die Heiden zu Augustodunum (gegenwärtig Autun genannt) in Burgundien das Bild der Abgöttin Cybele, welche sie die Mutter der Götter nannten, an ihrem Festtage auf einem Wagen in Prozession herumführten, ein gewisser frommer Christ, mit Namen Symphorianus, dem Bilde begegnet, sich geweigert, dasselbe zu verehren, weshalb er als ein Gottloser oder Gottesverächter gefangen genommen und vor den Statthalter Heraclius gebracht worden, welcher in derselben Stadt sehr genau auf die Christen Achtung geben ließ.
Als er vor Gericht stand, fragte der Statthalter nach seinem Namen. Symphorianus antwortete, dass er seiner Religion nach
ein Christ sei, und dass er, von christlichen Eltern geboren, den Namen Symphorianus empfangen habe.
Der Richter sagte: Warum hast du die Mutter der Götter nicht geehrt, noch ihr Bild angebetet? Symphorianus antwortete: Weil ich ein Christ bin und allein den lebendigen Gott anrufe, der im Himmel herrscht; aber das Bild des Satans bete ich nicht nur nicht an, sondern wenn ihr mir’s zulassen wollt, so will ich es mit Hämmern in Stücke schlagen.
Der Richter sagte: Dieser Mensch ist nicht allein ein Kirchenräuber seines Glaubens nach, sondern auch widerspenstig und ein Rebell; aber vielleicht weiß er nichts von den Verordnungen und Befehlen des Kaisers, deshalb lasst ihm durch den Amtmann die Plakate des Kaisers vorlesen.

Nachdem die Plakate abgelesen waren, antwortete Symphorianus: Ich werde gleichwohl nimmermehr bekennen, dass dies Bild etwas anderes sei, als ein unglückseliger Abgott des Satans, wodurch er dem Menschen eingibt, dass es ein Gott sei, da es doch ein offenbarer Beweis des ewigen Verderbens aller derer ist, die ihr Vertrauen darauf setzen.
Auf dieses Bekenntnis hat ihn der Richter geißeln und ins Gefängnis stecken lassen, um ihn in einer andern Zeit zu verhören.
Eine Zeit lang darnach ließ er ihn wieder vor seinen Richterstuhl bringen, begegnete ihm freundlich und sagte: Symphorianus, opfere den Götzen, damit du mögest zur höchsten Ehrenstelle bei Hofe gefördert werden; wo nicht, so nehme ich die Götter zu Zeugen, dass ich gezwungen bin, dich heute, nach vielen Martern, zum Tode zu verurteilen.
Symphorianus antwortete: Was ist daran gelegen, ob wir dieses Leben, welches wir doch Schulden halber an Christum bezahlen müssen, an ihn übergeben. Deine Geschenke und Gaben sind vermengt mit Süßigkeit von verfälschtem Honig, womit du die Gemüter der Ungläubigen vergiftest. Unsere Schätze aber und Reichtümer bestehen allezeit und allein in Christo, unserem Herrn; sie verderben auch nicht durch Alter und Länge der Zeit; eure Begierde aber ist unersättlich, und besitzt doch nichts, wenn ihr auch schon alles in Überfluß hättet. Die Freude und Ergötzlichkeit, die du in dieser Welt genießest, ist nur feines Glas, welches, wenn es an den Schein und die Hitze der Sonne gestellt wird, einen Bruch bekommt und voneinander berstet; Gott aber allein ist unsere höchste Glückseligkeit.

Nachdem Symphorianus diese und dergleichen Reden mehr vor dem Richter gesagt, hat der Statthalter Heraclius das Todesurteil gegen ihn ausgesprochen und gesagt:
Symphorianus soll mit dem Schwerte getötet werden, weil er in offenbaren Todschulden befunden und gegen die Altäre gelästert hat.
Als dieser gottselige Bekenner zum Tode geführt worden, um Christo geopfert zu werden, hat ihn seine Mutter von der Stadtmauer herab diese tröstliche Ermahnung zugerufen und gesagt:
Symphorianus, mein Sohn, mein Sohn, gedenke des lebendigen Gottes, behalte in deinem Herzen und Gemüte eine standhafte Tapferkeit; wir können ja den Tod nicht fürchten, der uns zweifelsohne zum wahren Leben führt.
Erhebe dein Herz aufwärts gen Himmel, mein Sohn, und siehe daselbst denjenigen, der im Himmel herrscht! Heute wird dein Leben dir nicht genommen, sondern in ein besseres verwandelt. Wenn du heute standhaft bleiben wirst, so hast du einen glückseligen Wechsel getan, und wenn du ausgehst aus diesem irdischem Hause, so wirst du wohnen in dem Tabernakel, der ohne Hände gemacht ist.
Als nun Symphorianus so von seiner Mutter gestärkt worden war, ist er zur Stadt hinausgebracht und daselbst enthauptet worden, nachdem er seine Seele in die Hände Gottes befohlen zur Zeit des Kaisers Aurelianus und des Statthalters Heraclius zu Autun, in Burgundien; sein Leichnam ist von einigen Christen zur Erde bestattet worden.



08.03.2019
Mamas, ein Schafhirte
um des Zeugnisses Jesu Christi willen nach grausamer Folter zu Cäsaren in Cappadocien mit einem dreispitzigen Speere durchstochen
um das Jahr 274




Mamas, ein Schafhirte, hütete die Schafe auf dem Gebirge in der Wüste von Cappadocien, lebte sehr ärmlich ohne Hütte unter dem blauen Himmel, und nährte sich von Milch und Käse von den Schafen, wie Bastlius bezeugt.
Nazianzenus setzt hinzu, dass sich die Hirsche oder Hindinnen täglich von ihm melken ließen, und er von denselben also ernährt worden sei.
Basilius sagt, dass er aus dem Himmelslaufe die Wunderwerke Gottes, seines Schöpfers, und also die ewige Allmacht und Weisheit Gottes kennen gelernt.
Die Geschichte bezeugt von ihm, dass er in der Wüste Gottes Wort stets bei sich gehabt, und täglich darin gelesen.
Es kann wohl sein, schreibt Mellinus, dass dieser Mamas um der Verfolgung zu entgehen, zur Zeit des Decius und Valerianus, sich in die Wüste begeben habe, und bis zu den Zeiten des Aurelianus darin verblieben, wo ihn dann dessen Statthalter in Cappadocien, Alexander, aus der Wüste holen und zu Cäsarea, der Hauptstadt von Cappadacien, vor sich bringen ließ.
Der Statthalter schalt ihn einen Zauberer und Beschwörer, weil unter seiner Beschickung die wilden Tiere in der Wüste so zahm waren.
Mamas antwortete: Ich bin ein Diener Christi und weiß von keiner Zauberei, sondern wohne lieber bei den wilden Tieren, als bei euch, welche die Kraft ihres Schöpfers an mir und durch mich empfinden; ihr aber wollt Gott gar nicht erkennen.
Ich kann mich gar nicht genug über dich wundern, dass du, der du zu deinem grauen Alter gekommen bist, noch in der dichten Finsternis der Unwissenheit steckst, den wahren, lebendigen Gott verlassest, und tauben und stummen Götzenbildern göttliche Ehre erweisest.
Als man verlangte, dass er wenigstens sagen sollte, dass er den Götzen opfern wollte, um der Strafe zu entgehen, antwortete Mamas:
Ich werde nimmermehr, weder mit meinen Lippen, noch mit meinem Herzen, den wahren Gott und König Jesum Christum verleugnen; so weit bin ich davon entfernt, dass ich eher alle Leiden um des Namens Christi willen ertrage, als dass ich tue, was du verlangst, und im Gegenteil es für eine hohe Ehre, den größten Gewinn, ja sogar als besondere Wohltat erachte, welche du mir erweisen kannst.
Um welcher Bekenntnis willen ihn der Statthalter auf die Folterbank legen ließ, grausam geißeln, mit Beißzangen peinigen, mit Lampen und Fackeln in seine Seite brennen, und durch verschiedene Marter versuchen.
Als er aber sah, dass er in allen diesen und mehreren anderen Tormenten standhaft blieb, so hat er ihn zuletzt mit einem dreispitzigen Speere durchstechen lassen, und ist also unter dem Kaiser Aurelianus zu Cäsaren und Cappadocien ein treuer Märtyrer für seinen Seligmacher geworden.



07.03.2019
Privatus, Bischof der Gemeinde Jesu Christi
Zu Gevauldan, um des wahren Glaubens willen totgeschlagen
um das Jahr 274



Als Chorus König unter den Hochdeutschen, zur Zeit des Valerianus und Aurelianus, ja bis zu den Zeiten des Probus gewesen, wurde unter anderen Märtyrern, die sich in der Wüste und auf Gebirgen, von Menschen abgeschieden, auch ein gewisser Mann gefunden, mit Namen Privatus, Bischof der Gemeinde zu Gevauldan.
Dieser, als er sich in dem Gebirge aufhielt, fastete und betete, ward von den Hochdeutschen gefangen, und weil er sich weigerte, wie es einem guten Hirten zusteht, seine Schafe in die Hände der Wölfe zu übergeben und mit ihnen dem Teufel zu opfern, welches er keineswegs tun wollte, ward er von ihnen mit Prügeln so lange geschlagen, bis sie ihn für tot hielten, in Folge dessen er auch wenige Tage hernach gestorben.
Einige meinen, dieses sei unter Valerianus und Gallienus geschehen, wiewohl es sich unter Aurelianus zugetragen hat.



06.03.2019
Philippus, Privatus, Florentinus, Pontius und viele andere mehr
um des Zeugnisses Jesu Christi willen auf verschiedenen Plätzen während der Verfolgung getötet
bis ums Jahr 270


Über die vorgemeldeten Märtyrer, welche in dieser Verfolgung getötet worden sind, werden von einigen Schreibern noch verschiedene fromme Zeugen Jesu Christi angeführt, welche die Ehre Gottes lieber hatten, als ihr eigenes Leben und zu der Zeit durch denselben Kaiser gerettet worden sind, wovon wir bald Nachricht geben werden.
Ausgenommen die dreihundert Christen, welche P. I. Twisck in das Jahr 264 setzt, die in brennenden Kalköfen verbrannt wurden, weil sie dem Jupiter zu Ehren nicht Rauchwerk zum Opfer auf die Kohlen werfen wollten, wie im dritten Buche von dem Untergange zu ersehen ist, gedruckt 1617, Pag. 76, Col. 1, aus Hist. Andr., Fol. 30.
So werden noch einige Namen genannt als Philippus, Bischof der Gemeinde zu Alexandria, der unter dieser Verfolgung um des Zeugnisses Jesu Christi willen mit dem Schwerte getötet worden ist.
Florentinus und Pontius, beides fromme Männer, wurden in Frankreich um des Namens Jesu willen getötet, nebst andern, welche schon früher genannt worden sind.



05.03.2019
Drei fromme Hausleute, Priscus, Malchus und Alexander
Zu Cäsaren in Palästina von wilden Tieren zerrissen
um das Jahr 263



Unter der Verfolgung des Valerianus sind drei sehr berühmte und gottesfürchtige Märtyrer zu Cäsaren in Palästina gewesen, welche aber schlichte Landleute waren, der erste Priscus, der zweite Malchus und der dritte Alexander genannt.
Als diese, schreibt Eusebius Pamphilus Cäsariensis, bei der Vorstadt zu Cäsaren wohnten, sind sie mit einem göttlichen Eifer des Glaubens entzündet worden, haben sie untereinander (und ein jeder sich selbst, sagt Mellinus) der Trägheit beschuldigt, nachdem in der Stadt himmlische Marterkronen ausgeteilt, oder wenigstens vorgelegt wurden, sie aber nicht Lust zeigten, dieselben zu erhalten, da doch unser Herr und Seligmacher gesagt, dass man das Himmelreich mit Gewalt einnehmen müsse, und dass es ihnen nicht gebührte, so irdisch und träge zu verbleiben.
Da sie nun einander mit solchen Worten ermahnt hatten, sind sie in die Stadt gegangen und haben den grausamen Tyrannen, nämlich den Blutrichter, angesprochen und gefragt, warum er so viel Christenblut vergösse?
Der Tyrann antwortete sogleich und sagte, man solle sie vor die wilden Tiere werfen, um von ihnen verschlungen zu werden, weil es sich nicht gezieme Christenblut zu vergießen, was sogleich an ihnen vollzogen worden.

Abr. Mellinus schreibt zur Entschuldigung der drei vorgemeldeten Hausleute gegen diejenigen, welche glaubten, dass dieselben allzu freimütig gewesen und sagt unter anderen Worten also:
Wer seid ihr, dass ihr eure Brüder verurteilt? Was wisst ihr, von welchem Geiste sie gewesen sind? Niemand hat diese Tapferkeit durch sich selbst, sondern es ist Gottes Gabe, nicht allein an Christum zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden; keines von beiden nun ist von ihm selbst, auch haben sie keinen eigennützigen Zweck dabei gehabt, sondern wollten den Namen Jesu durch ihren Tod verherrlichen, wozu sie ohne Zweifel durch göttlichen Eifer getrieben worden sind, auch ist ihr Eifer nicht ohne Erkenntnis gewesen, sondern aus der Kraft des Glaubens hervorgegangen, daher sie durch den Geist Gottes geleitet, um die Ehre Gottes durch ihren Tod zu verherrlichen, denn dieses ist allein ihr Augenmerk gewesen.


04.03.2019
Marinus, von ritterlicher Herkunft
Hat aber das Evangelium dem Schwerte vorgezogen und ist um des Zeugnisses Jesu willen zu Jerusalem enthauptet worden
um das Jahr 262

In den alten Geschichten der frommen Zeugen Jesu Christi wird von einem frommen Bürger zu Jerusalem, mit Namen Marinus, von ritterlicher Herkunft, erzählt, welcher, obwohl er unter die Ritterschaft gehörte, dennoch eine herzliche Geneigtheit zu den wahren Christen hatte, die zu derselben Zeit über alle Maßen verfolgt wurden.
Deshalb ward er von seinen Beneidern, die ihm die Ehre der Ritterschaft missgönnten, beschuldigt und hart verklagt, dass er ein Christ sei, welches er auch, als er von dem Richter gefragt wurde, bekannt hat, ja mit klarer Stimme ausgerufen, dass er wahrlich ein Christ sei.
Da hat ihm der Richter drei Stunden Bedenkzeit gegeben, ob er als ein Christ sterben, oder den Göttern und dem Kaiser opfern wolle.
Als er nun von dem Gerichte ging, hat ihn Theotecnes, der Bischof der Gemeinde in derselben Stadt, bei der Hand genommen, ihn nach dem Versammlungsplatze in die Versammlung geführt und ihn mit vielen Worten in dem Glauben gestärkt, ihm auch das Schwert vorgelegt, welches er an seiner Seite zu tragen pflegte, nebst dem Evangelium und gefragt, welches von beiden er erwählen wolle.
Als Marinus seine Hand mit einem festen Glauben nach dem Evangelium ausstreckte und solches statt des Schwertes erwählte, so sagte Theotecnes zu ihm:
O mein Sohn! Behalte, was du erwählt hast, verschmähe dieses gegenwärtige Leben und hoffe auf das ewige; gehe hin mit gutem Vertrauen und empfange die Krone, welche dir der Herr bereitet hat.
Also ist er wieder vor Gericht zurückgekehrt, und alsbald von des Herrn Diener gerufen worden, denn die gesetzte Zeit war da.
Da hat er nicht gewartet, bis man ihn gefragt, sondern hat selbst gesagt: Er habe sich bedacht und glaube, dass es vermöge des väterlichen Gesetzes ausgemacht sei, dass man Gott mehr als Menschen untertänig sein müsse.
Als er auf diese Weise geantwortet, schreibt Eusebius Pamphilus von Cäsarien, so hat der Richter alsbald das Urteil gesprochen, dass man ihn enthaupten solle.




03.03.2019
Fructuosus, Bischof der Gemeinde von Tarragona
nebst Augurius und Eulogius, seinen Diakonen
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Tarragona lebendig verbrannt um das Jahr 261



Man berichtet, dass zu dieser Zeit Fructuosus, Bischof der Gemeinde zu Tarragona, in Hispanien, nebst Augurius und Eulogius, seinen Diakonen, durch den Befehl des Statthalters Aemilianus gefangen worden sind und dass sie sechs Tage in dem Gefängnisse gehalten wurden, ehe man sie vor Gericht gebracht.
Als er vor Gericht stand, gebot ihm Aemilianus, vor den Altar zu knien und den Götzen, die darauf standen, Ehre und Opfer zu tun, und sprach unterdessen zu Fructuosus:
Ich verstehe, dass du ein Lehrer einer neulich erdichteten Religion bist, und die leichtsinnigen jungen Mägdlein ermahnst, nicht mehr nach den Wäldern zu gehen, wo man den Göttern dient, ja den Jupiter selbst zu verlassen.
Fahret nur fort, unsere Religion zu verachten, aber wisset, dass der Kaiser Gallienus mit seinem eigenen Munde ein Gebot hat ergehen lassen, womit er alle seine Untertanen verbindet, denselben Göttern zu dienen, welchen der Prinz, das ist der Kaiser, dient oder verehrt.
Hierauf antwortete der Bischof Fructuosus: Ich bete den ewigen Prinzen an, der die Tage und die
Götter selbst geschaffen hat, und der ein Herr über den Kaiser Gallienus selbst ist; und Christus, der von dem ewigen Vater selbst gezeugt ist, dessen Diener und Hirte seiner Herde ich bin.
Der Statthalter verspottete ihn und sagte: Ja, bis hierher bist du es gewesen, aber nun bist du es nicht mehr.
Unterdessen verurteilte er Fructuosus mit seinen beiden Diakonen, Augurius und Eulogius, dass sie alle drei lebendig verbrannt werden sollten.
Die getreuen Männer, nachdem sie um des Namens Christi willen das Todesurteil empfangen hatten, freuten sich über ihr bevorstehendes Martertum; und da sie das Volk weinen sahen, als sie zum Tode geführt wurden, verboten sie demselben zu weinen.
Als einige unterwegs dem Bischof Fructuosus zu trinken angeboten, um sein Herz zu laben, weigerte er sich dessen nach dem Exempel Christi und sagte: Es ist gegenwärtig unser Fasttag, ich begehre nicht zu trinken, es ist noch nicht die neunte Stunde des Tages (das ist die dritte Stunde des Nachmittags, denn eher pflegten die Fastenden nicht zu essen), der Tod selbst soll meinen Fasttag nicht brechen.
Als sie nun auf den runden Schauplatz oder Kampfbahn gekommen, wo der Nachrichter Befehl hatte, ein großes Holzfeuer zu machen, um diese frommen Märtyrer zu verbrennen, sind die gläubigen Christen, wiewohl aus herzlicher Liebe, in Uneinigkeit geraten, wer zuerst dem Bischof ihrem geliebten Hirten und Lehrer, die Schuhriemen auslösen sollte.
Fructuosus aber wollte solches nicht zulassen, sagend: Ich werde meine Füße selbst entblößen, um ungehindert in das Feuer zu gehen.
Und als er sah, dass sie weinten, sagte er: Warum weint ihr? Und warum ersucht ihr mich, euer eingedenk zu sein? Ich werde für alles Volk Christi bitten.
Da er mit bloßen Füßen an dem Feuer stand, sagte er zu dem ganzen Volke: Glaubt mir; es ist keine Strafe, welche ihr vor Augen seht, welche in einem Augenblick vorbei geht und das Leben nicht benimmt, sondern herstellt. O glückselige Seelen, welche durch dieses Zeitliche in den Himmel zu Gott aufsteigen, welche um jüngsten Tage von dem ewigen Feuer sollen erlöst werden.
Hierauf gingen sie schnell nach dem brennenden Feuer, welches alsbald die Banden, womit ihre Hände auf den Rücken gebunden waren, abbrannten, sodass ihre Hände frei wurden, aber ihre Leiber blieben in dieser heißen Glut als verbrannt stehen, indem sie Gott mit ausgestreckten Händen baten, er wolle zulassen, dass die Flamme sie doch aus der Angst des Todes schnell erlösen wolle.
Da sie nun in ihrem Gebete erhört wurden, haben sie ihre zerbrechlichen Leichname zum Pfande zurückgelassen und ihre Seelen Gott übergeben, und so sind diese drei Männer ruhig in dem Herrn entschlafen, von welchem sie zur Belohnung ihrer treuen Dienste und standhaften Zeugnisse die Märtyrerkrone und weißen Kleider, zum Zeichen ihrer Überwindung, am Tage des Urteils empfangen werden.



02.03.2019
Dionysius, Bischof der Gemeinde zu Alexandria
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen, mit zweien seiner Glaubensgenossen, Gajus und Petrus, nach vielem Leiden an einen wüsten Platz in Lybien, drei Tagereisen von Parretonius, verwiesen
um das Jahr 260




Unter verschiedenen Briefen von Dionysius, Bischof zu Alexandria, welche Abr. Mellinus aus Eusebius anführt, seine erlittene Verfolgung betreffend, wird zuletzt auch einer gefunden, welchen derselbe an Dydimus und Domitius geschrieben, von der Verfolgung der Christen unter Valerianus, unter welchen er damals auch mit ist verfolgt worden, und lautet unter anderm so:
Es ist unnötig, alle Namen der christlichen Märtyrer zu erwähnen, weil deren sehr viele und auch unbekannt sind; wisset aber von dieser Verfolgung im Allgemeinen, dass ihrer eine unzählbare Menge Männer und Weiber, alte und junge Leute, alte Frauen und junge Töchter von jedem Stand gewesen, wovon einige gegeißelt, verbrannt, andere enthauptet oder auf andere Weise Märtyrer geworden sind, und der Statthalter hörte noch nicht auf mit seiner Grausamkeit.
Die zu ihm gebracht wurden, ließ er töten, einige mit allerlei Tormenten zerreißen; andere hielt er in Banden und strengen Gefängnissen und ließ sie von Hunger und Durst aufzehren und verschmachten, gebot auch, dass niemand zu ihnen kommen sollte, ja er ließ genau auf diejenigen Acht geben, welche nur dahin zu gehen trachteten.
Nichtsdestoweniger hat der Herr der Brüder Herz also gestärkt, dass sie die geängstigten Gefangenen um des Namens Christi willen beständig besucht haben, unerachtet es bei Lebensstrafe verboten war.
Obschon diese Verfolgung eine geraume Zeit angehalten hat, so waren nichtsdestoweniger immer noch einige, welche Gott nicht gut genug gewesen, um sie als Märtyrer zu sich zu nehmen.
Unter welchen, spricht Dionysius, ich selbst bin, bis es der Herr anders mit mir machen wird; denn ohne Zweifel hat er für mich eine andere Zeit bestimmt, welche ihm am bequemsten und gelegensten sein wird.
Gegenwärtig bin ich, nebst Gajus und Petrus, allein, von allen andern Brüdern abgeschieden, in einem wüsten Platze in Lybien geschlossen, drei Tagereisen von Parretonius.
Vergleiche A. Mellin., in der Hist. der Verfolgung, gedr. 1619, 1. Buch, Fol. 79, Col. 2, mit dem Sendbriefe des Dionysius aus seiner Landesverweisung, geschrieben an Domitius und Didymus ex. Euseb. in Hist. Eccl., Lib. 7.
Diesen Brief des Dionysius haben wir vor allen andern auserwählt, weil einesteils darin die schwere Verfolgung im Allgemeinen ausgedrückt wird, andernteils die Unterdrückung, welche dieser fromme Freund Gottes selbst erlitten hat; in Betrachtung derselben, nachdem er hin und wieder vertrieben ward, mit seinen zwei lieben Freunden Gajus und Petrus, von allen seinen übrigen Brüdern abgeschieden, und in einen wüsten Platz
von Lybien geschlossen wurde; und erwartet daselbst den Tod um des Herrn Namens willen.
Es bezeugt P. I. Twisck von Dionysius, dass Tertullian von dem Abendmahle einen figürlichen und geistigen Verstand gehabt habe, dass die Worte Christi: Das ist mein Leib, so viel bedeuten, als dies eine Figur meines Leibes ist.
In dem 2. Buche von dem Untergang der Tyrannen und jährlichen Geschichten, auf das Jahr 200, Pag. 53, Col. 1, super Tertullianum.
Derselbe Autor, indem er von Origenes redet, sagt unter anderem von Dionysius, dass er nach Origenes und Heracles, der Schule der Catechumenen, das ist derjenigen, die in der christlichen Lehre von der Taufe unterwiesen wurden, zu Alexandria vorgestanden.
In dem 3. Buche von dem Untergange, gedr. im Jahre 1617, über das Jahr 231, Pag. 61.
An einem andern Orte meldet der obige Autor, dass Dionysius, welchen er einen Catechismusprediger nennt, mit Pancratius in Gesellschaft gewesen, als derselbe an dem Berge Celinus getauft wurde.
In demselben Buch über das Jahr 253, Pag. 71, Col. 1, aus Wicelio in Choro, Sanctorum Grund. Bek. Lit. B, Leonh., Lib. 1.
In dem 2. Buche, Cap. 13, führt D. Vicecomes den Dionysius aus Eusebius an, dass er sagt: Des Apostels Johannes Namen haben viele Heiden bei ihrer Taufe aus besonderer Liebe und Bewunderung für ihn angenommen, desgleichen auch um des Eifers willen, womit sie entzündet waren, um ihm nachzufolgen und weil sie wünschten, von dem Herrn geliebt zu werden, gleichwie er geliebt worden; so sind auch die Namen Petrus und Paulus den gläubigen Kindern Gottes gemein geworden.
Dieses alles, meldet der Schreiber, sind schöne Erinnerungen, welche an die Catechumenen sowohl vor als nach ihrer Taufe geschahen, welche wahrlich bei unmündigen Kindern keinen Platz haben mögen.
Bapt. Hist., gedruckt zu Dortr. im Jahre 1646 und 1647, in dem zweiten Teil, über das dritte Jahrhundert, Pag. 320.



01.03.2019
Origenes, ein Sohn des Märtyrers Leonides
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Alexandria sehr gepeinigt und nach Cäsaria Stratonis ins Elend verwiesen
um das Jahr 254




Wir haben in unserer Beschreibung der Taufe, über das dritte Jahrhundert, als über das Jahr 231, von der Meinung des Origenes gemeldet und berichtet, dass er sehr gute und heilsame Lehren, die Taufe nach dem Glauben betreffend, hinterlassen habe.
Desgleichen auch, dass er gegen das Eidschwören gelehrt, so wie gegen den Krieg oder das Kriegführen, gegen das Eheverbot, gegen die buchstäbliche Auffassung des Abendmahls, sowie gegen diejenigen, die da lehrten, aber selbst nicht darnach handelten, gegen den Antichrist.
Ebenso haben wir auch daselbst gemeldet, dass ihm Sachen als seine Meinung unterschoben wurden, wovon ihn die vornehmsten alten Schreiber, sowie spätere Autoren, freisprechen. Dieses alles kann in den angeführten Stellen nachgesehen und mit christlicher Bescheidenheit erwogen werden. Wir überlassen es daher den Verständigen zur Beurteilung.
Deshalb fahren wir fort und sprechen von seinem Martertum, und wie viel er um den Namen des Herrn Jesu hat leiden müssen.
Er hat sich, vom Anfang seiner Erkenntnis an, in große Gefahr gesetzt, wegen des Zeugnisses des Sohnes Gottes gefangen und getötet zu werden.
Denn als er erst 17 Jahre alt war und sein Vater Leonides, welchen er von Herzen liebte, um der christlichen Religion willen gefangen wurde, der nichts anderes als den Tod zu erwarten hatte, wie wir über das Jahr 202 berichtet haben, hat er denselben nicht allein durch sein Schreiben getröstet, sondern begehrte auch, wie andere Schreiber bezeugen, ihm bis ins Gefängnis, ja bis in den Tod zu folgen, welches er auch getan haben würde, wenn er nicht von seiner Mutter davon verhindert worden wäre, dass sie ihm seine Kleider wegnahm.
Einleitung Ausgabe von 1631, Fol. 38, Col. 2 aus Euseb.
Überhaupt setzte er sich öfters in Gefahr, um der christlichen Märtyrer willen, zu welchen er eine besondere Liebe hatte. Denn er hielt sich um die Richterstühle auf, als die gefangenen Christen ihre letzte Verantwortung vorbrachten, und ihr Todesurteil empfingen. Alsdann stärkte er sie, wenn sie schwach wurden, und sprach ihnen Mut ein; er ging mit ihnen zum Tode und bis zum Gerichtsplatze; er gab ihnen den letzten Kuss des Friedens zum brüderlichen und freundlichen Abschiede, sodass er oft ums Leben gekommen wäre, wenn ihn Gott nicht merklich und wunderbar bewahrt hätte.
Es wurde seinem Leben hinterlistig nachgestellt, so wie auch dem Hause, wo er wohnte, durch Soldaten, welche die Feinde der Wahrheit dazu gemietet hatten, ihn zu fangen oder zu töten. Er konnte daher, der heftigen Verfolgung wegen, nicht länger zu Alexandria, wo er auferzogen war, wohnen bleiben, umso mehr, da ihn die Gläubigen daselbst, da er so sehr bekannt war, nicht länger verbergen konnten.
Seine lieben Jünger, welchen er die Wege Gottes getreulich gelehrt hatte, waren um des Namens Jesu Christi willen meist alle getötet, nämlich, Plutarchus, Heraclides, Hero, die zwei frommen Männer, Serenus genannt, wie auch Rhais, Marcella und andere, von welchen über das Jahr 203 und 204 nach Christi Geburt Meldung geschehen ist.
Also, dass es für ein Wunder angesehen werden kann, dass dieser Mann Origenes so lange gelebt hat in der Mitte tödlicher Verfolgungen, von seinem siebzehnten Jahre an bis zu seinem siebzigsten, welches über fünfzig Jahre beträgt.
Zuletzt hat sich das Maß der Leiden so über ihn zusammengehäuft, dass er nicht nur im tiefsten Gefängnisse, mit eisernen Ketten um den Hals gebunden, bewahrt, sondern auch noch die Füße in den Stock gelegt und so weit auseinander gezogen wurden, dass dadurch vier Löcher an demselben entstanden; außerdem noch mit Feuer und Flamme und allerlei andern Tormenten gepeinigt, welches alles er mit der größten Geduld ertrug.
Gleichwohl melden die alten Schreiber, dass er nicht auf gerichtliche Weise zu Tode gebracht, sondern, wie Epiphanius schreibt, nach Cäsaria Stratonis ins Elend verwiesen worden. Doch ist er endlich nach Tyrus gezogen, woselbst er unter Gallus und Bolsianus gestorben und begraben worden.

Es sind einige, welche Origenes des Abfalls beschuldigen, es haben ihn aber verschiedene treffliche Schreiber davon freigesprochen, wiewohl er in Ansehung seiner Erkenntnis nicht ohne Schwachheiten und Gebrechen gewesen.
Eusebius Pamphilus Cäsariensis preiset seine Tugend über die Maßen und sagt, dass er keine Gemeinschaft mit Paulus Antiochenus zu haben begehrte, weil derselbe mit Irrtümern befleckt war. Von ihm gebrauchte man das Sprichwort: Dieser ist es, der da lebt, wie er lehrt, und lehrt, wie er lebt.
Er verkaufte seine Bücher von der heidnischen Weisheit, unter der Bedingung, dass ihm des Tages seiner Notdurft vier Pfennig davon gegeben werden sollten, damit er niemand zur Last falle.
Er gab allen seinen Jüngern ein Beispiel der Armut, damit sie allen Besitz verleugnen möchten; daher wurde er auch von einem jeden geliebt, denn er hatte mit niemand Streit um zeitliche Güter. Nur einige waren unzufrieden mit ihm, weil er sich weigerte, dasjenige anzunehmen, was ihm zu seines Leibes Unterhalt angeboten wurde.
Man sagt, schreibt Eusebius, dass er viele Jahre mit bloßen Füßen gegangen, weder Wein noch dergleichen getrunken, ausgenommen, was des Lebens Notdurft erforderte, so lange, bis ihn die Brustkrankheit, welche ihn in Lebensgefahr setzte, dazu genötigt.
Abr. Mellinus hat diejenigen widerlegt, welche Origenes des Abfalls beschuldigten, obwohl er seinem Missverstand, seine Irrungen, wie er sich ausdrückt, nicht das Wort reden will. Wenn die Geschichte von dem Abfall Qrigenes, schreibt er,
Wahrheit wäre, so würde Porphyrius, welcher um diese Zeit gegen die Christen geschrieben und dem Origenes am meisten aufsässig gewesen, in seinen Schriften davon berichtet haben, umso mehr, weil er Origenes Lehrmeister, Ammonius, unrechtmäßiger Weise des Abfalls wohl beschuldigen durfte; wie viel mehr Recht hätte er gegen Origenes gehabt, wenn er in der Tat abgefallen wäre! Aber er bekennt im Gegenteil, dass er bis an sein Ende christlich gelebt habe. Später schreibt er also: Was sein christliches Leben und standhafte Erkenntnis des Namens Christi angeht, so geben selbst seine Beneider und Feinde ein gutes Zeugnis davon, und wir haben daran nicht zu zweifeln.




28.02.2019
Maximus, ein frommer Christ zu Ephesus
Nach vielem Peinigen mit Steinen totgeworfen
um das Jahr 255




Kurz nach dem Tode des Pionius und vorgemeldeter Märtyrer hat, dem Berichte nach, ein gewisser frommer Christ gelitten, mit Namen Maximus, ein Bürger von Ephesus.
Von welchem wir, um die Sache aufs kürzeste, klarste und einfachste vorzustellen (anstatt des Zeugnisses der Väter), die Verhandlung selbst, wie sie vor dem Statthalter sich zugetragen und von den Schreibern im Gerichte beschrieben worden, ausschreiben oder abkopieren wollen und lautet also:
Maximus, ein Bürger zu Ephesus, gefangen, und vor den Statthalter von Asien, Optimus genannt, gebracht, wird gefragt, wie er heißt. Er antwortete: Ich heiße Maximus. Der Statthalter fragte: Wes Standes bist du, das ist, frei oder dienstbar geboren? Maximus sagte: Ich bin meiner selbst und frei geboren, bin aber doch ein Diener Christi, und besorge meine eigenen Sachen. Der Statthalter sprach: Bist du denn ein Christ? Maximus antwortete: Obgleich ich ein Sünder bin, so bin ich nichtsdestoweniger doch ein Diener Christi.
Der Statthalter fragte: Kennst du nicht die Plakate der unüberwindlichen Prinzen, welche hierher gesandt sind? Maximus fragte wiederum: Welches sind die? Der Statthalter antwortete, dass alle Christen ihren Aberglauben verlassen und den wahren Prinzen erkennen sollen, dessen Macht alles unterworfen ist, und dass sie keine Götter anbeten sollen. Maximus sagte: Ja, ich habe das unbillige Gebot des Prinzen oder Kaisers wohl verstanden, und daher komme ich, mich selbst hiergegen öffentlich zu erklären. Der Statthalter sprach: So opfere dann den Göttern. Marimus sagte: Ich opfere für niemand, als für Gott allein und freue mich, dass ich von Kindesbeinen an mich selbst Gott allein aufgeopfert habe. Der Statthalter sprach wiederum: Opfere, auf dass ich dich nicht auf verschiedene Weise peinigen lasse. Maximus sagte: Dieses ist’s, welches ich jederzeit gewünscht habe, dass, wenn ich dieses zeitlichen und hinfälligen Leibes beraubt werden sollte, ich zu dem ewigen Leben gelangen möge.
Deshalb gebot der Statthalter seinen Kriegsknechten, dass sie Maximus mit Stöcken schlagen sollten. Mittlerweile nun, als er geschlagen wurde, sagte der Statthalter zu ihm: Opfere, Maximus, damit du von diesen Tormenten befreit werden mögest! Maximus sagte: Was ich um des Namens meines Herrn Jesu Christi willen gern und willig aufnehme, solches sind keine Tormente, aber wenn ich von Christo abweiche, so habe ich die wahren und ewig dauernden Tormente zu erwarten.
Deshalb ließ ihn der Statthalter an den Folterstock aufhängen und erschrecklich peinigen, und sagte zu ihm: Siehe nun, wozu du durch deine Torheit gekommen bist, und opfere, damit du dein Leben gewinnen und erhalten mögest. Maximus antwortete: Wenn ich nicht opfere, so werde ich mein Leben gewinnen, aber wenn ich opfere, so werde ich dasselbe verlieren. Denn weder Pfähle, noch schneidende Hacken, deine Klauen oder Beißzangen, noch dein Feuer und deine Flammen tun mir weh, und ich fühle auch keine Pein davon, weil die Gnade Christi in mir bleibt.
Hierauf hat der Statthalter das Todesurteil gefällt, welches also lautet: Ich gebiete, dass Maximus totgesteinigt werde, den andern Christen zu einem Spiegel und Schrecken, weil er seinen Sinn nicht unter die Gesetze hat beugen wollen, dass er nämlich der großen Diana von Ephesus geopfert hätte.
Soweit erstrecken sich die Worte, wie sie von dem Blutschreiber in dem Gerichte selbst geschrieben sind.
Der Christ, welcher diese Verhandlungen ausgeschrieben, setzt noch nachfolgendes hinzu, indem er sagt: So ward denn dieser fromme Kämpfer Christi von den Dienern des Satans hinweggeschleppt, außerhalb der Stadtmauer gebracht und gesteinigt.
Mittlerweile, als er hinweggeführt und gesteinigt wurde, dankte er Gott von ganzem Herzen, der ihn würdig gemacht hatte, den Teufel im Streite zu überwinden. Er übergab also seine Seele in die Hände seines Herrn Jesu Christi. Also hat dieser fromme Zeuge unter dem Werfen vieler Steine sein Leben zu Ehren Jesu übergeben, und ist in das Register der heiligen und standhaften Märtyrer aufgezeichnet worden.
A. Mellinus in dem ersten Buche der Verfolgungen, gedruckt im Jahre 1619, Fol. 72, Col. 3–4, ex actis Procons. Item Aug., Lib. de Doctrina Christ., Cap. 26. Item contra Donatist. super alia Acta Cita.




27.02.2019
Pionius, Bischof der Gemeinde zu Smyrna
In der Stadt Smyrna um des Zeugnisses Jesu Christi willen an ein Holz genagelt und lebendig verbrannt
im Jahre 254




In dieser Zeit wird auch von einem gewissen frommen Christen, mit Namen Pionius, gemeldet, der ein sehr berühmter und tugendhafter Mann gewesen sei, der auch allezeit ohne Furcht vor den Richtern stand, und wie Eusebius erklärt, immer standhaft auf alle ihre Fragen antwortete; ja er lehrte und disputierte vor den Richterstühlen, sodass diejenigen, welche durch die Verfolgung wankten, dadurch gestärkt und aufgerichtet wurden.
Im Gefängnisse stärkte er die Brüder und machte ihnen Mut, um standhaft bis ans Ende in dem Glauben für den Herrn zu streiten, worin er ihnen immer ein guter Vorgänger gewesen ist.
Zuletzt ist er, nach dem Zeugnisse des Eusebius, auf ein Holz genagelt und ins Feuer geworfen worden, und hat also ein seliges Ende seines Lebens genommen.
Euseb. Pamph. Caesarien, Hist. Eccles., gedr. 1588, Lib. 4, Cap. 15, genommen aus dem Briefe an die von Smyrna, betreffend den Tod des Polycarpus und einiger Märtyrer, welche ihm nachgefolgt sind.
Näherer Bericht von den Umständen des Todes von Pionius, nach Anweisung verschiedener Autoren:
Wir wollen uns der kürzesten Weise befleißigen, und anstatt alles zu erzählen, was sie zugetragen, nur die letzten Umstände seines Todes erwähnen.
Als der Statthalter nach sehr langem Wortstreit zu Pionius sagte: Warum eilest du so sehr zum Tode?, antwortete Pionius: Ich eile nicht nach dem Tode sondern nach dem Leben.
Der Statthalter sagte: Du tust nicht wohl, dass du so sehr nach dem Tode eilest. Du eilest denjenigen nach, welche um eines kleinen Gewinns willen den Tod verachten, und sich selbst anbieten, mit den wilden Tieren zu kämpfen; aber weil du den Tod so sehr verachtest, sollst du lebendig verbrannt werden.
Dieses Urteil wurde ihm von einer Tafel, mit römischen Buchstaben beschrieben, vorgelesen: Wir haben Pionius verurteilt, lebendig verbrannt zu werden, weil er bekannt hat, dass er ein Christ sei.
Nachdem nun Pionius also zum Tode verurteilt worden, ward er nach dem Orte gebracht, wo er verbrannt werden sollte. Dort angekommen, entkleidete er sich selbst, und als er seinen nackten Leib ansah, hob er seine Hände gen Himmel aus, und lobte und dankte Gott, dass er ihn sauber und unbefleckt von den Abgöttern bis auf diese Stunde bewahrt habe.
Unterdessen hat er sich auf das Brandholz gelegt, sich selbst darüber ausgestreckt und an die Kriegsknechte übergeben, um an das Holz genagelt zu werden.
Als er nun auf das Holz geheftet ward, sagte zu ihm der Diener: Bekehre dich und verändere deine Meinung, so wollen wir die Nägel wegnehmen.
Pionius antwortete: Ich meine ja, sie wären alle darin, und nachdem er sich ein wenig bedacht hatte, sprach er zu Gott: Darum eile ich, o Herr, zu dem Tode, um desto eher (oder herrlicher) aufzustehen. Nachdem er auf das Holz genagelt war, ward er aufgerichtet und mit dem Angesichte gen Osten gekehrt.
Da nun ein großer Haufen Holz zusammengebracht ward, womit er verbrannt werden sollte, schloss er eine Zeitlang seine Augen, sodass das Volk meinte, er sei bereits gestorben; aber er betete in seinem Herzen.
Denn, nachdem er sein Gebet geendigt hatte, tat er die Augen wieder auf; da loderte auf einmal die Flamme sehr hoch empor, und er sagte mit freudigem Gesichte diese letzten Worte seines Vertrauens: Amen, o Herr, nimm meine Seele auf!, und übergab seinen Geist in die Hände Gottes, ganz ruhig, ohne ein Zeichen einer Pein von sich zu geben.
Dieses ist geschehen, als Julius Proculus Quintilianus Statthalter in Asien war, als der Kaiser M. Q. T. Decius zum dritten, und Gratus zum zweiten Male Bürgermeister zu Rom waren, in dem 254. Jahre unseres Seligmachers, aus Kraft der siebten Verfolgung unter dem Kaiser Decius, zu Smyrna in Kleinasien.



26.02.2019
Babylas, Bischof der Gemeinde zu Antiochien
Nebst drei Jünglingen Urbanus, Philidianus und Epolonius, um des Namens Jesu Christi willen zu Antiochien enthauptet
um das Jahr 254




Babylas, Bischof der Gemeinde zu Antiochien, der Hauptstadt von Syrien, an dem Flusse Orontes gelegen, war ein sehr gottseliger und getreuer Hirte der Herde Christi. Welcher, als er zuvor wusste, dass der Gemeinde Christi eine schwere Verfolgung über dem Haupte hing, nicht allein Männer und Frauen, sondern auch Kinder sehr fleißig in den Anfängen des christlichen Glaubens unterwiesen hat, und in seinen Predigten beständig ermahnt, nicht allein an Christum zu glauben, sondern auch für seinen Namen zu leiden.
Die Ursache der Gefangenschaft Babylas wird von den Alten in der Kürze so beschrieben, nämlich, dass der Kaiser Decius zu einer von den Christenversammlungen gekommen und eingelassen zu werden begehrt habe; doch habe der Hirt derselben Versammlung oder Gemeinde, nämlich Babylas, ihm, um die Versammlung zu verschonen, sich freimütig widersetzt und gesagt, es gebühre sich nicht, auf eine solch ruchlose Weise in das Haus des lebendigen Gottes zu kommen und die Geheimnisse des Herrn mit unreinen Augen anzuschauen, oder mit seinen mörderischen Händen, die noch voll Bluts wären, anzutasten.
Der Kaiser konnte dieses nicht ertragen und ließ Babylas
nebst einigen andern ergreifen, mit eisernen Ketten binden und in schwere Gefängnisse legen.
Die Namen derer, welche mit ihm gefangen und endlich getötet worden, wie aus den aufgezeichneten Verhandlungen (Akten) hervorleuchtet, sind drei Jünglinge, die Gebrüder Urbanus, Philidianus und Epolonius gewesen, welche, wie einige meinen, seine leiblichen, andere sagen, seine geistlichen Kinder gewesen sind, weil er sie durch die Lehre der Weisheit Christo gezeugt hatte.
Als nun die Zeit seines Abschieds herannahte, dass er sollte geopfert werden und seine Jünger oder andere gute Freunde zu ihm in das Gefängnis kamen, hat er zuletzt sie ersucht und ernstlich von ihnen begehrt, dass sie ihn doch mit seinen Banden, Ketten und Fesseln begraben möchten.
Was sein Ende und Tod anbetrifft, so schreibt Eusebius Pamphilus von Cäsarien also:
Zu Antiochien ist der Bischof Babylas nach seinem Bekenntnisse, gleich Alexander, in dem Gefängnisse in dem Herrn entschlafen.
Hist. Eccles., edit. Anno 1588, Lib. 6, Cap. 2, Fol. 121, Lit. F,G.
Dieweil aber alle andern Altväter, die von Babylas geschrieben haben, von ihm melden, als von einem Märtyrer, so berichten sie auch dabei, dass er mit dem Schwerte hingerichtet worden sei.
Die Verhandlungen von seinem Tode, welche Suidas und andere getreulich aus den ältesten Skribenten zusammengetragen, lauten also:
Als Babylas von dem Kaiser Decius mit den zuvor gemeldeten drei Jünglingen zum Schwerte verurteilt ward, sang er auf dem Weg zum Richtplatz die tröstlichen Worte aus dem 116. Psalm:
Kehre wieder, meine Seele, zu deiner Ruhe, denn Gott, der Herr, hat dir Gutes getan; er hat meine Seele aus dem Tode gerückt, die Tränen von meinen Augen abgewischt, meine Füße vor dem Fallen bewahrt, hinfort werde ich vor dem Herrn wandeln im Lande der Lebendigen.
Als nun Babylas und die drei Jünglinge an den Ort gekommen, wo sie sollten enthauptet werden, begehrte Babylas, dass man zuerst die drei Jünglinge, es sei, dass sie seine körperlichen oder geistigen Kinder gewesen, vor seinen Augen töten sollte, auf dass sie nicht möchten durch seinen Tod abgeschreckt werden, noch den Mut aufgegeben, für den Namen Christi zu sterben.
Als aber die Scharfrichter beschäftigt waren, die Kinder hinzurichten, rief er den Herrn an und sprach: Siehe, hier bin ich, Herr, und die Kinder, die du mir gegeben hast. Also sprach er den Kindern einen guten Mut ins Herz, um standhaft für den Herrn zu leiden.
Nach diesem ist Babylas sehr getrost in dem Herrn entschlafen und hat seine Seele, wie gemeldet, in die Hände des Herrn übergeben, um dieselbe in die ewige Ruhe zu bringen, wovon er vor seinem Tode geredet hatte.
Die Mutter von diesen Kindern und die Brüder der Gemeinde von Antiochien haben die Leichname dieser Märtyrer ehrlich zur Erde bestattet mit Ketten und Fesseln, womit Babylas gebunden gewesen. Also hat dieser gute Vater mit seinen lieben Kindern auf einen Tag einen ehrlichen Abschied aus dieser Welt genommen, und erwarten also die selige Hoffnung und die Offenbarung des großen Gottes und ihres Seligmachers Jesu Christi, um dessen Ehre und Verherrlichung sie gelitten haben



25.02.2019
Nemesius, ein frommer Christ zu Alexandria
Um des Glaubens an Jesum Christum willen verbrannt
um das Jahr 253


Die Bosheit der Tyrannen war so hoch gestiegen, dass sie die sanftmütigen und wehrlosen Lämmer Christi als Mörder schalten und unter solchem Namen vom Leben zum Tode zu bringen suchten.
Unter diesen Beschuldigten war ein frommer Nachfolger Christi mit Namen Nemesius (sonst Nemesis genannt), welcher, da er auch mit denselben Flecken besudelt war, sich vor allen Dingen durch eine offenherzige, freimütige und klare Verantwortung gereinigt hat.
Darüber ward er aber von seinen Anklägern beschuldigt, dass er ein Christ und ebenso wohl des Todes schuldig sei.
Wie Eusebius schreibt, so ist in diesem Artikel von dem Richter kein Maß gehalten worden. Denn er ließ ihn zuerst mit doppelten Tormenten peinigen und gebot hernach, dass man ihn mit den Mördern verbrennen sollte, doch unwissend, um seiner Grausamkeit willen, dass dieser heilige Märtyrer hierin unserem Seligmacher gleich war, der um der Seligkeit des menschlichen Geschlechtes willen, unter den Mördern gekreuzigt worden.
Hierauf sagt Abr. Mellinus: Er, nämlich der Blutrichter, hat ihn, den Märtyrer, seinem Herrn Christo gleichförmig gemacht und ihn nach seinem Exempel zwischen die Straßenräuber gesetzt, hernach aber mit glühendem Feuer lebendig verbrannt.



24.02.2019
Heron, Ater und Isidorus
um des Glaubens willen verbrannt und
Dioscorus, ein Jüngling von fünfzehn Jahren
nach vielen Peinigungen frei gelassen zu Alexandria
um das Jahr 253

Heron, Ater und Isidorus waren von Geburt Ägypter, als auch nebst ihnen ein Jüngling von 15 Jahren, Dioscorus genannt, diese wurden gleichfalls dem Richter von Alexandria überliefert.
Der Richter nahm zuerst den Jüngling vor, in der Hoffnung, ihn am leichtesten zu überreden und mit süßen Worten zu betrügen, oder sonst durch Tormente, deren er, wie Eusebius meldet, viele erlitten, zur Verleugnung des christlichen Glaubens zu bringen.
Aber Dioscorus, der vortreffliche Jüngling, hat sich nicht bewegen lassen, weder durch schöne Worte noch durch Gewalt der Pein, um dem Richter gehorsam zu sein.
Die drei andern Männer, nämlich Heran, Ater und Isidorus, ließ er grausam geißeln und setzte an sie mit vielen Schlägen, in der Meinung, sie vom Glauben abzubringen.
Nachdem aber der Richter bemerkte, dass sie alle diese Marter tapfer ertrugen, um des Glaubens willen an Jesum Christum, hat er sie den Schergen übergeben, um lebendig verbrannt zu werden.
Ausgenommen den Jüngling, Dioscorus genannt, hat der Richter teils um seiner Tapferkeit, teils um seiner vorsichtigen Antworten willen, die er zur Verwunderung ihm auf jede Frage zu geben wusste, freigelassen und sagte, er wolle in Betracht seiner Jugend ihm noch eine Zeitlang durch die Finger sehen, auf dass er unterdessen sich selbst möchte bedenken und Reue fühlen.
Die andern Schreiber aber berichten, dass, da er zu der Gemeinde Jesu Christi gekommen, er von Gott zu einer Befestigung und Trost seines Volkes sei gesetzt worden und erwartet einen langwierigen und schwereren Streit und eine größere und vollkommenere Belohnung. Deshalb er um derselben Ursache, als auch um seiner vorhergehenden Leiden willen, unter die frommen Märtyrer ist gerechnet worden.



23.02.2019
Vier gottesfürchtige Frauen, nämlich zwei mit Namen Ammonaria, als auch Mercuria und Dionysia
Um des Bekenntnisses Jesu Christi willen zu Alexandria enthauptet um das Jahr 253

Auch hat Gott in dieser Zeit seine Kraft wunderbar erwiesen an einigen Frauen, unter welchen ihrer vier
namhaft gemacht werden, zwei mit Namen Ammonaria, und Mercuria samt Dionysia.
Diese zwei letzten, nämlich Mercuria und Dionysia, waren betagte Frauen, von welchen eine Mutter vieler Kinder war, die sie gleichwohl alle um Christi willen verlassen hat.
Die andern zwei waren, wie es scheint, ungetraute Personen oder junge Töchter, welche ihren himmlischen Bräutigam Jesum Christum lieber hatten, als dass sie auf etwas Irdisches gehofft haben sollten.
Von diesen allen wird gemeldet, dass sie so standhaft bei dem Bekenntnis Jesu Christi geblieben, dass sich auch der Richter darüber geschämt, weshalb er sie, um ein Ende damit zu machen, enthaupten ließ.



22.02.2019
Macar, Epimachus und Alexander,
Nachdem sie viel gepeinigt worden, werden zu Alexandria lebendig verbrannt, um das Jahr 253

Es war noch ein anderer frommer Christ, mit Namen Macar oder Macarius, von Geburt aus Lybien. Diesem ward von dem Richter mit vielen Worten angeraten, er solle Christus verleugnen, aber er hat um so viel mehr seinen Glauben allezeit standhaft bekannt.
Zuletzt hat der Richter befohlen, dass man ihn lebendig verbrennen solle, was auch geschehen ist.
Epimachus und Alexander sind nach dem Tode Macars nicht lange gefangen gewesen, sondern nachdem sie viel Pein und Schmerzen erlitten haben, nämlich mit Schermessern beschnitten, durch Geißeln zerrissen, an den empfindlichsten Gliedern ihres Leibes zerkratzt, sind sie endlich mit flammendem Feuer lebendig verbrannt worden.



21.02.2019
Julianus, ein alter Mann
Mit seinem Freunde Eunus auf einem Kamele sitzend herumgeführt, scharf gegeißelt und zuletzt lebendig verbrannt, um das Jahr 253

Es war an gemeldetem Orte zu derselben Zeit ein alter Mann, welcher wegen großer Gichtschmerzen nicht gehen konnte, sondern getragen werden musste, mit Namen Julianus, der von den Alten wegen seiner Tugend für einen sehr ehrwürdigen Mann begrüßt ward.
Dieser wird, laut des kaiserlichen Plakats, welches gegen die Christen herausgegeben war, von zweien, die ihn trugen, vor den Richter gebracht, um von seinem Glauben Rechenschaft zu geben.
Alsbald ist einer von denen, die ihn trugen, sich vor dem Verhör oder der Folterbank fürchtend, von dem Glauben abgefallen, weshalb wir seinen Namen nicht würdig achten, hierher zu setzen; aber der andere, mit Namen Eunus, ist sehr beständig, nebst dem alten Manne Julianus, der sein lieber Freund war, bei dem Glauben geblieben, daher beide, ungeachtet vieler schwerer Tormente, ein gutes Bekenntnis von selbst getan haben.
Hernach hat man beide nackend auf Kamele gesetzt und durch die ganze Stadt Alexandria, welche sehr groß ist, geführt, mit schweren Schlägen gegeißelt, und zuletzt vor ein großes und hoch brennendes Feuer gebracht, wo sie beide hineingeworfen und Angesichts einer großen Menge Volkes, welches rund herum stand, lebendig verbrannt wurden.



20.02.2019
Serapion von Ephesus
Ein frommer Mann zu Alexandria, um des Zeugnisses Jesu Christi willen zergliedert, hernach zum Fenster hinausgeworfen und getötet
im Jahre 252


Als die vorhergehende Blutdürstigkeit der Heiden zu Alexandria nicht aufhörte, sondern nur größer ward gegen diejenigen, welche den Namen Jesu Christi bekannten, so ist es geschehen, dass sie ihre Hände an einen frommen Christen mit Namen Serapion gelegt, welcher in Ephesus geboren war.
Diesen haben sie in seinem Hause zerrissen, ihm fast alle Glieder abgenommen, und zuletzt zum Fenster hinausgeworfen, worüber er nach vielen Tormenten, nachdem er seine Seele Gott befohlen, den Tod erlitten hat, und ist also unter die Zahl der beständigen und seligen Märtyrer gerechnet worden.



19.02.2019
Apollonia, eine betagte Tochter
Um der evangelischen Wahrheit willen nach vielen Tormenten lebendig verbrannt, zu Alexandria
im Jahre 252


Apollonia war eine betagte Jungfrau; diese haben die Feinde der Wahrheit gefangen genommen und ihr mit Fäusten und Backenschlägen alle Zähne aus dem Munde geschlagen.
Unterdessen haben andere ein großes Feuer mit Holz angemacht und ihr gedroht, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht die Götzen ehren und Christum verleugnen würde.
Aber dieser jämmerliche Tod hat sie nicht abgeschreckt und sie wollte lieber in das Feuer gehen (wie Gysius angeführt) und ihr zeitliches Leben verlieren, als von Christus abfallen und ihr zeitliches Leben mit Verlust ihrer Seele erhalten.
Angehend die Art ihres Todes und ihre große Festigkeit zu demselben, gibt Abr. Mellinus davon folgenden Bericht, indem er sagt:
Diese Jungfrau war verurteilt, verbrannt zu werden, oder den Namen Christi zu lästern; weil sie aber vor dem letzteren einen Abscheu hatte, wollte sie bezeugen, dass sie gern und willig für Christum sterben wollte.
Siehe Eusebius, Mellinus und Gysius in dem Buche und Bogen, wie über die Marter der Metrea und Cointha angemerkt ist.


18.02.2019
Cointha, eine gläubige Frau
Um des Zeugnisses des Sohnes Gottes willen zu Alexandria über die Straßen geschleift, an Mühlsteinen gerieben, mit Steinen beworfen
im Jahre 252


Darnach wurde eine ehrbare gläubige Frau mit Namen Cointha (oder Quinta, wie sie von andern genannt wird) ergriffen. Diese wird in einen Götzentempel gebracht, vor die Götzen gestellt und mit Gewalt genötigt, dieselben zu ehren.
Als sie aber die Götzen verabscheute und ihnen den Rücken kehrte, banden sie ihr die Beine zusammen und schleppten sie durch alle Straßen der Stadt Alexandria, schlugen sie mit Ruten und rieben ihren nackten Leichnam, wie etliche Schreiber angezeigt haben, an Mühlsteinen.
Da sie nun diese Frau lange genug geschleppt, geschlagen und gerieben hatten, sodass ihr Leichnam ganz zerrieben und zerrissen war, haben sie dieselbe zuletzt in die Vorstadt gezogen und daselbst mit einer Menge Steinen beworfen, sodass sie damit ganz bedeckt ward.



17.02.2019
Metras, ein gottesfürchtiger alter Mann
Um Christi willen zu Alexandria mit Rohr durchstochen und gesteinigt
im Jahre 252

Metras, sonst Metranus genannt, ein gottesfürchtiger alter Mann, wird von dem aufrührerischen Volke in Alexandria gefangen und ihm anbefohlen, lästerliche Worte gegen Gott zu sprechen, nämlich den Namen Gottes zu lästern, und den Seligmacher Jesum zu verleugnen.
Als er aber solches zu tun sich weigerte, haben sie ihn über seinen ganzen Leib mit Prügeln geschlagen, sein Angesicht und Augen mit scharfem Rohr zerritzt und durchstochen, und ihn also gemartert, zur Stadt hinausgeführt in die Vorstadt, wo sie ihn mit Steinen totgeworfen haben.



16.02.2019
Alexander von Jerusalem und Andere
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Jerusalem getötet
im Jahre 247



Alexander von Jerusalem, welcher daselbst ein Bischof der Gemeinde Christi gewesen, hat gleichfalls viel um der Wahrheit Christi willen gelitten.
Eusebius Pamphilus von Cäsarien schreibt, dass er um der Bekenntnis Christi willen vor den Richter gebracht, mit Ketten gebunden und in den Kerker geworfen worden.
Desgleichen schreibt er: Als sie diesen ehrwürdigen alten Mann öfters aus dem Kerker vor Gericht gebracht und wieder vor dem Richterstuhl in Ketten geschlossen, hat er allezeit in seinem Leiden und Pein Gott gedankt und zuletzt, wegen der unaussprechlichen Pein, seinen Geist aufgegeben.
Hist. Eccl., edit. 1588, Lib. 6, Cap. 29.
Diese Geschichte wird von P. I. Twisck auf das Jahr 247 gesetzt, wozu er dann nachfolgende Worte fügt: Es sind um diese Zeit viele Märtyrer gewesen in Alexandria, Judäa, zu Cäsarien, Antiochien und anderswo, welche mit ihrem Blute und Tode den christlichen Glauben bezeugt haben.



15.02.2019
Einige tausend Personen
Um der evangelischen Wahrheit willen an den Orten, wo sie versammelt, zu verschiedenen Zeiten auf Befehl Maximinus verbrannt
im Jahre 237


Die neue Kaisers Chronik erzählt eine grausame und schändliche Geschichte, welche dieser Kaiser Maximinus an den Christen begangen. Die Christen, sagt der Autor, wären in der Kirche oder ihren Versammlungsplätzen versammelt, ihren Seligmacher lobend. Sogleich schickte der Kaiser seine Kriegsknechte aus und ließ die Kirche oder die Versammlungsplätze schließen, darnach Holz darum legen und dasselbe mit Feuer anstecken, um alle Christen, die darin waren, zu verbrennen.
Ehe er aber das Holz anstecken ließ, zeigte er ihnen an, dass, wer herausgehen wollte und dem Abgotte Jupiter opfern, der sollte seines Leibes und Lebens Versicherung haben, und überdies noch von dem Kaiser begabt werden. Sie antworteten hierauf, sie wüssten nichts von dem Jupiter; Christus sei ihr Herr und Gott, bei dessen Namens Ehre und Anrufung sie leben und sterben wollten.
Es ist für ein besonderes Wunder zu achten, dass unter so vielen tausend Christen nicht einer gefunden worden, der da hätte begehrt draußen zu sein, um durch die Verleugnung Christi das Leben zu retten. Denn sie blieben alle einmütig beieinander; sie sangen und lobten Christus, solange als sie vor Rauch und Dampf die Zunge gebrauchen konnten.



14.02.2019
Irenäus, ein alter Lehrer
Um des Namens Jesu Christi willen nach vielen Martern getötet zu Lyon, in Frankreich
ungefähr im Jahre 210


Ireneus war seiner Herkunft nach ein Asianer, geboren bei Smyrna. In seiner Jugend begab er sich auf die Schulen und war ein Jünger von Polycarpus, welcher von dem Apostel Johannes zum Bischof der Gemeinde zu Smyrna eingesetzt war, und später auch ein Märtyrer geworden, wie wir bereits an seinem Orte gemeldet haben.
Nachher ward er, um seiner sonderlichen Geschicklichkeit willen, Bischof der Gemeinde zu Lyon in Frankreich, an Photoni Statt.
Seine Gelehrtheit war so beschaffen, dass ihn Eusebius unter allen Gelehrten vor und in seiner Zeit das meiste Lob beilegt.
Tertullianus nennt ihn den ausgezeichnetsten Untersucher der Gelehrtheit.
Hieronymus sagt, dass er ein apostolischer Mann gewesen, der nahe bei der Apostel Zeiten gelebt habe.
Epiphanius gibt ihm den Titel eines heiligen und alten Gottesgelehrten, ja eines Nachfolgers der Apostel.
In dem Hause des Herrn war er so getreu in seinem Dienste, dass er nicht allein über die Gemeinden zu Lyon, woselbst er Bischof gewesen, und andere Gemeinden in Frankreich, sondern auch selbst über etliche Gemeinden in Asien und Phrygien, der oberste Sorgeträger gewesen.
Von seinem Tode haben uns die alten Geschichtsschreiber nicht viel Bescheid mitgeteilt, noch von der Zeit, in welcher er starb, viel weniger von der Art seines Martertums. Doch fanden wir gleichwohl hiervon folgende Worte:
Als unter Severus die Verfolgung gegen die Christen in allen römischen Landschaften ins Leben trat, da ward durch des Kaisers Befehl die Stadt Lyon mit Soldaten umringt, und alle Christen, welche darin waren, mit dem Schwerte getötet oder enthauptet; doch ist besonders ihr alter Hirte, Irenäus, fleißig aufgesucht worden, und als man ihn gefunden, ist er durch mancherlei Marter hingerichtet, und durch Zacharia, seinem Ältesten, begraben worden.
Ex Actis Procon. perditis hoc tantum exat. Adr. Martyrol.
28. Jun. A. Mellin., Hist. der Verfolg. und Mart., gedruckt 1619, Fol. 59, Col. 3, und Fol. 60, Col. 1. Item Hieron. Epist. 84, ad Magnum, et 29, ad Theodorum Eused., Lib. 4, Cap. 20. Tertull., Lib. contra Valent., Cap. 5. Hieron., Epist. 29, ad Theodorum et in Cat. Epiph., Haere., 24 et 31. Item Joh. Gys., Hist. Mart., gedruckt im Jahre 1657, Fol. 18, Col. 3–4. Ferner P. I. Twisck, Chron., das 3. Buch über das Jahr 210, den 28. Juni, Pag. 56, Col. 1, woselbst er folgende Worte hinzufügt und sagt:
Den 28. Juni im Jahre 210 ist der Bischof Irenus (er willen sagen Irenäus) in der fünften Verfolgung mit vielen Brüdern um des Bekenntnisses Christi willen getötet worden.
Er sagt von des Herrn Abendmahl: Daselbst ist etwas Himmlisches und Irdisches; das Irdische ist Brot, welches dem Leibe zur Nahrung dient, und weiset uns auf das Himmlische an, d. i. Christus mit seinen Verdiensten, welches ist die Speise der Seelen.
Er schreibt über die Offenbarung Johannis, dass der Antichrist in der lateinischen, d. i. in der römischen Kirche aufkommen, und dass er ein Römer sein soll.
Der Antichrist ist nämlich ein Dieb und Abgefallener, welcher als Gott angebetet sein will; und obschon er ein Dienstknecht ist, will er doch als König bekannt gemacht sein.


13.02.2019
Basilides, welcher aus einem Scharfrichter ein Christgläubiger wird Um des Namens Jesu Christi willen zu Alexandria enthauptet
ungefähr im Jahre 204



Nicht lange nach dem Tode Potamienä, welche mit der obengenannten Rhais und Marcella getötet worden, hat sich einer von den Scharfrichtern, welche sie zu Tode gebracht, mit Namen Basilides, zum christlichen Glauben bekehrt.
Denn, schreibt Eusebius, als er unter seinen Mitgesellen war, und man ihm um einer sonderlichen Sache willen einen Eid abforderte, so sagte er, dass er nicht schwören dürfe, weil er ein Christ sei, und bekannte solches öffentlich vor ihnen.
Da sie solches hörten, meinten sie anfangs, dass er solches nur scherz- und spottweise sagte; da er aber standhaft blieb und zeugte, dass es sein Ernst war, ward er gefangen und in das Gefängnis gelegt.
Als nun einige der Brüder kamen, ihn zu besuchen und fragten, woher es komme, dass er so schnell verändert sei, so hat er sie nach besten Kräften hierüber beruhigt.
Als sie solches gehört, gaben sie ihm des Herrn Zeichen, er wird in Christi Namen getauft. Am andern Tage aber ward er um des Bekenntnisses des Herrn willen enthauptet.



12.02.2019
Zwei Jüngerinnen Origenis, Rhais und Marcella
Um des Glaubens an Jesum Christum willen zu Alexandria
lebendig verbrannt
ungefähr im Jahre 204


Unter Origenes Jüngern, welche Märtyrer geworden, werden auch einige Frauenspersonen als getreue Märtyrerinnen gemeldet. Von solchen wollen wir nur zwei anführen. Die eine hieß Rhais, die andere Marcella, welche ihren Glauben und ihr Leben, als geläutertes Gold, im Feuer probieren ließen.
Rhais war noch eine Catechismus-Schülerin, d. i. eine solche, welche unterwiesen wurde, um getauft zu werden, und hatte deshalb ihren Glauben noch nicht mit Wasser versiegelt; doch wird sie, wie Origenes selbst bezeugt, mit Feuer getauft, d. h. lebendig verbrannt.
Marcella war Potamienä Mutter, welche bei den Alten sehr gerühmt worden, dass sie um des Glaubens willen ihr Leben auch mit gelassen habe; aber um gewisser Reden willen, welche sie zu Basilides, dem Scharfrichter, gesprochen, lassen wir sie unberührt.
Diese wird, nachdem sie mit großer Standhaftigkeit unerträgliche und schreckliche Marter ausgestanden, mit Feuer und Flamme allmählich verzehrt und zu Asche verbrannt, und hat also das zeitliche Leben mit dem ewigen verwechselt.



11.02.2019
Fünf Jünger des Origenes, nämlich Plutarchus, Heraclides, Hero, nebst zwei Männern, beide Serenus genannt
Zu Alexandria in Ägypten um des Glaubens willen getötet, ungefähr im Jahre 203

Zu dieser Zeit war Origenes, obwohl er erst achtzehn Jahre alt war, ein Lehrer des Glaubens zu Alexandria in Ägypten, wo er mit solchem Nachdruck gelehrt, nicht allein mit Christo anzufangen, sondern auch mit ihm zu sterben, dass viele seiner Jünger ihr Leben für die Wahrheit Christi gelassen haben.
Unter denselben werden mit Namen genannt: Plutarchus, Heraclides, Hero, nebst zwei Männern, beide Serenus genannt. In Betrachtung ihres Leidens und Todes, so hat sich’s also zugetragen: Origenes, der Lehrmeister dieser frommen Leute, hatte die Gewohnheit zu den Märtyrern, welche um des Namens Jesu willen litten, in die Gefängnisse zu gehen, um dieselben in dem Glauben zu stärken. Ja, er stand auch bei ihnen, wenn sie ihre letzte Verantwortung taten und das Todesurteil empfingen, und gab ihnen zum Abschiede den Kuss des Friedens, zum Zeichen seiner herzlichen Liebe.
Als es sich nun zutrug, dass Plutarchus, sein lieber Jünger, zum Tode geführt wurde, hat er (nach seiner Gewohnheit) ihn getröstet, worüber er von der wütenden Menge totgeschlagen worden wäre, wenn ihn die göttliche Vorsehung nicht beschirmt hätte. Als dieses geschehen war, wurde vorerwähnter Plutarchus um des Namens Christi willen getötet und starb als ein Märtyrer.
Nach dem Tode des Plutarchus wurde der erste von den zwei Männern, Serenus genannt, hervorgebracht und mit Feuer verbrannt; sein Glaube ward, wie bezeugt wird, durch Feuer geläutert, obwohl er noch ein Katechismus-Schüler, das ist, ein solcher
gewesen, welcher, obwohl er unterwiesen worden, dennoch die Taufe noch nicht empfangen hatte.
Der dritte von diesen Märtyrern ward Heraclides genannt, von welchem eben dasselbe bezeugt wird, was von Serenus
gemeldet worden, betreffend seinen Glauben, nämlich, dass er noch unterwiesen wurde, und noch nicht getauft war, sondern in der Zubereitung stand, hat also seinen Glauben nicht mit Wasser, sondern mit seinem Blute bezeugt, und ist mit einem Beile enthauptet worden.
Der vierte, welcher um denselben Glauben getötet worden, war Hero, welcher ein Neuling im Glauben genannt wird, das ist, nämlich ein solcher, der den Glauben durch die Taufe angenommen; dieser ward gleicher Weise mit dem Beile enthauptet, und hat seine Seele in die Hände Gottes befohlen.
Nebst den vorhergehenden Märtyrern wird noch der fünfte genannt, welches der zweite von oben genannten Märtyrern ist, mit Namen Serenus. Dieser wird, nach vielen und schweren Peinigungen, als er nicht abweichen wollte, ebenso wie die zwei vorhergehenden enthauptet; und hat also mit seinen getöteten Mitbrüdern ein seliges Ende genommen.



10.02.2019
Leonides, der Vater des Origenes
Zu Alexandrien in Ägypten um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet
ungefähr im Jahre 202



Leonides, der Vater des Origenes, ist, nach dem Zeugnisse Suida, ein Bischof der Gemeinde Christi gewesen, und ist mit ein Märtyrer geworden zu Alexandria in Ägypten.
Angehend sein Gefängnis, Leiden und Tod, solches hat sich so zugetragen: Als meistens aus allen Städten und Dörfern in Ägypten und Thebais christliche Streiter, das ist Märtyrer, gebracht wurden, um für den Namen Christi zu leiden und zu streiten, so ist Leonides auch einer von denselben gewesen, welche nach Alexandrien, der Hauptstadt von Ägypten, gefänglich eingebracht wurden.
Als er eine Zeitlang im Gefängnisse gehalten wurde, hat ihm sein Sohn Origenes, welcher damals erst siebzehn Jahre alt war, einen tröstlichen Brief gesandt, worin er ihn zur Standhaftigkeit ermahnt, und schreibt unter anderem also:
Sei stark, mein Vater, in dem Herrn, ertrage tapfer das dir bevorstehende Leiden und wollest ja um unseretwillen dir nichts anderes vornehmen zu tun.
Er wollte sagen: O Vater, wollest doch um deine Hausfrau, unsere liebe Mutter, und deine sieben geliebten Kindlein, wovon ich der älteste bin, nicht allzu sehr betrübt oder wankelmütig sein, dass du aus Geneigtheit zu uns solltest deinen getreuen Seligmacher verlassen.
Dieses war der kurze Sinn desselben Briefes, welchen Origenes an seinen Vater geschrieben, welcher eine so heilsame Arznei dem betrübten Gemüte seines Vaters gewesen ist, dass er sich vornahm, seinem Seligmacher zu Ehren den Tod geduldig zu leiden.
Endlich ward er verurteilt, um enthauptet zu werden, und alle seine Güter wurden der Schatzkammer des römischen Reiches heimgeschlagen, welches auch geschehen ist zur Zeit des Kaisers Severus, ungefähr im Jahre 201.


09.02.2019
Perpetua und Felicitas von Tuburbi in Mauritanien und andere mehr
Um des Glaubens des Sohnes Gottes willen mit Gewalt getötet
ungefähr im Jahre 201



Perpetua und Felicitas sind zwei sehr gottselige, ehrbare und christliche Frauen zu Tuburbi, einer Stadt in Mauretanien, einer Landschaft in Afrika, gewesen.
Diese beiden sind ganz zur Unzeit gefangen worden, um für den Namen Christi zu leiden. Denn Felicitas war hoch schwanger und Perpetua hatte unlängst geboren, sodass sie ihr junges Kindlein säugte; doch sind sie um deswillen nicht erschrocken noch kleinmütig geworden, dass sie Christum hätten verleugnet, viel weniger in dem Wege der Gottseligkeit fortzugehen verhindert worden, sondern ebenso wohl getreue Jüngerinnen Christi geblieben und standhafte Märtyrerinnen geworden.
Mit der schwangern Frau hat man (zufolge der römischen Gesetze) gewartet, ehe man sie verurteilt und getötet, bis sie geboren hatte.
Als ihr nun in dem Gefängnis ihre Geburtswehen ankamen und sie vor Bangigkeit und Beängstigung schrie, sagte der Kerkermeister zu ihr: Du bist nun so bange und beängstigt, und schreiest so sehr vor Pein, wie wirst du dich da gehaben, wenn du morgen oder übermorgen den Tod erleiden sollst?
Felicitas antwortete darauf also: Nun leide ich als eine arme Frau die Strafe, die Gott der Sünde wegen dem weiblichen Geschlechte auferlegt hat; aber morgen werde ich als eine christliche Frau leiden um des Glaubens und Bekenntnisses Jesu Christi willen.
Mit welchen Worten sie genugsam zu erkennen gab, dass sie ihren Glauben fest und unbeweglich auf Christum gegründet habe, welcher die Seinen nimmermehr verlässt, auch wenn sie mitten im Feuer stehen und verbrannt werden.
Auch ward sie sonderlich von Gott gestärkt, um das Leiden zu ertragen. Hiervon sagt Tertullian also: Perpetua, die starke und standhafte Märtyrerin, hat auf den Tag ihres Leidens eine Offenbarung oder Gesicht gehabt von dem himmlischen Paradies, in welchem sie sonst niemand gesehen, als diejenigen, welche aus gleiche Weise gemartert worden sind; und warum doch keine anderen? Nämlich darum, weil das feurige Schwert, welches die Türe des Paradieses bewahrt, keinem andern weichet als denen, welche um Christi willen sterben.
Unterdessen sind diese zwei frommen Heldinnen Jesu Christi für den Namen ihres Seligmachers gemartert, das ist, mit einem gewaltsamen Tode hingerichtet worden; um welcher Ursache willen ihnen auch zu seiner Zeit der unverwelkliche Kranz der Unsterblichkeit wird aufgesetzt werden, als ein Siegeszeichen über den Streit, darin sie hier überwunden haben, nämlich über des Todes Pein und Grausamkeit.
Die übrigen, welche mit ihnen sind gemartert worden, heißen Revocatus, Satyrus, Saturninus und Serandulus. Es wird dafür gehalten, dass der Letzte in dem Gefängnisse von allzugroßer Beschwernis gestorben sei, sonst sind die andern alle vor die wilden Tiere geworfen worden, nämlich vor die Stiere, Löwen, Bären, Leoparden, um von denselben zerrissen zu werden. Also haben denn auch diese ihr liebes Leben um Christi willen mit dem Tode verwechselt.
Idem, Fol. 56, Col. 3–4, ex August. in Ps. 74, et de Tempore Barbarica Cap. 5. Beda Usuard., Ado Martirol. Rom. 7. Martin Item L. Pregnatis de Pen. Item, in antiquo Lectionario. Item, Tertull. de Anima, Cap. 5. Dass die toten Leichname der vorgemeldeten zwei Frauen nach Carthago gebracht und allda begraben, bezeugt Victor Uticencis Pers. Vand. Lib. 1.



08.02.2019
Mavilus
Ein frommer Christ von Adrumetum, zu Carthago von wilden Tieren zerrissen
ungefähr im Jahre 201


Tertullianus schreibt eine sehr offenherzige Vermahnung und Warnung wegen des bevorstehenden Zornes Gottes über alle Verfolger der Christen an den Statthalter von Carthago, namens Scapula, welcher an Vigellius Saturninus (der um der Verfolgung willen, welche er gegen die Christen ausgeübt hatte, durch Gottes gerechtes Urteil mit Blindheit geschlagen ward) Stelle getreten, auch mit eins den Fußstapfen seiner Grausamkeit nachgefolgt ist.
Denn er hat zur Stunde gleich beim Eintritt und Huldigung seiner Landpflegerschaft einen sehr frommen Christen von Adrumetum, einer Stadt in Afrika, Mavilus genannt, sehr grausam zu den wilden Tieren verurteilt. Dieser hat, obwohl durch einen harten Tod, doch ein seliges Ende genommen.
Auf dessen Tod sind zur Stunde große Plagen von dem Herrn über die Stadt Carthago, woselbst der Statthalter Hof hielt, ausgesandt worden, nämlich: Schwere Schlagregen, hohe Wasserfluten, schreckliche Donnerschläge, Feuerzeichen in der Luft.



07.02.2019
Rutulius
Nachdem er lange geflüchtet, wird er um des Zeugnisses Jesu willen auseinander gerissen und darnach mit Feuer verbrannt,
ungefähr im Jahre 201


Rutulius, der sehr heilige Märtyrer, sagt Tertullianus, welcher so manches Mal von einem Ort an den andern um der Verfolgung willen geflohen, ja die Todesgefahr, wie er meinte, selbst mit Geld abgekauft hatte, nachdem er sich genugsam mit Freibriefen versehen hatte und nun getrost und ohne Sorge war, wird nichtsdestoweniger unvermutet ergriffen und vor den Präsidenten gebracht, mit allerlei Tormenten auseinander gedehnt und zerrissen und hernach dem Feuer übergeben, also hat er das Leiden, welchem er zu entgehen gesucht, der Barmherzigkeit Gottes dankend, bezahlt.
Dieser Rutulius, schreibt Abr. Mellin., ist irgendwo in Afrika gemartert worden, in dem 1. Buche der Historie der Verfolgung, gedruckt im Jahre 1619, Fol. 55, Col. 1, aus Tertull. de Fuga in Persecutione, Cap. 5 in Fine.



06.02.2019
Alexander von Phrygien
Erstlich um des Bekenntnisses des Sohnes Gottes willen erschrecklich gepeinigt und hernach mit dem Schwert getötet an dem Wasserstrome Rhone
ungefähr 172


Von den alten Schreibern wird auch ein gewisser frommer Mann mit Namen Alexander erwähnt, ein Arzt, aus Phrygien von Geburt, welcher auf denselben Tag, als der zuvor erwähnte Attalus sein Leben ließ, an demselben Orte auch ist getötet worden.
Von der Ursache seiner Gefangenschaft und seines Todes wird bezeugt, nämlich: Als Attalus, nebst mehreren anderen Christen, verhört wurde, stand dieser Alexander aus Phrygien um den Richterstuhl, hat mit Winken und anderen Zeichen die Christen, welche ihre Verantwortung und Bekenntnis vor dem Richter ablegten, sonderlich gestärkt und ihnen einen Mut gemacht, zu dem Ende, dass sie sollten bei der angenommenen Wahrheit Stand halten.
Als nun das umstehende Volk hierüber murrte, wird berichtet, dass er gefangen worden sei und auf Befragen, wie er gesinnt sei, geantwortet hat: Ich bin ein Christ, und machte eben dasselbe Bekenntnis, welches auch Attalus und die übrigen Gefangenen, die vor dem Gericht standen, getan hatten. Hierüber wird er stehenden Fußes nach dem runden Schauplatz verwiesen, um alsbald, nebst den andern, von den wilden Tieren zerrissen zu werden, dahin er denn gebracht wird; aber die Vollziehung des Urteils auf diesen Tag wird noch verschoben und bis auf den nächstkommenden festgestellt.
Des andern Tages wird er hervorgebracht, um mit den Bestien zu kämpfen; doch wird er zuvor über alle Maßen mit allerlei Scharfrichtergerätschaften gepeinigt, wobei er sich so tapfer verhielt, dass man ihn nicht einmal seufzen oder das geringste Wörtchen klagen gehört, ja man konnte an ihm nicht ein einziges Zeichen der Betrübnis oder des Schmerzes bemerken, ohne dass er in seinem Herzen zu Gott redete.
Zuletzt, anstatt mit den wilden Tieren zu kämpfen, wird er mit dem Schwerte hingerichtet und hat also die Wahrheit des Sohnes Gottes, welche er verteidigte, mit seinem Blute versiegelt.



05.02.2019
Attalus
An dem Wasserstrome Rhone in einem eisernen Stuhle gebraten, vor die wilden Tiere geworfen, hernach ihm die Kehle abgestochen und enthauptet
ungefähr im Jahre 172

Zur Zeit, als der grausame Gewissenszwang unter den Kaisern Marcus Aurelius und Lucius Verus fortgesetzt ward und nicht aufhörte, um welcher Ursache willen diejenigen, welche nach ihrem Glauben suchten christlich zu leben, mit viel Pein und Tormenten ihr Leben gelassen, so ist es geschehen, dass ein gewisser frommer Christ, genannt Attalus, um des Namens Jesu, seines Seligmachers willen, gefangen genommen, sehr unmenschlich gepeinigt, sogar dass er in einem eisernen Stuhle über das Feuer gesetzt und gebraten ward.
Als er gefragt wurde, was der Christen Gott für einen Namen habe, antwortete er: Wo viele Götter sind, da werden sie mit Namen unterschieden; wo aber nur ein Gott ist, da bedarf es keines Namens.
Zuletzt wird er auf den Tierplatz gebracht, um zerrissen zu werden. Als aber die wilden Tiere (es sei durch Gottes Schickung, oder weil sie genugsam gesättigt waren) ihn nicht anrührten, also dass sie weder Klauen noch Zahn an ihn schlugen, wird ihm daselbst nebst andern frommen Märtyrern die Kehle abgestochen. Einige schreiben, er sei daselbst enthauptet worden.



04.02.2019
Betius
Mit dem Zunamen Pagatus, an dem Wasserstrome Rhone in Frankreich getötet
ungefähr im Jahre 172

Nota – Der Anfang dieser Verfolgung der Christen zu Lyon und Vienne an dem Wasserstrome Rhone, wird von Joh. Gysius auf das Jahr 179 gesetzt, andere bewährte Schreiber aber stellen denselben auf das Jahr 172; dieses mag bemerkt werden.
Damals hat auch an dem Wasserstrome Rhone, zu Lyon und Vienne in Frankreich, die Verfolgung gegen die Christen nicht aufgehört, sondern je länger, je mehr zugenommen, sodass man denjenigen, die den Namen Christi bekannten, zuerst ihre Häuser verbot, darnach ihre Badestuben und alsdann alle öffentlichen Plätze, dass sie sich weder in ihren Häusern, noch in der Stadt oder draußen mehr aufhalten konnten, welches ihnen eine Ursache zu vielem Leiden gewesen.
Also ist es geschehen, dass, als einige Brüder der Gemeinde Gottes daselbst gefangen und vor den Präsidenten zum Verhör gebracht wurden, ein gewisser Bruder, Vetius genannt, mit dem Zunamen Pagatus, jung von Jahren, aber alt und stark in dem Glauben, mit Freimütigkeit hingegangen ist und sich vor dem Richter offenbart hat, zur Rechtfertigung der gefangenen Christen, welcher Sache er sich unterstand und annahm zu verteidigen.
Als der Richter seine Vorsprache gehört, gab er ihm eine abschlägige Antwort und fragte ihn, ob er auch ein Christ (oder Christgläubiger) wäre, worauf er offenherzig bekannte, dass dem also wäre. Hierauf wurde er gleich unter die christlichen Märtyrer aufgeschrieben und der Christen-Vorsprecher genannt.
Er war so fromm und tugendhaft in seinem Leben, dass ihn Eusebius Pamphilus nennt: Erfüllt mit feuriger und göttlicher Liebe des Geistes, ja bezeugt, dass er eine vollkommene Liebe zu Gott hatte, und gegen alle Menschen aufrichtig gewesen, dass auch sein Leben, obwohl er ein Jüngling war, also bewährt und angenehm gewesen, dass er’s vielen Alten zuvor täte, angesehen er gerecht und unsträflich nach Gottes Geboten lebte, und allezeit bereit war zum Dienste der Diener Gottes.
Endlich wird bezeugt, dass er dem heiligen Lehrer Zacharias nachgefolgt, welcher an den heiligen Märtyrern vollkommene Liebe bewiesen, denselben beigestanden und sie unterhalten hat; desgleichen auch, dass er nach dem Exempel Jesu, seines Seligmachers, sein Leben für seine Schafe und Freunde dahin gegeben, das ist, dass er aus Liebe zur Gemeinde Gottes und um derselben ein gutes Vorbild zu sein, mit Standhaftigkeit sein Leben für die Wahrheit gelassen.



03.02.2019
Germanicus
Ein sehr frommer Mann
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Smyrna in Kleinasien von den wilden Tieren zerrissen im Jahre 170


In P. J. Twisck’s Jahresgeschichten wird auf das Jahr nach der Geburt Christi 170 diese Beschreibung gefunden.
Germanicus, samt mehreren anderen lieben Freunden Gottes, hat um des Namens Christi willen schwere Verfolgungen und Marter ausstehen müssen und ist zuletzt den wilden Tieren vorgeworfen worden, da er also sein Leben freiwillig geendigt.
P. J. Twisck’s Chronik, das 2. Buch von dem Unterg., gedruckt im Jahre 1617, Pag. 46, Col. 1, aus Eusebius, Buch 4.
In Betreff der Ursache seiner Bekehrung, Leiden und Tod, melden andere Geschichtsschreiber folgendes: Nachdem die Umstehenden, als die Christen sehr jämmerlich getötet wurden, vor Augen sahen, dass das Fleisch der Blutzeugen Christi durch vieles Geißeln und Schlagen bis auf die innersten Adern und allertiefsten Nerven zerkratzt und abgerissen, sodass man das Eingeweide und die allerverborgensten Glieder sich bewegen sehen konnte, und dass die Peiniger alsdann zerbrochene Topfscherben, Seemuscheln, ja Fußangeln ausstreuten, worauf sie die Christen, welche also gemartert waren, mit ihren nackten Leibern herumwälzten, schleppten und darauf drückten, zuletzt aber die nackten Menschen, die von den vorhergehenden Tormenten kaum länger leben und Atem holen konnten, noch den wilden Tieren vorwarfen, um zerrissen zu werden, als nun die Zuschauer dieser betrübten Schauspiele sahen, dass man so unmenschlich mit den Menschen umging, und im Gegenteile die leidenden Christen die Marter so geduldig ertrugen, verwunderten sie sich sehr und erschraken darüber.
Unter diesen ist der vorgemeldete Germanicus gewesen, welcher durch die Gnade Gottes dermaßen gestärkt wurde, dass er die natürliche und angeborene Schwachheit seines Gemüts, welches den leiblichen Tod sehr zu fürchten pflegte, so kräftig überwunden hat, dass er wegen seiner sonderbaren Standhaftigkeit wohl für einen der vornehmsten Märtyrer konnte gehalten werden.
Denn als der Statthalter ihn zu überreden und durch süße Worte zu bewegen suchte, dass er doch die Blüte seines jungen Lebens verschonen möchte und sich über sich selbst erbarmen, so hat er diesen Rat verachtet und sein junges Leben nicht zu teuer angesehen, um seines Herrn Jesu Christi willen.
Hernach wird von den alten Schreibern gemeldet, wie die wilden Bestien auf ihn losgelassen wurden und wie er mit großer Begierde von ihnen verschlungen zu werden verlangte, auf dass er möchte von dem Leibe des Todes und der Sünde erlöset werden. Daher sich auch sowohl Juden wie Heiden, welche dabei standen, sehr über ihn verwunderten.
Also ist denn dieser fromme Zeuge des Sohnes Gottes mit standhaftem Gemüt durch den Tod aus diesem Leben geschieden, und mit Christo, seinem Blut-Bräutigam und Seligmacher, vereinigt worden



02.02.2019
Polycarp
Ein Jünger des Apostels Johannes, Bischof der Gemeinde zu Smyrna Durch Feuer und Schwert getötet wegen seinem Glauben an den Sohn Gottes
im Jahre 168




Man liest in der Offenbarung Johannes, dass der Herr seinem Diener Johannes befahl, dass er sollte etliche Dinge an
den Engel schreiben (das ist an den Bischof oder Lehrer) der Gemeinde zu Smyrna, beides zur Ermahnung für den Lehrer, als auch zum Dienste der Gemeinde, wenn er sagt:
»Schreibe dem Engel der Gemeinde zu Smyrna: Dieses sagt der Erste und der Letzte, der tot gewesen und der lebt. Ich weiß deine Werke, deine Trübsal, deine Armut. Fürchte dich vor derer keinem, das du leiden wirst; siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.« (Offb 2,8–10)
Diese Worte des Herrn Jesum drücken aus, dass die Gläubigen zu Smyrna samt ihren Lehrern in Trübsal und Armut gewesen, und dass noch mehr Leiden auf sie gewartet; deshalb ermahnt er sie zur Standhaftigkeit, und verheißt ihnen die Krone des Lebens zu geben.
Was nun den Lehrer derselben Gemeinde angeht, so wird er meistens von den alten Schreibern Polycarp genannt und dabei gemeldet, dass er ein Jünger des Apostels Johannes gewesen sei, welchermaßen er Johannes hatte gehört das Wort Gottes predigen und mit denjenigen Umgang gehabt, welche den Herrn Jesum Christum persönlich gesehen und mit ihm Umgang gehabt; desgleichen auch, dass ihn Johannes zu einem Bischof oder Aufseher der Gemeinde zu Smyrna eingesetzt habe.
Das Leiden ferner, wovon der Herr sagt, dass es ihn und die Gemeinde betreffen würde, hat eine Zeitlang hernach seinen Anfang genommen, also dass dieser gute Hirte ist vorangegangen, welchem viele Schafe, von seiner Herde getreulich nachgefolgt sind. Wiewohl unser Vorhaben ist, hier nur von dem Hirten, nämlich Polycarp, zu sprechen.
Drei Tage zuvor, ehe er gefänglich eingezogen und zum Tode verurteilt wurde, wird gemeldet, dass er mitten im Gebete vom Schlaf überfallen worden, er im Traume ein Gesicht gesehen, als ob das Hauptkissen, worauf er mit seinem Haupte schlief, schnell von der Flamme des Feuers angesteckt und verbrannt sei; worauf er sehr schnell aufgewacht und geurteilt, dass er um des Namens Christi willen noch mit flammendem Feuer verbrannt werden würde.
Als nun diejenigen, welche ihn zu fangen suchten, nahe zu ihm gekommen waren, haben seine Freunde ihn zu verbergen gesucht und ihn in einen andern Hof gebracht, er ist aber doch kurz darnach von seinen Verfolgern daselbst gefunden worden.
Denn sie ergriffen zwei Knaben, welche sie durch Geißeln nötigten zu sagen, wo Polycarp wäre; und obwohl er leicht aus der Kammer, worin er war, in ein anderes Haus hätte entrinnen können, welches nahe dabei stand, so hat er dies doch nicht gewollt, sondern gesagt: Der Wille des Herrn geschehe.
Unterdessen ging er die Treppe hinunter, seinen Verfolgern entgegen, welche er so freundlich empfing, dass diejenigen, welche ihn vorher nicht gekannt hatten, mit Jammer des Herzens sagten: Ist es nötig, dass wir so eilen, einen solch alten Mann zu fangen.
Alsdann hat Polycarp die Tafel zurichten lassen und diejenigen, welche ihn fingen, herzlich genötigt zu essen und ersuchte sie, dieweil sie aßen, ihm eine Stunde Zeit zu gönnen, um ungehindert in der Stille beten zu können, welches ihm auch von denen, die ihn gefangen hatten, bewilligt wurde.
Als er nun sein Gebet geendigt und die Stunde verflossen, in welcher er seinen Stand erwogen, auch die Gemeinde, darüber er zum Lehrer gesetzt war, Gott und seinem Seligmacher anbefohlen hatte, so haben ihn die Trabanten auf einen Esel gesetzt und auf den Sabbattag des großen Festes nach der Stadt geführt.
Nicetas samt seinem Sohne Herodes, genannt der Friedefürst, ritten ihm entgegen, nahmen ihn vom Esel ab, ließen ihn zu sich auf ihren Kutschwagen setzen, und suchten auf solche Weise ihn von Christo abfällig zu machen, sagend: Was ist daran gelegen, wenn du nur sagst: Herr Kaiser, und dass du für ihn opferst oder räucherst, um dein Leben zu erhalten.
Hierauf hat Polycarp zuerst gar keine Antwort gegeben; als sie aber auf ihrer Frage bestanden und eine Antwort begehrten, sagte er endlich: Ich werde dasjenige nimmermehr tun, wie ihr von mir begehrt und mir ratet.
Da sie nun sahen, dass er in seinem Glauben unbeweglich war, fingen sie an, ihn zu lästern, und stießen ihn sobald vom Wagen, dass er durch diesen Fall sein Bein schwer verwundete; doch ließ er’s nicht merken, dass er durch diesen Fall verletzt wurde, denn als er aufstand, übergab er sich den Trabanten ganz willig, ließ sich nach dem Gerichtsplatz führen, und eilte selbst so schnell davon, als ob ihm nichts mangelte.
Sobald nun, als Polycarp in die Laufbahn oder den Schauplatz gekommen, wo er sollte hingerichtet werden, kam eine Stimme zu ihm, die sagte: O Polycarp, sei stark und tapfer in deiner Bekenntnis und bevorstehendem Leiden. Es hat niemand denjenigen gesehen, der diese Stimme geredet hat, wiewohl sie viele von den umherstehenden Christen gehört haben; doch konnten die meisten von der Menge um des großen Aufruhrs willen, dieselbe nicht hören, wiewohl solches zur Stärkung Polycarps und derer, die sie gehört, gedient hat.
Der Statthalter ermahnte ihn, mit seinem hohen Alter Mitleiden zu haben, bei des Kaisers Glück zu schwören und Christum zu verleugnen.
Hierauf gab Polycarpus die freimütige Antwort: Ich habe nun meinem Herrn Christo 86 Jahre lang gedient, und er hat mir bisher kein Übels bewiesen, wie sollte ich meinen König, der mich bis jetzt vor allem Übel bewahrt und so treulich erlöst hat, verleugnen können?
Hierauf drohte ihm der Statthalter, ihn von wilden Tieren zerreißen zu lassen, sofern er nicht von seinem Vornehmen abstehen würde und sagte: Die Bestien sind hier bereit, welchen ich dich vorwerfen lassen, es sei denn, dass du dich in Zeiten bekehrest.
Polycarp antwortete unerschrocken: Lasset sie herkommen, denn mein Sinn ist unveränderlich; durch Leidwesen können wir uns nicht bekehren (oder verkehren) von dem Guten zu dem Argen; aber es wäre besser, dass sie, die nämlich Böses tun, sich zu dem Guten bekehren, die doch in ihrer Bosheit verharren.
Hierauf sagte der Statthalter abermals: Ist es dir noch nicht leid? Verachtest du die wilden Tiere, so will ich dich mit Feuer verbrennen.
Polycarpus antwortete noch einmal und sagte: Ihr droht mir mit dem Feuer, welches etwa eine Stunde lang brennt aber kurz darauf erlöscht; aber ihr kennt nicht das Feuer des ankommenden Urteils Gottes, welches zu ewig dauernder Strafe und Peinigung der Gottlosen bereitet ist, und bewahret wird.
Aber was zaudert ihr, bringt schlechterdings die Bestien her, oder das Feuer, oder sonst etwas, was euch beliebt, und ihr sollt durch keines von allen mich bewegen, dass ich Christum meinen Herrn und Seligmacher verleugnen sollte.
Als ihn endlich das Volk zum Tode forderte, ist er, um verbrannt zu werden, von dem Statthalter überliefert worden. Hierauf ward alsbald ein großer Haufen Holz, Wellen und Hobelspäne zusammengebracht, und als solches Polycarp sah, hat er sich selbst entkleidet, auch seine Schuhe ausgezogen, um also außer einigen Kleidern auf das Holz gelegt zu werden.
Da nun dieses getan ward, sollten die Schergen auch Hand an ihn legen, und ihn also auf das Holz festnageln; er aber sprach: Lasset es also sein, derjenige, welcher mir Kraft gegeben, des Feuers Pein zu ertragen, wird mich auch stärken, dass ich in dem Feuer kann stille halten, obschon ich von euch nicht auf das Brandholz festgenagelt werde.
Hierauf haben sie ihn nicht mit Nägeln auf das Holz festgemacht, sondern ihm allein die Hände übereinander auf den Nacken gebunden.
Nachdem er also zum Brandopfer, und gleichwie ein Osterlämmlein auf das Holz niedergelegt ward, hat er sein Gebet zu Gott gesprochen auf folgende Weise und gesagt: O Vater deines geliebten und gesegneten Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen wir die seligmachende Erkenntnis deines heiligen Namens empfangen haben: Du Gott der Engel und Macht und aller Kreaturen; aber insonderheit aller Gerechten, die vor deinem Angesicht leben! Ich danke dir, dass du mich zu diesem Tag und diese Stunde berufen, und würdig erkannt hast, dass ich auch mit einen Teil und Platz unter der Zahl der Märtyrer haben mag, und an dem Trinkbecher des Leidens Christi, auf dass ich mit ihm leide und also seiner Schmerzen teilhaftig werde: Ich bitte dich, dass du mich heute wollest vor deinem Angesicht aufnehmen als ein fettes Opfer unter die Zahl deiner heiligen Blutzeugen und Märtyrer, gleichwie du allein, o wahrhaftiger Gott, welcher nicht lügen kann, mich davor dazu bereitet, und mir solches hast zu erkennen gegeben, ja auch solches endlich erfüllt. Deshalb danke ich dir und lobe dich vor andern Menschen, und ehre deinen Namen durch Jesum Christum, deinen sehr geliebten Sohn, den ewigen und obersten Priester, welchen samt dir und dem Heiligen Geiste sei Herrlichkeit nun und in alle Ewigkeit. Amen.
Sobald als er das letzte Wort seines Gebets, nämlich das Wort Amen ausgesprochen hatte, haben die Schergen das Holz, worauf er gelegt oder gesetzt ward, angesteckt; und als nun die Flamme rund um Polycarps Körper sich sehr hoch ausbreitete, hat man zu allgemeiner Verwunderung gefunden, dass ihn der Brand wenig oder gar nicht berührt oder beschädigt; deshalb ward dem Scharfrichter befohlen, ihn mit einem Schwerte zu durchstechen, welches auch alsbald geschehen.
Darauf ist das Blut so häufig aus der Wunde gelaufen, sei es um der Hitze des Brandes oder anderer Ursache willen, dass das Feuer meistenteils durch dasselbe ausgelöscht ward, und ist also dieser treue Zeuge Christi durch Feuer und Schwert aus diesem Leben geschieden, und zu der Ruhe der Heiligen gekommen, ungefähr im Jahre nach der Geburt Christi 168.



01.02.2019
Justinus
Erst gegeißelt, hernach mit dem Beil enthauptet um des Zeugnisses Jesu Christi willen
im Jahre 168




Justinus ward genannt ein Sohn Prisci Bachi, geboren von griechischen Eltern zu Neapolis in Palästina. Wir wollen hier Nachricht geben von seiner geistlichen Geburt, von seinem himmlischen Vaterlande und wie nachdrücklich er es erwiesen, dass er ein Kind Gottes sei, ein Bürger der himmlischen Stadt, welche reich ist an allen Gütern, welches nicht allein in dem Anfang und Fortgang seines Glaubens sich dartut, sondern hauptsächlich in dem Ausgang, als da er die Kraft desselben mit seinem Tode bezeuget und mit seinem Blute versiegelt. In den Tagen seiner Jugend ward er unterwiesen in der platonischen Philosophie, worin er sich so tapfer gehalten hat, dass er den Namen eines Philosophen davon trug.
Ja es ward ihm durch seine Kraft ein solcher Verstand eingedrückt, dass er durch dieselbe bald Gott sehen sollte, welches das Ende von der platonischen Philosophie war.
Als es sich aber zutrug, dass er einmal nach der See wandelte, um allein zu sein und dasjenige, welches er gelernt hatte, bei sich selbst zu überlegen, so folgte ihm, wie er selbst bekennt, ein ansehnlicher und sanftmütiger alter Mann, welcher, da er sich mit ihm in ein Gespräch wegen der platonischen Philosophie einließ, ihn lehrte, worin die wahre Philosophie und Gottseligkeit bestehe, nämlich in der seligmachenden Erkenntnis des einigen, ewigen und allein unsterblichen Gottes.
Nachdem aber nun Justinus nach den Lehrern fragte, von welchen er diese göttliche Philosophie lernen möchte, so wies ihn dieser alte Mann auf die Schriften der Propheten, die nicht durch Beweis menschlichen Verstandes geschrieben, sondern als gewisse und unfehlbare Zeugnisse von denjenigen nachgelassen worden sind, so da gesehen und gehöret haben von den Worten der Wahrheit, wunderlichen Kräften und Werken Gottes bei seinem Volke, dass auch alle ihre Weissagungen von dem verheißenen Messias und Sohne Gottes in der Zukunft Jesu Christi, welcher zur Zeit des Kaisers Augustus geboren, erfüllet seien.
Indessen ermahnte er ihn, Gott zu bitten, dass er ihm zu dieser seiner seligmachenden Lehre wolle das Herz erleuchten durch Jesum Christum, ohne welche er nicht möchte zu dieser seligmachenden Erkenntnis gelangen.
Diese und dergleichen Vorschläge mehr, schreibt Justinus, gab mir der alte Mann und wies mich an, wie ich ferner sollte zunehmen und die Dinge, welche zur Seligkeit nötig seien, erlangen möchte; hernach ging er von mir und ich habe ihn nicht mehr gesehen. Alsbald, schreibt er, hat sich eine feurige Begierde in meinem Herzen entzündet, und eine Liebe zu den Schriften der Propheten und derjenigen, welche Christi angenehme Freunde waren, nämlich der Apostel, alsdann bin ich erst ein rechtsinniger Philosoph geworden.
Anlangend nun, durch wen und wie er sei zuerst im Glauben unterwiesen und getauft worden, ausgenommen den Unterricht, welchen er von dem vorgemeldeten alten Manne empfangen, oder durch welche Gelegenheit er aus Syrien, Palästina oder Samaria, aus seinem Vaterlande nach Rom gekommen sei, solches findet man nicht beschrieben.
Hernach hat er ein Gespräch gehalten mit Tryphon, einem Juden, welche Verhandlungen er selbst beschrieben hat, woraus ersehen werden mag sein richtiger Verstand in verschiedenen Glaubenssachen, und insonderheit in dem Punkte von der Taufe. Hiervon haben wir an einem andern Ort gesprochen.
Endlich aber, als er sich in einen Wortstreit mit Crescenz einließ, welcher ein cynischer Philosoph war, und denselben durch die Kraft seiner göttlichen Beweisgründe überwunden und beschämt gemacht hatte, begann sein unsicheres Leben zu Ende zu eilen und sein gewisser Tod heranzunahen.
Denn dieser cynische (das ist hundische) Philosoph schöpfte daraus einen tätlichen Hass gegen Justinus, sodass er ihm den Tod schwur und von der Zeit an ihm Fallstricke legte, ihn auch als einen Christen anklagte, bis er endlich mit Justinus Blut seine Blutdürstigkeit gestillt. Dieses gibt Tatianus, Justinus Jünger, in seiner Rede gegen die Griechen nicht undeutlich zu erkennen, nämlich, dass oben gemeldeter Crescenz nicht allein Justinus, sondern auch ihm selbst nach dem Leben getrachtet habe.
Außerdem meldet Phocius, dass er von Crescenz Cynicus (das ist dieselbe Person, welche wir zuvor genannt haben,) einen fröhlichen und würdigen Tod um Christi willen gelitten habe.
Anlangend die Art seines Todes, so ist Justinus auf Crescenz Anklage gefangen worden, und als er sich tapfer weigerte von seinem Glauben abzugehen oder den Götzen zu opfern, ist er endlich von dem Präsidenten Rusticus zum Tode verurteilt und, nachdem er gegeißelt, mit dem Beile enthauptet worden, ungefähr in dem Jahre des Herrn 168, zur Zeit der Regierung Marcus Aurelius und Lucius Verus, und des Präsidenten Rusticus, wie solches aus Epiphanio angezeichnet ist.



31.01.2019
Felicitas mit ihren sieben Söhnen Januarius, Felix, Philippus, Silvanus, Alexander, Vitalis und Martialis

Zu Rom um des Glaubens willen getötet
im Jahre 164



Felicitas war eine christliche gläubige Witwe zu Rom und hatte sieben Söhne, nämlich Januarius, Felix, Philippus, Sylvanus, Alexander, Vitalis und Martialis, diese haben, samt ihrer Mutter, in ihrem Hause beisammen gewohnt, als eine christliche Gemeinde.
Von der Mutter wird bezeugt, dass sie durch ihre christliche Gemeinschaft, welche sie mit den römischen Frauen unterhielt, viele zu Christo bekehrt habe. Desgleichen haben auch ihre Söhne auf ihrer Seite ihre Schuldigkeit erwiesen und viele Mannspersonen Christo gewonnen.
Als nun die heidnischen Priester sich hierüber beklagten bei dem Kaiser Antonius, welcher die Verfolgung, welche unter Trajanus sich erhob und jetzt etwas nachgelassen hatte, wieder aufs neue vor die Hand nahm und sagten, dass nicht allein Mannspersonen, sondern auch Weiber die Götter gelästert, ihre Bilder verachtet, den Gottesdienst des Kaisers mit Füßen getreten, ja dass viele von der alten Religion der Römer abgefallen seien, welches vornehmlich geschah durch eine gewisse Witwe Felicitas und ihre sieben Söhne. Deswegen, um diesem vorzukommen, müsse man sie zwingen, von Christo abzulassen und den Göttern zu opfern, oder sie, wenn sie sich dessen würden weigern, mit dem Tode strafen.
Der Kaiser, welcher hierdurch bewogen und aufgereizt wurde, hat Publius, dem Profos oder Blutrichter von Rom, volle Macht über dieselben gegeben.
Publius war willens, Felicitas, als eine sehr ansehnliche Frau, zu verschonen, darum hat er sie samt ihren Söhnen zuerst heimlich in sein Haus beschieden und mit schönen Worten und Verheißungen angeredet, hernach auch ihnen gedroht, sie mit schweren Tormenten zu strafen, es sei denn, dass sie die christliche Religion verließen und den alten römischen Gottesdienst wieder annehmen.
Felicitas, eingedenk der Worte Christi (wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinen himmlischen Vater), suchte keine Ausflüchte, Verstellungen oder eingewickelte Worte, sondern antwortete kurz also:
Ich werde weder durch dein Schmeicheln oder Flehen bewogen, oder durch deine Drohungen kleinmütig gemacht, denn ich empfinde in meinem Herzen die Wirkung des Heiligen Geistes, die mir lebendige Kraft gibt und mich zu dem Streite des Leidens bereit macht, um alles zu ertragen, was ihr mir werdet auferlegen, um der Bekenntnis meines Glaubens willen.
Als nun Publius die Mutter von ihrem standhaften Vornehmen nicht abbringen konnte, so sagte er zu ihr: Wohlan denn, weil es dich lieblich dünkt zu sterben, so sterbe allein, habe aber doch Mitleiden und eine mütterliche Barmherzigkeit gegen deine Söhne und gebiete ihnen, dass sie zum wenigsten ihr Leben dadurch freikaufen, dass sie den Göttern opfern.
Worauf Felicitas dem Blutrichter Publius antwortete: Deine Barmherzigkeit ist lauter Gottlosigkeit und deine Ermahnung ist lauter Grausamkeit; denn wenn meine Söhne den Götzen opferten, so würden sie ihr Leben nicht freikaufen, sondern verkaufen an den höllischen Feind, dessen Sklaven,
ja Leib- und Seeleigen sie werden sollten, und von ihm zum ewigen Feuer mit Ketten der Finsternis bewahrt werden.
Darnach wandte sie sich von dem Richter zu ihren Söhnen und sprach: Meine lieben Kinder, bleibt doch standhaft in dem Glauben und der Bekenntnis Christi; denn Christus mit seinen Heiligen erwartet eurer. Sehet da, der Himmel steht euch offen, deshalb kämpft tapfer für eure Seelen und bezeugt, dass ihr getreu seid in der Liebe Christi, damit ihr ihn und er euch lieb hat.
Hierüber entbrannte der Richter im Zorn gegen sie und befahl, dass man ihr Backenstreiche geben sollte. Unterdessen bestrafte er sie heftig und sagte: Darfst du dich also vermessen und unterstehen, deine Söhne in meiner Gegenwart zu ermahnen und halsstarrig zu machen, um des Kaisers Befehlen ungehorsam zu sein, da es dir viel eher gebührte, sie anzuspornen zur Untertänigkeit.
Felicitas antwortete mit einer mehr als männlichen Tapferkeit, unerachtet sie mit dem Tode bedroht war, und sagte: Wenn du, o Richter, unsern Seligmacher Jesus Christus und die Kraft seiner Gottheit und Herrlichkeit würdest erkennen, du würdest zweifelsohne aufhören die Christen zu verfolgen, und du würdest uns durch Lästern nicht suchen von seinem heiligen Namen und also von der christlichen Religion abzuziehen. Denn wer Christo und seinen Gläubigen flucht oder lästert, der flucht oder lästert Gott selbst, welcher in ihren Herzen wohnt durch den Glauben.
Hierauf wird sie mit Fäusten in das Angesicht geschlagen, um zu schweigen; hat aber dennoch nicht aufgehört, ihre Kinder zur Standhaftigkeit zu ermahnen, um keine Tormente, noch Folterbank, ja den Tod selbst nicht zu achten oder zu fürchten, sondern um des Namens Christi willen willig zu sterben.
Deshalb hat Publius, der Blutrichter, einen jeden von ihren Söhnen, einen zuerst, den andern hernach, vorgenommen, hoffend, durch dieses letzte Hilfsmittel, wo nicht alle, doch zum wenigsten einige, sowohl durch Verheißungen als Bedrohungen von dem Glauben abzuziehen.
Als er ihnen aber nichts abgewinnen konnte, hat er Botschaft an den Kaiser gesandt, dass sie alle in ihrer Hartnäckigkeit verharrten, und dass sie keineswegs könnten dazu gebracht werden, den Göttern zu opfern.
Hierauf hat der Kaiser zur Stunde die Mutter samt ihren sieben Söhnen verurteilt, dass man sie sollte verschiedenen Scharfrichtern in die Hände geben, um sie durch allerlei Tormente zu töten; doch sollte die Mutter zuerst alle ihre Söhne sterben sehen, und hernach selbst auch getötet werden.
Auf dieses Urteil haben sie zuerst und vor allen Januarius, den Erstgeborenen, vor den Augen seiner Mutter mit bleiernen Geißeln totgegeißelt; welche Geißeln von Peitschen oder Stricken gemacht waren, mit welchen diejenigen, welche man also peinigte, an den Hals, an den Nacken, auf den Rückstrang, an die Seiten und andere Stellen des Leibes, wo es weh zu tun pflegt, geschlagen werden, entweder um sie zu peinigen, oder aber sie gar tot zu martern, wie hier geschehen ist.
Felix und Philippus, die nächsten nach ihm, werden mit Prügeln totgeschlagen, Sylvanus, sonst genannt Syllanus, von einer Höhe herunter gestürzt. Alexander, Vitalis und Martialis enthauptet.
Zu allerletzt ist die Mutter auch enthauptet oder mit dem Schwerte getötet worden, welches unter dem Kaiser Antonius Pius geschehen ist.



30.01.2019
Ptolomäus
Ein gottesfürchtiger Mann
Zu Alexandrien in Ägypten, um des Glaubens willen an Christum getötet ungefähr um das Jahr Christi 144


Es wird bezeugt, dass Ptolomäus ein frommer und gottesfürchtiger Mann gewesen, welcher seine Hausfrau auch aus der Blindheit des Heidentums zu dem Glauben gebracht. Dieser ist um der Wahrheit Christi willen gefangen genommen worden; und als er gefragt ward, ob er ein Christ sei, hat er solches alsbald als ein Liebhaber der Wahrheit bekannt. Nachdem er solches bekannt, hat man ihn in das Gefängnis geworfen, worin er so lange gelitten, bis er ganz verfallen und ausgezehrt war. Endlich ist er dem Richter Urbicius überliefert worden, welcher ihn, kurz nachdem er ihm eingehändigt worden, töten ließ. Und ist dieser Ptolomäus ein getreuer Blutzeuge Jesu Christi geworden.



29.01.2019
Phocas
Bischof zu Pontus
Um des Namens Jesu Christi willen zu Synope
in einem Kalkofen und in siedendem Wasser getötet
ungefähr im Jahre 118

Phocas, ein Sohn Pamphilii, der erste Bischof der Gemeinde in der Stadt Synope, ward zur Zeit des Trajanus vor Africanus, den Statthalter in Pontus, gebracht. Als dieser ihn zwingen wollte, auf dem Altar des Neptunus zu opfern, hat er sich dessen standhaft geweigert, daher ward er von ihm verurteilt, um des Namens Christi willen zu sterben, und hat nach viel Pein und Tormenten endlich den Tod erlitten, ist also zu der Zahl seiner getöteten Mitbrüder gerechnet worden
Angehend die Art seines Todes gibt P. I. Twisck davon diese Beschreibung:
Als Phocas in Pantus den Götzen nicht opfern wollte, ward er durch Befehl des Kaisers Trajanus um des Namens Christi willen in einen Kalkofen voll glühender Kohlen gestoßen, hernach aber in siedendes Wasser geworfen und also getötet. P. I. Twisck Chron., das 2. Buch über das Jahr 118, Pag. 37, Col. 2, aus Adon. Vinens. Lib. 6, Fol. 166, Vine. Fol. 519.



28.01.2019
Dionysius Areopagita
Durch Paulus bekehrt
Um das Bekenntnis Jesu Christi gemartert worden
ungefähr im Jahre 112



Man liest in den Geschichten der Apostel (Apg 17,34), dass unter denjenigen, welche der Lehre Pauli anhingen, Dyonysius, einer aus dem Rate zu Athen, desgleichen auch eine Frau, Damaris genannt, waren.
Von diesem Dionysius, mit dem Zunamen Areopagita, wird bezeugt, wie er in der christlichen Religion dermaßen zugenommen, dass er auch später von Paulus zu einem Bischof zu Athen eingesetzt worden sein soll, doch aber endlich, nachdem er sein herrliches Glaubensbekenntnis abgelegt, nach vielen schweren Tormenten als ein siegreicher Held Jesu Christi mit der Märtyrerkrone gekrönt worden ist, und in einem sehr hohen Alter seinen Geist in die Hände seines himmlischen Vaters befohlen hat.
Da hatte er denn erfüllt, was er bei seinem Leben sehr oft zu erzählen pflegte: Das letzte Wort meines Herrn Jesu am Kreuze soll auch mein letztes in diesem zeitlichen Leben sein, nämlich: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Worauf er getötet wurde und selig in dem Herrn entschlafen ist.
Nota – Die Art des Todes Dionysii Areopagita betreffend, oder durch welche Marter er zu seinem Ende gekommen, wird von den alten glaubwürdigen Schreibern nicht angegeben, darum haben wir auch davon keine Meldung getan, und wiewohl einige angemerkt, dass er zu Paris enthauptet worden sei, so lassen wir sie selbst solches verantworten. Denn sowohl in der Art als auch in der Zeit, in welcher solches geschehen sein soll, sind sich die Schreiber selbst miteinander nicht einig. Siehe Apophtheg. Baudarti oben angeführt.



27.01.2019
Onesimus
Ein Freund des Apostels Paulus
Von Ephesus nach Rom geführt und daselbst zu Tode gesteinigt
im Jahre 111




Onesimus, Philemonis Dienstknecht, seiner Herkunft nach Kolosser, war von seinem Herrn weggelaufen und nach Rom gekommen; daselbst ward er mit dem Apostel Paulus bekannt, welcher allda gefangen lag, von dem er mit einem Bittschreiben, seine Versöhnung mit seinem Meister betreffend, zurückgesandt wird, wie aus dem Briefe Pauli an Philemon zu sehen ist, worin Paulus Onesimus seinen Sohn nennt, welchen er in seinen Banden gezeugt hatte (Phlm 10). Auch hat er einen gewissen Brief Pauli aus dem Gefängnisse zu Rom an die Gemeinde zu Kolossä überbracht, denn in dem Schlusse des Briefes an die Kolosser stehet also: Gesandt von Rom durch Tychicus und Onesimus.
Demnach ist zu ersehen, dass er ein lieber Freund und getreuer Diener des Apostels Paulus gewesen ist, wiewohl er zuvor seinen äußerlichen Dienst in dem Hause des Philemon verlassen hatte.
Dieser, nachdem er von Herzen bekehrt war, mochte seinen Lauf ohne Verfolgung, Leiden und gewaltsamen Tod nicht endigen, sondern musste, nach dem Vorbilde seines Seligmachers, die Presse der Leiden auch treten, und ist, nach dem Zeugnisse der alten Geschichte, von Ephesus gebunden nach Rom geführt, und daselbst unter Trajanus und dem Richter Tertullus tot gesteinigt und begraben worden, kurz nach Ignatii Tode in dem Jahre unseres Herrn 111.



26.01.2019
Ignatius von Antiochien
Ein Jünger des Apostels Johannes
Von zwei losgelassen hungrigen Löwen zerrissen und verschlungen
Im Jahr des Herrn 111




Ignatius, ein Jünger des Apostels Johannes und ein Nachfolger Petri und Evodii, war im Dienste der Gemeinde Christi zu Antiochien in Syrien, ein sehr gottesfürchtiger Mann, getreu und emsig in seinen Bedienungen.
Ihm ward der Zunamen Theophorus gegeben, als ob man sagte: Gottesträger, vermutlich, weil er den Namen Gottes und seines Seligmachers oft im Munde trug und dabei ein göttliches Leben führte.
Er pflegte öfters also zu sprechen: Das Leben der Menschen ist ein beständiger Tod, es sei denn, dass Christus in uns lebe. Desgleichen: Der gekreuzigte Christus ist allein und alle meine Liebe, und wer sich nach jemand anders als nach Christo nennen lässt, der gehört Gott nicht zu. Desgleichen: Gleich wie die Welt die Christen hasst, also werden sie von Gott geliebt. A. Mellinus, Fol. 25, Col. 1, aus Ignatio in Epist ad Rom. et alibi.
Dieser Ignatius nun, als er verstanden, dass der Kaiser Trajanus, nachdem er die Dacier, Armenier, Assyrier und andere morgenländische Völker besiegt hatte, den Götzen zu Antiochien dankte und ihnen große Opfer brachte, eben als ob von ihnen der Sieg hergekommen wäre, hat er den Kaiser darüber bestraft, und das zwar öffentlich in dem Tempel, wie Nicephorus berichtet.
Hierüber ward der Kaiser sehr entrüstet und ließ Ignatius fangen; aber aus Furcht vor einem Aufruhr ließ er ihn in Antiochien nicht strafen, denn er (Ignatius) stand daselbst in großem Ansehen, sondern hat ihn zehn Kriegsknechten in die Hände gegeben, und ihn gebunden nach Rom gesandt, um daselbst Strafe an ihm auszuüben.
Unterdessen ist ihm aber doch sein Todesurteil angekündigt worden, auf welche Weise und an welchem Orte er sterben sollte, nämlich, dass er zu Rom von wilden Tieren zerrissen werden sollte.
Auf seiner Reise hat er verschiedene Trostbriefe an seine Freunde, die Gläubigen in Christo Jesu, geschrieben, desgleichen auch an verschiedene Gemeinden, als an die von Smyrna, Ephesus, Philadelphia, Thrallis, Magnesia, Tharsen, Philippis und insbesondere an die Gemeinde Christi zu Rom, welchen Brief er vor seiner Ankunft dahin gesandt.
Es scheint, dass das Zerreißen durch die Zähne der wilden Tiere ihm auf der Reise beständig im Gedächtnis gelegen, wiewohl nicht auf eine furchtsame Weise, sondern mehr mit einem herzlichen Verlangen, wovon er in seinem Brief an die römische Gemeinde also schreibt:
Auf meiner Reise von Syrien nach Rom, zu Wasser und zu Lande, bei Tag und bei Nacht, kämpfe ich mit den wilden Tieren, zwischen zehn Leoparden sehr genau gebunden, welche, je mehr ich sie liebkose, desto grausamer und frevelhafter werden. Doch werde ich durch die Grausamkeit und Tormente, die sie mir täglich antun, mehr und mehr geübt und unterrichtet, wiewohl ich dadurch nicht gerechtfertigt bin.
O wäre ich bereits bei den wilden Bestien, die da fertig sind, mich zu zerreißen! Ich hoffe sie bald zu finden, wie ich sie wünsche, nämlich grausam genug, mich schnell zu vernichten. Wollen sie mich nicht antasten und zerreißen, so werde ich sie freundlich dazu anlocken, dass sie meiner nicht schonen, gleichwie
sie allbereits einige Christen geschont haben, sondern mich schnell in Stücke zerreißen und auffressen. Vergebet mir, dass ich also rede, denn ich weiß, was mir nötig ist.
Nun fange ich erst an, ein Jünger Christi zu werden; ich achte weder sichtbare, noch unsichtbare Dinge, über welche sich die Welt verwundert; es ist mir genug, wenn ich nur Jesu Christi kann teilhaftig werden.
Lasset den Teufel und die bösen Menschen mir allerlei Pein und Tormente antun mit Feuer, mit Kreuz, mit Kämpfen gegen die wilden Tiere, mit Zerstreuung meiner Gliedmaßen und der Rippen meines Leibes; ich achte dieses alles sehr gering, dass ich nur Jesum Christum genieße.
Bittet nur für mich, auf dass mir innerliche und äußerliche Kraft gegeben werde, nicht allein dieses zu sprechen oder zu schreiben, sondern ihm auch nachkommen und zu leiden, auf dass ich nicht allein einen christlichen Namen haben möge, sondern auch wahrhaftig erfunden werde (Ignatius in Epist. ad Rom).
Als sie zu Rom ankamen, haben ihn die Kriegsknechte dem Stadthalter überliefert, samt des Kaisers Briefen, worin sein Todesurteil geschrieben stand. Darauf ward er einige Tage in einem Gefängnisse verwahrt, bis auf einen gewissen Festtag der Römer, auf welchen Tag der Statthalter ihn nach dem Befehle des Kaisers auf den Schauplatz oder Tierpferch brachte.
Erstlich aber und vor allen Dingen ward er mit vielen Tormenten und Peinigungen versucht, um den Namen Christi zu lästern und den Götzen zu opfern. Aber als Ignatius in seinem Glauben nicht schwach war, sondern je länger, je mehr darin gestärkt wurde, dass er sich weigerte, auf heidnische Weise zu opfern, ward er zur Stunde von dem römischen Rate, gleichwie auch zuvor der Kaiser Trajanus getan, verurteilt, den Löwen vorgeworfen zu werden.
Als Ignatius nun vor des Rates Angesicht an den innersten Bezirk des Tierpferchs zur Löwengrube geführt ward, so hat er öfter in seinen Unterredungen, welche er mit den Gläubigen unterwegs hielt, als auch in seinen geheimen Gebeten zu Gott den Namen Jesus genannt, und auf Befragen, warum er solches tue, hat er folgendermaßen geantwortet:
Mein lieber Herr Jesus, mein Seligmacher, ist mir so tief in das Herz geschrieben, dass ich versichert bin, dass wenn man mein Herz öffnen und in Stücke zerschneiden sollte, man in einem jeden Stückchen den Namen Jesus geschrieben finden würde.
Hiermit gab dieser fromme Mann zu erkennen, dass nicht allein sein Mund, sondern auch selbst die innersten Teile seines Herzens mit der Liebe Jesu erfüllt seien, denn wessen das Herz voll ist, davon redet der Mund. Also hat auch Paulus, wie angemerkt wird, erfüllt mit der Liebe Christi, wohl dreihundert Mal in seinen Briefen diese Worte gebraucht, Jesus Christus, und den Namen Jesus nennt er wohl fünfhundert Mal.
Als nun die ganze Menge des Volks versammelt war, um Ignatius Tod anzuschauen (denn es war durch die ganze Stadt ruchbar geworden, dass ein Bischof aus Syrien gebracht worden, welcher in Folge des Kaisers Urteil gegen die wilden Tiere kämpfen sollte), wurde Ignatius zum Vorschein gebracht und mitten auf den Schauplatz gestellt.
Hierauf hat Ignatius mit einem freimütigen Herzen das umstehende Volk also angeredet und gesagt:
O ihr Römer! Alle, die ihr gekommen seid, diesen Streit mit euren Augen anzuschauen, ihr sollt wissen, dass mir diese Strafe nicht auferlegt ist, um einiger Missetaten oder Schelmenstücke willen, welche ich keineswegs begangen habe, sondern um zu Gott zu kommen, nach welchem mich verlangt, und den ich unersättlich begehre zu genießen. Denn ich bin das Brotkorn Gottes, ich werde mit den Zähnen der wilden Tiere vermahlen, auf dass ich als ein reines Brot Christi erkannt werde, welcher mir das Brot des Lebens ist.
Diese Worte redete Ignatius, als er mitten auf dem runden Schauplatz stand und die Löwen brüllen hörte, welches die Brüder der Gemeinde, die da mitten unter dem Volke standen, gehört und bezeugt haben.
Er hatte kaum diese Worte geredet, so wurden zwei grausame hungrige Löwen aus ihrer Grube auf ihn losgelassen, welche ihn alsbald zerrissen und verschlungen haben, sodass fast nichts oder doch sehr wenig von seinen Gebeinen übrig blieb. Also ist dieser getreue Blutzeuge Jesu Christi selig in dem Herrn entschlafen, in dem Jahre unseres Herrn 111, in dem 12. Jahre des Kaisers Trajanus.



25.01.2019
Rufus und Zosimus
Zwei fromme Christen, zu Philippi in Mazedonien um den Glauben an Jesum Christum enthauptet
im Jahre 109




Insbesondere erhellt von Rufus, aus dem Gruß des Apostels Paulus an die römische Gemeinde, unter welchen Gruß er auch diesen Rufus begreift, dass er nicht allein ein Gemeindeglied derselben, sondern eine besondere und auserkorene Person gewesen sei, wenn er sagt: »Grüßet Rufus, den Auserkorenen in dem Herrn und seine und meine Mutter.« (Röm 16,13)
Dieser Rufus und der vorgemeldete Zosimus, welche beide fromm und aufrichtige Christen gewesen, sind nebst vielen andern ihrer Mitgenossen zu Philippi, der Hauptstadt Mazedoniens, um des Glaubens willen getötet worden. Etliche schreiben, dass sie beide enthauptet worden zur Zeit des Kaisers Trajanus im Jahre Christi 109. Vergleiche A. Mellin. in dem großen Marter. Fol. 19, Col. 4, aus Polycarpo ad Philippens, mit dem was Joh. Gys. angemerkt in Hist. Mart., Fol. 15, Col. 3.



24.01.2019
Simon Cleophas
Einer von den siebzig Jüngern Christi
durch Attacus unter Trajanus gekreuzigt
im Jahre 109



Simon Cleophas war Cleophas und Maria Sohn, ein Neffe unseres Herrn Jesu, weil er Josephs, Christi vermeinten Vaters Bruders Sohn gewesen. Dieses ward nach dem Tode des Apostels Jakobus zum Bischof der Gemeinde zu Jerusalem erwählt und das durch allgemeine Bewilligung. Deshalb muss er wohl unterschieden werden von Simon mit dem Zunamen Zelotes, welcher einer von den Aposteln gewesen, und in Persien gekreuzigt worden ist. Denn dieser war ein Sohn Alphäi, jener aber ein Sohn Cleophä, nicht einer von den Zwölfen, sondern einer von den siebzig Jüngern Christi, gleichwie auch Eusebius gesteht, wenn er sagt:
Wenn jemand sagen wollte, dass dieser Simon mit seinen Augen Christum gesehen, und mit seinen Ohren seine Predigten gehört, derselbe hat Grund und Wahrheit in seiner Meinung, und dieses nicht allein seines hohen Alters wegen, welches sich bis auf 120 Jahre erstreckte, sondern vielmehr um des Zeugnisses des Evangeliums willen, worin geschrieben steht, dass er der Sohn von Maria, Cleophä Hausfrau, gewesen ist, nach dem Zeugnis Egisippi, welcher nach den Zeiten der Apostel der erste Geschichtsschreiber gewesen ist (Euseb. Hist. Eccles. Lib. 3, Cap. 11).
Dieses ist der Simon, von welchem bezeugt wird, dass er Jacobus, den heiligen Apostel des Herrn, habe steinigen gesehen (Epiph. Supra in Symb. Alph.).
Dieser ward angeklagt von einigen bösen Buben bei
Atticus, des Kaisers Trajanus Landpfleger, dass er ein Christ sei, ja ein Blutsfreund Christi von dem Geschlechte Davids.
Deshalb ward er viele Tage lang mit Geißeln und scharfen Ruten jämmerlich geschlagen, sodass ein jeder, welcher es ansah, sich musste darüber wundern und ihn bejammern. Ja, der Richter selbst verwunderte sich, dass ein alter Greis von 120 Jahren eine solche grausame Marter so lange hatte ausstehen können.
Zuletzt, als er in seinem Bekenntnis beständig verharrte, ist er seinem Herrn, welchen er bekannte, in dem Leiden gleichförmig geworden, und von Atticus zu dem Tode des Kreuzes verurteilt, welchen Tod er auch in dem zehnten Jahre des Kaisers Trajanus erlitten, als im Jahre Christi 109. Vergleiche das erste Buch A. Mellin., gedruckt im Jahre 1617, Fol. 24, Col. 1,2, mit Joh. Gys. Hist. Mart., neulich gedruckt bei L. Braat, im Jahre 1657, Fol. 15, Col. 1.



23.01.2019
Vitalius
Um des Namens Jesu Christi willen, zu Ravenna lebendig begraben
und seine Hausfrau zu Mailand mit Stöcken totgeschlagen
im Jahre Christi 100




Vitalius war vor seiner Bekehrung ein römischer Ritter und ein Bürger von Mailand, welcher mit Paulino, dem Blutrichter, nach Ravenna gekommen, da er aber die Blutgierigkeit seines Herrn bemerkte, welchem er bis zu der Zeit nach weltlicher Weise getreulich gedient hatte, hat er ihn tapfer verlassen, und sich selbst auf einmal unter die Fahne Christi begeben, ist aber durch die Feinde der Wahrheit schnell ergriffen worden.
Denn Paulinus, sein Herr, nicht wissend, warum er von ihm entwichen, hat verstanden, dass er Urticino, welcher eben vorher um des Glaubens willen mit dem Beile enthauptet ward, einen Mut zugesprochen, als derselbe sehr wankte, und ihn von dem Götzenopfer zurückgehalten, desgleichen, dass er denselben nach seinem Tode begraben hatte, fasste dadurch den Verdacht auf ihn, er müsste auch ein Christ sein; worauf er diesen frommen Vitalius fangen ließ, teils um seiner Vermutung willen, teils auf Angabe anderer; und da er aus seiner Bekenntnis, dass er wahrlich ein Christ sei, solches bestätigt gefunden, ließ er ihn auf die Folterbank legen, um zu versuchen, ob er würde von Christo abfallen.
Hierauf hat Vitalius diesen Blutrichter Paulinus also angesprochen:
Gewisslich, du musst deiner Sinne beraubt sein, weil du meinst, ich könnte von dir betrogen, und mit einer ewigen Pest an Seele und Leib besudelt werden, der ich doch andere von der Gefahr der Verführung habe abzubringen gesucht.
Ein gottloser heidnischer Priester, welcher merkte, dass derselbe sich fest an Christum hielt, und den Götzen keineswegs würde Ehre erweisen, hat dem Blutrichter Paulino geraten, Vitalium lebendig zu begraben.
Hierauf hat Paulinus dem bösen Eingeben dieses Priesters gefolgt, und ließ an dem Ort, wo man gemeiniglich die Christen zu richten pflegte (auch Palmam genannt, weil daselbst ein Palmbaum stand), eine tiefe Grube ins Wasser graben, und Vitalium bis in die Mitte hinein vergraben, und mit Steinen und Erde zudecken und überstülpen.
Als nun Valeria, die Hausfrau Vitalii, nach dem Tode und lebendiger Begrabung ihres Mannes, von Ravenna nach Haus nach Mailand reiste, woselbst sie wohnte und ihre Kinder hatte, konnte sie sich nicht länger verborgen halten, sondern hat sich selbst angegeben, dass sie eine christgläubige Frau sei. Dann als man sie zwingen wollte, von demjenigen zu essen,
was den Abgöttern geopfert ward, hat sie sich dessen mit Standhaftigkeit geweigert und widerstanden, auch darüber die Götzendiener öffentlich bestraft, sagend:
Ich bin eine Christin, darum mag ich keineswegs essen, was Silvano, eurem Gott, geopfert ist.
Hierauf ist sie von den heidnischen Götzendienern überfallen, mit Stöcken totgeschlagen und zu Mailand von den Christen begraben worden. Dieses ist noch geschehen durch Kraft der ersten Verfolgung, oder des Befehls Neros, von welchem (Befehl) gemeldet wird, dass er noch unter Vespasiano und Domitiano seine Kraft behalten habe.



22.01.2019
Urticinus
Ein frommer Christ
Zu Ravenna mit dem Beil enthauptet
im Jahre Christi 99




Nach Timotheus ward eingesetzt Urticinus oder Ursinus, der Arznei-Doktor zu Ravenna in Italien. Dieser, nachdem er bei dem Richter Paulinus ist angegeben worden, dass er ein Christi sei, ist mit viel Tormenten um des Namens Christi willen gepeinigt worden. Da er es alles mit Standhaftigkeit ertragen, und sich noch dabei weigerte, den heidnischen Götzen zu opfern, ist er endlich von dem Richter dahin verurteilt worden, dass er mit dem Beile gerichtet werden sollte. Da Urticinus das Todesurteil empfangen, fing er an zu zittern und zu beben wegen des bevorstehenden Todes, und überlegte bei sich selbst, ob er Christum verleugnen sollte, oder wie er dem Tode am füglichsten entgehen möchte. Aber indem er sich also mit Fleisch und Blut beratschlagte, ist einer von des Richters Paulini Gesellschaft, genannt Vitalii, von hinten her zu ihm getreten, und hat ihn mit nachfolgenden Worten gestärkt, sagend: Mein lieber Bruder in Christo, Urticine, der du als ein getreuer Arznei-Doktor dein Getränk so manchmal und so glücklich zu genesen pflegtest, nimm dich doch in Acht, dass du nicht durch deine Verleugnung dich in den ewigen Tod und Verdammnis stürzest. Durch diese Ermahnung hat Urticinus wieder einen solchen Mut gefasst, dass er sich mit Freuden zum Tode bereitete, und da er freiwillig den Hals dem Beile dargehalten, hat er also, nachdem sein Haupt von seinem Körper ist geschieden worden, ein gottseliges und ehrliches Ende genommen.



21.01.2019
Timotheus
Geistlicher Sohn des Apostels Paulus
Von heidnischen Götzendienern zu Ephesus mit Steinen totgeworfen
im Jahre Christi 98



Timotheus war gebürtig aus Lystra in Lycaonien. Sein Vater war ein Grieche, aber seine Mutter und Großmutter, ob sie wohl von jüdischen Geschlechte waren, so waren sie doch christliche Frauen, von welchen die eine Eunice, die andere Lois hieß, durch welche er von seiner Jugend an in der Heiligen Schrift unterrichtet worden ist.
Diesem Timotheus gaben die Brüder, die zu Lystra und Ikonien waren, ein gutes Zeugnis, darum hat ihn Paulus zum Mitgesellen in dem Dienste des heiligen Evangeliums unter den Heiden aufgenommen.
Paulus liebte ihn mit einer göttlichen Liebe, und nannte ihn seinen liebsten Sohn in dem Herrn. Hernach setzte er ihn zum Bischof oder Lehrer der Gemeinde ein, und befahl ihm, die Herde Jesu, seines Seligmachers, und ermahnte ihn, dieselbe getreulich zu weiden und zu regieren, zu welchem Ende er zwei besondere Briefe an denselben geschrieben.
»O Timotheus (schreibt er), bewahre wohl, was dir anvertraut ist, und meide die ungeistlichen unnützen Worte und Streitigkeiten der falsch berühmten Kunst.« (1Tim 6,20)
Ferner: »Dieses Gebot befehle ich dir, o Timotheus, mein Sohn, nach den vorigen Weissagungen über dir, durch den Glauben und ein gut Gewissen.« (1Tim 1,18)
Und an einem andern Ort: »So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade, die in Christo Jesu ist, und was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind, auch andere zu lehren.« (2Tim 2,1–2)
In diesem Dienste hat Timotheus als ein treuer evangelischer Lehrer seinen Fleiß erwiesen, bis es Gott gefiel, ihn seinen Lauf ans Ende bringen zu lassen, aber nicht durch einen gemeinen Tod, sondern durch das Märtyrertum, damit er also mit seinem geistlichen Vater Paulus, welcher ihm standhaft vorangegangen ist, und vornehmlich mit seinem Herrn Jesu Christo, der sich bereits viele Jahre zuvor durchgestritten hatte, die unverwelkliche Krone der Ehren in jenem seligen Leben genießen möchte.
Diesem nach ist es also geschehen, dass er nach dem Zeugnisse der Geschichte, als er 15 Jahre zu Ephesus Bischof gewesen, von den Heiden daselbst, deren Abgötterei er bestrafte, mit Steinen zu Tode geworfen worden ist.
Dem Berichte nach ist solches unter der Regierung Domitiani geschehen, oder ungefähr im Jahre Christi 98, obgleich einige behaupten, es sei in den Zeiten Neros gewesen.



20.01.2019

Johannes
Apostel und Evangelist
Auf das Eiland Patmos ins Elend verwiesen durch Kaiser Domitianus
um das Jahr Christi 97




Johannes der Apostel und Evangelist war ein Sohn Zebedäi, und Bruder Jakobi des Größeren, geboren zu Nazareth, von Hantierung ein Fischer.
Dieser wird von Christo berufen, da er eben beschäftigt war, mit seinem Vater und Bruder ihre Fischernetze zu flicken, welcher, als er solches aus dem Munde Christi vernahm, alsbald seinen Vater samt dem Netze und Schiffe verlassen, und mit Jakobus, seinem lieben Bruder, Christo nachgefolgt ist. Hernach ward er von einem Jünger ein Apostel Christi, und ward unter die Zahl der Zwölfen gerechnet, welche der Herr zu seinem Dienste sonderlich auserkoren hatte.
Er ward von dem Herrn in hohem Werte gehalten, sodass er bei dem Abendmahle an dem Schoße Christi saß, an seine Brust sich lehnte oder ruhte.
Über das hatte ihn der Herr zu einem von seinen drei
vornehmsten Freunden angenommen, um ein Zeuge seiner Werke zu sein, nicht allein in seinem Streite und Leiden in dem Garten Gethsemane, sondern auch in seiner Herrlichkeit, als da die Tochter Jairi auferweckt wurde, nicht weniger, da er seine Herrlichkeit zeigte, da sein Angesicht als die Sonne glänzte auf dem heiligen Berge, und seine Kleider so hell als ein Licht wurden.
Er folgte dem Herrn aus innerlicher Liebe, nicht allein bis in den Palast des Priesters Kaiphas, sondern auch bis auf den Richtplatz außer Jerusalem, woselbst der Herr getötet ward. Daselbst hat ihn auch der Herr, am Kreuze hängend, angesprochen und gesagt: »Sohn, siehe deine Mutter!«
Er war so begierig nach der Auferstehung Christi, dass als er mit seinem Mit-Apostel Petrus nach dem Grabe Christi eilte, er demselben zuvor kam, und hat also damit seine Geneigtheit zu seinem Herrn erwiesen, als welcher eines verächtlichen Todes gestorben und von seinen übrigen Freunden gänzlich verlassen worden.
Nach einigen Jahren schreibt er gegen die Irrtümer Ebionis und Cerinthi, welche die Gottheit Christi verleugneten, sein Evangelium zur Ehre und Verherrlichung seines Seligmachers, wovon der Anfang also lautet:
»Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, dasselbe war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist; und das Wort ist Fleisch geworden.« (Joh 1,1–3,14)
Mit welchen Worten er die wahre Menschwerdung des Sohnes Gottes zu erkennen gibt, welcher hoch gepriesen und gelobet sei in Ewigkeit. Amen.
Dieser Johannes wird durchgehend in dem heiligen Evangelio der Geliebte des Herrn genannt, oder der Jünger, den der Herr lieb hatte, weil der Herr eine besondere Liebe für ihn hegte.
Weil Gott aber seine Kinder durch viel Widerwärtigkeit und Elend zu seiner Herrlichkeit bringen will, darum konnte und mochte der liebe Freund Gottes, Johannes, auch nicht frei ausgehen, sondern ist durchgehend in seinem Leben durch vielerlei Anfechtungen gesichtet worden, vermöge dessen, was der Herr zu ihm und seinem Bruder Jakobus gesagt hatte :»Wahrlich, ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinken soll, und mit der Taufe getauft werden, womit auch ich getauft werde,« das ist, ihr sollt meinem Jammer und Leiden mit unterworfen sein.
Dieses ist später vielfältig an ihm erfüllt worden; denn über dasjenige, welches die alten Schreiber davon gesagt, nämlich, dass er zu Rom in ein Fass voll siedenden Öls sollte gesetzt worden sein, aber wunderbar daraus erlöset worden sei, welches wir unberührt in seinem Werte stehen lassen, ist doch dieses nach der Heiligen Schrift gewiss, dass er in das wüste Eiland Patmos gebracht und daselbst eine lange Zeit um das Zeugnis Jesu willen ins Elend verwiesen ward.
Hierüber erklärt er sich selbst so: »Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenoss in Trübsal und in dem Reiche und in der Geduld Jesu Christi, war in dem Eiland Patmos um des Wortes Gottes willen und um das Zeugnis Jesu Christi willen.« (Offb 1,9)
Wie aber und auf welche Weise er in dasselbe wüste Eiland verwiesen worden, solches wird in der Heiligen Schrift nicht ausgedrückt, nur allein, dass er dahin verwiesen war um des Wortes Gottes willen.
Dennoch berichten einige der alten Schreiber, dass er dahin durch den Kaiser Domitianus im Jahre 97 verbannt worden sei, welcher ihn in seinem Zorn und Ungnade, weil er das Wort Gottes predigte und Christum als den Sohn Gottes bekannte, verurteilt und dahin gesandt hatte.
Auf welchem Eiland (welches in der mittelländischen See gelegen, zwischen Kleinasien und Griechenland, 125 Meilen von Jerusalem gegen Nordwesten) er ganz von Menschen verlassen war, und fast nichts in seiner Umgebung hatte, als giftige und böse Tiere, welche dort hausten; aber nachgehend hat ihm Gott der Herr mit seinem himmlischen Trost beigewohnt, und während der Zeit seiner Verweisung ihm daselbst sehr schöne Offenbarungen und herrliche Gesichte vorgestellt, und den Stand der Kirche Gottes bis an der Welt Ende ihm zu erkennen gegeben. Allhier schrieb er seine Apocalypsis oder Offenbarung, welches ein treffliches Buch ist, voll göttlicher und wahrhafter Weissagungen, genommen aus den vorhergehenden Erscheinungen und himmlischen Offenbarungen, von denen einige bereits erfüllt sind, andere aber noch erfüllt werden müssen.
Als nun die Zeit seiner Befreiung herannahte, hat ihn der Herr auf dem Eilande angesprochen und gesagt: »Siehe, ich komme bald! Amen.« Worauf Johannes sehr wohlgemut geantwortet: »Ja, komme, Herr Jesu!« (Offb 22,20)
Da aber nun der Kaiser Domitianus, welcher ihn auf vorgemeldetes Eiland verbannt hatte, gestorben war, und Nerva an seiner Statt regierte, ist er befreit und wiederum nach Ephesus gebracht worden, woselbst er zuvor Bischof gewesen über die Gemeinde, welches nach dem Berichte der Geschichte im Jahre Christi 99 geschehen ist, sodass seine Gefangenschaft daselbst zwei Jahre gedauert hat.
Die Alten schreiben, dass er noch vieles erlitten um des Namens Christi willen, und musste auch Gift trinken, doch blieb er unbeschädigt, nach Christi Verheißung, und ist endlich zur Zeit des Kaisers Trajani zu Ephesus in Frieden gestorben, als er 51 Jahre dem heiligen Evangelium gedient hatte, und nun 80 Jahre alt war. Also ruht dieses große Licht in Asien.



19.01.2019

Antipas
Treuer Zeuge Jesu Christi, zu Pergamus in einem glühenden kupfernen Stier verbrannt
im Jahre Christi 95




Antipas war ein aufrichtiger Mann und ein frommer und getreuer Zeuge des Sohnes Gottes, welcher zur Probe seines Glaubens lieber den Tod erlitten hätte, als seinem Erlöser durch Verleugnung oder andere Umstände Unehre gemacht, welches alles zur Zeit geschehen ist, als Johannes noch am Leben war. Daher kann er zu den Erstlingen gezählt werden, welche zur Zeit Domitiani um des Zeugnisses Jesu willen gelitten haben.
Von diesem Helden und Ritter Gottes hat der Herr selbst Nachricht gegeben an seinen Diener Johannes, ja er befahl ihm, von demselben an den Lehrer von Pergamus zu schreiben, und spricht also:
»Schreibe dem Engel der Gemeinde zu Pergamus: Dieses sagt, der das scharfe zweischneidige Schwert hat; ich weiß deine Werke und wo du wohnst, wo des Satans Thron ist; aber du hast festgehalten an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet auch in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet ist, wo der Satan wohnt.« (Offb 2,12–13)
Von der Zeit und Art seines Todes wird in der Heiligen Schrift nichts gesagt; aber einige der alten Schreiber behaupten, dass er in der Stadt Pergamus in einen glühenden kupfernen Stier eingeschlossen worden, und daselbst mit großer Pein, doch in Standhaftigkeit, lebendig verbrannt worden ist.
Aus der Heiligen Schrift ist jedoch zu ersehen, dass er noch bei Lebzeiten des Johannes getötet worden ist, welches einige auf die Zeiten Domitiani feststellen, oder ungefähr im Jahre Christi 95.



18.01.2019
Lukas
Evangelist
In Griechenland von Gottlosen an einen grünen Olivenbaum aufgehängt
im Jahre Christi 93




Lukas, der dritte unter den heiligen Evangelisten, ist nach dem Zeugnis der Alten ein Syrer gewesen von Antiochien, und hatte die Arzneiwissenschaft erlernt.
Diesen hat der Herr brauchen wollen, den Menschen mit seiner Arznei zu dienen, zu welchem Ende er zwei treffliche geistliche Arzneibücher an das menschliche Geschlecht zurückgelassen, nämlich erstens sein heiliges Evangelium, zweitens die Geschichte der heiligen Apostel.
Wir vernehmen nirgendwo etwas von seinen Eltern, deswegen kann von seiner natürlichen Herkunft wenig oder gar keine Nachricht gegeben werden, außer von seiner Geburtsstadt und dass er von den Syrern entsprossen.
Es wird dafür gehalten, er habe keine Hausfrau gehabt, obwohl die andern Apostel und Evangelisten meistens alle getraut gewesen.
Nach dem Zeugnis Hieronymi war er vor seiner Bekehrung ein Judengenosse, wiewohl von heidnischer Herkunft, welches auch wahrscheinlich nach dem Urteil der Sprachkundigen, da seine Schreibart in der griechischen Sprache viel trefflicher und vollständiger ist, als in der hebräischen.
Später ist er durch die Predigt Pauli zum Christentum gebracht worden im Jahre Christi 38, nachdem er von Theben nach Antiochien kam.
Er war ein Jünger der Apostel, aber besonders ein Reisegefährte des Apostels Paulus, mit welchem er in viel Gefahr und Schwierigkeiten zu Wasser und zu Land gewesen ist.
Er war sehr vertraut mit Paulus und ein besonderer Freund von ihm, dass er, wie die Alten berichten, sein Evangelium aus des Apostels Munde und Unterricht geschrieben; auch hat er die vornehmsten Reisen Pauli bis zu seiner ersten Gefangenschaft zu Rom getreulich aufgezeichnet.
Auch erwähnt Paulus von ihm öfters in seinen Briefen, wenn er an die Kolosser schreibt: »Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas.« (Kol 4,13) Und an Philemon: »Es grüßt euch Epaphras, mein Mitgefangener, in Christo Jesu, Markus, Aristarchus, Demas, und Lukas, meine Mitgehilfen.« (Phlm 23–24) Desgleichen an Timotheus: »Lukas ist allein bei mir.«(2Tim 4,11)
Daher, wie es scheint, ist Lukas nicht allein ein Reisegefährte Pauli gewesen, sondern war auch mit ihm zu Rom in Gefangenschaft.
In Bezug auf sein Ende melden einige, dass er, als er in Griechenland lehrte, von den Gottlosen daselbst an einen grünen Ölbaum aufgehängt worden sei. Andere berichten, dass er zur Zeit seines Todes in dem vierundachtzigsten Jahre seines Alters gewesen.




17.01.2019
Matthias
Apostel
Auf einem Felsen an ein Kreuz gebunden, gesteinigt und enthauptet
im Jahre Christi 70




Matthias stammt, wie einige glauben, aus dem königlichen Hause Davids, welcher zu Bethlehem von Jugend auf in dem Gesetz Gottes wohl unterrichtet worden ist.
Er ist einer von den siebzig Jüngern Christi gewesen, aber kurz nach des Herrn Himmelfahrt, als Judas Ischariot treulos von seinem Apostelamt abgewichen war, und sich selbst umgebracht hatte, ward er von den elf übriggebliebenen Aposteln, und von einer Schaar von 120 Männern durch ihr Gebet zu Gott, und durch’s Los einstimmig erwählt anstatt des oben gemeldeten treulosen Judas zu einem Apostel und Gesandten Jesu Christi, um das Evangelium, folgend dem Befehle des Herrn, allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen zu taufen.
Hernach ward er nebst den übrigen elf Aposteln von dem jüdischen Rat gegeißelt, und ihnen befohlen, dass weder er noch die Übrigen im Namen Jesu Christi predigen sollten.
Sie aber gingen fröhlich von dem Rat, weil sie würdig waren, um ihres Seligmachers willen Schmach zu leiden, und sie unterließen nicht, alle Tage in dem Tempel und hin und her in Häusern zu lehren, und Jesum Christum zu verkündigen.
Nachdem sich die Apostel um des Lehrens willen zerteilt hatten, ist nach Hieronymi Meinung dieser Matthias sehr weit in Äthiopien gereist, woselbst niemals jemand von den Aposteln gewesen ist, nämlich am allertiefsten im Lande, ja an den äußersten Enden, wo der Einfluss des Hafens oder des Stromes Asphar und Hyssus (in die See) ist, woselbst die allerunwissendsten und rohesten Menschen wohnen.
Diesen Menschen nun, welche in der allertiefsten Finsternis der Unwissenheit saßen, ist das wahre Licht des Evangeliums durch den Dienst dieses Apostels aufgegangen.
Aber wie die Geschichte meldet, so ist er, nachdem er viele Seelen für Christum gewonnen, nach Judäam, Galiläam und Samariam zurückgekehrt, als nämlich durch die Zerstreuung der Apostel die Juden, welche dort herum wohnten, den Dienst des heiligen Evangeliums zu ihrer Bekehrung nicht genießen konnten.
Was den Ausgang und das Martertum Matthiä betrifft, so schreiben einige, dass er von den Heiden getötet worden sei, weil er sich geweigert dem Götzen Jupiter zu opfern.
Doch andere berichten, dass er um der Lästerung willen, dessen ihn die Juden beschuldigten, nämlich gegen Gott, gegen das Gesetz und gegen Mose, von ihren Hohepriestern dahin sei verurteilt worden, dass er sollte an ein Kreuz gehängt, gesteinigt und hernach mit dem Beil enthauptet werden.
Aber sein Urteil war also beschaffen (weil er Jesum seinen Seligmacher nicht wollte verleugnen, sondern standhaft bekannte): Dein Blut sei auf deinem Haupte, denn dein Mund hat gegen dich selbst geredet.
Worauf er, wie einige schreiben, an ein Kreuz gebunden, andere sagen auf einen Felsen geführt, gesteinigt und vermöge des Todesurteils enthauptet worden.



16.01.2019
Simon Zelotes und sein Bruder Judas Thaddäus
Apostel
Beide um der Wahrheit Christi willen getötet; der eine gekreuzigt, der andere mit Stöcken totgeschlagen
ungefähr im Jahre Christi 70



Simon der Kanaaniter, mit dem Zunamen Zelotes, das ist Eiferer, ein Sohn Alphäi und Bruder Jakobi, Josä und Judä, einer von den Verwandten in der Freundschaft Christi, dieser ward von Christo unter die Zahl seiner zwölf Apostel aufgenommen, um das Evangelium zu lehren erstlich unter den Juden, hernach auch unter den Heiden, um welcher Ursache willen er mit den andern, welche mit ihm in gleichem Dienste standen, am Pfingsttag den heiligen Geist empfing.
Er reiste in Ägypten, Cyrenen, Afrika, Mauritania, durch ganz Lybien, und in die Eiländer von Großbritannien, woselbst er das Evangelium lehrte. Später, nachdem er aller Orten gepredigt (schreibt N. D. C.) kam er auch in England an die Westsee und ihre angrenzenden Orte.
Endlich ist er (wie andere berichten) nach Persien abgereist, woselbst er seinen Bruder Judas gefunden, welche zusammen in der Bedienung des Apostelamts verharrten und beständig blieben, auch die göttliche Wahrheit mit ihrem Blute versiegelt haben.
Von Simon Zelotes wird ferner besonders gesagt, dass er von einem gewissen Landpfleger in Syrien auf eine grausame Weise gekreuzigt worden sei.
Von seinem Bruder Judas, mit dem Zunamen Lebbäus oder auch Thaddäus, welcher auch ein Apostel Jesu Christi gewesen, wird in den evangelischen Geschichten nichts gemeldet, nur wird gesagt, dass er dem Herrn Jesu die Frage stellte: »Herr, was ist es, dass du dich uns und nicht der Welt willst offenbaren?«
Dieser ist es, welcher auch einen trostreichen Brief an die Gläubigen geschrieben, in welchem er sie vermahnt, zu verharren in dem einmal angenommenen, allerheiligsten Glauben, dabei er den Ungläubigen mit dem schweren Urteil Gottes droht.
Vermöge der Abteilung der Welt, welche unter den Aposteln geschehen zur Ausbreitung des Evangeliums, ist er gereist in Mesopotamien, Syrien, Arabien, als auch nach Edessa.
Zuletzt aber, als er in Persien reiste, hat er sich daselbst der heidnischen Abgötterei widersetzt, und sie bestraft, weshalb er
von den Götzenpriestern, welche ihren Gewinn dabei verloren, totgeschlagen ward.
Simon der Kanaaniter oder Zelotes (ein Sohn Alphäi) wird von etlichen nicht unterschieden von Simon dem Bischof zu Jerusalem, welcher ein Sohn Cleopha war, woraus der Irrtum entstanden, dass gesagt wird, Simon Zelotes sei getötet worden im Jahre 108 (siehe biblisches Namenbuch, Fol. 870, Kol. 1), welches eigentlich von Simon, dem Bischof zu Jerusalem, dem Sohn Cleophä, zu verstehen ist. Denn Simon Zelotes und sein Bruder Judas Thaddäus sind, dem Berichte nach, getötet worden in dem Ausgange der Verfolgung Neros im Jahre Christi 70.



15.01.2019
Matthäus
Evangelist
In Nadavar unter König Hyrtacus an die Erde genagelt und enthauptet ungefähr im Jahre Christi 70




Matthäus, sonst genannt Levi, ein Sohn Alphäi, ist ein Zöllner in Kapernaum gewesen, welcher bei den Juden verachtet gewesen, die sich nicht für schuldig hielten, Zoll oder Schätzung an einen fremden Fürsten zu bezahlen.
Was den Zustand der Zöllner in derselben Zeit betrifft, so bestand derselbe darin, dass sie insgemein mehr von dem Volke nahmen, als gesetzlich erlaubt war, weswegen sie von den Frommen gemieden wurden, sodass auch die offenbaren Sünder, welche von der Gemeinde abgesondert waren, mit den Zöllnern verglichen wurden.
Da nun Matthäus (oder Levi) vor seiner Bekehrung sich auch mit solchem unrechtmäßigen Handel ernährte, so ist ihm doch Christus mit seiner Gnade zuvorgekommen, und hat demselben befohlen, ihm nachzufolgen als ein Jünger, welchem Befehle er aus innerlichem Antriebe nachkam, hat das Zollhaus verlassen, und als er eine große Mahlzeit zugerichtet zum Abschiede von seinen Mitgenossen, hat er seine Mit-Zöllner nebst dem Herrn Jesu dazu eingeladen, vermutlich damit sie durch die Reden Christi möchten Gelegenheit zu ihrer Bekehrung finden.
Hernach hat Matthäus alsbald alles verlassen, und ist seinem Herrn, der ihn berufen, eifrig nachgefolgt, der ihn auch nachgehend unterwiesen, und unter die Zahl der Apostel gesetzt, welches Amt er mit unter den Juden bis an den Tod Christi bediente.
Da er aber ausgesandt ward, um unter den Heiden zu lehren, ist ihm Äthiopien oder Mohrenland zum Teil zugefallen.
Ehe er das jüdische Land verließ, hat er, durch Erleuchtung des heiligen Geistes, sein Evangelium in hebräischer Sprache geschrieben und ihnen solches mitgeteilt.
In Äthiopien hat er große Frucht geschafft, sowohl mit Lehren als auch mit Wunderwerken, woselbst auch nach seinem Tode eine Abschrift seines Evangeliums für die Nachkömmlinge zurückgeblieben ist, aus welchem leicht zu ersehen ist, welchen Glauben er verteidigt, nämlich den Glauben an Jesum Christum, den Sohn Gottes, und dass er ein wahrhaftiger Mensch geworden durch die Kraft des heiligen Geistes in seiner Mutter Maria.
Es melden die Geschichtsschreiber, dass bald nach dem Tode des Königs Agilippi, welcher den Christen zugetan gewesen, dieser Apostel von seinem Nachfolger Hyrtacus, einem ungläubigen heidnischen Menschen verfolgt worden, welcher diesen frommen Apostel Christi zu einer gewissen Zeit, als er in der Gemeinde Gottes lehrte, festnehmen, und ihn, wie einige schreiben, in der Hauptstadt von Äthiopien, Navadar genannt, an die Erde festnageln und enthaupten ließ.
Woselbst er auch, (wie Benantius Forturatus bezeugt) begraben ist.
Denn er meldet (schon lange vor tausend Jahren), die hohe Stadt Navadar soll uns an dem jüngsten Tage diesen teuren Apostel Matthäus wiedergeben.



14.01.2019
Thomas
Apostel
in Calamina von den wilden (Menschen) mit glühenden Platten gepeinigt, in einen Ofen geworfen und mit Spießen in die Seite gestochen
ungefähr im Jahre 70



Thomas mit dem Zunamen Dydimus, das ist Zwilling, ward geboren in Galiläa, seiner Hantierung nach, wie es scheint, ein Fischer.
Man findet nichts beschrieben bei den Evangelisten von seinen Eltern und von der Zeit seiner Bekehrung, sondern nur allein von seiner Berufung zum Apostelamt.
Seine Liebe und innige Zuneigung, welche er zu Christo hatte, beweist er dadurch, dass er seine Mitbrüder ermahnte, mit hinauf nach Jerusalem zu gehen, um daselbst mit Christo zu sterben.
Aber weil er noch nie bis aufs Blut gestritten, und auch in Ansehung des Todes Christi noch in einem gewissen Unverstand war, so hat er, gleichwie auch die andern, als ihn die Not überfiel, den Herrn verlassen.
Nachdem der Herr auferstanden war, und sich in seiner Abwesenheit den übrigen Aposteln offenbart, so konnte er solches, wie er selbst meldet, nicht glauben; es sei denn, dass er seine Finger stecke in das Mal der Nagel, womit der Herr ans Kreuz genagelt war, und lege seine Hand in des Herrn Seite, welche ein Kriegsknecht mit einem Speer geöffnet hatte. Als es sich nun zutrug, dass der Herr wiederum erschien, und sich ihm offenbarte, sagend: »Bring her deine Finger und sieh meine Hände, und lege deine Hand in meine Seite.« Da ward er überzeugt und fing an, Christum mit göttlichen Ehrentiteln zu begrüßen, ausrufend: »Mein Herr und mein Gott!«
Hernach hat er nebst den übrigen Aposteln Befehl empfangen, das Evangelium auf dem ganzen Erdkreis zu verkündigen, und alle Gläubigen zu taufen, zu welchem Ende er zehn Tage hernach, nämlich am Pfingstfeste, mit seinen übrigen Mitknechten den heiligen Geist in reichem Maße empfing.
Wie die Geschichte meldet, so hat er Thaddäus kurz nach der Auferstehung Christi an den König Abgarus abgesandt.
Als ihm aber Parthien in Indien und Äthiopien nebst vielen andern Landschaften zuerkannt wurden, hat er dieselben durchreist, doch hat er, wie es scheint, sich gescheut nach Mohrenland und zu andern wilden indianischen Völkern zu gehen; nichtsdestoweniger, als er von Gott gestärkt ward, hat er daselbst viele Menschen zu Gott bekehrt.
Von dem Ausgang Thoma ist dieses die wahrscheinlichste Beschreibung, welche bei den Alten gefunden wird, nämlich, dass er zu Calamina, einer Stadt in Ostindien, die gräuliche Abgötterei der Heiden, welche daselbst das Bild der Sonne anbeteten, hat aufhören machen, sodass er durch die Kraft Gottes den bösen Feind gezwungen, das Bild zu zerstören.
Hierüber ist er von den Götzenpriestern bei ihrem König verklagt worden, welcher ihn dahin verurteilte, dass er zuerst mit glühenden Platten gepeinigt, hernach in einen glühenden Ofen geworfen und verbrannt werden sollte.
Aber die Götzenpriester, die da vor dem Ofen standen und sahen, dass ihn das Feuer nicht verzehrte, haben seine Seite, als er in dem Ofen lag, mit Spießen und Wurfpfeilen durchstochen,
und ist also seinem Herrn Jesu Christo in der Standhaftigkeit gleichförmig geworden, welchen er auch bis an seinen Tod bekannt hat. Hieronymus meldet, dass sein Leichnam, welcher wie zu ersehen war, aus dem Feuer ist gerissen worden, an demselben Ort, wo er entschlafen ist, auch begraben wurde.



13.01.2019
Bartholomäus
Apostel
in Armenien, von dem König Astiages zuerst sehr gepeinigt, darauf ihm lebendig die Haut abgezogen und zuletzt enthauptet
ungefähr im Jahre Christi 70




Bartholomäus (welches so viel gesagt ist, als ein Sohn Tholomäi) war ein Galiläer, gleichwie auch die übrigen Apostel, und nach Theodoreti Bericht gleichfalls ein Fischer. Etliche aber glauben, er sei von fürstlichem Stamm gewesen, und ein Neffe des Königs von Syrien.
Man liest von ihm nicht viel in der heiligen Schrift, ohne von seiner Berufung zum Apostelamt, das Evangelium mit den andern zu verkündigen durch Judäa und Galiläa, den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Nach der Auferstehung Christi ward er in seinem Apostelamt befestigt, und hat nebst den andern, welche in gleichem Dienste mit ihm standen, die Gabe des heiligen Geistes empfangen.
Nachdem sich die Apostel zerteilt, hat er zuerst sein Amt in Licaonien bedient, desgleichen auch in Syrien und in den oberen Teilen von Asien, hernach in Indien. Die Jahrbücher melden, dass Panthenus, Lehrer von Alexandrien, als er ungefähr hundert Jahre darnach an selbigen Ort gekommen, das Evangelium Matthäi, welches Bartholomäus dahingebracht, und die Indianer in ihrer Muttersprache gelehrt hatte, gefunden, und solches mit sich genommen habe.
Zuletzt hat er das Evangelium in Groß-Armenien ausgebreitet, und hat daselbst in Albana oder Albanopolis, der Hauptstadt des Königreichs Oteno oder Alemonio, des Königs Astiagis Bruder samt seiner Hausfrau, zwei Söhnen und einer Tochter, zu dem Glauben gebracht.
Außerdem bezeugen andere, dass er zwölf Städte in derselben Landschaft, in welchen dem Teufel durch den Abgott Astharoth gedient ward, von der Abgötterei erlöst, und mit der Erkenntnis Christi erleuchtet.
Da aber dieses die Priester Astharoths sehr verdross, haben sie ihre Klagen bei dem König Astiages angebracht, welcher Bartholomäus, den heiligen Apostel Christi, gefangen nehmen und vor sich bringen ließ.
Als nun Bartholomäus vor dem König stand, ward er von ihm gescholten, dass er seinen Bruder verführt und den Gottesdienst im Lande wankend gemacht habe. Deshalb drohte er ihm mit dem Tode, wenn er nicht aufhören würde, Christum zu predigen und sich weigerte, seinen Göttern zu opfern.
Als nun Bartholomäus auf diese Beschuldigungen geantwortet und gesagt, dass er seinen Bruder nicht verführt, sondern bekehrt, und in seinem Lande den wahren Gottesdienst gepredigt habe, so sei er deshalb bereit, lieber sein Zeugnis mit seinem Blute zu versiegeln, als den geringsten Schiffbruch seines Glaubens oder Gewissens zu leiden.
Deshalb ward er von dem König verurteilt, erst viel gepeinigt und mit Stöcken geschlagen zu werden, und ihn dann mit dem Kopfe niederwärts an ein Kreuz aufzuhängen, lebendig die Haut abzuziehen, und endlich mit dem Beil das Haupt abzuschlagen. Nachdem solches an ihm vollzogen worden, ist er mit Christo, seinem Herrn, vereinigt worden.
Andere erzählen, dass sich das Todesurteil über Bartholomäus nicht weiter erstreckte, als dass ihm am Kreuz die Haut abgezogen werden sollte, ohne zu enthaupten. Aber als er davon nicht gestorben, sondern das Volk ermahnte, sei ihm, um solches zu verhindern, das Haupt abgeschlagen worden mit einem Beil, und habe also seinen Geist in die Hände Gottes befohlen.



12.01.2019
Andreas
Apostel
in Patras in Achaia, am Kreuz getötet
ungefähr im Jahre Christi 70



Andreas, ein Sohn Jona und ein Bruder Petri, gebürtig zu Bethsaida in Galiläa, war zuerst ein Jünger Johannes des Täufers; und da er älter war als Petrus und zuerst Christum kannte, so hat er seinen Bruder zu Christo, als dem wahren Messias gebracht. Und weil er eben, wie auch Petrus, ein Fischer gewesen, so hat ihn der Herr berufen und verheißen, ihn zum Menschenfischer zu machen.
Dieweil er aber dem Herrn eifrig nachfolgte, und sich in der Lehre des Evangeliums unterrichten ließ, sodass er auch gewürdigt ward, mit dem Geist der Wundertaten erfüllt zu werden, darum hat ihn der Herr unter die Zahl seiner zwölf Apostel aufgenommen, welchen Dienst er auch mit den andern unter den Juden getreulich ausgerichtet hat.
Er war bei dem Herrn in einem nicht geringen Ansehen; denn, wie es scheint, so hatte er einen freimütigeren Zutritt zu ihm, als wohl Philippus selbst.
Weiteres, obwohl er in eine Schwachheit gefallen, wie alle andern Apostel, in dem er seinen Meister verließ, so hat er sich doch wiederum aufgemacht und zu Christo und seinen übrigen Mitbrüdern verfügt.
Später hat er nebst allen seinen übrigen Mitknechten Befehl erhalten, das Evangelium allen Völkern auf dem ganzen Erdboden zu predigen, zu welchem Ende er am heiligen Pfingstfeste mit dem heiligen Geist begabt wurde, welchen er in aller Fülle empfangen hatte.
Nachdem ging er auf Reisen, um dem Befehl Christi zu gehorchen, und hat in vielen Ländern gelehrt, als in Pontus, Galatien, Bithynien, wie auch zu Antropophages und in Scytia.
Desgleichen reiste er auch in die Nord- und Südländer, wie auch in das Land von Bizanz. Er durchreiste Thracien, Mazedonien, Thessalien und Achaia, und predigte aller Orten Christum, wodurch er viele Menschen zum christlichen Glauben gebracht hat.
Auch bekräftigte er die Lehre seines Meisters Christi durch viele Wunderzeichen, nach dem, was der Herr gesagt hatte: Euch sollen diese Zeichen folgen. Weil aber andere Schreiber nicht aufrichtig davon handeln, wollen auch wir nachlassen von den besonderen Begebenheiten derselben Zeichen.
Zuletzt, als er seinen Lauf vollendet hatte, nach dem Willen des ewigen Gottes, hat ihn Aegeas, der Landpfleger der Edessenen, auf Befehl des Römischen Rates in der Stadt Patris in Achaia kreuzigen lassen.
Was die Ursache und Weise seines Todes ist, davon wird also geschrieben (In Apophtegm. Christian Baudart. Pag. 3):
Zu Patris, einer Stadt in Achaia, hat er nebst vielen anderen Personen auch Maximillam, die Hausfrau Aegei des Landpflegers, zu dem christlichen Glauben bekehrt, daher ist der Landpfleger sehr erbost über den Apostel Andreas, der ihm auch mit dem Tode des Kreuzes drohte. Hierauf hat der Apostel zu dem Landpfleger gesprochen:
Hätte ich den Kreuzestod gefürchtet, ich würde die Majestät und Herrlichkeit des Kreuzes Christi nicht gepredigt haben.
Nachdem nun die Feinde der Wahrheit den Apostel Andreas gefangen und zum Kreuzestod verurteilt hatten, ist er
nach dem Orte, wo man ihn kreuzigen wollte, mit Freuden und gleichsam lächelnd gegangen. Und als er nahe zum Kreuze kam, sprach er:
O du liebes Kreuz! Mich hat sehr nach dir verlangt, ich freue mich, dich hier aufgerichtet zu sehen, ich komme zu dir ganz wohlgemut mit einem getrosten Gewissen und begehre, als ein Jünger desjenigen, welcher am Kreuze hing, dass ich auch möchte gekreuzigt werden.
Ferner sprach der Apostel: Je näher ich dem Kreuze komme, desto mehr ich mich zu Gott nahe, und je mehr ich mich von dem Kreuz entferne, desto mehr entferne ich mich auch von Gott.
Der heilige Apostel Andreas hat drei Tage lang an dem Kreuze gehängt; hat aber nicht stille geschwiegen, sondern so lang als er den Mund und die Zunge regen konnte, hat er das Volk, das bei dem Kreuze stand, unterwiesen in dem Wege der Wahrheit, und hat nebst andern auch diese Worte gebraucht: Ich danke meinem Herrn Jesu Christo, der mich eine Zeit lang als einen Gesandten gebraucht, und nun mich lässt aus diesem Körper wandern, dass ich möge durch ein gutes Bekenntnis die Barmherzigkeit und Gnade erkennen, die da ewig währt. Bleibt standhaft in dem Wort der Lehre, welches ihr empfangen habt, und unterweiset euch untereinander, dass ihr auch dort in der Ewigkeit bei Gott wohnen möget, zu empfangen die Frucht seiner Verheißungen.
Die Christen und andere fromme Leute baten den Landpfleger, dass er Andreas von dem Kreuze abnehmen und ihnen schenken wolle. (Denn es scheint, dass er nicht an das Kreuz genagelt, wie Christus, sondern gebunden gewesen.) Da solches der Apostel vernommen, hat er zu Gott gerufen und gesprochen:
O Herr Jesu Christi! Laß doch nicht zu, dass dein Diener, der um deines Namens willen hier an dem Holze hängt, losgelassen werde, um wiederum bei den Menschen zu wohnen, sondern du wollest mich aufnehmen, o du mein Herr, mein Gott, den ich gekannt habe und den ich geliebt habe, an welchen ich mich halte, welchen ich begehre zu sehen, und in welchem ich bin, was ich bin.
Da der heilige Apostel diese Worte geredet hatte, hat er seinen Geist aufgegeben in die Hände seines himmlischen Vaters.



11.01.2019
Onesiphorus
Freund von Paulus
in Hellesponte an wilde Pferde gebunden und totgeschleift oder zerrissen auf Befehl Neros
ungefähr im Jahre Christi 70



Onesiphorus war aus Asien, ein Bürger von Ephesus, in Kleinasien, sehr tugendhaft und gottselig in seinem Leben, sodass er den Apostel Paulus zu Rom in seinen Banden oft besuchte, ansprach und tröstete, worüber sich der Apostel Paulus von Herzen freute und Gott gebeten, dass ihm diese Wohltat an dem großen Tage der Vergeltung möge vergolten werden.
Hierüber schreibt Paulus an Timotheus also: »Der Herr gebe Barmherzigkeit dem Hause Onesiphori, denn er hat mich oft erquickt und hat sich meiner Ketten nicht geschämt, sondern als er nach Rom kam, suchte er mich mit Fleiß und fand mich. Der Herr gebe, dass er Barmherzigkeit finde bei dem Herrn an jenem Tage; und wie viel er mir zu Ephesus gedient hat, solches weißt du ambesten.« (2Tim 1,16–18)
Am Schluss desselben Briefes lässt er Onesiphori Hausgesinde herzlich grüßen, sagend: »Grüßt mir das Hausgesinde Onesiphori. Die Gnade sei mit euch, Amen.« (2Tim 4,19,22)
Einige schreiben, dass dieser fromme Mann Bischof der Gemeinde zu Kolophon gewesen, andere melden zu Koronia. Ob aber zu derselben Zeit Kolophon und Koronia eine Stadt gewesen mit zwei verschiedenen Namen, oder ob es zwei besondere Städte gewesen, sodass er täglich die Aufsicht über beide Gemeinden hatte, daran ist uns wenig gelegen zu untersuchen.
Es ist uns genug, dass die Geschichtsschreiber darin übereinstimmen, dass er und Porphyrius, sein Mitknecht in dem Dienst Jesu Christi, an dem Hellespont zuerst sind, nach dem Befehl des Landpflegers Adriani, mit vielen harten Schlägen gegeißelt, und hernach beide zugleich an wilde Pferde gebunden und todgeschleift oder zerrissen worden, vermöge des blutigen Gebots Neros.



10.01.2019
Silas oder Silvanus
zu Philippi, in Mazedonien, gegeißelt und als ein Märtyrer gestorben
ungefähr im Jahre Christi 70




Silas, sonst genannt Silvanus, war dem Apostel Paulus und Barnabas zugesellt, nebst Juda, welcher genannt ward Barsabas, welche Männer Vorgänger waren unter den Brüdern, um Zeuge der Sachen zu sein, die unter den Aposteln zu Jerusalem zum Wohlstand der Gemeinde Gottes überlegt und beschlossen wurden.
Dieser Silas nun, nachdem er einst zu Philippi in Mazedonien das Werk des heiligen Evangeliums befördert hatte, so wird er nebst Paulus gefangen, vor die Obersten geführt, öffentlich, wiewohl unverhört, gegeißelt, und nachdem er so misshandelt ward gegen alles Recht und Ursache, in den Kerker geworfen, mit den Füßen in den Stock gelegt; doch durch die Beschickung Gottes, auf eine wunderbare Weise um Mitternacht, als ein Erdbeben entstand, wodurch sich die Türen des Gefängnisses öffneten, wiederum befreiet.
Es haben einige gesagt, dass er nachgehend Bischof der Korinthischen Gemeinde geworden, und nach vielem Predigen in Mazedonien als ein Märtyrer gestorben sei. Indessen ist es doch gewiss, dass er, nach dem Zeugnis der heiligen Schrift, um des Evangeliums willen nicht allein ist gefangen und gegeißelt worden, sondern auch viele Verschmähungen vor seinem Ende erlitten hat.



09.01.2019
Paulus
Apostel
Hart verfolgt und zuletzt von Kaiser Nero enthauptet
im Jahre Christi 69




Saulus, (welcher nach der Hand Paulus genannt ward) war von Abkunft ein Jude, aus den Hebräern von dem Stamm Benjamin; wer aber eigentlich sein Vater und seine Mutter gewesen, solches findet man nicht in der heiligen Schrift (Phil 3,5).
Betreffs seiner Geburtsstadt lässt es sich annehmen, dass seine Eltern entweder aus Not der Verfolgung oder des Römischen Kriegs oder anderer Ursachen halber ihre Wohnstatt, gelegen in dem Erbteil Benjamin, verlassen, und sich in eine römische Freistadt in Cicilien, mit Namen Tarsus, begeben haben, woselbst dieser Paulus geboren, welcher durch die Privilegien derselben Stadt, obgleich er ein Jude war, ein römischer Bürger wurde(Apg 22,3).
Während seiner Erziehung ist er sehr sorgfältig durch den weisen Gamaliel in dem väterlichen Gesetz unterrichtet worden, sodass er dermaßen zugenommen, dass ihm wenig aus dem ganzen alten Testamente unbekannt gewesen ist (Apg 22,3; Gal 1,14).
Er lebte untadelhaft nach dem Gesetze Moses und der heiligen Propheten, und in dem allereingezogensten und strengsten Orden des Judentums; weil er aber von der Lehre des heiligen Evangeliums noch nicht genugsam benachrichtigt war, hat er (wiewohl nach dem Gesetz) verkehrt geeifert, und die Gemeinde Christi verfolgt, ja zur Zeit des Todes Stephani bewahrte er die Kleider derer, die ihn töteten (Apg 7,58).
Aber hernach, da er Briefe empfing von den Priestern zu Jerusalem, an die Schulen zu Damaskus, um gefänglich einzubringen Männer und Weiber, die den Namen Christi bekannten, so hat ihm der Herr vom Himmel solches verwiesen, rufend: »Saul! Saul! Warum verfolgst du mich? Er antwortet: Herr, wer bist du? Der Herr sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst; es wird dir schwer fallen wider den Stachel löcken. Da antwortete er zitternd und verzagt: Herr!Was willst du, dass ich tun soll? Der Herr sprach, gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun sollst.« (Apg 9,4–6)
Die Männer, welche mit ihm reisten, standen ganz bestürzt, denn sie hörten eine Stimme und sahen doch niemand. Da stand er auf von der Erde, denn die Furcht hatte ihn darnieder geschlagen, und als er seine Augen aufhob, sah er nichts, also dass sie ihn bei der Hand leiteten und nach Damaskus brachten (Apg 9,8).
In der Stadt Damaskus war ein Jünger, genannt Ananias, zu demselben sprach der Herr durch eine Erscheinung: »Stehe auf und gehe in die Straße, welche heißt die Gerade, und frage in dem Hause Juda nach einem mit Namen Saulus von Tarsus, denn siehe, er betet.« (Apg 9,11)
Ananias antwortete: »Herr! Ich habe von vielen gehört von diesem Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen zu Jerusalem getan.« (Apg 9,13)
»Da sprach der Herr zu ihm: Gehe hin, denn er ist mir ein auserwähltes Gefäß, dass er meinem Namen trage vor die Heiden, vor Könige und vor die Kinder Israel, und ich will ihm zeigen, wie er leiden soll um meines Namens willen.« (Apg 9,15–16)
Also ging Ananias hin, kam in das Haus, legte die Hände auf ihn und sagte: »Saul, lieber Bruder, der Herr hat mich zu dir gesandt, damit du dein Gesicht wieder empfangest, und mit dem heiligen Geiste erfüllet werdest; und zur Stund’ fiel es von seinen Augen gleichwie Fischschuppen, und da er sehend geworden war, stand er auf und ließ sich taufen.« (Apg 9,17–18)
Auf solche Weise ist Saulus, später Paulus genannt, bekehrt worden, welcher einer der vornehmsten Apostel unseres Herrn Jesu Christi gewesen; ja der da mehr gearbeitet als die übrigen alle (1Kor 15,10).
Alsbald nach seiner Bekehrung predigte er Christus in den Schulen, bezeugend, dass er der Sohn Gottes sei (Apg 9,20).
Einige Zeit hernach sagte der heilige Geist zu den Propheten und Lehrern von Antiochien, nachdem sie dem Herrn mit Fasten und Beten gedient hatten: »Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werke, wozu ich sie berufen habe!« Also wurden sie von dem heiligen Geiste ausgesandt (Apg 13,23).
Unterdessen wird Paulus, zuvor Saulus genannt, mit sonderlichen Gaben des heiligen Geistes ausgerüstet; denn er hatte den Geist des Unterschiedes, der Weissagung, der Zungen, der Kräfte (Apg 13,9–10; 1Tim 4,1; 1Kor 14,18; Apg 19,11).
Auch hatte er außerordentliche Offenbarungen, sodass er zu einer gewissen Zeit bis in den dritten Himmel, ja bis in das himmlische Paradies entzückt wurde, woselbst er unaussprechliche Worte gehört, die kein Mensch sagen kann (2Kor 12,1).
Außerdem war er geziert mit vielen christlichen Tugenden, welche er mit einem guten Gewissen ausübte. Desgleichen war er treu in seinem Dienste, hatte eine väterliche Sorge über alle Gemeinden, und eine herzliche Liebe bis in den Tod zu ihnen; sodass er sagte: »Unsres Herzens Lust zu euch war, euch mitzuteilen nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser Leben, weil wir euch lieb gewonnen hatten.« (1Th 2,8)
Er war vom Geiz entfernt und von Herzen mild, und wollte lieber mit seinen eigenen Händen arbeiten, als die Gemeinde belästigen, auf dass dem heiligen Evangelio kein Hindernis zuwachse (Apg 20,34).
Den Irrgeistern, Zauberern, Epicurischen Philosophen und falschen Aposteln hat er kräftigen Widerstand getan, und durch Gottes Wort überwunden.
Er scheute weder Groß noch Klein, noch Edel oder Unedel, noch Jude oder Grieche; sondern lehrte die Wahrheit Gottes aufrichtig. Was er erlitten auf sieben großen Land- und Seereisen, in einer Zeit von dreißig Jahren, in welcher er Judäa, Syrien, Asien, Mazedonien, Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, ja beinahe die ganze alte bewohnte Welt durchwanderte, ist genugsam bekannt, sowohl in der heiligen Schrift, als aus den Geschichten.
Es wird angenommen, dass er bis zu seiner ersten Gefangenschaft in Rom über dreitausend deutsche Meilen zu Wasser und zu Land gereist habe, nur allein des Evangeliums willen; ausgenommen die andern beschwerlichen Reisen, welche er zur Stärkung, Aufweckung und Tröstung der neugepflanzten Gemeinden unternommen hat, auf welchen er viel Verdruss, Jammer und Herzeleid von den Ungläubigen erdulden musste.
Die Worte, die der Herr gesprochen in der Zeit seiner Bekehrung, wurden durchgehend erfüllt: »Ich will ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden soll.« (Apg 9,16)
Kurz nach seiner Taufe, da sein Eifer für die Wahrheit Christi zu Damaskus Früchte zu tragen anfing, indem er den Juden bewies, dass Christus gekommen, hielten sie einen Rat, um ihn zu töten; um auf diese Weise ihren Händen zu entgehen, wurde er in einem Korb über die Mauer gelassen (Apg 9,24–25).
Später, als er nach Ikonien mit seinem Mitgehilfen Barnabas kam, erweckten die Juden die Heiden gegen ihn und seinen Freund, des Vorhabens, sie zu steinigen.
Da sie aber nach Lystra flüchteten, und einen Krüppel gehend gemacht, kamen etliche Juden von Antiochien und Ikonien, und erweckten das Volk, sodass sie Paulus steinigten, den sie doch zuvor als einen Gott geehrt, und schleppten ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er wäre gestorben; nachdem ihn aber seine Jünger umringten, stand er wieder auf (Apg 14,18–19).
Nachmals, als er mit Sylas reiste, und zu Philippen in Mazedonien ein Mägdlein von einem Wahrsagegeist gesund gemacht hatte, wird er mit Sylas deshalb angeklagt, gegeißelt, in den Kerker geworfen, mit den Füßen in den Stock geschlossen, und ganz genau verwahrt. Des Nachts aber ließ Gott ein Erdbeben kommen, sodass die Fundamente des Kerkers bewegt wurden, die Türen sich öffneten, und die Bande an dem Stock sich selbst auflösten. Durch welches Mittel Paulus und Sylas mit Wissen des Kerkermeisters aus dem Gefängnis entkommen sind, welcher auch ihren Glauben annahm und getauft wurde (Apg 16,22–36).
Nach diesem, als sie nach Thessalonien kamen, und an drei Sabbattagen das Wort Gottes gepredigt, hat eine große Menge gottesfürchtiger Griechen und nicht wenig vornehme Frauen den Glauben angenommen. Deshalb wurden die ungläubigen Juden durch Hass und Neid zum Aufruhr bewegt, nahmen noch einige boshafte Männer zu sich, welches Marktbuben waren, und nachdem sie viel Volk versammelt, setzten sie die Stadt in Aufruhr. Unterdessen überfielen sie das Haus eines mit Namen Jason, in der Meinung Paulus und Sylas seien darin, und suchten sie unter das Volk zu bringen; da sie sie aber nicht fanden, schleppten sie Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, und riefen: Diese, die den ganzen Weltkreis in Aufruhr setzen, sind hierher gekommen, die hat Jason heimlich aufgenommen(Apg 17,1–7).
Von hier ließen die Brüder sie beide des Nachts nach Beroen reisen wegen der Verfolgung.
Nachdem, als Gallio Landpfleger in Achaia war, empörten sich die Juden einträchtig gegen Paulus, und brachten ihn vor den Richterstuhl, sagend: Diese überreden die Menschen gegen das Gesetz Gott zu dienen, und als Paulus seinen Mund auftun wollte, um sich zu verantworten, sprach Gallio zu den Juden, um sie von ihrer unbegründeten Beschuldigung zu überzeugen, wäre es ein Betrug oder Übeltat, liebe Juden, so würde ich euch mit Recht hören, weil es aber eine Frage ist von Wörtern und Namen, und von eurem Gesetz, so seht ihr zu, denn ich will hierüber kein Richter sein. Und also trieb er sie von dem Richterstuhl (Apg 18,12–16).
Nach diesem kam ein Prophet aus dem jüdischen Lande, Agabus genannt, und nahm den Gürtel Pauli’s und band sich selbst damit, ausrufend: Dieses sagt der heilige Geist; den Mann, dem dieser Gürtel ist, werden die Juden zu Jerusalem also binden, und ihn in der Heiden Hände überantworten. Daher haben die Brüder Paulus gebeten, seine Reise nach Jerusalem einzustellen. Aber er antwortete: Was macht ihr, dass ihr weint und mein Herz betrübt? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen zu Jerusalem, sondern auch zu sterben um des Namens Jesu willen (Apg 21,10–13).
O ein wichtiger Vorsatz des Apostels Pauli.
Da er aber auf den Staffeln zu Jerusalem stand und sich
verantwortete gegen diejenigen, welche ihn beschuldigten, geschah es, dass ihn die Juden eine Zeitlang anhörten, aber hernach ihre Kleider von sich warfen, den Staub in die Luft streuten und riefen: Tut diesen Menschen weg von der Erde, denn es gebühret ihm nicht zu leben (Apg 22,22–23).
Unterdessen haben sie ihn, um ihn zu geißeln, gebunden, wovon er nicht wäre befreit worden, wenn er nicht erklärt hätte, dass er ein Römer sei (Apg 22,25–29).
Paulus sah den Rat an und sagte: »Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe mit einem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag. Da befahl der Hohepriester Ananias denen, die um ihn standen, ihn aufs Maul zu schlagen.« (Apg 23,1–2)
In der darauffolgenden Nacht stand der Herr bei ihm und sagte: »Paulus, sei getrost! Denn wie du zu Jerusalem von mir gezeugt hast, also sollst du auch zu Rom zeugen.« (Apg 23,11)
Als es nun Tag ward, machten sich etliche Juden zusammen und verbanden sich weder zu essen noch zu trinken, sie hätten dann Paulus getötet. Es waren aber der Personen mehr als 40, welche diese Verbindung gemacht hatten (Apg 23,12).
Es hat aber Pauli Schwester Sohn ihn vor solchen betrüglichen Nachstellungen gewarnt, und da er solches an den Hauptmann der Römer gelangen ließ, wurde Rat geschafft, demselben zu entgehen; deswegen ward er in der dritten Stunde der Nacht nach Cäsarien geführt zu dem Landpfleger Felix (Apg 23,16–24).
Felix aber verwahrte ihn in dem Richthaus Herodis bis zur Ankunft seiner Ankläger (Apg 23,35).
Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Ananias hinab mit den Ältesten der Juden samt dem Redner Tertullo. Diese kamen vor den Landpfleger gegen Paulus, und als nun Paulus gerufen ward, fing Tertullus, nachdem er dem Felix viele Redensarten und Schmeicheleien gemacht, an zu klagen und sagte; Diesen Mann haben wir schädlich befunden, denn er erweckt Auflauf unter allen Juden auf dem ganzen Erdreich, und ist der Vornehmste unter der Sekte der Nazaräer, welcher darauf ausgeht, den Tempel zu entheiligen. Deshalb griffen wir ihn und wollten ihn richten nach unserem Gesetz, aber Lysias der Hauptmann kam uns zuvor und nahm ihn mit Gewalt aus unsern Händen. Dieses haben die Juden bekräftigt und gesagt, dass dem also sei(Apg 24,1–9).
Es ist aber offenbar aus den vorhergehenden Geschichten, welche in den Werken der Apostel ausgedrückt stehen, und aus nachfolgender Verantwortung Pauli von Vers 10–21, dass solches nicht wahr gewesen, wie sie auch suchten durch ihre Anklagen ihn zum Tode zu bringen.
Nachdem nun zwei Jahre verflossen, kam Porcius Festus an Felix Statt, welcher Felix, weil er den Juden günstig war, ihnen eine Wohltat erweisen wollte, und ließ Paulus gebunden zurück (Apg 24,27).
Als aber Festus ins Land kam, reiste er nach drei Tagen von Cäsaren nach Jerusalem; da begegneten ihm die Hohepriester und Vornehmsten der Juden und begehrten von ihm, dass er ihnen die Gunst erwiese, Paulus nach Jerusalem zu rufen; aber sie stellten ihm nach, um ihn unterwegs zu töten. Festus antwortete den Juden, es sollte Paulus zu Cäsaren verwahrt werden, dahin möchten seine Ankläger kommen (Apg 25,1–5).
Als sie nun kamen, brachten sie viele schwere Sachen vor, welche sie doch nicht beweisen konnten, welches Paulus mit einer zierlichen kurzen Rede widerlegte, und sich also erklärte, dass er weder gegen das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel oder den Kaiser gesündigt habe. Da er nun auf eine betrügerische Weise von Festo gefragt ward, ob er nach Jerusalem reisen wollte, um daselbst gerichtet zu werden, allwo seine Todfeinde wohnten, hat er freimütig geantwortet: Ich stehe vor des Kaisers Gericht, daselbst soll ich gerichtet werden; ich habe den Juden kein Leid getan, welches du selbst besser weißt; habe ich aber etwas getan, das des Todes wert ist, so weigere ich mich nicht zu sterben (Apg 25,9–11).
Hernach ward Paulus verhört von dem König Agrippa in Gegenwart Festi, über welche Verantwortung Festus, welcher ein Freund der Juden war, ausrief: Paulus, du rasest. Agrippa aber bezeugte, es fehlte wenig, dass er nicht ein Christ würde, urteilte auch, dass an ihm keine Schuld des Todes zu finden, darum er auch zu Festo sprach: Dieser Mensch hätte mögen losgelassen werden, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte(Apg 26,1–32).
Unterdessen hat man den Entschluss gefasst, dass er nach Italien fahren sollte, um von dem Kaiser verhört zu werden, darum haben sie ihn und noch einige andere Gefangene Julio, dem Hauptmann von der kaiserlichen Rotte, überantwortet.
Diese alle gingen zur See auf einem Adramitischen Schiffe, mit welchem sie an Cypern, Cicilien, Pamphilien und anderen Landschaften hinfuhren bis nach Myra in Licien, daselbst setzten sie sich auf ein Schiff von Alexandrien, das nach Italien fahren sollte. Mit diesem fuhren sie gegen Guidon unter Kreta hin, nahe bei der Stadt Salamin, von da an einen Ort, welcher Gut-Port genannt ward, nahe bei Lasea (Apg 27,1–8).
Als sie hier ankamen, sagte Paulus voraus, dass sie diese Reise nicht ohne großen Schaden machen würden, auch sei Gefahr des Schiffbruchs und ihres eigenen Lebens; der Unterhauptmann aber glaubte mehr dem Schiffer und Steuermann, als demjenigen, was von Paulo gesagt ward (Apg 27,10-11).
Da sie nun fortfuhren, hofften sie zu überwintern in einem Hafen an Kreta um Phönizien her, aber sie stießen auf Asson und fuhren bei Kreta hin (Apg 27,12–13).
Da ward das Schiff von einem starken Nordostwind ergriffen, welcher es trotz aller Anstrengungen durch die Wellen dahintrieb, sodass sie sich dem Winde übergeben mussten; sie kamen aber an die Insel Claudia, gleichwohl fürchtend, sie möchten auf das Trockene verfallen (Apg 27,16–17).
Weil aber ein gewaltiges Ungewitter entstand, sahen sie weder Sonne noch Sterne in vielen Tagen und Nächten, sodass alle Hoffnung ihres Lebens dahin war (Apg 27,20).
Unterdessen sandte Gott in einer gewissen Nacht seinen Engel zu Paulo, sagend: Fürchte dich nicht, du musst vor den Kaiser gestellt werden, und siehe, Gott hat dir alle gegeben, die mit dir im Schiffe sind (Apg 27,23–24).
Hierauf hat sie Paulus ermahnt, Speise zu gebrauchen zum Unterhalt ihres Lebens, denn um der tödlichen Angst willen hatten sie in vierzehn Tagen nichts gegessen. Und da er das Brot brach, um zu essen, dankte er Gott vor ihnen allen (Apg 27,33–36).
Als es nun Tag war, erkannten sie das Land nicht, davor
sie waren; doch sahen sie einen Hafen, konnten ihn aber nicht erreichen, sondern stießen an einen Ort an der Insel Melite (gegenwärtig Malta genannt) wo der vordere Teil des Schiffes fest stehen blieb, aber das Hinterteil ward von den Wellen in Stücken geschlagen (Apg 27,39–41).
Da hielten die Kriegsknechte einen Rat, die Gefangenen, und folglich auch Paulus zu töten, damit ihnen niemand, wenn er auch sollte hinausschwimmen, entlaufen möchte.
Aber der Unterhauptmann wollte Paulus erhalten, deshalb verbot er ihnen ihren Rat und sagte, welche schwimmen könnten, die sollten sich zuerst in die See begeben und ans Land kommen, welches auch geschah, andere aber wurden ans Land getrieben, etliche auf Brettern, andere auf Stücken von dem Schiffe, sodass sie alle, nämlich hundertsiebzig Seelen, ans Land kamen (Apg 27,42–44).
Also ist erfüllt worden was Paulus vorhersagt hatte, nämlich, dass sie würden Schiffbruch leiden und doch das Leben davonbringen.
An diesem Ort ward Paulus zuerst als ein Mörder, hernach aber als ein Gott ausgeschrien von denen die auf dem Eiland wohnten, und darum, weil sie merkten, dass ihm eine Otter an die Hand kam, welche er aber, ohne davon Schaden zu leiden, ins Feuer warf (Apg 28,4–6).
Nach drei Monaten setzten sie ihre Reise wieder fort nach Italien mit einem Schiffe, welches daselbst überwintert hatte, kamen zuerst nach Syracuse in Cicilien, hernach nach der Stadt Puteolen auf der italienischen Grenze, wo Paulus Brüder antraf, welche ihn sieben Tage beherbergten, andere gingen ihm entgegen bis an den Markt Apii und an die drei Tabernen.
Da er aber seine Reise fortsetzte, kam er nach Rom, wo ihn der Unterhauptmann dem Oberhauptmann überlieferte, um vor den Kaiser gebracht zu werden, inzwischen aber ward er gebunden mit einer Kette und von einem Kriegsknecht bewacht (Apg 28,11–16,20).
Dieses alles haben wir desto weitläufiger nach Anleitung der heiligen Schrift erzählt, damit man sehen möge, wie viel dieser fromme Mann auf seinen Reisen zu Wasser und zu Land um des heiligen Evangeliums willen erlitten.
Von welchem allem er einen kurzen Bericht abstattet in seinem zweiten Sendbriefe an die Korinthische Gemeinde und also schreibt:
»Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen. Ich bin dreimal gestäupt, einmal gesteinigt, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht auf der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereist; ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße.« (2Kor 11,24–27)
Ja es erscheint aus dem ersten Briefe an die Korinther, dass er zu Ephesus auf einem Schauplatze vor die wilden Tiere geworfen worden, um zerrissen zu werden, oder auf Leib und Leben mit ihnen zu kämpfen, wovon ihn Gott damals erlöste. Hiernach mögen Rechtsinnige urteilen: »Dass ich, nach Menschen Weise (schreibt er) mit den wilden Tieren zu Ephesus gefochten habe, was hilft es mir, wenn die Toten nicht auferstehen?« (1Kor 15,32)
In Bezug seiner Gefangenschaft zu Rom berichten die meisten alten Schreiber, dass, als er vor den Kaiser gestellt war, seine meisten Freunde ihn zu der Zeit verließen, als er sich verantworten sollte, er aber nichtsdestoweniger sich so trefflich gegen die Anklagen der Juden verteidigte, dass er für dieses Mal freigelassen wurde.
Was nun dieses betrifft, solches lassen wir in seinem Wert, und dem allwissenden Gott anbefohlen sein.
Inmittelst ist es doch so, dass, als er in dem Gefängnis zu Rom gewesen, er an seinen geistlichen Sohn Timotheus geschrieben, dass er nun als ein Trankopfer sollte geopfert werden, und dass die Zeit seines Abschiedes nahe sei, wiewohl er sich dessen tröstete, dass er einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, Glauben gehalten, und dass ihm nun beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche ihm der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben werde (2Tim 4,6–8).
Wie die alten Chroniken nachweisen, so ist er von dem Kaiser Nero außerhalb der Stadt Rom, auf der Straße die nach Ostia führt, Via Ostiensis, wo die Römer ihren Gerichtsplatz zu halten pflegten, durch das Schwert enthauptet worden, in dem letzten Jahre Neros, ungefähr im Jahre Christi 69



08.01.2019
Simon Petrus
Apostel
unter Kaiser Nero mit dem Haupte niederwärts gekreuzigt
im Jahre Christi 69




Simon Jonas (nachmals Kephas im Syrischen, das ist auf Griechisch Petros oder Petrus genannt) war ein Bruder Andreas, gebürtig zu Bethsaida in Galiläa, seiner Handtierung nach ein Fischer. Er hatte seine Wohnung zu Kapernaum bei seines Weibes Mutter. Sein Bruder Andreas, welcher ein Jünger Johannes gewesen, brachte ihn zuerst zu Christo, kurz darnach wurden sie beide von dem Fischen abberufen, und zu Menschenfischern gemacht.
Er ward von Christo, seinem Seligmacher, fleißig unterrichtet, und machte solche Fortschritte, dass er der Sprecher oder Wortführer aller Apostel geworden ist. Durchgehend war er der Freimütigste in Fragen und Antworten; auch eiferte er am meisten für Christum, um ihm seine Liebe und Treue zu erweisen, wiewohl er auch zu Zeiten einige Unbedachtsamkeiten beging, worin ihn dann der Herr, wie ein Vater mit seinem Kinde zu tun pflegte, getreulich unterwies, und ihn, so viel es nötig war, freundlicher Weise bestrafte.
Der Herr hat ihn auf eine sonderliche Weise geliebt, und ließ ihn, samt Jakobus und Johannes, seine Herrlichkeit anschauen auf dem Berge Tabor, wovon er später Meldung machte an die auserwählten zerstreuten Fremdlinge, indem er sagte: Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Er war wohl unter allen der Freimütigste in seinem Anerbieten, um mit Christo zu leiden, aber der Schwächste, als der Streit anging. Der Herr hat ihn nebst den zwei Söhnen Zebbedäi erwählt, um in dem Garten mit ihm zu beten und zu wachen; aber seine Augen, gleichwie auch der übrigen, waren schwer und schläfrig geworden; welches zu erkennen gab, dass er auch nicht mehr als ein schwacher Mensch gewesen, obgleich er besonders von Christo geliebt wurde. Wir wollen jetzt nicht melden, wie er Christum verleugnet, denn solches gehört nicht an diesen Ort, weil wir uns nichts anderes vorgenommen haben, als von seiner Treue und Standhaftigkeit bis an seinen Tod zu sprechen.
Nachdem ihm der Herr die zuvor gemeldete Entsagung seiner verziehen hatte, hat er ihm dreimal befohlen seine Schafe und Lämmer zu weiden, welches er auch nach der Hand aufrichtig und nach allem Vermögen vollbracht.
Es sind durch seine Predigt an einem Tage bei dreitausend Seelen zum Glauben gekommen, welche sich sämtlich taufen ließen und standhaft blieben in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, in dem Brotbrechen und in den Gebeten.
Er bekräftigte seine Lehre mit der Macht Gottes, durch Zeichen, in Folge der Verheißung Christi, wie zu ersehen an einem Krüppel, Anania, Saphira, Eneas, Tabitha und andern mehr.
Es ward ihm die Berufung der Heiden in einem Gesicht vom Himmel geoffenbart; weil er aber eigentlich ein Apostel der Juden war, so ist auch sein Dienst meistens unter der Beschneidung kräftig gewesen.
Da er aber solch ein trefflicher und würdiger Mann war in seinem Dienst, so gefiel es dem Herrn, dass er einer mit von seinen Blutzeugen sein sollte, um die Wahrheit seiner Lehre nicht allein mit dem Munde, sondern auch mit seinem Blute und Tode zu versiegeln.
Welches ihm auch der Herr kurz vor seinem Abschiede aus dieser Welt vorhergesagt hat, indem er zu Petro sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: »Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du wolltest, aber wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich binden und führen, wo du nicht hin willst. Dieses sagte er(meldet Johannes), um zu anzudeuten, mit welchem Tode er Gott verehren würde.« (Joh 21,18–19)
Dieses ist auch an ihm erfüllt worden; denn kurz nachher ward er in Jerusalem mit seinem Mithelfer Johanni vor den jüdischen Rat gestellt, und scharf bedroht, um im Namen Jesu nicht mehr zu predigen, welches sie beide mit großer Freimütigkeit verantwortet haben, sagend: »Richtet ihr selbst, ob es recht vor Gott sei, dass wir euch mehr denn Gott gehorchen.«(Apg 4,19)
Hernach ward er wiederum gefangen mit den andern Aposteln, ist aber in der Nacht wunderbarer Weise durch einen Engel aus dem Gefängnis erlöst worden (Apg 5,19).
Aber hernach ward er nicht allein gefangen, sondern auch nebst andern Aposteln gegeißelt und ihnen befohlen, gar nicht mehr im Namen des Herrn Jesu zu predigen; aber sie gingen
fröhlich von dem Rat, weil sie würdig waren um seines Namens willen Schmach zu leiden (Apg 5,40–42).
Hernach legte der König Herodes die Hände an etliche von der Gemeinde und tötete Jakobus, Johannis Bruder, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden wohlgefiel, fuhr er fort, fing Petrus auch, und legte ihn ins Gefängnis, und überlieferte ihn vier Vierteil Kriegsknechten, um ihn zu verwahren, und gedachte ihn nach dem Osterfeste dem Volke vorzustellen und ihn zu töten; aber in der Nacht hat ihn des Herrn Engel ausgeführt, mitten durch alle Kriegsknechte, sodass er wiederum bei den Gläubigen ankam, welche sehr über ihn erfreut wurden (Apg 12).
Wie es die Geschichte bezeugt, so ist auch an ihm endlich erfüllt worden, was Christus vorhergesagt, dass er Gott mit seinem Tode verherrlichen würde. Daher, als er in Rom war, ist er durch den Kaiser Nero zum Kreuz verurteilt worden. Weil er sich aber unwürdig achtete mit dem Haupte aufwärts, wie sein Erlöser gekreuzigt zu werden, begehrte er mit dem Haupte niederwärts gekreuzigt zu werden, welches ihm auch gleich bewilligt wurde, denn die Tyrannen waren bald willig und bereit, seine Pein zu vermehren. Dieses ist geschehen (wie bezeugt wird) nachdem Petrus siebenunddreißig Jahre das Evangelium gepredigt hatte, im siebzigsten Jahre seines Alters.



07.01.2019
Markus
Evangelist
Zu Tode geschleift in Alexandria
im Jahre Christi 64



Der heilige Evangelist Markus wird insgemein dafür gehalten, derselbe gewesen zu sein, dessen Zunamen Johannes genannt wird. Er war ein Mann aus der Beschneidung, ein Neffe des Barnabas, dessen Mutter Maria hieß, eine sehr gottselige Frau, welche ihr Haus zu Jerusalem der Versammlung der Christen widmete.
Erstlich wird er verordnet zu einem Diener Pauli und Barnaba, aber auf einer Reise nach Pamphylien kehrte er wieder nach Jerusalem.
Hernach hat der Apostel Paulus ihn der Gemeinde zu Kolossä rekommandiert, und sie ersucht, ihn aufzunehmen als einen Mitarbeiter in der Kirche Gottes; auch gebot er Timotheus, er sollte Markus zu ihm bringen, weil er ihm sehr nützlich zu seinem Dienst sei.
Dieser Markus ist bei Paulus in dem Gefängnis gewesen und hat ihm in seinen Banden alle getreue Hilfe und Beistand bewiesen.
Der Apostel Petrus (in seinem Briefe an die auserwählten zerstreuten Fremdlinge) nennt Markus auch seinen Sohn, ungezweifelt, weil er ihn in Christo durch das Evangelium hatte wiedergeboren; oder weil er sein Jünger, Dolmetscher und Beschreiber des Evangeliums war, welches er gelehrt hatte, von welchem letzteren Hieronymus also zeugt:

Markus (sagt er), ein Jünger Petri, hat auf Ansuchen der Brüder zu Rom ein kurzes Evangelium geschrieben nach der Erzählung, welche er von Petro gehört hatte, hat er selbige für gut erkannt und der Gemeinde auf sein Wort zu lesen gegeben.
Später, als Markus von Petrus nach Ägypten gesandt wurde, ist er durch Aquilea, die Hauptstadt von Friol, gereist, wo er viele Menschen zum Glauben gebracht, und Hermogenes zum Hirten über die Gemeinden zurückgelassen.
Darnach hat er seine Reise nach Afrika gerichtet, und Libia, Marmorica, Ammonica und Pentapolis mit der Lehre des heiligen Evangeliums erfüllt. Zuletzt hat er sich einige Jahre zu Alexandria aufgehalten.
Von dem Ausgang und Ende seines Lebens bezeugt Gelasius, dass er daselbst als ein Märtyrer gestorben sei.
Markus (spricht er), als er von Petrus nach Ägypten gesandt wurde, hat daselbst das Wort der Wahrheit treulich gepredigt, und das Zeugnis freimütig mit seinem Blut versiegelt. Diesem stimmen auch alle älteren und neueren griechischen und lateinischen Märtyrerbücher bei.
Die Geschichten melden wie folgt von der Art seines Todes: Dass, da er in dem achten Jahre Kaisers Neros in der Versammlung zu Alexandrien am Osterfest das selige Gedächtnis des Leidens und Sterbens Christi predigte, ihn die heidnischen Priester mit der Menge des Volkes überfallen, mit Haken und Seilen, welche sie um seinen Leib schlugen, aus der Versammlung geschleppt, und durch die Straßen bis außer der Stadt geschleift, sodass sein Fleisch allenthalben an den Steinen hängen blieb, und sein Blut auf der Erde floss, bis er mit den letzten Worten unseres Seligmachers seinen Geist in die Hände des Herrn übergab und starb.
Ein anderer alter Schreiber erzählt, dass, da sie ihn unmenschlich durch die Straßen geschleift, er überall aufgeborsten, sodass kein Teil an seinem ganzen Körper war, der nicht blutete, und dass sie ihn (als er noch lebte) wieder in den Kerker geworfen, wo er des Nachts von dem Herrn gestärkt und getröstet und des Morgens (wie er meldet)
wieder herausgezogen wurde, und dass sie ihn nach dem Ort, genannt Buculi, geschleppt, scherzweis sagend: Lasst uns den Büffel in den Ochsenstall bringen.
Als er hierauf starb, begehrten die Vornehmsten der Heiden ihn noch zu verbrennen; da sie aber durch ein Ungewitter verhindert wurden, haben die Christen ihn begraben.
Dieses ist geschehen nach der gemeinen Rechnung im achten Jahre der Regierung Neros, im Jahre Christi 64 und am 21. Tage des Monats April.



06.01.2019
Barnabas
Mithelfer des Apostels Paulus
Zur Stadt hinausgeschleift und verbrannt in Salamina in Cypern
im Jahre Christi 64



Barnabas, sonst genannt Barsabas, mit dem Zunamen Joseph, oder Joses oder Justus, war ein Levit aus Cypern, erfüllt mit dem heiligen Geist. Er ward ein Sohn des Trostes genannt, gleichwie er solches auch mit der Tat an den armen Heiligen bewiesen.
Es wird angenommen, dass er einer von den siebzig Jüngern Christi gewesen. Aus seinen vielen Namen mögen wir seine Vortrefflichkeit und Ansehen erkennen, welches Ansehen er sich aneignete durch seinen Eifer und Gottesfurcht. Denn er hat Paulus nach seiner Bekehrung zu den Aposteln gebracht. Und als das Wort Gottes zu Antiochien durch etliche Männer aus Cypern und Kyrene den Griechen verkündet ward, ward er von den Aposteln dahin abgefertigt, die Sache zu untersuchen, und nachdem er es also befand, hat er sie in der Wahrheit befestigt und gestärkt.
Hernach ging er nach Tarsen, um Paulus zu suchen, und brachte ihn nach Antiochien, woselbst sie ein ganzes Jahr sich aufhielten und lehrten. Desgleichen, als die Hungersnot entstand unter dem Kaiser Claudius, hat er mit Paulus eine ziemliche Handreichung überbracht zum Dienst der Brüder, die in Judäa wohnten.
Nachdem er aber wiederkehrte nach Antiochien, ward er durch Befehl des heiligen Geistes ausgesandt, in vielen Landschaften zu predigen, weil er um seiner Beredsamkeit willen öfters das Wort geführt hat. Ja er hatte solch ein großes Ansehen und Gottseligkeit, dass die Heiden zu Lystra in Licaonischer Sprache riefen, dass er ein Gott sei und vom Himmel herniedergekommen sei, und nannten ihn Jupiter, welches auch dabei nicht geblieben ist, sondern es kamen die Priester desselben Ortes, und brachten Ochsen mit Kränzen, und begehrten ihm und Paulus zu opfern.
Dieses aber hat er und sein Mithelfer Paulus gänzlich abgewiesen, sagend: Ihr Männer! Warum tut ihr das? Denn wir sind auch sterbliche Menschen gleichwie ihr, und verkündigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehrt von diesen falschen Dingen zu dem lebendigen Gott.
Hernach, nachdem etliche aus dem jüdischen Lande kamen, und einen Aufruhr unter den Brüdern erregten, sagend: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht selig werden; so hat er sich mit seinem vorgemeldeten Mithelfer der Lehre des heiligen Evangeliums folgend, kräftig dagegen gesetzt; weshalb er nebst noch einigen frommen Männern verordnet ward, nach Jerusalem zu reisen, zu den Aposteln und Ältesten, um vorgemeldete Sache zu einem guten Ende zu bringen.
Da sie zu Jerusalem ankamen, ward er nebst den andern, von den Aposteln und der Gemeinde freudig aufgenommen, ja, was noch mehr ist, sie bezeugten von ihm und seinem Mitarbeiter Paulo, dass sie Menschen wären, die ihre Seele gegeben hätten für die Wahrheit, welches auch mit der Tat sich erwiesen.
Denn als sie nach Salamina kamen, welches eine große Stadt gewesen auf der Insel Cypern, von den Heiden Famagusta genannt, die Gemeinde daselbst im Glauben zu stärken, ist ihnen von einem jüdischen Zauberer (wie die alte Geschichte meldet) sehr bös begegnet worden, welcher alle andern Juden und das ganze Volk gegen ihn aufwiegelte, also dass sie ihn in einem Aufruhr griffen, und vor den Richter bringen wollten.
Weil sie aber befürchteten, es möchte der Richter seine Unschuld erkennen, ihn loslassen und auf freien Fuß setzen, so haben sie (nachdem sie jämmerlich mit ihm umgegangen) ihm ein Seil um den Hals geworfen, zur Stadt hinausgeschleift und daselbst verbrannt.
Also ist dieser fromme Diener Christi in seinem Vaterlande mit der Märtyrerkrone beehrt worden, und ist selig in dem Herrn entschlafen, ungefähr um die Zeit, als Jakobus Justus zu Jerusalem getötet ward, zur Zeit des Kaisers Neros, doch ehe noch die erste heidnische Verfolgung bekannt gemacht wurde, die kurz nach dem Brand zu Rom ihren Anfang nahm.



05.01.2019
Jakobus
Sohn des Alphäus
Apostel
Vom Tempel gestoßen, gesteinigt und mit einem Stock totgeschlagen im Jahre Christi 63



Jakobus Minor oder der geringere war ein Sohn Alphäi, und Maria Cleophä, der Schwester der Mutter Christi, dieser wird genannt der Bruder des Herrn.
Er ward von Christo nach genügsamer Unterweisung eingesetzt zu einem Apostel, und ausgesandt zum Dienst der Juden, worin sich bis an den Tod Christi sehr wohl betragen.
Darnach ward er nebst andern ausgesandt, um das Evangelium zu predigen, welches er verrichtete, unter der jüdischen Kirche bis an den Tod Johannes.
Und obschon Petrus, Jakobus und Johannes, sein Bruder, welche zwei letzte Söhne des Zebedäus waren, als die besondern Apostel geachtet wurden, so ist doch dieser nach dem Tode Jakobi Zebedäi für eine von den drei Säulen der Kirche gehalten worden.
Dieser ward von den Aposteln zu dem ersten Aufseher der Kirche zu Jerusalem gesetzt, und das kurz nach dem Tode Christi, welchen Dienst er getreulich hat wahrgenommen dreißig Jahre lang, und brachte viel Volk zu dem wahrhaftigen Glauben, nicht allein durch die reine Lehre Christi (obschon vornehmlich), sondern auch durch sein heiliges Leben, weswegen er der Gerechte genannt ward.
Er war sehr standhaft und heilig, ein rechter Nazarener sowohl in Kleidern, als Speise und Trank, und bat täglich für die Kirche Gottes und allgemeine Wohlfahrt.
Dieser Apostel hat einen Sendbrief geschrieben zum Trost der zwölf Geschlechter, welche in der Zerstreuung waren, sagend: »Jakobus, ein Dienstknecht Gottes und des Herrn Jesu Christi, Seligkeit sei den zwölf Geschlechtern, die hin und her zerstreut sind. Meine lieben Brüder, achtet es vor lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet.«
Aber ob er schon mit vielen trefflichen Gründen die Seinen welche an den Namen Jesu glaubten, tröstete, so haben doch die ungläubigen Juden seine Lehre nicht vertragen können; also, dass Ananias, ein vermessener und grausamer Mensch, welcher unter ihnen Hohepriester war, ihn vor Gericht brachte, in der Absicht, ihn zum Leugnen zu nötigen, dass Jesus der Christ sei, und sowohl seine göttliche Herkunft zu versagen, als auch die Kraft seiner Auferstehung.
Um welcher Ursache die Hohepriester, Schriftgelehrten und Pharisäer ihn auf die Zinne des Tempels gestellt, zur Zeit des Osterfestes, um vor dem ganzen Volke seinen Glauben zu verleugnen.
Aber als er daselbst vor dem Volke stand, bekannte er mit mehr Freimütigkeit, dass Jesus Christus der verheißene Messias, der Sohn Gottes, unser Seligmacher, sei, und dass Er, sitzend zu der rechten Hand Gottes, wieder kommen soll in den

Wolken des Himmels, um zu richten die Lebendigen und die Toten.
Um welches Zeugnisses Jakobi willen die Menge des Volkes Gott gepriesen, und den Namen Christi groß gemacht. Da schrien die Feinde der Wahrheit: O dieser Gerechte hat auch geirrt! Lasset uns ihn aus dem Wege räumen, denn er ist nichts nutz.
Also haben sie ihn von oben herunter geworfen, und gesteinigt. Doch nachdem er von dem Fall und dem Steinigen noch nicht getötet, sondern seine Beine nur gebrochen waren, hat er auf seinen Knien liegend Gott gebeten für diejenigen, welche ihn steinigten, sagend: Herr! Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
Deswegen einer von den Priestern für sein Leben bat, sagend: Was macht ihr? Dieser Gerechte bittet für uns, höret auf ihn zu steinigen; aber ein anderer von denjenigen, welche zugegen waren, hatte einen Walkerstock in seiner Hand, womit er ihm die Hirnschale eingeschlagen, worauf er starb und in dem Herrn entschlief, daselbst ist er auch begraben worden, ungefähr an dem Ort, da er vom Tempel herunter geworfen ward.
Dieses ist geschehen im Jahre unseres Herrn, dreiundsechzig, im sechsundneunzigsten Jahre seines Alters in dem siebten Jahre der Regierung Neros, als die Landpflegerstelle ledig stand, zwischen dem Tode Festi und der Ankunft Albini an seiner Stadt, als Ananias Hohepriester war, welcher diesen jämmerlichen Tod an Jakobi vollbracht hat.



04.01.2019
Philippus
Apostel
Gesteinigt in Hierapolis in Phrygien im Jahre Christi 54



Phillipus, geboren zu Bethsaida in Galiläa, hatte eine Hausfrau und Tochter eines aufrichtigen Wandels. Es fand ihn Christus und berief ihn zu seinem Jünger, um ihm nachzufolgen, welches er auch so treulich getan, dass, da er Nathanael fand, er ihn auch zu Christo brachte, ihm bezeugend, dass er denjenigen gefunden habe, von welchem Mose und die Propheten geschrieben, nämlich Jesus von Nazareth den wahren Messias.
Von der Zeit an folgte Philippus Christo beständig nach, hörte seine Ermahnungen und sah seine Wunder zum Dienst des Wortes Gottes. Deshalb ward er von Christo zu einem Apostel eingesetzt, und ausgesandt um das Evangelium zu predigen, erstlich den verlorenen Schafen des Hauses Israel, welches er auch, wie seine übrigen Mit-Apostel getan.
Der Herr hatte solche Hochachtung für ihn gleichwie für seinen größten Freund. Denn als das herrliche Wunderwerk geschah, da viertausend Menschen gespeist wurden, hat Christus ihn auf die Probe gesetzt und sich mit ihm beratschlagt, sagend, woher sollen wir Brot kaufen, dass diese essen mögen?
Auch ward er freundlich von dem Herrn unterrichtet, als er ihn ersuchte, den Vater zu sehen. Denn Christus sagte zu ihm: Philippe, wer mich sieht, der hat den Vater gesehen.
Da es sich nun einmal zutrug, dass etliche Griechen Jesum gerne gesehen hätten, und ihn baten, er wolle ihnen einen Zutritt zu dem Herrn auswirken, so kam er, nebst Andreas, und sagte es dem Herrn, welcher darauf antwortete: Die Zeit ist gekommen, da des Menschen Sohn soll verklärt werden.
Dieser fromme und gottselige Apostel ist bei dem Herrn geblieben bis zu seinem Leiden; nachgehends aber, als Christus auferstanden war und die Zerstreuung vorging, hat er sich zu seinen Mitbrüdern gehalten, bis sie, der Verheißung Christi folgend, nach seiner Himmelfahrt den heiligen Geist empfingen.
Nach der Austeilung der Länder hat er einige Jahre gelehrt in Scytia, wo er viele Gemeinden gestiftet, und da ihm besonders Syrien und der obere Teil von Asien zu Teil fiel, hat er den Grund des Glaubens in vielen Städten gelegt.
Als er aber endlich in Phrygiam kam nach Hierapolis, wo er etliche Zeichen tat, haben die Ebioniten, die nicht allein die Gottheit Christi verleugneten, sondern auch den Abgöttern dienten, und in ihrer lästerlichen Meinung und Abgötterei hartnäckig fortgingen, diesem frommen Apostel Christi kein Gehör gegeben, sondern ihn gefangen genommen, und da sie ihn mit dem Haupt an eine Säule festgemacht, steinigten sie ihn, worauf er gestorben und in dem Herrn entschlafen ist; hernach ist sein Leichnam in vorgemeldeter Stadt Hierapolis begraben worden.


03.01.2019
Jakobus
Sohn des Zebedäus
Apostel
Mit dem Schwert getötet durch Herodes Agrippa in Jerusalem
im Jahre Christi 45



Jakobus mit dem Zunamen der Größere, war der Sohn Zebedäi und Salome. Dieser pflegte sich mit Fischen zu ernähren; nachdem er aber von Christo zu einem Jünger ist berufen worden, hat er seine Fischerei verlassen und ist ihm nachgefolgt.
Er ist nächst den andern Aposteln eine geraume Zeit in dem Apostelamt unterwiesen worden, bis er endlich ordentlich dazu ausgesandt wurde.
Er war ausgerüstet mit Gaben, Zeichen und Kräften zu wirken. Von wegen dieser sonderlichen Gaben war er einer von den Dreien, welche Boanerges, das ist Donnerkinder, genannt wurden. Er war in allen außerordentlichen Begebenheiten Christi gegenwärtig; gleichwie ihn dann der Herr selbst dazu erwählt hatte, um auf dem heiligen Berge seine Herrlichkeit anzuschauen, und darnach in dem Garten Gethsemane sein Leiden zu sehen.
Nicht weniger hat Christus von ihm geweissagt, dass er aus dem Kelch, woraus er (Christus selbst) trinken würde, auch trinken müsste, und dass er auch getauft werden müsste mit der Taufe, womit er selbst getauft worden, das ist, er sollte beides, seines Leidens und seines Todes, teilhaftig werden.
Nach dem Tode Christi hat er sich zu den übrigen Aposteln gehalten, um mit ein Zeuge zu sein seines Leidens, Todes und seiner Auferstehung, um auch in den vierzig Tagen nach seiner Auferstehung von seinem Reich unterwiesen zu werden.
Nach der Himmelfahrt Christi blieb er auch zu Jerusalem, und nachdem er daselbst nebst den andern Aposteln den heiligen Geist empfangen, hat er das Evangelium gelehrt in Judäa und Samaria.
Wie einige melden, ist er von da nach Hispanien gereist; weil er aber daselbst wenig Frucht schaffen konnte, ist er wieder zurück in das jüdische Land gekehrt, wo er Hermogenes zum Gegner gehabt haben soll, welcher ein Zauberer gewesen. Wir übergehen jetzt viele Dinge mit Stillschweigen, welche erdichtet zu sein scheinen, und von Abdias, Bischof von Babylonien und andern erzählt werden.
Dieses Apostels Lebenslauf hat sich nicht weiter erstreckt, als ungefähr bis in das vierte Jahr des Kaisers Claudii, als von Agapus eine Teuerung verkündigt ward, welche über den ganzen Weltkreis kommen sollte. Denn damals hatte Claudius Herodes Agrippa befohlen, die Kirche Christi zu unterdrücken; welcher auch seine blutigen Hände an diesen Apostel gelegt, und ihn ungefähr um das Osterfest gefangen setzen lassen. Kurz darauf ist er zum Tode verurteilt, und in Jerusalem mit dem Schwerte getötet worden, welches geschah in dem fünfundvierzigsten Jahr nach der Geburt Christi.
Clemens meldet, der Scharfrichter, nachdem er seine Unschuld erkannt, sei auch zum christlichen Glauben bekehrt und mit ihm getötet worden.
Wie Eusebius Pamphilius aus Clemens Alexandrinus berichtet, so ist der Richter selbst über den Tod Jakobi bewegt worden, also dass er sich für einen Christen bekannte, und demnach (wie er schreibt) beide miteinander zum Tode geführt wurden. Und als man sie hinausgeleitete, hat er (nämlich der Richter) Jakobum gebeten, er wolle ihm vergeben; als sich aber Jakobus ein wenig bei sich beratschlagte, sagte er: Friede sei
mit Dir, und küsste ihn, und also sind sie beide miteinander enthauptet worden.
Euseb. Lib. 2, Cap. 9, aus Clemens Alexandrinus. Item W. Baudart. Apophtkegm. Lib. 1, Pag. 4, aus Joach. Camerario in Vita Christi, Pag. 24. Niceph. Lib. 2, Cap. 3. Strac. in Festo Jacobi, Pag. 209, Clem. circa. Cap. 45.
Jakobus ist der erste Märtyrer unter den Aposteln gewesen. Aus dieser Geschichte erhellt, welche Freude die Gläubigen damals hatten.



02.01.2019
Stephanus
Einer der sieben Dienern der Gemeinde in Jerusalem
Gesteinigt durch die Libertiner
im Jahre Christi 34, kurz nach dem Tode Christi



Stephanus, welches im Griechischen eine Krone bedeutet, war einer der sieben Diener zu Jerusalem, und war ein Mann voll Glaube und Weisheit an Gott.
Er war ein wohlberedter und in den heiligen Schriften des alten Testamentes sehr erfahrener Mann. Unterdessen geschah es, dass etliche aufstanden von der Sekte der Libertiner, der Cyrener, der Alexandriner, und die von Sizilien und Asien waren, und disputierten mit Stephanus, und sie konnten nicht der Weisheit und dem Geist widerstehen, welcher durch ihn redete. Darum bestellten sie etliche Männer, die da sagen sollten: Wir haben ihn lästerliche Worte sprechen hören gegen Moses und gegen Gott. Und sie erweckten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten, und griffen ihn und stellten ihn vor ihren Rat, und brachten falsche Zeugen auf, die da sagen sollten: Dieser Mensch hört nicht auf Lästerworte zu reden gegen diese heilige Stätte, und gegen das Gesetz; denn wir haben ihn sagen hören, dass Jesus von Nazareth diese Stätte zerstören werde, und verändern werde die Satzungen, welche uns Moses gegeben hat. Und sie sahen alle auf ihn, welche in dem Rat saßen, und sahen sein Angesicht als eines Engels Angesicht.
Da sagte der Hohepriester zu ihm: Ist dem also? Worauf dieser gottesfürchtige Mann mit vielen Gründen sich erklärte und antwortete, dabei er mit einer himmlischen Sprache und unwidersprechlichen Gründen viele Schriftstellen des alten Testamentes anführte, um zu beweisen, Christus sei der wahre Messias, und dass das Evangelium wahrhaftig sei.
Nachdem er aber in seiner Verantwortung sehr zu eifern begann, und denjenigen, welche ihn beschuldigten, ihre Blutdürstigkeit vor die Augen stellte, ward ihr Zorn nur desto mehr gegen ihn entzündet, denn solches durchschnitt ihre Herzen und sie knirschten mit ihren Zähnen über ihn.
Dieweil er aber voll heiligen Geistes war, blickte er auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zu der rechten Hand Gottes, und sprach: Siehe ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn stehen zur Rechten Gottes.
Aber sie riefen laut und stürmten einstimmig auf ihn los, und stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn, und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines Jünglings, welcher Saulus hieß.
Inzwischen rief er und sprach: Herr Jesu! Nimm meinen Geist auf. Er kniete aber nieder und sprach: O Herr! Rechne ihnen diese Sünde nicht zu, und als er dieses gesagt hatte, entschlief er.
Ein solches Ende hat dieser aufrichtige Mann Stephanus genommen, welcher die Ehre Jesu lieber hatte als sein Leben. Dem Berichte nach ist solches geschehen in dem vierunddreißigsten Jahre nach der Geburt Christi, in dem neunzehnten Jahre des Kaisertums Tiberii, welches war das achtunddreißigste Jahr seines Alters.
Als dieses sich zugetragen, nahmen einige fromme Männer sich des Leichnams an, trugen denselben zu Grabe, und beklagten den frommen Märtyrer sehr.



01.01.2019
Johannes der Täufer
Sohn von Zacharias und Elisabeth
Auf Befehl Herodis Antipa auf der Festung Macherus enthauptet
Anno Christi 32



Dieser Johannes mit dem Zunamen der Täufer, dieweil er von Gott dem Herrn eingesetzt war die Bußfertigen zu taufen, ist ein Sohn Zacharias gewesen und seiner Hausfrau Elisabeth, dessen Name auch schon, ehe er geboren ward, durch den Engel Gottes seinen Eltern bekannt gemacht wurde.
Dieser, als er ungefähr dreißig Jahre alt war, (etwa ein halbes Jahr eher als der Herr Jesus zu predigen anfing) in dem fünfzehnten Jahre des Kaisertum Tiberii, als Pontius Pilatus Landpfleger war unter den Hohenpriestern Annas und Kaiphas, ist von Gott gerufen und gesandt worden, zu predigen die Taufe der Bekehrung zur Vergebung der Sünden und den Weg zu bereiten dem Messias, als ein Engel oder Gesandter vor dem Angesicht Christi, um das Herz der Väter zu den Kindern zu bekehren.
Von der Herrlichkeit dieses Mannes sagte der Engel des Herrn, dass sich viele über seine Geburt freuen würden, dass er sollte groß sein vor dem Herrn, und ihm ein wohlgeschicktes Volk zubereiten (wie nicht allein die Propheten, sondern auch Zacharias durch den Geist des Allerhöchsten von ihm geweissagt hatte) zu geben dem Volke des Herrn die Erkenntnis der Seligkeit zur Vergebung der Sünden.
Als nun Johannes von Gott also ward ausgesandt um von Christo Zeugnis zu geben, dass er das wahre Licht sei, so kam er an den Jordan nach Salim, und in denselben Gegenden lehrte und taufte er.
Unterdessen aber, als er die Bußfertigen taufte, ist auch Christus selbst zu ihm gekommen, um dasselbe heilige Werk zu bestätigen, und begehrte von ihm getauft zu werden. Aber nach dem er (Johannes) aus Demut und guter Meinung sich dessen weigerte, so hat ihn Christus in der Notwendigkeit der Sache unterrichtet und gesagt: Lass es also geschehen, denn also gebühret uns alle Gerechtigkeit zu erfüllen, worauf er dann den Herrn getauft.
Er hielt den Herrn Jesum in großer Würde und nannte ihn das Lamm Gottes, den Bräutigam seiner Kirche, den wahren Messias, dessen Schuhe zu tragen er nicht würdig sei.
Er war selbst von solchem großen Ansehen (doch in Niedrigkeit), dass viele zweifelten, ob er nicht der Messias wäre; daher fertigten die Pharisäer ihre Gesandten an ihn ab, um sich bei ihm zu befragen wegen seinem Ruf, Gesandtschaft und Vollmacht; solches hat er offenherzig mit einer gedemütigten Seele beantwortet, sagend: Ich bin nicht Christus.
Als nun der Lauf seiner Pilgrimschaft sein Ende erreicht hatte, hat sich eine gewisse Sache zugetragen, welche Ursache seines Todes gewesen. Der König Herodes Antipas hatte eine gottlose Tat begangen, nämlich er hatte seines Bruders Philippi Weib geehelicht, nachdem er sein eigenes, als des Königs von Arabien Areta Tochter, hatte verstoßen, welches Johannes der Täufer von Amtswegen nicht konnte ungestraft lassen; sondern hatte Herodi solches nach dem Gesetz verwiesen und gesagt, es geziemet dir nicht, solche zu haben.
Doch gleich wie die Gottlosen keine Strafe annehmen, also ging es auch mit Herodes. Denn er fasste einen Hass auf Johannes, und suchte Gelegenheit ihn zu töten.
Aber nachdem viele sehr Großes von diesem frommen Mann hielten, und er einen großen Zulauf vom Volk hatte, so durfte Herodes vorerst die Hände nicht an ihn legen, ihn zu töten; doch ließ er ihn ebenso wohl nicht frei gehen, sondern setzte ihn auf die Festung Macherus gefangen. Unterdessen ist Johannes in seinem Beruf nicht müßig gewesen; sondern hat auch aus dem Gefängnisse etliche seiner Jünger zu Christo abgefertigt, auf dass hernach auch die andern durch die Lehre und Wunderwerke, welche sie daselbst hören und sehen würden, möchten Versicherung bekommen, dass Christus und niemand anders der wahre Messias sei.
Worauf Christus, als die Gesandten ankamen, gleichwie auch zuvor bei andern Gelegenheiten von der Größe und Würde Johannes des Täufers zeugte, nämlich, dass er der wahre geistliche Elia sei, ein brennend und scheinend Licht, der größte Prophet unter allen, die von Weiber geboren waren. Unterdessen verfloss die Zeit und die Stunde seines Abschieds nahte herbei. Angehend die Umstände seines Todes, die uns von dem heiligen Evangelisten Matthäus also beschrieben werden (Mt 14,3–12).
Herodes hatte Johannes gefangen, gebunden und in das Gefängnis gelegt; von wegen der Herodias, seines Bruders Philippi Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht erlaubt, dass du sie habest. Und er (Herodes) hätte ihn gerne getötet, fürchtete sich aber wegen des gemeinen Volkes, denn sie hielten ihn für einen Propheten. Da aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter Herodias vor ihm, das gefiel Herodes wohl, darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wolle ihr geben, was sie begehren würde. Und als sie zuvor von ihrer Mutter unterwiesen war, sprach sie: Gib mir her auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.
Und der König war traurig; doch um des Eides willen und derer, die mit ihm zu Tische saßen, befahl er, es ihr zu geben. Und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt ward hergebracht in einer Schüssel, und dem Mägdlein gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger, nahmen seinen Leichnam und begruben ihn, und kamen und verkündeten das Jesu.
Josephus, der jüdische Geschichtsschreiber, meldet auch von dem Tode Johannes des Täufers in dem achtzehnten Buche der jüdischen Geschichte, im siebten Kapitel, in folgender Weise:
Es ging eine gemeine Sage unter den Juden, Herodis Heer sei durch das gerechte Urteil Gottes, um Johannes willen, welchen man den Täufer nennt, zu Grunde gegangen.
Denn Herodes der Vierfürst hatte diesen frommen Mann töten lassen, welcher die Juden zu allerlei Tugend und Gerechtigkeit ermahnte, sie getauft und gesagt, alsdann würde ihre Taufe erst angenehm sein, wenn sie sich nicht allein von einer oder zwei Sünden enthielten, sondern ernstlich ihre Herzen durch Gerechtigkeit, und darnach auch ihren Leib reinigten.
Nachdem aber ein großer Zulauf zu ihm geschah, und das Volk solcher Lehre sehr begierig war, besorgte Herodes, er möchte das Volk, bei welchem er in großem Ansehen stand, zum Abfall bewegen, denn es schien, als wollten sie nach seinem Rat und Willen handeln, darum dünkte es ihm besser, ihn töten zu lassen; darum hat er ihn in gemeldetem Flecken Macherus gefangen legen und daselbst umbringen lassen.
Dieses geschah nach unserer Rechnung ungefähr zweiunddreißig Jahre nach der Geburt Christi, in dem siebzehnten Jahre des Kaisertums Tiberii. Und ist also dies große Licht der Kirche Gottes, zur Betrübnis vieler frommen Herzen, in der Mitte seines hellen Scheins ausgeblasen worden.
Es wird berichtet, dass sein Leichnam geruht zu Sebasta in Palästina bis auf die Zeiten Juliana, da seine Gebeine durch die Feinde der Wahrheit verbrannt, und die Asche in den Wind zerstreuet worden.
Diese Beschreibung wird sowohl mit der Heiligen Schrift als andern bewährten Schreibern also befestigt:
Lk 1,5; Lk 1,13; Lk 3,1–2; Mk 1,2; Lk 1,17; Lk 1,14–15; Lk 1,77; Joh 3,23; Mt 3,13–16; Joh 1,29; Joh 3,29; Mt 3,11; Joh 1,19–20; Mt 14,4; Eus. Hist. eccl. Lib. 1., Cap. 16; Mt 11,2; Lk 7,18; Mt 11,14; Joh 5,35; Lk 7,28; Hist. tripart. Lib. 1, Cap. 15; Theod. Lib. 3, Cap. 6.