Tagesheiliger, Spruch des Tages





Das Leben Jesu - Betrachtungen
2018/2019





26.08.2019
110. Das Gleichnis vom Fischernetz
(Mt 13)

II Jesus weissagt die Bestrafung derer, welche die erkannte Lehre nicht leben
«So wird es am Ende der Welt sein. Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Mach dir ein anschauliches Bild von den Wirkungen der göttlichen Gerechtigkeit, die Jesus in diesem Gleichnis andeutet. Er hat Mitleid mit dir und will dich deiner Unentschiedenheit entreißen und dich zu mutigen Entschlüssen führen. Wisse, dass Gott eines Tages allen offenbaren wird, was du bist. Er kennt deine ungeraden Absichten, die Bemäntelung deiner Fehler, alle deine verborgenen Vergehen und wird alles ans Licht bringen. Wenn Er das Böse in dir geduldet hat, so geschah es, um dir Zeit zur Bekehrung zu lassen. Wenn Er es in deiner Umgebung duldete, so sollte dadurch in deinem Gedächtnis die Erinnerung an das ewige Verderben wachgehalten werden, welches den Gottlosen im Jenseits erwartet.
Nun denke, du seist an den Gestaden der Ewigkeit angelangt, wohin Jesus dich im Geist führt. Der Tod kann dich in Wirklichkeit vielleicht schon morgen dorthin versetzen. Die Engel halten sich bereit, das Werk der göttlichen Gerechtigkeit, einer strengen, unerbittlichen Gerechtigkeit zu vollziehen. Was würden die Vollstrecker der ewigen Gerechtigkeit mit dir tun, wenn das letzte Gericht in diesem Augenblick stattfände?
«Die Engel werden kommen», sagt der Heiland. Vielleicht müsste Gott deinem Schutzengel, der dich dem Himmel zuführen sollte, den Auftrag geben, dich auf ewig davon auszuschließen. Alle, die nicht im Stand der Gnade sind, werden verworfen werden. Der Verdammte ist der Auswurf der Schöpfung. Er hat keinen Namen mehr. Er zählt nicht mehr. Er bleibt nur noch bestehen, um mit immer neuer Wut die Qual seiner Verdammnis zu fühlen. Höre sein Jammern und Zähneknirschen! — Wende dich an die göttliche Barmherzigkeit und flehe um Gnade für dich, für die Deinen und die ganze Welt. Beschwöre den Herrn, mit seinem entscheidenden Richterspruch noch zu zögern, und fang ernstlich an, so zu leben, wie du beim Gericht wünschen wirst, gelebt zu haben.



25.08.2019
110. Das Gleichnis vom Fischernetz
(Mt 13)

I Jesus belehrt die Jünger, dass es nicht genügt, das Wort Gottes anzuhören, um gerettet zu werden
«Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Fischnetz, das ins Meer ausgeworfen wurde und Fische aller Art einfing.»
Tritt wieder in den Kreis der Zuhörer des göttlichen Meisters. Lass das Licht Seiner Lehre in deine Seele strahlen. Wie gleicht diese Zuhörerschaft dem Meer, von dem Er spricht, dem Meer mit seinen vielgestaltigen Lebewesen, seiner bald von stürmischen Wogen bewegten, bald spiegelglatten Oberfläche! Der Menschenfischer wirft Seine Netze aus. Er bietet jenen, die den Himmel erreichen wollen, alle notwendigen Mittel an, keine bloßen Lockmittel, sondern sichere Mittel des Heils. Wann wirst du endlich für immer deine veränderlichen, trügerischen Urteile aufgeben? Lass dich doch von diesem Netz fangen und sage immer wieder: «Ich glaube deinem Wort!» Wie oft schon hast du so gesprochen? Aber eines scheinst du noch nicht erfasst zu haben: «Wenn das Netz angefüllt ist, zieht man es heraus, setzt sich an das Ufer und sammelt die guten in Gefäße, die schlechten aber wirft man hinaus.» Es genügt also nicht, sich fangen zu lassen und zu sagen: «Ich glaube.» Jesu Worte werden nur denen zum Heil, welche nicht nur an sie glauben, sondern sie zur Richtschnur ihres Lebens machen. Du magst sie weise und gut finden und ihnen von Herzen beistimmen, bleibst du aber dabei stehen, ohne dein Leben danach einzurichten, so werden sie dir zur Verdammung gereichen.



24.08.2019
109. Das Gleichnis von der kostbaren Perle
(Mt 13)

II Jesus lehrt, dass der Besitz der ewigen Güter von höchstem Wert ist
«Als er eine kostbare Perle fand, ging er hin, verkaufte seine ganze Habe und erwarb sie.»
Suche den Gedanken des Heilandes zu erfassen. Du wirst aus demselben die Kraft zur Losschälung schöpfen, deren dein Herz bedarf. Alles, was dir bis dahin kostbar erschien, wird dir wertlos vorkommen. Du wirst mit Freuden alles hingeben, um die Perle zu gewinnen.
Der Kaufmann im Evangelium war geschickt, mutig, unternehmend und hatte sich ein Vermögen erworben. Da entdeckt er eine kostbare Perle und findet nun, dass alles, was er bis jetzt besaß, im Vergleich mit dieser Perle nur geringen Wert hat und dass alles, wonach er mit ganzer Seele strebte, seiner Mühe nicht würdig war. Er erwacht wie aus einem Traum. Er betrachtet sein bisheriges Vermögen und vergleicht es mit dem Schatz, der vor ihm liegt. Mit Freuden und ohne Bedauern gibt er all sein Besitztum hin, um unendlich mehr zu erwerben. Erst jetzt ist er reich. Im Dienst Gottes sich losschälen heißt wahrhaft reich werden. Begreifst du die Freude des glücklichen Kaufmanns über seinen Tausch?
Um die wertvolle Perle zu finden, brauchst du nicht lange zu suchen. Du brauchst nur deine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Tag zu richten. Alles, was dir heute begegnet, bis zu der kleinsten Pflicht und dem geringsten Opfer, birgt die kostbare Perle, von welcher der Heiland redet. Alles tun, was Gott gefällt, und es tun, weil es Gott gefällt, dies ist das unfehlbare Mittel, die kostbare Perle zu gewinnen. Darin liegt das Geheimnis der Heiligkeit! Erbitte dir von Jesus die Gnade, dich durch jede deiner Handlungen für die Ewigkeit zu bereichern. Arbeiten, Widerwärtigkeiten und Leiden, Erfolg und Misserfolg können dir zum Glück werden hienieden und dir Gewinn bringen für die Ewigkeit. Wandle auf diesem Weg, und du wirst nicht getäuscht werden. Besprich mit dem himmlischen Vater deine guten Vorsätze und bitte Ihn, dass Er sie segne!



23.08.2019
109. Das Gleichnis von der kostbaren Perle
(Mt 13)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass man keine Mühe scheuen darf, um die ewigen Güter zu erwerben
«Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der edle Perlen sucht.»
Werde nicht müde, dem göttlichen Meister zu folgen. Sein Blick sucht dich unter der Menge, die Er unterrichtet. Er fährt fort, von den himmlischen Gütern und der Art, wie man sie erlangt, zu sprechen. Der Heiland lehrt dich heute, dass es sich mit dem übernatürlichen Fortschritt und dem Leben der Vollkommenheit gerade so verhält wie mit den zeitlichen Geschäften und Unternehmungen. Wer am geschicktesten ist und die meiste Ausdauer besitzt, macht den größten Gewinn. Das ganze Leben auf Erden besteht darin, die erhaltenen Güter gut zu verwerten. Hat es je einen Tag, ja selbst eine Stunde in deinem Leben gegeben, wo der himmlische Vater dir nicht neue Gnaden gab? Aus diesen Gaben Gottes musst du Nutzen ziehen. In allem, was dir begegnet, ist gleichsam eine kostbare Perle verborgen, es handelt sich nur darum, sie aus der wertlosen Muschel herauszuschälen. Erwecke in dir das brennende Verlangen, reich zu werden an himmlischen Gütern. Welchen Vorsatz wirst du fassen? Worauf musst und willst du dein Streben richten? Welche Beschwerden hast du zu ertragen, welche Vorsicht zu gebrauchen, wo musst du besonders auf dich achten? Nimm dir ein Beispiel am Kaufmann, von dem Jesus spricht. Erinnere dich der vielen Mühen, welche die Weltleute auf sich nehmen, um einen kleinen Vorteil zu erringen. Willst du weniger für die ewigen Güter tun?



22.08.2019
108. Das Gleichnis vom verborgenen Schatz
(Mt 13)

II Er zeigt ihnen den unschätzbaren Wert des Schatzes
«Dann ging er voll Freude darüber hin und verkaufte seine ganze Habe und kaufte den Acker.»
Was will der Heiland dir als Entgelt für deine Anstrengungen geben? Erwäge es! Er erleuchtet dich und lässt dich in seine Geheimnisse eindringen, und dieses wachsende Verständnis erfüllt dein Herz mit jener unvergleichlichen Freude, die allein das Menschenherz hienieden beglücken kann. In der Freude, welche du bei Überwindung von Schwierigkeiten in der Pflichterfüllung und bei mutig gebrachten Opfern empfindest, wirst du einen Vorgeschmack der ewigen Seligkeit verkosten. Gott, der Sich bis dahin verborgen hielt, beginnt Sich zu offenbaren. Der Himmel scheint auf die Erde herniedergestiegen zu sein. Selig der Mensch, dem dieses Glück zuteil wird! Er hat den höchsten Schatz gefunden, das ewige Leben. Er ist bestrebt, sich seinen Besitz zu sichern. Was wird er zu diesem Zweck opfern müssen? «Er geht in der Freude seines Herzens hin und verkauft alles, was er besitzt!» Es fällt ihm nicht schwer, alles hinzugeben, um einen so kostbaren Schatz einzulösen. Was einen unschätzbaren Wert hat, wird nie zu teuer erkauft. Er behütet seinen Schatz vor allen, die ihm denselben rauben könnten.
Nimm dir ein Beispiel an diesem Menschen. Lass die Schatten der Gegenwart den frohen Ausblick auf die selige Zukunft nicht verdecken. Das gegenwärtige Leben soll dir nur dazu dienen, die ewigen Güter beständig anzustreben, zum Himmel erhebe deine Gedanken! Im Licht der Ewigkeit ist die Verachtung der irdischen Güter leicht. Erkenne immer mehr, wie notwendig es für dich ist, deine ungeordneten Leidenschaften und deine übergroße Sorge für zeitliche Dinge oder Beschäftigungen zu bekämpfen, nur dann wirst du das wahre Leben finden!



21.08.2019
108. Das Gleichnis vom verborgenen Schatz
(Mt 13)

I Jesus lehrt seine Jünger, wie man die übernatürlichen Schätze suchen muss
«Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen lag.»
Jesus will dich von neuem erleuchten und unterweisen. Bring Ihm ein gelehriges Herz und guten Willen entgegen.
Was ist unter dem verborgenen Schatz zu verstehen? Die göttliche Gnade, welche erhebt, umwandelt und vergöttlicht. Sie gibt der Seele Leben und verschafft ihr alle Güter. Gnade ist jede Belehrung, welche der Seele durch Jesus zuteil wird. Sie weckt den Eifer, bewegt zu großmütigen Entschlüssen und bewirkt unbeugsamen Mut. Gnade ist alles, was die göttliche Güte für die gläubigen Seelen bereit hält, die ihr Vertrauen auf sie setzen. Gnade ist das übernatürliche Leben, das durch die Tätigkeit des Heilandes, durch die Mitteilung Seiner Lehre, durch Seine Wirksamkeit in den heiligen Sakramenten und durch innere Anregungen in die einzelnen Seelen überströmt.
Mache dich im Geist auf den Weg zu dem Feld, von dem Jesus spricht. Es birgt den kostbarsten Schatz, den es hienieden gibt. Aber du musst ein hartes und scheinbar unfruchtbares Erdreich bearbeiten und viel Mühe anwenden. Das Leben, das die Gnade fordert, scheint dir beschwerlich und verlangt, dass du dir Gewalt antust. Indes vertraue auf das Wort des Heilandes! Er hat wiederholt gelehrt, dass das Kostbare und Verdienstvolle hienieden nicht an der Oberfläche liegt. Grabe mutig in die Tiefe. Betrachte die göttlichen Geheimnisse und versage deinen Sinnen alles, was sie zerstreut. Bekämpfe deinen Stolz, lass dich nicht über Gebühr von deinen Arbeiten einnehmen: Dann sicherst du dir die glückliche Hebung des Schatzes.



20.08.2019
107. Das Gleichnis vom Sauerteig
(Mk 13,Lk 13)

II Jesus erklärt, wie diese Umwandlung vor sich geht
«Diesen Sauerteig nimmt eine Frau und mengt ihn unter drei Maß Mehl, bis der ganze Teig durchsäuert ist.»
Dringe in die Gedanken Jesu ein. Sieh, wie diese Frau den Sauerteig verarbeitet. Der Sauerteig bringt nur dann seine Wirkung hervor, wenn er mit dem Teig verknetet wird. Gott bietet dir Seine allmächtige Gnade an, aber du musst sie starkmütig zur Bekämpfung deiner Schwächen anwenden. Deinen Stolz musst du zur Demut zwingen, deine Eitelkeit muss lernen, andern den Vorrang zu lassen, dein Herz muss allen ungeordneten Neigungen entsagen. Das Joch deiner natürlichen Trägheit musst du abschütteln und deine launenhaften Stimmungen unterdrücken. Deine Seele muss vom Übernatürlichen ganz durchdrungen werden, du musst den Teig kneten!
Gott hat durch seine Gnade alle Kräfte deiner Seele auf das Gute gerichtet. Du musst nun deinerseits unter dem Einfluss der Gnade diese Kraft betätigen. Durch die tägliche Betrachtung, die eifrige Gewissenserforschung, die häufige und gute heilige Kommunion, das Anhören der heiligen Messe und die Andacht zum allerheiligsten Sakrament wirst du zu treuer Mitwirkung mit der Gnade gelangen. Erflehe hierzu die Hilfe Mariens. Dein eifriges Streben wird allen Widerstand brechen und mit der Gnade Gottes den Sieg über deine Natur davontragen. Du wirst die Gnade immer besser nutzen und dich selbst immer gründlicher kennenlernen. Suche im Eifer für deine geistlichen Übungen zu wachsen. Das große Werk deines geistlichen Fortschrittes wird dadurch zu wunderbarer Entfaltung gelangen. Bitte den Heiland um immer größeres Verständnis in dieser Hinsicht!



19.08.2019
107. Das Gleichnis vom Sauerteig
(Mk 13,Lk 13)

I Jesu Worte und Leitung müssen eine Umwandlung in uns bewirken
«Mit dem Himmelreich ist es gleich wie mit einem Sauerteig.»
Nahe dich dem Heiland mit dem Wunsch, neue Belehrungen zu empfangen. «Immer mehr Licht!» ist der Wahlspruch einer auf ihren Fortschritt bedachten Seele. Setze dich zu Füßen des Meisters nieder und lausche Ihm.
Was bedeutet der Sauerteig, von dem Er hier redet? Es ist die Gnade Gottes, das Wort, das Er im Innern deiner Seele zu dir spricht, die Anregung, die Er dir leise zuflüstert und die du so wenig beachtest; die zarte Einladung, die Er beim Beginn jedes neuen Tages an dich richtet. Seine Allmacht, Weisheit und Güte verbündet sich mit deinen schwachen Kräften, und dein Glaube erwacht, deine Hoffnung erstarkt, deine Liebe entflammt sich zu heller Glut. Das Licht der ewigen Wahrheiten leuchtet dir auf. Das Andenken an das letzte Ziel wird neu belebt und die Vergänglichkeit der irdischen Güter tritt dir klarer vor die Seele. Die Sinne machen sich frei, das Herz reißt sich los. Der Wille bricht die Fesseln. Nun vermagst du alles. Die Anregung der Gnade ist in Wahrheit ein Sauerteig, fähig, eine ganze Welt zu höherer Gesinnung zu erheben. Wie willst du dich von nun an diesen Anregungen gegenüber verhalten?



18.08.2019
106. Das Gleichnis vom Senfkorn
(Mt 13, Mk 4, Lk 13)

II Die wunderbare Wirkung der Gnade
«Es treibt so große Zweige, dass die Vögel des Himmels in seinem Schatten wohnen können.»
Kannst du den Gedanken des göttlichen Meisters fassen? Das Wachstum des Senfkorns kommt dir erstaunlich vor. Wenn Gott selbst sich uns unter unscheinbarem Äußern naht, wenn Er durch die allerkleinsten Gaben Sich selbst mitteilt, kann es da erstaunlich sein, dass Er Wunder großartigen Wachstums wirkt?
Lerne, der kleinsten Gnade zu entsprechen. Mit der Gnade mitwirken heißt, die Wirksamkeit Gottes in uns zu unterstützen. Gleich unter welcher Gestalt auch immer Gott Sich uns nähert, Er kommt stets, um in uns zu wirken. Wenn Er sich uns so ganz klein naht, so beabsichtigt Er, recht tief in unser Inneres einzudringen. Es ist kein Geringerer als Er selbst, der an uns arbeitet. Seine Hand wirkt nichts Unbedeutendes. Wenn wir auf Seine Absichten eingehen, geben wir Ihm Gelegenheit, Wunder Seiner Allmacht zu vollziehen. Wirkst du treu mit den kleineren Gnaden mit, so wird Gott dir größere geben. Dein Leben wird eine Quelle siegreichen apostolischen Wirkens werden. Du wirst den Schwachen Stütze, den Guten Freude, den Furchtsamen Trost und Stärke, den Traurigen Ermutigung sein.
Wie hast du bisher diese so tröstliche Lehre Jesu verstanden? Beeile dich, das früher Versäumte nachzuholen. Übergib dich rückhaltlos dem Wirken des göttlichen Sämanns!



17.08.2019
106. Das Gleichnis vom Senfkorn
(Mt 13, Mk 4, Lk 13)

I Der Wert auch der geringsten Gnade
«Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Unter welchem Gleichnis es darstellen? Es gleicht einem Senfkorn. Sät man es in die Erde, so ist es kleiner als alle andern Samenkörner auf Erden. Ist es aber gesät, so schießt es empor und wird größer als alle Gartengewächse.»
Der Heiland bringt abermals ein Gleichnis vom Himmelreich. Diesmal wählt Er das Senfkorn. So führt uns die göttliche Weisheit durch einfache Betrachtung in Ihre tiefsten Gedanken ein. Was will uns Jesus mit dem Gleichnis vom Senfkorn lehren? Die Wirksamkeit des himmlischen Vaters offenbart sich oft in unscheinbarer Weise, indes bringt sie uns in Wahrheit unendliche Güter. In gar armer Hülle sucht der Schöpfer Sein Geschöpf und doch bringt Er die reichsten himmlischen Schätze mit. Er spricht nur ein Wort und weckt damit einen Gedanken, weist hin auf eine Pflicht, fordert die Nutzung eines Augenblicks, eine kleine Anstrengung. Er spricht ein Wort, und die Seele wird gesund. Er spricht ein Wort und wandelt ein Stücklein Brot in den Leib des Herrn. Die äußeren Sinne fassen es nicht, aber der Glaube lehrt uns: Hier ist göttliche Allmacht, die mit einem Wort eine Welt schafft und ordnet, göttliche Weisheit, die durch eine leise Einsprechung jedes Dunkel erleuchtet, unendliche Güte, die bereit ist, eine Fülle von Wohltaten zu spenden, unendliche Barmherzigkeit, die von keinem Elend sich abwendet. So spricht der Glaube, und er spricht die Wahrheit. Er erkennt Gott, beugt sich vor Ihm und betet Ihn an. Der gläubige Christ betrachtet es als seine Pflicht, sich rückhaltlos der göttlichen Einwirkung hinzugeben. Warum widerstrebt unsere sinnliche Natur den Opfern, die ein Leben aus dem Glauben von ihr fordert? Weil der Mensch den nicht erkennt und sieht, der ihm diese Opfer auferlegt. Er vernimmt nur eine Stimme, die zur Selbstverleugnung auffordert, ohne zu wissen, von wem sie ausgeht. Doch vom Glauben erleuchtet, wird er um so deutlicher das Wirken Gottes in seiner Seele wahrnehmen, je mehr die sündige Natur unterdrückt worden ist.



16.08.2019
105. Das Gleichnis vom fruchtbaren Samenkorn
(Mk 4)

II Jesus zeigt den Jüngern, dass Gott mit Recht die Früchte dieses Wirkens erwarten darf
«Wenn dann die Frucht sich zeigt, legt Er alsbald die Sichel an.»
Unser himmlischer Vater ist allgegenwärtig in Seiner Schöpfung. Er selbst gibt allen Geschöpfen das Leben. Jesus hat es soeben gesagt. Warum soviel Sorgfalt für uns von Seiten einer so großen Majestät? Präge es für immer deinem Gedächtnis ein: Gott ist Sich selbst das Ziel all seiner Werke. Er arbeitet für Seine eigene Ehre, wenn Er sich mit uns beschäftigt. Fürchte also nicht mehr, dass Er dich verlasse. Doch wenn Gott uns seinen Dienst zur Pflicht macht, so geschieht dies zu unserm Besten. Er bedarf deiner Tugenden, deiner Siege und deiner Treue nicht, und wir können zur Erhöhung Seiner Seligkeit nichts beitragen.
Aus reiner Liebe hat Er uns das Dasein gegeben, um an Seiner Ehre zu arbeiten. Das Geschöpf soll an der Ehre seines Schöpfers arbeiten, so verlangt es die ewige Weisheit. Dadurch betätigt es seinen Dank gegen Gott, der ihm alles gegeben hat. Die Ehre Gottes und das Glück des Menschen gehen zusammen. Gott verlangt nur, um zu geben. Wenn Gott Seine Ehre sucht, so will Er damit unser Glück!
Fang endlich an zu verstehen, was dein himmlischer Vater will, wenn Er an deine Türe klopft, wenn Er etwas von dir verlangt! In dem geringsten Auftrag vertraut Er dir ein großes Werk an, zu dessen glücklichem Erfolg Er dir alles an die Hand gibt. So erneuere dich denn in kindlichem Vertrauen zu Ihm. Überlass dich großmütig Seiner väterlich liebreichen Führung. Lerne immer besser, dich gläubig Seiner Vorsehung zu überlassen!



15.08.2019
105. Das Gleichnis vom fruchtbaren Samenkorn
(Mk 4)

I Jesus erklärt seinen Jüngern das Wirken Gottes in der Seele
«Das Himmelreich ist gleich einem Manne, der Samen auf das Ackerland streut. Mag er schlafen oder wachen, bei Tag und bei Nacht: der Same sprießt auf, ohne dass er es merkt.»
Wohne den Unterweisungen Jesu mit Ehrfurcht und Gelehrigkeit bei. Bemühe dich, den Sinn der Parabel zu verstehen. Deine eigene Seele ist das Arbeitsfeld des himmlischen Vaters, welcher der Urheber alles Lebens und Wachstums ist. Seine Aufmerksamkeit ist auf Sein Werk gerichtet, wie jene des Landmanns auf das Feld, das er bebaut.
Wenn ich morgens erwache, so finde ich meinen himmlischen Vater bereits an der Arbeit für mich. Er lauscht mir, noch bevor ich rede. Wenn ich zum Gebet komme, finde ich Ihn schon auf mich wartend. Nehme ich meine Arbeit wieder auf, so hat mein himmlischer Vater bereits für alle Hilfe, die ich brauche, gesorgt. Von Ihm kommt alle Freude, die meinen Lebensweg erhellt. Muss Er mir Schmerz senden, so hat Er schon den Trost bereit, der ihn mir versüßen soll. Wenn ich abends ruhig einschlafe, so trägt Er Sorge für den kommenden Tag.
Er ist mir auf das Arbeitsfeld, das Er mir angewiesen hat, vorausgeeilt, und dort begegne ich Ihm jeden Morgen. Bevor ich das Licht der Welt erblickte, sah Er mich schon. Ja, Er liebte mich bereits, ehe ich ein Herz besaß, Ihn zu lieben. Noch kannte niemand meinen Namen; Gott kannte ihn von Ewigkeit. O meine Seele, erkenne Gott als deinen liebenden Vater; bete Ihn an und liebe Ihn. Sprich mit inniger Andacht: «Vater unser, der Du bist im Himmel! Geheiligt werde Dein Name!»



14.08.2019
104. Das Gleichnis vom Unkraut (II)
(Mt 13)

II Endgültiger Triumph Gottes über das Böse
«Am Weltende wird Gott seine Engel aussenden, die Bösen wie Unkraut in Büschel zusammenzubinden und ins Feuer zu werfen.»
Befestige dich im Glauben an Jesus und in der Hoffnung auf Ihn. Was der Heiland hier sagt, beweist, dass Ihm die Übel nicht unbekannt sind, unter welchen wir auf Erden leiden. Er hat in der Tat das Kampffeld nicht verlassen, auf dem du streitend stehst. Er ist bei dir und bleibt dir helfend zur Seite. Du kämpfst neben Ihm gegen die Leidenschaften und die verdorbene Natur, gegen den Schmerz, den Misserfolg und die Böswilligkeit der Menschen. Er sieht und beobachtet dich. In Ihm findest du Hilfe zum Sieg zur gelegenen Zeit. Wessen bedarfst du mehr? Das Leben ist nur ein Tag, der heutige Tag. Die Zukunft gehört Gott; Er wird dafür sorgen.
Muss Gott nicht in der Tat für den endgültigen Sieg Seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe Sorge tragen? «Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus Seinem Reiche alle Verführer und Übeltäter sammeln und werden sie in den Feuerofen werfen.» So lasse denn getrost Gott schalten und walten mit dir und allen. Beim Anblick der Verderbnis um dich her sprich zuversichtlich: «Er wird Seine Engel aussenden.» Glaube fest, Seine Weisheit wird alles zu einem guten Ende führen. Befestige diesen Glauben immer tiefer in dir. Lebe von Tag zu Tag ganz nach den Anregungen der Gnade! Die wahre Weisheit des Menschen besteht darin, in allem, was der gegenwärtige Tag bringt, Gott zu erkennen, und in allen Ereignissen die Spuren Gottes zu verehren. Bestrebe dich mehr als je, zur Zahl der wahren Diener Gottes zu gehören, die den Lohn ihrer Kämpfe erst im Himmel erwarten und die sich gern gedulden bis zum endgültigen Urteil am Jüngsten Tag, an dem die Gerechtigkeit der göttlichen Ratschlüsse allen offenbar wird.


13.08.2019
104. Das Gleichnis vom Unkraut (II)
(Mt 13)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, warum Gott das Böse in dieser Welt zulässt
Dann entließ Er die Volksscharen und ging nach Hause. Da traten seine jünger zu Ihm und baten Ihn: «Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.»
Verweile mit den Aposteln in der Nähe Jesu und höre die Erklärung, die Er gibt. Je besser man die Lehre Jesu erfasst, desto fähiger wird man, sein Leben darnach einzurichten. Was bezweckte Jesus mit dem Gleichnis vom Unkraut? Was sollst du dir besonders daraus merken? Das Unkraut steht auf dem Acker des Hausvaters. Dieses Unkraut ist das Böse; es sind auch die Bösen. Der Anblick des Bösen verwirrt dich und der Verkehr mit den Bösen führt dich auf falsche Wege. Du fühlst das Böse in dir und um dich herum. Das Böse, das so leicht die Guten angreift, sich offen und geheim an jeden herandrängt, das Gewissen verderblich beeinflusst, das den Guten Hindernisse entgegenstellt und die Bösen anscheinend zum Sieg führt. Du bist hierüber erstaunt und betrübst dich. Du fragst: «Wo ist die göttliche Vorsehung, wo die ewige Weisheit?» Wisse, dass Gott das Böse und die Bösen duldet, um den Guten auf Erden Gelegenheit zu verschaffen, Geduld und Demut zu üben und sich durch unentwegte Treue in seinem Dienste auszuzeichnen. Das Leben auf Erden ist ein fortgesetzter Kampf. Warum sich also wundern, wenn man überall auf den Feind stößt? Verlange nicht von Gott und seiner Güte, dass das gegenwärtige Leben ein Vorgeschmack des zukünftigen sei; das hieße die Ernte vor der Aussaat halten wollen. Jenes Leben ist ein Land der Ruhe, dieses ist eine Stätte des Kampfes.
Es ist von großem Nutzen, das gegenwärtige Leben als eine Zeit der Vorbereitung zu betrachten. In Geduld warten und reifen, warten in starkem Glauben und in tiefer Demut, reifen durch die Hitze des Kampfes und durch Betätigung opferfreudigen Mutes zur Ehre Gottes und zum Wohl der Brüder, das ist der Zweck des Lebens. Sorge und ängstige dich um nichts weiter. Gott wacht über seine Ernte.



12.08.2019
103. Das Gleichnis vom Unkraut (I)
(Mt 13)

II Ermutigung zum Kampf
Da traten die Knechte des Hausvaters herzu und sprachen zu ihm: «Herr! Hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?» Er antwortete ihnen: «Das hat der Feind getan.»
Die Knechte wundern sich beim Anblick des üppig wuchernden Unkrauts. Was tun sie? Sie geben dir ein nachahmungswürdiges Beispiel. Sofort zeigen sie die Sache bei ihrem Herrn an. Sie erbitten sich Rat bei jenem, der die Pflicht hat, sie zu leiten. «Woher das Unkraut?» fragen sie. Auf gleiche Weise fragst auch du, wenn du trotz so vieler Gnaden und nach so guten Vorsätzen dich noch so sehr zum Bösen geneigt und so wenig im Guten befestigt fühlst. «Das ist des Feindes Werk», antwortet dir der göttliche Hausvater; eine Antwort, die deinen Mut beleben muss. Lege dir nicht als Schuld bei, was nicht von dir herrührt. Werde auch nicht ungeduldig über eine solche Wahrnehmung. Die Knechte aber sprachen zu ihm: «Willst du, dass wir hingehen und es einsammeln?» Und er sprach: «Ja nicht! Damit ihr nicht etwa, indem ihr das Unkraut sammelt, zugleich mit demselben auch den Weizen ausreißt. Lasst nur beides miteinander wachsen bis zur Ernte.» Wenn Gott in der Welt, und vielleicht auch in deiner Seele, das Übel gewähren lässt, so geschieht dies nur, um Zeit und Gelegenheit zu glänzenderem Sieg zu geben. Aus dieser Art von Siegen erwächst Gott viel größere Ehre.
In späteren Betrachtungen wird dieser Gedanke Jesu noch mehr entwickelt werden. Halte indes schon jetzt für gewiss, dass das Böse um dich und in dir den Zweck hat, größeren Eifer für das geistliche Leben in dir zu wecken. Sich bei solchen Zuständen der Entmutigung überlassen, wäre Verkennung der göttlichen Absichten. Du bist nur für die Zustimmung verantwortlich, die du freiwillig dem Bösen machst, nicht aber für die Versuchungen. Wappne dich künftig mit Geduld, wenn die Stunde des Angriffs kommt! Erwecke in dir ein brennendes Verlangen, deine bisherigen Niederlagen durch glänzende Siege wett zu machen.



11.08.2019
103. Das Gleichnis vom Unkraut (I)
(Mt 13)

I Hinweis auf den Feind alles Guten
Ein anderes Gleichnis trug Er ihnen vor: «Das Himmelreich gleicht einem Manne, der guten Samen auf seinen Acker säte.»
Siehe diesen Mann, der guten Samen auf seinen Acker ausstreute. Er versinnbildet den Vater der großen menschlichen Familie. Grüße mit Liebe den himmlischen Sämann, der ohne Unterlass Samenkörner in die offenliegenden Furchen streut, die Saat des ewigen Lebens. Gott selbst führt seine Geschöpfe auf die richtige Bahn durch Seine väterliche Vorsehung. In jedem Augenblick bietet Er uns selbst die Mittel zum Fortschritt an. Jeden unserer Schritte unterstützt Er und gibt demselben die Richtung auf das Ziel.
Gerade diese göttlich gütige Vorsehung und Sorge, die uns umgibt, weckt den furchtbaren Hass des bösen Feindes. «Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.» Dieser Feind, auf den Jesus hinweist, ist der Satan. Vornehmlich aus Feindschaft gegen Jesus hasst uns der Teufel. Durch die Wirksamkeit der Gnade in uns wird die Ehre Gottes vermehrt; aus Hass gegen Gott beeilt sich nun der böse Feind, diese Tätigkeit der Gnade zu behindern. Er erspäht den geeigneten Augenblick und benutzt jede Gelegenheit, um uns Fallstricke zu legen und das Werk Gottes in uns zu vernichten.
«Als dann der Halm aufschosss und Frucht ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein.» Gott und der Satan arbeiten gleichzeitig in unserem Leben. So wundere dich denn nicht, fast plötzlich, trotz deines eifrigen Strebens, den nachteiligen Einfluss des bösen Feindes zu verspüren, zuweilen noch am Abend eines deiner besten Tage oder nach Empfang besonderer Gnaden oder nach recht ernstlichen Vorsätzen. Je mehr dir Gott gegeben hat, desto mehr sucht Satan, dich zu berauben. Seine Freiheit, uns zu schaden, ist zwar begrenzt, aber dennoch bleibt der Kampf eine bis zum Tod dauernde Notwendigkeit. Nur um den Preis mutigen und kraftvollen Ringens werden wir die uns anvertrauten Schätze bewahren.



10.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

III Jesus setzt die Bedingungen für den Fortschritt im übernatürlichen Leben fest
«Das letzte fiel auf gutes Erdreich. Das sind jene, die das Wort Gottes hören, es in gutem und willigem Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld.»
Merke dir, was der Heiland unter einem guten Boden versteht. Das ist ein umzäuntes Grundstück, das nicht offen steht, das nie zu einer Landstraße wird für jedermann. Es ist ein fetter und lockerer Boden, in welchem der gute Samen wirklich Wurzel fassen kann. Ein von Unkraut gesäuberter Boden, frei von Gestrüpp und Dornen, ganz zur Aufnahme des Samens vorbereitet. Dieser Erde muss dein Herz gleichen. Bereite es mit Eifer auf die Gnade vor und öffne es dem Heiland.
Erkenne die befruchtende Kraft des Wortes Gottes. Dieses Wort wurde einmal ins Nichts gesprochen und hat alle Geschöpfe ins Dasein gerufen. Wenn es also in den Menschen, die es hören, nichts bewirkt, so ist es sicher ihre Schuld. Hast nicht auch du schon oft das göttliche Wort vernommen durch Einsprechungen, gute Predigten oder heilige Lektüre? Warum brachte es nicht volle Frucht?
Das göttliche Wort kann in der Seele nur reiche Frucht bringen, wenn es erkannt und ganz bewusst aufgenommen wird. Du sollst dich nicht mit einem oberflächlichen Anhören begnügen. Die Betrachtung hilft dir, das Wort Gottes in seinen Geheimnissen und in seiner ganzen Tiefe zu erfassen. So wirst du es auch nicht so leicht vergessen, sondern in gutem Herzen bewahren und Frucht bringen lassen.
Bedenke, dass Er selbst zu dir spricht und Seine Gnade spendet. So wirst du allzeit die Gaben des Himmels hochschätzen und sie in Liebe in deiner Seele bewahren. Diese Gedanken werden dein Herz erwärmen, dem guten Samen zur Fruchtbarkeit verhelfen, ihn vor schädlichen Einwirkungen schützen und zur Blüte und Reife bringen.

09.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

II Jesus warnt seine Jünger vor der Unbeständigkeit der Natur und den Verführungen der Welt
«Einiges fiel auf steinigen Grund; das sind die, welche das Wort Gottes zwar hören und mit Freuden aufnehmen, aber nicht Wurzel fassen lassen. Sie glauben eine Zeit lang, aber zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.»
Du wirst in diesen Worten das Bild deiner Seele erkennen, dein oberflächliches Empfinden, den Wechsel in deinen Stimmungen. Beim Zusammentreffen mit Jesus, beim Klang Seiner Stimme wurde dein innerstes Wesen ergriffen. Der Antrieb der Gnade war so lebhaft, dass du dich in den Himmel versetzt glaubtest, als du Ihm folgtest. Warum war einen Augenblick später alles wieder verschwunden? Weil du im Grunde des Herzens eine versteckte Anhänglichkeit hegtest. Naht dann die Versuchung, so vergisst man nur zu schnell die erhaltenen Belehrungen und die guten Vorsätze, die man gefasst hat. Der Same, der schon Keime getrieben hatte, kann keine Wurzel fassen.
Der Heiland bezeichnet ein anderes Hindernis des Fortschrittes. Unter dem Einfluss der Gnade, die das Herz rührte und den Verstand erleuchtete, werden die ersten Schritte auf dem Wege der Besserung freudig gemacht. Indes das Fortschreiten erfordert Ausdauer. Dies befördert das Wachstum der Tugend und bringt sie zur Reife. Darum heißt es angehen gegen zu große Geschäftigkeit, gegen Bequemlichkeit und Wohlleben, gegen die Reize des Vergnügens und der Leidenschaften, damit nicht auch von uns gelte: Zur Zeit der Versuchung fallen sie ab. Unsere Natur ist so voller Fehler und schlechter Neigungen, dass sie einem mit Dornen und Gestrüpp bedeckten Erdreich ähnlich ist. Davon muss sie befreit werden. Diese Befreiung erfordert abermals einen schmerzlichen, unablässigen Kampf. Der Mut zu diesem Streit fehlt oft; die Dornen wachsen, die Fehler vermehren sich und erstarken. Die Sorgen dieser Welt, die Täuschungen des Reichtums, die Vergnügen des Lebens, die Macht der Leidenschaften ersticken das Wort Gottes. Man bleibt stehen, man macht Rückschritte. Die Gnade Gottes wird unfruchtbar gemacht. Ist dies nicht wieder die Geschichte deines Seelenlebens?



08.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

I Jesus warnt seine Jünger vor den Anstrengungen des bösen Feindes, die Seelen zu verderben
«Der Same ist das Wort Gottes. Der Sämann sät das Wort.»
Nimm deinen gewohnten Platz bei Jesus ein; Er wendet sich jetzt nur an Seine Vertrauten. Der Sämann ist Gottes Sohn. Durch Sein Wort streut Er den Samen aus für das ewige Leben. Das übernatürliche Leben kann in einer Seele nur durch den Glauben keimen und sich entwickeln. Man muss dem göttlichen Worte glauben, wenn es das Leben in uns hervorbringen soll. Man muss sich der Autorität unterwerfen, die es verkündigt, die Pflichten erfüllen, die es auferlegt, Verlangen tragen nach den Gütern, die es bringt. Nur im Glauben wurzelt das übernatürliche Leben. Darum sucht der böse Feind, uns vor allem den Glauben zu rauben. Sein ganzer Plan geht dahin, unsern Glauben an das göttliche Wort zu schwächen oder ihn uns ganz zu nehmen.
«Kaum haben sie das Wort vernommen, so kommt der Satan und nimmt es aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.» Darum belebe deinen Glauben, wenn du den Teufel besiegen willst.



07.08.2019
101. Das Gleichnis vom Sämann (II)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

II Jesus verkündet das Glück jener, die Verständnis für Ihn und seine Lehre haben
«Selig die Augen, die sehen, was ihr seht; selig die Ohren, die hören, was ihr hört!»
Sieh und höre, wo auch für dich das Glück sich findet. Gott hat sich herabgelassen, mit den Menschen zu reden. Er, der Schöpfer, hat Sein Geschöpf heimgesucht. Und ich habe Seine Worte vernommen. Sein Licht hat meine Finsternis zerstreut; die übernatürliche Bedeutung meines Lebens und meiner Pflichten liegt nun klar vor mir. Meine Augen sind sehend geworden, und ich habe dem Worte des göttlichen Sohnes geglaubt. Ich glaube, und ich bin glücklich!
Lass den unschlüssigen Seelen ihre Zweifel und den falschen Gelehrten ihre Erörterungen. Genieße die Freude, den zu kennen, der die Wahrheit selber ist und der sie uns vermittelt. Die böse Welt kann sie dir nicht rauben; kein Unglücksfall vermag sie zu vermindern, diese Freude des Schauens, der Erkenntnis und des Besitzes.
«Wahrlich, sage ich euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.»
Das ist der Wert der Gnade, die den Aposteln zuteil geworden ist und deren auch du dich erfreust. Wie viele haben noch nie etwas von Jesus gehört und werden dieses Glück niemals erfahren. Habe Mitleid mit deinen Brüdern. Flehe den Heiland an, sich dieser Enterbten anzunehmen! Bitte für die, welche zu retten Er gekommen ist!



06.08.2019
101. Das Gleichnis vom Sämann (II)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass es nicht allen gegeben ist, seine Worte zu verstehen
Und als Er allein war, fragten Ihn die Zwölf, die um Ihn waren, über dieses Gleichnis. Und sie sprachen: «Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen?»
Die Apostel bitten ihren Meister um Erklärung des Gleichnisses. Erwecke auch du in dir das Verlangen nach tieferem Verständnis seiner Lehren. Was bedeutet dieses Gleichnis? Wir ahnen die Wahrheit, hilf uns, dass wir sie klar erkennen, so bitten die Apostel den Heiland. Jesus antwortet ihnen: «Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen.» Das Verständnis des Übernatürlichen ist also eine Gabe Gottes, die nicht allen verliehen wird. Gott verleiht sie den einfachen Seelen und den reinen Herzen, allen die guten Willens sind, d.h. allen, die sich zum Empfang der Gnade vorbereiten, ihr treu entsprechen und Besserung anstreben.
Gott offenbart sich uns, damit wir uns entschließen, unser Leben zu ändern. Die Hochmütigen, die Mutlosen und die Sklaven der Leidenschaft finden die Wahrheit unerträglich, weil sie ihnen die Notwendigkeit auferlegt, ihr Leben zu bessern, ihre Leidenschaften zu bekämpfen und statt ihrer Götzen den wahren Gott anzubeten.
Danke Gott, dass du zu den wenigen Glücklichen zählst, die Verständnis für die Lehre Jesu haben. Freue dich, dass du den Willen und den Mut zu einer ernstlichen Besserung in dir fühlst. Läutere deine Sinne, bringe der Wahrheit, die dich ruft, ein gelehriges Herz entgegen. Sprich aus ganzer Seele: «O ewige Wahrheit, mein Gott und Heiland, wenn meine Besserung noch mehr Opfer als bisher verlangt, so weiß ich auch, dass du mir die Kraft verleihst, sie zu vollbringen. Vermehre in mir dein Licht und gib, dass ich dich allen Lügen der eitlen Welt und allen Blendwerken der Eigenliebe vorziehe.»



05.08.2019
100. Das Gleichnis vom Sämann (I)
(Mt 13, Mk 4, Lk 8

II Jesus beschreibt die verschiedenartige Aufnahme und Wirkung des Wortes Gottes
«Beim Säen fiel einiges auf den Weg, wurde zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es auf. Anderes fiel auf steinigen Grund. Es ging zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Wieder anderes fiel mitten unter die Dornen. Die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es.»
Man kann also die zuvorkommende Gnade auf sehr verschiedene Weise aufnehmen. Gott verlangt, dass wir zur Erreichung Seiner Absichten mitwirken. Er wird uns nicht ohne unser Zutun retten. Wir können Seinen Absichten entsprechen; aber wir können sie auch vereiteln. Unsere Zukunft liegt folglich in unseren Händen. Wie stellst du dich dieser unendlich wichtigen Frage gegenüber? Hüte dich vor jeder Oberflächlichkeit; denn es handelt sich hier um eine glückliche oder unglückliche Ewigkeit.
Hast du keinen Grund zu fürchten? Wie entsprichst du der zuvorkommenden Gnade? Bringst du ihr die notwendige Aufmerksamkeit entgegen? Gleichst du nicht einem Ackerfelde ohne Zaun, das allen offen steht, wo der Feind von allen Seiten eindringt und den von Gott gestreuten Samen raubt? Herrscht in deiner Seele nicht der Lärm fortwährender Zerstreuung, gefährlicher Neugierde, weltlicher Vergnügen und übertriebener Geschäftigkeit, wodurch die heilsamen Anregungen der Gnade überhört, die guten Vorsätze und Gedanken unterdrückt werden? Gleicht dein Inneres nicht dem hart getretenen Boden, der mit Steinen, Unkraut und Dornen bedeckt ist? Dringe in das Innerste deiner Seele ein und erkenne die vom Feinde verursachten Verheerungen. Gedenke all der verscherzten Gnaden und der verschmähten Gunstbezeugungen Gottes. Erzürne über dich selbst. Nimm dir fest vor, deine geheime Anhänglichkeit an die Sünde aufzugeben, deine unruhige Geschäftigkeit zum Schweigen zu bringen und den schädlichen Einflüssen des bösen Feindes unüberwindliche Hindernisse entgegenzusetzen.
«Anderes fiel auf gute Erde und ging auf und trug hundertfältige Frucht.»
Strebe danach, ein fruchtbares Erdreich zu werden, in welchem die göttliche Saat aufgeht, wächst und hundertfältige Frucht bringt. Bitte den Herrn, über deine Seele das allmächtige Schöpferwort auszusprechen, durch welches Er im Anfang die Urmaterie der Erde ordnete und fruchtbar machte. Gib dich ohne Rückhalt den Einsprechungen der Gnade hin.



04.08.2019
100. Das Gleichnis vom Sämann (I)
(Mt 13, Mk 4, Lk 8)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, das es nicht allen gegeben ist, Seine Worte zu verstehen
An jenem Tag ging Jesus aus dem Haus und setzte sich am See nieder. Er redete zu ihnen in vielen Gleichnissen1 und sprach: «Ein Sämann ging aus zu säen.»
Wer ist dieser Sämann? Niemand anders als Jesus selbst, der Urheber und Förderer jeden Fortschritts. Betrachte Ihn und sieh, wie Er sich dem Erdreich deiner Seele nähert. Er will den Samen Seiner Lehre in die Furchen streuen, denn Er ist in diese Welt gekommen, um die Saat für die Ewigkeit zu bestellen. Jedes seiner Worte, sein leisestes Entgegenkommen, alles, was seinen Namen trägt und sein Gesetz verkündigt, schließt einen Keim für die Ewigkeit in sich.
Wie kann dieser Keim entwickelt werden? Jesus macht uns dies begreiflich, indem Er uns ermahnt, das göttliche Wort aufzunehmen, wie die Erde den Samen aufnimmt. Was uns das göttliche Wort auch immer sagt, es trägt in sich einen Keim und die Aussicht auf Ernte in der Ewigkeit. Die Zeit erhält also ihren Wert von der Ewigkeit, und jeder, der uns hindert, die Stimme Gottes, die uns von der Ewigkeit spricht, zu hören oder zu verstehen, der raubt uns unvergängliche Güter.
O meine Seele, warum bist du so zerstreut, wenn Gott in der geistlichen Lesung, in der Betrachtung, in der Predigt zu dir spricht? Warum wirst du so leicht müde, auf Seine Stimme zu hören? Vielleicht weißt du die ewigen Güter nicht nach ihrem wirklichen Wert zu schätzen? Verzichte endlich auf alle eitlen Sorgen. Verlass alles, was vergänglich ist, und richte dein Augenmerk ganz auf die Ewigkeit, und du wirst das Glück haben, die Stimme des Herrn zu vernehmen und zu verstehen und in unverbrüchlicher Treue Ihm zu folgen.

1 Als Jesus die Parabel vom Sämann verkündete, hatte Er die Hügel vor sich am Meer, deren fruchtbare Abhänge den See von Tiberias bis Kapharnaum begrenzen. Wenn Jesus die Augen erhob, hatte Er vor sich die wogenden Ährenfelder, den Fußpfad, der hindurch führte und einzelne kahle Felsen und Dornsträucher.



03.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)

III Wer zur Familie Jesu gehört
«Denn wer den Willen Meines Vaters im Himmel tut, der ist Mir Bruder, Schwester und Mutter. — Meine Mutter und Meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und es tun.»
Sammle dich aufs neue und höre aufmerksam zu. Der Heiland gründet sich auf Erden eine Familie. Er bietet uns sündigen Menschen die Ehre an, Seinen Namen zu tragen, Sein Leben zu führen, Sein Erbe zu teilen. In Seinem Hause sollen wir eine Heimstätte finden. Er sagt: «Meine Jünger sind Meine wahre Familie. Alle, die Mir treu sind, gehören zu Meinen Vertrauten. Tut, was Ich euch lehre, so werde Ich euch wie meine Mutter lieben.» Kannst du dir ein besseres Los wünschen?
Erkenne in diesen Worten die Regel für dein Tagewerk. Der himmlische Vater lässt sie dir durch Seinen eingeborenen Sohn bekanntmachen. Nur dadurch, dass du den göttlichen Willen alle Tage von neuem zur Richtschnur deines Lebens machst, erweisest du dich als Jünger Christi. Geselle dich Seinen Jüngern zu, knie im Geiste mit ihnen nieder und empfange den Segen, den der göttliche Meister Seiner Familie spendet. Erinnere dich in heiliger Freude deiner früheren Gelöbnisse und erneuere sie in diesem Augenblick mit großmütigem Herzen. Frohlocke im Gedanken an die göttliche Verbindung, die Jesus mit dir eingehen will.



02.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)

II Die Erwiderung Jesu
Er aber sprach: «Ja, selig, welche Gottes Wort hören und es befolgen!»
Beherzige diesen Ausspruch des Heilands, in welchem Er angibt, worin das wahre Glück und die wahre Ehre besteht. Selig, wer Gottes Wort hört und übt! Maria verdient also den Glückwunsch nicht nur, weil sie Mutter Gottes ist, als vielmehr, weil sie durch ihre vollkommene Treue gegen das göttliche Gesetz von Gott als die Würdigste erachtet wurde, Mutter Seines Sohnes zu werden. Diese Treue sollen wir auch an den Heiligen bewundern, mehr als die außergewöhnlichen Gnaden, deren sie gewürdigt wurden. Durchdringe dich recht mit dieser Überzeugung und handle danach.
Um diese Lehre tiefer unserem Gedächtnis einzuprägen, fügt es Jesus, dass Seine Mutter Ihn zu sprechen wünscht. Es sagt aber jemand zu Ihm: «Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder1 stehen draußen und suchen Dich.» Begrüße Maria in der Menge, in der sie erscheint, um ihren Sohn zu sprechen; erbaue dich an ihrem Beispiel.
Welche Antwort gibt Jesus? «Wer ist meine Mutter; wer sind meine Brüder?» — Warum diese befremdende Frage? Sollte sich in seinem Herzen die Liebe zu seiner Mutter vermindert haben? Zweifellos nein. Deinetwegen spricht Er so. Du sollst wissen, dass Ihm die Interessen der göttlichen Ehre mehr am Herzen liegen als verwandtschaftliche Beziehungen. Dann streckte Er die Hand über seine Jünger aus und sprach: «Sehet da Meine Mutter und meine Brüder.»
Das ist die Lehre, die der Heiland dir durch diese Begebenheit erteilen will. Vergiss nie, daß Gott nur jene als die Seinen ansieht, die Seinen heiligen Willen vollziehen. Dieses Gesetz gilt für alle. Versuche also nicht länger, dich ihm zu entziehen, um deinem eigenen Gutdünken zu folgen. Dann wirst du zur Zahl jener gehören, von denen Jesus spricht: «Das ist meine Mutter; das sind meine Brüder.»

1 Die unter dem Namen Brüder bezeichneten Personen waren Verwandte, welche nach jüdischer Sitte Brüder genannt wurden.



01.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)


I Die Seligpreisung der Mutter Jesu
Es geschah aber, als Er dies redete, erhob eine Frau unter dem Volk ihre Stimme und sprach zu Ihm: «Selig der Leib, der Dich getragen hat, und die Brust, die Dich genährt hat!»
Nimm heute wieder deinen Platz in der Schule Jesu ein. Öffne dein Herz seinen Unterweisungen.
Wer ist die Frau, die den Heiland öffentlich preist? Es ist eine Frau aus dem Volk, eine einfache Seele ohne höhere Bildung. In der Zuhörerschaft Jesu sind die am meisten Erleuchteten nicht immer die Gelehrtesten. Diese Frau hat die göttlichen Worte Jesu besser verstanden und verkostet als alle andern. Was sie soeben vernommen hat, kommt ihr so schön vor, dass sie die Mutter des Heilands selig preist. Ja, sie bedauert es, nicht zu seiner Familie zu gehören, und sie beglückwünscht jene, die Ihm durch die Bande des Blutes verbunden sind. So wirkt das Wort Gottes auf einfache Seelen.
Stimme dieser Frau bei und vereine dich mit ihr zum Preis der Gottesmutter. Durch Jesus gelangt man zu Maria und durch Maria zu Jesus. Erwecke in dir das Verlangen, Marias Lob bis zu den Grenzen der Erde zu tragen.



31.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

III Jesus sagt den Verstockten ihre Beschämung beim letzten Gerichte voraus
«Die Männer von Ninive werden in dem Gerichte mit diesem Geschlechte auftreten und werden es verdammen; denn sie taten Buße auf die Predigt des Jonas. Und siehe, hier ist mehr als Jonas!»
Erwäge ernstlich die Vorwürfe, die der Erlöser dem Volke macht, das von Ihm ein Wunder begehrt. Er nennt es ein böses und ehebrecherisches Geschlecht; denn es hat den Bund gebrochen, den Gott mit ihnen geschlossen hat. Es hat sein Herz abgöttischen Begierden hingegeben und den wahren Gott vergessen. Seine zeitlichen Interessen hat es den ewigen vorgezogen. Darum ist das Volk blind geworden und hat den ihm gesandten Sohn Gottes nicht erkannt. Bei seinem Erscheinen ist es gleichgültig geblieben und hat sich somit unfähig gemacht, den Sinn seiner Lehre und die Größe Seiner Wunder zu erfassen. Um ein neues Herz sollte das Volk bitten und nicht um ein neues Wunder.
Gehörst nicht auch du diesem Geschlechte an, das dem Heiland gegenüber so vieles verschuldet hat? Erforsche dein Gewissen! Vielleicht bezieht sich der Vorwurf Jesu auch auf dich. Versetze dich im Geiste vor Gottes Richterstuhl. Zähle deine Ankläger, d. h. alle jene, die, weniger erleuchtet und weniger begünstigt als du, dennoch durch ihren aufrichtigen Glauben und ihr ernstes Tugendstreben dem Evangelium mehr Ehre gemacht haben. Welchen Urteilsspruch verdienst du?



30.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

II Jesus verheißt das Wunder seiner Auferstehung
Denn wie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauche des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage im Schoße der Erde sein.1 Denn gleich wie Jonas ein Zeichen war für die Niniviten, so wird es der Menschensohn diesem Geschlechte sein.»
Betrachte auch diese Worte Jesu und fasse Mut. Wenn Er jetzt ein Wunder verweigert, so ist doch das letzte Wort über Israel noch nicht gesprochen. Er verflucht das auserwählte Volk nicht. Es bleibt ihm ein Heilmittel. Der Erlöser verspricht noch ein Wunder, und in diesem letzten Wunder wird Er die ganze Macht seiner Beweisgründe entfalten, alle Überzeugungskraft seiner Beredsamkeit, die ganze Glut seiner Liebe.
O meine Seele, eines Tages wirst du deinen Erlöser suchen, der deinen Blicken entschwunden ist. Das Grab hat sich über Ihm geschlossen und man wird dir sagen: «Er ist für dich gestorben und Er wird wieder auferstehen, um dich zu überzeugen und dich für den Glauben zu gewinnen. Was Jonas den Niniviten gewesen ist, das will Jesus dir sein. Du wirst Ihm nicht länger widerstreben und du kannst, wie auch Israel, noch gerettet werden. Darum Vertrauen!

1 Der jüdische Tag dauerte von einem Sonnenuntergang bis zum anderen. Jeder Teil dieses Tages galt für einen ganzen Tag. Es genügte also, damit die Weissagung sich erfüllte, daß Jesus vor dem Ende des ersten Tages ins Grab gelegt wurde, daß Er daselbst den zweiten Tag ruhte und daß Er in den Morgenstunden des dritten Tages auferstand.



29.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

I Jesus wirkt kein Wunder für die, welche sich nicht bekehren wollen
Dann redeten einige von den Pharisäern und Schriftgelehrten zu Ihm und sprachen: «Meister, wir möchten von Dir ein Wunder sehen.»
Höre die Pharisäer und Schriftgelehrten ihr Verlangen äußern. «Meister», sagen sie, «noch ein Wunder, aber ein recht augenfälliges; gib noch einen Beweis deiner Sendung, aber einen solchen, der uns zum Glauben zwingt!» Was beabsichtigen sie mit diesem Wunsche?
Hat der Heiland noch nicht genug Wunder gewirkt? Doch! Wenn das, was der Erlöser bis jetzt getan und gesagt hat, den Juden noch nicht genügt, so hat das einen anderen Grund: sie haben Seine Worte und Seine Lehre noch nicht mit genügender Aufmerksamkeit erwogen; sie haben über Seine Werke nicht nachgedacht. Es ist die freiwillige Zerstreutheit, die nicht sehen will, der Stolz, der sich nicht beugen will, die Menschenfurcht, die man nicht ablegen will, die böse Gewohnheit, der man nicht entsagen will. Diese Menschen verlangen ein Wunder, nur um neuen Stoff zu ihren endlosen Erörterungen und Einwänden und zugleich einen neuen Vorwand zu haben, sich nicht zu bekehren. Deshalb gewährt der Heiland ihre Bitte nicht.
Jesu ablehnende Antwort klingt wie eine Klage. «Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen. Aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jonas.» Die Güte des Heilandes ist unendlich; aber es kommt eine Stunde, wo Sein Licht und Seine Gnade denen entzogen werden, die sie nicht benutzen wollten. Betrachte diese Handlungsweise Jesu und lerne, wie man es anlegen muss, um vom göttlichen Erlöser Wunder zu erlangen.


28.07.2019
97. Von der Sünde wider den Heiligen Geist
(Mk 3, Mt 12)

II Die Sünden gegen den Heiligen Geist können nicht nachgelassen werden
« Wer aber wider den Heiligen Geist lästert, wird in Ewigkeit keine Vergebung erhalten, sondern ewiger Sünde schuldig sein!» Denn sie sagten: «Er hat einen unreinen Geist.»
Erwäge diesen strengen Ausspruch und trachte danach, denselben richtig zu verstehen. Der Heiland will sagen: «Wie unbegrenzt die Barmherzigkeit Gottes auch sein mag, so gibt es doch eine Sünde, die nicht verziehen wird: die Weigerung, an die Göttlichkeit meiner Sendung zu glauben. Warum dies? Weil durch diese hartnäckige Widersetzlichkeit dem Erlöser gleichsam die Mittel der Gnade entrissen werden und so die Gewalt der Vergebung, die Er vom Vater erhalten hat, unwirksam gemacht wird.
Durch die hartnäckige Verweigerung des Glaubens versetzt sich also der Sünder in die Unmöglichkeit, die Gnade zu erlangen. Die ewige Verwerfung zieht sich folglich der verhärtete Sünder selbst zu. Gott will das Heil aller, und es gibt keine Sünde, die Er nicht verzeiht, wenn man sich seinem Sohne unterwirft.
Preise die göttliche Weisheit und bete den Geist der Heiligkeit an, der durch Jesus redet. Nun weißt du besser als je, was du tun musst, um der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit zu entgehen; du kennst die bösen Gelegenheiten, die du meiden, die Tugenden, die du erwerben und üben musst.


27.07.2019
97. Von der Sünde wider den Heiligen Geist
(Mk 3, Mt 12)

I Alle Sünden gegen den Sohn Gottes können nachgelassen werden
Ich sage euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben. Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden.
Komm zu Jesus, um dich in den gefassten Vorsätzen zu bestärken. Wie ergreifend ist das Wort, das Er soeben gesprochen hat! Er versichert, dass Er alle Ihm zugefügten Beleidigungen, alle Undankbarkeit verzeihen wolle. Bewundere solchen Großmut. Vergegenwärtige dir, was in nahezu zweitausend Jahren in den unzähligen Beichtstühlen vergeben worden ist an Gotteslästerungen und Sakrilegien. Wahrlich, dein Erlöser hat Wort gehalten. Seine Barmherzigkeit ist noch nicht erschöpft. Auf den gewaltigen Ansturm menschlicher Ungerechtigkeit hat Er mit dem Friedenswort: «Ich spreche dich los» geantwortet.
Danke deinem Erlöser kindlich in deinem Namen und im Namen aller, die dir nahestehen. Wie kannst du anders so viel Güte und so viele Opfer vergelten, als indem du dich anerbietest, nach Kräften Sühne zu leisten und dich von nun an durch unentwegte Treue in seinem Dienste auszuzeichnen.


26.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)

III Jesus ruft alle Menschen unter sein Banner
« Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.»
Diese Worte enthalten einen Aufruf zum Kampf. Gott will in uns herrschen; aber wisse, dass Er nur in jenen Seelen gerne herrscht, die zu siegen verstehen.
Wenn der göttliche Heiland uns vom Himmel die notwendige Stärke bringt, um den Anschlägen der Hölle zu widerstehen, so will Er nicht, dass wir in einem trägen Frieden einschlafen. Im Gegenteil, Er will uns ermutigen, den Feind anzugreifen, ihn aus seiner Stellung zu vertreiben, ihn in die Flucht zu schlagen und zu vernichten.
«Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.» Auf dem Kampfplatze des christlichen Lebens muss man für die eine oder andere Seite Partei ergreifen. Sich vom Kampfe fernhalten ist unmöglich. Angesichts des in Schlachtlinie geordneten Feindes ist jeder, der nicht für Jesus kämpft, ein Gegner Jesu. Wieviel hast du schon zu Seiner Ehre beigetragen? Welche Kampfanstrengungen erwartet der Heiland von dir? Erforsche dich aufrichtig im Lichte des Glaubens. Du musst dich unter das Banner Jesu einreihen, die Waffen, die Er dir anbietet, ergreifen, alle Feigheit abschütteln und unter seiner Führung mutig zum Kampfe eilen. Kannst du zögern, für eine so edle Sache zu streiten?


25.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)

II Jesus erklärt, dass seine Macht alle Angriffe der Hölle überwindet
« Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so ist alles sicher, was er hat. Wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine ganze Waffenrüstung, auf welche er sich verließ, und verteilt seine Beute.»
Jesus ist in Wahrheit der Besieger Satans. Er ist der vom himmlischen Vater den Menschen gegebene Heerführer, der die Pforten der Hölle verschließen und dem Reiche des Bösen ein Ende machen soll. In Seinem Leben findet sich keine Lüge. Alle Seine Worte und Werke sind der überzeugende Ausdruck einer göttlichen Offenbarung, der sich alle unterwerfen müssen. Bezeige auch du Ihm deine Unterwerfung und lass dich gleich Ihm vom Heiligen Geiste in allem leiten und führen. In der Nachfolge deines Erlösers wirst du über alle deine Gegner triumphieren.
Bis zur Ankunft Jesu war der Mensch schwach und der Teufel stark. Nun aber ist der Mensch durch die Gnade Jesu stark und der Teufel schwach. Immer bist du imstande, deinem Widersacher die Güter wieder zu entreißen, welche er dir geraubt hat. Genieße freudig und dankbar die Wohltaten, die Jesus durch Sein Kommen der Welt gebracht hat. Wünsche sehnlichst, dass die Gnade des Sohnes Gottes sich über den ganzen Erdkreis und alle Völker ergieße.


24.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)
I Jesus offenbart den göttlichen Charakter seiner Wunder
Einige aber von ihnen sagten: «Durch Beelzebub, den obersten der bösen Geister, treibt Er die bösen Geister aus.» Da rief Er sie zusammen und redete zu ihnen in Gleichnissen: «Wie kann der Satan den Satan austreiben?... Wenn nun der Satan wider sich selbst uneins ist, wie wird dann sein Reich bestehen?»
Betrachte den göttlichen Heiland und höre, wie Ihn die Pharisäer anklagen. Er sei ein Werkzeug Satans, und die Macht, über welche Er verfüge, rühre vom Teufel her.
Was sie sich nicht erklären können, schreiben sie einer satanischen Einwirkung zu oder behandeln es als Hirngespinst. Ähnlich verfährt man auch heutzutage in der Welt mit Jesus. Wundere dich nicht darüber. Es ist unmöglich, dass die Hölle nicht in Wut entbrenne über die Macht seines Wortes und den Glanz seiner Wunder. Die bösen Geister der Eifersucht, des Hasses, des Unglaubens und der Gottlosigkeit lehnen sich naturgemäß gegen den Heiland auf.
Betrachte den göttlichen Erlöser inmitten seiner Feinde. Wie ist Er ihnen gegenüber groß, ruhig und stark. Er entlarvt seine ohnmächtigen Gegner und besiegt sie mit der Kraft eines Helden, der sich seiner Überlegenheit bewusst ist. Bedenke auch, wie sehr Einfachheit und Demut notwendig sind, um richtig über die Werke Gottes urteilen zu können. Nur das demutsvolle Auge des Glaubens entdeckt die göttliche Tätigkeit in den Geheimnissen, worin sie sich verbirgt. Beseelt dich der Geist der Demut und des Glaubens beim Lesen des Evangeliums, beim Anhören des göttlichen Wortes und bei der Betrachtung des Lebens Jesu? Sei demütig, und du wirst erleuchtet werden.



23.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

III Jesus erregt den Widerspruch der Pharisäer
Und Er heilte ihn, so dass der Stumme reden und sehen konnte . Die Pharisäer aber, die das hörten, sprachen: «Dieser treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebub, den Anführer der Teufel.»
Höre den vom bösen Geiste Befreiten reden. Was sagt er? Was kann ein Mensch sagen, der gerade eine so große Wohltat empfangen hat? Aus seinen Augen leuchtet die Dankbarkeit und seine Worte bezeugen liebende Hingabe. Lass auch dein Herz diesen Gefühlen sich öffnen. Bitte Gott, mit seinem Lichte deine Finsternis zu zerstreuen. Wünsche von Herzen, dass sich die Zunge aller geistig Stummen lösen möge, um das Lob Gottes zu verkünden.
«Er hat einen Teufel», sagen die Pharisäer. Das ist die Sprache des Stolzes, der es den Pharisäern unmöglich macht, in den Werken Jesu die göttliche Allmacht zu erkennen, die sie erheben und heilen will. Sie glauben, der Erlösung nicht zu bedürfen. Sie sind ungehalten beim Anblick der einfachen Seelen, die mit Dank die Gnaden und Wunder annehmen, von denen sie selbst nichts wissen wollen. Anstatt sich vor Jesus zu demütigen, lästern sie Ihn. — Habe nichts mit diesen stolzen Pharisäern gemein. In dem Maße als du nach Demut strebst, wirst du innerlich erleuchtet werden. Je mehr Demut du hast, desto größere Fortschritte machst du in der Kenntnis und Liebe Jesu. Opfere dem Herrn gleich jetzt innere Akte der Demut auf und nimm an seiner Seite den Platz ein, den die Lästerer und Ungläubigen verschmäht haben.



22.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

II Jesus heilt einen Besessenen
Man brachte einen Besessenen zu Ihm, der blind und stumm war.
Das Wunder, das Jesus zu wirken im Begriffe steht, hat eine besondere Bedeutung für dich. Gleichst du nicht diesem Unglücklichen? Bist du nicht blind für deinen Gewissenszustand? Erkennst du die Hässlichkeit deiner Fehler und bösen Gewohnheiten? Sind dir deine feigen Zugeständnisse an die Genusssucht in ihrer ganzen Niedrigkeit bewusst? Siehst du ein das Unwürdige und Schmachvolle deiner beklagenswerten Menschenfurcht, deiner Scheu vor den Beschwerden, welche mit treuer Pflichterfüllung verbunden sind? Gefällst du dir etwa in dieser Blindheit?
Fehlt dir die Sprache nicht ebenso sehr wie das Licht der Augen? Bleibst du nicht stumm, wenn du beten, Gott danken oder andere ermahnen solltest? Warum schweigt alles in dir, da doch deine Zunge und dein Herz Gott preisen sollten? Warum bekennst du deinen Glauben nicht, wo es deine heilige Pflicht wäre, für Ihn einzutreten? Wenn sich Gelegenheit bietet, für Jesus Zeugnis abzulegen, schweigst du da nicht oft, statt dich auf Seine Seite zu stellen?
In Wahrheit gehörst du also zur Zahl jener unglücklichen Blinden und Stummen, die der Heilung bedürfen. So eile denn zu Jesus und lass dir Seine segnende Hand auflegen. Nenne Ihm die bösen Geister, die dich gefangen halten: Menschenfurcht, übertriebene Sorge für das Irdische, Selbstsucht und Sinnlichkeit! Erwecke Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, damit die Gnade einen vollkommenen Sieg über dich davon trage!



21.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

I Die Volksmenge umdrängt den Heiland
Als sie nach Hause1 kamen, versammelte sich das Volk wieder, so dass sie nicht einmal ihr Brot essen konnten. Da die Seinigen dies hörten, gingen sie hinaus, Ihn mit Gewalt zu holen.
Begib dich mitten durch die Volksschar in die Nähe des Heilandes. Freue dich des großen Zulaufs, den Er hat. Wie viele Menschen, die Seiner bedürfen, wie viele Hilfesuchende, die Seine Allmacht anflehen!
Die Güte Jesu kommt Seiner Allmacht gleich. Alle sind sicher, zu jeder Stunde, an jedem Orte und unter allen Umständen von Ihm aufgenommen zu werden. Er ist für alle da; alle dürfen auf Ihn zählen. Siehe, wie Er seine ganze Freude und sein ganzes Glück daran setzt, für die Ehre Seines Vaters zu arbeiten und sich unserem Heile zu widmen. Was man von Ihm denkt, bekümmert Ihn wenig. «Er ist wahnsinnig geworden», sagen seine Verwandten. Höre diese beleidigende Rede. Auch Seine Güte, Seine Tugend, so viele Wunder konnten sie nicht für Jesus gewinnen. Fremde erheben und preisen den Herrn, und die Ihm am nächsten stehen sollten, setzen Ihn herab. Aber nichts ist imstande, Ihn von der Erfüllung seiner Aufgabe zurückzuhalten. Nimm dir ein Beispiel! Was liegt am Urteil der Menschen, wenn nur das Werk, das Gott uns aufgetragen hat, vollbracht wird!
1 Wahrscheinlich bei der Rückkehr des Erlösers aus der Gegend von Naim nach Kaphamaum. Es handelt sich um das Haus, das Er in dieser letzteren Stadt bewohnte.



20.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

IV Jesus betont den Wert der Liebesreue
«Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel Liebe gezeigt hat.»
Bedenke, dass die Verzeihung der Sünden gewährt wird nach dem Maß der Liebe. Je größer die Liebe des Büßenden, desto wirksamer die Gnade der Bekehrung, denn die Sünde wurde begangen wegen eines Mangels an Liebe zu Gott, und so muss das entgegengesetzte Heilmittel, welches sie wieder heil macht, auch eine entsprechend große Liebe sein. Bedaure es, dass du Gott zu wenig geliebt hast, und bitte Ihn um die Vermehrung der göttlichen Liebe.
Die wahre Liebe zu Gott schließt auch den Abscheu vor der Sünde mit ein. Wenn du wahrhaft ein Kind Gottes bist, wirst du die Sünde als das größte Übel fliehen und auch die geringsten Sünden verabscheuen, weil sie eine Beleidigung deines gütigsten Vaters sind.
Bedenke auch, dass Gott mehr geliebt als gefürchtet sein will, denn Seine Güte ist Ihm wichtiger als Seine Gerechtigkeit. Deshalb sind Ihm jene, die sich aus Liebe zu Ihm bekehren, überaus teuer, und sie werden eine vollständigere Verzeihung ihrer Sünden erlangen, als jene, die sich aus Furcht bekehren. Gott zu lieben, soll deshalb deine beglückendste Beschäftigung und deine eigentliche Lebensaufgabe sein!



19.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

III Jesus verzeiht der Sünderin und entlässt sie in Frieden
Dann sprach Er zu ihr: «Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin im Frieden!»
Betrachte aufmerksam die Worte der Verzeihung. «Dein Glaube hat dich gerettet.» Aus dem Glauben entspringt die Liebe, die Verzeihung erwirkt. Die Büßerin liebt, weil sie glaubt. Sie glaubt an den Sohn Gottes, an den Erlöser der Welt. Im Lichte des Glaubens hat sie Ihn betrachtet, und in diesem Licht erschien Er ihr unendlich schön und einer unbegrenzten Liebe würdig. Glaube und Liebe machten sie stark genug, mit einem Schlag alle Fesseln ihrer entehrenden Knechtschaft zu sprengen und so gewaltige Siege über sich selbst davonzutragen. Danke ihr, dass sie der Welt eine so herrliche Lehre gegeben hat, und entschließe dich, sie zu befolgen.



18.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

II Jesus verteidigt die Sünderin und rechtfertigt Seine Handlungsweise
Als der Pharisäer, der Ihn geladen hatte, dies sah, dachte er bei sich: «Wenn dieser ein Prophet wäre, wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn berührt — eine Sünderin.» Jesus sprach zu ihm: «Simon, ich habe dir etwas zu sagen.» Dieser erwiderte: «Sprich, Meister.» Er sprach: «Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Da sie ihre Schuld nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun am meisten lieben?» Simon antwortete: «Ich glaube, der, dem er das meiste geschenkt hat.» Jesus sprach zu ihm: «Du hast recht geurteilt.»
Höre, wie der Heiland die Sünderin verteidigt. «Simon, ich habe dir etwas zu sagen.» Auch für dich trägt der Heiland diese rührende Parabel vor. Gott hat seinen eingeborenen Sohn gesandt, damit Er uns lehre, wie wir unsere Schuld bei Ihm begleichen sollen. Gott verzeiht aus Liebe, wie Er auch die Welt aus Liebe erschaffen hat. Je mehr man liebt, desto mehr verzeiht Er, und je mehr Er verzeiht, desto mehr will Er geliebt werden. Ein einziger Akt der Liebe kann ein Leben voller Sünde aufwiegen. Wenn ich Gott liebe, habe ich Seine Gerechtigkeit nicht mehr zu fürchten.
«Sieh, diese Frau», sprach Jesus zu Simon, «und vergleiche dich mit ihr! Wer von euch beiden liebt mehr, du oder sie? Wer versteht es besser, den Blick Gottes auf sich zu ziehen und sich Seiner Güte würdig zu machen? Ich kam in dein Haus, und du gabst Mir kein Wasser für meine Füße; sie aber hat Meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du gabst Mir keinen Kuss; sie aber hat seit Meinem Eintritt unaufhörlich meine Füße geküsst. Du salbtest Mein Haupt nicht mit Öl; sie aber hat Meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel Liebe gezeigt hat.»
Präge dir diese Worte tief ein und suche den Gedanken des Meisters ganz zu erfassen. Stelle auch du den Vergleich an, den Jesus seinem Gastgeber nahelegt. Erwäge, wie hoch der Heiland die zarten Liebeserweise eines reuigen Herzens schätzt!
O meine Seele, das Andenken an deine Fehler darf also niemals deine liebende Vertrautheit mit dem göttlichen Heiland vermindern. Obschon du gestern noch zu den verlorenen Schafen zähltest, darfst du dich heute wieder den am meisten bevorzugten Schäflein beigesellen, aus dem Becher des guten Hirten trinken und aus Seiner Hand die Nahrung empfangen, mit der Er dich stärken will. Blicke auf die glückliche Büßerin; bitte sie um die Gesinnungen ihres Herzens und leiste auch du Genugtuung für deine Sünden.



17.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

I Die Sünderin zu den Füßen Jesu
Ein Pharisäer bat ihn, bei ihm zu essen. Er ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tische.1 In der Stadt lebte eine Frau als Sünderin.2 Als sie erfuhr, dass Er im Hause des Pharisäers zu Tische sei, brachte sie ein Alabastergefäß mit Salböl. Sie stellte sich weinend hinter Seine Füße und fing an, Seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen. Dann küsste sie Seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.
Tritt mit dem Heiland in das Haus des Pharisäers ein; halte dich an Seiner Seite, um Seine barmherzige Liebe besser bewundern zu können. Die verirrten Seelen sollen erfahren, in welchem Maße sie von ihrem Heiland die Gnade der Verzeihung erwarten dürfen.
Betrachte die Sünderin zu den Füßen Jesu. Diese Frau ist ein Opfer der Sinnlichkeit und Hoffart, eine Sklavin der Leidenschaft und der Eitelkeit, ein Gegenstand des Ärgernisses. Und doch verweilt der Heiland um ihretwillen in der Stadt. Die göttliche Weisheit würdigt Sich, jene an Sich zu ziehen, welche die Welt verachtet. Jesus begnügt sich nicht damit, um der Sünderin willen der Einladung des Pharisäers Folge zu leisten, Er nimmt sie auch mit unaussprechlicher Herablassung auf. Er erlaubt ihr, sich Ihm zu nahen, ermutigt sie durch Seinen Blick und scheint den Gästen schon dadurch zeigen zu wollen, dass Er an ihrer Huldigung Gefallen findet. Alle Bedingungen, unter denen Gott verzeiht, hat die Sünderin schon erfüllt.
Um welchen Preis gewährt denn der Heiland die Verzeihung, welche Maria Magdalena so demütig begehrt? Um den Preis ihrer Liebe. Was einzig Gott in dieser Welt sucht, ist das Herz Seines Geschöpfes, und das ist auch alles, was Er vom verirrten Sünder verlangt.
Was tut die Sünderin zu den Füßen Jesu? Siehe ihre Tränen, errate ihr stummes Bekenntnis, atme den Wohlgeruch ihres Nardenöls ein. Was will all das sagen? Nichts anders als: «Mein Gott, verzeihe mir; denn ich liebe Dich!» Sie macht ihr Herz von seinen Fesseln los, um es ganz Gott zu schenken. Sie hat die Lehre Jesu von der göttlichen Barmherzigkeit verstanden; ihre Reue ist vollkommen. Lerne von ihr, deine Sünden zu bereuen und dein Herz den Geschöpfen zu entreißen, um es Dem wiederzugeben, der es für Sich erschaffen hat.
1 Seit der Babylonischen Gefangenschaft folgten die Juden bei Tisch dem Beispiel der Griechen und Römer; wie diese legten sie ihre Sandalen am Eingang ab und ließen sich auf Ruhepolstern nieder, welche vor den Tischen lagen. Sie aßen, indem sie sich auf den linken Arm stützten; der Körper war ausgestreckt und die Füße nach auswärts gekehrt.
2 Nach der allgemeinen Ansicht der Kirche ist diese Frau Maria Magdalena (Maria von Magdala), die Schwester des Lazarus.



16.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

III Jesus wirft den Städten Missbrauch Seiner Gnaden und Wohltaten vor
«Und du Kapharnaum1, wirst du wohl bis zum Himmel erhoben werden? In die Unterwelt sollst du hinabfahren. Denn wären in Sodom die Wunder geschehen, die in dir geschahen, es stände noch bis auf den heutigen Tag.»
Verdienst du nicht auch hier wieder einen Teil der Vorwürfe, die der Heiland macht? Erinnere dich deiner Vergangenheit. Was würden andere, weniger begnadete bei solchem Entgegenkommen Gottes geleistet haben? Was würden die Gnadenwunder, die dich kalt ließen, in ihrem Leben bewirkt haben? Wie gründlich hätten sie sich bekehrt, wenn die Erleuchtungen, die dir vergebens so reichlich zuteil wurden, ihren Lebensweg erhellt hätten? Antworte und ziehe den Vergleich. Blicke flehentlich zum Heiland auf, der seinen rächenden Arm über dir erhebt.
Was willst du tun, um einem so strengen Strafgerichte zu entgehen? Wodurch hatten die Einwohner der verfluchten Städte den Zorn Gottes heraufbeschworen? Sie vergaßen ihre ewige Bestimmung und versenkten sich ganz in ihre irdischen Angelegenheiten, gaben sich allen Vergnügungen und sinnlichen Ergötzungen hin. Sie lebten in freiwilliger Blindheit. Da konnte die Saat des Glaubens nicht aufgehen. So verfällt man der Gleichgültigkeit, die allmählich der ewigen Verdammnis zuführt.
Lerne auf der Hut zu sein und dich auf eine bessere Zukunft vorzubereiten. Noch ist es Zeit, dir durch deine guten Vorsätze die unendliche Barmherzigkeit Gottes geneigt zu machen und die Gerechtigkeit zu entwaffnen. Bitte Jesus durch die Fürsprache seiner heiligen Mutter, deiner in der Ewigkeit zu schonen.
1 Kapharnaum, die am meisten bevorzugte Stadt, ist gegenwärtig nur noch ein Trümmerhaufen. Zahlreiche Basaltsteine verschiedener Größe, die meistens von zerstörten Häusern und Bauwerken herrühren, bedecken die Stätte, wo Kapharnaum ehemals stand. Die Überreste der schönen Synagoge sind die einzigen erkennbaren Ruinen der Stadt und erregen noch mit Recht die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Palästinareisenden.



15.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

II Jesus sagt dem Volk die strengen Gerichte Gottes vorher
«Weh dir, Chorazin!'1 Weh dir, Bethsaida!2 Denn wären in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten schon längst in Sack und Asche Buße getan.»
«Wehe dir!» — Beklage die Unglücklichen, welche die göttliche Gerechtigkeit verflucht. Aber kehre sogleich in dein eigenes Innere ein.
Wo ist die Stadt, die dem Heiland die Tore verschlossen hält, um sie Seinem Feinde zu öffnen? Wo ist der hochmütige Geist, der sich der Einfalt des Evangeliums schämt? Wo ist das geteilte Herz, das dem Sohn Gottes nicht den ersten Platz einräumen will? Wo ist der Wille, der trotz alles göttlichen Entgegenkommens in seinem Widerstand verharrt? Was antwortet dein Gewissen auf diese Fragen?
Verdienst nicht auch du die Drohung zu hören, die der Heiland ausspricht? «Ich bin gekommen», sagt Jesus, «die Hände voll himmlischer Gaben, Ich richtete ehrenvolle Einladungen an dich, Ich stellte auserlesene Heilsmittel zu deiner Verfügung. Hast du Meinem Gnadenruf nicht oftmals sündhaften Genuss vorgezogen oder in deiner Feigheit nicht gewagt, dich offen zu Mir zu bekennen? Wehe dir!» — Was willst du antworten? Was hast du verdient?
1 Chorazin, Nachbarstadt von Kaphamaum. Der Heiland weilte oft daselbst. Vom Orte selbst ist nichts übriggeblieben.
2 Von Bethsaida findet man nur zerfallene Überreste. Das ist alles, was von dem Orte geblieben ist, der dem Heiland fünf Apostel geschenkt hat.



14.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

I Jesus droht den ungläubigen Städten mit den göttlichen Strafgerichten
Dann hielt Er die Strafrede an die Städte1, in denen seine vielen Wunder geschehen waren und die sich dennoch nicht bekehrt hatten.
Nimm deinen gewohnten Platz unter den Zuhörern Jesu ein. Die erzürnte Gerechtigkeit des Meisters hält dir eine Lehre vor, die du zu deinem Heile wohl nutzen musst.
Vor den Blicken Jesu liegen die bevorzugten Städte, welche so oft Zeugen seiner Wunder gewesen sind. Gedenke Seines liebreichen Entgegenkommens, Seiner beredten Lehrvorträge und Seines heldenmütigen Beispiels an diesen Orten. Frische die Erinnerungen an Seine Wunder wieder bei dir auf. Wie ist es doch möglich, dass der liebreiche Heiland so vielen begegnet, die leichtsinnig dahinleben, Ihm einen widerspenstigen Willen entgegensetzen und Ihm ihre Herzen hartnäckig verschließen. Leider ist es nur zu wahr: die Städte, die vor Ihm liegen, haben keinen Nutzen aus Seinen Lehren und Ermahnungen gezogen. Seine Wunder sind fast ohne Wirkung geblieben. Die Vorurteile gegen Ihn sind nicht gewichen; der Stolz hat sich nicht beugen lassen, und der Glaube hat keine Wurzeln geschlagen.
Betrachte den Sohn Gottes. Seine Gesichtszüge zeigen den Schmerz über die Undankbarkeit, den Widerspruch und die Abweisung, die Er dort erfahren hat. Er will Seine gerechte Entrüstung nicht länger zurückhalten. Die Stunde der Vergeltung hat geschlagen. Es kommt eine Stunde, wo Er, der nur Segen vom Himmel bringen wollte, Seinen Fluch ausspricht.
1 Kapharnaum, Bethsaida, Chorazin, Genesareth, d. h. das ganze westliche Ufer des Sees Tiberias erstreckt sich in einer Länge von 3 — 4 Meilen; es war der hauptsächlichste Schauplatz der Lehrtätigkeit Jesu. Dieser Landstrich war der meistbevölkerte von ganz Palästina; hier war ein buntes Gemisch von Rassen, Sitten und Religionen.



13.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

III Jesus preist den Eifer seines Vorläufers und die Erhabenheit seiner Sendung
«Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, noch mehr als einen Propheten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor Dir her, dass er den Weg vor Dir bereite.»
Wiederum ein Lob des heiligen Johannes aus dem Munde des Herrn; abermals eine Gewissensfrage für dich. Die Menge hatte einen Mann gesehen, der nur die Interessen Gottes im Auge hatte und in ihnen aufging, einen Mann, der von Eifer glühte, dem Erlöser den Weg zu bereiten, Ihm Seelen zuzuführen, der bemüht war, allen die Gnade seiner wirklichen Ankunft zu verkünden. Dieser ist mehr als ein Prophet, sagt Jesus. Was ist er denn? Ein Apostel!
Beherzige ernstlich diesen Ausspruch Jesu. Wie groß ist dein Eifer für die Ehre des Heilandes? Wo ist deine brennende Begierde, Gott Seelen zu gewinnen, besonders jene, auf welche du Einfluss hast? Bist du in deinem Kreise das, was Johannes der Täufer beim jüdischen Volke war, der Engel des neuen Bundes, der Bahnbrecher des himmlischen Reiches, der Vermittler zwischen Gott und der sündigen Menschheit? Vergleiche dich mit dem heiligen Johannes und beurteile dich der Wahrheit entsprechend. Was hast du schon für die Sache des Evangeliums getan? Hältst du nicht durch ein schlechtes Beispiel andere ab, sich dem göttlichen Heiland zu nahen, anstatt sie Ihm zuzuführen?
«Wahrlich, ich sage euch», spricht Jesus, «unter den von der Frau Geborenen gibt es keinen Größeren als Johannes den Täufer.» — Was ließe sich von dir sagen? Müsste es nicht heißen: «Niemand ist kleiner als du; nichts ist beschränkter als deine Gedanken, nichts engherziger als deine Wünsche?» Lerne groß werden durch Selbstverleugnung.
Beglückwünsche die, welche sich selbst bezwungen haben, um das Himmelreich zu gewinnen; sieh, welche Kämpfe sie zu bestehen hatten. Vereinige dein Lob mit jenem der Auserwählten und verkünde den Triumph des Evangeliums. Lass dich nicht länger von der Unbeständigkeit des Vergänglichen beeinflussen. Miss mit dem Maßstab der Ewigkeit!



12.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

II Jesus preist die strenge Lebensweise Johannes des Täufers
«Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichlichen Kleidern angetan? Siehe, die da weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige.»
Was haben die Leute in der Wüste gesehen? Einen Mann, der alle Furcht vor körperlichen Leiden überwunden hat, der darauf sinnt, sein Fleisch abzutöten, der lange Jahre im Wachen und Fasten zubringt, dem die Entbehrungen einer vollkommenen Armut ein Genuss sind, der öffentlich zeigt, dass er verachtet, was den Sinnen schmeichelt. Solch ein Anblick hat sie überwältigt, deshalb sagen sie: «Das ist ein Mann Gottes. Wir wollen uns bekehren und Buße tun.»
Auch der Heiland freut sich über den großen Bußprediger. Um seine Freude vollkommen zu machen, musst auch du Buße tun und dich bekehren. Bist du nicht ein elender Sklave des Wohllebens und der Weichlichkeit? Schreckt dich nicht der Anblick dieses strengen Bußlebens, das die Menge in der Wüste begeisterte? Bist du nicht darauf bedacht, dir soviel als möglich die Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen? Wirst du nicht traurig und schlechter Laune, wenn du einmal etwas entbehren musst? Nähere dich demütig dem Heiland, bekenne Ihm deine Schuld und bitte Ihn, dich loszusprechen.



11.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

I Jesus lobt die Seelenstärke des Vorläufers
Während aber diese hinweggingen, fing Jesus an, zu dem Volke von Johannes zu reden: «Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen. Ein Schilfrohr, das vom Winde hin und her bewegt wird?»
Belebe in dir das Feuer heiliger Begeisterung und höre, was dich dem göttlichen Meister wohlgefällig macht. Ist es nicht die einzig wahre und erstrebenswerte Ehre, das Lob des Heilandes zu verdienen?
«Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?» Es liegt Jesus viel daran, seinen Jüngern zu zeigen, dass nicht die Wissenschaft, die Beredsamkeit, der Erfolg vor der Welt und der Glanz der Stellung sein Lob verdienen, sondern einzig die Festigkeit des Charakters, die treue Pflichterfüllung, die Standhaftigkeit in der Tugend und die beständige Aufmerksamkeit auf das letzte Ziel.
Bemühe dich, die innige Freude Jesu zu verstehen, die Er empfindet, wenn starke Seelen zu Ihm kommen, die sich die Übung dieser Tugenden zur Lebensaufgabe gestellt haben. Gehörst du zu ihnen? Bereitest du Jesus diese Freude? Verdienst du das Lob des Heilands durch deine Treue unter seinem Banner?
Gleichst du nicht vielmehr dem Rohre, das vom Winde hin und her getrieben wird? Wirst du nicht von jedem Windstoß der Menschen furcht eingeengt, von jedem Windstoß des Vorurteils gelähmt, von jedem Windstoß der Demütigung empört, von jedem Windstoß der Prüfung entmutigt? Bist du nicht beim leisesten Windstoß unvorhergesehenen Unglücks verzagt? Wer solch einem schwankenden Rohre gleicht, der verliert die gerade Richtung auf Gott. Seine Vorsätze werden von jedem Widerspruch umgestoßen und sein Wille wird von der Gewalt der Sinne gebeugt. Er neigt sich jedem Vergnügen zu, handelt einzig auf Antrieb der Laune, meidet die Arbeit und geht dem Kampf aus dem Wege.



10.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

III Jesus preist alle selig, die an Ihn glauben
« Wohl dem, der an mir keinen Anstoß nimmt!»
Gehörst du zu diesen Seligen? Bist du nicht von Menschenfurcht beherrscht? Schämst du dich nicht eines so guten Meisters? Hast du dir in dieser Hinsicht nicht mehr als eine Feigheit vorzuwerfen? Wenn du so wenig Aufmerksamkeit für die Stimme der Gnade hast und so vieler Mängel beim Gebet dich schuldig machst, so geringen Eifer zeigst, den inneren Anregungen nachzukommen, muss Jesus da nicht glauben, dass Er dir wenig bedeutet und dass du einen anderen Erlöser erwartest und wünschest? Gott verlangt von dir, dass du ganz entschieden zum Heiland hältst.
Der Heiland gibt durch seine Worte allen eine ernste Mahnung, die recht zu beherzigen ist. Es gibt Menschen, die den göttlichen Charakter der Werke Jesu nicht erkennen. Sie urteilen nach dem äußeren Schein über seine Person und seine Lehre und werden dadurch zu Zweifel und Widerspruch, ja selbst zur Verleugnung geführt. Sie nehmen Ärgernis an Ihm. Wehe ihnen! Sie finden den Tod, wo sie doch nach Gottes Absicht das Leben finden sollten. Und die Ursache dieses Unglücks ist nichts anderes als der Stolz, der ihren Geistesblick verfinstert, so dass sie das Walten Gottes nicht erkennen. Hüte dich deshalb vor dem Stolz. Nur wenn du ihn in dir zerstörst, wirst du das volle Licht fester und unerschütterlicher Überzeugung erlangen.



09.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

II Jesus beweist Seine göttliche Sendung durch seine Wunder
In jener Stunde heilte Er gerade viele von Krankheiten, Gebrechen und bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. So gab Er ihnen zur Antwort: «Geht hin und kündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündet.»
Höre, mit welcher Feierlichkeit der Heiland den Jüngern Bescheid gibt. Ein einfaches Wort könnte genügen; Er antwortet mit Wundern. Durch Seine Werke will Er zeigen, wer Er ist. Er handelt so, um das Licht und die Überzeugung tief in die Herzen zu senken.
Wie strömen die Leidenden und Kranken zu Ihm hin! Ihre Heilung wird Zeugnis ablegen für die Göttlichkeit Seiner Person. «Bist Du es, der da kommen soll, fragt ihr Mich? Antwort mögen euch geben die Toten, die Ich erweckt, die Kranken, die Ich geheilt, die Elenden und Bedrängten, denen ich geholfen habe. Höret die Stimmen all dieser Unglücklichen, die Mich preisen, und schließet daraus, wer Ich bin!»
Nähere dich dem Meister, der auch deine Anerkennung verlangt. Vernimmst du nicht inmitten der Dankesbezeugungen des Volkes die Stimme des himmlischen Vaters, der dich einlädt, Seinen Sohn als Gott zu erkennen und anzubeten? Der Erlöser ist wahrhaft unter uns erschienen; denn die Armen finden Liebe, die Unglücklichen Hilfe und Verlassene werden als Brüder behandelt. Gott ist mitten unter uns. Auf Jesus hinweisend, spricht der himmlische Vater: «Dieser ist Mein vielgeliebter Sohn; setze auf Ihn all dein Vertrauen; gib dich Ihm widerstandslos zu eigen.»



08.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

I Jesus empfängt die Boten des Täufers
Von all dem erhielt Johannes durch seine Jünger Nachricht. Da rief Johannes zwei seiner Jünger zu sich, sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: «Bist Du es, der da kommen soll, oder haben wir einen andern zu erwarten?»
Geselle dich den zwei Jüngern des Johannes bei und versuche den ersten Eifer deines Glaubens zu erneuern. Zwei Seelen, deren Glauben schwankt, werden von Johannes dem Täufer zu Jesus gesandt. Vor seinem Tode will Johannes abermals der Wahrheit Zeugnis geben und die Ehre Jesu nach Kräften vermehren und zugleich auch den Glauben seiner Jünger festigen. Er will sterben, wie er gelebt hat.
Auch dir tut eine Vermehrung deines Glaubens not. Gedenke deiner ewigen Bestimmung. Du weißt, daß der Weg zum Himmel rauh ist, daß die Schwierigkeiten in der Tugendübung zahlreich sind und daß du heldenmütig kämpfen und opfern mußt. Erkenne dein Unvermögen! Du bedarfst der Leitung eines liebevollen und sicheren Führers. Deshalb stelle auch du dem Heiland die Frage der Abgesandten des Johannes: «Bist Du es, der da kommen soll?» Bist Du es, auf den ich all mein Vertrauen setzen kann? Ich bedarf eines Führers zum Himmel. Bist Du dieser Führer? Ich bin schwach und habe eine Stütze notwendig. Willst Du mir diese Stütze sein? Meine Feinde umlagern mich; bist Du der Retter, der mich ihrer Gewalt entreißt?



07.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

III Jesus erweckt den Toten
Dann trat Er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger aber standen still. Und Er sprach: «Jüngling, ich sage dir, stehe auf.» Da richtete sich der Tote auf und fing an zu reden. Und Er gab ihn seiner Mutter.
Nahe dich mit dem Heiland der Bahre. Sieh, wie es den guten Meister drängt, mit seiner Allmacht hier Hilfe zu bringen. Ein Wort von Ihm genügt, um Tote zum Leben zu erwecken, die Seele wieder mit dem Leibe zu vereinigen. Er spricht, und was erstarrt dalag, erhebt sich, was dem Grabe verfallen war, kehrt ans Licht zurück.
«Stehe auf!» sagt Jesus zum Toten, und dieser erhebt sich von der Bahre. Richte deinen Blick mit großer Aufmerksamkeit auf diesen Menschen, der von den Gestaden der Ewigkeit wiederkehrt. Nahe dich ihm und höre ihm zu. Höre, was er vom Tode gelernt hat. Was sagt er zum Heiland, was zu seiner Mutter, was zu der Menge, die ihn umgibt? Sein neues Leben führt eine neue Sprache, die Sprache jener, die das Zeitliche richtig beurteilen, nachdem sie es im Lichte des Ewigen geschaut haben.
Der Auferweckte spricht auch zu dir, um dich dem Grabe der Lauheit und Selbsttäuschung zu entreißen, damit auch du zu einem neuen Leben erstehest, an welchem der Blick des himmlischen Vaters nichts mehr entdeckt, was an die Verirrungen und den Leichtsinn deines früheren Lebens erinnert. Es hieße die Wunder der göttlichen Güte verachten und dich den strengen Züchtigungen der Gerechtigkeit aussetzen, wenn du anders handeln würdest. Denke reiflich über diese Wahrheit nach. «Gott hat sein Volk heimgesucht», ruft die Menge überwältigt aus. Stimme ihr bei und sprich von Herzen: Gott hat mich heimgesucht, ich ergebe mich Ihm.


06.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

II Jesus tröstet die Mutter
Als der Herr sie sah, ward Er von Mitleid mit ihr ergriffen und sprach zu ihr: «Weine nicht.»
Siehe, wie Jesus sich dem Leichenzug naht und auf die betrübte Mutter zugeht. Möchten alle, die Gott vorwerfen, daß Er gleichgültig gegen unsere Schmerzen sei, sich bei diesem Anblick vom Gegenteil überzeugen! Niemand hat so herzliches Mitleid mit uns wie Jesus; denn Er kennt besser als irgend jemand die Leiden des menschlichen Herzens.
«Weine nicht!» spricht Jesus in sanftem Tone. Verkoste die Süßigkeit, die in diesem Worte liegt. Hast du es noch nie im Innersten deiner Seele gehört? Es ist die Stimme deines himmlischen Vaters, die dich auffordert, auf deinen Heiland zu hoffen, der aus dem Tod neues Leben ersprießen läßt. Warum sollte ich also den Tod fürchten, da niemand stirbt, den der Sohn Gottes behütet. Lebend und tot gehöre ich Ihm. Der Tod kann mich seinen allmächtigen Händen nicht entreißen. Er erwartet die scheidenden Seelen, um ihnen im Jenseits ein neues Leben zu verleihen. O meine Seele, setze all deine Hoffnung auf Jesus und belebe deinen Glauben an die göttliche Vorsehung



05.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

I Jesus begegnet dem Leichenzug
Darauf ging Er in eine Stadt mit Namen Naim.1 Seine Jünger und zahlreiches Volk zogen mit Ihm. Als Er sich dem Stadttore näherte, trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, die Witwe war. Viel Volk aus der Stadt ging mit ihr.
Eile deinem göttlichen Meister entgegen. Jesus sucht die leidenden Seelen auf. Um eine Mutter zu trösten, wandert Er Naim zu. Unsere Leiden ziehen Ihn an; wenn wir weinen, naht Er sich uns. So kommt Er auch jetzt nach Naim, grüße Ihn mit Liebe und Vertrauen.
Beim Anblick des Leichenzuges gedenke der schmerzlichen Trennung, die der Tod verursacht. Auch deine Lieben müssen diesen Weg gehen. Hier trägt man den einzigen Sohn einer Witwe zu Grabe. Diese arme Mutter bedarf eines Trösters; ihr Herz schreit nach Trost. Doch wahren Trost spendet nur der, der uns zurückgibt, um was wir trauern. Dazu hat uns der himmlische Vater seinen einzigen Sohn gesandt. Er soll uns nicht nur Erlöser und Herr, Er soll uns auch Tröster sein.
Knie gläubig vor dem Heiland nieder. Zeige Ihm die Lücken, die der Tod in die Reihen deiner Lieben gerissen hat. Zeige Ihm auch die Wunden in den Herzen anderer. Laß Ihn ihre Tränen sehen und bitte Ihn um Trost und Hilfe für alle. Er kann alles und zu jeder Stunde. Tod und Leben sind seiner Herrschaft unterworfen.
1Naim liegt auf den felsigen Hügeln des Kleinen Hermons in Galiläa. Gegenwärtig ist es nur mehr von wenigen Menschen bewohnt, deren Hütten am Hügel zerstreut liegen.



04.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

III Jesus wirft dem auserwählten Volk seinen Mangel an Glauben vor
«Ich sage euch, viele werden vom Aufgang und Niedergang kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen. Die Kinder des Reiches aber werden in die Finsternis hinausgeworfen; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Gegen wen spricht Jesus diese Drohung aus? Gebe Gott, daß sie nicht dir gilt! Jedenfalls laß sie dir zur Warnung dienen. Wenn Jesus solche Worte zu den Juden spricht, die Er mit Gnaden überhäuft hat, so tut Er es einzig, um ihnen nicht dereinst seine Wohltaten entziehen zu müssen. Wisse also, daß auch die, welche die Gnade hoch erhoben hat, tief fallen können. Wie groß die Güte Jesu auch ist, so verschließt Er zuletzt doch sein Herz demjenigen, der Ihm den Glauben hartnäckig verweigert. Alles, was du an Gnade mehr als andere erhalten hast, soll deinen Glauben, deine Liebe und deine Treue vermehren, damit diese Gaben dir dereinst nicht zur Beschämung dienen.
Ziehe Nutzen aus dieser ernsten Lehre. Danke dem Heiland dafür und bringe ihm die Huldigung einer wahren Demut, einer aufrichtigen Reue und einer rückhaltlosen Hingabe dar.



03.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

II Jesus bewundert laut den Glauben und die Demut des Hauptmanns
Und der Hauptmann antwortete und sprach: «Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.» Da nun Jesus das hörte, verwunderte Er sich und sprach zu denen, die Ihm folgten: « Wahrlich, ich sage euch, so großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.»
Erbaue dich an der tiefen Demut des Hauptmanns beim Anblick des Heilandes. In dem Maße, als man sich Jesus naht, wird man seiner Hoheit und göttlichen Macht inne. Die demütige Seele erkennt in dem Lichte, das ihr von oben gegeben wird, das Nichts des Geschöpfes und die Unermeßlichkeit des Schöpfers. Sie erniedrigt sich und ruft aus: «Ich bin nicht würdig!»
Erwäge dieses Wort: «Ich bin nicht würdig! — Ich bin nicht würdig eines Blickes, eines Wortes von Dir, um wieviel weniger Deiner Einkehr unter mein Dach. Dennoch bitte ich um ein Wunder. Ich demütige mich, weil ich weiß, wer ich bin! Ich erkühne mich dazu, weil ich weiß, wer Du bist.» So spricht und handelt die Demut.
Welch eine Freude und ein Trost ist es für Jesus, wenn Er geraden, demütigen und gläubigen Seelen begegnet. Höre, wie der Heiland laut sein freudiges Staunen äußert, und preise den Hauptmann glücklich, der solche Bewunderung verdient.
Aber dieser Ausruf der Bewunderung ist auch eine Klage. «So großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden», sagt der Heiland. «Israel hat meine Hoffnung enttäuscht.» Ach, es ist leider nur zu wahr, daß die am meisten bevorzugten Seelen noch lange nicht die treuesten sind! Mußt du das nicht auch von dir bekennen?



02.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

I Jesus empfangt die Gesandten des Hauptmanns und erhört ihre Bitte
Der Knecht eines Hauptmanns1, der diesem lieb und wert war, lag todkrank darnieder. Als er von Jesus hörte, ließ er Ihn durch jüdische Älteste bitten, Er möge kommen und seinen Knecht gesund machen.
Gehe dem Heiland bei seiner Rückkehr nach Kapharnaum entgegen. Kaum ist Er in die Stadt eingetreten, so umringen Ihn schon mehrere Bittsteller in einer Angelegenheit, welcher Er seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Wer sind die Bittsteller, und wessen Sache vertreten sie?
Ein Heide wird dich lehren, wie man mit dem Heiland verkehren soll. Der römische Hauptmann hält sich nicht für würdig, Jesus persönlich sein Anliegen vorzutragen; er sucht sich Vermittler und sagt zu ihnen: «Macht meine Sache zu der euren und bittet für mich!» Welch vortreffliches Mittel hat er gewählt, um an das Ziel seiner Wünsche zu kommen!
Wie erfüllen diese Männer ihren Auftrag? Höre, was sie von dem sagen, der sie gesandt hat. «Er ist es wert, daß Du ihm dies gewährst; denn er liebt unser Volk.2 Er ist würdig, erhört zu werden, denn er ist gut. Er ist gut gegen seine Untergebenen. Seinen Knecht behandelt er wie eines seiner Kinder. Wer in seinem Dienste ist, gehört auch zu seiner Familie.» Dieser menschenfreundliche Mann ist wert, die Wahrheit des Evangeliums zu erkennen; deshalb wird der Heiland das Wunder für ihn wirken.
Jesus sprach: «Ich will kommen und ihn heilen.» Und Er machte sich mit ihnen auf den Weg. — Sieh, wie der Heiland eilt, wenn Er trösten und heilen kann! Sein Herz ist von dem Verlangen erfüllt, dem Übel abzuhelfen, das man Ihm klagt. Allen, die gegen Arme und Geringe gut sind, wird Er schnell Hilfe bringen. Jeder erwiesene Dienst ist gleichsam eine Stimme, die Ihm zuruft: «Komm, erhöre die Bitte und wirke das Wunder!»
1 Es war aller Wahrscheinlichkeit nach ein römischer Centurio, welcher die Abteilung von Legionären befehligte, die am Ufer des Sees Tiberias ihren Standort hatte. Obschon Galiläa unter der Herrschaft des Herodes stand, blieb es doch der Aufsicht der römischen Statthalter unterworfen.
2«Er hat uns eine Synagoge bauen lassen», sagen sie. Diese Synagoge war sehr schön, nach den Ruinen zu urteilen, die man noch heute sieht. Sie hatte fünf Schiffe, die durch vier Reihen von je sieben Säulen aus Kalkstein getrennt waren, die mit Korinthischen Kapitellen versehen waren. Die Südseite hatte drei rechteckige Türen. Die prächtigen Steinblöcke waren mit Skulpturen jeder Art geschmückt: Rosen, Weintrauben, Blumen.



01.07.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

III Jesus befiehlt dem Aussätzigen, Gott für seine Heilung zu danken
Und Jesus sprach zu ihm: «Sieh zu, dass du es niemand sagst; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses vorgeschrieben hat. Das diene ihnen zum Zeugnis.»1
Die Gnade der Heilung hat den Aussätzigen zu großem Dank gegen die Güte Gottes verpflichtet. Jesus erinnert ihn daran, und der Geheilte kommt dieser Mahnung eiligst nach. Vereinige dich mit ihm, um den himmlischen Vater zu loben, der uns einen so erbarmungsvollen Heiland gesandt hat. Bringe Ihm das Opfer des Lobes und Dankes dar, das seiner unendlichen Güte gebührt.
Der beste Dank aber gegen den himmlischen Vater ist eine gewissenhafte Treue in seinem Dienste und die gänzliche Unterwerfung unter sein Gesetz. Vergiss das niemals und fasse entsprechende Vorsätze.
1 Damit sie von meiner Macht vor allem Volke Zeugnis geben.



30.06.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

II Jesus heilt den Aussätzigen
Jesus erbarmte sich seiner, Er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: «Ich will, sei rein!» Und als Er dies gesprochen hatte, wich der Aussatz sogleich von ihm, und er ward rein.
Hier hast du abermals einen Beweis von der Güte Jesu und von dem Drange seines Herzens, allen Gutes zu tun. «Dein Glaube spricht: Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen. Nun denn, ich will dich heilen, ich will, sei rein! Ich verlange nichts so sehnlich, als dir Hilfe zu bringen. Du glaubst an meine Allmacht; glaube auch an meine grenzenlose Güte. Ich will, dass alle deine Befleckung verschwinde, dass deine Meinung immer reiner werde, dass dein Wille neu erstehe, deine Entschiedenheit im Kampfe gegen die bösen Neigungen erstarke, dass die Liebe Gottes siegreichen Einzug halte in deine Seele. Ich will es.»
Erwäge diese Worte. Zur Heilung sowohl des Leibes als der Seele, um welche du bittest, fehlt dir die Bereitwilligkeit Jesu nicht. Hat Er nicht all Sein Blut vergossen, um dir zu zeigen, dass Er dein Heil will? Auch heute kannst du kraft Seines Wortes und durch Auflegung Seiner Hände alles erlangen. So sprich denn auch du: «Ich will geheilt werden! Ich will mich im Eifer erneuern, wachsam sein und die Sünde meiden. Ich will die täglichen Pflichten pünktlich erfüllen. Ja, ich will geheilt werden.»



29.06.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

I Jesus hört die Bitte des Aussätzigen
Als Er vom Berge herabstieg1, folgte Ihm eine große Volksmenge. Da kam ein Aussätziger, fiel vor Ihm nieder und bat: «Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen.»
Gehe mit der Menge, die Jesus folgt. Siehe, wie der Aussätzige auf den Heiland zueilt. Betrachte den Armen aus der Nähe. Sein Anblick flößt dir Schrecken ein; aber sei versichert, der Aussatz der Seele ist noch mehr zu fürchten als der des Leibes. Hat deine Seele keinen Aussatz? Aussatz der Sünde, Aussatz böser Gewohnheiten, Aussatz der Unordnung in deinem ganzen Tun und Streben? Dies ist der traurige Zustand, in dem du schmachtest und von dem du dich sobald als möglich freimachen musst. Wirf dich mit dem Aussätzigen dem Befreier von allem Elend zu Füßen. Lerne von ihm, wie man bitten muss, um Heilung zu erlangen. Siehe, mit welcher Ehrerbietung er Jesus begrüßt, mit welcher Ergebung er seine Bitte ausdrückt, mit welchem Vertrauen er vom Heiland die Gewährung seiner Bitte erwartet: «Wenn Du willst, kannst Du mich rein machen». Mehr sagt er nicht. «Ich kann nichts; Du kannst alles. Du brauchst nur zu wollen. Du weißt, was ich leide, und Du hast alle Macht, mein entsetzliches Elend zu steuern. Ich habe volles Vertrauen zu Dir. Mein Vertrauen ist meine Kraft, all mein Wissen, all mein Können. Ich harre und hoffe.» So muss man beten.
1 Man kann annehmen, dass Jesus vom Nordabhang des Berges hinabstieg in die Schlucht des Ued el Haman (Taubental). Es ist ein wildes Tal, das von parallel-laufenden, felsigen Bergketten eingeschlossen ist, in deren steilen Abhängen sich zahlreiche Höhlen befinden. Viele dieser Höhlen dienten den Aussätzigen als Zufluchtsstätte. Eine wasserreiche Quelle fließt im Grunde des Tales zwischen Schilfrohr. Ihrem Laufe folgend, gelangt man an den See Tiberias.



28.06.2019
87. Von der wahren Weisheit
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus wird vom Volk bewundert
Als Jesus diese Reden vollendet hatte, wurden die Volksscharen von Staunen über seine Lehre ergriffen. Denn Er lehrte wie einer, der Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten und Pharisäer.
Jesus hört auf zu lehren, Er hat das Seinige getan, seine Zuhörer sollen nun das Ihrige tun. — Stimme ein in die freudige Bewunderung des Volkes, das deinen Heiland verherrlicht. Was hat Er denn Schönes gesagt und Gutes getan? Er hat den Menschen den Adel ihrer Seele und die Größe ihrer Bestimmung geoffenbart, sie gelehrt, alles Weltliche gering zu achten und nach Wahrheit, Großmut, Keuschheit und Uneigennützigkeit zu streben. Er hat ihnen die Schönheit der Demut, der Sanftmut, der Nachsicht, der Geduld, der Liebe und der Barmherzigkeit enthüllt. Er hat ihnen ihren Gott als den besten Vater gezeigt, sie gelehrt, sich mit Ihm zu vereinigen durch inniges Vertrauen und durch das beständige Verlangen, Ihm wohlzugefallen und seinen heiligen Willen zu erfüllen.
Danke deinem Heiland für diese Lehren, zweifle nicht mehr an Ihm und begehre keine Wunder mehr, um zu glauben. Seine Lehre trägt göttliches Gepräge, denn der himmlische Vater spricht durch den Mund Jesu Christi. Und weil Er um deinetwillen gesprochen und gelehrt hat, so höre nicht mehr auf das Gerede der Welt. Die göttliche Macht hat sich gezeigt, beuge dich unter sie. Wirf dich im Geiste vor dem Heiland nieder und sprich: «Amen, es geschehe!» — Es geschehe jetzt und allezeit während meines ganzen Lebens alles, was Jesus gelehrt und verlangt hat; es geschehe alles, so wie Er es wünscht und will!



27.06.2019
87. Von der wahren Weisheit
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus lehrt seine Jünger, dass die wahre Weisheit auf dem Glauben beruht
«Jeder also, der diese meine Worte hört und sie tut, gleicht einem klugen Manne, der sein Haus auf Felsengrund gebaut hat. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht vollbringt, wird einem törichten Manne gleich sein, der sein Haus auf Sand gebaut hat.»
Vertiefe dich in die letzten Worte der Bergpredigt. Noch einmal bemüht sich der göttliche Meister, seine Zuhörer anzuhalten, ihr Leben nach den Grundsätzen des Glaubens einzurichten. Dieser Unterricht ist für dich ebenso heilsam wie für sie. Öffne Geist und Herz, damit du empfänglich wirst für die Lehren des Herrn.
«Denkt reiflich über euch selbst nach», sagt Jesus, «und trefft in kluger, besonnener Weise eure Entscheidungen. Das Wesen der wahren Weisheit besteht darin, dass man die geeigneten Mittel wählt, um zum erwünschten Ziele zu gelangen. Handelt also nach diesem Grundsatz!»
Welches Ziel verfolgst du hienieden? Du suchst die Wahrheit, den Frieden des Gewissens, Sicherheit für die Zukunft, Mut im Kampfe, Erfolg im Tugendstreben und Seelenstärke für die Stunden der Trübsal. Du sehnst dich nach wahren Freuden, zuversichtlicher Hoffnung und unvergänglichen Gütern. Gottes Sohn versichert dir, dass die Befolgung Seiner Lehre dir alles gibt, was du suchst. So ergreife denn dieses Mittel; denn die Verheißung Jesu ist wahr.
Gründe dein Leben auf den Felsen. Gelange durch Glauben zur Wahrheit, durch Unterwürfigkeit zur Freiheit, durch Demütigung zum Ruhm, durch Kampf zum Fortschritt, durch Verfolgung zum Frieden, durch Losschälung zum Reichtum, durch Liebe zum Heldenmut, durch Gottvertrauen zum glühenden Eifer!
So knie zu Füßen Jesu nieder. Übergib dich Ihm ganz mit Leib und Seele; weihe Ihm deine Sinne, deine Phantasie, dein Gedächtnis, deinen Verstand, dein Herz und deinen Willen. Stelle alle deine Kräfte in seinen Dienst, opfere Ihm alles, was du hast. Folge den Grundsätzen der ewigen Weisheit!



26.06.2019
86. Vom werktätigen Glauben
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus erklärt, dass alle, die nicht nach dem Glauben leben, keinen Teil an Ihm haben
«An jenem Tage werden viele zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt?1 Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder gewirkt? Alsdann werde ich ihnen erklären: Woher seid ihr? Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!»
Höre dieses ernste Wort des Herrn und nimm es zu Herzen. Gib dich nicht eitlen Täuschungen hin. In den Augen Gottes kann nichts die aufrichtige und treue Erfüllung der Lebensaufgabe ersetzen, die Er uns auferlegt. Er, der heute noch als Erlöser zu uns spricht, wird eines Tages unser Richter sein.
Versetze dich vor seinen Richterstuhl. Jetzt verkündet Er bereits das strenge Urteil, das Er über jene fällen wird, die so unglücklich sind, in Selbsttäuschung zu leben. «Wir haben hienieden viel gearbeitet, viel unternommen und viel gelitten», sagen solche Menschen. Einige fügen noch hinzu: «Wir haben Wunder gewirkt, wir haben geschrieben, gepredigt, andere für deine Lehre begeistert und wir haben die schlechten Sitten gegeißelt. Wir haben die Welt in Staunen versetzt.» Jesus erwidert hierauf: «Ihr habt nicht den Willen Gottes erfüllt, darum habt ihr nichts getan. Ich kenne euch nicht!»
Beherzige dieses Verdammungsurteil. Im Himmel gibt es also keinen Platz für jene, die ihren Eigenwillen dem göttlichen Willen vorziehen. Das Leben ist dem Menschen gegeben, um Gott zu loben, Seine Ehre zu fördern und Seinen heiligen Willen zu erfüllen. Der Sohn Gottes öffnet nur jenen die Pforten des Himmels, die von dieser Lebensauffassung durchdrungen waren und kraftvoll darnach gehandelt haben. Die anderen zählen nicht zu den Seinigen.
Nimm diese großen Gedanken in dich auf und erneuere zu Füßen des Herrn deine Hingabe und deine Vorsätze.
1Weissagen heißt nicht nur die Zukunft vorhersagen, sondern es hat auch den allgemeinen Sinn von lehren.



25.06.2019
86. Vom werktätigen Glauben
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass der Glaube ohne die Werke wertlos sei für den Himmel
«Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich eingehen.»
Jesus kommt zum Schluss seiner Rede. Noch einmal spricht Er es klar und deutlich aus: Wer zu den Seinen gehören will, muss nach seiner Lehre leben. «Ihr nennt mich Meister und Herr,» sagt Er, «und kommt eifrig zu meinem Unterricht. Alles, was ich euch vortrage, findet ihr wahr und begründet; allem, was ich von euch verlange, stimmt ihr bei. Doch das ist noch nicht genug. Ihr nennt mich Meister und wollt meine Jünger sein; der Jünger aber muss nach der Lehre und dem Beispiel seines Meisters leben. Hören allein genügt nicht; man muss auch wollen. Vorsätze fassen reicht nicht hin; das Wesentliche ist, dass man sie ausführt. Stimmt ihr meinen Lehren bei, so handelt auch nach ihnen! Wenn ihr die Sache nicht so auffasst, so nützt euch die Kenntnis meines Lebens und meiner Lehre nichts. Alle meine Arbeiten, meine Predigten und meine Heilseinrichtungen bleiben fruchtlos für euch, wenn ihr euren Glauben nicht durch Werke bestätigt.»
So betrachte denn die einzelnen Lehren deines Meisters. Er hat uns nichts gepredigt als den Willen Seines himmlischen Vaters. Das ganze christliche Leben ist die Erfüllung der göttlichen Vorschriften. Wenn Jesus Demut und Güte, Mut und Ergebung, Wahrheit und Frömmigkeit von uns verlangt, wenn Er die Flucht der Sünde, die Versöhnlichkeit gegen den Feind, die Wachsamkeit im Verkehr mit anderen vorschreibt, so tut Er es, weil der himmlische Vater dies alles von uns will.
Fasse diesen göttlichen Willen, wie er sich dir in den Pflichten und Prüfungen des täglichen Lebens offenbart, fest ins Auge, und du wirst vollauf Gelegenheit finden, die Tugenden des Evangeliums zu üben. Indem Jesus uns auf unser gewöhnliches Tagewerk hinweist, sagt Er: «Siehe da den Willen Gottes; siehe da den sicheren Weg zu deinem ewigen Heil!»
Bitte Jesus, dir im Augenblick der Entmutigung und des Nachlassens diese Wahrheit wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wann wirst du Ihn durch großmütigen Eifer bewegen, Worte zu dir zu sprechen, die deinem Herzen Licht, Wärme und Himmelsfreude bringen?



24.06.2019
85. Von der christlichen Klugheit
(Mt 7, Lk 6)

II Jesus bedroht mit ewigen Strafen ein für den Himmel nutzloses Leben
«Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen werden.»
Die Früchte, die das Kennzeichen der wahren Jünger Jesu sind, müssen sich auch bei dir finden. Der Heiland sagt es dir selbst. Er will durchaus Früchte, und zwar gute Früchte von den Bäumen, die er gepflanzt und mit so viel Sorgfalt gepflegt hat. Blüten allein genügen nicht. Wenn wir es bei frommen Wünschen und guten Vorsätzen bewenden lassen, gleichen wir Bäumen, die nur Blüten tragen. Was Jesus mit solchen tun wird, erklärt er uns ganz unzweideutig. Ein unfruchtbarer Baum taugt nichts weiter, als dass er ins Feuer geworfen werde. Jesus will Früchte seiner Gnade und seines Beispiels bei uns finden. Prüfe aufmerksam dein Verhalten. Reifen in deiner Seele die Früchte des Gebetsgeistes, der Selbstüberwindung, des Eifers, der Pflichttreue, der Wachsamkeit und der Standhaftigkeit? Musst du nicht demütig vor Gott deine Lauheit beklagen?
Bedenke, dass es einem Verrat gleichkäme, wenn du nach Empfang so vieler besonderer Gnaden keine Früchte hervorbrächtest! Bitte deinen Meister um Vergebung deiner Fehler. Flehe Ihn an, deiner Seele neue Lebenskraft zu spenden, damit sie die Früchte, die Er schon so lange an ihr finden möchte, endlich zur Reife bringe!



23.06.2019
85. Von der christlichen Klugheit
(Mt 7, Lk 6)

I Jesus warnt seine Jünger vor den falschen Grundsätzen der Welt
«Hütet euch vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.»
Verfolge mit Aufmerksamkeit den Gedankengang Jesu. Er spricht von den Gefahren, denen die gute Saat in unseren Seelen ausgesetzt ist. Jesus hat Feinde; diese suchen den Meister zu treffen, indem sie seine Jünger ins Verderben stürzen. Das ist der Arbeitsplan Satans und seiner Helfershelfer. Wo Jesus wohltuend vorbeizog, wo Er Worte des Heiles gesprochen, Sünder bekehrt, zaghafte Seelen ermutigt hat, eilen die Verführer herbei, um das göttliche Werk zu zerstören. Dieser Kampf des Guten und des Bösen, des Himmels und der Hölle hört nie auf in der Welt. Bleibe dir stets dieser Gefahr bewusst, und du wirst ihr entrinnen. Suche zu erkennen, wen du als Feind des Evangeliums und deines ewigen Heiles fliehen musst.
«An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen», sagt Jesus. Dort, wo der Geist der Demut, der Herzensreinheit, der Selbstlosigkeit, der Sanftmut und der Liebe, der Unterwürfigkeit unter die Gebote Gottes, die Ergebung in Leiden fehlt, findet sich sicher der Feind Jesu und seiner Lehre. Den wahren Jünger des Herrn hingegen erkennt man am Schmucke dieser Tugenden. Diese Gedanken sollen dich anregen, deine Beziehungen zu prüfen und zu ordnen. In welchen Kreisen fühlst du dich heimisch? Welche Grundsätze und Ansichten hörst und befolgst du gerne? Beobachtest du stets die nötige Zurückhaltung und Klugheit? Du kannst die Lehre Jesu nie hoch genug schätzen und sie nie zu sorgsam vor ihren unversöhnlichen Feinden hüten und verteidigen.



22.06.2019
84. Von der Selbstverleugnung und Abtötung
(Mt 7)

II Jesus beklagt die Selbsttäuschung vieler, die ohne Abtötung die ewige Seligkeit erlangen wollen
«Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt; und nur wenige finden ihn.»
Denke über diesen unerwarteten Ausruf Jesu nach. Er entringt sich dem Herzen Jesu wie eine schmerzliche Klage. Es ist, als ob Er sich nicht erklären könne, warum so wenige Menschen ihre wahren Interessen begreifen, so wenige die Wunder der Weisheit und Vorsehung Gottes erfassen, so wenige sich bereitwillig den Anstrengungen eines kurzen Kampfes unterziehen, um einer unglückseligen Ewigkeit zu entgehen. Diese Tatsache ist in Wahrheit unerklärlich.
Bereite wenigstens du deinem Erlöser nicht Enttäuschung und Schmerz, indem du dich noch länger weigerst, deiner Einsicht zu folgen und den wahren Weg zum Himmel einzuschlagen. Andere können sich in gewissem Sinne entschuldigen mit ihrer Unwissenheit, ihrem Mangel an Bildung und christlicher Erziehung, an Gelegenheit zum Gebrauch der Heilsmittel; du aber kannst solches vor dem höchsten Richterstuhl Gottes nicht vorbringen. Bist du nicht mit Gnaden überschüttet worden? Entschließe dich, treu zu benutzen, was du empfangen hast.
Worin musst du kleiner werden, was musst du noch in dir bekämpfen, was deiner Eigenliebe, deiner Sinnlichkeit und deinen Leidenschaften versagen, um die tröstliche Gewissheit zu erlangen, das herrliche Ziel eines heiligen Lebens zu erreichen? Prüfe dich und fasse geeignete Vorsätze.



21.06.2019
84. Von der Selbstverleugnung und Abtötung
(Mt 7)

I Jesus ermahnt zur Abtötung der Sinne
«Tretet ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, welcher in das Verderben führt, und gar viele gehen ihn.»
Betrachte im Lichte des Glaubens den einzigen Weg, der zum Himmel führt. Der Heiland will, dass du das Werk deiner Heiligung mit Eifer betreibst. Wie ist der enge Weg beschaffen, den wir betreten sollen? Es ist ein Weg, auf dem wir nicht ohne Mühe voranschreiten und wo wir auf jeden Schritt achten müssen, um nicht von der Richtung abzuweichen. Es ist ein Leben der Demut und der Entsagung, ein Leben, in dem wir den Verstand unter das Joch des Glaubens beugen, die Sinne abtöten und die Leidenschaften beherrschen müssen. Das Vorbild eines solchen Lebens ist Jesus selbst. Sein Weg beginnt in Bethlehem und endet auf dem Kalvarienberg, und überall steht das Kreuz an diesem Wege.
Jesus sagt selbst, dass dieser Weg wenig begangen ist und dass diese mühsame Lebensweise nur von einer geringen Zahl Menschen erwählt wird. Viele kennen diesen Weg nicht, sie bemühen sich auch nicht, ihn kennenzulernen. Eine größere Zahl von Menschen betritt den engen Weg, beharrt aber nicht auf ihm. Woher diese Gleichgültigkeit der einen und die Unbeständigkeit der andern? Beide haben den Blick nicht fest auf das ewige Leben gerichtet. Der Gedanke an die Ewigkeit macht eifrig, hilft zum treuen Ausharren auf dem beschwerlichen Wege und ermutigt zum freudigen Fortschreiten bis zum Ende.
Denke ernstlich über deinen Seelenzustand nach. Vielleicht schmeichelst du dir, auf dem schmalen Wege zu sein, und beachtest dabei nicht, dass du dir kaum etwas versagst und nur darauf bedacht bist, dein Leben möglichst angenehm zu gestalten. Hast du deinen Willen in der Gewalt, kannst du entsagen und dich selbst beherrschen? Gehörst du zu der kleinen Zahl, die auf dem schmalen Wege wandelt?



20.06.2019
83. Von der Milde im Urteil
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus tadelt die heuchlerische Strenge eines falschen Eifers
«Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge beachtest du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken? Du Heuchler, zieh erst den Balken aus deinem Auge! Dann magst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst.»
Der Meister zeigt mit diesen Worten, wo unser Bekehrungseifer vernünftigerweise anfangen soll. «Erkenne dich selbst», sagt Er, «und bestrebe dich, deine eigenen Fehler zu verbessern. Der Eifer, der andere tadeln und verbessern will, ist oft heuchlerisch.» Nicht selten geht er aus einem bösen Herzen hervor, das sich im Stillen über die tadelnswerten Eigenschaften eines andern freut und sich gedrängt fühlt, sie zu offenbaren. Man strebt nach persönlicher Erhebung durch Verkleinerung des Nächsten; man will zeigen, dass man weit von dem Fehler entfernt ist, den man an anderen verurteilt. Solches Verfahren ist lügenhaft und dem Herrn ein Greuel.
Sei von Herzen demütig, und du wirst genug Unvollkommenheiten und Armseligkeiten in dir selbst entdecken, die dir die Lust nehmen, irgend jemanden zu verurteilen. Wer blind gegen seine eigenen Fehler ist, ist am strengsten in der Verurteilung anderer! Zur vollkommenen Liebe gelangt man nur durch aufrichtige Demut. Wenn du deine Mitmenschen liebst, dich selbst aber in deiner Armseligkeit erkennst, so wirst du an ihnen nur die guten Eigenschaften, an dir selbst aber die Unvollkommenheiten entdecken. Wer von wahrem Seeleneifer durchdrungen ist, beginnt das Werk der Heiligung des Nächsten durch die Arbeit an seiner persönlichen Vervollkommnung. So will es Gott; alle anderen Wege sind Verirrungen eines falschen Eifers und einer übel verstandenen Liebe. Findest du nicht auch in deinem Benehmen jenes Pharisäertum, das der Heiland seinen Zuhörern so strenge verweist?



19.06.2019
83. Von der Milde im Urteil
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus verbietet seinen Jüngern, den Nächsten zu richten
«Richtet nicht! Dann werdet ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. . Denn mit dem gleichen Maße, mit dem ihr messt, wird euch wiedergemessen.»
«Richtet nicht.» — Erwäge dieses Gebot des Meisters. Er setzt hier seinen Unterricht über die Liebe fort. «Enthaltet euch des Urteils; richtet niemanden. Ihr seid nicht die Richter eurer Mitmenschen. Hierzu fehlt euch jede Machtvollkommenheit, und euer Urteil ist deshalb in jeder Beziehung ein unbefugtes. Wenn ihr euch zum Richter aufwerft, maßt ihr euch die Rechte Gottes an.» — Es gibt nur einen Richter der menschlichen Handlungen. Er wird uns einst zur Rechenschaft ziehen und streng bestrafen, wenn wir ohne richterliche Befugnis und ohne gründliche Sachkenntnis über andere geurteilt haben.
Wer über seine Mitmenschen zu Gerichte sitzt, zieht sich damit selbst ein strenges Gericht zu. Jesus weist in seiner Mahnung auf diese Gefahr hin und fordert uns zu liebreichen Gesinnungen auf, um uns vor lieblosem Urteil zu bewahren. Folge seinem Rat! Kümmere dich nicht um das Verhalten deines Nächsten, wenn die Pflicht dies nicht von dir verlangt. Lege alles zum Guten aus und tadle nicht, was du entschuldigen kannst. Sei nachsichtig gegen deine Mitmenschen; dann wird Gott auch gnädig mit dir verfahren! Wäre es nicht töricht, ein so kostbares Heilsmittel nicht eifrig zu benutzen?



18.06.2019
82. Von der Hingabe an die göttliche Vorsehung
(Mt 6)

III Wir sollen uns auch nicht ängstigen wegen der Zukunft
«Seid auch nicht ängstlich besorgt für den morgigen Tag; denn der nächste Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.»
Betrachte, was der Heiland hiermit sagen will. Da wir nicht einmal sicher sind, ob wir morgen noch leben werden, ist es töricht, seine Gedanken mit zukünftigen Sorgen zu zerstreuen. Du könntest bald vollkommen sein, wenn du entschlossen wärest, heute und jetzt mit deiner Heiligung zu beginnen. Wie würdest du handeln, um deine Ewigkeit vorzubereiten, wenn du wüsstest, dass dies dein letzter Tag wäre?
Der Herr verbietet jedoch nicht, dass wir mit Klugheit die Dinge für die Zukunft regeln. Er tadelt nur die Ängstlichkeit und das hektische Sorgen, welches den Geist ermüdet und die Seele verwirrt. Man soll sich mit seiner Sorge um den nächsten Tag kindlich der göttlichen Vorsehung anvertrauen. Prüfe dich, ob deine Sorge um die Zukunft von der Klugheit, der Mäßigkeit und dem Gottvertrauen begleitet ist und ob du dabei den Frieden des Herzens bewahren kannst.



17.06.2019

Zweiter Brief des Apostels Paulus an die Korinther 6,1-10.

Brüder! Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.
In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst,
unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten,
durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe,
durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken,
bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob. Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig;
wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet;
uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.



16.06.2019
82. Von der Hingabe an die göttliche Vorsehung
(Mt 6)

I Jesus fordert seine Jünger auf, sich der Vorsehung ihres himmlischen Vaters zu überlassen
«Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie?»
Nimm mit Freude diese Einladung zum Vertrauen auf die göttliche Vorsehung an. «Beunruhigt euch nicht», spricht Jesus. Dieses Wort schließt weder eine gemäßigte Vorsorge noch die angestrengte Arbeit für den Lebensunterhalt aus; aber es missbilligt die Unruhe und Ängstlichkeit. Sich übertriebener Sorge hingeben hieße sich gegen die Liebe verfehlen, die man Gott schuldig ist. Sind die bereits empfangenen Wohltaten nicht ein Pfand für jene, welche man noch erwarten darf? Wir vergessen, was Gott uns bisher gewesen ist, und deshalb beunruhigen wir uns wegen der Zukunft. Wir sind misstrauisch, weil wir der empfangenen Wohltaten nicht mehr gedenken. Die übertriebene Besorgnis ist auch ein Mangel an Glauben. Die Heiden mögen sich beunruhigen, denn ihre Götter sind blind, ohnmächtig und gefühllos. Aber der Gott, den Jesus uns geoffenbart hat, ist ein Vater; Er kann alles, weiß alles und liebt seine Geschöpfe. Wenn wir Misstrauen gegen Ihn hegen, so würdigen wir Ihn unter die falschen Götter herab, behandeln Ihn als Fremden und weigern uns, an seine unendliche Weisheit zu glauben.
Die übergroße Bekümmernis ist unvernünftig. Was sagt uns die Vernunft? Sie belehrt uns, dass Gott, der uns das Leben gegeben und unsern Körper gebildet hat, ehe wir noch selbst für uns sorgen konnten, uns jetzt auch alles geben wird, was uns zum Leben notwendig ist. Wer Großes geschenkt hat, wird etwas Geringeres nicht verweigern. Aus dem, was du in der Natur gewahrst, schließe auf das, was du erhoffen darfst. Wenn Gott schon so freigebig für die vernunftlosen Geschöpfe sorgt, wie könnte Er seine Fürsorge dir entziehen, da Er dich zum König der Schöpfung gemacht hat?
Befestige also deinen Glauben. Denke an alles, was der Erlöser dir von Gott gesagt hat, und traue seinem Wort. Das genügt; denn das Vertrauen wankt nur dann, wenn der Glaube schwach ist. Stütze dich auf das Wort Jesu Christi, und du wirst an dir selbst erfahren, wie froh das Vertrauen macht!



15.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

III Jesus warnt uns vor einer Täuschung
«Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.»
Denke daran, dass Gott und die verdorbene Welt zwei Herren sind, die unseren Dienst verlangen. Es ist aber nicht möglich, beiden gleichzeitig zu dienen, weil sie Gegensätzliches von uns verlangen: was der eine befiehlt, verbietet der andere. Fühlst du nicht, wie der hl. Paulus sagt, in dir ein Gesetz, das dem Willen Gottes widerstreitet? Deine Leidenschaft verführt dich zum Hochmut, zur Rachsucht, zur Sinnlichkeit; Gott aber ermuntert dich zum Gegenteil. Es gibt also kein Mittel, beiden zuzustimmen.
Die weltlichen Christen träumen von einem Kompromiss mit Gott, indem sie geteilten Herzens einmal ihrer Leidenschaft folgen und nachher wieder Gott dienen könnten. Lass dich aber nicht täuschen, denn Gott ruft dich in derselben Stunde, in der der Feind dich verführen will. Wenn du der Sünde zustimmst, bist du gleichzeitig ungehorsam und blind gegen die Gnade Gottes!
Bedenke, dass des Menschen Herz in seinem innersten Wesen unteilbar ist, es kann sich nur auf ganze Weise schenken. Daher ist es ihm unmöglich, sich zwei verschiedenen Personen zu schenken, besonders wenn es sich um zwei verfeindete Personen handelt. Du musst dich also für den einen Herrn entscheiden. Du hast aber schon lange deinen Meister erwählt, denn du hast versprochen, Gott zu dienen. Bleibe also bei deinem Entschluss!



14.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

II Jesus fordert eine reine Meinung im Gebrauch der Güter des Lebens
«Das Auge ist die Leuchte deines Leibes. Ist dein Auge gesund, so hat dein ganzer Leib Licht. Ist aber dein Auge krank, so ist dein ganzer Leib in Finsternis. Wenn nun schon das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann erst die Finsternis selbst sein!»
Betrachte diese heilsame Lehre. «Bewahrt eure Absicht rein», sagt der Meister zu seinen Jüngern. Was will dies besagen? «Strebet nach Lauterkeit in eurem ganzen Leben. Lebt und handelt nur im Hinblick auf das letzte Ziel. Tut ihr dies und nur dies, so wird euer Geist erleuchtet werden und euer Herz wird den Frieden finden.» Man muss klar erkennen, um aus ganzer Kraft zu wollen. Die durch die Gnade erleuchtete Vernunft ist für die Seele, was das Auge für den Körper ist. Man muss sie befragen, um den Weg der Seligkeit zu finden. Ist unser Erkenntnisvermögen vom Glauben erleuchtet, so wird unsere ganze Tätigkeit von seinen Wahrheiten getragen sein. Wir gehen im Lichte des Glaubens sicheren Schrittes voran, wir betrachten die Dinge, wie sie wirklich sind, und schätzen sie nach ihrem wahren Wert. Man ist stark, weil man sich im Besitze der Wahrheit weiß, und diese Wahrheit macht glücklich.
Bekämpfe darum die Leidenschaften, die deine Vernunft verdunkeln. Verachte die Grundsätze der Welt, die dich noch in der Selbsttäuschung gefangen halten. Ertöte die sinnlichen Begierden, die weichlichen Gewohnheiten, die deinen klaren Blick trüben und dich zu keinem Entschluss kommen lassen. Du musst der Wahrheit fest ins Auge sehen können. Von Gott bist du ausgegangen, Ihm gehörst du an; für Ihn bist du erschaffen. Gott gab dir das Dasein, Er ist dein Herr, aber auch dein Vater. Das Leben ist dir einzig zu seinem Dienste gegeben. Durch diesen Dienst sollst du dich würdig machen, Gott ewig zu besitzen und im Himmel zu genießen. Das allein ist die Wahrheit.



13.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

I Jesus mahnt zur Verachtung der irdischen Güter
«Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie vernichten, wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie vernichten, wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.»
Versuche den Gedanken des göttlichen Meisters zu erfassen. Er verlangt Losschälung von Gold und Silber, von Wohlsein, Ehre, Glück und Vergnügen. Alle diese Güter sind unbeständig im Leben, nichtig im Augenblick des Todes, immer aber eine Quelle sittlicher Verderbnis. Welche Schätze sollen wir dagegen nach dem Rate des Heilandes erwerben und aufhäufen? Die Werke der Frömmigkeit, der Liebe, der Geduld, der Abtötung, der Ergebung in den göttlichen Willen, der Treue gegen die Gebote, besonders auch die Werke der Barmherzigkeit. Das sind die wahren Güter, die des Menschen würdig sind und die allein für den Himmel Geltung haben. Stimme der göttlichen Weisheit bei, welche so lehrt, und erkenne die Wahrheit dieser Lehre. Vergleiche die ewigen Güter mit den zeitlichen. Was muss man nicht alles tun, um letztere zu erwerben? Was hast du selbst nicht schon alles um ihretwillen getan? Welches Glück hast du durch sie erlangt? Der ewigen Güter dagegen kannst du überall teilhaftig werden. Der himmlische Vater bietet sie dir an in jedem Augenblick, mittels jeder Pflicht und jeder Prüfung. Das Verlangen nach ihnen genügt schon, um sie zu erhalten, und wenn wir sie erworben haben, hilft uns Gott, sie zu bewahren. Die Mühe eines Augenblicks belohnt Er mit ewigem Glück.
Was sagt Jesus noch weiter über die irdischen Güter? Er erklärt, dass ihnen ein nagender Wurm innewohnt. Ehre, Vergnügen, Wohlsein, Reichtum, irdische Größe, alles das geht vorüber, kann verloren gehen und wird sich einst in nichts auflösen. Nur wer reich ist an himmlischen Schätzen, ist vor jeder Unruhe sicher. Hast du Sehnsucht nach diesen Gütern, die einzig glücklich machen und wirklich auf immer befriedigen?



12.06.2019
80. Von den Werken der Buße
(Mt 6)

II Die freudige Übung der Buße
«Wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Antlitz, damit die Leute nicht sehen, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.»
Wie soll die Buße geübt werden? «Ohne Eitelkeit», sagt Jesus. «In den Bußübungen suchet gerade so wie in euren Gebeten und anderen Handlungen die Förderung der Ehre und der Interessen Gottes. Wenn ihr durch eure Buße die Aufmerksamkeit und die Achtung der Menschen anstrebt, so sieht Gott nichts in euch als ein unwahres Herz und eine untreue Seele.» Und so sind in den Augen Gottes die Pharisäer, d. h. alle Menschen, die sich den Anschein geben wollen, abgetötet zu sein. Deshalb geißelt der Heiland die Heuchelei. Ihre Opfer werden äußerlich Gott dargebracht, aber der böse Feind hat den Nutzen davon.
«Tut Buße ohne Traurigkeit», sagt der Heiland. Hat Er nicht recht, wenn Er diese Ermahnung gibt? Schreckst du nicht zurück vor den Fasttagen? Darfst du dich betrüben, wenn du Gelegenheit hast, Gott Opfer zu bringen? Jesus verbietet also, sich über die gebotenen Fast- und Abstinenztage zu beklagen. Er will im Gegenteil, dass wir gerade an diesen Tagen uns im Verkehr mit anderen durch Freundlichkeit und Sanftmut auszeichnen. Es gibt manche, die, weil sie die vorgeschriebenen Bußwerke ungern verrichten, ihren Unwillen darüber an ihren Mitmenschen auslassen, indem sie sich mürrisch zeigen und ihre üble Laune nicht abtöten. Die Buße soll uns sanft und zugänglich machen; sie soll uns helfen, jede Verstimmung zu überwinden. Das will Jesus uns sagen.
Hast nicht auch du die Mahnung des Heilandes notwendig? Verlierst du nicht durch Eitelkeit das Verdienst deiner geringen Buße und übst du sie nicht mit Widerwillen und Feigheit?



11.06.2019
80. Von den Werken der Buße
(Mt 6)

I Die wahre Buße
«Wenn ihr fastet, so macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Die geben sich ein düsteres Aussehen, damit die Leute es ihnen ansehen, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: sie haben schon ihren Lohn!»
Dein göttlicher Meister spricht hier von der Buße und ihrer Übung. Ein so wichtiger Gegenstand darf bei der Erklärung des neuen Gesetzes nicht übergangen werden. Mache dir heute wieder recht bewusst, wie notwendig die Buße ist.
Die Buße ist so wichtig wie das Gebet und die Nächstenliebe. Die Buße ist innerlich und äußerlich. Sie besteht zuerst in einem inneren Schmerz über die Sünde, durch die man Gott beleidigt hat. Aus diesem inneren Leid heraus werden wir bewegt, auch äußerliche Leiden auf uns zu nehmen, um Gott unsere Reue zu beweisen. Der Büßende bekommt so das Verlangen, Gott seinen Leib zum Opfer zu bringen, der erzürnten göttlichen Gerechtigkeit Sühne zu leisten und an sich selbst die der göttlichen Majestät zugefügten Beleidigungen zu rächen. Das heißt, das widerspenstige Fleisch, das die Ursache der Sünde gewesen ist, der Vernunft unterwerfen, sich der Sinnenfreuden enthalten, um sich fähiger zu machen, die Freuden des Geistes zu genießen, und sich von irdischer Befriedigung lossagen, um mit größerem Eifer nach den himmlischen Gütern zu streben. Schließe daraus auf die Notwendigkeit der Buße, der körperlichen Abtötung und des Fastens. Der Erlöser will uns keineswegs von dieser Pflicht entbinden.
Mit dem alten Gesetze ist die Zeit der Buße durchaus nicht vorüber. Der Jünger des neuen Gesetzes ist um so mehr zum Bußeifer verpflichtet, als er besser verstehen soll, welche Ehre Gott aus der Übung der Buße erwächst. Er soll in hervorragender Weise ein Büßender sein.

10.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die siebente Bitte des Vaterunsers
«Sondern erlöse uns von dem Übel.»
Das größte Übel ist die Sünde. Aber auch die Mühseligkeiten dieses Lebens, die wir als Strafe und Wiedergutmachung für die Beleidigungen Gottes leiden müssen, sind ein Übel, insofern sie uns hindern, Gutes zu tun und die Tugend zu üben. Die körperlichen Krankheiten schwächen den Geist und machen uns das Gebet mühevoll, die Belästigungen der Menschen stören unseren inneren Frieden. Aus diesem Grund darf man bitten, auch von diesen Übeln befreit zu werden.
Der hl. Augustinus betont, dass diese letzte Bitte des Vaterunsers auch ein liebender Seufzer gläubiger Menschen ist, die sich hienieden von Übeln umgeben sehen und mit Sehnsucht nach dem höchsten Gut im Himmel verlangen.

«Amen — so sei es»
Der göttliche Meister lehrt uns, das Gebet mit dem Wort «Amen» zu beschließen. Es setzt gleichsam ein Siegel auf unser Gebet; es bestätigt alles, was wir darin gesagt haben, und betont, dass wir alles aufrichtig wünschen, was wir erbeten haben. Es kommt nämlich vor, dass du Gott um etwas bittest, das du eigentlich nicht erlangen willst. Wenn du z. B. um die Gnade der Vervollkommnung betest und dann betrübt bist, wenn dir etwas genommen wird, was ein Hindernis für die Vollkommenheit ist, so sagst du nicht mit aufrichtigem Herzen «Amen»!
Dieses Wort ist auch ein Akt der vollkommenen Hoffnung. Wir sagen «Amen», indem wir uns mit Vertrauen auf die unfehlbare Wahrheit dessen stützen, der uns so zu beten lehrt und verheißen hat, unsere Bitten zu erhören. Gott selbst wird uns antworten: «Amen, so sei es, wie du mich gebeten hast.»
Dein Gebet ist oft so wenig wirksam, weil du es am Vertrauen fehlen lässt. Gott kann nämlich jene nicht erhören, die an seiner Macht und Güte zweifeln.



09.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)
Die sechste Bitte des Vaterunsers
« Und führe uns nicht in Versuchung.»
Mit diesen Worten bitten wir Gott um die Gnade, daß Er uns vor Versuchungen verschone, denn diese kann zur Sünde führen. Die frommen Seelen flehen inständig um diese Gnade, weil schon der Gedanke an die Sünde sie mit Abscheu erfüllt. Wenn du dich selbst in die Gefahr von Versuchungen begeben oder gar mit der Versuchung spielen würdest, wäre deine Bitte um Bewahrung vor der Versuchung nicht echt, sondern ein Hohn.
Mache dir aber bewusst, dass nach den Worten des Apostels Paulus der wahre Jünger Christi vom Teufel Versuchungen erleiden muss. Wir sollen daher Gott bitten, dass wir in der Versuchung nicht fallen und den Sieg über den Verführer davontragen. Dies können wir jedoch nicht ohne die besondere Gnade Gottes! Erinnere dich der Gelegenheiten, in denen du schmählich gefallen bist, und gestehe, dass es dein Fehler gewesen ist, Gott nicht um Hilfe angefleht zu haben. Bereue jene Niederlagen und, eingedenk deiner Schwäche, wache und bete, dass du in Zukunft standhaft zu bleiben vermagst!
Vergiss nicht, dass wir viele Feinde haben, die unser Heil bekämpfen. Der Teufel gibt uns Dinge ein, die dem Dienst Gottes entgegengesetzt sind, und die Welt täuscht uns mit den Verlockungen ihrer Scheingüter und Vergnügungen. Auch das eigene Fleisch reizt uns immer wieder zur Sinnlichkeit. Bemühe dich, deine schwache Stelle und deinen Hauptfehler zu erkennen, dort nämlich versucht der Feind dich zu überraschen. Lass dich aber nicht entmutigen wegen der großen Zahl deiner Feinde, denn die Gnade Gottes steht dir in noch größerer Zahl und Kraft zur Verfügung, wenn du nur von Herzen darum bittest.



08.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die fünfte Bitte des Vaterunsers
«Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.»
Bedenke, dass wir alle Sünder sind und deshalb in Schulden gegenüber der Gerechtigkeit Gottes leben. Weil wir aber kein Mittel haben, um diese selbst zu begleichen, können wir nur schuldenfrei werden, wenn uns Gott unsere Sünden verzeiht, wie wir Ihn in dieser Bitte anflehen. Wirf einen Blick auf dein armes Leben, das voller Sünden ist, und mache dir bewusst, wie notwendig du die göttliche Barmherzigkeit hast. Erbitte sie mit aufrichtiger Reue!
Wir bitten Gott, uns von der Sünde zu befreien, weil sie ein sehr großes Übel ist, welches die Wirkung der ersten Bitten des Vaterunsers vereitelt. In der Tat, die Sünde verwirkt die Ehre Gottes, sie verhindert das Kommen seines Reiches und ist seinem göttlichen Willen vollständig entgegengesetzt; sie beraubt uns auch des Rechts, das Brot vom Vater zu erbitten. Verabscheue alles, was Sünde ist, aber bitte mit ebenso großem Vertrauen um Verzeihung, denn Gott selbst zeigt dir durch dieses Gebet, dass Er dein Flehen erhört und dir deine Sünden vergeben will.
Bedenke aber, dass eine solche Gnade nur gewährt wird unter der Bedingung, dass auch du desgleichen tust. Gott erklärt uns, dass wir so behandelt werden, wie wir die anderen behandelt haben; Er wird uns in seiner Barmherzigkeit nur verzeihen, wenn auch wir unsererseits barmherzig sind und bereit sind zu verzeihen! Du siehst, wie die Angelegenheit deines Seelenheils in deinen Händen liegt. Hüte dich, durch deine Herzenshärte Gott zu zwingen, dir deine Sünden nicht zu vergeben!



07.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die vierte Bitte des Vaterunsers
«Gib uns heute unser tägliches Brot.»
Diese Bitte ist eine Ehrung für die Vorsehung Gottes. Wir erbitten von Ihm sogar jedes Stücklein Brot, denn wenn Gott es uns verweigerte, wäre niemand in der Lage, es uns zu geben; für all unsere Bedürfnisse muss Gott sorgen! Anerkenne deine Abhängigkeit von Gott und lerne, dich in allen Nöten an Ihn zu wenden, weil du ohne Ihn auch nicht das Geringste haben könntest.
Beachte auch, dass unser Herr uns lehrt, nur für einen Tag das Brot zu erbitten. Er will uns dadurch ermahnen, nur das Notwendige und nicht den Überfluss und den Reichtum zu erstreben, der von Satan und der Welt als Ziel dieses Lebens hingestellt wird. Wenn du wahrhaft ein Kind Gottes bist, solltest du dich nicht zu viel um die Dinge dieser Welt kümmern. Man soll sie mit nüchterner Gesinnung benützen und nur nach dem Maß der Notwendigkeit besitzen.
Mit diesem Brot ist auch die geistige Nahrung gemeint, die Speise der Seele, das «eucharistische Brot». Dieses himmlische und göttliche Brot ist über alles Irdische erhaben, weil es Jesus, das Leben selbst ist. Er will uns dadurch seine göttliche Gnadenfülle schenken. Erbittest du diese Nahrung jeden Tag mit Glauben und heiligem Verlangen? Du empfängst sie öfters, aber sie bringt nicht all die wunderbaren Wirkungen in deiner Seele hervor, weil du Gott zu wenig darum bittest.



06.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die dritte Bitte des Vaterunsers
«Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.»
Erwäge, wie Gottes ewige Weisheit nichts wollen kann, was nicht gut wäre. Hingegen muss alles, was seinem Willen entgegengesetzt ist, ungerecht sein. Daher ist es notwendig, dass sein Wille in allem erfüllt werde. Vergleiche deinen Willen mit der Güte des Willens Gottes und deine geringen Erkenntnisse mit seiner erhabenen Weisheit, so wirst du Gott, der sich in nichts täuschen kann, bitten, dass er auch für dich alles lenken möge, wie Er es will.
Bedenke auch, wie der Wille Gottes sich auf alle Geschöpfe erstreckt und dass Er alles liebt, was Er geschaffen hat. Deshalb ist sein Wille ein Wohlwollen zum Besten aller. Mit großem Vertrauen überlass dich deshalb der Führung seines liebenden Willens, so wird alles zu deinem größten Nutzen gereichen.
Durch die Worte «wie im Himmel, also auch auf Erden» erbittest du für dich die Gnade, Gott so gehorchen zu können wie die Engel, die sich auch zum geringsten Menschen als Beschützer herabneigen, weil es Ihm wohlgefällig ist. So sei auch für dich der Beweggrund für all dein Tun und Lassen, Gott eine Freude bereiten zu wollen.



05.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die zweite Bitte des Vaterunsers
«Zu uns komme Dein Reich.»
Durch diese Worte lehrt uns der Herr zu bitten, dass in dieser Welt das Reich seiner Gnade errichtet werde. Er soll von allen Menschen erkannt und angebetet werden, und niemand darf sich der Herrschaft des Teufels unterwerfen durch die Sünde. Wende einen Blick voll Mitleid auf die vielen, in denen Gott nicht herrscht. Bedaure auch die Zeit, als du selbst zu jenen gehörtest, die sich gegen Ihn auflehnen, und prüfe dich, ob Gott jetzt wirklich herrschen kann in deinem Herzen.
Bedenke auch, dass die vollkommene Herrschaft Gottes erst am Jüngsten Tag erreicht sein wird, wo alle Verbrechen aufhören und keine Sünden mehr begangen werden, sondern alle Geschöpfe Gott gehorchen werden. Im Himmel wird Er verherrlicht durch seine Liebe und in den Abgründen der Unterwelt durch seine Gerechtigkeit. Aus diesem Grund betet die Kirche, daß dieser Tag bald komme. Ist dein Gewissen auch rein genug, damit du den Tag des Gerichtes mit freudiger Sehnsucht erwarten kannst?
Der eigentliche Gegenstand dieser Bitte ist jedoch das Himmelreich, das alle Christen als ihre einzige Seligkeit erhoffen sollen. Sie ersehnen dieses Reich, in welchem sie wirklich mit Christus herrschen werden. Hab Mitleid mit dir selbst, da du noch in diesem Tränental verbannt leben musst, und mache dir gut bewusst, dass du hier in der Fremde weilst, wo du nicht das wahre Glück findest, sondern es im Himmel erwartest.



04.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die erste Bitte des Vaterunsers
«Geheiligt werde Dein Name!»
Die erste Bitte und unser erstes Verlangen soll es sein, dass der Name Gottes gepriesen und verherrlicht werde. Wir sollen vor allem seine Ehre suchen und nur das erbitten, was zur Verherrlichung seiner göttlichen Majestät gereicht. Mit dieser Gesinnung wird es dir leicht werden, vieles als unnütz zurückzulassen, was überhaupt nicht zu seiner Ehre beiträgt.
Bedenke, wie die Ehre Gottes durch das Wort «geheiligt» bezeichnet wird. Gott will uns dadurch lehren, dass Er geehrt wird, wenn wir seine Vollkommenheit erkennen. Gott lässt seine Heiligkeit in besonderer Weise aufstrahlen, indem Er die Seelen heiligt. Lass auch du die Heiligkeit Gottes aufleuchten in deinen Worten und Werken; du wirst aber Gott am meisten verherrlichen, wenn du selbst heilig wirst.
Der heilige Franz von Assisi mahnt uns, mit diesen Worten Gott zu bitten, dass Er unseren Geist erleuchte, damit wir alle Weiten seiner Unermesslichkeit erkennen: die Fülle seiner Wohltaten, die Ewigkeit seiner Belohnungen, die Erhabenheit seiner Majestät und Weisheit seiner Ratschlüsse. Das wahre Glück in diesem Leben besteht darin, die Güte und Herrlichkeit Gottes zu erkennen, denn dies macht ja auch die Glückseligkeit der Heiligen im Himmel aus. Je mehr du in dieser Erkenntnis Fortschritte machst, desto mehr wirst du auf ewig von der göttlichen Liebe erfüllt werden.



03.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

IV. Betrachtungen über die Worte des Vaterunsers
«Vater unser, der Du bist im Himmel!»
Der Heiland erlaubt uns, dass wir unseren höchsten Herrn und Gott «Vater» nennen dürfen. Damit will Er in uns die Gefühle der Liebe und des Vertrauens auf seine Güte wecken, die wir beim Gebet erstreben sollen. Wenn Gott als Vater angerufen werden will, dann wirst du nur gut beten, wenn du wirklich sein Kind bist. Prüfe dich, ob dich nichts hindert, diesem schönen Namen zu entsprechen.
Bedenke, dass Gott «unser Vater» genannt werden will, um uns an die Unermesslichkeit Seiner Liebe und Seiner väterlichen Güte zu erinnern. Wenn wir Ihn unseren Vater nennen, anerkennen wir auch Seine anderen Kinder. Dies verpflichtet uns zur zweifachen Liebe zu Gott und zum Nächsten. Dein Gebet wird sicher gut aufgenommen, wenn du es verrichtest aus Liebe zu Gott und in Verbundenheit mit deinen Nächsten.
Gott, unser Vater, ist überall. Er will dennoch, dass wir Ihn «im Himmel» anrufen. Damit möchte Er uns eine große Ehrfurcht vor seiner göttlichen Majestät einflößen und unseren Sinn über alles Irdische erheben, damit wir vor allem die himmlischen Reichtümer erbitten. Betrachte Gott im Himmel, dort ist die Erfüllung unserer Hoffnung und das Ziel aller Gebete.



02.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

III Jesus lehrt das Gebet des Herrn
«Ihr sollt daher also beten: Vater unser, der Du bist im Himmel! Geheiligt werde Dein Name!»
Höre in heiliger Sammlung das Gebet, das dir von allen das liebste sein soll. Der Heiland hat es uns vom Himmel gebracht; es ist das vorzüglichste Gebet des Christen. Jesus selbst gibt uns die Form an, in die wir unser Bittgesuch vor Gott bringen sollen.
Zuerst sollen wir Gott loben, um Ihn uns gnädig zu stimmen. Rede Ihn mit seinem Namen an. Unter allen Titeln, die Ihm gebühren, wähle jenen, der Ihm am meisten gefällt; nenne Ihn «Vater».
«Geheiligt werde Dein Name; zu uns komme Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden!» Durch diese Worte soll in dir der lebhafte Wunsch geweckt werden, dass ein so gütiger Vater erkannt und geliebt werde und dass man Ihm diene. Du sollst hier vom Heiland lernen, zuerst in kindlicher Liebe für die Interessen Gottes einzutreten, ehe du Ihm deine eigenen Bitten vorträgst.
Hast du dich in den ersten drei Bitten des Vaterunsers Gott gegenüber als Kind gezeigt, so wird Er dir jetzt beweisen, dass Er dein Vater ist. Was begehrst du für dich von Gott? «Vater, gib uns!» Gott ist Vater, um zu geben. Was tut dir not? Vertraue es Ihm ohne Furcht an.
Er sorgt für deine leiblichen wie für deine geistigen Bedürfnisse: Er ist dein Vater für die Zeit wie für die Ewigkeit. Glaubst du fest, dass Er bereit ist, dir das Notwendige für jeden Tag zu spenden? Glaubst du, dass Er mit väterlicher Sorgfalt über dich wacht, dich leitet und schützt und dir die ewigen Güter aufbewahrt, die Er dir einst zum Erbe geben will? Macht der Mangel an kindlichem Glauben dein Gebet nicht unfruchtbar?
Beklage es, dass du bis jetzt so wenig das Glück verkostet hast, einen Vater im Himmel zu besitzen. Ziehe Nutzen aus den Schätzen, die im Vaterunser enthalten sind!



01.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

II Das innere, betrachtende Gebet
«Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen. ... Euer Vater weiß ja, was euch not tut, ehe ihr Ihn bittet.»
Durch diese Worte ermuntert uns der Herr zum betrachtenden Gebet. Dies ist ein mehr innerliches Gebet, wo es nicht vieler Worte bedarf, weil das Herz in Liebe bei Gott verweilt. Das innere Gebet ist notwendig, um die Heiligkeit zu erlangen, denn wir können keine Tugend erwerben, ohne die Gnade Gottes darum zu erbitten. Die Gnade können wir aber nur richtig erbitten, wenn wir durch die Betrachtung die Notwendigkeit der Tugend erkannt und das Verlangen nach ihr geweckt haben. Wundere dich nicht darüber, dass du noch so unvollkommen bist, da du das innere Gebet zu wenig übst. Gerade im betrachtenden Herzensgebet will Gott dir die Gnade der Heiligung schenken!
Bedenke, dass das innere Gebet die erhabenste Beschäftigung der Seele ist. Betrachten heißt sich mit Gott freundschaftlich zu unterhalten über die wichtige Angelegenheit unseres Heiles. Dies ist ja die erste und notwendigste Aufgabe unseres Lebens. Auch wenn dieser Gegenstand hoch ist, so ist er doch nicht zu schwierig. Dein Geist beschäftigt sich mit Eifer und Hingabe mit so vielen kleinen oder gar unnützen Dingen; du musst nur den Gegenstand austauschen und deinem Geist heilige Dinge vorlegen, dann übt er die Betrachtung!
Mache dir bewusst, dass diese Übung das mächtigste Mittel ist, uns in dieser Welt mit Gott zu vereinen. Gott ist Geist, und wir können Ihm nur nahen und Ihn umfangen durch die Übung unseres Geistes im beschauenden, betrachtenden Gebet. So kannst du schon hienieden glücklich werden in der Vereinigung mit Gott. Was machen die Heiligen im Himmel anderes, als Gott in der beseligenden Anschauung zu betrachten?



31.05.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

I Jesus lehrt seine Jünger beten
«Und wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler, welche es lieben, in den Synagogen und an den Straßenecken stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen.»
Wie muss man beten? Da Jesus an der Besserung unseres Lebens arbeitet, rügt Er zuerst die Fehler, die beim Beten zu vermeiden sind. Seine Zuhörer haben viele irrige Ansichten über das Gebet. Er bemüht sich deshalb zuerst, ihren Geist aufzuklären, um dann ihre Herzen für das Gute zu gewinnen.
«Suchet nicht die eitle Ehre in euren Andachtsübungen», sagt Jesus. Die Ehrsucht ist eine beklagenswerte Klippe der Frömmigkeit. Die Frömmigkeit lässt den Menschen nur Gott suchen; die Ehrsucht treibt ihn an, überall sich selbst zu suchen. Dieser Feind muss besiegt werden. Mit vollem Recht tadelt der Heiland jene, die mit ihrer Frömmigkeit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen wollen. Zumal beim Gebet muss man eine reine Meinung haben, wenn man Gottes Wohlgefallen auf sich herabziehen will.
«Vermeide die Zerstreuung beim Gebet», fügt der Heiland bei. «Wenn du betest, ziehe dich in dein Kämmerlein zurück, schließe die Türe hinter dir zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.» Du klagst über Zerstreuungen im Gebet; was tust du, um sie zu vermeiden? Gehst du etwa ohne Vorbereitung zum Gebet, ohne zu bedenken, wer derjenige ist, mit dem du reden willst, einzig besorgt, dich dieser beschwerlichen Pflicht so schnell wie möglich zu entledigen? Ist dein Herz erfüllt von irdischen Eindrücken, die zu entfernen du dir keine Mühe gibst? Nimmst du dir während des Gebetes sogar die Freiheit, alles um dich herum zu sehen und zu hören? Welchen Wert können solche Gebete vor Gott haben? Sie zeigen, wie wenig Ehrfurcht und Liebe du für Gott hegst.



30.05.2019
78. Von den Werken der Barmherzigkeit
(Mt 6)

II Die Werke der Barmherzigkeit sollen auf eine Gott wohlgefällige Weise verrichtet werden
«Wenn du Almosen gibst, so wisse deine Linke nicht, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.»
«Selig sind die Barmherzigen», hat Jesus gesagt. Was muss man tun, um dieser Seligkeit teilhaftig zu werden? Beachte folgenden Grundsatz, der unerlässlich ist: Übe die Werke der Barmherzigkeit nicht, um die Achtung anderer zu erwerben! Was man aus diesem Grunde tut, ist ohne Wert, oder nur von geringem Wert in den Augen Gottes. Musst du nicht zugeben, dass es die menschliche Achtung teuer erkaufen heißt, wenn man sie auf Kosten der ewigen Seligkeit erringt? Wenn du den Menschen gefallen willst, wirst du auch nur den Lohn der Menschen erhalten! Belohnt wird man nur von jenem, dem man zu gefallen strebt.
Indes beachte auch, dass Jesus nicht von uns verlangt, unempfindlich zu sein für die Beweise der Achtung, die unsere guten Werke uns einbringen. Es genügt, diese Anerkennung Gott aufzuopfern, um ein neues Verdienst vor ihm zu erwerben.
Nimm diese Gedanken recht in dich auf; sie werden dich vor eitler Ehrsucht schützen. Das Bewusstsein, dass der himmlische Vater allezeit der Zeuge deiner guten Werke ist, sei dir genug. Sein liebender Blick sei dir Ansporn und Stärke und die lebendige Hoffnung auf den Himmel fortwährende Ermutigung. Die Freude, Ihm zu gefallen, soll dein Glück sein. Suche Gott in allem, und du wirst Ihn überall finden!



29.05.2019
78. Von den Werken der Barmherzigkeit
(Mt 6)

I Jesus warnt seine Jünger vor der Selbstsucht
«Habet acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der im Himmel ist.»
Versenke dich mit besonderer Andacht in die Betrachtung dieser Lehre des göttlichen Meisters. Die Lebensbesserung, die Er seinen Zuhörern ans Herz legt, ist auch für dich notwendig. Diese ernsten Ermahnungen richtet Er sowohl an sie als auch an dich.
Jesus lehrt seine Jünger, nicht nur große Dinge zu vollbringen, sondern diese auch in reiner Absicht zu tun. Was ist die gute Meinung? Es ist das Streben, das gerade auf sein Ziel gerichtet ist, das heißt auf das letzte Ziel. Der Mensch ist zur Ehre Gottes erschaffen, deshalb muss alles auf die Ehre Gottes gerichtet sein, was er unternimmt. Der einzig richtige Standpunkt ist es, in allem, was sich darbietet, eine Gelegenheit zur Förderung der göttlichen Ehre zu erblicken. Suche diesen Grundsatz zu erfassen. Nichts zur Befriedigung meiner Eitelkeit und meines persönlichen Vorteils, alles zur Ehre Gottes! Alles, um Ihm zu gefallen in der Verherrlichung Seines heiligen Namens und der Erfüllung Seines göttlichen Willens.
Bedenke auch, dass die eitle Ehre unsere guten Werke verdirbt, ähnlich wie ein Wurm, der an der Wurzel des Baumes nagt, den Baum mit allen Früchten verdirbt. Weil man aufgrund der Absicht beurteilen kann, ob ein Werk gut oder schlecht ist, so gib sorgfältig acht, dass deine Absicht rein ist!
Die Werke, die wir vollbringen, nur um von den Menschen geachtet zu werden, erlangen im Himmel keinen Lohn, wie es der Heiland deutlich erklärt! Er belohnt das Gute, das wir für Ihn tun, und überlässt es den Menschen auf Erden, jenes zu belohnen, das wir für sie tun. Willst du auf diese Weise das Verdienst so vieler guter Werke aufs Spiel setzen? Wie viel verliert man durch die eitle Ehre! Arbeite deshalb eifrig weiter, aber arbeite für Gott allein!
Erbitte dir vom Heiland die Gnade, diese erhabene Lehre zu verstehen und auszuüben.



28.05.2019
77. Von der Verzeihung des Bösen
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus lädt Seine Jünger ein, gütig zu sein nach dem Vorbilde Gottes
«Seid Kinder eures Vaters, der im Himmel ist, der Seine Sonne über die Guten und Bösen aufgehen lässt und regnen lässt über Gerechte und Sünder. Denn wenn ihr nur jene liebt, welche euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun das nicht auch die Zöllner? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist!»
Betrachte den Beweggrund für die vollkommene Liebe, den der Heiland hier angibt. Wenn du die Verpflichtungen, die Er auferlegt, zu schwer findest, so erhebe dein Herz zu dem Ideal, das Er dir vorhält. Die Gnade des Evangeliums erhebt dich über die menschliche Armseligkeit und lässt dich teilnehmen an dem Leben Gottes. Aus Gott leben heißt, seine Neigungen, Gewohnheiten und Sitten nach Seinem Vorbild einrichten. Du bist ein Kind Gottes; so lebe denn aus dem Leben, das du von deinem himmlischen Vater erhalten hast. Übe dich darin, zu handeln, zu urteilen und zu wollen wie Er. Durch das Streben nach Gleichförmigkeit mit Gott im Wollen, Urteilen und Handeln wirst du Ihm ähnlich in allem.
Was tut dein himmlischer Vater? Viele Menschen lästern Seinen heiligen Namen, missbrauchen Seine Wohltaten, um Ihn zu beleidigen, verachten Seine allerhöchste Autorität und setzen sich über die Wunder Seiner Barmherzigkeit hinweg. Und dennoch hört Gott nicht auf, auch diesen Undankbaren das Leben zu erhalten. Er spendet ihnen wie früher seinen reichen Sonnenschein und umgibt sie mit der Sorge Seiner väterlichen Vorsehung. Er zieht sich nicht von ihnen zurück, unterbricht niemals sein wohltätiges Wirken für sie und in seiner Liebe vergilt er oftmals das Böse mit Gutem.
Sei gütig wie Er. Nur dadurch verdienst du dir den Namen eines Christen, dessen Hauptcharakterzug die Güte sein soll. Aber wie wird man gut? Bitte Gott um seine Liebe, und du wirst gütig sein wie Er!



27.05.2019
77. Von der Verzeihung des Bösen
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus verlangt von seinen Jüngern, dass sie Böses mit Gutem vergelten
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und verleumden.»
«Liebet eure Feinde!» Stelle dir das Staunen der Zuhörer Jesu bei dieser Aufforderung vor. Bitte den Heiland, um Verständnis für dieses Gebot.
Ein Feind ist ein Mensch, der mir Böses will oder tut. Vielleicht ist es ein Mensch, der mir einst Freundschaft vorgetäuscht hat und der mein unkluges Vertrauen missbraucht hat, um mir Schaden zuzufügen. Es ist vielleicht ein falscher Zeuge, der mich verleumdet hat, ein schlechter Mensch, der meinen Glauben ins Lächerliche zieht, ein Mitbewerber, der mir hinderlich ist, ein Heuchler, der meinen guten Ruf in Zweifel zieht. Welche Verpflichtungen habe ich solchen Menschen gegenüber? Ist es nicht Großmut genug, sich nicht zu rächen und nicht Böses mit Bösem zu vergelten? Muss die christliche Liebe noch weiter gehen?
Sich nicht rächen ist zwar schon heldenhaft, aber bedenke, dass Jesus beabsichtigt, uns zur höchsten Stufe des Großmut zu führen. Er sagt: «Vergilt das Böse mit Gutem. Das Böse nicht mit Bösem zu vergelten, ist der unterste Grad, das Böse mit Gutem zu erwidern, ist der höchste Grad der Liebe.»
Keine Ungerechtigkeit darf unsere Liebe beeinträchtigen. Leidet dein Feind, so nimm teil an seinem Leide; wenn es ihm wohl ergeht, so freue dich und wünsche ihm Vermehrung seines Glückes. Bietet sich dir Gelegenheit zu einer Dienstleistung, so komme ihm zu Hilfe. Begegne ihm allezeit mit Höflichkeit. Sprich nur Gutes von ihm und beklage dich nicht, wenn er ungerecht gegen dich vorgeht. Und wenn du selbst mit ihm zu sprechen hast, tue es mit Sanftmut und Wohlwollen. Bete für ihn, bitte Gott aufrichtig um seine Bekehrung, um Barmherzigkeit und um das Heil seiner Seele.
Solche Gesinnung verlangt Jesus von seinen Jüngern. Er will, dass wir durch unerschöpfliche Liebe alle Feindschaften aus unserer Mitte verbannen. Wenn jemand uns beleidigt hat, so legen wir unsere Angelegenheit in Gottes Hand und bemühen uns, in christlicher Liebe zu verzeihen.
Bedenke außerdem, dass unsere Feinde uns meist wegen zeitlicher Güter angreifen, die ja eher ein Hindernis sind für unsere Heiligung. Aus dieser Sichtweise heraus solltest du jene nicht als Feinde betrachten, welche dir lediglich irdische Güter streitig machen wollen. Nur jene sind Feinde, die uns wirklich Böses zufügen. Aber auch dies tun sie nur durch die Zulassung Gottes und werden so zu Werkzeugen seiner Gerechtigkeit, die unsere Sünden straft. Mache dir bewusst, dass du Gott nicht vollkommen lieben kannst, wenn du die Werkzeuge seiner Hand hassest.
Vergiss nicht, dass auch Gott uns geliebt hat, als wir durch die Sünde noch seine Feinde waren! Gott hat uns durch die Gnade zu seinen Kindern gemacht und uns durch dieselbe Gnade befähigt, ebenso jene zu lieben, die uns keine Zuneigung erweisen.



26.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Ein Grundgesetz der Nächstenliebe
« Wie ihr von den Menschen behandelt sein wollt, so behandelt auch ihr sie.»
Betrachte, mit wie viel Gerechtigkeit der Sohn Gottes von uns verlangt, daß wir die Mitmenschen so behandeln, wie wir es von ihnen erwarten. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, müssen wir uns selbst an ihre Stelle setzen. Prüfe dich und deine berechtigten Wünsche! Erkenne, dass du die Hilfe und Zuneigung, die du von andern erwartest, auch dem Nächsten entgegenbringen musst. Die geübte Nächstenliebe zieht die Erbarmungen Gottes auf dich herab. Vielleicht betest du schon lange um eine Gnade, die Gott dir noch nicht erwiesen hat. Ist es nicht deshalb, weil deine Herzenshärte den Schoß der Güte Gottes verschließt?
Nach den Worten des Herrn ist in der Gottes- und Nächstenliebe das ganze Gesetz und die Propheten enthalten, das heißt alles, was Gott geboten und verheißen hat. Wenn wir also dem Nächsten aus Liebe zu Gott das erweisen, was wir für uns selbst wünschen, erfüllen wir das ganze Gebot und verdienen alle Verheißungen Gottes. Gibt es einen erhabeneren Beweggrund, den Nächsten wahrhaft zu lieben?



25.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus ermuntert seine Jünger, sich lästigen Bitten nicht zu entziehen
«Wer dich bittet, dem gib. Wer dir das Deinige nimmt, von dem fordere es nicht zurück.»
Verstehst du diese Worte? Bist du würdig, eine so herrliche Lehre zu vernehmen? «Sei wohlwollend und freigebig», sagt der Heiland. «Entziehe dich jenen nicht, die dich um etwas bitten. Nimm alle mit Wohlwollen auf, auch die Unbescheidenen und weniger Liebenswürdigen.» Die wahre Liebe lebt von der Verleugnung der ungeordneten Eigenliebe. Gib anderen mit deiner Gabe auch etwas von dir selbst. — Erweise dem Nächsten gern Dienste. Verweigere niemand deine Hilfeleistung und deinen Rat. Das Evangelium will, dass du auch den letzten der Menschen als deinen Bruder liebst und ihn dementsprechend wie einen Bruder behandelst. Sage nicht, dass er ein Unbekannter sei, ein Zudringlicher, denn Jesus betrachtet ihn als einen der Seinigen. Liegt es nicht in deiner Macht, die Bitte zu gewähren, so zeige wenigstens den guten Willen und sprich dein Bedauern aus, stoße aber nie jemanden lieblos zurück.
Wie steht es bei dir mit der Befolgung dieser Lehre? Fehlst du nicht täglich gegen das Gesetz der uneigennützigen, dienstbereiten Nächstenliebe, von der Jesus hier spricht? Gehst du nicht häufig mit einer Art von heidnischem Stolz an deinem Mitmenschen vorüber, wenn er sich in Armut und Not befindet? Bleibst du nicht fremd und gleichgültig gegen Bedrängte, die in ihrer peinlichen Lage auf dich rechnen, nur weil du fürchtest, einmal getäuscht zu werden? Hast du nicht hundert Vorwände und bedienst du dich nicht sogar der Lüge, um jene abzuschütteln, die sich vertrauensvoll an deine Güte wenden? Gehörst du nicht zu jenen, die nur unter der Bedingung hilfsbereit sind, dass ihnen daraus eitle Ehre oder persönlicher Nutzen erwächst? Müssen deine Dienste nicht um den Preis peinlicher Demütigungen und beschwerlicher Verpflichtungen erkauft werden? Erforsche dich hierüber und strebe Besserung an!



24.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus ermahnt seine Jünger zur Geduld bei ungerechter Behandlung
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem Bösen keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange geschlagen hat, so biete ihm auch die andere dar.»
Bis zu diesem Grad will also der Heiland die Rachsucht aus dem Herzen seiner Jünger entfernen! «Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Verschafft euch nicht selbst Recht!» Es ist zwar nicht verboten, sich an die weltliche Gerechtigkeit zu wenden, damit man zum Recht gelangt, aber man soll es mit Zurückhaltung und ohne Erbitterung tun. So verlangt es der Geist des Evangeliums.
Aber der Heiland fordert noch mehr: «Ertraget lieber Schimpf und Ungerechtigkeit, als dass ihr die Liebe verletzt. Wenn ihr ein Unrecht erlitten oder eine Schmähung erfahren habt, seid bemüht, eurerseits die Liebe zu bewahren. Bewahrt sie in der Geduld, denn sie ist ein kostbares Gut.» Es ist immer ehrenhaft, sich stark zu zeigen, und die wahre Seelenstärke erprobt sich besonders im Ertragen. Die Vollkommenheit des Jüngers Christi geht soweit, dass er eher irdischen Gütern und dem persönlichen Ansehen entsagt, als dass er gegen die Nächstenliebe fehlt. So wird er Christus ähnlicher.
Wir sollen die Beleidigungen ertragen im Geiste der Demut und der Buße. Der wahre Christ glaubt als Strafe für seine Sünden weit mehr verdient zu haben, als er zu leiden hat.
Bist du einer dieser echten Jünger, von denen der Herr einen so hohen Grad von Selbstlosigkeit und Geduld verlangt? Wie kannst du dich zu ihnen zählen, wenn du dich bei der kleinsten Unfreundlichkeit, dem geringsten Unrecht, der unbedeutendsten Beleidigung immer wieder zur Heftigkeit hinreißen lässt?


23.05.2019
75. Von der Wahrhaftigkeit im Reden
(Mt 5)

II Jesus ermahnt seine Jünger zu einer vollkommenen Aufrichtigkeit
«Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Alles weitere ist vom Übel.»
Mit diesen Worten kennzeichnet Jesus eine der liebenswürdigsten Tugenden des Christen: die Aufrichtigkeit. Der Jünger Christi darf niemals lügen. Er spricht: «Das ist so, jenes ist nicht so» und sein Wort gilt ihm an Eides Statt. «Ja», oder «nein». So lautet seine Antwort auf alle Fragen, die man ihm stellt. Keine Lüge, keine Verstellung, keine Umschweife! Die Wahrhaftigkeit des Christen muss so vollkommen und so selbstverständlich sein, dass man seinem einfachen Wort so fest glaubt, als wenn er es durch tausend Eide erhärtet hätte. Alles, was man mehr sagt, fügt der Heiland bei, ist vom Bösen, d. h. es kommt von der Herzenshärte, der Bosheit und dem Betrug unter den Menschen. Der sündige Mensch ist voll Misstrauen gegenüber seinesgleichen, denn er neigt zu Verstellung und Lüge. Ein schlechter Mensch ist notwendig ein Lügner, weil es vorteilhaft für ihn ist, seine Handlungen zu verbergen und zu beschönigen. Da Jesus gekommen ist, die Menschheit zu bekehren und zu erneuern, macht Er die vollkommene Wahrhaftigkeit zur unerlässlichen Pflicht. Wir sind einander die Wahrheit schuldig, wie Glieder desselben Leibes sich gegenseitig Hilfe und Stütze sein müssen. Das Auge betrügt den Fuß nicht, und der Fuß entzieht dem Auge und dem Kopf nicht seine Dienste. Dieses Bild zeigt uns, wie wir uns zu einander verhalten sollen.
So erneuere dich denn im Geiste des Evangeliums; zeige dich so wahrhaftig, dass man dir auf dein bloßes Wort hin glaubt. Fliehe die Verstellung und tue nichts Böses, nichts Verdächtiges, nichts Schmähliches, so wirst du nichts zu verbergen haben. Hast du gesündigt und musst du deine Sünde deinem Beichtvater oder Seelenführer offenbaren, so tue es mit schlichten Worten. Suche nicht nach eitlen Entschuldigungen für deine Fehler, und verhülle deine Schuld nicht durch lange Umschweife. Sei immer und überall demütig, so wirst du stets wahr sein!



22.05.2019
75. Von der Wahrhaftigkeit im Reden
(Mt 5)

I Jesus verlangt Ehrfurcht vor dem heiligen Namen Gottes
«Weiter habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören.»
Lerne, wie man den Namen Gottes heilig halten soll. Jesus spricht hier zu Menschen, die gewohnt waren, den göttlichen Namen vergeblich auszusprechen und zu missbrauchen. «Ihr sollt nicht falsch schwören» , sagt das alte Gesetz. Jesus fügt hinzu: «Ihr sollt gar nicht schwören.» Er verbietet nicht, dass man Gott als Zeugen anrufe, sondern verurteilt die üble Gewohnheit seiner Zuhörer, den heiligen Namen Gottes zu missbrauchen.
Die Ehrfurcht vor Gott muss ein Charakterzug des Christen sein. Nun ist es aber ein offenbarer Mangel an Ehrfurcht vor Gott, Ihn leichtfertig zum Zeugen anzurufen für unbedeutende Dinge, Übertreibungen und zweideutige Reden. «Schwört gar nicht» , sagt Jesus, «und nehmt weder den Namen noch die Werke Gottes zum Zeugnis für die Wahrheit eurer Worte. Schwört auch nicht bei eurem eigenen Haupte, oder bei sonst einem Glied eures Körpers.» Auf diese Weise schwören heißt: Ich verpflichte mich zu dieser oder jener Strafe, falls das, was ich behaupte, nicht wahr ist. Durch solche Reden verfügt man aber widerrechtlich über sich selbst. Du gehörst dir nicht selbst an, hast folglich auch kein Recht, über dich selbst zu bestimmen. Erkenne die Oberherrschaft Gottes über dich an und lebe in vollkommener Abhängigkeit von Ihm. Hast du nicht auch hier Ursache, dein Gewissen zu erforschen, und musst du in deinem Verhalten nichts verbessern?



21.05.2019
74. Von der Reinheit des Herzens
(Mr 5)

II Er fordert um jeden Preis Flucht vor der Sünde
«Wenn also dein rechtes Auge dir zum Ärgernis wird, so reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer leib in die Hölle geworfen wird.»
Höre, welch große Entschiedenheit Jesus von dir verlangt, wenn es gilt, dich von dem fernzuhalten, was zur Sünde führt. Er fordert dich auf, kein Opfer zu scheuen, um dich vor der Sünde zu schützen. Kein irdisches Gut kann ja mit dem Wert unserer unsterblichen Seele verglichen werden. Um diese zu retten, muss uns selbst das Teuerste, was wir auf Erden besitzen, als ein sehr geringer Preis erscheinen.
Erwäge, wie die Hände unsere Beschäftigungen versinnbildlichen. Unser Herr verlangt, dieselben abzuhauen, falls sie uns hindern, das Gute zu tun. So sollen alle Beschäftigungen auf unsere Heiligung und auf das ewige Ziel ausgerichtet sein, und alles, was uns davon abbringt, sollen wir meiden. Erforsche dein Leben. Sind nicht schon die kleinen Dinge, in denen du deinem Eigensinn und deinen Launen folgst, die Ursache für den Mangel an Heiligkeit? Wieviel mehr musst du alles fliehen und von dir weisen, was dir Anlass zur Sünde werden könnte!



20.05.2019

Apostelgeschichte 14,5-18.

In jenen Tagen als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen, flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe, und in deren Umgebung. Dort verkündeten sie das Evangelium.
In Lystra war ein Mann, der von Geburt an gelähmt war; er saß ohne Kraft in den Füßen da und hatte nie gehen können.
Er hörte der Predigt des Paulus zu. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann darauf vertraute, gerettet zu werden, rief er laut: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war. Der Priester des Zeus vor der Stadt brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
Als die Apostel Barnabas und Paulus davon hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen unter das Volk und riefen:
Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur Menschen, von gleicher Art wie ihr; wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört. Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Völker ihre Wege gehen. Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
Doch selbst mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge kaum davon abbringen, ihnen zu opfern.


19.05.2019
73. Von der brüderlichen Liebe und Eintracht
(Mt 5, Lk 12)

II Jesus belehrt seine Jünger über die Notwendigkeit der Versöhnung und der brüderlichen Eintracht
«Wenn du also deine Opfergabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar, geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.»
Jesus beschließt seine Belehrung also: «Wenn du deinem Nächsten irgendein Leid zugefügt, etwas gegen ihn gesagt oder getan oder seinem guten Rufe geschadet hast, so versprich, den Schaden wiedergutzumachen. Hat man aber dir Böses getan, so sei bereit zu verzeihen.»
Wenn es uns an Nächstenliebe mangelt, hat Gott an keinem unserer Werke ein Wohlgefallen. Das Opfer unserer Empfindlichkeit ist Ihm angenehmer als die Darbringung äußerer Gaben; das versichert uns der Erlöser. Wie kannst du auch glauben, Gott, deinen Vater, zu versöhnen, wenn du nicht im Frieden lebst mit seinen Kindern, deinen Nächsten? Die Stimme der Zwietracht erstickt die Stimme des Gebetes. Nicht deine Gabe will der Herr, sondern dich selbst. Und die Gabe deiner selbst verliert vor Gott all ihren Wert, wenn Hass und Zorn dich beherrschen. Wenn du dem Herrn ein Opfer bringst, dabei aber Rachsucht in deinem Herzen nährst, so nimmst du mit der einen Hand wieder zurück, was du mit der andern Gott dargebracht hast.
Bedenke, dass der Heiland uns zur Versöhnung auffordert, bevor wir Ihm ein Opfer darbringen. Es ist doch vernünftig, seine Schulden zu bezahlen, bevor man großzügige Spenden macht. Unser Herr ist der Anwalt des Nächsten und verteidigt dessen Rechte. Deshalb weist Er den Unversöhnlichen zurück, damit er seine Sache wiedergutmacht, bevor er Ihm am Altar das Opfer darbringt. Leuchtet dir diese Wahrheit ein? Wenn also der Herr von dir diese Versöhnung fordert, könntest du sie Ihm verweigern? Wenn du deinen Bruder in Gott betrachtest und Gott in ihm siehst, wird es dir leicht fallen, ihm mit herzlicher Liebe zu verzeihen.
Wenn du betest und Gottes Barmherzigkeit um Verzeihung deiner Sünden anflehst, so denke an diese Lehre. Unter den Jüngern Jesu darf niemals Zwietracht herrschen.
Der göttliche Meister fügt noch andere Belehrungen bei, die du zu Herzen nehmen sollst. «Verständige dich ohne Verzug mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm unterwegs bist. Sonst könnte dich der Gegner dem Richter übergeben und der Richter dem Gerichtsdiener, und man würde dich dann in den Kerker werfen.» Jesus will, dass der Geist der Liebe jede Uneinigkeit ausgleiche. «Verständigt euch ohne Zögern», sagt Er, «mögt ihr gegenseitig auch noch soviel wiedergutzumachen haben. Lasst nicht zuerst das Gericht zwischen euch treten. Entsagt allen rachsüchtigen Plänen; verabscheut die Prozesse. Seid euch selber Richter, damit ihr schonungsvoll urteilt!» In allen Rechtsforderungen lässt sich der wahre Jünger Christi nur vom Geist der Liebe leiten, die seinen göttlichen Meister beseelte. Ziehe Nutzen aus diesen kostbaren Lehren!


18.05.2019
73. Von der brüderlichen Liebe und Eintracht
(Mt 5, Lk 12)

I Jesus droht allen, die dem Nächsten zürnen, mit einem unerbittlichen Strafgericht
«Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten! Wer tötet, soll dem Gerichte verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gerichte 1verfallen.»
Knie demütig zu Füßen des göttlichen Lehrers nieder und höre, was Er von seinen Jüngern verlangt. Er will das menschliche Herz von Grund auf umwandeln. Wir sollen in den Zustand zurückkehren, den wir nach Gottes Willen nie hätten verlassen sollen.
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Der Mord ist ein Verbrechen. Ich aber sage euch: Ein Mörder vor Gott ist jeder, der seinem Bruder zürnt, ihm Böses wünscht oder Rachepläne gegen ihn schmiedet.»
Hiermit verdammt der Heiland die Handlungsweise gar vieler. Auch du musst zugeben, dass du es bis jetzt wenig ernst genommen hast mit dieser Lehre Jesu, da du dich noch so häufig der Erregung und dem Zorne überlässt. Welchen Zorn verdammt Jesus? Das ungeordnete Auflodern der Empfindlichkeit, das dazu drängt, dem Nächsten zu schaden und ihm Böses mit Bösem zu vergelten. Nicht jede Regung des Unwillens ist also mit diesen Worten Jesu verurteilt. Es gibt auch eine heilige Entrüstung, die dem Eifer für die Ehre Gottes und für das Wohl des Nächsten entspringt. Der Heiland selbst hat uns hierin ein Beispiel gegeben. Aber Er will unter seinen Jüngern keinen Zorn dulden, der die Liebe verletzt. Wollte man diesen als erlaubt und gerechtfertigt hinstellen, so würde man das Evangelium fälschen.
Bedenke auch, dass der unbeherrschte Zorn dich hinreißt zu lieblosen Worten und noch Schlimmerem und dass dadurch auch im Nächsten Böses geweckt wird. «Das Schweigen beruhigt den Zorn», sagt die Heilige Schrift. Wenn du also aufgeregt wirst, so sprich kein Wort! Dies ist das Mittel, das innere Feuer zu ersticken, um dadurch weder dir noch dem Nächsten zu schaden.
Stimme dieser Wahrheit von Herzen bei. Erforsche dein Gewissen. Beklage die Ausbrüche deiner üblen Laune, unter denen deine Umgebung so sehr zu leiden hat. Bitte Jesus, dein Herz nach dem seinigen zu gestalten, alle Bitterkeit darin zu unterdrücken, allen Groll zu besänftigen und alle Feindseligkeit auszurotten. Erneuere dich in der Liebe des göttlichen Herzens Jesu.
1 Das Gericht wurde in jeder Stadt aus den Priestern und Familienältesten gebildet. Darüber stand ein hoher Gerichtshof, der hohe Rat oder das Synedrium, das aus 72 Mitgliedern bestand und seinen Sitz in Jerusalem hatte; es verhandelte die wichtigen Fälle und hatte in letzter Instanz zu entscheiden.



17.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

III Jesus belehrt das Volk über die Unzulänglichkeit der rein äußerlichen Gesetzestreue
«Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen.»
Jesus wiederholt die Lehre, daß seine Jünger mehr und Besseres tun müssen als die Schriftgelehrten und Pharisäer. Was tun diese? Sie setzen ihre ganze Frömmigkeit in die Beobachtung äußerer Formen. Sie erfüllen alle Vorschriften, ohne in deren Geist einzudringen. Gott gefällt vor allem die Wahrheit; die Lüge verabscheut Er über alles. Und jeder Dienst Gottes, der nur in Äußerlichkeiten besteht, ist nichts anderes als eine Lüge Gott gegenüber. Ist es nicht Heuchelei und Lüge, Gott äußerlich zu dienen, während man innerlich seinen Götzen huldigt und seiner Selbstverherrlichung frönt? Man gibt sich äußerlich den Schein der Gerechtigkeit, der Liebe, der Demut und Sanftmut; im Innern aber ist man ungerecht, ehrsüchtig, selbstsüchtig, rachsüchtig und untreu gegen Gott. Unser göttlicher Meister bezeichnet eine solche Handlungsweise als verabscheuungswürdig. Du kannst nur dann sein Jünger sein, wenn du aufrichtig bist und wenn die Verehrung, die du Gott äußerlich bezeigst, von Herzen kommt, denn darauf sieht der Herr vor allem. Er will den ganzen Menschen, und der Mensch gibt sich dem ganz, dem er sein Herz schenkt. Täusche dich also nicht länger; zögere nicht, dich Gott von ganzem Herzen hinzugeben und Ihn so wahrhaft zu verehren!
Bedenke auch, daß jene, die sich dem Dienste Gottes geweiht haben, zu größerer Tugend verpflichtet sind als andere. Rufe dir alles, was du Gott gelobt hast in Erinnerung, angefangen bei deinen Taufgelübden bis zu den Versprechen, durch die du dich dem göttlichen Herzen Jesu und dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht hast. Du hast Gott so viel versprochen und du tust doch so wenig!
Und wie viele Gnaden hat Gott dir geschenkt; genug, daß du ein Heiliger werden könntest. Bemühe dich noch mehr, mit der Gnade Gottes gute Früchte der Heiligkeit zu bringen!



16.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

II Jesus ermutigt zur Treue gegen das Gesetz Gottes
«Glaubt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um sie aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Solange Himmel und Erde bestehen, wird kein Jota oder Häkchen vom Gesetze vergehen, bis alles erfüllt ist!»
Bete in Jesus den Vollender des Gesetzes an. Soeben hat Er die Pflicht seiner Jünger betont, sich durch ein mustergültiges Leben in den Augen aller auszuzeichnen. Aber nach welcher Regel sollen sie sich richten? Jesus sagt es uns: «Nach dem Gesetze Gottes.» Und Er fügt bei: «Ich bin gekommen, das Gesetz zu erfüllen.» Er ist in die Welt gekommen, um das Beispiel vollkommener Treue gegen das Gesetz zu geben. Bis zu welchem Grade will Er sich dem Gesetze unterwerfen? Bis zum Jota, d. h. bis zu den geringsten Einzelheiten, denn auch in ihnen offenbart sich die Oberhoheit Gottes. Die vollkommene Treue gegen das Gesetz Gottes ist der wesentliche Charakterzug eines Jüngers Christi. Nichts ist klein, wenn es mit dem Stempel des lautlichen Willens gezeichnet ist.
Worin besteht demnach die Freiheit der Kinder Gottes? Sie besteht darin, dass sie dem himmlischen Vater freiwillig die Beweise vollkommener Treue geben. Sie tun aus freier Wahl, was andere aus Zwang vollbringen. So kennzeichnet sich ihr kindliches Verhältnis zu Gott.
Verwirf mit Entschiedenheit jene falsche Ansicht, die unter Freiheit Unabhängigkeit von jedem Gesetz versteht. Wer ohne das Joch des Gesetzes leben will, erniedrigt sich /.um Sklaven der Sünde. Nur wer sich Gott aus ganzer Seele freiwillig unterwirft, gelangt zur wahren Freiheit.



15.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

I Jesus empfiehlt das Apostolat des guten Beispiels
«Ihr seid das Salz der Erde . Ihr seid das licht der Welt .So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist.»
Höre mit gläubiger Aufmerksamkeit auf die Worte des göttlichen Meisters. Öffne deine Seele dem Einfluss des Heiligen Geistes. Bitte diesen Geist der Weisheit und des Verstandes, dich die volle Wahrheit des göttlichen Wortes erkennen und verkosten zu lassen.
«Ihr seid das Salz der Erde», spricht Jesus. Er wendet sich an die Apostel und an Gläubige, welche die Nachfolge Christi ernst nehmen. Wir sollen durch unser Beispiel und unsere Gespräche in andern den Sinn für wahre Frömmigkeit wecken, ihren Eifer beleben und das Verlangen nach dem Guten in ihnen wachhalten. Wie das Salz bei der Gewinnung aus dem Wasser geschieden wird, so sollen auch die Gläubigen sich durch ihr christliches Leben von den Weltmenschen unterscheiden. Deine Tugendkraft ist jedoch sehr gefährdet. Wie das Salz seine Kraft verliert, wenn es wieder ins Wasser zurückkehrt, so wirst auch du die übernatürliche Kraft schnell verlieren, wenn du deinen Neigungen zum Weltlichen nachgibst. Bedenke, wie der Heiland warnt, dass das schale Salz zu nichts mehr nütze ist, sondern von den Menschen zertreten wird. Gib acht, dass du die Glaubenskraft nicht verlierst durch Untreue und Nachlässigkeit.
«Ihr seid das Licht der Welt.» Unsere Werke sollen den Nächsten belehren und erbauen. Wir sind unseren Mitmenschen gutes Beispiel schuldig. Jesus will, dass das Leben seiner Jünger die Verkörperung seiner Lehre sei. «Seid Apostel des guten Beispiels», sagt Er zu den Seinigen, «sonst seid ihr nur dem Namen nach meine Jünger. Euer bloßer Anblick soll genügen, um die Menschen zu Gott zu führen. Das Licht eures Beispiels soll die Gewissen erhellen, jedes Vorurteil verscheuchen und der Sache des Evangeliums zum Siege verhelfen. Das ist eure Berufung!»
So spricht Jesus. Wie steht es mit dir? Wie förderst du die Ehre Gottes? Wieviel Gutes tust du deinen Mitmenschen? Welches Beispiel gibst du deiner Umgebung? Reicht dein Anblick hin, um zur Tugend anzuspornen? Wieviel Seelen hast du schon für Gott gewonnen?



14.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

IV Jesus spricht sein Wehe über die falschen Freuden der Welt
«Aber weh euch, ihr Reichen! Ihr habt schon euren Trost. Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Ihr werdet trauern und weinen. Wehe euch, wenn alle Welt euch umschmeichelt! Ihre Väter haben es ja mit den falschen Propheten ebenso gemacht.»
«Wehe!» — Höre dieses Verwerfungsurteil des Heilandes. Er hat es so entschieden ausgesprochen, dass alle gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechter es verstehen können. Wehe! Der Sohn Gottes ist also in der Welt erschienen nicht allein zum Segen, sondern auch zum Fluch. In Ihm finden die einen das Leben, und durch Ihn finden die andern den Tod.
Höre aufmerksam, gegen wen der Herr seine Drohungen ausspricht. Sein Zorn richtet sich gegen den selbstsüchtigen Reichtum, den unvernünftigen Ehrgeiz, den Missbrauch der Vergnügungen, die Befriedigung der Wollust. Der Sohn Gottes will uns dem Himmel wieder zuführen. Wer aber hartnäckig an die Erde gefesselt bleiben will, der ist vom Himmel ausgeschlossen. Jesus ist erschienen, um den Menschen die Erkenntnis und Liebe Gottes zu bringen. Wer es vorzieht, seine Götzen weiter zu verehren, wird verworfen werden. Jesus will alle lehren, den eigenen Willen unter das Joch des Schöpfers zu beugen. Wer sich dagegen auflehnt und empört, geht verloren. Mit diesen Unbotmäßigen will der Heiland keine Gemeinschaft haben. Er zieht sich von ihnen zurück und wird sie einst dem himmlischen Vater zeigen mit den Worten: «Sie sollen nicht mit mir eingehen in das Reich, das Du mir bereitet hast. Sie gehören nicht zu den Meinigen; ich verwerfe sie!»
Denke über diese ernsten Warnungen nach. Du hast die Wahl zwischen den beiden Wegen, von denen Jesus hier spricht, und du mußt diese Wahl treffen. Betrachte die Reichtümer dieser Welt nicht als etwas Erstrebenswertes, sondern eher als eine Gefahr, weil sie so viele Versuchungen zum Bösen in sich tragen, zu dem du ja so sehr die Neigung in dir hast. Was musst du in Zukunft ändern, um dem furchtbaren Urteil der Verwerfung zu entgehen?



13.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
«Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich!»
Betrachte, was der Herr dir durch diese Worte zusichert! Es muß ein großes Glück sein, unschuldig leiden zu können, denn die Tugend wird gefestigt in Kampf und Verfolgung.
Jene, die Verfolgung leiden, obwohl sie Gutes getan haben, ahmen unseren Herrn und auch die heiligen Märtyrer nach, welche lieber Unrecht leiden als Böses tun wollten. Sie sind selig, denn sie beweisen eine ganz reine Liebe zu Gott, welche seine Segnungen herabruft. Du glaubst nicht an diese Wahrheit, solange du dich durch eine kleine Widerwärtigkeit von guten Werken abhalten lässt. Wäre es nicht besser, ein vorübergehendes Leiden geduldig auf dich zu nehmen, als einen Lohn zu verlieren, der ewig dauern wird? Bedenke, dass jene ein doppeltes Anrecht auf das himmlische Paradies haben, die Gutes getan und um des Sohnes Gottes willen Leiden erduldet haben. Der Heiland ruft ihnen zu: «Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch wider euch reden um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!»



12.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die siebente Seligpreisung:
«Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden!»
Die wahrhaft Friedfertigen sind jene, die Frieden stiften und ihn auch den Mitmenschen vermitteln, indem sie mit Klugheit helfen, den Frieden dort wieder herzustellen, wo er nicht ist. Der Friedfertige wird so zu einem Werkzeug des Heiligen Geistes, der alle Menschen durch ein heiliges Band vereinen will. Gib acht, dass du nicht zum Werkzeug des Teufels wirst, indem du Verwirrung und Uneinigkeit stiftest durch deine Worte oder durch dein Tun. Dies wäre keine geringe Sünde, denn Gott verabscheut sie mehr als viele andere Sünden.
Bedenke auch, dass die Friedfertigen wahrhaft Kinder Gottes sind, denn Gott ist der Urheber des Friedens. Nur Er kann den wahren Frieden verleihen, denn Er ist der unendliche Friede, und der Friede in uns ist die Frucht seiner liebenden Gegenwart in unserem Herzen. Entsage deshalb allem, was den Frieden in deinem Herzen stören könnte, und Gott wird dich als sein Kind lieben.



11.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die sechste Seligpreisung
«Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!»
Wie das Herz das Leben des ganzen Menschen bewegt, so verleiht es auch allen Handlungen die Reinheit, falls es selber rein ist. Erkenne hier die Ursache all deiner Unvollkommenheiten. Weil du zu wenig über dein Innerstes wachst, lassen auch deine äußeren Werke zu wünschen übrig. Deshalb bist du so oft unzufrieden.
Die Reinheit des Herzens besteht in einem vollkommenen Freisein von schlechten Anhänglichkeiten. Ein Herz ist rein, wenn es ganz vom Verlangen beseelt ist, in allem Gott zu gefallen und nichts zu lieben außer Gott und alles in Gott. In einem solchen Zustand kann das Herz durch nichts befleckt werden. Die Erhabenheit dieser Forderung soll dich nicht entmutigen, sondern anspornen, diese Gnade zu ersehnen. Mit der Hilfe Gottes ist die Reinheit des Herzens möglich; man muss nur sorgfältig über seine Gedanken und Wünsche wachen und alles Schädliche sofort abweisen.
Betrachte das große Glück dieser Reinheit, da sie die Anschauung Gottes verdient, nicht nur im Himmel, sondern auch schon in diesem Leben, durch das innere Gnadenlicht nämlich, welches uns Gott und sein Wirken schauen lässt in allen Dingen. Die Mühe, welche du hast bei der Betrachtung und in den geistlichen Übungen, zeigt, dass dein Herz noch nicht ganz rein ist. Gott offenbart sich denen nicht, die in ihrem Herzen nach irdischen Dingen und nach der Weltlust verlangen.



10.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die fünfte Seligpreisung
«Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!»
Betrachte das große Geschenk, das Jesus Christus mit diesen Worten jenen verheißt, die barmherzig sind. Alle wahre Freude des Menschen in dieser Welt und auch die Glückseligkeit im Himmel, alle Gnaden, die wir empfangen, und die Verherrlichung, die wir erhoffen, alles ist eine Frucht der göttlichen Barmherzigkeit. Mache dir bewusst, wie sehr du der göttlichen Barmherzigkeit bedarfst, denn ohne sie kannst du nichts erhoffen. Suche deshalb die Mittel zu ergreifen, welche dir diese erlangen können.
Bedenke, daß die göttliche Barmherzigkeit jenen verheißen ist, welche selbst Barmherzigkeit gegen ihre Mitmenschen üben. Sie besteht in einem inneren Mitfühlen mit dem Elend des Nächsten und in der tätigen Hilfe, die man ihm erweist. Dafür darf der Barmherzige von Gott als Belohnung zuversichtlich innere und äußere Gnaden und auch die göttliche Barmherzigkeit für sich erhoffen. Unser Herr Jesus Christus betrachtet nämlich das Gute, das wir dem Nächsten erweisen, als für Ihn getan. Bemühe dich, in deinem Mitmenschen Jesus zu sehen, so wirst du eine herzliche Liebe für ihn haben. Staune auch über die Güte des Sohnes Gottes, der dein Schuldner sein will für das wenige, das Er auf diese Weise von dir empfängt, obwohl du Ihm ja nie das vergelten kannst, was du Ihm schuldest.



09.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die vierte Seligpreisung
«Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden!»
Durst nach Gerechtigkeit bedeutet Durst nach der Tugend der Heiligkeit. Wie unglücklich wärest du, wenn du nicht diesen Durst hättest, denn das Verlangen nach Heiligkeit ist ein Zeichen der Auserwählung. Erwecke in deinem Herzen dieses Verlangen und betrachte alle andern Wünsche als zweitrangig, weil dem gerechten und tugendhaften Menschen nichts mangeln wird.
Bedenke auch, dass dieses Verlangen lebendig sein muss, da unser Herr es Hunger und Durst nennt. Es ist also ein dringendes Streben, das nicht nachlässt und sich nicht ablenken lässt, das im Gegenteil immer mehr wächst angesichts des ersehnten Zieles und alles daran setzt, dieses zu erreichen. Deine Trägheit und Nachlässigkeit sind ein Beweis, dass dieses Hungern und Dürsten in dir zu schwach ist. Du kennst anscheinend nicht den Wert dieser Tugend, welche dir mangelt und doch so notwendig wäre für dich.
Welch ein Glück empfindet der Mensch, wenn seine Wünsche erfüllt sind. Das Verlangen nach der Heiligkeit wird sicher erfüllt, wie es unser Herr durch sein Wort verheißt. Woran mag es liegen, dass du noch nicht vollkommen bist? Es kommt daher, dass du viele Dinge wünschest, nach denen du nicht verlangen solltest, und dass du zu wenig nach dem verlangst, das Gott dir schenken würde, wenn du es nur richtig ersehntest.



08.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die dritte Seligpreisung
«Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!»
Durch diese Worte belohnt unser Herr die Tränen des Herzens, besonders die Tränen der Liebe. Es können Tränen der Trauer sein über den Verlust eines lieben Menschen, über das schmerzliche Zusehen-Müssen, wenn Angehörige in Not geraten oder gar den Glauben verlieren. Eine Ursache unserer Tränen sollen auch die Sünden sein, die wir begangen haben. Selbst wenn sie schon vergeben, sind wir selig, wenn wir sie noch beweinen, denn wir zeigen so, dass wir Gott lieben.
Bedenke auch, dass die gläubigen Seelen oft weinen wegen der Sünden, die andere gegen Gott begehen, der aller Liebe würdig ist. Durch die Sünden wird Gott, das höchste Gut, beleidigt und die Seelen werden ins Elend verstrickt. Das war auch der Grund für die bitteren Tränen Jesu, den man öfters solche Tränen des Schmerzes, Tränen des Mitleids und der Liebe gegen die Sünder weinen sah. Wirf im Geiste einen Blick auf die vielen Sünden und Verbrechen, die man heute gegen Gott begeht. So wird die Liebe zu Gott und zum Nächsten auch dein Herz zu Tränen bewegen.



07.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die zweite Seligpreisung
«Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen!»
Die milde Güte der Sanftmut hat ihren Grund in der Unterwerfung des Herzens gegenüber den Anordnungen der göttlichen Vorsehung und im vollkommenen Gleichmut des Geistes bei Erfolg und Misserfolg. Dein unüberlegtes Reagieren, deine Ungeduld oder gar Heftigkeit sind der Sanftmut ganz entgegengesetzt. Diese Tugend bewirkt aber die Seligkeit, während dich ihr Mangel unglücklich macht!
Betrachte das Glück eines sanftmütigen Menschen. Seine Zufriedenheit ist nicht von andern abhängig, denn er beugt sich ganz dem Wirken Gottes. In der Beherrschung seiner Wünsche ist man im Besitz seiner selbst. Trete nicht aus dir heraus und suche nicht die Freude in äußeren Dingen, sondern unterwirf deinen Willen dem lieben Gott, der in deinem Herzen wohnt; dann wirst du alles haben, was dir zur Zufriedenheit notwendig ist.
Mache dir auch bewusst, dass das Besitzen des Landes, welches den Sanftmütigen verheißen ist, die geheimnisvolle Macht bezeichnet, welche man über die Herzen der Menschen gewinnt. Der göttliche Heiland hat die Welt durch seine milde Güte erobert. Durch dieselbe Tugend wird der Christ die Achtung und Liebe selbst seiner Feinde gewinnen und so wird er das Land der Lebendigen, den Himmel, besitzen. Der von Christus geforderte Friede mit deinen Mitmenschen, den du in deinem Herzen tragen sollst, ist die Voraussetzung zur Erlangung dieser Seligkeit.



06.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)


III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten1
1 Betrachtungsgedanken aus Meditations ascetiques, par le R.P. Joseph de Dreux, N.-D. du Pointet, F-03110 Broüt-Vernet.

Die erste Seligpreisung
«Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich!»
Unser Herr Jesus Christus beginnt seine große Predigt, indem Er die Seligkeit mit der Armut verbindet, obwohl die Welt die Armut als das größte Übel betrachtet. Wem von beiden wirst du glauben? Da die Worte des Heilands unfehlbar sind, glaube Ihm, daß die Armut seligmachend sein kann und dass Er in seiner Allmacht das bewirkt, was Er verspricht.
Bedenke, dass diese Seligkeit nur jenen verheißen ist, die im Geiste arm sind, die, um mit dem hl. Paulus zu sprechen, die Dinge benützen, als hätten sie sie nicht. Die Armut im Geiste ist ein inneres Glück, ein Herzensgut, das nicht von äußerem Besitz abhängt. Daher ist für diese Seligkeit die innere Losschälung von den Gütern dieser Welt gefordert. Der hl. Johannes vom Kreuz sagt: «Das bloße Entbehren der Dinge macht die Seele nicht frei, wenn die Anhänglichkeit das Ersehnte festhält. Nicht die Dinge dieser Welt nehmen die Seele ein und schädigen sie, denn sie dringen ja nicht in ihr Inneres, wohl aber das Verlangen und die Begierde nach ihnen, die in ihr wohnen.»
Im Zustand der inneren Losschälung von irdischen Gütern ist man glücklich, denn man lebt ohne Unruhe und Besorgnis, weil man sich ganz in der Vorsehung Gottes geborgen weiß. Man wird so durch nichts gehindert, Gott aus ganzem Herzen zu besitzen. Prüfe dich, ob du dich wirklich von deinem Besitz freimachen kannst. Beschäftigst du dich nicht zu sehr in deinen Gedanken und mit der Liebe deines Herzens mit den Dingen, die du besitzest? Auch wenn du nur wenig dein eigen nennst, dich aber an dieses wenige klammerst, wäre dies ein Hindernis für das göttliche Wirken und die Seligkeit in deinem Herzen.
Dabei ist zu beachten, dass Jesus von der Armut sprach und nicht von Not und Elend, denen wir wehren müssen. Auch hat Er mit der Armut im Geiste nicht eine geistige Beschränktheit angesprochen. Im Sinne Jesu betrachtet, erhält die Armut im Geiste eine Erhabenheit, die Zeichen der Auserwählten ist, jener, die sich entfernt haben von dem, was so oft die Ursache von Sünden ist. Durch ihre bereitwillige Armut üben sie heldenhafte Tugend. Wenn du nach dem Paradies verlangst, so schätze auch diese Losschälung hoch. Sie gibt ein Anrecht auf dieses erhabene Glück. Sind dir die Tugendkraft in dieser Welt und die Verherrlichung im ewigen Leben nicht mehr wert als alle Reichtümer dieser Welt? Nun, um jene zu erlangen, braucht es die geistige Armut, wie es unser Herr Jesus Christus lehrt. Sie führt uns zu jener Freiheit, die Er uns gebracht hat. Herr, schenke mir die Gnade, mich von den irdischen Gütern innerlich zu lösen und sie so zu benützen, dass ich die himmlischen nicht verliere.



05.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus lehrt, worin das wahre Glück auf Erden besteht
«Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen! Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden! Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden! Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden! Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse mit Unwahrheit wider euch reden um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!»
Diese Worte unseres Herrn sind voll göttlicher Weisheit. Jesus Christus verkündet hier sein neues Gesetz, das offensichtlich dem weltlichen Sinn des von der Erbsünde verblendeten Menschen widerspricht. Es ist die Belehrung über das neue Leben des erlösungsbedürftigen Menschen. Die Gnade Gottes allein kann dir das volle Verständnis dafür geben. Lies diese beseligenden Worte, betrachte und vertiefe sie in deinem Herzen und vor allem bete!
Zeige deine Bereitschaft, die Tugenden zu üben, an welche der Heiland die Verheißung der Seligkeit knüpft. Scheue vor den Opfern nicht zurück, sondern bringe sie der göttlichen Majestät freudig dar.



04.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus will alle Menschen glücklich machen
Da richtete Er seine Augen auf seine Jünger und sprach: «Selig.»1
Sammle dich zu Füßen des göttlichen Meisters. Nimm die Worte, die Jesus jetzt an die Menge richtet so auf, als seien sie für dich persönlich gesprochen. Bitte den Heiland, dass Er selbst deinen Geist dafür vorbereite, dich von jeder Selbsttäuschung befreie, jedes Vorurteil und alle falschen Begriffe in dir zerstöre.
Wie lautet das erste Wort der Bergpredigt? «Selig», sagt der Sohn Gottes. Er spricht also vom Glück und Er bringt es uns durch sein Evangelium. Sein ganzes Erlösungswerk hat zum Ziel, die Menschen zum wahren Glück zu führen. Wenn du das befolgst, was Er sie in der Bergpredigt lehrt, wirst du als Frucht innere Freude verspüren, die ein Unterpfand des himmlischen Glückes ist und uns schon auf Erden die ewige Seligkeit vorausverkosten lässt. Die Seligkeit dort zu suchen, wo sie nicht zu finden ist, wäre das größte Unglück im Leben. Jesus will einem solchen Irrtum zuvorkommen. Erkenne an, dass Er allein imstande ist, dir die ganze Wahrheit zu sagen, wie überraschend sie dir auch vorkommen mag.
1 Hier beginnt die Bergpredigt, die in den folgenden Kapiteln fortgesetzt wird bis zur Heilung des Aussätzigen. Nach dem hl. Lukas folgt diese Predigt sofort auf die Wahl der Apostel. Sie ist von größter Wichtigkeit; denn sie ist sozusagen die Verkündigung des neuen Gesetzes Christi. Der hl. Lukas gibt uns nur einen Auszug davon; der hl. Matthäus stellt sie in ihrer Gesamtheit dar.



03.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

III Jesus kehrt mit den Aposteln zum Volke zurück
Mit ihnen stieg Er hinab und machte auf einem ebenen Platze halt.1 Eine große Schar seiner Jünger und eine zahlreiche Menge Volkes aus ganz Judäa, Jerusalem und dem Küstenlande von Tyrus und Sidon war herbeigeströmt, um Ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
Jesus steigt mit seinen Aposteln vom Gipfel des Berges herab. Das Volk drängt sich zu ihrer Begrüßung heran, darunter viele Arme, Unwissende, Kranke und Sünder. In der großen Menschenschar finden sich auch Glückliche im Sinne der Welt und Gebildete, aber auch manche heilige Seelen. Jesus weist niemanden zurück, hält sich von keinem fern, denn alle bedürfen seiner. Sein Evangelium ist für alle ohne Ausnahme. Siehe, mit welch freudigem Eifer Er empfangen wird. Alles Volk suchte Ihn anzurühren; denn eine Kraft ging von Ihm aus und machte alle gesund. Seine Gegenwart ruft einen Freudensturm hervor: Freude über erwachendes, neues Leben, über erlangte Heilung, über die Vergebung der Sünden und über wiedererlangte Hoffnung; Freude, das Heil kennenzulernen und zu verstehen, zu finden und zu besitzen.
Nimm teil an dieser allgemeinen Freude. Da du nun ein Schüler des Sohnes Gottes bist, so vergiß alles eitle Wissen, das dich so lange getäuscht und irregeleitet hat. Öffne deine ganze Seele den Lehren der göttlichen Weisheit!
1 So übersetzen wir nach dem Text des hl. Lukas. Es handelt sich um eine tiefer gelegene Stelle des Berges, zu welcher Jesus herabstieg, nachdem Er auf dem Gipfel oder einem höher gelegenen Ort gebetet und seine Apostel erwählt hatte.



02.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

II Jesus erwählt seine Apostel
Und als es Tag geworden war, berief Er seine Jünger zu sich. Er bestellte zwölf.1 Sie sollten beständig bei Ihm sein, und Er wollte sie zum Predigen senden. Sie sollten auch Macht haben, Krankheiten zu heilen und die bösen Geister auszutreiben.
Jesus will den Grundstein zum Bau der Kirche legen. Wohne der Berufung der Apostel bei. Seine Wahl fällt auf solche, die gelehrige Werkzeuge in seiner Hand sein und ganz der Ehre ihres Meisters leben werden. Je geringer man in den eigenen Augen ist, desto würdiger ist man der Auserwählung. Warum solltest nicht auch du Verlangen nach solcher Auserwählung tragen? Alle sind zum Apostolat berufen, freilich nicht alle in derselben Weise und mit denselben Vollmachten. Aber von allen wird derselbe Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Mitmenschen gefordert. Um an dem Berufe der Apostel teilzunehmen, genügt es, herzliches Verlangen zu haben, andern die Wohltat des Evangeliums zu bringen und selbst aus den Lehren des Evangeliums Nutzen zu ziehen.
Nach der Wahl umringen die zwölf Apostel ihren göttlichen Meister. Betrachte sie einzeln; es waren Simon Petrus, Jakobus und Johannes, Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon aus Kana und Judas Thaddäus; auch Judas Iskariot, der Verräter, gehörte dazu. Siehe in ihnen deine Vorgänger als Apostel und verehre in ihnen die Stellvertreter des menschgewordenen Sohnes Gottes. Höre die ersten Unterweisungen, die sie empfangen. Gleich dir fühlen sie sich ungeschickt und unfähig, der hohen Berufung zu entsprechen, zu der sie erhoben worden sind. Indessen sind sie überzeugt, daß Gott niemanden ruft, ohne ihm die notwendigen Gnaden zu verleihen.
1 Es handelt sich um die endgültige Wahl der zwölf Apostel.



01.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

I Jesus zieht sich in die Einsamkeit zurück, um zu beten
Es geschah aber in jenen Tagen, daß Er hinausging auf den Berg1, um zu beten; und Er brachte die Nacht im Gebete mit Gott zu.
Gehe in frommer Sammlung zu deinem Meister. Entferne aus deinem Geiste jeden fremden Gedanken und verbanne aus deiner Seele jede Unruhe. Wichtige Dinge bereiten sich vor. Die Zeit der Verkündigung des neuen Gesetzes ist angebrochen.
Jesus leitet dieses große Ereignis durch Gebet und Sammlung ein. Er weiß wohl, wie sehr die Menschen seiner bedürfen; aber trotzdem zieht Er sich in die Einsamkeit zurück. Er entfernt sich von der Menge, um später mit um so größerer Frucht an den Seelen arbeiten zu können. Je mehr Arbeit und Unruhe der Tag bringen wird, desto größer ist die Notwendigkeit, das Gebet zu verlängern. Um Zeit zum Gebet zu finden, verzichtet Er auf den Schlaf und bringt die Nacht im Gebet zu.
Bewundere die Weisheit Jesu, die sich hierin offenbart. Der Apostel ist berufen, seinen Brüdern die Gnade zu vermitteln, sei es durch sein Wort, durch sein Beispiel oder durch die Ausübung seiner priesterlichen Gewalt. Jede Seele hat die Aufgabe erhalten, anderen Seelen Gutes zu tun, jede soll sich als Vermittlerin zwischen Gott und diesen Seelen betrachten. Wo anders als im Gebet wird sie erfahren, wie sie diese Aufgabe erfüllen kann? Kannst du dies nicht auf dich selbst anwenden? So besteige denn mit dem Heiland den Berg. Knie andächtig neben Ihm nieder und lausche seinem Gebet. Er redet mit dem himmlischen Vater von allen, die Ihm teuer sind und die Er unterrichten will. Höre, wie Er deinen Namen nennt. Auch für dich betet Er; auch dich will Er unterweisen und retten. Frohlocke in heiligem Vertrauen.
1 Nach den glaubwürdigsten Überlieferungen handelt es sich um den Berg der acht Seligkeiten, der in Galiläa, nicht weit von dem Westufer des Sees von Tiberias liegt, ungefähr zwei Stunden entfernt von der Stadt gleichen Namens. Der Gebirgszug erhebt sich ungefähr 250 Meter über mehrere Einschnitte und Täler, die sich nach Arbel und Tiberias zum See hin senken. Nach Süden hin überragt er um 60 Meter die hügelige Ebene, die sich nach dieser Seite erstreckt. Diese beiden Erhebungen sind durch eine 400 Schritt lange Einsenkung voneinander getrennt.



30.04.2019
69. Der Messias
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

II Die nach dem Heil verlangende Menge kommt zu Jesus
Eine große Volksmenge aus Galiläa folgte Ihm. Auch aus Judäa und Jerusalem, aus ldumäa, aus der Gegend jenseits des Jordan sowie von Tyrus und Sidon strömten die Leute auf die Kunde von all seinen Taten in großen Scharen Ihm zu.
Mische dich unter die glückliche Menge. Es sind gerade, einfache Seelen, nicht weltkluge Seelen, deren Verstand nicht durch die stolzen Vorurteile der Wissenschaft und des Ehrgeizes verdunkelt ist. Sie sind alle gewillt, sich überzeugen zu lassen durch ein Wort, einen Blick, eine Wohltat. Sie haben Hunger und Durst nach der Wahrheit und nach ihrem Heil. Sie hegen die Überzeugung, dass Gott ihr Verlangen erfüllen wird, ohne sie zu langen Forschungen zu zwingen. In Massen strömen sie herbei zum Heiland. Er wird sie nicht täuschen.
Woher kommen sie? Aus allen Gegenden; denn überall verlangt man sehnsüchtig nach einem Erlöser. Aus allen Kreisen der Gesellschaft eilen die Unglücklichen zum Sohne Gottes. Finde auch du dich unter den Volksscharen ein, die der Wahrheit des Evangeliums huldigen! Fort mit allem Zögern, allen Zweifeln, allem Misstrauen. Öffne dein Herz der Liebe des Gottessohnes, der zu uns herabgestiegen ist!
Vor deinen Augen siehst du Ihn in der heutigen Betrachtung in all dem Liebreiz, den die Propheten von Ihm vorhergesagt haben. Lies und betrachte immer wieder die Stelle aus Isaias, die der Evangelist hier anführt: «Siehe, das ist mein Knecht, den ich auserkoren. Mein Liebling, an dem sich mein Herz erfreut. Ich will meinen Geist auf ihn legen. Und er wird unter den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht lärmen. Niemand soll auf den Gassen seine Stimme hören. Das geknickte Rohr wird er nicht brechen und den glimmenden Docht nicht löschen, bis er das Recht zum Siege geführt. Auf seinen Namen harren die Völker.» Das ist das Bild des Sohnes Gottes, deines Erlösers. Was hast du Ihm zu sagen, was Ihm zu opfern, worum Ihn zu bitten? Wirst du Ihn nun endlich so lieben, wie Er verdient, geliebt zu werden?



29.04.2019
69. Der Messias
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

I Jesus entzieht sich der Wut seiner Feinde
Auf der Stelle gingen die Pharisäer hinaus und berieten sich mit den Anhängern des Herodes wider Ihn, wie sie Ihn verderben könnten. Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück.
Die Feinde Jesu beschließen seinen Tod. Das ist der Lohn für seine Wohltaten. Durch die Arbeit zur Ehre Gottes macht man sich oft Feinde unter den Menschen. Bei der Nachricht von den Anschlägen seiner Widersacher zieht sich Jesus zurück. Er könnte sich ihnen ausliefern; aber Er tut es nicht. Seine Stunde ist noch nicht gekommen. Er möchte uns noch mehr Beweise seiner Liebe geben. Er hat uns noch nicht all das Gute erwiesen, wozu es Ihn drängte. Noch hat Er die falsche Frömmigkeit nicht hinreichend verurteilt, den Eifer der gottliebenden Seelen noch nicht genügend entfacht. Freue dich, Jesus bleibt bei dir. Seine Feinde werden Ihn dir niemals entreißen können, wenn du Ihm treu bleibst.
Folge Jesus! Er entfernt sich von jenen, die nichts von Ihm wissen wollen, um sich denen, die Ihn mit Liebe und Eifer aufnehmen, desto mehr zu widmen.



28.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

III Jesus heilt den Kranken
Jesus schaute sie alle ringsum an und sprach dann zu dem Manne: «Streck deine Hand aus!» Er tat es, und seine Hand ward wiederhergestellt.
Der Unglaube schlägt dem Herzen Jesu eine tiefe Wunde; aber dieser Schmerz hindert Ihn nicht, sich gütig gegen die Seinigen zu erweisen. Er hofft, dass ihr Eifer Ihm diese Bitterkeit mildern werde. «Strecke deine Hand aus», spricht Jesus zu dem Kranken. «Vermöge meiner Allmacht gebe ich dir Leben und Bewegung wieder; kehre zu deiner Arbeit zurück!»
Wende diese Worte auf dein geistliches Leben an. Es gibt Vorsätze, die du nicht zu fassen, es gibt Schritte, die du nicht zu unternehmen wagst. Du batest um Belebung deines Eifers. «Strecke deine Hand aus. Schüttle alle Schläfrigkeit ab und begib dich ans Werk!» spricht der Heiland zu dir. «Ich bedarf all deiner Kräfte, um am Heile der Seelen zu arbeiten. Was immer auch deinen Eifer lähmt, sei es menschliche Rücksicht, sei es Furcht vor dem Leiden, erinnere dich an das, was ich gelitten habe. Stütze dich auf mich, um nie mehr zu wanken!» Hörst du diese Sprache deines Meisters? Was willst du antworten, was willst du tun?



27.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

II Jesus rechtfertigt seine Handlungsweise bevor Er den Kranken heilt
Doch Er kannte ihre Gedanken und sprach zu dem Manne mit der verdorrten Hand: «Steh auf und stelle dich in die Mittel» Er stand auf und stellte sich hin.
Der Herr ruft den Kranken zu sich. «Stehe auf» , befiehlt Er ihm zuerst. Die Quelle der göttlichen Freigebigkeit ist zwar unerschöpflich; aber nur im geeigneten Augenblick lässt Gott die ersehnten Gnaden daraus hervorströmen. Wird der Heiland den Unglücklichen, der heute seiner Hilfe bedarf, auf eine spätere Zeit vertrösten?
Erfreue dich an dem erhebenden Beispiel, das sich dir bietet. Jesus erklärt laut, dass Er alle Tage bereit ist, seine Wohltaten zu spenden. Hierauf fragt Er die Pharisäer: «Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses, ein Leben retten oder umkommen lassen?» Man wirft Ihm vor, dass Er den Sabbat breche. Er antwortet, dass das Gesetz keineswegs untersagt, Gutes zu tun, andern Dienste zu erweisen und den Leidenden allzeit beizustehen. So spricht der Heiland, und Er wird sein Wort durch die Tat bestätigen. Der Kranke nähert sich Jesus mit den Gesinnungen tiefen Glaubens und frommen Vertrauens. Er glaubt an die höchste Weisheit des Erlösers und vertraut auf seine allmächtige Güte. Er ist seiner Heilung gewiss. Vereinige deine Bitten mit den seinen. Erflehe vom Heiland für dich und alle, die dessen bedürfen, die Gnade des Eifers. Entdecke Ihm alles, was dein übernatürliches Leben hemmt und am Aufblühen hindert, zeige Ihm die ganze Dürre deiner Seele und bekenne Ihm alle deine Schwächen.



26.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

I Die Begegnung Jesu mit dem Kranken
An einem andern Sabbat ging Er in die Synagoge und lehrte. Dort war ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und Pharisäer gaben acht, ob Er am Sabbat heile, um einen Grund zu einer Anklage gegen Ihn zu finden.
Betritt mit Jesus die Synagoge des Ortes, wo Er soeben angekommen ist. Er setzt seinen Heilsunterricht fort; es liegt nun an dir, Nutzen daraus zu ziehen. In der Synagoge befindet sich ein armer Kranker. Glücklich die Seele, die sich durch Elend und Trostlosigkeit nicht abhalten läßt, zu Jesus zu gehen.
Der Kranke hat eine gelähmte Hand. Er ist unfähig zu äußerer Tätigkeit, denn es fehlt ihm der Gebrauch des Gliedes, dessen man dazu am meisten bedarf. Ist meine Seele nicht von einem ähnlichen Übel befallen? Das Werkzeug, dessen ich mich vorzugsweise bediene, die Mittel, die mir gewöhnlich die Übung der Tugend und Frömmigkeit erleichtern, versagen. Alles, was ehedem meiner Seele zu einer innigen Andacht verhalf, ist plötzlich wirkungslos geworden. Scheint dir dein geistliches Leben nicht unfruchtbar? Mit welchem Eifer arbeitest du an deiner Vervollkommnung? Forsche nach den Ursachen deiner Lauheit und überlege mit Gott, welche Heilmittel du anwenden sollst.



25.04.2019
67. Die Apostel pflücken am Sabbat Ähren
(Mk 2, Mt 12, Lk 6)

II Jesus verteidigt seine Apostel gegen die Anklagen der Pharisäer
Als aber die Pharisäer das sahen, sprachen sie zu Ihm: «Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat verboten ist.»
Höre, wie die Pharisäer die Jünger beschuldigen. Welche Rechtfertigung stellt der Heiland ihrer Anklage gegenüber? Er macht den Pharisäern klar, dass die Jünger nur aus Notwendigkeit so handeln und dass sie durch die Gutheißung ihres Meisters rechtmäßig vom pharisäischen Sabbatgesetz entbunden sind. Auf diese Weise befreit Er sie von den überstrengen Gesetzesauslegungen, welche das Gewissen irreführt.
Jesus fährt fort: « Verständet ihr doch das Wort: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer, so hättet ihr Schuldlose nicht verurteilt.» Es widerspricht also dem Geiste des Evangeliums, auf den bloßen Schein hin harte Urteile zu fällen und voreilig von einer Handlung, deren Beweggründe und nähere Umstände man nicht kennt, Böses zu argwöhnen. In der Schule Jesu sind freventliche Urteile unerlaubt. Ein Vorgehen wie das der Pharisäer verbietet Jesus den Seinen. Erforsche dein Gewissen! Hast du keine Neigung zu diesem Fehler? Fällst du nicht leicht auf den äußeren Schein hin lieblose Urteile über deinen Nächsten? Mache dir die Ermahnung Jesu zunutze. Wer sich des Urteilens über andere enthält, vollbringt einen Akt der Liebe, und Jesus selbst belehrt dich, dass ein solches Werk den äußeren Übungen der Frömmigkeit vorzuziehen ist. «Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer», spricht Jesus. Die Meinigen sollen untereinander gütig und liebevoll sein. Durch Nachsicht und Milde im Urteil bringen sie dem himmlischen Vater ein vorzügliches Opfer dar, den Weihrauch der wahren Anbetung. Betrachte diese Worte und beherzige diese Lehre Jesu.



24.04.2019
67. Die Apostel pflücken am Sabbat Ähren
(Mk 2, Mt 12, Lk 6)

I Jesus lässt seine Apostel die Armut üben
Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger aber waren hungrig, rupften Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen davon.
Finde dich bei Jesus und seinen Jüngern in der Ebene Galiläas ein. In den einfachen Begebenheiten, die der Evangelist hier anführt, sind nützliche Lehren für dich enthalten. Siehe, wie die Apostel sich ihre Nahrung selbst bereiten. Der Meister, dem sie folgen, ist der König des Weltalls. Er könnte ihnen reichlich von den Schätzen der Erde mitteilen, und doch sorgt Er nur auf die notdürftigste Weise für ihre leiblichen Bedürfnisse. Jesus zeigt dir hierdurch, dass du in seiner Nachfolge in die Schule der evangelischen Armut eingetreten bist. Wer sich noch um irdisches Wohlsein sorgt, nachdem er sich einem solchen Meister ergeben hat, beweist, dass er noch lange nicht das Ziel erfasst hat, das Jesus bei den Seinigen erreichen will.
Geselle dich den Aposteln zu und erbitte dir von ihnen deinen Anteil an diesem Brote der Armen. Nähere dich Jesus, und im vertrauten Umgang mit Ihm wirst du es sicher schmackhaft finden.



23.04.2019
66. Die göttliche Sendung Jesu
(Joh 5)

II Jesus bezeichnet seinen Widersachern die Gründe ihres Unglaubens
«Weiß ich doch von euch, dass ihr keine Liebe zu Gott in euch habt... Wie könnt ihr zum Glauben kommen, da ihr voneinander geehrt sein wollt, aber nicht die Ehre von dem einen Gott sucht?»
Erwäge aufmerksam den berechtigten Vorwurf, den Jesus seinen Zuhörern macht. Seine Worte haben sie nicht überzeugt und auch seine Werke haben sie nicht für den Glauben gewonnen. Woher dieser hartnäckige Unglaube? Jesus sagt es ihnen. Wenn du den Tadel verstehst, den er an sie richtet, wird dir auch die Ursache deines eigenen schwachen Glaubens klar werden.
«Ihr liebt Gott nicht.» Ein Herz, das gegen Gott gleichgültig ist, ist notwendigerweise ungläubig. Um zu glauben, muss man lieben. Heißt glauben nicht, einer Lehre beistimmen und der Person, welche sie verkündet, anhangen? Der Gläubige zieht also diese Person und ihre Lehre andern vor. Dazu reicht aber die Vernunft nicht aus, das Herz muss daran teilhaben. Ich muss zuerst lieben, um wirklich zu glauben. Liebe ich aber die Geschöpfe übermäßig, wie werde ich da allzeit auf der Seite Gottes stehen? Rührt die Verfinsterung des Verstandes nicht von den ungeordneten Neigungen des Herzens her? Das ist der Fall bei den Zuhörern Jesu. Die Liebe zu Gott ist bei ihnen erkaltet durch das ungeordnete Streben nach irdischen Gütern und durch das Verlangen nach eitler Ehre. Diese Menschen sind von sich selbst eingenommen und ziehen sich Gott vor. Deshalb werden sie in ihrem Unglauben verharren.
Bedauere alle, die ihnen gleichen. Bete für sie! Bitte Gott, Er möge vor ihren Augen die Wolken des Stolzes zerstreuen, die das Licht des Evangeliums verdunkeln. Lass dich selbst entflammen für die Wahrheit.



22.04.2019

66. Die göttliche Sendung Jesu
(Joh 5)

I Jesus beweist den ungläubigen Juden seine göttliche Sendung
« Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt.»
Nimm wieder deinen Platz in dem Kreis um den göttlichen Meister ein. Er will seine Zuhörer bewegen, sich Ihm gläubig anzuvertrauen und ihr zukünftiges Los in seine Hände zu legen. Nur zu ihrem Heile will Er sie aufklären. Wie geht Er dabei vor? Zuerst beruft Er sich auf das Zeugnis anderer. «Was hat man euch von mir gesagt?»
Hat Johannes der Täufer nicht gesagt: «Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt?» Ich bin das Opferlamm für die Sünden; warum wollt ihr nicht durch mich versöhnt werden? Hat mein himmlischer Vater nicht laut verkündet: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn?» Ich bin von Ihm gesandt, warum nehmt ihr mein Wort nicht an? Habt ihr nicht in der Schrift gelesen, dass es ohne den verheißenen Erlöser keine Hoffnung des ewigen Lebens gibt? Ich bin euer Erlöser; warum verschmäht ihr das Leben, das ich euch bringe? Was habt ihr mir vorzuwerfen? Etwa meine Geburt? Ist es euch nicht genug, dass Ich durch sie wie einer von euch geworden bin? Missfällt euch meine Lebensweise? Ich wählte sie, um mich zu euresgleichen zu machen. Könnt ihr die Kraft meiner Ermahnungen oder die Strenge meines Tadels nicht ertragen? Bedenkt, dass beides notwendig ist, um euren fruchtlosen Erörterungen ein Ende zu machen und euch den drohenden Gefahren zu entreißen.
So spricht Jesus; betrachte seine Worte! Sie sind die Wahrheit selbst, und er fordert von dir, dass du der Wahrheit Glauben schenkst und sie in deiner Umgebung verkündest.



21.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

III Beim Gericht wird Jesus jedem nach seinen Werken vergelten
«Wundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, da alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Dann werden die, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens herauskommen, die Böses getan haben, zur Auferstehung für das Gericht.»
Vergegenwärtige dir im Geiste das letzte Gericht. Wie wird Jesus als Richter auftreten? Beachte jedes seiner Worte. Trotz seines innigen Wunsches, uns zu retten, kann Ihn seine Gerechtigkeit zwingen, uns zu verdammen. Jesus Christus, der Gottmensch, wird das Urteil verkünden, das die göttliche Gerechtigkeit gefällt hat. Jede Klage, jede Hoffnung auf Widerruf ist somit ausgeschlossen; der Urteilsspruch des Gottessohnes läßt sich nicht rückgängig machen. Ist einmal das Buch des Lebens dir verschlossen, so wird kein Erlöser es wieder öffnen. Wie würde heute der Urteilsspruch über dich lauten? Erforsche dein Leben. An deinen Werken wird dich Jesus erkennen, wie auch du Ihn an seinen Werken erkannt hast. Haben deine Werke Wert für das ewige Leben vor dem Auge des allheiligen Gottes?



20.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

II Jesus hat Gewalt, die Toten zu erwecken
«Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde, ja sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die auf sie hören, werden leben.»
Den Worten Jesu zufolge sterben wir nicht auf immer. Der Tod ist nur ein Schlaf, das Grab ist die Wiege eines neuen Lebens, wie der Heiland uns bezeugt. Danke Ihm dafür und überlasse Ihm alle Sorge für die Zukunft.
Warum noch den Anblick des Grabes fürchten und dem Gedanken an das Los, das unser dort harrt, ausweichen? Im Grabe werden wir zwar der Vergessenheit anheimfallen, und es wird nichts von uns übrig bleiben als eine Handvoll Staub, aber dieser Staub ist ein Same für die Ewigkeit. Unsere Toten schlafen in Erwartung der Auferstehung. Zu ihren Häuptern wacht die göttliche Güte. Der Sohn Gottes hat versprochen, sie einst wieder zu erwecken. Belebe deinen Glauben, denn der Augenblick der Auferstehung wird kommen. Da Jesus es verheißen hat und da Er die Macht besitzt, seine Verheißung zu erfüllen, warum sollen wir nicht im Vertrauen auf Ihn leben? Was kann Gott leichter sein als die Auferweckung der Toten? Ihm genügt ein Wort, ein gebietender Ruf, und das Leben kehrt zurück. Die Toten werden dieses Wort vernehmen, und deine Lieben werden gleich dir auferstehen. Lege deshalb alle Furcht ab, trockne deine Tränen und schließe dich deinem Heiland vertrauensvoll an.



19.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

I Jesus erklärt sich als höchsten Richter aller Menschen
«Auch richtet der Vater niemand; er hat vielmehr das Gericht ganz dem Sohne übertragen. Alle sollen den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.»
Fahre fort, deinem göttlichen Meister zuzuhören. Er bezeugt von sich, daß Er alle Gewalt zu richten empfangen hat. Der himmlische Vater hat also den Menschen Denjenigen zum Richter gegeben, Der ihr Erlöser war. So liegt dein ewiges Los in den Händen Dessen, Der um den Preis seines Blutes sich das Recht erworben hat, dir den Himmel zu öffnen. Fasse Vertrauen! Wenn du seinen Willen erfüllst, wirst du gerettet werden.
Welche Bedingungen sind uns gestellt, um zum ewigen Leben und zur glorreichen Auferstehung zu gelangen? Unser himmlischer Vater fordert nur, dass wir dem Worte seines Sohnes glauben und Ihn mit Ehrfurcht aufnehmen. Kann man weniger verlangen? Knie vor deinem Herrn und Heiland nieder. Er ist der König der Könige. Beuge dich in Demut vor seiner Hoheit.



18.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

III Jesus bezeugt, dass seine Macht der des Vaters gleich ist
Jesus entgegnete ihnen: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts aus sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater vollbringen sieht. Was dieser wirkt, das wirkt in gleicher Weise auch der Sohn.»
Jesus ist der Allmächtige. Wort und Tat sind bei Ihm eins. Durch seinen Willen erweckt Er zum Leben. In Ihm und durch Ihn vermagst auch du alles. Um uns Vertrauen auf Ihn einzuflößen, weist der Heiland durch seine Werke auf seinen Ursprung hin. In diesen Werken sollen wir die Heiligkeit, die Wahrheit, die Weisheit und Güte Gottes erstrahlen sehen. Wenn Jesus spricht, sagt dir der Glaube, spricht Gott; wenn Er verzeiht, vergibt Gott; wenn Er dich ruft, ruft Gott. Er hat Macht über Leben und Tod.
Werde sein eifriger Schüler. Empfiehl dich seinem Schutze und vereinige dein Leben mit dem seinigen. Der Menschensohn kann alles, was Er will, weil sein Vater Ihn liebt. So liebe auch du Ihn aus ganzer Seele, und Er wird alles tun, was dir zum Heile dient.



17.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

II Jesus rechtfertigt sich gegenüber den Anschuldigungen der Juden
Deshalb trachteten Ihm die Juden erst recht nach dem Leben, weil Er nicht bloß den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und damit sich Gott gleichstellte.
Jesus ist der Sohn Gottes und gibt sich als solchen zu erkennen. Er hält diese Aussage aufrecht ungeachtet aller Verfolgungen, die sie gegen Ihn heraufbeschwört. Die Menschen sollen wissen, welche Ehre ihnen durch die Menschwerdung des Gottessohnes zuteil geworden ist und wer derjenige ist, dem sie ihr Heil verdanken. Mein Erlöser ist der Sohn Gottes. In Ihm und durch Ihn gelange ich zur Kenntnis meines gütigen Schöpfers, der stets zu meinem Heile tätig ist, mich unaufhörlich segnet und zu meinen Gunsten Wunder wirkt. Seine Hände, sein Wort, sein Herz sind Werkzeuge der Gottheit, um mir Gutes zu tun. Wirf dich vor dem Sohn Gottes nieder und bete Ihn an, wie du den anbetest, der Ihn gesandt hat. Der Sohn Gottes hat die Güte, Allmacht und das Leben des Vaters nicht in seiner Eigenschaft als Mittler, sondern als der ewig Gezeugte Logos. Du findest also den Vater in dem Sohne.
Rufe dir die Werke des Sohnes ins Gedächtnis und erblicke darin die Tätigkeit und die Liebe des himmlischen Vaters. Lerne durch die Wohltaten, die dir durch den Sohn zuteil werden, aufsteigen zu Gott, der Quelle alles Lebens. Ist dir diese Art der Verehrung des Vaters bekannt und geläufig? Bringt dir das Wirken des Sohnes allzeit die Tätigkeit des Vaters in Erinnerung? Erkennst du deinen himmlischen Vater in jeder Lossprechung, in jeder heiligen Kommunion und in den unscheinbaren Gnaden, die Er dir durch seinen Sohn vom Himmel sendet? Erwecke Akte der Liebe und Anbetung gegen deinen Vater, den du durch Jesus erkennst.



16.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

I Der unermüdliche Eifer Jesu in seiner Sendung
Jesus aber antwortete ihnen: «Mein Vater wirkt bis zur Stunde, und so wirke auch ich.»
Eile zum Tempel, wo der göttliche Meister dich bereits erwartet. Bitte Ihn, dass Er selbst deinen Geist sammle und dich seine Worte verstehen lehre.
Er wird dir erklären, dass sein Entschluss, für uns zu arbeiten und uns Gutes zu erweisen, nicht ein gelegentliches, vorübergehendes Wollen ist, sondern ein dauerndes. Er ist zu jeder Stunde und in jeder Lage zu unserer Hilfe bereit. Er weiß, dass wir unaufhörlich seiner bedürfen, und deswegen versichert Er uns, dass seine Vorsehung beständig über uns wacht. Du kannst dich also ruhig Ihm überlassen. Seine Liebe wird dir niemals fehlen. Unter allen Geschöpfen auf Erden ist der Mensch der vorzüglichste Gegenstand der göttlichen Fürsorge. Jesus wird nie müde, sich mit dir zu beschäftigen. Bist auch du davon durchdrungen? Welche Aufmerksamkeit widmest du dieser göttlichen Führung, die sich so barmherzig in deinem Leben offenbart? Wie entsprichst du ihr? Was hast du zu tun, um in Zukunft dieses Wirken klarer zu erkennen und den göttlichen Anregungen treuer zu folgen?



15.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

III Jesus heilt den Kranken und ermahnt ihn zur treuen Mitwirkung mit der Gnade
Da sprach Jesus zu ihm: «Steh auf, nimm dein Bett und geh umher!» Sogleich ward der Mann gesund, nahm sein Bett und ging umher. Es war aber Sabbat an jenem Tage.
Sieh, wie sich die Heilung des Kranken vollzieht. Der Kranke will genesen und ist bereit, alle Mittel zu gebrauchen, die ihm angegeben werden. Sein Wille ist in der Krankheit erstarkt, nichts scheint ihm unmöglich, das genügt dem Erlöser. Jesus findet guten Willen, mehr braucht Er nicht. Seine Allmacht wird das Übrige tun.
«Steh auf!» befiehlt Er ihm, «stehe auf und wandle! Du ersehntest das Ende deiner Leiden, du begehrtest einen Erlöser. Dein Gebet ist erhört. Ich bin vom Himmel gekommen, um dir zu helfen!»
Und der Kranke stand auf und ging. — Wohin geht er? Zum Tempel. Weshalb? Um Gott für die empfangene Wohltat zu danken und Ihm zu versprechen, einen guten Gebrauch davon zu machen. Er ist sich bewußt, dass er durch den Gnadenerweis des Himmels zum Schuldner Gottes geworden ist. Wie soll er seine Schuld abtragen? Jesus, dem er im Tempel begegnet, belehrt ihn darüber. «Fliehe die Sünde!» spricht der Herr. «Suche dich durch großmütige Treue gegen das göttliche Gesetz auszuzeichnen. Das ist alles, was Gott von dir verlangt.» — Bedenke, was du selbst von Gott empfangen hast, und erwäge, was Er von dir als Gegengabe erwartet.



14.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

II Jesus erblickt den verlassenen Kranken und bietet ihm die Heilung an
Da lag nun ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn daliegen sah und erfuhr, dass er schon lange Zeit sein Leiden hatte, fragte Er ihn: «Möchtest du gesund werden?» Der Kranke antwortete: «Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich hinabbringt, wenn das Wasser aufwallt. Bis ich komme, steigt schon ein anderer vor mir hinab.»
Welches sind die Bevorzugten des Herzens Jesu? Bei diesem Wunder kannst du es erfahren. Jesus erweist sich als Freund der Verlassenen. Er findet sich mit Vorliebe bei denen ein, die von den Menschen nichts mehr zu erwarten haben.
Siehe, wie Er sich zu dem elenden Lager niederbeugt, auf dem der Kranke schon seit Jahren die heftigsten Schmerzen in gänzlicher Verlassenheit erduldet hat. «Willst du gesund werden?» fragt Jesus den Kranken. «Willst du den freien Gebrauch deiner Glieder wiedererlangen und von deiner langjährigen Schwäche befreit werden? Ich will dir dazu verhelfen.»
Willst du? — Beachte wohl, zur Heilung ist also das Wollen notwendig. Jesus bietet Heilmittel an; du musst sie aber benützen wollen. Er schreibt Verhaltungsmaßregeln vor; du musst sie beobachten wollen. Er heilt nur diejenigen, die geheilt werden wollen, und Er führt nur diejenigen in den Himmel ein, die in den Himmel kommen wollen.
Vernimm die traurige Antwort des Kranken: «Ich habe niemanden. — Ich will, aber ich kann nicht. Ich kenne mein Übel, ich leide darunter, aber ich weiß mir nicht zu helfen.» In der Tat bedürfen alle, die guten Willens sind, eines Führers, einer Stütze. Eine Seele ohne Leitung bleibt im geistlichen Leben zurück. Der arme Kranke kam jedes Mal zu spät zum heilenden Wasser. Verstehst du die Notwendigkeit dieser Hilfe? Beraubst du dich derselben nicht durch eigene Schuld?



13.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

I Jesus kommt nach Jerusalem und begibt sich zum Teich Bethesda
Danach war ein Fest der Juden,1 und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. In Jerusalem liegt am Schaftor ein Teich 2 mit fünf Hallen, der auf hebräisch Bethesda heißt. In diesen lag eine große Menge von Kranken, Blinden, Lahmen und Abgezehrten. Sie warteten auf die Wallung des Wassers.
Ziehe mit dem göttlichen Meister in die heilige Stadt ein und folge Ihm zum Teich Bethesda.3 Welche Gedanken mögen Ihn beschäftigen, welche Pläne mag Er entwerfen? Suche in seine Gedanken einzudringen, indem du beobachtest, was vor deinen Augen geschieht.
Siehe die Menge von Leidenden, welche die Hoffnung auf Genesung hierher geführt hat und in der Nähe des heilbringenden Wassers zurückhält. Ihre Gebrechen sind so recht ein Bild von dem Elend der gefallenen Menschheit. Alle menschliche Armseligkeit ruft zu Gott um Erbarmen. Der Sohn Gottes hat diesen Ruf gehört. Die Sünder sollen ein Mittel finden, die Gesundheit ihrer Seele wiederzuerlangen; Jesus bringt es ihnen. Was die göttliche Barmherzigkeit im Alten Bund nur angedeutet hat, bringt der Heiland zur Vollendung. Er schenkt uns immer von neuem die Gnade der Versöhnung. Danke deinem himmlischen Vater dafür und suche alle, die an der Seele krank und in den Banden der Sünde verstrickt sind, dieser Gnade teilhaftig zu machen.
1 Es war dies wahrscheinlich das Osterfest, das zweite während des öffentlichen Lebens Jesu. Wir sind also Ende März, Anfang April im 28. Jahre nach Christi Geburt.
2 Der Schafteich war nahe beim Tempel. Er ist jetzt zu Dreiviertel ausgefüllt.
3 An seiner Westseite bemerkt man noch heute zwei lange, gleichlaufende gewölbte Gänge; aber sie sind zum Teil verbaut, so daß sie nur in einer Länge von etwa fünfzig Schritt benutzbar sind.



12.04.2019

62. Die Heilung des Taubstummen
(Mt 9)

I Jesus heilt den Taubstummen
Als sie weggegangen waren, brachte man Ihm einen Stummen, der vom Teufel besessen war. Sobald der Teufel ausgetrieben war, konnte der Stumme reden.
Wunder häuft sich auf Wunder. Verweile andächtig beim Heiland. Beobachte den Taubstummen, den man Ihm zuführt. Hast du wohl schon nachgedacht über den traurigen Zustand einer Seele, die weder mit Gott noch von Gott reden kann? Bist nicht auch du von diesem Übel befallen? Bleibt dein Herz nicht stumm, wenn sich dir Gelegenheit bietet, dich im Dienst Gottes auszuzeichnen, die Ehre seines Namens zu verkünden oder seine heilige Kirche und ihre Diener zu verteidigen? Halten dich dann nicht Gleichgültigkeit, Trägheit, menschliche Rücksichten und andere Fesseln der Menschenfurcht in einem wenig ehrenvollen Schweigen gefangen? Ist der Stumme nicht dein Bild?
Wo ist ein Retter aus diesem unheilvollen Zustand? Er steht vor dir, es ist das menschgewordene Wort; das ewige Wort des Vaters. Ihm allein ist es möglich, den Stummen den Gebrauch der Sprache wiederzugeben, die Zunge zu lösen zum Lob Gottes und den bösen Geist zu vertreiben. Gib Ihm die Ehre, die Er deswegen verdient. Bring Ihm deine Huldigung dar und überlass dich rückhaltlos seinem allmächtigen Wirken.
Und der Stumme redete. Was mag sein erstes Wort gewesen sein? Sei aufmerksam und dringe möglichst tief in den kurzen Wortlaut des Evangeliums ein. Der Stumme wird zuerst mit lauter Stimme seinen Dank für die erhaltene Wohltat ausgesprochen und das Lob dessen verkündet haben, dem Er die Sprache verdankte. Nimm dir nach seinem Beispiel vor, nichts mehr zu sagen, was nicht zur Ehre dessen gereicht, von dem du alles empfangen hast und der dich geschaffen hat, damit du mit Wort und Tat sein Lob verkündest.

II Jesus wird von der Menge gepriesen
Voll Verwunderung rief das Volk: «Noch nie ist so etwas geschehen in Israel!» Die Pharisäer aber sagten: «Im Bunde mit dem Anführer der Teufel treibt Er die Teufel aus!»
Versetze dich in die rechte Stimmung, um aus der Betrachtung dieses Wunders großen Nutzen zu schöpfen! Warum gibt Jesus den Stummen die Sprache, den Blinden das Augenlicht wieder? Warum schlägt Er die Teufel in die Flucht? Er will uns für den Glauben an sein Evangelium gewinnen und uns bewegen, uns seiner Führung anzuvertrauen. Den einfachen, geraden Seelen ist der göttliche Stempel seiner Werke leicht erkenntlich und sie rufen laut aus: «Noch nie haben wir Ähnliches erlebt, nie so viel wohltuende Liebe sich offenbaren sehen! Ehre und Preis der göttlichen Güte!» Gehörst du auch zu diesen schlichten Seelen?


11.04.2019

61. Die Heilung der beiden Blinden
(Mt 9)

II Jesus prüft den Glauben der beiden Blinden
Kaum war Er nach Hause gekommen, da traten die Blinden zu Ihm heran. Jesus fragte sie: «Glaubt ihr, dass Ich das vermag?» Sie antworteten Ihm: «Ja, Herr.»
Folge mit den beiden Blinden Jesus in das Haus. Knie zu seinen Füßen nieder. «Glaubt ihr an Mich?» fragt Er die beiden Blinden. Merke dir, daß der Heiland seine Wohltaten nicht bedingungslos spendet. Er gewährt ihre Bitte als Belohnung für ihren Glauben.
Wie ist denn dein Glaube an Jesus beschaffen? Glaubst du, daß Er der Allmächtige ist? Glaubst du, dass Er die unendliche Güte, die unerreichte Vollkommenheit ist? Wie tief beugst du dich vor seiner Größe, um ihn deiner Bitte gnädig zu stimmen? Jesus sagt: «Ich bin das Licht der Welt, Ich bin die Wahrheit, Ich bin dein Erlöser und dein Gott!» Glaubst du das alles?
Höre, wie die Blinden antworten: «Ja, Meister, wir glauben. Wir glauben an deine Macht. Wir hoffen auf deine Güte. All unser Vertrauen setzen wir auf deine Weisheit und Barmherzigkeit. Hab Erbarmen mit uns!» Denke darüber nach und antworte wie sie. Du wirst das Licht nur durch den Glauben wiederfinden. Wenn dein Geist sich verfinstert hat, wenn dein Gewissen nicht mehr zu unterscheiden weiß, so ist dein Glaube eingeschlafen. Wenn der Glaube neu erwacht, kehrt auch das Licht wieder.

III Jesus heilt die Blinden
Nun berührte Er ihre Augen und sprach: «Wie ihr glaubt, so geschehe euch!» Da öffneten sich ihre Augen.
Betrachte, wie bei der Berührung der göttlichen Hände die Augen der Blinden sich öffnen. Sie haben geglaubt, nun sehen sie. Sie sehen Jesus, und zwar ganz in der Nähe. Sie freuen sich des trauten Beisammenseins mit Ihm. Nahe dich dem Heiland mit den Blinden, erflehe demütig deinen Anteil an den Werken seiner Allmacht. Überlass deinen verdunkelten Verstand der göttlichen Gnadenwirkung, lass ihm das helle Licht des menschgewordenen Wortes und seines Evangeliums leuchten. In diesem Licht wirst du den Weg zum Himmel finden und ihn entschlossen betreten.



10.04.2019

61. Die Heilung der beiden Blinden
(Mt 9)

I Die beiden Blinden flehen Jesus um Erbarmen an
Als Jesus von dort weiterging, folgten Ihm zwei Blinde. Die riefen laut: «Sohn Davids, erbarme Dich unser!» '
Erwarte den göttlichen Meister auf seinem Weg. Wie willst du seine Aufmerksamkeit auf dich ziehen und machen, daß Er dich hört? Die Blinden lehren es dich. Was tun sie? Sie eilen herbei und benutzen ohne Verzug die Gelegenheit, ihre Bitte vorzutragen, und sind bereit, jede Bedingung zu erfüllen, die ihnen vom Heiland auferlegt wird.
Was sagen die Blinden? Sie huldigen Jesus und setzen auf Ihn ihr ganzes Vertrauen, um so mehr als alle menschliche Hilfe versagt. Geselle dich ihnen zu, um dich von deiner Blindheit heilen zu lassen. Fehlt dir nicht jenes übernatürliche Licht, das dem Menschen auf dem Weg zum Himmel leuchtet? Von welcher Finsternis bist du umgeben? Bist du nicht blind für die Wichtigkeit deines ewigen Heils, für den Wert der Gnaden, für die Bosheit der Sünden? Erwecke ein glühendes Verlangen nach Heilung und flehe immer wieder zu deinem einzigen Helfer: «Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!»
1 Wir sind in Kapharnaum. Das Haus, von dem die Rede ist, ist wahrscheinlich jenes, das Jesus gewöhnlich in dieser Stadt bewohnte.



09.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

III Jesus beruhigt und ermutigt die Geheilte
Da kam die Frau erschrocken und zitternd herbei, denn sie wusste, was mit ihr vorgegangen war. Sie fiel vor Ihm nieder und erzählte Ihm den ganzen Hergang. Er aber sprach zu ihr: «Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh hin im Frieden und sei geheilt von deinem Leiden!»
Erbaue dich an dem demütigen Geständnis dieser Frau. Sie fürchtet, zu viel gewagt und vielleicht übel gehandelt zu haben. Jesus beruhigt sie und in ihrer Person alle zarten und ängstlichen Seelen.
«Sei getrost, meine Tochter», sagt Er zu ihr. Eine solch vertrauensvolle Kühnheit beleidigt Ihn niemals. Verlange alles, was du willst, bestehe auf deinem Verlangen und sei versichert, dass du damit dem Heiland willkommen bist. Zeige nur viel Glauben und viel Liebe. Das genügt Ihm, du brauchst keine anderen Förmlichkeiten zu beobachten.
So liebevoll ist der Erlöser, den der himmlische Vater dir geschenkt hat. Danke Ihm und erfreue dich seiner Nähe wie die kranke Frau. Wie glücklich könntest du sein, besäßest du etwas von dem Vertrauen, das ihr Herz erfüllte. Sie hat es so gut verstanden, des Heilands Segnungen auf sich herabzuziehen. Bitte sie doch, dass sie nun auch für dich Fürsprache einlege und dir die Gnade erlange, deine große Willensschwäche und dein beklagenswertes Misstrauen zu besiegen.



08.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

II Jesus zwingt die Kranke, offen zu bekennen, was sie getan hat
Jesus erkannte innerlich, dass eine Kraft von Ihm ausgegangen war, wandte sich sogleich in der Menge um und fragte: «Wer hat mein Gewand berührt?» Seine Jünger antworteten Ihm: «Du siehst doch, wie das Volk Dich umdrängt, und fragst noch: Wer hat Mich angerührt?» Doch er schaute nach der hin, die das getan hatte.
Höre, was Jesus zu seiner Umgebung sagt. Er weiß in seiner Nähe eine leidende, gläubige Seele voll guter Gesinnung. Das erfreut sein Herz. Er will zu ihr in Beziehung treten und ihren Namen allen bekannt machen. Nach seinen Worten zu schließen, sind solche Begegnungen in seinem Leben etwas Seltenes. Die wahre Frömmigkeit, die ganz von Liebe, Glaube und heiliger Scheu durchdrungen ist, findet Er nicht alle Tage.
Ziehe Nutzen aus dem belehrenden Vorgang. Die Menge drängt sich um Jesus. Sie preist und erhebt Ihn laut und spendet Ihm lauten Beifall. Zu all dem sagt Jesus nichts, es lässt Ihn unberührt. Verstohlen naht sich Ihm eine arme Frau, berührt mit zitternder Hand den Saum seines Kleides, und Jesus ruft aus: «Wer hat Mich berührt?» Sein Herz ist freudig bewegt. Wie wenig Bedeutung haben die Äußerlichkeiten für den Heiland. Ahme die Frömmigkeit dieser Frau nach, indem du dich bestrebst, dem Herrn näher zu kommen als die Menge der Christen. Suche immer besser zu erkennen, wer Jesus ist, was du von Ihm hoffen kannst und wie du Ihm gebührend begegnen musst.



07.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

I Jesus heilt das kranke Weib
Da trat eine Frau, die schon zwölf Jahre am Blutflusse litt, hinter Ihm heran und berührte eine Quaste seines Gewandes.
Siehe unter der Menge die gläubige Frau, welche das Leiden nicht hoffnungslos gemacht hat. Sie verzweifelt nicht an der Hilfe des Himmels, wenn auch die Erde ihr keine Hoffnung mehr bietet. Der bloße Name Jesus hat ihr die Ahnung einer unendlichen Güte gegeben, und sie eilt herbei. Beglückwünsche sie. Selig, wer fest auf Jesus vertraut.
Sie hatte von niemand geheilt werden können. — Ihr Übel ist also wahrhaft unheilbar. Ihre einzige Hoffnung beruht auf der Güte und Allmacht des Heilandes. Ist ihr Vertrauen deshalb geringer? Diese Frau lehrt uns, niemals den Mut zu verlieren.
Sie trat von hinten hinzu und berührte den Saum seines Kleides, denn sie sprach bei sich selbst: «Wenn ich nur sein Kleid berühre, so wird mir geholfen sein.» Siehe, wie sie sich durch die Massen des Volkes zu ihrem Heiland drängt und den Saum seines Gewandes berührt. Betrachte die Schönheit dieser so einfachen Handlung. Sie glaubt, vertraut und erwartet das Wunder vom Himmel. Wie sollte der Herr nicht seine Schätze über ein so wohl vorbereitetes Erdreich ausgießen? Und sogleich fühlte sie, dass sie geheilt war. Die Wohltaten Jesu werden den demütigen und vertrauensvollen Seelen zuteil.



06.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)

III Jesus erweckt die Verstorbene zum Leben
Da fasste Er es bei der Hand und rief: «Mädchen, steh auf.» Da kehrte ihr Geist zurück, und es stand sogleich auf.
Betrachte aus nächster Nähe, wie gut dein Heiland ist und wie gern Er mit seiner Allmacht dir in deinem Leiden zu Hilfe kommt. «Mägdlein, ich sage dir, stehe auf!» spricht Er mit der Gewalt eines Machthabers. Das Mägdlein stand auf. Du hast also einen Herrn, dem selbst der Tod Untertan ist. Vergiss diese Wahrheit niemals und freue dich in diesem Gedanken. Das ist aber noch nicht genug, knie nieder und belebe deine Hoffnung auf die Unsterblichkeit und die Auferstehung. Das sei die erste Frucht dieser Betrachtung.
Sodann lerne auch, die Betrübten zu trösten und mit den Weinenden vom Himmel zu sprechen. Vor allem aber lass die lebensspendende Kraft Jesu auf dich wirken. Der himmlische Vater kann auch deiner im Todesschlaf versunkenen Seele die Wohltat der Auferweckung zuteil werden lassen. Lass deinen Glauben und dein Vertrauen erstarken. Beginn ein neues, übernatürliches Leben!



05.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)

II Jesus betritt das Haus des Jairus und beruhigt die klagende Menge
Als Jesus dann in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler und die lärmende Menge erblickte, sprach Er: «Geht hinweg! Das Mädchen ist ja nicht tot, es schläft nur.»
Tritt auch du mit Jesus in das Haus des Jairus. Der Heiland zeigt sich erstaunt über die Zeichen der Trauer und fragt in sanftem Ton: «Wozu der Lärm, wozu diese Tränen?» — «Göttlicher Meister, weil die Freude unseres Lebens, weil unser Liebstes uns genommen ist.» Jesus weiß das und er fragt trotzdem: «Wozu die Aufregung? Weshalb flößt euch der Tod Schrecken ein? Warum betrauert ihr den Verlust eurer Lieben? Vermag ich denn nichts gegen den Tod? Ich bin die Auferstehung und das Leben.»
Dieses Trostwort spricht Jesus allzeit zu uns, wenn wir am Sterbebett unserer Angehörigen stehen. Vergleiche es mit den Beileidsbezeugungen der Welt. Was sagt die Welt? «Sie sind tot, da ist nichts mehr zu hoffen.» Sie sucht durch lärmende Zerstreuungen unseren Schmerz zu betäuben. Was sagt Jesus? «Sie schlafen, Ich will sie aufwecken. Du möchtest deine Lieben ewig behalten, Ich werde sie dir wiedergeben, Ich bin der Herr über den Tod.»
Erwäge diese Worte und trockne deine Tränen. Empfiehl dem Heiland alle, die dir der Tod entrissen hat. Sie sind bei Ihm in sicherer Hut.



04.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)
I Jesus vernimmt die Bitte des Jairus und ermahnt ihn zum Vertrauen
Da kam ein Mann mit Namen Jairus, ein Synagogenvorsteher. Er fiel Jesus zu Füßen und bat Ihn, in sein Haus zu kommen; denn seine einzige Tochter im Alter von etwa zwölf Jahren lag im Sterben.
Sieh, wie dieser tief betrübte Vater sich Jesus naht. Lerne von ihm, zu wem du in den Stunden der Traurigkeit deine Zuflucht nehmen musst. Ein Heiland ist zu uns vom Himmel gekommen. Er ist gütig, und der Anblick unserer Leiden bewegt Ihn tief. Seitdem Er durch die Menschwerdung unser Bruder geworden ist, hat Er unsere Sache auch zu der seinigen gemacht. Du redest stets von einem Glied seiner Familie, wenn du für einen der Deinigen betest. Setzest du immer dein ganzes Vertrauen in den Heiland?
Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. Die Prüfung verschafft also dem Jairus den Besuch Jesu mit seinen Segnungen. — Da kam jemand zu dem Synagogenvorsteher und sprach zu ihm: «Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Meister nicht weiter!» Beachte, was sich unterwegs zuträgt. Man kündigt dem Jairus die Trauernachricht an: «Die, für welche du bittest, ist tot. Warum noch weiter hoffen und beten?» Ist diese Frage berechtigt? Ist es wirklich unnütz, weiter zu hoffen und zu beten, weil nach menschlichem Ermessen alles verloren ist?
Was antwortet Jesus? «Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie leben!» Sind denn Gottes Macht Schranken gesetzt, weil der Mensch sich nicht mehr zu helfen weiß? Hab Vertrauen! Wer alles hofft, erhält alles. Ist es denn für den Sohn Gottes nicht ein leichtes, Wunder zu wirken? Was kann der Tod dir rauben, das der Sohn Gottes dir nicht wiedergeben könnte?



03.04.2019

58. Die Jünger in der Schule Jesu
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)
III Jesus will mit Geduld den Fortschritt der Seinen erwarten
«Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleid, sonst reißt der Flicken vom Kleide ab, und der Riss wird um so größer.»
Betrachte aufmerksam diese Worte, denn es ist gut für dich zu wissen, dass der übernatürliche Fortschritt ein Werk der Geduld ist. Die Gnade ahmt hierin die Natur nach. Nicht auf einen Schlag bildet sie die Heiligen. Es ist Sache der Seelenleitung, und zwar einer recht weisen Seelenleitung, die Tätigkeit der Gnade zu beobachten und die Seelen in ihrer Mitwirkung zu unterstützen. Das Auge blickt unverwandt auf die Höhen, die man erreichen will, aber man ersteigt sie nur Schritt für Schritt.
Bitte den Heiland, dir einen erleuchteten Seelenführer zu geben. Vor allem aber verliere nicht den Mut. Denn unter der Leitung eines so gütigen Meisters wie Jesus ist die Entmutigung eine große Torheit. Jesus weiß besser als irgend jemand, wie schwer es deinem Verstand fällt, sein Wort anzunehmen, deinem Willen, sich seinem Gesetz zu unterwerfen und deinem Herzen, seinem Beispiel nachzufolgen. Jesus wird nicht müde, auf uns zu warten. Er verlangt von uns nur, dass wir mit Vertrauen auf seine Gnade bauen, um allmählich unsere Feinde zu besiegen und um täglich Fortschritte zu machen in der Verwirklichung des Heilsplanes Gottes. Darum Mut und Vertrauen!



02.04.2019

58. Die Jünger in der Schule Jesu
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)
II Jesus erklärt, dass die Buße in seiner Nachfolge und in seinem Dienst unbedingt notwendig ist
«Es werden aber Tage kommen, da ihnen der Bräutigam entrissen wird, dann werden sie fasten.»
Bedenke wohl, die Zeit der Buße wird kommen. Es kommt die Zeit, wo der Jünger Jesu allen das Beispiel heroischer Buße geben muss. Dem göttlichen Meister liegt viel daran, seine Jünger über diesen Punkt aufzuklären. Wer die Buße nicht ernsthaft übt, ist kein wahrer Christ. Sie ist notwendig, um den gefallenen Menschen im Stand der Gnade zu erhalten. Es wäre unvernünftig zu glauben, dassx das neue Gesetz in seiner Liebe und Milde von der Buße freispreche.
Erkenne diese unabweisbare Pflicht und unterwirf dich ihr mutig. Hast du dich nicht schon zu lange geschont? Du darfst nicht länger mehr zögern und mußt alles Widerstreben überwinden. Belebe deinen Mut in der Liebe zu deinem Erlöser, um gegen dich selbst stark zu werden.




01.04.2019

57. Jesus als Freund der Sünder
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus erklärt, dass Er gekommen ist, um den Sündern Barmherzigkeit zu erweisen
Darüber murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sprachen zu seinen Jüngern: «Warum esst und trinkt ihr mit Zöllnern und Sündern?»
Höre das Murren dieser Scheinheiligen und Eifersüchtigen. «Warum mischt sich euer Meister unter die Unwissenden und Sünder?» fragen sie. Mit Sündern und Heiden verkehren heißt, nach dem Urteil der jüdischen Gesetzesausleger, sich verunreinigen. Äußerlich sich mit dem Elend zu bekleiden, um die Elenden zu retten, erscheint ihnen als Erniedrigung. Nach ihren Begriffen widerstrebt es der Heiligkeit Gottes, dem Sünder so sehr entgegenzukommen. Gott ist zu groß, um sich so weit herabzulassen, seine unendliche Reinheit kann den Anblick unserer Sündhaftigkeit gar nicht ertragen.
Unter dem Vorwand größerer Vollkommenheit wagen diese Menschen, der göttlichen Güte Grenzen zu ziehen, als ob die Vollkommenheit der Güte nicht gerade darin bestünde, dass sie grenzenlos ist. Sie verschließen gleichsam das Herz Gottes, als ob sie sich vor den Gnadenschätzen fürchteten, die dem geöffneten Herzen entfließen. Verwahre dich gegen diese verderbliche Lehre, die von dem Gift des Stolzes durchdrungen ist. Sei überzeugt, dass man das Herz Gottes sehr beleidigt, wenn man dem Vertrauen auf seine Güte Grenzen setzt.
Welche Antwort hält Jesus dem Murren der Pharisäer entgegen? «Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Denn Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder.» Ich will Barmherzigkeit üben. Mein Herz hat das Bedürfnis, sich zu erbarmen. Ich komme als Erlöser zu den Armen, deren Elend mich gerührt hat.
Blicke in dich und erkenne dich selbst. Gehörst du nicht zu denen, die Jesus sucht? Denke an die Geschichte seiner erbarmenden Liebe zu dir. Ermiss die große Entfernung zwischen Ihm und dir und sieh, wie Er diese trennende Kluft überschritten hat. Zähle die Demütigungen, denen Er sich bereitwillig unterzogen hat. Begib dich im Geiste an die heiligen Orte, wo Er als Mensch weilte, nach Bethlehem, Nazareth, in die Verbannung. Sieh Ihn in den Kämpfen seines öffentlichen Lebens. Bedenke, was Er getan hat und noch tun wird, und sprich: Das alles für Unwürdige, für Sünder, für mich! Zieh deine Schlussfolgerungen. Wirf dich Jesus zu Füßen. Versichere Ihn deiner rückhaltlosen Hingabe! Der Stolz, der dich von Ihm trennt, sein Erlösungswerk in dir verhindert oder verzögert, muss ausgerottet werden. Entschließe dich zu einem schonungslosen Kampf gegen diesen deinen Hauptfeind und gib dich Jesus ganz hin zum Dank für seine Erbarmungen.



31.03.2019

57. Jesus als Freund der Sünder
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus setzt sich mit den Sündern zu Tische
Levi gab Ihm nun in seinem Hause ein großes Gastmahl. Eine große Schar von Zöllnern und von andern Leuten waren mit ihnen zu Tische.
Folge dem Heiland in das Haus des Zöllners. Lerne von ihm, Jesus aufzunehmen und zu bewirten. An dem Tisch, wo der Herr sich niederlässt, wirst du von Ihm ergreifende Lehren empfangen. Bereite dich, sie zu verstehen und zu verkosten. Nimm an dieser Tafel die letzte Stelle ein, die dir zusteht.
Levi bereitet Jesus ein großes Gastmahl. Dieser Tag ist ein Feiertag für den Zöllner. Und doch ist es der Tag, an dem er der Gesinnung nach alles verlassen hat. Er hat den Entschluss gefasst, in Armut Dem zu folgen, der nichts hat, wohin Er sein Haupt legen kann. In dieser vollständigen Losschälung hat er das Glück gefunden. Im Reich Jesu zählen also die Tage der Losschälung zu den Festtagen.
Siehe, wie die Sünder herbeieilen. Nimm teil an der Herzensfreude deines guten Heilandes. Wo Er weilt, drängen sich alle Hilfsbedürftigen und Sünder um Ihn. Die Güte seines Herzens zieht diese Armen unwiderstehlich an. Welches sind die Gesinnungen dieser armen Leute? Was sagen sie dem Heiland? Sie legen Ihm ihre Zweifel vor, bekennen ihre Schuld und vertrauen Ihm ihre Nöte an. Sie verdemütigen sich und sind bereit, die erforderliche Genugtuung zu leisten. Sie sind voll Freude in der Hoffnung auf Verzeihung. Und was sagt Jesus zu ihnen? Höre zu, sammle dich! Betrachte den Freund der Sünder inmitten der Seinigen.
Meine Seele, warum wendest du dich von Ihm ab, wenn du dich schuldig fühlst? Warum fürchtest du dich, Ihm zu nahen und Ihm dein Elend zu zeigen? Zu wem willst du gehen, wenn nicht zu Ihm? Er hat sich nicht von dir abgewandt, Er erwartet deine Rückkehr ins Vaterhaus. So räume Ihm den Platz in deinem Herzen wieder ein, von dem du Ihn vertrieben hast. Er bittet dich darum. Warum fürchtest du dich? Knie vor deinem Heiland nieder, bekenne Ihm deine Schuld und sag Ihm alles, was dich bedrückt. Dann wirst auch du Feiertag haben.



30.03.2019

56. Die Berufung des Levi
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus lädt den Zöllner zu seiner Nachfolge ein
Jesus sprach zu ihm: «Folge mir nach!» Und er stand auf, verließ alles und folgte Ihm nach.
«Folge mir!» spricht Jesus. Die Stimme Gottes ruft ein Geschöpf, ein armseliges Wesen. O möchte ihr Klang auch in den Tiefen deiner Seele gehört werden. Es ist die Stimme des Allmächtigen. Sie bewirkt zur Stunde Wunderbares in der Seele des Zöllners: Weltentsagung, Vergessen seiner selbst und die Losschälung von den irdischen Gütern. Sie entzündet in seinem Herzen eine Liebesglut, die nie mehr erlöschen wird. «Ich bin bereit, ich will Dir folgen. Führe mich, wohin Du willst, mach mit mir, was Dir gefällt! Ich bin nur Schwäche, Du aber bist der Allmächtige. Ich übergebe mich Dir ohne Rückhalt.» Hege auch du solch edelmütige Gesinnungen wie der Zöllner, und wenn du dieselbe Stimme vernimmst, antworte wie er. Gleich ihm biete dich ohne Rückhalt an, für die Verbreitung des Reiches Gottes auf Erden zu arbeiten. Das ist der einzige Zweck, den Jesus verfolgt, und Er bittet dich, Ihm zu helfen. So gehe hin und folge Ihm nach!



29.03.2019

56. Die Berufung des Levi
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus nähert sich dem Haus des Zöllners
Er ging nun wiederum hinaus an das Meer, und alles Volk kam zu Ihm, und Er lehrte sie. Im Vorbeigehen sah Er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen.'
Gehe deinem göttlichen Meister entgegen. Er will der Menge seine Himmelsgaben spenden und bedarf dazu apostolischer Mitarbeiter; darum ergeht sein Ruf an hochherzige Seelen.
Begleite den Heiland zum Haus des Levi. Noch sitzt er, den Jesus sich zum Apostel auserkoren hat, an der Zollstätte, Geist und Herz ganz versenkt in die Verwaltung seiner irdischen Geschäfte. Durch nichts scheint seine Berufung bisher vorbereitet worden zu sein. Jesus erblickt ihn im Vorübergehen. Bedeutungsvolles Vorübergehen! Auch in der Regierung der Welt scheinen oft die wichtigsten Ereignisse eine Folge zufälliger Umstände zu sein. Doch alles, was für uns unvorhergesehen eintritt, hat die göttliche Vorsehung angeordnet und vorbereitet. Von Ewigkeit her hat der Sohn Gottes beschlossen, am Zollhaus vorbeizugehen und in diesem Augenblick ein Wunder der Bekehrung zu wirken.
Jesus bleibt stehen und erhebt den Blick. Er durchschaut den Zöllner so, wie er ist, mit seinen Sünden, seinem Elend, seinen Fehlern und Schwächen, aber auch mit seinem Großmut. Der Anblick der Übel hält den, der sie zu heilen vermag, nicht zurück. Alle Kämpfe, die du zu bestehen hast, alle Schwächen, die über dich kommen können, alle Befürchtungen, die du hegen magst, und alle Unmöglichkeiten, die du vorschützest, dein Heiland hat all das gesehen, gehört und verstanden. Aber seine Gnade ist allmächtig. Es gibt kein Hindernis, über das sie dir nicht den Sieg verleihen kann.
1 Die Zöllner waren Steuereinnehmer. Sie erhoben die Abgaben im Auftrag der römischen Regierung, und schon aus diesem Grund galten sie den Juden als Verkörperung der tyrannischen Fremdherrschaft, der Ungerechtigkeit und der rohen Gewalt. Man stellte sie den Dieben und öffentlichen Sündern gleich. Die römische Steuerbehörde erstellte Zollstätten auf den von den Karawanen am meisten benutzen Straßen, an den Grenzübergängen der verschiedenen Provinzen, überall, wo sie Zölle für den Durchgang, die Ein- und Ausfuhr und den Verkauf von Waren zu erheben hatte. Deshalb hatte auch Kapharnaum eine außergewöhnliche Bedeutung.



28.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

III Jesus heilt den Gichtbrüchigen, um seine Macht der Sündenvergebung zu bekräftigen
Da dachten einige Schriftgelehrte und Pharisäer bei sich: «Wer ist dieser, der da Gotteslästerungen ausstößt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?»
Die Pharisäer murren, der Meister aber rechtfertigt sich. Erkenne mit Freuden an, dass seine Beweisgründe unantastbar und seine Lehren die lautere Wahrheit sind. Ja, es ist wahr, infolge der Gewalt, die der Heiland mit voller Rechtmäßigkeit hat und die Er uns allen zu Diensten stellt, findest du jederzeit und überall die Stellvertreter seiner göttlichen Barmherzigkeit bereit, dich von deinen Sünden loszusprechen. So heilt der himmlische Vater unsere Seelenkrankheiten. Nun will der Herr auch äußerlich beweisen, was Er in der Seele des Kranken bewirkt hat. «Damit ihr aber seht, dass der Menschensohn Gewalt hat, Sünden zu vergeben, so sage ich dir: »Stehe auf, nimm dein Bett und kehre in dein Haus zurück.» Und sogleich erhob sich der Kranke, vollkommen geheilt. So offenbart sich die Allmacht des Allerhöchsten, Dem du dich rückhaltlos anvertrauen darfst.
Betrachte sein Wort auch als an dich gerichtet. Auch zu dir hat Jesus gesagt: «Steh auf!» Erhebe dich aus dem selbstverschuldeten Elend, in das du so lange versunken warst. «Nimm dein Bett!» sagt Jesus weiter zu dem Geheilten. Warum dieser Befehl? Ohne Zweifel, damit der Kranke niemals das Andenken an die erhaltene Wohltat verliere. Er trägt sein Bett nach Hause als augenfälligen Beweis der göttlichen Barmherzigkeit. Dieses Erbarmen wird er unablässig betrachten, und seine Dankbarkeit wird bleiben. Durchdringe auch du dich mit der dankbaren Gesinnung des Geheilten.
«Wir haben heute wunderbare Dinge gesehen», spricht erstaunt die Menge. Was haben sie gesehen? Einen Menschen, der Sünden vergibt. Die einfachen Seelen, vor denen das Ereignis sich abgespielt hat, sind davon ganz ergriffen.
Bedenke, dass auch heute noch Menschen auf Erden leben, die die gleiche Gewalt der Sündenvergebung besitzen. Jeder katholische Priester kann dich im Namen und Auftrag Jesu Christi mit Gott aussöhnen. Belebe deinen Glauben und danke dem himmlischen Vater, dass du durch die priesterliche Vermittlung der kostbaren Gnade der Versöhnung mit Gott teilhaftig werden kannst.



27.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus lässt dem Gichtbrüchigen die Sünden nach
Und siehe, sie brachten zu Ihm einen Gelähmten, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gelähmten: «Sei getrost, mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben!»
Betrachte, was sich zuträgt. Ein Liebeswerk, das aus dem Glauben hervorging, lenkt die Aufmerksamkeit des Gottessohnes auf einen armen Kranken. Mitleidige Männer setzen einen Unglücklichen zu den Füßen Jesu nieder. Lerne von ihnen, dem Heiland die hilfsbedürftigen Seelen vorzustellen und Ihm ihr Elend darzulegen.
Wie nimmt Jesus das ungewöhnliche Vorgehen auf? Er erhebt den Blick und erkennt die Größe des Übels, Er schaut die Hässlichkeit der Sünde, die es verursacht hat. Da spricht Er das gütige Wort: «Sei getrost, mein Sohn!» Er verlangt nur Vertrauen vom Kranken. Vertraue auch du dich seiner Fürsorge an. Die unendliche Weisheit hat ihre eigene Art zu handeln. Ihr Auge entdeckt Übel, die sich dem menschlichen Auge entziehen.
«Deine Sünden sind dir vergeben», sagt Jesus zu dem Kranken. So verfährt die göttliche Weisheit, zuerst heilt Sie die Seele, dann den Leib. Du bittest um irdische Wohltaten. Mache dich ihrer würdig durch das Bekenntnis deiner Sünden. Flehe zuerst die Barmherzigkeit um Verzeihung an und dann komme zur Allmacht, um dich heilen zu lassen. Würdige das weise Vorgehen Jesu und entsprich von ganzem Herzen seiner Aufforderung zum Vertrauen. Enthülle Jesus die geheimsten Falten deiner Seele, alle Unvollkommenheiten deines täglichen Lebens, alle Mängel und Gebrechen. Höre, wie Er zu dir sagt: «Hab Vertrauen, mein Kind!»



26.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus nimmt die Menge des Volkes auf
Nach einigen Tagen kam Er wieder nach Kapharnaum. Und als es bekannt wurde, dass Er im Hause sei, kamen wieder viele Leute zusammen, so dass nicht einmal der Platz vor der Türe sie zu fassen vermochte, und Er verkündete ihnen das Wort.
Die Rückkehr Jesu gestaltet sich in Kapharnaum zu einem Fest. Geselle dich der herbeiströmenden Menge zu, um mitzufeiern. Jesus jedoch kehrt nur zurück, um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Er versammelt alle, die Ihn begrüßen und lehrt sie. Setze dich Ihm zu Füßen.
Von weit her ist das Volk herbeigeeilt, es hat um Jesu willen die tägliche Arbeit unterbrochen. Dennoch glaubt keiner, damit etwas Besonderes getan zu haben. Alle hoffen, als Lohn für ihre Anstrengungen Licht und Ermutigung zu empfangen. Sie werden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht werden. Wirf einen Blick in die Seelen. Ermiss das übergroße Elend, das sie sich selbst nicht eingestehen wollen. Vom Heiland geht eine göttliche Kraft aus, die erleuchtet, erhebt und heilt. Mit seiner Allmacht und Güte stellt Er sich allen zur Verfügung. Wie dieses Volk schließe auch du deine Seele dem übernatürlichen Einfluss deines Heilandes auf. Erflehe für alle die Gnadenwirkung des barmherzigen Erlösers!



25.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

III Jesus vertraut dem Geheilten das Apostolat bei seinem Volk an
So stieg Er denn in das Boot und fuhr zurück. Der Mann, aus dem die bösen Geister ausgefahren waren, bat Ihn, mit Ihm gehen zu dürfen.
Begib dich mit Jesus wieder ans Ufer. Der Heiland will anderen Seelen die Schätze seiner Gnade bringen, welche die engherzigen Gerasener verschmäht haben. Sein Herz ist verwundet worden. Nun findet Er eine großmütige Seele, die Ihn trösten will.
Betrachte mit liebender Aufmerksamkeit die rührende Szene, die sich dir darbietet. Der Besessene hat seine Freiheit wiedererlangt. Wozu wird er sie gebrauchen? «Meister, ich gebe sie Dir, nimm sie hin, verfüge über mich nach deinem Wohlgefallen. Erlaube mir, dein Leben zu teilen. Laß mich Dir folgen.» So spricht der Geheilte. Erwecke auch du in deinem Herzen die Dankbarkeit und erwäge die zahllosen Gründe, die du dazu hast.
Was antwortet der Erlöser? Er gewährt die Bitte nicht, sondern sagt: «Gehe hin in dein Haus zu den Deinigen und verkünde ihnen, was der Herr Großes an dir getan und wie Er sich deiner erbarmt hat!» Mit andern Worten: «Werde mein Apostel unter den Deinigen und arbeite an ihrem Seelenheil. Teile ihnen die Wohltat mit, die du Mir verdankst. Möchte dein Wort sie zum Glauben führen und dein Beispiel in ihnen das Verlangen nach meiner Rückkehr wecken. Setze deinen ganzen Eifer ein, um Mir in dem Lande, aus dem man Mich vertrieben hat, wieder Eingang zu verschaffen!» Dies ist die Aufgabe, die der Heiland ihm erteilt. Die erhabenste Aufgabe für den Menschen hienieden ist, den Willen Gottes an dem Ort zu vollziehen, den Er uns anweist, und zufrieden zu sein mit allem, was Er über uns verhängt. Das hat der großmütige neue Jünger sofort begriffen. Teile seine Freude und ahme seinen Eifer nach. Werde auch du ein Apostel in deinem Kreise!



24.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

II Die Undankbarkeit der Gerasener
Und siehe, die ganze Stadt ging hinaus, Jesus entgegen, und da sie Ihn sahen, baten sie Ihn, dass Er weggehe aus ihrem Gebiet.
Die Menge eilt zu Jesus, um Ihm eine Bitte nach Art feiger Seelen zu stellen: «Geh weg aus unserem Gebiet und wirke deine Wunder an andern Orten! Es kostet uns zu viele Opfer, Dich aufzunehmen und uns Dir zu unterwerfen.» Man möchte dem Herrn angehören, aber ohne etwas für Ihn zu opfern. Die Gerasener fürchten den Verlust ihrer irdischen Güter, sie werden die irdischen behalten, aber die himmlischen dafür verlieren. Beklage so viel Torheit und Verblendung.
Halte ernsthafte Einkehr und prüfe dich! Gehörst du nicht zu jenen engherzigen Seelen, die sich fern von Jesus halten, Ihn sogar von sich stoßen aus Furcht vor den Opfern, die mit seiner Nachfolge verbunden sind? Woher kommt dieses Übel? Die Menschen sind gewohnt, alle Ereignisse vom natürlichen Standpunkt aus zu betrachten, ohne sich zum Übernatürlichen zu erheben. Wie kann man in einem solchen Seelenzustand die Stimme der Gnade hören und ihr folgen? Indem man den Glauben wieder erweckt und den Heiligen Geist um Erleuchtung bittet. Ziehe Nutzen aus dieser Betrachtung!



23.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

I Jesus redet mit dem Geheilten
Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was vorgefallen war. Sie kamen zu Jesus und fanden den Mann, aus dem die bösen Geister ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu Jesu Füßen sitzen. Sie gerieten in Furcht.
Setze dich auch zu Füßen des Herrn. An dem Geheilten ist keine Spur mehr von dem schrecklichen Leiden zu gewahren. Die Umnachtung seines Geistes ist gewichen, und seine Seele genießt vollen Frieden. Er ist frei, ruhig und seiner selbst wieder mächtig. Er erfreut sich der Gegenwart seines Wohltäters und scheint sich mit der Frage zu beschäftigen: «Was kann ich dem Herrn vergelten für eine solche Wohltat?» Glücklich die Seele, welche die tyrannische Herrschaft der Leidenschaften mit jener der Gnade vertauscht! Kann man hienieden einer größeren Seligkeit teilhaftig werden?
Verkoste den Frieden des Geheilten und nimm teil an seinem Glück. Gleich ihm zeige dem Heiland Dankbarkeit, Vertrauen und Hingabe, denn Er hat schon mehr als einmal dies Wunder der Befreiung vom bösen Geist an dir bewirkt. Erinnere dich der zahllosen Beweise der göttlichen Barmherzigkeit, und du wirst trostreiche Stunden in vertrautem Zwiegespräch mit deinem Erlöser zubringen.


22.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)

III Jesus bereitet dem Teufel eine schmachvolle Niederlage
Nun weidete in der Nähe am Bergabhang eine große Herde Schweine. Sie baten Ihn, Er möge ihnen gestatten, in die Schweine zu fahren. Er gestattete es ihnen. So fuhren denn die bösen Geister von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine. Die Herde stürmte den Abhang hinab in den See und ertrank.
Die Teufel bitten den Heiland zitternd um einen erniedrigenden Tausch. Welch eine entsetzliche Verheerung hat die Sünde in diesen ehemals reinen Geistern hervorgebracht! Es ist also wahr, daß der böse Feind, wenn er uns zur Sünde reizt, nichts anderes bezweckt, als uns in den Pfuhl des Lasters zu ziehen.
Erinnere dich der hohen Bestimmung derjenigen, die jetzt eine solche Bitte an den göttlichen Meister stellen, und des schmachvollen Abgrundes, in den eine Empörung des Stolzes diese Erstlinge der Schöpfung gestürzt hat. In die Tiefe dieses Abgrundes trachtet der Teufel uns mit sich hinabzuziehen, so oft er uns versucht. Welchen Widerwillen sollten daher die Zumutungen eines solchen Feindes uns einflößen, und mit welch tiefer Verachtung sollten wir ihn allezeit zurückweisen.
Wisse, der Teufel ist nur von dem Willen beseelt, dir zu schaden. Was hat das Unheil, das er hier anrichtet, zu bedeuten? Nicht die Erlaubnis, die Jesus gab, ist als dessen Ursache zu betrachten. Der Schaden durch den Verlust der Schweine, der den Gerasern zugefügt wurde, rührt einzig von dem bösen Geist her. Wenn Gott Züchtigungen für uns zuläßt, tut Er das entweder, um uns Gelegenheit zu bieten, eine schuldbeladene Vergangenheit zu sühnen, oder um uns zu einem heiligen Leben anzueifern, immer aber, um uns zu helfen, besser zu werden. Der Teufel hingegen will bei solchen Prüfungen nichts als unser Verderben. Er handelt einzig aus Bosheit, Neid und Rachsucht.



21.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)
Jesus befreit den Besessenen
Als er aber Jesus von ferne sah, lief er hinzu, warf sich vor Ihm nieder, schrie mit lauter Stimme und sprach: «Was habe ich mit Dir zu schaffen, Jesus, Du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre Dich bei Gott, quäle mich nicht!» Denn Er hatte zu ihm gesprochen: «Fahre aus von diesem Menschen, du unreiner Geist!»
Höre das wütende Geschrei des unglücklichen Menschen und die Antwort des Herrn. «Was habe ich mit dir zu schaffen?» ruft der Besessene aus. Wahrlich, zwischen Jesus und dem Satan kann nie eine Annäherung stattfinden. Wenn dies beim Meister eine Unmöglichkeit ist, soll es auch bei dir, dem Jünger, so sein.
Aber Jesus besitzt dieselbe Macht über die Hölle wie über die tobenden Wogen des Meeres, die Er mit einem Wort beruhigt. «Wie heißt du?» fragt der Erlöser. «Legion ist mein Name, denn unser sind viele», antwortet der Besessene. «Staune über die Leichtigkeit, mit der Jesus den Teufel zwingt, seinen Namen zu sagen, seine boshafte List, seine Pläne und seine Grausamkeit zu offenbaren. Die ganze Hölle vermag nichts wider dich, wenn die Gnade dich unterstützt.
«Unser sind viele», bekennt der Besessene. Wie war es denn möglich, dass zahlreiche Teufel sich hier Eingang verschaffen konnten? Das kommt daher, dass der in die Seele eingedrungene Feind fortwährend daran arbeitet, seine Herrschaft zu erweitern. Die Leidenschaft, die er benutzte, um die Seele zuerst in seine Gewalt zu bekommen, dient ihm dazu, andere Leidenschaften zu entzünden. Schlecht bewachte Sinne, ein ausgegossenes Herz und eine leicht erregbare Phantasie unterstützen nur zu sehr die Arbeit des Teufels. Sei also auf der Hut. Aber lass dich nicht entmutigen, der Satan fügt den Seelen Schaden zu, aber er kann es nur insoweit, als Gott es zulässt.



20.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)

I Jesus begegnet dem Besessenen
Und sie fuhren zum Lande der Gerasener, das Galiläa gegenüberliegt. Kaum war Er ans Land gestiegen, da kam Ihm aus den Grabhöhlen ein Mensch entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war.
Warum stieg Jesus gerade hier ans Ufer? Weil in diesem Landstrich viele unter dem Joch Satans schmachteten. Das traurige Los der Unglücklichen bewegt das gütige Herz des Heilandes, und er eilt ihnen zu Hilfe. Den Bedrängten und Geknechteten bietet Er sich als Befreier an. Lobpreise Ihn und begleite Ihn zu diesem armen Volk. Wo Jesus erscheint, da wird die Hoffnung wieder lebendig.
Zwischen Jesus und dem Satan entspinnt sich sogleich ein Kampf. Wirf auf den unglücklichen Besessenen einen mitleidigen Blick. Niemand konnte ihn bändigen. Fortwährend, Tag und Nacht, hielt er sich in den Grabhöhlen und in den Bergen auf, schrie und schlug sich selbst mit Steinen. Was für ein trauriges Los bereitet Satan seinen Opfern. Schwere Ketten, zahllose Wunden, entsetzliche Verderbnis, schmachvolle Erniedrigung! Ist es nicht der Höhepunkt der Verblendung, die Herrschaft eines solchen Tyrannen dem ruhmvollen Joch des Schöpfers vorzuziehen?
Für eines dieser bedauernswerten Opfer schlägt nun die Stunde der Erlösung. Siehe, wie Jesus dem Besessenen naht. Er hat ja das Land unserer Verbannung betreten, unsere menschliche Natur angenommen, um alle Gefesselten aus der Tyrannei der Hölle zu befreien.



19.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

III Jesus stillt den Sturm
Da traten seine Jünger zu Ihm, weckten Ihn und riefen: «Herr, rette uns! Wir gehen unter!» Er aber entgegnete ihnen: «Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?»
Höre die angstvolle Klage der entmutigten Jünger: «Kümmerst Du Dich nicht mehr um uns? Liegt Dir unser Wohl nicht mehr am Herzen? Sind wir nicht mehr die Deinen? Sind wir nicht in diese Gefahr geraten, weil wir Dir gehorcht haben?» Man möchte fast sagen, daß die Jünger mit ihren flehenden Bitten seine Güte wieder wecken wollten, als ob die Güte im Herzen Gottes einschlafen könnte! Weiß der Sohn Gottes vielleicht in der Stunde der Gefahr nicht mehr alles, was Er vorher gewußt hat? Ist Er dann weniger allmächtig und weniger geneigt, uns zu helfen? Darum höre den Vorwurf, den Jesus den Jüngern macht: «Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen! Wo ist euer Glaube? Wenn ihr an mich glaubt, was habt ihr da zu fürchten? Welchen Sturm sollte ich nicht beschwichtigen können? Gegen welche Feinde vermöchte ich euch nicht zu verteidigen? Bedenkt, wer ich bin, und ihr werdet erkennen, was ihr vermögt!» Beherzige den Tadel des Heilandes und ziehe Nutzen daraus. Alle Gewalt des Bösen zerschellt an einem Akt des Glaubens. Aber der Glaube ist nur dann stark, wenn er sich einzig auf das stützt, was Gott gesagt hat, und alles geringschätzt, was ihn von außen nachteilig schwächen will. Sieh zu, wie es mit deinem Glauben bestellt ist, und verbessere, was mangelhaft ist!
Um einen lebendigen, unerschütterlichen Glauben zu erlangen, bitte den Heiland, in dir die Empfänglichkeit für das Irdische zu vermindern, den aufgeregten Wogen des Stolzes, der Sinnlichkeit und des Zorns Schweigen zu gebieten und den heftigen Anreizungen der Begierlichkeit wie auch der Fieberglut unstatthafter Neugierde und unersättlicher Wünsche Einhalt zu tun. «Schweige! — Verstumme!» gebot Jesus. Der Wind legte sich, und es ward eine große Stille. Angesichts der göttlichen Allmacht und Güte festige für immer dein Vertrauen auf Jesus. Erkläre dich bereit, in allen Stürmen auszuhalten, wie seine Ehre es verlangt.



18.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

II Jesus schläft während des Sturmes
Während sie dahinfuhren, schlief Er ein. Da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, so dass das Boot von den Wogen überflutet wurde. Er aber schlief hinten im Boot auf dem Kissen.
Der Meister bedarf der Ruhe, Er hat so viel für die Seinen gearbeitet. Den ganzen Tag hat Er im Dienst jener zugebracht, die sein himmlischer Vater Ihm anvertraut hat. Auch du gehörst zu ihrer Zahl. Ermüdet schläft Er ein. Glaubst du, der Herr habe jetzt seine Jünger verlassen und sie seien nun weniger in Sicherheit? O nein, schlafend oder wachend ist Jesus immer der allwissende, allmächtige und gütige Gott.
Es erhob sich ein gewaltiger Sturm. Der Sturm erhebt sich, und Jesus fährt fort zu schlafen. Warum gibt Er den Anschein, als ob Er nichts wisse von dem, was vorgeht? Er will den Glauben und das Vertrauen der Jünger prüfen. Er überlässt sie kurze Zeit sich selbst, damit sie erfahren, wie ohnmächtig sie sind.
Die Jünger kämpfen mit den Wogen und verzagen. Es fehlt ihnen nicht an Energie und Erfahrung im Kampf gegen den Sturm, aber was vermögen eifrigste Arbeit und bewährte Geschicklichkeit, wenn der Glaube wankt? Der Glaube verleiht Stärke. Mitten im tobenden Sturm, selbst bei den heftigsten Angriffen der Hölle, wirst du unüberwindlich sein, wenn dein Glaube standhält und du bei Jesus ausharrst, selbst wenn Er dich deinem Schicksal zu überlassen scheint.



17.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

I Jesus fährt mit seinen Jüngern über den See
An demselben Tage, da es Abend geworden war, sprach Er zu ihnen: «Laßt uns hinüberfahren an das andere Ufer!» Sie entließen also das Volk und nahmen Ihn, so wie Er war, im Boot mit. Es waren aber auch noch andere Boote mit Ihm.
Folge auch du der Einladung, die Jesus an seine Jünger richtet. Er will ihnen eine Lehre erteilen, die du ebenso notwendig hast. Sie sollen verstehen lernen, bis zu welchem Grade sie auf Ihn vertrauen müssen. Bereite mit den aufmerksamen Jüngern dem Heiland einen Platz im Schifflein. Bitte Ihn, es zu besteigen, und folge Ihm dann. Die Jünger haben nichts zu fürchten, denn sie unternehmen die Fahrt auf Befehl des Meisters. Wenn man sich auf einen Befehl Gottes stützt, kann man jeder Gefahr die Stirn bieten. Das Bewusstsein, den Willen Gottes zu erfüllen, gibt der Seele Kraft. Du wirst erfahren, dass Jesus den Seinigen die Prüfungen nicht erspart und dass seine größten Gunstbezeugungen niemanden vor den Stürmen des Lebens schützen. Aber an der Seite Jesu kann keine Seele zugrunde gehen. Verbanne alle Furcht und festige dich im Glauben.


16.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

III Jesus warnt seine Jünger vor Unbeständigkeit
Und ein anderer sprach: «Herr! Ich will Dir folgen, lass mich aber vorher von meiner Familie Abschied nehmen.» Jesus aber sprach zu ihm: «Keiner, der seine Hand an den Pflug legt und wieder zurückschaut, ist brauchbar für das Reich Gottes.»
Jesus lehrt noch eine dritte ernste Wahrheit. «Du hast mich gerufen», sagt dieser Jünger zum Herrn. «Ich will diesem Ruf folgen, jedoch nicht sogleich. Die Vorsätze, die deine Worte in mir geweckt haben und die ich jetzt in deiner Gegenwart fasse, will ich später ausführen. Vorerst erlaube mir, zu meinen Geschäften zurückzukehren.» Er will erst noch einmal zu dem zurückkehren, was er zu verlassen beabsichtigt. Er redet sich ein, daß er dann sein Opfer besser vollbringen könne. In Wirklichkeit treibt ihn der Wunsch, die Güter, die sein Herz bisher gefangen hielten, noch weiter zu genießen. Dieser Wunsch ist eine Täuschung der Eigenliebe, und der Jünger wird zu schwach sein, sich diesem Fallstrick zu entziehen.
Bewundere die Kraft, mit der der Meister diesem schwachen Jünger zu Hilfe kommt. Er stärkt ihn durch die Warnung vor einem schimpflichen Abfall. Jesus stößt ihn nicht zurück, sondern klärt ihn auf und bewahrt ihn vor der Untreue. Wie die Sehnsucht nach dem Besitz Jesu eine mächtige Hilfe ist, seinem Ruf zu entsprechen, so ist auch die Furcht, Ihn zu verlieren und keinen Fortschritt zu machen, ein notwendiger Ansporn. Bediene dich sowohl der einen wie der andern und bitte um Hochherzigkeit und Willensstärke. Es ist Zeit, deine vielfache Untreue wieder gutzumachen und deine Schritte auf dem Weg der Vollkommenheit zu beschleunigen. Kämpfe mit beharrlicher Anstrengung und vollende das angefangene Opfer.



15.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

II Jesus lädt einen seiner Jünger zu seiner vollkommenen Nachfolge ein
Zu einem andern aber sprach Er: «Folge mir nach!» Und dieser sprach: «Herr! Erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.» Jesus aber sprach zu ihm: «Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkünde das Reich Gottes!»
Höre die Einladung, die Jesus unerwartet an einen der Seinigen richtet. Er überrascht ihn, Er kommt ihm zuvor. «Folge mir!» sagt Er kurz. Aber dieser Jünger folgt Ihm doch schon. Wohin will Jesus ihn denn führen? Was verlangt Er von Ihm? Aus dem Jünger soll ein Apostel werden, und die freie Wahl für dieses Amt steht einzig dem Herrn zu.
Diese Wahl ist unendlich ehrenvoll, aber das Amt ist reich an Opfern. Der Jünger fühlt es und kann sich nicht enthalten, einen Einwand zu machen. Hier vernimmst du die Sprache deines eigenen schwachen Herzens: «Meister, laß mich zuerst für die Meinigen sorgen. Wohl möchte ich Dir ganz angehören, dem Gebet mich hingeben, Dir dienen und an deinem Werk arbeiten. Aber die Sorge und Liebe für meine Familie nehmen mich noch in Anspruch. Erlaube mir, diesem Zug meines Herzens zu folgen. Wenn ich dieser Pflicht der Liebe genügt habe, will ich Dir vollkommen angehören.»
Manche Seele, die Jesus durch seine Erwählung gerufen hat, muß sich eine solche Schwäche vorwerfen, eine Schwäche, die Jesus versteht und die Er heilen will. Deshalb besteht Er barmherzig auf seiner Forderung. «Laß die Toten ihre Toten begraben», entgegnete Er. «Laß jene, die mich nicht kennen, sich mit sich selbst beschäftigen und sich gegenseitig die Annehmlichkeiten des Lebens verschaffen.»
Verstehe den Sinn dieser ernsten Worte Jesu nicht falsch! Er betont, daß die Pflichten des Dienstes Gottes und des Apostolates allen menschlichen Neigungen vorzuziehen sind. Durch dieses Wort will der Heiland uns nicht von einer Pflicht der Liebe gegen die Angehörigen entbinden, noch die Beweise einer geordneten Zuneigung zu ihnen verbieten. Betrachte diese Lehre und nimm es ernst mit der Verpflichtung, dem Heiland alles zu opfern, was Er begehrt, und Ihm ohne Zögern dahin zu folgen, wohin Er will. Wer nur den natürlichen Neigungen folgt, statt auf die göttlichen Einsprechungen zu hören, setzt sich der Gefahr aus, diese nicht mehr zu verstehen. Wenn Jesus ruft, so zaudere nicht, dem Ruf zu entsprechen.



14.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

I Ein Schriftgelehrter will Jesus folgen
Während sie des Weges weiterzogen, sagte einer zu Ihm: «Ich will Dir folgen, wohin Du auch gehst.» Jesus erwiderte ihm: «Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester. Der Menschensohn aber hat keine Stätte, wohin er sein Haupt legen könnte.»
Begleite den Heiland, Er will dir heute wichtige Lehren erteilen. Ein Schriftgelehrter bietet sich Ihm als Jünger an mit den Worten: «Meister, ich will Dir nachfolgen, wohin immer Du gehst.» Man kann den Willen, dem Heiland anzugehören, nicht großmütiger ausdrücken. Aber welchen Wert hat dies Wort auf den Lippen des Schriftgelehrten? Es ist nichts anderes als ein Ausruf der Bewunderung, wie er auch deinem Herzen so manches Mal entstiegen, aber wirkungslos geblieben ist. Der Anblick des Guten begeistert leicht, darum hält man sich für entschlossen, es auszuüben, aber man täuscht sich.
Was antwortet der Heiland? Er prüft die Aufrichtigkeit unserer Entschlüsse. «Ich bin arm», sagt Er, «in meiner Nachfolge harrt deiner ein Leben der Entsagung.» Jesus, dem die ganze Welt mit ihren Reichtümern gehört, benützt nur das zu seinem Gebrauch, was Er sich bei seinen Geschöpfen vom Überfluß, den Er selbst ihnen gegeben hat, erbettelt. Tut Er das nicht, um dich die Verachtung der irdischen Güter zu lehren? Nur wenn du diese Lehre annimmst, wirst du Ihm vollkommen treu sein. Sei versichert, in der Nachfolge eines solchen Meisters darf man nicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens bedacht sein. Bringe sie Ihm deshalb zum Opfer. Verlange, seine Armut zu teilen und dir wenigstens alles Überflüssige zu versagen. Das ist das erste, was Jesus von seinen Jüngern fordert.



13.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

III Jesus predigt in den Städten Galiläas
Und das Volk suchte Ihn und kam bis zu Ihm, und es hielt Ihn zurück, daß Er nicht von ihnen gehen sollte. Er aber sprach zu ihnen: «Auch den andern Städten muss ich das Evangelium vom Reich Gottes verkünden, denn dazu bin ich gesandt.»
Man versucht, den Heiland in Kapharnaum zurückzuhalten. Denn das Volk hat Ihn kennengelernt. Er hat diesen armen Leuten schon so viel Gutes erwiesen, daß sie meinen, Ihn nicht mehr entbehren zu können. Auch du bedarfst seiner dringend. Deshalb räume Ihm eine unumschränkte Herrschaft über dein Leben ein.
Wie entspricht Jesus dem Drängen des Volkes? Er erinnert daran, daß Er für alle gekommen ist, nicht nur für die Menge, die Ihn hier umgibt. «Wenn ich nicht mehr bei euch bin», scheint Er zu sagen, «sollt ihr euch über meine Abwesenheit trösten in dem Gedanken, daß ich mich nur für kurze Zeit von euch entferne, um auch andere meiner Wohltaten teilhaftig zu machen.»
Wende diese Worte auf dich an. Preise deinen Erlöser, weil Er niemanden vom Segen seiner Ankunft ausschließt. Wohl ist Er für alle gekommen, doch nimmt Er sich am liebsten der Demütigen an. Das soll dich ermutigen, dich Ihm vertrauensvoll zu nahen. Er wird sich immer zu dir hinneigen, wenn du dich aufrichtig demütigst. Erwecke in dir das Verlangen, daß alle Menschen seine Worte bereitwillig aufnehmen und alle Herzen seine Gebote in Liebe umfassen. Das Reich Gottes soll sich in allen Herzen und unter allen Völkern ausbreiten. «Zu uns komme dein Reich!»



12.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

II Jesus wird vom Volk aufgesucht
Simon nun folgte Ihm nach mit allen, die bei ihm waren. Und da sie Ihn fanden, sagten sie zu Ihm: «Alle suchen Dich!» Er aber sprach zu ihnen: »Lasst uns in die nächstgelegenen Orte und Städte gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen.»
Beobachte das Benehmen der Jünger auf dem Weg zu Jesus. Sie haben seine Spur verloren, weil sie zu spät aufgestanden sind. Aber im Dienst Jesu ist jeder Mangel wieder gut zu machen. Da sie Ihn suchen, werden sie Ihn sicher finden. Zu jeder Stunde läßt sich der Herr wieder finden von allen, die Ihn aufrichtig suchen und ihr ganzes Vertrauen auf Ihn setzen.
»Alle suchen Dich!» sagen die Apostel. Alle bedürfen des Heilandes. Denke über dieses allgemeine Bedürfnis der Seelen nach.
Kennst du in deiner Umgebung niemand, auf den der Heiland schon lange wartet und den du Ihm zuführen könntest? Gedenke auch der vielen Unglücklichen, die sich nach einem Erlöser sehnen, die aber weder seinen Namen kennen, noch von seinem Dasein und den Segnungen seines Reiches auf Erden etwas wissen und die deshalb in nutzlosen Anstrengungen, fern vom richtigen Weg, sich erschöpfen. Hab Mitleid mit ihrem traurigen Schicksal. Kannst du nichts tun, um ihnen zu helfen?



11.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

I Jesus geht in die Wüste, um zu beten
Bei früher Morgendämmerung aber stand Er auf, ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort und betete dort.
Dein Erlöser bereitet sich zum Gebet. Eile zu Ihm und achte auf die Zeit, den Ort und die Weise seines Gebetes. Benutze die Gelegenheit und bitte Ihn, dich beten und betrachten zu lehren. Knie dich dicht neben Ihn. Flehe Ihn an, dir soviel Liebe zur täglichen Betrachtung zu geben, daß du eher den Schlaf abkürztest, wenn es notwendig wäre, als daß du sie unterläßt. Für wen betet Jesus? Wie bringt Er dem himmlischen Vater seine Huldigungen dar? Welche Bitten trägt Er Ihm vor? Welchen Dank opfert Er seiner unendlichen Güte auf? Durch welche Akte wird sein Gebet der göttlichen Majestät besonders angenehm? Betrachte den Heiland ganz in der Nähe und ziehe aus seinem Anblick Nutzen für deine Seele.


10.03.2019

49. Der gute Meister
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

II Jesus spendet allen die Schätze seiner unendlichen Güte und Liebe
So sollte erfüllt werden, was durch den Propheten Isaias gesagt ist, der da spricht: «Er hat unsere Gebrechen auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.»
Suche das unendliche Erbarmen Jesu tiefer zu erfassen. Die Güte, die Jesus allen erweist, war von den Propheten als der hervorstechendste Zug seiner göttlichen Persönlichkeit bezeichnet worden. Als Erkennungszeichen hatten sie von Ihm vorhergesagt: «Er hat alle unsere Schwächen getragen.» Alles Elend, das ein Mensch erdulden kann, alle Prüfungen, die über ihn verhängt werden können, alle Fehler, deren er sich schuldig machen kann, alles dies nimmt Jesus auf sich, in Liebe sprechend: «Ich belade mich damit. Ich will dafür büßen und sühnen.»
So nähere dich Jesus und erkenne in Ihm Denjenigen, von Dem die Propheten gesprochen haben. Siehst du nicht in Ihm alle Prophezeiungen erfüllt? Erwecke in deiner Seele die Gesinnungen eines kindlichen Vertrauens. Jesus ist in Wahrheit unser Erlöser und als solcher ist Er bereit, sich mit all unserem Elend zu beladen, damit wir von dieser Bürde befreit werden. In deiner abendlichen Gewissenserforschung kannst du ohne Furcht alles in sein göttliches Herz niederlegen. Er nimmt uns jeden Tag mit unseren Armseligkeiten in Liebe auf. Er ist unser Erlöser und nimmt alles von uns an, die Siege sowohl als die Niederlagen, wenn wir es Ihm nur mit Demut, Liebe und Vertrauen darbieten.



09.03.2019

49. Der gute Meister
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

I Die Menge drängt sich von neuem zu Jesus hin
Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu Ihm. Und Er trieb die Geister durch sein Wort aus und heilte alle Kranken.
Nutze mit Eifer diese letzte Stunde eines gnadenreichen Tages, in der Jesus sich allen widmet. Mische dich unter die gläubige Menge, die Ihm ihre Kranken bringt. Schon ist es spät geworden. Der Tag war recht ermüdend. Aber der Erlöser, den der himmlische Vater uns gesandt hat, ist zu jeder Stunde und für alle bereit. Wie sein ganzes Herz, so gehört auch jeder Augenblick den Seinigen. So sollen seine Jünger Ihn in der Erinnerung behalten. Und wenn es dann später einmal gilt, dem Nächsten wohl zu tun, werden sie in Nachahmung ihres Meisters niemals eine Unmöglichkeit vorschützen und keinen zurückweisen.
Er legte jedem die Hände auf. — Betrachte Jesus in der Ausübung seiner Sendung. Je mehr Er Gelegenheit hat, Wohltaten zu spenden, desto unerschöpflicher zeigt sich seine Güte. Nur jenen entzieht Er sich, die sich weigern, daran zu glauben. Bitte Ihn, Er möge seine Hände segnend auf allen ruhen lassen, die du liebst. Nenne sie Ihm mit Namen und sprich Ihm von ihren Bedürfnissen. Er wird dich anhören, als wärest du allein bei Ihm, ungeachtet der Menge, die Ihn umdrängt. Wie Er ganz für alle da ist, so ist Er auch ganz für jeden einzelnen da.
Welche Heilungen, welche Bekehrungen und welche Wunder begehrst du von Ihm? Öffne Ihm dein Herz. Nichts überschreitet die Grenzen seiner Allmacht, nichts erschöpft seine Güte, nichts setzt seine Weisheit in Staunen.



08.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

III Die Dankbarkeit der Geheilten
Sie stand auf und bediente sie.
Beachte, welchen Gebrauch die Geheilte von ihrer Gesundheit macht. Sie stellt sich ganz in den Dienst ihres Wohltäters. Der Heiland hat sie durch seine Wohltaten für sich gewonnen, und sie will Ihm treu bleiben. Er ist zu ihr gekommen, und sie bittet Ihn, zu bleiben. Welch schöne und kostbare Lehre für uns! Warum gibt Gott seine Gnade, warum wirkt Er Wunder, wenn nicht, um uns in seinem Dienst zu bestärken? — Hast du dies nicht oft vergessen, meine Seele, wenn du dich von Ihm fern hieltest und Ihn durch deine Untreue betrübt hast, anstatt dich zum Dank für seine Wohltaten Ihm ganz zu unterwerfen? Kehre zu Ihm zurück und bitte Ihn um Verzeihung.
Sie bediente Ihn. Im Haus Simons ist das Glück eingekehrt. Erfreue dich mit den übrigen Gästen daran. Setze dich an den Tisch, wo die Geheilte ihren Erlöser bedient. Nimm teil an der Unterhaltung und an der Dankbarkeit, die alle beseelt.



07.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

II Die Heilung der Kranken
Da nahm Er sie bei der Hand, und das Fieber verließ sie. Da erhob sie sich und bediente Ihn.
Wirf einen mitleidsvollen Blick auf die arme Kranke. Das verzehrende Fieber, die erregten Phantasien, die außerordentliche Schwäche haben sie dem Tode nahe gebracht. Ihre körperlichen Leiden sind ein Bild der Krankheiten deiner Seele. Gestehe es in Demut ein. Dein hochfahrender Stolz und die Glut der sinnlichen Begierden machen dein Herz vielleicht zum Herd eines verzehrenden Fiebers. Wie manches Mal betrübst du dich ohne Grund und bist erregt wegen nichtssagender Dinge! Der geringste Widerspruch verwirrt dich. Die kleinste Beleidigung bringt dich um deine Selbstbeherrschung. Dir tut Heilung ebenso not wie dieser armen Fieberkranken.
So eile denn zu Jesus, um geheilt zu werden! Der Blick des Heilands und der Segen seiner heiligen Hände geben immer den Frieden wieder. Zeige Jesus deine kranke Seele, flehe Ihn an, Er möge alle ungeordneten Regungen unterdrücken, die dich beunruhigen und dir den Geschmack am Himmlischen rauben. Warum sollte Jesus nicht auch für dich dieselbe Macht und Güte haben, die Er in diesem Wunder offenbart? Hab Vertrauen!



06.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

I Jesus gewährt die Bitte, die Kranke zu besuchen
Und sogleich verließen sie die Synagoge und kamen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
Begleite den Heiland in das Haus des Simon Petrus. Sieh, wie Er von den Übungen der Frömmigkeit zu den Werken der Nächstenliebe übergeht. Darin liegt eine der tiefsten Lehren des Evangeliums. Höre, wie man auf dem Weg und an der Schwelle des Hauses inständige Bitten für die Kranke an Jesus richtet. Er kennt zwar alle unsere Bedürfnisse; dennoch will Er, daß wir sie Ihm vortragen und oft wartet Er mit der Hilfe, bis wir Ihn darum bitten. Der Schatz der göttlichen Barmherzigkeit steht uns allezeit zur Verfügung. Aber der Schlüssel dazu ist das Gebet. Die Apostel wissen dies und legen darum Fürbitte für die Kranke ein. Die Schwiegermutter des Simon aber lag fieberkrank danieder, und sogleich erzählten sie Ihm von ihr. Lerne von den Jüngern, für alle zu beten, die der Hilfe des Herrn, seiner Heimsuchung, seines Trostes und seiner Gnaden bedürfen. Sieh, wie der Sohn Gottes sich ihren Bitten geneigt zeigt, weil ihr Glaube uneingeschränkt und ihr Vertrauen ohne Grenzen ist. Sage niemals: «Meine Gebete sind nutzlos!» Etwas mehr Glaube und Vertrauen würden dich mächtig über das Herz Jesu machen, sowohl zu deinem eigenen Vorteil als auch zum Segen für andere.



05.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

III Jesus befreit einen vom Teufel Besessenen
Nun war in der Synagoge ein Mensch, der einen unreinen, bösen Geist hatte; dieser rief mit lauter Stimme und sprach: «Laß uns! Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus von Nazareth?»
Beobachte den unglücklichen Menschen. Ein unreiner Geist hat von ihm Besitz genommen. Er ruft aus: «Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus von Nazareth?» Die Wahrheit zwingt ihn, so zu sprechen, denn der Geist Gottes hat nichts gemein mit dem bösen Geist. Nun ist Jesus gekommen, um den Satan aus dem Reich Gottes zu vertreiben. Zwischen Ihm und dem bösen Geist ist jede Annäherung ausgeschlossen. Wer auf das Banner Jesu schwört, erklärt der Sünde und dem Satan den Vernichtungskrieg. Gib dich diesbezüglich keiner Täuschung hin. Doch Der, für Den du kämpfst, ist allmächtig. Kein böser Geist vermag Ihm zu widerstehen. Siehe, wie Jesus den Besessenen befreit. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und sprach: « Verstumme und fahre aus von diesem Menschen!» -Verstumme! Dieses Wort genügt, um den Unglücklichen aus der höllischen Tyrannei zu befreien. Merke dir zu deinem Trost, welches auch der böse Geist sein mag, der dich versucht und plagt, es genügt zu seiner vollständigen Niederlage, ihn die Gegenwart Jesu fühlen zu lassen. So verschaffe dir oft das Glück der Gegenwart Jesu durch eifriges Gebet, durch heilige Sehnsucht nach Ihm und besonders durch die heilige Kommunion. Mache, daß Er dir allezeit nahe bleibt, damit du nie allein in den Kämpfen bist, die du zu bestehen hast. Jesus wird zu deinem Heil seinen Sieg über Satan erneuern. Sprich mit dem Heiland aufrichtig über die Feinde deiner Seele. Freilich sind sie zahlreich und mächtig, aber in und mit Jesus vermagst du alles gegen sie.



04.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

II Jesus lehrt in der Synagoge
Und Er lehrte sie daselbst an den Sabbaten. Man war von seiner Lehre hingerissen, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
Tritt mit Jesus in die Synagoge ein und wähle deinen Platz möglichst in seiner Nähe. Jesus, der Lehrer der Wahrheit, predigt das Gegenteil von dem, was die Welt lehrt, denn diese spricht nur Lügen. Er unterrichtet auch nicht wie die Schriftgelehrten und Gesetzeskundigen, um endlose Erörterungen hervorzurufen, sondern um die Zuhörer zum Glauben und zur Besserung ihres Lebens zu bewegen. Das Wort Jesu ist ein Wort voll Kraft und Wahrheit. Geist und Herz finden Ruhe in der Annahme seiner Lehre. Bete die Weisheit des Vaters an, die von den Lippen seines Sohnes fließt.
Welche Wirkung hatten die Worte Jesu? Die Menge begnügt sich mit nutzlosem Staunen, die stolzen Pharisäer nehmen Ärgernis, nur die Demütigen empfangen sie als frohe Botschaft. Die Jünger, die sich um den Heiland geschart haben, werden durch seine Worte in dem festen Entschluss unwandelbarer Treue bestärkt. Da du zu seinen Jüngern zählst, folge ihrem Beispiel!



03.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

I Jesus kehrt mit seinen Jüngern nach Kapharnaum zurück
Und Er verließ die Stadt Nazareth und kam und wohnte in Kapharnaum, welches am Meere gelegen ist, an den Grenzen Zabulons und Nephthalins.
Folge Jesus und seinen neuen Jüngern! Es ist der Abend eines an Opfern reichen Tages. Aber sie genießen die ganze Freude ihrer ersten, großmütigen Liebe. Wovon sprechen sie auf dem Weg? Was fragen sie ihren Meister? Was tut Jesus Seinerseits? Warum führt Er sie gerade nach Kapharnaum? Dort hat Er eine zweite Heimat gefunden, und diese sollen seine Jünger mit Ihm teilen, denn von nun an sollen sie Ihm immer nahe bleiben und dasselbe Leben führen wie Er. Noch ein zweiter Grund veranlasst den Heiland, zuerst mit den Jüngern nach Kapharnaum zu gehen.
Diese Gegend ist in der Finsternis des Irrtums befangen, Satan hat dort seinen Thron aufgeschlagen. Jesus will den Seinigen das Böse aus der Nähe zeigen und sie lehren, es zu bekämpfen.
Freue dich jetzt schon der Siege, welche die Apostel erringen werden. Erwäge die prophetischen Worte, die ankündigen, daß ein neues Licht unsere Finsternis zerstreuen wird. Dieses Licht ist das Wort der ewigen Weisheit. Laß die Sonne des Evangeliums deine Seele erleuchten.



02.03.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

III Jesus beruft Petrus und dessen Gefährten zu seiner Nachfolge
Und Er sprach zu ihnen: «Folget mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!» Sie aber verließen alsbald ihre Netze und folgten Ihm.
Höre, wie Jesus die begnadigten Jünger zu seiner Nachfolge beruft. Gott erhöht die Demütigen. Er liebt und bevorzugt sie. Da die Jünger ihr Nichts erkennen, kann Jesus sich ihrer bedienen. Sie werden seinen Plänen nicht hindernd entgegentreten. Denn sie haben ihre persönlichen Ansichten aufgegeben und werden sich blindlings von Ihm leiten lassen. «Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!» sagt Jesus zu ihnen. «Der Erfolg, der euch soeben erfreut hat, ist ein Wunder, ein Vorspiel vieler anderer Großtaten Gottes. Die Menschheit ist in den Abgrund der Sünde geraten, sie muß daraus befreit werden. Wollt ihr euch mit mir diesem Apostolat weihen?» Wie entsprechen die Jünger dieser Einladung? Sieh, wie sie alsbald ihre Netze zusammenlegen und ohne Zögern ihr Gewerbe aufgeben, das sie gerade jetzt mit so reichem Ertrag erfreut hatte. Sieh, wie sie ihr Schifflein verlassen und sich von den Ihrigen trennen. Worin liegt das Geheimnis dieser opferwilligen Hingabe? Es liegt im Anblick und in der überwältigenden Offenbarung Dessen, Der sie beruft. Wo Gott sich kundgibt, kann der Mensch nicht widerstehen. Wenn du nur eine unbestimmte und unklare Kenntnis Gottes hast, so ist es nicht zu verwundern, dass du noch zauderst und fürchtest. Wenn du aber den lebendigen Gott in allem suchst, wirst du bald für Ihn gewonnen sein.
Die Aufforderung «Folge mir!» geht auch an dich. Wo ist denn für dich der Wirkungskreis, wohin der Meister dich beruft, um an der Verbreitung des Evangeliums mitzuarbeiten? Denke darüber nach und dann antworte wie Petrus und seine Gefährten. Schütze nicht deine Unfähigkeit vor, denn Jesus verspricht seinen Jüngern, dass Er selbst sie zu dem heranbilden wird, wozu Er sie berufen hat. Jesus wird nicht aufhören, dir beizustehen, damit du in seiner Nachfolge auszuharren vermagst. Deshalb vertraue!



01.03.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

II Der wunderbare Fischfang
Als sie dies getan hatten, fingen sie eine große Menge Fische. Ihre Netze drohten zu reißen. Da winkten sie ihren Gefährten in dem andern Boot, sie möchten kommen und ihnen helfen. Die kamen auch. Man füllte beide Boote, so dass sie beinahe versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: «Herr, geh hinweg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!»
Wohne im Geist diesem wunderbaren Fischfang bei und erneuere deine freudige Hingabe an den Heiland, in dessen Nachfolge das Vertrauen nie zuschanden wird. O meine Seele, sieh die übervollen Netze! Blicke dankbar zu deinem himmlischen Vater auf. Hier findest du bestätigt, daß du im Dienst Gottes allezeit hundertfältig wiederfindest, was du für Ihn geopfert hast. So verbanne alle Furcht aus deiner Seele und gib dich Ihm rückhaltlos hin.
«Herr, geh hinweg von mir!» ruft Petrus aus. Warum dieser Ausruf? Was bedeutet die rührende Szene, die ihn begleitet? Betrachte sie aufmerksam. Petrus fällt Jesus zu Füßen, er demütigt sich tief im Bewusstsein seines Nichts. Er hat einen Blick getan in die Abgründe der göttlichen Allmacht. Das genügt, um in ihm die lebhafte Empfindung seiner Niedrigkeit zu wecken. Nun weiß er, was er ist und welcher Platz ihm gebührt. Als armseliges Geschöpf wirft er sich dem Sohn Gottes zu Füßen und ruft in der Erkenntnis seiner Unwürdigkeit aus: «Ich bin nichts und weniger als nichts, denn ich bin ein armer Sünder!»
Petrus stellt sich auf den letzten Platz; tue ein Gleiches! Denn es ist der Platz, der dir gebührt. Aber an diesem Platz erfreut man sich überfließender Gnaden. Die Gebete des Demütigen dringen durch die Wolken, und der Herr nimmt seine Huldigungen und Danksagungen gnädig auf.



28.02.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

I Jesus fordert Petrus auf, zum Fischfang hinauszufahren
Als Er seine Rede beendet hatte, sprach Er zu Simon: «Fahr weit hinaus und werft eure Netze zum Fange aus!» Da antwortete Simon und sprach zu Ihm: «Meister! Wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen; doch auf dein Wort hin will ich das Netz auswerfen.»
Verweile in Sammlung bei Jesus im Schifflein des Petrus. Der Unterricht für die Volksmenge ist zu Ende. Nun beginnt jener für seine auserwählten Jünger. Sie brauchen gründlichere Unterweisungen, sie sollen höhere Tugenden üben. «Fahre hinaus in die Tiefe!» befiehlt Jesus dem Petrus. Was will Er damit sagen? «Begnüge dich nicht mehr mit einer Gottesverehrung, wie sie alle üben müssen. Strebe danach, dich auszuzeichnen durch festeren Glauben, größeres Vertrauen, tiefere Demut und vollkommenere Selbstverleugnung. Lenke dein Lebensschifflein in die tiefe See glühender Liebe, erhabener Gedanken, heldenmütiger Anstrengungen, glorreicher Ziele.» Diese überaus ehrenvolle Einladung kommt unerwartet. Gilt sie nicht auch dir? Höre die Antwort des Petrus und lerne von ihm, in die Absichten Gottes vollkommen einzugehen. «Die Stunde ist ungünstig, die Natur droht der Müdigkeit zu erliegen, die Aussicht auf Erfolg scheint ausgeschlossen. Aber du lädst mich ein, und ich zögere nicht. Du redest, und ich glaube. Du versprichst Erfolg, und ich vertraue dir.»
Das ist der wahre Glaube, der sich auf das Wort des Meisters sofort unterwirft. Das ist das wahre Vertrauen, das sagt: «Ich vertraue, weil Du es versprichst.» Glücklicher Jünger, den früherer Misserfolg nicht entmutigt hat! Petrus begreift schon, dass das Wort des Herrn sich wirksam erweist, wo menschliche Hilfe versagt, und dass man auf sein Wort hin alles vermag. Präge dir diese Wahrheit lief ein, um sie nie wieder zu vergessen!



27.02.2019

45. Jesus lehrt vom Schiff des Simon Petrus
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

II Jesus bittet Simon um einen Platz in seinem Schifflein
Es geschah aber, als sich das Volk an Ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand Er am See Genesareth. Und Er sah zwei Schiffe am Ufer liegen, die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg Er in das eine der Schiffe, welches dem Simon gehörte, und bat ihn, vom Lande etwas abzustoßen.
Hier bietet sich dem Heiland die Gelegenheit, von diesen Männern den ersten Dienst zu erbitten. Das Volk umdrängt den Meister am Ufer, um das Wort des Lebens zu hören. Ist diese Menge nicht ein Bild der gefallenen Menschheit mit ihrem unsäglichen Elend? Auf allen Wegen, wo Jesus vorübergeht, bis in die Einöden, in die Er sich flüchtet, drängen sich die hilfsbedürftigen Seelen. Allen will Er die Bürde erleichtern und ihnen das geben, was für sie das Notwendigste ist: sein göttliches Wort und durch dieses göttliche Wort das Leben der Seele. Jesus braucht deshalb Männer voll guten Willens, die Ihm seine Zuhörer heranbilden, ihnen seine Worte erklären und seine Gnade vermitteln. Dies ist die Aufgabe des Priesters in der Kirche. — «Lass mich in dein Schifflein steigen», sagt Jesus zu Simon: «Sei mir behilflich, dem Volke die Botschaft des Heils zu verkünden. Ich bedarf deiner.» Verkoste die Freude, die Simon empfindet, als er den Heiland aufnimmt! Er tut es mit inniger Herzensfreude und bietet Ihm den besten Platz an. Der Jünger wird zum Apostel, der sich ganz dem Dienst des Meisters weiht. Nimm zu Füßen Jesu Platz. Lass Petrus das Schifflein lenken, wie es dem Herrn gefällt. Du darfst indessen den Worten Jesu lauschen.
Und Er setzte sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus. Der Lehrstuhl ist bescheiden, aber die Weisheit, die dort verkündet wird, ist erhaben über alles menschliche Wissen. Höre und wiederhole dir diesen göttlichen Unterricht, bei dem Jesus sich zum ersten Mal des Petrus bedient, um uns zu belehren. Jesus spricht vom wahren Leben, von der Liebe des himmlischen Vaters und von unseren Pflichten gegen Ihn.



26.02.2019

45. Jesus lehrt vom Schiff des Simon Petrus
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

I Jesus begegnet Petrus und seinen Gefährten
Als aber Jesus längs des Galiläischen Meeres wandelte, sah Er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder, wie sie eben das Netz ins Meer warfen.
Der göttliche Meister steht einsam am Ufer des Sees von Tiberias. Die Volksmenge hat Ihn noch nicht bemerkt. Es ist am Morgen eines bedeutungsvollen Tages. Wo weilt der Heiland mit seinen Gedanken? Was ist wohl der Gegenstand seiner Erwägungen? Jesus gedenkt der Zukunft. Er sieht die Bedürfnisse der Seelen in der langen Reihe der Jahrhunderte voraus. Er will für sie seine Kirche stiften, und dazu braucht er Apostel.
Die ersten Männer, die Er dazu wählen wird, sind schon gefunden. Petrus und sein Bruder Andreas stehen am Ufer. Etwas weiter erblickst du in ihren Booten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit ihrem Vater die Netze ausbessern. Bedenke, was die Erwählten jetzt sind und was der Heiland aus ihnen machen will, und fasse Vertrauen beim Anblick deiner eigenen Schwäche. In den Händen des Allmächtigen sind die geringsten Werkzeuge imstande, Großes zu vollbringen.
Aber Jesus entdeckt in diesen Fischern auch Eigenschaften, die sie zu ausgezeichneten Werkzeugen für die Ausführung seiner Pläne machen. Sie sind einfach, arbeitsam und opferwillig, deshalb geeignet, an der Gründung des neuen Gottesreiches zu arbeiten, und Jesus will sich ihrer dazu bedienen. Was ihnen fehlt, wird Er ersetzen. Willst nicht auch du dich im Dienst Gottes nützlich machen und die Wahl Jesu auf dich lenken? Betrachte diese so einfache und doch so wirkungsvolle Szene und entschließe dich, die Einfalt und Opferbereitschaft der ersten Jünger nachzuahmen.



25.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

III Jesus erhört die Bitte des königlichen Beamten
Jesus erwiderte ihm: «Geh hin, dein Sohn lebt!» Der Mann glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging.
Siehe, wie der Erlöser sich von der erneuten Bitte des Beamten rühren läßt und sein Gebet erhört! So ist selbst dies unvollkommene Gebet nicht unwirksam geblieben. Warum also mutlos werden und klagen: Ich kann nicht recht beten? Bete nur, so gut es eben geht, das genügt vorläufig. Indes bestrebe dich, Fortschritte zu machen, indem du mehr und mehr deinen Glauben vervollkommnest. Nimm dir ein Beispiel an dem glücklichen Vater. Jetzt glaubt er dem Sohn Gottes aufs Wort. Er glaubte und ging hinweg. Geh mit Ihm und bezeuge, daß alles, was Jesus sagt, wahr ist und daß Er alle seine Verheißungen erfüllt.
«Wann ist es besser geworden mit meinem Sohn?» fragt der Beamte seine Knechte. Er erforscht mit Sorgfalt die Stunde und näheren Umstände der Heilung seines kranken Kindes. Er möchte die Stunde der göttlichen Heimsuchung feststellen, um seinen Glauben zu vermehren und mit den Seinigen die dankbare Erinnerung an das große Wunder zu feiern. Tut er nicht recht daran, und drängt es dich nicht, ihn nachzuahmen?



24.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

II Jesus wirft dem königlichen Beamten seinen mangelhaften Glauben vor
Jesus sprach zu ihm: «Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.» Der königliche Beamte bat Ihn: «Herr komm herab, ehe mein Kind stirbt!»
Warum dieser Vorwurf aus dem Mund des guten Meisters? Er will den Bittsteller weder zurückstoßen noch ihm seine Unzufriedenheit bezeugen. Er will ihn nur lehren, besser zu beten, und ihm helfen, durch einen vollkommenen Glauben die Gnade zu verdienen, die er erfleht. «Du stellst Bedingungen für deinen Glauben», sagt Jesus. «Du willst nur glauben, wenn du gesehen hast. Es braucht Wunder, um dich zu überzeugen, während mein Wort dir genügen sollte.»
Handelst du nicht ähnlich? «Erhöre mich, und ich werde glauben.» Das ist nur zu oft der Inhalt deines Gebetes. Der Sohn Gottes aber, der die ewige Wahrheit ist, will, daß wir Ihm auf sein Wort hin glauben. Sein unfehlbares Wort ist die eigentliche Grundlage unseres Glaubens.
Ein anderer Fehler beim Gebet dieses Mannes liegt darin, daß er viel verlangt, ohne selbst etwas anzubieten; und doch ist das Gebet eigentlich ein Austausch zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Den Wohltaten Gottes muß das Opfer unserer Anbetung vorangehen. Diesen betrübten Vater treibt einzig das Verlangen, ein Leid von sich abzuwenden, zum Gebet. Er denkt zu viel an sich und zu wenig an Gott. Seinem Gebet fehlt die Huldigung, die das Geschöpf seinem Gott schuldet.



23.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

I Ein königlicher Beamter bittet Jesus, seinen Sohn zu heilen
So kam Er wieder nach Kana in Galiläa, wo Er das Wasser in Wein verwandelt hatte. Da war ein königlicher Beamter, dessen Sohn in Kapharnaum krank darniederlag. Als dieser hörte, Jesus sei von Judäa nach Galiläa gekommen, ging er zu Ihm und bat, Er möge herabkommen und seinen Sohn heilen; denn er lag im Sterben.
Bitte den göttlichen Meister um die Erlaubnis, Ihm nach Kana zu folgen. Er kehrt gern dahin zurück, wo Er gut aufgenommen wurde. Nur kurze Zeit hatte Er dort gelehrt. Jetzt will Er sein Werk fortsetzen und zugunsten der leidenden Menschheit die Wunder der göttlichen Allmacht erneuern.
Höre die demütige Bitte des bedrängten Vaters. Ein großes Leid soll für Ihn die Stunde der Gnade herbeiführen. «Mein Sohn ist nahe daran zu sterben», sagt er zu Jesus. «Das Glück meines Lebens soll ich verlieren. Du allein bist meine Hoffnung. Ich habe von deiner Güte und Allmacht gehört. Komm, ehe mein Sohn stirbt!» Diese demütige Bitte verdient Erhörung.
Sieh, wie inständig man zu Gott betet, wenn alle menschlichen Hilfsmittel erschöpft sind. Hast nicht auch du vielleicht mehr als eine hoffnungslose Sache deinem Heiland zu empfehlen? Wende dich mit ganzem Vertrauen an die göttliche Barmherzigkeit!



22.02.2019

43. Das Wirken Jesu in Galiläa
(Mt 4, Mk 1,Lk 4, Joh 4)

II Jesus fordert zur Buße und zur Besserung des Lebens auf
Von dieser Zeit an begann Jesus zu predigen und zu sagen: « Tut Buße! Denn das Himmelreich ist nahe!»
Nähere dich dem Lehrstuhl Jesu in der Synagoge.1 Der göttliche Meister erklärt seinen Zuhörern, daß für sie die Zeit gekommen ist, Buße zu tun, ihr Leben zu bessern, den Kampf gegen die Leidenschaften aufzunehmen und Gott vollkommen in sich herrschen zu lassen. Hat der himmlische Vater nicht seinen Sohn in die Welt gesandt, um sein Reich auf Erden zu begründen? Soll aber Gott in deinem Herzen herrschen, so mußt du zuvor die Sünde daraus entfernen. Nimm die dabei unvermeidlichen Kämpfe mutig auf. «Das Reich Gottes ist nahe», fügt Jesus bei. Das Reich Gottes und alles, was es an Glück und Seligkeit enthält, ist gleichsam in deine Hand gegeben. Alles, was die göttliche Güte an Gnaden und Gaben während deines Lebens spenden kann, bietet Sie dir an. Es hängt nun von dir ab, schon jetzt einen Vorgeschmack der Freuden des Himmels zu genießen.
Du fragst nach der Bedingung dieses Glücks? Es ist der Glaube an das Evangelium. An das Evangelium glauben heißt, von ganzem Herzen der Lehre Jesu anzuhangen und sein Leben danach auszurichten. Entschließe dich also zur Nachfolge Jesu. Er will nur eines: dich sicher zum Reich Gottes führen. Wenn Er dir zur Erreichung dieses Zieles schwierige Wege zeigt, so bietet Er dir zugleich überfließende Gnade an, die dich selbst das Schwerste leicht finden läßt. Suche diese Wahrheit immer besser zu verstehen und erfreue dich an ihr.
Jesus hat seinen Lehrvortrag beendet, und alle spenden lauten Beifall. Stimme in das Lob ein, vergiß aber nicht, daß deine Zustimmung vor Ihm keinen Wert hat, wenn sie nicht von hochherzigen Entschlüssen begleitet ist.
1 Zur Zeit Christi gab es in Palästina sehr viele Synagogen. In Jerusalem waren deren mehrere. Die Versammlungen daselbst waren häufig. Außer den Pflichtgottesdiensten am Sabbat waren dort auch montags und donnerstags Zusammenkünfte.



21.02.2019

43. Das Wirken Jesu in Galiläa
(Mt 4, Mk 1,Lk 4, Joh 4)

I Jesus kommt nach Galiläa und wird vom Volk freudig aufgenommen
Nach zwei Tagen aber zog Er von da weg und begab sich nach Galiläa, denn Jesus selbst bezeugte, daß ein Prophet in seinem Vaterland nicht geehrt wird. Als Er nun nach Galiläa kam, nahmen Ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was Er zu Jerusalem an dem Fest getan, denn auch sie waren zu dem Fest gekommen.
Nach zwei Tagen apostolischer Wirksamkeit verließ Jesus Sichem. Überall hält Er sich nur ganz vorübergehend auf. Wie kurz aber auch die Dauer seiner Anwesenheit sein mag, stets hinterläßt Er tiefe, unverwischbare Spuren seiner Gegenwart. Die Samariter danken Ihm für alles, was Er ihnen Gutes getan hat. Das Andenken daran wird niemals schwinden. Beglückwünsche den Heiland zu diesem tröstlichen Erfolg. Mache dich bereit, sein Zeuge bei neuen Erfolgen zu sein.
Wohin wendet Jesus sich jetzt? Er lenkt seine Schritte zu jenen, die Er ehedem durch sein Beispiel erbaut hat. Das Erdreich ist gut vorbereitet. Die Galiläer haben seine Werke in Jerusalem gesehen. Darum kommen sie Ihm voll Eifer entgegen. Sie kennen Ihn, sie wissen, was Er ihnen bringen will und was sie von Ihm erwarten dürfen. Wer einmal die Wonnen der Gegenwart Jesu verkostet hat, den drängt es abermals in seine Nähe. Wer Ihn wahrhaft kennt, der nimmt Ihn allezeit mit Freuden auf. Geselle dich zu den Galiläern, teile ihr Verlangen, die Unterweisungen des Sohnes Gottes zu hören.



20.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

III Jesus gewinnt die Samariter für den wahren Glauben
Viele Samariter aus jener Stadt kamen zum Glauben an Ihn auf das Wort der Frau hin, die bezeugte: «Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.» Die Samariter zogen zu Ihm hinaus und baten Ihn, bei ihnen zu bleiben. So blieb Er zwei Tage dort.
Die Samariter umringen den Heiland. Ihm ganz nahe siehst du jene, die vor kurzem noch eine arme Sünderin war. Gleich am Tag ihrer Bekehrung wird sie zum Apostel. Seit ihrer Aussöhnung mit Gott hat sie dem Sündenelend ihrer traurigen Vergangenheit auf immer entsagt und aus Dankbarkeit für die von Jesus erlangte Gnade geht ihr ganzes Streben dahin, Ihm Seelen zu gewinnen. Es bleibt hienieden ein undurchdringliches Geheimnis, wie das Heil einer Familie, ja einer ganzen Stadt, zuweilen von dem Apostolat eines Einzigen abhängt. Lerne von der Samariterin, erfolgreich am Seelenheil anderer zu arbeiten. Sie stellt den ihrigen keine schweren Forderungen, sondern begnügt sich damit, Ihnen die frohe Botschaft zu verkünden. «Kommt und seht, was ich gesehen, hört, was ich zu meinem Heil gehört habe. Der Mann, mit dem ich zusammengetroffen bin, hat mich zur Selbstkenntnis geführt. Er hat mir die Wahrheit gezeigt. Er ist ein Prophet, ein Gesandter Gottes, niemand anders als Christus!» Betrachte die Bewohner der Stadt, die der Eifer dieser Frau so schnell dem Erlöser gewonnen hat. Sie tragen Jesus die vertrauensvolle Bitte vor, bei ihnen zu verweilen, und Jesus nimmt die Bitte an.
Er blieb daselbst zwei Tage. Und viel mehr glaubten an Ihn seiner Lehre wegen. Und sie sprachen zu der Frau: «Wir glauben nun nicht mehr um deiner Rede willen, denn wir haben Ihn selbst gehört und wissen, daß Dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.»
Mit Eifer begibt sich der Herr dort hin, wo Er den Seelen wohltun kann. Gehe mit dem Heiland in die gastfreundliche Stadt. Du wirst dort aufs neue lernen, wie dein Seeleneifer sich betätigen soll. Höre aufmerksam dem göttlichen Meister zu und achte auf alle seine Handlungen. Betrachte seine glühende Liebe, seine beharrliche Geduld, seinen unbeugsamen Mut. Erwecke in dir das sehnsüchtige Verlangen, der ganzen Welt den Namen Jesus zu verkünden.



19.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

II Jesus teilt den Jüngern seine Hoffnungen mit und fordert sie auf, mit Ihm zu arbeiten
«Erhebt eure Augen und betrachtet die Felder! Sie sind schon weiß für die Ernte! Schon empfängt der Schnitter den Lohn und sammelt Frucht fürs ewige Leben, daß sowohl Sämann und Schnitter sich freuen.»
Geführt von der Samariterin, nahen die Bewohner der Stadt. Wenige Worte Jesu haben in ihren Seelen neues, bis dahin nicht gekanntes Sehnen erweckt. Solch schöne, vielversprechende Saat muß gepflegt werden. Deshalb lädt der Heiland seine Jünger zur apostolischen Arbeit ein. Er beruft sie und mit ihnen auch dich zum Wirken am Heil der Seelen. Erwäge die ermutigenden Worte des Heilandes und sieh zu, wie du seinem Ruf folgen kannst. Schau um dich und auch du wirst Saatfelder erblicken, die der Ernte entgegen reifen: gerade, schlichte Seelen, die vielleicht nur eines guten Wortes und deines Beispiels bedürfen, um zu einer vollkommenen Hingabe an Gott zu gelangen. Denk nach, auf welche Weise du mit ihnen von Gott und ihrem Seelenheil reden kannst.
Um dich zu diesem Apostolat zu ermuntern, weist der Heiland auf den Lohn hin, den Er für seine Mitarbeiter bereitet hat. Den Arbeitern, den Schnittern ist ein Lohn gesichert. «Wer erntet, empfängt und sammelt Frucht fürs ewige Leben, daß sowohl der Säende sich freut wie der Erntende.» Die Mitarbeiter Jesu sind auch seine Auserwählten. Andere zum Himmel führen heißt sich selbst den Himmel sichern. Jesus weist darauf hin, um dich zu bestimmen, daß du deinen Anteil an den Arbeiten der Aussaat und Ernte übernimmst. Danke Ihm für deine Auserwählung und versprich Ihm, nicht untätig zu bleiben.



18.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

I Jesus erklärt den Jüngern, worin das Werk seines Lebens besteht
Unterdessen baten Ihn die Jünger: «Meister, iss!» Er aber entgegnete ihnen: «Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.» Da sagten die Jünger zueinander: «Hat Ihm denn jemand zu essen gebracht?» Jesus erklärte ihnen: «Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat und sein Werk zu vollenden.»
Fahre in der Betrachtung der ergreifenden Szene fort, deren Zeuge du gewesen bist. Die Jünger kehren zurück und bieten ihrem Meister das bescheidene Mahl an, das sie Ihm bereitet haben. Sie sorgen, wie dies recht und billig ist, mit Freuden für seinen Unterhalt. Jesus benutzt die Gelegenheit, ihnen eine heilsame Lehre zu geben. «Ich habe eine andere Speise», sagt Er ihnen. «Eine andere Sorge erfüllt mich, ich habe Hunger und Durst nach dem Heil der Seelen, denn meine Lebensaufgabe ist es, für die Ehre meines Vaters zu arbeiten.»
Gott ist überall dem Menschen nahe und in allen Dingen ist Er sein Herr. Immer und überall Gottes heiligen Willen zu vollziehen, ist wahres Leben. Bedenke diese tiefe Wahrheit. Wann endlich wirst du die Absichten Gottes den bloß zeitlichen Interessen vorziehen?



17.02.2019

41. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (II)
(Joh 4)
II Jesus offenbart Sich der Samariterin als den von Gott gesandten Messias
«Ich weiß, dass der Messias kommt. Wenn nun Dieser kommen wird, wird Er uns alles verkünden.» Da sprach Jesus zu ihr: «Ich bin es, der mit dir redet!»
Die Samariterin eröffnet dem Heiland, welche Hoffnungen sie auf den verheißenen Erlöser setzt. «Christus wird uns alles lehren», bemerkt sie. «Er wird unsere Finsternis zerstreuen und alle Zweifel lösen. Wir werden an Ihn glauben und uns bekehren.»
Hat sie nicht Recht? Bezeichnet sie nicht mit diesen Worten den Weg, den wir alle wandeln müssen, wenn wir in Jesus den versprochenen Erlöser erkennen wollen? Uns ist Er erschienen. Nichts kann also unsere Unentschlossenheit in seinem Dienst rechtfertigen. Wir müssen Ihn hören und unsere Auffassung und Ausübung der Religion, unser ganzes Leben mit seiner Lehre in Einklang bringen.
Durch eine so bereitwillige Seelenverfassung erlangt die Samariterin die volle Erkenntnis. Jesus offenbart sich ihr ganz: «Ich bin der Messias, den du erwartest. Er, den dein armes Herz sucht, spricht mit dir.»
Frohlocke mit der Samariterin. Verkoste in stiller Sammlung die Seligkeit eines Herzens, dem plötzlich das Licht der Wahrheit aufgeht, nachdem es so lange in der Finsternis geschmachtet hatte. Wie schön und anziehend erscheint die Wahrheit auf den Lippen des Heilandes! Nun fällt es nicht mehr schwer, sie zur Richtschnur des Lebens zu wählen. Der Liebreiz, mit dem Jesus die Wahrheit zeigt, bewirkt die plötzliche Umwandlung der Samariterin. Sie verliert allen Geschmack an den sinnlichen Freuden der Erde, an eitler Ehre und am Lob der Menschen. Sie fängt an, das zu hassen, was sie bisher in sündhafter Weise geliebt, und das zu lieben, was sie verkannt hat. So wirkt ein einfaches Wort aus dem Mund des Gottessohnes. Bitte den Heiland, auch zu dir mit solch kraftvoller und zugleich milder Gewalt zu reden.



16.02.2019

41. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (II)
(Joh 4)

I Jesus erklärt der Samariterin, dass Er wahre Anbeter Gottes suche
Die Frau sagte zu Ihm: «Herr, ich sehe, Du bist ein Prophet.»
Verfolge die Unterhaltung Jesu mit der Samariterin. «Ich sehe, dass Du ein Prophet bist», sagt sie. Warum nennt sie Ihn so? Er hat ihr das Hindernis der Gnade in ihrer Seele gezeigt. Sie verlangt nach dem übernatürlichen Leben, das Jesus ihr anbietet, aber ihr Glaube ist noch unvollkommen, ihr Herz nicht frei von der Sünde, ihr Leben nicht geordnet. Jesus verhilft der Armen zur Erkenntnis ihres Zustandes und bereitet so ihre Seele für die Gnade der Bekehrung vor.
Die Sanftmut des Heilandes gewinnt die Samariterin. Sie will auf dem Weg voranschreiten, den die Gnade ihr gezeigt hat. Sie verlangt, gründlich belehrt zu werden und die ganze Wahrheit zu erfahren. Sie will wissen, welche Art der Verehrung Gott am wohlgefälligsten ist. «Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass zu Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten muss.» Mit diesen Worten will die Samariterin fragen: »Welches sind meine wahren Pflichten gegen Gott? Was muss ich tun, um den Absichten Gottes zu entsprechen?»
Was antwortet ihr der Lehrer der Wahrheit? Er erklärt ihr, dass die Stunde gekommen ist, allem Schein von Religion, allem rein äußerlichen Dienst, der Gott nur die Schale darbietet, ein Ende zu machen.
Der himmlische Vater verlangt eine innerliche, wahre Verehrung. Jesus spricht zu ihr: «Frau, glaube mir, es kommt eine Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch zu Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden. Aber es kommt die Stunde, und jetzt ist sie da, wo die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden. Denn auch der Vater verlangt solche Anbeter. Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn anbeten im Geist und in der Wahrheit.»
Dieses Opfer der Anbetung besteht in der Hingabe seiner selbst. Das Maß unserer Liebe ist das Maß unserer Gottesverehrung. Wozu nützt der Weihrauch, den man zu seiner Ehre verbrennt, wenn er nicht aus einem Herzen aufsteigt, das Gott liebt? Gott hat uns erschaffen, um Ihn zu lieben, Er hat seinen Sohn in die Welt gesandt, um die Liebe Gottes in den Herzen der Menschen wieder anzufachen. Wie glücklich sind wir, da wir den Heiland gefunden haben und mit seiner Gnade Gott so dienen und Ihn so lieben können, wie sein eingeborener Sohn es uns in Lehre und Beispiel gezeigt hat!



15.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

III Jesus offenbart der Samariterin die Größe seiner Gaben
Wenn du die Gabe Gottes kenntest und den, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, so hättest du Ihn gebeten, und Er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Suche das wahre Übel kennen zu lernen, an dem diese verirrte Seele leidet. «Wenn du die Gabe Gottes erkennst», spricht Jesus zu der Frau. Die Hauptursache ihres Unglücks ist der Mangel an übernatürlicher Erkenntnis. Sie widersteht und beraubt sich der Gnade und will in ihrem Zustand verharren, weil sie nichts Höheres kennt. Sie weiß nicht, dass es einen Erlöser gibt; sie kennt weder seinen Namen noch seine Größe und ahnt nicht, dass Er ihr nahe ist. Sie hat nur Sinn für irdische Freuden, denn die Freuden des Himmels sind ihr unbekannt.
Jesus will ihr nun alles offenbaren. Die Sonne der Wahrheit geht in der Finsternis dieser Seele auf. «O dass du doch den Wert der Gabe erkennen würdest, die dir angeboten wird! Wenn du wüsstest, wer ich bin und was ich dir bringe!» O meine Seele, weißt du es wirklich? Weißt du, wer Jesus ist? Schätzest du die Güter der Gnade, die Größe seiner Liebe, die Schönheit seines Beispiels? Tritt näher zu Ihm hin, betrachte Ihn gläubig und höre auf seine Worte! «Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit. — Sobald du erkennst, wer ich bin, wirst du zu mir eilen und mehr finden, als du erwartet hast. Ich will dir das Glück geben, das du umsonst bei den Geschöpfen gesucht hast. Ich bin gekommen, weil ich weiß, dass du ohne mich nicht glücklich sein kannst, selbst wenn alle Freuden der Welt dir offen stehen. Ich bringe dir übernatürliches Leben und himmlisches Glück. Das ist das lebendige Wasser, von dem ich zu dir gesprochen habe.» Erkenne die Wahrheit dieser Worte, hast du sie nicht schon an dir erfahren? Erregen nicht alle Genüsse, die man in den Geschöpfen findet, immer neue Wünsche und neuen Durst? So erhebe dein Herz über den Staub der Erde. Übergib es deinem Heiland, damit Er es reinige, beruhige und entzünde. Erwecke in dir ein unbegrenztes Verlangen und eine innige Kenntnis Jesu, deines Erlösers. Sprich aus ganzem Herzen mit der Samariterin: «Herr, gib mir von diesem lebendigen Wasser!»



14.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

II Jesus ruht am Brunnen aus und erwartet die Samariterin
Da nun Jesus von der Reise ermüdet war, setzte Er sich einfach am Brunnen nieder. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: «Gib mir zu trinken!»
Von der Reise ermüdet, setzte sich Jesus an den Rand des Brunnens. Auf der Suche nach dem verlorenen Schaf hat der gute Hirt sich müde gelaufen. Von ferne hatte Er gesehen, wie es der Wut der Wölfe ausgesetzt war. Nun eilt Er, es zu retten. Suche die barmherzigen Absichten des Sohnes Gottes zu verstehen. Welch einen weiten Weg musste der Herr zurücklegen, um der verirrten Seele die Gnade des Heils zu vermitteln. Es war ja nicht nur die Länge einer Tagesreise, nein, es war die Entfernung, die den Himmel von der Erde, die Zeit von der Ewigkeit trennt. Setze dich Jesus zu Füßen und betrachte Ihn mit Andacht. Wer ist diese Frau, die sich Ihm naht? Woher kommt sie und was will sie hier? Sie ist eine arme Verirrte, ihr Herz ist von den Banden sinnlicher Lust und von den Reizen des irdischen Lebens schmählich gefesselt. Sie hat nach den Einfällen ihrer Launen und dem Drang ihrer Leidenschaften gelebt, unbekümmert um die ewigen Interessen. Mit einem Blick weiß Jesus sie zu gewinnen, mit einem Wort bewirkt Er ihre Bekehrung. «Gib mir zu trinken!», bittet Er sie. Er begehrt wenig, um viel zu gewähren. Mit solcher Güte und Freigebigkeit teilt Gott seine zuvorkommenden Gnaden aus. Durch treue Mitwirkung mit diesen Gnaden wirst auch du das Glück finden.



13.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

I Jesus verlässt Judäa, um sich seinen Feinden zu entziehen
Jesus verließ Judäa und begab sich wieder nach Galiläa. Dabei musste Er seinen Weg durch Samaria nehmen. So kam Er zu einer Stadt Samarias mit Namen Sichar. Dort war der Jakobsbrunnen.
Begleite den göttlichen Meister auf seinem Weg nach Samaria. Die Ausübung seiner Sendung hat Ihm Feinde erweckt. Deshalb verlässt Er Judäa. Man will Ihm Böses antun, während Er nur Gutes wirkt. Das ist der Lauf der Dinge auf dieser Welt. Richte dich danach ein. Jesus beklagt sich keineswegs, regt sich nicht auf und lässt sich auch nicht entmutigen. Er verlässt zwar Judäa, aber nicht sein begonnenes Werk. Er will noch nicht sterben. Er entzieht sich den Nachstellungen, denn es wäre zu früh, weil Er seine Sendung noch nicht erfüllt hat. Er bringt andern die Gnaden, die seine Feinde verschmähen. So nimmt Er seinen Weg nach Samaria. Bist nicht auch du aus diesem Land der Unwissenheit und des Irrtums? Verlasse seine Grenzen und geh Jesus entgegen. Erbitte dir einen reichen Anteil an den Gütern, die Er bringt.



12.02.2019

39. Die Gefangennahme Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

II Herodes sucht Johannes im Kerker auf
Gern hätte er ihn töten lassen, aber er fürchtete das Volk. Denn dieses hielt ihn für einen Propheten.
Betritt das Gefängnis des Johannes. Nun kannst du den Gottesmann in der Nähe betrachten. Er will dich lehren, dem Herrn mit Eifer zu dienen. Vorerst bitte ihn, dich zu segnen und küsse ehrfurchtsvoll seine Fesseln.
Herodes fürchtete Johannes, da er ihn als einen gerechten und heiligen Mann kannte, und er hörte ihn gerne. Er kann der Begierde, einen Heiligen zu hören, nicht widerstehen. Deshalb besucht er ihn in seinem Gefängnis. Der Anblick der Heiligkeit hat etwas Hinreißendes, selbst für die Gottlosen. Höre im Geist die Unterhaltung des Herodes mit Johannes. Der heilige Vorläufer spricht von den Rechten Gottes, vom Opfer seiner selbst, vom Eifer für das ewige Heil, vom Ernst der Pflicht, von der Abscheulichkeit der Sünde und der Schönheit der Tugend. Er vergilt mit Gutem das Böse, das ihm seine Feinde wünschen. Sein einziger Schmerz ist, dass Gott von so vielen verkannt wird. Mache dir das Beispiel solcher Seelengröße zu Nutzen und betrachte es. Willst du dich nicht bemühen, etwas von dem Einfluss zu gewinnen, den die Heiligen auf ihre Umgebung ausübten? Überlege, was Gott von dir zum Heil deiner Mitmenschen erwartet.



11.02.2019

39. Die Gefangennahme Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

I Herodes lässt Johannes ergreifen und ins Gefängnis werfen
Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen, fesseln und in den Kerker werfen lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er zur Frau genommen hatte. Siehe, was sich zuträgt, und suche es zu verstehen. Der Vorläufer hat seine Sendung hienieden erfüllt. Sein irdischer Lohn sind Ketten, Gefängnis und Tod. Wundere dich nicht darüber und urteile nicht vorschnell. Wenn Gott, die ewige Weisheit, seine Auserwählten dem Hass preisgibt, so bedeutet dies nicht, dass er sie verwirft. Er will sie im Gegenteil ehren. So fasst auch Johannes sein Los auf. Für die Wahrheit hat er gelebt, darum findet er es auch natürlich, für sie in den Tod zu gehen. Ihre Verteidigung war seine Pflicht, und die Pflicht steht ihm höher als das Leben. Sei Zeuge, wie Johannes die Soldaten des Herodes empfängt. Die Demütigung und das Leiden, die ihn erwarten, vermögen seinen Glauben nicht zu erschüttern. Diese Soldaten sind für ihn die Gesandten Gottes. Weit entfernt, über sein Schicksal zu murren, freut er sich vielmehr. Er betrachtet es als eine Auszeichnung, in der Hingabe seiner selbst bis zum Äußersten gehen zu können und sich der göttlichen Majestät als ein Brandopfer darzubringen. So muß ein wahrer Jünger Jesu gesinnt sein. Warum fürchtest du dich, für Gott zu leiden, meine Seele? Warum schreckst du vor Demütigungen, Verfolgung, menschlichem Undank zurück? Wenn Gottes Ehre durch deine Leiden gefördert wird, wie solltest du da nicht freudig alles erdulden wollen?



10.02.2019

38. Das letzte Zeugnis des Vorläufers
(Joh 3)

II Johannes der Täufer preist den Heiland vor aller Welt
Sie gingen zu Johannes und sagten zu ihm: «Meister, der am andern Jordanufer bei dir war und für den du Zeugnis abgelegt hast, der tauft, und alles strömt ihm zu.»
Höre dem Streit zu, der sich anbahnt. Man wirft dem göttlichen Meister vor, daß Er in die Tätigkeit des Johannes eingreift, mit den alten Überlieferungen bricht, zu seinen Gunsten die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich lenkt. Man betrachtet Ihn als einen ehrgeizigen Eindringling, der überall hindert und stört. Das ist die Sprache der verletzten Eigenliebe.
Johannes tritt sofort für Jesus ein und rechtfertigt Ihn. «Ihr selbst müßt mir bezeugen, daß ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, ich bin nur als sein Vorläufer gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich gar sehr über die Stimme des Bräutigams. So ist auch meine Freude jetzt vollkommen.» Freue dich über die Großmut, mit der der Vorläufer an der Verherrlichung des Sohnes Gottes arbeitet. Erwäge, was seine Worte alles enthalten an Glauben, Uneigennützigkeit, Eifer, Treue in dem von Gott verliehenen Beruf und an Liebe zu Jesus. Laut erhebt Johannes Den, für Den die andern nur Tadel haben.
«Alles für Jesus, Ihm gebührt jedes Recht und jeder Vorrang! Steht Er nicht unendlich hoch über uns allen? Nur Er hat das Recht zu taufen und loszusprechen. Er ist alles, und ich bin nichts. — Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Möge Er meine Stelle ganz einnehmen und ich immer mehr zurücktreten. Es war mein Lebenszweck, Ihn dem Volk bekannt zu machen. Ich sterbe jetzt zufrieden, da die Menge Ihm zuströmt.»
Solche Ehrfurcht sollst auch du deinem Erlöser, seiner Lehre, seinen Anregungen und seinen Sakramenten entgegenbringen. Johannes fügt bei: «Meine Freude ist vollkommen.» Er hat also durch die Arbeit für die Ehre Jesu das Glück gefunden. Den Höhepunkt des Glückes erreicht der Mensch, wenn er Gott durch seinen vollkommenen Dienst die höchste Ehre verschafft. Warum solltest du die Verdemütigung fürchten, da sie ein Mittel ist, die Ehre deines Erlösers zu fördern? Seine Verherrlichung erstrahlt auf den Trümmern deiner Eigenliebe. Stelle dich unter sein Banner, laß dich in die Reihen seiner Kämpfer aufnehmen und verpflichte dich, um jeden Preis die Menschen zu seiner Liebe und seinem Dienst zu führen. Jesus ist der Endzweck aller Dinge. Alle deine Arbeit soll nur Ihn und seine Liebe zum Ziel haben.



09.02.2019

38. Das letzte Zeugnis des Vorläufers
(Joh 3)

I Die Tätigkeit Jesu in Judäa
Darauf kam Jesus mit seinen Jüngern in die Landschaft Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Auch Johannes taufte noch in Änon bei Salim.«
Verweile mit Jesus, deinem Meister, in Judäa. Betrachte Jesus in der Ausübung seine Berufung. Er tauft, Er versöhnt die Sünder mit Gott, Er lehrt, Er tröstet und ermutigt. Dafür ist Er in die Welt gekommen. Mit welchem Eifer, mit welcher Hingabe und welchem Erfolg erfüllt Er seine Sendung! «Alle Welt läuft Ihm nach», berichtet man dem heiligen Johannes.
Siehe den Heiland, vom Volk umringt. Er ist so sanft, so gut und gewinnend. Er spricht so gütig und ermutigt die bekümmerten Seelen in so liebreicher Weise, daß alle zu Ihm eilen, wenigstens die einfachen, demütigen und gelehrigen Seelen. Benütze die Gelegenheit, dich dem Heiland mit der herbeiströmenden Menge zu nähern, und stell Ihm auch alle jene vor, von denen du weißt, wie sehr sie seines Wortes und seiner Sakramente bedürfen.
Empfange aus seinen Händen die Taufe des Neuen Bundes. Bitte Ihn, Er möge deine stolze Stirn selbst abwaschen und durch die Kraft seines allmächtigen Wortes jeden Makel in deiner Seele tilgen. Beschwöre Ihn, in dir die Taufgnade zu erneuern, die dir Vorjahren sein Priester vermittelt hat. Erneuere zu seinen Füßen dein Taufgelübde.



08.02.2019

37. Das Geheimnis des Heiles
(Joh 3)

II Jesus beklagt, dass die Menschen die Finsternis des Unglaubens dem Licht der Offenbarung vorziehen
«Wer an mich glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das Gericht besteht aber darin: Das Licht ist in die Welt gekommen, doch die Menschen hatten die Finsternis lieber als das Licht; denn ihre Werke waren böse.»
Der Heiland hat nur unendlich Tröstliches verkündet. Er verheißt den Menschen die Verzeihung ihrer Sünden, Er offenbart ihnen die Seligkeit des Himmel, deren Besitz Er auf den Glauben gründet. Und dennoch bleiben die meisten Menschen taub für ein solches Angebot. Sie sind angesteckt von der Torheit des Stolzes, der Menschenfurcht, der falschen Wissenschaft, des persönlichen Interesses. Beklage ihr Unglück.
Trage Sorge, einem solchen Schicksal zu entgehen. Da der Heiland selbst lehrt, daß man sich nur durch den Glauben vor dem ewigen Verderben bewahren kann, so zögere nicht, dich Ihm gläubig zu unterwerfen. Bemühe dich, einfach und gelehrig zu werden, wie es einem armen Geschöpf dem Sohn Gottes gegenüber geziemt.
«Die Menschen haben die Finsternis lieber als das Licht», sagt Jesus. Folge ihnen nicht. Verlass die Finsternis und komm zum Licht! Je mehr die Wahrheit dich erleuchtet, um so leichter und süßer wird dir das Joch der göttlichen Gebote werden. Gib dich Jesus hin. Er selbst wird dir übernatürliches Verständnis geben für die Geheimnisse, die Er dir offenbart. Um diese Geheimnisse besser zu erfassen, bring Ihm deinen Wunsch und Entschluss dar, dir selbst abzusterben und die Irrwege deines bisherigen sündhaften Lebens zu verlassen.



07.02.2019

37. Das Geheimnis des Heiles
(Joh 3)

I Jesus offenbart sich dem Nikodemus als Heiland und Erlöser
«Wenn ihr nicht glaubt, da ich von irdischen Dingen zu euch rede, wie werdet ihr glauben, wenn ich von himmlischen zu euch rede?. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe.»
Nimm deinen Platz zu Füßen Jesu wieder ein. Er will Geheimnisse enthüllen, die Er vom Himmel gebracht hat. «Meine Werke setzen dich in Staunen, meine Worte beunruhigen dich», sagt Er gleichsam. «Du möchtest wissen, wer ich bin und woher ich komme. So höre denn die volle Wahrheit. Ich bin von Gott zu den sündigen Menschen gesandt, ich bin ihre einzige Hoffnung, ihr Erlöser.» Betrachte diese ergreifenden Worte. Die Himmelspforte ist verschlossen, sie muss wieder geöffnet werden. Der gefallene Mensch ist seiner Rechte auf das himmlische Erbe verlustig geworden, er muss sie wieder gewinnen. Auf wen kann er seine Hoffnung setzen? Zu wem kann er mit Vertrauen sagen: «Gib mir wieder, was ich verloren habe, zeig mir wieder den Weg zum wahren Glück!» Meine Seele, blicke auf zu Jenem, Der mit dir redet. Dein Erlöser ist bei dir. Sag Ihm: «Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich und übergebe mich Dir ganz.»
So sehr hat Gott uns geliebt! Voll Mitleid mit unseren Verirrungen sprach Gott zu seinem eingeborenen Sohn: «Steig hinab und suche die Sünder auf. Gib dein Blut und Leben für sie hin.» So offenbart sich der Sohn Gottes als unser Erlöser. Er will als Heiland von uns aufgenommen werden. Er sagt: «Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern, um zu retten. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass Er die Welt richte, sondern, daß die Welt durch Ihn gerettet werde.» Darum fürchte Ihn nicht. Nur jene sollten Ihn fürchten, die meinen, keines Erlösers zu bedürfen, und die das Heil verschmähen, das Er ihnen bringen möchte. Diese werden ewig verlorengehen, denn Jesus kann uns nicht gegen unseren Willen retten.



06.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

III Jesus löst die Zweifel des Nikodemus
Nikodemus fragte: «Wie ist das möglich?» Jesus antwortete ihm: «Du bist Lehrer in Israel und verstehst das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir bezeugen, was wir gesehen haben; aber ihr nehmt unser Zeugnis nicht an.»
Noch zweifelnd fragt Nikodemus: «Wie kann das geschehen?» So sprechen jene, die erst anfangen, Jesus kennenzulernen und bei denen die Kenntnis über Ihn noch unvollkommen ist. Jesus ist die unendliche Weisheit und Allmacht. Mit einem Wink besiegt er jede Schwierigkeit, mit einem Wort klärt er die unfassbaren Geheimnisse auf. Diese Überzeugung will Jesus unserer Seele tief einprägen.
Höre, wie der Herr sein Erstaunen über die Unwissenheit des Nikodemus äußert. Jesus betrachtet seine Lehre, von der sein nächtlicher Besucher nichts versteht, als eine Grundwahrheit. Er macht dem Gesetzeslehrer den Vorwurf, daß er nicht weiß, was der geringste Gläubige wissen muß. Verdienst nicht auch du diesen Vorwurf? Müsstest du nicht schon lange durch deine feste Glaubensüberzeugung die Stütze der Schwachen, das Licht der Unwissenden, der Führer jener sein, welche die Wahrheit suchen? Wie bist du in deiner Überzeugung oft noch schwach und unbeständig!
Stärke deinen Glauben und schenke Jesus Vertrauen! Wir sollen seinen Worten glauben, eben weil Er, die ewige Wahrheit, zu uns spricht. «Ich rede, was ich weiß», erklärt Er, «und bezeuge, was Ich gesehen habe. Wenn Ich euch sage, dass Gott euch liebt, dass Er euch an Kindesstatt annehmen will und dass Er euch einen Anteil an seinem himmlischen Erbe hinterlegt hat, so teile Ich euch nur mit, was der Vater Mir zu verkünden aufgetragen hat. Glaubt meinen Worten!» Solchen Glauben verlangt Jesus von den Seinen. Beuge dich in Ehrfurcht vor seiner allerhöchsten Autorität. Bekenne dich zu seinen Anhängern. Bete kniend dein Credo.



05.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

II Jesus erklärt die Notwendigkeit der Wiedergeburt zu einem neuen Leben
Jesus entgegnete ihm: «Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht schauen. ... Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen.»
Bemühe dich, die geheimnisvolle Sprache Jesu zu verstehen. «Der Mensch muß wiedergeboren werden», sagt Er. «Wenn du dahin gelangen willst, wohin ich dich führen soll, so musst du wiedergeboren werden zu einem Leben, das ganz verschieden ist von jenem, das du bis jetzt geführt hast. Ich bin gesandt, dich zu Gott zu führen, dir sein Leben mitzuteilen, dich in sein Reich aufzunehmen und dich seiner Güter teilhaftig zu machen. Deswegen mußt du wiedergeboren werden. Unmöglich kannst du Gott von Angesicht zu Angesicht schauen und Ihn in seinem Reich besitzen, wenn du dich nicht dazu verstehst, dem bisherigen Leben der Sinne und der verkehrten Leidenschaften abzusterben. Du musst allem entsagen, was keinen Wert für die Ewigkeit hat.»
Erkennst du die zwingende Folgerichtigkeit dieser Sprache? Nimm sie von deinem Meister an. Lass' dich durch das Widerstreben des natürlichen Menschen nicht beirren. Der Sohn Gottes will, dass du deine gefallene Natur abtötest, um diesen Preis wirst du das wahre Leben erwerben. Biete dich großherzig zu allen Opfern der Entsagung an. Ziehe den irdisch gesinnten Menschen aus und nimm die Gesinnungen eines Kindes Gottes an.



04.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

I Jesus nimmt Nikodemus auf
Unter den Pharisäern war ein jüdischer Ratsherr namens Nikodemus. Dieser kam des Nachts zu Ihm.
Suche mit dem furchtsamen Jünger das Haus auf, wo der göttliche Meister wohnt.1 Dort erwartet Er auch dich, um deinen Glauben zu vermehren und zu stärken. Wer ist Nikodemus? Er ist ein Pharisäer. Die Umgebung, in der er bisher gelebt hat, ist für die Annahme des göttlichen Wortes nicht günstig: falsche Religionsbegriffe, hartnäckige Vorurteile, eifersüchtige Zänkereien, Erörterungen ohne Ende. Trotzdem ist das göttliche Wort auf guten Boden gefallen und hat Früchte getragen. Nikodemus ist, wenn auch furchtsam, doch ernst und aufrichtig. Er ist ganz erfüllt von dem, was er gesehen und gehört hat. So wenig er auch davon verstanden hat, so wird doch durch Nachdenken in ihm das lebhafte Verlangen geweckt, weiter vom Heiland belehrt zu werden. Er begnügt sich nicht mit der halben Wahrheit, er will sie ganz besitzen.
Mußt du nicht dasselbe Verlangen hegen nach allem, was du gesehen und gehört hast? Bitte den Heiland, alle deine Zweifel und Schwierigkeiten zu lösen.
Wie verhält sich Nikodemus? Er sprach zu Ihm: «Meister, wir wissen, daß Du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Wunder wirken, die Du wirkst, außer Gott ist mit ihm. — Ich glaube und bekenne, dass Du ein Gesandter Gottes bist, deine Wunder haben mich überzeugt.» Mehr sagt er nicht. Er wartet ohne Zweifel auf das Wort der Wahrheit; er öffnet Ihm sein Herz. Noch ist sein Geist in der Finsternis des Irrtums befangen, aber seine Gelehrigkeit ist die beste Vorbereitung für die Gnade des Glaubens. Gott allein kann in den Seelen, die Er unterweist, diesen Glauben wecken und zur Entfaltung bringen. Bitte Ihn demütig, in dir zu deinem geistlichen Fortschritt seine göttliche Wirksamkeit auszuüben.
1 Es war während des Aufenthaltes Jesu in Jerusalem, nach dem Osterfest, im Monat April.



03.02.2019

35. Das erste Osterfest
(Joh 2)

III Jesus weist auf sein Leiden und seine Auferstehung hin
Die Juden aber hielten Ihm entgegen: «Durch welches Wunderzeichen beweisest du uns, dass du dies tun darfst?» Jesus erwiderte ihnen: «Reißt diesen Tempel nieder, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen.»
Die Juden verlangen, dass Jesus über seine Handlungsweise Rechenschaft ablege. «Mit welchem Recht handelst du so? Beweise deine göttliche Sendung!» Höre die Antwort Jesu: «Brecht diesen Tempel meines Leibes ab, vergießt mein Blut, ich werde willig sterben und ich werde auferstehen, um euch zu beweisen, dass ich der Gesandte meines Vaters bin und daß ihr meinen Worten glauben sollt.»
Von Anfang an denkt Jesus daran, seinen Leib als Schlachtopfer für die Ehre Gottes und den Sieg der Wahrheit hinzugeben. Das ist der wahre Geist des Apostels, er ist bereit, alles zu opfern. Er achtet weder Arbeit noch Leiden, Leben und Tod gelten ihm gleich. Wenn nur der Wille Gottes siegt und die Seelen gerettet werden.
Die Juden aber verstehen nichts von dem, was Jesus zu ihnen redet. Ihr Herz ist von Misstrauen erfüllt. Die Menschenfurcht hält sie gefesselt. Ihr Geist ist in Vorurteilen befangen. Deshalb kann das Wort Gottes keine Wurzel fassen und der Glaube sich nicht entfalten. Entziehe dich dem Einfluss solcher im Glauben schwachen Menschen. Schließ dich eng dem Heiland an. Lege vor Ihm das Bekenntnis deines festen, kindlichen Glaubens ab. Werde ein Schüler des Herrn und versprich Ihm Treue.



02.02.2019

35. Das erste Osterfest
(Joh 2)

II Jesus reinigt den Tempel
Da flocht Er aus Stricken eine Geißel und trieb alle samt den Schafen und Rindern zum Tempel hinaus. Den Geldwechslern verschüttete Er das Geld und ihre Tische stieß Er um. Zu den Taubenhändlern sprach Er: «Schaff das fort von hier, und macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!»
Folge Jesus in den Tempel. Der Vorhof ist durch die Habsucht der Menschen entweiht. Die Majestät Gottes wird entehrt, seine Religion herabgesetzt. Unter dem Schein der Frömmigkeit verbirgt sich eine verabscheuungswürdige Gewinnsucht. Dieser Anblick empört den Sohn Gottes und entflammt seinen Eifer. «Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!» ruft Er aus. Hörst du diesen Ruf der Entrüstung?
Der wahre Eifer ist Ausdruck einer Liebe, die sich für den Geliebten verzehrt und in seinen Interessen aufgeht.
Hier erblickst du den Heiland als Eiferer für die Ehre Gottes. Er trieb alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und Ochsen. Staune nicht über ein solches Vorgehen. Was Wunder, dass Er solch schmähliche Handlungsweise auch schmachvoll straft. Wer die irdischen Güter den ewigen vorzieht und die Religion niedriger Gewinnsucht dienstbar macht, der ist verächtlich in den Augen Jesu. In einem Augenblick wird der sanftmütige Heiland zum furchterregenden Richter.
Erforsche dein Gewissen. Verdienst nicht auch du, wie jene Menschen, bestraft zu werden? Gleicht deine Seele nicht einem entweihten Heiligtum? Forderst du nicht den gerechten Zorn Gottes heraus durch deine ausschweifenden Gedanken, deine bösen Werke und deine irdische Gesinnung? Wenn dies der Fall ist, so knie vor deinem Heiland nieder und besänftige seinen Zorn durch Demut und Reue. Versprich Ihm, alles aus deiner Seele zu entfernen, was seinen Blicken missfällt.



01.02.2019

2. TEIL: DAS ÖFFENTLICHE LEBEN JESU
Das erste Jahr des öffentlichen Lebens Jesu

35. Das erste Osterfest

(Joh 2)

I Jesus geht nach Jerusalem zum Osterfest
Nun war das Osterfest der Juden nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.1 Im Tempel traf er Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkaufen, und Geldwechsler, die sich dort niedergelassen hatten.
Begleite deinen Heiland auf dem Weg nach Jerusalem und tritt mit Ihm in die Heilige Stadt ein.
Warum kommt Er nach Jerusalem? Welche Gedanken beschäftigen Ihn? Er kennt die traurigen Verirrungen des Judenvolkes. Die heilige Stätte wird entweiht und das göttliche Gesetz mit Füßen getreten. Die irdischen Interessen werden den geistigen vorgezogen. Gott muss zurücktreten. Jesus will die verletzte Ehre des himmlischen Vaters retten. Nach seinem Beispiel sollst auch du für die Wiederherstellung der Ehre Gottes eifern.
1 Das öffentliche Leben Jesu umfasst vier Osterfeste. Vermutlich schloss sich Jesus den Pilgern von Galiläa an und nahm Samaria meidend den Weg durch Peräa und kam über Bethanien und den Ölberg nach Jerusalem.



31.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

III Jesus verwandelt Wasser in Wein
Nun standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die Sitte der jüdischen Reinigung verlangte. Jeder von ihnen fasste zwei bis drei Maß1. Jesus gebot ihnen: «Füllt die Krüge mit Wasser.» Sie füllten sie bis zum Rande. Dann sprach Er zu ihnen: «Schöpft jetzt davon und bringt es dem Speisemeister!» Sie brachten es hin.
Betrachte, wie das Wunder sich im einzelnen vollzieht. Nie kann es dort an etwas fehlen, wo der Allmächtige selbst und diejenige, der Er alle Macht gegeben hat, gegenwärtig sind. «Alles, was Er euch sagt, das tut!» lautet der Rat Mariens. Nur durch vollkommene Erfüllung der Vorschriften des Heilandes macht man sich seiner Wohltaten würdig. Und Er verlangt nicht viel. Sie sollen Ihm nur das Wasser bringen, damit Er das Wunder der Verwandlung wirke. «Füllt die Krüge!» befiehlt Er. — «Bringt her zu mir alles, was ihr leer, verödet, verlassen findet: Ich werde Überfluss und Leben hineingeben.» — Eilig gehorchen die Diener. Ihr Gehorsam bezwingt das gütige Herz des Meisters, und nun geschieht das Wunder. Vertraue auch du, selbst wenn Gott die Bitte abzuweisen scheint. Gott verlangt, dass wir das Unsere tun, das uns möglich ist, so wird Er das Seine tun.
Komm und sieh die Wirkung göttlicher Allmacht, die alle Herzen mit Freude erfüllt. Führe ehrfurchtsvoll den Becher mit Wein an deine Lippen, den Jesus für die Hochzeitsgäste und auch für dich verwandelt hat. Er enthält den Trank, der Kraft verleiht gegen alle Entmutigung. Festige in dir die Überzeugung, dass du nichts verloren hast, solange dir jener bleibt, der mit einem Wort alles wieder geben kann. Erneuere zu seinen Füßen die Huldigung deines Glaubens. Ihm kannst du alles versprechen, denn von Ihm darfst du alles hoffen.
1 Dieses Maß war wahrscheinlich die römische Amphora, die 19 Liter hielt. Die Quelle, aus welcher vermutlich das Wasser geschöpft wurde, ist ungefähr 500 Schritte vom Ort entfernt und ist gegenwärtig noch wasserreich.



30.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

II Maria bittet bei ihrem Sohn für die Brautleute
Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu Ihm: «Sie haben keinen Wein mehr.» Jesus erwiderte ihr: «Was habe ich mit dir gemeinsam, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. » Seine Mutter sagte dann zu den Dienern: « Tut, was Er euch sagt!»
Wie gut ist doch Maria, wie umfängt sie mit liebender Sorge jene, die ihren göttlichen Sohn lieben! Sie bemerkt zuerst die Verlegenheit der Brautleute und ist gleich bereit, alles zu tun und ihren ganzen Einfluss aufzubieten, um dem Mangel abzuhelfen. Danke ihr von ganzem Herzen.
Blicke auf die hilfreiche Mutter, die dafür besorgt war, dass alles richtig und ordentlich zuging. Als sie den Wein ausgehen sah, ging sie zu ihrem Sohn und sagte zu ihm nur: «Sie haben keinen Wein mehr.» Als sagte sie: Mein Sohn, es fehlt hier an Wein. Sie deutete nur den Mangel an, ohne eine Bitte zu äußern, im Wissen, dass es bei einem Liebenden genügt, ohne jegliches Bitten auf die Notlage hinzuweisen. Daher sagte sie nicht: «Gib ihnen Wein», damit die Ehrfurcht vor dem Sohn gewahrt bleibt, sondern setzte ihre Hoffnung auf die Freigebigkeit und das Erbarmen des Sohnes. Aus ihrem gütigen Herzen heraus wollte sie dem gänzlichen Ausgehen des Weines zuvorkommen, so dass keine Verlegenheit entstünde. Und darum bat sie den Sohn, von dem sie wusste, dass Er die Macht dazu besaß. Erfüllt vom Heiligen Geist, sah sie das Wunder schon voraus, das ihr Sohn wirken würde.
Es ist anzunehmen, dass es nicht zufällig und von ungefähr geschah, daß der Wein ausging, da ja der Herr bei der Hochzeit anwesend war, vielmehr ergab sich so die Gelegenheit für ein Wunder.
Auf Mariens Bitten wird Jesus nun sein erstes Wunder wirken. Begründet dies nicht aufs neue dein Vertrauen auf Maria? Lerne daraus, in allen Nöten zu ihr deine Zuflucht zu nehmen. Fehlt es dir an Eifer, an Glauben, an Demut, an Ergebung, an Geduld, an geistlichem Trost? Geh durch Maria zu Jesus.



29.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

I Jesus nimmt mit seiner Mutter und den Jüngern am Hochzeitsmahl teil
Am dritten Tage darauf war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu nahm daran teil. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.
Begleite den göttlichen Meister. Da du zu seinen Jüngern gehörst, darfst du überall mit Ihm zu Gast sein.
Man lädt Jesus zu einem Fest ein, und Er nimmt die Einladung an. Warum tut Er dies? Er weilt gern unter den Seinigen und mit Freuden ergreift Er jede Gelegenheit, ihnen Gutes zu tun, sie zu beglücken und zu heiligen. Im näheren Umgang mit Ihm empfindet man weder Befangenheit noch Furcht. Beglückwünsche die Brautleute, die an ihrem Ehrentag dem göttlichen Heiland einen Platz in ihrem Haus bereiten. Wenn sie einst Gott über ihr Leben Rechenschaft ablegen werden, können sie den höchsten Richter an den Platz erinnern, den sie Ihm eingeräumt haben. Sie können zu Ihm sagen: «Du warst mitten unter uns, wir haben nichts getan, was dein Auge hätte beleidigen können.»
Sieh unter den Hochzeitsgästen auch die Mutter Jesu. Sie ist auch deine Mutter, deshalb begrüße sie mit kindlicher Ehrfurcht. Nimm gern den letzten Platz beim Mahl ein.



28.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

III Jesus ermutigt die beiden Jünger in seiner Nachfolge
Jesus entgegnete ihm: «Du glaubst, weil ich dir gesagt, ich habe dich unter dem Feigenbaume gesehen? Noch Größeres als das wirst du sehen.» Dann fuhr Er fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes über dem Menschensohn auf und niedersteigen sehen.»
Fasse Mut bei diesem Wort, das der göttliche Meister an seinen neuen Jünger richtet: «Du wirst größere Dinge sehen!» Jesus denkt auch an dich, da Er diese Verheißung ausspricht.
«Ich werde euren Glauben belohnen. Ihr werdet größere Dinge sehen. Ihr habt mit der ersten Gnade mitgewirkt, ihr sollt weitere empfangen. Ihr glaubt an mich, den Menschensohn; ich aber werde mich euch im Glanz der Gottheit offenbaren. Ihr sähet die Wohnung des armen Handwerkers von Nazareth; ihr werdet die Herrlichkeit seines Himmels sehen. Ihr kanntet mich als den demütigen Gefährten eurer Arbeit; ihr werdet mir als dem König der Engel huldigen.»
Verkoste die Freude dieser ersten in der Gnade Auserwählten, da sie solche Verheißungen hörten. Nähere dich ihnen und bitte sie, dich in ihrem Kreis aufzunehmen. Leg allen Hochmut ab und geh entschlossen in die Schule wahrer Demut.



27.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

II Philippus führt Nathanael Jesus zu
Philippus traf Nathanael und berichtete ihm: «Wir haben Den gefunden, von dem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josephs aus Nazareth.» Nathanael entgegnete ihm: «Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?» Philippus erwiderte ihm: «Komm und sieh!»
Glühend vor Eifer, andere für die Wahrheit zu gewinnen, kehrt Philippus zu den Seinigen zurück. Es drängt ihn, auch seinen Freunden das Glück zu verschaffen, dessen er gewürdigt worden ist. «Wir haben den Messias gefunden, den die Propheten vorherverkündet haben, den Erlöser, den uns Gott gesandt hat. Jetzt wissen wir, wo die Wahrheit und das Leben ist. Komm und sieh!» sagt Philippus zu Nathanael.
Komm und sieh auch du, was er ihm zeigt. Er zeigt ihm die Wahrheit, die unter unscheinbarem Äußern sich verbirgt, die fern von leeren Worten irdischer Wissenschaft sich offenbart, die inmitten der Armen, der Geringen, der Einfältigen wohnt, die in einem Erdreich gedeiht, das die Weisen und Gelehrten der Welt verachten. Diese Art der Erscheinung gewinnt demütige Herzen. Ihr Staunen läßt ihren Glauben nur heller erstrahlen.
Es kommt nicht darauf an, woher die Wahrheit kommt, durch welche Werkzeuge und unter welchem Äußern sie sich offenbart, wenn man sie nur besitzt. So ist Nathanael gesinnt. Nach den ersten Worten Jesu ruft er aus: «Du bist Gottes Sohn, der König Israels!» Bewundere diesen Mann, der dich an Glaubensstärke übertrifft. Du hast so viele Bücher gelesen, so vielen Unterricht empfangen, so viele Wunder gesehen, so oft das Wort Gottes gehört, und noch immer ist dein Glaube so schwach und leblos.



26.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

I Jesus begegnet dem Philippus und lädt ihn ein, Ihm zu folgen
Tags darauf wollte Er nach Galiläa ziehen. Da traf Er Philippus und sprach zu ihm. «Folge mir.» Philippus stammte aus Bethsaida, der Heimat des Andreas und Petrus.1
Finde dich wieder beim göttlichen Meister ein, der auf dem Weg nach Galiläa ist. Jesus hat zu seinem Werk Apostel notwendig. Er sucht sie unter den einfachen Seelen. «Folge mir!» spricht Er zu Philippus. Diese Begegnung ist nicht zufällig.
Schon seit langem hat der Heilige Geist diese Seele auf den Ruf Jesu vorbereitet. Der Heilige Geist ist es, der dem menschgewordenen Sohn Gottes Apostel zuführt.
«Folge mir!» Ein kurzes, inhaltsreiches Wort! Gerade und einfache Seelen sind leicht empfänglich für das Gute. Philippus hat einen armen Handwerker aus Nazareth vor sich. Er weiß, daß Gott sich jedes Werkzeuges bedienen kann und daß Er zur Ausführung seiner Pläne jene auserwählt, die Er will. Philippus grübelt nicht, er macht keine Einwürfe. Er unterwirft und ergibt sich dem Heiland von ganzem Herzen.
So mußt du gesinnt sein, wenn du den Weg der Wahrheit wandeln willst. Je mehr du deiner eigenen Einsicht misstraust, um so mehr wird die göttliche Gnade mit ihrer belebenden Kraft deine Seele erfassen. Je kindlicher dein Glaube ist, desto weniger Mühe wirst du haben, dich Jesus ohne Vorbehalt hinzugeben.
1 Bethsaida liegt in der Nähe von Kapharnaum am Westufer des Sees von Tiberias.



25.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1)

III Andreas fuhrt seinen Bruder Simon zu Jesus
Einer von den beiden, die Ihm auf das Wort des Johannes hin folgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sprach zu ihm: «Wir haben den Messias — das heißt den Gesalbten — gefunden.» Und er führte ihn zu Jesus.
Andreas teilt alsbald seinem Bruder seine Entdeckung mit. Er fühlt sich glücklicher, da er die seinen zu Jesus führen kann, als wenn er ihnen einen zeitlichen Gewinn verschaffen könnte. Das ist die wahre Liebe. Lerne von Andreas, mit dem Nächsten von Gott zu sprechen, ihm Anteil an den Gnaden zu geben, die du im Gebet erhältst. Gibt es nicht mehr als eine Seele, die du für Gott gewinnen könntest? Fasse zur Ehre deines Meisters Vorsätze, die seiner würdig sind.
Jesus schaute ihn an und sprach: «Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas — das heißt Fels — genannt werden.» Wie belohnt Jesus den Seeleneifer des Andreas? Er wirft einen Blick der Gnade auf Simon, Er schaut ihm ins Herz. Jesus erkennt die Freude, die Simon empfindet, da er den Meister kennenlernt, sein Verlangen, Ihm näherzutreten, und seinen großherzigen Willen, alles für Ihn zu tun. Neben diesen guten Eigenschaften sieht Jesus auch seine Schwäche, seine Unerfahrenheit, und dennoch sagt Er zu ihm: «Du sollst Petrus heißen, Ich werde dich stärken. Ich werde dich zum unüberwindlichen Felsen meiner Kirche machen. Ich werde dich zum Sieg führen.» O meine Seele, warum fürchtest du, Jesus zu folgen, und zwar möglichst nahe, da Er die Stütze deiner Schwachheit und das Licht deiner Unwissenheit sein will?



24.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1
)

II Jesus ladet die zwei Jünger ein, Ihm zu folgen
Jesus wandte sich um und sah sie Ihm folgen. Da fragte Er sie: «Was sucht ihr?» Sie erwiderten Ihm: «Rabbi» — das heißt Meister — «wo wohnst du?» Er antwortete ihnen: «Kommt und seht!» Sie gingen mit Ihm und sahen, wo Er wohnte, und blieben jenen Tag bei Ihm. Es war um die zehnte Stunde.
Beglückwünsche die beiden Jünger, dass sie zur rechten Zeit sich eingefunden haben, um Jesus kommen zu sehen.
Beachte, nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort begegnet man dem Herrn. «Was sucht ihr?» fragt Jesus. Aus ganzem Herzen antworten die beiden Jünger: «Wir suchen Belehrung, Frieden, Fortschritt in der Tugend, inneres Glück.» Suchst nicht auch du diese Güter? Gerade dies hat Jesus auf die Erde gebracht. Schließ dich den Jüngern an und folge entschlossen dem Heiland nach.
Sie verließen Johannes und folgten Ihm, nicht nur mit den Schritten ihrer Füße, sondern auch in der Ergebenheit des Glaubens und in der Nachahmung der Werke. Ihm, von dem sie durch das Zeugnis des Johannes wussten, dass Er auch dessen Lehrer war, wollten sie sich anschließen und seine Lehre hören. Bewundere die schlichte, demütige und willige Nachfolge der Jünger, die ohne jeden Einwand und jede Nachforschung geschieht. Gesegnet sei der Herr, der in seinem Verlangen nach ihrem und aller Heil sich, in seiner Güte, zu ihnen umwandte, mit der Er sich immer denen zuwendet, die sich Ihm zuwenden, und die aufnimmt, welche zu Ihm kommen. Und als Er mit den Augen der Barmherzigkeit und der Güte sah, dass sie Ihm folgten, fragte Er sie, um ihnen Selbstvertrauen zu geben und Mut zu machen: «Was sucht ihr?» Als wollte Er sagen: «Ich stehe zu eurer Verfügung.» Er fragte nicht: «Wen sucht ihr?», weil sie über seine Person durch Johannes im klaren waren; sondern Er sagte: «Was sucht ihr?», denn Er wusste, daß sie etwas über das Heil erfahren wollten. Er fragte nicht aus Unwissenheit, damit Er etwas erfahre, sondern um sie durch seine Frage mit Ihm vertrauter zu machen und sie aufgrund ihrer Antwort besser zu leiten. Dass sich der Herr zu ihnen umwandte, sie anblickte und mit ihnen sprach, war ein Zeichen seiner Weisheit und seines Wohlwollens; Er wusste nämlich, mit welchem Verlangen sie Ihm folgten. Damit wird uns verständlich gemacht, dass Christus alle, die sich anschicken, Ihm reinen Herzens nachzufolgen, mit Vertrauen und mit der Hoffnung auf Erbarmen erfüllt. Und Er wendet sich um zu ihnen, um ihnen den Reichtum seines Erbarmens zu schenken.
Wohin führt Jesus die beiden? Er lädt sie zu sich ein: «Kommt und seht!» Die wahren Güter empfängt man in der nächsten Nachfolge des Herrn, und zu dieser fordert Jesus die Menschen auf. «Kommt!» sagt Er, «Ich will euch zeigen, wo ich wohne. Dort werde ich euch offenbaren, was den Weisen verborgen ist, dort will ich euch geben, was die Welt nicht geben kann. Dort sollt ihr die Freuden des wahren Lebens verkosten.» Fühlst du dich nicht gedrängt, einer so liebevollen Einladung zu folgen und mit den Jüngern in die demütige Wohnung des Heilandes einzutreten? Fürchte nicht, daß du dort Überdruss empfindest? Ist der vertraute Verkehr mit Jesus nicht die beglückendste Freude auf Erden? Selige Stunden bereitet der Meister den beiden, die Er zu sich eingeladen hat, Stunden, die ihnen als die schönsten ihres Lebens in der Erinnerung bleiben werden.
Bilde dich nach ihrem Beispiel. Was sagen sie, was tun sie während des Beisammenseins mit Jesus? Sie hören seine Worte, erbitten sich Belehrung, eröffnen Ihm ihr ganzes Herz mit seinen Wünschen und Mängeln und fassen großmütige Vorsätze. So weckt diese erste Unterredung mit Jesus in ihnen die Gesinnungen des Glaubens, der Liebe und des Vertrauens.
1 Wir sind an den Ufern des Jordans bei Bethsaida. Hier fanden die ersten Begegnungen Jesu mit seinen künftigen Aposteln statt.



23.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1)

I Jesus begegnet zwei Jüngern Johannes' des Täufers
Am folgenden Tage stand Johannes wieder da mit zwei von seinen Jüngern.1 Als er Jesus daherkommen sah, sprach er: «Seht, das Lamm Gottes!» Sobald die beiden Jünger ihn so sprechen hörten, folgten sie Jesus nach.
Geselle dich zu den Jüngern des heiligen Johannes. Der Vorläufer spricht mit den Seinen vom Erlöser. Die fromme Unterhaltung über Jesus verschafft ihnen das Glück seiner Gegenwart. Betrachte, wie Er jenen entgegenkommt, die danach verlangen, Ihn kennen- und liebenzulernen. Er kommt von weit her, denn vom Himmel ist Er herabgestiegen. Seht, das Lamm Gottes! Seht jenen, Den der himmlische Vater schon lange verheißen hat. Er will den Menschen die Wahrheit verkünden, ihnen die Last ihrer Sünden abnehmen und den Himmel wieder öffnen. Selig alle, die Ihn aufnehmen, selig alle, die Ihn ihren Brüdern offenbaren. Geh deinem Heiland entgegen, bereite dich, Ihm zu huldigen und Ihm deine Bitten vorzutragen, bemühe dich, seinen Blick auf dich zu ziehen.



22.01.2019

31. Jesus, das Lamm Gottes
(Joh 1)

II Johannes befestigt in den Herzen seiner Zuhörer den Glauben an Jesus
Weiter bezeugte Johannes: «Ich sah den Geist gleich einer Taube vom Himmel herabsteigen und über Ihm schweben. Ich habe es gesehen und bin Zeuge dafür geworden: Dieser ist der Sohn Gottes.»
«Er ist es wirklich», fährt Johannes fort, «Er ist das Lamm Gottes, Er ist der Abgesandte des himmlischen Vaters, unser Erlöser.»
Betrachte aufmerksam dieses erneute Zeugnis des heiligen Vorläufers und laß dich von dessen Wahrheit lebhaft durchdringen. Unter dem niedrigen Äußern entdeckt Johannes den Sohn Gottes und bemüht sich, Ihn als solchen gebührend zu erheben. «Er kommt nach mir», sagt er, «ist aber vor mir gewesen. Er ist von Ewigkeit, der Erstgeborene aller Menschen.» Erfreue dich an den Worten des Vorläufers und bitte deinen Erlöser demütig, sich dir so zu offenbaren, wie Er es dem heiligen Johannes getan hat. Diese Offenbarung hat den Vorläufer zu einem Apostel gemacht. Johannes hat nur noch ein Streben auf Erden: die Kenntnis Jesu zu verbreiten, und nur noch eine Freude: den Menschen zu verkünden, was er von Jesus weiß. So bitte Ihn denn, dir von seinem Geist mitzuteilen, damit du in deinem Beruf in gleicherweise für Jesus wirken kannst.
Fasse den Entschluss, von nun an durch dein Leben, deine Arbeit und dein Leiden andere zur Kenntnis, zur Liebe und zum Dienst des Erlösers anzueifern. Erflehe dir dazu die Gnade und den Segen des himmlischen Vaters.



21.01.2019

31. Jesus, das Lamm Gottes
(Joh 1)
I Johannes der Täufer sieht Jesus und bezeichnet Ihn als das Lamm Gottes
Am andern Tag sah er Jesus auf sich zukommen. Da sprach er: «Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.»
Finde dich wieder bei Johannes dem Täufer ein, um dich mit ihm der Gegenwart des Erlösers zu erfreuen! Bei seinem Nahen weist Johannes auf Ihn hin mit den Worten: «Seht das Lamm Gottes!» Neige dich in tiefster Ehrfurcht beim Anblick Jesu! Er ist das Opferlamm, das vom Himmel herabgestiegen ist, um sein Leben zum Heil der Welt hinzugeben. Schon nähert Er sich dem Opferaltar. Suche seine Liebe zu verstehen! Jesus opfert sich, um die Last deiner Sünden auf sich zu nehmen. Vertraue dich Ihm an und wirf alle Sorge auf Ihn!
Der himmlische Vater weist dich durch Johannes auf seinen Sohn hin, der sich anbietet, sein kostbares Blut für dich zu vergießen. Gleich am Anfang seines Apostolates hat sein Herz in das große Opfer eingewilligt. Schließ dich dem Heiland an und küsse dankbar seine Fußspuren! Lerne von Ihm, wie man der göttlichen Gerechtigkeit Genugtuung leistet.



20.01.2019

30. Die Gesandtschaft der Juden an Johannes den Täufer
(Joh 1)

III Johannes offenbart die unendliche Größe des Erlösers
Sie fragten ihn weiter: «Warum taufst du denn, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elias und nicht der Prophet?» Johannes erwiderte ihnen: «Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht bereits der, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt und mir doch voraus ist. Ich bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu lösen.»
Die Abgesandten wagen noch eine Frage. Gott läßt dies zu, damit die volle Schönheit einer demütigen Seele offenbar werde.
«Warum taufst du?» fragen sie ihn. «Ich taufe nur mit Wasser», erwidert er. «Ich bin nichts, und was ich tue, ist nichts. Meine Taufe ist nur ein Tropfen aus dem Meer der Barmherzigkeit, das die Welt überschwemmen wird. Mein Wort ist bloß wie ein fernes Echo der göttlichen Stimme, die nun reden wird. Vergesst mich, um allein an den zu denken, der jetzt erscheinen soll.» Suche diese Sprache ihrem vollen Sinn nach zu verstehen und zu schätzen. Je mehr du Jesus kennenlernst, desto bereiter wirst du sein, für nichts zu gelten und von den Menschen vergessen zu werden.
«In eurer Mitte ist Er, den ihr nicht kennt», fügt Johannes der Täufer bei. Betrachte diese Worte und denk dabei jener zahlreichen Tabernakel, wo Er wahrhaft gegenwärtig ist und wo du Ihn im Glauben anbeten sollst. Staune über die Vereinsamung und die Vergessenheit, die Ihm dort zuteil werden. Drängt es dich nicht, Genugtuung zu leisten? Um wirksamer zu sühnen, bitte den heiligen Vorläufer um seinen feurigen Glauben.



19.01.2019

30. Die Gesandtschaft der Juden an Johannes den Täufer
(Joh 1)

II Johannes erklärt den Juden seine Sendung
Da fragten sie ihn: «Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns gesandt haben, Antwort bringen. Für wen gibst du dich aus?» Er antwortete: «Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, wie der Prophet Isaias gesagt hat.»
Die Abgesandten dringen weiter in Johannes: «Was sagst du von dir selbst?» Höre, wie eine demütige Seele nur um sich zu erniedrigen und die Ehre des Heilandes zu erhöhen, von sich selbst redet.
«Ich bin eine vom Himmel gesandte Stimme», erklärt Johannes der Täufer. «Ich rede den Menschenkindern von Gott und bereite die Seelen auf die Ankunft des Erlösers vor. Ich rufe allen zu: Bereitet den Weg des Herrn! Der Herr hat sich zur Erde geneigt und ist auf sie herabgestiegen. Das ist meine Sendung, und eine andere habe ich nicht.»
So spricht eine demütige Seele. Sie erfüllt nur den Beruf, den Gott ihr gegeben hat. Darin besteht ihre Zufriedenheit und ihr Glück. Es liegt ihr wenig am Urteil der Menschen. Erbitte dir vom heiligen Johannes den Mut, allzeit die Wahrheit zu bekennen. Auch du bist eine Stimme vom Himmel. Du sollst zu den Seelen von Gott reden, Ihm in den Herzen der Menschen die Wege bereiten, damit Er darin herrsche. Ist das nicht eine ehrenvolle Aufgabe? Was tust du, um deinen Worten die rechte Kraft der Überzeugung zu geben? Bleiben sie nicht oft wirkungslos, weil menschliche Rücksichten, Stolz und Trägheit dich beherrschen?



18.01.2019

30. Die Gesandtschaft der Juden an Johannes den Täufer
(Joh 1)

I Johannes empfängt die Abgesandten der Synagoge
So lautet das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: «Wer bist du?» Er bekannte, ohne zu leugnen. Er bekannte: «Ich bin nicht der Messias.»
Vernimm die Frage, welche die Abgesandten der Juden an Johannes richten. «Wer bist du?» fragen sie ihn. «Wir müssen die erregten Gemüter beruhigen. Du übst Buße und lädst zur Buße ein. In wessen Auftrag tust du dies? Nenne uns deinen Namen und erkläre uns deine Sendung! Bist du Christus?»
Bewundere die Einfachheit, mit der Johannes den Juden antwortet: «Ich bin nicht Christus, ich bin nicht derjenige, für den ihr mich haltet. Ich bin nichts im Vergleich zu demjenigen, den Gott euch sendet.» Das ist die Sprache der echten Demut. Sie fühlt sich klein vor Gott. Wenn die Überzeugung von deiner Niedrigkeit recht lebendig in dir ist, wirst du leicht jede Ehre, die dir nicht gebührt, ablehnen und deine Armseligkeit gerne eingestehen.
Für den Vorläufer ist solch ein Verhalten nur gerecht. Verlangt man doch von der Treue eines Dieners, dass er sich nichts von dem Ansehen und den Vorrechten seines Herrn anmaße. Wer immer eine Ehre, die ihm nicht zukommt, für sich in Anspruch nimmt, entzieht sie ungerechterweise Gott, dem Urheber alles Guten. Johannes der Täufer ist ein Apostel der Ehre Gottes, darum demütigt er sich gern. Er kennt Gott und kennt sich selbst. Einer demütigen Seele, die von ihrem Nichts durchdrungen ist, wird es nicht schwer, sich in den Abgrund ihrer Niedrigkeit zu versenken, aus dem Gott sie gezogen hat.


17.01.2019

29. Das zweite Zeugnis Johannes des Täufers
(Joh 1)
II Der Evangelist erklärt das Zeugnis des Täufers
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Betrachte in tiefer Sammlung jedes einzelne dieser Worte. Alle Gnaden sind uns durch Ihn geworden, Jesus verdanken wir in Wahrheit alles. Oder was hast du Gutes, das du nicht von Ihm empfangen hättest? Ihm verdankst du die Sicherheit des Heiles, das Vertrauen für die Zukunft, alle Gnaden der Versöhnung, alle Hoffnung des Fortschrittes und der Seligkeit. Erkenne dies an.
Jesus regt die Menschen zu Akten des Glaubens an, damit es Ihm möglich sei, sie mit den Gaben seiner Allmacht und Güte zu überschütten. Einzig zu deinem Heil ist Er mit dir beschäftigt. Deshalb hindere Ihn nicht an seiner Tätigkeit. Aber schätze auch die Güter, die Er dir bietet, nach ihrem richtigen Wert. Wann wirst du sie endlich den materiellen Gütern vorziehen, die so nichtig sind?
Der Evangelist bemerkt weiter, daß Jesus der Welt die Geheimnisse Gottes offenbaren will. Wenn du diese also kennenlernen willst, weißt du, an wen du dich wenden mußt. «Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, Er hat es uns kundgetan.» Willst du den himmlischen Vater kennenlernen, so wende dich an seinen Sohn. Von jetzt an sollst du in die Schule des Sohnes Gottes gehen, sein Wort annehmen als das Wort des Vaters, aller Unwahrheit und Oberflächlichkeit entsagen. Die Wissenschaft, die Jesus lehrt, übertrifft jede andere. Sei überzeugt, die Stunden, die du diesem Studium widmest, sind die kostbarsten Stunden deines Lebens und jedes einzelnen Tages.



16.01.2019

29. Das zweite Zeugnis Johannes des Täufers
(Joh 1)

I Johannes legt öffentlich Zeugnis für Jesus ab
Johannes gibt Zeugnis von Ihm und sagt: «Dieser ist es, von Dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist; denn Er war eher als ich.»
Begib dich wieder zu den Volksscharen, denen Johannes predigt. Er verkündet seinen Zuhörern, daß der verheißene Erlöser endlich erschienen ist. Jetzt, wo sie einen Erlöser haben, bedarf es nur des Glaubens und des guten Willens, um in den Himmel zu kommen. Alle Heilsmittel stehen ihnen zu Gebote.
Willst auch du in den Himmel gelangen? Sieh, Jesus will dein Führer sein. Johannes bezeugt von Ihm: «Jesus von Nazareth ist mehr als ich. Er war vor mir. Er ist der Ewige, der Allmächtige.»
Suche Ihn in der Menge, unter der Er sich befindet, und bitte Ihn, sich deiner anzunehmen. Bist du besorgt wegen deines ewigen Heils, so lege alle Befürchtungen in sein Herz. Er kommt vom Himmel und kann dir mit Bestimmtheit sagen, was du zu tun hast, um dahin zu gelangen. Durch Ihn ist deine Seligkeit gesichert.
«Ich bin sein Zeuge», sagt Johannes. «Ich bestätige, daß Er wahrhaft der ist, als den ich Ihn verkündet habe.» Vom heiligen Vorläufer lerne, wie du Jesus vor den Menschen bekennen sollst. Betrachte, mit welcher Tiefe der Überzeugung und mit welchem Eifer Johannes der Täufer es getan hat. Er setzt wirklich seine Ehre darein, die Ehre Jesu zu verbreiten. Eigne dir seine Gesinnungen des Glaubens, des Vertrauens und der Liebe an, worauf sein Zeugnis für Jesus sich gründet!



15.01.2019

28. Die Versuchung Jesu
(Mt 4, Lk 4)

III Jesus besiegt die Versuchung zum Stolz
Dann führte Ihn der Teufel auf einen hohen Berg hinauf, zeigte Ihm in einem Augenblicke alle Reiche der Welt und sagte zu Ihm: «All diese Macht und Herrlichkeit will ich dir geben; denn mir ist sie übertragen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du mich anbetest, soll sie ganz dein sein.» Jesus entgegnete ihm: «Es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen.»
Angesichts der Kämpfe deines Erlösers möge sich dein Mut neu beleben! Sieh den Heiland der Versuchung zum Hochmut preisgegeben. Jesus will im Menschen den Hang zur Selbstvergötterung abtöten. Satan bemüht sich, diese Leidenschaft immer mehr zu entzünden.
«Alles dies soll dein sein.» Diese Worte besagen: Ehre, Reichtum, Freude, Wohlleben, nichts soll dir mangeln. Aber um welchen Preis! «Entsage deinem Gott, stell dich unter mein Banner. Mach mich zu deinem Meister und Gott!» Lerne den Teufel beschämen, wie es dein Heiland tut. Die Versprechungen Satans sind ebenso viele Lügen. Er verspricht alles, vermag aber nichts. Jede seiner Lockungen ist eine Gottlosigkeit, denn der Haß gegen Gott flößt sie ihm ein. Indem er sucht, den Menschen ins Verderben zu ziehen, arbeitet er gegen Gott. Sei auf der Hut gegen seine versteckten und offenen Angriffe.
Jesus antwortet: «Es steht geschrieben, du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen.» Nach Jesu Worten ist also der Mensch erschaffen, um Gott anzubeten, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen. Folglich besteht das wahre Leben einzig in der Erfüllung des göttlichen Willens und in der Unterwerfung unter sein Gesetz. Alle gegenteiligen Vorspiegelungen sind gottlos und kommen vom Teufel. Diese Lehre bildet den echten Jünger des Evangeliums. Präge sie dir tief ins Herz ein und mach sie zur Richtschnur deines Lebens.
Und siehe, Engel kamen herbei und dienten Ihm. Die guten Engel freuen sich des dreifachen Sieges ihres göttlichen Meisters. Nahe auch du dich Ihm und danke Ihm für das Beispiel, das Er dir soeben gegeben hat. Er wollte zuerst versucht werden, um dir die Kraft zu verdienen, nicht überwunden zu werden. Diese Kraft bietet Er dir an. Bekleide dich mit ihr durch die Festigkeit des Glaubens und fasse zu seinen Füßen den festen Entschluss, dich unter seinem Banner auszuzeichnen.


14.01.2019

28. Die Versuchung Jesu
(Mt 4, Lk 4

II Jesus besiegt die Versuchung zur Ehrsucht
Dann nahm Ihn der Teufel mit in die Heilige Stadt, stellte Ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu Ihm: «Bist du Gottes Sohn, so stürze dich hinab. Es steht ja geschrieben: Er hat seine Engel für dich entboten. Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit du deinen Fuß an keinen Stein stoßest.» Jesus entgegnete ihm: «Es steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!»
Der Satan dringt abermals auf Jesus ein. Er führt jetzt einen der gefährlichsten Bundesgenossen, die eitle Ehre, mit ins Treffen. «Tue etwas Außerordentliches», sagt er, «Ziehe alle Blicke auf dich. Mach von dir reden!» Das ist wohl der Sinn seines Vorschlages.
Jesus entgegnete: «Weshalb sich selbst freiwillig Gefahren aussetzen, für die Gott uns seine Hilfe nicht versprochen hat?» Die eitle Ehre, das Verlangen nach Anerkennung, der Wunsch zu gefallen sind in der Tat große Gefahren. Sei auf der Hut!
Zur Befriedigung des Stolzes wagt man Dinge, die einen des göttlichen Schutzes unwürdig machen, unfehlbar zu Fall bringen und ins Verderben führen. Wenn du aus Eitelkeit nach Ansehen strebst, so machst du dich einer Treulosigkeit gegen Gott schuldig, die das Evangelium verdammt. Jesus belehrt dich hierüber bei dieser Versuchung.
Schätze die verborgene, wahre Tugend hoch. Was äußerlich glänzt, ist oft nur eitle Lüge. Bitte den Herrn, dich mehr und mehr die Blendwerke Satans erkennen zu lassen, damit sie dich nicht länger täuschen! Erwecke in dir einen lebhaften Abscheu vor jeder Sünde, zu der dich der Teufel anreizt. Widersage ihm entschlossener denn je.



13.01.2019

28. Die Versuchung Jesu
(Mt 4, Lk 4)

I Jesus besiegt die Versuchung zur Sinnlichkeit
Da trat der Versucher an Ihn heran und sagte: «Bist du Gottes Sohn, so befiehl, daß diese Steine da zu Brot werden.» Er gab ihm zur Antwort: «Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.»
Siehe, wie Satan sich Jesus nähert. Gott läst es zu, dass sein eingeborener Sohn vom Teufel versucht wird, damit du erkennst, dass die Versuchung eine Prüfung ist für die Seelen, die Gott liebt. Wir sollen nicht sorglos dahinleben, sondern in heiliger Furcht und im Gebet uns wappnen auf die Angriffe des Feindes.
Höre die törichten Vorschläge Satans. «Verwandle diese Steine in Brot», spricht er zu Jesus. «Gib deine bisherige Strenge auf, gönne dir eine Erleichterung. Laß es genug sein der Abtötung, genieße das Leben.» Derartige Einflüsterungen des Bösen haben dich mehr als ein Mal getäuscht, und du warst schwach genug, ihnen nachzugeben. Bist du vielleicht jetzt noch ein Sklave der Sinnlichkeit? Sei auf der Hut, denn der Feind benützt die bösen Neigungen und Schwächen deiner Natur im Kampf gegen deine Seele.
Jesus antwortet, dass das wahre Leben nicht in der Befriedigung der Sinne bestehe. Der Mensch bedarf höherer Dinge. Verstehe diese Lehre recht. Das Wohl der Seele steht immer über dem Wohl des Leibes. Und die Seele braucht als Nahrung das Wort Gottes, heilige Gespräche, geistliche Lesungen und die Sammlung des Gebetes.
Merke dir, mit welchen Waffen dein göttlicher Meister seinen Feind beschämt. «Es steht geschrieben», sagt Er. Jesus entnimmt den heiligen Büchern die Worte, die den Menschen in der Versuchung unüberwindlich machen. Er setzt den Vorspiegelungen des Teufels eine Glaubenslehre, ein Wort der Heiligen Schrift, eine feste Überzeugung entgegen. Alles das vermittelt dir die Lesung und Betrachtung der göttlichen Wahrheiten. Die Zuversicht und Festigkeit des Glaubens ist eine unbesiegbare Macht gegen die Angriffe Satans. Fehlt es dir nicht oft daran?



12.01.2019

27. Der Aufenthalt Jesu in der Wüste
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

II Jesus fastet vierzig Tage lang
Und Er war in der Wüste vierzig Tage und vierzig Nächte lang und wurde vom Teufel versucht. Er aß nichts in jenen Tagen. Als sie zu Ende waren, hungerte Ihn.1
Suche in der Wüste den Ort2 auf, wo Jesus sich befindet. Bleibe bei Ihm und betrachte Ihn aufmerksam. Was tut Er? Das Leben des Herrn in der Wüste war ein Leben der Demut, der Buße und des Gebetes.
Erfaßt dich nicht ein tiefes Staunen, wenn du den Sohn Gottes in solcher Einsamkeit mitten unter den unvernünftigen Tieren siehst? So erniedrigt Er sich für jene, die sich erheben wollen. In seinem Stolz hatte der Mensch ausgerufen: «Ich will bis zu Gott emporsteigen!» Jesus antwortet: «Ich will mich zu den Geringsten herablassen!»
Er sühnt deine Nachlässigkeit und Trägheit, mit der du die Fast- und Abstinenzgebote erfüllst. Er tut Buße für deine weichliche Lebensweise und für dein ausgesuchtes Wohlleben. Er leistet Genugtuung für allen Überfluß in deiner Wohnung und Kleidung, für deine Feinschmeckerei und Sinnlichkeit bei den Mahlzeiten. Er unterzieht sich schmerzlichen Abtötungen, damit der himmlische Vater seinen Blick abwende von deiner sündhaften Begierlichkeit. Für dich leidet Er. Schließe dich Ihm bereitwillig an. Lerne von deinem Erlöser, dein Fleisch zu bezähmen, deinen Leib abzutöten, Hunger und Durst, Kälte und Hitze, Armut und Entbehrung ohne Murren zu ertragen.
Wozu aber nützt alles andere, wenn du nicht betest? Beten heißt, seine Seele zu Gott zu erheben, ihm seine kindliche Huldigung darbringen, vertrauensvoll mit Ihm über seine eigenen Interessen und über die Angelegenheiten seiner Lieben sich zu besprechen. Für ein solches Gebet bedarf es der Freiheit des Geistes, der Sammlung der Sinne und der Losschälung des Herzens. Diese Seelenstimmung wird durch Verdemütigung und Bußwerke erlangt.
Aber woher wirst du den Mut nehmen zur Übung der Buße nach dem Beispiel Jesu? Zuerst aus dem Gedanken, dass die Buße nur ein Mittel ist und dass der Zweck, den wir durch sie erreichen, jeder Anstrengung wert ist. Den mächtigsten Ansporn, Buße zu üben, finden wir in der Liebe Gottes. Ist sie nicht eine Macht, die alles Leiden versüßt? Vermehrt das für Gott erduldete Leiden nicht beständig die Liebe und in demselben Maß auch den Frieden und die Freude des Herzens? Versenke dich in diese Gedanken, verweile heute länger bei deinem göttlichen Meister. Ergreife die Gnaden, die Er dir anbietet, und fasse die Vorsätze, zu denen Er dich drängt.
1 Es war mitten im Winter, wo die Wüste noch düsterer als gewöhnlich, die Witterung rauher ist und wo die spärlichen Pflanzen ohne Laub und Früchte sind.
2 Dieser Ort liegt in der Nähe von Jericho. Seine Höhe beträgt ca. 1500 Meter. Der Aufstieg ist beschwerlich und oft nicht ohne Gefahr. Er hat zahlreiche Höhlen oder Grotten, die ehedem von frommen Einsiedlern bewohnt waren. Eine dieser Grotten soll dem Heiland während seines vierzigtägigen Fastens zum Aufenthalt gedient haben.



11.01.2019

27. Der Aufenthalt Jesu in der Wüste
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

I Jesus zieht sich in die Wüste zurück, um sich auf sein Apostolat vorzubereiten
Alsdann wurde Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden.
Folge Jesus in die Wüste. Warum begibt Er sich dorthin, und was bedeutet diese Zurückgezogenheit?
Jesus hat soeben besondere, himmlische Gunstbezeugungen erfahren. Er will Nutzen daraus ziehen. Er steht vor dem Beginn des wichtigsten Unternehmens und will sich vom himmlischen Vater den notwendigen Beistand erflehen, um es erfolgreich zu Ende zu führen. Seine Aufgabe ist es, die Menschen zu heiligen. Er will ihnen jetzt das Beispiel geben. Bald wird Er große Kämpfe gegen die Hölle zu bestehen haben. Deshalb stählt Er jetzt seinen Mut. Das ist der Zweck seiner Zurückgezogenheit in der Wüste. Das sind die heilsamen Wirkungen einer geistlichen Einsamkeit. Glücklich der, dem der Heilige Geist das Verlangen danach einflößt, und der dieser Einladung entspricht!
Gib dich deinem Erlöser ganz hin. Gib Ihm dein Herz, damit Er es von allen ungeordneten Neigungen befreie, die deinen Fortschritt hindern. Gib Ihm deinen Willen, damit Er ihn kräftige, um entschiedene Vorsätze zu fassen. Ist für dich die Einsamkeit vielleicht weniger notwendig als für Ihn?
Wenn du dich den Geschäften der Welt nicht entziehen willst, wie kannst du Gottes Wort betrachten? Wie willst du dich inmitten der Zerstreuungen dem heilsamen Einfluß der Gnade hingeben, wie die Wichtigkeit deiner täglichen Pflichten erfassen, wie den Täuschungen der Eigenliebe, den Lockungen der Sinne wehren, wie den Versuchungen Satans widerstehen? Bedenke dies in der Gegenwart des Heilandes. Verbessere nach seiner Anleitung deine irrigen, oberflächlichen Ansichten. Beschwöre Ihn, auch in deiner Seele jene Gesinnungen zu wecken, die sein Verhalten beseelen.



10.01.2019

26. Die Taufe Jesu
(Mt 3, Mk 1,Lk 3
)

III Jesus wird durch Gott den Vater und den Heiligen Geist verherrlicht
Als aber Jesus getauft war, stieg Er sogleich aus dem Wasser.
Verweile bei Jesus an den Ufern des Jordans. In welch demutsvoller Haltung betet Er! Wer ermisst den Frieden, den Er genießt? Dieser Friede ist der Anteil reiner, gläubiger Seelen. Knie dich neben Jesus und suche das Weltliche vollständig zu vergessen.
Und siehe, da öffnete sich Ihm der Himmel. Er sah den Geist Gottes gleich einer Taube herabschweben und über sich kommen. Und eine Stimme vom Himmel rief: «Das ist mein geliebter Sohn, an dem Ich mein Wohlgefallen habe.» Warum geschieht diese Offenbarung in diesem Augenblick, an diesem Ort und unter solchen Umständen? Ohne Zweifel will dich der Sohn Gottes durch sein Beispiel die Demut lehren. Er will aber auch, daß du dein ganzes Vertrauen auf Ihn setzt, damit du im Glauben an seine Lehre und in der Befolgung seiner Gebote deine Freude findest. Verdient dein Meister nicht mit Recht den Vorzug vor allem? Betrachte Ihn und entscheide dich für Ihn.



09.01.2019

26. Die Taufe Jesu
(Mt 3, Mk 1,Lk 3)

II Jesus findet sich bei Johannes ein und empfängt die Taufe der Buße
Johannes aber wollte Ihn davor zurückhalten und sagte: «Ich hätte nötig, von Dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir?» Jesus antwortete ihm: «Lass es nur zu. Es geziemt sich für uns, daß wir alles erfüllen, was recht ist.» Da ließ er Ihn zu.
Siehe, wie Jesus an den Ufern des Jordans sich unter die Büßerschar mischt. Er ist die Heiligkeit selbst und will doch als Sünder gelten. Wenig liegt Ihm daran, was man von Ihm denken wird.
Nahe dich Ihm in gläubiger Ehrfurcht. Er ist dein König, erzeige Ihm deine Huldigung! Er ist dein Erlöser, flehe Ihn um Gnade an! Er ist dein Vorbild, betrachte sein Beispiel!
Jesus steht vor Johannes. Bewundere die Demut des Meisters, die Frömmigkeit und Einfachheit des Jüngers. Lausche ihren Worten und erwäge sie. «Du kommst zu mir!» ruft Johannes staunend aus. «So geziemt es sich», erwidert Jesus. Das neue Gesetz des Evangeliums fordert ja, daß wir klein werden, den letzten Platz einnehmen und in den Augen anderer nichts gelten wollen, während wir uns ganz für ihr Heil opfern. Und der Sohn Gottes neigt sein Haupt vor jenem, der sich unwürdig erklärte, seine Schuhriemen zu lösen. Lerne dich verdemütigen wie dein Heiland. Bitte Jesus inständig, Er möge das durch seine Taufe geheiligte Wasser über dich ausgießen und deine Seele, dein Herz, deine Sinne und alle deine Werke reinigen.



08.01.2019

26. Die Taufe Jesu
(Mt 3, Mk 1,Lk 3)

I Jesus beginnt sein öffentliches Leben
In jenen Tagen kam Jesus von Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
Wohne dem Abschied des göttlichen Meisters von seiner heiligen Mutter bei. Die Stunde der Trennung hat geschlagen. Maria hat den Menschen einen Heiland geschenkt. Nun lässt sie Ihn ziehen, damit Er seine Sendung erfülle. Bedenke, was du Maria schuldest, danke ihr kindlich und versprich ihr, sie über diesen Abschied zu trösten. Sie trennt sich von ihrem Sohn, damit du Ihm auf den Wegen begegnest, auf denen Er dich in seiner Liebe aufsucht. Maria verdankst du das Glück, Jesus zu sehen, zu hören und dich in Ihm zu erfreuen.
Er trennt sich von seiner Mutter und scheidet aus der Zurückgezogenheit in Nazareth, um seine messianische Tätigkeit zu beginnen. Er will auch dich unterrichten in der Erkenntnis, in der Liebe und im Dienst Gottes. Heiße Ihn willkommen und eröffne Ihm deine Seele. Beteuere Ihm: «Meister, ich will dir von nun an folgen, wohin Du gehst.»



07.01.2019

25. Das erste Zeugnis des Täufers über Jesus
(Mt 3, Mk 1, Lk 3)

II Johannes erklärt seinen Zuhörern das Wirken des kommenden Erlösers
«Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen.1 Mit der Wurfschaufel in der Hand wird Er seine Tenne reinigen: 2 Den Weizen wird Er in seine Scheune bringen, die Spreu aber in unauslöschlichem Feuer verbrennen.»
Johannes verkündigt nicht nur einen Erlöser, sondern auch einen Richter. Alle richterliche Gewalt ist Ihm übertragen. Er selbst wird die Guten von den Bösen scheiden. Zwar sind alle zur Seligkeit berufen, aber es werden nur jene in den Himmel eingehen, die Jesus dessen für würdig erachtet. Hienieden sind wir vor die Wahl gestellt, entweder Christi Lehre anzunehmen und zu befolgen oder aber durch Nichtbefolgung ewig verlorenzugehen.
Johannes zeigt dir diesen gewaltigen Richter schon auf seinem Richterstuhl. Lerne den Heiland kennen und fürchten. Er ist der rechtmäßige Richter, denn Er ist der unumschränkte Herr des Weltalls. Er ist der allsehende Richter, den niemand täuschen kann. Er ist der allmächtige Richter, dem alle Mittel zu Gebote stehen, um seinen Richterspruch an dem Schuldigen zu vollziehen. Nahe dich Ihm in tiefster Demut und bitte Ihn um Erkenntnis deiner selbst.
Was bist du in seinen Augen: guter Weizen oder leichte Spreu? Durchforsche deine Gedanken, Worte, Wünsche und Handlungen. Erinnere dich deiner vergangenen Jahre, deiner Pläne und Unternehmungen, deiner Beziehungen zum Nächsten, deiner Leiden und Freuden, deiner Pflichterfüllung! Bekenne dich als Sünder, beklage dein Elend, gestehe deine Fehler ein. Es ist wahrlich an der Zeit, den Richter zu versöhnen. Überlege, wie du seinem strengen Gericht entgehen kannst. Bitte Ihn, deine Augen seinem Licht und dein Herz seiner Liebe zu öffnen, indem du dich jetzt aufrichtig bekehrst!
1 Die Taufe des Johannes war nur eine symbolische Zeremonie zur Vorbereitung auf die Buße. In sich hatte sie keine rechtfertigende Wirkung.
2 Im Orient wird der Weizen gedroschen, dann auf einer Schaufel gegen den Wind geworfen. Die guten Körner fallen dann zur Erde, die Spreu wird vom Wind fortgetragen.



06.01.2019

25. Das erste Zeugnis des Täufers über Jesus
(Mt 3, Mk 1, Lk 3)

I Johannes der Täufer offenbart dem Volk die Größe des kommenden Erlösers
Das Volk aber war in Spannung. Alle dachten bei sich, ob Johannes vielleicht der Messias sei. Johannes aber erklärte allen: «Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht würdig, Ihm auch nur die Schuhriemen zu lösen.»
Begib dich wieder an den Jordan. Erwecke in deinem Herzen das brennende Verlangen, vom Erlöser zu hören. Johannes der Täufer wird dem Volk verkünden, wer Derjenige ist, Den Gott ihnen sendet.
In ihrem Zweifel befragt die Menge den Vorläufer: «Wo ist der Erlöser? Bist du es? Woran können wir Ihn erkennen?» Johannes demütigt sich tief, um Den gebührend zu erheben, dessen Vorläufer er ist. Wie groß sein Ansehen beim Volk auch sein mag, im Vergleich zum Erlöser hält er sich für nichts. Was ist der Mensch in Wirklichkeit vor Gott? Man schätzt sich hoch, solange man sich nur mit Geringeren vergleicht. Sobald man sich aber mit Gott vergleicht, verschwindet die Selbstschätzung. Johannes fühlt sich um so kleiner, je näher er Dem steht, der allein wahrhaft groß ist. Ermiß den Abstand zwischen Johannes und Jesus. Es ist der Abstand zwischen Himmel und Erde, zwischen einem Menschenkind und dem Gottessohn. «Ich bin nicht wert, Ihm die Schuhriemen aufzulösen», bekennt der heilige Vorläufer.
Erkenne die Wahrheit dieses edlen Wortes. Nähere dich dem unter den Volksscharen verborgenen Sohn Gottes und falle vor Ihm in gläubiger Demut nieder. Um in der Verachtung deiner selbst zu wachsen, stell deine Armut seinem unendlichen Reichtum, deine Schwäche seiner Allmacht, deine Unwissenheit seiner göttlichen Weisheit gegenüber. Versenke dich in dein Nichts. Entsage um seiner Verherrlichung willen jeder Selbstüberschätzung. Versprich Ihm, dich zu demütigen, um seine Größe zu erheben. Erst wenn du demütig bist, kann die Gnade Gottes in dir Großes wirken.


05.01.2019

24. Das Apostolat des Vorläufers
(Mt 3, Lk 3)

II Johannes fordert die Übung der Liebe und Gerechtigkeit
Da fragten ihn die Volksscharen: «Was sollen wir tun?» Er antwortete ihnen: «Wer zwei Röcke hat, gebe dem einen, der keinen hat; und wer Nahrungsmittel hat, mache es ebenso!»
Schließe dich den Menschen an, die von Johannes die Unterweisung in der Gerechtigkeit erwarten. Frage mit ihnen: «Was sollen wir tun?» und höre, was der heilige Vorläufer antwortet. Er faßt das ganze Evangelium zusammen in die beiden Worte: Liebe und Gerechtigkeit.
«Liebt euren Nächsten!» Wer besitzt, gebe dem, der nichts besitzt! Von den Früchten wahrer Buße nennt der heilige Vorläufer an erster Stelle das Almosen geben, die Werke der Liebe und Barmherzigkeit. Seid gütig, erweist euch liebreich! An eurer Freigebigkeit wird Gott die Aufrichtigkeit eurer Reue erkennen. Bekundet der Mildtätige nicht, daß er den Willen hat, das Gute anzustreben? Beherzige wohl: Die göttliche Weisheit schickt dich hier in die Schule der Liebe.
Übt Gerechtigkeit gegen alle! Die Zöllner, Soldaten, Arbeiter, Handwerker, alle wenden sich an den Vorläufer. «Was sollen wir tun?» fragen sie ihn. «Fordert nicht mehr, als euch festgesetzt ist», antwortet ihnen Johannes. «Sucht in euren Geschäften nicht den eigenen Nutzen zum Nachteil anderer.» Die Übung der Gerechtigkeit ist somit die zweite Forderung des Evangeliums. Liebe zur Pflicht, Achtung vor dem guten Ruf anderer und die Unterwerfung unter das göttliche und menschliche Gesetz ist das Leben des Christen. Das sind die Grundpfeiler des neuen Gottesreiches, dem auch du dich von ganzem Herzen anschließen sollst. Empfiehl dich dem heiligen Johannes und bitte ihn, dich zu Jesus zu führen.



04.01.2019

24. Das Apostolat des Vorläufers
(Mt 3, Lk 3)

I Johannes mahnt die Pharisäer und Sadduzäer, sich zu bekehren
«Ihr Schlangenbrut!1 Wer hat euch beigebracht, ihr könntet dem kommenden Zorngerichte entrinnen? So bringt denn würdige Früchte der Bekehrung!»
Suche weiter aus dem Apostolat des Vorläufers Nutzen zu ziehen. Der Anblick des Sündenelends regt seinen Eifer an. Warum aber wendet er sich mit so strengen Worten an die Pharisäer und Sadduzäer? Weil er an der Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung und an der Geradheit und Reinheit ihrer Absicht zweifelt. Es gibt nichts Verwerflicheres als die Heuchelei der falschen Frömmigkeit. Solche Menschen verstehen es, meisterhaft über die Buße zu reden, und fordern sie von den andern, selbst aber wollen sie die Buße nicht üben. «Gott zürnt über euch!» mahnt der heilige Vorläufer. «Wenn ihr seinen Zorn besänftigen wollt, so tut auch ihr Buße. Haltet euch nicht für besser als die andern, denn jede Größe, die nicht in der Gnade Gottes wurzelt, wird nur zu eurer Verdammung gereichen!» Das sind ernste Worte, die geeignet sind, auch dich zur Selbsterkenntnis zu führen. Es ist sicher, daß du Gott beleidigt hast, ist es auch sicher, daß du dich mit Gott versöhnt hast? Nur durch die Buße kann man diese Gewißheit erlangen. Wie übst du die Buße? Wie ist deine Reue beschaffen? Wie beichtest du? Welche Sühne und Wiedergutmachung leistest du Gott? «Die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gesetzt», warnt der heilige Vorläufer. Wenn Gott dich jetzt aus dem Leben abberufen würde, wärest du bereit?
1 Die Sadduzäer, welche hier gemeint sind, waren eine Art jüdischer Freigeister, die einen großen Teil des Gesetzes verwarfen. Was man von den Pharisäern zu halten hat, weiß wohl jeder. Es war dies eine hochmütige Sekte, die sich rühmte, eine ganz besondere Gesetzeskenntnis zu besitzen, und unter diesem Vorwand dem Gesetz eine Menge überflüssiger und unerträglicher Vorschriften andichtete. Dabei hatten sie es selbst in mehr als einem Punkt durch ihre falsche Auslegung aufgegeben. Die Pharisäer genossen beim Volke ein gewisses Ansehen, und man hatte von ihrem Wissen eine hohe Meinung.



03.01.2019

23. Der Vorläufer des Herrn
(Mt 3, Mk 1, Lk 3)

II Die Wirkung der Bußpredigt des heiligen Johannes
Johannes trug ein Gewand von Kamelhaaren1 und um seine Lenden einen ledernen Gürtel. Seine Nahrung waren Heuschrecken und wilder Honig.
Betrachte aufmerksam das Leben des heiligen Vorläufers des Herrn. Er geht dem Volke in der ernsten Vorbereitung auf die Ankunft des Erlösers voran. Er tut zuerst selbst, was er von andern verlangen wird. Warum übt er eine so außerordentliche Strenge? Sie soll reichlichere Früchte des Heiles bei ihm hervorbringen. Im Dienste Gottes empfängt man um so größere Gnaden, je mehr Entbehrungen man sich auferlegt.
Wo schöpft Johannes den Mut zu einem solchen Leben der Entsagung? In seiner Liebe zu Gott. Freue dich! Diesen Mut und diese Liebe wird dir Jener verleihen, den Johannes verkündet.
Da zog zu ihm hinaus Jerusalem, ganz Judäa und das ganze Jordanland. Sie ließen sich im Jordan von ihm taufen und bekannten dabei ihre Sünden. Beobachte die Menge, die den heiligen Johannes umgibt. Sie lauscht erstaunt und gelehrig seinen Worten. Aber sein Beispiel wirkt noch mächtiger und überzeugender als seine Predigt. Ein heiliges, bußfertiges Leben reißt hin zur Nachahmung. Bemühe dich, heute deinen Mitmenschen durch ein gutes Beispiel voranzugehen. Erbitte dir beim himmlischen Vater durch die Fürbitte des heiligen Johannes die Gnade, die Notwendigkeit der Buße auch für dich recht lebhaft zu fühlen. Geselle dich den Sündern bei, die sich nun zur Besserung ihres Lebens entschließen. Bitte den heiligen Vorläufer demütig um die Bußtaufe.
1 Dies war die Kleidung der ärmsten Volksklasse.



02.01.2019

23. Der Vorläufer des Herrn
(Mt 3, Mk 1, Lk 3)

I Johannes fordert die Juden auf, sich auf die nahe Ankunft des Erlösers vorzubereiten
In jenen Tagen1 trat Johannes der Täufer auf und predigte in der Wüste von Judäa: «Bekehret euch, denn das Himmelreich ist nahe.»2
Mische dich unter die Zuhörer des heiligen Vorläufers. Wovon redet er? Er sagt ihnen, wie sie den Erlöser gebührend empfangen sollen. Er erklärt ihnen die Notwendigkeit der Buße zur Vorbereitung auf das Erscheinen des Weltheilandes.
«Tut Buße!» mahnt Johannes, «ändert und bessert euer Leben!» Das Antlitz der Erde wird sich erneuern, so bereitet auch eure Herzen zu dieser Erneuerung. Betrachte aufmerksam diese wunderbare Umwandlung, die Johannes der Täufer prophezeit. «Bereitet den Weg des Herrn!» ruft er der Menge zu. Auf welchem Weg wird Er sich denn nahen? Erinnere dich an alles, was du in Bethlehem, in Nazareth und auf der Flucht nach Ägypten gesehen hast. Jesus geht überall den Weg frei gewählter Demütigungen, entsagungsreicher Armut, harter Arbeit und vollkommener Geduld, bei jeder Art von Widerwärtigkeit. Mußt nicht auch du denselben Weg einschlagen, wenn du mit dem Heiland zusammentreffen willst? Befolge die Bußpredigt des heiligen Vorläufers.
«Jedes Tal soll ausgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden.» Was will er damit sagen? Du sollst ein ganz neuer Mensch werden. Die niederdrückende Furcht und Verzagtheit soll dem Vertrauen auf Gott weichen und der Stolz durch die Demut besiegt werden. Reinige deine Absichten, lege ab alle Rauheit im Umgang mit andern, lasse die Sanftmut und Liebe überall herrschen. Auf solche Weise wird auch in dir die große Umwandlung zum Besseren vorbereitet.
1 Es war im Jahre 779 nach der Gründung Roms im Monat September, kurz bevor Jesus sein dreißigstes Lebensjahr vollendete. Die Tätigkeit des heiligen Johannes begann ungefähr drei Monate vor der Taufe Jesu, welche die Liturgie nach der kirchlichen Tradition am 6. Januar feiert.
2 Es war ein Sabbatjahr. Ein solches begingen die Juden alle sieben Jahre. Da die Felder dann nicht bestellt werden durften, hatte das Volk Zeit, die Predigt des Vorläufers zu hören, der allen von Barmherzigkeit und Vergebung der Sünden sprach.



01.01.2019

22. Das verborgene Leben in Nazareth
(Lk 2)

II Jesus nimmt zu an Alter und Weisheit
Und Jesus nahm zu an Weisheit, an Alter und an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen.
Lerne hier die Quellen des übernatürlichen Fortschrittes kennen. Willst du wachsen an Gnade vor Gott, so demütige dich! Der Blick Gottes ruht mit Wohlgefallen auf den demütigen Seelen. Die Demut zieht die Gnadenfülle des Himmels in das Menschenherz herab. Um der Welt zu gefallen, muß man sich zur Geltung bringen, um Gott zu gefallen, sich verbergen. Befürchtest du vielleicht, dein Leben werde durch demütiges Verhalten unnütz? Welches Leben war segensreicher als das deines Erlösers? Wer seine Talente in der Verborgenheit Frucht bringen läßt, vergräbt sie nicht.
Willst du wachsen an Gnade vor Gott, so gehorche. Freue dich der Abhängigkeit, in der du lebst. Lege deinen Stolz dem Heiland zu Füßen. Deine Freiheit gehört Gott, gib sie hin durch Gehorsam gegen jene, die dir in seinem Namen befehlen. Diese Abhängigkeit gibt dem Menschen das Königszepter wieder, das seine Auflehnung gegen Gott im Paradiesgarten ihm geraubt hatte. Gehorchen heißt sich beherrschen, warum solltest du also den Gehorsam fürchten?
Willst du wachsen an Gnade vor Gott, so arbeite. Liebe die Arbeit, schätze sie hoch und heilige sie. Der Mensch hatte sich durch die Sünde von Gott losgesagt, durch die Arbeit unterwirft er sich Ihm wieder und wirkt Buße für seine törichten Verirrungen. Darum gibt uns Jesus das Beispiel der Arbeit. Schon in der Werkstätte zu Nazareth beginnt Er sein Genugtuungswerk. Sieh zu, wie du es bisher mit dieser Buße und Sühne gehalten hast!
Sei versichert, wenn du das verborgene Leben mit seinen unscheinbaren Beschäftigungen, seinen kleinen Verdemütigungen, seiner beständigen Hingabe und seiner schlichten Aufopferung um Gottes Willen liebst, so ruht der Blick des himmlischen Vaters mit Wohlgefallen auf dir. Das Leben der Gnade wird in deiner Seele an Kraft gewinnen, und du wirst erstaunliche Fortschritte in der Tugend machen.



31.12.2018

22. Das verborgene Leben in Nazareth
(Lk 2)

I Jesus übt die Tugenden des verborgenen Lebens
Dann zog Er mit ihnen hinab und kam nach Nazareth1 und war ihnen untertan. Seine Mutter bewahrte alle diese Dinge in ihrem Herzen.
Überschreite ehrfurchtsvoll die Schwelle des Hauses zu Nazareth, das der Sohn Gottes sich für die langen Jahre der Verborgenheit erwählt hat. Betrachte Ihn dort in seinem Leben und Wirken.
Jesus übt die Demut. Er gilt als der Sohn eines armen Handwerkers und schämt sich nicht seines niedrigen Standes. Er nennt Joseph seinen Vater, und dieser nennt Ihn seinen Sohn. Die Wohnung ist ärmlich, klein und unbequem, ohne äußeren Schmuck, ja in mancher Beziehung nicht einmal mit dem Notwendigen versehen. Aber dennoch hat die Gottesmutter alles mit größter Liebe und Sorgfalt eingerichtet. Wie sind seine Nahrung und seine Kleider beschaffen? Alles an Ihm und um Ihn verrät bescheidene Verhältnisse, der Gottessohn teilt das Los der Armen, der Verachteten.
Jesus übt den Gehorsam. Bedenke, wer gehorcht, wem Er gehorcht, worin und wie Er gehorcht. Gott gehorcht den Menschen, der Herr seinen Dienern. Er gehorcht, und siehe mit welchem Eifer Er sich unter das Joch des Gehorsams beugt! Es ist Ihm eine Freude, dem eigenen Willen zu entsagen und das eigene Urteil zu verleugnen. In der Übung des Gehorsams bringt Er dem himmlischen Vater das Opfer seiner selbst dar. Für Ihn ist der Gehorsam ein Brandopfer, durch das der Mensch sich gänzlich in den Flammen der Liebe seinem Schöpfer und Herrn durch die Hände seiner Stellvertreter darbringt. Wer den Gehorsam so auffaßt, dem ist alles leicht.
Jesus arbeitet. Begib dich in die Werkstätte des heiligen Joseph. Der Schöpfer Himmels und der Erde, der zu uns herniedergestiegen ist, erlernt von einem seiner Geschöpfe das bescheidene Handwerk des Zimmermanns. Im Schweiße seines Angesichts verdient Er seinen Lebensunterhalt. Von seinem Arbeitslohn leben sowohl Er als die Seinigen. Er, dessen Allmacht das Weltall trägt, dessen Weisheit alle Wesen regiert, will sein tägliches Brot durch harte Arbeit verdienen. Versenke dich in den Anblick dieser wunderbaren Tatsache. Küsse im Geist die Werkzeuge, mit denen der Gottessohn arbeitet. Suche die Schönheit solcher Erniedrigung zu erfassen. Lerne auch du es, in allem, auch in der täglichen Arbeit, Gott zu dienen aus Liebe und Gehorsam. Es kommt ja nicht so sehr darauf an, was wir tun, sondern wie wir es tun. Kannst du dich nun noch länger über die dreißig Jahre seines verborgenen Lebens wundern?
1 Unabhängig von dem Haus der Verkündigung bezeichnet die Tradition ein Haus, das Maria und Joseph bewohnten und in dem die Werkstätte des heiligen Joseph war. Hier lernte der Sohn Gottes von seinem Pflegevater das Handwerk eines Zimmermanns.



30.12.2018

21. Der Knabe Jesus bleibt im Tempel zurück
(Lk 2)

III Maria und Joseph finden das göttliche Kind im Tempel
Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie Ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen an sie. Alle, die Ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine Antworten.1
Maria und Joseph erreichen endlich den Tempel. Tritt mit ihnen ein und nahe dich dem Heiligtum, dort wirst du den Heiland finden. Da sitzt Er inmitten der Schriftgelehrten. Er spricht zu ihnen und erleuchtet sie mit göttlichem Licht. O meine Seele, während du um seinen Verlust weinst, gibt Er andern Seelen das Gute, dessen sie bedürfen. In den Stunden der Verlassenheit möge dich der Gedanke trösten, daß andere genießen, was du entbehren mußt.
Nimm herzlich Anteil an der Freude Mariens: «Kind, warum hast Du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht», sagt Maria zu ihrem Sohn. Dieser antwortet: «Warum habt ihr Mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß Ich im Hause meines Vaters sein muß?» Auch Maria wollte das Geheimnis entschleiern, das dich so manches Mal bedrückt hat. «Warum hast Du so gehandelt, warum uns so geprüft?» Jesus entgegnet: «Weil es so dem Willen meines Vaters entsprach. Wenn es sich um die Ehre Gottes handelt, darf ich nicht zögern, mich auch von denen zu trennen, die ich am meisten liebe.»
Beherzige diese Lehre. Mag nun Jesus sich zeigen oder verbergen, sich entziehen oder sich wieder schenken, schweigen oder trösten, in allem leitet Ihn das Interesse und die Ehre des himmlischen Vaters. So ergib dich denn mit Vertrauen seiner Leitung. Tue noch mehr, ahme Ihn nach. Auch du bist geschaffen, um Gott zu ehren, darum mußt du handeln wie Jesus. Opfere Gott alles, was in dir und in deinen Werken seinem heiligsten Willen widerstrebt und dich hindert, seinen Absichten zu entsprechen.
1 Unter einer der Säulenhallen waren Räume eingerichtet, wo sich die Gesetzeslehrer versammelten und die Zweifel jener lösten, die sich mit Fragen an sie wandten. Wahrscheinlich fanden Maria und Joseph Jesus dort wieder.



29.12.2018

21. Der Knabe Jesus bleibt im Tempel zurück
(Lk 2)

II Die Eltern vermissen den Knaben
Nachdem die Tage vorüber waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem zurück, ohne daß seine Eltern es merkten. In der Meinung, Er sei bei der Reisegesellschaft, gingen sie eine Tagereise weit.1
Betrachte das geheimnisvolle Verhalten deines Erlösers. Warum will Er dem Herzen seiner Mutter und seines Nährvaters diesen Schmerz bereiten? Frage Ihn selbst und bitte Ihn, dir mitzuteilen, weshalb Er es zuläßt, daß zuweilen die eifrigsten Seelen in die bitterste Trostlosigkeit versenkt werden. Warum entzieht Er sich plötzlich den Herzen, die Ihn allein lieben und lieben wollen?
Höre die Antwort Jesu! Diese Seelen sollen verstehen lernen, daß die Tröstungen der fühlbaren Gegenwart Gottes eine himmlische Gabe sind, die der Herr niemand schuldet. Die Entziehung des göttlichen Trostes soll die Seelen reinigen, belehren und vervollkommnen. Sie finden darin Gelegenheit, echte Beweise ihrer Treue und Liebe zu geben, und gewöhnen sich so daran, Gott mehr um seiner selbst als um seiner Gaben willen zu dienen. Diese Lehre erteilt uns Jesus durch seine heilige Mutter.
Nimm Anteil an der schmerzlichen Überraschung Mariens und Josephs. Die Abwesenheit Jesu ist die empfindlichste Prüfung für heilige Seelen. Mit dem Entzug seiner Gegenwart haben sie alles verloren. Nichts kann die Leere ausfüllen, die sein Verschwinden verursacht.
Was sollen sie tun, um Ihn wiederzufinden? Sie suchten Ihn bei Verwandten und Bekannten. Aber sie fanden Ihn nicht. Darum kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten Ihn. Lerne von Maria und Joseph, wie du Jesus suchen mußt, wenn du Ihn verloren hast. Sie machen sich auf und suchen Ihn ohne Rast, bis sie Ihn gefunden haben. Sie beten, fragen nach Ihm, halten überall Umschau und sparen keine Mühe. Sie befragen ihr Gewissen, ob sie nicht selbst schuld sind an diesem Verlust. Der geringsten Spur gehen sie nach, um Ihn zu finden, Den sie unter Tränen suchen.
Mache dir bewußt, welch ein Unglück es ist, sich von Jesus zu entfernen und Ihn zu verlieren. Wenn die Seele sich nicht um Gott kümmert, verliert sie bald durch den Fall in die Sünde seine Gnade, und das ist das größte Unglück. Bemühe dich durch eifrige Treue im Dienst Gottes, den Heiland im Herzen zu bewahren.
1 Die Pilger waren im Lager von Beeroth angekommen, dem Reiseziel des ersten Tages bei der Rückkehr nach Galiläa.



28.12.2018

21. Der Knabe Jesus bleibt im Tempel zurück
(Lk 2)

I Maria und Joseph reisen mit dem zwölfjährigen Jesus nach Jerusalem
Als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie gemäß der Festsitte nach Jerusalem hinauf.1
Begleite die Heilige Familie auf dem Weg nach Jerusalem. Das göttliche Kind will dir eine wichtige Lehre zu deinem geistlichen Fortschritt geben. Jesus will dir durch sein Beispiel zeigen, daß man nicht Fleisch und Blut und seine natürlichen Neigungen zu Rate ziehen darf, wenn es sich um den Dienst Gottes, die Interessen der göttlichen Ehre und die Erfüllung des göttlichen Willens handelt. Geh mit kindlicher Gelehrigkeit in die Schule des Meisters!
Um die Vorschrift des Gesetzes vollkommen zu erfüllen, unternehmen Jesus, Maria und Joseph diese Reise. Die Feier der gesetzlichen Feste war ihnen teuer, sie lehren dich, wie man sich darauf vorbereiten und sie heilig begehen soll. Lausche ihrer Unterhaltung auf dem Weg und geselle dich ihren Reisegefährten zu. In dieser Gesellschaft kann nichts Weltliches die religiöse Stimmung stören.
Beobachte die heiligen Personen im Tempel während des Festes. Sie geben dir ein Beispiel, wie du dich am Fuß des Altares sammeln, wie du anbeten, zu Gott um Gnade flehen und dich selbst Ihm zum Opfer bringen sollst. Sieh hier, was die wahre Frömmigkeit Gott bereitwillig opfert und wie sie ihre Gabe darbringt.
1 Auf dem Weg über Samaria liegt Nazareth zweiunddreißig Stunden von Jerusalem. Im Süden des Tales von Esdrelon bieten die Quellen und schattigen Ebenen von Eugannim den Pilgern den Ruheplatz für den ersten Tag. Von dort überschreiten die Pilger die Hügel von Manasse und schlagen am zweiten Abend das Zelt bei Sichern auf. Die Haltestelle des dritten Tages ist Beeroth, von wo aus für den vierten Tag bloß drei Wegstunden bis Jerusalem zu machen bleiben.



27.12.2018

20. Die Rückkehr aus Ägypten
(Mt 2)

II Die Rückkehr nach Nazareth
Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter und zog in das Land Israel.
Betrachte die Heilige Familie bei der Abreise aus Ägypten. Maria und Joseph sagen den neu erworbenen Freunden Lebewohl. Das göttliche Kind segnet durch Mariens Hände alle, die durch seine Gnade zum Glauben an den wahren Gott gekommen sind. Jesus verlässt jene nicht, von denen Er Abschied nimmt.
Folge der Heiligen Familie auf der Reise und teile mit ihr Freude und Leid. Jesus begibt sich nun in das Land, das Er um den Preis seines Blutes loskaufen wird. Die Schwierigkeiten fehlen weder auf dem Weg noch am Ziel der Reise. Aber Jesus überläßt sich ganz der göttlichen Vorsehung. Der himmlische Vater wird für alles sorgen. Wenn eine ungewisse Zukunft dich ängstigt, denk an das Beispiel Jesu, teile den Frieden seines Herzens.
Betrachte die Besorgnis des heiligen Joseph, die sich gerade in dem Augenblick seiner bemächtigt, wo er sich außer aller Bedrängnis glaubte. Als er vernahm, daß Archelaus1an Stelle seines Vaters Herodes regiere, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Auf eine Weisung hin, die er im Traum erhielt, zog er in die Landschaft Galiläa.
Herodes ist zwar tot, aber die Feinde Gottes sind nicht ausgestorben. Wie soll Joseph der Begegnung mit ihnen ausweichen? Wie Jesus und Maria in Sicherheit bringen, diese himmlischen Schätze, welche die ganze Hoffnung der sündigen Menschheit sind? Joseph bittet Gott um Erleuchtung. Bitte um die gleiche Gnade, denn Jesus hat sowohl in dir als in deiner Umgebung Feinde, die Ihm nach dem Leben trachten.
Und er ließ sich in einer Stadt mit Namen Nazareth nieder.2 Welche Anweisung erhält Joseph? An welchen Zufluchtsort soll er die Heilige Familie in Sicherheit bringen? In die Verborgenheit von Nazareth, in diese weltferne Einsamkeit, in ein Leben des Gehorsams, der Demut und der Arbeit unter den Augen Gottes. Erbitte dir beim heiligen Joseph die Erlaubnis, ihn dorthin zu begleiten und immer bei ihm mit Jesus und Maria zu verweilen.
1 Archelaus war ebenso grausam wie sein Vater Herodes. Gleich zu Beginn seiner Regierung ließ er mehrere tausend Untertanen im Tempel ermorden.
2 Joseph ließ sich in Nazareth, einem unbekannten Städtchen des jüdischen Galiläa, nieder. Es liegt auf den letzten Ausläufern eines hohen Bergrückens, und von den Höhen seiner Umgebung genießt man eine herrliche Aussicht. Die Bewohner Nazareths standen in schlechtem Ruf. Im Alten Testament wird die Stadt nirgends erwähnt.



26.12.2018

20. Die Rückkehr aus Ägypten
(Mt 2)

I Der Engel fordert Joseph zur Rückkehr auf
Als Herodes gestorben war, erschien dem Joseph in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sprach: «Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel. Denn die dem Kinde nach dem Leben trachteten, sind gestorben.»1
Begrüße den Engel, der dem heiligen Joseph erscheint. Die Prüfung ist zu Ende, Herodes ist tot.
Erwäge, daß Gott kein Wunder wirkte, um die Rückkehr seines Sohnes zu beschleunigen. So handelt Er allzeit in der Regierung der Welt. Er läßt unter der Leitung seiner Vorsehung die Ereignisse sich entwickeln. Jenen, die von der Ungerechtigkeit der Welt bedrückt werden, empfiehlt Er, in Geduld und Ergebung, ohne Unruhe und Murren zu warten. Den Ausgang aller Dinge hat Er sich vorbehalten. Alle, die in Geduld ausharren, sammeln sich Schätze für die Ewigkeit und tragen bei zur Verherrlichung Gottes.
Was spricht der Engel zu Joseph? Mag es sich um die Reise in die Verbannung oder um die Rückkehr ins Vaterland handeln, die Sprache Gottes bleibt dieselbe. Sie zeugt von der gleichen Weisheit und Güte. Im Dienst Gottes ist vollkommene Ruhe und Sicherheit zu finden. Versuche die Freude des heiligen Joseph nachzufühlen, als ihm gesagt wurde: «Kehre in das Land Israel zurück». Es ist die Freude treuer Pflichterfüllung, belohnten Gottvertrauens, eine Freude, die aus dem Bewußtsein entspringt, an der Verherrlichung Gottes und am eigenen Heil mitgewirkt zu haben. Der heilige Joseph empfand auch Freude darüber, daß er das wiederfinden sollte, was er verlassen hatte, und daß nun die Leiden für seine Anvertrauten zu Ende gingen. Vereinige dich mit dem Glück des heiligen Joseph, als er mit der Mutter und ihrem göttlichen Kind in das heilige Land zurückkehren durfte.
1 Der Aufenthalt in Ägypten dauerte nach einigen drei, nach anderen sieben Jahre.



25.12.2018

19. Die Flucht nach Ägypten
(Mt 2)

III Der Aufenthalt in Ägypten
Dort blieb er bis zum Tode des Herodes.1 So sollte in Erfüllung gehen, was der Herr durch den Propheten gesprochen hatte: «Aus Ägypten habe ich meinen Sohn berufen.» 2
Betritt mit Maria und Joseph das bescheidene Haus, das sie während ihrer Verbannung bewohnen. Es entspricht ihrer Armut. Verehre liebevoll die Mauern, die Zeugen der Leiden des göttlichen Kindes sind. Hier wird dein Heiland um deines Heiles willen harte Entbehrungen ertragen. Er räumt dir gern einen Platz in dem Haus der leidenden Armut ein. Wohl gibt es in der Verbannung viele Demütigungen und beschwerliche Arbeiten. Aber sie hat auch ihre Freuden, du darfst an ihnen teilnehmen und ihre Süßigkeit verkosten. Bitte Maria und Joseph, dein Herz für die Gnaden vorzubereiten, die deiner harren.
Die wahren Freuden bestehen nicht in den Zerstreuungen, welche die Welt bietet. Um die Seinen zu erfreuen, braucht Gott ihnen die Prüfungen des Lebens nicht zu ersparen. Er tut Größeres: Er lehrt sie, diese Prüfungen zu lieben. Ihre Dauer erscheint ihnen kurz, und das Leiden verbannt die Freude nicht aus ihren Herzen. Verlange sehnlich, dies an dir selbst zu erfahren! Auch für dich soll gelten: Es kommt nicht so sehr darauf an, an welchem Ort und in welchen Bedingungen du leben mußt. Wenn du mit Jesus und seiner Gnade bist, wirst du immer glücklich sein.
1 Im Evangelium folgt hier die Erzählung vom bethlehemitischen Kindermord.
2 Nach einer zuverlässigen Überlieferung war es aus Heliopolis, dem heutigen Matarieh, zwei Stunden von Kairo entfernt. Dort befand sich eine jüdische Kolonie.



24.12.2018

19. Die Flucht nach Ägypten
(Mt 2)

II Maria und Joseph fliehen mit dem Kinde
Da stand er auf, nahm noch in der Nacht das Kind und seine Mutter und zog nach Ägypten.1
Betrachte, was der heilige Joseph in der eiligen Vorbereitung zur Abreise tut, was er denkt und zu Maria sagt. Maria und Joseph sind hier die ersten Vorbilder des evangelischen Gehorsams.
Wohin werden sie geschickt? Nach Ägypten, dem Land der Abgötterei. In diesem heidnischen Land herrschen Wollust, Stolz und Unwissenheit. Maria bringt ihren Sohn in ein Land, das in der Finsternis des Heidentums liegt, damit es zum Schauplatz göttlicher Wunderwerke werde.
O meine Seele, auch dir bringt Maria ihren göttlichen Sohn. Um dich zu finden, ist Jesus zum Flüchtling geworden. Er folgt dir in das Land der Verbannung, wo die Sünde dich gefesselt hält. Erhebe dich aus dem Staub, eile deinem Heiland entgegen, zerstöre die Götzenbilder in deinem Herzen und unterwirf dich Ihm ganz.
Was bietet Gott dem heiligen Joseph an, um ihm das Opfer zu versüßen? Der Engel hat ihm gesagt: «Nimm das Kind und seine Mutter!» Liegt in der Gesellschaft Jesu und Mariens nicht in Wahrheit alles, dessen er bedarf, um die schwierigsten Opfer zu bringen, die mannigfachen Entbehrungen der Armut mit Frohlocken zu ertragen und die Leiden einer langjährigen Verbannung zu erdulden? Der Ort, wo ich sicher bin, Jesus und Maria zu finden, ist kein Verbannungsort mehr, sondern die Heimat. Auch der heilige Joseph wird nichts von dem, was er in Nazareth verlässt, vermissen, da er Jesus und Maria mit sich nimmt. Strebe danach, dir die Gesinnungen des heiligen Joseph anzueignen. Begleite ihn auf der Flucht und bete Jesus auf seinen Armen an.
1 Von den Gebirgen Judäas aus genügen drei Tagereisen, um die Grenzen Ägyptens zu erreichen.



23.12.2018

19. Die Flucht nach Ägypten
(Mt 2)

I Ein Engel fordert Joseph auf, nach Ägypten zu fliehen
Siehe, da erschien dem Joseph im Traum ein Engel des Herrn und sprach: «Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten. Bleibe dort, bis ich dir Weisung gebe. Denn Herodes wird nach dem Kinde suchen, um es zu ermorden. »
Sammle dich und begib dich zum heiligen Joseph. Die Ereignisse, die du heute betrachtest, zeigen dir, daß Gott als unumschränkter Gebieter die Seelen leitet, die sich Ihm hingeben.
Ein Engel übermittelt dem heiligen Joseph einen Befehl, und zwar einen Verbannungsbefehl. Erwäge wohl, was das besagen will: Der himmlische Vater schickt seinen einzigen Sohn in die Verbannung! Mit einem Wort hätte der Allmächtige dessen Feinde vernichten können, und dennoch gibt Er seinem Sohn den Befehl zur Flucht.
Dieses Geheimnis enthält eine Lehre für dich. Der himmlische Vater will dir dadurch zeigen, daß du dich, ohne zu grübeln und ohne zu fragen, der Leitung seiner Vorsehung überlassen sollst.
Wie verhält sich der heilige Joseph? Er hört aufmerksam dem Engel zu, und sobald er begriffen hat, was Gott von ihm verlangt, gehorcht er ohne Zögern. Er ist der Vollstrecker der Befehle seines Herrn und will nichts anderes sein. Führe dir alle Gründe vor, die er hätte geltend machen können, um die Abänderung einer solchen Bestimmung oder wenigstens deren Aufschub zu erwirken. Joseph denkt nicht einmal daran. Die unendliche Weisheit Gottes tritt bei ihm an Stelle jeder persönlichen Erwägung. Er handelt, weil Gott es so will. Das Befehlen steht Gott zu, dem Menschen ziemt Unterwerfung. Der Knecht soll in Abhängigkeit von seinem Herrn leben. Solche Gedanken sind dem heiligen Joseph geläufig. Solche Überzeugungen bilden die Richtschnur seines Lebens.
Betrachte auch, wie die liebende Vorsehung des ewigen Vaters den Gefahren zuvorkommt, welche seinen vielgeliebten Sohn bedrohen. Bevor Herodes seine ruchlose Tat befiehlt, sendet Gott einen Engel, der die Seinen auf die Gefahr aufmerksam macht.
Erwarte aber von Gott nicht gleich ein Wunder, um dich aus einer Gefahr zu retten. Wie der heilige Joseph und die allerseligste Jungfrau sollst auch du die zur Verfügung stehenden Mittel anwenden und das tun, was dir möglich ist, um dich zu retten.



22.12.2018

18. Die Weissagung Simeons
(Lk 2)

II Die Prophetin Anna kommt in den Tempel und frohlockt beim Anblick des Erlösers
Da war auch eine Prophetin, Anna, eine Tochter Phanuels aus dem Stamme Aser. Auch sie fand sich zur gleichen Stunde ein, pries Gott und redete von Ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems harrten.
Siehe, mit welcher Eile die Prophetin Anna herbeikommt! Gleich Simeon hat sie durch ein heiliges Leben verdient, nicht eher zu sterben, bis sie den Erlöser der Welt gesehen hat. Der Heilige Geist regt sie an, zum Tempel zu gehen, und ohne Zögern folgt sie seiner Einsprechung.
Genieße mit dieser heiligen Greisin die Freuden des Zusammentreffens mit dem Herrn. Nur mit einem reinen Herzen verbindet sich das reinste Herz Jesu. Gott offenbart sich den reinen Seelen. Durch himmlische Erleuchtungen entschädigt Er sie für ihren Verzicht auf irdische Genüsse. Diese Begegnung mit Jesus gibt der heiligen Prophetin Anna einen Vorgeschmack des Himmels. Auch ihr Herz stimmt in dankbarer Freude sein «Nunc dimittis — Nun entläßt Du, Herr, deinen Diener» an. Das göttliche Kind ist auch für sie eine heilige Wegzehr, die sie aus den Händen Mariens empfängt. Von nun an lebt sie in vollkommener Zuversicht. Höre, wie sie sich glücklich preist, und lobe den Herrn mit ihr.



21.12.2018

18. Die Weissagung Simeons
(Lk 2)

I Simeon segnet die heilige Familie und sagt Maria ihre Leiden voraus
Sein Vater und seine Mutter waren voll Staunen über das, was von Ihm gesagt wurde. Simeon pries sie selig. Dann sprach er zu Maria, seiner Mutter: «Dieser ist bestimmt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel.»
Verweile in der Gesellschaft der Heiligen Familie. Betrachte, was geschieht, und höre, was Simeon von dem göttlichen Kind sagt! Sein bloßes Erscheinen erfüllt die Seele mit übernatürlicher Freude, sein Anblick gibt dem Herzen Frieden, man fühlt sich wiedergeboren zu einem neuen Leben. Teile die Freude Mariens und Josephs. Es ist eine große Freude, wie die Heiligen sie empfinden, wenn Jesus in Wort und Tat verherrlicht wird.
Siehe, wie die heiligen Eltern den Segen Simeons empfangen. Wieviel Demut, Bescheidenheit und Sammlung ist in ihrem Benehmen! Simeon verkündet ihnen hierauf, daß die Früchte der Erlösung nicht allen Menschen zuteil werden. «Dieser ist bestimmt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zum Zeichen des Widerspruchs.» Die einen werden sagen: «Seht, das Heil der Welt!» und die andern dagegen: «Durch Ihn wird das ganze Volk zugrunde gehen.» Er wird umhergehen, Wohltaten spendend, und dennoch werden viele ausrufen: «Er ist ein Übeltäter!» Das ist das Schicksal, das den Heiland erwartet.
Bewahre diese Worte in deinem Herzen. Denke daran: Wenn dies das Los des Meisters ist, was wird dann das Los des Schülers sein? Worüber kann der Jünger sich beklagen, wenn sein Meister solches als Anteil für sich erwählt?
Nachdem Simeon die Zukunft des göttlichen Kindes geoffenbart hat, enthüllt er auch den Anteil, den seine Mutter an seinem Leiden nehmen wird. «Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen.» Versenke dich in den Schmerz, der von heute an Mariens Herz durchdringen wird — für dich! Versprich der Mutter Jesu, ihre Leiden durch Liebe und Treue zu lindern. Hier wird zum erstenmal das Gesetz verkündet, daß nur im Kreuz das Heil zu finden ist. Mache dich los von der Furcht vor dem Leiden. Erflehe dir von der schmerzhaften Mutter den Mut, der Gnade nichts zu verweigern.



20.12.2018

17. Simeon im Tempel
(Lk 2)

II Simeon nimmt das Kind in seine Arme und lobt Gott
Da nahm er Es auf seine Arme, pries Gott und sprach: «Nun magst Du, o Herr, deinen Diener nach deinem Wort in Frieden entlassen. Meine Augen haben gesehen das Heil, das Du bereitet vor allen Völkern. Für die Heiden ein Licht der Erleuchtung, für dein Volk Israel ein Ruhm.»
Betrachte mit Simeon das göttliche Kind. Sein Glaube entdeckt die Größe Gottes unter so unscheinbarem Äußern. Er kniet anbetend nieder vor Dem, durch Den alles erschaffen worden ist und Der alles wieder herstellen wird. In dem Kind auf den Armen Mariens erblickt er Denjenigen, Den die Engel anbeten, Den die Patriarchen von ferne begrüßt haben, um dessentwillen die Propheten gemartert worden sind. Maria erscheint ihm wie eine Monstranz, die den lebendigen Gott trägt. Erfreue dich an diesem tröstlichen Anblick. Auch du wirst Christus nicht finden in den Reichtümern der Welt, sondern in der Armut und in den Demütigungen.
Lausche dem Lobgesang des heiligen Greises. Simeon nimmt das göttliche Kind in seine Arme und spricht: «Nunc dimittis! Nun lass mich in Frieden sterben, o Herr!» Warum will er sterben? Weil ihm nichts mehr zu sehen und zu bewundern bleibt auf dieser Erde, nachdem er das Glück gehabt hat, dem menschgewordenen Sohn Gottes zu begegnen und Ihn zu erkennen. Alles Irdische erscheint dem gering, der Jesus kennengelernt hat. Laß dich von dieser Wahrheit durch die Worte des heiligen Greises überzeugen. Aus den Zügen des göttlichen Kindes, das er in seinen Armen hält, strahlt alle Schönheit des göttlichen Wesens, aller Liebreiz seiner Güte, alle Barmherzigkeit seiner Vorsehung. Gott offenbart sich in seinem Sohn, und Simeon, hingerissen von seiner Schönheit, verlangt, Ihn dort oben von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Die höchsten und edelsten Freuden der Erde sind nur ein schwacher Abglanz der Wonnen des Himmels. Wie begreiflich daher, dass man nach diesen sich sehnt, wenn man jene verkostet hat.
«Meine Augen haben dein Heil gesehen, das Du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.» Preise mit dem glücklichen Simeon die Herrlichkeit und Treue Gottes. Erflehe dir vom Heiligen Geist die Gnade, in der Erkenntnis Jesu beständig zu wachsen und wie Simeon nicht zu sterben, ohne Jesus als Wegzehr zu empfangen. Erneuere deine Hingabe an das göttliche Kind.



19.12.2018

17. Simeon im Tempel
(Lk 2)

I Der greise Simeon begegnet Maria und Joseph
Da war in Jerusalem ein Mann mit Namen Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig und harrte auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war in ihm. Er hatte vom Heiligen Geiste die Offenbarung erhalten, er werde den Tod nicht schauen, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. Auf Antrieb des Geistes kam er in den Tempel, als eben die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um an Ihm die Vorschrift des Gesetzes zu erfüllen.
Betrachte kurz das Leben und die Heiligkeit Simeons. Er ist ein Mann des Glaubens. Gott hatte ihm gesagt: «Du wirst Den sehen, Den du zu sehen verlangst.» Simeon glaubte dem göttlichen Wort und setzte darauf seine Hoffnung. Da sein Glaube fest gegründet war, ist auch seine Hoffnung unerschütterlich. Denn alle Hoffnung beruht auf dem Glauben. Simeon weiß, dass Gott getreu und gütig ist und alles zum Besten lenkt. Das genügt ihm. In Frieden erwartet er die Erfüllung der göttlichen Verheißungen. Selig, wer seine Hoffnung auf Gott setzt!
Siehe, wie Simeon den Tempel betritt. Er kommt dorthin, um den Triumph des Glaubens zu feiern. Du kannst mit ihm bezeugen, daß Gott niemals jene täuscht, die Er zu seinem Dienst beruft. Vom Heiligen Geist erleuchtet, naht sich Simeon der Heiligen Familie. In einem Augenblick empfängt er den Lohn eines ganzen Lebens voller Mühen und Kämpfe. Er hat es immer als das höchste Glück betrachtet, der Ehre gewürdigt zu werden, Jesus kennen- und lieben zu lernen. Nun wird ihm dieses lang ersehnte Glück zuteil. Freue dich mit ihm, flehe um die Gnade, das Leben so aufzufassen, wie dieser Greis es getan hat.



18.12.2018

16. Die Darstellung Jesu im Tempel
(Lk2)

II Maria stellt ihren Sohn dar und kauft Ihn los nach dem Gesetz1
Auch wollten sie ein Opfer darbringen, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist: Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Maria hat den Eingang des Tempels überschritten. In ihren Armen trägt sie den Erstgeborenen aller Kreaturen, den sie dem himmlischen Vater aufopfern will. Frohlocke in heiliger Freude! Durch die Hände Mariens empfängt Gott erstmals ein Opfer, das seiner würdig ist. Maria verrichtet eine wahrhaft priesterliche Handlung. Hier ist das wahre Opfer, um dessentwillen wir verschont werden. Jesus nimmt die Stelle von uns Schuldigen ein. Schon gleich zu Beginn seines gottmenschlichen Lebens drängt es Ihn, sich der Gerechtigkeit Gottes als Sühnopfer darzustellen für uns, seine Schuldner.
Betrachte den Sohn Gottes in diesem Zustand der Erniedrigung. Höre, wie Er sich durch die Hände Mariens seinem Vater darbringt für dich und für uns alle. «Vater, nimm hin und empfange alles, was dein ist! Ich bringe dir dar, was ich bin und was sie sind, ich gebe dir alles, was mir und was ihnen gehört, Leib und Seele, Verstand, Herz und Willen. Alles hast Du uns gegeben, wir geben dir alles zurück. Gib uns nur deine Liebe, sie allein genügt.» So spricht Jesus.
Maria vereinigt ihr Opfer mit dem Opfer ihres Sohnes. «Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Vater, hier bin ich, um der Erfüllung deiner Pläne und dem Wohle anderer zu dienen. Nimm mich hin!» So spricht Maria.
In Vereinigung mit dem heiligen Joseph lausche der Sprache dieser beiden Herzen. Dieses Fest ist die feierliche Weihe der Menschheit an Gott. Begehe es mit herzlicher Andacht. Bring auch du mit Freuden dein Opfer, womit du dir den Besitz der himmlischen Güter sicherst. Es ist die Gabe der Armen, sie geht also nicht über dein Vermögen. Das Opfer des Armen ist die Hingabe seiner selbst, seiner Arbeit, seiner Treue im Dienste Gottes und seines Mutes im Leiden. Gott verlangt nichts anderes von dir. Er wartet aber auf diese deine Gabe. So sprich auch du dein «Suscipe!».
1 Die Armen kauften den Erstgeborenen, der im Tempel dargestellt wurde, durch ein Opfer von Turteltauben oder zwei jungen Tauben los.



17.12.2018

16. Die Darstellung Jesu im Tempel
(Lk2)

I Maria unterwirft sich demütig dem Gesetz der Reinigung
Als die Tage der Reinigung,1 die das Gesetz Moses vorschrieb, zu Ende waren, brachten sie Jesus nach Jerusalem, um Ihn dem Herrn darzustellen. Denn so steht im Gesetze des Herrn geschrieben: «Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht werden.» 2
Begib dich mit der Heiligen Familie auf den Weg zum Tempel nach Jerusalem.3 Bete das Kind auf den Armen Mariens an.
Wohin geht Maria? Sie geht zum Tempel, um dir ein Beispiel der vollkommenen Unterwerfung unter den göttlichen Willen zu geben. Sie geht hin, um in Demut das allgemeine Gesetz zu erfüllen. Alle, die sie unter der Menge erblicken, müssen sie für eine Frau halten, gleich allen anderen. Maria könnte die himmlischen Gunstbezeugungen offenbaren, wodurch sie die Bewunderung aller auf sich lenken würde, aber sie schweigt. Sie weiß, daß ihr Schweigen und ihre Demut Gott mehr ehren, und sie denkt nur an seine Ehre.
Betrachte Maria im Vorhof des Tempels. Demütig bittet sie den Priester, die gesetzliche Zeremonie der Reinigung vorzunehmen, und sie folgt ihr mit lebendigem Glauben. Sie weiß zwar, daß sie von diesem Gesetz ausgenommen ist, aber sie weiß auch, daß man nie rein genug ist in den Augen Gottes. Beherzige diese Lehre! Übe dich in der Liebe zum göttlichen Willen und erneuere deine Unterwerfung unter alle seine Gebote. Reinige dein Herz von allem Stolz!
1 Diese Zeit umfaßte bei der Geburt eines Knaben vierzig Tage, bei der eines Mädchens achtzig Tage.
2 Diese Darstellung geschah zur Erinnerung an die Barmherzigkeit des Herrn, der die Erstgeborenen der Israeliten in Ägypten verschont hatte.
3 Die Entfernung von Jerusalem nach Bethlehem beträgt zwei Stunden. Der Weg dahin war immer einer der besten in Palästina. Ehedem war er gepflastert und beschattet, umgeben von Gärten, Weinreben, Rosen und anderen wohlriechenden Pflanzen.



16.12.2018

15. Die Anbetung der Weisen

(Mt 2)

III Die Weisen beten das göttliche Kind an und bringen Ihm Geschenke dar
Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis er schließlich über dem Ort stehenblieb, wo das Kindlein war. Als sie aber den Stern sahen, hatten sie eine überaus große Freude.
Als die Weisen Herodes verlassen haben, sind sie von der Gewißheit erfüllt, Jenen zu finden, den sie suchen. Ihre Herzen fließen über vor Freude, die durch das Wiedererscheinen des Sternes noch erhöht wird. Nimm teil an dieser Freude des Trostes, die der Himmel ihnen bereitet, und höre, wie sie sich über ihr Glück unterhalten.
Preise auch du den Herrn, wenn Er dir nach einer Zeit der Prüfung den Trost seiner fühlbaren Gegenwart wieder schenkt. Jedoch ist diese neu erlangte Gnade nicht dein Ziel. Schreite voran, um dich mit dem Sohn Gottes selbst vereinigen zu können.
Der Stern blieb stehen. Sie waren endlich am Ziel ihrer Reise. Sie traten in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie fielen nieder und beteten Es an. Dann taten sie ihre Schätze auf und brachten Ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Was sehen, was finden sie? Die Wirklichkeit entspricht in der Tat gar wenig der Vorstellung, die sich die Weisen von dem neugeborenen König gemacht hatten. Indessen, Er ist der Gesuchte, sie haben Ihn erkannt. Der Glaube, der sich einzig auf ein göttliches Zeugnis stützt, findet Gott in jeder Gestalt.
Erkenne auch du, wie die Weisen, im Licht des wahren Glaubens den Sohn Gottes unter der ärmlichen Hülle der menschlichen Natur. Laß deiner Liebe und Dankbarkeit freien Lauf. Bringe dem göttlichen Kind deine Geschenke dar. Wo wird der Heiland mehr Großmut finden, bei dir oder den Weisen? Wo ist dein Gold? Alles, was du besitzest, hast du von Ihm. Gib Ihm als deinem König alles als Opfer der Huldigung und als reines Gold deiner Liebe zurück. Wo ist dein Weihrauch? Ist dein Gebet andächtig und selbstlos? Es sei ein Brandopfer vor Gott, indem du dich bereitwillig hingibst zu seiner Ehre. Füge deinem Opfer auch die Myrrhe der Abtötung hinzu. Sei all der Bitterkeiten eingedenk, die deine Undankbarkeit dem göttlichen Kind bereitet. Erinnere dich der Entbehrungen, der Schmerzen und der Schmach, die deine Sünden Ihm verursacht haben.
Geselle dich so von ganzem Herzen den ersten Auserwählten der Heidenwelt zu. Mach ihre Gesinnungen zu den deinigen. Wiederhole, was sie sprechen, und handle wie sie. Sie erfreuen sich der Gnade, die Gott denen gibt, die Ihn suchen. Niemals werden die Opfer, die sie gebracht haben, sie reuen. Niemals wird die Erinnerung an die Gnade ihrer Berufung aus ihren Herzen schwinden. Bitte auch du um die Vermehrung der drei Tugenden, welche die drei Gaben versinnbildlichen: die Liebe, die Anbetung und der Opfergeist.



15.12.2018

15. Die Anbetung der Weisen

(Mt 2)

II Die Weisen erkundigen sich bei Herodes nach dem neugeborenen König der Juden
Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und legte ihnen die Frage vor, wo Christus geboren werden sollte. Diese antworteten ihm: «Zu Bethlehem, im Lande Juda.»
Der Stern, der den Weisen bis vor die Tore Jerusalems geleuchtet hatte, war hier plötzlich ihren Augen entschwunden. Diese neue Prüfung, die ihre Herzen mit Unruhe erfüllte, sollte dazu dienen, ihren Glauben zu vermehren und ihn noch heller erstrahlen zu lassen.
Betrachte die Weisen in dieser Prüfung! Sie beklagen sich nicht über Gott, sie zweifeln nicht an seiner Vorsehung. Sie fassen den demütigen Entschluß, sich in ihren Zweifeln Rat zu erbitten. Tröste dich durch dieses Beispiel in Zeiten geistlicher Trockenheit. Sie ist nicht ein «Von-Gott-verlassen-Sein», sondern eine Prüfung für deine Liebe und Treue. Verliere also nicht den Mut, sondern geh tapfer voran!
Bedenke auch, daß der Stern verschwand, als die Weisen den neugeborenen Erlöser in Jerusalem suchen wollten. Das göttliche Licht zog sich zurück, weil sie die menschliche Klugheit befragten, die ihnen den Gedanken eingab, der Erlöser wäre in der Hauptstadt der Juden geboren worden. Prüfe dich selbst und mache dir bewusst, dass der Geist Gottes oftmals aufgehört hat, zu dir zu sprechen, weil du dein Ohr den weltlichen Ideen geöffnet hast. Folge den Weisen in den Palast des Herodes. Ganz Jerusalem gerät in Unruhe. Es gibt auf Erden eine Menge Menschen, die fürchten, von Jesus zu hören. Was ihnen Freude bereiten sollte, verwirrt und betrübt sie. Sie verstehen nicht, wozu Jesus in die Welt gekommen ist. Er kam nicht, um Fürsten zu entthronen. Er will sie nur lehren, ihre Macht zum Wohl anderer zu gebrauchen. Er will die Armen und Geringen segnen und ermutigen. Benutze jede Gelegenheit, diese Wahrheit andern zu wiederholen und ihre Vorurteile zu bekämpfen. Erwecke in dir ein lebendiges Verlangen, Denjenigen zu finden, Den die Weisen mit so großem Eifer suchten.
Was antworten ihnen die Schriftgelehrten? Sie bestätigen, was die Erscheinung des Sternes bereits geoffenbart hat. So ordnet Gott alles in der Welt zu unserem Heil. Dieser Gedanke muß dein Vertrauen noch fester begründen. Mag auch Herodes die Weisen rufen lassen und seine ganze Schlauheit anwenden, um sie zu täuschen, Gottes Vorsehung wacht, das genügt.



14.12.2018

15. Die Anbetung der Weisen
(Mt 2)

I Die Weisen kommen aus dem Morgenland, den Erlöser zu suchen
Als Jesus in den Tagen des Königs Herodes zu Bethlehem in Judäa geboren war, da kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem und fragten: «Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, Ihn anzubeten».1
Was sind das für Männer an den Toren Jerusalems? Es sind Weise, Gelehrte, Fürsten. Der ewige Vater selbst ruft die ersten Anbeter zur Krippe seines Sohnes; nach den Hirten die Könige, nach den Armen die Reichen. Die menschliche Weisheit naht, um der göttlichen zu huldigen.
«Wo ist der neugeborene König?» fragen die Weisen. Diese Männer suchten die Wahrheit in aller Einfalt des Herzens. Sie erflehten von Gott einen Lehrer, der sie in die Wahrheit einführen und dieser den Sieg über alle Irrtümer der Welt verleihen sollte. Und Gott erhört sie. Der Stern, der ihnen erscheint, wird, wenn sie ihm treu folgen, für sie eine Quelle unvergänglichen Lichtes sein.
Vergegenwärtige dir, was die Reise für diese Männer des Glaubens gewesen ist. Lerne von ihnen, den Anregungen der Gnade ohne Verzug und ohne Nachlässigkeit zu entsprechen. Betrachte ihren Mut, ihre Geduld, ihren Eifer. Zähle ihre Siege über die Menschenfurcht, die Entmutigung, das Widerstreben und die Hindernisse, die dich so oft im Dienst Gottes aufhalten! Nur ein starker Glaube konnte den Weisen solchen Heldenmut der Beharrlichkeit einflößen. Laß dich von dem gleichen Glaubensgeist durchdringen. Wenn Gott spricht, muß der Mensch gehorchen!
1 Ihre Reise beanspruchte wenigstens vier Monate, wenn sie aus Persien kamen, und siebzig Tage, wenn ihre Heimat in Chaldäa lag. Nach der liturgischen Tradition erreichten sie gegen den 6. Januar das Ziel der Reise.



13.12.2018

14. Die Beschneidung
(Lk 2)

II Das Kind erhält den Namen Jesus
Es wurde Ihm der Name Jesus gegeben. So hatte Ihn der Engel schon genannt, noch bevor Er im Mutterschoße empfangen war.
Betrachte fromm die Bedeutung dieses süßen Namens. Erbitte dir von Maria und Joseph das volle Verständnis für Ihn. Was sagt dir der Name Jesus? Er bedeutet: Heiland, Erlöser. Er spricht dir von der Allmacht Gottes. Durch diesen Namen werden die Götter der Heiden gestürzt. Durch Ihn schließt sich die Hölle und öffnet sich der Himmel wieder. Wer Ihn vertrauensvoll anruft, ist der Hilfe des Allmächtigen gewiss. Dieser Name ist der Ausdruck aller Schönheit, aller Größe, aller Reinheit und Heiligkeit. Er weckt himmlische Begierden, verscheucht die unreinen Geister und entflammt den Heldenmut. Dieser Name bedeutet Freude, Freiheit, Glückseligkeit. Ihn auszusprechen heißt den Weg zu Gott wiederfinden, alle Traurigkeit aus der Seele verscheuchen und alle Fesseln brechen.
Der Name Jesus ist der Inbegriff aller Liebe, aller Hingabe, aller Güte. Er eint, tröstet und heiligt. Er knüpft Freundschaften für die Ewigkeit. Er regt an zu heroischer Selbstaufopferung im Dienst der leidenden Menschheit. In diesem Namen ist alles enthalten, was man sagen und tun kann, um Gott wohlgefällig und dem Nächsten nützlich zu sein. Ein Engel hat ihn zuerst ausgesprochen, Gott aber hat ihn erdacht. Bitte Maria, dich zu lehren, diesen süßen Namen mit Andacht auszusprechen und dein ganzes Vertrauen auf Den zu setzen, der ihn trägt.
Wünsche sehnlich, andere Seelen möchten in dir etwas von der Hingabe finden, die dieser Name ausdrückt. Die Gelegenheiten, sie zu üben, werden dir nicht fehlen. Schrecke nicht zurück vor der Mühe, die du anwenden mußt. Die Rettung der Seelen fordert Anstrengung und Kampf. Erkläre dich bereit, wenn nötig Blut und Leben für diesen heiligen Namen hinzugeben! Dies wäre ein lebendiger Beweis deiner Liebe.



12.12.2018

14. Die Beschneidung
(Lk 2)

I Die Beschneidung des göttlichen Kindes
Als acht Tage vorüber waren, sollte das Kind beschnitten werden.
Suche die Wonne und Seligkeit der acht ersten Tage nach der Geburt des Erlösers zu begreifen und zu verkosten. Erflehe dir von Maria und Joseph die Gnade, an der Freude dieser Tage ein wenig teilzunehmen. Nach acht Tagen wurde das Kind beschnitten. Verehre in dem Blut der Beschneidung den ersten Beweis der Liebe, die nichts unterlassen wird, um uns zu helfen. Der Sohn Gottes nimmt freiwillig das Zeichen der Sünde an, wie Er einst auch deren Strafe erdulden will. Es drängt Ihn, uns zu zeigen, daß Er sich keinem Leiden und keiner Demütigung entziehen will, um den Titel eines Welterlösers desto vollkommener zu verdienen. Danke Ihm dafür und versprich Ihm, daß du die Gnaden, die Er für dich verdient hat, treu benützen willst.
Gehe noch weiter in deiner Dankbarkeit. Biete Ihm dein Herz an zur geistigen Beschneidung. Es gilt, mit aller Kraft sündhafte Gedanken, ungeordnete Anhänglichkeiten, ungehörige Wünsche, unnütze oder gar lieblose Worte zu beschneiden. Trotz Anstrengung und Schmerz musst du dich dieser Mühsal unterziehen. Indes fürchte dich nicht! Dein Heiland wird die Opfer, die Er auferlegt, zu versüßen wissen. Erflehe dir bei Maria den notwendigen Mut!



11.12.2018

13. Der Lobgesang der Engel
(Lk 2)

III Die Hirten verbreiten die frohe Kunde
Nachdem sie es gesehen hatten, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Alle, die es hörten, wunderten sich über das, was die Hirten ihnen erzählten. Maria aber bewahrte alle diese Dinge und erwog sie in ihrem Herzen.
Die ersten Anbeter sind auch die ersten Verkünder der frohen Botschaft. Höre, wie die Hirten erzählen, was sie gesehen. Dadurch üben sie ein wahres Apostolat aus. Denn sie wollen ihre Mitmenschen zur Erkenntnis des Erlösers führen. Sie haben angefangen zu begreifen, welch ein großes Unglück es für den Menschen hienieden ist, vom Erlöser nichts zu wissen. Ohne den Heiland trägt man schwere Bürden und weiß nicht, wo man Erleichterung erlangen und für das Gewissen Beruhigung finden soll. Die Hirten haben das Heil der Welt gefunden, sie wollen nun auch andere zu dieser Gnade hinführen.
Die Hirten geben dir hier ein Beispiel, das du nachahmen sollst. Um dies mit Erfolg zu tun, präge deinem Herzen und deinem Gedächtnis tief ein, was du an der Krippe gesehen und gehört, alles, was du beim Anblick und bei der Betrachtung deines Erlösers an Licht und Eifer, an großmütigen Entschlüssen und festen Vorsätzen gewonnen hast! Bitte Maria, dich noch mehr im innerlichen Gebet zu unterweisen.



10.12.2018

13. Der Lobgesang der Engel
(Lk 2)

II Die Hirten eilen zum Stall
«Wir wollen hinübergehen nach Bethlehem und sehen, was da geschehen ist und was der Herr uns kundgetan hat!» Sie gingen eilends hin und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe lag.1
Begleite die Hirten zum Stall. «Lasset uns nach Bethlehem gehen!» sprechen sie zueinander. «Lasset uns dahin gehen, wohin der Herr uns ruft, und unverzüglich tun, was Er uns befiehlt. Lasset uns die Wunder der Barmherzigkeit schauen, die uns verkündet worden sind!» Die Hirten lassen sich durch nichts zurückhalten, dem Ruf Gottes zu gehorchen. Sie lehren uns, der Gnade treu und ohne Zögern zu entsprechen. So eilten die Hirten hin, weil sie sich sehr freuten und danach verlangten, das neugeborene Kind zu sehen. Daraus ersieht man ihre Hingabe und ihren Eifer beim Suchen. Einer, der nämlich Christus nur träge sucht, verdient nicht, Ihn zu finden. Zu Ihm eilen bedeutet nicht nur, den Lauf der Schritte zu beschleunigen, sondern immerfort auch im Glauben und in der Tugend Fortschritte zu machen.
Woran sollen sie nun den menschgewordenen Sohn Gottes erkennen? Die Engel hatten gesagt: «Und dies soll euch zum Zeichen sein: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt ist und in einer Krippe liegt.» Knie mit den Hirten vor der Krippe nieder und betrachte das Kindlein, das darin ruht. Erkenne in Ihm den König Himmels und der Erde, den Erlöser der Menschen, den Sohn Gottes. Die göttliche Schönheit verbirgt sich unter ärmlichen Windeln. Versenke dich anbetend in dieses Geheimnis!
Lege deine Huldigungen in das Herz des göttlichen Kindes. Opfere sie Ihm durch die Hände Mariens auf. Bitte den heiligen Joseph, dir Gefühle und Worte einzugeben, an denen Maria und das göttliche Kind Wohlgefallen finden. Weihe dich rückhaltlos und ohne Furcht der Liebe des neugeborenen Erlösers. Er schaut in dein Herz, hört auf deine Bitten und segnet dich von der Krippe aus, die Er um deinetwillen zu seinem Thron erwählt hat.
Die Demut ist die erste Tugend, die unser Heiland geübt hat. Sie soll auch die erste Tugend sein, die jene üben sollen, die Ihm nachfolgen!
1 Die Krippe wird gegenwärtig in Rom in der Krypta der Basilika Santa Maria Maggiore verehrt.



09.12.2018

13. Der Lobgesang der Engel
(Lk 2)

I Die Engel verkünden den Hirten die Geburt des Erlösers
In jener Gegend hielten Hirten auf freiem Felde Nachtwache bei ihrer Herde.1 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Und sie fürchteten sich sehr. Der Engel aber sprach zu ihnen: «Fürchtet euch nicht, denn sehet, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk zuteil werden wird, daß euch heute in der Stadt Davids der Heiland geboren worden, welcher Christus, der Herr, ist.
Nachdem der Heiland im Stall geboren worden ist, können die Engel des Himmels ihre Freude über das Erbarmen Gottes nicht zurückhalten. Mit lautem Jubelgesang verkünden sie den armen Hirten die frohe Botschaft.
Wer sind nun diese Hirten? Es sind von der Welt verachtete Arme. Aber Gott liebt diejenigen, welche die Welt verachtet. Sie sind die ersten Auserwählten des Evangeliums. Wenn auch der Erlöser für alle gekommen ist, so sind doch die Armen die Erstlinge unter den Berufenen. »Freuet euch», verkündet der Engel den Hirten, «euch ist heute der Erlöser geboren.» Selig die Armen, selig die Verachteten!
Konnte man ihnen eine freudenreichere Botschaft bringen? «Ihr habt einen Erlöser, auf den ihr hoffen dürft. Er wird euch nicht länger in der Gefangenschaft schmachten lassen, Er wird euch den Himmel öffnen.» Die Hirten sind voll seliger Freude. Nun beginnt in Wahrheit ein Fest der Armen.
Es ist auch ein Fest für jede Seele, die der Weltlust entsagen und das übernatürliche Leben umfassen will. Ist es in diesem Sinn nicht auch dein Fest? Um es würdig zu begehen, weihe dich mit allem Eifer deinem Erlöser, der bei seinem Eintritt in die Welt den Weg der Entbehrung erwählt hat und dich sogleich zu seiner Nachfolge beruft. Um diesem Ruf getreuer zu entsprechen, entsage der Befriedigung der Sinne, dem Wohlleben, dem du dich vielleicht hingegeben hast. Gib auf diese Weise Gott die schuldige Ehre und sing mit den Engeln: «Ehre sei Gott in der Höhe!»
Bedenke auch, daß der Sohn Gottes nicht für sich Mensch geworden ist, sondern zu deinem Nutzen. Bete die sich hin schenkende Güte Gottes an. Jesus ist für dich geboren worden, und du möchtest Ihn nicht empfangen?
1 Östlich von Bethlehem zieht sich ein grünes Tal hin. Dort hatte Jakob sein Zelt aufgeschlagen, um seine geliebte Rahel zu beweinen. Dort hatte Ruth die Ähren auf dem Felde des Booz gelesen. Dort hatte David als Knabe die Herden seines Vaters gehütet. Es ist das Tal der Hirten. Eine Krypta, von Oliven beschattet, bezeichnet heute noch die Stätte, wo der Himmel sich einst öffnete, um den Menschen die frohe Botschaft der Geburt Christi zu verkünden.



08.12.2018

12. Die Geburt Jesu
(Lk 2)

III Die Geburt Jesu in einem Stall
Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn in eine Krippe.
Folge Maria und Joseph in den Stall. Dieser ist der von Jesus selbst erwählte Palast, in dem Er seinen Einzug in die Welt feiern will. Im Lichte dieser freien Wahl lerne die Schönheit der freiwilligen Armut begreifen. Welcher Gegensatz zwischen dem Geiste Gottes und dem Geiste der Welt! Während die Welt nur den Überfluß liebt und die Armut fürchtet, erwählt der Heiland für sich die Armut und verachtet den Reichtum. Sei getrost, meine Seele! Er, der sich einen so unwirtlichen Ort zur Geburtsstätte auserkor, wird es nicht verschmähen, trotz deiner Unvollkommenheiten und deines Elendes in deine Seele einzukehren.
Nahe dich der Krippe, diesem Altar, auf dem dein Gott als König des Opfers und der Entsagung ruht. Betrachte in Liebe das Innere des Stalles. Ist seine Dürftigkeit nicht der Pracht fürstlicher Paläste vorzuziehen, weil Jesus hier weilt?
Knie nieder und bringe an der Krippe heute die Opfer dar, die der Herr durch die Stimme seiner Gnade schon so oft von dir gefordert hat. Öffne dem neugeborenen Erlöser dein Herz und heiße Ihn willkommen. Bete Ihn auf den Armen seiner Mutter an. Versprich Ihm, dich in seinen Dienst zu stellen und dich in seiner Schule auszeichnen zu wollen. Hier an der Krippe laß alles an deinem Geist vorüberziehen, was nach dem Plan Gottes geschah, damit der Herr aller Dinge in dieser außerordentlichen Armut geboren werden, in Entbehrungen, Demütigungen und Leiden leben und endlich am Kreuz sterben konnte. Und dies alles tat Er für dich. Lass diese Erwägungen deine Seele tief durchdringen.



07.12.2018

12. Die Geburt Jesu
(Lk 2)

II Maria und Joseph suchen vergebens einen Platz in der Herberge
In der Herberge fand sich kein Platz für sie.
Betritt mit Maria und Joseph das kleine Bethlehem. Der Sohn Gottes bedarf deiner, um eine Unterkunft zu finden, so stelle dich denn in seinen Dienst. Klopfe mit Ihm an die verschiedenen Türen, wo Er einkehren und sich offenbaren möchte. Suche Ihm eine Herberge und nenne seinen Namen jenen, die vorübereilen.
Was geschieht in Bethlehem? Immer wieder werden Maria und Joseph abgewiesen; nirgends ist Platz für sie. Der Schöpfer findet keine gastliche Aufnahme bei seinen Geschöpfen. Für alle hat Bethlehem Raum, nur nicht für Ihn. Bitte den Heiligen Geist um Erklärung dieses Geheimnisses.
Weshalb läßt Gott es zu, daß sein eingeborener Sohn an allen Türen abgewiesen wird? Weil Er Ihn sendet als Lehrmeister des wahren Lebens. Er hofft, daß du durch die Betrachtung dieser schmählichen Abweisungen eines Tages zur Erkenntnis des hohen Wertes der Demütigungen gelangst, die zu erwählen der Gottessohn vom Himmel kam. Das ist seine erste Lehre. Nimm diese neue Lebensanschauung freudig an.



06.12.2018

12. Die Geburt Jesu
(Lk 2)

I Maria und Joseph reisen nach Bethlehem
In jenen Tagen erging vom Kaiser Augustus ein Befehl, das ganze Weltreich aufzuzeichnen. ... Joseph war aus dem Hause und dem Geschlechte Davids. So zog er aus der Stadt Nazareth1 in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem 2 heißt, um sich mit Maria, seiner Angetrauten, die guter Hoffnung war, aufschreiben zu lassen.
Das große Geheimnis soll sich jetzt erfüllen. Der Sohn Gottes will seinen Einzug in diese Welt halten. Maria und Joseph machen sich auf den Weg nach Bethlehem.
Wozu diese Reise? Ein kaiserliches Edikt ist veröffentlicht worden, und man muß ihm Folge leisten. Gott bedient sich zur Ausführung seiner Pläne ebenso des Ehrgeizes der Großen wie des Glaubens der Kleinen. Siehe, mit welcher Pünktlichkeit Maria und Joseph sich dem kaiserlichen Befehl unterziehen. Weshalb sollten sie denn murren? Gehorchen sie nicht dem Willen Gottes, indem sie sich dem Befehle eines irdischen Machthabers unterwerfen? Beachte ferner, mit welcher Einfachheit sie das allgemeine Gesetz befolgen. Sie verlangen keine Ausnahme, sondern tun, was alle tun. Durch nichts wollen sie sich von den andern unterscheiden, als durch die Art, der Verrichtung ihrer Handlungen und durch ihre größere Armut und Demut. Begleite Maria und Joseph mit Liebe und Hingebung. Biete dich an, ihnen auf der beschwerlichen Reise zu dienen. Nimm an ihren Gesprächen teil. Vereinige dich mit ihren Gebeten und ihrem Verlangen, in allem den Willen Gottes zu erfüllen.
1 Nazareth liegt vier Tagesreisen weit von Bethlehem. Man steigt in die Ebene Esdrelon hinab, die man durchwandern muß, um Eugannim zu erreichen. Von da gelangt man durch Sichem und das Gelände von Beeroth in die Gegend von Jerusalem. Bethlehem liegt nur zwei Stunden von Jerusalem entfernt. Es ist das Jahr 749 nach römischer Zeitrechnung, die Woche des 25. Dezember.
2 Bethlehem liegt auf einem langen, weißen Hügel, dessen mit Reben, Oliven und Feigenbäumen bepflanzte Abhänge ziemlich regelmäßige Terrassen bilden. Auf dem Gipfel der Anhöhe lag die Grotte, über der sich gegenwärtig die Kirche der Geburt Jesu erhebt.



05.12.2018

11. Die Erwartung der Geburt Jesu
(Mt 1)

II Joseph wird durch einen Engel beruhigt
Während er sich mit diesem Gedanken trug, erschien ihm im Traum ein Engel des Herrn und sprach: «Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Gattin, zu dir zu nehmen. Denn was in ihr erzeugt worden ist, stammt vom Heiligen Geiste. Sie wird einen Sohn gebären, Dem sollst du den Namen Jesus geben, denn Er wird sein Volk erlösen von seinen Sünden.»
Danke dem heiligen Joseph für seine liebevolle Rücksicht auf Maria und für sein lehrreiches Beispiel. Betrachte sein Verhalten gegenüber dem unerklärlichen Geheimnis. Seine Klugheit ist vor allem Liebe, von ihr läßt er sich leiten in den schwierigen Verhältnissen, in denen er sich befindet. Die Liebe unterdrückt bei ihm jede Regung der Bitterkeit.
Ein so liebevolles Verhalten belohnt Gott alsbald. Er schickt seine Engel jenen, die fest auf Ihn vertrauen. Höre, was der Engel zu Joseph sagt. Betrachte seine Worte im einzelnen und lerne aus ihnen, daß der Mensch ein Werkzeug in der Hand Gottes ist. Gott hat dies alles vorausgesehen und vorbereitet. Die Seele Josephs wird mit höchster Freude erfüllt. Da nun Joseph vom Schlafe erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Gemahlin zu sich. Das kostbarste Gut auf Erden ist also Joseph zur Obhut anvertraut worden. Freue dich mit ihm und beglückwünsche ihn. Bitte ihn, er möge dich seiner heiligen Braut vorstellen und dich lehren, sie zu lieben wie er. Erahne die jungfräuliche Zartheit dieser heiligen Verbindung. Strebe nach großer Reinheit des Herzens und bemühe dich zu erfassen, worin das wahre Glück hienieden besteht.



04.12.2018

11. Die Erwartung der Geburt Jesu
(Mt 1)

I Die Beunruhigung des heiligen Joseph
Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so: Als seine Mutter Maria mit Joseph verlobt war, ergab es sich, daß sie empfangen hatte vom Heiligen Geist, noch ehe sie zusammenkamen. Joseph aber, ihr Mann, war gerecht und wollte sie nicht bloßstellen, und so gedachte er, sie still zu entlassen.
Begib dich im Geiste nach Nazareth in das Haus von Maria und Joseph. Nimm die Sorge und Bekümmernis wahr, unter denen Joseph leidet. Warum hat ihm Gott das Geheimnis der Mutterschaft Mariens nicht geoffenbart? Gott beruft Joseph zur Mitwirkung an seinen Heilsplänen, aber Er teilt sie ihm noch nicht mit. Der Mensch soll sich blind der Führung der göttlichen Weisheit überlassen. O meine Seele, laß dich vertrauensvoll von ihr leiten! Gott sorgt für dich; dir genüge es, für Ihn zu arbeiten.
Joseph wundert sich indes nicht, daß Gott solch schmerzliche Prüfungen selbst über seine treuesten Diener verhängt. Betrachte, wie er auch dementsprechend handelt. Er leidet, murrt aber nicht. Er betet und erwägt die Sache ruhig und ohne Überstürzung. Er erwartet Licht von oben und hofft zuversichtlich, dass Gott es ihm gewähren wird.
Auch Maria vertraut fest auf Gott. Obwohl sie mit Joseph schmerzlich mitleidet, hütet sie das göttliche Geheimnis der Menschwerdung. Sie übergibt alle Sorge dem Herrn im Vertrauen, dass Gott das Geheimnis ihrem Bräutigam zur rechten Zeit offenbaren wird. Glücklich die Seelen, die es verstehen, solche Prüfungen zur Verherrlichung Gottes auf sich zu nehmen. Der Herr wird es nicht unterlassen, sie hundertfach zu belohnen.



03.12.2018

10. Die menschliche Abstammung Jesu Christi
(Mt 1)

II Der Evangelist fasst die angeführten Geschlechtsreihen zusammen
So sind es von Abraham bis David insgesamt vierzehn Geschlechter, von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter und von der Wegführung nach Babylon bis Christus vierzehn Geschlechter.
Das ist der Stammbaum Jesu Christi. Verehre in Ihm den Erben der königlichen Familie Juda, grüße aber auch den demütigen Sohn des Handwerkers von Nazareth. Reiche und Arme, Arbeiter und Fürsten, Freigeborene und Sklaven, alle Lebensstände sind in diesem Geschlechtsregister vertreten, denn Jesus will allen Klassen der menschlichen Gesellschaft angehören. Bewundere die Demut des Heilands. Er wählt zu seinem Eintritt in die Welt den Zeitpunkt, wo alle irdische Größe aus seiner Familie gewichen ist. Dem königlichen Glanz Davids und Salomons zieht Er die Verborgenheit Josephs und Mariens vor. Das sei auch dein Urteil über menschliche Größe und weltliches Ansehen. So demutsvoll wie Jesus sich in seinem Stammbaum zeigt, wirst du Ihn während seines ganzen Lebens sehen.
Durchgehe gläubig die Geschichte der göttlichen Verheißungen und mache dir bewußt, welche Summe von Arbeiten, Leiden und Kämpfen das Leben der angeführten Geschlechter umfaßt. Nichts von alledem hat die göttlichen Pläne durchkreuzen können. Durch die wechselvollen Geschicke des jüdischen Volkes hindurch lenkte Gott die Ereignisse so, daß der Erlöser zu der von Ihm bestimmten Stunde erscheinen konnte. Lerne an seine Vorsehung glauben und übergib dich ihr blindlings, so wirst du Ruhe finden für deine Seele.



02.12.2018

10. Die menschliche Abstammung Jesu Christi
(Mt 1)

I Das Geschlechtsregister Jesu
Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Von Abraham stammt Isaak, von Isaak Jakob .
Danke dem Heiligen Geiste, daß Er den Evangelisten anregte, durch Aufzählung des Stammbaumes Jesu den Erlöser als wahren Menschen darzustellen, wie Er auch wahrer Gott ist. Dadurch sollst du überzeugt werden, daß der Heiland in Wirklichkeit unser Bruder und Fleisch von unserem Fleische ist. Er läßt uns seine menschliche Abstammung kundtun, um vertrauter mit uns zu werden und uns das Vertrautsein mit Ihm zu erleichtern.
Welchen Namen begegnest du in diesem Stammregister? Vor allem Namen von Heiligen; begrüße sie ehrfurchtsvoll. Rufe alle, deren Verdienste uns den Besitz des Erlösers erworben haben, um ihre Fürbitte an: die Patriarchen, Könige, Propheten und Führer des Volkes Israel. Laß dir von ihnen sagen, was ihnen die Gnade verdient hat, den Erlöser zu ihren Nachkommen zu zählen. Sie lebten aus der Hoffnung, Ihn zu sehen, und Gott würdigte sie der hohen Ehre, Ihm das irdische Leben zu vermitteln.
Im Stammbaum des Erlösers stehen auch Namen von Sündern und Sünderinnen. Diese Wahrnehmung soll dich ermutigen. Deine Sündhaftigkeit hindert dich nicht, ein Bruder Jesu zu sein, ebenso wenig wie das Sündenelend jene aus der Reihe seiner Ahnen ausschloss.


01.12.2018

9. Der Lobgesang des Zacharias
(Lk 1)

III Zacharias weist auf Johannes als den Vorläufer des Herrn hin
«Mein Kind, du wirst heißen Prophet des Allerhöchsten. Vorangehen wirst du dem Herrn, Ihm die Wege zu bahnen, des Heiles Kunde seinem Volk zu bringen in der Tilgung seiner Sünden durch unseres Gottes herzliches Erbarmen.»
Betrachte das Kind Johannes in den Armen seines Vaters. Zacharias opfert Gott seinen Sohn, damit Gott ihn als Werkzeug der Ehre Christi gebrauche. Er fühlt sich als den glücklichsten der Väter, weil ihm die Versicherung zuteil geworden ist, daß sein Sohn allzeit auf der Seite der Wahrheit und Gerechtigkeit stehen wird, daß er seinen Mitmenschen von großem Nutzen sein und Gott immerdar lieben und Ihm dienen wird.
«Mein Kind, du wirst vor Dem hergehen, Der da kommen soll. Du wirst Ihm den Weg bereiten und Ihn jenen offenbaren, die Ihn nicht kennen. Du wirst Ihm Jünger heranbilden und Ihm dein ganzes Leben weihen.» Wenn Er dann selbst erscheinen wird, um zu lehren, zu verzeihen und zu heilen, so wird man sagen: «Das ist wahrhaft der Erlöser, den man uns verkündet hat.» Das ist der Ruhm, den Zacharias für seinen Sohn erstrebt, das ist die Freude, die Er sich selbst verspricht.1
Ist es nicht angemessen, daß Zacharias Gott opfert, was Er ihm gegeben hat? Er spricht zu Ihm: «O Gott, verfüge zu deiner Ehre über alles, was dein war, ehe ich es von dir empfangen habe. Was Du mir gegeben hast, sei in deinen Dienst gestellt zum Heil derer, die Du liebst.» Beglückwünsche Zacharias um seiner großmütigen Gesinnungen willen. Vereinige deine Danksagungen mit den seinen. Auch für dich bricht der neue Tag an. Dein Leben wird sich neu gestalten. Du wirst Gott in neuem Licht sehen und diese tiefere Gotteskenntnis andern mitteilen. Du wirst Gott mehr lieben und andere zur Liebe Gottes aneifern. Du wirst den Weg der Wahrheit wiederfinden, sicher darauf wandeln und andere dahin zurückführen. Alle Dunkelheit und Ungewißheit wird von dir weichen, denn das Heil und das Glück steigt vom Himmel und kehrt bei dir ein. Danke der göttlichen Güte und sprich in heiligem Frohlocken: «Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels.»
1 Der hl. Lukas fügt über die ersten Jahre des Vorläufers folgendes bei: «Der Knabe aber wuchs heran und ward stark im Geist und war in der Wüste bis zu dem Tag, da er sich zeigen sollte für Israel.» Westlich von Jerusalem, in der Nähe des Ortes Ain-Karim befindet sich eine Grotte, die den Namen des Johannes trägt. Eine in den Felsen gehauene Bank scheint ihm als Bett gedient zu haben. Mageres Gesträuch umgibt die Grotte, in deren Nähe eine Quelle das Gestein ausgehöhlt hat. Die Traditionen jener Gegend bezeichnen diesen Ort als den Schauplatz der Jugendjahre des hl. Johannes.



30.11.2018

9. Der Lobgesang des Zacharias
(Lk 1)

II Zacharias bezeugt, daß der Erlöser der von Gott verheißene Messias ist
«Er ist die Rettung von unsern Feinden und aus der Hand aller unserer Hasser, wie Er verheißen von alters her durch den Mund heiliger Propheten.»
Gott ist getreu. Mit den kommenden Ereignissen beginnt die Verwirklichung seiner Verheißungen. Von Anbeginn der Welt faßte Er die Pläne seiner Erbarmung und tat sie durch die Propheten den Menschen zu ihrem Trost kund. Jene, die den Heiland nicht sehen durften, sollten wenigstens von Ihm reden hören. Von ferne beglückwünschten sie die auserwählten Geschlechter, denen es beschieden war, den Erlöser mit eigenen Augen zu sehen.
Mit Johannes beginnt dieses Geschlecht. Die Glücklichen, deren Fesseln der Heiland lösen will, die Ihn sehen, hören und seiner persönlichen Gegenwart sich erfreuen werden, unter deren Dach Er einkehren, an deren Tisch Er sich in liebreicher Herablassung setzen wird, sie sind schon geboren. Die gnadenvolle Zeit ist angebrochen, die Verheißungen werden sich erfüllen. Mische dich unter jene, die in seliger Erwartung seiner harren.
Zacharias aber bezeichnet den Heiland als einen siegreichen Eroberer, der gegen die Feinde des Guten einen harten Kampf führen wird. Er wird diese Feinde auch bis in das Innerste deines Wesens hinein verfolgen. Deine Seele wird das Schlachtfeld sein. Es gilt, sich zu stählen für den geistigen Streit. Rufe Den um Hilfe an, Der ein unüberwindlicher Sieger ist. Wiederhole oft die Worte: «Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, d.h. der Gott der Starken.»



29.11.2018

9. Der Lobgesang des Zacharias
(Lk 1)

I Zacharias verkündet die nahe Erlösung Israels
Zacharias, sein Vater, wurde vom Heiligen Geist erfüllt und sprach die prophetischen Worte: «Gepriesen sei der Herr, Israels Gott! Heimgesucht hat Er sein Volk, ihm Erlösung bereitet.»
Sammle dich und betrachte den Lobgesang Zacharias. Auch er lobpreist wie Maria den Herrn, der uns seinen eingeborenen Sohn als Erlöser schenkt.
Derselbe Gott Israels, der mit unvergleichlicher Vertrautheit mit den Patriarchen umging, sucht jetzt sein Volk als Erlöser heim. Er hat das Gebet gehört und sich seiner unglücklichen Kinder erbarmt: «Ich will zu ihnen hinabsteigen und an ihre Türen anklopfen.»
«Nun ist Er da», verkündet Zacharias frohlockend, «die Stunde seiner Ankunft hat geschlagen.» In der bescheidenen Wohnung des Priesters erblickt man zwar nur ein neugeborenes Kindlein und seine greisen Eltern im Gebet. So bereitet Gott der Ankunft des Erlösers die Wege. So demutsvoll kündet sich uns der Heiland an. Er erniedrigt sich, um die Kleinen an sich zu ziehen, nimmt Knechtsgestalt an, damit wir Ihn als einen von uns erkennen. Er erniedrigt sich, damit wir, die wir in Wahrheit nichts sind, durch Ihn leben. Kann es da schwerfallen, auf Ihn alle Hoffnung zu setzen?
Der Herr kommt, um sein Volk zu erlösen, Er ist der Erlösergott. Die Gefangenen wird Er in Freiheit setzen und alle, also auch mich, der Herrschaft des Bösen entreißen. Er wird die Würde eines Gotteskindes in mir wiederherstellen. Er wird mich frei machen, mich reinigen und mir das übernatürliche Gnadenleben wiedergeben. O meine Seele, lobe den Herrn!



28.11.2018

8. Die Geburt des Vorläufers
(Lk 1)

II Zacharias erhält die Sprache wieder und dankt Gott
In demselben Augenblick ward sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst. Er konnte sprechen und pries Gott. Da kam Furcht über alle, die in der Nähe wohnten, und im ganzen Gebirge von Judäa sprach man von all diesen Begebenheiten. Alle, die davon hörten, überdachten sie im Herzen und sagten: «Was wird wohl aus diesem Kind werden?»
Höre, wie Zacharias Gott seinen Dank ausspricht. Der Zweifel hat ihn der Sprache beraubt, der Glaube gibt sie ihm wieder, und er bedient sich ihrer, um Gott zu loben.
Gott gab dem Menschen die Sprache, damit er Ihn lobe, denn der Mensch ist erschaffen zur Verherrlichung Gottes. Um ihn an dieses erhabene Ziel beständig zu erinnern, schickt ihm Gott Freude und Schmerz. Bei freudigen wie bei betrübenden Ereignissen soll das Herz des Menschen Gott preisen. Vereinige dein Lob mit dem des Zacharias. Bei der Betrachtung der Wohltat, die Gott ihm erweist, durchgehe im Geist die Reihe der Gnaden, die du von Gott empfangen hast. Auch du hast alle Ursache, Gott für seine Erbarmungen zu preisen. Auch dir sollte es am Herzen liegen, die grenzenlose Güte, die dir liebend zuvorkam und dich mit Wohltaten überhäufte, anderen bekannt zu machen.
Auf diese Weise wirst du dich immer mehr der neuen Sonne nähern, die über der Welt aufgeht. Die Allmacht Gottes beginnt ihr Werk. Sie will auch dich zur Vollkommenheit in der Tugend heranbilden. Laß sie an dir arbeiten und sie wird Wunder tun. Sie wird aus Kindern Männer und Frauen heranbilden, aus Sündern Auserwählte und aus Gefallenen Heilige hervorbringen.



27.11.2018

8. Die Geburt des Vorläufers
(Lk 1)

I Die Freude im Hause des Zacharias über die Geburt des Sohnes
Für Elisabeth erfüllten sich ihre Tage, und sie gebar einen Sohn. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr ihr große Huld erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
Hier siehst du die Bestätigung der Wahrheit, daß der Herr getreu ist in seinen Verheißungen. Erzeige dem neugeborenen Kind deine Verehrung und beglückwünsche die erfreuten Eltern. Vor allem aber danke Gott dem Herrn, denn auch zu deinem Heil wurde Johannes geboren.
Am achten Tag soll das Kind nach dem Gesetz einen Namen erhalten. Zacharias ist sich dessen wohl bewußt, daß sein Sohn vom Schoß der Mutter an dazu bestimmt ist, die Großtaten der Barmherzigkeit Gottes vorzubereiten. Er soll durch sein Apostolat und sein Beispiel viele Seelen zum Heil führen. Alles das soll sein Name schon ausdrücken: Johannes, d. h. Barmherzigkeit Gottes, wird er genannt werden. So oft Zacharias und Elisabeth in Zukunft diesen Namen aussprechen, werden sie damit die Barmherzigkeit Gottes preisen, die ihnen das Kind zum Heil der gefallenen Menschheit geschenkt hat.
«Niemand in deiner Verwandtschaft trägt diesen Namen», sagen die Umstehenden zu Elisabeth. Zacharias erklärt schriftlich: «Johannes ist sein Name!» Er bekundet dadurch, daß es sein ausgesprochener Wille ist, den Absichten Gottes und nicht den Familienüberlieferungen zu folgen. Eine neue Zeit bricht an und sie fordert eine neue Art des Handelns und Urteilens. Auch du sollst in dieser neuen Zeit den alten Menschen ablegen. Früher beschäftigtest du dich vorwiegend mit dir selbst und mit den Deinigen, jetzt muß Gott bei dir in den Vordergrund treten. Du mußt mit den alten Gewohnheiten brechen und in allem nur die größere Ehre Gottes suchen.



26.11.2018

7. Der Lobgesang Mariens
(Lk 1)

III Maria preist die Treue Gottes in der Erfüllung seiner Verheißungen
«Angenommen hat Er sich Israels, seines Knechtes, eingedenk seines Erbarmens mit Abraham und seinen Nachkommen auf ewig, wie Er unsern Vätern verheißen.»
Ein neuer Beweggrund zur Dankbarkeit gegen Gott ist seine Vatersorge zu aller Zeit. Er erbarmt sich aller seiner Geschöpfe. Über Israel, das Er an Kindesstatt angenommen, wachte Er von Anfang an, zog sein Volk aus der Knechtschaft, reichte ihm das Brot in der Wüste und gab ihm die Hoffnung auf einen Erlöser. Mit der Ankunft seines Sohnes auf Erden löst nun Gott sein Versprechen ein, das Volk nicht zu verlassen: Er kommt selbst, nimmt es gleichsam bei der Hand, um es ins Gelobte Land zu führen.
Israel glaubte sich verlassen und wurde deshalb auf dem Weg mutlos. Die Prüfungen dauerten ihm zu lange, die Hindernisse schienen unüberwindlich. Maria aber fordert ihr Volk zur Danksagung auf. Sie preist die Ankunft des unter Tränen erwarteten Erlösers. «Tröstet euch, ihr Trauernden», ruft sie ihnen zu, «Gott gedenkt euer. Wenn Er auch für kurze Zeit schweigt, so tut Er dies nur, um desto besser verstanden zu werden. Hält Er auch zuweilen mit seinen Wundern zurück, so wirkt Er doch beständig für euer Heil. Nie vergisst Er seines Bundes. Er ist getreu in seinen Versprechungen und erfüllt alles, was Er verheißen hat.»
Stimme in den Lobgesang Mariens ein! Bete auch du den Mensch gewordenen Gott in ihrem Schoß an! Gütig und erbarmungsvoll, mächtig und getreu, wie Maria Ihn in ihrem herrlichen Lobgesang preist, wird sich der Heiland dir offenbaren, und du wirst die Früchte seines gottmenschlichen Lebens ernten. Lass in deinen Gebeten und in deinem Leben den Lobgesang Mariens frohlockend weiterklingen.



25.11.2018

7. Der Lobgesang Mariens
(Lk 1)

II Maria preist die Wunder der Menschwerdung
«Großes hat an mir getan der Mächtige. Sein Name ist heilig, sein Erbarmen währt von Geschlecht zu Geschlecht für die, die Ihn fürchten.»
Bewundere die großen Dinge, die der Allmächtige in Maria gewirkt hat. Sie nannte sich eine Magd des Herrn; Er hat sie zu seiner Mutter gemacht. In und durch Maria werden sich die Wunder der göttlichen Güte erfüllen. Aber diese Wunder sind nicht für sie allein. Deshalb fühlt sie sich gedrängt, Gott zu danken, daß Er seine Gnaden ausgießt über alle Menschen und Geschlechter. «Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die Ihn fürchten», spricht Maria. Gott liebt alle Wesen, die Er erschaffen hat. Er hat Mitleid mit denen, die leiden, Er verzeiht den reuigen Sündern. Seine Barmherzigkeit ist eine nie versiegende Quelle. Frohlocke, denn Gott wird nie ermüden, wie Maria bezeugt, dir Gutes zu tun.
Maria überschaut dann, was der Herr in der Vergangenheit getan hat. Die Vergangenheit bürgt für die Zukunft. «Machtvoll waltet sein Arm. Er vernichtet die Herzen voll Hochmut, Gewalthaber stürzt Er vom Thron, Niedrige hebt Er empor. Hungrige erfüllt Er mit Gütern, Reiche läßt Er leer ausgehen.» Unser Gott ist der starke Gott und Er stellt seine Stärke in den Dienst der Schwachen. Die von menschlicher Ungerechtigkeit Bedrückten dürfen ihr Haupt mit Zuversicht erheben, und die von Versuchung Bedrohten dürfen frohe Hoffnung haben, denn Gott ist bereit, für sie Wunder zu wirken.
Nur die Hoffärtigen haben Ursache, die Ankunft des Heilands zu fürchten. Der menschgewordene Erlöser verabscheut sie, Er wird den Vernichtungskampf gegen den Stolz führen. Wenn dir die Ankunft des Erlösers zum Heil gereichen soll, mußt du dieses Laster in dir bekämpfen. Wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.



24.11.2018

7. Der Lobgesang Mariens
(Lk 1
)

I Maria bezeugt Gott ihre Freude und Dankbarkeit
«Hoch preist meine Seele den Herrn und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland! Herabgesehen hat Er in Gnaden auf seine niedrige Magd. Seht, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.»
Kehre nochmals zu Maria zurück und höre den tiefbewegten Dank ihres Herzens. Bei ihr kannst du lernen, die Wunder der göttlichen Liebe zu preisen.
Elisabeth hatte Maria mit den Worten gegrüßt: «Du bist gebenedeit unter den Frauen.» Maria beeilt sich, die Ehre, die ihr von den Geschöpfen zuteil wird, auf Gott zurückzuführen. Beachte wohl, sie verkennt in sich keineswegs die Vorzüge, die andere mit Recht an ihr bewundern, aber sie lenkt die Ehre auf Ihn zurück, Dem sie alles verdankt. Hierin besteht die einzig richtige Art, Gott Dank zu sagen. Sei versichert, die göttliche Güte gefällt sich darin, ihre Gaben in reichem Maß über jene auszugießen, die sich bestreben, Gott die Ehre zu geben.
Warum strömt das Herz Mariens von Freude über? «Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd», sagt sie. Es genügt ein bloßer Blick Gottes, um eine demütige, gläubige und reine Seele ganz mit Freude zu erfüllen. Maria stellt ihre Niedrigkeit der unendlichen Größe Gottes gegenüber und demütigt sich tief in dieser Erwägung. Sie, die einfache Jungfrau, wurde zur höchsten Ehre erhoben. Sie darf in Wahrheit sagen: «Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter!» Du gehörst zu den Geschlechtern, von denen sie spricht. Nach dem Beispiel Elisabeths preise sie selig!



23.11.2018

6. Der Besuch Mariens bei Elisabeth
(Lk 1)

II Elisabeth beglückwünscht und preist Maria
Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Sie rief mit lauter Stimme: «Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Woher wird mir die Gnade, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?»
Höre, wie Elisabeth Maria beglückwünscht. Nimm dir an ihr ein Beispiel; denn sie lehrt dich, die Mutter deines Erlösers zu ehren.
Ganz unter dem Eindruck der erhabenen Größe Mariens ruft sie, vom Heiligen Geist erleuchtet, aus: «Du bist gebenedeit, du bist die Auserwählte des Herrn, die Ehre aller Mütter!» Der unvergleichliche Vorzug, den Elisabeth in Maria erkennt, erregt ihre fromme Bewunderung. Sie preist sie wegen des unbegreiflichen Wunders, das Gott in ihr gewirkt hat. Was Maria mehr erhalten hat an Gnade als sie, erweckt keinen Neid in ihrem Herzen. Die Erhöhung Mariens beglückt sie noch mehr, als wenn es ihre eigene wäre.
Hierauf demütigt sich Elisabeth. Sie weiß, in wessen Gegenwart sie sich befindet. Maria ist ein lebendiger Tabernakel, sie trägt Jenen, der die ganze Welt trägt. Aus ihren Augen strahlen alle göttlichen Vollkommenheiten. «Woher kommt mir diese Gnade?» ruft Elisabeth aus. Wie kommt es, daß der Himmel zur Erde sich herabneigt? Wie kommt es, daß Derjenige, der alles ist, sich zu dem Nichts erniedrigt?
Beantworte dir selbst diese Fragen! Es ist die Wirkung der Güte der Herzen Jesu und Mariens. Sie sind eins und beide lieben uns. Um uns ihre Liebe zu beweisen, kommen sie zu uns. Nimm sie freudig auf und setze ihrer Wirksamkeit in dir kein Hindernis entgegen. Empfange durch sie die Gnaden des Herrn.
«Selig bist du, weil du geglaubt hast», fügt Elisabeth bei. Du hast dem Wort, das dir gesagt worden ist, geglaubt. Nun wirst du seine wunderbare Erfüllung sehen. Ein Akt lebendigen Glaubens bewirkt Wunder göttlicher Allmacht. Möchtest du, daß Gott in dir und in deiner Umgebung Wunder wirke, Wunder der Bekehrung und des geistlichen Fortschritts, so bestrebe dich, eine Seele von starkem Glauben zu werden. Bitte Maria durch Vermittlung der heiligen Elisabeth um diese Gnade.



23.11.2018

6. Der Besuch Mariens bei Elisabeth
(Lk 1)

I Maria besucht Elisabeth und begrüßt sie
In jenen Tagen machte sich Maria auf und ging eilends in das Gebirge nach einer Stadt in Juda. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Sobald Elisabeth den Gruß Mariens vernahm, frohlockte das Kind in ihrem Schoße.
Es drängt Maria, auch andern die Gnade der Menschwerdung Gottes zu vermitteln. Deshalb unternimmt sie diesen von Frömmigkeit und Liebe beseelten Gang. Begleite sie auf ihrem Weg über das Gebirge Judäas! Wohne im Hause des Zacharias der Begrüßung dieser beiden heiligen Seelen bei. Sammle dich und betrachte beide mit ehrfurchtsvoller Liebe.
Beim Anblick Mariens wird Elisabeth von Freude erfüllt. Bringt Maria nicht immer und überall, wo sie erscheint, mit der Gnade auch die Freude? Beim Gruß Mariens wird das Kind Elisabeths im Mutterschoß geheiligt. So erweist sich Maria von Anfang an als die mächtige Mittlerin für jede Seele, die der Reinigung und Erlösung bedarf. Setze auf sie deine ganze Hoffnung. Bereite dich vor, die Gnaden des Erlösers durch ihre gebenedeiten Hände zu empfangen. Bitte sie auch, dich zu lehren, die Seelen zu Gott zu führen.



22.11.2018

5. Die Verkündigung der Geburt Jesu
(Lk 1)

III Die Einwilligung Mariens
«Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?» Der Engel antwortete und sprach zu ihr: «Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.»
Was sagt und tut Maria? In dem klaren Bewußtsein, daß unser Heil in ihre Hand gegeben ist, willigt sie freudig in den Ratschluß Gottes ein. Da uns durch sie der Erlöser geschenkt wird, schulden wir ihr Dank für alles, was uns der Heiland bringt. Daß wir wieder Kinder Gottes sind, die Gnade der Sündenvergebung, der Sakramente und der Beharrlichkeit im Guten, alles wird uns durch Maria geschenkt.
Hätte sie ihre Mitwirkung verweigert, wir hätten auf immer die Rechte auf das himmlische Erbe verloren. Ihre Einwilligung öffnet uns die Pforten des Himmels und damit sind uns zugleich alle Mittel, dahin zu gelangen, zuteil geworden. Sprich Maria in kindlicher Weise deinen Dank aus. Wird deine Gegengabe nicht in eifriger Arbeit zur Ehre ihres Sohnes bestehen?
Betrachte, mit welchen Worten Maria ihre Einwilligung gibt. «Siehe, ich hin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.» Maria kennt ihre Stellung Gott gegenüber und sie will darin verharren. Der Mensch bleibt Gottes Diener, so hoch er auch erhoben werden mag. Von diesem Bewußtsein ist Maria auch im Augenblick ihrer Erhöhung durchdrungen. Sie mahnt dich, dies nie zu vergessen. Entsprich ihrer Mahnung! Dadurch schon zeigst du dich als ihr Kind.
Bedenke auch, wie die allerseligste Jungfrau hier die vollkommene Ergebung in den Willen Gottes übt. Sie übergibt sich Ihm in bedingungsloser Hingabe wie ein Werkzeug, das dem Herrn auch nicht den geringsten Widerstand leistet. Gott hat dies von ihr verlangt, um das Geheimnis der Menschwerdung wirken zu können. Diese Ergebenheit erwartet Er auch von dir, um das zu vollbringen, was Er mit dir vorhat. Gott könnte Großes durch dich wirken, wenn du dich Ihm wahrhaft hingeben würdest.



21.11.2018

5. Die Verkündigung der Geburt Jesu
(Lk 1)

II Der Engel grüßt Maria und überbringt ihr die Botschaft des Himmels
Der Engel trat bei ihr ein und sprach: «Sei gegrüßt, du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen.» Bei diesen Worten erschrak sie und dachte nach, was dieser Gruß bedeuten solle. Der Engel sprach zu ihr: «Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben.»
Begrüße den Engel Gabriel auf der Schwelle der ärmlichen Wohnung Mariens. Höre seinen frommen Gruß und lerne, ihn mit denselben Gefühlen der Freude, Ehrfurcht und staunenden Bewunderung auszusprechen. Ist es nicht angebracht, daß du jene hoch verehrst, die der Himmel zur höchsten Würde auserwählt hat? Im Ave Maria kommt diese Verherrlichung am vollkommensten zum Ausdruck.
Enthält dieser Gruß nicht auch für uns die Zusicherung aller Güter? Maria besitzt die ganze Fülle der Gnaden, damit sie uns reichlich davon mitteile. Der Herr ist mit ihr, damit Er durch sie uns gegeben werde. Sie ist von Gott über alle Geschöpfe erhoben, damit sie uns helfe, uns zu Ihm zu erheben. Schätze den im Ave Maria verborgenen Reichtum.
Beim Gruß des Engels erschrak Maria. Es gibt so reine Seelen auf Erden, daß sie die leiseste Furcht vor dem Bösen erzittern läßt. So empfindlich ist die Zartheit jungfräulicher Herzen. Willst du zu ihrer Zahl gehören? Durch Maria kannst du diese Gnade erlangen.
Nachdem der Engel Maria beruhigt hat, prophezeit er ihr die Größe des Erlösers, der aus ihr geboren werden soll. "Dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden.» Er wird der König der Könige sein. Der Sohn Gottes kommt zu uns, um in uns zu herrschen. Die wahre Ehre des Menschen wird darin bestehen, Ihn als höchsten Herrn anzuerkennen. Belebe und befestige deinen Glauben an Jesus und unterwirf dich Ihm als deinem König. Weihe dich seinem Dienste durch Maria.



20.11.2018

5. Die Verkündigung der Geburt Jesu
(Lk 1)

I Der Engel Gabriel wird von Gott zu Maria gesandt
Im sechsten Monat ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth1 zu einer Jungfrau. Sie war verlobt mit einem Manne namens Joseph aus dem Hause Davids. Der Name der Jungfrau war Maria.
Betrachte die Jungfrau Maria im Gebet. Mit großer Sehnsucht erfleht sie die Ankunft des Erlösers. Vereinige deine Gebete mit den ihrigen und dein Verlangen mit dem Flehen ihres Herzens. Die Fülle der Zeiten ist gekommen. Der Ratschluß der Versöhnung des Menschen mit Gott ist besiegelt. Nach dem Plane Gottes begegnen sich seine Weisheit und seine Güte; seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit küssen sich (vgl. Psalm 84,11).
Betrachte, wie der eingeborene Sohn Gottes von seinem Vater die Sendung erhält, die gefallene Menschheit zu retten und wie Er den Glanz seiner Herrlichkeit ablegt, um zu werden wie einer von uns. Die Erde gehört Ihm als Eigentum; was will Er von ihr annehmen? In welcher Gestalt will Er erscheinen? O Mensch, der du dich allzeit nur erhöhen möchtest, lerne hier dich zu erniedrigen, wie Er es getan hat.
Der Sohn Gottes erwählt als Heimat ein verachtetes Städtchen in einem unbekannten Land. Und wer soll seine Mutter werden, wer ist die von Gott Erwählte? Es ist Maria, eine vor der Welt ganz verborgene Jungfrau. Aber sie ist die frömmste und demütigste von allen. Ihr Herz ist das reinste, das je auf Erden geschlagen hat. Frömmigkeit, Demut und Reinheit machen in den Augen Gottes das wahre Verdienst aus. Suche dir klarzumachen, worin das wahre Leben besteht. Fern sei von dir aller Stolz und alles ehrgeizige Streben.
1 Nach der Überlieferung ist das Haus, das Maria bewohnte, wunderbar nach Loreto gebracht worden. Sein unterer in den Felsen gehauener Teil ist noch in Nazareth zu sehen. Er befindet sich in der Krypta der Verkündigungskirche. Auf 17 Stufen von weißem Marmor steigt man hinab und kommt in die sogenannte Engelskapeile.



19.11.2018

4. Die Empfängnis des Vorläufers
(Lk 1)

II Zacharias kehrt nach Hause zurück
Das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, daß er so lange im Tempel verweilte. Als er herauskam, konnte er kein Wort zu ihnen reden. Da erkannten sie, daß er im Tempel eine Erscheinung gehabt haben müsse. Er winkte ihnen zu und blieb stumm.1Sobald die Tage seines Dienstes vorüber waren, kehrte er nach Hause zurück. Nach jenen Tagen empfing seine Frau Elisabeth.
Betrachte, was zwischen Zacharias und dem Volk vorgeht. Wenn der greise Priester sich nicht verständlich machen kann, so liegt dies nicht nur an der Lähmung seiner Zunge, sondern ohne Zweifel auch daran, daß er die Wundertaten der göttlichen Barmherzigkeit nicht auszudrücken vermag. Was Gott seinen Vertrauten von diesen Wundern offenbart, will er als Geheimnis bewahrt wissen.
Was tut Zacharias? Begleite ihn im Geiste nach Hause. Die zeitliche Strafe, die über ihn verhängt wurde, verleitet ihn weder zum Murren, noch zur Entmutigung. Sie trägt vielmehr dazu bei, seinen Glauben zu stärken und zu vervollkommnen. Sie hat alle seine Zweifel gelöst und die Hoffnung in seinem Herzen befestigt. Er eilt nun in die Einsamkeit, um die Worte, die ihm gesagt worden sind, zu betrachten. Mit Ergebenheit erwartet er die Erfüllung der göttlichen Verheißung. Beglückwünsche ihn und teile seine Freude.
Was tut nun Elisabeth? Kaum hat sie die Absichten, die Gott mit ihr hat, erfaßt, so steht ihr Entschluß fest, sich bei deren Ausführung in keiner Weise zu schonen. Sie demütigt sich vor der göttlichen Majestät, die sich gewürdigt hat, auf ein so armseliges Geschöpf in Gnaden herabzuschauen. Sie betet die Ratschlüsse der göttlichen Weisheit an, die bald schlägt, bald tröstet. Sie erwägt die Wohltaten Gottes und vertraut sich der göttlichen Vorsehung an. Die Zukunft wird sich so gestalten, wie Gott will. Elisabeth sieht sich nur als Werkzeug in der Hand Gottes. Dieses Bewußtsein erfüllt sie mit Vertrauen, bemächtigt sich ihrer Gedanken und ist Gegenstand ihrer Betrachtungen in den Tagen der Erwartung.
Preise Gott mit diesen zwei heiligen Seelen. Lerne von ihnen, dich den Händen der göttlichen Vorsehung zu überlassen, damit ihre Pläne auch an dir verwirklicht werden.
1 Beim Verlassen des Heiligrums sprach der Priester eine Segensformel. Zacharias konnte diese Formel nicht aussprechen.



18.11.2018

4. Die Empfängnis des Vorläufers
(Lk 1)

I Zacharias wird wegen seines unvollkommenen Glaubens getadelt
Zacharias entgegnete dem Engel: «Woran soll ich das erkennen? Ich bin ja alt, und auch meine Frau ist hochbetagt.» Der Engel erwiderte ihm: «Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen.»
Bei der Botschaft des Engels freut sich Zacharias; er glaubt seinem Wort, aber sein Glaube ist nur unvollkommen. Der vollkommene Glaube vertraut Gott bedingungslos, durch welches Mittel er sich auch offenbart. Gott hat zu Zacharias gesprochen; dieser bleibt jedoch mit seinen Gedanken bei Schwierigkeiten stehen, die er für unüberwindlich hält. Für einen Augenblick scheint er die Allmacht und Wahrhaftigkeit Gottes zu vergessen. Er weiß nicht, worauf er sich stützen soll, um von Herzen zu sprechen: «Ich glaube!» Er fragte zweifelnd: «Woran soll ich das erkennen?».
Erwäge, mit welcher Entschiedenheit Gott verlangt, daß man seine Worte gläubig annimmt. «Weil du aber meinen Worten nicht geglaubt hast, die zu ihrer Zeit in Erfüllung gehen werden, sollst du stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tage, da dies eintrifft.» Zacharias wird der Sprache beraubt, weil er dem Engel nicht aufs Wort geglaubt hat. So unnachsichtig ist Gott in der Bestrafung eines Zweifels an der Wahrhaftigkeit seiner Verheißungen. Ist dein Glaube nicht manchmal noch unvollkommener, als der des Zacharias? Hast du den Vorwurf des Engels nicht schon öfter verdient? Erforsche dein Gewissen und demütige dich!


17.11.2018

3. Die Ankündigung der Geburt des Johannes
(Lk 1)

II Der Engel kündigt die hohe Berufung des verheißenen Kindes an
«Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn.»
Begrüße mit Freuden den ersten Engel, der im Evangelium erwähnt wird. Er redet vom Geheimnis der Menschwerdung; er arbeitet mit an unserem Heil. Die Engel des Himmels werden von nun an unsere Beschützer sein.
Betrachte, daß der Engel gerade in dem Augenblick von Gott zu Zacharias gesandt wird, als dieser mit seiner Pflichterfüllung beschäftigt ist. Die treue Besorgung der Standespflichten, welcher Art sie auch sein mögen, zieht in besonderer Weise die göttliche Gnade herab und verdient den Beistand der heiligen Engel. Während der greise Priester arbeitet, erntet er die Frucht dessen, was er im Gebet gesät hat. Nimm teil an seiner Überraschung und seiner Freude! Dem Wort des Engels gemäß wird er die tröstliche Erfahrung machen, daß Gott getreu ist und ihm mehr gewährt, als er im Gebet erfleht hat.
Urteile selbst. Zacharias ersehnte einen Nachkommen; er erhält einen Sohn, der ein Mann Gottes, ein Apostel, ein Heiliger sein wird. Er verlangte nach diesem Sohn zu seinem persönlichen Trost; er wird ihm nun gegeben zum Trost vieler. Dieser Sohn wird die Ehre Gottes fördern und seinem Volk nützlich sein. Zacharias strömt über vor Freude. Er zählt nicht zu jenen Menschen, die für ihre Lieben — mit Hintansetzung des göttlichen Willens — nur vergänglichen Ruhm erträumen. Er hat erfaßt, daß das, was Gott gibt, Gottes Eigentum bleibt und daß er über uns und die Unsrigen verfügen kann, wie es ihm gefällt.
So urteilt und handelt die wahre Frömmigkeit; so urteile und handle auch du hinsichtlich aller, die Gottes Vorsehung dir anvertraut hat. Suche zu erkennen, was du für sie mit aller Kraft erstreben und tun sollst. Hat dich die ewige Weisheit zur Mitwirkung am Werk ihrer Erlösung erwählt, so zaudere nicht! Folge der göttlichen Leitung und opfere ihr alles, was sie verlangt!





16.11.2018

3. Die Ankündigung der Geburt des Johannes
(Lk 1)


I Ein Engel sagt Zacharias die wunderbare Empfängnis des Vorläufers voraus
In den Tagen Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Priesterklasse des Abias. Seine Frau stammte aus Aarons Geschlecht und hieß Elisabeth. Beide waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn.
Wende einen Augenblick deine Aufmerksamkeit den greisen Eheleuten zu, die Gott als seine ersten Mitarbeiter am großen Werk der Erlösung erwählt hat.
Wer sind sie? «Gerechte» nennt sie der Evangelist. Sie sind gerecht nicht bloß äußerlich und im rein gesetzlichen Sinn, sondern innerlich und wahrhaft. Man ist nur insofern wirklich gerecht, als man es in den Augen Gottes ist. Zacharias und Elisabeth waren gerecht, weil sie in vollkommener Abhängigkeit vom göttlichen Willen lebten. Das Gesetz Gottes war immer und überall die Richtschnur ihres Verhaltens. Ferner waren sie gerecht durch ihren Eifer im Dienst Gottes und durch die Makellosigkeit ihres Wandels. Solcher Seelen bedient sich Gott vorzugsweise zur Ausführung seiner Heilspläne.
Diese beiden Gerechten bewährten sich auch in der Prüfung. Sie waren jedoch kinderlos, denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren schon hochbetagt. Diese Bemerkung läßt der Evangelist einfließen, um dich anzueifern, den Wert der Leiden zu schätzen. Hat Gott nicht gerade darum die Erhörung ihres Gebetes so lange aufgeschoben, um sie desto reichlicher zu gewähren? Gott pflegt mit seiner Hilfe einzugreifen, wenn der Mensch am ehesten versucht ist zu verzweifeln. Die Prüfung, die den Herzen Zacharias' und Elisabeths so schmerzlich ist, wird für sie zu einem unvergleichlichen Glück und einer unvergänglichen Ehre.
Als einst seine Priesterklasse an der Reihe war und er vor Gott den heiligen Dienst tat, traf ihn nach der Sitte der Priesterschaft das Los, in den Tempel des Herrn zu gehen und das Rauchopfer darzubringen.1 Alles Volk aber stand zur Stunde des Rauchopfers draußen und betete.2 Da erschien ihm zur Rechten des Rauchaltars ein Engel des Herrn.
Festige dein Vertrauen auf die Güte Gottes und folge Zacharias in den Tempel. Vereinige dich mit der anbetenden Menge, die draußen steht. Alle flehen inständig um die Sendung des verheißenen Erlösers. Bete mit ihnen, seufze und flehe. Zeige dem himmlischen Vater die unzählbare Menge von Seelen, die verloren gehen. Biete dich an zur Mitwirkung an ihrer Rettung und Heiligung.
1 Das Räuchern war eine gottesdienstliche Verrichtung, welche für die Priester durch das Los bestimmt wurde. Zweimal täglich mußte dem Herrn im Tempel ein Rauchopfer dargebracht werden.
2 Im Vorhof des Tempels, außerhalb des Heiligtums.





15.11.2018

2. Der göttliche Ursprung Jesu
(Joh 1)


III Die Wohltaten, die das menschgewordene Wort der Welt spendet
Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden. Denen, die da glauben an seinen Namen, die nicht aus dem Geblüt, nicht aus dem Wollen des Fleisches und nicht aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und wir haben geschaut seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit.
Erfasse die Reichtümer der Gnade, welche die Menschwerdung des Wortes uns bringt. Durch seinen eingeborenen Sohn bietet uns der himmlische Vater die Annahme an Kindesstatt an. Der menschgewordene Sohn Gottes will uns das Recht auf die Erbschaft des Himmels wieder erkaufen. Er gibt dir die Versicherung, daß du in Wahrheit Kind Gottes und Erbe des Himmels bist. Es ziemt sich deshalb, daß du aus der Mittelmäßigkeit deines geistlichen Lebens heraustrittst. Fang an, dir deiner wahren Größe bewußt zu werden! Erwecke in dir das lebhafte Verlangen, aus dem irdischen Leben des Sohnes Gottes allen Nutzen zu ziehen und die himmlischen Schätze, die Er unter so unscheinbarer Hülle verbirgt, gebührend zu würdigen.
Dem Licht des Glaubens mußt du folgen, wenn du deinen Schöpfer und Herrn im Gewand der menschlichen Natur erkennen willst. Nicht irdische Wissenschaft lüftet den Schleier, der das Geheimnis der Menschwerdung deckt, dies vermögen nur demütiger Glaube, reine Absicht, stille Sammlung und eifriges Gebet.
«Wir haben Ihn gesehen», schreibt zum Schluß der Evangelist in heiligem Entzücken. Er hat recht, denn Ihn sehen und wissen, wer Er ist und was Er uns bringt, das ist der Anfang der höchsten Freude und die Bürgschaft aller Güter.




14.11.2018

2. Der göttliche Ursprung Jesu
(Joh 1)


II Der Evangelist erinnert an die Aufnahme, welche die Menschen dem Ewigen Wort bereitet haben
Ein Mann trat auf, von Gott gesandt. Sein Name war Johannes. Der kam, Zeugnis zu geben, Zeugnis für das Licht. Alle sollten durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht das Licht. Nur Zeugnis geben sollte er für das Licht. Das wahre Licht, das da erleuchtet jeden Menschen, kam in die Welt. Er war in der Welt. Die Welt ist durch Ihn geworden; und doch hat die Welt Ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen Ihn nicht auf.
Das Wort Gottes, also der Logos, wird Mensch, um sich der Welt zu offenbaren. Er ist das Licht, und sein Licht ist seine Lehre. Ihn zu sehen wird herrlich sein. Er wird Mensch, damit die Menschen auf Ihn hören! Ihn aufnehmen heißt an Ihn glauben.
Begrüße im Evangelisten Johannes den ersten Zeugen Jesu. Er ist in vorzüglicher Weise ein Mann des Glaubens. Aus seinem Beispiel lernen wir, dem menschgewordenen Wort Ehre zu erweisen. Aber ach! Der Evangelist fügt hinzu: «Die Welt hat Ihn nicht erkannt, die Seinigen nahmen Ihn nicht auf!» Das Beispiel des heiligen Johannes ist nicht von allen nachgeahmt worden. Es hat leider Menschen gegeben, die in ihrer Blindheit der unendlichen Herablassung Gottes gegenüber gleichgültig blieben. Er, der aus der Herrlichkeit des Himmels herabsteigt, wird von denen verstoßen, die Ihm alles verdanken. Der Evangelist weist daraufhin, um dich auf deine Pflicht aufmerksam zu machen. So nimm denn deinen Heiland auf und unterwirf Ihm deinen Verstand. Da Er zu dir sprechen will, so gebiete Schweigen der geheimen Stimme der Eigenliebe und aller menschlichen Voreingenommenheit. Vergiß nie, daß der Heiland bei dir in sein Eigentum kommt und daß dein Platz zu seinen Füßen ist. Empfange Ihn mit der demütigen und gläubigen Gesinnung eines Jüngers.





13.11.2018

2. Der göttliche Ursprung Jesu
(Joh 1)


I Der Evangelist beschreibt die ewige Zeugung des Wortes
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Durch dieses ist alles geworden, und ohne Es ward nichts von allem, was geworden ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Das Licht leuchtet in der Finsternis; allein die Finsternis hat es nicht ergriffen.
Bemühe dich, deine Seele von allem Vergänglichen loszureißen, damit sie sich zum Geheimnis der Gottheit zu erheben vermag. Der Evangelist lädt dich ein, dich zu dieser Höhe aufzuschwingen. Bete in tiefster Demut die sich offenbarende göttliche Majestät an. Bekenne mit lebendigem Glauben die Gottheit des Wortes, der zweiten Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Das Wort ist Gott, und weil es Gott ist, geschieht in unserm Leben nichts ohne seine Mitwirkung. Es ist nichts in dir, was nicht Ihm gehört, weil du nichts hast, was nicht von Ihm kommt. Und sieh, Er selbst will in demselben Maß unser sein, wie wir Ihm angehören. Er entschließt sich, in unsere Mitte herniederzusteigen. Gott sendet uns nicht einen Fürsten des Himmels, Ihn selbst sollen wir sehen. Von Ewigkeit her dachte Er an uns. Er liebte uns und war um unser Heil bemüht. Es genügte Ihm nicht, unser erster Freund zu sein. Nein, Er wollte unter allen auch unser Vertrautester sein. Er will unser Bruder werden. Er will Mensch werden, um unser Leben mitzuleben, uns ganz nahe zu sein.
Betrachte die Würde, zu der du durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes erhoben bist. Bereite dem menschgewordenen Wort in deinem Herzen den Platz, der Ihm gebührt. Öffne Ihm die Tore deiner Seele. Huldige Ihm und danke Ihm für alles, was du bist und hast.




12.11.2018

Das Leben Jesu
Betrachtungen zu den Evangelien

Titel der französischen Originalausgabe: Les Evangeliques
Nihil obstatt: G. Carceau
Imprimatur
Insulis, die 18 Augusti 1925
G. Delbroucq vic. gen.
P. Prosper Baudot S. J.
Freie Übertragung aus dem Französischen
Neu bearbeitet von P. Heinrich Mörgeli


I. TEIL
Das verborgene Leben Jesu

1. Einführung
(Lukas 1. Kapitel)

Der Evangelist hebt den Nutzen der Kenntnis und der Betrachtung des Evangeliums hervor
«Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über die Begebenheiten zu schreiben, die sich unter uns zugetragen haben, so wie sie uns von den ursprünglichen Augenzeugen und Dienern des Wortes überliefert wurden. So habe ich mich entschlossen, allen Ereignissen von ihren ersten Anfängen an sorgsam nachzugehen und sie für dich, edler Theophilus, der Reihe nach niederzuschreiben, damit du dich überzeugen kannst von der Zuverlässigkeit der Lehren, in denen du unterrichtet worden bist.»
Flehe zum Heiligen Geist um Erleuchtung und Segen zu deiner Betrachtung. Richte deine Aufmerksamkeit auf diese einleitenden Worte.
Der Evangelist fordert seinen Schüler auf, die Ereignisse zu erwägen, deren Erzählung er beginnt. Es wäre schmählich und nicht ohne Gefahr, die Tatsachen des Evangeliums nicht oder nur oberflächlich zu kennen. Sie wollen ernstlich erwogen und ergründet werden, bis man von ihrer Wahrheit tief durchdrungen ist und die Lehren, die sie enthalten, als Lebensregel annimmt. Mit einem Wort: man muß sie betrachten.
Im Evangelium wird dir gesagt: Gott ist dein Vater, du hast einen Erlöser, es gibt einen Himmel, den wir verdienen, und eine Hölle, der wir entgehen müssen. Weiter heißt es: Selig die Armen, liebt einander, seid keusch, seid gütig, verzeiht euren Feinden, flieht die Sünde mehr noch als den Tod. Diese Wahrheiten hast du längst gehört, aber bist du auch von ihnen durchdrungen? Wie willst du sie befolgen, wenn du sie nicht begriffen hast?
Mußt nicht auch du wissen, wie sehr Gott dich liebt? In den Blättern des Evangeliums hat Gott dir die Größe seiner Liebe geoffenbart, für dich sind sie geschrieben. Es kommt alles darauf an, daß du den Wert dieser Gnade, die Gott dir spendet, recht hochschätzt. Das Evangelium soll dein Licht, deine Freude, deine Sicherheit auf Erden sein. Du sollst Jesus, deinem Meister, ähnlich werden. Wie wirst du diese Aufgabe erfüllen können, wenn du dich nicht entschließt, seine Lehren und sein Beispiel in der Stille der Betrachtung zu erwägen? Opfere deinem göttlichen Meister gleich zu Beginn deinen Geist, dein Herz, deine Sinne und alle Kräfte deiner Seele auf, damit Er selbst sie auf dieses so notwendige Studium hinlenke. Jesus ist der beste Lehrmeister des Gebetes. Flehe Ihn an, Er möge dir den Sinn der göttlichen Dinge erschließen und dir die Betrachtung so anziehend machen, daß du von jetzt an nie mehr unterläßt, sie täglich treu und eifrig zu üben.
Freue dich! Was immer es Schönes im Himmel und auf Erden gibt, kann sich in deiner Seele widerspiegeln. Das Größte, was die Schöpfung hervorgebracht hat, wird sich dir zuneigen. Das Beste, was der Erde je zu eigen war, wird sich deinem Leben mitteilen. Verbanne jede Furcht, verscheuche alle Besorgnis, frohlocke in heiliger Freude!
Wie steht es mit dir? Hast du bis jetzt diese ernsten Dinge vielleicht mit Leichtsinn behandelt? Hast du von den im Evangelium erzählten Tatsachen eine nur verworrene, oberflächliche Kenntnis? Hast du der Betrachtung des Evangeliums die Lesung weltlicher, selbst gefährlicher Bücher vorgezogen? Der Augenblick ist gekommen, dich von solchen eitlen Dingen freizumachen, weil du dadurch leicht in die Irre gehen kannst oder mindestens deinen geistlichen Fortschritt beeinträchtigst. Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf den Heiland, der allein würdig ist, dein Herz und deine Gedanken zu erfüllen.
Fasse gleich zu Anfang dieser Betrachtungen den Entschluß, der göttlichen Güte, deren Wirken sich dir offenbaren wird, durch Großmut zu entsprechen.