Tagesheiliger, Spruch des Tages





Das Leben Jesu - Betrachtungen
2018/2019/2020





26.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)
III Jesus tadelt bei Seinen Aposteln das Streben nach Vorrang
Als die übrigen zehn das hörten, wurden sie über die beiden Brüder unwillig. Jesus rief sie darum zu Sich und sprach: «Ihr wisst, die Herrscher gebieten über ihre Völker und die Großen lassen sie ihre Macht fühlen. Unter euch soll es nicht so sein. Wer vielmehr unter euch groß sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht. So ist der Menschensohn auch nicht gekommen, Sich bedienen zu lassen, sondern vielmehr um zu dienen, ja Sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele.»
Beherzige die Worte des Heilands, Der die Gelegenheit benützt, Seine Jünger zur Demut zu ermahnen. Er wiederholt ihnen immer wieder, dass der wahre Ehrenplatz eines Apostels zu den Füßen Seiner Mitmenschen ist, dass Sein Ruhm darin besteht, den Armen und Hilfsbedürftigen, welche die göttliche Vorsehung ihm zuführt, zu dienen.
In der Kirche Jesu Christi ist die höchste Stelle die Stelle eines Dieners. Wer über seine Brüder erhoben wird, ist auch verpflichtet, ihnen zu dienen. Nach der christlichen Lehre besteht die Ausübung der rechtmäßigen Gewalt nicht darin, andere seine Macht fühlen zu lassen, sondern vielmehr darin, ihnen in Demut und Geduld Beweise der Liebe und Aufopferung zu geben.
Erforsche dich und sieh, wie tief du dich noch erniedrigen mußt, um den Forderungen des göttlichen Meisters gerecht zu werden.



25.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)

II Jesus stellt den Eifer der beiden Brüder auf die Probe
Jesus entgegnete: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?» Sie antworteten Ihm: «Wir können es.»
Der Heiland antwortet auf die Bitte der Mutter, indem Er zu ihren Söhnen sagt: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.» Sie stimmen mit den Wünschen ihrer Mutter überein, haben sie vielleicht gar zu der Bitte veranlasst. In dieser Familie wollen alle dem Heiland angehören und alle streben nach den Gütern, die Er vom Himmel auf die Erde gebracht hat.
Aber in ihre Bitte mischt sich noch menschlicher Ehrgeiz, deshalb stellt der göttliche Meister sie sanft zur Rede: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Ihr denkt an Ruhe, während euch noch schwere Kämpfe bevorstehen, und ihr verlangt gekrönt zu werden, bevor ihr noch gekämpft habt. Ihr träumt von Auszeichnungen und bedenkt nicht, dass ihr erst den Weg der Demütigungen gehen müsst.» So weist Jesus sie zurecht, ohne sie zu entmutigen.
Die Ehre eines Menschen besteht nicht darin, eine bevorzugte Stelle einzunehmen oder ein wichtiges Amt zu bekleiden, sondern vielmehr darin, dem himmlischen Vater Beweise von starker und großmütiger Liebe zu geben. Diese Wahrheit will der Herr ihnen ins Gedächtnis rufen, als Er sie fragt: «Könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde? Ihr verlangt, die ersten zu sein unter den Fürsten des himmlischen Hofes, ich biete euch aber noch Besseres an: wollt ihr Märtyrer werden? Ich gehe zum Kalvarienberg; wollt ihr mit Mir gehen? Ich habe Anrecht auf alle Ehren, aber Ich erwähle die Schmach. Wollt ihr Meinem Beispiel folgen? Könnt ihr es?» «Wir können es und wollen es», antworten die beiden Jünger. Was denkt und empfindet die fromme Mutter bei diesen Worten? Sie ist tief ergriffen und vereinigt sich aus ganzem Herzen mit dem Opfer ihrer Söhne. Der Gedanke, dass der Heiland ihre Kinder zu Seiner Nachfolge erwählt hat, erfüllt sie mit dankbarer Freude.
Jesus sprach zu ihnen: «Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, den Platz aber zu meiner Rechten oder Linken habe nicht Ich zu verleihen; der gebührt denen, für die er von Meinem Vater bereitet ist.» — Ihr wollt Mir dienen, und ihr werdet es tun, und ich werde euch zu dem machen, wozu Ich euch von vornherein bestimmt habe. Überlasst die Sorge für alles übrige Meinem himmlischen Vater.»
Freue dich mit den Aposteln, an die der Heiland diese Worte richtet! Was würdest du antworten, wenn auch an dich die Frage erginge: «Kannst du den Kelch trinken, den Ich trinken werde? Bist du fähig, für die Ehre Jesu Christi etwas zu leiden?» Wer danach strebt, dereinst an den ewigen Freuden des Himmels teilzunehmen, der muss hienieden den Mut haben, den Leidenskelch zu trinken. Erbitte dir vom göttlichen Meister diesen Mut und vertraue fest auf Seinen mächtigen Beistand.



24.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)

I Die Mutter des Jakobus und Johannes nähert sich Jesus mit einer Bitte
Da kam die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Ihm und fiel vor Ihm nieder, um Ihm eine Bitte vorzutragen. Er fragte sie: «Was willst du?» Sie antwortete Ihm: «lass meine beiden Söhne in Deinem Reich den einen zu Deiner Rechten und den andern zu Deiner linken sitzen.»
Tritt mit der frommen Frau und ihren beiden Söhnen vor den Heiland hin. Glücklich die Mutter, welche die Glorie des Himmels dem irdischen Ruhm vorzieht und ihren mütterlichen Ehrgeiz einzig auf dieses Ziel richtet. Jesus fragt sie: «Was wünschst du, dass Ich für deine Kinder tun soll?» Er bietet ihr Seine Hilfe an, wie Er stets bereit ist, uns bei einem schwierigen Werk zu unterstützen. Vernimm die Antwort der Mutter: «Herr, berufe meine Söhne an Deine Seite, wenn Du von Deiner Herrlichkeit Besitz genommen hast. Sie gehören dir, ich habe sie Dir gegeben, ich habe ihnen erlaubt, Dir nachzufolgen, ich gebe sie Dir heute unwiderruflich. Weise ihnen an Deinem Thron einen Ehrenplatz an, damit sie glücklicher seien als alle anderen bevorzugten Seelen. Gib ihnen mehr als Du allen übrigen gegeben hast!»
Mit Freude lauscht der Heiland dem Gebet einer Mutter. Er unterbricht sie nicht, denn ihre Wünsche gefallen Ihm. Trotzdem kann Er sie nicht erhören, denn die Gnade, die sie erbittet, ist schon anderen auserlesenen Seelen bestimmt. Aber ihr Mutterherz soll dennoch zufriedengestellt werden. Selbst die besten Wünsche müssen sich dem Willen des himmlischen Vaters unterordnen, erst dann haben sie wahre und dauernde Freuden im Gefolge.



23.05.2020
220. Jesus sagt nochmals seine Leiden voraus
(Mt 20, Mk 10, Lk 18)

II Jesus lässt zu, dass Seine Jünger Seine Worte nicht verstehen
Sie verstanden aber nichts davon. Diese Rede war für sie dunkel, und sie begriffen nicht, was Er damit meinte.
Die Jünger verstehen ihren göttlichen Meister nicht. Nachdem sie drei Jahre lang Seinen Belehrungen gelauscht haben, bleibt ihnen die Notwendigkeit der Buße und der blutigen Sühne ein undurchdringliches Geheimnis. Sie können es nicht begreifen, dass Gott in das Leiden die Kraft gelegt hat, die Sünden der Menschen zu sühnen. Immer wieder stellen sie die gleiche Frage: «Wozu all die Leiden, wozu all die Schmach?» Ihnen fehlt der wahre Glaubensgeist. Ihr Glaube ist noch ganz befangen in menschlichem Denken. Sie beurteilen das Übernatürliche vom natürlichen Standpunkt aus, und dadurch werden sie irregeleitet. — Das Wort des Heilands allein muss die einzige feste Grundlage unseres Glaubens sein, denn es bringt unserem Geist Licht und Verständnis. Diese Wahrheit haben die Jünger noch nicht begriffen.
Ihnen fehlt ferner die innere Sammlung. Sie haben die Lehren des Herrn nicht genügend durchdacht, und deshalb sind sie so schnell ihrem Gedächtnis entschwunden. Die Übung der Abtötung und Selbstverleugnung ist ihnen nicht genügend vertraut, und daher erfassen sie die wohltätige Kraft des Kreuzes nicht.
Erbitte dir vom Heiland das Verständnis, das seinen Jüngern mangelt. Erflehe den Beistand des Heiligen Geistes, um die göttliche Lehre in dich aufzunehmen. Willst du nicht endlich die Großmut Jesu Christi nachahmen, die sich zu allen Opfern für das Heil der Seelen anbietet? Nimm wenigstens aus Seiner Hand dankbar dein tägliches Kreuz an; Er hat es gesegnet und reicht es dir hin.



22.05.2020
220. Jesus sagt nochmals seine Leiden voraus
(Mt 20, Mk 10, Lk 18)

I Jesus spricht zu seinen Jüngern von seinem bevorstehenden Leiden
Er nahm die Zwölf beiseite und sprach zu ihnen: «Wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben.»
Wenn du dich dem Heiland auf Seinem Weg näherst, so wird es dir auffallen, wie schnell Er voranschreitet, und du fragst dich unwillkürlich, welchem Ziel Er so eifrig zustrebt. Er geht, um für uns zu leiden und zu sterben. Noch einmal sagt Er es Seinen Jüngern voraus, damit sie sich daran erinnern, wenn für sie selbst der Augenblick gekommen sein wird, Sein Los zu teilen. Er versammelt sie um Sich. Nähere dich dem Heiland mit ihnen und lausche Seinen Worten: «Alles, was von Mir geschrieben steht, wird sich erfüllen. Was ihr in den Propheten gelesen habt und was euch mit Entsetzen erfüllte, wird sich vor euren Augen verwirklichen.»
Jesus spricht mit aller Bestimmtheit von Seinem bevorstehenden Leiden. «So wird es sich zutragen und in einem solchen Zustand werdet ihr Mich sehen; es muss so sein. Ich habe freiwillig diese Leiden und diesen Tod gewählt und Ich sehne mich danach, sie zu erdulden.» Suche das Geheimnis dieser Sehnsucht zu ergründen. Was lässt den Herrn die Schmerzen und die Schmach des Kreuzes so bereitwillig und mutig auf sich nehmen? Es ist die Liebe Seines Herzens. Über dem Kalvarienberg erstrahlt die Ehre Seines Vaters, und durch alle Schrecken und Leiden hindurch fällt Jesu Blick auf die Seelen, denen Sein Tod das Leben schenkt. Für Gott und für die Menschen; das ist die Ursache für Seine Entschlossenheit.
Man gibt sich im selben Grad hin, wie man liebt. Weil der Heiland unendlich liebt, ist Seine Hingabe ohne Maß. Die Liebe Seines Herzens schlägt Jesus ans Kreuz, und diese Liebe enthüllt Er uns, wenn Er von seinem Leiden spricht. Sage Ihm Dank und entzünde dein Herz an der Glut Seines göttlichen Herzens.



21.05.2020
219. Die letzte Reise des Herrn
(Lk 9)

II Jesus wird von den Samaritern abgewiesen
Allein man nahm Ihn nicht auf, weil Er auf der Wanderung nach Jerusalem war. So zogen sie denn in eine andere Ortschaft.
Betrachte den Heiland, wie Er vor den Toren der Stadt steht, in die man Ihn nicht einlassen will. Warum wollen die Einwohner nichts von Ihm wissen und warum weisen die Menschen Ihn zurück, Der gekommen ist, sie zu erlösen? Sie kennen Ihn nicht, sie wissen nicht, woher Er kommt, wohin Er geht und welches Seine Lebensaufgabe ist. Wenn sie dem Herrn nur ein wenig Zeit ließen, zu ihnen zu sprechen, wenn sie Ihm für kurze Zeit in ihrem Haus Gastfreundschaft gewährten, um Seiner Lehre zu lauschen, dann würden sie Ihn erkennen und lieben. Aber statt dessen verschließen sie ihre Türe vor Ihm wie vor einem lästigen oder gefährlichen Menschen. Sie weisen Ihn ab, weil sie sich selbst nicht kennen und nicht wissen, wie sehr sie eines Erlösers bedürfen. Ihr geistiges Elend kommt ihnen gar nicht zum Bewusstsein. Sie halten sich selbst für gerecht und es kümmert sie nicht, ob es noch einen höheren Begriff von Gerechtigkeit gibt. Wie beklagenswert sind diese Menschen.
Wirf einen Blick in dein Inneres! Gleicht deine Seele nicht jener ungastlichen Stadt, welche die entgegenkommende Liebe des Heilands abweist? Wenn du dir in dieser Beziehung Vorwürfe machen müsstest, so bitte Gott demütig um Verzeihung. Mache es dir zur heiligen Pflicht, Ihn durch deine Liebe zu trösten für die Kälte, mit der so viele Seelen Ihm begegnen, und versuche, Ihm durch sanfte Überredung in den Herzen derer, die du liebst, gastliche Aufnahme zu bereiten. Leiste deinem himmlischen Vater für die verletzte Ehre seines eingeborenen Sohnes Genugtuung durch Akte innigster Liebe.



20.05.2020
219. Die letzte Reise des Herrn
(Lk 9)

I Jesus begibt Sich auf den Weg nach Jerusalem und bittet die Samariter um Gastfreundschaft
Die Tage Seiner Aufnahme kamen näher heran. Da hatte Er fest im Sinn, nach Jerusalem zu reisen, und sandte Boten vor Sich her. Diese machten sich auf den Weg und kamen in eine Ortschaft der Samariter, um eine Herberge für Ihn zu bereiten.
Für den Heiland ist die Stunde gekommen, den Weg zum Kalvarienberg einzuschlagen. Er weiß, was Seiner wartet. In der Einsamkeit hat Er sich auf die Schmach Seines Leidens vorbereitet, und Er sieht allem mit Fassung entgegen. Er bietet Sich dem himmlischen Vater zum Opfer an und erneuert Seinen Entschluss, für uns zu sterben.
Begleite den Heiland auf Seinem Leidensweg! Du lernst da, der Eigenliebe abzusterben und dein Blut für die Ehre Gottes zu vergießen. Dort weiht Jesus die Seinigen in das unaussprechliche Glück eines heroischen Opferlebens ein. Jesus durchwandert auf Seiner Reise das Land der Samariter, wo die bloße Tatsache, dass Er nach Jerusalem geht, Ihn unerwünscht macht. Sobald die Bewohner dieser Gegend sehen, dass man gewissenhaft in der Erfüllung seiner religiösen Pflichten ist und mehr an die Ewigkeit als an das Zeitliche denkt, verschließen sie ihre Türen. Trotzdem schlägt der Heiland keinen anderen Weg ein, sondern betritt kühn ihr Gebiet. Bist auch du bereit, schweigend die Verachtung derjenigen zu ertragen, mit denen du zusammenleben musst, und dich durch nichts von dem Weg abbringen zu lassen, der zur Vollkommenheit führt.






19.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

III Jesus entgeht den Nachstellungen Seiner Feinde
Darum bewegte sich Jesus nicht mehr öffentlich unter den Juden, sondern zog sich von dort in die Gegend nahe der Wüste in eine Stadt mit Namen Ephrem zurück.
Folge dem Herrn in die Einsamkeit, wohin Er sich zurückzieht, und verkoste das tiefe Glück des vertrauten Umgangs mit dem Heiland.
Bewundere in Vereinigung mit Ihm die göttliche Vorsehung, die selbst die Anschläge der Gottlosen ihren geheimnisvollen Absichten dienstbar macht. Der himmlische Vater hat um unseres Heils willen in den blutigen Tod Seines vielgeliebten Sohnes eingewilligt. Bringe Ihm den Dank der ganzen Menschheit dar, und bitte Ihn, dass deine Seele und die Seelen aller, die dir anvertraut sind, durch die sühnende Kraft des Blutes Jesu Christi gerettet werden. Sei bereit, gleich deinem Erlöser Hass und Verfolgung zu ertragen, und opfere dich ganz zur größeren Ehre Gottes auf.



18.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

II Kaiphas und die Mitglieder des Hohen Rates beschließen, Jesus zu töten
Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, erwiderte ihnen: «Ihr versteht nicht und bedenkt nicht, dass es für euch besser ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. Von diesem Tag an waren sie entschlossen, Ihn zu töten.
Der Hohepriester ergreift das Wort und ruft voller Stolz den Mitgliedern des Rates zu: «Ihr wisst nichts.» Sie sind seiner Ansicht nach zu ängstlich. Keiner von ihnen wagt es offen, von einer Hinrichtung Jesu zu sprechen. Nicht, als ob ihr Gerechtigkeitsgefühl sie davon abgehalten hätte; sie fürchteten nur, das Unternehmen möchte misslingen. Es liegt ihnen wenig am Leben des Heilands, aber sie sind sich bewusst, daß Sein Tod vielleicht ernstliche Unruhen heraufbeschwören würde. Kaiphas wird über ihr Zögern ungeduldig: «Versteht ihr denn nicht, dass es besser ist, wenn ein Mensch für das ganze Volk stirbt?» ruft er ihnen zu. Nein, sie begreifen es nicht, und er selbst ist nicht imstande, die Bedeutung seiner Worte zu erfassen.
Erhebe deine Gedanken zum himmlischen Vater, Der bei jeder Beratung den Vorsitz führt, Dem alle Pläne und Beschlüsse bekannt sind und Der die Herzen der Menschen lenkt. Hätten der Hohepriester und seine Ratsherren begriffen, dass es eines Sühnopfers bedurfte, um für ihre eigenen Sünden und die Sünden des Volkes Genugtuung zu leisten, dann hätten sie wohl in Jesus dieses Opfer erkannt und Gott gedankt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn für sie dahingab. Sie hätten ein Bußgewand angelegt und wären Jesus voll Andacht und Liebe zum Opferaltar gefolgt. Aber sie sind zu stolz, um ihre Sünden zu erkennen und einzugestehen. In ihren Augen ist Jesus der Schuldige. Die ewige Weisheit wird trotzdem ihre barmherzigen Absichten ausführen. Alle, die daran glauben, werden das Heil erlangen. Bete für die Bekehrung der Ungläubigen!



17.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

I Jesus wird im Hohen Rat angeklagt
Da beriefen die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat und sagten: «Was fangen wir an, da dieser Mensch so viele Wunder wirkt? Lassen wir Ihn so gewähren, dann werden alle an Ihn glauben. Alsdann kommen die Römer und nehmen uns Land und Volk.»
Die Feinde des Heilands beschließen endgültig Seinen Tod. Ihr Beispiel zeigt dir, wohin Stolz, Eifersucht, Ehrgeiz und Parteilichkeit den Menschen führen können. Diese ungerechten Richter machen dem Herrn einen Vorwurf daraus, dass Er Wunder wirkt und durch Sein Wort die Seelen an sich zieht. Hätte nicht der gewaltige Einfluss der Lehre Jesu, die selbst widerstrebende Herzen zur Übung der schwersten Tugenden bewog, und die Fülle der von Ihm gewirkten Wunder sie von der Göttlichkeit seiner Sendung überzeugen müssen?
Aber wenn Er die Menge für Sich gewinnt, so werden diejenigen, die bisher das Volk täuschten, ihren Einfluss verlieren. Wenn Er die Demütigen erhöht, muss Er die Stolzen erniedrigen; wenn Er dem Reich der Ungerechtigkeit ein Ende macht, so müssen die Vertreter dieser Herrschaft das Feld räumen. Zwischen Jesus und Seinen Feinden entfesselt sich ein Kampf auf Leben und Tod. Daher fragen sie sich: «Was sollen wir tun? All unsere Versuche, Seine Anhänger von Ihm abwendig zu machen, sind fehlgeschlagen, Er ist in der Achtung des Volkes nur gestiegen. Alle Zweifel, die wir gegen Seine Wunder vorbrachten, haben nur dazu gedient, sie noch glaubwürdiger zu machen. Das Volk ist für Ihn, und wenn wir nicht rechtzeitig einschreiten, wird es sich gegen uns empören. Was sollen wir tun?»



16.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

III Jesus erweckt den Lazarus
Jesus gebot: «Hebt den Stein weg!» Martha, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete Ihm: «Herr, er riecht schon. Er liegt ja bereits vier Tage.» Jesus erwiderte ihr: «Habe Ich dir nicht gesagt: Du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du glaubst?»
Verfolge das große Wunder der Totenerweckung in all seinen Einzelheiten. Der himmlische Vater will Seinen eingeborenen Sohn vor allem Volk verherrlichen. Die göttliche Allmacht ist bereit, das Werk, das der Tod vernichtet hat, wieder herzustellen. Die Betrübten sollen getröstet werden, denn der Tote wird auferstehen. Er wird die Stimme des Menschensohnes vernehmen, Der im Auftrag Seines Vaters spricht.
Jesus befiehlt den Juden: «Hebt den Stein weg!» Und Jesus beginnt zu beten, um uns zu zeigen, dass alle Wunder, die Er wirkt, alle Kraft und alles Leben, die von Ihm ausströmen, eine Frucht des Gebets sind. — «Vater, Ich danke Dir, dass Du Mich erhört hast. Ich aber wusste, dass Du Mich allezeit erhörst. Aber wegen des Volkes, das dabeisteht, habe Ich es gesagt, damit es glaube, dass Du Mich gesandt hast.» Jesus lehrt dich, wie du beten sollst, wenn du von der göttlichen Allmacht ein Wunder begehrst. Ehe Er Seine Bitte stellt, bringt Er der göttlichen Güte Seine Huldigung dar. Beachte ferner, dass der Heiland durch dieses Wunder uns im Glauben befestigen will! Die Bedeutung der Wunder besteht darin, uns von Seiner Gottheit zu überzeugen. Er wirkt sie keineswegs, um die Neugier der Menschen zu befriedigen.
Als Er dies gesagt hatte, rief Er mit lauter Stimme: «Lazarus, komm heraus!» Und sogleich kam der Verstorbene heraus, gebunden mit Grabtüchern an Händen und Füßen, und sein Angesicht war mit einem Schweißtuch bedeckt. Da sprach Jesus zu ihnen: «Macht ihn los und lasst ihn gehen.» — Vernimm die Stimme des göttlichen Meisters, die dem Tod gebietet, und betrachte denjenigen, der von den Gefilden der Ewigkeit zurückgerufen wurde! Noch ist sein Haupt mit einem Schweißtuch umhüllt, und seine Hände und Füße sind in Grabtücher eingebunden, aber in sein Antlitz kehrt das Leben zurück, er erhebt seine Stimme, um seinem Wohltäter zu danken. So steht Lazarus vor denen, die sein Hinscheiden so sehr beweint haben. Seine Auferstehung soll deinen Glauben beleben und dich bestärken in der Gewissheit, dass auch du einst zu ewigem Leben erstehen wirst. Nimm teil an der allgemeinen Freude und bitte den Sohn Gottes, dass Er dich heute noch von der Lauheit zu neuem Leben erwecken möge.



15.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

II Jesus am Grab des Lazarus
Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, wurde Er innerlich tief ergriffen und erschüttert. Er fragte: «Wo habt ihr ihn hingelegt?» Sie erwiderten Ihm: «Herr, komm und sieh!» Jesus brach in Tränen aus. Da sagten die Juden: «Seht, wie lieb Er ihn hatte!»
Trauer herrscht in den Herzen aller, die bei Jesus weilen. Betrachte deinen Heiland im Umgang mit den Betrübten. Da ist Er so ganz an seinem Platz; denn Sein himmlischer Vater hat Ihn auf die Erde gesandt, um allen Trauernden Trost und Hilfe zu bringen. Er blickt sie an, Er hört ihnen zu, und Er empfindet mit ihnen. Jesus ist wahrhaft einer der Unsrigen geworden und hat unsere Schmerzen zu den Seinen gemacht.
«Wo habt ihr ihn hingelegt?» fragt Er die Juden. «In dem Verstorbenen, den ihr so schmerzlich beweint, habe auch Ich einen Freund verloren.» Und sie fordern Ihn auf: «Komm und sieh.»
Geh mit Jesus zum Grab. Zeige Ihm, was der Tod aus dem Menschenleben macht, wie grausam er uns diejenigen entreißt, die wir lieben, und mit welcher Geringschätzung er alle Größe, alle Schönheit, allen Reichtum in Staub und Fäulnis verwandelt. Erinnere den Heiland an all die Tränen, die Schmerz und Leid den Menschen erpresst, an all die Klagen, die unaufhörlich aus gequälten Menschenherzen zum Himmel steigen. Sprich zu Ihm: «Meister, komm und sieh, heile unsere Wunden und trockne unsere Tränen.»
Und Jesus brach in Tränen aus. Das ist Seine Antwort. Seine Tränen sollen dir beweisen, dass Er an deinem Kummer innigen Anteil nimmt und deinen Schmerz lindern will. Du möchtest, dass Er dich und die Deinen vor dem Tod, dieser Folge der Sünde bewahre. Jesus hingegen bittet dich durch seine Tränen, der Sünde, dieser Ursache des Todes, zu entsagen.
Sieh wie Er weint! Knie schweigend vor den Heiland hin, lass Seine Tränen einem erquickenden Tau gleich in deiner Seele alles Gute beleben. Frohlocke, weil du die Gewissheit hast, dass das reinste und zärtlichste aller Herzen dich liebt! So wie Er Lazarus und seine Schwestern liebte, so liebt Er dich.



14.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

I Die Klage der Maria
Mit diesen Worten ging sie weg, rief ihre Schwester Maria und sagte ihr leise: «Der Meister ist da und ruft dich.» Kaum hatte jene das gehört, da erhob sie sich rasch und ging zu Ihm. Sobald Maria an den Ort kam, wo Jesus war, und Ihn sah, fiel sie Ihm zu Füßen mit den Worten: «Herr, wärest Du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben.»
Martha eilt zu ihrer Schwester Maria, um ihr schnell die frohe Nachricht von der Ankunft des Herrn zu bringen und ihr zu versichern: «Seine Liebe zu uns hat nicht abgenommen, Seine Wunderkraft ist nicht geschwächt. Er hat von der Auferstehung der Toten gesprochen. Er lässt dich rufen; Er weiß, wie sehr du leidest, und will dich trösten.» Teile die Freude Marias über diese Worte! Es wurde ihr gewiss nicht schwer, sich den menschlichen Trostworten ihrer Freunde zu entreißen. Begleite sie auf ihrem Weg zum Heiland, und sieh, wie sie sich demutsvoll Ihm zu Füßen wirft, Ihn anbetet und mit Ihm spricht. Zur Zeit des Trostes begnügte sie sich damit, Ihm zuzuhören; aber jetzt, da die Trübsal über sie hereingebrochen ist, spricht sie Ihn an: «Herr, wärest Du hier gewesen!» Sie redet gerade wie ihre Schwester. Obgleich der Heiland sie größerer Vertraulichkeit gewürdigt hat, so bleibt diese Prüfung doch ein Geheimnis für sie. Sie begreift nicht, wie Jesus sie so leiden lassen kann, und klagend fragt sie: «Meister, warum bist Du nicht gekommen?» Jesus antwortet nicht, Er ist gerührt und nimmt teil an ihrem Schmerz. Vereinige dich in schweigender Anbetung mit Maria, deren Herz um den verstorbenen Bruder weint und dennoch weder in Worten noch in Tränen Bitterkeit äußert. Trotz ihres Kummers sind ihr Glaube und ihr Vertrauen stark und lebendig, ihre Liebe glühend. Suche aus ihrem Beispiel für deine Seele Nutzen zu ziehen!


13.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

III Jesus prüft Marthas Glauben
Jesus sprach zu ihr: «Dein Bruder wird auferstehen.» Martha entgegnete Ihm: «Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.» Jesus sprach zu ihr: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Und jeder, der im Glauben an Mich lebt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das?» Sie antwortete Ihm: «Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Messias bist, der Sohn des lebendigen Gottes, Der in die Welt kommen soll.»
Martha beklagt sich, wie sich die Heiligen beklagen, und Jesus tröstet sie, wie nur der Sohn Gottes zu trösten vermag: «Dein Bruder wird auferstehen.» Nimm dieses Wort tief in dich auf und erfreue dich daran! Was du verloren glaubst, ist nicht verloren, was du als tot betrachtest, wird leben.
Merke, wie einfach und bestimmt Jesus die zukünftige Auferstehung vorhersagt. Die Zukunft birgt für Ihn kein Geheimnis. Wohl wird es großer Wunder bedürfen, um Ssein Versprechen wahrzumachen, aber Gott ist ja allmächtig und gibt ebenso leicht das Leben wieder, wie Er es nimmt. Ein Wort genügt, um wieder herzustellen, was durch ein Wort geschaffen wurde.
Wie nimmt Martha die göttliche Verheißung auf? Es ergeht ihr wie so vielen Menschen, denen Gott zu lange zu zögern scheint. Wohl lebt in ihren Herzen die Hoffnung; aber die Erfüllung scheint noch fern. — «Ich weiß, dass mein Bruder auferstehen wird», sagt sie. «Ich weiß, dass all unsere Leiden ein Ende haben und alle Zweifel eine Lösung finden werden; aber dieser Zeitpunkt ist noch ferne.» Höre nun, wie der Heiland antwortet: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Meine Ankunft soll der Welt das Leben bringen, die Toten werden auferstehen, und alle Trauernden und Weinenden werden Trost finden.» Und dann fügt Er hinzu: «Glaubst du das?»
Bringe dem Heiland mit Martha die Huldigung eines vollkommenen Glaubens dar und vertraue Seiner Liebe alle deinen Hoffnungen und Wünsche an.



12.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

II Jesus kommt nach Bethanien und begegnet Martha
Als Jesus ankam, fand Er ihn schon vier Tage im Grab liegend. Sobald Martha von der Ankunft Jesu hörte, ging sie Ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus.
Schlage mit dem Heiland und Seinen Jüngern den Weg nach Bethanien ein. Für Den, Der alles kann, ist es nie zu spät. Jesus hat Sein Kommen nur aufgeschoben, weil Er entschlossen ist, ein Wunder zu wirken. Das Tote wird in größerer Schönheit durch Ihn wieder erstehen. Bitte Ihn, dein Vertrauen zu stärken.
Wohne im Geist dem Zusammentreffen des Herrn mit Martha bei und höre, wie jene ausruft: «Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Doch auch jetzt weiß ich, dass Gott Dir alles gewährt, worum Du Ihn bittest.» Von Martha kannst du lernen, wie du dem lieben Gott dein Leid klagen kannst, ohne dich über Seine Anordnungen zu beklagen. Martha leidet, aber sie klagt in sehr zarter, liebevoller Weise, ohne zu murren und ohne ihrem göttlichen Meister Vorwürfe zu machen. Sie unterwirft sich dem geheimnisvollen Walten der göttlichen Vorsehung. Ihre Klage drückt tiefes Erstaunen, aber kein Misstrauen aus. Im größten Schmerz vergisst sie nicht der zahlreichen Wohltaten, die sie von Jesus empfangen, und ihre Liebe und Dankbarkeit kann durch nichts vermindert werden. — «Ich weiß, dass Du alles kannst», versichert sie dem Herrn. «Es ist mir zwar nicht verständlich, warum Du diese Prüfung zugelassen hast, aber ich weiß, dass Du uns ebenso sehr liebst wie in den Tagen des Glücks. Du hast Dich nicht verändert, und was Du damals konntest, das ist Dir auch jetzt noch möglich.»
Lausche, wie Martha spricht; betrachte Jesus, wie Er zuhört. Eröffne auch du Ihm dein Herz, wie sie es tut.



11.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

I Jesus erhält Mitteilung von der Krankheit des Lazarus
Da war ein Kranker, Lazarus von Bethanien, dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. Maria war es, die den Herrn mit Öl gesalbt und Seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte.
Begib dich mit den Boten Marias und Marthas zum göttlichen Meister. Es handelt sich darum, Sein Herz zum Mitleid zu bewegen. Denn Lazarus ist erkrankt, und seine beiden Schwestern, die Jesus ebenso liebt wie ihren Bruder, bitten Ihn, dem Kranken zu helfen. Schwere Trübsal ist über das Haus hereingebrochen, in dem der Herr so innig geliebt wird und wo Er schon so manches Mal gastfreundlich aufgenommen wurde. So werden auch die Freunde Jesu von Leid nicht verschont. Aber ist nicht Jesus die unerschöpfliche Quelle wahren Trostes für alle Leidenden?
Da schickten seine Schwestern zu Ihm und ließen Ihm sagen: «Herr, den Du liebhast, der ist krank.» Vernimm, wie die Abgesandten der beiden Schwestern ihre vertrauensvolle Bitte dem Heiland wortgetreu überbringen: «Herr, den Du liebhast, der ist krank!» Gott verlangt von uns nicht viele Worte. Er liebt uns, und da genügt es, Ihm demütig unsere Not zu klagen. Wenn du eine schwere Arbeit zu leisten hast, wenn irgendein Leid dich drückt, wenn in deinem Herzen eine unerträgliche Leere entstanden ist, wenn es sich darum handelt, einen Sieg zu erringen oder gar ein Wunder zu wirken, dann sprich ganz einfach und kindlich zum himmlischen Vater: «Der, den Du liebhast, ist krank. Du hast schon so sehr viel für ihn getan, aber Du siehst, dass Dir noch etwas zu tun übrigbleibt.» Und dann harre vertrauensvoll auf die Erhörung deiner Bitte.
Wie lautet die Antwort des Herrn? «Diese Krankheit ist nicht zum Tod, sondern zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.» — Jesus erklärt den Sinn des Leidens. Wie der Mensch zur Ehre Gottes lebt, so soll er auch zur Ehre Gottes leiden. Die Ehre Gottes ist der Zweck der ganzen Schöpfung, aller Freuden und aller Leiden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet der Gerechte seine irdische Laufbahn, und deshalb murrt er niemals. Wenn Gott einerseits unsere Leiden zu seiner Ehre gereichen lässt, so dient andererseits Seine Ehre unserem Glück und unserer Seligkeit. Lass also Jesus machen, lass Ihn verfahren, wie Er will, um dein Glück zu gestalten.



10.05.2020
215. Die Verheißung des Hundertfachen
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus verspricht denen, die alles um Seinetwillen verlassen, hundertfachen Lohn
«Wahrlich, Ich sage euch: Niemand verlässt um des Reiches Gottes willen Haus, Eltern, Brüder, Frau oder Kinder, ohne dass er dafür in dieser Welt viel mehr empfängt und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.»
Jesus verspricht Seinen Jüngern feierlich: «Ich werde euch in dieser und der anderen Welt das Hundertfache wiedergeben. Was ihr Mir gegeben habt, hatte wenig Wert, aber was ich euch wiedergeben werde, ist unschätzbar. Ihr verlangt nach Ehre, ihr sollt sie finden, ihr verlangt nach Glück, ihr sollt es genießen.» Stelle dir die Freude der Apostel vor, als sie diese ermutigenden Worte vernehmen und freue dich, dass dieses Versprechen auch dir gilt!
Jesus sagt: «Jetzt, in dieser Zeit.» Beachte dieses Wort! Frage alle, die Ihm nahestehen, ob der Sohn Gottes sie getäuscht habe. Nach der Himmelfahrt des Herrn war ihr Leben zwar eine Kette von blutigen Verfolgungen, harten Kämpfen und heldenmütiger Entsagung. Sie wurden mit Schmach überhäuft und starben in qualvollen Martern. Und doch wird jeder einzelne dir versichern, dass er wirklich das Hundertfache erhalten habe. So lerne denn, worin das wahre Glück, der wahre Ruhm und das wahre Leben besteht! Willst du nicht nach dem Beispiel der Apostel im Hinblick auf die göttlichen Verheißungen dem Heiland folgen und die Sorgen um irdischen Besitz und irdisches Wohlergehen fahrenlassen? Willst du nicht endlich diese schwere Last abwerfen, die deinem Streben nach Vollkommenheit hinderlich ist? Mache dein Herz frei, und erhebe deine Gedanken zu den Belohnungen, die der himmlische Vater allen großmütigen Seelen bereitet! Denke an die Zukunft, und wirf die kleinlichen Sorgen der Gegenwart hinter dich! So will es der Heiland.



09.05.2020
215. Die Verheißung des Hundertfachen
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus spricht mit den Aposteln von dem Lohn, der ihrer harrt
Da sagte Petrus: «Wir haben unser Eigentum verlassen und sind Dir nachgefolgt. Was wird uns dafür zuteil werden?»
Erinnere dich an das vorangegangene Ereignis! Eine Seele, die Jesus zu Seiner vollkommenen Nachfolge berief, hat nicht den Mut gehabt, Ihm zu folgen. Da tritt Petrus an den göttlichen Heiland heran mit der Frage: «Was wirst Du uns geben, die wir alles verlassen haben, um Dir zu folgen?» Als Petrus sich dem Heiland anschloss, war es ihm nicht nur um Hingabe zu tun, er wollte auch etwas empfangen. «Welchen Nutzen habe ich von all den Opfern und Entbehrungen, die ich auf mich genommen habe? Mein Wille braucht einen mächtigen Ansporn, um das Werk, das ich aus Liebe begonnen, glücklich durchzuführen. Ich muss eine Belohnung als Preis für meine Mühen in Aussicht haben. Was wirst Du uns geben?» Und er hat recht, diese Frage zu stellen. Petrus, wie auch die anderen Apostel, verdienen aus dem Mund des Heilands eine ermutigende Antwort zu erhalten. Sie haben wirklich alles für Ihn verlassen. Wenn sie auch nicht vieles zu verlassen hatten, so haben sie doch alles verlassen, und zwar aufrichtig und von ganzem Herzen. Freilich bleibt ihnen noch, sich selbst zu verlassen. Sie sind noch schwach, leicht entmutigt, schwankend und unbeständig in ihren Vorsätzen und Ansichten, aber sie haben den guten Willen, auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten. Sie lieben ihren Meister, und sie setzen ein unbegrenztes Vertrauen in Ihn, so wird der Erfolg nicht ausbleiben.



08.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

III Jesus beklagt die Willensschwäche des reichen Jünglings
Als der Jüngling dieses Wort gehört hatte, ging er traurig davon. Er hatte nämlich viele Besitztümer. Jesus aber sprach zu Seinen Jüngern: «Wahrlich, Ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich eingehen!»
Der Jüngling wird traurig bei den Worten des Heilands. Er hat zwar den Wunsch, vollkommen zu werden, aber ihm fehlt das ernste Wollen. Die Furcht vor dem Opfer hält ihn zurück auf dem Weg, den alle wandern, und er verzichtet darauf, sich auszuzeichnen.
Sieh, wie er seine Schwäche beklagt! Er erkennt besser als zuvor die Schönheit eines vollkommenen Lebens, aber er findet nicht den Mut, sich mannhaft dafür zu entscheiden. Er schämt sich seiner Feigheit, wie denn Trauer und Selbstvorwürfe stets der Anteil schwacher Seelen sind, die Freude entflieht zugleich mit dem Mut. Folge dem Jüngling mit den Blicken, und vergleiche die Reichtümer dieser Erde, die er nicht opfern will, mit den ewigen Schätzen, die er sich entgehen lässt. Er hat sein Herz an seine Güter gehängt und kann es nicht davon losreißen. Nur was man ohne Anhänglichkeit besitzt, verlässt man ohne Bedauern. «Wahrlich Ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich eingehen.» Lerne also beizeiten, den rechten Gebrauch von den Gütern zu machen, die Gott dir verliehen hat! Sie sollen dir, wie alles in der Welt, dazu dienen, das ewige Leben zu erwerben. Sie sollen dir ein Mittel sein, mache kein Hindernis daraus! Einigen auserwählten Seelen werden sie zum Gegenstand eines großmütigen Opfers, durch das sie Gott auf ganz vorzügliche Weise ehren und den unermesslichen Reichtum Seiner Liebe und Gnade auf sich herabziehen.



07.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus zeigt ihm den Weg zur Vollkommenheit
Jener erwiderte: «Das alles habe ich von meiner Jugend an beobachtet.» Als Jesus das hörte, sagte Er zu ihm: «Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge Mir!»
Die erste Antwort des Herrn genügte dem Jüngling nicht. Er besteht darauf zu erfahren, was ihm an der Vollkommenheit noch mangelt, und voller Eifer beteuert er: «Die Gebote habe ich stets gehalten. Aber ich fühle in mir das Verlangen und die Kraft, mehr zu tun. Was alle tun müssen, genügt mir nicht. Gibt es keine vollkommenere Lebensweise, als ich sie bisher geführt habe?»
Dem Heiland gefällt diese Rede, und liebevoll ruht Sein Blick auf dem Jüngling. Sein Herz weitet sich vor Freude bei dem Gedanken, dass sich inmitten der Menge eine auserwählte Seele befindet, die großmütiger gesinnt ist als die übrigen, und Er ruft aus: «Mein Kind, wenn du wirklich danach verlangst, vollkommen zu werden, so will ich dir sagen, was du tun musst.» — Das geistliche Leben nimmt seinen Ursprung in der treuen Beobachtung der Gebote, es entwickelt sich durch die Befolgung der evangelischen Räte und gelangt so zur Vollkommenheit. Die großmütige Seele legt sich freiwillig Fesseln an.
Höre, wie der göttliche Meister den ersten der evangelischen Räte in Worte kleidet und dessen Befolgung als Grundbedingung aufstellt für alle, die sich im Dienst Gottes auszeichnen wollen. «Sei arm.» sagt Er. «Löse dich von allem, was du besitzt, und dann folge Mir. Wenn du dieses Opfer gebracht hast, dann werde Ich dich weiterführen.» Das also fordert Jesus beim ersten Schritt auf dem Weg der Vollkommenheit. Hegst auch du das Verlangen, weiter darauf fortzuschreiten?



06.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus zeigt dem reichen Jüngling den Weg zum Himmel
Ein Vornehmer richtete an Ihn die Frage: «Guter Meister! Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?» Jesus antwortete ihm: «Du kennst doch die Gebote.»
Merke auf die Frage, die jener junge Mann dem Heiland stellt: «Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Du sprichst vom Himmelreich, und ich möchte gern dorthin gelangen, um das ewige Leben zu besitzen. Was muss ich tun, um dieses Ziel zu erreichen?»
Die Besorgnis um das ewige Heil sollte auch in uns alle anderen Interessen überwiegen. Die wahre Weisheit fragt nicht: «Was muss ich tun, um reich zu werden, um bei meinen Arbeiten und Geschäften Erfolg zu haben?» Sie begehrt nur zu wissen, welches der sicherste und kürzeste Weg zum Himmel ist. Über allen irdischen Sorgen dürfen wir das zukünftige Leben nicht vergessen. Da ich den Himmel besitzen will, muss ich auch für den Himmel arbeiten. Jesus Selbst, Der uns zum Himmel führen will, lehrt uns, was wir zu tun haben. Er sagt: «Halte die Gebote!» Diese Antwort zeigt uns, dass der Weg, der zur ewigen Seligkeit führt, leicht zu erkennen ist. Es handelt sich nur darum, die Gebote zu halten, die von einer rechtmäßigen Obrigkeit den Menschen gegeben worden sind. Diese Gesetze sind weder die Äußerungen tyrannischer Launen noch ein lästiger Zwang für die menschliche Freiheit, sondern der Pfad, auf dem wir zum Leben gelangen.



05.05.2020
213. Jesus und die Kinder
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus ermahnt Seine Jünger, klein und demütig zu werden
Jesus aber sprach zu ihnen: «Lasset die Kinder zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht, denn für solche ist das Reich Gottes.» Dann legte Er ihnen die Hände auf und zog weiter.
Des Heilands ganze Seele liegt in den Worten: «Lasset die Kindlein zu Mir kommen!» Er hat ihnen etwas zu sagen und etwas zu schenken. Der himmlische Vater Selbst führt sie zu Ihm. Darum haltet sie nicht zurück. Der Zug nach Gott ist ein natürlicher Drang der Kinderseele, nichts weckt in höherem Grad die Aufmerksamkeit eines Kindes, als wenn ihm vom lieben Heiland erzählt wird.
Siehe, wie die Kleinen zu Jesus eilen, Der sie seinen Jüngern als Vorbild hinstellt und uns ermahnt: «So müsst ihr werden, wenn ihr in das Himmelreich eingehen wollt. Wer Mich finden will, muss Mich mit der Einfalt und der Geradheit eines Kindes suchen.»
Glaube fest an dieses Wort des Menschensohnes und erbitte dir von Ihm die Gnade kindlicher Einfalt. Alle, denen diese Gnade zuteil wird, werden durch den Geist und das Wort Gottes erneuert und erlangen eine große Liebe zur reinen, unverfälschten Wahrheit. Sie hassen die Lüge und Doppelzüngigkeit, sie sind demütig, sanft und bescheiden. Sie bewahren ihr Herz rein von aller ungeordneten Liebe und fliehen selbst den Schatten der Sünde. Die Schliche der Eigenliebe sind ihnen fremd, ihre Handlungsweise wird nicht durch Selbstsucht bestimmt, und Menschenfurcht hält sie nicht zurück. Sie vermuten bei anderen nichts Böses, weil sie selbst das Böse nicht kennen oder nicht kennen wollen.
Wahre Kindlichkeit ist mit der größten Gelehrsamkeit vereinbar, denn wir brauchen nicht dem Verstand nach klein zu werden. Der Jünger Jesu soll danach streben, die Heilswahrheiten vollkommen kennenzulernen, aber er soll sie mit Einfalt im Licht des Glaubens studieren. Der Glaube ist gleichsam die Milch, die der kindlichen Seele alle Lebenskraft gibt. Glückselige Einfalt, welche die einzig wahre Reife der christlichen Lebensanschauung in sich schließt! Bitte den Erlöser inständig, dass Er auch dir diese Gnade zuteil werden lasse.



04.05.2020
213. Jesus und die Kinder
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus segnet die Kinder
Man brachte die Kinder zu Ihm, damit Er ihnen die Hände auflege und sie segne. Als die Jünger das sahen, wiesen sie die Leute ab. Jesus aber rief die Kinder zu Sich.
Eile zum Heiland, um Augenzeuge dieses lieblichen Schauspiels zu sein. Fromme Mütter erflehen Seinen Segen für ihre Kindlein. Mit den Augen des Glaubens erkennen sie in Jesus ihren mächtigsten Helfer beim wichtigen Amt der Erziehung, das die Vorsehung ihnen anvertraut hat. Sie glauben, dass Er die göttliche Weisheit ist, die sie erleuchten kann, und die unendliche Güte, die ihnen helfen wird. Sie glauben, dass Er die Quelle aller Heiligkeit ist und dass ein Wort Seiner Allmacht die Seele von allem Zweifel und aller Not befreit und ihre Zukunft sicherstellt.
Wie freuen sie sich, als sie hören, dass Jesus in der Nähe weilt! Sie eilen herbei, sie bringen Ihm ihr Liebstes, ihre Kinder, und bitten Ihn inständig, zu ihnen zu sprechen, für sie zu beten und sie zu segnen. Schließe dich den frommen Müttern an, und erflehe den Segen des Heilands für die heute so gefährdeten Kinder und für alle, welche deiner Sorge anvertraut sind. Erflehe auch für dich selbst den Segen, den der Heiland jenen glücklichen Kindern zuteil werden ließ! Um ihn wirklich mit Nutzen zu empfangen, musst du klein werden. Alsdann wird unter der segnenden Hand des Herrn der Stolz in dir ersterben, und alles Gute wird sich entfalten und zur Reife gelangen. Empfiehl dich deiner himmlischen Mutter, um durch ihre Fürsprache den Segen des Heilands für dich und dein Wirken zu erlangen.
Erinnere dich auch aller Anliegen der heiligen Kirche und bitte den himmlischen Vater, dass Er ihr helfe, die jungen Seelen recht zu leiten, die so großen Gefahren ausgesetzt sind! Der Unglaube tut alles, um in den Kinderherzen, die ihm vielfach wehrlos preisgegeben sind, die Erkenntnis der ewigen Wahrheit zu verdunkeln. Bitte Gott, dass Er ihnen unter den Jüngern Seines Sohnes zahlreiche mutige Verteidiger erwecke. Biete dich selbst dem Herrn an zu diesem apostolischen Werk, das dem Herzen Jesu so teuer ist!



03.05.2020
212. Von der Ehe und der Jungfräulichkeit
(Mt 19, Mk 10, Lk 16)

II Die Vorzüge der Jungfräulichkeit
Zu Hause fragten Ihn die Jünger nochmals darüber: «Wenn die Sache des Mannes mit seiner Frau sich so verhält, so ist es nicht gut zu heiraten.»
In dieser Bemerkung der Jünger zeigt sich ihre Unvollkommenheit. «Wenn man das, was man gegeben hat, nicht zurücknehmen darf, wenn die Bande der Ehe unauflöslich sind, dann ist es ja besser, sich nicht zu binden.» So sprechen Menschen, die noch sehr irdisch gesinnt sind. Es scheint ihnen, als ob Selbstverleugnung und Glück unvereinbar seien. Sie möchten sich die Freiheit vorbehalten, diese Verbindung nach Belieben zu lösen. Höre, wie Jesus sie zu höheren Anschauungen und Wünschen führt! «Nicht alle fassen dies, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es gibt Menschen, die vom Mutterschoß an zur Ehe unfähig sind. Es gibt solche, die von Menschen unfähig gemacht sind, und es gibt solche, die um des Himmelreiches willen der Ehe entsagen. Wer es fassen kann, der fasse es.» — Gewiss ist es schön, vereint zu arbeiten, zu kämpfen, zu leiden und sich zu freuen. Es ist ein erhabener Beruf, neuen Geschöpfen das Leben zu schenken und ihnen unsere Erkenntnis, unsere Hoffnungen und unser Streben nach dem höchsten Gut mitzuteilen, aber es gibt noch Höheres. Nur auserwählte Seelen verstehen die Schönheit dieses höheren Berufs; mit ihnen hat Gott andere Absichten. Er behält sich ihre Herzen vor, um unumschränkt darin zu herrschen. Er flößt ihnen das Verlangen ein, sich großmütig Ihm zum Opfer zu bringen. Diese Herzen geben der Welt nichts und nehmen nichts von ihr an, sie kosten schon hienieden die Freuden des Himmels. Sie entsagen dem Fleisch, um nach dem Geist zu leben; in einem menschlichen Leib führen sie das Leben der Engel.
Suche das Verständnis für diese letzten Worte des Heilands in dir zu vertiefen! Gehörst du zu jenen, die Gott mit Verständnis für das jungfräuliche Leben begnadigt hat? Ist dir die göttliche Schönheit der Jungfräulichkeit offenbart worden und liebst du sie, oder hegst du wenigstens das Verlangen, sie zu schätzen, wie sie es verdient?
Gib dir Rechenschaft über deine geheimsten Neigungen! Opfere dem göttlichen Heiland dein Herz auf mit der inständigen Bitte, alle ungeordnete Lust darin abzutöten und es ganz mit Seiner Liebe zu erfüllen!



02.05.2020
212. Von der Ehe und der Jungfräulichkeit
(Mt 19, Mk 10, Lk 16)

I Die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe
Da traten Pharisäer zu Ihm mit der Frage, ob es einem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen. Damit wollten sie Ihn auf die Probe stellen. Er sprach zu ihnen: «Was hat euch Moses geboten? Im Anfang der Schöpfung hat Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die beiden werden ein Fleisch sein.»
Komm zum göttlichen Meister und lass dich von Ihm belehren, wie heilig die eheliche Liebe sein soll! Man fragt Ihn, ob es aus irgendeinem Grund erlaubt sei, das Eheband zu lösen. Jesus beantwortet diese Frage, indem Er auf die Absicht Gottes bei der Einsetzung der Ehe hinweist. Es ist Gottes Wille, dass die leibliche Vereinigung zur innigsten Lebensgemeinschaft führe. Gott bezweckt eine vollkommene Verschmelzung der Interessen und Übereinstimmung der Grundsätze, Er legt ihnen gleiche Pflichten gegeneinander und eine gleiche Verantwortung auf. Diese von Gott gewollte Vereinigung ist ihrem innersten Wesen nach unlöslich. Sie ist die feste Grundlage, auf der das Familienleben ruht. Denke über diese Lehre nach und danke dem himmlischen Vater, dass Er dich in einer christlichen Familie aufwachsen ließ!
«Was nun Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen.» Die Ehe soll Halt und Stütze finden in der Liebe, die alle Geschöpfe ihrem Schöpfer schulden. Gott ermahnt die Menschen: «Bedenkt, dass Ich euch zusammengefügt habe und dass eure Verbindung nur durch Mich Bestand hat!» Ohne den Beistand der göttlichen Gnade ist eine reine, heilige Liebe unmöglich, sie allein bewahrt das Menschenherz vor Fehltritten und Verführung. Wenn meine Liebe nicht in Gott und aus Gott ist, so kann das höchste Erdenglück die Sehnsucht meines Herzens nicht stillen.
Die Ehe ist also göttlich in ihrem Ursprung und daher ein heiliger Stand. Jesus Christus hat diese Vereinigung zur Würde eines Sakramentes erhoben, um die Grundlage der Familie unter allen Verhältnissen sicherzustellen. Die sakramentale Gnade gibt den Eheleuten Kraft, in allen Lebenslagen ihre Pflicht zu erfüllen. Die Seelen, die sich in Gott lieben, werden in ihrer Liebe nie erkalten, ihre Eintracht und ihr Glück werden beständig zunehmen.



01.05.2020
211. Von der Ankunft des Reiches Gottes
(Lk 17, Mt 24)

II Die zweite Ankunft Jesu zum Gericht
Weiter sprach Er zu Seinen Jüngern: «Es werden Tage kommen, da ihr gern nur einen von den Tagen des Menschensohnes sehen möchtet, aber ihr werdet Ihn nicht sehen. Man wird zu euch sagen: Hier ist Er, dort ist Er! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitzstrahl von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird es auch mit dem Menschensohn sein an Seinem Tage.»
Denke über diese großartige letzte Ankunft des Menschensohnes nach! Er wird alsdann einen Triumph feiern, der all Seine Leiden und Verdemütigungen voll und ganz aufwiegt, und an dieser Siegesfeier, die der himmlische Vater Selbst Ihm bereitet, wirst auch du teilnehmen. An jenem Tag werden alle Geschöpfe Jesus Christus als ihren höchsten Herrn anerkennen müssen. Der Glanz Seiner Gottheit, den Er während Seines Erdenlebens verbarg, wird herrlich erstrahlen und durch diese Offenbarung allein wird die göttliche Weisheit und Vorsehung gerechtfertigt werden. Jesus gibt Seinen Jüngern zu verstehen, dass sie bis zur Ankunft jenes Tages viel Geduld werden üben müssen. «Die Tage nach Meinem Hinscheiden werden überaus schmerzlich für euch sein. Der Halt, den Meine sichtbare Gegenwart euch bietet, wird euch entzogen, und ihr werdet den schweren Lebenskampf allein kämpfen müssen. Aber verliert deshalb den Mut nicht! Seid stark im Glauben und achtet nicht auf die Stimme der Verführer, die euch das Vertrauen rauben wollen! Ich werde einst wiederkommen, und alsdann werden alle Menschen sich vor Mir beugen müssen. Wohl jenen, die unbeirrt an Mich geglaubt haben!»
So spricht der Sohn Gottes, unterwirf dich Seinem Wort! Es bleiben dir nur wenige Jahre, vielleicht wenige Tage, um dich auf die Ankunft des göttlichen Richters vorzubereiten und dir ein gnädiges Gericht zu sichern. Welches Schicksal harrt deiner und jener, die dir nahestehen? Was siehst und hörst du in deiner Umgebung? Ist nicht Grund genug zu fürchten, dass der Zorn Gottes sich bald über diese sündige Welt entladen werde? Flehe den göttlichen Heiland an, in Seiner Kirche beredte Stimmen und großmütige Herzen zu erwecken, um die leichtsinnige Menge, die der Hölle zustrebt, auf den Weg des wahren Lebens zurückzuführen! Bete vor allem für jene, die dir lieb sind!



30.04.2020
211. Von der Ankunft des Reiches Gottes
(Lk 17, Mt 24)

I Die erste Ankunft Jesu in der Verborgenheit
Die Pharisäer fragten Ihn, wann das Reich Gottes komme. Er antwortete ihnen: «Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Gepränge. Man kann nicht sagen: Hier ist es oder dort. Das Reich Gottes ist in euch.»
Erwecke in deinem Herzen den Wunsch, das Reich Jesu Christi über die Mächte der Finsternis triumphieren zu sehen, und von diesem Verlangen beseelt, wende dich an Ihn mit der Frage, die auch die Pharisäer lebhaft beschäftigt: «Wann kommt das Reich Gottes? Du hast schon so oft davon geredet, wann wird Deine Verheißung in Erfüllung gehen?»
Vernimm die Antwort des Herrn: «Das Reich Gottes ist in euch. Ihr verlangt zu wissen, wann Meine Herrschaft ihren Anfang nehmen wird, und Ich antworte euch: Ich habe schon lang von Meinem Reich Besitz ergriffen und herrsche darin.»
Das Königtum Jesu Christi hat also nichts gemein mit weltlicher Machtentfaltung. Jesus will einzig über die Seelen herrschen, und dazu bedarf es keines äußeren Glanzes. Er kommt, um den Geist der Menschen der Wahrheit und ihr Herz der Gerechtigkeit zu unterwerfen, Er kommt, um die Menschen aus der Sklaverei des Teufels und der Sünde zu befreien. Dazu bedarf es keiner Heeresmacht, Er trägt den Sieg durch Sein bitteres Leiden und Sterben davon. Im vertrauten Verkehr mit Ihm sollen die Menschen die Tugend üben lernen, darum meidet Er allen äußeren Glanz, der Ihm die Herzen entfremden könnte.
Mein König beraubt sich aller Ehre, Er erniedrigt sich, um mir gleich zu werden. Er strebt nach keinem anderen Ruhm, als mein Herz zu erobern, und so neigt Er sich zu meiner Niedrigkeit herab, kommt mir unauffällig und einfach auf meinem Lebensweg entgegen, damit ich vertrauensvoll meinen Blick zu Ihm erhebe, gern Seinen Worten lausche und mich Ihm freudig unterwerfe.
Versenke dich in diese Gedanken! Besuche im Geist die heiligen Stätten, wo der Heiland bei Seiner ersten Ankunft geweilt hat: Bethlehem, Nazareth und all die Ortschaften, die Er durchwandert hat, um zu dir zu kommen, und all die stillen Plätze, wo Er für dich gebetet hat! Huldige deinem König und entsage angesichts Seiner tiefen Erniedrigung jedem Wunsch nach Ehre vor den Menschen!



29.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

III Jesus beweist uns, dass das Urteil Gottes gerecht ist
«Freund, erwiderte er einem von ihnen, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir eins geworden? Nimm, was dein ist, und geh.»
Der Hausvater antwortet den Unzufriedenen, ohne sich in einen Wortwechsel einzulassen, die Beschlüsse der göttlichen Weisheit sind über jede Erörterung erhaben. Gott behauptet Sein Hoheitsrecht: «Ich will es so. Es steht mir frei, Meine Güter auszuteilen, wie es Mir gefällt.» In der Tat, wenn Gott unsere Werke belohnt, so krönt Er damit nur Seine Gaben. Er ist nicht nur unser Vater, sondern auch unser höchster Herr, Dessen Anordnungen wir uns in Demut zu fügen haben. Zudem ist es eine Ehre, für Gott, den besten Herrn, und Sein Reich arbeiten zu dürfen.
Aber Gott nimmt Rücksicht auf unsere Schwäche und beweist uns die Gerechtigkeit Seiner Ratschlüsse. «Ich erfülle den Vertrag, den Ich geschlossen habe», sagt Er zu den Unzufriedenen. «Hier ist der Lohn, um den wir übereingekommen sind, ihr habt also keinen Grund, euch zu beklagen. Und ist dieser Lohn, den Ich euch gebe, nicht unendlich mehr wert als eure Arbeit?»
Mit väterlicher Milde fügt Gott hinzu: «Oder ist es Mir nicht erlaubt zu tun, was Ich will? Ist etwa dein Auge darum böse, weil Ich gut bin? — Warum nimmst du Anstoß an Meiner Güte, die ihre Freude darin findet, Meine Kinder zu erheben und die Unterschiede unter ihnen möglichst auszugleichen? Keiner leidet Schaden dadurch, dass Ich großmütig bin, denn, was Ich dem einen gebe, entziehe Ich dem anderen nicht.»
Ziehe Nutzen aus der Lehre, die Gott dir hier erteilt! Er ist gut, gerecht und treu. Unterwirf dich Ihm als deinem höchsten Herrn, liebe Ihn als deinen besten Vater und eifere für Seine Ehre. Er gibt dir die Zeit und bietet dir Seine Gnade an. Darum begib dich an die Arbeit und lasse dich von niemand an Großmut in Seinem Dienst übertreffen!



28.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

II Jesus sagt uns, wie Gott beim Jüngsten Gericht verfahren wird
«Am Abend sagte der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn aus, von den letzten bis zu den ersten. Da kamen die von der elften Stunde, und jeder erhielt einen Denar.»
Der Heiland versichert uns, dass Gott jene, die für Seine Ehre arbeiten, nicht vergisst. Er beobachtet sie, Er nimmt regen Anteil an ihren Mühen und Sorgen und zählt die Stunden, die sie Seinem Dienst weihen. Am Abend ihres Lebens wird Er Sich ihnen offenbaren, und sie werden staunend das Geheimnis Seiner Güte erkennen. Wohl dir, wenn du geduldig diese Stunde erwartet hast, ohne jemals dem Zweifel Raum zu geben!
«Ruft die Arbeiter», wird Gott dann zu Seinen Engeln sprechen, und im selben Augenblick wird alle Arbeit ruhen. Die Zeit, Verdienste zu sammeln, ist vorbei und jedem wird nach dem gegenwärtigen Verdienst vergolten. Stelle dir vor, du würdest in dieser Stunde vor den göttlichen Hausvater gerufen. Wärest du würdig, unter die ersten eingereiht zu werden?
Warum lässt Gott an erster Stelle jene vortreten, die zuletzt in die Arbeit gekommen sind? Jedenfalls haben sie mit mehr Eifer gearbeitet als die übrigen. Man kann sich also im Dienst Gottes in kurzer Zeit einen hohen Grad der Seligkeit erwerben.
Die Arbeiter der ersten Stunde murren: «Diese letzten haben nur eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben.» Aber vergebens berufen sie sich auf die längere Dauer ihrer Arbeit. Sie haben mehr Gnade erhalten als andere, aber sie haben nicht so treu mitgewirkt. Sie haben zwar die Last und Hitze des Tages ertragen, aber sie suchten es sich möglichst bequem zu machen, sie haben viel Zeit verloren und sich viele Unvollkommenheiten zuschulden kommen lassen. Sie haben sich keineswegs im Dienst Gottes ausgezeichnet, sondern seine Interessen vernachlässigt. Der Tadel ihres Herrn trifft sie nicht unverdient.



27.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

I Jesus versichert uns, dass die Seligkeit für alle Menschen erreichbar ist
«Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Hausherrn, der am frühen Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Taglohn von einem Denar und schickte sie in seinen Weinberg.»
Geselle dich den Zuhörern des Heilands zu und bemühe dich, Seine Worte recht zu verstehen. Es handelt sich in diesem Gleichnis um dich selbst, um die Arbeit an deiner eigenen Seele und um den Erwerb der ewigen Glückseligkeit.
Betrachte den Hausvater, wie er ausgeht, um Arbeiter für seinen Weinberg zu werben. Jesus schildert unter diesem Bild den himmlischen Vater, Der alle Menschen zu Seiner Ehre erschaffen hat und Der früher oder später an die einzelnen herantritt mit der Aufforderung, ihre Kräfte und Fähigkeiten in Seinen Dienst zu stellen. Glücklich die Seelen, die frühzeitig Seine Stimme hören und dem ersten Ruf ohne Zögern folgen!
Worin besteht der Lohn, den der himmlische Vater Seinen Arbeitern verspricht? Er bietet ihnen Seinen Himmel als Entgelt an für ihre Arbeit in Seinem Dienst. Seine eigene Glückseligkeit soll einst dir gehören, wenn du hier auf Erden ganz für Ihn leben willst. Gott verpflichtet sich, uns durch einen unwiderruflichen Vertrag mit übernatürlichen Gütern zu belohnen, auf die kein Geschöpf sonst Anspruch erheben könnte.
Worin besteht die Arbeit, zu welcher der Hausvater Seine Tagelöhner verwendet? Gibt es überhaupt eine Arbeit, mit der wir Gott einen Dienst leisten können? Ja, dazu gehört alles, was wir nach dem Willen Gottes tun: die Erfüllung unserer täglichen Pflichten, der Kampf gegen unsere Eigenliebe und unsere Leidenschaften, die Betätigung der Geduld, der Sanftmut und der Nächstenliebe. Alles, was den Nächsten erbaut, sein Seelenheil fördert und ihn Gott lieben lehrt, verherrlicht Gott und ist Ihm wohlgefällig.
Gott sucht unaufhörlich Seelen, die bereit sind, Ihm zu dienen. Wie der Hausvater in der Parabel, so geht Er um die dritte, um die sechste und um die neunte Stunde aus, um neue Arbeiter zu suchen. Noch um die elfte Stunde bietet Er den Müßiggängern Arbeit an. Es ist Seine ganze Sorge, all Seine Geschöpfe zur ewigen Seligkeit zu führen, und zu jeder Zeit ist Er bereit, sie in Seinen Dienst aufzunehmen. Frohlocke ob solcher Güte und bemühe dich, ihr treu zu entsprechen!



26.04.2020
209. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner
(Lk 18)

II Gottes Wohlgefallen an der Demut
«Der Zöllner aber blieb von ferne stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn wer sich erhöht, wird erniedrigt, wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.»
Nähere dich dem betenden Zöllner und höre, wie demütig er betet! «Gott sei mir armem Sünder gnädig!» Das ist alles, was er zu sagen weiß. Beim Eintritt in den Tempel denkt er nur an die Heiligkeit dessen, Den er anbeten will, und erkennt die Sünden seines vergangenen Lebens in ihrer ganzen Abscheulichkeit. Es liegt ihm fern, sich mit irgend jemand zu vergleichen, denn in seiner eigenen Meinung ist er der Geringste von allen. Am liebsten möchte er sich ganz vernichten. Durch diese Demut wird seine Seele dem himmlischen Vater überaus wohlgefällig, denn wenn der Mensch in seinen eigenen Augen klein wird, so wird er groß in den Augen Gottes.
Betrachte die ehrerbietige und demütige Haltung des Zöllners. Er wagt es nicht, die Augen zu erheben, sondern schlägt sich reuig an die Brust, bekennt seine Sünden und bittet um Verzeihung. Und er tut gut daran, so zu handeln, denn er ist in Wirklichkeit ein Sünder und bedarf der Lossprechung. Aber Gott verzeiht gern den Demütigen, Er lässt sich voll Huld zu denen herab, die sich vor Ihm erniedrigen, Er nimmt sie auf und segnet sie. Warum sieht Jesus die Demütigen so gern unter Seinen Zuhörern? Warum ist Er ihnen ein so gnädiger Richter? Er weiß, dass sie Seine treuesten Jünger sind, die Ihm Ehre machen werden, da sie in all ihren Werken nur die Verherrlichung Gottes suchen. Der Demütige sieht sich vor Gott und weiß, dass er immer Sünder ist. Der Hochmütige schaut nur auf die Menschen, er vergleicht sich mit anderen und tut auch seine Werke nur vor den Menschen anstatt vor Gott.
In der Demut liegt der Keim zu allen übrigen Tugenden, darum legt Jesus so großen Wert darauf. Die Demütigen kann Er zur wahren Armut im Geist und zum echten Gehorsam heranbilden. Innige Frömmigkeit, vollkommene Reinheit, Selbstlosigkeit im Dienst des Nächsten, standhafte Treue, kraftvoller Mut und grenzenlose Hingabe an Gott gehen hervor aus der Demut. Wenn sie in einer Seele Wurzel fasst, so zieht sie den Segen Gottes herab. Sobald der Demütige seine Stimme erhebt, neigt Gott sich zu ihm, um alle seine Wünsche zu gewähren.
Wie schuldbeladen und elend ich auch vor Gott hintrete, so wird Er mir verzeihen, wenn ich mich aufrichtig demütige. Lege daher mutig das Bekenntnis deiner Sünden im Sakrament der Buße ab. Ahme das Beispiel des Zöllners nach. Bitte den Heiland, Seine Lehren in deinem Herzen zu befruchten und dir die Demut Seiner wahren Jünger zu verleihen.



25.04.2020
209. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner
(Lk 18)

I Gottes Abscheu vor dem Hochmut
Zu einigen, die sich voll Selbstvertrauen für gerecht hielten und die andern verachteten, sprach Er folgendes Gleichnis: «Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.»
Unter den Zuhörern des Heilands befinden sich Männer, deren übertriebenes Selbstvertrauen Ihm missfällt, und Er beschließt, ihren stolzen Sinn aufzudecken und zu demütigen. Hochmut und Anmaßung sind der göttlichen Gerechtigkeit unerträglich, und Jesus will diesen selbstgerechten Menschen durch ein Gleichnis klarmachen, worin die wahre Gerechtigkeit eines Menschen besteht. Sie erheben sich nämlich über alle anderen und wissen nicht, dass diejenigen, die sie verachten, in den Augen Gottes weit über ihnen stehen.
Bemühe dich, in den Gedankengang des Herrn einzudringen, indem du den beiden Männern, von denen Er redet, zum Tempel folgst und sie dort beim Gebet beobachtest. «Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich: Gott, ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie der Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.» — Wieviel Hochmut klingt aus diesem Selbstlob! Er hält sich für tugendhafter als alle seine Mitmenschen und begründet diese Behauptung folgendermaßen: «Ich verrichte Gebete, die sie nicht verrichten, ich übe Bußwerke, die sie nicht üben, ich beobachte Zeremonien, die sie nicht beobachten. Ich bin besser als die anderen weil ich mehr tue als sie!»
So urteilt der Stolz, der nicht auf den inneren Wert einer Handlung, sondern auf den äußeren Schein sieht und dabei wähnt, Gott selbst betrachte unsere Werke von diesem niedrigen, menschlichen Standpunkt aus. Der Pharisäer ist in einer traurigen Täuschung befangen, in den Augen Gottes ist seine vorgebliche Frömmigkeit sündhafter Götzendienst. Denn während die wahre Frömmigkeit Gott die Ihm gebührende Ehre erweist, verrichtet der Hochmütige seine guten Werke nur, um sich selbst zu verherrlichen. Der Mensch ist zur Verherrlichung Gottes erschaffen, aber der Stolze lebt und arbeitet für seine eigene Ehre. So widersetzen sich die Hochmütigen der Wirksamkeit Jesu Christi und sind Seine schlimmsten Gegner. Zudem ist der Hochmütige durch einen grundlegenden Irrtum verblendet: Er vergleicht sich mit Sündern anstatt mit Gott. Vor dem heiligen Gott ist auch der vollkommenste Mensch ein Sünder. Darum entrüstet Sich der Heiland, wenn Er Hochmütige in Seinem Heiligtum und unter Seinen Zuhörern antrifft. Erforsche dich, ob der Tadel des Heilands nicht auch dich trifft!



24.04.2020
208. Das Gleichnis vom ungerechten Richter
(Lk 18)

II Jesus warnt Seine Jünger vor Mutlosigkeit
«Dann aber sprach der Richter bei sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und frage nach keinem Menschen. Weil aber diese Witwe mir lästig fallt, will ich ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst kommt sie noch am Ende und schlägt mich ins Gesicht.»
Freue dich, dass die arme Witwe endlich erhört wird! Sie hat es verdient, denn sie war unermüdlich in ihrem Eifer und hat doch geduldig jeden Aufschub ertragen. Wie demütig und bereitwillig nahm sie alle Bedingung an und brachte großmütig alle Opfer. Sie war der festen Überzeugung, dass sich hinter der scheinbaren Gleichgültigkeit und Härte des Richters Wohlwollen verbarg, und ihren beharrlichen Bemühungen ist es wirklich gelungen, den Richter günstig zu stimmen. So wird Vertrauen mit Erfolg gekrönt.
Der Herr aber sprach: «Hört, was der ungerechte Richter sagt! Und Gott sollte Seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu Ihm rufen, nicht zu ihrem. Recht verhelfen?» Fasse neuen Mut bei diesen tröstlichen Worten! Nenne deinem himmlischen Vater deine Widersacher, gegen die du Klage erhebst und sage Ihm, welches Hindernis dir am meisten im Weg steht! Wenn du Erleuchtung, Mut, Vertrauen Freude und Frieden nötig hast, so tritt getrost zum Thron Gottes, und lege all dein Flehen in das eine Wort: «Vater!» Wiederhole es so oft, bis Er dir antwortet: «Mein Kind!» und dir den Reichtum Seiner Gnade erschließt!
«Gott aber sollte Seinen Auserwählten nicht Recht schaffen?» spricht der Erlöser. Jesus ist schmerzlich erstaunt, dass man daran zweifeln kann. «Geduldet euch nur, so wird euch Gerechtigkeit widerfahren.» Beherzige diese Lehre, die der Sohn Gottes dir erteilt, und erbitte dir von Ihm die Gnade, mutig und treu in der Hingabe an die göttliche Vorsehung auszuharren!



23.04.2020
208. Das Gleichnis vom ungerechten Richter
(Lk 18)

I Jesus mahnt Seine Jünger zur Ausdauer im Gebet
Er zeigte ihnen in einem Gleichnis, dass man allzeit beten müsse und nicht nachlassen dürfe. Er sprach: «In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und nach keinem Menschen fragte. In derselben Stadt lebte auch eine Witwe. Die ging zu ihm und bat: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher. Lange Zeit wollte er nicht.»
Der göttliche Meister will Seine Jünger im Vertrauen auf Gott und in der gänzlichen Hingabe an die göttliche Vorsehung stärken. «Lasst nicht nach im Gebet», sagt Er, «Gott hört euch und hat acht auf all eure Bemühungen, mit väterlicher Liebe nimmt Er Anteil an euren Wünschen und Sorgen.»
Diese Wahrheit tritt uns hier in einem Bild entgegen. Wir müssen daran glauben, weil Jesus Selbst es gesagt hat. Suche keinen anderen Beweis als Seine Wahrhaftigkeit. Er hat unsere Einwände vorausgesehen und im voraus widerlegt.
Betrachte diese Frau, die den Richter mit Bitten bestürmt! Sieh, wie sie mit Eifer und Lebhaftigkeit ihr Anliegen vorträgt und keine Tränen spart, um ihrer Sache zum Sieg zu verhelfen! Wer ist jener Feind, gegen den sie Schutz sucht? Wie kommt es, dass sie ihm so schwach und hilflos gegenübersteht? Forsche in deinem Inneren, und du wirst eine Antwort auf diese Frage finden. Bist du nicht in ähnlicher Lage wie diese Frau? Lerne von ihr, was du tun musst, um in deinen Anliegen erhört zu werden.
Diese Frau hat begriffen, dass das Gebet auch eine Waffe zum Kampf ist. Der betende Christ ist in der Tat ein Kämpfer. Wenn wir uns zum Gebet begeben, so haben wir einen Kampf auszufechten und bedürfen der ganzen Kraft unseres Glaubens, um uns den Sieg zu sichern. Wir müssen uns in diesem Kampf mit Tugenden wappnen, denen das Herz Gottes nicht widerstehen kann, mit Demut, Vertrauen, Liebe, Eifer und Hingabe.
Das Gebet der Witwe ist in der Tat ein solches Ringen, das ihr zu immer größerem Ruhm gereicht, je länger sie darin ausharrt. Wie in allen anderen Dingen, so sucht Gott Vater auch in unserem Gebet Seine Ehre. Er erhört diejenigen, deren Gebet zu Seiner Verherrlichung gereicht.



22.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

III Mittel, der Verdammung zu entgehen
«Jener fuhr fort: Dann bitte ich dich, Vater, sende ihn in mein Vaterhaus. Ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.»
Was muss man tun, um vor den ewigen Höllenqualen bewahrt zu bleiben? Das wird dir klar werden, wenn du über die Antwort nachdenkst, die dem reichen Prasser zuteil wurde. Er bat um Erbarmen für seine Brüder und möchte ihnen gern einen Boten senden, um sie zu warnen. Aber er erhält zur Antwort: «Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.» Gott hat ihnen Mittel genug an die Hand gegeben, um selig zu werden, wenn sie guten Willen hätten. In den Büchern des Gesetzes finden sie mit untrüglicher Klarheit den Weg vorgezeichnet, dem sie folgen müssen, um nicht in den Abgrund der Hölle zu stürzen.
Könnte denn das Zeugnis eines Auferstandenen mehr Beweiskraft haben, als das Zeugnis des menschgewordenen Gottes, Der den Himmel verließ, um uns zu belehren und zu leiten? Der wahrhaft christlichen Seele genügt das Evangelium als Richtschnur ihres Lebens. Preise die Weisheit Gottes, die sich in dem furchtbaren Geheimnis Seiner strafenden Gerechtigkeit offenbart! Sage Seiner unendlichen Barmherzigkeit Dank, dass sie dich bisher verschont hat, und schreite mutig voran auf dem steilen Pfad, der zum Himmel führt!



21.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

II Die Qualen des Verdammten
«Da rief er: Vater Abraham! Erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser tauche und meine Zunge kühle, denn ich leide große Qual in dieser Feuersglut!»
Was leidet man in der Hölle? Sieh, welches Los den Verdammten für alle Ewigkeit bereitet ist! Betrachte zuerst die Schmach der Hölle! Welchen Platz nimmt der Verdammte in der Schöpfung ein? Er ist tief unter die niedrigsten Geschöpfe herabgesunken. Wenn er den Blick hebt, so gewahrt er unermesslich hoch über sich den armen Bettler, auf den er einst so stolz herabgeblickt hat und den er für nichts geachtet hat. Jetzt hat er mit ihm die Rolle getauscht und gehört nun selbst zum Auswurf der Schöpfung. Das ist die Strafe für seinen Stolz.
Was bleibt ihm übrig von allen Gütern, die er auf Erden besaß? Damals hatte er an allem Überfluss, jetzt leidet er in jeder Hinsicht Mangel. Flehentlich bittet er um einen Tropfen Wasser. Suche die Pein dieser äußersten Entblößung zu erfassen! Wer auf dieser Welt nichts hat, hat immer noch den lieben Gott, und somit fehlt ihm eigentlich nichts, denn in Gott findet man Ersatz für alles andere. Dem Verdammten aber bleibt gar nichts, für ihn ist alles verloren, weil er Gott verloren hat. Gott hat Seine Güte, Seine Liebe und Barmherzigkeit von ihm weggenommen, ihn gleichsam aus Seinen Gedanken ausgestoßen. Damit sind alle Quellen des Glücks für den Verdammten versiegt. Das ist die Strafe für seine Selbstsucht und seine Ausschweifungen.
Was hat er gegen die sündhaften Freuden eingetauscht? Durch die Sünde hat er sich von Gott losgesagt und der ewigen Seligkeit beraubt. Er hat sich selbst das Urteil der Verwerfung gesprochen. Aber der Verlust Gottes ist nicht die einzige Strafe, welche die göttliche Gerechtigkeit dem Schuldigen auferlegt. Höre sein Schmerzensgeschrei: «Ich leide große Pein in dieser Flamme.» Er ist zum ewigen Feuer verdammt, und Gott erhält ihm das Dasein nur, um ihn diese furchtbare Qual erdulden zu lassen. Das ist die Strafe für seine Gottlosigkeit.
Vergeblich sinnt er auf ein Mittel, seinem Schicksal zu entrinnen, aus dem Abgrund der Hölle steigt kein Verdammter je wieder empor. Der Himmel selbst bezeugt die Ewigkeit der Höllenstrafe, da Abraham dem unglücklichen Prasser zuruft: «Zu alledem starrt zwischen uns und euch eine weite Kluft, so dass keiner von hier zu euch hinübergehen noch einer von dort herüberkommen kann, auch wenn er wollte.» Die furchtbarste Strafe der Verdammten ist die ewige Dauer ihrer Qualen. Das nach dem Tod gefällte Urteil bleibt für alle Ewigkeit in Kraft, es gibt nur ewige Glückseligkeit oder ewige Verdammnis.
Beklage den Unglücklichen, dessen Schicksal Jesus schildert, und nimm dir die ernste Lehre, die dieser Parabel zugrunde liegt, tief zu Herzen!



20.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

I Der Weg zur Hölle
Jesus sprach: «Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und hielt alle Tage glänzende Gelage. »
Habe wohl acht auf die Worte des Herrn, erinnere dich, dass Er nur das schildert, was Er selbst gesehen hat. Jesus spricht von der Hölle und zeigt, wie man dahin gelangt, welche Qualen die Verdammten erdulden und was wir tun müssen, um vor diesem schrecklichen Schicksal bewahrt zu bleiben. Bemühe dich, die Bedeutung der Parabel zu erfassen, damit, wenn jemals die Liebe zu Gott nicht mehr hinreichen sollte, dich auf dem rechten Weg zu bewahren, wenigstens die Furcht vor der ewigen Verdammnis dich darauf zurückhalte oder zurückführe! Auf welchem Weg gelangt man in die Hölle? Auf dem Weg der Abkehr von Gott. Im Taumel der Vergnügungen, der Sinnenlust und der eitlen Ehre vergisst man die Gebote Gottes. Wirf einen Blick in das Haus des reichen Prassers, von dem Jesus redet. Da zeugt alles von Luxus und Wohlleben, jeder Lust wird dort gefrönt. Das sind die Netze, in denen der Teufel seine Opfer fängt, um sie mit sich in das ewige Verderben zu reißen.
«Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag voller Geschwüre krank vor seiner Tür. Gern hätte er sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen gesättigt, aber niemand gab sie ihm. SeIbst die Hunde kamen und leckten an seinen Geschwüren.» — Vergleiche eingehend dieses Leben der Wollust mit dem Elend, den Leiden und der Verlassenheit des armen Lazarus. Betrachte aber auch das Ende ihres Lebens. Den einen beraubt der Tod, den anderen beschenkt er mit Gütern.
«Da starb der Arme und wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen. Aber auch der Reiche starb und wurde in der Hölle begraben.» — Im Augenblick des Todes treten die höllischen Geister an das Prunkbett des reichen Prassers, während Engel das Sterbelager des armen Lazarus umgeben. Wer beschreibt die entsetzliche Enttäuschung des einen und die unaussprechliche Freude des anderen? Der Gedanke daran wird dir helfen, das Irdische richtig zu beurteilen.



19.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

III Jesus gibt uns ein Mittel, unser ewiges Heil sicherzustellen
«Auch Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch, wenn es einmal zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen.»
Beachte, welchen Schluss Jesus aus dem Gleichnis zieht! Es ist gerecht und vernünftig, dass wir auf das Erlangen der ewigen Güter wenigstens ebenso viel Sorgfalt verwenden, wie die Bösen auf den Gewinn oder die Bewahrung irdischer Reichtümer. Deshalb sagt Jesus: «Macht euch Freunde mittels des ungerechten Reichtums! Verteilt euer Besitztum an die Armen und Bedürftigen, seid barmherzig, um dadurch die Gnade der Rechtfertigung zu erlangen!»
Der Heiland bezeichnet also die Werke der Barmherzigkeit als ein vortreffliches Rettungsmittel sündenbeladener Seelen, die vor den Werken der Buße zurückschrecken. Die Linderung des menschlichen Elends wird solchen Seelen gleichsam zum Sakrament, das ihnen den Himmel erschließt. Die göttliche Gerechtigkeit wird besänftigt und gewährt dem Sünder eine neue Frist zur Bekehrung. So werden die Armen zu Mittlern zwischen Gott und ihren Wohltätern und erstatten mit Zinsen, was man ihnen gegeben hat. Darum sei gut und freigebig gegen sie, und Gott wird auch dir einst gnädig sein!



18.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

II Jesus mahnt uns, dem drohenden Strafgericht zuvorzukommen
«Da dachte der Verwalter bei sich: Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin.«
Alles, was man dem Verwalter vorwirft, ist wahr. Er hat wirklich das Vermögen seines Herrn verschwendet. Er hat mehr zu seinem eigenen Nutzen als zum Vorteil seines Herrn gewirtschaftet. Er hat das Vertrauen seines Herrn missbraucht, um sich Dessen Rechte anzumaßen und sich Seine Güter anzueignen. Aber so hoffnungslos seine Sache auch scheint, er lässt sich nicht entmutigen, sondern sucht nach einem Ausweg. Lerne vom ungerechten Verwalter, wie man sich scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber zu verhalten hat! Gewiss ist seine Handlungsweise verwerflich, aber die Idee, die ihr zugrunde liegt, verdient Beachtung.
Der Verwalter denkt mit Schrecken an die Schande, die ihm bevorsteht. «Zu betteln schäme ich mich. Ich kann es nicht ertragen, als Bettler dort aufzutreten, wo ich bisher in größtem Ansehen stand.» Er kennt die Strenge seines Herrn, er glaubt an die Gefahr, und deshalb beschließt er, sofort zu handeln, ohne sich darauf zu verlassen, dass durch irgendein unerwartetes Ereignis seine Lage sich vielleicht bessern werde.
Er sinnt auf ein Mittel, dem drohenden Strafgericht zu entgehen. Er überlegt, fragt andere um Rat und scheut keine Mühe, da es gilt, seine Zukunft sicherzustellen. Als Ergebnis seiner Überlegung erkennt er, dass es am besten ist, sich diejenigen zu Dank zu verpflichten, die ihm später nützlich sein könnten. Daher lässt er alle Schuldner seines Herrn kommen und trifft mit ihnen ein trügerisches Abkommen. Lass diesen Betrug außer acht, merke dir nur, wie sehr er für seine Zukunft besorgt ist! «Ich habe ein Mittel gefunden, um mein Soll und Haben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ich weiß nun, was ich zu tun habe, um meinen Verlust zu decken und den schlimmen Folgen zu entgehen, die der Zorn meines Herrn nach sich ziehen wird. Meine Zukunft ist gesichert.» Wende diese Erwägung auf dein eigenes Leben an!
«Anerkennend sprach sein Herr: Er hat klug gehandelt, denn die Kinder dieser Welt sind ihresgleichen gegenüber klüger als die Kinder des Lichtes.» Ja, bedenke, mit welchem Eifer die Weltmenschen sich abmühen, um einen vergänglichen und sehr unsicheren Gewinn zu erhaschen. Beschämt es dich nicht, dass du Gott so nachlässig dienst, obwohl Er dir einen unendlich kostbareren und ewigen Lohn verheißt?


17.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

I Jesus warnt vor dem Missbrauch der Gaben Gottes
Ferner sprach Er zu Seinen Jüngern: «Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm angeschuldigt, er vergeude sein Vermögen. Er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was muss ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter bleiben.»
Schließe dich den Jüngern des Heilands an, und höre in Sammlung das Gleichnis, das der göttliche Meister ihnen vorträgt! Er will ihnen durch diese Erzählung nochmals die Lebensaufgabe des Menschen und sein Verhältnis zu Gott klarmachen.
Du selbst bist jener ungerechte Verwalter, der vor den Richterstuhl seines Herrn gerufen wird. Man hat am Thron Gottes Klage gegen dich erhoben. Alle Seelen, denen du jemals Ärgernis gegeben, der Teufel, der dich so oft besiegt, dein Schutzengel, den du manches Mal betrübt, und das Blut Christi, dessen Wirksamkeit du vereitelt hast, sind die Ankläger, die dich beschuldigen. Alsdann wird der Herr zu dir sprechen: «Ich habe erfahren, dass du Meine Güter verschleuderst. Du missbrauchst zu deiner eigenen Befriedigung die Gaben, die Ich dir zur Beförderung Meiner Ehre anvertraute. Anstatt mit Eifer Meine Interessen wahrzunehmen, verbringst du deine Tage in Leichtsinn und Müßiggang. Du lässt Meine Güter verkommen und schädigst Mein Ansehen. Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung!»
Diese Worte sollen dir zum Bewusstsein bringen, dass der Mensch auf Erden nur der Verwalter der Güter Gottes ist. Gott verlangt von ihm die Treue eines Verwalters, und dafür will Er ihn einst belohnen. Erforsche dein Gewissen und bereite dich vor, deinem Herrn Rechenschaft abzulegen!



16.04.2020
205. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (III)
(Lk 15)

II Der Anteil der Gerechten in dieser Welt
«Er erwiderte ihm: Mein Sohn, du bist immer bei mir, und all das Meinige ist dein. Es galt aber, ein Freudenmahl zu halten und fröhlich zu sein. Denn dieser dein Bruder war tot und lebt wieder. Er war verloren und ist wiedergefunden worden.»
Vernimm die Rechtfertigung des Vaters! «Mein Sohn, du bist immer bei mir! In der Arbeit, im Gebet, im vertrauten Umgang, im Erfolg und im Missgeschick, in Freude und Leid bist du bei mir, und ich bin bei dir. Ich bin dein Führer und dein Beschützer, ich segne dich und helfe dir, des Tages Mühen und Last zu tragen, und keines deiner Opfer bleibt unbelohnt. Mein Haus ist dein Haus und alles, was ich besitze, gehört dir.»
Denke über diese Worte nach! In der Vereinigung mit Gott besteht schon hier auf Erden das Glück der Gerechten, und ihr Los gleicht dem der Seligen des Himmels. Hast auch du, wie dieser zweite Sohn, oft wieder vergessen, was für eine Gnade es ist, im Hause des himmlischen Vaters wohnen und Ihm nahe sein zu dürfen?
Du bist auf Erden, um hienieden schon das Leben der Auserwählten zu beginnen und dich durch deine Treue Ihrer Seligkeit würdig zu machen. Das Glück der treuen Seelen besteht gerade in ihrer Treue. Dieser Gedanke soll dir deine Lebenstage zum Fest gestalten. Gott ehrt dich, indem Er deine Dienste annimmt und deine Mühen segnet. Dies soll deine Freude sein, eine Freude, die Gott dir täglich von neuem schenkt, das einzige Gut, das du nur durch eigene Schuld verlieren kannst.
Erzeige dich deinem himmlischen Vater dankbar für das glückliche Los, das Er dir bereitet hat! Aller irdische Trost vergeht, aber die Freuden der auserwählten Kinder Gottes sind ewig. Dein einziger Ehrgeiz soll sein, dem lieben Gott sagen zu können: «Seitdem Du mir meine Sünden vergeben hast, habe ich nicht nachgelassen in Deinem Dienst und habe keines Deiner Gebote freiwillig übertreten. Dein heiliger Wille war stets die Richtschnur meines Handelns, und ich kann mich in Wahrheit Dein treues Kind nennen.»



15.04.2020
205. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (III)
(Lk 15)

I Der Unwille des älteren Sohnes
«Sein älterer Sohn war gerade auf dem Feld. Als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen von den Knechten und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. Dein Bruder ist heimgekommen, antwortete ihm dieser. Nun hat dein Vater das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund zurückerhalten hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen.»
Komm und nimm deinen Platz bei dem Freudenmahl ein! Der reumütige Sohn sitzt an der Seite seines Vaters und genießt das Glück der wiedergewonnenen Unschuld. Er hat erfahren, wo Wahrheit, Glück und Frieden zu finden sind, er wird sich nicht mehr täuschen lassen. Die Vergangenheit ist abgetan. Er soll sich ihrer nur erinnern, um die Güte seines Vaters zu preisen, der ihm so großmütig verziehen hat.
Doch die Festfreude wird gestört durch das Murren und den Widerspruch des älteren Bruders. Er versteht die Güte seines Vaters nicht und begreift nicht, warum er die Rückkehr seines Bruders so festlich begeht. Er sieht mit Neid und Ärger die Freigebigkeit seines Vaters gegen den unwürdigen Sohn. Höre, wie er sich beklagt, da der Vater nicht ihm zu Ehren Feste veranstaltet hat; er meint, als Lohn für seine Pflichterfüllung den ersten Anspruch darauf zu haben. Er fühlt sich in seinen Rechten verletzt, ihm erscheint es, als ob alles, was man seinem Bruder gibt, ihm selbst entzogen werde. Es kränkt ihn, dass sein Vater dem verlorenen Sohn die Versöhnung so leicht gemacht hat.
Dieser selbstgerechte Sohn ist in seinem Urteil streng;, hart und unerbittlich, weil er sich nicht in die Gefühle seines Vaters hineinzudenken vermag. Er weiß nicht, was es heißt, ein Kind zu verlieren, dem man selbst das Leben geschenkt hat, und er kann sich nicht vorstellen, welche Freude das Vaterherz erfüllt, als er den totgeglaubten wieder findet. Wir dürfen auch hier wieder erkennen, wie sehr Gott uns liebt!




14.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

III Die Aufnahme des verlorenen Sohnes im Vaterhaus
«Schon von weitem sah ihn sein Vater und ward von Erbarmen gerührt. Er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sagte zu ihm: «Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.»
Sei Zeuge des Wiedersehens zwischen Vater und Kind, und du wirst die Größe der göttlichen Liebe erkennen. Seitdem der Sohn das Vaterhaus verlassen, hat der Vater unaufhörlich an ihn gedacht, er zählt die Tage und die Stunden und sehnt sich nach dem kleinsten Zeichen der Reue, um dem Verlorenen beim ersten Schritt zur Aussöhnung seine Liebe wieder zu schenken und ihn mit neuen Gütern auszustatten.
Sieh, wie der verlorene Sohn nach seiner Rückkehr am Vaterherzen ruht! Da bekennt er seine Schuld und Unwürdigkeit. Er hatte sich vorgenommen zu sagen: «Vater ich habe gesündigt», und er hält Wort. Sein Vater wünscht dieses Schuldbekenntnis, und dem reuigen Sünder ist es ein wahres Bedürfnis, diesem Wunsch zu entsprechen. Er verlangt nach einem teilnehmenden Herzen, dem er sich ganz anvertrauen kann. Und wo fände er mehr Liebe und Verständnis als bei seinem Vater? Höre, wie er sein Geständnis ablegt! Es befreit ihn von dem Druck seiner Schuld und bringt ihm Erleichterung, wie dem Kranken das Heilmittel. Sein Vater aber wird durch dieses reumütige Bekenntnis versöhnt. Gott verzeiht nur denen, die ihre Schuld erkennen und eingestehen. Dieses Geständnis soll die Aufrichtigkeit ihrer Reue beweisen, denn durch die Verdemütigung der Anklage wird der Stolz, die letzte Ursache jeder Sünde, gebrochen.
«Doch der Vater befahl seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an. Gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße. Dann holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Freudenmahl halten und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden. Und sie fingen an, ein Freudenmahl zu halten.» Nimm teil an der Freude des Vaters und an der Freude des Heimgekehrten, dem sein Vaterhaus wieder offen steht und der in alle Rechte der Kinder Gottes wieder eingesetzt wird! Bitte den himmlischen Vater, dir alles wieder zu geben, was du durch die Sünde verloren hast, und erfreue dich im Gedanken an die Glückseligkeit, die Er dir bereitet.



13.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

II Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
«Ich will mich aufmachen, zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Behandle mich wie einen deiner Tagelöhner. Er machte sich also auf und ging zu seinem Vater.»
Der Sünder möchte gern ins Vaterhaus zurückkehren. Wird aber der himmlische Vater ihn wieder aufnehmen? Diese Frage ist von der größten Bedeutung. Es genügt nicht, sich zu fragen, ob man seine Sünden bereut und wünscht, sie nie begangen zu haben. Es handelt sich vor allem darum, zu erfahren, ob der Fehler wieder gutgemacht werden kann, ob Gott bereit ist, unsere Reue anzunehmen, und ob Seine Güte und Barmherzigkeit Seiner Macht und Heiligkeit gleichkommen.
Das Gleichnis bringt dir diesen tröstlichen Beweis. Der verlorene Sohn verabscheut seinen Fehler und entschließt sich, ihn wieder gutzumachen. «Ich will mich aufmachen!» ruft er aus. «Was es auch kosten mag, ich will mein Unrecht wieder gutmachen, mein schändliches Leben aufgeben und mit meinen schlechten Gewohnheiten brechen. Ich will die Leidenschaften, die mich ins Verderben stürzten, bekämpfen und den Gelegenheiten zur Sünde entsagen. Offen und mutig will ich auf den Weg der Pflicht, der Tugend und Frömmigkeit zurückkehren.»
Wo wird er die Kraft zu diesem überaus schwierigen Unternehmen finden? In der Hoffnung, dass sein Vater ihm verzeihen wird! — «Ich will zu ihm eilen, ich will ihm meine Schuld bekennen und Besserung versprechen. Ich kenne ihn, ich weiß, wie gut er ist; er wird mich aufnehmen und diesem Elend entreißen.»
Danke dem verlorenen Sohn, dass er dich lehrt, mit Vertrauen dem himmlischen Vater entgegenzutreten, den du so oft beleidigt hast! Betrachte den Verirrten auf dem Rückweg zum Vaterhaus! Er ist so schwach, und der Weg ist so weit, seine Schritte wanken, aber er hofft, und die Hoffnung ist seine Stärke. Wenn er auch manches Mal fällt, so beharrt er doch bei seinem Entschluss. Folge seinem Beispiel!



12.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

I Die Reue des verlorenen Sohnes
«Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, und ich komme um vor Hunger!»
Suche noch einmal den verlorenen Sohn auf, dessen Undankbarkeit und Torheit du schon betrachtet hast! Erinnere dich, wie er in leichtsinniger Weise die Gaben Gottes missbraucht und sich selbst ins größte Elend gestürzt hat! In diesem Zustand ruft er aus: «Ich gehe durch Hunger zu Grunde. Als ich hierher kam, träumte ich davon, in Reichtum und Überfluss zu leben und all meinen Neigungen und Liebhabereien frönen zu können, statt dessen habe ich nur Enttäuschungen und die äußerste Armut gefunden.»
Der verlorene Sohn hat Gott verlassen und sich von ihm entfernt. Was bleibt dem, der Gott verloren hat? Habe Mitleid mit dem Unglücklichen! Sieh, in welchen Abgrund er durch eigene Schuld gestürzt ist! Mache dir seine traurigen Erfahrungen zunutze, und lerne von ihm aufrichtige Reue über deine Sünden! Die Reue besteht darin, dass man seine Sünden verabscheut und wünscht, sie nie begangen zu haben. Das tut der verlorene Sohn. Das Übermaß seiner Leiden und Enttäuschungen ist der erste Anstoß dazu.
«Wie viele Tagelöhner im Haus meines Vaters haben Überfluss an Brot?» — Seine Gedanken schweifen zurück zum Vaterhaus, und es regt sich in ihm der Wunsch, es niemals verlassen zu haben. Es reut ihn, dass er den Lügenstimmen Gehör geschenkt, die ihn in die Fremde lockten. Er beginnt, seine Handlungsweise zu verabscheuen, und die wahre Reue bricht sich Bahn. — So geht es vielen Sündern; sie erinnern sich der Vergangenheit mit ihren reinen Freuden. Sie denken zurück an ihr stilles Glück, an den Frieden der Seele und an die Sorglosigkeit bezüglich der Zukunft. Das alles möchten sie wiederfinden und von neuem ihr Herz der Hoffnung erschließen.



11.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

III Das Unglück des verlorenen Sohnes
«Als er alles durchgebracht hatte, entstand in jenem Land eine große Hungersnot, und er fing an zu darben. Da ging er hin und verdingte sich bei einem Bürger jenes Landes. Dieser schickte ihn auf seine Felder, die Schweine zu hüten. Gern hätte er seinen Hunger mit den Schoten gestillt, die die Schweine fraßen. Aber niemand gab sie ihm.»
Nachdem er allen seinen Leidenschaften gefrönt hat, erfährt der Sünder endlich, dass das Glück nicht in der Trennung von Gott zu finden ist, denn Gott ist das wahre Leben der Seele, und ohne dieses Leben kann der Mensch nicht glücklich sein. Noch niemand hat das Glück in der Befriedigung niedriger Leidenschaften gefunden.
Das Schicksal des verlorenen Sohnes bestätigt diese Wahrheit. Er hat das gesicherte Leben im Vaterhaus gegen eine ungewisse Zukunft eingetauscht, er hat trügerischen Stimmen Gehör geliehen, die ihn von seiner Pflicht abwendig machten und ihm vorgaukelten, das Glück sei in der Ferne. Aber was er fand, entsprach nicht seinen Erwartungen. Statt der ersehnten Befriedigung wurde ihm Überdruss zuteil. Er suchte Reichtum und leidet nun Hunger, er träumte von Unabhängigkeit und ist zum Knecht geworden, er sehnte sich nach Ehre und Ansehen vor den Menschen und wird mit Schmach und Schande überhäuft. Alle Gründe, auf die er sein Handeln stützte, beruhten auf Trugschlüssen und seine Träume waren Hirngespinste.
So tief fällt der Mensch, der sich von seinem himmlischen Vater lossagt. Welches Schicksal verdient er? Was verdienst du, wenn du die gleiche Torheit begehst? Denke in aller Demut über dein vergangenes Leben nach und vergleiche die unendliche Größe und Majestät Gottes mit der abgrundtiefen Niedrigkeit des Sünders! Lerne Selbsterkenntnis und Demut!



10.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

II Der Missbrauch, den der verlorene Sohn mit seinen Gütern treibt
«Wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort verschwendete er sein Vermögen durch ein ausschweifendes Leben.» Folge dem missratenen Sohn! Er hat sein Erbteil in Händen, aber er weiß es nicht zu schätzen. Er vergisst, dass sein Vater diesen Reichtum durch harte Arbeit und große Beschwerden erworben hat. Vergessen wir nicht auch allzu oft, dass unser himmlisches Erbteil den Schweiß und das Blut des Heilands gekostet hat? Was tut der Sünder mit diesen Gütern? Er benutzt sie, wie der verlorene Sohn, zur Befriedigung seiner Leidenschaften und sinnlichen Begierden und lässt seinem Verlangen nach Unabhängigkeit die Zügel schießen. Er will das Leben genießen, ohne an die Vergangenheit zu denken. Er zieht weit fort, um nur nichts zu hören oder zu sehen, was ihn an das Vaterhaus erinnert. Er will in der Ferne alles vergessen, was ihm ans Herz gelegt wurde, alle Wahrheiten, alle Warnungen und alle Lebensregeln. So handelt der Sünder. Sein Herz ist für die Liebe Gottes geschaffen und er entzieht es Ihm. Er gebraucht Gottes Gaben, um Ihn zu beleidigen. Liegt darin nicht der Höhepunkt menschlicher Undankbarkeit, und verdient ein solches Verhalten nicht die schwersten Strafen?



09.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

I Das Unrecht und die Undankbarkeit des verlorenen Sohnes gegen seinen Vater
Dann fuhr Er fort: «Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Anteil am Vermögen, der mir zukommt. Er verteilte also das Vermögen unter sie.»
Bewundere vor allen Dingen die uneigennützige Güte des Vaters, von dem der Heiland redet, seine Freigebigkeit und liebevolle Sorge für seine Kinder. Dieser Vater hat alles hingegeben, bevor seine Söhne noch das Geringste verdienen konnten. Seine Gaben sind von höchstem Wert und haben ihn selbst viel gekostet. Er hat nichts gespart, um seine Kinder reichlich zu versehen.
Vergleiche die Undankbarkeit des Sohnes mit dieser übergroßen Güte, und verabscheue ein solches Betragen! Gib mir, was mir zukommt», sagt der Sohn. Er will mit seinem Vater, dem er alles verdankt, brechen. Er ist der Freuden des Vaterhauses überdrüssig geworden, die täglichen Pflichten scheinen ihm eintönig und die Arbeit ist ihm unerträglich. Seine Gedanken schweifen in die Ferne, das Unbekannte lockt seine Neugierde, die Leidenschaften sind erwacht und haben über alle besseren Regungen die Oberhand gewonnen. «Vater, gib mir mein Erbteil und meine Freiheit! Ich will mir mein Leben nach meinem Geschmack einrichten, da ich das Glück daheim nicht finde.» Diese Forderung schlägt dem Herzen des Vaters eine tiefe Wunde. Trotzdem hört er seinen Sohn an und erfüllt seinen Wunsch. Warum? Ja, warum lässt der himmlische Vater es zu, dass Seine Kinder Fehltritte begehen, wenn nicht, um den Triumph Seiner Barmherzigkeit um so glänzender zu gestalten?



08.04.2020
202. Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
(Lk 15)

II Jesus schildert die Mühe, die Er aufwendet, um die verirrten Seelen wiederzufinden
«Zündet sie dann nicht ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Und hat sie die Drachme gefunden, so ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir! Ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.» Was tut der Heiland, um den verlorenen Schatz wiederzufinden? Er zündet ein Licht an, um die Finsternis der Lüge und der Heuchelei, der unredlichen Absichten und der schwarzen Treulosigkeit zu erhellen. Alle diese Abscheulichkeiten müssen an den Tag, alles was sich verbirgt, muss ans Licht gebracht werden.
Jesus selbst ist jenes Licht, das von oben kommt, um alle Menschen zu erleuchten und sie auf den rechten Weg zu leiten. Er erniedrigt Sich bis zu dir und beleuchtet auch dein Sündenelend. Verstehst du die Wahrheit nicht, die aus Seinen Worten spricht? Verbirg dich nicht länger, lass dich von deinem göttlichen Meister finden! Erkenne im Licht der göttlichen Lehre den Sündenstaub deiner Seele und bitte den Heiland, sie davon zu reinigen! Es ist an der Zeit, alle ungeordneten Neigungen aufzugeben und dem Zustand der Lauheit, in dem sich deine Seele befindet, zu entrinnen. Jesus hat alles für dich getan und erwartet jetzt von dir den Lohn für Seine Mühen und Leiden. «Freuet euch mit Mir!» sagt der Heiland, und der ganze Himmel bereitet sich, den glücklichen Erfolg des Herrn festlich zu begehen. Gilt diese Feier auch deiner Seele?



07.04.2020
202. Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
(Lk 15)

I Jesus offenbart Seinen Jüngern, wie hoch Er die Seelen einschätzt
«Oder wenn eine Frau zehn Drachmen besitzt und eine davon verliert, zündet sie dann nicht ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?»
Fahre fort, der ergreifenden Unterweisung deines Erlösers zu lauschen! Er stellt Sich selbst unter dem Bild dieser armen Frau dar, die durch den Verlust ihrer Drachme in so viel Trauer und Unruhe gestürzt wird.
Deine Seele gleicht der Drachme, die in den Augen Jesu einen überaus hohen Wert hat. Bedenke was jede einzelne Seele Jesus an Arbeiten, Verdemütigungen und Leiden gekostet hat, Er hat sie um den Preis Seines Blutes erkauft und glaubte nicht, sie zu teuer zu bezahlen. Was tat Er in Bethlehem, in Nazareth, im Ölgarten, auf dem Kalvarienberg? Er kaufte diesen Schatz, deine Seele. Deshalb gehörst du Ihm mit allem, was du bist und hast, was aber Ihm gehört, muss auch Seinen Absichten dienen. Jesu Absichten mit uns sind von der höchsten Weisheit und liebevollsten Güte eingegeben, und es liegt Ihm vor allem deshalb viel an ihrer Ausführung, weil es sich dabei um die Ehre Seines himmlischen Vaters handelt.
Was ist denn an dem Tag geschehen, da du dich in den Staub fallen ließest? Du hast dich in den Augen des Heilands erniedrigt, du hast den Erfolg Seiner Arbeiten beeinträchtigt, du hast Seinen Absichten zuwidergehandelt und Sein Erlöserblut verachtet. Wundere dich nicht, dass der Heiland Sich keine Ruhe gönnt und alle Mühen auf Sich nimmt, um deine Seele zurückzugewinnen, die Ihm durch die Sünde verlorenging. Sein Herz hängt an ihrem Besitz, und Er wird nicht ablassen, bis Er sie wiedergefunden hat.



06.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

III Die Freude im Himmel über die Bekehrung eines Sünders
«Ebenso wird im Himmel größere Freude sein über einen Sünder, der sich bekehrt, als über neunundneunzig Gerechte, welche der Bekehrung nicht bedürfen.»
Richte deinen Blick nach oben und sieh, wie der Sohn Gottes dich dem ganzen himmlischen Hof vorstellt mit den Worten: «Hier ist die Seele, die Ich verloren hatte. Sie hat ihre Sünde beweint, ich durfte die Frucht Meiner Arbeiten und Meines Blutes wiederfinden. Darum freut euch mit Mir!» Die Seligen des Himmels freuen sich über die Tränen des Sünders, die ihm das Anrecht auf einen Platz bei ihnen schenkt, sie beginnen jetzt schon das Fest seiner einstigen Seligsprechung. Bleibe nun dem Herrn treu, und halte fest am Geist der Buße, der zum ewigen Glück hinführt.
Bedenke auch, dass die Bekehrung einer einzigen Seele den ganzen himmlischen Hof in solche Freude versetzt. Dies zeigt, wie kostbar jede Seele in den Augen Gottes und der Heiligen ist. Du wirst deshalb deine Seele sorgfältig vor jeder Gefahr der Verunreinigung durch die Sünde bewahren.



05.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

II Jesus beschreibt Seine Freude über die Bekehrung eines Sünders
«Er geht dem verlorenen nach, bis er es findet. Hat er es gefunden, so nimmt er es voll Freude auf seine Schultern. Und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.»
Betrachte den guten Hirten auf dem Weg, den er einschlägt, um das verlorene Schaf wiederzufinden. Es ist der Weg, auf dem der Teufel unvorsichtige Seelen ins Verderben führt. Bist nicht auch du diesen Weg gewandelt, und hast du dadurch nicht mehr als einmal dein Seelenheil aufs Spiel gesetzt?
Der gute Hirt erzählt gleichsam die Geschichte deiner Bekehrung. Deine Undankbarkeit hatte dich Seiner liebevollen Sorge ganz unwürdig gemacht, aber trotzdem hat Er sich sogleich auf den Weg begeben, um dich um jeden Preis zum Schafstall zurückzuführen, ungeachtet deines langen Widerstandes, deines häufigen Rückfalls und deines kränkenden Verrats. Nichts konnte Ihn entmutigen!
Erinnere dich, mit wie viel Liebe Sein Blick auf dir ruhte, mit welch zärtlicher Sorge Er das erste Zeichen deiner Reue erwartete und wie Er Sich dann mit väterlicher Liebe dir zuneigte, deine Wunden verband und deine Hoffnung neu belebte! Das alles war noch nicht genug. Der Heiland suchte dir die Rückkehr in den Schafstall in jeder Weise zu erleichtern und deine Anstrengungen zu unterstützen, damit du in Zukunft den Forderungen der Pflicht nachkommst trotz aller Lockungen der Leidenschaft. Darum ist Er in den Beweisen Seiner Liebe bis zum äußersten gegangen. Er hat dich auf Seinen Schultern getragen, dich an Seinem Herzen ruhen lassen und mit unwiderstehlicher Liebe dich an Sich gelockt. Durchlebe im Geist noch einmal jene Stunden, in denen der Herr dir Seine Barmherzigkeit offenbarte, und lass die Freude wieder aufleben, die dich erfüllte, als Er dir all deine Sünden verzieh!
Vollende das Werk deiner Bekehrung, damit deine Freude voll werde! Eile dem guten Hirten entgegen und erkläre dich besiegt! Bekenne deine Fehler und bitte Ihn, dich wieder in Seinen Schafstall aufzunehmen!



04.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

I Jesus erklärt sich bereit, alles zu tun, um die Sünder zu bekehren
Allerlei Zöllner und Sünder nahten sich Ihm, um Ihn zu hören. Darüber murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sagten: «Dieser nimmt die Sünder auf und isst mit ihnen.» Da trug Er ihnen dieses Gleichnis vor: «Wenn einer von euch hundert Schafe besitzt und eins davon verliert, lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?»
Geselle dich den Zöllnern und Sündern zu, die sich dem Heiland nahen! Bei ihnen ist wirklich dein Platz, du bist sündhaft und armselig wie sie.
Jesus weilt gern bei den Sündern, das kleinste Zeichen ihres guten Willens und ihrer Reue erfreut Sein göttliches Herz. Er selbst versichert, dass Er, um ein verirrtes Schaf zu Seiner Herde zurückzuführen, Seine ganze Weisheit und die ganze Liebe Seines Herzens einsetzt.
Warum so viel Großmut? Versuche die Beweggründe des Heilands zu verstehen. Das Schaf, das sich von Seiner Herde entfernt hat, bereitet dem göttlichen Hirten einen tiefen Schmerz. Der Erfolg mühevoller Arbeit und erkämpfter Siege ist mit einem Schlag vereitelt. Wenn Er es sich selbst überlässt, ist sein Verderben besiegelt. Deshalb wundere dich nicht, dass der gute Hirt über diesen Verlust sehr betrübt ist und dem Unheil um jeden Preis abhelfen will. Er sinnt auf Mittel und Wege, um Sein Ziel zu erreichen. Seiner göttlichen Weisheit scheint keine Mühe zu groß, wenn es gilt, eine verirrte Seele ihren Täuschungen zu entreißen, ihr die Hässlichkeit ihrer Fehler zu zeigen und sie die Schwere ihrer Verantwortlichkeit fühlen zu lassen. Der göttliche Heiland beschäftigt Sich mit ihr, als ob sie ganz allein in der Welt wäre. Denke über diese Wahrheit nach, und du wirst im Gottvertrauen erstarken.



03.04.2020
200. Von der Losschälung des Herzens
(Lk 14)

II Jesus verlangt, dass wir uns die Verpflichtungen, die wir auf uns nehmen wollen, vorher klar machen
«Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er auch die Mittel zur Ausführung hat?»
Es ist wichtig, dass du diese Mahnung des Heilands wohl beachtest. Jesus fordert alle, die Ihm nachfolgen wollen, auf, sich diesen Entschluss vorher gut zu überlegen. Nicht einer vorübergehenden Begeisterung folgend sollen sie sich zu Seinem Dienst verpflichten, sondern sie sollen die Opfer ins Auge fassen, die von ihnen gefordert werden. Den steilen Weg, den sie wandeln, die Hindernisse die sie besiegen, und die Mittel, die sie ergreifen müssen. Daher sagt Jesus: «Berechnet die Kosten!»
Wie hoch soll dein Turm werden? Wie weit reichen deine Mittel? Welches Maß von Arbeitskraft willst du einsetzen, um das Gebäude deiner Vollkommenheit, zu dem der Heiland den Plan gezeichnet hat, zu fördern? Erinnere dich an das, was du dir in den Stunden heiligen Eifers vorgenommen hast, nimm nichts davon zurück! Jesus verdient es, dass du alle deine Fähigkeiten in Seinen Dienst stellst. Er verdient tausendmal, dass du um Seiner Ehre willen zu jedem Kampf bereit bist.
Um aber zu siegen, musst du vor allem die Kampfesweise deines Gegners genau kennen, damit du nicht kopfüber in die Fallen stürzt, die er dir stellt. Du musst ferner lernen, die Waffen zu gebrauchen, die der Heiland dir zur Verfügung stellt, und dich bemühen, einflussreiche, heilige Verbündete zu erwerben. Sei überzeugt, dass wir unter dem Banner Christi und durch Seine Gnade gestärkt, keine unbesiegbaren Feinde haben. Darum biete dich freudig dem Heiland als Streiter für Seine gerechte Sache an und sei ganz Sein, so wie Er ganz dein ist. Hänge dein Herz an nichts, was dich von Ihm trennen könnte. Der wahren Liebe wird kein Opfer zu schwer.



02.04.2020
200. Von der Losschälung des Herzens
(Lk 14)

I Jesus stellt die Bedingungen zu Seiner Nachfolge fest
Große Volksscharen folgten Ihm. Da wandte Er sich um und sagte zu ihnen: «Wenn jemand zu Mir kommt, aber Vater und Mutter und Frau und Kind und Bruder und Schwester, ja auch sich selbst nicht hasst,1 so kann er nicht Mein Jünger sein.»
Eile mit der Volksmenge zum Heiland. Alle, die Seinem Banner folgen wollen, müssen genau wissen, was Er von ihnen verlangt. Viele möchten Ihm folgen, wollen es sich aber nichts kosten lassen. Dies ist eine ganz verkehrte Vorstellung, die der Heiland berichtigen muss.
Durch Opfer, die der Natur schwer fallen, sollen wir Ihm unsere Treue beweisen. In strengen Worten stellt der Heiland diese Forderung. Wundere dich nicht darüber, der Sohn Gottes hat Anspruch auf die ganze Liebe, deren du fähig bist, und auf den ersten Platz in deinem Herzen.
Jesus verlangt nicht, dass wir die Mitmenschen, die uns lieb sind, aus unserem Herzen ausschließen, Er lässt jede geordnete Zuneigung und Liebe bestehen. Liebt Er doch alle, die du liebst, mehr, als es dir selbst möglich ist. Er hat mehr für sie getan, als du jemals für sie tun kannst, und im Himmel bereitet Er ihnen ein Glück, größer als deine Liebe es nur zu ersinnen vermag.
Aber vielleicht kommt einmal ein Tag, wo du zu wählen hast zwischen dem Heiland und deinen Freunden und Verwandten, zwischen Seinen Geboten und ihren schlechten und sündhaften Ratschlägen. Hüte daher beizeiten dein Herz vor einer übertriebenen, blinden Anhänglichkeil an die Menschen und lass deine Liebe nicht in eine verhängnisvolle oder gar strafwürdige Leidenschaft ausarten. Wenn deine Zuneigung dir Anlass zur Sünde wird, so ist sie vom Bösen. Es ist deine Pflicht, sie zu bekämpfen und zu besiegen, ob auch dein Herz dabei blutet.
Nimm diese Lehre in der rechten Weise an! Je mehr du darüber nachdenkst, um so besser wirst du ihre Bedeutung verstehen.
1 Der Heiland ermahnt uns, dass wir nichts Geschaffenes und keinen Menschen Ihm vorziehen dürfen und allen verkehrten Neigungen und allem Sündhaften in uns widersagen sollen.



01.04.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

III Das traurige Schicksal derer, die im Widerstand gegen Gott verharren
«Da wurde der Hausvater zornig und befahl seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hole die Bettler und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein! Ich sage euch aber: Von jenen Männern, die geladen waren, soll keiner mein Mahl verkosten.»
Betrachte das Schicksal, das jene trifft, welche die Einladung Gottes zurückweisen! Seine Gerechtigkeit erzürnt sich gegen sie. Gottes Absichten müssen über den schlechten Willen der Menschen den Sieg davontragen. Seine Weisheit darf nicht unterliegen und Sein Entgegenkommen nicht wirkungslos bleiben. Was der eine nicht gewollt hat, wird ein anderer erhalten. Gott lässt den Strom Seiner Gnade nicht versiegen, Er ändert nur dessen Lauf.
Höre den Befehl, den der Hausvater seinem Knecht gibt: «Die Großen dieser Erde, die sich etwas einbilden, die hochmütigen Gelehrten und Weltklugen haben meine Güter nicht gewollt, darum biete sie den Kleinen, den Armen, den Kranken und allen von der Welt Verachteten an. Suche meine Auserwählten in den entlegensten Gassen und in den Schlupfwinkeln des Elends zusammen! Ich werde sie erheben, sie umwandeln und zu Ehren bringen.»
So spricht auch dein himmlischer Vater. Sei nicht taub gegen Seine Mahnung, erwache aus deiner Erstarrung und eile herbei! Die Tür steht dir noch offen, warte nicht, bis sie verschlossen ist. Scheue keine Mühen, um dir die himmlischen Güter zu erwerben, solange es dir noch möglch ist. Bete für alle, die in Gefahr sind, sie auf immer zu verlieren!



31.03.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

II Der Widerstand der Menschen gegen Gott
«Da fingen alle einmütig an, sich zu entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe ein Landgut gekauft und muss hingehen, es zu besichtigen. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, sie zu erproben. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.»
Die Handlungsweise der Eingeladenen ist sehr verwerflich und verdient streng bestraft zu werden. Im ersten Eifer hatten sie die Einladung angenommen, als aber die Stunde gekommen ist, da ziehen sie sich zurück.
«Kommt!» sagt ihnen der Bote Gottes, «kommt, alles ist bereit!» Welche Entschuldigungen bringen sie vor? «Ich kann nicht», sagt der eine, «meine Geschäfte nehmen mich in Anspruch.» — «Ich kann nicht», sagt der andere, «meine Arbeiten und meine häuslichen Angelegenheiten erlauben es mir nicht.»
Der Mensch ist für den Himmel geschaffen und doch möchte er auf der Erde verweilen. Er ist nur vorübergehend auf dieser Welt und lebt doch, als ob er ewig da bliebe. Mit den zeitlichen Gütern soll er die ewigen erkaufen und doch gibt er all seine ewigen Güter für den geringsten zeitlichen Vorteil hin. So weit geht die Verblendung des Menschen, wenn ihm das Licht des Glaubens fehlt.
Hast du dich nicht ähnlicher Vorwände bedient, um dich dem Ruf Gottes zu entziehen? Bitte den Heiland, Er möge Sein Wort bis in das Innerste deiner Seele dringen lassen und dich so davon überzeugen, dass du endlich den Mut findest, Ihm zu folgen.



30.03.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

I Die zuvorkommende Liebe Gottes gegen die Menschen
Als einer von den Tischgenossen das hörte, sagte er zu Ihm: «Selig, wer am Mahle im Reiche Gottes teilnimmt!» Da sprach Er zu ihm: «Ein Mann veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele dazu ein. Als die Stunde des Mahles gekommen war, sandte er einen Knecht aus, um den Geladenen zu sagen: Kommt, es ist schon alles bereit.»
Verweile in der Gegenwart Jesu! Höre, wie sich die Tischgenossen die himmlische Seligkeit ausmalen! «Selig, wer im Reiche Gottes speisen wird!» ruft einer von ihnen. Jesus knüpft an diese menschlichen Vorstellungen an, um die Gedanken Gottes klarzulegen. Wende deinen Blick nicht von Ihm ab und lausche Seinen Worten!
Wer ist der Hausvater, von dem Er spricht? Zu welchem Fest ergeht seine Einladung, und an wen ist sie gerichtet? Der Sohn Gottes lädt die Menschen im Namen Seines Vaters zu den ewigen Freuden des Himmels ein. Gott bietet dir einen Platz in Seinem Reich an, du sollst Sein Gast, Sein Tischgenosse und der Erbe Seiner Güter sein, das ist dein letztes Ziel. Um den Menschen diese gute Nachricht zu verkünden, ist Gottes Sohn zu uns herabgestiegen.
Du bist geschaffen, um glücklich zu sein, aber wo wirst du das Glück finden? Nicht an den Tischen der Reichen dieser Welt, nicht in den Genüssen der Sinnlichkeit. Das Glück ist dort oben beim Gastmahl der Heiligen, wo Gott SeIbst unser Herz erfüllen und sättigen wird.



29.03.2020
198. Von der wahren Demut
(Lk 14)

II Jesus fordert Seine Gastgeber auf, sich vor allem der Armen und Geringen anzunehmen
Zu dem Gastgeber aber sprach Er: « Wenn du ein Mittag- oder ein Abendmahl gibst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder, Verwandten oder reiche Nachbarn ein, sonst laden auch sie dich ein und vergelten es dir. Nein, wenn du ein Gastmahl gibst, so lade Bettler, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Wohl dir alsdann! Denn diese können es dir nicht wiedervergelten, es wird dir aber vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.»
Seiner Unterweisung über die Demut fügt Jesus noch einen wichtigen Rat hinzu. Er möchte Seine Jünger mit Seiner eigenen Liebe beseelen, und Er gibt ihnen zu verstehen, dass, um wahrhaft gut zu sein, man selbstlos sein muss. «Widmet euch mit Vorliebe den Verlassenen, den Armen und den Kleinen», sagt Er.
Nur der Demütige hört solche Worte gern, nur wer in Seinen eigenen Augen klein ist, wird sich von Herzen der Kleinen annehmen. Um sich hinzugeben, muss man lieben, und um das zu lieben, was dem Stolz widerstrebt, muss man den Stolz besiegt haben und demütig sein.
Höre, was der Heiland beifügt! Er zeigt dir die Menge der von dieser Welt Enterbten und fordert dich auf, ihnen in deinem Herzen und an deinem Tisch einen Ehrenplatz einzuräumen. Er sagt: «Glücklich bist du, wenn du ihnen Gutes tust, weil sie es dir nicht vergelten können!»
Betrachte dieses Wort, in dem sich die ganze Schönheit der Lehre Jesu enthüllt: Glücklich bist du, denn sie können es dir nicht vergelten! Was könnten sie dir geben, wenn sie wohlhabend wären? Dasselbe, was du ihnen gegeben hast: ein wenig glänzenden Erdenstaub, der das Auge blendet. Nun wirst du Besseres bekommen, denn Gott macht Sich zum Sachverwalter Seiner Armen. Wer dem Armen gibt, leiht Gott. Du verlierst nichts, wenn du auch warten musst. Gott vergilt mit ewigen Gütern das Wenige, das man aus Liebe zu Ihm für die Seinigen tut. Wenn du bei dem, was du anderen erweist, nichts für dich selbst suchst, so findest du in jeder Wohltat den Himmel. Glücklich bist du, glücklicher wirst du sein! Lass dich durch diese Gedanken anspornen und genieße das Glück der Selbstlosigkeit!



28.03.2020
198. Von der wahren Demut
(Lk 14)

I Jesus mahnt zur Demut und zur Verachtung aller zeitlichen Ehre
Da Er bemerkte, wie die Geladenen sich die ersten Plätze auswählten, trug Er ihnen folgendes Gleichnis vor: «Wenn du von jemand zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz, sondern geh und setz dich an den letzten Platz. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.»
Nachdem Jesus Seine Zuhörer über die Barmherzigkeit belehrt hat, will Er sie in der Demut unterweisen. Beobachte, in welch lächerlicher Weise die Eitelkeit der Pharisäer nach Befriedigung hascht! Jeder der Geladenen strebt danach, bei Tisch den ersten Platz einzunehmen, und hofft, durch solche Äußerlichkeiten in der Achtung seiner Mitmenschen zu steigen. Höre, wie Jesus Seine Jünger dagegen lehrt: «Nehmt den letzten Platz ein! Benützt freudig jede Gelegenheit, euch zu verdemütigen, und jeder betrachte sich als den geringsten aller Menschen!» Wenn du über dich selbst nachdenkst, wirst du erkennen, daß du allen Grund hast, wahrhaft demütig zu sein.
Frage dich: «Wer bin ich und was verdiene ich?» Wer bist du? Um über dich selbst ein richtiges Urteil zu fällen, musst du dich nicht mit deiner Umgebung vergleichen. Du bist aus dem Nichts hervorgegangen. Das Nichts aber kann sich weder über ein anderes Nichts erheben noch kann es mit irgend etwas anderem verglichen werden.
Erhebe deine Augen zum Himmel, und indem du die unendliche Größe und Erhabenheit Gottes betrachtest, wird dir deine Armseligkeit bewusst werden. Du wirst alsdann eingestehen, daß dir der letzte Platz in Wahrheit gebührt.
Ist es nicht an der Zeit, auf die Unterweisungen des Heilands zu achten und allen trügerischen Ehren der Welt zu entsagen? Wähle aus freiem Antrieb den letzten Platz, und du wirst seinen wahren Wert erkennen. Wenn du deiner Wahl treu bleibst, wirst du dort ungeahnten Frieden finden. So werde denn demütig!



27.03.2020
197. Heilung eines Wassersüchtigen
(Lk 14)

II Jesus heilt den Kranken und bringt seine Gegner zum Schweigen
Da fasste Er ihn an, heilte ihn und hieß ihn gehen. Dann sprach Er zu ihnen: «Einem von euch fällt sein Ochs oder Esel in eine Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?» Darauf konnten sie Ihm nichts erwidern.
Der Kranke wird vom Heiland liebreich aufgenommen, denn bei seiner Heilung handelt es sich um die Ehre Gottes. Jesus heilt und entlässt ihn. Mit einer einzigen Gebärde, einem einzigen Wort vollzieht Er dieses Wunder der göttlichen Allmacht.
Merke dir, welche Bedeutung Jesus den Werken der Liebe und Barmherzigkeit beilegt! Er lehrt uns, dass die Gottesliebe mit der Nächstenliebe unzertrennlich vereinigt ist. Alles Gute, das wir unseren Brüdern tun, ehrt Gott ebenso sehr wie die Opfergaben, die wir auf Seinen Altar legen. Wenn die Frömmigkeit nicht in unseren Herzen wahre Nächstenliebe wachruft, wenn sie in uns nicht das Feuer selbstloser Hingabe zu entzünden vermag und wenn wir Übungen der Frömmigkeit vorschützen, um uns unseren leidenden Brüdern zu entziehen, so sind wir keine Jünger Jesu Christi und der Geist Seines Evangeliums fehlt uns.
Gibt es eine erhabenere und schönere Lehre? Setze volles Vertrauen in deinen göttlichen Lehrmeister! Öffne Ihm dein Herz und zeige Ihm all das Sündenelend, von dem Er dich schon so oft befreit hat und dessen Keim dennoch in dir fortlebt. Er ist bereit, auch an dir Seine Barmherzigkeit zu zeigen; komm, um von Ihm geheilt zu werden, wenn Er vorübergeht!



26.03.2020
197. Heilung eines Wassersüchtigen
(Lk 14)

I Jesus zeigt sich geneigt, den Kranken zu heilen
Als Er an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers ging, um zu essen, gaben sie genau auf Ihn acht. Da stand ein Mann vor Ihm, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: «Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?» Sie schwiegen.
Woran denkt Jesus? Wen will Er belehren? Er weilt inmitten Seiner Feinde, die Ihn mit Eifersucht und Abneigung betrachten. Bewundere Ihn, wie Er mit wahrer Seelenstärke auch in dieser Umgebung die Ehre Gottes verteidigt!
Es bietet sich Ihm Gelegenheit, ein Werk der Barmherzigkeit zu üben, aber alle Umstände sprechen dagegen. Der Ort ist ungünstig; alles steht im Widerspruch mit Seiner Denk- und Handlungsweise. Jesus weiß es. Allein diese Schwierigkeiten kümmern Ihn wenig, wenn es gilt, durch Wort und Tat die Ehre Seines himmlischen Vaters zu fördern. Auch die Zeit ist ungelegen; denn es ist Sabbat, und Jesus könnte sich an diesem Tag Ruhe gönnen. Aber in Seinem Herzen tönt die göttliche Mahnung: Arbeite! Einer Deiner leidenden Brüder fleht zu Dir um Hilfe, und dieses Werk der Barmherzigkeit duldet keinen Aufschub. Geh und hilf ihm! Und Jesus hat die Stimme Seines Vaters vernommen und ist herbeigeeilt.
Böswillige Menschen umgeben Ihn, und das Werk, das Er vollbringen will, wird von ihnen misstrauisch und abfällig beurteilt werden. Man wird dem Heiland bei Seinem Handeln rein menschliche Absichten unterschieben, obgleich Er sich nur von übernatürlichen Beweggründen leiten lässt. Aber was liegt Ihm daran, ob man Ihn falsch beurteilt, wenn nur die göttliche Majestät verherrlicht wird! Er überlässt dem himmlischen Vater alle Sorge für Seinen guten Ruf. So handelt wahre Frömmigkeit, wahre Liebe und wahrer Eifer. Fühlst du dich angeregt, diesem edlen Beispiel zu folgen?



25.03.2020
196. Die Feinde Jesu
(Lk 13)

II Jesus trauert über den hartnäckigen Widerstand der Juden
«Jerusalem! Jerusalem! Du mordest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft wollte Ich deine Kinder sammeln wie eine Henne ihre Küken unter den Flügeln, aber ihr habt nicht gewollt!»
Höre die ergreifende Klage Jesu! Sein Herz ist voller Schmerz über die Unbußfertigkeit Jerusalems, und Er ruft aus: «Wie oft habe ich gewollt, ... und du hast nicht gewollt.» Ich habe dir die Wahrheit, die Verzeihung, das Heil, die Auferstehung und das Leben angeboten, doch du hast nicht gewollt. Ich wollte deine Kinder segnen und retten, die Betrübten trösten, den Armen Hoffnung bringen und aller Knechtschaft ein Ende machen, doch du hast nicht gewollt. Du hast mich von dir gestoßen und hartnäckig nein! gesagt.»
Gleicht nicht auch deine Seele dem undankbaren Jerusalem, über das der Heiland weint? Er will in dir herrschen, und du lässt Ihn nicht ein. Er tut alles, um dir Seine Lehre, Seine Tugenden und Sein Kreuz lieb zu machen, du aber wendest dich verächtlich ab und vergisst Ihn.
Und warum hat Jerusalem nicht gewollt? Welche verführerischen Stimmen haben es betört? Die selben Stimmen werden auch in deiner Seele laut, die selben Feinde belagern dich und befinden sich sogar innerhalb deiner Mauern. Sie verbergen sich, um dich leichter zu verderben. Nimm mutig die Verfolgung auf, treibe sie hinter ihre letzte Verschanzung zurück und bringe ihnen eine vollständige Niederlage bei, damit dein Herz fortan vor ihnen sicher sei und der Sohn Gottes unumschränkt darüber herrsche.
Jesus lässt Seiner Klage eine ernste Drohung folgen. Siehe, euer Haus wird euch verwüstet! Ich sage euch aber: Ihr werdet Mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, da ihr sagen werdet: Gesegnet sei, Der da kommt im Namen des Herrn.» Erwäge diese Worte! Sie offenbaren dir, zu welch schrecklichem Ende der Stolz und die Verhärtung führen. Jesus Christus wird früher oder später über jede Seele triumphieren. Zögere also nicht länger, dich Ihm zu unterwerfen, und lass dich durch den Gedanken an die Untreue Jerusalems zu größerer Treue aneifern! Wirf dich dem Herrn zu Füßen, flüchte unter die Flügel Seiner Barmherzigkeit und bemühe dich durch liebende Hingabe, Sein verwundetes Herz zu trösten.



24.03.2020
196. Die Feinde Jesu
(Lk 13)

I Jesus ist entschlossen, Sein Werk bis zum Ende durchzuführen
Noch in der gleichen Stunde kamen einige Pharisäer und sagten zu Ihm: «Geh weg und entferne Dich von hier, denn Herodes will Dich töten.»
Eile zu Jesus hin! Die Menschen wollen sich Seiner entledigen; die Bedrücker des Volkes können es nicht länger ertragen, dass Er den Unterdrückten die Freiheit bringt. Daher sagen sie Ihm: «Herodes will dich töten.» Aber sie selbst wünschen Seinen Untergang noch mehr als Herodes. So groß ist die Ungerechtigkeit irdischer Machthaber gegen den Herrn. Der ganze Schwarm von Gesetzeslehrern ruft Ihm zu: «Geh weg von hier! Wir wollen von Deiner Glaubens- und Sittenlehre nichts mehr hören. Kümmere Dich nicht mehr um unsere Gesetze und Einrichtungen, sondern wende Dich an andere mit Deinen Offenbarungen!»
Führt man nicht auch in deiner Umgebung solche Reden, und verbündet sich nicht auch dort die falsche Frömmigkeit mit dem bösen Feind, indem sie mit geheuchelter Sorge für das Leben des Heilands Ihm sagt: «Hüte Dich vor der Gefahr, die Dir droht; man will Dich töten. Es wird besser sein, Dich zu entfernen!»
Wie lautet die Antwort des Herrn? «Gehet und sagt diesem Fuchs: Siehe, Ich treibe die bösen Geister aus und wirke Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet. — Ich werde Meine Absichten durchführen, und niemand vermag mich daran zu hindern, das Werk zu vollbringen, um dessentwillen Ich auf die Erde gekommen bin. Die Zukunft gehört Meinem himmlischen Vater. Ich bin bereit, alles, was menschliche Bosheit gegen Mich ersinnt, zu ertragen, wenn nur das Werk der Erlösung vollendet wird.» — So denkt Jesus, und das ist Sein unabänderlicher Entschluss. Wirst du dich endlich eines so mutigen Führers würdig zeigen und dich Seinen tapfersten Streitern in den vordersten Reihen zugesellen? Bedenke, dass Seine Güte gegen dich dem Heiland so viele Feinde erweckt! Darum strebe eifrig, dich in Seinem Dienst auszuzeichnen!



23.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

III Jesus wird anderen die Gnaden geben, die von den Sündern missbraucht werden
«Da wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes seht, während ihr davon ausgeschlossen seid. So gibt es Letzte, die Erste, und gibt es Erste, die Letzte sein werden.»
Denke über diese ernste Warnung nach, die Jesus an Seine Zuhörer richtet! Er sagt einigen von ihnen die ewige Verdammnis voraus. Manchen, die einst zu den Auserwählten Seines Herzens gehörten, gilt die Drohung: «Ihr werdet den Himmel, den ich euch zudachte, nur vom tiefsten Abgrund der Hölle aus erahnen, während die kindlichen Seelen, die ihr auf Erden wegen ihres einfältigen Glaubens verachtet habt, frohlockend in die ewige Herrlichkeit eingehen. Ihr werdet in der Wut der Verzweiflung aufschreien, aber auf ewig in der Hölle Qual und Schmach versenkt bleiben.»
Jesus hat recht, diejenigen zu verwerfen, die Ihn hier auf Erden nicht anerkennen wollten. Er hat recht, alle Gnaden, die jene verscherzten, anderen Seelen zuzuwenden. Es entspricht der göttlichen Gerechtigkeit, dass für jeden Menschen einmal der Augenblick kommt, in dem er unwiderruflich gerichtet wird. Welchen Entschluss wirst du aus diesen Erwägungen ziehen? Bitte den Heiland in aller Demut, dich hierüber zu erleuchten und dich so in Seiner Gnade zu befestigen, dass du nie von jener Höhe herabstürzest, zu der Seine unendliche Güte dich erhoben hat.



22.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

II Jesus ermahnt Seine Jünger, die Zeit gut zu benützen, um sich den Himmel zu verdienen
Denn ich sage euch: «Viele werden einzutreten suchen, es aber nicht vermögen. Hat sich der Hausherr einmal erhoben und die Türe geschlossen, dann werdet ihr draußen stehen, an die Türe klopfen und rufen: Herr, mach uns auf. Doch Er wird euch entgegnen: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Alsdann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit Dir gegessen und getrunken; auf unsern Straßen hast Du gelehrt. Er aber wird euch erklären: Ich sage euch, Ich weiß nicht, woher ihr seid.»
Jesus warnt uns vor der Selbsttäuschung. Auch dir gilt Sein Wort: «Hütet euch!» Die Zeit der Gnade vergeht schnell, und wenn sie verstrichen ist, dann vermag unser Erlöser uns nicht mehr zu helfen. Jetzt kann die geringste Anstrengung uns den Himmel erwerben; aber die Stunde wird kommen, da uns auch die heroischsten Taten nicht mehr retten können.
Der Heiland beschreibt Seinen Zuhörern die Verzweiflung, die sich der Verdammten bemächtigt. Stelle dir vor, du seiest Augenzeuge jener furchtbaren Szene und hörtest das Verzweiflungsgeschrei der Unglücklichen, welche die göttliche Gerechtigkeit für immer von den Freuden des Himmels ausschließt. Um den Herrn gnädig zu stimmen, werden sie zu Ihm sagen: «Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und Du hast auf unseren Straßen gelehrt.» Und Er wird sagen: «Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weichet von mir alle, ihr Übeltäter!»
So gibt es Verworfene selbst unter jenen, die sich nach außen hin zur wahren Religion bekennen. Um in den Himmel zu gelangen, genügt es nicht, den Herrn auf Erden gekannt und in Seinem Heiligtum gelebt zu haben. Gott nimmt in Sein ewiges Reich nur jene auf, die hier auf Erden ganz zu den Seinigen zählten. Zu allen anderen spricht Er: «Ich kenne euch nicht, denn ihr habt euer Leben nicht dem Meines Sohnes gleichförmig gemacht. Ihr habt wohl in Seiner Kirche gelebt, aber nicht danach gestrebt, Ihm ähnlich zu werden. Seine Lehre und Sein Beispiel sind in eurer Seele unfruchtbar geblieben, deshalb könnt ihr nicht in die ewige Glückseligkeit eingehen.»



21.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

I Jesus lehrt uns, was wir tun müssen, um zum ewigen Leben zu gelangen
So wanderte Er lehrend durch Städte und Dörfer und zog weiter nach Jerusalem. Da fragte Ihn jemand: «Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?» Er sprach zu ihnen: «Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten!»
Folge dem Heiland auf dem Weg nach Jerusalem und vernimm die Frage, die Ihm ein Vorübergehender stellt! Dieser Mann ist in Sorge für sein ewiges Heil, und so drängen sich ihm die Fragen auf: «Sind es wenige, die selig werden? Werden meine Angehörigen und ich einst zu den Auserwählten zählen?» Quält nicht auch dich eine ähnliche Unruhe? Bitte Gott, dass Er deinen Zweifeln ein Ende mache, denn Sein Sohn ist ja in die Welt gekommen, um uns zu erleuchten und zu belehren.
Jesus antwortete: «Bemüht Euch mit aller Anstrengung, durch die enge Pforte einzugehen», und in dieser Antwort liegt die Bedingung, um unsere Seele zu retten. Der Lohn, der unser in der Ewigkeit harrt, wird unseren Arbeiten und Mühen entsprechen. Überlasse dich keiner Täuschung, sondern fange mutig an, dir selbst Gewalt anzutun und recht klein zu werden. Ohne Anstrengung und Selbstverleugnung gelangen wir nicht zur Seligkeit, in die der Heiland uns einführen möchte.
In den Himmel kommen jene Seelen, die sich nicht fürchten, ihren Stolz zu verdemütigen und ihre Sinnlichkeit zu bekämpfen, die bereitwillig alles opfern, was mit dem göttlichen Gesetz in Widerspruch steht. Erforsche dich eingehend, ob du den rechten Weg wandelst, ob du wahrhaft nach Tugend strebst und deinen Mitmenschen ein gutes Beispiel gibst! Hast du deinem Leben die Richtung zum Himmel gegeben? Bitte Gott um die Gnade, niemals vom rechten Weg abzuweichen.



20.03.2020
194. Die Rückkehr an den Jordan
(Mt 19, Mk 10, Joh 10)

II Das Volk bekennt, dass Er wirklich der Messias ist
Sie sprachen: «Johannes hat zwar Wunder gewirkt, alles aber, was Johannes von Diesem gesagt hat, ist wahr gewesen.» Und viele glaubten an Ihn.
Erinnere dich, wie an dieser Stelle Johannes der Täufer auf den Heiland gewiesen hatte mit den Worten: «Seht das Lamm Gottes!» Und der himmlische Vater legte Zeugnis für Ihn ab: «Dies ist Mein geliebter Sohn.» Hier war es auch, dass sich die ersten Jünger dem Heiland näherten mit der Frage: «Meister wo wohnst Du?» Himmel und Erde vereinigen sich, um die Gottheit des Heilands zu verkünden. «Alles, was Johannes von Diesem gesagt hat, ist wahr gewesen», so lautet das Urteil des Volkes.
Erkenne auch du den Sohn Gottes an! Er ist wirklich der Erlöser, der von den Propheten vorhergesagt wurde, der Gesandte des Vaters, der uns Menschen Lehrer und Vorbild sein soll. Er kommt zu dir, um dich von neuem an die unschätzbare Wohltat der Erlösung zu erinnern. Öffne Ihm dein Herz und preise mit Ihm die Wundertaten Gottes! Bezeuge laut, dass die göttliche Vorsehung immer nur das Heil der Menschen im Auge hat und dass sogar Verdemütigungen und Leiden dazu dienen, uns glücklich zu machen.



19.03.2020
194. Die Rückkehr an den Jordan
(Mt 19, Mk 10, Joh 10)

I Jesus begibt sich in das Gebiet des Jordan
Er begab sich wieder über den Jordan in die Gegend, wo Johannes zuerst getauft hatte. Dort blieb Er. Viele kamen zu Ihm und glaubten an Ihn.
Begib dich mit dem Heiland an den Jordan, zum Schauplatz Seiner ersten Tätigkeit und Seiner ersten Offenbarungen. Erinnere dich an die Zeit, als Er hier Sein öffentliches Leben begann. Hier hat Er von Johannes die Taufe empfangen, um durch Sein Beispiel die Menschen Demut und Buße zu lehren. In dieser Gegend weilte Er, als Er dem Teufel eine entscheidende Niederlage beibrachte, um uns im Kampf gegen die Versuchungen zu stärken und zu ermutigen. An den Ufern des Jordan berief Er Seine ersten Jünger, den Petrus, Andreas und Philippus, und hier trat Er zum ersten Mal als Erlöser auf.
Die Volksmenge eilt Ihm voll Freude und Dankbarkeit entgegen und begrüßt Ihn als ihren großen Wohltäter. Stimme ein in ihre Lobpreisungen! Deine Huldigung wird dem Heiland in etwa Ersatz leisten für die Schmach, mit der so viele Menschen Ihn kränken.



18.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

III Jesus erklärt feierlich Seine Wesensgleichheit mit dem Vater
«Ich und der Vater sind eins.» Wiederum hoben die Juden Steine auf, um Ihn zu steinigen. Jesus entgegnete ihnen: «Viele gute Werke habe Ich in der Macht Meines Vaters vor euch gewirkt. Um welches dieser Werke willen wollt Ihr mich steinigen?» Jesus bestätigt Seinen göttlichen Ursprung. «Ich und der Vater sind eins.» Bete Ihn voll Ehrfurcht an und weihe Ihm deine ganze Persönlichkeit! Rufe alle Geschöpfe des Himmels und der Erde herbei, um Seiner unendlichen Majestät zu huldigen!
Die Juden erheben sich gegen den Heiland. So empört sich zu allen Zeiten der Stolz gegen die rechtmäßige Gewalt und die Irrlehre gegen die Wahrheit. Hast nicht auch du aus Stolz mehr als einmal deinen Herrn verraten, obgleich du klar erkanntest, dass Er der Sohn Gottes ist?
Es ist noch Zeit, den Schaden wieder gut zu machen. Entschließe dich zum mutigen Kampf für die heilige Sache und setze für deinen Heiland freudig deine Ehre und dein Leben ein! Kümmere dich nicht um den Spot der Welt, und du wirst erfahren, wie gerade in Verfolgungen dein Glaube, deine Frömmigkeit und dein Mut erstarken.



17.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

II Jesus schildert die Glückseligkeit Seiner Jünger in der Zeit und in der Ewigkeit
«Meine Schafe hören auf Meine Stimme, Ich kenne sie und sie folgen Mir. Ich schenke ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie Meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist mächtiger als alle, niemand kann sie der Hand Meines Vaters entreißen».
Glücklich die Seelen, die sich dem Heiland ganz hingegeben haben, die Ihn kennen und Ihm folgen, sie werden einst mit Ihm in Seine Herrlichkeit eingehen! Das Toben der Eifersucht und des Hasses wird übertönt von der Stimme des guten Hirten, der Seinen Schafen den Weg der Wahrheit und der Pflicht zeigt, auf dem allein sie zum Reich Gottes gelangen. «Meine Schafe kennen Meine Stimme», versichert Jesus. Und wie könnte es anders sein? Gibt es doch keine Stimme, die so tief in unsere Herzen dringt, die uns so liebevoll belehrt und warnt, tröstet und stärkt. Eile zu deinem Hirten, Der dich ruft! Alle, die Seinen Ruf hören und verstehen, folgen Ihm. «Meine Schafe hören Meine Stimme, und sie folgen Mir.»
Folge dem Heiland bereitwillig, wohin Er dich auch führen mag! Wenn Er dir den Weg zum Tabor weist, so folge Ihm freudig, und führt Er dich auf den Kalvarienberg, so zögere nicht, Ihn auch dorthin zu begleiten. In der Vereinigung mit Jesus findet man selbst auf dem Kalvarienberg Frieden und Glück. Wie herrlich ist der Lohn, den Christus Seinen getreuen Dienern bereitet hat! «Ich gebe dir das ewige Leben», wird Er zu jedem einzelnen sprechen. «Als Entgelt für alle Opfer, die du gebracht, gebe Ich dir Meine Herrlichkeit, die niemand dir rauben kann.»
Versuche, dir eine schwache Vorstellung von dem Glück zu machen, das Jesus dir für die ganze Ewigkeit schenken will! Nutze mit Eifer jeden Augenblick, um dir himmlische Schätze zu erwerben, die Seine Güte dir zugedacht hat!



16.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

I Jesus macht den Juden klar, dass ihr Stolz sie daran hindert, zum Glauben zu gelangen
Man beging in Jerusalem das Fest der Tempelweihe. Es war Winter. Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomons. Da umringten Ihn die Juden und fragten: «Wie lange hältst Du uns noch in Spannung? Bist Du der Messias, so sag es uns frei heraus.»
Begleite den Heiland zum Tempel, und verfolge mit Aufmerksamkeit alles, was sich da zuträgt! Die heuchlerischen Juden umringen Ihn und fragen: «Bist Du Christus?» Bemerke wohl, in welch boshafter Absicht sie diese Frage stellen! Sie wollen nur sich selbst und andere täuschen; aber Jesus wird ihnen die Antwort geben, die sie verdienen, und ihnen klar machen, welches Schicksal jener wartet, die hartnäckig im Unglauben verharren.
Er antwortet ihnen: «Ich sage es euch, und ihr glaubt nicht. Die Werke, welche Ich tue im Namen Meines Vaters, diese geben Zeugnis von Mir. Aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu Meinen Schafen gehört.» Gott entzieht den freiwillig Blinden Sein Licht. Für sie verliert die göttliche Offenbarung allen Glanz und alle Kraft der Überzeugung, die Wohltat der Erlösung bleibt für ihre Seelen unwirksam. «Ich spreche zu euch», sagt Jesus, «und ihr glaubt nicht: Ich tue Wunder und ihr glaubt trotzdem nicht. Da ihr nichts von Mir wissen wollt, so will Ich auch von euch nichts wissen.»
Befinden sich nicht in deiner Umgebung solch verblendete Seelen, die der Heiland nicht zu den Seinigen zählen kann, die Seine Stimme nicht vernehmen und zu denen Er traurig spricht: «Ihr gehört nicht zu Meinen Schafen.» Bedenke die erschütternde Bedeutung dieses Wortes und wie sehr du verpflichtet bist, durch Gebet und Opfer jenen Unglücklichen zu helfen!



15.03.2020
192. Die Heilung der gebückten Frau
(Lk 13)

II Jesus ruft die Kranke zu Sich und heilt sie
Als Jesus sie erblickte, rief Er sie zu sich und sprach zu ihr: «Frau, du bist von deinem Siechtum erlöst.» Dabei legte Er ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
Der Heiland ruft die Kranke zu sich, obgleich sie Ihn um nichts gebeten hat. Sie wartete geduldig und schwieg; aber gerade geduldiges Schweigen wird vor Gott zum Gebet. Er bietet uns Seine Wohltaten an, ehe wir Ihn darum bitten.
«Komm zu Mir», sagt Jesus, «Ich kenne dich, deine demütigende Hilflosigkeit und die lange Dauer deiner Schmerzen. Nur der Allmächtige kann dich heilen. Ich bin es und bin gekommen, um dir zu helfen.» Sieh, welche Rührung das Herz des Erlösers ergreift beim Anblick dieses Elendes, für das die Menschen kein Heilmittel kennen, und wie gern Er die Seelen, die mühselig zur Erde niedergebeugt sind, wieder aufrichtet, um ihnen den Ausblick auf den Himmel zu erschließen! Nahe dich Ihm vertrauensvoll wie jene Kranke, und die Berührung Seiner Hände wird auch dich gesund machen. Sobald Er das Wort der Heilung gesprochen, schwindet die Krankheit. — Die arme Frau richtet sich plötzlich auf und erhebt Augen und Herz voll Dankbarkeit zum Himmel. Folge ihrem Beispiel, denn Jesus verlangt, deinen Blick und dein Herz himmelwärts zu lenken. Wirst du dort endlich jene unvergleichliche Schönheit entdecken, die deine Seele auf ewig fesselt und alle irdischen Bande zerreißt? Das Wunder bewirkt bei den Feinden Jesu neue Ausbrüche der Eifersucht und des Hasses. Man beschuldigt Ihn der Sabbatschändung. Jesus aber erklärt feierlich, daß die Ausübung von Werken der Barmherzigkeit und Liebe auch Gottesdienst sei. Dies ist der Grundsatz, nach dem du leben sollst, dein göttlicher Meister hat ihn zuerst befolgt. Er liebt auch dich inniger, als dein armes Herz je zu lieben vermag. Sage Ihm Dank, und weihe dich Ihm aufs neue!



14.03.2020
192. Die Heilung der gebückten Frau
(Lk 13)

I Jesus entdeckt unter seinen Zuhörern eine kranke Frau
An einem Sabbat lehrte Er in einer Synagoge. Da war eine Frau, die schon achtzehn Jahre einen Geist des Siechtums hatte. Sie war ganz verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten.
Betritt mit dem göttlichen Meister die Synagoge, und du wirst Zeuge eines neuen Beweises Seiner Barmherzigkeit sein. Das Auge des Heilands sucht in der Menge die Leidenden, die Seiner ja besonders bedürfen. Da entdeckt Er jene Kranke, die zur Erde gebeugt ist und nicht aufwärts blicken kann. Erkennst du in ihrer Krankheit nicht deinen eigenen Zustand, deinen aufs Irdische gerichteten Geist, deine den niedrigen Genüssen zugewandte Begierlichkeit, die rein natürlichen Neigungen deines Herzens und deinen niedergebeugten Willen, der sich nicht zu erheben vermag? Im Drang weltlicher Geschäfte ist der Gedanke an dein letztes Ziel und Ende immer mehr in den Hintergrund getreten. Du hast schon lange nicht mehr das Glück verkostet, das in dem großmütigen Streben nach Vollkommenheit liegt. Wer gern an irdische Dinge denkt und gewohnheitsmäßig seinen natürlichen Neigungen folgt, verliert die Richtung der Seele aufs Übernatürliche und den Aufblick zu Gott.
An die Stelle der früheren Lust und Leichtigkeit in der Ausübung des Guten tritt jetzt Widerwille, Überdruss und Entmutigung. Alle Mahnungen des Himmels lassen das Herz kalt und unberührt. Ein solches Übel bedarf dringend der Heilung, und wenn du dir bewusst bist, dass deine Seele daran krankt, dann zögere nicht, dich an den göttlichen Arzt zu wenden, den dir dein himmlischer Vater sendet. Bitte Ihn, Er möge dich wiederum jenes Glück empfinden lassen, das dich erfüllte, als dein Blick noch aufwärts gerichtet war und all dein Sehnen nach dem Himmel ging.



13.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

III Jesus zeigt, wie die göttliche Barmherzigkeit uns immer wieder entgegenkommt
Jener erwiderte ihm: «Herr, lass ihn noch dieses Jahr stehen. Ich will um Ihn herum aufgraben und Dünger einlegen. Vielleicht bringt er dann künftig Frucht. Andernfalls magst du ihn umhauen lassen.»
Den Sündern wird eine letzte Gnadenfrist gewährt. Der Menschensohn selbst erwirkt sie uns, indem Er zum himmlischen Vater fleht: «Noch für ein Jahr, nur noch für kurze Zeit Barmherzigkeit!»
Frage deinen Heiland, um welchen Preis Er diesen Aufschub erlangt hat! All Seine Gebete, die ganze Bitterkeit Seiner Todesangst, die unbeschreiblichen Schmerzen und Qualen Seines Todes und alle Schmach, die Ihm zuteil wurde, hat Er dafür aufgeopfert. Kannst du bei so viel Liebe gefühllos und gleichgültig bleiben? Wenn du dem Ruf des Erlösers nicht folgst, dann hat Er für dich sein Blut umsonst vergossen. Der Tod kommt, und wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen. Vielleicht sind die Erleuchtungen, die du jetzt empfängst, und die Regungen der Gnade, die dich drängen, eine letzte Mahnung, von deren Benutzung dein ewiges Heil abhängt. Schenke ihr Gehör! Wirf dich dem Heiland, der so großmütig für dich eintritt, zu Füßen und lege deine Zukunft vertrauensvoll in seine Hände! Fasse den festen Entschluss, Seiner Geduld und Sorgfalt von jetzt an treu zu entsprechen!



12.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

II Jesus fordert die Juden nachdrücklich auf, ihre Bekehrung nicht länger aufzuschieben
Dann trug Er folgendes Gleichnis vor: «Jemand hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt. Er kam und suchte Frucht an ihm, fand aber keine.»
Durch das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum zeigt der Heiland Seinen Zuhörern, wie groß die Gefahr ist, in der sie schweben.
Stelle dir den Baum vor, von dem Jesus spricht, der trotz des fruchtbaren Bodens, trotz der liebenden Sorge, die man ihm angedeihen ließ, und trotz der Geduld, mit der man sich immer wieder um ihn bemühte, unfruchtbar geblieben ist! Findest du nicht, dass du ihm gleichst?
Der Herr des Weinbergs kommt, um Früchte von dem Baum zu pflücken, den Er gepflanzt hat. So macht Gott auch über dich Sein Hoheitsrecht geltend. Du bist erschaffen, um Gott zu verherrlichen, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen. Du wirst diesen Anforderungen nur dann gerecht, wenn du in vollständiger Abhängigkeit von Gott lebst, die Werke Seiner Barmherzigkeit und Liebe förderst und dich bestrebst, in allem Seinem göttlichen Sohn ähnlich zu werden. Das sind die Früchte, die Gott von dir verlangt. Jeder Same muss Frucht bringen. Die Blüten allein genügen nicht, Gott fordert die reifen Früchte echter Tugenden.
Wie steht es mit dir? Hast du durch deine Tugenden und deine guten Werke wirklich die göttliche Ehre gefördert oder bist du durch Vergnügungssucht, Pflichtvergessenheit, durch allzu große Freiheit im Reden und Handeln oder durch ständige Selbstsucht unfruchtbar geblieben? Bemühe dich, die Gefahr, in der deine Seele schwebt, zu beseitigen! Denn der Augenblick wird kommen, da Gottes Langmut seiner Gerechtigkeit weichen muss.
Da sprach er zum Winzer: «Nun komme ich schon drei Jahre und suche Frucht an diesem Feigenbaum, finde aber keine. Hau ihn um! Wozu soll er noch den Boden wegnehmen?» Der Herr zählt die Stunden, die Tage und Jahre deiner Unfruchtbarkeit und wird im gegebenen Augenblick sagen: «Ich werde dieser widerspenstigen Seele nicht länger nachgehen, sondern ihr meine Gnade entziehen Dieser Baum soll umgehauen werden und verdorren.» Hüte dich vor diesem Schicksal!



11.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

I Jesus betont die Notwendigkeit der Buße
Zu eben der Zeit kamen einige zu Jesus und erzählten Ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus vergossen hatte, während sie gerade opferten. Er sprach zu ihnen: «Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als alle übrigen Galiläer, weil sie das erlitten haben? Nein, sage Ich euch. Aber wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle gleichfalls umkommen.»
Höre, wie man dem Heiland die Botschaft überbringt, an die Er so heilsame Lehren anknüpft! Jesus arbeitet beständig am Heil Seiner Zuhörer, aber es ist sehr schwer, sie von der Notwendigkeit ihrer Bekehrung zu überzeugen.
Was hatte sich in Jerusalem zugetragen? Die göttliche Gerechtigkeit hatte zugelassen, dass eine Anzahl Galiläer im Tempel überfallen und getötet wurden. Die Juden sind im ersten Augenblick sehr erregt über den Vorfall. Sie beklagen die unglücklichen Opfer, machen aber keine Anwendung auf sich selbst, und so würde das ganze Ereignis bald vergessen sein. Doch Jesus sucht Seine Zuhörer zum Nachdenken zu bringen. Sind sie etwa besser als ihre ermordeten Brüder, und haben sie nicht ein gleiches Strafgericht verdient? Wenn die göttliche Barmherzigkeit sie bisher verschonte, dann geschah das sicher nicht ihrer Unschuld wegen. Darum warnt sie der Herr: «Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auf gleiche Weise umkommen.»
Denke über diese ernste Drohung nach und nimm sie dir zu Herzen! Wenn du aufrichtig dein Gewissen erforschest und dich an alle beschämenden Einzelheiten deiner Vergangenheit erinnerst, so wirst du genügend Grund finden, dich tief zu verdemütigen, und du wirst erkennen, dass Gott dich nur aus Barmherzigkeit verschont hat. Der Augenblick ist gekommen, dich endgültig zu bekehren. Wer unbußfertig stirbt, ist rettungslos verloren, und wer seine Bekehrung aufschiebt, setzt sich der Gefahr aus, in seinen Sünden zu sterben.



10.03.2020
190. Vom Heldenmut der göttlichen Liebe
(Lk 12)

II Jesus sehnt sich danach zu sterben, um Sein Erlösungswerk zu vollenden
«Aber Ich habe erst eine Taufe auf Mich zu nehmen, und wie drängt es Mich, bis sie vollzogen ist!»
Jesus begnügt Sich nicht, uns über die Forderungen heldenmütiger Liebe zu unterrichten; Er bekräftigt Seine Worte durch Sein Beispiel. Höre, wie Er von der Bluttaufe spricht, die Seiner wartet! Er empfindet im voraus alle Schmach und alle Qualen des Kreuzestodes und die schmerzliche Verlassenheit Seiner letzten Stunden. Und trotzdem ruft Er aus: «Es drängt Mich! Ich werde erst dann Ruhe finden, wenn Ich alles erlitten habe, was ein Mensch nur leiden kann!» In diesen Worten offenbart sich die glühende Liebe des göttlichen Herzens.
Versenke dein Herz in das Seinige, und alle selbstsüchtigen Triebe, alle Unruhe und Kälte werden daraus verschwinden. Das Beispiel Jesu zeigt dir, zu welchen Opfern wahre Liebe fähig ist. In der Liebe beruht das Geheimnis der Stärke. Nur weil du nicht recht zu lieben verstehst, bist du so schwach und unbeständig. Strebe danach, dem Heiland ganz anzugehören, wie auch Er ganz dein ist.



09.03.2020
190. Vom Heldenmut der göttlichen Liebe
(Lk 12)

I Jesus ist gekommen, um das Feuer der göttlichen Liebe in den Herzen zu entzünden
«Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie gern möchte ich, es loderte schon empor!»
Der Heiland will in den Herzen der Jünger das Feuer der Liebe entzünden, das in Seinem Herzen brennt. Nahe dich voll Verlangen, um dich an dieser Glut zu entflammen. «Was will Ich anderes, als dass es brenne!» Hörst du diesen Ruf des Heilands, und verstehst du, was er bedeutet? Er ist eine Aufforderung zu heldenmütigem Tugendstreben. Jesus verlangt von dir eine Demut, die bis zur Selbstverachtung geht, und eine Treue, die auch das Liebste freudig opfert. Du sollst stark werden wie die Märtyrer und so keusch, dass selbst der Schatten der Sünde dich schreckt. Deine Nächstenliebe soll sich in äußerster Hingebung und Selbstlosigkeit betätigen.
Jesus will das Feuer des Großmuts entzünden. Entziehe dich Seiner Einwirkung nicht, sondern lass dich zu heiliger Begeisterung für die Sache Gottes entflammen! Bedenke wohl, dass Er ein Recht hat, streng von dir zu fordern, worum Er dich liebevoll bittet! Erkenne die Rechte Seiner göttlichen Majestät freudig an und erhebe dich über alle Mittelmäßigkeit in Seinem Dienst! Das Feuer des Eifers verzehre in deinem Herzen alles, was der göttlichen Liebe widerstrebt!



08.03.2020
189. Von den Folgen eines unvorhergesehenen Todes
(Lk 12, Mt 24)

II Jesus verkündet das Schicksal derer, die der Herr bei Seiner Ankunft im Zustand der Sünde findet
«Dann wird Er ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz bei den Heuchlern anweisen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Wohne im Geist der Verurteilung des ungetreuen Knechtes bei! Welche Entschuldigung wird er vorbringen, da die lange Abwesenheit des Herrn nicht als Entschuldigung gilt. Die Untreue, die der Lauheit entspringt, ist noch strafbarer als jene, die im Rausch der Leidenschaft begangen wird. Jener Knecht zog sich den Zorn Gottes zu, da er dem Zweifel sein Herz öffnete, und er trägt die volle Verantwortung für seine Handlungsweise. Vernimm das Urteil des göttlichen Richters! Welch schreckliches Los ist den Treulosen für die Ewigkeit beschieden! Sieh ihre Tränen, höre ihre Klagen, denke an die Bitterkeit ihrer Reue und ermesse die Tiefe ihres Falles! Der Gedanke an dieses schreckliche Geschick, vor dem kein Sünder sicher ist, wird in den Stunden der Ermüdung, wenn du nahe daran bist zu erliegen, deinen Mut und deinen Glauben neu beleben.
Wie steht es in diesem Augenblick um dich? Wie würde sich dein Schicksal gestalten, wenn der Herr dich noch heute abberiefe? Flieh die Wege, die zur ewigen Verdammnis führen, und benutze die reichen Gnaden, die Jesu Güte dir verliehen hat, zur Förderung der Ehre Gottes und zum Heil deiner Seele! Empfiehl dich der Barmherzigkeit des Heilands!



07.03.2020
189. Von den Folgen eines unvorhergesehenen Todes
(Lk 12, Mt 24)

I Jesus tadelt jene, die, des Wartens müde, nachlässig werden
«Wenn aber jener Knecht bei sich denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht; wenn er Knechte und Mägde misshandelt, isst und trinkt und sich berauscht, so wird der Herr dieses Knechtes an einem Tag kommen, da er es nicht erwartet, zu einer Stunde, die er nicht kennt.»
Der Heiland bezeichnet den Mangel an Treue als eine der größten Gefahren im geistlichen Leben. «Mein Herr wird nicht kommen», ruft der ungetreue Knecht aus, und dieses Wort enthüllt uns die Hauptursache der Lauheit. Man erwartet lange vergeblich die Erfüllung der göttlichen Verheißungen, und das Eintönige und Regelmäßige der täglichen Pflichterfüllung wird immer drückender. Es scheint auf die Dauer unerträglich, immer die gleichen Gebete zu verrichten, dieselben Vorschriften zu beobachten und dieselben Tugenden zu üben. Was ist die Folge davon? Der Zweifel dringt in die Seele ein und der Glaube wankt. Man sagt sich: «Der Meister hat mich vergessen, Er nimmt sich meiner nicht mehr an. Ich bete zu Ihm, aber Er erhört mich nicht.»
Der Glaube ist das Fundament des übernatürlichen Lebens, und wenn er wankt, gerät das ganze Gebäude in Gefahr. Liebe, Vertrauen und Treue schwinden, die inneren Erleuchtungen bleiben aus, das Gewissen stumpft ab und man findet keinen Geschmack mehr an geistlichen Dingen. Wenn der Mensch des göttlichen Wortes nicht mehr eingedenk ist, dann scheut er jede Anstrengung und ist jeder Sünde fähig.
Denk an den Knecht, von dem Jesus spricht! Seine ursprüngliche Treue ist dem törichten Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit gewichen. «Mein Herr wird nicht kommen. Ich will keinen Herrn mehr anerkennen!» Mit diesem Entschluss setzt er sich über alle Pflichten der Gerechtigkeit und Liebe hinweg. Hüte dich vor einer ähnlichen Verblendung! Unser Leben ist eine Wartezeit, und wenn Gott es zulässt, dass uns manche Stunden unerträglich lang erscheinen und dass schwere Kämpfe über uns hereinbrechen, dann geschieht das nur, um unseren Glauben und unsere Treue auf die Probe zu stellen. Nach diesen Stürmen wird uns die Hoffnung auf den Himmel um so tröstlicher erscheinen. Vertiefe dich in diese Gedanken und bemühe dich, in der Furcht Gottes und im Vertrauen zu wachsen!



06.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

III Jesus ermutigt die Seinigen zur Beharrlichkeit durch den Hinweis auf die ewige Belohnung
«Wohl dem Knecht, den der Herr bei Seiner Heimkehr in solcher Tätigkeit antrifft! Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle Seine Güter setzen.»
Höre, wie der Heiland das Glück der Wiedervereinigung mit Ihm preist, und du wirst Seine Rückkehr nicht mehr fürchten. Er wird Seine Auserwählten zum Festmahl einladen und sie selbst bedienen. Er wird ihnen die Herrlichkeit Seines Reiches zeigen und ihnen sagen: «Ihr seid daheim.»
Du wirst einwenden: «Er wird als Herrscher wiederkommen, und ich fürchte Seine Strenge.» Fürchte dich nicht, Jesus ist der mildeste aller Herrscher. Wenn du Ihm in diesem Leben treu gedient hast, dann kannst du gewiss sein, aus Seinen Händen einst eine herrliche Krone zu empfangen.
Jesus wird dich richten, aber bedenke, dass es sich dabei um den Preis Seines kostbaren Blutes handelt. Der Heiland liebt die Seelen, die Er so teuer erkauft hat, und es wird dir nicht schwer fallen, ein günstiges Urteil zu erwirken.
Blicke der letzten Stunde, die dir bisher so viel Schrecken verursachte, mit gläubiger Zuversicht entgegen. Am Sterbelager eines treuen Dieners Jesu findest du nichts, was beunruhigt oder erschreckt. Du erkennst nur, wie die Pläne der göttlichen Weisheit sich verwirklichen, wie der Meister kommt, um Sein Werk liebend zu vollenden. Wie trostreich ist dieses Ende, das hinüber führt in die ewige Seligkeit! Was bleibt uns da noch zu fürchten?



05.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

II Jesus betont die Notwendigkeit, immer auf den Tod vorbereitet zu sein
«So haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet.»
Wir müssen wachsam sein, da der Meister unerwartet wiederkommen wird. Die Stunde ist uns unbekannt, niemand kann sie uns anzeigen. Wir sollen sie nicht wissen, denn der Herr, der dem Sünder bereitwillig verzeiht, sichert uns nicht den kommenden Tag zu, um uns durch diese Ungewissheit anzutreiben, beständig zu wachen und eifrig und neu auf dem Weg zum Himmel voranzuschreiten.
Zögere also nicht länger! Vielleicht schlägt auch für dich ganz unerwartet schnell die Stunde, und es wäre Torheit, auf die Zukunft zu vertrauen. Fürchte einen unvorhergesehenen Tod, der dir zum Verderben gereichen könnte! Du hast noch einen anderen Grund zur Wachsamkeit: der Meister wird auf Seinem Weg zu dir nicht zögern. Wenn wir in unserer letzten Stunde noch auf einen Aufschub rechnen könnten, wenn uns ein zweites Leben geschenkt würde, um die Untreuen des ersten zu sühnen, dann könnten wir uns der Sorglosigkeit überlassen. Aber dem wird nicht so sein. Ein einziger Augenblick wird über unsere Ewigkeit entscheiden. Der Meister will uns bereit finden, wenn Er kommt, um uns ins ewige Leben einzuführen.



04.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

I Jesus lehrt Seine Jünger, sich auf den Tod vorzubereiten
Jesus sprach: «Eure Lenden seien umgürtet, und haltet brennende Lampen in euren Händen: So sollt ihr Menschen gleichen, die auf ihren Herrn warten, bis Er von der Hochzeit heimkehrt, um Ihm sogleich zu öffnen, wenn Er kommt und anklopft.»
Komm, um fern vom Getriebe der Welt den Unterweisungen des Heilands zu lauschen! Er spricht über einen Gegenstand von der größten Wichtigkeit, nämlich über die Vorbereitung auf den Tod. «Bereitet euch vor und erwartet mich, denn Ich werde wiederkommen», ermahnt Jesus Seine Jünger.
Verstehst du die Tragweite dieser Mahnung? Jesus wird wiederkommen, und wir sollen Seiner Rückkehr harren; darin besteht unser Leben hienieden. Die Erde ist nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, wo dein Herz niemals volles Genügen finden wird, denn das wahre Glück ist im Himmel. Der Heiland entfernt sich von dir, um dir Zeit und Gelegenheit zu geben, dieses Übermaß von Glück zu verdienen, aber Er wird wiederkommen, um dich in Seine Herrlichkeit einzuführen. Jede Stunde, jeder neue Tag und jeder Schmerz, der dich heimsucht, mahnen dich an die Worte des Heilands: «Ich werde wiederkommen.»



03.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

III Jesus ermahnt seine Jünger, ihre Hauptsorge auf ihr ewiges Heil zu richten
«Sucht vielmehr zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.»
Willst du das Geheimnis des Friedens und der Sicherheit hienieden wissen, so höre den Rat des göttlichen Meisters, in allem nur das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit zu suchen. Bemühe dich, durch all dein Denken, Reden und Tun die Ehre Gottes zu fördern! Gott wird Sich an Großmut nicht übertreffen lassen und liebevoll für deine Bedürfnisse sorgen.
Befolge entschlossen diese Lebensregel und begib dich ans Werk! Suche bei all deinen Beschäftigungen die Interessen Gottes zu fördern. Der Mensch ist ein Werkzeug in der Hand der göttlichen Weisheit. Lass dich von Gott einsetzen und schone dich nicht! Wenn du ganz Sein bist, so wird Er auch dir ganz angehören.
Wirf dich vertrauensvoll vor deinem Gott nieder und lege in Sein Herz alle Sorgen und Befürchtungen, die dich bedrücken und deinen Glauben zu ersticken drohen!



02.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

II Jesus weist Seine Jünger auf die Vaterliebe Gottes hin
«So fragt denn nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und beunruhigt euch nicht. Um all das sorgen sich die Heiden. Euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.»
Höre auf die Worte des Heilands: «Dein himmlischer Vater kennt all deine Bedürfnisse. Er weiß alles, Er kann alles und Er liebt dich.» Freue dich dieser tröstlichen Worte! Muss es uns nicht genügen, dass Gott unser Elend kennt, um es ergeben zu tragen? Er weiß, was wir leiden, was uns bedrückt und beunruhigt. Die Vergangenheit steht klar vor Ihm, die Gegenwart birgt für Ihn kein Geheimnis und die Zukunft liegt gleich einem offenen Buch vor Seinem Blick. Er kennt den Weg, den wir wandeln, die Hindernisse, die sich uns entgegenstellen, und alle Feinde, die wir zu bekämpfen haben, und als unser Vater wird Er immer bei uns sein. Entledige dich also aller überflüssigen Sorgen und weise allen Kleinmut von dir!



01.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

I Jesus fordert Seine Jünger auf, dem himmlischen Vater alle Sorge für das Irdische zu überlassen
Dann sprach Er zu Seinen Jüngern: «Darum sage Ich euch: Seid nicht ängstlich besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt.»
Öffne deine Seele weit dem Vertrauen, zu dem der göttliche Heiland Seine Jünger auffordert! Er weiß, wie sehr wir des Vertrauens bedürfen, das sich auf Gottes Vaterliebe stützt. Betrachte, wie der himmlische Vater das ganze Weltall mit unendlicher Weisheit regiert und auch das geringste Seiner Geschöpfe nicht vergisst! Er gibt ihnen alles, was sie zum Leben brauchen, und auch die armseligsten Geschöpfe sind reich durch Seine Vorsehung. «Betrachtet die Raben, sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Keller noch Scheune, und Gott ernährt sie! Wieviel mehr wert seid ihr als die Vögel!»
Warum erweist uns Gott soviel herablassende Güte? Jesus beantwortet uns diese Frage. Gott sorgt für euch, weil Er euer Vater ist. Er hat Seinen Kindern als Wohnung die Erde angewiesen, und mit wahrhaft väterlicher Sorge schmückt und befruchtet Er sie. Im Gedanken an dich überwacht Er die Ordnung in der Natur und gibt allen Wesen Gedeihen. So überlasse dich denn getrost Seiner Liebe!
Wie weit soll nun unser Vertrauen gehen? Jesus verlangt, dass es grenzenlos sei. Unser himmlischer Vater kann alles und Er liebt uns, das genügt. Wenn das Gefühl deiner Schwäche und deines Unvermögens dich bedrückt, so bedenke, dass Jesus gesagt hat: «Wenn ihr also nicht einmal das Geringste vermögt, warum seid ihr um das Übrige so ängstlich besorgt?»
Blicke himmelwärts und rufe zu Gott um Hilfe, anstatt dich entmutigen zu lassen! Was uns unmöglich ist, vermag Er durch einen einzigen Akt seiner Allmacht zu bewirken. In Ihm und durch Ihn können wir alles. Überlasse dich Seiner Fürsorge mit grenzenlosem Vertrauen!



29.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

III Jesus zeigt seinen Jüngern, wie der irdische Besitz die ewige Seligkeit in Gefahr bringt
«So will ich es machen, sagte er, ich breche meine Scheunen ab und baue größere. Darin kann ich all meinen Ertrag und alle meine Güter unterbringen. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Meine Seele, du hast großen Vorrat an Gütern auf viele Jahre. Setz dich zur Ruhe. Iss und trink und lass es dir wohl sein. Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern! Wem wird dann das gehören, was du aufgespeichert hast?»
Überdenke das tragische Geschehen, das der Heiland beschreibt! Die Seele dieses Mannes ist für die Ewigkeit verloren; dahin führte die Sucht nach Reichtümern. Je mehr irdische Güter man besitzt, um so weniger denkt man an die himmlischen. Man verliert die richtige Wertschätzung, das Gewissen stumpft ab und aus dem Herzen schwinden alle höheren Ideale. Bald erwacht der Hochmut, die Leidenschaften verlangen ungestüm nach Befriedigung und die Gebote Gottes werden mit Füßen getreten. Kommt dann der Tod, so wird eine unglückliche Ewigkeit einem solchen Leben folgen. Stelle dir den bitteren Schmerz des Unglücklichen vor, dem der Tod in einem Augenblick alle Güter entreißt, die er Gott vorgezogen hat! Wer kann das Elend einer Seele schildern, der im Augenblick des Todes nichts anderes bleibt als die Erinnerung an die Reichtümer, die sie einst besessen? Wer vermag ihre Angst und ihre Gewissensbisse und ihre Verzweiflung zu schildern? Schöpfe aus dieser Betrachtung den Entschluss, mutig die Fesseln zu brechen, in denen der Teufel dich festhält! Schätze die Güter des Himmels nach ihrem wahren Wert, und alle irdischen Reichtümer werden dir nichtig vorkommen. Reiße dein Herz davon los, und weihe es ausschließlich deinem Gott!



28.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

II Jesus betont, dass die irdischen Reichtümer nicht unser Lebensglück ausmachen
Jesus sprach zu ihnen: «Habt acht und hütet euch vor aller Habsucht! Mag einer auch Überfluss haben, sein Leben ist durch seinen Besitz doch nicht gesichert.»
Jesus benützt die Gelegenheit, um Seinen Jüngern eine wichtige Lehre zu erteilen. Was nützt es, sein Herz an Güter zu hängen, die kein wahres Glück bieten können? Wie oft entfesselt der Reichtum Feindschaft zwischen den Gliedern derselben Familie! Betrachte den Mann, der um die Vermittlung des göttlichen Meisters bittet! Er ist das Opfer des Kampfes um seine persönlichen Interessen. Haben dergleichen Streitigkeiten nicht auch bisweilen ihre Schatten in dein Leben geworfen?
Überdies rauben die vielen Sorgen, die das Streben nach irdischen Gütern mit sich bringt, dem Menschen die Ruhe und die Fähigkeit, das wahre Glück zu genießen. Das lehrt dich die Parabel, die der Heiland vorträgt: «Ein reicher Mann hatte einen Acker, der reichliche Früchte trug. Da dachte er bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, ich habe keinen Platz, meine Feldfrüchte unterzubringen?»
Sieh, wie dieser Sklave der Habsucht sich quält mit der Frage: «Was soll ich tun?» Er verlangte nach Ruhe und hat nichts als Aufregung gefunden, da er von Gefahren aller Art umringt ist; tausend Feinde bedrohen ihn. Er weiß, daß er der Eifersucht ausgesetzt ist, und fragt sich voller Unruhe: «Was soll ich tun?» In seinem Haus herrscht der Überfluß, aber ihm fehlt der Friede, ohne den der Reichtum nicht beglücken kann.
Zu all den Sorgen gesellen sich noch bittere, unvermeidliche Enttäuschungen. Wer sein Glück genießen will, muß vor allem seine Zukunft sicherstellen. Denn wer nicht imstande ist, für den folgenden Tag vorzusorgen, den kann man in Wahrheit arm nennen. Nun gibt es aber erst im Himmel ein sicheres «Morgen», und der Himmel wird nur jenen zuteil, die ihn der Erde vorgezogen haben. Wehe den Unglücklichen, die das Leben anders aufgefasst haben!



27.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

I Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um den Menschen zur Erwerbung vergänglicher Reichtümer behilflich zu sein
Einer aus dem Volk sagte zu Ihm: «Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.» Er entgegnete ihm: «Mensch, wer hat Mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?»
Vernimm die Bitte, die man an den Heiland richtet, und freue dich über Seine abweisende Antwort! Er will uns begreiflich machen, dass Er nicht gekommen ist, um uns mit irdischen Gütern zu bereichern. Das ist der Sinn Seiner Antwort. «Meine Sendung erstreckt sich nicht auf dieses Gebiet; Ich bin nicht gekommen, um in Erbschaftsangelegenheiten zu entscheiden. Was Ich euch biete, ist mehr wert als alle irdischen Güter.»
Bemühe dich also zu erfassen, was du bei der Nachfolge Jesu vor allem erstreben sollst! Wohl darfst du von Ihm auch zeitliche Güter und Erfolg in deinen Unternehmungen erbitten, aber Er wird dir deine Bitten nur dann gewähren, wenn du deine Hauptsorge und deine innigsten Gebete auf die Erlangung der ewigen Güter richtest. Bekenne dich von ganzem Herzen zu dieser Gesinnung! Willst du noch länger zu jenen unwürdigen Christen gehören, die ihre Treue gegen den Heiland von dem Erfolg ihrer zeitlichen Angelegenheiten abhängig machen?



26.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

III Jesus verheißt Seinen Jüngern den Beistand Seines himmlischen Vaters
«Kauft man nicht fünf Sperlinge für zehn Pfennige? Und doch ist keiner von ihnen bei Gott vergessen. Fürchtet euch also nicht, ihr seid mehr wert als viele Sperlinge!»
Jesus ermutigt und stärkt Seine Jünger zum Kampf, indem Er ihnen großes Gottvertrauen einflößt. Die Jünger dürfen wirklich voller Vertrauen der Zukunft entgegensehen, denn sie werden auf dem Kampfplatz nicht allein sein. Gott wacht über sie.
«Da das christliche Leben ein beständiger Kampf ist», sagt Jesus, «so seid stets eingedenk, dass Gott mit euch kämpft und den Ausgang entscheidet.» Alles, was wir verlieren, wird uns dereinst strahlend im Glanz unsterblicher Schönheit von Gott wieder gegeben. So sei denn ohne Furcht, da reicher Lohn deiner harrt! Du sollst die köstliche Unabhängigkeit einer Seele genießen, die alle Menschenfurcht abgestreift hat. Beklage es, dass du so lange ein Sklave deiner Feigheit gewesen bist! Erhebe die Fahne Christi, brich deine Ketten und erringe deiner Seele die wahre Freiheit!

25.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

II Jesus ermahnt seine Jünger alle Menschenfurcht abzulegen
«Euch aber, meinen Freunden, sage Ich: Fürchtet nicht jene, die den Leib töten können, aber weiter nichts vermögen.»
Jesus weist den Seinen den Weg, den sie zu gehen haben. Er warnt uns vor der Menschenfurcht. Verfolge Seinen Gedankengang! Fürchte dich nicht, deine innere Überzeugung offen zu bekennen! Jesus macht uns zu Aposteln Seines Wortes. Seine Lehre soll der Sonne gleich die Welt erleuchten und ihre Strahlen sollen in jede Menschenseele dringen. Verkünde sie also furchtlos, suche die Seelen auf, die ihrer bedürfen, und offenbare ihnen die Schönheit, Erhabenheit und Notwendigkeit dieser Lehre für alle, die zum Besitz des ewigen Lebens kommen wollen! Belehre und überzeuge die Unwissenden, unbekümmert um das spöttische Lächeln des Unglaubens und den Widerspruch der falschen Wissenschaft!
Fürchte dich nicht zu handeln! Jene, die dein Wort nicht gewinnen konnte, wird dein Beispiel überzeugen und fortreißen. Gib deinem Erlöser auch das Bekenntnis deines Glaubens durch die Tat! Sei eifrig, unermüdlich und opferwillig überall, wo es sich um die Ehre Gottes und um das Heil der Seelen handelt!
Fürchte dich nicht, zu leiden! Danke dem Heiland für diesen erhabenen Beruf. Seine Jünger sollen auf die Welt einen hervorragenden Einfluss ausüben. Aber nur die Starken, die das Leid nicht niedergebeugt und die kein Kampf entmutigt, sind imstande, andere mitzureißen.
Fürchte dich nicht zu sterben! Jesus stellt jenen, die Er zur Treue ermahnt, Verfolgungen in Aussicht. Aber Er ruft ihnen zu: «Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten!» Die Verfolger werden kommen, doch wer sie auch sein mögen, du brauchst sie nicht zu fürchten. Mögen sie aus Hass gegen den Heiland dich deines Reichtums, deiner Freiheit, deiner Ehre und deines Lebens berauben, deine einzig wahren übernatürlichen Güter vermögen sie nicht anzutasten, da Gott selbst sie dir aufbewahrt.
Sei also unerschrocken und tapfer im Kampf für die göttliche Ehre und bereue es, wenn ehemals vielleicht ein Blick, ein Wort oder die Furcht, Menschen zu missfallen, dich bewogen hat, das göttliche Gesetz zu übertreten!



24.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

I Jesus befiehlt Seinen Jüngern, sich von den Pharisäern loszusagen
Inzwischen hatten sich so zahlreiche Volksscharen angesammelt, dass sie einander auf die Füße traten. Da sprach Er, zunächst zu Seinen Jüngern: «Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.»
Mische dich unter die Volksmenge, die den Heiland umdrängt! Er warnt Seine Jünger nochmals vor der falschen Frömmigkeit der Pharisäer. Der Sauerteig des Stolzes bringt uns dazu, bei allem, was wir tun, nur unsere eigene Ehre zu suchen, und verwandelt so unseren Gottesdienst in Lüge und Heuchelei. Davor warnt Jesus Seine Umgebung.
Sodann ermutigt Er sie zum freimütigen Bekenntnis ihres Glauben. «Denn nichts ist verborgen, was nicht offenbar, nichts geheim, was nicht bekannt würde.» Damit fordert Er seine Jünger auf, freimütig zu zeigen, dass sie entschlossen sind, den Forderungen des Evangeliums zu entsprechen. — Wie viele Feiglinge sind in der großen Volksmenge, die den Herrn umgibt, welche nie wagen würden, für die Lehre Jesu einzutreten! Wie viele suchen ihren eigenen Vorteil weit mehr als die Ehre Gottes, oder Gott nur so lange, als sie dabei nichts zu verlieren fürchten?
Gehörst du zu ihrer Zahl? Hast du dich im Augenblick der Gefahr nicht feig in ihren Reihen versteckt gehalten? Halte von nun an offen zu Jesus, erhebe mutig das Banner des Glaubens, so dass es weithin sichtbar wird! Jesus befiehlt dir, dich in den bevorstehenden Kämpfen auszuzeichnen, denn nichts hat der zu befürchten, der nur Gott fürchtet.



23.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

III Jesus bedroht jene, die die Barmherzigkeit Gottes missbraucht haben, mit der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit
«So macht ihr das Maß eurer Väter voll. — So soll über euch kommen alles gerechte Blut, das auf Erden vergossen wurde. Wahrlich, Ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen!»
Vernimm mit heiligem Schrecken die Drohungen der göttlichen Gerechtigkeit! «Gott wird Rechenschaft fordern von aller Sünde und Ungerechtigkeit. Jerusalem geht seinem Untergang entgegen, und das gottesmörderische Volk wird in alle Welt zerstreut werden.» Das Gottesgericht hat sich an ihnen vollzogen; aber auch für uns bleibt Gottes strenge Gerechtigkeit bestehen, und wir sind ihren Schlägen ausgesetzt. Hast nicht vielleicht auch du die Stellvertreter Gottes abgewiesen und ungerecht behandelt? Bitte den Heiland um Erbarmen! Decke Ihm den innersten Grund deiner Seele auf und lass Ihn Einblick tun in all die Sünden, all die Heuchelei und Schlechtigkeit, die du bisher so geschickt zu verbergen suchtest. Tritt deinen Stolz in den Staub, verachte dich und sprich dir selbst das Urteil!
Du hast durch deine Falschheit die Lehre Jesu entehrt und Seine Rechte verachtet; du hast Ihn mit Schmach und Bitterkeit gesättigt und Ihn mit Wunden bedeckt. Bitte den Heiland um Verzeihung und flehe zur allerseligsten Jungfrau, sie möge den Zorn Ihres Sohnes von dir abwenden! Opfere das Blut Jesu und der heiligen Märtyrer auf als Sühne für deine Sünden, und brich endgültig mit allen Fehlern der Vergangenheit, um so vom lieben Gott Verzeihung und Gnade zu erlangen!



22.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

II Jesus beschuldigt sie feiger Nachgiebigkeit
«Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, so hätten wir uns an dem Blut der Propheten nicht mitschuldig gemacht. Damit bezeugt ihr selbst, dass ihr die Söhne von Prophetenmördern seid.»
Vernimm diesen neuen Vorwurf, der vielleicht auch dich trifft! Gehörst du nicht zu jenen, die alles Unrecht streng tadeln, die aber zu keinem Opfer bereit sind, um den angerichteten Schaden wieder gutzumachen? Es heißt gewissermaßen in die Schuld anderer einwilligen, wenn man deren Vergehen nicht hindert und sich ihnen nicht mit Freimut widersetzt. Wie verhältst du dich, wenn du erfährst, dass Unrecht geschehen ist und dass schweres Ärgernis gegeben wurde, durch welches unsterbliche Seelen Gefahr laufen, auf ewig verlorenzugehen? Bist du kühn genug, das Böse freimütig zu verdammen, unbekümmert darum, wer dessen Urheber war; oder hüllst du dich in feiges Stillschweigen? Durch diese schmähliche Nachgiebigkeit unterstützt du den Einfluss des Bösen. Wie oft hast du nicht andererseits im innersten Herzen Dinge und Vorkommnisse entschuldigt, die du niemals öffentlich zu verteidigen gewagt hättest? Gott weiß das, und deshalb verlangt der Sohn Gottes von dir, fortan ein solches Verhalten ernstlich zu verabscheuen.



21.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

I Jesus wendet sich gegen die heuchlerische Strenge der Gesetzeslehrer
Ein Gesetzeslehrer entgegnete Ihm: «Meister, mit diesen Worten schmähst Du auch uns.» Da sprach Er: «Weh auch euch, ihr Gesetzeslehrer! Ihr bürdet den Menschen unerträgliche Lasten auf, selbst aber rührt ihr die Lasten nicht mit einem Finger an!»
Die Entrüstung des Heilands hat ihren Höhepunkt erreicht, denn Sein Blick hat neue Schuldige entdeckt. Kühne Stimmen wagen zu sagen: «Mit diesen Reden schmähst Du auch uns.»
Wer sind jene, die so reden? Es sind wissenschaftlich gebildete Männer, die eine rechtmäßige Autorität ausüben und sich großen Einflusses auf das Volk erfreuen. «Ja», antwortete Jesus, «wehe auch euch! Gott hat euch Verständnis der Heiligen Schrift, Autorität und Einfluss auf das Volk gegeben, damit ihr den Kindern Gottes ihre Lasten erleichtern sollt, und ihr macht sie ihnen im Gegenteil unerträglich, während ihr sie selbst nicht tragen wollt. Auch eure Frömmigkeit ist nur Heuchelei.» Nach Gottes Absicht sollen die Untergebenen in der Autorität ihrer Vorgesetzten eine Stütze finden, um sich im Guten zu befestigen und es leichter und freudiger zu üben. Auf dem Weg zum ewigen Leben soll die Autorität der einen den anderen Kraft und Schutz gewähren. So will es die göttliche Weisheit, aber diese unbarmherzigen Gesetzeslehrer haben dafür kein Verständnis. Statt den Seelen das Himmelreich zu eröffnen, verschließen sie es vor ihnen.
Hast du dir in dieser Hinsicht keine Vorwürfe zu machen? Erinnere dich an die Gelegenheiten, die Gott dir gegeben hat, um anderen den Weg der Tugend zu zeigen. Verlangst du trotz deiner eigenen Schwäche von deinen Mitmenschen nicht manchmal übermäßige Anstrengungen? Rufst du nicht durch allzugroße Strenge in den Herzen derer, die von dir Kraft und Ermutigung erwarten, tiefe Niedergeschlagenheit hervor?



20.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

III Jesus tadelt öffentlich die Heuchelei der Pharisäer
«Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gleicht übertünchten Gräbern. Von außen sehen sie zwar schön aus, inwendig aber sind sie voll von Totengebein und allem Unrat.»
Man tut einem Heuchler kein Unrecht, wenn man ihn entlarvt. Man verhilft nur der Tugend, die er entehrt, wieder zu ihrem Recht, indem man sie vor Verwechslung mit dem Laster schützt. Deshalb verfährt auch Jesus mit den Heuchlern so streng.
Höre wie der Heiland Seinen Unwillen äußert! Nähere dich diesen übertünchten Gräbern, atme den Modergeruch ein, der ihnen entströmt, und du wirst in etwa verstehen, welch grenzenloser Abscheu Gott erfüllt, wenn Er gewahrt, wie die Verderbnis eines solchen Lebens sich mit dem Schein der Tugend umgibt. Diese Menschen tragen Religion zur Schau, um ihren Mitmenschen erdrückende Lasten auflegen zu können, und entehren gleichzeitig die Religion, indem sie im Geheimen dem Laster frönen. Gott durchschaut sie, darum wehe ihnen!
Verstehe die Entrüstung des Heilands recht! Er beschuldigt nicht jenen der Heuchelei, der, von seinen Leidenschaften hingerissen, in die Sünde fällt. Über diesen ruft er kein Wehe aus. Er ruft ihn vielmehr liebevoll zurück und reicht ihm die Hand, damit er sich von seinem Fall erhebe. Er schickt ihm Seine Engel, um ihn zu beschützen und auf den rechten Weg zurückzuführen. Was aber Jesus nicht dulden kann und was Er aufs Schärfste verurteilt, ist der Stolz eines Elenden, der mit der Tugend prahlt, während er sich wissentlich der Sünde hingibt. Es ist die Maske der Heiligkeit auf einem durch Laster entstellten Antlitz. Seine Heuchelei wird allen aufrichtigen Seelen zum Stein des Anstoßes, dessen sich Satan bedient, um sie irrezuführen und vom Heiland zu entfernen.
Die falsche Frömmigkeit geht Hand in Hand mit der Gottlosigkeit. Darum duldet Jesus sie nicht, und deshalb sollst auch du sie verabscheuen. Wenn dein Gewissen dir in dieser Beziehung etwas vorwirft, so beginne sogleich damit, an deiner Besserung zu arbeiten!



19.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

II Jesus verdammt die willkürliche Gesetzesauslegung der Pharisäer
«Weh euch, ihr blinden Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so gilt das nicht. Schwört er aber beim Gold des Tempels, so ist er gebunden. Ihr Toren und Blinden, was steht denn höher: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heiligt?»
Woraus schöpfen die Pharisäer die Vorschriften, die sie anderen aufdrängen wollen? Wie dürfen sie sich anmaßen, den Wortlaut und den Sinn des Gesetzes zu erklären? Jesus überführt sie, dass sie dabei nicht für die göttliche Ehre eifern, sondern einzig für ihre Meinungen und Interessen. Nur was ihnen im Licht ihrer falschen Wissenschaft wahr erscheint, hat Wert für sie, und sie verwerfen rücksichtslos alles, was ihrer Denkart widerspricht. Sie sind nicht zu bekehren, und deshalb wehe ihnen! — Es ist Gott unmöglich, Seinen heiligen Willen durch den Willen eines Geschöpfes verdrängen zu lassen oder zu dulden, dass rein menschliche Anordnungen an die Stelle des göttlichen Gesetzes treten.
Bitte den göttlichen Meister, dass du niemals das Opfer falscher Lehrer werdest, die durch angemaßte Autorität leichtgläubige Menschen verwirren und ins Verderben stürzen. Nimm deine Zuflucht zu den wahren Gesetzeslehrern, die Christus selbst in unserer Mitte erweckt.



18.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

I Jesus bedroht die Pharisäer mit der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit
«Weh euch, ihr Gesetzeslehrer! Ihr verprasst die Häuser der Witwen und sagt dafür lange Gebete her. Darum werdet ihr ein strengeres Gericht zu erwarten haben.»
Höre aufmerksam den Vorwurf, den Jesus hier den Pharisäern und Schriftgelehrten macht. Diese Menschen benutzen das Gesetz und die Religion, um sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Sie erstreben zeitlichen Gewinn bei Dingen, die einzig zur Ehre Gottes gereichen sollten, und verfolgen selbst bei den Werken der Frömmigkeit nur ihren eigenen Vorteil. Wehe jenen, die Gott also dienen, wehe ihnen, die durch solches Verhalten den Feinden Gottes Gelegenheit bieten, Seinen Dienst und Sein Gesetz in Verruf zu bringen! Alle, die in ihre Fußstapfen treten, sind Verräter, die Christus nicht als Seine Jünger anerkennt.
Jesus beschuldigt die Pharisäer ferner, dem Volk unerhörte, drückende Lasten aufzulegen. Darin erkennen wir einen weiteren Charakterzug falscher Frömmigkeit. Jesus sagt: «Dadurch, dass ihr den Gläubigen endlose Gebete, überflüssige Vorschriften und ungesetzmäßige religiöse Übungen aufbürdet, erschwert ihr ihren Weg zum Himmel und setzt eure Herrschsucht an die Stelle der wahren Religion.»
Es ist Gottes Wille, dass die Religion unsere Seele erquicke, unsere Sorgen erleichtere und uns in unseren Leiden tröste. Die Pharisäer aber hatten sie durch ihre unvernünftige Strenge zum Schrecken der Gläubigen und zum Überdruss der Schwachen gemacht. Wehe ihnen!
Wende auch du dich entrüstet von ihrer Lehre ab und fasse den festen Entschluss, niemals unberechtigte Forderungen an andere zu stellen!



17.02.2020
182. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (I)
(Lk 11, Mt 23)

II Jesus verweist den Pharisäern, dass sie die Erfüllung wesentlicher Pflichten vernachlässigen
«Aber weh euch, ihr Pharisäer! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Raute und jeglichem Gartengewächs, aber um Recht und Liebe zu Gott kümmert ihr euch nicht.»1
Jesus lehrt, dass die Tugenden der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit, Liebe, Güte und Barmherzigkeit die wesentliche Grundlage des neuen Gesetzes und aller wahren Gottesverehrung sind. Durch Übung dieser Tugenden gibt der Mensch dem lieben Gott die Verehrung, die sein Schöpfer von ihm verlangt. Gott will, dass wir Ihm unser Herz und unseren Willen schenken durch aufrichtige Unterwerfung und Opferfreudigkeit, und diese äußern sich in der Pflege jener Tugenden, die der Heiland anführt. Die Werke der Übergebühr sollen nur ein Schmuck der wesentlichen Pflichterfüllung sein. Denke über diese Lehre nach! Jesus wendet sich damit an die Pharisäer aller Zeiten. Findest nicht auch du in deinem Herzen zuweilen etwas, was an die Untugenden der Pharisäer erinnert? Wie äußert sich deine Frömmigkeit Gott gegenüber? Liebst du die Gerechtigkeit, die jedem gibt, was ihm zukommt? Bist du barmherzig gegen alle Unglücklichen, liebreich gegen Arme und Schwache? Beweist du durch deine Treue im Kleinen vor allem, daß es dir mit der Erfüllung jeder Pflicht und mit der Hochschätzung wahrer Tugend ernst ist? Beantworte aufrichtig alle diese Fragen unter dem Beistand des Heiligen Geistes! Verdemütige dich zu Füßen deines Erlösers und versprich Ihm gründliche Besserung!

1 Der Heiland spricht von Gemüsen, die im Garten wachsen, und von denen man deshalb nicht den Zehnten zu geben brauchte. Dem Gesetz und dem jüdischen Gebrauch gemäß gab man den Zehnten nur von den Feldfrüchten.



16.02.2020
182. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (I)
(Lk 11, Mt 23)

I Jesus tadelt die Pharisäer, weil ihre Frömmigkeit nur Schein ist
Während Er noch redete, bat Ihn ein Pharisäer, bei Ihm zu speisen. Er ging hin und setzte sich zu Tisch. Der Pharisäer sah zu und wunderte sich, dass Er sich vor der Mahlzeit nicht erst wusch.
Betritt mit dem Heiland das Haus des Pharisäers und bereite deine Seele vor, um die Unterweisungen Jesu recht zu erfassen! Er ist umgeben von Menschen, die sich vorzugsweise auf die Beobachtung gesetzlicher Zeremonien und liturgischer Vorschriften verlegen, die beständig von Gott und Seinen Geboten reden. Man lobt ihr häufiges Fasten, ihre Freigebigkeit gegen die Armen und ihren Eifer im Besuch des Tempels. Wegen ihrer genauen Kenntnis der heiligen Bücher sind sie der Stolz ihres Volkes. «Nun denn, ihr Pharisäer, das Äußere von Becher und Teller reinigt ihr. Euer Inneres aber ist voll Raubgier und Bosheit.»
Warum ergreift den Heiland eine solche Entrüstung über die Pharisäer? Er erkennt, dass ihre Gottesverehrung rein äußerlich ist. «Wenn ihr Gott nur den Schein der Frömmigkeit bietet, missfallt ihr Ihm und zieht Seinen Fluch auf euch herab.» Die wahre Frömmigkeit ist innerlich. Das Lob, das wir unserem himmlischen Vater aufopfern, soll aus dem Innersten unseres Herzens kommen.
«Reinigt zuerst das Innere des Bechers», sagt Jesus. Der Geist muss von allen unreinen Gedanken, von stolzer Selbstüberhebung, kindischer Eitelkeit und unnützen oder schädlichen Interessen gereinigt werden. Was nützt es, in den Augen der Menschen rein zu erscheinen, wenn das Innere voller Fäulnis ist? Was nützt alles Händewaschen, wenn die Seele befleckt bleibt? Man kann die ewige Weisheit nicht täuschen. — Erforsche dich im Licht dieser ernsten Mahnung! Verdienst nicht auch du die Zurechtweisung, die Jesus seinen Tischgenossen gibt?



15.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

III Jesus versichert Seinen Jüngern, dass Gott all ihren Anliegen väterliches Interesse entgegenbringt
«Wenn einer von euch seinen Vater um Brot bittet, gibt er ihm dann etwa einen Stein? Und wenn er um einen Fisch bittet, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird der himmlische Vater den Heiligen Geist denen geben, die Ihn darum bitten?»
Die Apostel müssen im Vertrauen befestigt werden, und auch du kannst aus den Unterweisungen Nutzen ziehen, die ihnen der Heiland in dieser Hinsicht erteilt. Jesus übernimmt die Rechtfertigung Seines himmlischen Vaters gegenüber den Zweifeln, die unser mangelhafter Glaube gegen Ihn vorbringt. Bedenke, dass du im Gebet zu dem besten aller Väter sprichst! Zu jeder Stunde ist man Ihm willkommen, und wir können die hohe Ehre, in vertrauten Verkehr mit Ihm treten zu dürfen, niemals genügend schätzen. Wird es dir im Gedanken an diese Tatsache nicht leichter werden, Ihm in Seinem stillen Heiligtum all deine Gedanken und Wünsche anzuvertrauen? Seine väterliche Vorsehung wacht über dich, und Seine unendliche Güte wird dir helfen. Im Vaterunser lehrt dein Herr und Meister dich das vorzüglichste Gebet. Lerne nur, es in der rechten Gesinnung zu verrichten! Vereinige dich dabei mit Jesus, und sprich Ihm jede Bitte nach! Je mehr du dich als Sein Jünger und als Kind des himmlischen Vaters fühlst, desto leichter und besser wirst du beten.



14.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

II Der Heiland lehrt Seine Jünger das Vaterunser
Da sagte Er zu ihnen: «Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde Dein Name. Es komme Dein Reich. Unser tägliches Brot gib uns heute. Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben allen unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung.»
«Lehre uns beten!» sagten die Apostel. Suche die tiefe Bedeutung dieser Bitte zu erfassen! In ihr sind manche Fragen enthalten, die sich auch dir immer aufdrängen: Was heißt beten? Nach welcher Methode soll man vorgehen? Welcher Formel soll man sich dabei bedienen? Jesus wird all diese Schwierigkeiten lösen. Was heißt beten? Beten heißt, Gott anbeten. Denke über den ersten Teil des Vaterunsers nach! Jesus verlangt darin, dass wir Gott loben, Seinen Namen verherrlichen, die Ausbreitung Seines Reiches sowie die vollkommene Erfüllung seines Willens erflehen. Erwecke also beim Gebet Gesinnungen, die Gott wirklich zur Ehre gereichen! So handelte Jesus selber und dazu leitete Er Seine Jünger an.
Gehörst du nicht vielleicht zu jenen eigennützigen Christen, die im Gebet nur an sich denken und den Interessen Gottes sozusagen gleichgültig gegenüberstehen? Und doch muss Gott fordern, dass, wie alles auf Erden, so auch unser Gebet zu Seiner Verherrlichung beitrage. Ein Gebet, das die Ehre Gottes nicht fördert, wird fruchtlos sein.
Beten heißt ferner, Gott um die Kraft bitten, deren wir bedürfen. Wenn du die zweite Hälfte des Vaterunsers betrachtest, dann wird es dir klar, daß wir darin für alle Lebenslagen die Hilfe Gottes erflehen. Mag es sich nun um Bedürfnisse des Leibes oder der Seele handeln, wir brauchen Ihn nur zu bitten, und Er wird uns beistehen, wie Jesus uns versichert.
Jedoch hilft Er nicht bedingungslos. Das Gebet ist nach der Lehre Jesu vor allem ein Akt kindlichen Vertrauens. In deiner Anbetung und in deinen Bitten sollst du zum lieben Gott sprechen wie das Kind zum Vater. Wenn der Stimme, die zu Ihm ruft, der Ton kindlichen Vertrauens fehlt, dann kann Er unmöglich als Vater antworten.
Wenn Gott bei deinen Gebeten manchmal taub zu sein scheint, dann ist gewiss dein Mangel an Vertrauen die Ursache. Du zweifelst an Seiner Liebe und glaubst, dass Er an deinen Leiden keinen Anteil nehme. Weise alles Misstrauen von dir und sprich mit wahrer Kindesliebe: «Vater».



13.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

I Die Jünger bitten den Heiland, sie beten zu lehren
Einst verweilte Er an einem Ort im Gebet. Als Er damit zu Ende war, bat Ihn einer von Seinen Jüngern: «Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.»
Begib dich mit den Jüngern zum göttlichen Meister in die Einsamkeit, um vom Heiland beten zu lernen! Jesus ist der große Lehrmeister des Gebets, und du bedarfst Seiner Unterweisung, denn wer nicht zu beten versteht, der wird auf dem Weg zur Vollkommenheit keine Fortschritte machen. Betrachte vor allem, wie Jesus selbst betet! Welche Lehren ziehst du aus dem Umstand, dass der göttliche Meister sich in die Einsamkeit begibt und sich in das tiefste Schweigen versenkt, wenn Er mit seinem himmlischen Vater reden will?
Der Anblick des betenden Heilands wird auch in dir den lebhaften Wunsch erwecken, im Gebetsleben ernstliche Fortschritte zu machen.



12.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

III Jesus tadelt Martha und rechtfertigt ihre Schwester
Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Sie trat hinzu und sagte: «Herr, kümmert es Dich nicht, dass meine Schwester mir allein die Bedienung überlässt? Sag ihr doch, sie solle mir helfen.» Der Herr entgegnete ihr: «Martha, Martha, du sorgst und kümmerst dich um gar viele Dinge. Nur eines ist notwendig. Maria hat den besten Teil erwählt. Er soll ihr nicht genommen werden.»
Martha beklagt sich; sie hat für die Absichten des Herrn noch nicht das rechte Verständnis und weiß nicht, dass der Herr, wenn Er um Gastfreundschaft bittet, vor allem eine Gelegenheit sucht, uns zu bereichern. Hüte dich vor einer ähnlichen Täuschung! «Meister, sag ihr doch, dass sie mir helfe!» ruft sie ungeduldig aus. Aber der Heiland gewährt ihre Bitte nicht. Seine Unterredung mit Maria ist zu wichtig, um sie zu unterbrechen. Die Zeit zur Arbeit wird schon kommen, man muss nicht die Gnadenstunden des Gebets dafür verkürzen.
Nicht um sich ihren Alltagspflichten zu entziehen, hat Maria sich in die wunderbare Schönheit der göttlichen Unterweisungen versenkt; sie dienen ihr im Gegenteil dazu, ihre Pflichten besser zu erkennen und tiefer in ihre Größe und Tragweite für die Ewigkeit einzudringen. Sie wird sie fortan viel vollkommener erledigen können.
O meine Seele, wirst du aus diesen Unterweisungen den rechten Nutzen ziehen? Wie kommt es, dass du beim Anhören des göttlichen Wortes so leicht ermüdest und dass dir im Verkehr mit Jesus nicht selten die Zeit so lang erscheint? Gehört nicht all deine Zeit Ihm, und sollte nicht jede Arbeit eine Frucht des Gebets sein? Zu den Füßen Jesu wirst du Kraft und Anregung zu verdienstvoller Erfüllung deiner Pflichten finden.
Das hat Maria besser verstanden als ihre Schwester, und deshalb lobt sie der Herr. «Sie hat den besseren Teil gewählt, denn sie hat hienieden schon von jenen Schätzen Besitz ergriffen, die andere erst im Himmel genießen werden.» Ahme Maria nach und du wirst die Wahrheit der Worte Jesu an dir selbst erfahren. Nimm dir täglich die Zeit, in der Betrachtung die Worte und Gnaden Jesu als kostbaren Schatz zu sammeln, und lasse dich durch nichts davon abhalten!



11.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

II Maria zu den Füßen Jesu
Martha hatte eine Schwester, die Maria hieß. Warum hat der Heiland Seine Wanderung unterbrochen und an diese Tür angeklopft? Er will eine suchende Seele in den ewigen Wahrheiten unterrichten. Er ist ja eigens vom Himmel auf die Erde gekommen, um uns über das Glück zu belehren, das unser in der Ewigkeit harrt.
Wie damals zu Maria, so spricht Jesus auch zu uns in der Betrachtung: «Ich lade dich zu den Freuden des ewigen Lebens ein; bedenke, dass das gegenwärtige Leben die Vorbereitung dazu ist. Ich selbst will mit dir sein und dir den Weg erhellen, dein Herz reinigen und deinen Mut beleben. Du wirst durch Mich die Wahrheit und Gerechtigkeit lieben lernen.» So folge denn der göttlichen Einladung!
Vergleiche die eitlen, leeren Unterhaltungen der Weltleute mit den Belehrungen des göttlichen Meisters! Entledige dich aller überflüssigen Sorgen, und benütze alles Irdische nur, um zum ewigen Ziel zu gelangen! Mit welcher Freude lauscht Maria dem Heiland! Was Er sagt, ist so schön und trostreich. Wie klein ist alles irdische Leid und alle irdische Freude im Verhältnis zu dem, was im Himmel unser wartet! Versenke dich in diese Betrachtungen, und ruhe von den Kämpfen des Alltagslebens aus in dem Gedanken an die ewigen Freuden! Wenn auch du gleiches Glück verkosten möchtest, so suche dir darüber klar zu werden, wie nichtig alles Leid und alle Freude der Gegenwart im Vergleich zu den ewigen Gütern ist.
Maria folgt den Belehrungen ihres Meisters mit großer Sammlung. Ihr Geist ist still, und Herz und Sinn ruhen; so kann das göttliche Wort in das Erdreich ihrer Seele eindringen und dort reiche Frucht hervorbringen. Größer noch als Freude und Sammlung ist im Herzen der Büßerin die Liebe. Sie ist der Freundschaft Jesu vollständig unwürdig, und nun würdigt Jesus sie sogar des vertrautesten Umgangs mit Ihm. Sie darf in stiller, seliger Verbundenheit mit Ihm schon hienieden das Glück des Himmels verkosten und hat in Wahrheit den besten Teil erwählt



10.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

I Maria und Martha nehmen den Heiland in ihr Haus auf
Auf der Wanderung kehrte Er in einem Flecken ein. Eine Frau namens Martha nahm Ihn in ihr Haus auf.
Tritt mit Jesus in das Haus Seiner Freunde ein! Wer sind jene, die Ihm Gastfreundschaft gewähren? Wen beglückt der Heiland am liebsten mit Seiner Gegenwart? Er Selbst wird es dich lehren, wenn du dem Bericht mit Aufmerksamkeit folgst.
Begrüße die beiden Schwestern und wünsche ihnen Glück, dass die Wahl des göttlichen Meisters auf sie gefallen ist! Bedenke, welche Freude das Herz des Heilands erfüllt, dass er bei aller Verfolgung und allem Widerspruch noch liebende Seelen findet, die bereit sind, Ihn aufzunehmen, und die alles tun, um Ihn würdig zu bewirten und Ihm ihre Liebe zu beweisen. Bemühe dich, auch zu diesen auserwählten Seelen zu gehören, und lerne von Maria und Martha, wie man aus der Gegenwart des Heilands Nutzen zieht.



09.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

III Jesus fordert Seine Jünger auf, dem Vorbild des Samariters zu folgen
«Er goss Öl und Wein in seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Am andern Tag zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt mit den Worten: «Sorge für ihn! Was du noch darüber aufwendest, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.»
Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunden. Er versteht es, die Schmerzen zu stillen und die Bitterkeit zu versüßen. Sieh, mit welcher Liebe er sich des Unglücklichen annimmt, den die göttliche Vorsehung ihn hat finden lassen; er betrachtet ihn als einen der seinigen. So sollen auch wir im Geist der Liebe alle Hilfs- und Trostbedürftigen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen, als unsere Brüder betrachten.
Damit glaubt der Samariter noch nicht, seiner Pflicht genügt zu haben; er bringt den Verwundeten in eine Herberge. Es genügt auch wirklich nicht, sich nur wenige Augenblicke dem Dienst der leidenden Menschheit zu weihen. Wenn deine Bemühungen, den Unglücklichen zu helfen, nicht gleich Erfolg haben, dann heißt es ausharren. Opfere gern deine Zeit, und Gott wird dich reichlich belohnen.
Als der Samariter zur Weiterreise genötigt ist, da beauftragt er den Wirt bis zu seiner Rückkehr für den Kranken zu sorgen. Beachte wohl, er wird wiederkommen und inzwischen lässt er sich vertreten. So macht es die wahre Nächstenliebe. Was sie selbst nicht mehr tun kann, lässt sie durch andere fortsetzen. Aus der Ferne nimmt sie noch liebevollen Anteil. So sollst auch du in Zukunft handeln.
Im Anschluss an die Erzählung fragt Jesus: «Welcher von diesen dreien scheint dir der Nächste für den gewesen zu sein, der unter die Räuber gefallen war?» Jener aber sprach: «Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat.» Jesus sprach zu ihm: «Gehe hin, und tue du desgleichen!» Diese Worte des Heilands sind auch an dich gerichtet. Auch du sollst deinen Brüdern Gutes erweisen und dich der Leidenden annehmen. Präge dir dieses Gleichnis tief ins Herz. Das ganze Evangelium ist in dieser Unterweisung zusammengefasst, und der Sohn Gottes lehrt dich immer wieder: «Sei liebreich!»



08.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

II Jesus zeigt Seinen Jüngern ein Vorbild wahrer Nächstenliebe
«Auch ein Samariter kam auf seiner Reise in seine Nähe. Als er ihn sah, wurde er von Mitleid gerührt. Er trat zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie.»
Der barmherzige Samariter kann dir zum Vorbild dienen. Er wendet sich nicht gleichgültig von diesem Bild des Elends ab unter dem Vorwand, dass er nichts besitze, nicht helfen könne, oder dass es ihm an Zeit mangle. Er weiß, daß kein Geschäft und keine Pflicht so dringend ist als diejenige, den Leidenden beizustehen. Deshalb unterbricht er seine Reise, eilt zu dem Unglücklichen hin und beugt sich voller Mitleid nieder, um zu sehen, wie er seinen Schmerzen abhelfen kann. Komm und schau auch du mit den Augen des Glaubens auf den armen Verwundeten und erinnere dich dabei jener Mahnung des Heilands, dass wir im Dienst der Nächstenliebe den lieben Gott in den geringsten unserer Brüder erkennen sollen! Erprobe die Wahrheit dieser Worte an dir selbst! Neige dich zu dem Verwundeten hin und verbinde seine Wunden. Du wirst zum Lohn den Kuss der göttlichen Gnade empfangen, denn in der Person dieses Unglücklichen leidet der Sohn Gottes Selbst und fordert dich auf, dich mit Seiner Schmach und Seinen Schmerzen zu vereinen.



07.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

I Jesus ermahnt Seine Jünger zur Nächstenliebe
Jener aber wollte sich rechtfertigen und fragte Jesus: «Wer ist denn mein Nächster?»
Als Jesus dem Gesetzeslehrer sagt: «Du sollst Gott über alles lieben», da ist dieser ganz einverstanden, und er verlangt keine Erklärung. Aber als Jesus hinzufügt: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst», da zögert er und scheint im Zweifel, wen er als seinen Nächsten zu betrachten habe. In unserer Umgebung finden wir immer Menschen, die in ihren Ideen und Grundsätzen von uns sehr verschieden sind und deren Charakter, Erziehung und Lebensweise uns abstoßen. «Sind Menschen, von denen mich so vieles trennt, auch meine Nächsten?» möchten wir da manchmal mit dem Gesetzeslehrer fragen.
Der Heiland antwortet mit einem Gleichnis, durch das Er die Wahrheit veranschaulicht, dass alle Menschen ohne Ausnahme unsere Brüder sind, denn alle sind Kinder des himmlischen Vaters. Somit bildet die übernatürliche Liebe zu allen Menschen einen wesentlichen Bestandteil der Gottesverehrung.
Verfolge mit Aufmerksamkeit die Erzählung des Heilands! «Ein Mann ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter Räuber. Die plünderten ihn aus, schlugen ihn wund, ließen ihn halbtot liegen und gingen weg. Zufällig ging ein Priester denselben Weg hinab. Er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam ein Levit dorthin, sah ihn und ging vorüber.»
Nähere dich dem armen Verwundeten, auf den der Heiland deine Aufmerksamkeit lenkt! Für die Vorübergehenden ist er ein Unbekannter, ein Fremdling. Sie gehen gleichgültig an ihm vorüber und halten sich nicht für verpflichtet, ihm in seinem Unglück beizustehen. Du aber sollst in ihm den Bruder erblicken. Frage nicht nach seinem Namen, seinem Volkstum, seiner Religion und stelle keine Nachforschungen an, die für ihn demütigend wären! Lass dich nur von deinem Herzen und von wahrer Gottesliebe leiten und nähere dich ihm voll Güte! Sprich ihm Trost zu, bringe Öl herbei, um seine Schmerzen zu lindern, und Wein, um seine Kraft neu zu beleben. Bitte den Heiland, dir den Geist seiner göttlichen Liebe einzuflößen!



06.02.2020
178. Das Gebot der Liebe
(Lk 10)

II Jesus belehrt Seine Jünger über die Eigenschaften der wahren Gottesliebe
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit allen deinen Kräften und mit deinem ganzen Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.» Da sprach Jesus zu ihm: «Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!»
Gott will als Gott geliebt sein. Er ist dein höchster Herr und will in deinem Herzen die höchste Stelle einnehmen. Wie kann man sich einreden, Gottes Herrschaft genügend anzuerkennen, wenn man Ihm, der aller Liebe unendlich würdig ist, nur eine untergeordnete Stelle im Herzen einräumt? Wer ist denn dieser Gott, für Den Jesus so gebieterisch die vollkommenste Liebe verlangt? Er ist der erhabenste Herr, unbegrenzt in Seiner Güte, Freigebigkeit und Barmherzigkeit. Von Ihm stammt alle wahre Liebe, in Ihm muss sie wurzeln und Früchte des ewigen Lebens tragen. Alles, was wir in den Geschöpfen lieben, ist nur ein Abglanz Seiner Schönheit, Kraft und Weisheit.
Ist es nicht erstaunlich, dass Gott auf deine Liebe Wert legt, da du doch nur Staub, Elend und Schwäche bist? Erkenne dankbar die Ehre an, die der himmlische Vater dir erweist, und vernichte die Götzen, die nur zu lange Seine Stelle in deinem Herzen eingenommen haben!
Wann lieben wir Gott von ganzer Seele? Wenn wir bereit sind unser Leben für Ihn hinzugeben, alle Prüfungen geduldig zu ertragen und lieber auf alle Freuden zu verzichten, als Ihn zu beleidigen.
Wann lieben wir Gott aus all unseren Kräften? Wenn wir mit Aufwand all unserer Kraft den Feinden Gottes widerstehen und so der heiligen Sache zum Sieg verhelfen. Überlege diese Erklärungen, die in gedrängter Kürze die ganze Heilslehre enthalten, und merke dir wohl den Zusatz zum höchsten aller Gebote: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» Wie kannst du glauben, Gott zu lieben, wenn du nicht alles liebst, was Ihm gehört? Du wirst erst dann ein wahres Kind deines himmlischen Vaters sein, wenn du mit großer Liebe alle umfängst, die Er dir als Brüder gegeben hat.
«Du hast recht geantwortet», spricht Jesus zu dem Gesetzeslehrer, «das ist der Weg zum Himmel.» Betritt auch du mutig diesen Weg, und scheue weder Zeit noch Mühe, um auf demselben fortzuschreiten! Du wirst dabei das wahre Glück finden, denn je mehr man liebt, um so glücklicher wird man, und je würdiger der Gegenstand unserer Liebe, desto echter ist unser Glück. Übergib dem himmlischen Vater durch die Hände Seines göttlichen Sohnes freudig dein ganzes Herz!



05.02.2020
178. Das Gebot der Liebe
(Lk 10)

I Jesus erklärt die Liebe als Grundbedingung des ewigen Heils
Da erhob sich ein Gesetzeslehrer, um Ihn auf die Probe zu stellen. Er fragte: «Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?» Er sprach zu ihm: «Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?» Jener antwortete: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.»
Die Frage, die man jetzt dem Heiland stellt, übertrifft alle anderen an Wichtigkeit. «Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?» Jesus legt dem Fragesteller selbst die Antwort in den Mund, indem Er Seinerseits fragt, was in der Heiligen Schrift darüber geschrieben steht: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.» Der Heiland bestätigt diese Antwort. Er hätte den Gesetzeslehrer veranlassen können zu antworten: «Um zum ewigen Leben einzugehen muss man beten, sich abtöten, keusch, gerecht und gottesfürchtig leben usw.» Er will aber vor allem die Pflicht der Liebe betonen.
Die Liebe ist die Seele aller Tugenden, und ohne sie können wir nichts Gott Wohlgefälliges tun. Die Liebe zu Gott ist das Gesetz des ewigen Lebens, und der Grad unserer Seligkeit hängt von der Größe unserer Liebe ab. Gott gibt uns Seinen Himmel als Lohn für unsere Liebe. Zu Beginn unserer Lebenswanderung müssen wir unser Herz auf Gott richten und diese Richtung trotz aller Schwierigkeiten des Weges festhalten. So oft wir uns bewusst werden, dass wir vom rechten Weg abgewichen sind, müssen wir demütig wieder darauf zurückkehren, nur so werden wir das Heil erlangen.
Danke der göttlichen Vorsehung, die ein solches Glück an so leichte Bedingungen geknüpft hat! Warum erscheint dir das Joch des Gesetzes so schwer, die Prüfung so bitter, die Pflicht so drückend? Woher kommt es, dass dich Kämpfe und Leiden meist unentschlossen und mutlos finden? Das hat seinen Grund in deiner geringen Liebe zu Gott, für Den du arbeitest. Der wahren Liebe wird alles leicht; darum zögere nicht, den Weg der Liebe einzuschlagen!



04.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

IV Jesus ruft die Leidenden zu Sich und lehrt die wahre Demut
«Kommt zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich werde euch erquicken. Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn Mein Joch ist süß und Meine Bürde leicht.»
Erwäge diese trostreichen Worte! Bist du müde, ohne Trost zu leiden und ohne Erfolg zu arbeiten, so gehe zum Heiland, Der dich tröstet und ermutigt. Vertraue dich Ihm ganz an und lege all dein Leid und deine Sorgen in Sein heiligstes Herz! Beuge dich freudig dem Joch Seiner Gebote, und Kummer und Schmerzen werden dir erträglich werden!
Der Herr zeigt sich uns hier als Vorbild der Sanftmut und Demut. Die Menschen wollen machtvoll erscheinen, um sich Geltung zu verschaffen, anderen Furcht einzuflößen und oftmals auch um Böses zu tun. Unser Heiland will uns die Größe der Demut lehren. Er ist demütig von Herzen, nicht nur in Seinen Worten. In Seinem Leiden hat Er um unseres Heiles willen schmerzlichste Demütigungen gleichmütig auf Sich genommen. Lerne von diesem Beispiel! Es ist leicht, äußerlich demütig zu erscheinen, aber in der Schule Jesu lernt man, wahrhaft demütig zu sein von Herzen. Wenn du demütig bist, ist der Herr bei dir und erleichtert dir das Joch deines Kreuzes und versüßt die Last deiner Bürde.



03.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

III Jesus preist Seine Jünger selig, weil ihnen solche Gnade zuteil wird
Dann wandte Er sich an Seine Jünger und sprach: «Selig die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und sahen es nicht. Wollten hören, was ihr hört, und hörten es nicht.»
Der Ausspruch Jesu möchte dir zum Bewusstsein bringen, wie glücklich du bist, Jesus zum Meister zu haben. Unter Seiner Leitung wird dir nichts mangeln. Hast du schon einmal bedacht, wie groß die Zahl jener ist, die nicht gesehen haben, was du siehst, und die nichts von dem wissen, was Jesus dich gelehrt hat? Wenn dein Seeleneifer sich ihrer nicht annimmt, so werden sie niemals die Güter besitzen, deren du auf so unverdiente Weise teilhaftig geworden bist. Angesichts der Göttlichen Freigebigkeit kannst du nichts Besseres tun, als großmütig den Ruf des Heilands zu hören und das zu befolgen, was Er dich lehrt.



02.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

II Jesus dankt dem Himmlischen Vater, dass Er Sich den Kleinen und Demütigen geoffenbart habe
In jener Stunde frohlockte Er im Heiligen Geist und sprach: «Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geoffenbart hast. Ja, Vater, so hat es Dir gefallen.»
Vereinige dich mit der Danksagung deines Erlösers! Er kann Seine Freude nicht zurückhalten beim Gedanken daran, daß Seine Jünger zu den Auserwählten des Himmlischen Vaters gehören. Es sind ungelehrte und einfache Männer von niedrigem Stand, aber gerade sie sind von Gott erwählt; ihnen hat Er die Erkenntnis und die Güter des ewigen Lebens zugesichert. Armut des Geistes, Einfalt des Glaubens und Gelehrigkeit des Herzens machen den Menschen fähig, die Erleuchtungen und Gnadengaben Gottes in der rechten Weise zu gebrauchen. Den Demütigen will der Himmlische Vater Seine Geheimnisse offenbaren. Der Stolz verdunkelt unseren Verstand, die Seele wird durch ihn gehindert, das Göttliche Wort zu vernehmen, und selbst die ergreifendsten Offenbarungen des Evangeliums lassen das hochmütige Herz kalt.
Mache dir auch den unversöhnlichen Gegensatz der weltlichen Weisheit und menschlichen Klugheit zur Weisheit Gottes bewusst. Die Welt hat Grundsätze, die dem Evangelium ganz entgegengesetzt sind, und wer von ihnen durchdrungen ist, kann das Licht der himmlischen Lehre Christi nicht wahrnehmen. Widersage dieser verkehrten Weltweisheit, und Gott wird dich mit Seiner erhabenen Wahrheit erleuchten.
Wie Christus betont, verbirgt Gott Seine Geheimnisse den Weltweisen. Er tut dies, weil jene sich ihrer Erkenntnisse rühmen, und Er will nicht, dass das Göttliche Licht entweiht werde und der Vermehrung des menschlichen Hochmuts diene. Bemühe du dich, die Größe Gottes zu erkennen, um Ihn mehr zu lieben. Diese Erkenntnis soll in dir die göttliche Liebe nähren, nicht aber den Hochmut.
Gott offenbart Sich den Kleinen und Demütigen, weil sie alles, was sie von Seiner Güte empfangen, zu Seiner Verherrlichung benützen. Sie erkennen sich als unwürdig, von Gott übernatürliches Licht und Erkenntnis zu empfangen. Wenn du von dieser Gesinnung beseelt bist, wird Gott dir viele Gnaden schenken.
Bemühe dich also, recht klein und demütig zu werden, und du wirst das Glück, zu den Auserwählten Gottes zu gehören, recht erkennen und schätzen. Dann gehörst du zu jenen, für die der Erlöser dem Himmlischen Vater mit großer Freude Dank sagt.



01.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

I Jesus belehrt Seine Jünger über die wahre Freude
Voll Freude kehrten die zweiundsiebzig Jünger zurück und berichteten: «Herr, selbst die bösen Geister sind uns in Deinem Namen unteran.» Er entgegnete ihnen: «Doch nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass die Geister euch Untertan sind, freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel aufgezeichnet sind.»
Sei Zeuge des Empfangs, den der göttliche Meister den zurückkehrenden Jüngern bereitet! Mit welcher Freude rufen sie Ihm zu: «Wir haben Erfolg gehabt! Die Hölle ist besiegt und die Teufel mussten weichen!» Jesus verurteilt gewiss nicht die Freude Seiner Jünger, denn sie schreiben alle Ehre Ihm zu. Dennoch unterbricht Er sie mit den mahnenden Worten: «Freut euch nicht darüber! Freut euch nicht so sehr über den Erfolg eurer Tätigkeit, auch nicht über die außergewöhnliche Macht, die Ich euch übertragen habe! Nicht darin liegt das wahre Glück.» — Hat dein Erlöser nicht recht? Er weiß, dass dieses Wohlgefallen leicht die eitle Ehrsucht wecken kann. Er erinnert sie daran, dass Luzifer durch den Hochmut von der Höhe des Himmels herabgestürzt ist. Beachte mehr das, was Gott für dein Seelenheil in dir wirkt, als jenes, was Gottes Gnade durch dich für andere Seelen wirkt. Beim Erfolg in den guten Werken fürchte den Hochmut, der in einem Augenblick aus einem Apostel einen Teufel machen kann. Betrachte, wie der Heiland hinzufügt, dass der Gegenstand der wahren Freude nicht darin liegt, den Dämonen befehlen zu können, sondern berufen zu sein, einen Platz im Himmel einnehmen zu dürfen, den ein Teufel verloren hat. «Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgezeichnet sind!» Wir sollen uns freuen, dass der Herr uns erlöst hat, und wir die ewige Glückseligkeit erhoffen dürfen. Richte auch du deinen Blick auf dein letztes Ziel und Ende und suche nicht auf Erden, was Gott dem Himmel vorbehalten hat! Sei dir deiner hohen Bestimmung bewusst und verzichte im Hinblick darauf auf alles Scheinglück, das die Geschöpfe dir bieten könnten.


31.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

III Jesus rüstet die Jünger mit Seiner Vollmacht aus
«Wer euch hört, der hört Mich; wer euch verwirft, der verwirft Mich; wer aber Mich verwirft, der verwirft Den, Der Mich gesandt hat.»
Der Heiland spricht wiederum von Seinen Jüngern und Mitarbeitern. Sie sind Träger der göttlichen Autorität. Warum stößt du dich so oft, wenn du an ihnen menschliche Schwächen bemerkst? Nur deshalb, weil du das Göttliche, das der Herr ihnen verliehen hat, übersiehst. Du solltest die Autorität verehren, mit der Gott Selbst sie bekleidet. Die Unterwerfung wird dir leichter fallen, wenn du in dem Menschen, der zu dir spricht, den Stellvertreter Gottes erblickst.
Sei also zuvorkommend gegen die Priester und Apostel des Heilands, denn sie sind die Vorläufer des Herrn, die alles für Seine Ankunft bereiten. Der Heiland selbst folgt ihnen, da ja die eigentliche Aufgabe der Priester darin liegt, dem Herrn die Seelen zu bereiten. Jedes Wort und jedes Werk des Priesters wird für dich gleichsam zum Vorspiel göttlicher Wohltaten. Wo der Priester geht, folgt Gott, wo er Aufnahme findet, tritt Gott ein, und wo er verweilt, wirkt Gott.
Aber es genügt nicht, die Gesandten Gottes freudig zu empfangen, du musst sie soviel als möglich in der Ausübung ihres schweren Amtes unterstützen. Unter ihrer Anleitung kannst auch du am Heil der Seelen arbeiten, biete dich ihnen zur Mitarbeit an! Überlege ernstlich, wo sich dir ein Arbeitsfeld eröffnet. Sollte sich dir jedoch einstweilen keine Gelegenheit bieten, deinen apostolischen Eifer im Dienst des Herrn zu betätigen, so benütze wenigstens alle Mittel, um das Verlangen danach in dir lebendig zu erhalten!



30.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

II Jesus gibt den Jüngern Seine Unterweisungen
« Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt zuerst: Friede sei diesem Haus! — Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so verkündet: Das Reich Gottes hat sich euch genaht.»
Wer sind jene, die Jesus zur apostolischen Arbeit aussendet? Sie sind Arbeiter Gottes. Der Heiland selbst nennt sie so. Der himmlische Vater bedient sich ihrer, um Seine Felder zu bebauen. Wie könnten sonst die Früchte des Lebens gedeihen? Sie sind ferner Vermittler des Friedens. Der göttliche Heiland kennt die Drangsale, die die Menschen beängstigen, die Versuchungen, die sie bestürmen, und die Zwistigkeiten, die sie entzweien. Er erbarmt sich ihrer und schickt ihnen Seine Apostel. «Geht», sagt Er, «und bringt allen gequälten Herzen und bekümmerten, mit Sünden beladenen Seelen den Frieden des Himmels!»
Preise die Güte Jesu, deines Erlösers! Im Beichtstuhl, wo Seine Priester dich erwarten, am Altar, wo sie das heilige Opfer darbringen, und auf der Kanzel, wo sie das Wort Gottes verkünden, wird der Auftrag Jesu erfüllt.
Die Gesandten Jesu sind vor allem Verkünder der göttlichen Wahrheit. Sie verkünden uns, dass das Reich Gottes nahe, dass es auch unseren geringen Kräften erreichbar ist. Ist das nicht die tröstlichste Botschaft? Das Wort der Priester gibt den Kranken Vertrauen, den Betrübten Trost, den Sterbenden Hoffnung und den Kindern Freude. Heiße auch du die Abgesandten des Herrn immer von Herzen willkommen!



29.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

I Jesus sendet Seine Jünger zur Ernte
Danach bestimmte der Herr noch zweiundsiebzig andere und sandte sie zu zweien vor Sich her in alle Städte und Ortschaften, wohin Er selbst zu kommen gedachte. Er sagte zu ihnen: «Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet darum den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende.»
Höre voll Liebe und Teilnahme die Klage deines Heilands, die Er auch an dich richtet. Im Gedanken an all die Seelen, die Seiner bedürfen, ruft Er aus: «Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige», und Er fügt hinzu: «Bittet daher den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende!» Beherzige dieses Wort und belebe deinen Eifer!
Das Gebet der Gläubigen ist die Quelle, durch die die Ströme des göttlichen Erbarmens fließen. Uns fällt die Aufgabe zu, vom himmlischen Vater genügend Arbeitskräfte und eine reiche Ernte zu erbitten. Zweifle nicht daran, daß Christus deine Hilfe verlangt; Er setzt große Hoffnungen auf dich. Durch eifriges Gebet und reiche Unterstützung apostolischer Werke wirst du Seinen Erwartungen entsprechen können.
Hüte dich, dass dich nicht einst der Vorwurf treffe, nichts getan zu haben, um die Zahl der apostolischen Arbeiter zu vermehren und ihnen ihre Mühen zu erleichtern.



28.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

III Jesus scheut kein Opfer für das Heil der Menschen
«Deshalb liebt Mich der Vater, weil Ich Mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand vermag es Mir zu nehmen, Ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Das ist der Auftrag, den Ich von Meinem Vater erhalten habe.»
Jesus fährt fort, denn Er hat noch nicht alles gesagt, was du wissen musst. Danke Ihm für jedes Seiner Worte! Er gibt dir zu verstehen, daß Er durch die Hingabe Seines Lebens dem Vater unendlich wohlgefällig ist. Einerseits hat Er durch Sein Leiden und Sterben den Vater verherrlicht, weil Er Seine Gerechtigkeit vollkommen zufriedengestellt und Ihm die Ehre und Liebe wieder geschenkt hat, welche die Geschöpfe durch die Sünde Ihm verweigert hatten. Andererseits hat unser Heiland gerade durch Sein Leiden den Menschen die göttliche Liebe und unendliche Güte geoffenbart, die der Vater von Ewigkeit her zu ihnen hat.
Lerne daraus, den himmlischen Vater ebenso zu verherrlichen, indem du Ihm deine Liebe im geduldigen Ertragen der Leiden und im eifrigen und selbstlosen Üben der Nächstenliebe beweist. Besonders heute, wo die Unwissenden Ihn schmähen, die Ungläubigen Ihm widersprechen und die Kleinmütigen im Glauben wanken, sollst du zu dieser Liebe des Opfers und des Leidens angespornt werden. Stelle alle deine Kräfte in seinen Dienst und scheue Seinetwegen keine Mühe und kein Opfer!



27.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

II Jesus will Seine Schafe bis in den Tod verteidigen
«Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen Mich, wie Mich der Vater kennt und Ich den Vater kenne. Ich gebe Mein Leben für Meine Schafe.»
Denke über diese ergreifenden Worte nach; sie werden deinen Mut neu beleben, denn du bist ein Schäflein dieses Hirten! Dieses Kennen ist nicht nur äußerlich, Jesus kennt die Ihm treuen Seelen, indem Er von ihnen alles weiß und dauernd an sie denkt, um ihnen in jedem Augenblick alles zu schenken, was sie benötigen. Er liebt die Seinen, Er liebt dich; du brauchst dich also nicht zu fürchten. Du hast zwar viele Feinde, die Wölfe umschleichen beutegierig den Schafstall. Die ewigen Güter, die für dich bestimmt sind, erregen Eifersucht und versetzen die Hölle in Wut. Der Teufel will dich ins Verderben stürzen, und es fehlt ihm nicht an Gehilfen. Seine Angriffe werden immer häufiger, und du bedarfst eines Verteidigers. Der gute Hirt Selbst kommt dir zu Hilfe. Er ist bereit, sich für dich aufzuopfern.
Erinnere dich, mit welcher Entschiedenheit Er einst die Angriffe der Hölle zurückgeschlagen hat! Um dich zu retten, hat Er alle erdenklichen Qualen erduldet und alle Schmach auf Sich genommen. Er wollte dich der Knechtschaft der Hölle entreißen und dich vor dem ewigen Verderben bewahren. Danke Ihm dafür und bete auch für Seine Kirche! Bitte den himmlischen Vater, dass Er die glühende Liebe des Herzens Jesu in den Herzen jener entzünden wolle, die Er zu Hirten Seiner Herde gemacht hat, so dass der Sieg des Guten über das Böse verwirklicht werde.



26.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

I Jesus nennt Sich Selbst den guten Hirten
Jesus sprach: «Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt Sein leben für die Schafe.»
Freue dich, einem so guten Hirten anzugehören! Die Güte offenbart sich im Geben. Was wird Jesus den Seinigen geben? «Der gute Hirt gibt Sein Leben für die Schafe.» Er will für die Menschen Sein Blut vergießen und bietet Sein Leben an als Lösegeld, um sie durch dieses Opfer vom ewigen Tod zu befreien. Er hat in Seinem Herzen beschlossen, für sie zu sterben, um ihre gefallene Natur wieder herzustellen und sie für Seine Lehre zu gewinnen. Versuche den Wert dieser Wohltat zu erfassen und gib Ihm Liebe für Liebe! Geh auf die Herzenswünsche des Heilands ein! Viele Schafe kennen ihren Hirten noch nicht, und diese müssen Ihm zugeführt werden. Andere widerstehen Seinem liebevollen Entgegenkommen, auch sie sollen Seiner Herrschaft unterworfen werden. Jesus verlangt sehnlichst, in Seinem Schafstall alle zu versammeln, für die Er Sein Blut vergossen hat. Er selbst sagt: «Ich habe noch andere Schafe, welche nicht aus diesem Schafstall sind. Auch sie muss Ich herbeiführen.» — Kannst du Ihm dabei nicht helfen? Stelle deine Gebete, deine Zeit und deine Kräfte dem guten Hirten großmütig zur Verfügung!



25.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)

III In Jesus allein finden wir das wahre Leben
Jesus fuhr fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor Mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Wer durch Mich eintritt, wird gerettet. Er wird ein und aus gehen und Weide finden.»
Verfolge die Worte des göttlichen Hirten mit großer Aufmerksamkeit! Unter Seinen Hirtenstab will Gott Seine Auserwählten versammeln. «Ich bin die Türe zu den Schafen», sagt Jesus. «Ich allein habe das Recht, den Zutritt in den Schafstall zu gewähren und die Bedingungen des ewigen Heiles zu stellen.»
Nur wenn dein Leben mit den Lehren und dem Beispiel Jesu übereinstimmt, darfst du in Seinen Schafstall eintreten und dort die tröstliche Gewissheit genießen, dass du Ihn eines Tages mit dem Himmel vertauschen wirst. Das ist der Sinn der Worte des Heilands. Weise also mit Entschiedenheit alles von dir, was dich vom rechten Weg abbringen will! Jesus allein ist die Wahrheit. Willst du Ihm nicht folgen wie das Schäflein seinem Hirten und dabei bedenken, daß es eine ganz unverdiente Ehre ist, zu der auserwählten Herde des göttlichen Hirten zu gehören? Nur in Seiner Nähe und in Seiner Obhut wirst du wahre Freuden und die Erfüllung all deiner Hoffnungen finden. Jesus fügt hinzu: «Ich bin gekommen, damit Meine Schafe das Leben haben und es in Fülle haben.» Er spricht von dem ewigen Leben im Besitz der Güter und der Seligkeit Gottes. Könnte bei einem solchen Übermaß der Güte dein Herz kalt und dein Wille schwankend bleiben? Schäme dich deiner bisherigen Gleichgültigkeit und strebe fortan beharrlich nach den ewigen Gütern, die Gott dir so großmütig anbietet!



24.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)

II Jesus ist der Herr des Schafstalles
«Einem Fremden aber folgen sie nicht. Sie fliehen vielmehr vor ihm, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.» Dieses Gleichnis trug Jesus ihnen vor. Aber sie verstanden nicht, was Er ihnen damit sagen wollte.
Denke über den Sinn der Worte Jesu nach! Er ist kein Fremdling für dich, denn du gehörst Ihm rückhaltlos, und Er hat sich dir ganz geschenkt. Dein himmlischer Vater hat dich Ihm anvertraut, und Er weiß diese Gabe zu schätzen. Sein Glück besteht darin, für dich zu sorgen. Er kannte dich, ehe du geboren warst; Er weiß deinen Namen und liebt dich trotz deiner Fehler und Schwächen. Für deine Zukunft wird Er Sorge tragen, und Er verlangt von dir kein anderes Entgelt als die Freude, dich Seiner Lehre und Seinem Beispiel folgsam und treu zu sehen.
Öffne Ihm dein Herz! Gedenke Seiner Wohltaten: der Wahrheiten, die Er lehrte, der Gnadenschätze, die Er für dich erwarb, und der Hoffnung, mit der Er dich bereicherte! Erinnere dich, wie Er dir folgte, wenn du vom rechten Weg abgewichen warst, wie viele Mühen und Beschwerden Er für dich ertrug! Falle Ihm zu Füßen und rufe aus: «Du warst bis jetzt und wirst auch fernerhin der wahre, einzige Hirt meiner Seele sein!»



23.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)
I Jesus ist wahrhaft der rechtmäßige Hirt
« Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer nicht durch die Tür in den Schafstall eintritt, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür eintritt, der ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf Seine Stimme.»
Wie können wir erkennen, dass Jesus wahrhaft unser Erlöser ist? Als Seine Schafe werden wir Ihn an Seiner Stimme erkennen. Aus Seinen Worten tönt die Stimme des himmlischen Vaters, die uns ruft. In Seinem Namen verkündet der Heiland alles, wozu Er von Ihm beauftragt ist.
Die wahren Schafe Jesu Christi werden ihren Hirten auch an Seinen göttlichen Zügen erkennen. Betrachte Ihn aus der Nähe! Er wird dich liebreich aufnehmen und dir sagen: «Ich bin die unendliche Güte, die Mensch geworden ist und immer bei dir weilt.» Huldige Ihm und beuge dich freudig unter Seine segnende Hand!
Um deinen Glauben zu stärken, lässt Er sich herab, dir Seine Machtvollkommenheit und die Erhabenheit Seiner Sendung zu beweisen. Er ist nicht widerrechtlich in den Schafstall eingedrungen und hat keineswegs im Dunkeln die Mauer überstiegen. Die Richtergewalt, die Er sich beilegt, beruht nicht auf Anmaßung. Als Beweis dafür dienen Seine zahlreichen Wunder. Beseitige also alle Bedenken und folge treu deinem guten Hirten!



22.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

III Der Heiland nimmt die Huldigung des Geheilten entgegen
Und er warf sich vor Ihm nieder und betete Ihn an. Jesus fuhr fort: «Zum Gericht bin Ich in diese Welt gekommen: Die Blinden sollen sehend, die Sehenden blind werden.»
Vor diese furchtbare Entscheidung stellt uns also die Menschwerdung des Sohnes Gottes: Entweder nehmen wir das Evangelium zur Richtschnur unseres Lebens oder wir ziehen uns die ewige Verdammnis zu. Denke ernstlich über diese Wahrheit nach! Dem Glauben müssen unsere Werke entsprechen, und das Licht der Erkenntnis soll zur Tat anregen. Die verblendeten Pharisäer wollen nichts vom Evangelium wissen, der neue Jünger aber nimmt es rückhaltlos an. Er hat das wahre Licht gefunden, das der Sohn Gottes in die Welt gebracht hat.
Sieh ihn zu Füßen seines Meisters, in Dem er fortan den Herrn erblickt. Er hat begriffen, dass das Geschöpf es sich zur höchsten Ehre anrechnen muss, sich dem Willen des Schöpfers zu unterwerfen. Die Gebote sind der Ausdruck des göttlichen Willens, und Gott übt Seine Macht nur aus, um Seine Kinder glücklich zu machen. Der neue Jünger hat diese Wahrheit begriffen und sein «ich glaube» drückt den Entschluss aus, ein neues, besseres Leben zu beginnen.
Strebe auch du danach, zum Verständnis der göttlichen Lehre zu gelangen. Fasse den Entschluss, ein neues Leben zu beginnen und fortan auf allen Eigenwillen zu verzichten, um nur noch den Willen Gottes zu erfüllen!



21.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

II Jesus führt den Blindgeborenen zum wahren Glauben
Jesus erfuhr, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Als Er ihn traf, fragte Er ihn: «Glaubst du an den Menschensohn?» Jener antwortete: «Herr, wer ist es denn, damit ich an Ihn glaube?» Jesus erwiderte ihm: «Du hast Ihn vor Augen. Der mit dir redet, Der ist es.» Da sagte er: «Ich glaube, Herr.»
«Glaubst du an den Sohn Gottes?» fragt der Heiland den Blindgeborenen. Er will Sich vergewissern, ob das Gefäß, in das Er Seine göttlichen Schätze ergießen will, dazu geeignet ist. Die kostbarste aller Gaben ist Gott selbst, und wenn der Sohn Gottes Sich einem Menschen offenbart, dann ist Er auch gewillt, Sich ihm ganz zu schenken, falls Er Bereitwilligkeit zum Glauben findet. Glücklich, wer das versteht!
Vernimm die Antwort des Geheilten: «Wer ist es Herr? Wo ist Er? Ich bin fest entschlossen, an Ihn zu glauben, nenne mir Seinen Namen und sage mir, wo ich Ihn finde. Wann werde ich mit Ihm zusammentreffen, Sein Wort hören und Ihn kennenlernen?» — «Ich bin es.»
Versuche dir vorzustellen, welch tiefen Eindruck dieses einfache Wort auf die Seele des Geheilten machte! «Ja, Meister, ich erkenne Dich, Du hast mich gesegnet, Du hast mich geheilt und getröstet, Du bist wahrhaft der Sohn Gottes. Aus Deiner Güte und Barmherzigkeit leuchtet Deine Gottheit hervor. Ist Gott nicht der Vater der Unglücklichen, die Stütze der Armen und die Zuflucht der Verlassenen? Ich glaube!» Vereinige dich mit dem Geheitlen, und bekenne dem Heiland deinen Glauben an Seine Gottheit, an Seinen Erlöserberuf, an Seine Richtergewalt und an deine Bestimmung!



20.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

I Jesus begegnet dem Blindgeborenen
Jesus erfuhr, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Als Er ihn traf, fragte Er ihn: «Glaubst du an den Menschensohn?»
Sei Zeuge der Begegnung des Meisters mit Seinem neuen Jünger! Der Heiland wacht über die Seinigen. Er steht ihnen bei im Kampf gegen Seine Feinde, flößt ihnen Mut ein und lehrt sie, treffend zu antworten. Er wird dich niemals verlassen in den Kämpfen, die du um Seines Namens willen bestehen musst. Und wenn der Sieg errungen und die Ungerechtigkeit unterlegen ist, dann zeigt Sich der Heiland wieder zum Lohn für die Treue und Standhaftigkeit. Siehe, wie liebreich Er Sich dem Jünger offenbart, der lieber Misshandlungen erdulden wollte, als den Heiland zu verleugnen. Es ist, als ob Jesus ihm sagen wollte: «Du hast für Mich gekämpft und gelitten, was willst du, dass Ich dir tun soll? Ich habe dir etwas zu geben, was besser ist als Reichtümer und Ehren.» Worin wird das Geschenk des Heilands bestehen? Offenbare Ihm deinen Wunsch, dich gleichfalls Seiner Freigebigkeit würdig zu erzeigen und Anteil an derselben zu haben.



19.01.2020
172. Der Blindgeborene als Verteidiger Jesu
(Joh 9)

II Der Geheilte wird von den Pharisäern ausgestoßen
«Wollt ihr etwa auch Seine Jünger werden?» Da schmähten sie ihn und sagten: «Du bist ganz in Sünden geboren und du willst uns belehren?» Und sie stießen ihn hinaus.
Der neue Jünger lässt sich von heiliger Kühnheit hinreißen und widerspricht offen den Feinden Jesu Christi: «Wollt auch ihr Seine Jünger werden? Ich bin Sein Jünger. Wollt ihr meinem Beispiel folgen?»
Vergleiche die beiden Menschenklassen, die sich da gegenüber stehen, und sieh, wie den einen der Glaube leicht ist, während er den anderen so schwer fällt! Nichts war dem Geheilten leichter als der Anschluss an Jesus und nichts den Pharisäern schwieriger. Der Grund dazu liegt in der Tatsache, dass man sich selbst verlassen muß, um Jesus anzuhängen. Die Pharisäer werden von mancherlei Fesseln zurückgehalten: vom Stolz, von der Selbstsucht, von der Menschenfurcht und vom Vorurteil; der Blindgeborene hingegen ist davon frei.
Höre die Verwünschungen, die die Pharisäer gegen den Geheilten ausstoßen! Er hat die Interessen Jesu siegreich vertreten, Gott lässt seinem Mut den Lohn zuteil werden. Man flucht ihm, doch ist er deshalb nicht beklagenswerter. Nachdem er für Jesus gesprochen, darf er jetzt für Ihn leiden.



18.01.2020
172. Der Blindgeborene als Verteidiger Jesu
(Joh

I Der Geheilte bekennt laut seinen Glauben an die göttliche Sendung des Heilands
Nun ließen sie den Mann, der blind gewesen war, nochmals rufen und sagten zu ihm: «Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.» Er erwiderte: «Ob Er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur eines: Ich war blind und kann jetzt sehen.»
Stelle dich in die Nähe dieses tapferen Verteidigers Jesu Christi! Er gehört nicht zu jenen, die leicht im Kampf ermüden. Die Feinde Jesu sind entschlossen, den Streit zum Abschluss zu bringen. «Wir wissen, dass dieser Mensch ein Betrüger ist», sagen sie. Ihre selbstsichere Sprache ist wohl imstande, die Menschen zu betören. Wer würde es wagen zu widersprechen, wenn die Schriftgelehrten eine Entscheidung gefällt haben?
In der ganzen Versammlung ist niemand, der zu Jesus hält. Seine Verteidigung ruht in den Händen eines armen, verachteten Bettlers. Aber der himmlische Vater lässt sich angelegen sein, die Armen und Verachteten zu Verteidigern Seines göttlichen Sohnes zu berufen. Höre, wie der Blindgeborene für die Ehre des Heilands eintritt! Allen spitzfindigen Erörterungen der Pharisäer stellt er die Tatsache entgegen: «Ich war blind, und jetzt sehe ich.» Das genügt ihm.
In der Annahme, dass ein Betrug durch Wunder bestätigt werden könne, liegt eine Leugnung der göttlichen Vorsehung. Ein Betrüger nimmt eine Vollmacht für sich in Anspruch, auf die er kein Recht hat. Welches ist die Sendung, die Jesus sich beilegt? Er hat feierlich erklärt, dass Er gekommen sei, die Seelen neu zu beleben und von aller Schuld zu reinigen, allen Unglücklichen beizustehen und die Menschen wahre Gottes- und Nächstenliebe zu lehren. Wodurch beweist Er die Echtheit Seiner Sendung? Er wirkt Wunder zum Zeichen Seiner Güte und Macht. Ich war blind und bin geheilt worden. Ich war unwissend, und Er hat mich belehrt. Ich befand mich im äußersten Elend, und Er hat für mich gesorgt. Was Er mir sagte, hat Er durch die Tat bewiesen. Ich glaube! Bewundere diese einfache Art der Verteidigung sowie den Mut und die Klugheit des Geheilten! Befindest du dich nicht auch bisweilen in Gesellschaften, in denen du der einzige Getreue des Heilands bist? Wie hast du dich bei solchen Gelegenheiten zu verhalten?



17.01.2020
171. Das Zeugnis des Geheilten
(Joh 9)

II Der Geheilte übernimmt die Verteidigung seines Wohltäters
Da fragten sie den Blinden aufs neue: « Was hältst denn du von Ihm? Er hat dir ja die Augen geöffnet.» Er sagte: «Er ist ein Prophet.»
«Dieser Mensch ist nicht von Gott gesandt», sagen die Richter, und mit dieser Behauptung beginnt der Wortwechsel. Fürchte nicht die Spitzfindigkeit dieser eitlen Gesetzausleger! Der Geheilte versteht nichts von den Einwänden, die sie erheben können. Er hat niemals eine Schule besucht, er hat sein Leben auf der Straße zugebracht und von den Vorübergehenden sein Brot erbettelt. Doch nicht das Licht der stolzen Wissenschaft erleuchtet, sondern der Geist Gottes. Durch den Beistand der göttlichen Gnade gestärkt, wird der Geheilte die gerechte Sache seines Wohltäters vertreten.
Beachte, wie einfach er dabei vorgeht! Er erfasst die Wahrheit mit dem Herzen. «Was hältst du von diesem Menschen?» fragt man ihn. Er aber spricht: «Er ist ein Prophet.» Der Begriff «Prophet» ist für ihn das Höchste, zu dem sich seine Fassungskraft erheben kann, und deshalb legt er dem Heiland diesen Titel bei!
Nimm dir diesen Menschen zum Vorbild! Die Ehre des Heilands bedarf auch jetzt noch der Verteidigung. Lässt du es dir angelegen sein, für Ihn einzutreten, wenn man Ihn angreift? Hält dich nicht die Furcht vor Widerspruch zurück? Erinnere dich der Wohltaten, die du vom Heiland empfangen hast, und die Dankbarkeit wird dir die Pflicht, Ihn zu verteidigen, leicht und lieb machen.
Verdankst du Ihm etwa weniger als der Blindgeborene? Jesus gibt dir das Licht der Wahrheit, die Hoffnung auf die ewige Glückseligkeit und die Gewissheit, dass deine Sünden getilgt sind. Wie kannst du deine Schuld abtragen? Beobachtest du vielleicht aus Feigheit Stillschweigen, wenn man Seine göttliche Sendung leugnet und Seine Lehre entstellt? Ein solches Verhalten ist eines Christen unwürdig. Bekenne dich mutig als Jünger des Heilands!



16.01.2020
171. Das Zeugnis des Geheilten
(Joh 9)

I Der Blindgeborene wird den Pharisäern vorgeführt
Man führte den bisher Blinden zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, da Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Die Pharisäer fragten ihn nun ebenfalls, wie er sehend geworden sei.
Begleite den Geheilten vor den Richterstuhl der Pharisäer! Er ist glücklich, dort zu erscheinen, weil sich ihm dadurch Gelegenheit bietet, von seinem Wohltäter zu sprechen und Seine Wunderwerke zu verkünden. Er kennt keine Menschenfurcht. Er fühlt tief die Barmherzigkeit, die Jesus ihm erwiesen hat, und betrachtet es als eine Ehre, öffentlich für Ihn zu zeugen.
Welch herrliche Lehre erteilt dir dieser neue Jünger Jesu! Er ist kaum bekehrt, und schon bewährt sich sein Glaube in der Verfolgung. Diese Glaubenskraft entspringt seiner Demut und ist die Frucht vorangegangener Leiden. Die Pharisäer fragen ihn nun ebenfalls, wie er sehend geworden sei. Er sagte zu ihnen: «Er strich mir einen Teig auf die Augen, ich wusch mich und kann nun sehen.» Diese einfache Antwort enthüllt die Allmacht dessen, Der das Wunder gewirkt hat. Sie enthält ein ebenso glänzendes wie kurzes Glaubensbekenntnis. Dieser Mensch hat in der wunderbaren Handlung des Heilands Seine Gottesmacht erkannt, er hat deren Wirkung an sich erfahren, und sein Glaube wird fortan unerschütterlich sein.



15.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

III Jesus wird durch den Geheilten verherrlicht
Die Nachbarn und die ihn vordem stets als Bettler gesehen hatten, sagten: «Ist das nicht der Mann, der da saß und bettelte?» Die einen sagten: «Ja, er ist es!» Andere sagten: «Nein, er sieht ihm nur ähnlich.» Er selber sagte: «Ich bin es.»
Höre, wie man den wunderbar Geheilten nach seiner Rückkehr vom Teich Siloe empfängt. Er hat sich in seinem Aussehen und in seiner Haltung derart verändert, dass man ihn nicht wiedererkennt.
Kehrst auch du so von den Gnadenquellen zurück, die für dich in den heiligen Sakramenten fließen? Man sollte von dir sagen können: «Er ist nicht mehr derselbe. Es ist nicht mehr die schwache Seele, die beständig klagte und um menschlichen Trost bettelte, nicht mehr dieser launenhafte Charakter, in dessen Nähe man sich unbehaglich und bedrückt fühlte. Gott sei gepriesen, Der durch Seine Allmacht diese glückliche Umwandlung bewirkt hat.»
Der Geheilte verkündet laut den Namen seines Wohltäters. Da sprachen sie zu ihm: «Wie sind dir die Augen aufgetan worden?» Er antwortete: «Jener Mann, welcher Jesus genannt wird, hat es getan.» Seine Dankbarkeit entspricht der Größe der vorangegangenen Leiden. Die Leidensschule, durch die er hindurchgegangen, hat ihn befähigt, einen ausgezeichneten Gebrauch von der göttlichen Gnade zu machen. Nichts macht uns so fähig, die Absichten Gottes zu erfüllen, wie das Leiden. Es tötet die Eigenliebe ab und unterstützt die Wirkung der Gnade. Nimm daher das Leiden willig an, wenn es dir auf deinem Lebensweg begegnet, und sei gewiss, dass Gott sich seiner nur bedient, um Seine Ehre und dein Seelenheil zu fördern. Der Lohn wird nicht ausbleiben.



14.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

II Der Heiland heilt den Blindgeborenen
Nach diesen Worten spuckte Er auf die Erde, machte mit dem Speichel einen Teig, strich dem Blinden den Teig auf die Augen und sprach zu ihm: «Geh und wasche dich im Teich Siloe», das heißt soviel wie Gesandter. Er ging hin, wusch sich und kam sehend zurück.
Jesus hatte gesagt: «Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden», und sogleich begibt Er sich ans Werk.
Glaube auch du, geprüfte Seele, bei allem Leid fest, dass Gott in liebevoller Absicht handelt. Alle Wesen müssen Ihn verherrlichen, und du wirst mehr als andere zu Seiner Verherrlichung beitragen. Du nimmst in Seinen Gedanken eine bevorzugte Stelle ein, und nicht ohne Grund hat Er dich des irdischen Glückes beraubt. Seine Güte, Weisheit und Barmherzigkeit werden einst zutage treten. Sieh, wie der Blinde sich dem Heiland überlässt; auf den ersten Ruf eilt er herbei. Durch langes Leiden wird man empfänglich für die Gnade. Mit welcher Ehrfurcht und mit welch heiliger Freude fühlt der Kranke die Berührung der heiligen Hände Jesu. Durch seine Schmerzen und seine Verlassenheit war seine Sehnsucht nach göttlicher Hilfe groß geworden, und jetzt verkostet er die unaussprechliche Süßigkeit dieser Hilfe. An welche Bedingungen knüpft der Heiland die Heilung des Blindgeborenen? «Gehe hin und wasche dich im Teich Siloe», sagt Er. Der Kranke zögert nicht und macht keinerlei Einwendungen; das Leid hat ihn fügsam gemacht. Mit vollkommener Treue führt er den Befehl aus und erhält das Augenlicht wieder. Nimm teil an seiner Freude!



13.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

I Jesus belehrt die Jünger über den Grund dieser Krankheit
Als Jesus Seines Weges ging, sah Er einen Mann, der von Geburt an blind war. Seine Jünger fragten Ihn: «Meister, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?» Jesus antwortete: «Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, vielmehr sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden.»
Wende dich an den Heiland mit der Bitte, dich über den geheimen Grund der Leiden dieses Blindgeborenen aufzuklären! «Um welcher Sünden willen leidet dieser Mensch?» fragen die Jünger, und Jesus antwortet: «Er leidet nicht seiner Sünden willen.» Prüfungen sind also nicht immer Strafen. Das Wort des Herrn kann dir zur Beruhigung dienen. Wenn dein Herz von irgendeinem Leid gequält wird, so ist dies keineswegs die Wirkung der erzürnten göttlichen Gerechtigkeit. Dein himmlischer Vater entzieht dir Seine Liebe nicht, wenn Er Schmerzen über dich kommen lässt. Hat Er nicht aus Erbarmen mit unserem Elend die Menschwerdung gewirkt? Er hat uns Seinen eingeborenen Sohn gesandt, um all unseren Nöten abzuhelfen, und dieser verlangt einzig, die Werke desjenigen zu wirken, der Ihn gesandt hat. Setze also dein ganzes Vertrauen in Ihn und bete für alle Unglücklichen.



12.01.2020
169. Von dem wahren Leben
(Joh 8)

II Jesus verkündet laut Seine göttliche Würde
Jesus sprach: «Wollte Ich Mich selbst ehren, so wäre Meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der Mich ehrt. Ihr nennt Ihn unsern Gott, und doch kennt ihr Ihn nicht. Ich aber kenne Ihn, wollte Ich sagen, Ich kenne Ihn nicht, so wäre ich ein Lügner ähnlich wie ihr. Aber Ich kenne Ihn und bewahre Sein Wort. Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er Meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich.»
«Zu wem machst Du Dich selbst?» riefen die Feinde Jesu. Antworte du ihnen und bezeuge mit der ganzen Kraft der Wahrheit die Größe dessen, den sie schmähen!
Jesus ist der Allmächtige. Wenn Er sich die Allmacht zuschreibt, so liegt darin keine Anmaßung. «Meine Ehre ist nichts», sagt Jesus, «Ich überlasse Meinem Vater alle Sorge dafür. Wie ihr Mich auch immer beurteilen mögt, Ich werde die Wahrheit sagen. Ich bin der Herr über Leben und Tod und über die ganze Natur.» Jesus ist entschlossen, durch Seine Allmacht den zu verherrlichen, der sie Ihm mitgeteilt, und Seine Wunder zugunsten der Menschen zu wirken. Das größte aller Wunder wird unsere Auferstehung sein.
Jesus ist der Ewige. «Ehe Abraham ward, bin Ich.» Der Heiland spricht von der Ewigkeit, denn Er kommt vom Himmel, dessen ewige Wonnen Er mit Seinen Jüngern teilen will. Das irdische Leben der Seinigen ist nach dem Ratschluss Gottes nur eine Prüfungszeit. Ihr Herz wird erst dann befriedigt sein, wenn Er im Jenseits ihren Freuden ewige Dauer verleihen kann. Du gehörst zu Seinen Jüngern; freue dich dessen, und preise Ihn dafür! Zum Dank für Seine Güte weihe dich Seiner Ehre und zeichne dich in den Reihen Seiner getreuesten Diener aus.
Da hoben sie Steine auf, um sie auf Ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging hinweg aus dem Tempel. Die Juden antworteten dem Heiland mit Steinwürfen. Erforsche dich, ob nicht bisweilen auch du Seine Wohltaten mit Beleidigungen vergolten hast? Bereue von Herzen deine Undankbarkeit und bemühe dich, der erkannten Wahrheit zum Sieg zu verhelfen!



11.01.2020
169. Von dem wahren Leben
(Joh 8)

I Jesus verheißt Seinen Jüngern das ewige Leben
Jesus sprach: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand Mein Wort bewahrt, wird er den Tod in Ewigkeit nicht schauen. »
Komme, um dem Heiland mit großer Aufmerksamkeit und gutem Willen zuzuhören, so wirst du aus Seinen Belehrungen Nutzen ziehen.
Er beginnt mit dem feierlichen Versprechen, Seine Jünger zum ewigen Leben aufzuerwecken. Wenn wir dem Heiland treu sind, wird Er dem Tod seine Bitterkeit und seine Schrecken nehmen. Den wahren Jüngern Jesu wird der Tod zum Engel der Barmherzigkeit, der sie zum Himmel führt. Den Verdiensten und dem Tod deines Erlösers verdankst du es, dass es keine ewige Trennung und keine hoffnungslosen Leiden mehr gibt.
Bete Ihn an als den Erlöser, dessen Tod uns das Leben verleiht! Empfiehl Ihm die Verstorbenen, die du beweinst! Danke Ihm von Herzensgrund, dass die Leiden der Todesstunde für uns der Eingang sind zu den himmlischen Freuden!
Dem Heiland trug dieses liebevolle Versprechen nur neue Beschimpfungen ein. Da sprachen die Juden: «Nun wissen wir, dass Du einen bösen Geist hast. Abraham und die Propheten sind gestorben, und Du sprichst: Wenn jemand Mein Wort bewahrt, wird er den Tod nicht kosten in Ewigkeit. — Zu wem machst Du Dich selbst?» Jesus widerspricht nicht. Er lässt sich diese Schmach gefallen, weil Er hofft, dass du Ihm eines Tages durch deine Liebe und dein Vertrauen dafür Ersatz leisten wirst.



10.01.2020
168. Von der wahren Freiheit
(Joh 8)

II Jesus beweist den Juden, dass sie Seiner bedürfen
Sie hielten Ihm entgegen: «Wir sind Kinder Abrahams und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie kannst Du sagen: Ihr werdet frei werden?» Jesus erwiderte ihnen: «Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer Sünde tut, ist der Sünde Sklave.»
Dagegen sträubt sich der Stolz der Juden. Die Wahrheit ist jenen, die von ihren Leidenschaften beherrscht werden, unerträglich. «Wir sind keine Knechte», rufen sie aus. «Wir brauchen Dich nicht, wir genügen uns selbst.» Sie sind sich ihres elenden Zustands nicht bewusst. Der Heiland will sie ihren Täuschungen entreißen. Folge seinem Gedankengang und wende seine Worte auf dich an! Der Menschensohn muss dich befreien, denn du bist unfrei als Mensch und als Sünder.
Der Mensch bedarf eines Mittlers. Wie könnte er ohne die Vermittlung des Heilands an der Kindschaft Gottes teilnehmen? Gott gibt den Himmel nur Seinen Kindern, und niemand darf hoffen, dorthin zu gelangen, wenn er nicht ein Kind des himmlischen Vaters ist.
Der Sünder bedarf des Erlösers. «Ihr tut die Werke eures Vaters», sagt Jesus. Die Sünde stammt vom Teufel, und der Sünder verfällt der Macht Satans. Nur der Erlöser, der stärker ist als alle Macht der Hölle, kann ihr die Beute entreißen.
Der Jünger bedarf des Meisters. Der Irrtum bedroht uns von allen Seiten, da der Teufel und die Welt sich einen, um Lüge und Täuschung zu verbreiten. Das Gute vermischt sich mit dem Bösen und das Wahre mit dem Falschen. Da müssen wir uns von dem Sohn Gottes unterweisen lassen, der allein uns die Wahrheit lehren kann.
Die Wahrheit erhebt sich in ihrer Kraft, um unsere Ketten zu brechen, das göttliche Strafgericht von uns abzuhalten und uns den Himmel zu eröffnen. Der Heiland ruft uns zu ewigen Festen, aber die Juden wollen Seinem Ruf nicht folgen. Jesus zeigt uns, worin ihr Widerstand begründet liegt: «Ihr könnt Mein Joch nicht tragen, weil ihr Mich nicht liebt.» Wenn du also Jesus liebst, so wirst du auch Seine Lehre lieben und das Joch Seiner Gebote wird dir leicht und süß erscheinen. Entferne aus deinem Herzen alle Eigenliebe und durchdringe es mit opferfreudiger Gottesliebe!



09.01.2020
168. Von der wahren Freiheit
(Joh 8)

I Jesus verlangt von Seinen Jüngern, dass sie das wahre Leben in der genauen Beobachtung der Gebote suchen
Da sprach Jesus zu den Juden, die an Ihn glaubten: «Wenn ihr in Meiner Lehre verharrt, seid ihr wahrhaft Meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»
Jesus erteilt Seinen neuen Anhängern eine notwendige Belehrung. «Wenn ihr in Meinen Worten verharrt, werdet ihr wahrhaft Meine Jünger sein.» In der Tat werden wir erst durch die treue Beobachtung der Gebote zu wahren Jüngern Jesu Christi.
Der Heiland sagt: «Wenn ihr euch im Guten befestigen wollt, müsst ihr euch von der Knechtschaft des Bösen befreien.» Wer in die Sünde einwilligt, beugt sich unter ihr Joch. Bringe dir zum Bewusstsein, wie schwer dieses Joch ist, wie entwürdigend die Knechtschaft des Gewohnheitssünders, der von Vorurteilen befangen und durch Gewissensbisse gequält, zum Sklaven seiner Launen und Leidenschaften wird. Wer wird ihn befreien? «Die Wahrheit!» sagt Jesus.
Die Wahrheit zeigt dem Sünder das Schmähliche seiner Dienstbarkeit, sie gibt ihm den Mut, die Fesseln der Sünde zu brechen, und lässt ihn im Sonnenschein der unendlichen Erbarmung Gottes wieder neu aufleben. Lausche der Wahrheit, die aus dem Mund des Heilands kommt! Bedarfst nicht auch du der Befreiung?



08.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

III Jesus versichert, dass Er in allem nur den Willen Seines himmlischen Vaters tut
«Und Der Mich gesandt hat, ist mit Mir. Er hat Mich nicht allein gelassen, weil ich allzeit tue, was Ihm wohlgefällt.» Als Er dies sagte, glaubten viele an Ihn.
In diesen Worten liegt die ganze Lebensweisheit des Heilands, und wir müssen sie uns aneignen. Ist es nicht recht und billig, dass der Mensch, der dem lieben Gott alles verdankt, auch in gänzlicher Abhängigkeit von Ihm lebt? Jesus bekennt offen diese Abhängigkeit, und sie erstreckt sich auf alle Seine Entschlüsse und auf alle Seine Werke. Er befragt bei Seinen Handlungen nicht Sein Missbehagen oder Wohlgefallen, sondern richtet sich immer nach dem Willen des Vaters. «Was verlangt Mein himmlischer Vater von Mir? Ich sage nur das, was Er mir eingibt, Ich verkünde nur, was Er Mir mitteilt, und Ich tue, was Er verlangt.»
In dieser Gesinnung besteht das wahre Leben. Diese vollständige Abhängigkeit von Gott befreit den Menschen von aller Knechtschaft und gibt ihm die Freiheit der Kinder Gottes. Anstatt von tausend Tyrannen gequält zu werden, hat man dann nur noch einen Herrn, und dieser Herr ist der beste aller Väter, der mit unendlicher Weisheit und Macht alles zum Heil seiner Kinder zu lenken weiß. Wirst du auch noch länger zögern, dich seinem Willen ganz zu überlassen und Ihm blindlings zu folgen?



07.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

II Jesus prophezeit, dass Sein Kreuzestod ihren Widerstand besiegen wird
Jesus fuhr fort: «Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr erkennen, dass Ich es bin und dass Ich nichts aus Mir selbst tue, dass Ich vielmehr so rede, wie der Vater Mich gelehrt hat.»
Komm zum Kreuz, um im Glauben befestigt zu werden! Warum spricht der Heiland zu Seinen Zuhörern von Seiner künftigen Schmach und Erniedrigung? Er will zeigen, wie nutzlos alle Erörterungen sind, wenn es sich um die Bekehrung einer Seele handelt.
«Ich hätte euch vieles zu sagen, aber ihr könnt und wollt Mich nicht verstehen. Ich werde besser daran tun, für euch zu leiden. Was euch Meine Worte und Meine Werke nicht verständlich machen konnten, das werdet ihr vielleicht begreifen, wenn ihr die Qualen seht, die euer Undank Mir bereitet. Das Kreuz wird euch belehren.»
Schätze nach Gebühr diese rührende Belehrung des Heilands! Knie nieder und erkenne dankbar an, dass sich alle Bekehrungen zu Füßen des Kreuzes entscheiden. Auch zu dir sprechen die Schmerzen des Heilands. Lass dich durch sie bestimmen, ein Jünger der Wahrheit und ein Apostel der Ehre Gottes zu werden!



06.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

I Jesus bestätigt den Juden, dass Er das Wort Gottes ist
Da fragten sie Ihn: «Wer bist Du denn?» Jesus antwortete ihnen: «Warum spreche Ich überhaupt zu euch? Ich hätte viel über euch zu reden und zu richten. Der Mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und Ich verkünde der Welt das, was Ich von Ihm gehört habe.»
Die Juden fragen den Erlöser wiederum: «Wer bist Du?» Wieviel geheuchelte Unwissenheit umschließt diese Frage! Sie haben Seine Wirksamkeit gesehen, sie haben mehr als einmal die Schönheit Seiner Lehre bewundert und Seine Wohltaten genossen, und trotzdem geben sie vor, Ihn nicht zu kennen. Darin liegt ein Mangel an gutem Willen, und sie tragen die volle Verantwortung für diese schuldhafte Unwissenheit.
Jesus belehrt sie wiederum und bietet diesen freiwillig Blinden abermals das Licht der Wahrheit an. — «Ich bin das Wort des Vaters. Ich tue euch die Gedanken eures himmlischen Vaters kund, indem Ich euch verkünde, was Er Mir gesagt hat.» Woher kommt also das Licht, welches Jesus um Sich verbreitet, und die Lehre, die Er verkündet? Beantworte jenen, die das nicht wissen oder nicht wissen wollen, diese Frage! Schätze dich glücklich, zu den Rechtgläubigen zu gehören, und da du mit Hilfe der Gnade Jesus erkannt hast, so bemühe dich, Seine Lehre praktisch zu verwerten!



05.01.2020
166. Der Erlöser und sein Werk
(Joh 8)

II Jesus erklärt, dass Er allein sie ins Himmelreich einführen kann
Er entgegnete ihnen: «Ihr stammt von unten, ich stamme von oben. Ihr seid von dieser Welt, Ich bin nicht von dieser Welt. Ich habe euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben. Denn wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.»
Welches ist das vorzüglichste Mittel, das Heil zu erlangen? Der Abstand zwischen Gott und den Geschöpfen ist unermesslich, aber dein Erlöser steigt nieder von den Höhen, denen du zustrebst. «Ich bin von oben», sagt Er und erklärt Sich bereit, dich dorthin zu führen. Die Niedrigkeit deines Ursprungs schwindet im Glanz Seiner Gottheit.
Wenn dein Weg dunkel ist, dann erinnere dich der Worte Jesu: «Ich bin das Licht der Welt. Ich leuchte allen, die zum Himmelreich gelangen wollen. Ich lehre die Wahrheit, die man glauben, und die Gebote, die man halten muss. Ich bin euer Führer und werde euch von allem Irrtum befreien. Ich werde euch der Ungewissheit entreißen und euch vor aller Täuschung bewahren.» — Vertraue auf Ihn, nimm Ihn auf, und bringe Ihm die Huldigung deines Glaubens dar. Aber um Ihm wirklich anzugehören, musst du dich mutig von der Sklaverei der Welt und deiner Leidenschaften befreien. Nur unter dieser Bedingung kannst du dein Heil wirken. «Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin, so werdet ihr in eurer Sünde sterben.» Er droht also jenen, die Seiner Gnade widerstehen, mit der Verwerfung. Bemitleide die Unglücklichen, die sich einer solchen Gefahr aussetzen! Gibt es nicht auch in deiner Umgebung solche, deren Widerstand du vielleicht besiegen und die du dem wahren Glauben zuführen kannst? Ist es nicht deine Pflicht, dass du dich apostolisch betätigst und anderen von dem himmlischen Licht mitteilst, womit du vor vielen begnadet worden bist?



04.01.2020
166. Der Erlöser und sein Werk
(Joh 8)

I Jesus droht den Juden, sie im Unglauben sterben zu lassen
Weiter sprach Er zu ihnen: «Ich gehe weg. Ihr werdet Mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wohin Ich gehe, dahin könnt Ihr nicht kommen.» Da sagten die Juden: «Will Er sich etwa das Leben nehmen, weil Er sagt: Wohin Ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen?»
Sieh den Meister inmitten jener, die Er retten möchte! In Seiner Güte beunruhigt Er sich wegen der Gefahren, denen sie sich freiwillig aussetzen, und Er warnt sie. «Wo Ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Aus eigener Kraft könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen.»
Jesus lässt Seine Zuhörer die Ohnmacht ihrer menschlichen Natur erkennen. Wer sind wir, und woher stammen wir? «Ihr seid von unten, ihr seid Staubgeborene», sagt der Erlöser, «aber eure Bestimmung steht in keinem Verhältnis zu eurem niedrigen Ursprung. Gott hat euch an Kindesstatt angenommen und euch in Seinem Reich eine Wohnung bereitet, Er will euch zu Sich emporheben.» Da gilt es einen unermesslichen Abstand zu durcheilen, und wir bedürfen eines starken Armes, auf den wir uns stützen können, um so hoch zu gelangen. Jesus sagt mit Recht: «Wo Ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen.»
Aber das ist nicht das einzige Hindernis. Der Heiland weist uns auf ein zweites hin: unsere Sünden. «Eure Sünden erschweren euren Fortschritt auf dem Weg der Tugend. Wenn ihr euch nicht von eurer Sündenschuld reinigt, wenn ihr den Täuschungen, die euch irreführen, nicht entsagt, werdet ihr nicht in den Himmel eingehen. Euer gegenwärtiges Verhalten macht euch der göttlichen Gnade, die ihr so notwendig habt, unwürdig.» Betrachte jene, an die der Erlöser sich wendet! Beachte, was ihnen zum Hemmnis wird auf dem Weg zum wahren Leben und ihnen jeden Fortschritt unmöglich macht: Stolz, Menschenfurcht, zeitliche Sorgen, Weichlichkeit und Vergnügungssucht! Drückt nicht auch dich vielleicht mehr als eine dieser Fesseln? Und glaubst du zum Ziel zu gelangen, wenn es dir nicht gelingt, dich davon zu befreien?



03.01.2020
165. Jesus, das Licht der Welt
(Joh 8)

II Jesus bemüht sich vergeblich, den hartnäckigen Unglauben der Juden zu besiegen
Da sagten die Pharisäer zu Ihm: «Du gibst Zeugnis von Dir selbst. Dein Zeugnis ist nicht wahr.» Jesus erwiderte ihnen: «Auch wenn Ich von Mir selbst Zeugnis gebe, ist Mein Zeugnis wahr. Denn Ich weiß, woher Ich gekommen bin und wohin ich gehe.» Diese Worte redete Jesus bei der Schatzkammer, als Er im Tempel lehrte.
Er erinnert Seine Zuhörer an die Göttlichkeit Seines Ursprungs und Seiner Bestimmung und warnt sie vor oberflächlicher Beurteilung seiner Person. Dabei beruft Er sich auf das Zeugnis Seines himmlischen Vaters. «Mein Vater, Der Mich gesandt hat, gibt Zeugnis von Mir.» Endlich ermahnt Er sie, nicht bei dem stehenzubleiben, was ins Auge fällt, sondern sich zu dem zu erheben, was der Glaube lehrt. Das ist der einzige Weg, auf dem eine Seele zum vollen Besitz der Wahrheit gelangt.
Nimm dir diese Belehrungen zu Herzen! Sie zeigen dir, wie du die Menschheit Jesu, Seine Worte und Handlungen auffassen sollst. Durch den Sohn sollst du zur Kenntnis des Vaters gelangen. In der Tätigkeit des Gottmenschen offenbart sich die Tätigkeit Gottes. Nur dann hast du Nutzen aus den Unterweisungen des Sohnes gezogen, wenn du durch sie zur Kenntnis des Vaters gelangst.



02.01.2020
165. Jesus, das Licht der Welt
(Joh 8)

I Jesus erklärt, dass nur jene, die Ihm nachfolgen, das Himmelreich besitzen werden
Jesus sprach weiter zu ihnen: «Ich bin das Licht der Welt. Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.»
Der Heiland predigt abermals im Tempel. «Ich bin das Licht der Welt!» ruft Er aus. Auch du bedarfst des Lichtes. Dein Mangel an Eifer im Dienst Gottes kommt vor allem daher, dass dein verdunkelter Verstand nicht den rechten Begriff von der unendlichen Vollkommenheit Gottes hat. Nur weil du auf dem Gebiet des geistigen Lebens so kurzsichtig bist, bleibst du selbst angesichts deiner hohen Bestimmung oft noch so unentschlossen.
Du brauchst das klarste, von keinem Irrtum verdunkelte Licht, um den Weg zur Ewigkeit sicher zu wandeln und um die Abscheulichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend recht zu erkennen. Jesus ist dieses Licht, das wahre Licht, das einzige Licht. Sei auf der Hut vor dem, was der Weltgeist dir einredet, was die Sinne dir vorspiegeln oder die Leidenschaften gut heißen! Traue deinem schwachen Verstand sowie den Ergebnissen der Wissenschaft und rein menschlichen Erfahrungen nicht! Du wirst im Dunkeln bleiben, solange du bei deinen Entscheidungen nicht Erleuchtung von oben erbittest.
Das bedeutet die Erklärung Jesu. Aber diese Sprache ist dem menschlichen Stolz unerträglich; viele widersprechen dem Heiland. Kümmere dich nicht um ihren Widerspruch, sondern schließe dich jenen an, die in dem Licht des Gottessohnes leben wollen!



01.01.2020
164. Die Ehebrecherin
(Joh 8)

III Jesus spricht die Sünderin los und warnt sie vor dem Rückfall in die Sünde
Er blieb allein mit der Frau zurück, die in der Mitte stand. Jesus richtete sich auf und fragte: «Frau, wo sind ,die dich anklagten? Hat keiner dich verurteilt?» Sie antwortete: «Keiner, Herr.» Da sprach Jesus: «So will auch Ich dich nicht verurteilen. Geh hin, und sündige fortan nicht mehr.»
Beobachte aus der Nähe diese ergreifende Szene, dieses gnadenreiche Zwiegespräch! Die schuldbeladene Frau hat das Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit besser verstanden als ihre Ankläger; sie denkt nicht daran zu fliehen. Wo könnte sie auch eine bessere Zuflucht finden als in der Güte ihres Heilandes?
Der Richter wird nun das Urteil fällen. In den Adern dieser Sünderin fließt das Blut Adams, das der Heiland selbst von Seiner heiligen Mutter angenommen hat. Er soll als unser Bruder das gefallene Menschengeschlecht wieder herstellen. Wie könnte Er da zugeben, dass einer der Seinigen Ihn demütig um Hilfe anflehte und dennoch verloren ginge? Was würde Seine heiligste Mutter sagen? Wie würden Sein himmlischer Vater und die Heiligen des Himmels darüber urteilen? «Frau, auch Ich werde dich nicht verdammen; ich spreche dich los!» Glückliche Sünderin! Deine Ankläger haben sich entfernt, das Schuldbuch ist geschlossen und die Angelegenheit ist zu deinen Gunsten entschieden. Meine Seele! Wirst du jemals wieder diesen unendlich gütigen Richter fürchten können?
Aber der Heiland verzeiht nicht bedingungslos. «Gehe hin, und sündige fortan nicht mehr!» sagt Er. Wie leicht erscheint der Begnadigten diese Bedingung! Sie weiß den hohen Wert der empfangenen Lossprechung zu schätzen. Ihr Glück hat seinen Höhepunkt erreicht, und nichts wird sie in ihrem Entschlüsse, fortan ein besseres Leben zu führen, wankend machen. Ahme diese Sünderin nach, und wie beschwerlich dir der Weg der Besserung auch scheinen mag, weiche niemals wieder von ihm ab! Vertraue deinen Entschluss dem Herzen des Heilands an, und erwarte voll Vertrauen von Ihm die Kraft, Ihm treu zu bleiben!
Küsse unter Tränen die Hände deines Erlösers und überlasse dich ganz den Gefühlen der Freude und Dankbarkeit!



31.12.2019
164. Die Ehebrecherin
(Joh 8)

II Jesus rettet die Sünderin vor der schweren Strafe, die ihr droht
Jesus bückte sieh nieder und schrieb mit dem Finger auf den Boden. Da sie weiter mit Fragen in Ihn drangen, richtete Er sich auf und sprach zu ihnen: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf siel» Und Er bückte sich abermals und schrieb auf den Boden. Als sie die Antwort hörten, schlichen sie davon, einer nach dem andern, die Ältesten voran.
Wie behandelt Jesus die Angelegenheit, die man vor Seinen Richterstuhl gebracht hat? Er hört die Aussagen nur an, um ein Mittel zu finden, die Schuldige zu entlasten. Diese zittert nicht zu Füßen des Richters. Freilich hat sie das Gesetz übertreten und ist strafbar, ihre Schuld ist erdrückend. Aber sie fühlt, dass Jesus ihr wohl will, und sie glaubt, dass sie von Seiner Weisheit und Güte einen günstigen Ausgang erwarten darf. Dieser Gedanke beruhigt sie mit Recht.
Einen Augenblick schweigt Jesus. Er überlegt, indes die Ankläger Ihn drängen, die Ehebrecherin zu verurteilen. Er schreibt Seine Gedanken in den Sand. «Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, sondern es zu vervollkommnen. Um der unendlichen Genugtuung willen, die Ich bereit bin, Gott zu leisten, wird es Mir fortan freistehen, statt der Gerechtigkeit Barmherzigkeit walten zu lassen. Um den Preis Meines Blutes werde ich mir das Recht und das Glück erwerben, euch zu begnadigen!» So spricht unser Richter.
Allein die Ankläger bestehen darauf, dass die Sünderin zum Tod verurteilt wird. Und abermals schweigt Jesus. Er kann sich nicht entschließen, jene zu verurteilen, die sich demütigen und ihre Sünden von Herzen bereuen. Endlich sagt Er: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sieh!» All denen, die so leicht andere verurteilen, sagt der Heiland: «Denkt an eure eigenen Schwächen! Erforscht euch über eure eigenen Fehler und lasset mir das Vorrecht, der barmherzige Erlöser zu sein!» O göttliche Weisheit, ich erkenne Dich an diesen Worten und bete Dich an. Dir fiel es zu, in heiligem Kuss die Gerechtigkeit des Richters mit der Barmherzigkeit des Erlösers zu vereinigen.



30.12.2019
164. Die Ehebrecherin
(Joh 8)

I Die Ehebrecherin wird dem Heiland vorgeführt
Am frühen Morgen ging Er wieder in den Tempel. Alles Volk strömte Ihm zu. Er setzte sich nieder und lehrte. Da brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war, stellten sie in die Mitte und sagten zu Ihm: «Meister, diese Frau ist beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden. Moses hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst Du dazu?»
Richte deinen Blick auf diese Sünderin, die man zu Jesus führt, und lerne aus diesem Vorgang, fest auf die unendliche Barmherzigkeit dessen zu vertrauen, der einst dein Richter sein wird. Die Feinde Jesu sagen: «Diese Frau verdient gesteinigt zu werden», und sie fügen hinzu: «Was sagst Du dazu? Was hältst Du von dieser Strafe? Wie würde Dein Urteil lauten?»
Benutze diese Gelegenheit, den Heiland kennenzulernen, dessen Strenge dir bisweilen so furchtbar erscheint. Die Angeklagte ist beim Ehebruch ertappt worden; ihre schwere Schuld ist erwiesen. Jesus aber will vor diesen strengen Anklägern Seine unendliche Güte offenbaren. Er nimmt selbst die verworfensten Geschöpfe gnädig auf und hört ohne Entrüstung die schwersten Anklagen.
Wie verhält sich die Schuldige? Sie widerspricht den gegen sie hervorgebrachten Anklagen nicht und versucht nicht, sich zu verteidigen. Sie tut recht daran. Warum sollte der Heiland sich über das Geständnis ihrer Schuld erzürnen? Er ist ja gekommen, den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, und je größer unsere Schuld, um so größer und glorreicher ist auch sein Sieg. Meine Seele, erneuere dich im Vertrauen!



29.12.2019
163. Streitigkeiten über die Person Jesu
(Joh 7)

III Einer der Jünger verteidigt Ihn vor dem hohen Rat
Da sprach einer von ihnen, Nikodemus, der einst des Nachts zu Ihm gekommen war: «Verurteilt unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn gehört und sein Tun untersucht hat?»
Folge den Verhandlungen dieser angeblichen Freunde der Wahrheit! Diese falschen Gelehrten legen den Text der Heiligen Schrift so aus, wie er ihren Stolz befriedigt. «Es kommt kein Prophet aus Galiläa, sagen sie und zeigen dadurch, dass man geistliche Bücher gründlich kennen kann, ohne ihren tieferen Sinn zu erfassen. Was dich betrifft, wende dich von aller Scheinwissenschaft ab und ergreife die Partei des Heilands!
In dieser Ratsversammlung hat Jesus dennoch einen Verteidiger gefunden. Ehre diesen redlich denkenden Mann, und lerne von ihm, dem Irrtum freimütig die Stirn zu bieten! «Ist es gerecht, Ihn zu verurteilen, ohne Ihn zu hören?» sagt er. Auf diese Weise verurteilt man Jesus Christus in der Versammlung der Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie haben Ihn nicht gehört und wollen Ihn nicht hören. Genug, dass Seine Lehre sie demütigt und Seine Lebensweise der ihrigen widerspricht.
Du aber hast Sein Wort verstanden, darum stelle alle deine Kräfte in seinen Dienst. Wenn Gott dich segnet, brauchst du den Fluch deiner Gegner nicht zu fürchten. Gott segnet diejenigen, die von der Welt verurteilt werden. Nichts ist schöner, als die Wahrheit auf Kosten Seiner Ehre und Seines Lebens zu verteidigen. Und heute bedarf der Sohn Gottes mehr als je mutiger Verteidiger. Bitte den himmlischen Vater, in Seiner Kirche kraftvolle Männer zu erwecken!



28.12.2019
163. Streitigkeiten über die Person Jesu
(Joh 7)

II Jesus wird der Gegenstand erbitterter Streitigkeiten
Einige aus dem Volk, die diese Worte vernommen hatten, sagten: «Das ist wahrhaftig der Prophet!» Andere sagten: «Das ist der Messias!» Wieder andere: «Kommt denn der Messias aus Galiläa?» So entstand Seinetwegen ein Zwiespalt in der Menge.
Aufs neue erhebt sich unter der Menge ein Zwiespalt. Wer macht so viel Schwierigkeiten, die Würde des Heilands anzuerkennen? Die Übelgesinnten und die Sklaven der Menschenfurcht.
Es ist deine Pflicht, dich von ihnen fernzuhalten und dich den gläubigen Seelen anzuschließen. Höre auf jene, die sich durch die Macht Seines Wortes bekehrt haben! «Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch», berichteten die Abgesandten der Pharisäer. Damit wollen sie sagen: Niemals ist die Wahrheit in den Worten eines Menschen deutlicher zutage getreten, niemals hat die göttliche Kraft sich klarer offenbart, niemals hat ein Mensch mit solch überzeugender Beredsamkeit gesprochen, die Größe der göttlichen Barmherzigkeit und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit sind niemals besser geschildert worden. Wir haben Ihn gehört und sind von Seinen Worten hingerissen.
Wünsche von Herzen, dass die Wahrheit sich alle Herzen unterwerfe und alle Feindseligkeit entwaffne. Trage nach Kräften zur Verbreitung des göttlichen Wortes bei und lass darin dein wahres Lebensglück bestehen!



27.12.2019
163. Streitigkeiten über die Person Jesu
(Joh 7)

I Jesus ruft alle zu sich, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit dürsten
Am letzten Tag, dem großen Festtag, stand Jesus da und rief laut: «Wen dürstet, der komme zu Mir und trinke!»1
Jesus mischt sich im Tempel unter die Menge; folge Ihm, und schenke Ihm ungeteilte Aufmerksamkeit! Er wendet sich an alle, die Hunger und Durst haben nach Fortschritt im geistlichen Leben, die von den Freuden und Genüssen dieser Welt nicht befriedigt werden, alle Betrübten, die des Trostes bedürfen, alle Unterdrückten, die sich nach Befreiung sehnen, und alle Schwachen, die erstarken möchten. «Kommt zu Mir!» ruft Jesus ihnen zu. Hörst du diesen Ruf, der auch an dich gerichtet ist? Eile herbei! Der Sohn Gottes eröffnet die Quellen des wahren Lebens und will, dass alle Menschen daraus schöpfen. Das wahre Leben ist das Leben, das uns im Himmel erwartet. Diesem Leben mangelt nichts und es endet niemals. «Komme zu Mir» ruft dir Jesus zu: «Und du wirst ewig leben!»
Mache dich los von allen Täuschungen des Sinnenlebens! Hast du nicht allzu lange für wahres Leben gehalten, was in Wirklichkeit nur sein Schattenbild ist? Die Zeit der Unfruchtbarkeit ist jetzt vorbei, alles muss neu erstehen und aufleben. Übergib dich dem Heiland, damit Er an dir die wunderbare Umwandlung vollziehe, die Er dir verspricht!



26.12.2019
162. Die Stunde des Heiles
(Joh 7)

II Jesus verkündet Seinen baldigen Tod
Da sprach Jesus zu ihnen: «Noch eine kurze Zeit bin Ich bei euch, und ich gehe zu dem, der mich gesandt hat.»
Erwäge diese Worte! «Ich werde euch bald verlassen», sagt der Heiland. Drücke Ihm dein Erstaunen und deinen Schmerz darüber aus. Warum entfernt Er sich so schnell? Weshalb lässt Er uns so lange allein? Wohin geht Er, wenn Er uns verlässt? Können wir Ihn nicht für immer bei uns festhalten? Bitte Ihn, dir hierauf zu antworten!
Der Heiland beabsichtigt, Seine Zuhörer daran zu erinnern, dass Seine Sendung bald vollendet sein wird und dass sie deshalb sich ereifern müssen, Nutzen daraus zu ziehen. «Ihr bedürft der Nachlassung eurer Sünden», sagt Jesus, «Ich bin euer einziger Vermittler bei Gott. Der Himmel ist euch verschlossen, und nur eine unendliche Genugtuung kann ihn wieder öffnen. Diese Sühne werde Ich leisten. Es ist die einzige, welche die göttliche Gerechtigkeit befriedigen kann. Wenn ihr euch dieser Genugtuung nicht teilhaftig macht, seid ihr rettungslos verloren und ihr werdet vergeblich auf einen anderen Erlöser warten.»
«Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich hin, dahin könnt ihr nicht kommen. — Nur noch kurze Zeit bin ich bei euch, dann gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich dann suchen und nicht finden, und wo ich dann bin, dahin könnt ihr nicht kommen. — Noch eine kleine Weile, und ihr könnt mich nicht mehr erreichen. Ihr werdet mich zu sehen wünschen, aber ich werde euren Blicken entschwunden sein. Ihr werdet nach Wundern verlangen, aber ich werde keine mehr wirken. Die Zeit, Verdienste zu sammeln, vergeht; beeilt euch, sie zu nutzen! Wenn die Zeitlichkeit vorüber ist, kann ich nichts mehr für euch tun.»
Schenke diesen Ermahnungen große Aufmerksamkeit. Die Juden verstehen sie nicht und sagen: «Was bedeuten diese Worte?» Diese Worte Jesu enthalten die inständige Aufforderung, deine Bekehrung, die du Ihm schon so lange versprochen hast, nicht mehr länger aufzuschieben. Mache endlich allem Zaudern ein Ende, sonst verhinderst du den Erfolg Seiner Bemühungen und setzest dich der Gefahr aus, ewig verlorenzugehen.



25.12.2019
162. Die Stunde des Heiles
(Joh 7)

I Jesus ist neuen Angriffen Seiner Feinde ausgesetzt
Die Pharisäer erfuhren, dass das Volk so von Ihm rede, und sandten Diener aus, die Ihn ergreifen sollten.
Dein Meister beruft dich an Seine Seite. Noch ist die Eifersucht nicht entwaffnet; der Erfolg des Heilands hat Seine Feinde in Wut versetzt. Dennoch vermögen alle ihre Verschwörungen nichts wider Ihn.
Die Abgesandten der Pharisäer nahen sich dem Herrn, sie tragen Ketten bei sich, um Jesus zu fesseln. Dieser Augenblick ist geeignet, vor aller Welt deinen Glauben zu bekennen. Biete dich an, aus Liebe zum Heiland und mit Ihm die Gefangenschaft zu erdulden!
Aber die Stunde ist noch nicht gekommen, da der Sohn Gottes diese Welt verlassen soll. Noch hat Er den Menschen nicht alles offenbart, wozu Er den Auftrag erhalten hatte. Noch vermag Er manches verstockte Herz durch die Schönheit Seiner Lehre zu rühren. Diese unwissenden, rohen Soldaten sind ein Beweis dafür. Kaum haben sie Seine Worte vernommen, so sind sie schon für Ihn gewonnen. Höre auch du den Heiland an!



24.12.2019
161. Jesus, der Gesandte des Vaters
(Joh 7)

II Einige Seiner Zuhörer glauben an Ihn
Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Diener ab, die Ihn ergreifen sollten; doch niemand legte Hand an Ihn, denn Seine Stunde war noch nicht gekommen.
Die freimütige Erklärung des Heilands wird von Seinen Feinden böswillig aufgenommen. Höre, wie sie miteinander beratschlagen und auf Mittel sinnen, den Herrn zu töten! Aber Seine Stunde ist noch nicht gekommen, Gott selbst bestimmt diese Stunde.
Den Plänen Gottes gegenüber ist der Mensch machtlos. Wenn also Verfolgungen über dich hereinbrechen, dann bedenke, dass nichts ohne das Wissen und die Zulassung deines himmlischen Vaters geschieht. Alles muss sich Seinem Willen unterordnen.
In der nächsten Umgebung Jesu jedoch treffen wir einfache, gerade Seelen, die bereit sind, an Ihn zu glauben. Von dem Volk aber glaubten viele an Ihn und sprachen: «Wenn Christus kommt, wird Er etwa mehr Wunder tun als dieser tut?»
Geselle dich zu diesen gläubigen Seelen und stimme ihnen bei, wenn sie erklären, dass es keiner neuen Wunder bedürfe. Statt neue Beweise für die göttliche Sendung Jesu zu fordern, vertiefen sie sich in das, was sie schon von Ihm wissen. Diese Seelen treten der Wahrheit ohne Vorurteil gegenüber, weil sie einzig von dem Verlangen nach übernatürlicher Erkenntnis beseelt sind. Stolz und Parteigeist verblenden nicht selten die größten Geister, während die Demut manchen Ungebildeten helles Licht verleiht. Eile also zum göttlichen Meister und suche die Wahrheit nur bei Ihm! Er sei der Gegenstand deines Forschens!



23.12.2019
161. Jesus, der Gesandte des Vaters
(Joh 7)

I Jesus legt feierlich Zeugnis ab für die Göttlichkeit Seiner Lehre und Seiner Sendung
Da bemerkten einige aus Jerusalem: «Ist das nicht der, dem man nach dem Leben trachtet? Nun seht, Er redet ganz offen, und keiner sagt Ihm etwas. Sollten die Vorsteher wirklich erkannt haben, dass Er der Messias ist?»
Erwecke in deinem Herzen die Liebe zu deinem Erlöser! Siehe, wie mutig Er dem Hass Seiner Feinde begegnet! Dadurch zeigt Er uns, dass man freimütig reden muss, sobald es sich um die Feststellung der Wahrheit handelt. Bedenke, welche Verpflichtung Sein Beispiel dir auferlegt!
«Ist dieser Mensch Christus?», ruft die zweifelnde Volksmenge aus. «Was halten die Schriftgelehrten von Ihm?» Das Volk hat Verlangen nach dem Erlöser, aber es ist so töricht und befragt jene, die nicht berufen sind, für Ihn zu zeugen. Handle klüger als die Menge und wende dich an Jesus selbst. Frage Ihn ohne Scheu: «Wer bist Du? Woher kommst Du? Wohin gehst Du?», und versprich Ihm, Seinen Worten unbedingt zu glauben!
Jesus antwortet: «Ich bin nicht von Mir selbst gekommen, sondern wahrhaft ist, der Mich gesandt hat. Ich bin Gott und Mensch zugleich. Ich bin geboren in der Zeit und doch von Ewigkeit her. Ich werde sterben und doch ewig in der Herrlichkeit Gottes leben.»
Knie nieder zu Seinen Füßen und sprich: Ich glaube! Der Glaube an das göttliche Wort ist die Fackel, die uns den Weg zum ewigen Leben erhellt. Zünde diese Fackel an, und du wirst erkennen, dass Christus wirklich im Auftrag des himmlischen Vaters zu uns kommt. Wenn wir aufmerksam Seinen Belehrungen folgen, wird Er uns mitteilen, was Er vom Vater weiß. Ist dieses Wissen nicht der kostbarste Schatz? Wer Gott kennt, weiß alles; wer Ihm dient, besitzt alles.
Bei Beginn eines jeden Tages schickt dir der himmlische Vater Seinen eingeborenen Sohn, damit Er dich lehre, Ihn zu erkennen, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen. Nimmst du Ihn besser auf als die Juden? Willst du dich bemühen, Ihn in Zukunft mit der Ehrfurcht zu empfangen, die du deinem göttlichen Meister schuldest?



22.12.2019
160. Das Laubhüttenfest
(Joh 7)

III Jesus enthüllt die geheime Bosheit Seiner Feinde
«Wer aus sich selber redet, sucht seine eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaft, und es ist keine Ungerechtigkeit in ihm.»
Verfolge mit Aufmerksamkeit die Rechtfertigung, die Jesus den Anklagen Seiner Feinde entgegenstellt! Bewundere die Uneigennützigkeit Seines Eifers! Alles für die Ehre seines himmlischen Vaters, und für sich selbst nichts als Arbeit, Verborgenheit, Leiden und Verfolgungen.
Jesus lehrt dich, dass jeder, der an dem Seelenheil anderer arbeitet, nur ein Werkzeug in der Hand Gottes ist und dass Gottes Wirken um so glänzender zutage tritt, je mehr das Werkzeug verschwindet. Suche dies zu verstehen, und sieh die Wahrheit dieser Lehre in der Wirksamkeit des Heilands bestätigt!
«Warum sucht ihr Mich zu töten?» fährt Jesus fort. Und um sich zu rechtfertigen, erinnert Er sie an die Wohltaten, die Er ihnen erwiesen hat. Aller Unglücklichen hat Er sich erbarmt, alle, die in ihrem Leid einsam und verlassen waren, getröstet, und um ihre Not zu lindern, wirkte Er Seine Wunder. Sind das nicht die treffenden Züge des Erlösers, so wie Ihn die gefallene Menschheit braucht? Trachte, dass du niemals den Vorwurf verdienst, den der Heiland den Juden machte: «Richtet nicht nach dem Schein, sondern fällt das Urteil nach der Wahrheit!» Glaube Seinen Worten bedingungslos, und lass dich in all deinen Handlungen von Seiner Lehre und Seinem Beispiel leiten! Nur bei Ihm findest du wahre Freude und volle Sicherheit.



21.12.2019
160. Das Laubhüttenfest
(Joh 7)

II Jesus weist den Vorwurf der Lüge und Verstellung ab
Schon war das Fest halb vorüber, als Jesus in den Tempel hinaufging und lehrte. Verwundert fragten die Juden: «Wie versteht dieser die Schrift, obwohl Er keinen Unterricht gehabt hat?»
Jesus schreitet durch die heiligen Hallen des Tempels. Begleite Ihn und bitte Ihn, seine göttlichen Unterweisungen zu beginnen!
Der Meister spricht heute vom wahren Leben, und zwar schöpft Er seine Lehre aus der Quelle der Wahrheit selbst. «Meine Lehre stammt nicht von Mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.» Es ist Jesus darum zu tun, durch diese Erklärung die aufgeregten Gemüter zu beruhigen und die Juden von seiner göttlichen Sendung zu überzeugen. Auch du sollst im Glauben befestigt werden. Erkenne in Seinen Worten die Stimme des himmlischen Vaters! Gott spricht durch den Mund Seines Sohnes.
Von den Lippen Jesu fließt die Wahrheit mit solcher Überzeugungskraft, dass für aufrichtige Seelen jeder Zweifel ausgeschlossen ist. Nichts ehrt den menschlichen Geist so sehr als der Glaube an eine Lehre, die sich auf so sicherer Grundlage aufbaut. Stelle also allzeit die Offenbarungen des Glaubens über alle Beweisführung menschlicher Wissenschaft.
Die Juden widersprechen. Warum widerstehen sie dem Heiland so hartnäckig? Ihr Wille ist nicht aufrichtig und ihr Herz nicht rein. Jesus sagt: «Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.»
Ein gerader Wille, ein reines Herz, ein tadelloser Wandel erwirbt uns den Geist des Glaubens. «Ändert nur euer Leben», sagt Jesus, «reinigt euer Herz, tut Gottes Willen, und ihr werdet zum Glauben gelangen.»
Seine Mahnungen gelten auch dir. Denke darüber nach! Arbeite unaufhörlich an deiner Vervollkommnung, und du wirst die göttliche Wahrheit, die in den Aussprüchen des Heilands liegt, immer besser verstehen. Ergib dich dem Herrn ganz und für immer!



20.12.2019
160. Das Laubhüttenfest
(Joh 7)

I Verschiedenartige Urteile der Menge über Jesus
Die Juden suchten Ihn am Fest und fragten: «Wo ist er?» Man redete viel von Ihm unter dem Volk. Die einen sagten: «Er ist gut», andere aber meinten: «Nein, Er verführt das Volk.»
Eile dem Meister voraus zum Tempel und höre die verschiedenen Meinungen, die über Ihn geäußert werden! Wie immer, so lässt sich auch hier die Welt durch Unwissenheit und Böswilligkeit in ihrem Urteil leiten. Was tut Jesus? Er lässt die Menge reden. An dem Urteil der Welt liegt Ihm nichts, wenn nur der Wille des himmlischen Vaters vollbracht wird. Lerne vom Heiland deine Empfindlichkeit zu unterdrücken!
Wer an dem Seelenheil anderer arbeitet, ist dem Tadel der Menschen ausgesetzt. Bedenke das wohl, und verachte das Urteil der Welt! Du sollst in allem und überall nur Gott zu gefallen suchen, und Seine Anerkennung soll dein größter Ruhm sein.
Niemand jedoch redete offen von Ihm aus Furcht vor den Juden. Gehörst nicht auch du zu den Feigherzigen, die aus Menschenfurcht nicht wagen, sich als Jünger des Heilands zu bekennen?

Das Laubhüttenfest war eingesetzt worden zur Erinnerung an den Zug der Israeliten durch die Wüste. Es dauerte sieben Tage. Während dieser Zeit wohnten die Israeliten, wie einst ihre Väter, in Laubhütten. Es war das fröhlichste Fest der Juden.



19.12.2019
159. Die Heilung der zehn Aussätzigen
(Lk 17)

III Jesus nimmt die Dankbezeugungen des geheilten Samariters entgegen
Doch nur einer von ihnen kam zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor Ihm nieder auf sein Angesicht und dankte Ihm. Und dieser war ein Samariter.
Kehre mit dem dankbaren Aussätzigen zum Heiland zurück, um dich über die wahre Dankbarkeit belehren zu lassen! — Wie dankt man für eine Wohltat? Indem man ihren Urheber dafür ehrt. Bemerke wohl, welchen Wert der Heiland auf die Huldigung unserer Dankbarkeit legt! «Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? — Wo sind denn die, denen Ich Gutes getan habe? Hat Meine Großmut sie nicht gerührt?» Durch diese Fragen offenbart der Heiland, welch schmerzliche Wunde die Undankbarkeit der Geheilten Seinem Herzen geschlagen hat. Bemühe dich, die Tiefe dieser Wunde zu ermessen! Wenn auch du zu denen gehört hast, über die Er sich beklagt, so falle Ihm zu Füßen und bitte Ihn um Verzeihung!
Jesus gibt dir ein Mittel an, das dich vor dem Rückfall in deine frühere Undankbarkeit bewahren soll. «Stehe auf und gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen!» so spricht Er zum Samariter. Der Glaube hatte den Aussätzigen bewogen, zu seinem Wohltäter zurückzukehren. Aus dem Glauben geht alle wahre Dankbarkeit hervor, denn durch den Glauben erkennt man den wahren Wert der empfangenen Wohltat und die Güte des Spenders.
Benütze diesen günstigen Augenblick, um dir alle Wohltaten, die du vom himmlischen Vater durch Seinen eingeborenen Sohn empfangen hast, ins Gedächtnis zurückzurufen, und bemühe dich zu ermessen, wieviel du Ihm schuldest! Belebe deine Dankbarkeit und sprich ein Magnifikat! Was willst du dem Herrn opfern als Sühne für all den Undank, der täglich Sein Herz verwundet? Frage deinen Glauben um Rat, und breite zu Füßen Jesu deine Schätze aus!



18.12.2019
159. Die Heilung der zehn Aussätzigen
(Lk 17)

II Jesus befiehlt den Aussätzigen, den Vorschriften des Gesetzes nachzukommen
Als Er sie sah, sprach Er zu ihnen: «Geht hin und zeigt euch den Priestern!» Während sie hingingen, wurden sie rein.
Jesus erhört das Gebet der Aussätzigen nicht bedingungslos. «Zeigt euch den Priestern, denen ich besondere Gewalt anvertraut habe, um durch sie Meine Wohltaten auszuteilen. Bekennt ihnen euer Elend, und ihr werdet die Gesundheit wiedererlangen!» So spricht der Heiland zu denen, die Er heilen will. Und die Aussätzigen beeilen sich zu gehorchen. Sie begreifen, dass sie nur dann hoffen dürfen, vollständig geheilt zu werden, wenn sie die Mittel anwenden, die ihnen der Heiland vorschreibt. Begleite sie auf dem Weg und sei Zeuge ihres freudigen Staunens, da sie sich plötzlich vom Aussatz geheilt sehen. So belohnt Gott die Einfalt des Herzens und die Unterwürfigkeit des Verstandes. Was hindert dich, unter den gleichen Bedingungen ebenfalls Erhörung deiner Bitten zu erlangen?



17.12.2019
159. Die Heilung der zehn Aussätzigen
(Lk 17)

I Jesus hört die Bitte der zehn Aussätzigen an
Auf der Reise nach Jerusalem zog Er zwischen Samaria und Galiläa hin. Als Er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen Ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von ferne stehen und riefen laut: «Jesus, Meister, erbarme Dich unser!»
Nähere dich dem Heiland, um Zeuge des Wunders zu sein, das Er wirken wird. Vernimm den flehenden Ruf der Aussätzigen: «Meister, erbarme Dich unser!» Wieviel Schmerz, Glaube und Bitte spricht aus diesem Ruf! Diese Männer haben viel gelitten, und die Sehnsucht nach Heilung lehrt sie beten.
Erbarmen! Dieses eine Wort ist das kürzeste und wirksamste Gebet eines sündigen Menschen. Mit dem Wort «Erbarmen» ist alles gesagt. Suche also kein anderes Gebet, sondern stimme ein in den Ruf der Aussätzigen!
Die Unglücklichen ahnen, dass ihrer ein liebevoller Empfang harrt und dass ihr Elend den Heiland rühren wird. Ist Jesus nicht in Wahrheit vom himmlischen Vater gerade zu den Armen und Leidenden gesandt? Besteht nicht all Sein Glück darin, durch den Reichtum Seines Herzens unsere Not zu lindern? Erkenne dankbar Seine Güte an und mache sie dir zu Nutzen!



16.12.2019
158. Jesus verlässt Galiläa
(Joh 7)

II Jesus erklärt den göttlichen Willen als die einzige Richtschnur seines Handelns
Jesus antwortete: «Geht ihr nur hinauf zu dem Fest, ich gehe noch nicht hinauf zu diesem Fest, weil Meine Zeit noch nicht gekommen ist.» So sprach Er und blieb in Galiläa.
Erwäge die Antwort Jesu. «Meine Stunde ist noch nicht gekommen.» Jesus wird Seine Macht und Herrlichkeit offenbaren, wenn Seine Stunde gekommen sein wird, das heißt zu dem Zeitpunkt, den der himmlische Vater bestimmt hat. Er lebt in gänzlicher Abhängigkeit vom himmlischen Vater und sucht in all Seinem Tun und Lassen nur den göttlichen Willen zu erfüllen. Wie der Meister ist, so soll auch der Jünger sein. Bitte daher den Heiland, dir diese Gesinnung mitzuteilen! Da du Gott angehörst, musst du dich in all deinen Wünschen nach ihm richten und dich willig von Seiner väterlichen Vorsehung leiten lassen.
Jesus bleibt in Galiläa. Benütze die Gelegenheit zum vertrauten Zwiegespräch mit Ihm und nimm den Platz jener ein, die Ihn verlassen! Leiste Genugtuung für all jene, die nicht glauben und Seine Lehre nicht verstehen! Verschließe deine Sinne allem Weltlärm, und Jesus wird dir das Heiligtum Seines Herzens erschließen. Tritt ein, und im vertrauten Umgang mit dem Heiland wirst du dein Glück finden.



15.12.2019
158. Jesus verlässt Galiläa
(Joh 7)

I Jesus weigert sich, die eigennützigen Wünsche Seiner Verwandten zu erfüllen
Indes nahte das jüdische Laubhüttenfest. Da sagten Seine Brüder zu Ihm: «Geh weg von hier und zieh nach Judäa, damit auch Deine Jünger die Werke sehen, die Du vollbringst. Denn niemand wirkt im Verborgenen, der öffentlich bekannt sein will, zeige Dich offen der Welt!»
Geselle dich wieder zum Heiland und höre, wie Seine Verwandten in Ihn dringen, seine Wundermacht auf recht auffallende Weise zu offenbaren. «Zeige Dich der Welt», sagen sie. «Benutze die Gelegenheit, die sich Dir bietet, um von Dir reden zu machen. Wenn Du eine solche Gewalt empfangen hast, sollst Du sie auch vor der Welt kundtun.»
So sprechen Menschen, die nicht an das Evangelium glauben oder es mit ihrem Glauben nicht ernst nehmen. Ein verborgenes Leben scheint ihnen unerträglich, und für die Demut, die sich allen öffentlichen Ehrenbezeugungen entzieht, haben sie nur Verachtung. Ihr Leben richtet sich ganz auf äußere Dinge. Ist ein solcher Zustand nicht beklagenswert? Wie ist es möglich, dass der Weltgeist sich selbst in der nächsten Umgebung Jesu noch so geltend macht? Weder seine Worte noch sein Beispiel haben Ihn ganz verdrängen können.
Wie steht es in dieser Beziehung mit dir? Hörst nicht auch du manchmal in deinem Innern die verführerische Stimme, die dir zuflüstert: Zeige dich! Und übt nicht diese Stimme eine gewisse Gewalt über dich aus? Fühlst du nicht, wie du noch voller Eitelkeit, Ehrgeiz und Hochmut bist? Lerne das verborgene Leben lieben und versuche zu ergründen, welch reiche Schätze es umschließt! Je mehr du die Ruhe des verborgenen Lebens suchst, um so mehr wird Gott Sich dir offenbaren.



14.12.2019
157. Das Gleichnis von den unnützen Knechten
(Lk 17)

II Jesus verlangt von den Jüngern Demut im Dienst Gottes
«Weiß er dem Knecht etwa Dank dafür, dass er seine Befehle ausgeführt hat? So sollt auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was man euch aufgetragen, sagen: Wir sind geringe Knechte, wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.»
So sprich auch du: «Ich bin ein unnützer Knecht. Gott bedarf meiner nicht, und die Dienste, die ich Ihm leiste, sind im Grund zu meinem Vorteil.» Durch die Erkenntnis dieser Wahrheit darf dein Eifer jedoch nicht vermindert werden. Wir sind zwar vor Gott unnütze Knechte, aber deshalb ist Ihm unsere Arbeit doch nicht gleichgültig. Was wir Ihm geben, schulden wir Ihm, aber indem wir es Ihm geben, erkennen wir seine Herrschaft über uns an, und unsere Unterwürfigkeit ehrt Ihn.
Gerade diese Ehre ist der Zweck aller Seiner Werke. Um diesen Zweck zu erreichen, vervielfältigt Gott die Werke Seiner Weisheit und Vorsehung, ja, Er sendet Seinen eingeborenen Sohn, damit Er uns durch Wort und Beispiel aneifere, zu Seiner Verherrlichung beizutragen.
Für Gott allein sollst du also arbeiten und schaffen. Küsse dankbar die göttliche Hand, die sich deiner bedienen will, und überlasse dich als willenloses Werkzeug den mächtigen Antrieben Seiner Gnade! Bitte den himmlischen Vater, dass Er durch dich Großes vollbringe und dir gleichzeitig jene Demut bewahre, die allen Erfolg und alle Ehre Gott allein zuschreibt!



13.12.2019
157. Das Gleichnis von den unnützen Knechten
(Lk 17)

I Jesus belehrt Seine Jünger über die Rechte Gottes den Menschen gegenüber
«Wer von euch sagt zu seinem Acker- oder Hüteknecht, wenn er vom Feld heimkommt: Nun komm gleich und setze dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Richte mir die Mahlzeit her, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe.»
Höre die Unterweisung des göttlichen Meisters! Jesus belehrt Seine Jünger über die Stellung, die der Mensch gegenüber Gott einnimmt. Er schaut bis auf den Grund der Seele und erkennt die geheimsten Regungen der Eigenliebe und des Stolzes. Wie sehr neigt der Mensch zum Stolz! Nach einem großmütigen Entschluss, einem außergewöhnlichen Sieg über sich selbst oder nach einem Opfer, durch das er die Ehre Gottes fördern durfte, will es ihm scheinen, als habe er sich Gott zum Schuldner gemacht. Er träumt von einem gewissen Recht Gott gegenüber und möchte dasselbe geltend machen. Jesus weist dieses Ansinnen zurück. «Weiß er wohl diesem Knecht Dank dafür, dass er getan, was er ihm befohlen hatte? Ich meine nicht.»
In welchem Verhältnis stehen wir zu Gott? Wir sind Tagelöhner, Knechte. Nur aus Gnade nimmt Gott unsere Arbeit und unsere Dienste an, und wenn Er uns zu seiner Gemeinschaft zulässt und uns als Seine Kinder behandelt, so ändert sich dadurch unsere ursprüngliche Stellung Ihm gegenüber keineswegs. Unsere Pflichten als Tagelöhner und Knechte bleiben dieselben. Demütige dich also vor Gott und erkenne Ihn freudig als deinen höchsten Herrn an.



12.12.2019
156. Das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht
(Mt 18)

II Jesus versichert, dass jene, die ihren Mitmenschen nicht verzeihen, auch keine Verzeihung bei Gott erlangen
Als aber der Knecht hinausging, traf er einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Den packte und würgte er, indem er sprach: «Bezahle, was du schuldig bist!»
Gott vergibt gern, wenn man Ihn darum bittet, aber Er tut es nicht bedingungslos. Jesus will dich davon überzeugen. Durch seine Freisprechung hat jener Knecht eine neue Verpflichtung auf sich geladen, der er indes leicht nachkommen kann. Jesus sagt: «Verzeihe deinem Nächsten, wie Gott dir getan hat. Verzeihe anderen, wie dir verziehen worden ist.»
Dem freigesprochenen Knecht bietet sich sogleich Gelegenheit, diese erhabene Lehre praktisch zu verwerten, aber seine Selbstsucht hält ihn davon ab. — Da fiel ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: «Habe Geduld mit mir, und ich werde dir alles bezahlen.» Der aber wollte nicht, sondern ging hin und ließ ihn in den Kerker werfen, bis er seine Schuld bezahlt hätte.
Die unendliche Liebe Gottes ist den Worten des Heilands gemäß der Maßstab für die Liebe, die uns miteinander vereinigen soll. Unser himmlischer Vater lehrt uns durch Sein Beispiel, von unseren Mitmenschen alles zu erdulden und ihnen alles zu verzeihen. Dieses Beispiel erhält in der Kirche seines Sohnes Gesetzeskraft. Die Verpflichtung ist streng, du kannst ihr nicht entgehen.
In welcher Gesinnung sollen wir verzeihen, um Gott gleichsam eine Gegenleistung zu bieten für die Verzeihung, die Er uns gewährt? Betrachte den Akt des Verzeihens als ein Lob- und Dankopfer, das du auf Gottes Altar niederlegst. Vergeben heißt wohl, einem Menschen die Schuld nachlassen, vor allem aber heißt es, der göttlichen Majestät allen Groll und alle Erbitterung, allen Zorn und alle Rachegedanken opfern. Gott kann und wird dieses Opfer immer von uns fordern.
Nicht den Menschen, sondern Gott allein wird dieses Opfer gebracht, das der Eigenliebe so schmerzlich ist. Darum darfst du selbst bei der schwersten Beleidigung die Verzeihung nicht verweigern.
Der unbarmherzige Knecht erkennt diese Pflicht zu spät und weiß auf die Vorwürfe seines Herrn keine Entschuldigung vorzubringen. «Du böser Knecht! Ich habe dir die ganze Schuld erlassen, weil du mich gebeten hast. Hättest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmen müssen, wie ich mich deiner erbarmt habe?» Voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt hätte.
Denke an die Beschämung dieses Unglücklichen, wenn du versucht bist, empfindlich und rachsüchtig zu sein, während der himmlische Vater gegen dich so freigiebig und barmherzig ist. Du weißt jetzt, wie du dem göttlichen Strafgericht entgehen kannst. — «So wird auch Mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn nicht ein jeder von euch seinem Bruder von Herzen verzeiht.» — Darum verzeihe allen, die dich gekränkt haben, und lerne vom Herzen Jesu die wahre Liebe.



11.12.2019
156. Das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht
(Mt 18)

I Jesus empfiehlt seinen Jüngern, stets gern zu verzeihen
Da trat Petrus zu ihm und fragte: «Herr, wenn mein Bruder gegen mich fehlt, wie oft muss ich ihm denn vergeben? Etwa siebenmal?» Jesus antwortete: «Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.»
Nahe dich Jesus und höre wie Petrus Ihn um neue Belehrungen bittet, deren auch du wegen der Unvollkommenheit deiner Nächstenliebe dringend bedarfst. «Wie oft soll ich meinem Nächsten verzeihen?» fragt Petrus. Jesus antwortet ihm: «So oft er dich beleidigt.» — Nimm diese Lehre an und folge dem Gedankengang des Heilands in der Parabel vom unbarmherzigen Knecht. Warum sollst du verzeihen, und zwar rückhaltlos verzeihen? Weil darin das wirksamste Mittel liegt, deine erdrückende Schuld Gott gegenüber abzutragen. Jesus fährt fort: «Darum ist das Himmelreich einem König gleich, der mit seinen Knechten Abrechnung halten wollte. Als er damit begann, wurde ihm einer vorgeführt, der ihm zehntausend Talente schuldig war.» Wer ist dieser Knecht, der vor den Richterstuhl seines Herrn berufen wird? Du selbst bist es, denn du befindest dich Gott gegenüber in der gleichen Lage. Du bist sein Schuldner und unfähig, deine Schuld zu bezahlen.
Du bist zahlungsunfähig als Mensch, insofern du nichts als Eigentum besitzt, sondern alles nur als Verwalter Gottes. Zahlungsunfähig bist du ferner als Sünder. Durch deine Sünden hast du der göttlichen Gerechtigkeit gegenüber eine Schuld auf dich geladen, die du nicht begleichen kannst. Gott verlangt eine Genugtuung, die Seiner unendlichen Vollkommenheit entspricht und die du deiner Nichtigkeit wegen nicht zu leisten vermagst.
Was bleibt aber einem zahlungsunfähigen Schuldner anderes übrig, als sich der Barmherzigkeit seines Gläubigers zu überlassen? Wodurch können wir uns diese Barmherzigkeit sichern? Vor allem durch das Gebet. Der Knecht unserer Parabel hatte das erfasst: Da fiel der Knecht vor ihm nieder, bat ihn und sprach: «Hab Geduld mit mir, ich werde dir alles bezahlen.»
Er ist bereit, alle Bedingungen zu erfüllen, die sein Herr ihm stellen wird, wenn er nur Erbarmen mit ihm hat. Das Gebet vermag alles über das Herz Gottes und setzt den Schuldner in den Stand, Sühne zu leisten. Gott erbarmt sich und verzeiht. «Der Herr erbarmte sich des Knechtes, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld.» So können auch wir durch Gebet vom göttlichen Herzen alles erlangen und selbst die größte Schuld abtragen.



10.12.2019
155. Von der brüderlichen Zurechtweisung
(Lk 17, Mt 18)

II Jesus erklärt seinen Jüngern, wie sie sich bei Beleidigungen zu verhalten haben
«Wenn dein Bruder gegen dich gefehlt hat, so geh hin und stelle ihn unter vier Augen zur Rede. Gibt er dir Gehör, so hast du deinen Bruder gewonnen.»
So lehrt dich Jesus. Denke über seine Worte nach! Es genügt nicht, dem Nächsten zu verzeihen, man muss versuchen, ihn zu bessern. Diese Pflicht kann drückend werden, deshalb zeigt Jesus dir, in welchem Geist du sie zu erfüllen hast.
Die brüderliche Zurechtweisung darf keine Befriedigung verletzter Eigenliebe sein, einzig der Wunsch, eine Seele auf den rechten Weg zurückzuführen und für die gute Sache zu gewinnen, soll dich dazu antreiben. «Du sollst deinen Bruder zurechtweisen aus Liebe zu ihm, nicht aus Liebe zu dir», lehrt der heilige Augustinus. Denke an die Gott zugefügte Beleidigung und eifere für die Ehre Gottes, indem du an der Bekehrung dessen arbeitest, der dir Grund zur Klage gegeben hat. Nur solche Handlungsweise ist eines Christen würdig.
Jesus verlangt, dass du dabei mit Takt und Zartgefühl vorgehst. Dein Benehmen muß zeigen, dass es nicht deine Absicht ist, den Schuldigen zu beschämen oder dich zu rächen, sondern einzig, ihn zu heilen. Alle sollen merken, dass du in uneigennütziger Weise mehr für das Seelenheil des anderen als für dein Interesse besorgt bist. So werden deine Bemühungen mit Erfolg gekrönt werden. Beachte ferner, dass der Heiland davor warnt, den Schuldigen aufzugeben, wenn er den ersten Ermahnungen kein Gehör schenkt. Er bittet dich, mit demselben Zartgefühl deine Bemühungen zu wiederholen, und um ihnen den gewünschten Erfolg zu verschaffen, kannst du von dem Einfluss eines Höherstehenden Gebrauch machen. «Wenn er aber nicht auf dich hört, nimm noch einen oder zwei mit dir. Wenn er auch auf diese nicht hört, so sage es der Kirche.»
Erst wenn du zuvor den Rat der Stellvertreter Christi eingeholt hast, magst du einen Schuldigen als unverbesserlich aufgeben.
Denke nach, welchen praktischen Nutzen du aus diesen Ratschlägen ziehen kannst! Übe eifrig dieses Apostolat, falls Gott dich dazu beruft.



09.12.2019
155. Von der brüderlichen Zurechtweisung
(Lk 17, Mt 18)

I Jesus macht es Seinen Jüngern zur Pflicht, jede Beleidigung bereitwillig zu verzeihen
«Habt acht aufeinander! Wenn dein Bruder sich gegen dich verfehlt, so weise ihn zurecht. Tut es ihm leid, so vergib ihm. Und sollte er sich siebenmal am Tag gegen dich verfehlen und siebenmal wieder zu dir kommen und sagen: Es tut mir leid, so vergib ihm.»
Der Heiland fährt fort, dich zu belehren. Horche aufmerksam auf alles, was Er dir über das Gebot der Nächstenliebe sagen wird, und du wirst erkennen, wie du dich zu verhalten hast, wenn dein Bruder dich beleidigt, dich rücksichtslos behandelt oder gar deinen Interessen schadet.
Jesus erklärt, dass dem Gesetz des Neuen Bundes gemäß jeder, der dich beleidigt, doch dein Bruder bleibt. Er gehört der Gottesfamilie an, und es wäre unrecht, ihn als Fremdling zu behandeln. «Verzeihe ihm», sagt Jesus, «er ist dein Schuldner geworden, erlasse ihm seine Schuld!»
Das Gebot ist klar. Wie stellst du dich dazu? Was verraten deine Worte und Handlungen? Überlässt du dich nicht den Gefühlen der Erbitterung, anstatt der Aufforderung des Heilands Folge zu leisten? Wenn du die Fehler des Nächsten nicht verzeihst, lädst du vielleicht vor Gott eine schwere Schuld auf dich. Lerne großmütig sein, lass deine verletzte Eigenliebe mit Jesus am Kreuz sterben! Sage nicht: Das ist unmöglich! Jesus hat denen, die verzeihen, wahre Freuden bereitet. Lege also zu Füßen deines Heilands allen Groll nieder und verzeihe von Herzen allen, die dich gekränkt haben!



08.12.2019
154. Von der Hochschätzung der Seelen
(Mt 18)

III Es ist der Wille des himmlischen Vaters, dass keine Seele verloren gehe
«Also ist es nicht der Wille eures Vaters, der im Himmel ist, dass eines von diesen Kleinen verlorengehe.»
Blicke zum Himmel auf und bete die unendliche Güte Gottes an, die freigebig für das Heil aller Menschen ohne Ausnahme sorgt. Alle Seelen haben in den Augen deines himmlischen Vaters einen solchen Wert, dass Er, um ihr ewiges Verderben zu verhüten, zu jeder einzelnen seinen einzigen Sohn sendet mit dem Auftrag, zu ihrer Rettung keine Arbeit und kein Leiden zu scheuen. So sehr verlangt Gott nach unserem Heil. Wenn also ein Sünder ewig verlorengeht, so trifft ihn allein die Schuld an seinem Verderben. Gott lässt es dem Menschen nie an Gnade fehlen, aber dieser verweigert oft seine Mitwirkung. Deshalb stehe soviel wie möglich für die Interessen Gottes ein und komme den Seelen, deren Heil in Gefahr ist, zu Hilfe! Schätze auch die geringsten Werke des Seeleneifers hoch und unterziehe dich ihnen mit allem Eifer! Ziemt es sich nicht, dass du um jeden Preis dem himmlischen Vater die traurige Notwendigkeit ersparst, eines Seiner Kinder verderben zu müssen? Flüchte dich mit den bedrohten Sündern unter die mächtigen Flügel der göttlichen Barmherzigkeit!



07.12.2019
154. Von der Hochschätzung der Seelen
(Mt 18)

II Jesus schätzt die Seelen überaus hoch
«Denn der Menschensohn ist gekommen, zu retten, was verloren war.»
Der Heiland weist zur Bekräftigung Seiner Lehre auf Sein eigenes Beispiel hin. «Was dünkt euch? Wie urteilt ihr über die Hochschätzung, die Ich selber für jene hege, die den Augen der Welt verächtlich erscheinen? Wisset ihr, dass Ich um ihretwillen gekommen bin?»
Jesus erklärt, dass Seine Erniedrigung in der Menschwerdung beweist, wie hoch Er die Menschenseele selbst im gefallenen Zustand schätzt. Alle Seine Handlungen sind Akte der Liebe gegen uns armselige, unwürdige Menschen. Es gibt nichts, wozu Jesus nicht bereit wäre, um eine verirrte Menschenseele zu retten. «Wenn ein Mensch hundert Schafe hat und eines davon verliert, lässt er nicht die neunundneunzig Schafe auf den Bergen und geht hin, das verirrte zu suchen?»
Nutze diese rührende Versicherung des Heilands, und bitte Ihn, wenn möglich, noch mehr zu tun, um auch jene hartnäckigen Sünder, die bisher deinen Gebeten, deinen Ermahnungen und Beispielen widerstanden haben, zu bekehren. Mache Ihn aufmerksam auf alle Seelen, die du Ihm gern gewinnen möchtest, und unterstütze, soviel als in deinen Kräften steht, das Wirken seiner Gnade. Da dem Heiland die Bekehrung einer Seele so viel Freude bereitet, so sei dir keine Anstrengung zu groß, Ihm diesen Trost zu verschaffen!



06.12.2019
154. Von der Hochschätzung der Seelen
(Mt 18)

I Jede Seele hat einen großen Wert
«Seht zu, dass ihr nicht eines von diesen Kleinen verachtet, denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht Meines Vaters, der im Himmel ist.»
Bereite deinen Geist und dein Herz vor, die Unterweisungen des Heilands gut aufzunehmen, und nimm deinen Platz unter Seinen Zuhörern ein!
Was lehrt Er dich heute? Er lehrt dich, deine Mitmenschen einzig nach der Hochachtung, die Gott ihnen bezeugt, zu schätzen. Was bei ihnen in Betracht kommt, ist weniger, was die gefallene Natur in ihnen verdorben hat, als vielmehr, was Gott in sie gelegt hat und was du durch den Glauben in ihnen sehen sollst: die Pläne einer unendlichen Weisheit, die Wunder einer grenzenlosen Güte und die Wirkungen einer unerschöpflichen Liebe und Barmherzigkeit.
Beweis hierfür sind die Engel, die über alle, selbst über die Geringsten unter uns, zu wachen beauftragt sind. Nimm dir diese dienenden Schutzgeister zum Vorbild! Sie erkennen das Gute, das von Gott kommt, bei wem immer sie es finden. Welcher Art auch die Vergehen deiner Brüder seien, es ist dir nie erlaubt, darin einen Grund zu ihrer Geringschätzung zu finden; denn von Seiten Gottes bleiben sie immer Gegenstand liebevoller Sorgfalt. Handle nach diesem Grundsatz im Verkehr mit deiner Umgebung!



05.12.2019
153. Vom Ärgernis
(Mt 18, Mk 9, Lk 17)

II Mit welcher Entschiedenheit wir dem Bösen widerstehen müssen
«Wenn deine Hand dir zum Ärgernis wird, so hau sie ab. Es ist besser für dich, du gehst verstümmelt ins Leben ein, als dass du mit zwei Händen in die Hölle fährst, ins unauslöschliche Feuer, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.»
Jesus, der Lehrer der ewigen Wahrheit, zieht die Schlussfolgerung aus Seiner vorhergehenden Lehre und gibt Seinen Jüngern eine sichere Richtschnur für ihr Verhalten. Bemühe dich, den Heiland gut zu verstehen! Er verteidigt die Seelen gegen die Angriffe des Bösen; aber Er erlangt auch, dass die Seelen sich selbst dagegen schützen. Angesichts des bösen Beispiels und der Gelegenheit zur Sünde zeigen wir Gott, was wir sind. Nur zu diesem Zweck lässt Er die Ärgernisse an uns herantreten.
Lerne hier, mit wie großer Entschiedenheit die Jünger Christi sich nach Seiner Anweisung von jedem Einfluss, jeder Berührung und jeder Begegnung fern halten sollen, durch die ihnen Sünde droht! Unter welcher Gestalt das Böse sich ihnen darbietet, wieviel Anziehungskraft es ausüben und welche Opfer der Widerstand erheischen mag, niemals ist es erlaubt, sich in diesem Kampf zu schonen.
Genügt dir die schreckliche Wahl, vor die Jesus dich stellt, um dich ohne Zögern seinen Forderungen zu unterwerfen? Ist es nicht einleuchtend, dass, wer alles opfert, um Gott nicht zu verlieren, nichts verliert, sondern alles gewinnt? Erforsche dein tägliches Verhalten! Wodurch betätigst du deinen Widerstand gegen das Böse? Was hast du hierin zu verbessern, welche Vorsichtsmaßregeln zu treffen? Rufe die heiligen Schutzengel an!



04.12.2019
153. Vom Ärgernis
(Mt 18, Mk 9, Lk 17)

I Die Strafe für den Ärgernisgeber
«Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.»
Nahe dich dem göttlichen Heiland und erkenne an dem Ernst Seiner Rede, dass Er für jede Seele die größte Sorge trägt. Die Unschuld einer Seele ist ein heiliges Gut, das der Sohn Gottes zu entweihen verbietet. Dieses Gut gehört Ihm. Er hat es wahrlich teuer erkauft. Deshalb schützt Er es mit aller Kraft gegen jeden, der es Ihm zu rauben versucht. So vergreift sich der Ärgernisgeber an Jesus Christus selbst in der Person derjenigen, die er zum Bösen verführt. Such die Bosheit des Ärgernisses zu erfassen!
Wer einem anderen Gelegenheit zur Sünde gibt oder eine Seele zur Sünde reizt, versucht Jesus ein Gut zu rauben, das Er um den Preis all seines Blutes erkauft hat. Staune deshalb nicht über den schrecklichen Fluch, den Er gegen die Seelenverderber schleudert! Bist du noch nie für andere Anlass zur Sünde gewesen? Hast du nicht vielleicht oft durch dein Beispiel, deine Worte oder auch durch dein Schweigen andere zu etwas ermutigt, was das Gewissen und die Ehre Gottes verbieten? Wachst du sorgfältig über dich selbst in Gegenwart von Kindern und anderen schwachen Seelen, auf die du Einfluss ausübst? Werde dir wieder der hohen Würde einer Seele bewusst, für die dein Erlöser so Großes getan und alles geopfert hat. Knie zu Seinen Füßen nieder, versprich Ihm, dich zu bessern! Bitte um Verzeihung für die Fehler, deren du dich durch schlechtes Beispiel in der Vergangenheit schuldig gemacht hast!



03.12.2019
152. Von der Berechtigung zum Apostolat
(Mk 9, Lk 9)

II Er verspricht allen, die den Seinigen dienen, eine Belohnung
«Wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt in meinem Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Er wird seines Lohnes nicht verlustig gehen.»
Verkoste die Güte dieser Worte Jesu; so hoch ehrt der Heiland den Geringsten Seiner Getreuen! «Ihr seid die Meinen, und alles, was man euch leistet, will ich als Mir geschehen ansehen. Mir gibt man, was man euch anbietet.» Was du also den Gesandten des Herrn und Seinen Armen erweisest, das tust du deinem Erlöser. Er bittet dich durch ihren Mund, Er streckt dir die Hand in ihrer Person entgegen. Hast du dies nicht bisweilen vergessen? Wirst du fortan dieser Wahrheit eingedenk bleiben?
Was fügt Jesus noch hinzu? «Ich werde alles lohnen.» Jesus beachtet den unbedeutendsten Dienst, das kleinste Entgegenkommen, das geringste Zeichen der Hochachtung und Hingabe. Er findet Wohlgefallen daran wie an einer Sache von Wert. Klein ist in der Tat nichts, was für Gott und Seine Ehre geschieht.
Womit wird der Sohn Gottes lohnen? Er gibt nichts Bestimmtes an, aber wir ahnen es. Mit Seinen eigenen Gütern wird Er das vergelten, was wir Ihm von den unsrigen geben. Für vergängliche Güter tauschen wir ewige ein. «Ich werde Mich deiner erinnern», spricht Er gleichsam, «für dieses Glas Wasser wirst du im Himmel ewige Wonnen verkosten. Dieses kleine Almosen trägt dir den Besitz himmlischer Schätze ein. Der kurze Augenblick, den du den Meinen geopfert hast, wird dir mit einer ewigen Seligkeit gelohnt.»
Werde nicht müde, deinem Meister zu lauschen! Schätze das Glück, Ihm anzugehören! Wirst du nicht alles gewinnen, wenn du in Seinem Dienst beharrst?



02.12.2019
152. Von der Berechtigung zum Apostolat
(Mk 9, Lk 9)

I Jesus empfiehlt Seinen Aposteln Uneigennützigkeit und Duldsamkeit
Johannes berichtet Ihm: «Meister, wir sahen einen in deinem Namen Teufel austreiben. Wir wehrten es ihm, weil er uns nicht nachfolgt.»
Bemühe dich, das göttliche Wort zu hören und zu verstehen! Jesus wendet bei dieser Gelegenheit früher erteilte Belehrungen praktisch an. Der Apostel Johannes gibt die Veranlassung dazu durch eine heikle Angelegenheit, die er dem Herrn mitteilt. «Ein Mann, der nicht zu den Unseren gehört, wirkt in Deinem Namen Wunder. Wir haben das nicht geduldet.» Johannes ist eine feurige Seele, voll Eifer für das Gute und voll Verlangen, seinem Meister neue Anhänger zu gewinnen. Nach seiner Auffassung ist das Recht, im Namen Jesu Gutes zu tun, nur auf eine kleine Zahl beschränkt, auf ihn und seine Gefährten. Wer außer ihnen aus eigenem Antrieb sich der Verbreitung des Evangeliums widmet, ist nach seiner Ansicht ein Eindringling.
Der Fall verlangt eine Antwort. Höre was Jesus erwidert: «Wehrt es ihm nicht, denn wer nicht wider euch ist, ist für euch.» Hindert niemanden, in meinem Namen Gutes zu tun! Lasst jedermann Meinen Namen gebrauchen, um Gutes zu tun! Ich gehöre allen. Wer nicht gegen euch ist, ist für euch, schon deswegen, weil er am selben Werk arbeitet wie ihr. Seid duldsam!
Erwäge dieses Wort, das dir die Pflicht auferlegt, dich von aller Eifersucht und allem Eigennutz freizumachen! Überraschst du dich nicht zuweilen auf kleinlicher Eifersucht und Empfindlichkeit? Lerne dich selbst verleugnen und anderen gern den Vorrang einräumen. Erkennst du, dass Gott anderen dieselben Gaben gibt wie dir, dass Er ihnen dieselben Absichten einflößt und ihnen gleichen oder noch größeren Erfolg verleiht als dir, so freue dich! So handelt der wahre Eifer. In grober Selbsttäuschung leben jene, die mit Neid auf den Erfolg anderer sehen.
Geh auf den Gedanken des Erlösers ein! Er will, dass du auf dem Arbeitsfeld, das Er dir angewiesen hat, gern anderen Platz machst, ja, sie sogar zur Mitarbeit aufforderst. Erbitte dir und allen Arbeitern am Seelenheil anderer den Segen deines himmlischen Vaters!



01.12.2019
151. Von der wahren Größe
(Lk 9, Mt 18, Mk 9)

III Er erklärt den Wert der tätigen Nächstenliebe
«Wahrlich, ich sage euch: Wer ein solches Kind in Meinem Namen aufnimmt, der nimmt Mich auf; und wer Mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern Den, Der mich gesandt hat.»
Beherzige, wie Jesus der Demut das Gepräge der Liebe aufdrückt. Das neue Gesetz ist das Gesetz der Liebe, und wenn der Meister Seine Jünger am letzten Platz sehen will, so tut Er dies, damit sie sich vollständiger in den Dienst des Nächsten stellen können. Wer sich als den letzten ansieht, schließt niemanden von seiner Hingebung aus. Man wird allen alles, sobald man nicht mehr sich selbst sucht.
Demut ist der echte Adel großmütiger Seelen. In der Nachfolge Jesu verdemütigt man sich, um seinen Mitmenschen besser zu dienen. Demut und Liebe reichen sich schwesterlich die Hand. Der Wille zur Demut erwächst den Heiligen aus dem Drang der werktätigen Nächstenliebe. Wer von wahrem Eifer für die göttliche Ehre und das Heil der Nächsten erfüllt ist, dem ist die Demütigung willkommen.
Beherzige diesen Gedanken! Werde demütig, und du wirst gütig sein, lerne dir selbst absterben, um für andere und dadurch für Gott zu leben!



30.11.2019
151. Von der wahren Größe
(Lk 9, Mt 18, Mk 9)

II Jesus lehrt sie, wie man vor Gott groß wird
Die Jünger traten zu Jesus und sprachen: «Wer ist wohl der Größte im Himmelreich?» Jesus antwortete: «Wer der erste sein will, der sei der letzte und der Diener aller.»
Die Apostel brechen mit einer Frage das peinliche Schweigen. Die Sorge für ihr Seelenheil hilft ihnen, sich über die Beschämung hinwegzusetzen. Was ist genau betrachtet der Sinn ihrer Frage? Sie empfinden Ehrgeiz und möchten ihn befriedigen. «Wer ist der erste und wie wird man der erste?» fragen sie. Mit anderen Worten: «Was muß man unter dem neuen Gesetz tun, um erhöht zu werden?»
Erwäge die Antwort Jesu: «Dem Demütigen kommt der erste Platz zu!» Jesus drückt ihren Ehrgeiz nicht nieder. Er lenkt ihn auf das richtige Ziel. In Seiner Nachfolge darf man viel Ehrgeiz haben.
Betrachte die ergreifende Szene, die nun folgt. Jesus will Seinen Jüngern die Lehre von der Demut auf immer ins Gedächtnis graben. Er nimmt ein Kind bei der Hand, stellt es in ihre Mitte und spricht: «Wenn ihr euch nicht bekehrt und nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen.» — «Das ist euer Vorbild», spricht Jesus, die göttliche Weisheit, «das ist das Bild wahrer Größe in Meiner Schule, in meiner Kirche!»
Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um dem Hochmut der Welt den Todesstoß zu geben. Er will dir den Mut einflößen, den Stolz auch in deinem Herzen abzutöten. Der Stolz schließt die Himmelstür, die Demut öffnet sie. In der Kirche Christi nimmt der Stolz die letzte Stelle ein, während die Demut den Menschen erhebt. Alle Liebe und Zärtlichkeit des Heilands, alle Schätze Seiner Gnade gehören den Kleinen und Demütigen. Strebe danach, wieder einfach wie ein Kind zu werden! Die wahre Größe liegt nach der Lehre des Evangeliums darin, alles zu vermeiden, was der kindlichen Einfalt nicht entspricht, und sich von ganzem Herzen in der Demut, in der Selbstverachtung und der Unterdrückung aller selbstsüchtigen Bestrebungen zu üben. So mache denn das Gesetz der Demut zur Richtschnur deines Wandels und nimm Jesus, den Sohn Gottes, in Seiner Demut und Erniedrigung zum Vorbild!



29.11.2019
151. Von der wahren Größe
(Lk 9, Mt 18, Mk 9)

I Der Rangstreit unter den Aposteln
Es kam ihnen der Gedanke in den Sinn, wer von ihnen wohl der Größte sei. Zu Hause angelangt, fragte Er sie: «Wovon habt ihr gesprochen?» Sie aber schwiegen.
Gehe deinem Meister freudig entgegen mit dem lebhaften Verlangen, aus Seinen Unterweisungen Nutzen zu ziehen! Du siehst, wie die Apostel unter sich streiten. Es zeugt von wenig Verständnis für die Lehre Jesu, wenn man sich in Seiner Nachfolge um den Vorrang streitet und nach menschlicher Ehre verlangt. Die Apostel haben Erleuchtung nötig, ihr Meister will sie aufklären. Er will sie lehren, dass in Seiner Schule die Demut eine höchst notwendige Tugend ist, weil ohne Demut alle anderen Tugenden in Gefahr sind.
Er sammelt Seine Jünger um Sich und fragt sie: «Wovon habt ihr auf dem Weg gesprochen?» Sie wagen nicht gleich zu antworten. In der Nähe eines Meisters, der Sich aller Verachtung preisgibt, um den Vorrang zu streiten, ist in der Tat sehr beschämend. Die Apostel fühlen es lebhaft, und Jesus benutzt ihre Stimmung, um sie zu belehren und zu heilen. Preise diesen so gütigen Meister und freue dich, dass du Ihm angehörst!



28.11.2019
150. Jesus zahlt die Tempelsteuer
(Mt 17)

II Jesus belehrt Petrus
Als er dann zu Hause anlangte, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: «Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige der Erde Abgaben oder Steuern? Von ihren Söhnen oder von den Untertanen?» Er antwortete: «Von den Untertanen.» Da sprach Jesus zu Ihm: «So sind also die Söhne frei.»
Jesus klärt den Apostel Petrus auf. Vielleicht hätte dieser die Sache auf sich beruhen lassen und nicht weiter gefragt, sein göttlicher Meister kommt ihm zuvor. Die Belehrung gilt auch dir.
In Seiner Eigenschaft als Sohn Gottes ist Jesus keiner weltlichen Macht tributpflichtig. Dennoch unterwirft Er sich ihren kleinsten Vorschriften. Der Gedanke an die Erbauung, die wir einander zu geben schuldig sind, drängt Ihn dazu. Die Pflicht, ein gutes Beispiel zu geben, gestattet keine Ausnahme. Dies lehrt und zeigt Jesus hier. Seine Jünger sollen sich der irdischen Gewalt nicht einfachhin unterwerfen, sondern sich durch aufrichtigen, treuen Gehorsam auszeichnen. Diese Lehre nimmt Petrus mit kindlicher Einfalt auf. Sieh mit welchem Eifer er den Befehl des Meisters ausführt! Ahme ihn nach! «Damit wir ihnen aber nicht Anstoß geben, gehe hin an den See, wirf die Angel aus und nimm den Fisch, der zuerst heraufkommt. Wenn du ihm das Maul öffnest, wirst du einen Stater1 finden, den nimm und gib ihn für mich und dich.»
Freue dich, wieder einmal die Allmacht deines Erlösers zu erkennen und Ihm als Herrscher über alle Machthaber dieser Welt zu huldigen! Da Er König ist, unterwirf dich seinem milden Zepter auf immer! Überlass dich ganz seiner Führung und der Leitung seiner Stellvertreter.
1 Der Stater gilt vier Drachmen, gerade so viel als Jesus und Petrus zu zahlen hatten.



27.11.2019
150. Jesus zahlt die Tempelsteuer
(Mt 17)

I Das Verhalten Jesu gegenüber der weltlichen Obrigkeit
Sie kamen nach Kapharnaum, da traten die Einnehmer der Tempelsteuer an Petrus heran mit der Frage: «Zahlt euer Meister die Tempelsteuer nicht?» Er antwortete: «Doch!»
Ziehe mit Jesus in Kapharnaum ein, sei aufmerksam auf Seine Worte und Seine Handlungen! Die Zollbeamten fragen Petrus: «Zahlt Euer Meister die Doppeldrachme?1» Mit anderen Worten: «Tut euer Meister wie alle anderen? Unterwirft Er sich den Gesetzen und den Verordnungen der Obrigkeit?»
Beachte, mit welcher Einfachheit Petrus ja sagt. Er gibt keine ausweichende Antwort. Es kommt ihm nicht einmal der Gedanke, dass es anders sein könnte. Der Meister hat Seine Jünger gelehrt, die göttliche Machtvollkommenheit zu achten, gleichviel in welcher Gestalt sie sich offenbart. Jede rechtmäßige Gewalt vertritt die göttliche Autorität.
Überall, wo die menschliche Obrigkeit nicht in offenbarem Widerspruch mit der göttlichen steht, soll der Jünger Christi sich unter das Joch des Gesetzes beugen in den Gesinnungen wahren Glaubens und aufrichtiger Gottesfurcht. Halte fest an der Wahrheit, dass ein von der rechtmäßigen Obrigkeit erlassenes Gesetz ein Gesetz Gottes ist! Wer sich Ihm aus Liebe zu Gott unterwirft, betätigt sich als freier Mensch. Ist dies auch deine Ansicht? Bedenke, es ist die Lehre des Evangeliums. Suche in der Hochschätzung des Gehorsams zu wachsen und richte dein Verhalten danach!
1 Die beiden Drachmen hatten ungefähr den Wert unseres Geldwertes. Diese Abgabe diente zum Unterhalt des Tempels. Jeder Jude, der das 20. Lebensjahr überschritten hatte, musste sie jährlich zahlen.



26.11.2019
149. Jesus sagt abermals Sein Leiden voraus
(Mk 9, Mt 17)


II Jesus überlässt Seine Apostel der Betrübnis
Sie verstanden die Rede nicht. Da wurden sie sehr betrübt, doch scheuten sie sich, Ihn zu fragen.
Betrachte das Verhalten der Apostel. Sie geraten in Traurigkeit und schweigen. Sie wagen nicht, Ihn um Aufschluss zu bitten. Das richtige Verständnis fehlt ihnen, daher glauben sie nur halb. Noch fassen sie nicht, dass man sich erniedrigen müsse, um erhöht zu werden. Dass man sterben müsse, um für sich und andere das Leben zu erlangen, ihr Geist bleibt verfinstert. Dem natürlichen Menschen sind diese Wahrheiten verschlossen, die Gnade muss hier zu Hilfe kommen.
Lass alle menschlichen Erwägungen beiseite. Suche dieses Geheimnis mit dem Herzen zu verstehen und zu durchdringen. Vernimm mit Rührung, da der Sohn Gottes bereit ist, all Sein Blut zur Sühnung deiner Sünden zu vergießen. Der Gedanke, dass der Heiland dich bis zu diesem Übermaß geliebt hat, müsste dir Tränen entlocken. Weine im Andenken an die schmerzlichen Wunden, die du Ihm verursacht hast. Das kostbare Blut fließt um deiner Sünden willen. Verstehst du nun die Notwendigkeit einer blutigen Sühne? Erneuere deinen Vorsatz, auf dem Weg der Entsagung und Selbstverleugnung zu wandeln. Küsse in dankbarer Liebe dein Kruzifix. Öffne deine Augen der Wahrheit und überlass dich ihr ohne Furcht vor dem Leiden!



25.11.2019
149. Jesus sagt abermals sein Leiden voraus
(Mk 9, Mt 17)

I Jesus kündet seinen Jüngern die Leiden an, die Ihm bevorstehen
Von da gingen sie weiter und wanderten durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass es jemand erfahre. Er lehrte nämlich Seine Jünger und sprach zu ihnen: «Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen überliefert werden. Sie werden ihn töten, aber drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.»
Jesus ist mitten unter Seinen Vertrauten und lädt dich ein, dich ihnen zuzugesellen. Seine Anwesenheit soll nur deshalb geheim bleiben, damit Er sich ungestört den Aposteln und auch dir widmen könne. Beeile dich, Seiner Einladung zu folgen!
Jesus spricht wieder von der Voraussage Seines Leidens durch die Propheten. Er wiederholt nun im engeren Kreis der Seinen, was Er ihnen bereits öffentlich gesagt hat. Man lässt sich leichter durch eine vertrauliche Unterredung überzeugen. Der Heiland zeigt den Aposteln, zu welchen Leiden Er entschlossen ist, und will sie dadurch anregen, das, was auch ihnen bevorsteht, fest ins Auge zu fassen. «In meinen Wundern habe ich meine Allmacht in euren Dienst gestellt, indes ich will noch mehr tun. Ich werde Mich verraten lassen, mich rohen Soldaten ausliefern, alle Schmach erdulden, all Mein Blut vergießen. Aber der Tod wird Meine Liebe nicht erschöpfen. Ich werde zu neuem Leben auferstehen, um euch von neuem zu lieben.»
Erwäge die Worte deines Meisters! Was soll die Voraussage dieser blutigen Hinopferung und all der Schmach in dir bewirken? Ohne Zweifel soll dir dadurch klar werden, dass Seelen nur durch Opfer erkauft werden. Demütigung und Leiden sind die Bedingung des ewigen Heils. Gleichviel, ob es gilt, für das eigene Seelenheil oder das anderer zu wirken, man muß sich selbst absterben. Präge dir diese Wahrheit tief ein!



24.11.2019
148. Von der Macht des Glaubens
(Mt 17, Mk 9, Lk 9)

II Mittel zur Besiegung der bösen Geister
«Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.»
Jesus will hierdurch sagen: «Fügt eurem großen Glauben auch große Taten bei. Sichert den Erfolg eurer Wirksamkeit durch Gebet und Bußwerke.» Mit Wundern allein ist nicht geholfen. Die Wunder müssen auch bei jenen, für die sie gewirkt werden, Früchte des Heiles bringen. Gott wirkt Wunder, nicht um Staunen hervorzurufen, sondern um dadurch die Menschen zu bekehren. Diesen Zweck verfolgt Gott immer, wenn Seine Allmacht wunderbar eingreift. Nur kraft des Gebetes und der Buße kann ein solcher Erfolg durch Wunder erreicht werden.
«Betet», sagt Jesus. Das Gebet zieht die Hilfe des Allmächtigen auf das Kampffeld herab, auf dem du Sieger sein möchtest. Durch das Gebet verfügst du über die Allmacht Gottes. Nütze die erstaunliche Kraft des Gebets zum Heil der Seelen aus! Der Glaube verleiht dem Gebet die ganze Kraft, die es haben kann. Durch dein vertrauensvolles Gebet kannst du zur Bekehrung der Sünder beitragen, Hochmütigen zur Demut verhelfen, den Geizigen Liebe zur Losschälung und den Sinnlichen Eifer in der Abtötung erlangen. Die Siege der Gnade in dir und anderen werden nur durch anhaltendes, glaubensvolles und eifriges Gebet errungen.
Jesus sagt ferner: «Tut Buße!» Warum dieser Zusatz? Weil der Teufel, den es zu besiegen gilt, die Abtötung fürchtet. Er flieht ihre Nähe; ihr bloßer Anblick verursacht ihm Qualen. Die Leiden und Anstrengungen einer büßenden Seele gereichen dem Satan zur Beschämung und lassen ihn seine Ungnade bei Gott um so bitterer empfinden. Dem Bußeifer hält er nicht lange stand. Überdies verleiht die Abtötung dem Gebet einen bedeutenden Zuwachs an Kraft vor Gott. Je mehr der Mensch mit Entschiedenheit sich selbst beherrscht und sich selbst abstirbt, desto würdiger wird er vor Gott der Erhörung.
Merke dir diese Kampfweise, die der göttliche Heiland hier lehrt, und welches auch der Feind sei, den du in dir oder in anderen zu bekämpfen hast, befolge sie allzeit treu und eifrig!



23.11.2019
148. Von der Macht des Glaubens
(Mt 17, Mk 9, Lk 9)

I Der Grund des Misserfolgs der Apostel
Als Er zu Hause ankam, fragten Ihn seine Jünger insgeheim: «Warum konnten wir ihn nicht austreiben?» Er antwortete ihnen: «Weil ihr so wenig Glauben habt!»
Folge dem göttlichen Meister in das Haus, das Er mit den Aposteln betritt. Schließe dich demütig den Seelen an, deren schwacher Glaube der Stärkung und Ermutigung bedarf! Die Apostel fühlen sich durch ihren Misserfolg gedemütigt, aber sie wollen aus ihrer Demütigung Nutzen ziehen. In der Nachfolge Jesu Christi bringt die Demütigung große Vorteile. Sie gibt Anlass zu besonderen Erleuchtungen und Ermutigungen, die die Seele erfreuen und beleben. Suche wie die Jünger jede Demütigung zu deinem Heil zu verwenden!
Siehe, wie die Apostel demütig vor Jesus hintreten! «Warum konnten wir ihn nicht austreiben?» fragen sie. «Warum haben wir noch so wenig Gewalt über den Teufel? Warum waren unsere Gebete fruchtlos und unsere Beschwörungen ohne Wirkung?» Jesus antwortet: «Weil es euch an Glauben fehlt, euer Glaube ist noch zu unvollkommen, um Wunder zu wirken, er ist noch nicht kräftig genug, um anderen zu helfen.»
Gilt diese Belehrung nicht auch dir? Beherzige sie! Durch den Glauben zieht man Gottes Wohlgefallen auf sich herab und bewegt seine Allmacht einzugreifen. Von welchen Beweisen des Vertrauens ist dein Gebet begleitet, wenn du Gott um etwas bittest, was menschlich gesprochen unmöglich ist? Welchen Glauben zeigst du im Gebet, in der Arbeit und in den Prüfungen? Ist dein Glaube lebendig, glühend, unbezwinglich? Urteile selbst und erkenne, was dir fehlt!
Die Apostel sagten: «Vermehre uns den Glauben!» Sprich ihnen diese Bitte mit Innigkeit nach! «Meister, Du allein vermagst es, unserer Seele einen übernatürlichen, erleuchteten, tatkräftigen und unerschütterlichen Glauben zu verleihen. Erleuchte unseren Verstand, rühre unser Herz! Gib uns, wenn nicht den Glauben, welcher Wunder wirkt, so doch jenen, welcher Heilige macht!»



22.11.2019
147. Jesus heilt einen besessenen Knaben
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

III Jesus heilt den besessenen Knaben
Da fragte Er seinen Vater: «Wie lange hat er das schon?» Der Vater antwortete: «Von Kindheit an. Schon oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Wenn Du etwas vermagst, so hab Erbarmen mit uns und hilf uns.» Jesus erwiderte ihm: «Wenn du glauben kannst! Alles ist dem möglich, der glaubt.»
Betrachte den Heiland, wie Er das arme Kind heilt! Erwäge die Bedingungen, die Er dem Vater stellt. Dieser hatte gesagt: «Wenn Du etwas vermagst, ... wenn Du mehr vermagst als Deine Jünger.» In diesen Worten liegt ein Zweifel, der die Erhörung der Bitte hindert. Zuvor muss der Mann fest glauben, dass Jesus mehr vermag als alle andern. Der Heiland fordert ihn ausdrücklich dazu auf. «Dem, der glaubt, ist alles möglich. Ich verlange nichts als Vertrauen, nichts als den Glauben, dass ich mächtig und gütig genug bin, dich zu erhören.» Frohlocke mit diesem glücklichen Bittsteller in dankbarem Vertrauen! Sieh, wie er sich auf die Knie wirft und unter Tränen ausruft: «Ich glaube Herr, hilf meinem Unglauben!» Wenn er auch einen Augenblick an der Macht des Heilands gezweifelt hat, an seiner Güte hat er nie gezweifelt. Jetzt besitzt er alles, was zur Erhörung erforderlich ist.
Der Kampf zwischen Jesus und dem Satan beginnt, indem Jesus ruft: «Du stummer und tauber Geist! Ich gebiete dir: Fahr aus von ihm und kehr niemals mehr in ihn zurück!» Da schrie er, zerrte ihn heftig und fuhr aus von ihm. Bewundere die Leichtigkeit, mit welcher Jesus das wirkt, was kein anderer vermag! Ein Wort von Ihm genügt, die Hölle in die Flucht zu jagen. Willst du also den Satan besiegen, so kämpfe unter den Augen Jesu.
Die Macht, die Jesus bei diesem Wunder entfaltet, stellt Er auch dir zur Verfügung. Ein Wort, ein Zeichen von Ihm genügt, die heftigsten Angriffe Satans zurückzuwerfen, die stärksten Versuchungen zu besiegen und die schmerzlichsten Prüfungen zu lindern. Darum vertraue dem Heiland, zähle auf Ihn und ergib dich Ihm rückhaltlos!



21.11.2019
147. Jesus heilt einen besessenen Knaben
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

II Jesus hört die Bitte eines betrübten Vaters an
Einer aus dem Volk antwortete Ihm: «Meister, ich habe meinen Sohn zu Dir gebracht, er ist von einem stummen Geist besessen. Wenn der ihn packt, zerrt er ihn hin und her. Dann schäumt er, knirscht mit den Zähnen und liegt starr da.»
Ein betrübter Vater nähert sich dem gütigen Heiland und erzählt Ihm die traurige Geschichte seines Kindes. Sein einziger Sohn ist der Spielball Satans geworden. Das Kostbarste, was er auf Erden hat, ist in die Hände eines grausamen Tyrannen gefallen. Der Vater sucht einen Retter, aber noch hat er keinen gefunden. «Ich habe Deine Jünger gebeten, dass sie ihn austreiben möchten, aber sie konnten es nicht.» Höre dem Bericht des Vaters zu! Beachte besonders die Ehrfurcht, die er dem Heiland erzeigt!
Wie lautet die Antwort Jesu? «O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange noch werde ich bei euch sein? Wie lange noch euch ertragen?» Diese strengen Worte dürfen dich nicht erschrecken. Jesus ist nur streng, um den Gauben zu stärken und die Hoffnung zu beleben. Weder die Zudringlichkeit des Bittstellers noch seine Unvollkommenheiten vermindern die Hilfsbereitschaft des Heilands. Er will allen ausnahmslos gut sein. Merke dir, dass selbst ein unvollkommenes Gebet nicht ohne Einfluss auf das göttliche Herz Jesu ist. Er hält freilich den Bittstellern ihren Unglauben vor, dennoch erhört Er gütig ihr Flehen.
«Bringe deinen Sohn hierher», spricht Jesus zu dem betrübten Vater. Bringe auch du dem Heiland alle, die du dem Bösen entreißen und im Guten befestigen möchtest!



20.11.2019
147. Jesus heilt einen besessenen Knaben
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

I Jesus trifft die Apostel in einem Wortstreit mit der Menge
Als sie zu den Jüngern kamen, sahen sie eine große Volksmenge um sie herum und Schriftgelehrte im Streit mit ihnen. Sobald das ganze Volk Ihn erblickte, war es ganz überrascht, eilte auf Ihn zu und begrüßte Ihn. Er fragte sie: «Worüber streitet ihr mit ihnen?»
Erwarte auch du den Heiland am Fuß des Tabors. Nach den Freuden der Verklärung kehrt Er zu seinen täglichen Arbeiten zurück. Er weiß, wie dringend die Menschen Seiner Gegenwart bedürfen. Sowie Er sich auch nur einen Augenblick entfernt, gerät alles in Verwirrung. Was geht in dieser aufgeregten Volksmenge vor, die Jesus entgegeneilt? Nichts als Unordnung, fruchtlose Anstrengungen, ergebnislose Erörterungen und unlösbare Schwierigkeiten. Aber Jesus zieht sich nur deshalb zurück, um die Seinen fühlen zu lassen, wie notwendig Er ihnen ist. Daher kehrt auch Friede und Freude in aller Herzen zurück, sobald sie Ihn wiedersehen.
Alle begrüßen Seine Rückkehr wie das Wiedererscheinen des Lichtes und hoffen zuversichtlich auf die Heilung ihrer Übel. Nimm auch du an dieser allgemeinen Freude teil, und belebe deinen Eifer!



19.11.2019
146. Jesus, der Sohn Gottes
(Mt 17,Lk 9, Mk 9)

II Jesus verlässt mit den Aposteln den Tabor
Jesus trat hinzu, rührte sie an und sprach: «Steht auf, fürchtet euch nicht!» Sie erhoben ihre Augen, sahen aber niemand mehr als Jesus allein. Während sie vom Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: «Erzählt niemand etwas von dieser Erscheinung, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.»
Das erste Wort, das Jesus nach der feierlichen Offenbarung an die Seinen richtet, lautet: «Steht auf. Fürchtet euch nicht! — Die Welt hat wieder ihr früheres Aussehen gewonnen, die Verklärung ist vorüber. Das himmlische Licht ist verschwunden. Aber ich bin bei euch geblieben. In mir findet ihr Ersatz für alles, darum fasst Mut!» So spricht der göttliche Meister zu seinen Jüngern. Licht und Trost gehen vorüber, aber Jesus wird dich nie verlassen. Genügt das nicht, um unter seiner Führung alles zu unternehmen und Ihm überallhin zu folgen?
Betrachte den Heiland noch einen Augenblick, ehe Er vom Gipfel des Berges herabsteigt! Er ist allein, aber Er gilt mehr und kann dich besser unterweisen als alle Gelehrten. Kein Strahlenkranz umgibt Ihn jetzt, aber der Blick seines Auges dringt bis in die geheimsten Tiefen der Seele und bringt Licht und Sicherheit. Jesus ist dein, Er liebt dich. Darum fasse Mut und Vertrauen! Steige mit den drei Aposteln ohne Bedauern vom Tabor, dem Berg des Trostes, herab!
Während sie nun vom Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus, sie sollten niemand erzählen, was sie gesehen hätten, bis ihr Menschensohn von den Toten auferstanden sei.
Die geistlichen Tröstungen sind ein Geheimnis des Herzens Jesu, das Er uns anvertraut. Sei dessen eingedenk, und gib es nicht preis!
Wovon spricht Jesus beim Hinabsteigen vom Tabor? Von den Leiden und der Schmach, welche die Welt Ihm und seinen Jüngern bereitet. Die Taborjünger nehmen diese Worte Jesu furchtlos auf. Das Licht, das ihnen Soeben in Fülle zuteil geworden ist, hat ihnen das Ziel gezeigt, das durch Opfer und Prüfungen erreicht werden soll. Sie nehmen alles, was ihnen die Zukunft bringen wird, ergeben und entschlossen an. Der Abstieg vom Tabor bereitet zu freudigem Aufstieg auf den Kalvarienberg.




18.11.2019
146. Jesus, der Sohn Gottes
(Mt 17,Lk 9, Mk 9)

I Der himmlische Vater bezeugt Jesus als Sohn Gottes
Während Er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie fürchteten sich, als jene in die Wolke eintraten. Aus der Wolke aber rief eine Stimme: «Dieser ist Mein geliebter Sohn, auf Ihn sollt ihr hören.»
Finde dich abermals auf dem Tabor ein! Wenn es dir auch nicht möglich ist, dauernd dort zu wohnen, so darfst du wenigstens oft dahin zurückkehren. Bitte den göttlichen Heiland um einen kleinen Anteil an der Freude, die Er dort die Seinigen verkosten lässt!
Die Stimme des himmlischen Vaters lässt sich vernehmen. Wirf dich mit den Aposteln zur Erde nieder! Jesus führte sie auf den Berg, dem Vater entgegen und lud sie zum einsamen Gebet ein, damit sie besser vorbereitet wären, Seine Stimme zu vernehmen. Lausche auch du und bemühe dich, diese göttliche Stimme mit deiner ganzen Seele, deinem ganzen Verstand und deinem ganzen Herzen zu erfassen!
«Dieser ist Mein vielgeliebter Sohn! Seht Ihn, den Ich liebe und an dem Ich Mein Wohlgefallen habe. Wenn ihr Ihm ganz angehört, werde Ich auch euch zu den Meinigen zählen.» Beherzige diese göttlichen Worte! Noch leuchtet dir zu ihrem besseren Verständnis das Licht der Verklärung. Liebe den Sohn, um dadurch der besonderen Liebe des Vaters gewürdigt zu werden! «Ihn sollt ihr hören», fügt die Stimme vom Himmel bei. «Ich habe Ihn euch sowohl zum Erlöser als zum Lehrer gegeben. Hört auf Ihn, d.h. glaubt Seiner Lehre, haltet Seine Gebote, ahmt Sein Beispiel nach und durchdringt euch mit Seinem Geist. Hört auf Ihn, wenn Er euch drängt, eine bestimmte Gelegenheit zur Sünde zu meiden oder in diesem und jenem Punkt an eurer Besserung zu arbeiten, wenn Er euch anspornt, über eure Sinne, eure Augen, eure Zunge zu wachen, das Gebet eifrig zu üben und gegen alle gütig und dienstfertig zu sein!»
O meine Seele, versprich dem himmlischen Vater, der dir in Seiner Liebe Seinen Sohn gesandt hat, keinen anderen Meister zu wollen als Jesus! Bitte Ihn um einen Platz in der Schar Seiner Jünger, und folge Ihm!



17.11.2019
145. Die Verklärung Christi
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

III Jesus erfüllt seine Jünger mit himmlischem Trost
Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias und redeten mit Ihm. Sie sprachen von Seinem Ende, das Er in Jerusalem finden sollte.
Zwei hervorragende Gestalten des alten Bundes finden sich bei Jesus ein. Beide waren Märtyrer der Ehre Gottes; darum dürfen sie an der Verklärung Jesu teilnehmen. Wie gern teilt Er Seine Herrlichkeit mit jenen, die bereitwillig hienieden das Kreuz mit Ihm tragen!
Wovon spricht Er mit Moses und Elias? Von Seinem Scheiden aus dieser Welt, vom Kalvarienberg und von der Notwendigkeit des Leidens. Die Taborfreuden sind nur etwas Vorübergehendes. Kein himmlischer Gnadenerweis hebt für uns das strenge Gesetz auf, das uns zum Leiden verurteilt. Nimm teil an der Unterredung Jesu, du wirst dadurch das Leiden lieben lernen. Sieh im Licht des Tabors von weitem den Kalvarienberg, den du bald besteigen musst. Scheint dir der Weg, von hier aus gesehen, nicht leichter und scheinen die Opfer, die deiner dort warten, nicht erträglicher? Auf dem Tabor wirst du in das Geheimnis der Entsagung und Selbstverleugnung eindringen. Schöpfe Mut für die Zeit des Kampfes!
Petrus aber und die bei ihm waren, wurden vom Schlaf übermannt. Als sie aufwachten, sahen sie Seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei Ihm standen. Du siehst hier, wie man durch Nachgiebigkeit gegen die Natur sich des süßesten Trostes beraubt. Ist es nicht töricht, an der Himmelspforte zu schlafen? Und doch, musst nicht auch du dir vorwerfen, dass du manchmal die Gnadenwirkungen durch solche Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit in dir gehemmt hast? Erhebe dich entschlossen aus diesem Zustand der Lauheit und hilf, soviel du kannst, auch andern, sich aus ihm herauszuarbeiten! Lass die göttliche Gnade nicht unbenutzt vorübergehen!
Petrus sprach zu Jesus: «Meister, hier ist gut sein! Willst Du, so wollen wir drei Hütten bauen, Dir eine, dem Moses eine und dem Elias eine.» Er wusste nämlich nicht, was er sagte. Beim Anblick des Wunders der Verklärung gerät Petrus außer sich. Das Glück, das er bisher nur dunkel geahnt hat, sieht er urplötzlich verwirklicht. Auf die überraschendste Weise hat sein Herz gefunden, was es suchte, alle seine Wünsche sind erfüllt. Höre ihn ausrufen: «Hier ist gut sein! Hier, wo man bei Dir ist, guter Meister, hier, wo man klar die Wahrheit Deiner Lehren fasst, hier, wo man die Schönheit Deines Antlitzes bewundert und wo die Güte Deines Herzens sich so deutlich offenbart, hier ist gut sein. Lass uns hier bleiben, wir wollen nicht mehr hinabsteigen.»
Nimm an dieser Freude lebhaften Anteil! Beschwöre den göttlichen Meister, Er möge dich auf seinem heiligen Berg in seinem Licht und in seiner Liebe befestigen, damit du von den trügerischen Vorspiegelungen der Welt gesichert seist.



16.11.2019
145. Die Verklärung Christi
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

II Jesus wird vor ihnen verklärt
Während Er betete, ward Er vor ihnen verklärt.
Betrachte Jesus im Gebet! Er hat die Apostel mitgenommen, um sie zum Gebet anzuleiten. Er will ihnen übernatürliche Freude geben und führt sie deshalb zum Gebet. Warum? Weil das ganze Glück des Menschen in Gott beruht, und der Mensch findet Gott im Gebet. Da teilt Sich Gott der Seele mit; sie wird himmlischer Erleuchtung gewürdigt und der Freuden der Auserwählten teilhaftig.
Knie nieder und fühle dich recht klein im Glanze des Lichtes, das hier erstrahlt! Wenn du wahrhaft zu beten verständest, so würdest du auch bisweilen etwas von dem verkosten, was hier der verklärte Heiland an sich erfährt. Im Gebet vollzieht sich die gnadenvolle Umwandlung in einen neuen, übernatürlichen Menschen, im Gebet gibt Gott uns ein neues Herz und einen neuen Geist, andere Ansichten und Gedanken. Im Gebet entzündet sich das Feuer der göttlichen Liebe in uns, im Gebet wird die Seele von aller Befleckung gereinigt und Gott wohlgefällig. Während desselben verwandelt sich alle kleinliche Furcht in festes Vertrauen.
Verweile in tiefer Sammlung beim verklärten Heiland! Sein Angesicht glänzte wie die Sonne, und Seine Kleider wurden weiß wie der Schnee. Ist es dir nicht ein Trost, dein Leben mit allen Opfern, Entsagungen und Kämpfen, die der Heiland von dir verlangt, im Licht der Verklärung zu betrachten? Sieh die Dinge des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens in ihrem wahren Licht, im Glanz des Tabors!



15.11.2019
145. Die Verklärung Christi
(Lk 9, Mt 17, Mk 9)
I Jesus führt drei seiner Jünger auf den Berg Tabor
Es war etwa acht Tage später, da nahm Jesus den Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf den Berg, um zu beten.
Suche den Heiland in liebendem Eifer auf und freue dich, Ihm am Fuß des Tabors zu begegnen! Welche geheimen Beweggründe haben Ihn hierher geführt, unmittelbar nach den vergangenen ernsten Tagen? Jesus will Seinen Aposteln Beruhigung und Trost gewähren, weil Seine letzten Unterweisungen ihre Gemüter erschreckt haben. Damals hat Er vom Kalvarienberg gesprochen, nun will Er ihnen den Himmel zeigen. Die Tage des Kampfes werden unterbrochen von Tagen der Freude. Also Mut und Vertrauen, meine Seele! Der Himmel ist nie weit vom Kalvarienberg.
Jesus wählt Petrus, Jakobus und Johannes zu Seiner Begleitung. Beglückwünsche die drei bevorzugten Apostel! Warum erwählt Jesus gerade sie? Weil es Gott so wohlgefällt. Gott teilt seine außerordentlichen Gaben ganz nach Belieben aus, wem und wie es Ihm gefällt. Die fühlbaren Tröstungen stehen nicht immer im Verhältnis zum Verdienst. Es gibt viele heilige Seelen, die Gott am Fuß des Berges lässt und die die Freuden des Himmels erst beim Eintritt in denselben kennenlernen. Gottes freie Gnadenwahl darf dich nicht betrüben. Ergib dich gern darein, dass andere mehr Trost genießen als du, aber gib nicht zu, dass andere dich in der Liebe und Treue zu Gott übertreffen.
Begleite die drei Apostel auf dem Weg zum Tabor! Wovon sprechen sie? Was haben sie ihrem Meister zu sagen? Haben sie schon ein Vorgefühl des Glücks, das droben ihrer harrt? Genieße mit ihnen den stillen Frieden dieser schönen Stunde!



14.11.2019
144. Vom Wert der Seele
(Mt 16, Mk 8, Lk 9)

III Jesus sagt seinen Jüngern Seine Wiederkunft voraus
«Wahrlich ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht kosten, bis sie das Reich Gottes sehen.»
Verkoste die Süßigkeit dieser Verheißung! Erst nach dem Tode wird uns der volle Lohn unserer guten Werke zuteil werden. Indessen, eine beschränkte Zahl von Seelen genießt schon hienieden zeitweilig einen Vorgeschmack der Himmelsfreuden. Jesus sagt: «Ich will nicht die Ewigkeit abwarten, um diese Seelen mit Meiner Gegenwart zu beglücken», und Er fügt hinzu: «Es gibt auch hier solche Seelen.»
Bitte Jesus, dir zu sagen, wer diese Bevorzugten sind, frage aber auch dich selbst! Wirst du einst zu der kleinen Zahl derjenigen gehören, die die besondere Gunst Jesu verdienen? Wann wirst du endlich unter dem Banner Jesu so mutig und ausdauernd sein, dass Er auch dir die süßen Freuden seines göttlichen Trostes und seiner heiligen Vertrautheit gewähren kann? Werden die tatsächlichen Beweise deiner Liebe endlich so groß sein, dass Er dem Verlangen Seines gütigen Herzens, sich dir in besonderer Weise zu offenbaren, nicht mehr widerstehen kann? Was muss man tun, um der göttlichen Gunsterweise teilhaft zu werden? Frage die allerreinste Jungfrau, frage Petrus, Maria Magdalena und die frommen Frauen, die durch die Reinheit ihres Wandels, die Geradheit ihrer Gesinnung, den Eifer und die Inbrunst ihrer Liebe das Herz des guten Meisters er freuten



13.11.2019
144. Vom Wert der Seele
(Mt 16, Mk 8, Lk 9)

II Jesus droht, jene zu verleugnen, die sich seiner geschämt haben
«Denn wer sich Meiner und Meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er in Seiner und Seines Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit kommt».
Jesus hat uns soeben den hohen Wert der Seelen gezeigt und dass nichts zu kostbar ist, um sie zu retten. Jetzt fügt Er noch bei, dass man diese Wertschätzung offen zeigen soll. Man muss die Furcht, in den Augen der Welt als beschränkt zu gelten, mannhaft überwinden. Wer nicht wagt, öffentlich seine Gesinnung zu bekunden, der schämt sich Jesu Christi und seines Evangeliums. Bedenke die ewige Schande, die jenen droht, die so handeln!
Findest du in dir nicht den Mut, für Jesus, der so viel für dich getan hat, die eitle Menschenfurcht zu überwinden und dich laut als seinen Jünger zu bekennen, so verdienst du wahrlich, dass Jesus sich deiner schämt und dich verlässt. Bedenke wohl: wenn du Ihn dazu zwingst, wird Er dies einst feierlich in Gegenwart des himmlischen Hofes tun.
Dein ewiges Heil liegt in deiner Hand. Mache dir eine Ehre daraus, deine Gelöbnisse, die dich zum Dienst Jesu Christi verpflichten, täglich zu erneuern! Liebe das Kreuz, verachte die Welt, und dein ewiges Heil ist gesichert!



12.11.2019
144. Vom Wert der Seele
(Mt 16, Mk 8, Lk 9)

I Jesus preist den Wert einer Seele
«Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei seine Seele verliert? Was kann der Mensch als Entgelt für seine Seele geben?»
Lerne heute deine Seele nach ihrem wahren Wert schätzen! Jesus gibt dir die notwendige Belehrung darüber. Beherzige aufmerksam die Ausdrücke, deren Er sich dabei bedient! Ist deine Seele gerettet, so ist alles gerettet, ist sie verloren, so ist alles verloren.
Bin ich einst glücklich gerettet, was liegt dann daran, ob ich auf Erden arm, verachtet, verleumdet, elend und vielfach heimgesucht war? Wenn ich dagegen verdammt werde, was nützen mir dann die Güter, die ich hienieden besessen, die Freuden, die ich genossen, und die Leidenschaften, die ich auf Kosten meines Gewissens befriedigt habe? Das alles ist vorüber. Habe ich meine Seele verloren, so ist alles auf ewig verloren.
Wenn das Leiden zu meinem ewigen Heile beiträgt, warum sollte ich es fürchten? Wenn die Genüsse, nach denen meine Leidenschaften begehren, mich dem ewigen Verderben entgegenführen, warum sollte ich sie lieben? Die Eigenliebe drängt mich ohne Unterlass, meine natürlichen Neigungen und den Hang zur Bequemlichkeit zu befriedigen. Der Ausspruch Jesu zeigt, dass die ungeordnete Selbstliebe eigentlich Selbsthass ist, und dass, wer seiner verderbten Natur nachgibt, sich selbst ins Verderben stürzt.



11.11.2019
143. Jesus sagt sein Leiden voraus
(Mt 16, Mk 6, Lk 9)

III Jesus betont die Notwendigkeit der täglichen Selbstverleugnung
Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: «Wer Mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und so folge Er mir!»
Jesus versammelt die Menge um Sich, um die Bedingungen zu seiner Nachfolge festzustellen. Höre und beherzige Sein Wort: «Wenn Mir jemand nachfolgen will.» Nicht mit Zwang führt Er uns in sein Reich. Man muss sich freiwillig zu dem entschließen, was Er verlangt. «Er verleugne sich selbst!» fügt Er bei. Willst du zum Himmel gelangen? Siehe hier den Weg! Entsage dir selbst, deinen schlechten Trieben, deinen ungeordneten Neigungen, deinen weichlichen Gewohnheiten und den Lockungen der Sinne!
«Er nehme sein Kreuz auf sich.» Betrachte in der Nähe das Kreuz, das der Heiland dir darbietet, und fasse Mut! Es kommt von Ihm, darum küsse es andächtig! Das Kreuz, durch das ich mich rette, ist dasselbe, auf dem Er mich erlöst hat. Der Heiland, den ich am Kreuz finde, wird mich trösten in den Schmerzen, die es mir verursacht. Lerne dir Gewalt antun und in der täglichen Übung der Selbstverleugnung jene übernatürliche Kraft finden, die Gott in sie hineingelegt hat. Mut, meine Seele! In dem täglichen Kreuz wirst du das Glück finden. Dringe immer tiefer in diese wunderbare Wahrheit ein! Bitte den himmlischen Vater um Verständnis für das, was Gottes ist, und um Mut zu heldenhafter Entsagung!


10.11.2019
143. Jesus sagt sein Leiden voraus
(Mt 16, Mk 6, Lk 9)

II Jesus tadelt Petrus wegen seiner Scheu vor dem Leiden
Petrus zog Ihn an sich, machte Ihm Vorhaltungen und sprach: «Gott bewahre, Herr! Das bleibe fern von Dir!»
Höre, wie Petrus Jesus unterbricht mit den Worten: «Das sei fern von Dir, Herr!» Er kann es nicht glauben, dass Gott dergleichen zulassen werde. So spricht die natürliche Liebe, das empfindsame Herz führt die Vernunft irre. Die Furcht vor dem Leiden trübt den Blick, so dass man nicht merkt, wie gerade durch dieses Mittel die göttliche Weisheit an der Seelenrettung arbeitet. Dies beweist der gegenwärtige Vorgang mit Petrus. Er folgt seinen menschlichen Gefühlen, deswegen täuscht er sich.
Der Meister beeilt sich, den Jünger eines besseren zu belehren: Er aber drohte Petrus und sprach: «Weg von mir, Satan! Du bist mir zum Ärgernis, du hältst es nicht mit Gott, sondern mit den Menschen.» Verdienter Tadel! Petrus hätte die Notwendigkeit und Kraft des Kreuzes bereits besser verstehen müssen. Strenger Tadel! Erwäge den Ausdruck, dessen sich Jesus bedient: «Du bist mir zum Ärgernis!» Wer wie Petrus spricht, beschuldigt die göttliche Weisheit, tadelt den Erlöser und setzt seinem Werk ein Hindernis in den Weg.
Entschließe dich mutig, das Kreuz auf dich zu nehmen, nur so kannst du deine Seele retten und zur Rettung anderer beitragen.
«Weiche!» sagt Jesus, sogleich zieht sich Petrus demütig zurück. Lerne von ihm, einen verdienten Tadel hinzunehmen! Trotz des Tadels liebt der Heiland den Apostel nicht weniger, Petrus aber gibt sich nach der Zurechtweisung noch inniger dem guten Meister hin. Durch diese Demütigung hat Petrus nichts verloren. Bemühe dich nach seinem Beispiel, Zurechtweisungen gut aufzunehmen.



09.11.2019
143. Jesus sagt sein Leiden voraus
(Mt 16, Mk 6, Lk 9)

I Jesus offenbart seinen Aposteln die Notwendigkeit seines Leidens
Von da an begann Jesus seinen Jüngern klarzumachen, er müsse nach Jerusalem gehen, von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten viel leiden und getötet werden, aber am dritten Tage werde er auferstehen.
Finde dich wieder beim Heiland ein! Was sagt Er zu seinen Aposteln? Er macht ihnen eine vertrauliche Mitteilung und gibt dir die Erlaubnis, sie anzuhören. «Der Menschensohn muss leiden und sterben. Mich, den ihr als den Sohn Gottes und Erlöser der Welt bekannt habt, werdet ihr eines Tages am Kreuz haängen sehen, von den Führern des Volkes verworfen und ein Gegenstand des Spottes für alle.»
Was bedeutet diese unerwartete Mitteilung? Bitte den guten Meister ehrfurchtsvoll, sie dir verständlich zu machen! Nachdem Jesus so oft auf die Freuden des Himmels aufmerksam gemacht hat, will Er uns den Weg, der dahin führt, zeigen. Der Heiland ist gekommen, uns zu erlösen; aber zur Rettung der Seelen muß Er sich Gott als blutiges Opfer darbringen. Er erklärt uns schon jetzt, dass man nur durch das Kreuz an Seinem Erlösungswerk teilnehmen kann. Willst du also ernstlich am Heil deiner Seele oder an der Rettung anderer Seelen arbeiten, so weißt du den Weg, den du gehen musst. Warum willst du dich dem Gesetz entziehen, demgemäß das Heil nur durch Leiden erlangt wird?
Dieses Gesetz verkündet Jesus im vertrauten Kreis Seiner Jünger. Bald wird Er öffentlich von dieser bitteren Notwendigkeit sprechen, um jedem Missverständnis vorzubeugen. Entschließe dich also, Gott die Opfer zu bringen, die Seine Gerechtigkeit verlangt! Danke dem göttlichen Heiland für die großmütigen Opfer, die Er zur Sühne für deine Sünden gebracht hat!



08.11.2019
142. Das feierliche Bekenntnis des Petrus
(Mt 16, Mk 8,Lk 9)

III Er verheißt Petrus den Primat
«Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas! Denn nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist. Und so sage ich dir: Du bist Petrus. Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.»
Verkoste die Freude, welche das Herz Jesu über eine Seele empfindet, die so viel Verständnis für Ihn hat! In der Tat klingt die Antwort Jesu wie ein Ausruf freudiger Überraschung. Für dieses Bekenntnis will Er Petrus auch entsprechend belohnen; jeden Glaubensakt vergilt Gott mit einer besonderen Gnade. Er spricht dann gleichsam zur gläubigen Seele: «Weil du mich nun besser kennst, kann ich mich auch deiner besser bedienen. Du weißt jetzt die ganze Wahrheit, darum erwähle ich dich zu meinem Gehilfen bei ihrer Verbreitung.» Weißt du nun, was du zu tun hast, wenn du willst, daß Jesus sich deiner bediene?
Erwäge die große Gewalt, welche Jesus dem Apostel Petrus anvertrauen will: «Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.» Belebe in dir die Ehrfurcht vor dem Oberhaupt der heiligen Kirche! Selbst wenn die Menschen schwach sind, wird Christus bis zum Ende der Welt durch die rechtmäßigen Oberen seine Kirche leiten.



07.11.2019
142. Das feierliche Bekenntnis des Petrus
(Mt 16, Mk 8,Lk 9)

II Er veranlasst sie zu einem Bekenntnis Seiner Gottheit
Er fragte sie: «Ihr aber, für wen haltet ihr mich?» Da gab Simon Petrus zur Antwort: «Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.»
Jesus stellt nun die Frage unmittelbar an die Apostel. Er will sich von dem Erfolg seiner Unterweisungen überzeugen. Den Aposteln hat Er mehr gegeben als allen andern, folglich ist Er berechtigt, mehr von ihnen zu erwarten. «Ich gebe zu, dass das Volk mich nur oberflächlich kennt, ihr aber, die ich so gründlich unterrichtet und für die ich so vieles getan habe, wofür haltet ihr mich? Was wisst ihr mehr als die Menge?» Jesus will durch den Gegensatz hervorheben, wie wenig man Ihn in der Welt kennt, wie Er dagegen seinen bevorzugten Jüngern sich selbst offenbart. Neben der Unwissenheit und dem Irrtum der großen Menge soll der Glaube der wahren Jünger um so heller erstrahlen. Diese Freude und Genugtuung gebührt dem Sohn Gottes.
Im Namen aller antwortet Petrus: «Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.» — Stimme in diese Erklärung freudig ein, sprich sie ihm von Herzen nach! In diesen wenigen Worten hat Petrus alles gesagt. Jesus ist Gottes Sohn und unser Erlöser, Er ist göttlichen Ursprungs und hat eine göttliche Sendung zu erfüllen. Jesus kommt von Gott und will uns zu Gott zurückführen. Erwäge diese Wahrheit ernstlich, sie ist der Inbegriff des ganzen Evangeliums!
Der Glaubensakt, den Petrus in diesem Augenblick so feierlich ausspricht, übertrifft alle, die er bis dahin erweckt hat. Ein himmlisches Licht hat ihm die Wahrheit in ihrer ganzen Fülle entdeckt. Diese Erleuchtung war notwendig, denn aus sich vermag kein menschlicher Verstand die Gottheit Jesu zu erkennen. Die natürliche Vernunft kann Seine göttliche Erhabenheit nur dunkel erahnen. Niemand vermag bei dem schwachen Licht unseres beschränkten Verstandes das Göttliche in den Menschen und in den Ereignissen zu erkennen. Dazu muß man von Gott selbst erleuchtet werden. Vom himmlischen Vater muss man sich einen Strahl des Lichtes erflehen, in dem Er selbst Seinen eingeborenen Sohn schaut. Vereinige dich mit dem heiligen Petrus im Bekenntnis deines Glaubens an die Gottheit Jesu!



06.11.2019
142. Das feierliche Bekenntnis des Petrus
(Mt 16, Mk 8,Lk 9)

I Jesus fragt Seine Apostel, was die Leute von Ihm sagen
Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, richtete Er an Seine Jünger die Frage: «Für wen halten die Leute den Menschensohn?»
Der göttliche Meister und Seine Apostel lenken ihre Schritte nach Cäsarea Philippi. Folge mit Aufmerksamkeit ihrer Unterredung! «Für wen halten die Leute den Menschensohn?» fragt unvermittelt der Heiland. «Weiß man, wer ich bin, woher ich komme und weshalb ich in die Welt gekommen bin? Was hält man von meinem Evangelium, meiner Lehre und meinen Werken?» Augenscheinlich will Jesus gekannt sein. Er verfolgt aufmerksam den Fortschritt, den die Jünger in seiner Kenntnis und Liebe machen. In der Person der Apostel stellt Jesus diese Frage an jeden Menschen. Beachte die verschiedenen Antworten auf diese Frage. Sie aber sprachen: «Einige für Johannes den Täufer, andere für Elias und andere für Jeremias.» Wie groß ist die Zahl derer, die sich hartnäckig weigern, Jesus zu kennen oder nach Ihm zu forschen! Zähle auch jene, die behaupten, Ihn zu kennen, deren Handlungsweise aber im Widerspruch dazu steht! Die einen entstellen Seine Güte oder vereiteln Seine Barmherzigkeit, die andern bestreiten Seinen göttlichen Ursprung oder behindern Seine Macht. Jesus ist also dem Wechsel menschlicher Ansichten preisgegeben. Der Heiland weiß es und leidet darunter, denn wer Ihn nicht als den anerkennt, der Er ist, kann des Heiles nicht teilhaftig werden, das Er doch allen bringen möchte. Was weiß und sagt man in deiner Umgebung von Jesus? Betrübe dich mit dem Heiland über jene, die Ihn nicht kennen wollen, und leiste Ihm herzlich Abbitte!



05.11.2019
141. Die Heilung des Blinden von Bethsaida
(Mt 8)

II Jesus gibt dem Kranken das Gesicht wieder
Er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn vor das Dorf hinaus. Dann benetzte Er seine Augen mit Speichel, legte ihm seine Hände auf und fragte ihn: «Siehst du etwas?»
Erfasse auch du die Hand des Heilands und folge Ihm vor das Dorf hinaus! Wohin führt Jesus jene, denen Er das Licht wiedergeben will? Er führt sie in die Einsamkeit, dort findet man das Licht wieder. Das Wort Gottes ist das Licht der Seele. Die Einsamkeit, welche die Seele von dem geräuschvollen Getriebe der Welt loslöst, lässt sie das Wort Gottes im Glanz seiner Wahrheit erkennen. Gott spricht immer zu uns, aber um Ihn zu hören, muss man sich dem Lärm der Außenwelt entziehen. Wenn du dies erwägst, wird dir die häufigste Ursache deiner mangelhaften Einsicht in Sachen des Heiles klar werden.
Indessen genügt es nicht, sich vom Heiland in die Einsamkeit führen zu lassen, wir müssen Ihn an uns arbeiten lassen, wie Er es für gut findet. Wie geht die göttliche Weisheit hier zu Werk? Sie schreitet stufenweise voran. Jesus heilt nicht immer durch ein einziges Wort oder Zeichen, damit wir lernen, aus seinen sinnbildlichen Handlungen geistlichen Nutzen zu ziehen. So sehr der Heiland auch wünscht, die begonnene Heilung zu vollenden, so richtet Er doch die Wirksamkeit seiner Gnade allzeit nach dem Grade des Glaubens, der Ihm entgegengebracht wird. Der Glaube ist das Maß für die Gaben Gottes.
Jesus fragte den Blinden, ob er etwas sehe. Da blickte er auf und sprach: «Ich sehe die Menschen wie Bäume umhergehen.» Beachte diese Antwort! Nach einer ersten Erleuchtung durch die Gnade ist das Licht der Seele unbestimmt, das Urteil über manche Dinge ist sehr unvollkommen. Man hält manchen Fehler für eine Tugend, man kann sich nicht entscheiden über die Maßregeln, die man ergreifen muß, um sich vor Fehltritten zu bewahren. Man täuscht sich über die Gefahren, die von einer schlecht bekämpften Leidenschaft drohen, oder über die Wichtigkeit gewisser geistlicher Übungen. Den Forderungen von unbedingter Notwendigkeit mißt man nur geringe Bedeutung zu.
Was ist da zu tun? Sich nicht wundern und sich nicht entmutigen lassen, sondern auf den Heiland vertrauen! — Danach legte Er ihm die Hände noch einmal auf seine Augen. Da ward er wieder hergestellt, so daß er alles deutlich sah. Diese Worte sind besonders für dich geschrieben. Werde ja nicht mutlos nach den ersten unvollkommenen Versuchen zur Besserung, sondern ergreife die Hand Jesu, und laß dir auch von jenen helfen, die seine Stelle bei dir vertreten! Erflehe dir neue Gnadenhilfe. Die Reichtümer göttlicher Erbarmung sind unerschöpflich. Man gelangt nur Schritt für Schritt zur klaren Erkenntnis der ewigen Wahrheiten. Bleibe nicht auf halbem Weg stehen! Wenn du Fortschritte machen willst, so tue alles, was der Heiland dem Kranken anempfiehlt, und, wie er, wirst du zu vollkommener Klarheit gelangen.



04.11.2019
141. Die Heilung des Blinden von Bethsaida
(Mt 8)

I Jesus hört die Bitten zugunsten des Blinden gütig an
Und sie kamen nach Bethsaida. Da brachte man einen Blinden zu Ihm und bat Ihn, dass Er ihn berühre.
Der göttliche Meister steigt mit Seinen Jüngern bei Bethsaida ans Land. Überall, wohin Er kommt, bringt Er allen Licht, die danach verlangen. Begrüße deinen Heiland in Liebe. Er kommt ja auch für dich.
Man führt Jesus einen Blinden zu. Stelle du selbst den Kranken dem Heiland vor, und bitte für ihn! Sein Herz ist immer den Leidenden offen, aber, um ihnen zu helfen, wartet Er, dass liebevolle Seelen sie Ihm zuführen. Betrachte den Blinden näher und erkenne darin dein Ebenbild! Bist nicht auch du in mancher Hinsicht blind wie er? Dieser arme Blinde kennt die Gründe nicht, weshalb Gott diese Prüfung über ihn verhängt hat, noch ahnt er, welches Glück die göttliche Vorsehung ihm heute auf seinem Weg bereitet. So fehlt es auch dir an Licht in Bezug auf dein letztes Ziel, auf den Gebrauch, den du von den Geschöpfen machen sollst, und auf die Tragweite deiner täglichen Pflichten und Prüfungen. Nur dunkel gewahrst du das übernatürliche Verdienst, welches geduldig ertragene Leiden in sich bergen. Von Gott erhältst du alles, aber dein Blick findet Ihn nicht. Überall ist Gott bei dir, und doch siehst du Ihn fast nirgends. So nahe dich denn gläubig dem Heiland und flehe um Erleuchtung, Er ist ja das Licht der Blinden!



03.11.2019
140. Vom Sauerteig der Pharisäer
(Mt 16, Mk 8)

II Er wirft ihnen ihren Mangel an Vertrauen und Hingebung vor
Da dachten sie bei sich und sprachen zueinander: «Es ist, weil wir kein Brot haben.»
Die Apostel missverstehen den Sinn der Worte ihres Meisters, und dies gibt dem Heiland Veranlassung zu einer zweiten Belehrung, die dir nicht weniger notwendig ist als die erste. Sie werden sich ihrer Vergesslichkeit bewusst und glauben nun, in den Worten Jesu liege eine Anspielung darauf und ein Tadel für sie. Noch kennen sie ihren Meister nicht genug. Manche von ihnen denken, Er überwache die Seinen, um sie bei Fehlern zu ertappen. Vor allem übersehen sie, dass ihr gütiger Meister, dem sie folgen, alle Vergesslichkeit wieder gutmachen und alle Lücken wieder ausfüllen kann. Der Fehler, dessen sie sich schuldig machen, ist sehr verschieden von dem Fehler, dessen sie sich schuldig glauben. Jesus macht es ihnen klar. Wer nicht in allem auf den Heiland zählt, der misstraut Ihm und fügt Seinem Herzen eine schmerzliche Wunde zu. «Was überlegt ihr untereinander, Kleingläubige, dass ihr kein Brot habt? . Erinnert ihr euch nicht an die fünf Brote für die fünftausend Mann? Kann Ich nicht Überfluss schaffen, wo Mangel herrscht?» Es betrübt Jesus, so wenig Verständnis bei den Aposteln zu finden.
Wirf dich mit den Aposteln demütig zu Seinen Füßen, und bekenne Ihm auch deine Schuld! Die Erinnerung an deine Vergangenheit sollte in der Tat genügen, aus deinem Herzen auf immer alles Misstrauen und alle Unruhe zu verbannen. Gewiss ist, dass es keinen Grund und keinen Vorwand gibt, dem Heiland zu misstrauen. Es ist nicht vernünftig, sich ängstlich um den morgigen Tag zu sorgen, wenn man in Seiner Gesellschaft lebt. Überlass dich ganz Seiner liebreichen Vorsehung. Beunruhige dich nicht mehr wegen Seiner Anordnungen! Verlass ich hinsichtlich deiner Bedürfnisse vertrauensvoll auf Ihn, und glaube fest, Er werde es nicht versäumen, zur rechten Zeit und am rechten Ort deinem Elend abzuhelfen und deine Unterlassungen wieder gutzumachen.
Da verstanden sie, dass Er nicht gesagt hatte, sie sollten sich vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer hüten. Präge dir diese Warnung Jesu tief ein, sie ist in unserer Zeit mehr als je an ihrem Platz.



02.11.2019
140. Vom Sauerteig der Pharisäer
(Mt 16, Mk 8)
I Jesus warnt Seine Jünger vor dem Stolz der Pharisäer
Damit ließ Er sie stehen, stieg wieder in das Boot und fuhr an das andere Ufer. Sie hatten vergessen, Brot mitzunehmen. Nur ein einziges Brot hatten sie bei sich im Boot. Da warnte Er sie und sprach: «Seht zu, nehmt euch in acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes.»
Nimm im Schifflein der Apostel neben Jesus Platz! Er führt die Seinen weit weg von den Gefahren, die sie ins Verderben stürzen könnten. Seine Worte enthalten eine Warnung, die als Schlussfolgerung zu dem vorhergehenden Zwischenfall angesehen werden kann. Er erinnert sie an das, was sie gerade gesehen und gehört haben, und sagt: Nehmt euch vor den Pharisäern in acht! Hütet euch, mit ihnen Gespräche anzuknüpfen, auf ihre Spitzfindigkeiten und Scheingründe einzugehen! Geht den Fallstricken aus dem Weg, die sie eurer Einfalt legen. Der Geist des Stolzes, der sie erfüllt, ist ein Sauerteig, der den Glauben schädigt und die Seelen verdirbt.»
Es kommt auch für dich viel darauf an, diese Warnung des Heilands richtig zu erfassen und zu befolgen. Im Welt-Betriebe nimmt die Lüge gar manchmal den Schein der Wahrheit und das Böse den Schein des Guten an. Wachsamkeit ist folglich geboten. Hast du das nicht schon erfahren? Bist du nicht schon mehr als einmal getäuscht und betrogen worden? Lerne unterscheiden zwischen dem, was von Gott kommt, und dem, was von den Menschen herrührt. Wie notwendig ist es für dich, die Regungen der Gnade und jene der Natur auseinanderzuhalten bei den Entscheidungen, die du treffen musst, und den Beziehungen, die du anzuknüpfen hast!



01.11.2019
139. Ein Zeichen der Zeit
(Mt 16,Mk 8)

II Er weigert sich, neue Wunder vor ihnen zu wirken
«Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen vom Himmel. Doch wird ihm kein anderes Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jonas.»
Höre den Heiland seufzen und klagen. Die Weigerung seiner Widersacher, an Ihn zu glauben, betrübt sein Herz. Er leidet unter dem Zwang, diese Menschen sich selbst zu überlassen. Sein Herz blutet, weil Er ihnen nichts Gutes mehr erweisen kann.
Welchen Vorwurf fügt der göttliche Meister Seiner Klage bei? «Dieses Geschlecht ist ehebrecherisch», sagt er traurig. Unter der Herrschaft der Leidenschaften hat es den Treuebund gebrochen, den es mit Gott geschlossen hatte. Diese Menschen sind tief gefallen. Der Ungläubige verlangt immer neue Glaubensbeweise; statt dessen sollte er um ein neues Herz bitten. Warum ist er mit so großer Blindheit in Sachen des Glaubens geschlagen? Weil das Herz den Geist irreleitet. Wären diese Menschen reinen Herzens, so würden sie sich bald in kindlichem Glauben Gott unterwerfen.
Jesus überlässt die verderbten Pharisäer und Sadduzäer ihrer Verblendung. Beklage ihr Schicksal! Erwecke in dir ein lebendiges Verlangen, jene, die in Gefahr schweben, der Finsternis zu entreißen!



31.10.2019
139. Ein Zeichen der Zeit
(Mt 16,Mk 8)

I Jesus trifft mit Seinen Widersachern zusammen
Die Pharisäer und Sadduzäer baten Ihn, Er möchte ihnen ein Zeichen vom Himmel geben.
Diese Menschen stellen ein Ansinnen an Jesus, aber Er wird nicht darauf eingehen. Es gibt Menschen, denen der göttliche Erlöser nicht antworten und Geister, die Er nicht erleuchten will. Was für Menschen sind das? Es sind Pharisäer, d.h. Heuchler, es sind Sadduzäer, d.h. Gottlose, beides sind hoffärtige Menschen. Aus welchem Grund begehren sie ein neues Wunder von Jesus? Um Ihm zu widersprechen, wenn Er es wirkt. Um Ihn zu verschreien, wenn Er es nicht wirkt. An allem, was Jesus tut, hat diese Klasse Menschen etwas auszusetzen. Schließe daraus, wie gefahrvoll der Geist des Widerspruchs für das Seelenheil ist!
Warum sollte Gott Wunder wirken, wenn Er voraussieht, dass man sie als Waffe gegen Ihn benutzen würde? Warum jenen Erleuchtung gewähren, die dieses Licht nur missbrauchen, um neue Streitfragen aufzuwerfen? Läutere deine Absicht, und wenn du die Wahrheit suchst, so weise den törichten Stolz von dir. Du hast mehr als je Licht nötig, um besser zu erkennen, was dir fehlt, und um klarer die Notwendigkeit deiner Besserung einzusehen. Zeige dich der übernatürlichen Erleuchtung würdig, indem du alle falsche Gelehrsamkeit und spitzfindige Zweifelsucht entschieden von dir weist! Bringe dem himmlischen Vater durch die Hände Seines vielgeliebten Sohnes das Opfer deiner Eigenliebe dar, und werde in Sachen des Glaubens einfach wie ein Kind!



30.10.2019
138. Die zweite Brotvermehrung
(Mt 15, Mk 8)

III Jesus entlässt die Menge
Von den Stücklein, die übriggeblieben waren, hoben sie noch sieben Körbe auf. Es waren gegen Viertausend, die gegessen hatten. Und Er entließ sie.
Was wird das Volk tun, jetzt, da es gesättigt ist? Welchen Gebrauch wird es von den Kräften machen, die ihm geschenkt wurden? Diese Frage solltest auch du dir nach jeder heiligen Kommunion stellen. «Wie kann ich die Gnaden, die der Heiland mir gegeben hat, verwerten? Jede Wohltat muss ich zu Seiner Verherrlichung gebrauchen.» So lege deine guten Vorsätze zu den Füßen des Heilands nieder!
Doch das ist nicht alles. Gedenke auch jener, zu denen du nach der heiligen Kommunion zurückkehren wirst. Sammle die Brosamen des himmlischen Festmahles und bringe sie ihnen! Zeige dich so sanft und liebreich, so geduldig und pflichtgetreu, dass in allen der Wunsch geweckt wird, mit dir am Gnadentisch des Herrn Platz zu nehmen. Diese Art der Danksagung erwartet Jesus von dir, säume nicht länger, sie Ihm zu entrichten! Preise laut mit der freudig heimkehrenden Menge den himmlischen Vater, Der so liebevoll für Seine Kinder sorgt!



29.10.2019
138. Die zweite Brotvermehrung
(Mt 15, Mk 8)

II Jesus sättigt alle, die bei Ihm ausgeharrt haben
Seine Jünger erwiderten Ihm: «Woher soll jemand hier in der Wüste Brot nehmen, um sie zu sättigen?» Er fragte sie: « Wieviel Brote habt ihr?» Sie antworteten: «Sieben.»
«Woher Brot nehmen für diese Schar?» fragen sich die ratlosen Jünger. Antworte du den Aposteln, und verscheuche ihre Besorgnis: «Jesus, der alles vermag, ist bei uns. Er ist der allmächtige Herr der Schöpfung, Seine Macht kommt Seiner Güte gleich.» Wie darf ich mich da je in Seiner Nachfolge beunruhigen? Wie sollte Er, der mich unter die Zahl Seiner Jünger aufgenommen hat, mir nicht einen Platz an Seinem Tisch gewähren? Als Jünger gehöre ich ja zu seinen glücklichen Hausgenossen.
Nun hieß Er das Volk, sich auf den Boden niederzulassen. Dann nahm Er die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie Seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volke. Betrachte, wie Jesus Seinen Kindern den Tisch bereitet! Wer darf Ihm dabei behilflich sein? Die Apostel, diese zukünftigen Priester Seiner Kirche. Durch Vermittlung der Priester wirst auch du des Lebensbrotes teilhaftig. Wer es nicht aus ihrer Hand empfangen will, wird aus eigener Schuld vor Hunger und Elend umkommen. Alle aßen und wurden satt. Erwecke in dir ein lebhaftes Verlangen nach dem Seelenbrot, das Jesus für dich bereit hält. Im Verhältnis zu deiner Vorbereitung wird Seine Wirksamkeit gesteigert, und du wirst in Seinem Genuss eine Sättigung empfinden, wie kein Gut der Welt sie dir bieten kann. Solche Wunder kann nur Jesus wirken, aber Er verlangt dein Zutun. Wenn du dich daher an Seinem heiligen Tisch einfindest, ohne etwas zur Vorbereitung getan zu haben, so wundere dich nicht, wenn du nichts empfindest und keine Wirkung verspürst.
Suche reiche Frucht aus diesen Gedanken zu ziehen! Empfange in heiliger Sammlung deinen Anteil am Brote Jesu, sättige dich daran mit all den Glücklichen, die mit dir zu Tische sitzen.



28.10.2019
138. Die zweite Brotvermehrung
(Mt 15, Mk 8)

I Jesus sorgt auch für das zeitliche Wohl der Seinen
In jenen Tagen war wieder eine große Volksschar beisammen und hatte nichts zu essen. Da rief Er Seine Jünger zu Sich und sprach zu ihnen: »Mich erbarmt des Volkes. Schon drei Tage harren sie bei Mir aus und haben nichts zu essen. Wenn Ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, so brechen sie unterwegs zusammen, manche von ihnen sind ja weit hergekommen.»
Finde dich abermals bei Jesus in der Wüste ein, Der sich ganz in den Dienst Seiner hilfsbedürftigen Brüder stellt. In welcher Seelenverfassung ist die Menge, die Ihn umgibt? Sie hungert und dürstet nach einem Wort aus dem Munde Jesu. Je mehr sie hört, desto mehr verlangt sie zu hören. Nichts lenkt ihre Aufmerksamkeit ab, sogar die körperlichen Bedürfnisse und die irdischen Geschäfte vergisst sie. Muss da der Heiland nicht für sie sorgen?
Bewundere die Güte des Herzens Jesu. Der Heiland erhebt Seinen Blick und wird von Mitleid gerührt. Ihm ist besser als irgend jemand bekannt, wie groß die Anstrengungen sind, welche diese armen Leute gemacht haben, um sich ihren gewöhnlichen Beschäftigungen zu entziehen. Er weiß, was sie verlassen haben, um zu Ihm zu kommen, und was sie ertragen haben, um drei Tage bei Ihm auszuharren. Und Er spricht voll liebreichen Mitleids: «Mich erbarmt des Volkes. Diese Menge verdient in der Tat, dass ich ihr durch ein Wunder zu Hilfe komme.»
Wie groß ist die zarte Sorge des Herzens Jesu für die Schar, die Ihm nur drei Tage gefolgt ist! Was wird Er da erst für jene empfinden, die Ihm alle Tage ihres Lebens geweiht haben, besonders, wenn Er weiß, dass sie Ihm aus Liebe und nicht aus eigenem Interesse folgen.



27.10.2019
137. Der Gott Israels
(Mt 15)

II Das Volk preist den Gott Israels
Als das Volk sah, wie Stumme redeten, Kranke gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten, erstaunte es und pries den Gott Israels.
Verweile noch länger beim Heiland, und genieße Seine Gegenwart! Erinnere dich zu Füßen deines Erlösers an alle Erweise Seiner Barmherzigkeit!
Ihm verdankst du alles, was du hast und bist, Ihm zuliebe hat Gott Sich deiner erbarmt. Du warst nichts, Er hat dir das Sein gegeben. Du konntest nichts beanspruchen, Er hat dir ein Königreich bereitet. Du hattest dich verirrt, und Er hat dich zurückgeführt. Du warst blind, und Er hat dir das Augenlicht geschenkt. Du warst stumm, und Er löste dir die Zunge. Du warst zu schwach, um auch nur einen Schritt zu gehen, Er aber hat dir Kraft verliehen. Er gibt dir die Menschen, die du lieb hast und die dich trösten, wenn du traurig bist. Er sendet Seine Engel, um über dich zu wachen. Er schenkt dir alle Seine Güter und überdies noch Sein Herz.
Was willst du dem Herrn vergelten für alles, was Er an dir getan hat? Frage Ihn vertraulich, womit du Ihm deine Dankbarkeit beweisen kannst! Er weist dich auf die Volksmenge hin und fordert dich auf, nach ihrem Beispiel den Gott Israels zu verherrlichen.
Verstehst du die dankbare Begeisterung dieser Schar? Vom Heiland, den sie auf dem Berg getroffen hat, steigt sie zu Jenem empor, Der Ihn gesandt hat. In den Werken des Sohnes preist sie den himmlischen Vater. In den Werken des Menschensohnes erkennt sie die Wunderkraft Gottes. Lobe auch du Gott für alles, was Er durch Jesus Christus in dir gewirkt hat, und weihe dein ganzes Leben Seinem Preis und Seiner Ehre!



26.10.2019
137. Der Gott Israels
(Mt 15)

I Jesus erweist dem Volk Seine allmächtige Güte
Von dort zog Jesus weiter und kam an den Galiläischen See. Er stieg auf einen Berg und setzte sich dort nieder. Da sammelten sich um Ihn große Volksscharen. Die brachten Lahme, Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere mit und legten sie zu Seinen Füßen. Und Er heilte sie.
Nahe dich mit den Kranken dem Heiland! Jesus hat noch soeben einen Unglücklichen wunderbar geheilt. Aber Seine Güte ist unermüdlich. Auch du darfst keine Ermüdung kennen, wenn es gilt, den Herrn zu suchen und Ihm zu folgen.
Betrachte diese Menschenschar, die zu Ihm eilt. Höre ihre begeisterte Bewunderung, ihr dringendes Flehen, ihren freudigen Dank! Der Heiland ist wirklich inmitten der Seinen, inmitten der Kleinen, Armen und Kranken. Siehe, wie gut Er ist! Er nimmt jedermann liebreich auf. Zu jeder Stunde darf man zu ihm kommen. Es gibt kein Leid, das Ihm nicht zu Herzen ginge. Das kannst du an dir selbst erfahren, wenn du Ihm dein Elend klagst.
Kranke aller Art eilen zu Ihm. Wer Ihn einmal sah, möchte Ihn immer wieder sehen. Wer Ihn gehört hat, wird nicht müde, Ihm aufs neue zu lauschen. Wer durch Seine Handauflegung den Gebrauch seiner Glieder wieder erlangt hat, führt Ihm andere Kranke zu, damit auch ihnen die gleiche Wohltat zuteil werde. Das Vertrauen ist ein mächtiger Strom, der alles mit sich fortreißt. Lass auch du dich von der allgemeinen Bewegung ergreifen! Suche darum den Blick des Heilands, der Leben spendet. Küsse die Hand, die Wunder wirkt. Sage dem Herrn alles, was dich drückt. Bring zu Ihm alle, die du liebst und die Seiner bedürfen! Begnüge dich nicht damit, den Heiland bloß anzuschauen und den Glauben der Menge zu bewundern. Du musst alles, was das Volk an diesem Tage von Ihm erhielt, auch für dich erlangen wollen.



25.10.2019
136. Die Heilung des Taubstummen aus dem Gebiet der Dekapolis
(Mk 7)

II Jesus gibt ihm Gehör und Sprache wieder
Er nahm ihn abseits vom Volk, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel. Dann blickte Er seufzend zum Himmel auf und sprach zu ihm: «Epheta!», das heißt: «Tu dich auf.»
Beobachte aufmerksam, was Jesus tut! Zuerst führt Er den Taubstummen beiseite. Nur in der Einsamkeit kann eine Seele genesen, die der Lärm der Welt betäubt oder der falsche Glanz der irdischen Güter geblendet hat. In stillen Stunden des Gebetes muss sie den Heiland aufsuchen, sich mit Ihm von aller Welt absondern und sich Seinem Wirken überlassen.
Folge dem Heiland und beobachte, wie Er den Taubstummen behandelt! Welcher Mittel bedient Er sich zur Heilung des Kranken? Wie geht Er bei diesem Wunder zu Werk? Merke hier, wie der Sohn Gottes mit ganz kleinen Dingen außerordentlich Großes wirkt. Ja, Er geht in Seiner Wundermacht noch weiter. Was nach menschlichem Ermessen ein Hindernis wäre, wird in der Hand des Sohnes Gottes ein Mittel zum Heil. Im Dienst eines solchen Meisters darf Entmutigung nicht aufkommen.
Nachdem Jesus die Heilung auf diese Weise eingeleitet hat, erhebt Er Seine Augen zum Himmel und seufzt. Der Sohn Gottes nimmt als unser Bruder herzlichen Anteil an dem Elend der Menschheit, das Er dem himmlischen Vater vorstellt. Sein Gebet öffnet den Himmel, und die allmächtige Kraft Gottes steigt hernieder, um die Fesseln der Seelen zu lösen.
«Alsbald öffneten sich seine Ohren, das Band seiner Zunge wurde gelöst, und er fing an, recht zu reden.» Recht reden heißt soviel, als nur reden, was Gott gefällt und auf eine Weise, die Ihm zur Ehre gereicht. In dieser Hinsicht lasse auch du dich von Jesus heilen. Stimme in den Dank des Volkes ein, das freudig ausruft: «Er macht alles gut.» Eine Sache gut machen heißt nach dem Beispiel des Heilandes einzig, die größere Ehre Gottes als Beweggrund und Ziel im Auge haben. Gerade das macht seine Werke so schön und so fruchtbar.



24.10.2019
136. Die Heilung des Taubstummen aus dem Gebiet der Dekapolis
(Mk 7)

I Der Taubstumme wird zu Jesus geführt
Er zog aus dem Gebiet von Eyrus wieder weg und kam über Sidon an den Galiläischen See, mitten durch das Gebiet der Dekapolis.1 Da brachte man zu Ihm einen Taubstummen mit der Bitte, Er möge ihm die Hand auflegen.
Jesus lädt dich ein, mit Ihm an das Ufer des Galiläischen Meeres zurückzukehren. Auch dort will Er die Leidenden aufsuchen, um ihnen die Schätze seiner unerschöpflichen Güte zu bringen.
Ein Taubstummer verlangt, von Ihm geheilt zu werden. Habe Mitleid mit diesem Unglücklichen, und sei sein Anwalt bei Jesus! Die Heilung, die du zu seinen Gunsten erbittest, wird nicht ohne wohltätigen Einfluss auf dich selbst sein. Hast nicht auch du notwendig, dass Jesus dir zu Hilfe komme, um dich von den Krankheiten deiner Seele zu heilen?
Es gibt eine geistige Taubheit, die das Ohr den guten Ratschlägen, den geistlichen Unterweisungen, den göttlichen Einsprechungen und den Bitten der Notleidenden verschließt. Leidest du vielleicht an dieser Taubheit? Wahrscheinlich rührt dies daher, dass du nur mit halber Aufmerksamkeit auf die Stimme Gottes in deinem Innern hörst oder dass der Lärm der Geschöpfe dich betäubt. Und fehlt dir nicht auch die Sprache, wenn du von Gott reden sollst? So eile denn mit dem Kranken zu Jesus, um Seine Wunderkraft an dir zu erfahren und durch Auflegung seiner Hände von deinen geistigen Gebrechen geheilt zu werden!
1 Fast das ganze Gebiet Dekapolis lag östlich vom See Tiberias. Diesen Verband von zehn freien, halb heidnischen Städten hatten die Juden nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft nicht unterwerfen können.



23.10.2019
135. Die kananäische Frau
(Mt 15, Mk 7)
III Jesus prüft den Glauben der Kananäerin und erhört sie
Indes kam sie heran, fiel vor Ihm nieder und sprach: «Herr, hilf mir!» Und sie bat Ihn, dass Er den bösen Geist von ihrer Tochter austreiben möchte.
Betrachte das Verhalten dieser armen Heidin, und lass dich von ihrem Beispiel zu gleicher Standhaftigkeit im Vertrauen ermutigen! Sie will um jeden Preis Erhörung finden und geht geradewegs auf ihr Ziel zu, ohne sich um Fürsprache zu bemühen. Es liegt ihr einzig daran, Jesus zu zeigen, wie fest sie von Seiner Güte überzeugt ist, trotz Seiner ablehnenden Haltung ihr gegenüber. Sie kennt den Heiland besser als du. «Meister, hilf mir!» ruft sie immer wieder. Genügt dies noch nicht, um erhört zu werden? Ohne Zweifel, aber der Heiland will den Seelen, die weniger Mut, Vertrauen und Demut haben, ein herrliches Beispiel vor Augen führen. Darum richtet Er so harte, beschämende Worte an diese Frau, die doch der Erhörung so würdig war.
Er aber sprach zu ihr: «Lass erst die Kinder sich sättigen, denn es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hündlein hinzuwerfen.»1 Nimm kein Ärgernis an diesen Worten, sondern lerne, dass das Gebet ein Kampf und die Erhörung ein Sieg ist, den du davontragen sollst. Wenn du dies recht bedenktest, würdest du im Gebet nicht so schnell ermüden und dich nicht beklagen, falls Gott dich zuweilen lange um die Erhörung ringen lässt. Gestehe mit Beschämung, dass diese Heidin besser zu beten weiß als du.
Sieh, wie sie sich gleichsam vernichtet zu den Füßen dessen, Den sie anfleht! Bewundere ihren Glauben in den Demütigungen, die sie erträgt! Sie erwiderte Ihm: «Ja Herr, aber die Hündlein unter dem Tisch essen von den Brosamen der Kinder.» Ich lasse mich gern von Dir mit Füßen treten, wenn diese Demütigung die geringste Deiner Gaben auf mich herab zieht. Ich will ja nur die Brosamen von Deiner festlichen Tafel auflesen.
Nicht länger kann der Heiland so großem Vertrauen und so tiefer Demut widerstehen, freudig ruft Er aus: «O Frau, dein Glaube ist groß!» Also nur um ihren Glauben und ihre Demut zu prüfen und zu steigern, zögerte Er mit der Gewährung ihrer Bitte. Gott demütigt die Seinen nur, um sie auf den Empfang größerer Gnaden vorzubereiten. Wenn Er dich erniedrigt, will Er dich erheben!
«Dir geschehe, wie du willst», fährt Jesus fort. Freue dich mit der glücklichen Frau ihres Erfolges! Ihr hast du es zu verdanken, dass du nun besser weißt, wo der Schlüssel zu den Schätzen Gottes zu finden ist und welchen Seelen Gott Seine Reichtümer zur Verfügung stellt. Lerne von ihr, dich mit ganzer Seele für das einzusetzen, worum du bittest. Wisse, dass bitten wollen heißt und dass für den wahren Jünger Jesu Christi wollen und erlangen eins sind. Richte dich in Zukunft nach diesen Grundsätzen!
1 Dieser Ausdruck war bei den Juden gebräuchlich, um die Heiden zu bezeichnen.



22.10.2019
135. Die kananäische Frau
(Mt 15, Mk 7)

II Jesus antwortet nicht auf die Bitten der Frau
Die Frau rief: «Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Geist sehr geplagt.» Er aber würdigte sie keines Wortes.
Höre den Bittruf dieser Frau: «Erbarme Dich meiner!» Das ist alles, was sie zu sagen weiß.
Warum siehst du beim Gebet so sehr auf die Form? Das beste Gebet ist oft nur ein Angstschrei der Seele. Wenn man sich seiner Not lebhaft bewusst ist und bedenkt, an wen man sich wendet, dann betet man gut. Ein einziges Wort genügt Demjenigen, Der die Macht besitzt, augenblicklich zu helfen.
Warum antwortet ihr der Heiland nicht? Kann es ein Gebet geben, das keinen Widerhall in Seinem Herzen weckt? Das Schweigen Jesu ist hier Aufforderung zur Beharrlichkeit. Er schiebt die Erhörung unserer Bitten auf, um die Inbrunst unseres Flehens zu vermehren.
Die Jünger legen Fürbitte ein. Lerne von ihnen, für die einzutreten, die von der Welt verachtet werden. Da traten Seine Jünger hinzu, baten Ihn und sprachen: «Entlasse sie, denn sie schreit hinter uns her. Wenn Du nicht um ihretwillen ihre Bitte erhörst, so tue es unsertwegen.» Aber die Sache der armen Frau scheint aussichtslos, denn Jesus antwortet: «Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.» — Man muss den Zusammenhang richtig verstehen, um sich durch dieses Wort nicht entmutigen zu lassen. Die Handlungsweise Jesu zeigt zur Genüge, dass auch die Fremdlinge teilhaben können an den Gütern, die den Kindern Israels zugedacht waren. Wer an die Güte Jesu glaubt, erwirbt sich gleichsam Bürgerrecht in Israel. Ein unerschütterliches Vertrauen ist alles, was Jesus von der betenden Seele verlangt, aber diese Forderung ist bei Ihm unerlässlich.



21.10.2019
135. Die kananäische Frau
(Mt 15, Mk 7)

I Jesus verlässt Galiläa, um sich Seinen Feinden zu entziehen
Von dort ging Jesus weiter und zog in die Gegend von Tyrus und Sidon.
Da kam eine kananäische Frau aus jener Gegend und warf sich Ihm zu Füßen.
Er trat in ein Haus und wollte, dass es niemand erfahren sollte. Er konnte aber nicht verborgen bleiben. Denn kaum hatte eine Frau, deren Tochter einen unreinen Geist hatte, von Ihm gehört, so ging sie sogleich hinein und warf sich Ihm zu Füßen.
Mache das einsame Haus ausfindig, wohin Jesus Sich zurückgezogen hat, und betritt es in heiliger Sammlung! Jesus verbirgt Sich ja nur, um uns einzuladen, Ihn aufzusuchen.
Eine Frau eilt dem Heiland auf Seinem Weg entgegen. Es ist eine von Leiden heimgesuchte Seele, von der du lernen kannst, die Last deines Elends in das Meer der göttlichen Barmherzigkeit zu versenken. Eine arme Heidin lehrt dich, wie du beten sollst. Ohne es zu wissen, offenbart sie der Welt, welch unwiderstehliche Gewalt ein festes Vertrauen auf das Herz Jesu ausübt.
Noch weiß die Kananäerin kaum, wer Jesus ist, und schon hofft sie auf Ihn. Eines zwar weiß sie von Ihm, dass Er gut ist, dies genügt für den Augenblick. Auf die erste Nachricht Seines Kommens eilt sie Ihm entgegen. Was könnten wir nicht alles erlangen, wenn wir wie sie den leisesten Anregungen der Gnade folgten. Preise sie glücklich ob ihrer Bereitwilligkeit, und bestärke sie in ihrem Vertrauen auf die Güte des Heilandes.



20.10.2019
134. Von der wahren Frömmigkeit
(Mt 15, Mk 7)

II Jesus lehrt, die wahre Frömmigkeit von der falschen zu unterscheiden
Da sprach Petrus zu Ihm: «Erkläre uns dieses Gleichnis.» Er sprach: «Seid auch ihr noch unverständig? Seht ihr nicht ein, dass alles, was in den Mund eingeht, in den Magen kommt und dann ausgeschieden wird? Was aber aus dem Mund kommt, stammt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Gotteslästerung. Das macht den Menschen unrein, aber mit ungewaschenen Händen essen, das macht den Menschen nicht unrein.» Die Jünger haben noch nicht ganz verstanden, was der göttliche Meister sie lehren wollte, darum bittet Petrus um eingehende Erklärung. Jesus macht ihnen nun Seine Lehre deutlich: «Gott sieht nicht auf das Äußere, sondern auf das Innere. Der Mensch ist rein oder unrein in den Augen Gottes, je nach der inneren Gesinnung, die ihn belebt, und nicht einzig nach den Übungen, die sein äußeres Leben ordnen.» Der Weltmensch trägt Sorge für das Äußere, der Christ für das Innere. Wer sich nur auf die äußeren Übungen der Frömmigkeit beschränkt, der zieht sich gerade dadurch ein um so strengeres Gericht zu. Solcher Art ist die Frömmigkeit der Pharisäer von damals und von heute. Nach außen stellen sie sich bescheiden, während ihr Inneres voll Hochmut ist, sie behandeln ihren Körper hart, lassen aber ihren Launen freies Spiel. An selbstgewählten Andachtsübungen halten sie fest, wissen aber nichts von Sanftmut, Güte und Geduld.
Äußere Verunreinigungen beflecken das Herz nicht, aber das Böse, das aus dem Herzen kommt, befleckt den ganzen Menschen. So wie das Gute dem Herzen entsprießt, so keimt dort auch das Böse, das den Menschen vor Gott entehrt. Im Herzen wurzelt und wächst es und zeitigt die Früchte sündhafter Taten. Aus dem Innern kommen die bösen Gedanken, Ehebruch, Geiz, Verstellung, Falschheit, Betrug, Neid, Verleumdung und alle sündhaften Begierden. Das alles kommt aus dem Innern und verunreinigt den Menschen. Wie lebhaft deine Einbildungskraft auch gereizt sein mag, wie heftig die Regungen der niederen Triebe auch sein mögen, solange du nicht freiwillig dein Herz den Lockungen zum Bösen öffnest, bleibt dein Gewissen vollkommen rein. Lass dir die sorgfältige Bewachung deines Herzens angelegen sein, und weil Gott vorzugsweise das Herz verlangt, so weihe Ihm das deine rückhaltlos durch die Hände Seines Sohnes!



19.10.2019
134. Von der wahren Frömmigkeit
(Mt 15, Mk 7)

I Jesus verurteilt die falschen Lehren und ihre Urheber
Da traten Seine Jünger heran und sagten zu Ihm: «Weißt Du, dass die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie die Rede hörten?» Er antwortete: «Jede Pflanzung, die Mein himmlischer Vater nicht angelegt hat, wird ausgerottet werden.»
Höre, wie die Apostel dem Herrn mitteilen, welchen Unwillen Seine Worte hervorgerufen haben. Die Pharisäer sind über die strenge Zurechtweisung erbittert. Statt sich die Rüge zu Herzen zu nehmen und ihr Gewissen zu erforschen, zürnen sie Dem, Der sie erteilt hat. So macht es der Stolz. Du musst dich daher demütigen, wenn du dich ernstlich bessern willst.
Was antwortet Jesus ? «Jede Pflanzung, die Mein himmlischer Vater nicht angelegt hat, wird ausgerottet werden.» Diese rein äußerlichen Übungen und Menschensatzungen gleichen Schmarotzerpflanzen auf bebautem Erdreich, die der Gärtner ausreißt. Gott allein steht es zu, uns Pflichten aufzuerlegen, und heilig ist nur das, was Sein Wille geheiIigt hat. Die ganze Religion besteht in der Beobachtung Seiner Gesetze, alles andere ist unnütz oder schädlich.
Diese Auffassung Jesu muss die Richtschnur deines Lebens werden. Das Urteil übelwollender Menschen darf dich darin nicht irre machen. «Lasst sie! Sie sind blinde Blindenführer. Wenn aber der Blinde den Blinden führt, fallen beide in die Grube!» Beunruhige dich nicht über ihre Reden. Handle, als ob sie nichts gesagt hätten. Tue recht und scheue niemand!



18.10.2019
133. Von der pharisäischen Frömmigkeit
(Joh 7, Mt 15, Mk 7)

II Jesus verurteilt die falsche Frömmigkeit
«Ihr Heuchler! Treffend hat Isaias von euch gesagt: «Dieses Volk ehrt Mich nur mit den Lippen, sein Herz jedoch ist fern von Mir. Umsonst verehrt es Mich, seine Lehre ist nur Menschensatzung.»
Freue dich, da der Heiland Seine Jünger so gut verteidigt! Unter der Leitung Jesu wird es dir immer leicht werden, den Tadel der Menschen schweigend zu ertragen. Überlass Ihm ruhig deine Verteidigung, wenn du angegriffen wirst!
Worin liegt die Ursache der falschen Frömmigkeit, die Jesus an den Pharisäern tadelt? Sie beruht in ihrer Selbstsucht. Die Pharisäer verfolgen ihr eigenes Interesse bei ihren religiösen Übungen. Sie machen die Religion ihrer Selbstverherrlichung und dem Triumph ihrer Partei dienstbar. So verkehren sie die Ordnung der Vernunft und der Liebe. Aber was vor allem der Frömmigkeit der Pharisäer fehlt, fasst Jesus in dem Wort zusammen: «Ihr Herz ist fern von Mir.» Diese Menschen lieben Gott nicht aufrichtig. Wie kann Gott ein Opfer annehmen, an dem das Herz keinen Anteil hat, da doch die Frömmigkeit nichts anderes ist als die Huldigung eines Herzens, das Gott liebt. Gott verlangt unser Herz, alles andere erachtet Er für nichts. Nimm dir diese Lehre zu Herzen, komm den Forderungen des Heilands nach und verabscheue die heuchlerische Frömmigkeit, die Jesus entschieden verwirft!



17.10.2019
Das dritte Jahr des öffentlichen Lebens Jesu
133. Von der pharisäischen Frömmigkeit
(Joh 7, Mt 15, Mk 7)

I Jesus antwortet auf die Frage der Pharisäer
Danach wanderte Jesus in Galiläa umher. Denn in Judäa wollte Er nicht mehr umherziehen, weil die Juden Ihm nach dem Leben trachteten.
Begleite den göttlichen Meister auf Seinen Wanderungen durch Galiläa. Er sucht neue Jünger zum Ersatz für jene, die Ihn verlassen haben, zugleich will Er sich seinen Feinden entziehen. Begrüße Ihn mit einem freudigen Herzen, das fest entschlossen ist, Ihm durch Treue Trost zu bieten für so manche Treulose.
Pharisäer nähern sich dem Heiland, höre ihre unzufriedene Bemerkung: «Weshalb übertreten Deine Jünger die Überlieferung der Alten? Sie waschen ja ihre Hände nicht vor der Mahlzeit.»
Sie klagen durch diese Frage die Apostel förmlich an, setzen sie herab und verurteilen sie. Beklage die Engherzigkeit dieser Pharisäer, die in der hochmütigen Überzeugung, alles zu wissen, allen ihre Ansicht aufdrängen. Die wahre Frömmigkeit ist demütig, duldsam und wohlwollend gegen alle. Dagegen ist es der falschen Frömmigkeit eigen, unter dem Vorwand religiösen Eifers unduldsam zu sein und an den geringsten Dingen Anstoß zu nehmen.
Wie verteidigt Jesus Seine Jünger? Dadurch, dass Er kühn die Angriffe der Pharisäer auf diese selbst zurückwirft. «Warum übertretet ihr selbst das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? — Meine Jünger handeln anders als ihr, ihr aber handelt schlecht. Ihr entstellt die wahre Gottesverehrung, indem ihr euren Eigenwillen an die Stelle des göttlichen Willens setzt. Indem ihr euch erlaubt, rein menschliche Verordnungen als Gottes Gebot hinzustellen und sie so anderen aufzuerlegen, greift ihr die Autorität Gottes an und gebt sie der Geringschätzung preis. Ihr stellt die Religion als eine kleinliche, bedrückende Gesetzgebung dar. Dadurch macht ihr die Menschen von ihr abwendig und flößt geraden und aufrichtigen Herzen Widerwillen und Überdruss dagegen ein.»
So äußert Jesus Seinen lebhaften Abscheu gegen die pharisäische Frömmigkeit, die ängstlich an gewissen äußeren Religionsvorschriften festhält, dabei aber die wesentlichen Pflichten außer acht lässt. Stimme der heiligen Entrüstung Jesu bei! Macht dir dein eigenes Gewissen keine Vorwürfe hinsichtlich dieser verkehrten Geistesrichtung?



16.10.2019
132. Das Geheimnis des Glaubens
(Joh 6)

II Jesus prüft die Treue Seiner Apostel
Von der Zeit an zogen sich viele Seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit Ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: «Wollt auch ihr weggehen?»
Warum wird es allmählich so leer um den Heiland? Oberflächlichkeit, Stolz, falsche Wissenschaft, übertriebene Sorge für das Zeitliche und die Sucht nach irdischen Genüssen sind die beklagenswerten Ursachen dieses Abfalls. Bedaure das Unglück dieser ungetreuen Jünger! Sie wollen nichts wissen von der Wohltat, welche der himmlische Vater durch Seinen Sohn anbietet. Lieber verzichten sie auf das himmlische Erbe.
Während sie sich entfernen, drängen sich die letzten Getreuen um ihren Meister. Geselle dich zu ihnen. Teile mit ihnen Seinen Schmerz und leiste nach Kräften Sühne für den Abfall so vieler. — «Wollt auch ihr gehen?» fragt Jesus sie, die Er vor allen andern geliebt hat. In diesen Worten liegt das tiefe Leid Seines Herzens über die Undankbarkeit der Menschen.
Antworte wie Petrus mit derselben Glaubensstärke: «Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir glauben und wissen, dass Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.» Ja, Herr, sprich auch zu mir, ich will Dich hören. Zeige mir den Weg zum Himmel, ich folge Dir. Beteuere Jesus deinen unerschütterlichen Glauben an die heilige Eucharistie und an Seine göttliche Sendung. Bitte Ihn, dich stets zu seinen treusten Jüngern zu zählen.



15.10.2019
132. Das Geheimnis des Glaubens
(Joh 6)

I Jesus beruhigt seine Jünger und stärkt ihren wankenden Glauben
So lehrte Er in einer Synagoge zu Kapharnaum. Viele von seinen Jüngern, die das hörten, erklärten: «Diese Rede ist hart! Wer kann sie hören?»
Jesus erwartet dich. Komm und nimm deinen Platz bei Ihm ein. Viele Juden finden Seine Rede seltsam und unverständlich. «Diese Rede ist hart», heißt es von allen Seiten.
Erinnere dich dessen, was Er gesagt hat. Er hat die ergreifendste Glaubenslehre vorgetragen, die großartigste Verheißung gemacht. Warum wollen die Juden den Heiland nicht verstehen? Warum widersprechen sie Ihm? Weil sie Jesus und Seine Lehren, Seine Werke und Verheißungen nach dem Äußeren beurteilen, weil sie ihren Glauben nicht auf die Wahrhaftigkeit Gottes gründen, sondern auf die natürliche Wahrscheinlichkeit. Ihr Unglaube rührt hauptsächlich von ihrer ungenügenden Gotteserkenntnis her. Sie können nicht fassen, dass die göttliche Liebe sich bis zu diesem Übermaß erstrecken kann. Ihnen scheint es widersinnig, dass die unendliche Güte sich soweit erniedrigen und die unendliche Wahrheit sich unter so geringen Gestalten verbergen kann. Und doch ist dies alles möglich, weil es für Gott keine Unmöglichkeit gibt. Der unendliche Gott vergibt Sich nichts, wenn Er sich zu unserer Niedrigkeit herablässt. Er tut dies ja nur, um uns zu sich zu erheben. Wenn Er sich unter den eucharistischen Gestalten verbirgt, so geschieht dies nur, um uns durch diese himmlische Speise an Seinem göttlichen Leben teilnehmen zu lassen.
Entsprechen diese Absichten nicht vollkommen der göttlichen Weisheit? So dringe denn möglichst tief in die Bedeutung der Worte Jesu ein. Die Sinne mögen sich empören, aber der Glaube wird nicht müde, im Geheimnis der heiligen Eucharistie die göttliche Allmacht im Dienst der unendlichen Güte zu erkennen und anzubeten. Dem himmlischen Vater ist es nicht schwerer, die heilige Menschheit Jesu unter den sakramentalen Gestalten zu verbergen, als auf dem Grashalm im Feld einen Tautropfen zu bilden. Unterwirf dich rückhaltlos dieser Lehre, die so erhaben und doch so verständlich ist.



14.10.2019
131. Das Brot des Lebens
(Joh 6)

III Die heilige Eucharistie ist die Quelle des Lebens
«Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der Mich isst, durch Mich leben.»
Durch die heilige Kommunion wirst du dich also vom Leben des Sohnes Gottes nähren. Unter den Gestalten von Brot und Wein kommt Jesus zu dir. Dein Leben wird in das Seinige umgewandelt. Aus zwei Leben macht Er eines. Das Leben Jesu ist ein Leben der Demut und des Dienens, ein Leben der Armut und des Gehorsams, ein Leben der Sammlung und des Schweigens, ein Leben der Hingabe und der Verherrlichung des Vaters, ein Leben des Seeleneifers und der Aufopferung für den Nächsten. Die ganze Innigkeit Seiner Liebe, die Kraft Seiner Ausdauer, der Großmut Seines Verlangens, all Seine Tröstungen gehören dir. Sein Herz, Seine Seele, all Seine Tugenden sind dein. Durch die heilige Kommunion lässt Jesus auch in deiner Seele die schönsten Tugenden erblühen. In deinem sterblichen Leib nimmst du teil am Leben des Gottmenschen. Im Besitz dieses Lebens bleibt dir auf dieser Erde nichts mehr zu fürchten und zu wünschen. Er macht dich mächtig über das Böse, über die Eigenliebe, die Welt und die Hölle. Wenn du kommunizierst, wie solltest du dich da vor dem Tod, vor Leiden und Schicksalsschlägen fürchten? Alle Schätze des Himmels und der Erde, allen Trost, alle Kraft und Sicherheit findest du in dem Genuss der heiligen Kommunion.
Ist das nicht ein köstliches Erbe, das uns der Heiland im heiligsten Sakrament hinterlassen hat? Wähle es zu deinem Anteil für die Tage deiner irdischen Pilgerschaft!



13.10.2019
131. Das Brot des Lebens
(Joh 6)

II Die heilige Eucharistie ist die notwendige Nahrung der Seele
Jesus aber sagte ihnen: «Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und den werde Ich auferwecken am Jüngsten Tag.»
In tiefer Sammlung lausche den Worten Jesu. Er spricht jetzt über eine sehr wichtige Bedingung des ewigen Heils. Wer das ewige Leben erlangen und sich den Besitz der himmlischen Güter sichern will, der muss sich mit Gott in der heiligen Eucharistie vereinigen. Hienieden musst du beginnen, was du dort oben fortsetzen willst. Wenn du den Leib des Herrn nicht empfängst, wirst du das Leben nicht in dir haben. Am heiligen Tisch bereitet Gott sich Seine Auserwählten und teilt ihnen durch die Hand des Priesters ewiges Leben mit. Wer der heiligen Kommunion entsagt, entsagt auch dem ewigen Leben.
Verstehe es wohl, der Sohn Gottes ist vom Himmel herabgestiegen, nicht um bei den Menschen einen vorübergehenden Aufenthalt zu nehmen, sondern um ihr Leben zu sein. Wer Ihn abweist, kann folglich nicht wahrhaft und ewig leben.
Gedenke hier, wie treu Jesus die Verheißung der heiligen Eucharistie erfüllt hat. Er ist wahrhaft in unseren Kirchen zugegen. Das Brot des Lebens wird im Tabernakel aufbewahrt, und Jesus lädt dich ein, dich mit Seinem heiligen Leib zu nähren. Wirf dich zu Seinen Füßen nieder und bringe Ihm den Dank und die Huldigung aller Auserwählten dar!



12.10.2019
131. Das Brot des Lebens
(Joh 6)

I Jesus offenbart Seinen Zuhörern das Geheimnis der heiligen Eucharistie
«Ich bin das Brot des Lebens. ... Das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch für das Leben der Welt.»
Höre, wie die ewige Weisheit Ihre tiefsten Geheimnisse enthüllt. Vernimm, in welcher Gestalt der Sohn Gottes dir die Nahrung des übernatürlichen Lebens reichen will und auf welche Weise du sie empfangen sollst.
«Das Brot, das Ich geben werden, ist Mein Fleisch.» Erwäge diesen Ausspruch. Der Leib Jesu soll unsere Nahrung, Sein Blut unser Trank sein. An dem Tisch, den Er uns bereitet, will Er selbst Sich zur Speise unserer Seele hingeben. Wundere dich nicht darüber, und nimm kein Ärgernis, ein übernatürliches Leben bedarf auch einer übernatürlichen Nahrung.
Der Heiland will sagen: «Von mir müsst ihr euch auf Erden nähren, da ich ja auch im Himmel euer Leben sein werde.» Ist dies nicht einleuchtend? Bewundere die Weisheit Jesu, danke für Seine Güte, und suche Seiner Liebe zu entsprechen.



11.10.2019
130. Von der Gabe des Glaubens
(Joh 6)

II Jesus erklärt Seinen Zuhörern, dass niemand ohne die Hilfe der Gnade an Ihn glauben kann
«Niemand kann zu Mir kommen, wenn der Vater, Der Mich gesandt hat, ihn nicht zieht. Und Ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken. Bei den Propheten steht geschrieben: Alle werden von Gott belehrt werden. Jeder, der auf den Vater hört und sich von Ihm belehren lässt, kommt zu Mir.»
Jesus hat gesagt: «Kommt alle zu Mir!» Aber um zu Ihm zu gelangen, muss man den Weg kennen, man muss aus der Finsternis der Unwissenheit und des Zweifels heraustreten, seine Vorurteile aufgeben, sich der Herrschaft der Sinne entziehen und sich von bösen Gewohnheiten losreißen. Du aber zauderst vor der Pflicht, dem Opfer, dem Kampf, und dein Zaudern vermehrt deine Ratlosigkeit. Woher soll dir Licht kommen? Wer wird dir siegreiche Zuversicht geben? Erhebe deine Augen zum Herrn. Von Ihm kommt das Licht, das uns über die Wahrheiten des Evangeliums aufklärt.
Der himmlische Vater gibt dem Wort und der Person Jesu Christi unwiderstehliche Anziehungskraft. Er kommt uns selbst entgegen und zeigt uns den Weg, der zum Sohn führt. Mit Seiner Gnade unterstützt Er alle, die verlangen, diesen Weg zu gehen. Wer immer der Gnade eine reine Absicht, einen gelehrigen Geist und ein demütiges Herz entgegenbringt, wird Jesus finden. Lerne also das Wirken Gottes in deiner Seele kennen! Jeder Zug der Gnade, jede gute Regung kommt vom Vater, der dir Seinen Sohn zeigt und dich zu Ihm führt. Überlass dich dieser göttlichen Führung!



10.10.2019
130. Von der Gabe des Glaubens
(Joh 6)

I Jesus beschwichtigt das Murren des Volkes
Da murrten die Juden über Ihn, weil Er gesagt hatte: «Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.» Sie sagten: «Ist das nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen?»
Stelle dich wieder unter die Zuhörer Jesu. Sie murren und widersprechen Ihm. Diese Menschen können nicht glauben, dass Jesus, den sie als Zimmermann haben arbeiten sehen, eine göttliche Sendung erhalten habe. Sie können es nicht fassen, dass der Schöpfer unter so unscheinbarer, niedriger Gestalt sich verberge, um Seinen Geschöpfen zu Hilfe zu kommen.
Jesus sprach: «Murrt nicht untereinander! Noch habe ich euch nicht das schönste Geheimnis der göttlichen Güte geoffenbart. Jetzt schon scheint euch die Ewige Liebe durch die Annahme eurer armseligen Menschennatur zu sehr erniedrigt. Indes, Sie wird noch tiefer hinabsteigen, noch demütigere Gestalt annehmen.»
Meine Seele, beherzige diese Worte deines Erlösers! Warum lässt du dich durch das Dunkel der Geheimnisse beirren? Zweifle nicht! Der Zweifel lässt dich die Stimme des Heilandes nicht vernehmen. Und doch ist nur Sein Wort imstande, dich innerlich zu beruhigen.



09.10.2019
129. Von der Macht Jesu über alle Erlösten
(Joh 6)

II Jesus verspricht, alle, die an Ihn glauben, aufzuerwecken
«Das ist aber der Wille dessen, der Mich gesandt hat, dass ich von all denen, die Er mir gegeben hat, niemand verlorengehen lasse, sondern sie auferwecke am Jüngsten Tag.»
Erhebe gläubig dein Herz zum himmlischen Vater! Er hat dich so sehr geliebt, dass Er dir Seinen einzigen Sohn zum Erlöser und Lehrer gegeben hat. Als Er Ihn zu den Menschen sandte, sagte Er gleichsam: «Ich übergebe sie Dir alle, verliere keinen. Setze alles daran, sie für den Himmel zu gewinnen. Rette sie um jeden Preis!»
Der Heiland erfüllt also den Willen des himmlischen Vaters und verwirklicht die Absichten der ewigen Liebe, wenn Er, um dir den Himmel wieder zu öffnen, so viele Leiden, Arbeiten und Erniedrigungen auf Sich nimmt. Wirf dich zu Füßen dieses liebevollen Vaters nieder! Ist es nicht endlich Zeit, dich Ihm ganz hinzugeben?
«Ich werde sie am Jüngsten Tag auferwecken», sagt Jesus. Von wem spricht hier der Heiland? Von den Gläubigen, von dir und all denen, für welche du unter Tränen betest, an deren Grab du dich traurig fragst: «Werde ich sie wiedersehen?» Gottes Sohn antwortet dir: «Ich werde sie am Jüngsten Tag auferwecken.»
Der Heiland sagt gleichsam: «Lass die Tage vorbeiziehen bis zum letzten, dieser letzte wird der schönste sein. Dann wirst du im Licht der Auferstehung alles sehen, was du Mir verdankst und was Ich dir bereitet habe. Wenn Ich jetzt ein Lebenslicht auslösche, so geschieht dies nur, um es von neuem einst zu entzünden. Der Tod vermag nichts gegen dich, weil er nichts gegen Mich vermag. Was er dir jetzt raubt, muss er dir einst wiedergeben.» — Danke dem göttlichen Heiland für diese trostreiche Versicherung. Strebe danach, dich durch deine Treue der glorreichen Auferstehung würdig zu machen.



08.10.2019
129. Von der Macht Jesu über alle Erlösten
(Joh 6)

I Jesus will der Erlöser aller sein
«Alles, was der Vater Mir gibt, kommt zu Mir, und wer zu Mir kommt, den weise Ich nicht zurück. Ich bin ja nicht vom Himmel herabgekommen, um Meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, Der Mich gesandt hat.»
Nimm heute abermals deinen gewohnten Platz unter den Zuhörern Jesu ein. Lausche Ihm mit gläubiger Andacht.
Seine unendliche Liebe möchte alle Menschen zum Glauben und zum Vertrauen bewegen. Die Menschen, zu denen Er spricht, verstehen Ihn nicht. Sie verschließen Ihm die Tür ihres Herzens. Er aber hört nicht auf zu klopfen und ruft: «Ich bin es. Ich allein kann dich in das Reich des himmlischen Vaters führen, Der dich Mir anvertraut hat. Wie groß auch dein Elend sein mag, ich werde dich retten. Niemanden schließe ich von Meinem Erbarmen aus. Mein Herz gehört allen.»
Versenke dich in die Liebe, die aus dieser göttlichen Einladung spricht. Jesus öffnet dir und allen Menschen Sein heiligstes Herz. Wir gehören alle Jesus an, der himmlische Vater hat uns Ihm übergeben. Wenn Er uns zu retten sucht, so verteidigt Er sein Eigentum. Wenn Er für uns Sorge trägt, fördert Er Seine eigenen Interessen. Mach Sein Herz zu deiner Heimstätte! Verbanne jegliche Furcht vor Ihm und wende Ihm all die Liebe zu, die du bis jetzt an Geschöpfe vergeudet hast. Der Heiland wird dich sicher deinem letzten Ziel entgegen führen, wenn du im Leben und im Tod auf Ihn deine ganze Hoffnung setzest.



07.10.2019
128. Die Verheißung des himmlischen Mannas
(Joh 6

II Jesus erklärt die Wirkung dieses Brotes
Da sprachen sie zu Ihm: «Herr, gib uns immerdar dieses Brot.» Jesus aber sagte zu ihnen: «Ich bin das Brot des Lebens.»
Die Menge ruft: «Gib uns dieses Brot!» Sprich ihr dieses Wort nach, aber in einem andern Sinn: Göttlicher Meister, ich habe meine Befriedigung in irdischer Nahrung gesucht, jedoch vergeblich. Gib mir dieses Brot, das wahrhaft nährt. Sag mir, wo ich es finden, woran ich es erkennen kann und um welchen Preis ich es erhalte.
«Ich bin das Brot des Lebens!» spricht Jesus. «Du suchst das wahre Leben, das nicht stirbt, Ich bin es! Du willst Sicherheit für die Zukunft, Ich biete sie dir an. Ich bin vom Himmel herabgestiegen, dir diese Güter zu bringen.» — Lausche den Worten Jesu und erwäge sie! Welche Empfindungen wecken sie in dir und welche Vorsätze?
Jesus fährt fort: «Aber ich habe es euch gesagt, auch habt ihr Mich gesehen und glaubt doch nicht.» Eines Tages wird Er hinzufügen: «Selig, die nicht sehen und doch glauben!» Nicht um den Glauben zu erschweren, sondern um ihn zu festigen, wird Er seine Gegenwart unter geringen Brotsgestalten verhüllen. Wohl wird das Auge Seine menschliche Gestalt nicht sehen, aber um so klarer wird der Glaube seinen Gott erkennen.



06.10.2019
128. Die Verheißung des himmlischen Mannas
(Joh 6)

I Jesus verheißt das wahre Brot vom Himmel
Sie fragten Ihn: «Welches Zeichen wirkst Du denn, dass wir es sehen und Dir glauben? Was für ein Werk vollbringst Du? Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen. Es steht ja geschrieben: Brot vom Himmel gab Er ihnen zur Speise.»
Die Menge verlangt neue Wunder von Jesus. «Wir wollen gern glauben», sagen die Juden, «aber was gibst Du uns dafür?» Bitte den Heiland um Verzeihung für diese Zumutung. Muss nicht der Mensch willig alles hingeben, um den Sohn Gottes hören zu dürfen und sich Seiner Leitung anzuvertrauen? Wer sind jene, die eine solche Sprache führen? Es sind weltlich gesinnte Menschen. Jesus hat sie gestern durch ein Wunder ernährt, jetzt begehren sie, dass Er sie immer speise. «Was Du einmal getan hast, das hat Moses täglich vierzig Jahre lang getan. Mach Du es ebenso!» Sie möchten in der Nachfolge Jesu ein müheloses Leben finden. Sie suchen die Sättigung des Leibes und nicht die der Seele. — Bewundere die Antwort Jesu. Suche all die Güte und zarte Sorge zu erfassen, die sie enthält.
Jesus antwortet: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Moses hat euch das Himmelsbrot gegeben; Mein Vater gibt euch das wahre Himmelsbrot. Denn das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt das Leben spendet.» Er hätte sagen können: «Warum verlangt ihr neue Wunder? Ich habe eure Kranken geheilt, die Besessenen befreit, Tote erweckt. Ist das alles nicht genug?»
Er zieht es vor zu antworten: «Ihr wollt Brot, Ich will euch Brot geben, und zwar ein besseres, schmackhafteres und kräftigeres als das Manna, das Moses euren Vätern gegeben hat. Sein Brot bewahrte sie nur auf kurze Zeit vor dem Tod des Leibes und gab ihnen nur einen Vorgeschmack des himmlischen Mahles. Hier ist Brot vom göttlichen Tisch. Göttliche Hände haben es euch bereitet. Das ist das wahre Brot des Lebens. Es nährt und sättigt den Menschen und lässt ihn in der Wüste dieses Lebens den Himmel finden. Es gibt ewiges Leben!»
So spricht die göttliche Güte. Lausche ihr mit Ehrfurcht und Dankbarkeit, unterwirf ihr Geist und Herz!



05.10.2019
127. Von den Werken des Lebens
(Joh 6)

II Jesus erklärt, dass nur die zur ewigen Seligkeit gelangen, welche aus dem Glauben leben
"Müht euch nicht um die vergängliche Speise, sondern um die Speise, die anhält zu ewigem Leben, wie sie der Menschensohn euch geben wird.»
Richte deine Gedanken auf die Zukunft, von der Jesus hier redet. Er erklärt, dass nur das ewige Leben wahres Leben ist. In der Tat, wie könnte man in Wahrheit das ein Leben nennen, was mit dem Tod endet?
Wo ist der Weg, der zum Leben führt? Erwecke in dir ein lebhaftes Verlangen, Ihn zu finden.
Da fragten sie ihn: «Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu verrichten?» Jesus antwortete ihnen: «Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den Er gesandt hat.» Der Glaube führt zum Himmel. Das ewige Leben ist der Lohn für die Werke des Glaubens, d.h. jene Werke, die sich auf die Lehren des Evangeliums gründen und aus ihnen hervorgehen. «Glaubt an Mich», spricht Jesus, «und tut, was Ich euch sage!»
Glaubst du an den Heiland? Tust du allzeit, was Er sagt? Sind Seine Vorschriften deine Lebensregel, ist Sein Beispiel das Ideal deines Lebens? Er ist der einzige von Gott gesandte Führer, der dir das verlorene Vaterland wiedergeben, dir den Himmel öffnen kann. Wenn du nicht den Weg einschlägst, den Er zeigt, und nicht die Mittel gebrauchst, die Er angibt, so wirst du unmöglich ans Ziel gelangen. Suche dies besser als bisher zu erfassen und schließe dich möglichst innig an Jesus und Seine Lehre an!



04.10.2019
127. Von den Werken des Lebens
(Joh 6)

I Jesus erklärt der Volksmenge, dass sie die ewigen Güter zu wenig schätzt
Als nun die Volksmenge sah, dass Jesus und seine Jünger nicht mehr da waren, stiegen sie in die Boote und fuhren nach Kapharnaum, um Jesus zu suchen. Sie fanden Ihn am andern Ufer des Sees und fragten Ihn: «Meister, wann bist Du hierher gekommen?» Jesus antwortete ihnen: «Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ihr sucht Mich nicht, weil ihr Wunderzeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.»
Suche mit der Volksmenge den göttlichen Heiland! Erwecke in deinem Herzen das Verlangen, Ihn zu finden! Erinnere dich Seiner hinreißenden Worte, Seiner glänzenden Wunder, Seiner wohltuenden Liebe und Herablassung! Allen Trost, den dein Herz empfunden, alle Gnaden, die deine Seele gestärkt haben, verdankst du dem göttlichen Heiland. So läutere denn deine Absichten und bestrebe dich, Ihn zu finden!
Jesus ist nie fern von jenen, die Ihn suchen. Das Volk hat Ihn bald entdeckt. Höre aufmerksam auf das Gespräch zwischen der Menge und Jesus! Was wirft der Heiland ihr vor? Er tadelt ihre selbstsüchtigen, unvollkommenen Beweggründe. Es missfällt Ihm, dass sie den unvergänglichen Gütern die vergänglichen vorziehen. Der Sohn Gottes hat der Erde die Güter des Himmels gebracht. Die Menge indessen erwartete einen Erretter aus zeitlicher Not, der ihr das irdische Paradies wieder eröffnen werde. Ruhe ohne Arbeit, ein üppiges Leben, allzeit sicherer Erfolg war ihr ganzes Hoffen. Deshalb folgten sie Ihm. Eine solche Auffassung ist eine Beleidigung Jesu. Die zeitlichen Wohltaten, die Er den Seinigen gewährt, sollen sie einzig zum Glauben und zum übernatürlichen Leben führen.



03.10.2019
126. Das Apostolat Jesu in der Landschaft Genesareth
(Mt 14, Mk 6)

II Jesus wirkt neue Wunder
Die Boten ließen alle Kranken zu Ihm bringen. Die Kranken baten Ihn, wenigstens die Quaste Seines Gewandes berühren zu dürfen. Und alle, die sie anrührten, wurden gesund.
Genieße das erhebende Beispiel lebendigen Glaubens, das diese erste Stunde des Tages dir bietet. Da kannst du einen Glauben sehen, der Wunder wirkt. Welch schneller, freudiger Glaube! Der Name Jesu ist für diese schlichten Leute der Inbegriff unendlicher Güte, und kaum hat die hohe Kunde von Seiner Ankunft sie erreicht, da strömen sie herbei. — Ihr Glaube ist groß. «Wenn ich nur den Saum Seines Kleides berühre, dies genügt mir!» So sprechen sie. Ein solcher Glaube verherrlicht Gott und bewegt den Heiland, immer neue Wunder zu wirken.
Befestige und belebe deinen Glauben! Dir erlaubt der göttliche Meister nicht bloß, den Saum Seines Kleides zu berühren, dir reicht Er seinen heiligen Leib. Muss da dein Gaube nicht wachsen und sich wirksam erweisen im Verhältnis zu den empfangenen Wohltaten?
Wo sind die leidenden, betrübten oder sündigen Seelen, welche du dem gütigen Heiland zu empfehlen hast? Führe Ihm eine recht große Schar zu, nenne Ihm ihre Namen, und erzähle Ihm von ihrem Elend. Erwecke in dir ein glühendes Verlangen, ihnen Hilfe zu erwirken. Du siehst ja, wie Glaube und Vertrauen bei Jesus alles vermögen.
Bleib dir immer bewusst, dass das Apostolat eine Schuld der Dankbarkeit ist. Trage sie nach deinem besten Können ab, indem du Jesus viele Seelen zuführst und alle Mittel anwendest, Den kennen und lieben zu lehren, Dem du alles verdankst!



02.10.2019
126. Das Apostolat Jesu in der Landschaft Genesareth
(Mt 14, Mk 6)

I Jesus wird von der Menge erkannt
Sie fuhren nun hinüber ans Land und gelangten nach Genesareth. Sobald die Bewohner jenes Ortes Ihn erkannten, schickten sie Boten in die ganze Umgegend.
Lande im Geist mit dem Heiland und seinen Jüngern am Gestade Genesareth! Der beginnende Tag wird für Jesus ein Tag apostolischer Arbeit sein. Er hat während der Nacht über Seine Jünger gewacht und sie dem Sturm entrissen, um sie zu größerem Eifer anzuspornen. Sie umgeben Ihn jetzt voll guten Willens, voll Eifer und Vertrauen in Erinnerung an all das, was sie am vorhergehenden Tag erlebt haben. Aus Dankbarkeit für das, was Jesus für sie getan hat, wollen sie nun ihrerseits sich ganz der Sache Jesu widmen und das Volk zur Erkenntnis und Liebe des Heilandes führen.
Nimm dir die Apostel hierin zum Vorbild! Verstehst du es, das Andenken an empfangene Wohltaten zum Heil der Seelen zu verwerten? Weihe gleich den Aposteln die Erstlinge des Tages dem göttlichen Heiland. Wem kannst du die Ankunft Jesu heute verkünden, mit wem kannst du von Ihm sprechen? Der Heiland steht verlangend am Ufer und erwartet, dass du Ihm Eingang verschaffst in die Seelen, über die Er als unumschränkter Gebieter herrschen will.



01.10.2019
125. Die Fahrt über den See Genesareth
(Mt 14, Mk 6, Joh 6)

III Jesus besteigt ihr Schiff und empfangt ihre Huldigung
Sie wollten Ihn nun in das Boot aufnehmen. Und Er stieg zu ihnen in das Boot, und der Wind legte sich. Und alsbald war das Boot am Land, nach welchem sie hinfuhren.
Steige mit dem göttlichen Meister zu den Aposteln ins Schiff! Genieße mit ihnen das Glück, Jesus zu besitzen. Was tun die Jünger? Sie räumen Ihm jedenfalls den besten Platz im Schiff ein. Dein Herz ist auch ein Schifflein. Nimm Jesus mit Liebe und Vertrauen auf.
Die Jünger näherten sich dem Heiland, beteten Ihn an und bekannten: «Du bist wahrhaft der Sohn Gottes!» Sage auch du Ihm: «Du bist wahrhaft der Sohn Gottes, würdig, dass ich Dich zum unumschränkten Herrn meines Lebens mache. Dir übergebe ich alles, was ich bin und habe, meine Fähigkeiten, meine Kräfte. Nimm sie hin, beherrsche und lenke sie.»



30.09.2019
125. Die Fahrt über den See Genesareth
(Mt 14, Mk 6, Joh 6)

II Jesus wandelt auf dem Meer und gibt Sich zu erkennen
Da sah Er, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. Um die vierte Nachtwache1 kam Er, auf dem See wandelnd, auf sie zu, wollte jedoch an ihnen vorübergehen.
Begleite den Heiland und lerne von Ihm, jedes Hindernis siegreich zu überwinden, wenn es gilt, einem Bedrängten zu Hilfe zu kommen! Keine Furcht darf dich zurückhalten. Von Jesus unterstützt, darfst und kannst du alles wagen zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. Die Apostel erblicken den Heiland, der auf dem Wasser wandelt, und halten Ihn für ein Gespenst. Daher schreien sie auf. Warum rufen die Jünger ängstlich um Hilfe? Weil von weitem der Anblick Jesu sie erschreckt.
Wenn wir die strenge Lehre Jesu nur oberflächlich betrachten, dann bebt unsere sinnliche Natur davor zurück. Wie die Jünger, so halten auch wir den Heiland oft für ein Gespenst. Lass Ihn sich nähern, Er wird sich dir zu erkennen geben! Ruhe wird in deine Seele zurückkehren, und der Sturm wird sich legen.
«Ich bin es, fürchtet euch nicht!» so spricht Er zu den Aposteln. Verkoste dieses süße Trostwort! Das Vertrauen auf Jesus ist die sichere Zuflucht in aller Not und Gefahr. «Ich bin es! Ich habe alle Macht, dich zu retten. Ich liebe dich zu innig, als dass ich zugeben könnte, dass du verlorengehst!» In der Tat, warum sollte ich mich fürchten, wenn der Allmächtige mir Seinen Schutz verheißt?
Petrus sagt: «Wenn Du es bist, so heiße mich zu Dir kommen auf dem Wasser.» Ahme die vertrauensvolle Kühnheit des Apostels nach und biete dich an, zur Ehre des göttlichen Meisters alles zu unternehmen. Bitte Ihn, auch dir das Wort zu sagen, durch das selbst das Schwerste möglich wird. Was bezweckt der geistliche Kampf anderes, als durch alle Stürme hindurch zu Jesus zu gelangen? Sage dir in schweren, gefahrvollen Stunden, dass dein allmächtiger Helfer nur wenige Schritte von dir entfernt ist und dass Er dich auffordert, Ihm zu folgen. Dieser Gedanke wird dich stärken.
«Komm!» antwortete Jesus. Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. Als Er aber den starken Wind gewahrte, fürchtet er sich und war daran zu versinken. — Woher diese plötzliche Not? Sein Vertrauen erschien uns anfangs in so herrlichem Licht, jetzt aber sehen wir, dass es nicht übernatürlich war, es stützte sich nicht einzig auf das göttliche Wort. Das Wort Gottes sollte hinreichen, um die Menschen bei allen Gefahren furchtlos zu erhalten. Der Furcht nachgeben heißt soviel als sich dem Schiffbruch aussetzen. Wenn uns Gott etwas befiehlt, so haben wir nichts zu fürchten als uns selbst.
Und da er anfing zu sinken, rief er: «Herr, rette mich!» Alsbald streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sprach zu ihm: «Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?» — Nimm auch du dir diese Lehre zu Herzen! Küsse mit dem Apostel die rettende Hand Jesu.
1 Die Nacht war in vier Wachen eingeteilt. Die vierte begann ungefähr um drei Uhr morgens.



29.09.2019
125. Die Fahrt über den See Genesareth
(Mt 14, Mk 6, Joh 6)

I Jesus sieht die Gefahr, in der die Apostel sich befinden, und eilt ihnen zu Hilfe
Das Boot war bereits viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wogen hart bedrängt, denn es ging Gegenwind.
Betrachte die Gefahr, welcher die Jünger auf dem stürmischen See ausgesetzt sind! Während Jesus auf dem Berg betet, sind Seine Apostel in großer Erregung. Doch vergisst Er sie nicht und betet für sie. Freilich ist Er am Ufer geblieben, aber Seine Vorsehung begleitet sie. Jesus ist nie fern von uns, wenn wir auch seine Gegenwart nicht fühlen.
Meine Seele, wie groß die Angst auch sein mag, die dich quält, in welcher Gefahr du auch schwebst, das Auge Jesu, deines Erlösers, ist immer auf dich gerichtet. Sein Gebet begleitet dich allenthalben. Er kennt alle deine Leidenschaften und weiß, wie lange deine Prüfung dauern muss. Darum vertraue!



28.09.2019
124. Jesus betet auf dem Berg
(Joh 6, Mt 14,Mk 6)

II Jesus sucht Ruhe im Gebet
Und nachdem Er das Volk entlassen hatte, stieg Er auf den Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Da es Abend geworden, war Er allein daselbst.
Knie dich neben Jesus nieder! Im Gebet sucht Er die Güter, welche die Welt nicht geben kann. Suche in diese Gesinnung des Heilands einzudringen. Ist Gott nicht in Wahrheit das allerhöchste Gut? Sind die Wonnen, die im vertrauten Umgang mit Gott gefunden werden, nicht allen Trostes der Geschöpfe vorzuziehen? Ist die Ehre, mit Ihm verweilen zu dürfen, nicht unendlich erhaben über alle anderen Ehren?
Lerne betrachten! Lerne dich loszureißen von weltlichen Zerstreuungen, aller Selbstsucht zu entsagen und im Gebet Gott zu finden und zu genießen. Wo anders als im Gebet wirst du erleuchtet werden, um die Täuschungen der Eigenliebe zu erkennen und Mut zu schöpfen zur Selbstverleugnung? Licht und Stärke findet das Herz nur bei Gott, mit dem uns das Gebet vereint. Sage also nie: «Wozu soll ich betrachten?»
Vereinige dich mit dem betenden Heiland. Dringe tief in das Innere Seiner heiligen Seele ein! Worauf sind Seine Gedanken, Sein Streben gerichtet? Empfiehl dem göttlichen Meister jene, die deinem Herzen nahe stehen. Rede mit Ihm von allen Leidenden und Betrübten. Bete zum Schluss das Vaterunser!



27.09.2019
124. Jesus betet auf dem Berg
(Joh 6, Mt 14,Mk 6)

I Jesus entlässt Seine Jünger und entzieht sich der Menge, die Ihn zum König machen will
Als aber Jesus erkannte, dass sie kommen würden, um Ihn mit Gewalt fortzuführen und Ihn zum König zu machen, nötigte Er Seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor Ihm nach Bethsaida hinüberzufahren, indes Er das Volk entließ. Er zog sich wieder auf den Berg zurück, ganz allein.
Jesus flieht die Ehren, welche die Dankbarkeit des Volkes Ihm zugedacht hat. Nicht menschliche Ehren sind das Entgelt, das Er für seine Wohltaten sucht. Herrschen will Er freilich, aber Er strebt nur nach der Herrschaft über de Seelen. Verweile in stiller Sammlung beim Heiland. Die Nacht ist angebrochen, die Menge hat sich verloren, die Apostel haben sich entfernt. Nun bist du der einzige Gefährte des Herrn auf Seinem Weg zur einsamen Bergeshöhe. Bitte Ihn, den Pfad mit Seinem göttlichen Licht zu erhellen.
«Meister, wohin gehst Du? Warum fliehst Du das, was die Welt so hoch einschätzt, und warum verachtest Du die Ehren, welche die Welt so eifrig sucht?» — «Komm mit Mir!» lautet die Antwort Jesu. «Ich habe dir Besseres zu bieten, als das, was der Eitelkeit schmeichelt. Folge Mir in die Einsamkeit. Ich will dich lehren, wo wahre Freude, wahre Größe und wahre Ruhe zu finden sind.» Sammle dich und erwecke in deinem Herzen eine heilige Begierde, dies Geheimnis zu erfassen.



26.09.2019
123. Die erste Brotvermehrung
(Mt 14, Mk 6, Lk 9, Joh 6)

III Jesus sättigt Seine Gäste und befiehlt den Aposteln, das Übriggebliebene des Mahles zu sammeln
Hierauf brach Er die Brote und gab sie Seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Alle aßen und wurden satt, ja, sie hoben von den übriggebliebenen Stücken noch zwölf volle Körbe auf.
Sättige dich mit der Menge! Genieße mit dankbarer Freude das Brot, das dein Heiland für sie wie für dich gesegnet hat. Das Brot am Tisch Jesu ist mehr wert als die ausgesuchtesten Speisen am Tisch der Weltleute. Warum? Weil Jesus Sich unter der Gestalt dieses Brotes, dem Symbol des eucharistischen Brotes, selbst hingibt. Seine Gottheit ist in den Gaben gegenwärtig, die Er spendet.
Als sie aber satt geworden waren, sprach Er zu Seinen Jüngern: «Sammelt die übriggebliebenen Stücke, damit sie nicht zugrunde gehen!» Sie sammelten also und füllten zwölf Körbe. Es waren aber derer, die gegessen hatten, fünftausend Mann. Hilf den Aposteln die Brotreste sammeln! Wenn du die heilige Kommunion empfangen hast, fordert der Heiland auch dich gleichsam auf, die Überbleibsel der heiligen Mahlzeit zu sammeln und mit nach Hause zunehmen, d.h. jenen, welche du daheim findest, Anteil zu geben an dem Gnadenüberfluss, der dir beim heiligen Mahl geworden ist.
Vereinige deine Danksagung nach dem Genuss des eucharistischen Brotes mit jener der Menge! Schätzest du gebührend das Glück, einem Meister anzugehören, dessen Macht keine Grenzen hat und dessen Güte gegen die Seinen ohnegleichen ist?



25.09.2019
123. Die erste Brotvermehrung
(Mt 14, Mk 6, Lk 9, Joh 6)

II Jesus spendet Brot für den Leib, nachdem Er die Seelen genährt
Gegen Abend traten Seine Jünger zu Ihm und sprachen: «Die Gegend ist einsam, und die Zeit schon vorgerückt. Lass daher die Scharen ziehen, dass sie in die Dörfer gehen und sich Lebensmittel kaufen.»
Sieh, wie die Apostel den Heiland bitten, denen zu helfen, die auf Ihn gehofft haben. Wer immer Jesus in die Einsamkeit gefolgt ist, wer Ihm seine Zeit, seine Ruhe, sein Vergnügen geopfert hat, kann auf Ihn rechnen.
Jesus aber sprach zu ihnen: «Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!» Sie antworteten Ihm: «Wir haben hier nur fünf Brote und zwei Fische.» Er aber sprach zu ihnen: «Bringt sie Mir her!» Sieh, in welcher Verlegenheit die Jünger sind! «Was sollen wir tun, um Deinen Befehl auszuführen, wie das Unmögliche vollziehen, wie aus dem Nichts das Sein, aus dem Mangel den Überfluss hervorbringen? Was ist das Wenige, das wir gesammelt haben, für so viele?»
«Bringt mir den Vorrat!» befiehlt Jesus. Sofort gehorchen die Apostel und legen das Wenige, das sich vorfindet, in die Hände ihres Meisters, damit Er den Segen darüber spreche, Sein mächtiges Benedicite! So bringen sie Jesus die Materie, an der Er das Wunder vollziehen wird. Beachte diese Handlungsweise der Jünger, sie ist die rechte. Strebst du nach Fortschritt? Sage nicht: «Meine Gebete sind unnütz, meine Anstrengungen sind vergeblich!» Bring vielmehr das Wenige, das du hast an Glauben, Hoffnung und Liebe. Leg es vertrauensvoll in Jesu Hände. Erwarte dann mit ruhiger Sicherheit das Wunder der Vermehrung. Aus dir vermagst du nichts, mit Jesus alles!
Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische in Seine Hände, erhob die Augen zum Himmel, dankte dem himmlischen Vater und segnete sie. Dann brach Er die Brote und gab sie Seinen Aposteln zum Austeilen. Beeile dich, Platz zu nehmen unter den Gästen! Nichts wird beim Mahl fehlen.



24.09.2019
123. Die erste Brotvermehrung
(Mt 14, Mk 6, Lk 9, Joh 6)

I Jesus kommt der Menge in ihrer Not zu Hilfe
Als nun Jesus ausstieg, sah Er eine große Volksmenge, und Er erbarmte sich über sie, weil sie wie Schafe waren, die keinen Hirten haben.
Jesus betete in der Einsamkeit. Er beendet sein Gebet, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Gehe Ihm entgegen mit all jenen, die da mühselig und beladen sind. Die Stimme des menschlichen Elends ist zum Himmel gedrungen, und in Seiner weltverlorenen Einsamkeit hat der Heiland sie vernommen. Die Menschen bedürfen Seiner als ihres rettenden Erlösers. Sie gleichen verirrten Schafen ohne Hirten. Sie bedürfen Seines Wortes, Seines Brotes, Seiner Sakramente. Er erbarmt sich ihrer und kommt. Betrachte Ihn in der Ausübung Seines Apostolates. Er redete zu ihnen vom Reich Gottes und machte die, welche der Heilung bedurften, gesund. Sieh, mit welch großer Liebe Er sich hingibt! Je mehr eine Seele des Heilandes bedarf, mit um so größerer Zärtlichkeit nimmt Er sie auf. Knie vor Ihm nieder, und lass Seine segnende Hand auf dir ruhen. Trage Ihm deine Bitten vor. Der neu beginnende Tag muss für dich ein Tag wahren Fortschritts sein und für jene, die du liebst, ein Tag des Segens. Bewundere die Ausdauer der Volksschar. Die Stunde ist vorgerückt, dennoch harrt die Menge bei Jesus aus. Alle lauschen Ihm und vergessen die Zeit und ihre Arbeiten. Aber durch diesen Eifer verlieren sie nichts, denn Gott sorgt für jene, die das Heil ihrer Seele allem andern vorziehen. Zu deiner Ermutigung wirst du dies bestätigt sehen!



23.09.2019
122. Die Einsamkeit zu Bethsaida
(Mk 6, Joh 6, Mt 14,Lk 9)

III Jesus zieht sich mit Seinen Aposteln in die Einsamkeit nach Bethsaida zurück
Und Er nahm sie mit Sich und ging mit ihnen abseits an einen einsamen Ort, der Bethsaida heißt.
Er nahm sie mit Sich. Verkoste die ganze Süßigkeit dieses Wortes. Bitte Jesus, dich, gleich den Aposteln, mit Sich zu nehmen. Unterwegs danke Ihm für den Vorzug, den Er jenen gewährt, die Er von der Menge trennt, und die Er Seines vertraulichen Umgangs würdigt.
Wohin führt Jesus Seine Jünger? In die Einsamkeit von Bethsaida, jenseits des Sees von Tiberias. Wohl müssen sie über den See fahren, aber es ist nichts zu fürchten. Der Heiland ist bei ihnen, und der himmlische Vater erwartet sie am Ufer. Wo ist diese gesegnete Einsamkeit für dich, meine Seele? Sie winkt dir am Beginn eines Tages. Es ist die Einsamkeit der täglichen Betrachtung, zu der Gott dich einlädt, in der der Sohn Gottes dein Führer ist und der Heilige Geist dich erleuchtet. Fasse Mut! Lerne dem Heiland jeden Morgen in diese Einsamkeit folgen, und du wirst erfahren, wie gut es ist, allein mit Ihm zu sein. Seine Liebe wird dir Freuden schenken, die die Welt nicht geben kann. Täglich hat dein himmlischer Vater diese Freuden für dich bereit, und täglich bietet Er sie dir an durch Seinen vielgeliebten Sohn. Auch in einer stillen Stunde, ganz allein vor dem Tabernakel, findest du diese wohltuende Ruhe und Vertrautheit mit Jesus.



22.09.2019
122. Die Einsamkeit zu Bethsaida
(Mk 6, Joh 6, Mt 14,Lk 9)

II Jesus lädt seine Jünger ein, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen
Er aber sprach zu ihnen: «Kommt abseits an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus!» Denn derer, die ab- und zugingen, waren viele, und sie hatten nicht einmal Zeit zu essen.
Höre die Einladung des Heilands an Seine Apostel! Beachte jedes einzelne Seiner bedeutsamen Worte. «Kommt!» sagt Er, «noch seid ihr nicht am Ziel angelangt. Was ihr getan habt, ist noch unvollendet. Bemüht euch noch ein wenig, macht noch einige Schritte abseits, um in die Einsamkeit zu kommen.»
Warum ist es gut, nach der Arbeit, nach Fehlgriffen und nach Siegen die Einsamkeit aufzusuchen? Weil im Getriebe der Welt nichts zur Vollendung kommt. Auf die ermüdete und schuldige Seele, die wegen der Finsternis der Sünde die Herrschaft über sich selbst verloren hat, muss die Stille ihren Einfluss ausüben, damit Licht und Ruhe wiederkehren kann, die Schuld getilgt und der gute Wille gefestigt werden. Die Seele muss allein sein, wenn Gott zu ihr sprechen und Wunder wirken soll.
Diese Einladung zur Zurückgezogenheit ergeht auch an dich. Hast du Jesus nicht ebenso notwendig wie die Apostel? So erhebe dich denn freudig und folge Ihm, wohin Er dich führt. Warum solltest du die Zurückgezogenheit fürchten? Du wirst dort nicht allein sein. Jesus wird bei dir sein, und Seine Gegenwart wird dir die Einsamkeit lieblich machen.



21.09.2019
122. Die Einsamkeit zu Bethsaida
(Mk 6, Joh 6, Mt 14,Lk 9)

I Die Apostel kehren zu Jesus zurück und erzählen Ihm, was sie gesagt und getan haben
Die Apostel fanden sich wieder bei Jesus ein und berichteten Ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
Eile in die Nähe Jesu, du gehörst ja zu jenen, die Er erwartet. — Die Apostel haben für Ihn gearbeitet. Sie fühlen nun ein dringendes Bedürfnis, zum Meister zurückzukehren. Weshalb? Sie wollen Ihm Rechenschaft von ihrer Wirksamkeit geben und neue Erleuchtung bei Ihm schöpfen. Höre, wie sie in kindlicher Offenherzigkeit von ihren Arbeiten sprechen. Erfolg und Misserfolg, Gutes und Böses, alles wird Ihm erzählt. In ihrem Verhalten findest du Anleitung zur Gewissensrechenschaft.
Bemerke, mit welcher Aufmerksamkeit und mit welch gütigem Interesse Jesus ihrem Bericht lauscht. Ist das nicht tröstlich für dich? Fasse also Mut! Jesus ist für dich ebenso wie für die Apostel die Quelle der Güte, der jegliche Gnade zum Fortschritt und Gedeihen deines geistlichen Lebens entströmt. Er ist der unermessliche Ozean der Barmherzigkeit, in den alles Elend versenkt werden kann.
Knie zu den Füßen Jesu nieder und erzähle Ihm, wie es dir in der letzten Zeit ging. Berichte Ihm von deinen Siegen und deinen Niederlagen, von deinen Zweifeln und Hoffnungen. Zeige Ihm dein Leben, wie es ist, deine ermattete Seele, deinen schwachen Willen, dein kaltes Herz, deine erregte Phantasie. Der Heiland wird dir helfen.



20.09.2019
121. Von der Ausübung des Apostolates
(Mt 10, Mk 6, Lk 9)

II Jesus führt selbst aus, was Er Seine Apostel lehrt
Als Jesus diese Unterweisungen an Seine zwölf Jünger beendet hatte, zog Er von da weiter, um in den dortigen Städten zu lehren und zu predigen.
Betrachte den göttlichen Heiland, dies herrliche Vorbild der Apostel. Sieh, mit welch zarter Sorgfalt Er das verirrte Schäflein aufsucht, um es zu belehren und ihm zu verzeihen. Willst nicht auch du aus der Begegnung mit dem Heiland Nutzen ziehen? Lass dich von Ihm finden! Führe Ihm auch jene zu, die dir lieb sind und die sich noch nicht zu Ihm bekehrt haben. Sieh, wie der Heiland sich den Betrübten naht. Höre die sanften Worte, die Seinem Mund entströmen. Beim Klang Seiner Stimme jubeln die Herzen auf, die Wunden schließen sich und die Freude erblüht aufs neue. Was tot war, ersteht zum Leben. Was schwankend war, gewinnt neue Kraft. Lerne von Jesus die Kunst zu heilen, zu trösten. Führe Ihn selbst zu den Leidenden, die du nicht zu trösten vermagst.
«Friede diesem Hause», so lautet der Segenswunsch, mit dem die Apostel jedes Haus begrüßen sollen. Der Heiland selbst spricht ihn aus, so oft Er die Schwelle einer menschlichen Wohnung überschreitet. Versöhnung, Frieden mit Gott bietet Er allen. Allen will Er den Frieden des Herzens, den Frieden des Gewissens vermitteln. Entfremdete Gemüter will Er einander näher bringen. Bitte für alle, denen du vielleicht Anlass zur Sünde gewesen bist, damit sie teilnehmen an der Wohltat Seiner Vergebung. Stelle Ihm auch jene vor, die dich etwa verletzt haben. Erwähle Ihn zum Schiedsrichter in deinen Zwistigkeiten und nimm sein Urteil zur Richtschnur deines Verhaltens an.
Folge dem göttlichen Meister möglichst nahe. Von Seinen Aposteln hat Er vollkommene Unterwerfung verlangt. Mit der gleichen Autorität tritt Er vor alle hin, die Er belehrt. Sodoma und Gomorrha wird es erträglicher gehen als jenen, die Sein Wort verschmähen. So entschließe dich denn großmütig zu treuem Befolgen Seiner Lehre! Mögen die Bösen in ihrem Stolz verharren, die Unwissenden in der Finsternis und die Furchtsamen in ihrer Unentschlossenheit. Du musst dich ganz Jesus hingeben, um in Seinen Händen ein Werkzeug für die Ehre Gottes zu werden.



19.09.2019
121. Von der Ausübung des Apostolates
(Mt 10, Mk 6, Lk 9)

I Jesus verspricht reichen Lohn für jeden Dienst, den man den Seinigen erweist
«Wer euch aufnimmt, nimmt Mich auf. Wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, Der Mich gesandt hat.»
Das ist der Anteil, den Jesus jeder Seele in Aussicht stellt, die guten Willens ist und an Seiner apostolischen Tätigkeit teilnimmt. All die Seinen will Er an der Arbeit sehen. Für alle ist der Seeleneifer ein vorzügliches Heiligungsmittel. Nicht alle können predigen, aber alle sollen zum Erfolg der apostolischen Arbeit beitragen. Nichts von dem, was du tust, um ein apostolisches Werk zu unterstützen und zu fördern, bleibt unbelohnt. «Und wer einem von diesen Geringsten nur einen Becher kalten Wassers zu trinken reicht, weil er Mein Jünger ist, wahrlich, Ich sage euch, er wird seines Lohnes nicht verlustig gehen.» Auch die kleinste Hilfeleistung, den geringsten Dienst nimmt der Heiland wahr. So biete dich Ihm zur Arbeit an und versprich Ihm großmütig, zu tun, was in deinen Kräften steht!



18.09.2019
120. Von dem Kampf und der Entsagung des Jüngers Christi
(Mt 10)

II Jesus erklärt Seinen Jüngern, dass sie eher alles in dieser Welt verlassen müssen, als Ihm untreu zu werden
«Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert. Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und Mir nicht nachfolgt, ist Meiner nicht wert.»
Demütige deinen Geist, damit die Wahrheit Eingang darin finde. Was Jesus hier sagt, verlangt reifliche Erwägung. Jesus beansprucht für Sich einen Vorzug, an dem die Welt Anstoß nimmt. Aber die Welt urteilt nur oberflächlich. Lass sie reden und dringe tiefer in den Geist Jesu ein.
Ist Gott nicht der Herr aller Dinge? Wenn Er aber der Herr ist, gebührt Ihm dann nicht in allem die erste Stelle? Und wenn Gott, und zwar Gott allein, in allem die erste Stelle gebührt, wer wird zu behaupten wagen, dass es Neigungen und Interessen gibt, die Ihm vorangehen dürften? Urteile selbst. Wir haben also durchaus keinen Grund, Anstoß an dem zu nehmen, was Gott durch Seinen Sohn von uns verlangt. Wer Christus, dem Sohn Gottes, etwas Irdisches, einen Menschen oder auch sich selbst vorzieht, ist in der Tat nicht wert, Sein Jünger zu sein. Im Dienst des höchsten Herrn zu stehen, ist die höchste Ehre und verlangt auch das höchste: Unsere ungeteilte Liebe! Beweist andererseits nicht die Erfahrung alle Tage, dass die Liebe, die man Gott schenkt, keineswegs die geordnete und berechtigte Zuneigung zu den Geschöpfen unterdrückt, sondern dieselbe vielmehr erhöht und veredelt?
Höre, was der Heiland Seinen Aposteln verheißt, wenn sie nach diesem Gesichtspunkt ihr Leben einrichten und tapfer in den ersten Reihen unter Seiner Fahne kämpfen. «Wer sein Leben zu gewinnen sucht, wird es verlieren, wer dagegen sein Leben verliert um Meinetwillen, wird es gewinnen.» Er verspricht ihnen, dass sie alles wiederfinden werden, was sie um Seinetwillen verlassen haben. In Seinem Kreuz werden sie finden, was die Weltkinder in ihren Vergnügungen vergeblich suchen: Leben, Freude und Glück. Wenn der natürliche Mensch vollständig ersterben muss, so verlangt der Heiland dies nur, weil einzig auf diesem Weg das übernatürliche, das ewige Leben erlangt wird, zu dessen Vermittlung Er auf die Erde herabstieg, zum wahren Leben der Seele, sowohl im Himmel als auch auf Erden, gelangt man nur durch den Tod.
Was denkst du davon? Willst du dich nicht des Heilands würdig machen, Der sich um deinetwillen nicht geschont hat? Zu Ihm erhebe deine Gedanken und reinige dein Herz. Gott musst du auf den Thron deines Herzens erheben und Ihn unumschränkt herrschen lassen. Den Geschöpfen musst du das Zepter entreißen, das nur Seiner göttlichen Majestät gebührt. Mit dem Schwert sollst du dich bewaffnen und endlich dir selbst und jeder ungeordneten Neigung gänzlich absterben, um einzig Gott zu leben.



17.09.2019
120. Von dem Kampf und der Entsagung des Jüngers Christi
(Mt 10)

I Unvermeidbarkeit des Kampfes
«Glaubt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.»
Der göttliche Heiland fährt in Seinen Unterweisungen fort. Bitte Ihn um tieferes Verständnis. Jesus erläutert den Zweck Seiner Tätigkeit unter uns und beseitigt jede Unklarheit zwischen Sich und Seinen Jüngern. Vielleicht hatte mehr als einer derselben von Ruhe unter Seinem Banner geträumt. Es wäre so leicht, mit dem Treueschwur, den man dem Heiland leistet, ein ruhiges Leben zu beginnen, ein Leben ohne Kampf und Streit. Aber dies ist unmöglich, die Jünger sollen sich dessen sogleich bewusst werden. «Ich bin gekommen, das Schwert zu bringen», erklärt der Heiland, «Ich werde manch festes Land zerschneiden.»
Ein zweischneidiges Schwert gibt Jesus seinen Jüngern in die Hand, das Schwert unvermeidlicher Trennung. Wer immer dein Heil gefährdet, muss als Feind behandelt werden. Wenn er sich zuweilen in der Person eines lieben Menschen naht, wenn du ihm unter deinem Dach begegnest oder im Kreis deiner vertrautesten Freunde, so sollst du doch entschiedenen Widerstand leisten und verhindern, dass er dir schade. So ist es der Wille deines höchsten Herrn und Richters.
Wahrlich eine ernste und strenge Sprache! Aber sie entspringt dem Wunsch des Heilandes, dich glücklich zu machen, und darf dich daher nicht befremden. Sei also dem Heiland dankbar, wenn Er dich in die Notwendigkeit versetzt, für Ihn zu kämpfen, und bleibe Ihm treu!



16.09.2019
119. Von der Seelenstärke des Apostels
(Mt 10)

II Der Apostel muss Gott mehr fürchten als den Tod
«Fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann.»
Gott fürchten und Ihn allein fürchten, ist das Geheimnis des christlichen Heldenmutes. Gott fürchten heißt alles vermeiden, was Ihm missfällt. Gott will unter dem Banner seines Sohnes keine kleinen Geister, keine geteilten Herzen, keine feigen und mutlosen Seelen. Unentschlossene Jünger und Sklaven der Menschenfurcht sind des Heilandes nicht würdig. In Seinem Gericht ist Er streng, und Seiner Gerechtigkeit gemäß wird Er einmal urteilen, ob du des Himmels Seligkeit verdienst oder nicht. Darum wirke dein Heil mit Furcht und Zittern.

III Jesus ermahnt Seine Apostel, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen und ihren Glauben offen zu bekennen
«Kauft man nicht zwei Sperlinge für fünf Pfennige? Und dennoch fällt ohne euren Vater keiner von ihnen zur Erde. Bei euch aber sind sogar alle Haare eures Hauptes gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als die vielen Sperlinge. »
Zur Furcht Gottes muss sich notwendig das Vertrauen gesellen. Der Glaube der Apostel hat Proben zu bestehen; aber Gott steht ihnen zur Seite. Für Ihn kämpfen sie, zu Seiner Ehre arbeiten sie, indem sie die Angriffe Seiner Feinde ertragen. Das weiß Gott. Er wacht über Seine Streiter und wird sie schützen. Die Wunden, die sie im Kampf empfangen, wird Er heilen.
So fürchte Dich nicht. Er, der mit Liebe über die geringsten Seiner Geschöpfe wacht, wird auch dir beistehen. Er kennt deine Anstrengungen und Opfer und wird nichts unbelohnt lassen. Gott ist gut, weise und getreu.



15.09.2019
119. Von der Seelenstärke des Apostels
(Mt 10)

I Der Apostel kennt keine Menschenfurcht
«Was euch ins Ohr geflüstert wird, das predigt auf den Dächern! Fürchtet euch nicht vor denen, die wohl den Leib, nicht aber die Seele töten können.»
Danke dem Herrn, dass Er die Seinen ermutigt. «Fürchtet nichts!» sagt Jesus. Warum auch fürchten? Was vermögen die Menschen gegen einen Apostel? Freilich können sie ihn in Verruf bringen, seine besten Absichten übel auslegen und ihn von ihren Festen ausschließen. Leiden und Verdemütigungen können sie ihm bereiten. Aber warum diese fliehen? Hat nicht Jesus gesagt: «Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen?» In der Nachfolge Jesu findet man sein Glück in den Leiden und in der Verdemütigung.
«Fürchtet euch nicht!» wiederholt Jesus. «Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht! — Zeigt den Menschen, dass ihr meine Lehre liebt und hochschätzt. Mein Evangelium sei euer Ruhm. Was liegt an Spott und Verachtung der Welt? Eure wahren Schätze bleiben euch gesichert. Was ist schließlich ein Wort, das der Wind davonträgt? Was eine Verleumdung, die Gott zunichte machen wird?» Ermutigt durch die Worte Jesu, kannst du ruhig den Widerstand der Menschen ertragen. Die Gelegenheit, dich im Dienst und in der Nachfolge Jesu auszuzeichnen, wird sich dir bald bieten, gehe ihr frohgemut entgegen. Sei bereit, alles zu seiner Ehre zu wagen und zu leiden.


14.09.2019
118. Von der Notwendigkeit der Verfolgungen
(Mt 10)

II Er ermahnt sie, alles geduldig zu ertragen
«Sie werden euch den Gerichten ausliefern und in den Synagogen geißeln.»1
Diese Worte des göttlichen Meisters sind eine Aufforderung an Seine Apostel zur Großmut. Unter Seinem Banner ist Mittelmäßigkeit nicht am Platz. Aber wie gelangt man zu Großmut? Jesus flößt sie Seinen Jüngern ein. Man muss aus ganzem Herzen lieben. «Liebt Mich!» spricht Jesus, «und ihr werdet stark sein. Seid Meiner eingedenk, und nichts wird imstande sein, euch zu entmutigen. Der Jünger ist nicht über dem Meister, noch der Knecht über seinem Herrn!» O meine Seele, ist nicht die Liebe Gottes die Kraft, die zu allen Kämpfen ausreicht? Wenn du den Heiland liebst, wirst du willig dieselbe Behandlung annehmen, welche Er aus Liebe zu dir erduldet hat. Möchtest du besser und anders behandelt werden als Er?
Der wahre Jünger Jesu beugt sich willig unter die Last der Demütigungen und Leiden, wenn er sich sagt: «Ich trage das Kreuz, das mein Meister getragen hat. Er gibt mir Anteil an den Schmähungen und dem Widerspruch, die Er erduldet hat. Er bietet mir etwas von der Bitterkeit Seiner eigenen Todesangst.» Dem Jünger ist es genug, wenn er behandelt wird wie sein Meister. Ich liebe diese Bitterkeit ..., diesen Widerspruch ..., dieses Kreuz ..., weil ich Jesus liebe.
Fasse Mut und rüste dich für den Kampf, der deiner wartet. Erinnere dich der Verfolgungen in den ersten Zeiten der Kirche. Betrachte den Heldenmut der Märtyrer. Durchlebe im Geist die Geschichte ihrer Kämpfe und ihrer Qualen. Auch von dir erwartet der Meister opferfreudigen Großmut, der dich stärkt zum entschiedenen Kampf für die Ehre Gottes.
1 Die Geißelung war bei den Juden der damaligen Zeit eine sehr gewöhnliche Strafe für Übertretungen des mosaischen Gesetzes.



13.09.2019
118. Von der Notwendigkeit der Verfolgungen
(Mt 10)

I Jesus sagt seinen Aposteln Verfolgungen von seiten der Welt voraus
«Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid darum klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben.»
Lausche in Aufmerksamkeit und Sammlung den Unterweisungen Jesu! Er beschreibt den Aposteln das Los, das ihrer harrt. Es wird ihnen unmöglich sein, dem Kampf zu entrinnen, da ihr Leben in vollstem Gegensatz zu den Lehren und Grundsätzen der Welt stehen soll. Die Apostel werden in Wahrheit wie Schafe unter Wölfen sein.
Was sollen sie da tun? «Seid einfältig», sagt Jesus. Vermeidet alle Zweideutigkeit und Verstellung. Beim ersten Blick soll man erkennen, wer ihr seid! Lasst euch einzig vom Licht des Glaubens, von seinen Grundsätzen und Hoffnungen leiten bei allem, was ihr tut oder sagt! Der Glaube gibt der Seele die wahre Einfalt.
«Seid klug!» fügt der göttliche Meister bei. Vermeidet die Gefahr, wo Gott nicht gebietet, ihr zu trotzen. Ruft die Feindseligkeiten nicht wach durch falschen Eifer. Lernt Nachsicht und Stillschweigen. Wacht über eure Freundschaften. Misstraut den verführerischen Schmeicheleien, die schaden und verderben. Erwäge diese Vorschriften und ziehe Nutzen daraus.


12.09.2019
117. Der Apostel nach dem Herzen Jesu
(Mk 6, Mt 10, Lk 9)

III Er beauftragt sie, den Frieden zu verkünden
«Betretet ihr ein Haus, so entbietet ihm den Gruß und sagt: Friede diesem Haus.»1
Jesus macht Seine Apostel und ihre Nachfolger zu Boten des Friedens. Er brachte den Frieden der ganzen Welt, Seine Apostel sollen ihn den einzelnen Seelen bringen. Ihnen verdanken wir also die Wohltat des Friedens, ohne den nichts uns freuen kann, den Frieden im eigenen Innern und den Frieden in Heim und Familie. Erkenne, was der Heiland und Seine Stellvertreter dir sind. Sie besitzen die Macht, dich mit Gott zu versöhnen, dein Gewissen zu beruhigen und dein Gemüt zu besänftigen.
Empfange die Gesandten Christi stets mit Ehrfurcht und unterwirf dich ihrer Autorität. Vergiss nicht, dass es sich um dein Seelenheil handelt. Sie zurückweisen heißt, den Heiland selbst zurückweisen. Du setztest dich der Gefahr aus, die ewigen Güter für immer zu verlieren, die sie dir in seinem Namen bieten.
1 Das war die bei den Juden gebräuchliche Begrüßungsformel.



11.09.2019
117. Der Apostel nach dem Herzen Jesu
(Mk 6, Mt 10, Lk 9)

II Er ermahnt sie zur Verachtung der irdischen Güter
«Nehmt weder Gold noch Silber noch sonstiges Geld in euren Gürteln mit, keine Reisetasche, nicht zwei Röcke, keine Schuhe und keinen Stab. Denn der Arbeiter ist seines Unterhaltes wert.»
Arm müssen also die Männer sein, die Jesus zu Aposteln macht, arm und frei von irdischen Sorgen, um ganz den Seelen zu gehören, wenn immer diese im Richterstuhl der Buße Versöhnung suchen oder sonst ihrer Hilfe bedürfen.
Was schulden die Gläubigen dagegen den Stellvertretern Jesu? Tiefe Ehrfurcht, kindliche Dankbarkeit und aufrichtige Unterwerfung! — Merke dir die weiteren Worte Jesu: «Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.» Der Herde legt Er also die Sorge für den Unterhalt ihrer Hirten auf. Der Heiland hat das Recht, für die Lebensbedürfnisse Seiner Apostel zu sorgen, wie Er will. Die Erde mit ihren Gütern ist Sein Eigentum. Er weiß wohl, dass Er die einzige Hilfsquelle derer ist, die aus Liebe zu den Seelen arm werden. Vergiss nie, dass Jesus die Sorge für den Unterhalt Seiner Apostel den Gläubigen überlassen hat. Vergleiche ihre geringen Bedürfnisse mit dem, was sie dir beständig spenden. Wirst du dir nicht eine Freude daraus machen, nach Kräften für ihren Unterhalt zu sorgen?



10.09.2019
117. Der Apostel nach dem Herzen Jesu
(Mk 6, Mt 10, Lk 9)

I Jesus empfiehlt seinen Aposteln die verirrten Seelen
Und Er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen.
Zu Füßen des göttlichen Meisters sitzend, höre aufmerksam zu, wie Er die Apostel auf ihren Beruf vorbereitet. Denkt Er nicht auch an dich? Spricht Er nicht von dir, wenn Er von den verirrten Schäflein redet? «Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel», sagt Er. «Die Schafe haben die Herde verlassen. Das Vaterhaus missfiel den Kindern. Geht aus, sie zu suchen. Ihr sollt die Bekehrung der Sünder allen andern Erfolgen vorziehen.» Wie unendlich gut ist doch das Herz Jesu!
Auch auf dich macht Jesus Seine Heilsboten aufmerksam. Höre, wie Er mit ihnen von dir spricht: «Ich kenne diese Seele. Sie ist ein Kind meines Hauses, dem in meinem Reich ein Platz bereitet ist. Aber sie lässt sich von Täuschungen und Blendwerken hinreißen. Eilt ihr zu Hilfe, damit sie nicht verloren gehe. Lasst das Licht der ewigen Wahrheiten vor ihren Augen erstrahlen. Befreit sie von ihren verderblichen Irrtümern!» Diese Wahrheit ist also das erste Gut, das Jesus einer verirrten Seele anbietet.
«Überall wohin ihr kommt, predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe.» Erfasse dies tröstliche Wort. Der apostolische Arbeiter ruft die Hoffnung in den Herzen wach und durch die Hoffnung weckt er neuen Mut. Unserer menschlichen Ohnmacht scheint der Himmel so weit und die Vollkommenheit so schwer erreichbar. Der Mitarbeiter Jesu indessen bringt durch die Gewalt, die ihm Gott verliehen hat, den Himmel der Erde nahe, so dass er dir erreichbar wird. Jederzeit und in allen Lebenslagen liegt es in der Macht des Stellvertreters Jesu, dir die Güter wieder zugänglich zu machen, die der Himmlische Vater dir bestimmte. Du darfst also hoffen gegen alle Hoffnung. Freue dich dessen. Selbst, wenn du in der Sünde lebst und geistig tot bist, darfst du dich vertrauensvoll an Jesus wenden.



09.09.2019
116. Die Beteiligung der Apostel am Wirken Jesu
(Mt 9, Lk 9, Mk 6)

III Jesu gibt Seinen Aposteln alle Gewalt, um wirksam am Heil der Seelen zu arbeiten
Er rief Seine zwölf Jünger zu Sich und verlieh ihnen Macht, die unreinen Geister auszutreiben sowie jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.
Sieh, mit welcher Machtvollkommenheit Jesus Seine Apostel ausrüstet! Die Gewalt, die Er ihnen mitteilt, weist auf das hin, was ihrer wartet. Das Evangelium verkünden, gegen das Böse ankämpfen, den Leidenden zu Hilfe kommen ist der Beruf eines Apostels Jesu Christi. «Ich gebe euch alle Gewalt», spricht der Heiland zu den Aposteln.
Von nun an kann jede Seele gerettet werden. Hierzu ist indes notwendig, dass apostolischer Eifer in den Herzen aller Gläubigen entbrenne. So reihe dich denn entschlossen jenen an, an die der göttliche Ruf ergeht, und werde wie sie Mitarbeiter Jesu. Du musst streben, Apostel zu werden durch Gebet, Wort und Beispiel. Deine Aufgabe ist es, die Liebe zur Lehre Jesu in anderen zu wecken und die Unwissenden zu unterweisen. Studium, Lesung und Betrachtung sind dir notwendig, damit dein Wort andere belehre, erleuchte, überzeuge und bekehre. Du musst mit aller Entschiedenheit den schlimmen Einfluss des bösen Feindes sowohl in deiner Umgebung als auch in dir selbst bekämpfen. Dem Satan die angemaßte Herrschaft zu entreißen sei dein Ziel und deine Ehre.
Den von der Welt Enterbten soll Trost und Rettung werden. Darum musst du ihnen im Auftrag Jesu liebreiche Hilfe bringen. Lerne die Stelle des Heilands einnehmen bei allen, die Leid und Kummer haben, bei allen, die des Trostes und der Hilfe bedürfen. Besuche die Armen, pflege die Kranken, tröste die Betrübten! Wirf mutig alle Menschenfurcht von dir, und du wirst einen ehrenvoll verdienten Platz ausfüllen in der großen apostolischen Heerschar, die der Heiland zur Eroberung der Welt aussendet!



08.09.2019
116. Die Beteiligung der Apostel am Wirken Jesu
(Mt 9, Lk 9, Mk 6)

II Jesus fordert Seine Jünger zur Mitarbeit auf
Da sprach Er zu seinen Jüngern: «Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet darum den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende.»
Erwäge mit großer Aufmerksamkeit die Worte, die der göttliche Meister an Seine Apostel und durch sie an alle Seelen, die guten Willens sind, richtet: «Die Ernte ist groß, der Arbeiter sind wenige. Die ganze Welt will ich dem himmlischen Vater gewinnen. Es gibt keine Seele, der Ich nicht ewiges Leben schenken will. Aber Ich bedarf der Mitarbeiter.» So spricht Jesus. Komm Seinem Wunsch entgegen und bitte Ihn, dich zu Seinem Apostel zu machen! Der Heiland erklärt dir, was dazu erforderlich ist. «Bete», sagt Er an erster Stelle. Zuerst muss man Apostel werden durch das Gebet. Die göttliche Ehre muss dir am Herzen liegen. Flehe in täglichem Gebet um Vermehrung der apostolischen Berufe in der heiligen Kirche. Der Heiland bedarf der Apostel, und du kannst sie vom Herrn der Ernte erbitten. — Der von Jesus auserwählte Mitarbeiter muss von reinem und glühendem Eifer beseelt sein. Du kannst den apostolischen Mitarbeitern Jesu diesen großen Seeleneifer erflehen. Es gilt, ungläubige Geister zu unterwerfen und zu besiegen, erbitterte Herzen zu beruhigen, Widerspruch und Empörung zu bannen. Das sind lauter Gnadenwunder, bei denen du mitwirken kannst. Jesus versichert dich dessen und bittet um deine Gebetshilfe. Entsprich von ganzem Herzen seiner Aufforderung!



07.09.2019
116. Die Beteiligung der Apostel am Wirken Jesu
(Mt 9, Lk 9, Mk 6)

I Jesus empfindet Mitleid beim Anblick der Menge
Als Er an Land stieg, sah Er eine große Volksmenge und fühlte Erbarmen mit ihnen; denn sie waren wie Schafe ohne Hirten.
Begleite den göttlichen Heiland auf Seinen apostolischen Wanderungen. Der Anblick der heilsbegierigen Menge rührt Ihn. Was geht in der Seele des Heilandes vor? Bitte Ihn, es dir zu sagen. Es mangelt an Arbeitern im Weinberg des Herrn. Viele Seelen vergessen ihre ewige Bestimmung und sind weit abgeirrt vom Weg, der zum ewigen Leben führt. Darum ergreift den Heiland tiefes Mitleid. Wer kann sagen, was Er leidet beim Anblick dieser Seelen? Sie haben niemand, der ihnen den Weg zum Himmel weist. Der Gegensatz zwischen ihrer erhabenen Bestimmung und ihrem jetzigen Zustand bewegt Ihn tief. Betrachte mit inniger Rührung die Zärtlichkeit des Herzens Jesu. Sein Mitleid ist unermesslich wie Seine Liebe. Aus Seinem Blick leuchtet die unendliche Liebe des himmlischen Vaters, sie lädt auch dich ein. Widerstehe dieser Einladung nicht. Frage deinen gütigen Erlöser, was du tun sollst, und verweigere Ihm nichts!



06.09.2019
115. Jesu abermalige Wanderung durch Galiläa
(Lk 8, Mt 9, Mk 6)

II Er ernennt neue Jünger
Bei Ihm waren die Zwölf sowie einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte und die Ihm mit ihrem Vermögen dienten.
Jesus hat in Seinem Amt Gehilfen notwendig. Er will nicht allein sein bei Seinen apostolischen Arbeiten. Er will, dass Seine Jünger Seinen Seeleneifer teilen und wie Er an der Verbreitung des Evangeliums arbeiten. Dir bietet Er ebenfalls die Stelle eines Apostels an Seiner Seite an. Was willst du Ihm antworten?
Blicke auf die Umgebung des Heilandes! Wer sind alle diejenigen, die Ihn begleiten? Lange vor dir haben gar viele Seelen dem Ruf Jesu entsprochen. Manche aus ihnen sind dir bekannt. Frage sie, wie es ihnen in der Nachfolge des göttlichen Meisters ergangen ist und wie es ihnen bei Ihm gefällt. Sie alle werden dir antworten, dass sie bei Jesus gefunden, was sie bis dahin allerorts vergeblich gesucht hatten. Wie wohl fühlt man sich bei Dir, o Jesus, wenn man vorher anderen Herren gedient hat!
Die Seelen, die Jesus nachfolgen, sind durch die Dankbarkeit an Ihn gefesselt. All diese Männer und Frauen sind Seine Schuldner. Er hat ihnen Gutes erwiesen. Sie waren vorher arme Sünder und Sünderinnen. Er hat ihnen alles verziehen. Sie waren in der Gewalt des Satans, Jesus löste diese schmählichen Fesseln. Nachdem sie ihre Freiheit wiedererlangt hatten, sagte sich jeder dieser Glücklichen: «Wie soll ich Ihm diese Wohltat vergelten?» Und sie folgten dem Zug ihres Herzens und boten sich an, Ihn bei seiner apostolischen Tätigkeit zu unterstützen und auch anderen die Gnaden und Segnungen zu verschaffen, deren sie gewürdigt wurden.
O Seele, fängst du nun endlich an, diese Handlungsweise zu begreifen? Eine von Gott empfangene Wohltat verlangt eine dankbare Gesinnung gegen Ihn. Um dich zur Nachfolge Seines Sohnes zu bestimmen, erweist der himmlische Vater dir unzählige Wohltaten. Er will dich veranlassen, Ihm aus dankbarer Liebe zu geben, was du Ihm bereits schuldest. Widerstehe Seinem Gnadenruf nicht! Du hast Gründe genug, Ihm großmütig zu folgen. Erwäge, was diese treuen Begleiter für Jesus tun. Frage dich dann, was du selbst für Ihn tun kannst. Wie betätigen sie ihre Dankbarkeit, und wie kannst du die deinige zum Ausdruck bringen? Denke ernstlich nach und ziehe deine Schlussfolgerungen!



05.09.2019
115. Jesu abermalige Wanderung durch Galiläa
(Lk 8, Mt 9, Mk 6)

I Jesus belehrt die Volksschar
Hierauf wanderte Er von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf predigte und verkündete die frohe Botschaft vom Reich Gottes.
Die Ehre des himmlischen Vaters liegt dem göttlichen Heiland sehr am Herzen. Begleite Ihn freudig auf Seinen apostolischen Wanderungen!
Was bietet Er den Seelen, die guten Willens sind? Ein Königreich! Wenn du herrschen willst, so eile, dem Heiland zu folgen. Seine Lehre macht in der Tat vollkommen frei von allen Banden. Sie gibt uns ein Zepter in die Hand und setzt uns eine Krone auf das Haupt. Sie erhebt den Menschen zur Würde eines Gotteskindes und macht ihn zum Himmelserben. So sage von nun an nicht mehr: «Ich habe nicht Zeit, dem Heiland zu folgen und Seiner Lehre zu lauschen.» Es lohnt wahrlich die Mühe, den Weg einzuschlagen, der zum Himmelreich führt, und die Unterweisungen zu hören, die das übernatürliche Leben in uns fördern.
Der Eindruck, den das Erscheinen Jesu überall hervorruft, ist unvergleichlich. Die Guten freuen sich, die Furchtsamen gewinnen Mut, die Kranken hoffen wieder, die Sünder fassen Vertrauen, alle Herzen wenden sich Ihm zu. Ahme sie nach, biete Ihm dein Herz als gastliche Herberge an. Wie gern überschreitet Er Seine Schwelle, um dir die gleichen Wohltaten zu spenden. Er wird dir im Gebet Seine Gnaden und Segnungen mitteilen. Lass deine tägliche Morgenbetrachtung die stille Stunde sein, wo Er sich selbst dir offenbart, deine Zweifel löst, dein Elend heilt und dich zur Übung jeglicher Tugend heranbildet.



04.09.2019
114. Der Tod Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

II Die Vollstreckung des Todesurteils
So schickte denn der König sofort einen Leibwächter hin mit dem Befehl, sein Haupt auf einer Schüssel hereinzubringen.
Überschreite die Schwelle des Kerkers, in welchem der heilige Vorläufer schmachtet. Begleite den Henker und grüße den Märtyrer. Während die Schamlosigkeit ihre schändlichen Orgien feiert, wird Gott durch einen jungfräulichen Blutzeugen verherrlicht. Bewundere, mit welch großartiger Einfachheit die Heiligen ihr Leben für Wahrheit und Gerechtigkeit hingeben. Gott, der alles kann, lässt zu, dass Johannes das Opfer eines schamlosen Weibes wird. Sein Leben wird der Befriedigung weiblicher Eitelkeit geopfert. Wie kommt das? Herodes gibt den Höflingen ein Fest. Bei dieser Gelegenheit tanzt die Tochter der Herodias vor den Tischgenossen. Und der König sprach zu dem Mädchen: «Verlange von mir, was du willst, und ich werde es dir geben.» Da ging sie hinaus und fragte ihre Mutter: «Was soll ich verlangen?» Diese aber sprach: «Das Haupt Johannes des Täufers.» — Und Johannes fragt nicht: «Mein Gott, ist das der Lohn für meine treuen Dienste?» Er schweigt. Großmütigen Herzens bringt er um einer so unwürdigen Ursache willen Gott das Opfer seines Lebens. In der Tat, selbst das Opfer des Lebens in treuer Pflichterfüllung ist noch gering, weil man es dem unendlichen Gott darbringt. Das Glück des Gerechten besteht darin, für die Gerechtigkeit zu sterben, nachdem er für dieselbe gelebt hat.
Knie vor Johannes dem Täufer nieder und bitte ihn, dich zu segnen. Flehe ihn an, dir als Erbteil seine glühende Liebe zu Jesus zu hinterlassen, seine Seelenstärke in Erfüllung der Pflicht und sein unerschütterliches Gottvertrauen. Vereinige dich mit dem ganzen Himmel in Bewunderung dieses großartigen Schauspiels. So schickte denn der König sofort einen Leibwächter hin mit dem Befehl, sein Haupt hereinzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Kerker, erzählt das Evangelium. Das blutige Werk ist vollbracht, und die Sache Christi zählt einen Sieg mehr. Beuge dich ehrfurchtsvoll vor dem verstümmelten Körper des Märtyrers nieder. Fang sein Blut auf und wasche damit alle Feigheit deiner Seele ab. Erweise diesem entseelten Leib eines Heiligen im Verein mit den Engeln die letzte Ehre.1
Der Märtyrer hat sein Lebenswerk vollendet, aber gestorben ist er nicht. Denn wer dem Dienst des Herrn sich geweiht und Ihm gelebt hat, stirbt nie. Vom Grab der Märtyrer geht neues Leben aus. Der Tod raubt jenen nichts, die im Dienst Gottes ihr Leben verlieren. Dringe tief in diesen Gedanken ein! Lerne den Festen der Erde jene des Himmels vorziehen, lerne der Ewigkeit vor der Zeit, der Pflicht vor dem Vergnügen den Vorzug geben.
1 Alte Überlieferungen verlegen das Grab des heiligen Johannes nach Samaria oder Sebaste. Sebaste erhob sich auf dem Abhang eines einsamen Berges, 11 Kilometer von Napluse entfernt. Die Grabkammer befand sich in der Krypta einer großen Kirche. Man stieg auf einer Treppe von 20 Stufen hinab. Jetzt sind nur noch Ruinen vorhanden.



03.09.2019
114. Der Tod Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

I Der Anlass zur Verurteilung des heiligen Johannes
Herodes hatte Johannes festnehmen, fesseln und in den Kerker werfen lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er zur Frau genommen hatte.
Versetze dich im Geiste in den Kerker Johannes des Täufers und betrachte seinen Opfertod. Bei welcher Gelegenheit erleidet er den Tod? Ein weltliches Fest ist der Anlass dazu. Solche Anlässe sind dem Satan stets willkommen, um den Gerechten nachzustellen. Es gelingt ihm, seine Pläne zu verwirklichen durch berauschende Vergnügungen, durch Entfesselung der Leidenschaften, Erregung der Eifersucht und der Eitelkeit.
Sieh, wie es auf dem Fest bei Herodes zugeht! Höre die Gespräche der Teilnehmer, erforsche ihre Pläne und dring in ihre Absichten ein. Der Satan ist an der Arbeit. Er spricht aus den Personen und drängt sie zum Handeln. Er hasst den Heiland und will Ihm Fallstricke legen. Um sich an Ihm zu rächen, beschließt er, seinen Vorläufer zu töten. Ziehe deine Schlüsse und lerne die Welt hassen, in welcher Satan herrscht.



02.09.2019
113. Das ungläubige Nazareth
(Lk 4, Mt 13, Mk 6)

II Jesus tadelt ihren Unglauben
So nahmen sie an Ihm Anstoß. Jesus aber sprach zu ihnen: «Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seiner Vaterstadt, bei seinen Verwandten und in seiner Heimat.»
Die empörte Menge beruhigt sich nicht, immer wieder tönen die Worte des verletzten Stolzes an Jesu Ohr: «Beweise Deine Behauptung, wirke Wunder!» Wozu? Die Stolzen werden auch durch Wunder nicht bekehrt. Jesus kommt ihren Fragen zuvor, und in diesem Sinn ist die Rechtfertigung, die in Seinen Worten liegt, zu verstehen. Die Wunder Gottes geschehen für die Geringen und Demütigen, für solche, die sich schwach, untauglich und sündig fühlen und bekennen. Die Nazarener gehören nicht zu diesen. Sie suchen nur Befriedigung ihrer Neugierde und möchten Stoff zu neuen Einwendungen haben, wenn sie Wunder beanspruchen. Jesus wirkt kein Wunder. Lerne aus diesem Vorgang und bestrebe dich, göttlicher Wunder würdig zu werden!

III Er wird von ihnen verfolgt
Bei diesen Worten gerieten alle in der Synagoge in Wut. Sie sprangen auf, stießen Ihn zur Stadt hinaus und drängten Ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um Ihn hinabzustürzen. Er aber schritt mitten durch ihre Reihen hindurch und zog weiter.
Die Art und Weise, wie ein Tadel aufgenommen wird, zeigt oft, wie sehr er begründet ist. Hier bietet sich das Schauspiel des Hasses im Kampf mit der Wahrheit. Man will den Heiland, die Hoffnung der Schwachen, den Trost der Betrübten und den Erlöser der Gefallenen töten. Kannst du ein solches Verbrechen bejahen? Eile in die Nähe Jesu, dorthin, wo Er bedroht ist. Suche Ihn zu decken. Nichts ist ruhmvoller, als freiwillig für die Sache Jesu zu leiden und sie bis aufs Blut zu verteidigen.
Der Abgrund, in den man den Erlöser stürzen will, ist tief, aber fürchte nicht, hinabzustürzen. Denn Gott kann unmöglich jene verlassen, welche für die Ehre seines Sohnes streiten. In der höchsten Gefahr wird seine allmächtige Hand dich schützen. Stehe also furchtlos fest und verachte kühn alle Feinde der Wahrheit. Auch heute noch sind diese von gleichem Haß erfüllt. Arbeite ihnen mutig entgegen durch deinen lebendigen Glauben und durch treue, innige Beweise deiner Liebe zu Jesus, damit die Wahrheit triumphiere.



01.09.2019
113. Das ungläubige Nazareth
(Lk 4, Mt 13, Mk 6)

I Jesus wird von Seinen Mitbürgern verkannt
Sie sprachen untereinander: «Woher mag Er das haben? Welch eine Weisheit ist Ihm doch verliehen! Welch große Wunder geschehen durch Seine Hände! Ist das nicht der Zimmermann? Der Sohn Marias?»
Jesus beginnt den Kampf für die Wahrheit angesichts der Ihn umgebenden Menge. Soeben bewunderte sie Ihn noch, jetzt fängt sie an zu murren, Ihm zu widersprechen und sich von Ihm abzuwenden. Woher diese Umwandlung und Aufregung? Jesus hat gesagt: «Ich bin der von Gott Gesandte. Ich komme, um zu versöhnen, zu trösten, zu heilen.» Mit diesen Worten sagte der Heiland gleichzeitig: «Ihr seid Sünder, schwach und ohnmächtig, ihr bedürft Meiner.» Da regt sich der Stolz und lehnt sich auf. — Wer ist dieser Mensch?» rufen die Nazarener, «dass Er es wagt, eine solche Sprache zu führen? Ist Er nicht der uns bekannte Zimmermann, der Sohn des Zimmermanns Joseph? Haben wir Ihn nicht bei der Arbeit gesehen, wie den Geringsten aus uns? Er ist nicht, wofür Er sich ausgibt.»
Höre das Murren der Eifersucht, die Äußerungen der Menschenfurcht, die hämischen Bemerkungen des Unglaubens. Verachte das Lärmen der Menge und stärke dich im Glauben an Jesus. Man greift Seinen göttlichen Ursprung an; verteidige du denselben. Erkenne du Ihn als das an, was Er ist! Das Meisterwerk Seiner allmächtigen Liebe verhüllt Gott unter unscheinbarem Äußeren. Daraus erwächst für dich die Pflicht, es trotz seiner Verborgenheit zu entdecken. Erkenne in der Menschheit Jesu die verhüllte Gottheit. Lerne von der äußeren Erscheinung zur Wirklichkeit, vom Endlichen zur Unendlichkeit vorzudringen. Wozu sich in unbegründeten Zweifeln aufhalten? Auch die größten Wunder kosten Gott nichts. Weshalb sie in Frage stellen? Besser ist es, in den Staub gebeugt, den Gottmenschen anzubeten, Der, obgleich Er dem Vater gleich ist, dennoch wie einer aus uns hat werden wollen, um uns vollkommen anzugehören.



31.08.2019
112. Jesus lehrt zu Nazareth
(Mt 13, Mk 6, Lk 4)

III Jesus wird von Seinen Mitbürgern bewundert
Alle gaben Ihm Beifall und staunten über die anmutsvollen Worte, die aus Seinem Munde flossen.
Die Zuhörer spenden Jesus Beifall. Wie herrlich spricht Er! Wieviel Anmut liegt in Seinen Worten! Es bewundert Ihn die Menge, aber dabei bleibt es. Sie staunen über die Schönheit und Kraft Seiner Worte, aber ihren Geist und ihre Wahrheit erfassen sie nicht und von den Pflichten, die Jesu Lehre auferlegt, wollen sie nichts wissen. Welch törichtes und strafwürdiges Verhalten!
Gott offenbart den Menschen die Wahrheit nicht zu dem Zweck, dass sie von ihnen bewundert werde, sondern dass sie ihnen zur Richtschnur ihres Lebens diene. Strebe danach, dieses recht zu erfassen. Du erkennst Jesus als den Sohn Gottes an, so unterwirf dich Ihm ohne Rückhalt. Du siehst in Jesus deinen Befreier, so komm den Verpflichtungen nach, die Er dir auferlegt. Du betest in Ihm die menschgewordene Wahrheit an, so stell dich unter Sein Banner, kämpfe den guten Kampf und streite für Seine Ehre. Diese Art von Beifall erwartet Jesus von dir. Das sind die Schlussfolgerungen, die du aus Seinen belehrenden Worten ziehen sollst.
1 Eine Kirche, welche den unierten Griechen gehört, steht jetzt an Stelle der alten Synagoge von Nazareth.

30.08.2019
112. Jesus lehrt zu Nazareth
(Mt 13, Mk 6, Lk 4)

II Er offenbart seinen Mitbürgern in feierlicher Weise Seine göttliche Sendung
Am folgenden Sabbat lehrte Er in der Synagoge.1 Er erhob sich, um vorzulesen. Man reichte Ihm das Buch des Propheten Isaias.2Er rollte das Buch auf und stieß auf die Stelle, wo es heißt: «Der Geist des Herrn ruht auf Mir. Er hat Mich gesalbt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Er hat Mich gesandt zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, den Gefangenen die Befreiung anzukündigen, den Blinden das Augenlicht zu geben, Bedrückte in Freiheit zu setzen, das Gnadenjahr des Herrn auszurufen und den Tag der Vergeltung.»'
«Diese Worte», erklärt Jesus, «beziehen sich auf Mich. Ich bin der von den Propheten Verkündete. Ich bin von Gott gesandt zu den Armen, den Betrübten, den Gefangenen und Elenden. Ich komme, Barmherzigkeit zu üben, denn Ich bin der verheißene Erlöser.»
Verkoste die Süßigkeit dieser Worte. Dir gelten sie ebensogut wie den damaligen Zuhörern Jesu und wie dem ganzen Menschengeschlecht. So hat denn der himmlische Vater in Seiner Liebe reichlich für unsere Bedürfnisse gesorgt und unserem Elend gesteuert. Jesus sagt: «Was ihr Mich soeben lesen hörtet, geht heute in Erfüllung. Vor euch steht Der, den Isaias verkündet hat.» Das war eine klare Sprache. Erfüllt sie dich nicht mit Freude? Kannst du noch zögern, Jesus als den verheißenen Erlöser anzuerkennen? Glaubst du aufrichtig, dass Jesus auch für dich der Ausspender der himmlischen Güter ist? Glaubst du, dass Er der von Gott Gesandte ist, Der dich dem himmlischen Vaterland zuführen soll? Glaubst du, dass Er der wahre Tröster für all deine Betrübnis ist? Glaubst du, dass Er allein die Macht besitzt, dir alle deine Sünden zu verzeihen? Glaubst du, dass du nur durch Ihn zum übernatürlichen Leben gelangen kannst? Glaubst du das alles?
1 Es war Sitte, dass am Ende des Gottesdienstes in der Synagoge irgendein Anwesender, der es wünschte, eine Stelle der Propheten lesen und erklären konnte.
2 Die Bücher waren lange Pergamentstreifen, welche auf einem hölzernen oder elfenbeinernen Stab aufgerollt waren.



29.08.2019
112. Jesus lehrt zu Nazareth
(Mt 13, Mk 6, Lk 4)

I Jesus kehrt nach Nazareth zurück
Nachdem Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, zog Er von dort weg. Er begab sich in seine Vaterstadt, seine Jünger folgten Ihm.
Schlage im Gefolge Jesu den Weg nach Nazareth ein, seiner ehemaligen Heimat. Jesus lädt dich ein, Ihn dahin zu begleiten. Durchschreite mit dem göttlichen Heiland das Städtchen. Unterhalte dich mit Ihm und frische die Erinnerungen an seine Kindheit auf. Besuche mit Ihm die geheiligten Stätten seines verborgenen Lebens, seine Arbeitswerkstatt, den stillen Ort seiner Gebete und das Grab des heiligen Joseph.
Küsse mit heiliger Ehrfurcht die Mauern des ärmlichen Hauses, die Zeugen der tiefen Erniedrigung und großen Liebe deines göttlichen Heilandes. Nimm den Duft aller Tugenden, die dort so herrlich geübt worden sind, in dich auf und erquicke dich daran.



28.08.2019
111. Die Lehrweise Jesu
(Mt 13, Mk 4)

II Er zeigt sich ihnen als die ewige Weisheit, die Mensch geworden ist, um ihnen die Wahrheit zu offenbaren
Alles dieses sprach Jesus in Gleichnissen zu den Volksscharen, und ohne Gleichnisse redete Er nicht zu ihnen. So sollte sich das Wort des Propheten erfüllen: «Ich werde meinen Mund auftun und in Gleichnissen ihnen die Wahrheit offenbaren, die seit Grundlegung der Welt verborgen war.»
Danke dem Evangelisten, der diese Einzelheiten über die Lehrweise Jesu aufgezeichnet hat. Die ewige Weisheit neigt sich zum Verständnis der am wenigsten Begabten nieder — ein Beweis, wie sehr der Heiland wünscht, dass wir Ihn verstehen. Freue dich darüber, denn du darfst dich der Gewissheit hingeben, du werdest zum vollen Verständnis der Heilswahrheiten gelangen. Was du heute noch nicht ganz begriffen hast, wird dir vielleicht morgen klar. Sei unbesorgt!
Der einfältige Glaube, die Gelehrigkeit des Geistes, die Geradheit des Willens und die Reinheit des Herzens erreichen in dieser Hinsicht mehr als große natürliche Talente. Der Heiland gefällt sich darin, die ewigen Wahrheiten in Gleichnisse zu kleiden und so sein belehrendes Wort, gerade wie seinen eucharistischen Leib, unter ganz unscheinbarer Hülle uns darzubieten. Dem Hochmütigen sind diese geringen Gestalten ein Stein des Anstoßes. Die Demütigen dagegen durchdringen das glanzlose Äußere und gelangen so zur Entdeckung der Wahrheit. Um besser den göttlichen Heiland zu verstehen, der dir die Geheimnisse des himmlischen Vaters mitteilt, gebiete dem Stolz, der Menschen Furcht und der eitlen Geschäftigkeit Schweigen. Suche zu vergessen, was die Welt sagt, was falsche Philosophie einwendet. Werde ein einfältig gläubiges Kind.
Wenn du täglich treu die vorgeschriebene Zeit der Betrachtung benutzest, wirst du dadurch zum vertraulichen Verkehr mit Jesus und zum Verständnis seiner Lehre gelangen. Er erklärte seinen Jüngern alles im besonderen. Jesus offenbart sich vorzugsweise in der Betrachtung. In dieser heiligen Stunde wirst du in stets wachsendem Licht sehen, was laue Seelen kaum ahnen.



27.08.2019
111. Die Lehrweise Jesu
(Mt 13, Mk 4)

I Jesus mahnt seine Jünger, in das Verständnis seiner Lehre einzudringen
Jesus fragt: «Habt ihr das alles verstanden?» Sie antworteten Ihm: «Ja, Herr.»
Der Meister überrascht seine Jünger mit der Frage: «Habt ihr alles verstanden?» Er fragt nicht bloß: «Habt ihr aufmerksam zugehört? Gefällt euch das, was ich gelehrt habe?» Das wäre nicht genug. «Habt ihr verstanden?» fragt Er. «Hat euer Verstand Mein Wort erfasst? Ist die Finsternis eures Geistes gewichen? Sind nun endlich alle eure Bedenken gefallen? Ist euer Wille fürs Gute gewonnen? Seid ihr bereit, meine Lehre zu üben?»
Diese Frage richtet der Heiland auch an dich. Was kannst du antworten? Wenn Er innerlich zu dir redet, wenn Er sein Wort im Evangelium an dich richtet, wenn du die Anregungen der Gnade fühlst, was tust du dann? Gibst du dir Mühe nachzudenken, zu betrachten, damit du besser von den Heilswahrheiten durchdrungen wirst? Flehst du dann in eifrigem Gebet zum Heiligen Geist, dass Er zu dir herabsteige und dir das Verständnis der Lehre Jesu ermögliche? Nur dann hast du verstanden.



26.08.2019
110. Das Gleichnis vom Fischernetz
(Mt 13)

II Jesus weissagt die Bestrafung derer, welche die erkannte Lehre nicht leben
«So wird es am Ende der Welt sein. Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Mach dir ein anschauliches Bild von den Wirkungen der göttlichen Gerechtigkeit, die Jesus in diesem Gleichnis andeutet. Er hat Mitleid mit dir und will dich deiner Unentschiedenheit entreißen und dich zu mutigen Entschlüssen führen. Wisse, dass Gott eines Tages allen offenbaren wird, was du bist. Er kennt deine ungeraden Absichten, die Bemäntelung deiner Fehler, alle deine verborgenen Vergehen und wird alles ans Licht bringen. Wenn Er das Böse in dir geduldet hat, so geschah es, um dir Zeit zur Bekehrung zu lassen. Wenn Er es in deiner Umgebung duldete, so sollte dadurch in deinem Gedächtnis die Erinnerung an das ewige Verderben wachgehalten werden, welches den Gottlosen im Jenseits erwartet.
Nun denke, du seist an den Gestaden der Ewigkeit angelangt, wohin Jesus dich im Geist führt. Der Tod kann dich in Wirklichkeit vielleicht schon morgen dorthin versetzen. Die Engel halten sich bereit, das Werk der göttlichen Gerechtigkeit, einer strengen, unerbittlichen Gerechtigkeit zu vollziehen. Was würden die Vollstrecker der ewigen Gerechtigkeit mit dir tun, wenn das letzte Gericht in diesem Augenblick stattfände?
«Die Engel werden kommen», sagt der Heiland. Vielleicht müsste Gott deinem Schutzengel, der dich dem Himmel zuführen sollte, den Auftrag geben, dich auf ewig davon auszuschließen. Alle, die nicht im Stand der Gnade sind, werden verworfen werden. Der Verdammte ist der Auswurf der Schöpfung. Er hat keinen Namen mehr. Er zählt nicht mehr. Er bleibt nur noch bestehen, um mit immer neuer Wut die Qual seiner Verdammnis zu fühlen. Höre sein Jammern und Zähneknirschen! — Wende dich an die göttliche Barmherzigkeit und flehe um Gnade für dich, für die Deinen und die ganze Welt. Beschwöre den Herrn, mit seinem entscheidenden Richterspruch noch zu zögern, und fang ernstlich an, so zu leben, wie du beim Gericht wünschen wirst, gelebt zu haben.



25.08.2019
110. Das Gleichnis vom Fischernetz
(Mt 13)

I Jesus belehrt die Jünger, dass es nicht genügt, das Wort Gottes anzuhören, um gerettet zu werden
«Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Fischnetz, das ins Meer ausgeworfen wurde und Fische aller Art einfing.»
Tritt wieder in den Kreis der Zuhörer des göttlichen Meisters. Lass das Licht Seiner Lehre in deine Seele strahlen. Wie gleicht diese Zuhörerschaft dem Meer, von dem Er spricht, dem Meer mit seinen vielgestaltigen Lebewesen, seiner bald von stürmischen Wogen bewegten, bald spiegelglatten Oberfläche! Der Menschenfischer wirft Seine Netze aus. Er bietet jenen, die den Himmel erreichen wollen, alle notwendigen Mittel an, keine bloßen Lockmittel, sondern sichere Mittel des Heils. Wann wirst du endlich für immer deine veränderlichen, trügerischen Urteile aufgeben? Lass dich doch von diesem Netz fangen und sage immer wieder: «Ich glaube deinem Wort!» Wie oft schon hast du so gesprochen? Aber eines scheinst du noch nicht erfasst zu haben: «Wenn das Netz angefüllt ist, zieht man es heraus, setzt sich an das Ufer und sammelt die guten in Gefäße, die schlechten aber wirft man hinaus.» Es genügt also nicht, sich fangen zu lassen und zu sagen: «Ich glaube.» Jesu Worte werden nur denen zum Heil, welche nicht nur an sie glauben, sondern sie zur Richtschnur ihres Lebens machen. Du magst sie weise und gut finden und ihnen von Herzen beistimmen, bleibst du aber dabei stehen, ohne dein Leben danach einzurichten, so werden sie dir zur Verdammung gereichen.



24.08.2019
109. Das Gleichnis von der kostbaren Perle
(Mt 13)

II Jesus lehrt, dass der Besitz der ewigen Güter von höchstem Wert ist
«Als er eine kostbare Perle fand, ging er hin, verkaufte seine ganze Habe und erwarb sie.»
Suche den Gedanken des Heilandes zu erfassen. Du wirst aus demselben die Kraft zur Losschälung schöpfen, deren dein Herz bedarf. Alles, was dir bis dahin kostbar erschien, wird dir wertlos vorkommen. Du wirst mit Freuden alles hingeben, um die Perle zu gewinnen.
Der Kaufmann im Evangelium war geschickt, mutig, unternehmend und hatte sich ein Vermögen erworben. Da entdeckt er eine kostbare Perle und findet nun, dass alles, was er bis jetzt besaß, im Vergleich mit dieser Perle nur geringen Wert hat und dass alles, wonach er mit ganzer Seele strebte, seiner Mühe nicht würdig war. Er erwacht wie aus einem Traum. Er betrachtet sein bisheriges Vermögen und vergleicht es mit dem Schatz, der vor ihm liegt. Mit Freuden und ohne Bedauern gibt er all sein Besitztum hin, um unendlich mehr zu erwerben. Erst jetzt ist er reich. Im Dienst Gottes sich losschälen heißt wahrhaft reich werden. Begreifst du die Freude des glücklichen Kaufmanns über seinen Tausch?
Um die wertvolle Perle zu finden, brauchst du nicht lange zu suchen. Du brauchst nur deine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Tag zu richten. Alles, was dir heute begegnet, bis zu der kleinsten Pflicht und dem geringsten Opfer, birgt die kostbare Perle, von welcher der Heiland redet. Alles tun, was Gott gefällt, und es tun, weil es Gott gefällt, dies ist das unfehlbare Mittel, die kostbare Perle zu gewinnen. Darin liegt das Geheimnis der Heiligkeit! Erbitte dir von Jesus die Gnade, dich durch jede deiner Handlungen für die Ewigkeit zu bereichern. Arbeiten, Widerwärtigkeiten und Leiden, Erfolg und Misserfolg können dir zum Glück werden hienieden und dir Gewinn bringen für die Ewigkeit. Wandle auf diesem Weg, und du wirst nicht getäuscht werden. Besprich mit dem himmlischen Vater deine guten Vorsätze und bitte Ihn, dass Er sie segne!


23.08.2019
109. Das Gleichnis von der kostbaren Perle
(Mt 13)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass man keine Mühe scheuen darf, um die ewigen Güter zu erwerben
«Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der edle Perlen sucht.»
Werde nicht müde, dem göttlichen Meister zu folgen. Sein Blick sucht dich unter der Menge, die Er unterrichtet. Er fährt fort, von den himmlischen Gütern und der Art, wie man sie erlangt, zu sprechen. Der Heiland lehrt dich heute, dass es sich mit dem übernatürlichen Fortschritt und dem Leben der Vollkommenheit gerade so verhält wie mit den zeitlichen Geschäften und Unternehmungen. Wer am geschicktesten ist und die meiste Ausdauer besitzt, macht den größten Gewinn. Das ganze Leben auf Erden besteht darin, die erhaltenen Güter gut zu verwerten. Hat es je einen Tag, ja selbst eine Stunde in deinem Leben gegeben, wo der himmlische Vater dir nicht neue Gnaden gab? Aus diesen Gaben Gottes musst du Nutzen ziehen. In allem, was dir begegnet, ist gleichsam eine kostbare Perle verborgen, es handelt sich nur darum, sie aus der wertlosen Muschel herauszuschälen. Erwecke in dir das brennende Verlangen, reich zu werden an himmlischen Gütern. Welchen Vorsatz wirst du fassen? Worauf musst und willst du dein Streben richten? Welche Beschwerden hast du zu ertragen, welche Vorsicht zu gebrauchen, wo musst du besonders auf dich achten? Nimm dir ein Beispiel am Kaufmann, von dem Jesus spricht. Erinnere dich der vielen Mühen, welche die Weltleute auf sich nehmen, um einen kleinen Vorteil zu erringen. Willst du weniger für die ewigen Güter tun?



22.08.2019
108. Das Gleichnis vom verborgenen Schatz
(Mt 13)

II Er zeigt ihnen den unschätzbaren Wert des Schatzes
«Dann ging er voll Freude darüber hin und verkaufte seine ganze Habe und kaufte den Acker.»
Was will der Heiland dir als Entgelt für deine Anstrengungen geben? Erwäge es! Er erleuchtet dich und lässt dich in seine Geheimnisse eindringen, und dieses wachsende Verständnis erfüllt dein Herz mit jener unvergleichlichen Freude, die allein das Menschenherz hienieden beglücken kann. In der Freude, welche du bei Überwindung von Schwierigkeiten in der Pflichterfüllung und bei mutig gebrachten Opfern empfindest, wirst du einen Vorgeschmack der ewigen Seligkeit verkosten. Gott, der Sich bis dahin verborgen hielt, beginnt Sich zu offenbaren. Der Himmel scheint auf die Erde herniedergestiegen zu sein. Selig der Mensch, dem dieses Glück zuteil wird! Er hat den höchsten Schatz gefunden, das ewige Leben. Er ist bestrebt, sich seinen Besitz zu sichern. Was wird er zu diesem Zweck opfern müssen? «Er geht in der Freude seines Herzens hin und verkauft alles, was er besitzt!» Es fällt ihm nicht schwer, alles hinzugeben, um einen so kostbaren Schatz einzulösen. Was einen unschätzbaren Wert hat, wird nie zu teuer erkauft. Er behütet seinen Schatz vor allen, die ihm denselben rauben könnten.
Nimm dir ein Beispiel an diesem Menschen. Lass die Schatten der Gegenwart den frohen Ausblick auf die selige Zukunft nicht verdecken. Das gegenwärtige Leben soll dir nur dazu dienen, die ewigen Güter beständig anzustreben, zum Himmel erhebe deine Gedanken! Im Licht der Ewigkeit ist die Verachtung der irdischen Güter leicht. Erkenne immer mehr, wie notwendig es für dich ist, deine ungeordneten Leidenschaften und deine übergroße Sorge für zeitliche Dinge oder Beschäftigungen zu bekämpfen, nur dann wirst du das wahre Leben finden!



21.08.2019
108. Das Gleichnis vom verborgenen Schatz
(Mt 13)

I Jesus lehrt seine Jünger, wie man die übernatürlichen Schätze suchen muss
«Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen lag.»
Jesus will dich von neuem erleuchten und unterweisen. Bring Ihm ein gelehriges Herz und guten Willen entgegen.
Was ist unter dem verborgenen Schatz zu verstehen? Die göttliche Gnade, welche erhebt, umwandelt und vergöttlicht. Sie gibt der Seele Leben und verschafft ihr alle Güter. Gnade ist jede Belehrung, welche der Seele durch Jesus zuteil wird. Sie weckt den Eifer, bewegt zu großmütigen Entschlüssen und bewirkt unbeugsamen Mut. Gnade ist alles, was die göttliche Güte für die gläubigen Seelen bereit hält, die ihr Vertrauen auf sie setzen. Gnade ist das übernatürliche Leben, das durch die Tätigkeit des Heilandes, durch die Mitteilung Seiner Lehre, durch Seine Wirksamkeit in den heiligen Sakramenten und durch innere Anregungen in die einzelnen Seelen überströmt.
Mache dich im Geist auf den Weg zu dem Feld, von dem Jesus spricht. Es birgt den kostbarsten Schatz, den es hienieden gibt. Aber du musst ein hartes und scheinbar unfruchtbares Erdreich bearbeiten und viel Mühe anwenden. Das Leben, das die Gnade fordert, scheint dir beschwerlich und verlangt, dass du dir Gewalt antust. Indes vertraue auf das Wort des Heilandes! Er hat wiederholt gelehrt, dass das Kostbare und Verdienstvolle hienieden nicht an der Oberfläche liegt. Grabe mutig in die Tiefe. Betrachte die göttlichen Geheimnisse und versage deinen Sinnen alles, was sie zerstreut. Bekämpfe deinen Stolz, lass dich nicht über Gebühr von deinen Arbeiten einnehmen: Dann sicherst du dir die glückliche Hebung des Schatzes.



20.08.2019
107. Das Gleichnis vom Sauerteig
(Mk 13,Lk 13)

II Jesus erklärt, wie diese Umwandlung vor sich geht
«Diesen Sauerteig nimmt eine Frau und mengt ihn unter drei Maß Mehl, bis der ganze Teig durchsäuert ist.»
Dringe in die Gedanken Jesu ein. Sieh, wie diese Frau den Sauerteig verarbeitet. Der Sauerteig bringt nur dann seine Wirkung hervor, wenn er mit dem Teig verknetet wird. Gott bietet dir Seine allmächtige Gnade an, aber du musst sie starkmütig zur Bekämpfung deiner Schwächen anwenden. Deinen Stolz musst du zur Demut zwingen, deine Eitelkeit muss lernen, andern den Vorrang zu lassen, dein Herz muss allen ungeordneten Neigungen entsagen. Das Joch deiner natürlichen Trägheit musst du abschütteln und deine launenhaften Stimmungen unterdrücken. Deine Seele muss vom Übernatürlichen ganz durchdrungen werden, du musst den Teig kneten!
Gott hat durch seine Gnade alle Kräfte deiner Seele auf das Gute gerichtet. Du musst nun deinerseits unter dem Einfluss der Gnade diese Kraft betätigen. Durch die tägliche Betrachtung, die eifrige Gewissenserforschung, die häufige und gute heilige Kommunion, das Anhören der heiligen Messe und die Andacht zum allerheiligsten Sakrament wirst du zu treuer Mitwirkung mit der Gnade gelangen. Erflehe hierzu die Hilfe Mariens. Dein eifriges Streben wird allen Widerstand brechen und mit der Gnade Gottes den Sieg über deine Natur davontragen. Du wirst die Gnade immer besser nutzen und dich selbst immer gründlicher kennenlernen. Suche im Eifer für deine geistlichen Übungen zu wachsen. Das große Werk deines geistlichen Fortschrittes wird dadurch zu wunderbarer Entfaltung gelangen. Bitte den Heiland um immer größeres Verständnis in dieser Hinsicht!



19.08.2019
107. Das Gleichnis vom Sauerteig
(Mk 13,Lk 13)

I Jesu Worte und Leitung müssen eine Umwandlung in uns bewirken
«Mit dem Himmelreich ist es gleich wie mit einem Sauerteig.»
Nahe dich dem Heiland mit dem Wunsch, neue Belehrungen zu empfangen. «Immer mehr Licht!» ist der Wahlspruch einer auf ihren Fortschritt bedachten Seele. Setze dich zu Füßen des Meisters nieder und lausche Ihm.
Was bedeutet der Sauerteig, von dem Er hier redet? Es ist die Gnade Gottes, das Wort, das Er im Innern deiner Seele zu dir spricht, die Anregung, die Er dir leise zuflüstert und die du so wenig beachtest; die zarte Einladung, die Er beim Beginn jedes neuen Tages an dich richtet. Seine Allmacht, Weisheit und Güte verbündet sich mit deinen schwachen Kräften, und dein Glaube erwacht, deine Hoffnung erstarkt, deine Liebe entflammt sich zu heller Glut. Das Licht der ewigen Wahrheiten leuchtet dir auf. Das Andenken an das letzte Ziel wird neu belebt und die Vergänglichkeit der irdischen Güter tritt dir klarer vor die Seele. Die Sinne machen sich frei, das Herz reißt sich los. Der Wille bricht die Fesseln. Nun vermagst du alles. Die Anregung der Gnade ist in Wahrheit ein Sauerteig, fähig, eine ganze Welt zu höherer Gesinnung zu erheben. Wie willst du dich von nun an diesen Anregungen gegenüber verhalten?



18.08.2019
106. Das Gleichnis vom Senfkorn
(Mt 13, Mk 4, Lk 13)

II Die wunderbare Wirkung der Gnade
«Es treibt so große Zweige, dass die Vögel des Himmels in seinem Schatten wohnen können.»
Kannst du den Gedanken des göttlichen Meisters fassen? Das Wachstum des Senfkorns kommt dir erstaunlich vor. Wenn Gott selbst sich uns unter unscheinbarem Äußern naht, wenn Er durch die allerkleinsten Gaben Sich selbst mitteilt, kann es da erstaunlich sein, dass Er Wunder großartigen Wachstums wirkt?
Lerne, der kleinsten Gnade zu entsprechen. Mit der Gnade mitwirken heißt, die Wirksamkeit Gottes in uns zu unterstützen. Gleich unter welcher Gestalt auch immer Gott Sich uns nähert, Er kommt stets, um in uns zu wirken. Wenn Er sich uns so ganz klein naht, so beabsichtigt Er, recht tief in unser Inneres einzudringen. Es ist kein Geringerer als Er selbst, der an uns arbeitet. Seine Hand wirkt nichts Unbedeutendes. Wenn wir auf Seine Absichten eingehen, geben wir Ihm Gelegenheit, Wunder Seiner Allmacht zu vollziehen. Wirkst du treu mit den kleineren Gnaden mit, so wird Gott dir größere geben. Dein Leben wird eine Quelle siegreichen apostolischen Wirkens werden. Du wirst den Schwachen Stütze, den Guten Freude, den Furchtsamen Trost und Stärke, den Traurigen Ermutigung sein.
Wie hast du bisher diese so tröstliche Lehre Jesu verstanden? Beeile dich, das früher Versäumte nachzuholen. Übergib dich rückhaltlos dem Wirken des göttlichen Sämanns!



17.08.2019
106. Das Gleichnis vom Senfkorn
(Mt 13, Mk 4, Lk 13)

I Der Wert auch der geringsten Gnade
«Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Unter welchem Gleichnis es darstellen? Es gleicht einem Senfkorn. Sät man es in die Erde, so ist es kleiner als alle andern Samenkörner auf Erden. Ist es aber gesät, so schießt es empor und wird größer als alle Gartengewächse.»
Der Heiland bringt abermals ein Gleichnis vom Himmelreich. Diesmal wählt Er das Senfkorn. So führt uns die göttliche Weisheit durch einfache Betrachtung in Ihre tiefsten Gedanken ein. Was will uns Jesus mit dem Gleichnis vom Senfkorn lehren? Die Wirksamkeit des himmlischen Vaters offenbart sich oft in unscheinbarer Weise, indes bringt sie uns in Wahrheit unendliche Güter. In gar armer Hülle sucht der Schöpfer Sein Geschöpf und doch bringt Er die reichsten himmlischen Schätze mit. Er spricht nur ein Wort und weckt damit einen Gedanken, weist hin auf eine Pflicht, fordert die Nutzung eines Augenblicks, eine kleine Anstrengung. Er spricht ein Wort, und die Seele wird gesund. Er spricht ein Wort und wandelt ein Stücklein Brot in den Leib des Herrn. Die äußeren Sinne fassen es nicht, aber der Glaube lehrt uns: Hier ist göttliche Allmacht, die mit einem Wort eine Welt schafft und ordnet, göttliche Weisheit, die durch eine leise Einsprechung jedes Dunkel erleuchtet, unendliche Güte, die bereit ist, eine Fülle von Wohltaten zu spenden, unendliche Barmherzigkeit, die von keinem Elend sich abwendet. So spricht der Glaube, und er spricht die Wahrheit. Er erkennt Gott, beugt sich vor Ihm und betet Ihn an. Der gläubige Christ betrachtet es als seine Pflicht, sich rückhaltlos der göttlichen Einwirkung hinzugeben. Warum widerstrebt unsere sinnliche Natur den Opfern, die ein Leben aus dem Glauben von ihr fordert? Weil der Mensch den nicht erkennt und sieht, der ihm diese Opfer auferlegt. Er vernimmt nur eine Stimme, die zur Selbstverleugnung auffordert, ohne zu wissen, von wem sie ausgeht. Doch vom Glauben erleuchtet, wird er um so deutlicher das Wirken Gottes in seiner Seele wahrnehmen, je mehr die sündige Natur unterdrückt worden ist.



16.08.2019
105. Das Gleichnis vom fruchtbaren Samenkorn
(Mk 4)

II Jesus zeigt den Jüngern, dass Gott mit Recht die Früchte dieses Wirkens erwarten darf
«Wenn dann die Frucht sich zeigt, legt Er alsbald die Sichel an.»
Unser himmlischer Vater ist allgegenwärtig in Seiner Schöpfung. Er selbst gibt allen Geschöpfen das Leben. Jesus hat es soeben gesagt. Warum soviel Sorgfalt für uns von Seiten einer so großen Majestät? Präge es für immer deinem Gedächtnis ein: Gott ist Sich selbst das Ziel all seiner Werke. Er arbeitet für Seine eigene Ehre, wenn Er sich mit uns beschäftigt. Fürchte also nicht mehr, dass Er dich verlasse. Doch wenn Gott uns seinen Dienst zur Pflicht macht, so geschieht dies zu unserm Besten. Er bedarf deiner Tugenden, deiner Siege und deiner Treue nicht, und wir können zur Erhöhung Seiner Seligkeit nichts beitragen.
Aus reiner Liebe hat Er uns das Dasein gegeben, um an Seiner Ehre zu arbeiten. Das Geschöpf soll an der Ehre seines Schöpfers arbeiten, so verlangt es die ewige Weisheit. Dadurch betätigt es seinen Dank gegen Gott, der ihm alles gegeben hat. Die Ehre Gottes und das Glück des Menschen gehen zusammen. Gott verlangt nur, um zu geben. Wenn Gott Seine Ehre sucht, so will Er damit unser Glück!
Fang endlich an zu verstehen, was dein himmlischer Vater will, wenn Er an deine Türe klopft, wenn Er etwas von dir verlangt! In dem geringsten Auftrag vertraut Er dir ein großes Werk an, zu dessen glücklichem Erfolg Er dir alles an die Hand gibt. So erneuere dich denn in kindlichem Vertrauen zu Ihm. Überlass dich großmütig Seiner väterlich liebreichen Führung. Lerne immer besser, dich gläubig Seiner Vorsehung zu überlassen!



15.08.2019
105. Das Gleichnis vom fruchtbaren Samenkorn
(Mk 4)

I Jesus erklärt seinen Jüngern das Wirken Gottes in der Seele
«Das Himmelreich ist gleich einem Manne, der Samen auf das Ackerland streut. Mag er schlafen oder wachen, bei Tag und bei Nacht: der Same sprießt auf, ohne dass er es merkt.»
Wohne den Unterweisungen Jesu mit Ehrfurcht und Gelehrigkeit bei. Bemühe dich, den Sinn der Parabel zu verstehen. Deine eigene Seele ist das Arbeitsfeld des himmlischen Vaters, welcher der Urheber alles Lebens und Wachstums ist. Seine Aufmerksamkeit ist auf Sein Werk gerichtet, wie jene des Landmanns auf das Feld, das er bebaut.
Wenn ich morgens erwache, so finde ich meinen himmlischen Vater bereits an der Arbeit für mich. Er lauscht mir, noch bevor ich rede. Wenn ich zum Gebet komme, finde ich Ihn schon auf mich wartend. Nehme ich meine Arbeit wieder auf, so hat mein himmlischer Vater bereits für alle Hilfe, die ich brauche, gesorgt. Von Ihm kommt alle Freude, die meinen Lebensweg erhellt. Muss Er mir Schmerz senden, so hat Er schon den Trost bereit, der ihn mir versüßen soll. Wenn ich abends ruhig einschlafe, so trägt Er Sorge für den kommenden Tag.
Er ist mir auf das Arbeitsfeld, das Er mir angewiesen hat, vorausgeeilt, und dort begegne ich Ihm jeden Morgen. Bevor ich das Licht der Welt erblickte, sah Er mich schon. Ja, Er liebte mich bereits, ehe ich ein Herz besaß, Ihn zu lieben. Noch kannte niemand meinen Namen; Gott kannte ihn von Ewigkeit. O meine Seele, erkenne Gott als deinen liebenden Vater; bete Ihn an und liebe Ihn. Sprich mit inniger Andacht: «Vater unser, der Du bist im Himmel! Geheiligt werde Dein Name!»



14.08.2019
104. Das Gleichnis vom Unkraut (II)
(Mt 13)

II Endgültiger Triumph Gottes über das Böse
«Am Weltende wird Gott seine Engel aussenden, die Bösen wie Unkraut in Büschel zusammenzubinden und ins Feuer zu werfen.»
Befestige dich im Glauben an Jesus und in der Hoffnung auf Ihn. Was der Heiland hier sagt, beweist, dass Ihm die Übel nicht unbekannt sind, unter welchen wir auf Erden leiden. Er hat in der Tat das Kampffeld nicht verlassen, auf dem du streitend stehst. Er ist bei dir und bleibt dir helfend zur Seite. Du kämpfst neben Ihm gegen die Leidenschaften und die verdorbene Natur, gegen den Schmerz, den Misserfolg und die Böswilligkeit der Menschen. Er sieht und beobachtet dich. In Ihm findest du Hilfe zum Sieg zur gelegenen Zeit. Wessen bedarfst du mehr? Das Leben ist nur ein Tag, der heutige Tag. Die Zukunft gehört Gott; Er wird dafür sorgen.
Muss Gott nicht in der Tat für den endgültigen Sieg Seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe Sorge tragen? «Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus Seinem Reiche alle Verführer und Übeltäter sammeln und werden sie in den Feuerofen werfen.» So lasse denn getrost Gott schalten und walten mit dir und allen. Beim Anblick der Verderbnis um dich her sprich zuversichtlich: «Er wird Seine Engel aussenden.» Glaube fest, Seine Weisheit wird alles zu einem guten Ende führen. Befestige diesen Glauben immer tiefer in dir. Lebe von Tag zu Tag ganz nach den Anregungen der Gnade! Die wahre Weisheit des Menschen besteht darin, in allem, was der gegenwärtige Tag bringt, Gott zu erkennen, und in allen Ereignissen die Spuren Gottes zu verehren. Bestrebe dich mehr als je, zur Zahl der wahren Diener Gottes zu gehören, die den Lohn ihrer Kämpfe erst im Himmel erwarten und die sich gern gedulden bis zum endgültigen Urteil am Jüngsten Tag, an dem die Gerechtigkeit der göttlichen Ratschlüsse allen offenbar wird.


13.08.2019
104. Das Gleichnis vom Unkraut (II)
(Mt 13)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, warum Gott das Böse in dieser Welt zulässt
Dann entließ Er die Volksscharen und ging nach Hause. Da traten seine jünger zu Ihm und baten Ihn: «Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.»
Verweile mit den Aposteln in der Nähe Jesu und höre die Erklärung, die Er gibt. Je besser man die Lehre Jesu erfasst, desto fähiger wird man, sein Leben darnach einzurichten. Was bezweckte Jesus mit dem Gleichnis vom Unkraut? Was sollst du dir besonders daraus merken? Das Unkraut steht auf dem Acker des Hausvaters. Dieses Unkraut ist das Böse; es sind auch die Bösen. Der Anblick des Bösen verwirrt dich und der Verkehr mit den Bösen führt dich auf falsche Wege. Du fühlst das Böse in dir und um dich herum. Das Böse, das so leicht die Guten angreift, sich offen und geheim an jeden herandrängt, das Gewissen verderblich beeinflusst, das den Guten Hindernisse entgegenstellt und die Bösen anscheinend zum Sieg führt. Du bist hierüber erstaunt und betrübst dich. Du fragst: «Wo ist die göttliche Vorsehung, wo die ewige Weisheit?» Wisse, dass Gott das Böse und die Bösen duldet, um den Guten auf Erden Gelegenheit zu verschaffen, Geduld und Demut zu üben und sich durch unentwegte Treue in seinem Dienste auszuzeichnen. Das Leben auf Erden ist ein fortgesetzter Kampf. Warum sich also wundern, wenn man überall auf den Feind stößt? Verlange nicht von Gott und seiner Güte, dass das gegenwärtige Leben ein Vorgeschmack des zukünftigen sei; das hieße die Ernte vor der Aussaat halten wollen. Jenes Leben ist ein Land der Ruhe, dieses ist eine Stätte des Kampfes.
Es ist von großem Nutzen, das gegenwärtige Leben als eine Zeit der Vorbereitung zu betrachten. In Geduld warten und reifen, warten in starkem Glauben und in tiefer Demut, reifen durch die Hitze des Kampfes und durch Betätigung opferfreudigen Mutes zur Ehre Gottes und zum Wohl der Brüder, das ist der Zweck des Lebens. Sorge und ängstige dich um nichts weiter. Gott wacht über seine Ernte.



12.08.2019
103. Das Gleichnis vom Unkraut (I)
(Mt 13)

II Ermutigung zum Kampf
Da traten die Knechte des Hausvaters herzu und sprachen zu ihm: «Herr! Hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?» Er antwortete ihnen: «Das hat der Feind getan.»
Die Knechte wundern sich beim Anblick des üppig wuchernden Unkrauts. Was tun sie? Sie geben dir ein nachahmungswürdiges Beispiel. Sofort zeigen sie die Sache bei ihrem Herrn an. Sie erbitten sich Rat bei jenem, der die Pflicht hat, sie zu leiten. «Woher das Unkraut?» fragen sie. Auf gleiche Weise fragst auch du, wenn du trotz so vieler Gnaden und nach so guten Vorsätzen dich noch so sehr zum Bösen geneigt und so wenig im Guten befestigt fühlst. «Das ist des Feindes Werk», antwortet dir der göttliche Hausvater; eine Antwort, die deinen Mut beleben muss. Lege dir nicht als Schuld bei, was nicht von dir herrührt. Werde auch nicht ungeduldig über eine solche Wahrnehmung. Die Knechte aber sprachen zu ihm: «Willst du, dass wir hingehen und es einsammeln?» Und er sprach: «Ja nicht! Damit ihr nicht etwa, indem ihr das Unkraut sammelt, zugleich mit demselben auch den Weizen ausreißt. Lasst nur beides miteinander wachsen bis zur Ernte.» Wenn Gott in der Welt, und vielleicht auch in deiner Seele, das Übel gewähren lässt, so geschieht dies nur, um Zeit und Gelegenheit zu glänzenderem Sieg zu geben. Aus dieser Art von Siegen erwächst Gott viel größere Ehre.
In späteren Betrachtungen wird dieser Gedanke Jesu noch mehr entwickelt werden. Halte indes schon jetzt für gewiss, dass das Böse um dich und in dir den Zweck hat, größeren Eifer für das geistliche Leben in dir zu wecken. Sich bei solchen Zuständen der Entmutigung überlassen, wäre Verkennung der göttlichen Absichten. Du bist nur für die Zustimmung verantwortlich, die du freiwillig dem Bösen machst, nicht aber für die Versuchungen. Wappne dich künftig mit Geduld, wenn die Stunde des Angriffs kommt! Erwecke in dir ein brennendes Verlangen, deine bisherigen Niederlagen durch glänzende Siege wett zu machen.



11.08.2019
103. Das Gleichnis vom Unkraut (I)
(Mt 13)

I Hinweis auf den Feind alles Guten
Ein anderes Gleichnis trug Er ihnen vor: «Das Himmelreich gleicht einem Manne, der guten Samen auf seinen Acker säte.»
Siehe diesen Mann, der guten Samen auf seinen Acker ausstreute. Er versinnbildet den Vater der großen menschlichen Familie. Grüße mit Liebe den himmlischen Sämann, der ohne Unterlass Samenkörner in die offenliegenden Furchen streut, die Saat des ewigen Lebens. Gott selbst führt seine Geschöpfe auf die richtige Bahn durch Seine väterliche Vorsehung. In jedem Augenblick bietet Er uns selbst die Mittel zum Fortschritt an. Jeden unserer Schritte unterstützt Er und gibt demselben die Richtung auf das Ziel.
Gerade diese göttlich gütige Vorsehung und Sorge, die uns umgibt, weckt den furchtbaren Hass des bösen Feindes. «Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.» Dieser Feind, auf den Jesus hinweist, ist der Satan. Vornehmlich aus Feindschaft gegen Jesus hasst uns der Teufel. Durch die Wirksamkeit der Gnade in uns wird die Ehre Gottes vermehrt; aus Hass gegen Gott beeilt sich nun der böse Feind, diese Tätigkeit der Gnade zu behindern. Er erspäht den geeigneten Augenblick und benutzt jede Gelegenheit, um uns Fallstricke zu legen und das Werk Gottes in uns zu vernichten.
«Als dann der Halm aufschosss und Frucht ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein.» Gott und der Satan arbeiten gleichzeitig in unserem Leben. So wundere dich denn nicht, fast plötzlich, trotz deines eifrigen Strebens, den nachteiligen Einfluss des bösen Feindes zu verspüren, zuweilen noch am Abend eines deiner besten Tage oder nach Empfang besonderer Gnaden oder nach recht ernstlichen Vorsätzen. Je mehr dir Gott gegeben hat, desto mehr sucht Satan, dich zu berauben. Seine Freiheit, uns zu schaden, ist zwar begrenzt, aber dennoch bleibt der Kampf eine bis zum Tod dauernde Notwendigkeit. Nur um den Preis mutigen und kraftvollen Ringens werden wir die uns anvertrauten Schätze bewahren.



10.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

III Jesus setzt die Bedingungen für den Fortschritt im übernatürlichen Leben fest
«Das letzte fiel auf gutes Erdreich. Das sind jene, die das Wort Gottes hören, es in gutem und willigem Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld.»
Merke dir, was der Heiland unter einem guten Boden versteht. Das ist ein umzäuntes Grundstück, das nicht offen steht, das nie zu einer Landstraße wird für jedermann. Es ist ein fetter und lockerer Boden, in welchem der gute Samen wirklich Wurzel fassen kann. Ein von Unkraut gesäuberter Boden, frei von Gestrüpp und Dornen, ganz zur Aufnahme des Samens vorbereitet. Dieser Erde muss dein Herz gleichen. Bereite es mit Eifer auf die Gnade vor und öffne es dem Heiland.
Erkenne die befruchtende Kraft des Wortes Gottes. Dieses Wort wurde einmal ins Nichts gesprochen und hat alle Geschöpfe ins Dasein gerufen. Wenn es also in den Menschen, die es hören, nichts bewirkt, so ist es sicher ihre Schuld. Hast nicht auch du schon oft das göttliche Wort vernommen durch Einsprechungen, gute Predigten oder heilige Lektüre? Warum brachte es nicht volle Frucht?
Das göttliche Wort kann in der Seele nur reiche Frucht bringen, wenn es erkannt und ganz bewusst aufgenommen wird. Du sollst dich nicht mit einem oberflächlichen Anhören begnügen. Die Betrachtung hilft dir, das Wort Gottes in seinen Geheimnissen und in seiner ganzen Tiefe zu erfassen. So wirst du es auch nicht so leicht vergessen, sondern in gutem Herzen bewahren und Frucht bringen lassen.
Bedenke, dass Er selbst zu dir spricht und Seine Gnade spendet. So wirst du allzeit die Gaben des Himmels hochschätzen und sie in Liebe in deiner Seele bewahren. Diese Gedanken werden dein Herz erwärmen, dem guten Samen zur Fruchtbarkeit verhelfen, ihn vor schädlichen Einwirkungen schützen und zur Blüte und Reife bringen.

09.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

II Jesus warnt seine Jünger vor der Unbeständigkeit der Natur und den Verführungen der Welt
«Einiges fiel auf steinigen Grund; das sind die, welche das Wort Gottes zwar hören und mit Freuden aufnehmen, aber nicht Wurzel fassen lassen. Sie glauben eine Zeit lang, aber zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.»
Du wirst in diesen Worten das Bild deiner Seele erkennen, dein oberflächliches Empfinden, den Wechsel in deinen Stimmungen. Beim Zusammentreffen mit Jesus, beim Klang Seiner Stimme wurde dein innerstes Wesen ergriffen. Der Antrieb der Gnade war so lebhaft, dass du dich in den Himmel versetzt glaubtest, als du Ihm folgtest. Warum war einen Augenblick später alles wieder verschwunden? Weil du im Grunde des Herzens eine versteckte Anhänglichkeit hegtest. Naht dann die Versuchung, so vergisst man nur zu schnell die erhaltenen Belehrungen und die guten Vorsätze, die man gefasst hat. Der Same, der schon Keime getrieben hatte, kann keine Wurzel fassen.
Der Heiland bezeichnet ein anderes Hindernis des Fortschrittes. Unter dem Einfluss der Gnade, die das Herz rührte und den Verstand erleuchtete, werden die ersten Schritte auf dem Wege der Besserung freudig gemacht. Indes das Fortschreiten erfordert Ausdauer. Dies befördert das Wachstum der Tugend und bringt sie zur Reife. Darum heißt es angehen gegen zu große Geschäftigkeit, gegen Bequemlichkeit und Wohlleben, gegen die Reize des Vergnügens und der Leidenschaften, damit nicht auch von uns gelte: Zur Zeit der Versuchung fallen sie ab. Unsere Natur ist so voller Fehler und schlechter Neigungen, dass sie einem mit Dornen und Gestrüpp bedeckten Erdreich ähnlich ist. Davon muss sie befreit werden. Diese Befreiung erfordert abermals einen schmerzlichen, unablässigen Kampf. Der Mut zu diesem Streit fehlt oft; die Dornen wachsen, die Fehler vermehren sich und erstarken. Die Sorgen dieser Welt, die Täuschungen des Reichtums, die Vergnügen des Lebens, die Macht der Leidenschaften ersticken das Wort Gottes. Man bleibt stehen, man macht Rückschritte. Die Gnade Gottes wird unfruchtbar gemacht. Ist dies nicht wieder die Geschichte deines Seelenlebens?



08.08.2019
102. Das Gleichnis vom Sämann (III)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

I Jesus warnt seine Jünger vor den Anstrengungen des bösen Feindes, die Seelen zu verderben
«Der Same ist das Wort Gottes. Der Sämann sät das Wort.»
Nimm deinen gewohnten Platz bei Jesus ein; Er wendet sich jetzt nur an Seine Vertrauten. Der Sämann ist Gottes Sohn. Durch Sein Wort streut Er den Samen aus für das ewige Leben. Das übernatürliche Leben kann in einer Seele nur durch den Glauben keimen und sich entwickeln. Man muss dem göttlichen Worte glauben, wenn es das Leben in uns hervorbringen soll. Man muss sich der Autorität unterwerfen, die es verkündigt, die Pflichten erfüllen, die es auferlegt, Verlangen tragen nach den Gütern, die es bringt. Nur im Glauben wurzelt das übernatürliche Leben. Darum sucht der böse Feind, uns vor allem den Glauben zu rauben. Sein ganzer Plan geht dahin, unsern Glauben an das göttliche Wort zu schwächen oder ihn uns ganz zu nehmen.
«Kaum haben sie das Wort vernommen, so kommt der Satan und nimmt es aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.» Darum belebe deinen Glauben, wenn du den Teufel besiegen willst.



07.08.2019
101. Das Gleichnis vom Sämann (II)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

II Jesus verkündet das Glück jener, die Verständnis für Ihn und seine Lehre haben
«Selig die Augen, die sehen, was ihr seht; selig die Ohren, die hören, was ihr hört!»
Sieh und höre, wo auch für dich das Glück sich findet. Gott hat sich herabgelassen, mit den Menschen zu reden. Er, der Schöpfer, hat Sein Geschöpf heimgesucht. Und ich habe Seine Worte vernommen. Sein Licht hat meine Finsternis zerstreut; die übernatürliche Bedeutung meines Lebens und meiner Pflichten liegt nun klar vor mir. Meine Augen sind sehend geworden, und ich habe dem Worte des göttlichen Sohnes geglaubt. Ich glaube, und ich bin glücklich!
Lass den unschlüssigen Seelen ihre Zweifel und den falschen Gelehrten ihre Erörterungen. Genieße die Freude, den zu kennen, der die Wahrheit selber ist und der sie uns vermittelt. Die böse Welt kann sie dir nicht rauben; kein Unglücksfall vermag sie zu vermindern, diese Freude des Schauens, der Erkenntnis und des Besitzes.
«Wahrlich, sage ich euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.»
Das ist der Wert der Gnade, die den Aposteln zuteil geworden ist und deren auch du dich erfreust. Wie viele haben noch nie etwas von Jesus gehört und werden dieses Glück niemals erfahren. Habe Mitleid mit deinen Brüdern. Flehe den Heiland an, sich dieser Enterbten anzunehmen! Bitte für die, welche zu retten Er gekommen ist!



06.08.2019
101. Das Gleichnis vom Sämann (II)
(Mk 4, Mt 13, Lk 8)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass es nicht allen gegeben ist, seine Worte zu verstehen
Und als Er allein war, fragten Ihn die Zwölf, die um Ihn waren, über dieses Gleichnis. Und sie sprachen: «Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen?»
Die Apostel bitten ihren Meister um Erklärung des Gleichnisses. Erwecke auch du in dir das Verlangen nach tieferem Verständnis seiner Lehren. Was bedeutet dieses Gleichnis? Wir ahnen die Wahrheit, hilf uns, dass wir sie klar erkennen, so bitten die Apostel den Heiland. Jesus antwortet ihnen: «Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen.» Das Verständnis des Übernatürlichen ist also eine Gabe Gottes, die nicht allen verliehen wird. Gott verleiht sie den einfachen Seelen und den reinen Herzen, allen die guten Willens sind, d.h. allen, die sich zum Empfang der Gnade vorbereiten, ihr treu entsprechen und Besserung anstreben.
Gott offenbart sich uns, damit wir uns entschließen, unser Leben zu ändern. Die Hochmütigen, die Mutlosen und die Sklaven der Leidenschaft finden die Wahrheit unerträglich, weil sie ihnen die Notwendigkeit auferlegt, ihr Leben zu bessern, ihre Leidenschaften zu bekämpfen und statt ihrer Götzen den wahren Gott anzubeten.
Danke Gott, dass du zu den wenigen Glücklichen zählst, die Verständnis für die Lehre Jesu haben. Freue dich, dass du den Willen und den Mut zu einer ernstlichen Besserung in dir fühlst. Läutere deine Sinne, bringe der Wahrheit, die dich ruft, ein gelehriges Herz entgegen. Sprich aus ganzer Seele: «O ewige Wahrheit, mein Gott und Heiland, wenn meine Besserung noch mehr Opfer als bisher verlangt, so weiß ich auch, dass du mir die Kraft verleihst, sie zu vollbringen. Vermehre in mir dein Licht und gib, dass ich dich allen Lügen der eitlen Welt und allen Blendwerken der Eigenliebe vorziehe.»



05.08.2019
100. Das Gleichnis vom Sämann (I)
(Mt 13, Mk 4, Lk 8

II Jesus beschreibt die verschiedenartige Aufnahme und Wirkung des Wortes Gottes
«Beim Säen fiel einiges auf den Weg, wurde zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es auf. Anderes fiel auf steinigen Grund. Es ging zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Wieder anderes fiel mitten unter die Dornen. Die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es.»
Man kann also die zuvorkommende Gnade auf sehr verschiedene Weise aufnehmen. Gott verlangt, dass wir zur Erreichung Seiner Absichten mitwirken. Er wird uns nicht ohne unser Zutun retten. Wir können Seinen Absichten entsprechen; aber wir können sie auch vereiteln. Unsere Zukunft liegt folglich in unseren Händen. Wie stellst du dich dieser unendlich wichtigen Frage gegenüber? Hüte dich vor jeder Oberflächlichkeit; denn es handelt sich hier um eine glückliche oder unglückliche Ewigkeit.
Hast du keinen Grund zu fürchten? Wie entsprichst du der zuvorkommenden Gnade? Bringst du ihr die notwendige Aufmerksamkeit entgegen? Gleichst du nicht einem Ackerfelde ohne Zaun, das allen offen steht, wo der Feind von allen Seiten eindringt und den von Gott gestreuten Samen raubt? Herrscht in deiner Seele nicht der Lärm fortwährender Zerstreuung, gefährlicher Neugierde, weltlicher Vergnügen und übertriebener Geschäftigkeit, wodurch die heilsamen Anregungen der Gnade überhört, die guten Vorsätze und Gedanken unterdrückt werden? Gleicht dein Inneres nicht dem hart getretenen Boden, der mit Steinen, Unkraut und Dornen bedeckt ist? Dringe in das Innerste deiner Seele ein und erkenne die vom Feinde verursachten Verheerungen. Gedenke all der verscherzten Gnaden und der verschmähten Gunstbezeugungen Gottes. Erzürne über dich selbst. Nimm dir fest vor, deine geheime Anhänglichkeit an die Sünde aufzugeben, deine unruhige Geschäftigkeit zum Schweigen zu bringen und den schädlichen Einflüssen des bösen Feindes unüberwindliche Hindernisse entgegenzusetzen.
«Anderes fiel auf gute Erde und ging auf und trug hundertfältige Frucht.»
Strebe danach, ein fruchtbares Erdreich zu werden, in welchem die göttliche Saat aufgeht, wächst und hundertfältige Frucht bringt. Bitte den Herrn, über deine Seele das allmächtige Schöpferwort auszusprechen, durch welches Er im Anfang die Urmaterie der Erde ordnete und fruchtbar machte. Gib dich ohne Rückhalt den Einsprechungen der Gnade hin.



04.08.2019
100. Das Gleichnis vom Sämann (I)
(Mt 13, Mk 4, Lk 8)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, das es nicht allen gegeben ist, Seine Worte zu verstehen
An jenem Tag ging Jesus aus dem Haus und setzte sich am See nieder. Er redete zu ihnen in vielen Gleichnissen1 und sprach: «Ein Sämann ging aus zu säen.»
Wer ist dieser Sämann? Niemand anders als Jesus selbst, der Urheber und Förderer jeden Fortschritts. Betrachte Ihn und sieh, wie Er sich dem Erdreich deiner Seele nähert. Er will den Samen Seiner Lehre in die Furchen streuen, denn Er ist in diese Welt gekommen, um die Saat für die Ewigkeit zu bestellen. Jedes seiner Worte, sein leisestes Entgegenkommen, alles, was seinen Namen trägt und sein Gesetz verkündigt, schließt einen Keim für die Ewigkeit in sich.
Wie kann dieser Keim entwickelt werden? Jesus macht uns dies begreiflich, indem Er uns ermahnt, das göttliche Wort aufzunehmen, wie die Erde den Samen aufnimmt. Was uns das göttliche Wort auch immer sagt, es trägt in sich einen Keim und die Aussicht auf Ernte in der Ewigkeit. Die Zeit erhält also ihren Wert von der Ewigkeit, und jeder, der uns hindert, die Stimme Gottes, die uns von der Ewigkeit spricht, zu hören oder zu verstehen, der raubt uns unvergängliche Güter.
O meine Seele, warum bist du so zerstreut, wenn Gott in der geistlichen Lesung, in der Betrachtung, in der Predigt zu dir spricht? Warum wirst du so leicht müde, auf Seine Stimme zu hören? Vielleicht weißt du die ewigen Güter nicht nach ihrem wirklichen Wert zu schätzen? Verzichte endlich auf alle eitlen Sorgen. Verlass alles, was vergänglich ist, und richte dein Augenmerk ganz auf die Ewigkeit, und du wirst das Glück haben, die Stimme des Herrn zu vernehmen und zu verstehen und in unverbrüchlicher Treue Ihm zu folgen.

1 Als Jesus die Parabel vom Sämann verkündete, hatte Er die Hügel vor sich am Meer, deren fruchtbare Abhänge den See von Tiberias bis Kapharnaum begrenzen. Wenn Jesus die Augen erhob, hatte Er vor sich die wogenden Ährenfelder, den Fußpfad, der hindurch führte und einzelne kahle Felsen und Dornsträucher.



03.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)

III Wer zur Familie Jesu gehört
«Denn wer den Willen Meines Vaters im Himmel tut, der ist Mir Bruder, Schwester und Mutter. — Meine Mutter und Meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und es tun.»
Sammle dich aufs neue und höre aufmerksam zu. Der Heiland gründet sich auf Erden eine Familie. Er bietet uns sündigen Menschen die Ehre an, Seinen Namen zu tragen, Sein Leben zu führen, Sein Erbe zu teilen. In Seinem Hause sollen wir eine Heimstätte finden. Er sagt: «Meine Jünger sind Meine wahre Familie. Alle, die Mir treu sind, gehören zu Meinen Vertrauten. Tut, was Ich euch lehre, so werde Ich euch wie meine Mutter lieben.» Kannst du dir ein besseres Los wünschen?
Erkenne in diesen Worten die Regel für dein Tagewerk. Der himmlische Vater lässt sie dir durch Seinen eingeborenen Sohn bekanntmachen. Nur dadurch, dass du den göttlichen Willen alle Tage von neuem zur Richtschnur deines Lebens machst, erweisest du dich als Jünger Christi. Geselle dich Seinen Jüngern zu, knie im Geiste mit ihnen nieder und empfange den Segen, den der göttliche Meister Seiner Familie spendet. Erinnere dich in heiliger Freude deiner früheren Gelöbnisse und erneuere sie in diesem Augenblick mit großmütigem Herzen. Frohlocke im Gedanken an die göttliche Verbindung, die Jesus mit dir eingehen will.



02.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)

II Die Erwiderung Jesu
Er aber sprach: «Ja, selig, welche Gottes Wort hören und es befolgen!»
Beherzige diesen Ausspruch des Heilands, in welchem Er angibt, worin das wahre Glück und die wahre Ehre besteht. Selig, wer Gottes Wort hört und übt! Maria verdient also den Glückwunsch nicht nur, weil sie Mutter Gottes ist, als vielmehr, weil sie durch ihre vollkommene Treue gegen das göttliche Gesetz von Gott als die Würdigste erachtet wurde, Mutter Seines Sohnes zu werden. Diese Treue sollen wir auch an den Heiligen bewundern, mehr als die außergewöhnlichen Gnaden, deren sie gewürdigt wurden. Durchdringe dich recht mit dieser Überzeugung und handle danach.
Um diese Lehre tiefer unserem Gedächtnis einzuprägen, fügt es Jesus, dass Seine Mutter Ihn zu sprechen wünscht. Es sagt aber jemand zu Ihm: «Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder1 stehen draußen und suchen Dich.» Begrüße Maria in der Menge, in der sie erscheint, um ihren Sohn zu sprechen; erbaue dich an ihrem Beispiel.
Welche Antwort gibt Jesus? «Wer ist meine Mutter; wer sind meine Brüder?» — Warum diese befremdende Frage? Sollte sich in seinem Herzen die Liebe zu seiner Mutter vermindert haben? Zweifellos nein. Deinetwegen spricht Er so. Du sollst wissen, dass Ihm die Interessen der göttlichen Ehre mehr am Herzen liegen als verwandtschaftliche Beziehungen. Dann streckte Er die Hand über seine Jünger aus und sprach: «Sehet da Meine Mutter und meine Brüder.»
Das ist die Lehre, die der Heiland dir durch diese Begebenheit erteilen will. Vergiss nie, daß Gott nur jene als die Seinen ansieht, die Seinen heiligen Willen vollziehen. Dieses Gesetz gilt für alle. Versuche also nicht länger, dich ihm zu entziehen, um deinem eigenen Gutdünken zu folgen. Dann wirst du zur Zahl jener gehören, von denen Jesus spricht: «Das ist meine Mutter; das sind meine Brüder.»

1 Die unter dem Namen Brüder bezeichneten Personen waren Verwandte, welche nach jüdischer Sitte Brüder genannt wurden.



01.08.2019
99. Die Verwandten Jesu
(Lk 11 u. 8, Mt 12, Mk 3)


I Die Seligpreisung der Mutter Jesu
Es geschah aber, als Er dies redete, erhob eine Frau unter dem Volk ihre Stimme und sprach zu Ihm: «Selig der Leib, der Dich getragen hat, und die Brust, die Dich genährt hat!»
Nimm heute wieder deinen Platz in der Schule Jesu ein. Öffne dein Herz seinen Unterweisungen.
Wer ist die Frau, die den Heiland öffentlich preist? Es ist eine Frau aus dem Volk, eine einfache Seele ohne höhere Bildung. In der Zuhörerschaft Jesu sind die am meisten Erleuchteten nicht immer die Gelehrtesten. Diese Frau hat die göttlichen Worte Jesu besser verstanden und verkostet als alle andern. Was sie soeben vernommen hat, kommt ihr so schön vor, dass sie die Mutter des Heilands selig preist. Ja, sie bedauert es, nicht zu seiner Familie zu gehören, und sie beglückwünscht jene, die Ihm durch die Bande des Blutes verbunden sind. So wirkt das Wort Gottes auf einfache Seelen.
Stimme dieser Frau bei und vereine dich mit ihr zum Preis der Gottesmutter. Durch Jesus gelangt man zu Maria und durch Maria zu Jesus. Erwecke in dir das Verlangen, Marias Lob bis zu den Grenzen der Erde zu tragen.



31.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

III Jesus sagt den Verstockten ihre Beschämung beim letzten Gerichte voraus
«Die Männer von Ninive werden in dem Gerichte mit diesem Geschlechte auftreten und werden es verdammen; denn sie taten Buße auf die Predigt des Jonas. Und siehe, hier ist mehr als Jonas!»
Erwäge ernstlich die Vorwürfe, die der Erlöser dem Volke macht, das von Ihm ein Wunder begehrt. Er nennt es ein böses und ehebrecherisches Geschlecht; denn es hat den Bund gebrochen, den Gott mit ihnen geschlossen hat. Es hat sein Herz abgöttischen Begierden hingegeben und den wahren Gott vergessen. Seine zeitlichen Interessen hat es den ewigen vorgezogen. Darum ist das Volk blind geworden und hat den ihm gesandten Sohn Gottes nicht erkannt. Bei seinem Erscheinen ist es gleichgültig geblieben und hat sich somit unfähig gemacht, den Sinn seiner Lehre und die Größe Seiner Wunder zu erfassen. Um ein neues Herz sollte das Volk bitten und nicht um ein neues Wunder.
Gehörst nicht auch du diesem Geschlechte an, das dem Heiland gegenüber so vieles verschuldet hat? Erforsche dein Gewissen! Vielleicht bezieht sich der Vorwurf Jesu auch auf dich. Versetze dich im Geiste vor Gottes Richterstuhl. Zähle deine Ankläger, d. h. alle jene, die, weniger erleuchtet und weniger begünstigt als du, dennoch durch ihren aufrichtigen Glauben und ihr ernstes Tugendstreben dem Evangelium mehr Ehre gemacht haben. Welchen Urteilsspruch verdienst du?



30.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

II Jesus verheißt das Wunder seiner Auferstehung
Denn wie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauche des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage im Schoße der Erde sein.1 Denn gleich wie Jonas ein Zeichen war für die Niniviten, so wird es der Menschensohn diesem Geschlechte sein.»
Betrachte auch diese Worte Jesu und fasse Mut. Wenn Er jetzt ein Wunder verweigert, so ist doch das letzte Wort über Israel noch nicht gesprochen. Er verflucht das auserwählte Volk nicht. Es bleibt ihm ein Heilmittel. Der Erlöser verspricht noch ein Wunder, und in diesem letzten Wunder wird Er die ganze Macht seiner Beweisgründe entfalten, alle Überzeugungskraft seiner Beredsamkeit, die ganze Glut seiner Liebe.
O meine Seele, eines Tages wirst du deinen Erlöser suchen, der deinen Blicken entschwunden ist. Das Grab hat sich über Ihm geschlossen und man wird dir sagen: «Er ist für dich gestorben und Er wird wieder auferstehen, um dich zu überzeugen und dich für den Glauben zu gewinnen. Was Jonas den Niniviten gewesen ist, das will Jesus dir sein. Du wirst Ihm nicht länger widerstreben und du kannst, wie auch Israel, noch gerettet werden. Darum Vertrauen!

1 Der jüdische Tag dauerte von einem Sonnenuntergang bis zum anderen. Jeder Teil dieses Tages galt für einen ganzen Tag. Es genügte also, damit die Weissagung sich erfüllte, daß Jesus vor dem Ende des ersten Tages ins Grab gelegt wurde, daß Er daselbst den zweiten Tag ruhte und daß Er in den Morgenstunden des dritten Tages auferstand.



29.07.2019
98. Die Pharisäer begehren ein Wunder von Jesus
(Lk 11, Mt 12)

I Jesus wirkt kein Wunder für die, welche sich nicht bekehren wollen
Dann redeten einige von den Pharisäern und Schriftgelehrten zu Ihm und sprachen: «Meister, wir möchten von Dir ein Wunder sehen.»
Höre die Pharisäer und Schriftgelehrten ihr Verlangen äußern. «Meister», sagen sie, «noch ein Wunder, aber ein recht augenfälliges; gib noch einen Beweis deiner Sendung, aber einen solchen, der uns zum Glauben zwingt!» Was beabsichtigen sie mit diesem Wunsche?
Hat der Heiland noch nicht genug Wunder gewirkt? Doch! Wenn das, was der Erlöser bis jetzt getan und gesagt hat, den Juden noch nicht genügt, so hat das einen anderen Grund: sie haben Seine Worte und Seine Lehre noch nicht mit genügender Aufmerksamkeit erwogen; sie haben über Seine Werke nicht nachgedacht. Es ist die freiwillige Zerstreutheit, die nicht sehen will, der Stolz, der sich nicht beugen will, die Menschenfurcht, die man nicht ablegen will, die böse Gewohnheit, der man nicht entsagen will. Diese Menschen verlangen ein Wunder, nur um neuen Stoff zu ihren endlosen Erörterungen und Einwänden und zugleich einen neuen Vorwand zu haben, sich nicht zu bekehren. Deshalb gewährt der Heiland ihre Bitte nicht.
Jesu ablehnende Antwort klingt wie eine Klage. «Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen. Aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jonas.» Die Güte des Heilandes ist unendlich; aber es kommt eine Stunde, wo Sein Licht und Seine Gnade denen entzogen werden, die sie nicht benutzen wollten. Betrachte diese Handlungsweise Jesu und lerne, wie man es anlegen muss, um vom göttlichen Erlöser Wunder zu erlangen.


28.07.2019
97. Von der Sünde wider den Heiligen Geist
(Mk 3, Mt 12)

II Die Sünden gegen den Heiligen Geist können nicht nachgelassen werden
« Wer aber wider den Heiligen Geist lästert, wird in Ewigkeit keine Vergebung erhalten, sondern ewiger Sünde schuldig sein!» Denn sie sagten: «Er hat einen unreinen Geist.»
Erwäge diesen strengen Ausspruch und trachte danach, denselben richtig zu verstehen. Der Heiland will sagen: «Wie unbegrenzt die Barmherzigkeit Gottes auch sein mag, so gibt es doch eine Sünde, die nicht verziehen wird: die Weigerung, an die Göttlichkeit meiner Sendung zu glauben. Warum dies? Weil durch diese hartnäckige Widersetzlichkeit dem Erlöser gleichsam die Mittel der Gnade entrissen werden und so die Gewalt der Vergebung, die Er vom Vater erhalten hat, unwirksam gemacht wird.
Durch die hartnäckige Verweigerung des Glaubens versetzt sich also der Sünder in die Unmöglichkeit, die Gnade zu erlangen. Die ewige Verwerfung zieht sich folglich der verhärtete Sünder selbst zu. Gott will das Heil aller, und es gibt keine Sünde, die Er nicht verzeiht, wenn man sich seinem Sohne unterwirft.
Preise die göttliche Weisheit und bete den Geist der Heiligkeit an, der durch Jesus redet. Nun weißt du besser als je, was du tun musst, um der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit zu entgehen; du kennst die bösen Gelegenheiten, die du meiden, die Tugenden, die du erwerben und üben musst.


27.07.2019
97. Von der Sünde wider den Heiligen Geist
(Mk 3, Mt 12)

I Alle Sünden gegen den Sohn Gottes können nachgelassen werden
Ich sage euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben. Und wer ein Wort wider den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden.
Komm zu Jesus, um dich in den gefassten Vorsätzen zu bestärken. Wie ergreifend ist das Wort, das Er soeben gesprochen hat! Er versichert, dass Er alle Ihm zugefügten Beleidigungen, alle Undankbarkeit verzeihen wolle. Bewundere solchen Großmut. Vergegenwärtige dir, was in nahezu zweitausend Jahren in den unzähligen Beichtstühlen vergeben worden ist an Gotteslästerungen und Sakrilegien. Wahrlich, dein Erlöser hat Wort gehalten. Seine Barmherzigkeit ist noch nicht erschöpft. Auf den gewaltigen Ansturm menschlicher Ungerechtigkeit hat Er mit dem Friedenswort: «Ich spreche dich los» geantwortet.
Danke deinem Erlöser kindlich in deinem Namen und im Namen aller, die dir nahestehen. Wie kannst du anders so viel Güte und so viele Opfer vergelten, als indem du dich anerbietest, nach Kräften Sühne zu leisten und dich von nun an durch unentwegte Treue in seinem Dienste auszuzeichnen.


26.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)

III Jesus ruft alle Menschen unter sein Banner
« Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.»
Diese Worte enthalten einen Aufruf zum Kampf. Gott will in uns herrschen; aber wisse, dass Er nur in jenen Seelen gerne herrscht, die zu siegen verstehen.
Wenn der göttliche Heiland uns vom Himmel die notwendige Stärke bringt, um den Anschlägen der Hölle zu widerstehen, so will Er nicht, dass wir in einem trägen Frieden einschlafen. Im Gegenteil, Er will uns ermutigen, den Feind anzugreifen, ihn aus seiner Stellung zu vertreiben, ihn in die Flucht zu schlagen und zu vernichten.
«Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.» Auf dem Kampfplatze des christlichen Lebens muss man für die eine oder andere Seite Partei ergreifen. Sich vom Kampfe fernhalten ist unmöglich. Angesichts des in Schlachtlinie geordneten Feindes ist jeder, der nicht für Jesus kämpft, ein Gegner Jesu. Wieviel hast du schon zu Seiner Ehre beigetragen? Welche Kampfanstrengungen erwartet der Heiland von dir? Erforsche dich aufrichtig im Lichte des Glaubens. Du musst dich unter das Banner Jesu einreihen, die Waffen, die Er dir anbietet, ergreifen, alle Feigheit abschütteln und unter seiner Führung mutig zum Kampfe eilen. Kannst du zögern, für eine so edle Sache zu streiten?


25.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)

II Jesus erklärt, dass seine Macht alle Angriffe der Hölle überwindet
« Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so ist alles sicher, was er hat. Wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine ganze Waffenrüstung, auf welche er sich verließ, und verteilt seine Beute.»
Jesus ist in Wahrheit der Besieger Satans. Er ist der vom himmlischen Vater den Menschen gegebene Heerführer, der die Pforten der Hölle verschließen und dem Reiche des Bösen ein Ende machen soll. In Seinem Leben findet sich keine Lüge. Alle Seine Worte und Werke sind der überzeugende Ausdruck einer göttlichen Offenbarung, der sich alle unterwerfen müssen. Bezeige auch du Ihm deine Unterwerfung und lass dich gleich Ihm vom Heiligen Geiste in allem leiten und führen. In der Nachfolge deines Erlösers wirst du über alle deine Gegner triumphieren.
Bis zur Ankunft Jesu war der Mensch schwach und der Teufel stark. Nun aber ist der Mensch durch die Gnade Jesu stark und der Teufel schwach. Immer bist du imstande, deinem Widersacher die Güter wieder zu entreißen, welche er dir geraubt hat. Genieße freudig und dankbar die Wohltaten, die Jesus durch Sein Kommen der Welt gebracht hat. Wünsche sehnlichst, dass die Gnade des Sohnes Gottes sich über den ganzen Erdkreis und alle Völker ergieße.


24.07.2019
96. Jesus erklärt sich als den Gegner Satans
(Mt 12, Mk 3, Lk 11)
I Jesus offenbart den göttlichen Charakter seiner Wunder
Einige aber von ihnen sagten: «Durch Beelzebub, den obersten der bösen Geister, treibt Er die bösen Geister aus.» Da rief Er sie zusammen und redete zu ihnen in Gleichnissen: «Wie kann der Satan den Satan austreiben?... Wenn nun der Satan wider sich selbst uneins ist, wie wird dann sein Reich bestehen?»
Betrachte den göttlichen Heiland und höre, wie Ihn die Pharisäer anklagen. Er sei ein Werkzeug Satans, und die Macht, über welche Er verfüge, rühre vom Teufel her.
Was sie sich nicht erklären können, schreiben sie einer satanischen Einwirkung zu oder behandeln es als Hirngespinst. Ähnlich verfährt man auch heutzutage in der Welt mit Jesus. Wundere dich nicht darüber. Es ist unmöglich, dass die Hölle nicht in Wut entbrenne über die Macht seines Wortes und den Glanz seiner Wunder. Die bösen Geister der Eifersucht, des Hasses, des Unglaubens und der Gottlosigkeit lehnen sich naturgemäß gegen den Heiland auf.
Betrachte den göttlichen Erlöser inmitten seiner Feinde. Wie ist Er ihnen gegenüber groß, ruhig und stark. Er entlarvt seine ohnmächtigen Gegner und besiegt sie mit der Kraft eines Helden, der sich seiner Überlegenheit bewusst ist. Bedenke auch, wie sehr Einfachheit und Demut notwendig sind, um richtig über die Werke Gottes urteilen zu können. Nur das demutsvolle Auge des Glaubens entdeckt die göttliche Tätigkeit in den Geheimnissen, worin sie sich verbirgt. Beseelt dich der Geist der Demut und des Glaubens beim Lesen des Evangeliums, beim Anhören des göttlichen Wortes und bei der Betrachtung des Lebens Jesu? Sei demütig, und du wirst erleuchtet werden.



23.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

III Jesus erregt den Widerspruch der Pharisäer
Und Er heilte ihn, so dass der Stumme reden und sehen konnte . Die Pharisäer aber, die das hörten, sprachen: «Dieser treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebub, den Anführer der Teufel.»
Höre den vom bösen Geiste Befreiten reden. Was sagt er? Was kann ein Mensch sagen, der gerade eine so große Wohltat empfangen hat? Aus seinen Augen leuchtet die Dankbarkeit und seine Worte bezeugen liebende Hingabe. Lass auch dein Herz diesen Gefühlen sich öffnen. Bitte Gott, mit seinem Lichte deine Finsternis zu zerstreuen. Wünsche von Herzen, dass sich die Zunge aller geistig Stummen lösen möge, um das Lob Gottes zu verkünden.
«Er hat einen Teufel», sagen die Pharisäer. Das ist die Sprache des Stolzes, der es den Pharisäern unmöglich macht, in den Werken Jesu die göttliche Allmacht zu erkennen, die sie erheben und heilen will. Sie glauben, der Erlösung nicht zu bedürfen. Sie sind ungehalten beim Anblick der einfachen Seelen, die mit Dank die Gnaden und Wunder annehmen, von denen sie selbst nichts wissen wollen. Anstatt sich vor Jesus zu demütigen, lästern sie Ihn. — Habe nichts mit diesen stolzen Pharisäern gemein. In dem Maße als du nach Demut strebst, wirst du innerlich erleuchtet werden. Je mehr Demut du hast, desto größere Fortschritte machst du in der Kenntnis und Liebe Jesu. Opfere dem Herrn gleich jetzt innere Akte der Demut auf und nimm an seiner Seite den Platz ein, den die Lästerer und Ungläubigen verschmäht haben.



22.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

II Jesus heilt einen Besessenen
Man brachte einen Besessenen zu Ihm, der blind und stumm war.
Das Wunder, das Jesus zu wirken im Begriffe steht, hat eine besondere Bedeutung für dich. Gleichst du nicht diesem Unglücklichen? Bist du nicht blind für deinen Gewissenszustand? Erkennst du die Hässlichkeit deiner Fehler und bösen Gewohnheiten? Sind dir deine feigen Zugeständnisse an die Genusssucht in ihrer ganzen Niedrigkeit bewusst? Siehst du ein das Unwürdige und Schmachvolle deiner beklagenswerten Menschenfurcht, deiner Scheu vor den Beschwerden, welche mit treuer Pflichterfüllung verbunden sind? Gefällst du dir etwa in dieser Blindheit?
Fehlt dir die Sprache nicht ebenso sehr wie das Licht der Augen? Bleibst du nicht stumm, wenn du beten, Gott danken oder andere ermahnen solltest? Warum schweigt alles in dir, da doch deine Zunge und dein Herz Gott preisen sollten? Warum bekennst du deinen Glauben nicht, wo es deine heilige Pflicht wäre, für Ihn einzutreten? Wenn sich Gelegenheit bietet, für Jesus Zeugnis abzulegen, schweigst du da nicht oft, statt dich auf Seine Seite zu stellen?
In Wahrheit gehörst du also zur Zahl jener unglücklichen Blinden und Stummen, die der Heilung bedürfen. So eile denn zu Jesus und lass dir Seine segnende Hand auflegen. Nenne Ihm die bösen Geister, die dich gefangen halten: Menschenfurcht, übertriebene Sorge für das Irdische, Selbstsucht und Sinnlichkeit! Erwecke Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, damit die Gnade einen vollkommenen Sieg über dich davon trage!



21.07.2019
95. Jesus heilt einen stummen und blinden Besessenen
(Mk3, Mt 12, Lk 11)

I Die Volksmenge umdrängt den Heiland
Als sie nach Hause1 kamen, versammelte sich das Volk wieder, so dass sie nicht einmal ihr Brot essen konnten. Da die Seinigen dies hörten, gingen sie hinaus, Ihn mit Gewalt zu holen.
Begib dich mitten durch die Volksschar in die Nähe des Heilandes. Freue dich des großen Zulaufs, den Er hat. Wie viele Menschen, die Seiner bedürfen, wie viele Hilfesuchende, die Seine Allmacht anflehen!
Die Güte Jesu kommt Seiner Allmacht gleich. Alle sind sicher, zu jeder Stunde, an jedem Orte und unter allen Umständen von Ihm aufgenommen zu werden. Er ist für alle da; alle dürfen auf Ihn zählen. Siehe, wie Er seine ganze Freude und sein ganzes Glück daran setzt, für die Ehre Seines Vaters zu arbeiten und sich unserem Heile zu widmen. Was man von Ihm denkt, bekümmert Ihn wenig. «Er ist wahnsinnig geworden», sagen seine Verwandten. Höre diese beleidigende Rede. Auch Seine Güte, Seine Tugend, so viele Wunder konnten sie nicht für Jesus gewinnen. Fremde erheben und preisen den Herrn, und die Ihm am nächsten stehen sollten, setzen Ihn herab. Aber nichts ist imstande, Ihn von der Erfüllung seiner Aufgabe zurückzuhalten. Nimm dir ein Beispiel! Was liegt am Urteil der Menschen, wenn nur das Werk, das Gott uns aufgetragen hat, vollbracht wird!
1 Wahrscheinlich bei der Rückkehr des Erlösers aus der Gegend von Naim nach Kaphamaum. Es handelt sich um das Haus, das Er in dieser letzteren Stadt bewohnte.



20.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

IV Jesus betont den Wert der Liebesreue
«Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel Liebe gezeigt hat.»
Bedenke, dass die Verzeihung der Sünden gewährt wird nach dem Maß der Liebe. Je größer die Liebe des Büßenden, desto wirksamer die Gnade der Bekehrung, denn die Sünde wurde begangen wegen eines Mangels an Liebe zu Gott, und so muss das entgegengesetzte Heilmittel, welches sie wieder heil macht, auch eine entsprechend große Liebe sein. Bedaure es, dass du Gott zu wenig geliebt hast, und bitte Ihn um die Vermehrung der göttlichen Liebe.
Die wahre Liebe zu Gott schließt auch den Abscheu vor der Sünde mit ein. Wenn du wahrhaft ein Kind Gottes bist, wirst du die Sünde als das größte Übel fliehen und auch die geringsten Sünden verabscheuen, weil sie eine Beleidigung deines gütigsten Vaters sind.
Bedenke auch, dass Gott mehr geliebt als gefürchtet sein will, denn Seine Güte ist Ihm wichtiger als Seine Gerechtigkeit. Deshalb sind Ihm jene, die sich aus Liebe zu Ihm bekehren, überaus teuer, und sie werden eine vollständigere Verzeihung ihrer Sünden erlangen, als jene, die sich aus Furcht bekehren. Gott zu lieben, soll deshalb deine beglückendste Beschäftigung und deine eigentliche Lebensaufgabe sein!



19.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

III Jesus verzeiht der Sünderin und entlässt sie in Frieden
Dann sprach Er zu ihr: «Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin im Frieden!»
Betrachte aufmerksam die Worte der Verzeihung. «Dein Glaube hat dich gerettet.» Aus dem Glauben entspringt die Liebe, die Verzeihung erwirkt. Die Büßerin liebt, weil sie glaubt. Sie glaubt an den Sohn Gottes, an den Erlöser der Welt. Im Lichte des Glaubens hat sie Ihn betrachtet, und in diesem Licht erschien Er ihr unendlich schön und einer unbegrenzten Liebe würdig. Glaube und Liebe machten sie stark genug, mit einem Schlag alle Fesseln ihrer entehrenden Knechtschaft zu sprengen und so gewaltige Siege über sich selbst davonzutragen. Danke ihr, dass sie der Welt eine so herrliche Lehre gegeben hat, und entschließe dich, sie zu befolgen.



18.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

II Jesus verteidigt die Sünderin und rechtfertigt Seine Handlungsweise
Als der Pharisäer, der Ihn geladen hatte, dies sah, dachte er bei sich: «Wenn dieser ein Prophet wäre, wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn berührt — eine Sünderin.» Jesus sprach zu ihm: «Simon, ich habe dir etwas zu sagen.» Dieser erwiderte: «Sprich, Meister.» Er sprach: «Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Da sie ihre Schuld nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun am meisten lieben?» Simon antwortete: «Ich glaube, der, dem er das meiste geschenkt hat.» Jesus sprach zu ihm: «Du hast recht geurteilt.»
Höre, wie der Heiland die Sünderin verteidigt. «Simon, ich habe dir etwas zu sagen.» Auch für dich trägt der Heiland diese rührende Parabel vor. Gott hat seinen eingeborenen Sohn gesandt, damit Er uns lehre, wie wir unsere Schuld bei Ihm begleichen sollen. Gott verzeiht aus Liebe, wie Er auch die Welt aus Liebe erschaffen hat. Je mehr man liebt, desto mehr verzeiht Er, und je mehr Er verzeiht, desto mehr will Er geliebt werden. Ein einziger Akt der Liebe kann ein Leben voller Sünde aufwiegen. Wenn ich Gott liebe, habe ich Seine Gerechtigkeit nicht mehr zu fürchten.
«Sieh, diese Frau», sprach Jesus zu Simon, «und vergleiche dich mit ihr! Wer von euch beiden liebt mehr, du oder sie? Wer versteht es besser, den Blick Gottes auf sich zu ziehen und sich Seiner Güte würdig zu machen? Ich kam in dein Haus, und du gabst Mir kein Wasser für meine Füße; sie aber hat Meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du gabst Mir keinen Kuss; sie aber hat seit Meinem Eintritt unaufhörlich meine Füße geküsst. Du salbtest Mein Haupt nicht mit Öl; sie aber hat Meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel Liebe gezeigt hat.»
Präge dir diese Worte tief ein und suche den Gedanken des Meisters ganz zu erfassen. Stelle auch du den Vergleich an, den Jesus seinem Gastgeber nahelegt. Erwäge, wie hoch der Heiland die zarten Liebeserweise eines reuigen Herzens schätzt!
O meine Seele, das Andenken an deine Fehler darf also niemals deine liebende Vertrautheit mit dem göttlichen Heiland vermindern. Obschon du gestern noch zu den verlorenen Schafen zähltest, darfst du dich heute wieder den am meisten bevorzugten Schäflein beigesellen, aus dem Becher des guten Hirten trinken und aus Seiner Hand die Nahrung empfangen, mit der Er dich stärken will. Blicke auf die glückliche Büßerin; bitte sie um die Gesinnungen ihres Herzens und leiste auch du Genugtuung für deine Sünden.



17.07.2019
94. Die Bekehrung Maria Magdalenas
(Lk 7)

I Die Sünderin zu den Füßen Jesu
Ein Pharisäer bat ihn, bei ihm zu essen. Er ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tische.1 In der Stadt lebte eine Frau als Sünderin.2 Als sie erfuhr, dass Er im Hause des Pharisäers zu Tische sei, brachte sie ein Alabastergefäß mit Salböl. Sie stellte sich weinend hinter Seine Füße und fing an, Seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen. Dann küsste sie Seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.
Tritt mit dem Heiland in das Haus des Pharisäers ein; halte dich an Seiner Seite, um Seine barmherzige Liebe besser bewundern zu können. Die verirrten Seelen sollen erfahren, in welchem Maße sie von ihrem Heiland die Gnade der Verzeihung erwarten dürfen.
Betrachte die Sünderin zu den Füßen Jesu. Diese Frau ist ein Opfer der Sinnlichkeit und Hoffart, eine Sklavin der Leidenschaft und der Eitelkeit, ein Gegenstand des Ärgernisses. Und doch verweilt der Heiland um ihretwillen in der Stadt. Die göttliche Weisheit würdigt Sich, jene an Sich zu ziehen, welche die Welt verachtet. Jesus begnügt sich nicht damit, um der Sünderin willen der Einladung des Pharisäers Folge zu leisten, Er nimmt sie auch mit unaussprechlicher Herablassung auf. Er erlaubt ihr, sich Ihm zu nahen, ermutigt sie durch Seinen Blick und scheint den Gästen schon dadurch zeigen zu wollen, dass Er an ihrer Huldigung Gefallen findet. Alle Bedingungen, unter denen Gott verzeiht, hat die Sünderin schon erfüllt.
Um welchen Preis gewährt denn der Heiland die Verzeihung, welche Maria Magdalena so demütig begehrt? Um den Preis ihrer Liebe. Was einzig Gott in dieser Welt sucht, ist das Herz Seines Geschöpfes, und das ist auch alles, was Er vom verirrten Sünder verlangt.
Was tut die Sünderin zu den Füßen Jesu? Siehe ihre Tränen, errate ihr stummes Bekenntnis, atme den Wohlgeruch ihres Nardenöls ein. Was will all das sagen? Nichts anders als: «Mein Gott, verzeihe mir; denn ich liebe Dich!» Sie macht ihr Herz von seinen Fesseln los, um es ganz Gott zu schenken. Sie hat die Lehre Jesu von der göttlichen Barmherzigkeit verstanden; ihre Reue ist vollkommen. Lerne von ihr, deine Sünden zu bereuen und dein Herz den Geschöpfen zu entreißen, um es Dem wiederzugeben, der es für Sich erschaffen hat.
1 Seit der Babylonischen Gefangenschaft folgten die Juden bei Tisch dem Beispiel der Griechen und Römer; wie diese legten sie ihre Sandalen am Eingang ab und ließen sich auf Ruhepolstern nieder, welche vor den Tischen lagen. Sie aßen, indem sie sich auf den linken Arm stützten; der Körper war ausgestreckt und die Füße nach auswärts gekehrt.
2 Nach der allgemeinen Ansicht der Kirche ist diese Frau Maria Magdalena (Maria von Magdala), die Schwester des Lazarus.



16.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

III Jesus wirft den Städten Missbrauch Seiner Gnaden und Wohltaten vor
«Und du Kapharnaum1, wirst du wohl bis zum Himmel erhoben werden? In die Unterwelt sollst du hinabfahren. Denn wären in Sodom die Wunder geschehen, die in dir geschahen, es stände noch bis auf den heutigen Tag.»
Verdienst du nicht auch hier wieder einen Teil der Vorwürfe, die der Heiland macht? Erinnere dich deiner Vergangenheit. Was würden andere, weniger begnadete bei solchem Entgegenkommen Gottes geleistet haben? Was würden die Gnadenwunder, die dich kalt ließen, in ihrem Leben bewirkt haben? Wie gründlich hätten sie sich bekehrt, wenn die Erleuchtungen, die dir vergebens so reichlich zuteil wurden, ihren Lebensweg erhellt hätten? Antworte und ziehe den Vergleich. Blicke flehentlich zum Heiland auf, der seinen rächenden Arm über dir erhebt.
Was willst du tun, um einem so strengen Strafgerichte zu entgehen? Wodurch hatten die Einwohner der verfluchten Städte den Zorn Gottes heraufbeschworen? Sie vergaßen ihre ewige Bestimmung und versenkten sich ganz in ihre irdischen Angelegenheiten, gaben sich allen Vergnügungen und sinnlichen Ergötzungen hin. Sie lebten in freiwilliger Blindheit. Da konnte die Saat des Glaubens nicht aufgehen. So verfällt man der Gleichgültigkeit, die allmählich der ewigen Verdammnis zuführt.
Lerne auf der Hut zu sein und dich auf eine bessere Zukunft vorzubereiten. Noch ist es Zeit, dir durch deine guten Vorsätze die unendliche Barmherzigkeit Gottes geneigt zu machen und die Gerechtigkeit zu entwaffnen. Bitte Jesus durch die Fürsprache seiner heiligen Mutter, deiner in der Ewigkeit zu schonen.
1 Kapharnaum, die am meisten bevorzugte Stadt, ist gegenwärtig nur noch ein Trümmerhaufen. Zahlreiche Basaltsteine verschiedener Größe, die meistens von zerstörten Häusern und Bauwerken herrühren, bedecken die Stätte, wo Kapharnaum ehemals stand. Die Überreste der schönen Synagoge sind die einzigen erkennbaren Ruinen der Stadt und erregen noch mit Recht die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Palästinareisenden.



15.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

II Jesus sagt dem Volk die strengen Gerichte Gottes vorher
«Weh dir, Chorazin!'1 Weh dir, Bethsaida!2 Denn wären in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten schon längst in Sack und Asche Buße getan.»
«Wehe dir!» — Beklage die Unglücklichen, welche die göttliche Gerechtigkeit verflucht. Aber kehre sogleich in dein eigenes Innere ein.
Wo ist die Stadt, die dem Heiland die Tore verschlossen hält, um sie Seinem Feinde zu öffnen? Wo ist der hochmütige Geist, der sich der Einfalt des Evangeliums schämt? Wo ist das geteilte Herz, das dem Sohn Gottes nicht den ersten Platz einräumen will? Wo ist der Wille, der trotz alles göttlichen Entgegenkommens in seinem Widerstand verharrt? Was antwortet dein Gewissen auf diese Fragen?
Verdienst nicht auch du die Drohung zu hören, die der Heiland ausspricht? «Ich bin gekommen», sagt Jesus, «die Hände voll himmlischer Gaben, Ich richtete ehrenvolle Einladungen an dich, Ich stellte auserlesene Heilsmittel zu deiner Verfügung. Hast du Meinem Gnadenruf nicht oftmals sündhaften Genuss vorgezogen oder in deiner Feigheit nicht gewagt, dich offen zu Mir zu bekennen? Wehe dir!» — Was willst du antworten? Was hast du verdient?
1 Chorazin, Nachbarstadt von Kaphamaum. Der Heiland weilte oft daselbst. Vom Orte selbst ist nichts übriggeblieben.
2 Von Bethsaida findet man nur zerfallene Überreste. Das ist alles, was von dem Orte geblieben ist, der dem Heiland fünf Apostel geschenkt hat.



14.07.2019
93. Der Fluch über Chorazin, Bethsaida und Kapharnaum
(Mt 11)

I Jesus droht den ungläubigen Städten mit den göttlichen Strafgerichten
Dann hielt Er die Strafrede an die Städte1, in denen seine vielen Wunder geschehen waren und die sich dennoch nicht bekehrt hatten.
Nimm deinen gewohnten Platz unter den Zuhörern Jesu ein. Die erzürnte Gerechtigkeit des Meisters hält dir eine Lehre vor, die du zu deinem Heile wohl nutzen musst.
Vor den Blicken Jesu liegen die bevorzugten Städte, welche so oft Zeugen seiner Wunder gewesen sind. Gedenke Seines liebreichen Entgegenkommens, Seiner beredten Lehrvorträge und Seines heldenmütigen Beispiels an diesen Orten. Frische die Erinnerungen an Seine Wunder wieder bei dir auf. Wie ist es doch möglich, dass der liebreiche Heiland so vielen begegnet, die leichtsinnig dahinleben, Ihm einen widerspenstigen Willen entgegensetzen und Ihm ihre Herzen hartnäckig verschließen. Leider ist es nur zu wahr: die Städte, die vor Ihm liegen, haben keinen Nutzen aus Seinen Lehren und Ermahnungen gezogen. Seine Wunder sind fast ohne Wirkung geblieben. Die Vorurteile gegen Ihn sind nicht gewichen; der Stolz hat sich nicht beugen lassen, und der Glaube hat keine Wurzeln geschlagen.
Betrachte den Sohn Gottes. Seine Gesichtszüge zeigen den Schmerz über die Undankbarkeit, den Widerspruch und die Abweisung, die Er dort erfahren hat. Er will Seine gerechte Entrüstung nicht länger zurückhalten. Die Stunde der Vergeltung hat geschlagen. Es kommt eine Stunde, wo Er, der nur Segen vom Himmel bringen wollte, Seinen Fluch ausspricht.
1 Kapharnaum, Bethsaida, Chorazin, Genesareth, d. h. das ganze westliche Ufer des Sees Tiberias erstreckt sich in einer Länge von 3 — 4 Meilen; es war der hauptsächlichste Schauplatz der Lehrtätigkeit Jesu. Dieser Landstrich war der meistbevölkerte von ganz Palästina; hier war ein buntes Gemisch von Rassen, Sitten und Religionen.



13.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

III Jesus preist den Eifer seines Vorläufers und die Erhabenheit seiner Sendung
«Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, noch mehr als einen Propheten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor Dir her, dass er den Weg vor Dir bereite.»
Wiederum ein Lob des heiligen Johannes aus dem Munde des Herrn; abermals eine Gewissensfrage für dich. Die Menge hatte einen Mann gesehen, der nur die Interessen Gottes im Auge hatte und in ihnen aufging, einen Mann, der von Eifer glühte, dem Erlöser den Weg zu bereiten, Ihm Seelen zuzuführen, der bemüht war, allen die Gnade seiner wirklichen Ankunft zu verkünden. Dieser ist mehr als ein Prophet, sagt Jesus. Was ist er denn? Ein Apostel!
Beherzige ernstlich diesen Ausspruch Jesu. Wie groß ist dein Eifer für die Ehre des Heilandes? Wo ist deine brennende Begierde, Gott Seelen zu gewinnen, besonders jene, auf welche du Einfluss hast? Bist du in deinem Kreise das, was Johannes der Täufer beim jüdischen Volke war, der Engel des neuen Bundes, der Bahnbrecher des himmlischen Reiches, der Vermittler zwischen Gott und der sündigen Menschheit? Vergleiche dich mit dem heiligen Johannes und beurteile dich der Wahrheit entsprechend. Was hast du schon für die Sache des Evangeliums getan? Hältst du nicht durch ein schlechtes Beispiel andere ab, sich dem göttlichen Heiland zu nahen, anstatt sie Ihm zuzuführen?
«Wahrlich, ich sage euch», spricht Jesus, «unter den von der Frau Geborenen gibt es keinen Größeren als Johannes den Täufer.» — Was ließe sich von dir sagen? Müsste es nicht heißen: «Niemand ist kleiner als du; nichts ist beschränkter als deine Gedanken, nichts engherziger als deine Wünsche?» Lerne groß werden durch Selbstverleugnung.
Beglückwünsche die, welche sich selbst bezwungen haben, um das Himmelreich zu gewinnen; sieh, welche Kämpfe sie zu bestehen hatten. Vereinige dein Lob mit jenem der Auserwählten und verkünde den Triumph des Evangeliums. Lass dich nicht länger von der Unbeständigkeit des Vergänglichen beeinflussen. Miss mit dem Maßstab der Ewigkeit!



12.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

II Jesus preist die strenge Lebensweise Johannes des Täufers
«Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichlichen Kleidern angetan? Siehe, die da weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige.»
Was haben die Leute in der Wüste gesehen? Einen Mann, der alle Furcht vor körperlichen Leiden überwunden hat, der darauf sinnt, sein Fleisch abzutöten, der lange Jahre im Wachen und Fasten zubringt, dem die Entbehrungen einer vollkommenen Armut ein Genuss sind, der öffentlich zeigt, dass er verachtet, was den Sinnen schmeichelt. Solch ein Anblick hat sie überwältigt, deshalb sagen sie: «Das ist ein Mann Gottes. Wir wollen uns bekehren und Buße tun.»
Auch der Heiland freut sich über den großen Bußprediger. Um seine Freude vollkommen zu machen, musst auch du Buße tun und dich bekehren. Bist du nicht ein elender Sklave des Wohllebens und der Weichlichkeit? Schreckt dich nicht der Anblick dieses strengen Bußlebens, das die Menge in der Wüste begeisterte? Bist du nicht darauf bedacht, dir soviel als möglich die Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen? Wirst du nicht traurig und schlechter Laune, wenn du einmal etwas entbehren musst? Nähere dich demütig dem Heiland, bekenne Ihm deine Schuld und bitte Ihn, dich loszusprechen.



11.07.2019
92. Die Lobrede Jesu auf Johannes den Täufer
(Lk7, Mt 11)

I Jesus lobt die Seelenstärke des Vorläufers
Während aber diese hinweggingen, fing Jesus an, zu dem Volke von Johannes zu reden: «Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen. Ein Schilfrohr, das vom Winde hin und her bewegt wird?»
Belebe in dir das Feuer heiliger Begeisterung und höre, was dich dem göttlichen Meister wohlgefällig macht. Ist es nicht die einzig wahre und erstrebenswerte Ehre, das Lob des Heilandes zu verdienen?
«Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?» Es liegt Jesus viel daran, seinen Jüngern zu zeigen, dass nicht die Wissenschaft, die Beredsamkeit, der Erfolg vor der Welt und der Glanz der Stellung sein Lob verdienen, sondern einzig die Festigkeit des Charakters, die treue Pflichterfüllung, die Standhaftigkeit in der Tugend und die beständige Aufmerksamkeit auf das letzte Ziel.
Bemühe dich, die innige Freude Jesu zu verstehen, die Er empfindet, wenn starke Seelen zu Ihm kommen, die sich die Übung dieser Tugenden zur Lebensaufgabe gestellt haben. Gehörst du zu ihnen? Bereitest du Jesus diese Freude? Verdienst du das Lob des Heilands durch deine Treue unter seinem Banner?
Gleichst du nicht vielmehr dem Rohre, das vom Winde hin und her getrieben wird? Wirst du nicht von jedem Windstoß der Menschen furcht eingeengt, von jedem Windstoß des Vorurteils gelähmt, von jedem Windstoß der Demütigung empört, von jedem Windstoß der Prüfung entmutigt? Bist du nicht beim leisesten Windstoß unvorhergesehenen Unglücks verzagt? Wer solch einem schwankenden Rohre gleicht, der verliert die gerade Richtung auf Gott. Seine Vorsätze werden von jedem Widerspruch umgestoßen und sein Wille wird von der Gewalt der Sinne gebeugt. Er neigt sich jedem Vergnügen zu, handelt einzig auf Antrieb der Laune, meidet die Arbeit und geht dem Kampf aus dem Wege.



10.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

III Jesus preist alle selig, die an Ihn glauben
« Wohl dem, der an mir keinen Anstoß nimmt!»
Gehörst du zu diesen Seligen? Bist du nicht von Menschenfurcht beherrscht? Schämst du dich nicht eines so guten Meisters? Hast du dir in dieser Hinsicht nicht mehr als eine Feigheit vorzuwerfen? Wenn du so wenig Aufmerksamkeit für die Stimme der Gnade hast und so vieler Mängel beim Gebet dich schuldig machst, so geringen Eifer zeigst, den inneren Anregungen nachzukommen, muss Jesus da nicht glauben, dass Er dir wenig bedeutet und dass du einen anderen Erlöser erwartest und wünschest? Gott verlangt von dir, dass du ganz entschieden zum Heiland hältst.
Der Heiland gibt durch seine Worte allen eine ernste Mahnung, die recht zu beherzigen ist. Es gibt Menschen, die den göttlichen Charakter der Werke Jesu nicht erkennen. Sie urteilen nach dem äußeren Schein über seine Person und seine Lehre und werden dadurch zu Zweifel und Widerspruch, ja selbst zur Verleugnung geführt. Sie nehmen Ärgernis an Ihm. Wehe ihnen! Sie finden den Tod, wo sie doch nach Gottes Absicht das Leben finden sollten. Und die Ursache dieses Unglücks ist nichts anderes als der Stolz, der ihren Geistesblick verfinstert, so dass sie das Walten Gottes nicht erkennen. Hüte dich deshalb vor dem Stolz. Nur wenn du ihn in dir zerstörst, wirst du das volle Licht fester und unerschütterlicher Überzeugung erlangen.



09.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

II Jesus beweist Seine göttliche Sendung durch seine Wunder
In jener Stunde heilte Er gerade viele von Krankheiten, Gebrechen und bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. So gab Er ihnen zur Antwort: «Geht hin und kündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündet.»
Höre, mit welcher Feierlichkeit der Heiland den Jüngern Bescheid gibt. Ein einfaches Wort könnte genügen; Er antwortet mit Wundern. Durch Seine Werke will Er zeigen, wer Er ist. Er handelt so, um das Licht und die Überzeugung tief in die Herzen zu senken.
Wie strömen die Leidenden und Kranken zu Ihm hin! Ihre Heilung wird Zeugnis ablegen für die Göttlichkeit Seiner Person. «Bist Du es, der da kommen soll, fragt ihr Mich? Antwort mögen euch geben die Toten, die Ich erweckt, die Kranken, die Ich geheilt, die Elenden und Bedrängten, denen ich geholfen habe. Höret die Stimmen all dieser Unglücklichen, die Mich preisen, und schließet daraus, wer Ich bin!»
Nähere dich dem Meister, der auch deine Anerkennung verlangt. Vernimmst du nicht inmitten der Dankesbezeugungen des Volkes die Stimme des himmlischen Vaters, der dich einlädt, Seinen Sohn als Gott zu erkennen und anzubeten? Der Erlöser ist wahrhaft unter uns erschienen; denn die Armen finden Liebe, die Unglücklichen Hilfe und Verlassene werden als Brüder behandelt. Gott ist mitten unter uns. Auf Jesus hinweisend, spricht der himmlische Vater: «Dieser ist Mein vielgeliebter Sohn; setze auf Ihn all dein Vertrauen; gib dich Ihm widerstandslos zu eigen.»



08.07.2019
91. Die Gesandtschaft Johannes' des Täufers
(Mt 11, Lk 7)

I Jesus empfängt die Boten des Täufers
Von all dem erhielt Johannes durch seine Jünger Nachricht. Da rief Johannes zwei seiner Jünger zu sich, sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: «Bist Du es, der da kommen soll, oder haben wir einen andern zu erwarten?»
Geselle dich den zwei Jüngern des Johannes bei und versuche den ersten Eifer deines Glaubens zu erneuern. Zwei Seelen, deren Glauben schwankt, werden von Johannes dem Täufer zu Jesus gesandt. Vor seinem Tode will Johannes abermals der Wahrheit Zeugnis geben und die Ehre Jesu nach Kräften vermehren und zugleich auch den Glauben seiner Jünger festigen. Er will sterben, wie er gelebt hat.
Auch dir tut eine Vermehrung deines Glaubens not. Gedenke deiner ewigen Bestimmung. Du weißt, daß der Weg zum Himmel rauh ist, daß die Schwierigkeiten in der Tugendübung zahlreich sind und daß du heldenmütig kämpfen und opfern mußt. Erkenne dein Unvermögen! Du bedarfst der Leitung eines liebevollen und sicheren Führers. Deshalb stelle auch du dem Heiland die Frage der Abgesandten des Johannes: «Bist Du es, der da kommen soll?» Bist Du es, auf den ich all mein Vertrauen setzen kann? Ich bedarf eines Führers zum Himmel. Bist Du dieser Führer? Ich bin schwach und habe eine Stütze notwendig. Willst Du mir diese Stütze sein? Meine Feinde umlagern mich; bist Du der Retter, der mich ihrer Gewalt entreißt?



07.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

III Jesus erweckt den Toten
Dann trat Er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger aber standen still. Und Er sprach: «Jüngling, ich sage dir, stehe auf.» Da richtete sich der Tote auf und fing an zu reden. Und Er gab ihn seiner Mutter.
Nahe dich mit dem Heiland der Bahre. Sieh, wie es den guten Meister drängt, mit seiner Allmacht hier Hilfe zu bringen. Ein Wort von Ihm genügt, um Tote zum Leben zu erwecken, die Seele wieder mit dem Leibe zu vereinigen. Er spricht, und was erstarrt dalag, erhebt sich, was dem Grabe verfallen war, kehrt ans Licht zurück.
«Stehe auf!» sagt Jesus zum Toten, und dieser erhebt sich von der Bahre. Richte deinen Blick mit großer Aufmerksamkeit auf diesen Menschen, der von den Gestaden der Ewigkeit wiederkehrt. Nahe dich ihm und höre ihm zu. Höre, was er vom Tode gelernt hat. Was sagt er zum Heiland, was zu seiner Mutter, was zu der Menge, die ihn umgibt? Sein neues Leben führt eine neue Sprache, die Sprache jener, die das Zeitliche richtig beurteilen, nachdem sie es im Lichte des Ewigen geschaut haben.
Der Auferweckte spricht auch zu dir, um dich dem Grabe der Lauheit und Selbsttäuschung zu entreißen, damit auch du zu einem neuen Leben erstehest, an welchem der Blick des himmlischen Vaters nichts mehr entdeckt, was an die Verirrungen und den Leichtsinn deines früheren Lebens erinnert. Es hieße die Wunder der göttlichen Güte verachten und dich den strengen Züchtigungen der Gerechtigkeit aussetzen, wenn du anders handeln würdest. Denke reiflich über diese Wahrheit nach. «Gott hat sein Volk heimgesucht», ruft die Menge überwältigt aus. Stimme ihr bei und sprich von Herzen: Gott hat mich heimgesucht, ich ergebe mich Ihm.


06.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

II Jesus tröstet die Mutter
Als der Herr sie sah, ward Er von Mitleid mit ihr ergriffen und sprach zu ihr: «Weine nicht.»
Siehe, wie Jesus sich dem Leichenzug naht und auf die betrübte Mutter zugeht. Möchten alle, die Gott vorwerfen, daß Er gleichgültig gegen unsere Schmerzen sei, sich bei diesem Anblick vom Gegenteil überzeugen! Niemand hat so herzliches Mitleid mit uns wie Jesus; denn Er kennt besser als irgend jemand die Leiden des menschlichen Herzens.
«Weine nicht!» spricht Jesus in sanftem Tone. Verkoste die Süßigkeit, die in diesem Worte liegt. Hast du es noch nie im Innersten deiner Seele gehört? Es ist die Stimme deines himmlischen Vaters, die dich auffordert, auf deinen Heiland zu hoffen, der aus dem Tod neues Leben ersprießen läßt. Warum sollte ich also den Tod fürchten, da niemand stirbt, den der Sohn Gottes behütet. Lebend und tot gehöre ich Ihm. Der Tod kann mich seinen allmächtigen Händen nicht entreißen. Er erwartet die scheidenden Seelen, um ihnen im Jenseits ein neues Leben zu verleihen. O meine Seele, setze all deine Hoffnung auf Jesus und belebe deinen Glauben an die göttliche Vorsehung



05.07.2019
90. Die Auferweckung des Jünglings von Naim
(Lk 7)

I Jesus begegnet dem Leichenzug
Darauf ging Er in eine Stadt mit Namen Naim.1 Seine Jünger und zahlreiches Volk zogen mit Ihm. Als Er sich dem Stadttore näherte, trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, die Witwe war. Viel Volk aus der Stadt ging mit ihr.
Eile deinem göttlichen Meister entgegen. Jesus sucht die leidenden Seelen auf. Um eine Mutter zu trösten, wandert Er Naim zu. Unsere Leiden ziehen Ihn an; wenn wir weinen, naht Er sich uns. So kommt Er auch jetzt nach Naim, grüße Ihn mit Liebe und Vertrauen.
Beim Anblick des Leichenzuges gedenke der schmerzlichen Trennung, die der Tod verursacht. Auch deine Lieben müssen diesen Weg gehen. Hier trägt man den einzigen Sohn einer Witwe zu Grabe. Diese arme Mutter bedarf eines Trösters; ihr Herz schreit nach Trost. Doch wahren Trost spendet nur der, der uns zurückgibt, um was wir trauern. Dazu hat uns der himmlische Vater seinen einzigen Sohn gesandt. Er soll uns nicht nur Erlöser und Herr, Er soll uns auch Tröster sein.
Knie gläubig vor dem Heiland nieder. Zeige Ihm die Lücken, die der Tod in die Reihen deiner Lieben gerissen hat. Zeige Ihm auch die Wunden in den Herzen anderer. Laß Ihn ihre Tränen sehen und bitte Ihn um Trost und Hilfe für alle. Er kann alles und zu jeder Stunde. Tod und Leben sind seiner Herrschaft unterworfen.
1Naim liegt auf den felsigen Hügeln des Kleinen Hermons in Galiläa. Gegenwärtig ist es nur mehr von wenigen Menschen bewohnt, deren Hütten am Hügel zerstreut liegen.



04.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

III Jesus wirft dem auserwählten Volk seinen Mangel an Glauben vor
«Ich sage euch, viele werden vom Aufgang und Niedergang kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen. Die Kinder des Reiches aber werden in die Finsternis hinausgeworfen; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Gegen wen spricht Jesus diese Drohung aus? Gebe Gott, daß sie nicht dir gilt! Jedenfalls laß sie dir zur Warnung dienen. Wenn Jesus solche Worte zu den Juden spricht, die Er mit Gnaden überhäuft hat, so tut Er es einzig, um ihnen nicht dereinst seine Wohltaten entziehen zu müssen. Wisse also, daß auch die, welche die Gnade hoch erhoben hat, tief fallen können. Wie groß die Güte Jesu auch ist, so verschließt Er zuletzt doch sein Herz demjenigen, der Ihm den Glauben hartnäckig verweigert. Alles, was du an Gnade mehr als andere erhalten hast, soll deinen Glauben, deine Liebe und deine Treue vermehren, damit diese Gaben dir dereinst nicht zur Beschämung dienen.
Ziehe Nutzen aus dieser ernsten Lehre. Danke dem Heiland dafür und bringe ihm die Huldigung einer wahren Demut, einer aufrichtigen Reue und einer rückhaltlosen Hingabe dar.



03.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

II Jesus bewundert laut den Glauben und die Demut des Hauptmanns
Und der Hauptmann antwortete und sprach: «Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.» Da nun Jesus das hörte, verwunderte Er sich und sprach zu denen, die Ihm folgten: « Wahrlich, ich sage euch, so großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.»
Erbaue dich an der tiefen Demut des Hauptmanns beim Anblick des Heilandes. In dem Maße, als man sich Jesus naht, wird man seiner Hoheit und göttlichen Macht inne. Die demütige Seele erkennt in dem Lichte, das ihr von oben gegeben wird, das Nichts des Geschöpfes und die Unermeßlichkeit des Schöpfers. Sie erniedrigt sich und ruft aus: «Ich bin nicht würdig!»
Erwäge dieses Wort: «Ich bin nicht würdig! — Ich bin nicht würdig eines Blickes, eines Wortes von Dir, um wieviel weniger Deiner Einkehr unter mein Dach. Dennoch bitte ich um ein Wunder. Ich demütige mich, weil ich weiß, wer ich bin! Ich erkühne mich dazu, weil ich weiß, wer Du bist.» So spricht und handelt die Demut.
Welch eine Freude und ein Trost ist es für Jesus, wenn Er geraden, demütigen und gläubigen Seelen begegnet. Höre, wie der Heiland laut sein freudiges Staunen äußert, und preise den Hauptmann glücklich, der solche Bewunderung verdient.
Aber dieser Ausruf der Bewunderung ist auch eine Klage. «So großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden», sagt der Heiland. «Israel hat meine Hoffnung enttäuscht.» Ach, es ist leider nur zu wahr, daß die am meisten bevorzugten Seelen noch lange nicht die treuesten sind! Mußt du das nicht auch von dir bekennen?



02.07.2019
89. Jesus heilt den Knecht des Hauptmanns
(Lk 7)

I Jesus empfangt die Gesandten des Hauptmanns und erhört ihre Bitte
Der Knecht eines Hauptmanns1, der diesem lieb und wert war, lag todkrank darnieder. Als er von Jesus hörte, ließ er Ihn durch jüdische Älteste bitten, Er möge kommen und seinen Knecht gesund machen.
Gehe dem Heiland bei seiner Rückkehr nach Kapharnaum entgegen. Kaum ist Er in die Stadt eingetreten, so umringen Ihn schon mehrere Bittsteller in einer Angelegenheit, welcher Er seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Wer sind die Bittsteller, und wessen Sache vertreten sie?
Ein Heide wird dich lehren, wie man mit dem Heiland verkehren soll. Der römische Hauptmann hält sich nicht für würdig, Jesus persönlich sein Anliegen vorzutragen; er sucht sich Vermittler und sagt zu ihnen: «Macht meine Sache zu der euren und bittet für mich!» Welch vortreffliches Mittel hat er gewählt, um an das Ziel seiner Wünsche zu kommen!
Wie erfüllen diese Männer ihren Auftrag? Höre, was sie von dem sagen, der sie gesandt hat. «Er ist es wert, daß Du ihm dies gewährst; denn er liebt unser Volk.2 Er ist würdig, erhört zu werden, denn er ist gut. Er ist gut gegen seine Untergebenen. Seinen Knecht behandelt er wie eines seiner Kinder. Wer in seinem Dienste ist, gehört auch zu seiner Familie.» Dieser menschenfreundliche Mann ist wert, die Wahrheit des Evangeliums zu erkennen; deshalb wird der Heiland das Wunder für ihn wirken.
Jesus sprach: «Ich will kommen und ihn heilen.» Und Er machte sich mit ihnen auf den Weg. — Sieh, wie der Heiland eilt, wenn Er trösten und heilen kann! Sein Herz ist von dem Verlangen erfüllt, dem Übel abzuhelfen, das man Ihm klagt. Allen, die gegen Arme und Geringe gut sind, wird Er schnell Hilfe bringen. Jeder erwiesene Dienst ist gleichsam eine Stimme, die Ihm zuruft: «Komm, erhöre die Bitte und wirke das Wunder!»
1 Es war aller Wahrscheinlichkeit nach ein römischer Centurio, welcher die Abteilung von Legionären befehligte, die am Ufer des Sees Tiberias ihren Standort hatte. Obschon Galiläa unter der Herrschaft des Herodes stand, blieb es doch der Aufsicht der römischen Statthalter unterworfen.
2«Er hat uns eine Synagoge bauen lassen», sagen sie. Diese Synagoge war sehr schön, nach den Ruinen zu urteilen, die man noch heute sieht. Sie hatte fünf Schiffe, die durch vier Reihen von je sieben Säulen aus Kalkstein getrennt waren, die mit Korinthischen Kapitellen versehen waren. Die Südseite hatte drei rechteckige Türen. Die prächtigen Steinblöcke waren mit Skulpturen jeder Art geschmückt: Rosen, Weintrauben, Blumen.



01.07.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

III Jesus befiehlt dem Aussätzigen, Gott für seine Heilung zu danken
Und Jesus sprach zu ihm: «Sieh zu, dass du es niemand sagst; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses vorgeschrieben hat. Das diene ihnen zum Zeugnis.»1
Die Gnade der Heilung hat den Aussätzigen zu großem Dank gegen die Güte Gottes verpflichtet. Jesus erinnert ihn daran, und der Geheilte kommt dieser Mahnung eiligst nach. Vereinige dich mit ihm, um den himmlischen Vater zu loben, der uns einen so erbarmungsvollen Heiland gesandt hat. Bringe Ihm das Opfer des Lobes und Dankes dar, das seiner unendlichen Güte gebührt.
Der beste Dank aber gegen den himmlischen Vater ist eine gewissenhafte Treue in seinem Dienste und die gänzliche Unterwerfung unter sein Gesetz. Vergiss das niemals und fasse entsprechende Vorsätze.
1 Damit sie von meiner Macht vor allem Volke Zeugnis geben.



30.06.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

II Jesus heilt den Aussätzigen
Jesus erbarmte sich seiner, Er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: «Ich will, sei rein!» Und als Er dies gesprochen hatte, wich der Aussatz sogleich von ihm, und er ward rein.
Hier hast du abermals einen Beweis von der Güte Jesu und von dem Drange seines Herzens, allen Gutes zu tun. «Dein Glaube spricht: Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen. Nun denn, ich will dich heilen, ich will, sei rein! Ich verlange nichts so sehnlich, als dir Hilfe zu bringen. Du glaubst an meine Allmacht; glaube auch an meine grenzenlose Güte. Ich will, dass alle deine Befleckung verschwinde, dass deine Meinung immer reiner werde, dass dein Wille neu erstehe, deine Entschiedenheit im Kampfe gegen die bösen Neigungen erstarke, dass die Liebe Gottes siegreichen Einzug halte in deine Seele. Ich will es.»
Erwäge diese Worte. Zur Heilung sowohl des Leibes als der Seele, um welche du bittest, fehlt dir die Bereitwilligkeit Jesu nicht. Hat Er nicht all Sein Blut vergossen, um dir zu zeigen, dass Er dein Heil will? Auch heute kannst du kraft Seines Wortes und durch Auflegung Seiner Hände alles erlangen. So sprich denn auch du: «Ich will geheilt werden! Ich will mich im Eifer erneuern, wachsam sein und die Sünde meiden. Ich will die täglichen Pflichten pünktlich erfüllen. Ja, ich will geheilt werden.»



29.06.2019
88. Jesus heilt einen Aussätzigen
(Mt 8, Mk 1, Lk 5)

I Jesus hört die Bitte des Aussätzigen
Als Er vom Berge herabstieg1, folgte Ihm eine große Volksmenge. Da kam ein Aussätziger, fiel vor Ihm nieder und bat: «Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen.»
Gehe mit der Menge, die Jesus folgt. Siehe, wie der Aussätzige auf den Heiland zueilt. Betrachte den Armen aus der Nähe. Sein Anblick flößt dir Schrecken ein; aber sei versichert, der Aussatz der Seele ist noch mehr zu fürchten als der des Leibes. Hat deine Seele keinen Aussatz? Aussatz der Sünde, Aussatz böser Gewohnheiten, Aussatz der Unordnung in deinem ganzen Tun und Streben? Dies ist der traurige Zustand, in dem du schmachtest und von dem du dich sobald als möglich freimachen musst. Wirf dich mit dem Aussätzigen dem Befreier von allem Elend zu Füßen. Lerne von ihm, wie man bitten muss, um Heilung zu erlangen. Siehe, mit welcher Ehrerbietung er Jesus begrüßt, mit welcher Ergebung er seine Bitte ausdrückt, mit welchem Vertrauen er vom Heiland die Gewährung seiner Bitte erwartet: «Wenn Du willst, kannst Du mich rein machen». Mehr sagt er nicht. «Ich kann nichts; Du kannst alles. Du brauchst nur zu wollen. Du weißt, was ich leide, und Du hast alle Macht, mein entsetzliches Elend zu steuern. Ich habe volles Vertrauen zu Dir. Mein Vertrauen ist meine Kraft, all mein Wissen, all mein Können. Ich harre und hoffe.» So muss man beten.
1 Man kann annehmen, dass Jesus vom Nordabhang des Berges hinabstieg in die Schlucht des Ued el Haman (Taubental). Es ist ein wildes Tal, das von parallel-laufenden, felsigen Bergketten eingeschlossen ist, in deren steilen Abhängen sich zahlreiche Höhlen befinden. Viele dieser Höhlen dienten den Aussätzigen als Zufluchtsstätte. Eine wasserreiche Quelle fließt im Grunde des Tales zwischen Schilfrohr. Ihrem Laufe folgend, gelangt man an den See Tiberias.



28.06.2019
87. Von der wahren Weisheit
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus wird vom Volk bewundert
Als Jesus diese Reden vollendet hatte, wurden die Volksscharen von Staunen über seine Lehre ergriffen. Denn Er lehrte wie einer, der Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten und Pharisäer.
Jesus hört auf zu lehren, Er hat das Seinige getan, seine Zuhörer sollen nun das Ihrige tun. — Stimme ein in die freudige Bewunderung des Volkes, das deinen Heiland verherrlicht. Was hat Er denn Schönes gesagt und Gutes getan? Er hat den Menschen den Adel ihrer Seele und die Größe ihrer Bestimmung geoffenbart, sie gelehrt, alles Weltliche gering zu achten und nach Wahrheit, Großmut, Keuschheit und Uneigennützigkeit zu streben. Er hat ihnen die Schönheit der Demut, der Sanftmut, der Nachsicht, der Geduld, der Liebe und der Barmherzigkeit enthüllt. Er hat ihnen ihren Gott als den besten Vater gezeigt, sie gelehrt, sich mit Ihm zu vereinigen durch inniges Vertrauen und durch das beständige Verlangen, Ihm wohlzugefallen und seinen heiligen Willen zu erfüllen.
Danke deinem Heiland für diese Lehren, zweifle nicht mehr an Ihm und begehre keine Wunder mehr, um zu glauben. Seine Lehre trägt göttliches Gepräge, denn der himmlische Vater spricht durch den Mund Jesu Christi. Und weil Er um deinetwillen gesprochen und gelehrt hat, so höre nicht mehr auf das Gerede der Welt. Die göttliche Macht hat sich gezeigt, beuge dich unter sie. Wirf dich im Geiste vor dem Heiland nieder und sprich: «Amen, es geschehe!» — Es geschehe jetzt und allezeit während meines ganzen Lebens alles, was Jesus gelehrt und verlangt hat; es geschehe alles, so wie Er es wünscht und will!



27.06.2019
87. Von der wahren Weisheit
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus lehrt seine Jünger, dass die wahre Weisheit auf dem Glauben beruht
«Jeder also, der diese meine Worte hört und sie tut, gleicht einem klugen Manne, der sein Haus auf Felsengrund gebaut hat. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht vollbringt, wird einem törichten Manne gleich sein, der sein Haus auf Sand gebaut hat.»
Vertiefe dich in die letzten Worte der Bergpredigt. Noch einmal bemüht sich der göttliche Meister, seine Zuhörer anzuhalten, ihr Leben nach den Grundsätzen des Glaubens einzurichten. Dieser Unterricht ist für dich ebenso heilsam wie für sie. Öffne Geist und Herz, damit du empfänglich wirst für die Lehren des Herrn.
«Denkt reiflich über euch selbst nach», sagt Jesus, «und trefft in kluger, besonnener Weise eure Entscheidungen. Das Wesen der wahren Weisheit besteht darin, dass man die geeigneten Mittel wählt, um zum erwünschten Ziele zu gelangen. Handelt also nach diesem Grundsatz!»
Welches Ziel verfolgst du hienieden? Du suchst die Wahrheit, den Frieden des Gewissens, Sicherheit für die Zukunft, Mut im Kampfe, Erfolg im Tugendstreben und Seelenstärke für die Stunden der Trübsal. Du sehnst dich nach wahren Freuden, zuversichtlicher Hoffnung und unvergänglichen Gütern. Gottes Sohn versichert dir, dass die Befolgung Seiner Lehre dir alles gibt, was du suchst. So ergreife denn dieses Mittel; denn die Verheißung Jesu ist wahr.
Gründe dein Leben auf den Felsen. Gelange durch Glauben zur Wahrheit, durch Unterwürfigkeit zur Freiheit, durch Demütigung zum Ruhm, durch Kampf zum Fortschritt, durch Verfolgung zum Frieden, durch Losschälung zum Reichtum, durch Liebe zum Heldenmut, durch Gottvertrauen zum glühenden Eifer!
So knie zu Füßen Jesu nieder. Übergib dich Ihm ganz mit Leib und Seele; weihe Ihm deine Sinne, deine Phantasie, dein Gedächtnis, deinen Verstand, dein Herz und deinen Willen. Stelle alle deine Kräfte in seinen Dienst, opfere Ihm alles, was du hast. Folge den Grundsätzen der ewigen Weisheit!



26.06.2019
86. Vom werktätigen Glauben
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus erklärt, dass alle, die nicht nach dem Glauben leben, keinen Teil an Ihm haben
«An jenem Tage werden viele zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt?1 Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder gewirkt? Alsdann werde ich ihnen erklären: Woher seid ihr? Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!»
Höre dieses ernste Wort des Herrn und nimm es zu Herzen. Gib dich nicht eitlen Täuschungen hin. In den Augen Gottes kann nichts die aufrichtige und treue Erfüllung der Lebensaufgabe ersetzen, die Er uns auferlegt. Er, der heute noch als Erlöser zu uns spricht, wird eines Tages unser Richter sein.
Versetze dich vor seinen Richterstuhl. Jetzt verkündet Er bereits das strenge Urteil, das Er über jene fällen wird, die so unglücklich sind, in Selbsttäuschung zu leben. «Wir haben hienieden viel gearbeitet, viel unternommen und viel gelitten», sagen solche Menschen. Einige fügen noch hinzu: «Wir haben Wunder gewirkt, wir haben geschrieben, gepredigt, andere für deine Lehre begeistert und wir haben die schlechten Sitten gegeißelt. Wir haben die Welt in Staunen versetzt.» Jesus erwidert hierauf: «Ihr habt nicht den Willen Gottes erfüllt, darum habt ihr nichts getan. Ich kenne euch nicht!»
Beherzige dieses Verdammungsurteil. Im Himmel gibt es also keinen Platz für jene, die ihren Eigenwillen dem göttlichen Willen vorziehen. Das Leben ist dem Menschen gegeben, um Gott zu loben, Seine Ehre zu fördern und Seinen heiligen Willen zu erfüllen. Der Sohn Gottes öffnet nur jenen die Pforten des Himmels, die von dieser Lebensauffassung durchdrungen waren und kraftvoll darnach gehandelt haben. Die anderen zählen nicht zu den Seinigen.
Nimm diese großen Gedanken in dich auf und erneuere zu Füßen des Herrn deine Hingabe und deine Vorsätze.
1Weissagen heißt nicht nur die Zukunft vorhersagen, sondern es hat auch den allgemeinen Sinn von lehren.



25.06.2019
86. Vom werktätigen Glauben
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus erklärt seinen Jüngern, dass der Glaube ohne die Werke wertlos sei für den Himmel
«Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich eingehen.»
Jesus kommt zum Schluss seiner Rede. Noch einmal spricht Er es klar und deutlich aus: Wer zu den Seinen gehören will, muss nach seiner Lehre leben. «Ihr nennt mich Meister und Herr,» sagt Er, «und kommt eifrig zu meinem Unterricht. Alles, was ich euch vortrage, findet ihr wahr und begründet; allem, was ich von euch verlange, stimmt ihr bei. Doch das ist noch nicht genug. Ihr nennt mich Meister und wollt meine Jünger sein; der Jünger aber muss nach der Lehre und dem Beispiel seines Meisters leben. Hören allein genügt nicht; man muss auch wollen. Vorsätze fassen reicht nicht hin; das Wesentliche ist, dass man sie ausführt. Stimmt ihr meinen Lehren bei, so handelt auch nach ihnen! Wenn ihr die Sache nicht so auffasst, so nützt euch die Kenntnis meines Lebens und meiner Lehre nichts. Alle meine Arbeiten, meine Predigten und meine Heilseinrichtungen bleiben fruchtlos für euch, wenn ihr euren Glauben nicht durch Werke bestätigt.»
So betrachte denn die einzelnen Lehren deines Meisters. Er hat uns nichts gepredigt als den Willen Seines himmlischen Vaters. Das ganze christliche Leben ist die Erfüllung der göttlichen Vorschriften. Wenn Jesus Demut und Güte, Mut und Ergebung, Wahrheit und Frömmigkeit von uns verlangt, wenn Er die Flucht der Sünde, die Versöhnlichkeit gegen den Feind, die Wachsamkeit im Verkehr mit anderen vorschreibt, so tut Er es, weil der himmlische Vater dies alles von uns will.
Fasse diesen göttlichen Willen, wie er sich dir in den Pflichten und Prüfungen des täglichen Lebens offenbart, fest ins Auge, und du wirst vollauf Gelegenheit finden, die Tugenden des Evangeliums zu üben. Indem Jesus uns auf unser gewöhnliches Tagewerk hinweist, sagt Er: «Siehe da den Willen Gottes; siehe da den sicheren Weg zu deinem ewigen Heil!»
Bitte Jesus, dir im Augenblick der Entmutigung und des Nachlassens diese Wahrheit wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wann wirst du Ihn durch großmütigen Eifer bewegen, Worte zu dir zu sprechen, die deinem Herzen Licht, Wärme und Himmelsfreude bringen?



24.06.2019
85. Von der christlichen Klugheit
(Mt 7, Lk 6)

II Jesus bedroht mit ewigen Strafen ein für den Himmel nutzloses Leben
«Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen werden.»
Die Früchte, die das Kennzeichen der wahren Jünger Jesu sind, müssen sich auch bei dir finden. Der Heiland sagt es dir selbst. Er will durchaus Früchte, und zwar gute Früchte von den Bäumen, die er gepflanzt und mit so viel Sorgfalt gepflegt hat. Blüten allein genügen nicht. Wenn wir es bei frommen Wünschen und guten Vorsätzen bewenden lassen, gleichen wir Bäumen, die nur Blüten tragen. Was Jesus mit solchen tun wird, erklärt er uns ganz unzweideutig. Ein unfruchtbarer Baum taugt nichts weiter, als dass er ins Feuer geworfen werde. Jesus will Früchte seiner Gnade und seines Beispiels bei uns finden. Prüfe aufmerksam dein Verhalten. Reifen in deiner Seele die Früchte des Gebetsgeistes, der Selbstüberwindung, des Eifers, der Pflichttreue, der Wachsamkeit und der Standhaftigkeit? Musst du nicht demütig vor Gott deine Lauheit beklagen?
Bedenke, dass es einem Verrat gleichkäme, wenn du nach Empfang so vieler besonderer Gnaden keine Früchte hervorbrächtest! Bitte deinen Meister um Vergebung deiner Fehler. Flehe Ihn an, deiner Seele neue Lebenskraft zu spenden, damit sie die Früchte, die Er schon so lange an ihr finden möchte, endlich zur Reife bringe!



23.06.2019
85. Von der christlichen Klugheit
(Mt 7, Lk 6)

I Jesus warnt seine Jünger vor den falschen Grundsätzen der Welt
«Hütet euch vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.»
Verfolge mit Aufmerksamkeit den Gedankengang Jesu. Er spricht von den Gefahren, denen die gute Saat in unseren Seelen ausgesetzt ist. Jesus hat Feinde; diese suchen den Meister zu treffen, indem sie seine Jünger ins Verderben stürzen. Das ist der Arbeitsplan Satans und seiner Helfershelfer. Wo Jesus wohltuend vorbeizog, wo Er Worte des Heiles gesprochen, Sünder bekehrt, zaghafte Seelen ermutigt hat, eilen die Verführer herbei, um das göttliche Werk zu zerstören. Dieser Kampf des Guten und des Bösen, des Himmels und der Hölle hört nie auf in der Welt. Bleibe dir stets dieser Gefahr bewusst, und du wirst ihr entrinnen. Suche zu erkennen, wen du als Feind des Evangeliums und deines ewigen Heiles fliehen musst.
«An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen», sagt Jesus. Dort, wo der Geist der Demut, der Herzensreinheit, der Selbstlosigkeit, der Sanftmut und der Liebe, der Unterwürfigkeit unter die Gebote Gottes, die Ergebung in Leiden fehlt, findet sich sicher der Feind Jesu und seiner Lehre. Den wahren Jünger des Herrn hingegen erkennt man am Schmucke dieser Tugenden. Diese Gedanken sollen dich anregen, deine Beziehungen zu prüfen und zu ordnen. In welchen Kreisen fühlst du dich heimisch? Welche Grundsätze und Ansichten hörst und befolgst du gerne? Beobachtest du stets die nötige Zurückhaltung und Klugheit? Du kannst die Lehre Jesu nie hoch genug schätzen und sie nie zu sorgsam vor ihren unversöhnlichen Feinden hüten und verteidigen.



22.06.2019
84. Von der Selbstverleugnung und Abtötung
(Mt 7)

II Jesus beklagt die Selbsttäuschung vieler, die ohne Abtötung die ewige Seligkeit erlangen wollen
«Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt; und nur wenige finden ihn.»
Denke über diesen unerwarteten Ausruf Jesu nach. Er entringt sich dem Herzen Jesu wie eine schmerzliche Klage. Es ist, als ob Er sich nicht erklären könne, warum so wenige Menschen ihre wahren Interessen begreifen, so wenige die Wunder der Weisheit und Vorsehung Gottes erfassen, so wenige sich bereitwillig den Anstrengungen eines kurzen Kampfes unterziehen, um einer unglückseligen Ewigkeit zu entgehen. Diese Tatsache ist in Wahrheit unerklärlich.
Bereite wenigstens du deinem Erlöser nicht Enttäuschung und Schmerz, indem du dich noch länger weigerst, deiner Einsicht zu folgen und den wahren Weg zum Himmel einzuschlagen. Andere können sich in gewissem Sinne entschuldigen mit ihrer Unwissenheit, ihrem Mangel an Bildung und christlicher Erziehung, an Gelegenheit zum Gebrauch der Heilsmittel; du aber kannst solches vor dem höchsten Richterstuhl Gottes nicht vorbringen. Bist du nicht mit Gnaden überschüttet worden? Entschließe dich, treu zu benutzen, was du empfangen hast.
Worin musst du kleiner werden, was musst du noch in dir bekämpfen, was deiner Eigenliebe, deiner Sinnlichkeit und deinen Leidenschaften versagen, um die tröstliche Gewissheit zu erlangen, das herrliche Ziel eines heiligen Lebens zu erreichen? Prüfe dich und fasse geeignete Vorsätze.



21.06.2019
84. Von der Selbstverleugnung und Abtötung
(Mt 7)

I Jesus ermahnt zur Abtötung der Sinne
«Tretet ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, welcher in das Verderben führt, und gar viele gehen ihn.»
Betrachte im Lichte des Glaubens den einzigen Weg, der zum Himmel führt. Der Heiland will, dass du das Werk deiner Heiligung mit Eifer betreibst. Wie ist der enge Weg beschaffen, den wir betreten sollen? Es ist ein Weg, auf dem wir nicht ohne Mühe voranschreiten und wo wir auf jeden Schritt achten müssen, um nicht von der Richtung abzuweichen. Es ist ein Leben der Demut und der Entsagung, ein Leben, in dem wir den Verstand unter das Joch des Glaubens beugen, die Sinne abtöten und die Leidenschaften beherrschen müssen. Das Vorbild eines solchen Lebens ist Jesus selbst. Sein Weg beginnt in Bethlehem und endet auf dem Kalvarienberg, und überall steht das Kreuz an diesem Wege.
Jesus sagt selbst, dass dieser Weg wenig begangen ist und dass diese mühsame Lebensweise nur von einer geringen Zahl Menschen erwählt wird. Viele kennen diesen Weg nicht, sie bemühen sich auch nicht, ihn kennenzulernen. Eine größere Zahl von Menschen betritt den engen Weg, beharrt aber nicht auf ihm. Woher diese Gleichgültigkeit der einen und die Unbeständigkeit der andern? Beide haben den Blick nicht fest auf das ewige Leben gerichtet. Der Gedanke an die Ewigkeit macht eifrig, hilft zum treuen Ausharren auf dem beschwerlichen Wege und ermutigt zum freudigen Fortschreiten bis zum Ende.
Denke ernstlich über deinen Seelenzustand nach. Vielleicht schmeichelst du dir, auf dem schmalen Wege zu sein, und beachtest dabei nicht, dass du dir kaum etwas versagst und nur darauf bedacht bist, dein Leben möglichst angenehm zu gestalten. Hast du deinen Willen in der Gewalt, kannst du entsagen und dich selbst beherrschen? Gehörst du zu der kleinen Zahl, die auf dem schmalen Wege wandelt?



20.06.2019
83. Von der Milde im Urteil
(Lk 6, Mt 7)

II Jesus tadelt die heuchlerische Strenge eines falschen Eifers
«Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge beachtest du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken? Du Heuchler, zieh erst den Balken aus deinem Auge! Dann magst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst.»
Der Meister zeigt mit diesen Worten, wo unser Bekehrungseifer vernünftigerweise anfangen soll. «Erkenne dich selbst», sagt Er, «und bestrebe dich, deine eigenen Fehler zu verbessern. Der Eifer, der andere tadeln und verbessern will, ist oft heuchlerisch.» Nicht selten geht er aus einem bösen Herzen hervor, das sich im Stillen über die tadelnswerten Eigenschaften eines andern freut und sich gedrängt fühlt, sie zu offenbaren. Man strebt nach persönlicher Erhebung durch Verkleinerung des Nächsten; man will zeigen, dass man weit von dem Fehler entfernt ist, den man an anderen verurteilt. Solches Verfahren ist lügenhaft und dem Herrn ein Greuel.
Sei von Herzen demütig, und du wirst genug Unvollkommenheiten und Armseligkeiten in dir selbst entdecken, die dir die Lust nehmen, irgend jemanden zu verurteilen. Wer blind gegen seine eigenen Fehler ist, ist am strengsten in der Verurteilung anderer! Zur vollkommenen Liebe gelangt man nur durch aufrichtige Demut. Wenn du deine Mitmenschen liebst, dich selbst aber in deiner Armseligkeit erkennst, so wirst du an ihnen nur die guten Eigenschaften, an dir selbst aber die Unvollkommenheiten entdecken. Wer von wahrem Seeleneifer durchdrungen ist, beginnt das Werk der Heiligung des Nächsten durch die Arbeit an seiner persönlichen Vervollkommnung. So will es Gott; alle anderen Wege sind Verirrungen eines falschen Eifers und einer übel verstandenen Liebe. Findest du nicht auch in deinem Benehmen jenes Pharisäertum, das der Heiland seinen Zuhörern so strenge verweist?



19.06.2019
83. Von der Milde im Urteil
(Lk 6, Mt 7)

I Jesus verbietet seinen Jüngern, den Nächsten zu richten
«Richtet nicht! Dann werdet ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. . Denn mit dem gleichen Maße, mit dem ihr messt, wird euch wiedergemessen.»
«Richtet nicht.» — Erwäge dieses Gebot des Meisters. Er setzt hier seinen Unterricht über die Liebe fort. «Enthaltet euch des Urteils; richtet niemanden. Ihr seid nicht die Richter eurer Mitmenschen. Hierzu fehlt euch jede Machtvollkommenheit, und euer Urteil ist deshalb in jeder Beziehung ein unbefugtes. Wenn ihr euch zum Richter aufwerft, maßt ihr euch die Rechte Gottes an.» — Es gibt nur einen Richter der menschlichen Handlungen. Er wird uns einst zur Rechenschaft ziehen und streng bestrafen, wenn wir ohne richterliche Befugnis und ohne gründliche Sachkenntnis über andere geurteilt haben.
Wer über seine Mitmenschen zu Gerichte sitzt, zieht sich damit selbst ein strenges Gericht zu. Jesus weist in seiner Mahnung auf diese Gefahr hin und fordert uns zu liebreichen Gesinnungen auf, um uns vor lieblosem Urteil zu bewahren. Folge seinem Rat! Kümmere dich nicht um das Verhalten deines Nächsten, wenn die Pflicht dies nicht von dir verlangt. Lege alles zum Guten aus und tadle nicht, was du entschuldigen kannst. Sei nachsichtig gegen deine Mitmenschen; dann wird Gott auch gnädig mit dir verfahren! Wäre es nicht töricht, ein so kostbares Heilsmittel nicht eifrig zu benutzen?



18.06.2019
82. Von der Hingabe an die göttliche Vorsehung
(Mt 6)

III Wir sollen uns auch nicht ängstigen wegen der Zukunft
«Seid auch nicht ängstlich besorgt für den morgigen Tag; denn der nächste Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.»
Betrachte, was der Heiland hiermit sagen will. Da wir nicht einmal sicher sind, ob wir morgen noch leben werden, ist es töricht, seine Gedanken mit zukünftigen Sorgen zu zerstreuen. Du könntest bald vollkommen sein, wenn du entschlossen wärest, heute und jetzt mit deiner Heiligung zu beginnen. Wie würdest du handeln, um deine Ewigkeit vorzubereiten, wenn du wüsstest, dass dies dein letzter Tag wäre?
Der Herr verbietet jedoch nicht, dass wir mit Klugheit die Dinge für die Zukunft regeln. Er tadelt nur die Ängstlichkeit und das hektische Sorgen, welches den Geist ermüdet und die Seele verwirrt. Man soll sich mit seiner Sorge um den nächsten Tag kindlich der göttlichen Vorsehung anvertrauen. Prüfe dich, ob deine Sorge um die Zukunft von der Klugheit, der Mäßigkeit und dem Gottvertrauen begleitet ist und ob du dabei den Frieden des Herzens bewahren kannst.



17.06.2019

Zweiter Brief des Apostels Paulus an die Korinther 6,1-10.

Brüder! Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.
In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst,
unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten,
durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe,
durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken,
bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob. Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig;
wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende, und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet;
uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.



16.06.2019
82. Von der Hingabe an die göttliche Vorsehung
(Mt 6)

I Jesus fordert seine Jünger auf, sich der Vorsehung ihres himmlischen Vaters zu überlassen
«Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie?»
Nimm mit Freude diese Einladung zum Vertrauen auf die göttliche Vorsehung an. «Beunruhigt euch nicht», spricht Jesus. Dieses Wort schließt weder eine gemäßigte Vorsorge noch die angestrengte Arbeit für den Lebensunterhalt aus; aber es missbilligt die Unruhe und Ängstlichkeit. Sich übertriebener Sorge hingeben hieße sich gegen die Liebe verfehlen, die man Gott schuldig ist. Sind die bereits empfangenen Wohltaten nicht ein Pfand für jene, welche man noch erwarten darf? Wir vergessen, was Gott uns bisher gewesen ist, und deshalb beunruhigen wir uns wegen der Zukunft. Wir sind misstrauisch, weil wir der empfangenen Wohltaten nicht mehr gedenken. Die übertriebene Besorgnis ist auch ein Mangel an Glauben. Die Heiden mögen sich beunruhigen, denn ihre Götter sind blind, ohnmächtig und gefühllos. Aber der Gott, den Jesus uns geoffenbart hat, ist ein Vater; Er kann alles, weiß alles und liebt seine Geschöpfe. Wenn wir Misstrauen gegen Ihn hegen, so würdigen wir Ihn unter die falschen Götter herab, behandeln Ihn als Fremden und weigern uns, an seine unendliche Weisheit zu glauben.
Die übergroße Bekümmernis ist unvernünftig. Was sagt uns die Vernunft? Sie belehrt uns, dass Gott, der uns das Leben gegeben und unsern Körper gebildet hat, ehe wir noch selbst für uns sorgen konnten, uns jetzt auch alles geben wird, was uns zum Leben notwendig ist. Wer Großes geschenkt hat, wird etwas Geringeres nicht verweigern. Aus dem, was du in der Natur gewahrst, schließe auf das, was du erhoffen darfst. Wenn Gott schon so freigebig für die vernunftlosen Geschöpfe sorgt, wie könnte Er seine Fürsorge dir entziehen, da Er dich zum König der Schöpfung gemacht hat?
Befestige also deinen Glauben. Denke an alles, was der Erlöser dir von Gott gesagt hat, und traue seinem Wort. Das genügt; denn das Vertrauen wankt nur dann, wenn der Glaube schwach ist. Stütze dich auf das Wort Jesu Christi, und du wirst an dir selbst erfahren, wie froh das Vertrauen macht!



15.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

III Jesus warnt uns vor einer Täuschung
«Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.»
Denke daran, dass Gott und die verdorbene Welt zwei Herren sind, die unseren Dienst verlangen. Es ist aber nicht möglich, beiden gleichzeitig zu dienen, weil sie Gegensätzliches von uns verlangen: was der eine befiehlt, verbietet der andere. Fühlst du nicht, wie der hl. Paulus sagt, in dir ein Gesetz, das dem Willen Gottes widerstreitet? Deine Leidenschaft verführt dich zum Hochmut, zur Rachsucht, zur Sinnlichkeit; Gott aber ermuntert dich zum Gegenteil. Es gibt also kein Mittel, beiden zuzustimmen.
Die weltlichen Christen träumen von einem Kompromiss mit Gott, indem sie geteilten Herzens einmal ihrer Leidenschaft folgen und nachher wieder Gott dienen könnten. Lass dich aber nicht täuschen, denn Gott ruft dich in derselben Stunde, in der der Feind dich verführen will. Wenn du der Sünde zustimmst, bist du gleichzeitig ungehorsam und blind gegen die Gnade Gottes!
Bedenke, dass des Menschen Herz in seinem innersten Wesen unteilbar ist, es kann sich nur auf ganze Weise schenken. Daher ist es ihm unmöglich, sich zwei verschiedenen Personen zu schenken, besonders wenn es sich um zwei verfeindete Personen handelt. Du musst dich also für den einen Herrn entscheiden. Du hast aber schon lange deinen Meister erwählt, denn du hast versprochen, Gott zu dienen. Bleibe also bei deinem Entschluss!



14.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

II Jesus fordert eine reine Meinung im Gebrauch der Güter des Lebens
«Das Auge ist die Leuchte deines Leibes. Ist dein Auge gesund, so hat dein ganzer Leib Licht. Ist aber dein Auge krank, so ist dein ganzer Leib in Finsternis. Wenn nun schon das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann erst die Finsternis selbst sein!»
Betrachte diese heilsame Lehre. «Bewahrt eure Absicht rein», sagt der Meister zu seinen Jüngern. Was will dies besagen? «Strebet nach Lauterkeit in eurem ganzen Leben. Lebt und handelt nur im Hinblick auf das letzte Ziel. Tut ihr dies und nur dies, so wird euer Geist erleuchtet werden und euer Herz wird den Frieden finden.» Man muss klar erkennen, um aus ganzer Kraft zu wollen. Die durch die Gnade erleuchtete Vernunft ist für die Seele, was das Auge für den Körper ist. Man muss sie befragen, um den Weg der Seligkeit zu finden. Ist unser Erkenntnisvermögen vom Glauben erleuchtet, so wird unsere ganze Tätigkeit von seinen Wahrheiten getragen sein. Wir gehen im Lichte des Glaubens sicheren Schrittes voran, wir betrachten die Dinge, wie sie wirklich sind, und schätzen sie nach ihrem wahren Wert. Man ist stark, weil man sich im Besitze der Wahrheit weiß, und diese Wahrheit macht glücklich.
Bekämpfe darum die Leidenschaften, die deine Vernunft verdunkeln. Verachte die Grundsätze der Welt, die dich noch in der Selbsttäuschung gefangen halten. Ertöte die sinnlichen Begierden, die weichlichen Gewohnheiten, die deinen klaren Blick trüben und dich zu keinem Entschluss kommen lassen. Du musst der Wahrheit fest ins Auge sehen können. Von Gott bist du ausgegangen, Ihm gehörst du an; für Ihn bist du erschaffen. Gott gab dir das Dasein, Er ist dein Herr, aber auch dein Vater. Das Leben ist dir einzig zu seinem Dienste gegeben. Durch diesen Dienst sollst du dich würdig machen, Gott ewig zu besitzen und im Himmel zu genießen. Das allein ist die Wahrheit.



13.06.2019
81. Von der Hochschätzung der himmlischen Güter
(Mt 6)

I Jesus mahnt zur Verachtung der irdischen Güter
«Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie vernichten, wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie vernichten, wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.»
Versuche den Gedanken des göttlichen Meisters zu erfassen. Er verlangt Losschälung von Gold und Silber, von Wohlsein, Ehre, Glück und Vergnügen. Alle diese Güter sind unbeständig im Leben, nichtig im Augenblick des Todes, immer aber eine Quelle sittlicher Verderbnis. Welche Schätze sollen wir dagegen nach dem Rate des Heilandes erwerben und aufhäufen? Die Werke der Frömmigkeit, der Liebe, der Geduld, der Abtötung, der Ergebung in den göttlichen Willen, der Treue gegen die Gebote, besonders auch die Werke der Barmherzigkeit. Das sind die wahren Güter, die des Menschen würdig sind und die allein für den Himmel Geltung haben. Stimme der göttlichen Weisheit bei, welche so lehrt, und erkenne die Wahrheit dieser Lehre. Vergleiche die ewigen Güter mit den zeitlichen. Was muss man nicht alles tun, um letztere zu erwerben? Was hast du selbst nicht schon alles um ihretwillen getan? Welches Glück hast du durch sie erlangt? Der ewigen Güter dagegen kannst du überall teilhaftig werden. Der himmlische Vater bietet sie dir an in jedem Augenblick, mittels jeder Pflicht und jeder Prüfung. Das Verlangen nach ihnen genügt schon, um sie zu erhalten, und wenn wir sie erworben haben, hilft uns Gott, sie zu bewahren. Die Mühe eines Augenblicks belohnt Er mit ewigem Glück.
Was sagt Jesus noch weiter über die irdischen Güter? Er erklärt, dass ihnen ein nagender Wurm innewohnt. Ehre, Vergnügen, Wohlsein, Reichtum, irdische Größe, alles das geht vorüber, kann verloren gehen und wird sich einst in nichts auflösen. Nur wer reich ist an himmlischen Schätzen, ist vor jeder Unruhe sicher. Hast du Sehnsucht nach diesen Gütern, die einzig glücklich machen und wirklich auf immer befriedigen?



12.06.2019
80. Von den Werken der Buße
(Mt 6)

II Die freudige Übung der Buße
«Wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Antlitz, damit die Leute nicht sehen, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.»
Wie soll die Buße geübt werden? «Ohne Eitelkeit», sagt Jesus. «In den Bußübungen suchet gerade so wie in euren Gebeten und anderen Handlungen die Förderung der Ehre und der Interessen Gottes. Wenn ihr durch eure Buße die Aufmerksamkeit und die Achtung der Menschen anstrebt, so sieht Gott nichts in euch als ein unwahres Herz und eine untreue Seele.» Und so sind in den Augen Gottes die Pharisäer, d. h. alle Menschen, die sich den Anschein geben wollen, abgetötet zu sein. Deshalb geißelt der Heiland die Heuchelei. Ihre Opfer werden äußerlich Gott dargebracht, aber der böse Feind hat den Nutzen davon.
«Tut Buße ohne Traurigkeit», sagt der Heiland. Hat Er nicht recht, wenn Er diese Ermahnung gibt? Schreckst du nicht zurück vor den Fasttagen? Darfst du dich betrüben, wenn du Gelegenheit hast, Gott Opfer zu bringen? Jesus verbietet also, sich über die gebotenen Fast- und Abstinenztage zu beklagen. Er will im Gegenteil, dass wir gerade an diesen Tagen uns im Verkehr mit anderen durch Freundlichkeit und Sanftmut auszeichnen. Es gibt manche, die, weil sie die vorgeschriebenen Bußwerke ungern verrichten, ihren Unwillen darüber an ihren Mitmenschen auslassen, indem sie sich mürrisch zeigen und ihre üble Laune nicht abtöten. Die Buße soll uns sanft und zugänglich machen; sie soll uns helfen, jede Verstimmung zu überwinden. Das will Jesus uns sagen.
Hast nicht auch du die Mahnung des Heilandes notwendig? Verlierst du nicht durch Eitelkeit das Verdienst deiner geringen Buße und übst du sie nicht mit Widerwillen und Feigheit?



11.06.2019
80. Von den Werken der Buße
(Mt 6)

I Die wahre Buße
«Wenn ihr fastet, so macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Die geben sich ein düsteres Aussehen, damit die Leute es ihnen ansehen, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: sie haben schon ihren Lohn!»
Dein göttlicher Meister spricht hier von der Buße und ihrer Übung. Ein so wichtiger Gegenstand darf bei der Erklärung des neuen Gesetzes nicht übergangen werden. Mache dir heute wieder recht bewusst, wie notwendig die Buße ist.
Die Buße ist so wichtig wie das Gebet und die Nächstenliebe. Die Buße ist innerlich und äußerlich. Sie besteht zuerst in einem inneren Schmerz über die Sünde, durch die man Gott beleidigt hat. Aus diesem inneren Leid heraus werden wir bewegt, auch äußerliche Leiden auf uns zu nehmen, um Gott unsere Reue zu beweisen. Der Büßende bekommt so das Verlangen, Gott seinen Leib zum Opfer zu bringen, der erzürnten göttlichen Gerechtigkeit Sühne zu leisten und an sich selbst die der göttlichen Majestät zugefügten Beleidigungen zu rächen. Das heißt, das widerspenstige Fleisch, das die Ursache der Sünde gewesen ist, der Vernunft unterwerfen, sich der Sinnenfreuden enthalten, um sich fähiger zu machen, die Freuden des Geistes zu genießen, und sich von irdischer Befriedigung lossagen, um mit größerem Eifer nach den himmlischen Gütern zu streben. Schließe daraus auf die Notwendigkeit der Buße, der körperlichen Abtötung und des Fastens. Der Erlöser will uns keineswegs von dieser Pflicht entbinden.
Mit dem alten Gesetze ist die Zeit der Buße durchaus nicht vorüber. Der Jünger des neuen Gesetzes ist um so mehr zum Bußeifer verpflichtet, als er besser verstehen soll, welche Ehre Gott aus der Übung der Buße erwächst. Er soll in hervorragender Weise ein Büßender sein.

10.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die siebente Bitte des Vaterunsers
«Sondern erlöse uns von dem Übel.»
Das größte Übel ist die Sünde. Aber auch die Mühseligkeiten dieses Lebens, die wir als Strafe und Wiedergutmachung für die Beleidigungen Gottes leiden müssen, sind ein Übel, insofern sie uns hindern, Gutes zu tun und die Tugend zu üben. Die körperlichen Krankheiten schwächen den Geist und machen uns das Gebet mühevoll, die Belästigungen der Menschen stören unseren inneren Frieden. Aus diesem Grund darf man bitten, auch von diesen Übeln befreit zu werden.
Der hl. Augustinus betont, dass diese letzte Bitte des Vaterunsers auch ein liebender Seufzer gläubiger Menschen ist, die sich hienieden von Übeln umgeben sehen und mit Sehnsucht nach dem höchsten Gut im Himmel verlangen.

«Amen — so sei es»
Der göttliche Meister lehrt uns, das Gebet mit dem Wort «Amen» zu beschließen. Es setzt gleichsam ein Siegel auf unser Gebet; es bestätigt alles, was wir darin gesagt haben, und betont, dass wir alles aufrichtig wünschen, was wir erbeten haben. Es kommt nämlich vor, dass du Gott um etwas bittest, das du eigentlich nicht erlangen willst. Wenn du z. B. um die Gnade der Vervollkommnung betest und dann betrübt bist, wenn dir etwas genommen wird, was ein Hindernis für die Vollkommenheit ist, so sagst du nicht mit aufrichtigem Herzen «Amen»!
Dieses Wort ist auch ein Akt der vollkommenen Hoffnung. Wir sagen «Amen», indem wir uns mit Vertrauen auf die unfehlbare Wahrheit dessen stützen, der uns so zu beten lehrt und verheißen hat, unsere Bitten zu erhören. Gott selbst wird uns antworten: «Amen, so sei es, wie du mich gebeten hast.»
Dein Gebet ist oft so wenig wirksam, weil du es am Vertrauen fehlen lässt. Gott kann nämlich jene nicht erhören, die an seiner Macht und Güte zweifeln.



09.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)
Die sechste Bitte des Vaterunsers
« Und führe uns nicht in Versuchung.»
Mit diesen Worten bitten wir Gott um die Gnade, daß Er uns vor Versuchungen verschone, denn diese kann zur Sünde führen. Die frommen Seelen flehen inständig um diese Gnade, weil schon der Gedanke an die Sünde sie mit Abscheu erfüllt. Wenn du dich selbst in die Gefahr von Versuchungen begeben oder gar mit der Versuchung spielen würdest, wäre deine Bitte um Bewahrung vor der Versuchung nicht echt, sondern ein Hohn.
Mache dir aber bewusst, dass nach den Worten des Apostels Paulus der wahre Jünger Christi vom Teufel Versuchungen erleiden muss. Wir sollen daher Gott bitten, dass wir in der Versuchung nicht fallen und den Sieg über den Verführer davontragen. Dies können wir jedoch nicht ohne die besondere Gnade Gottes! Erinnere dich der Gelegenheiten, in denen du schmählich gefallen bist, und gestehe, dass es dein Fehler gewesen ist, Gott nicht um Hilfe angefleht zu haben. Bereue jene Niederlagen und, eingedenk deiner Schwäche, wache und bete, dass du in Zukunft standhaft zu bleiben vermagst!
Vergiss nicht, dass wir viele Feinde haben, die unser Heil bekämpfen. Der Teufel gibt uns Dinge ein, die dem Dienst Gottes entgegengesetzt sind, und die Welt täuscht uns mit den Verlockungen ihrer Scheingüter und Vergnügungen. Auch das eigene Fleisch reizt uns immer wieder zur Sinnlichkeit. Bemühe dich, deine schwache Stelle und deinen Hauptfehler zu erkennen, dort nämlich versucht der Feind dich zu überraschen. Lass dich aber nicht entmutigen wegen der großen Zahl deiner Feinde, denn die Gnade Gottes steht dir in noch größerer Zahl und Kraft zur Verfügung, wenn du nur von Herzen darum bittest.



08.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die fünfte Bitte des Vaterunsers
«Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.»
Bedenke, dass wir alle Sünder sind und deshalb in Schulden gegenüber der Gerechtigkeit Gottes leben. Weil wir aber kein Mittel haben, um diese selbst zu begleichen, können wir nur schuldenfrei werden, wenn uns Gott unsere Sünden verzeiht, wie wir Ihn in dieser Bitte anflehen. Wirf einen Blick auf dein armes Leben, das voller Sünden ist, und mache dir bewusst, wie notwendig du die göttliche Barmherzigkeit hast. Erbitte sie mit aufrichtiger Reue!
Wir bitten Gott, uns von der Sünde zu befreien, weil sie ein sehr großes Übel ist, welches die Wirkung der ersten Bitten des Vaterunsers vereitelt. In der Tat, die Sünde verwirkt die Ehre Gottes, sie verhindert das Kommen seines Reiches und ist seinem göttlichen Willen vollständig entgegengesetzt; sie beraubt uns auch des Rechts, das Brot vom Vater zu erbitten. Verabscheue alles, was Sünde ist, aber bitte mit ebenso großem Vertrauen um Verzeihung, denn Gott selbst zeigt dir durch dieses Gebet, dass Er dein Flehen erhört und dir deine Sünden vergeben will.
Bedenke aber, dass eine solche Gnade nur gewährt wird unter der Bedingung, dass auch du desgleichen tust. Gott erklärt uns, dass wir so behandelt werden, wie wir die anderen behandelt haben; Er wird uns in seiner Barmherzigkeit nur verzeihen, wenn auch wir unsererseits barmherzig sind und bereit sind zu verzeihen! Du siehst, wie die Angelegenheit deines Seelenheils in deinen Händen liegt. Hüte dich, durch deine Herzenshärte Gott zu zwingen, dir deine Sünden nicht zu vergeben!



07.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die vierte Bitte des Vaterunsers
«Gib uns heute unser tägliches Brot.»
Diese Bitte ist eine Ehrung für die Vorsehung Gottes. Wir erbitten von Ihm sogar jedes Stücklein Brot, denn wenn Gott es uns verweigerte, wäre niemand in der Lage, es uns zu geben; für all unsere Bedürfnisse muss Gott sorgen! Anerkenne deine Abhängigkeit von Gott und lerne, dich in allen Nöten an Ihn zu wenden, weil du ohne Ihn auch nicht das Geringste haben könntest.
Beachte auch, dass unser Herr uns lehrt, nur für einen Tag das Brot zu erbitten. Er will uns dadurch ermahnen, nur das Notwendige und nicht den Überfluss und den Reichtum zu erstreben, der von Satan und der Welt als Ziel dieses Lebens hingestellt wird. Wenn du wahrhaft ein Kind Gottes bist, solltest du dich nicht zu viel um die Dinge dieser Welt kümmern. Man soll sie mit nüchterner Gesinnung benützen und nur nach dem Maß der Notwendigkeit besitzen.
Mit diesem Brot ist auch die geistige Nahrung gemeint, die Speise der Seele, das «eucharistische Brot». Dieses himmlische und göttliche Brot ist über alles Irdische erhaben, weil es Jesus, das Leben selbst ist. Er will uns dadurch seine göttliche Gnadenfülle schenken. Erbittest du diese Nahrung jeden Tag mit Glauben und heiligem Verlangen? Du empfängst sie öfters, aber sie bringt nicht all die wunderbaren Wirkungen in deiner Seele hervor, weil du Gott zu wenig darum bittest.



06.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die dritte Bitte des Vaterunsers
«Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.»
Erwäge, wie Gottes ewige Weisheit nichts wollen kann, was nicht gut wäre. Hingegen muss alles, was seinem Willen entgegengesetzt ist, ungerecht sein. Daher ist es notwendig, dass sein Wille in allem erfüllt werde. Vergleiche deinen Willen mit der Güte des Willens Gottes und deine geringen Erkenntnisse mit seiner erhabenen Weisheit, so wirst du Gott, der sich in nichts täuschen kann, bitten, dass er auch für dich alles lenken möge, wie Er es will.
Bedenke auch, wie der Wille Gottes sich auf alle Geschöpfe erstreckt und dass Er alles liebt, was Er geschaffen hat. Deshalb ist sein Wille ein Wohlwollen zum Besten aller. Mit großem Vertrauen überlass dich deshalb der Führung seines liebenden Willens, so wird alles zu deinem größten Nutzen gereichen.
Durch die Worte «wie im Himmel, also auch auf Erden» erbittest du für dich die Gnade, Gott so gehorchen zu können wie die Engel, die sich auch zum geringsten Menschen als Beschützer herabneigen, weil es Ihm wohlgefällig ist. So sei auch für dich der Beweggrund für all dein Tun und Lassen, Gott eine Freude bereiten zu wollen.



05.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die zweite Bitte des Vaterunsers
«Zu uns komme Dein Reich.»
Durch diese Worte lehrt uns der Herr zu bitten, dass in dieser Welt das Reich seiner Gnade errichtet werde. Er soll von allen Menschen erkannt und angebetet werden, und niemand darf sich der Herrschaft des Teufels unterwerfen durch die Sünde. Wende einen Blick voll Mitleid auf die vielen, in denen Gott nicht herrscht. Bedaure auch die Zeit, als du selbst zu jenen gehörtest, die sich gegen Ihn auflehnen, und prüfe dich, ob Gott jetzt wirklich herrschen kann in deinem Herzen.
Bedenke auch, dass die vollkommene Herrschaft Gottes erst am Jüngsten Tag erreicht sein wird, wo alle Verbrechen aufhören und keine Sünden mehr begangen werden, sondern alle Geschöpfe Gott gehorchen werden. Im Himmel wird Er verherrlicht durch seine Liebe und in den Abgründen der Unterwelt durch seine Gerechtigkeit. Aus diesem Grund betet die Kirche, daß dieser Tag bald komme. Ist dein Gewissen auch rein genug, damit du den Tag des Gerichtes mit freudiger Sehnsucht erwarten kannst?
Der eigentliche Gegenstand dieser Bitte ist jedoch das Himmelreich, das alle Christen als ihre einzige Seligkeit erhoffen sollen. Sie ersehnen dieses Reich, in welchem sie wirklich mit Christus herrschen werden. Hab Mitleid mit dir selbst, da du noch in diesem Tränental verbannt leben musst, und mache dir gut bewusst, dass du hier in der Fremde weilst, wo du nicht das wahre Glück findest, sondern es im Himmel erwartest.



04.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

Die erste Bitte des Vaterunsers
«Geheiligt werde Dein Name!»
Die erste Bitte und unser erstes Verlangen soll es sein, dass der Name Gottes gepriesen und verherrlicht werde. Wir sollen vor allem seine Ehre suchen und nur das erbitten, was zur Verherrlichung seiner göttlichen Majestät gereicht. Mit dieser Gesinnung wird es dir leicht werden, vieles als unnütz zurückzulassen, was überhaupt nicht zu seiner Ehre beiträgt.
Bedenke, wie die Ehre Gottes durch das Wort «geheiligt» bezeichnet wird. Gott will uns dadurch lehren, dass Er geehrt wird, wenn wir seine Vollkommenheit erkennen. Gott lässt seine Heiligkeit in besonderer Weise aufstrahlen, indem Er die Seelen heiligt. Lass auch du die Heiligkeit Gottes aufleuchten in deinen Worten und Werken; du wirst aber Gott am meisten verherrlichen, wenn du selbst heilig wirst.
Der heilige Franz von Assisi mahnt uns, mit diesen Worten Gott zu bitten, dass Er unseren Geist erleuchte, damit wir alle Weiten seiner Unermesslichkeit erkennen: die Fülle seiner Wohltaten, die Ewigkeit seiner Belohnungen, die Erhabenheit seiner Majestät und Weisheit seiner Ratschlüsse. Das wahre Glück in diesem Leben besteht darin, die Güte und Herrlichkeit Gottes zu erkennen, denn dies macht ja auch die Glückseligkeit der Heiligen im Himmel aus. Je mehr du in dieser Erkenntnis Fortschritte machst, desto mehr wirst du auf ewig von der göttlichen Liebe erfüllt werden.



03.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

IV. Betrachtungen über die Worte des Vaterunsers
«Vater unser, der Du bist im Himmel!»
Der Heiland erlaubt uns, dass wir unseren höchsten Herrn und Gott «Vater» nennen dürfen. Damit will Er in uns die Gefühle der Liebe und des Vertrauens auf seine Güte wecken, die wir beim Gebet erstreben sollen. Wenn Gott als Vater angerufen werden will, dann wirst du nur gut beten, wenn du wirklich sein Kind bist. Prüfe dich, ob dich nichts hindert, diesem schönen Namen zu entsprechen.
Bedenke, dass Gott «unser Vater» genannt werden will, um uns an die Unermesslichkeit Seiner Liebe und Seiner väterlichen Güte zu erinnern. Wenn wir Ihn unseren Vater nennen, anerkennen wir auch Seine anderen Kinder. Dies verpflichtet uns zur zweifachen Liebe zu Gott und zum Nächsten. Dein Gebet wird sicher gut aufgenommen, wenn du es verrichtest aus Liebe zu Gott und in Verbundenheit mit deinen Nächsten.
Gott, unser Vater, ist überall. Er will dennoch, dass wir Ihn «im Himmel» anrufen. Damit möchte Er uns eine große Ehrfurcht vor seiner göttlichen Majestät einflößen und unseren Sinn über alles Irdische erheben, damit wir vor allem die himmlischen Reichtümer erbitten. Betrachte Gott im Himmel, dort ist die Erfüllung unserer Hoffnung und das Ziel aller Gebete.



02.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

III Jesus lehrt das Gebet des Herrn
«Ihr sollt daher also beten: Vater unser, der Du bist im Himmel! Geheiligt werde Dein Name!»
Höre in heiliger Sammlung das Gebet, das dir von allen das liebste sein soll. Der Heiland hat es uns vom Himmel gebracht; es ist das vorzüglichste Gebet des Christen. Jesus selbst gibt uns die Form an, in die wir unser Bittgesuch vor Gott bringen sollen.
Zuerst sollen wir Gott loben, um Ihn uns gnädig zu stimmen. Rede Ihn mit seinem Namen an. Unter allen Titeln, die Ihm gebühren, wähle jenen, der Ihm am meisten gefällt; nenne Ihn «Vater».
«Geheiligt werde Dein Name; zu uns komme Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden!» Durch diese Worte soll in dir der lebhafte Wunsch geweckt werden, dass ein so gütiger Vater erkannt und geliebt werde und dass man Ihm diene. Du sollst hier vom Heiland lernen, zuerst in kindlicher Liebe für die Interessen Gottes einzutreten, ehe du Ihm deine eigenen Bitten vorträgst.
Hast du dich in den ersten drei Bitten des Vaterunsers Gott gegenüber als Kind gezeigt, so wird Er dir jetzt beweisen, dass Er dein Vater ist. Was begehrst du für dich von Gott? «Vater, gib uns!» Gott ist Vater, um zu geben. Was tut dir not? Vertraue es Ihm ohne Furcht an.
Er sorgt für deine leiblichen wie für deine geistigen Bedürfnisse: Er ist dein Vater für die Zeit wie für die Ewigkeit. Glaubst du fest, dass Er bereit ist, dir das Notwendige für jeden Tag zu spenden? Glaubst du, dass Er mit väterlicher Sorgfalt über dich wacht, dich leitet und schützt und dir die ewigen Güter aufbewahrt, die Er dir einst zum Erbe geben will? Macht der Mangel an kindlichem Glauben dein Gebet nicht unfruchtbar?
Beklage es, dass du bis jetzt so wenig das Glück verkostet hast, einen Vater im Himmel zu besitzen. Ziehe Nutzen aus den Schätzen, die im Vaterunser enthalten sind!



01.06.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

II Das innere, betrachtende Gebet
«Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen. ... Euer Vater weiß ja, was euch not tut, ehe ihr Ihn bittet.»
Durch diese Worte ermuntert uns der Herr zum betrachtenden Gebet. Dies ist ein mehr innerliches Gebet, wo es nicht vieler Worte bedarf, weil das Herz in Liebe bei Gott verweilt. Das innere Gebet ist notwendig, um die Heiligkeit zu erlangen, denn wir können keine Tugend erwerben, ohne die Gnade Gottes darum zu erbitten. Die Gnade können wir aber nur richtig erbitten, wenn wir durch die Betrachtung die Notwendigkeit der Tugend erkannt und das Verlangen nach ihr geweckt haben. Wundere dich nicht darüber, dass du noch so unvollkommen bist, da du das innere Gebet zu wenig übst. Gerade im betrachtenden Herzensgebet will Gott dir die Gnade der Heiligung schenken!
Bedenke, dass das innere Gebet die erhabenste Beschäftigung der Seele ist. Betrachten heißt sich mit Gott freundschaftlich zu unterhalten über die wichtige Angelegenheit unseres Heiles. Dies ist ja die erste und notwendigste Aufgabe unseres Lebens. Auch wenn dieser Gegenstand hoch ist, so ist er doch nicht zu schwierig. Dein Geist beschäftigt sich mit Eifer und Hingabe mit so vielen kleinen oder gar unnützen Dingen; du musst nur den Gegenstand austauschen und deinem Geist heilige Dinge vorlegen, dann übt er die Betrachtung!
Mache dir bewusst, dass diese Übung das mächtigste Mittel ist, uns in dieser Welt mit Gott zu vereinen. Gott ist Geist, und wir können Ihm nur nahen und Ihn umfangen durch die Übung unseres Geistes im beschauenden, betrachtenden Gebet. So kannst du schon hienieden glücklich werden in der Vereinigung mit Gott. Was machen die Heiligen im Himmel anderes, als Gott in der beseligenden Anschauung zu betrachten?



31.05.2019
79. Vom Gebet
(Mt 6)

I Jesus lehrt seine Jünger beten
«Und wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler, welche es lieben, in den Synagogen und an den Straßenecken stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen.»
Wie muss man beten? Da Jesus an der Besserung unseres Lebens arbeitet, rügt Er zuerst die Fehler, die beim Beten zu vermeiden sind. Seine Zuhörer haben viele irrige Ansichten über das Gebet. Er bemüht sich deshalb zuerst, ihren Geist aufzuklären, um dann ihre Herzen für das Gute zu gewinnen.
«Suchet nicht die eitle Ehre in euren Andachtsübungen», sagt Jesus. Die Ehrsucht ist eine beklagenswerte Klippe der Frömmigkeit. Die Frömmigkeit lässt den Menschen nur Gott suchen; die Ehrsucht treibt ihn an, überall sich selbst zu suchen. Dieser Feind muss besiegt werden. Mit vollem Recht tadelt der Heiland jene, die mit ihrer Frömmigkeit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen wollen. Zumal beim Gebet muss man eine reine Meinung haben, wenn man Gottes Wohlgefallen auf sich herabziehen will.
«Vermeide die Zerstreuung beim Gebet», fügt der Heiland bei. «Wenn du betest, ziehe dich in dein Kämmerlein zurück, schließe die Türe hinter dir zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.» Du klagst über Zerstreuungen im Gebet; was tust du, um sie zu vermeiden? Gehst du etwa ohne Vorbereitung zum Gebet, ohne zu bedenken, wer derjenige ist, mit dem du reden willst, einzig besorgt, dich dieser beschwerlichen Pflicht so schnell wie möglich zu entledigen? Ist dein Herz erfüllt von irdischen Eindrücken, die zu entfernen du dir keine Mühe gibst? Nimmst du dir während des Gebetes sogar die Freiheit, alles um dich herum zu sehen und zu hören? Welchen Wert können solche Gebete vor Gott haben? Sie zeigen, wie wenig Ehrfurcht und Liebe du für Gott hegst.



30.05.2019
78. Von den Werken der Barmherzigkeit
(Mt 6)

II Die Werke der Barmherzigkeit sollen auf eine Gott wohlgefällige Weise verrichtet werden
«Wenn du Almosen gibst, so wisse deine Linke nicht, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.»
«Selig sind die Barmherzigen», hat Jesus gesagt. Was muss man tun, um dieser Seligkeit teilhaftig zu werden? Beachte folgenden Grundsatz, der unerlässlich ist: Übe die Werke der Barmherzigkeit nicht, um die Achtung anderer zu erwerben! Was man aus diesem Grunde tut, ist ohne Wert, oder nur von geringem Wert in den Augen Gottes. Musst du nicht zugeben, dass es die menschliche Achtung teuer erkaufen heißt, wenn man sie auf Kosten der ewigen Seligkeit erringt? Wenn du den Menschen gefallen willst, wirst du auch nur den Lohn der Menschen erhalten! Belohnt wird man nur von jenem, dem man zu gefallen strebt.
Indes beachte auch, dass Jesus nicht von uns verlangt, unempfindlich zu sein für die Beweise der Achtung, die unsere guten Werke uns einbringen. Es genügt, diese Anerkennung Gott aufzuopfern, um ein neues Verdienst vor ihm zu erwerben.
Nimm diese Gedanken recht in dich auf; sie werden dich vor eitler Ehrsucht schützen. Das Bewusstsein, dass der himmlische Vater allezeit der Zeuge deiner guten Werke ist, sei dir genug. Sein liebender Blick sei dir Ansporn und Stärke und die lebendige Hoffnung auf den Himmel fortwährende Ermutigung. Die Freude, Ihm zu gefallen, soll dein Glück sein. Suche Gott in allem, und du wirst Ihn überall finden!



29.05.2019
78. Von den Werken der Barmherzigkeit
(Mt 6)

I Jesus warnt seine Jünger vor der Selbstsucht
«Habet acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der im Himmel ist.»
Versenke dich mit besonderer Andacht in die Betrachtung dieser Lehre des göttlichen Meisters. Die Lebensbesserung, die Er seinen Zuhörern ans Herz legt, ist auch für dich notwendig. Diese ernsten Ermahnungen richtet Er sowohl an sie als auch an dich.
Jesus lehrt seine Jünger, nicht nur große Dinge zu vollbringen, sondern diese auch in reiner Absicht zu tun. Was ist die gute Meinung? Es ist das Streben, das gerade auf sein Ziel gerichtet ist, das heißt auf das letzte Ziel. Der Mensch ist zur Ehre Gottes erschaffen, deshalb muss alles auf die Ehre Gottes gerichtet sein, was er unternimmt. Der einzig richtige Standpunkt ist es, in allem, was sich darbietet, eine Gelegenheit zur Förderung der göttlichen Ehre zu erblicken. Suche diesen Grundsatz zu erfassen. Nichts zur Befriedigung meiner Eitelkeit und meines persönlichen Vorteils, alles zur Ehre Gottes! Alles, um Ihm zu gefallen in der Verherrlichung Seines heiligen Namens und der Erfüllung Seines göttlichen Willens.
Bedenke auch, dass die eitle Ehre unsere guten Werke verdirbt, ähnlich wie ein Wurm, der an der Wurzel des Baumes nagt, den Baum mit allen Früchten verdirbt. Weil man aufgrund der Absicht beurteilen kann, ob ein Werk gut oder schlecht ist, so gib sorgfältig acht, dass deine Absicht rein ist!
Die Werke, die wir vollbringen, nur um von den Menschen geachtet zu werden, erlangen im Himmel keinen Lohn, wie es der Heiland deutlich erklärt! Er belohnt das Gute, das wir für Ihn tun, und überlässt es den Menschen auf Erden, jenes zu belohnen, das wir für sie tun. Willst du auf diese Weise das Verdienst so vieler guter Werke aufs Spiel setzen? Wie viel verliert man durch die eitle Ehre! Arbeite deshalb eifrig weiter, aber arbeite für Gott allein!
Erbitte dir vom Heiland die Gnade, diese erhabene Lehre zu verstehen und auszuüben.



28.05.2019
77. Von der Verzeihung des Bösen
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus lädt Seine Jünger ein, gütig zu sein nach dem Vorbilde Gottes
«Seid Kinder eures Vaters, der im Himmel ist, der Seine Sonne über die Guten und Bösen aufgehen lässt und regnen lässt über Gerechte und Sünder. Denn wenn ihr nur jene liebt, welche euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun das nicht auch die Zöllner? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist!»
Betrachte den Beweggrund für die vollkommene Liebe, den der Heiland hier angibt. Wenn du die Verpflichtungen, die Er auferlegt, zu schwer findest, so erhebe dein Herz zu dem Ideal, das Er dir vorhält. Die Gnade des Evangeliums erhebt dich über die menschliche Armseligkeit und lässt dich teilnehmen an dem Leben Gottes. Aus Gott leben heißt, seine Neigungen, Gewohnheiten und Sitten nach Seinem Vorbild einrichten. Du bist ein Kind Gottes; so lebe denn aus dem Leben, das du von deinem himmlischen Vater erhalten hast. Übe dich darin, zu handeln, zu urteilen und zu wollen wie Er. Durch das Streben nach Gleichförmigkeit mit Gott im Wollen, Urteilen und Handeln wirst du Ihm ähnlich in allem.
Was tut dein himmlischer Vater? Viele Menschen lästern Seinen heiligen Namen, missbrauchen Seine Wohltaten, um Ihn zu beleidigen, verachten Seine allerhöchste Autorität und setzen sich über die Wunder Seiner Barmherzigkeit hinweg. Und dennoch hört Gott nicht auf, auch diesen Undankbaren das Leben zu erhalten. Er spendet ihnen wie früher seinen reichen Sonnenschein und umgibt sie mit der Sorge Seiner väterlichen Vorsehung. Er zieht sich nicht von ihnen zurück, unterbricht niemals sein wohltätiges Wirken für sie und in seiner Liebe vergilt er oftmals das Böse mit Gutem.
Sei gütig wie Er. Nur dadurch verdienst du dir den Namen eines Christen, dessen Hauptcharakterzug die Güte sein soll. Aber wie wird man gut? Bitte Gott um seine Liebe, und du wirst gütig sein wie Er!



27.05.2019
77. Von der Verzeihung des Bösen
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus verlangt von seinen Jüngern, dass sie Böses mit Gutem vergelten
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, welche euch verfolgen und verleumden.»
«Liebet eure Feinde!» Stelle dir das Staunen der Zuhörer Jesu bei dieser Aufforderung vor. Bitte den Heiland, um Verständnis für dieses Gebot.
Ein Feind ist ein Mensch, der mir Böses will oder tut. Vielleicht ist es ein Mensch, der mir einst Freundschaft vorgetäuscht hat und der mein unkluges Vertrauen missbraucht hat, um mir Schaden zuzufügen. Es ist vielleicht ein falscher Zeuge, der mich verleumdet hat, ein schlechter Mensch, der meinen Glauben ins Lächerliche zieht, ein Mitbewerber, der mir hinderlich ist, ein Heuchler, der meinen guten Ruf in Zweifel zieht. Welche Verpflichtungen habe ich solchen Menschen gegenüber? Ist es nicht Großmut genug, sich nicht zu rächen und nicht Böses mit Bösem zu vergelten? Muss die christliche Liebe noch weiter gehen?
Sich nicht rächen ist zwar schon heldenhaft, aber bedenke, dass Jesus beabsichtigt, uns zur höchsten Stufe des Großmut zu führen. Er sagt: «Vergilt das Böse mit Gutem. Das Böse nicht mit Bösem zu vergelten, ist der unterste Grad, das Böse mit Gutem zu erwidern, ist der höchste Grad der Liebe.»
Keine Ungerechtigkeit darf unsere Liebe beeinträchtigen. Leidet dein Feind, so nimm teil an seinem Leide; wenn es ihm wohl ergeht, so freue dich und wünsche ihm Vermehrung seines Glückes. Bietet sich dir Gelegenheit zu einer Dienstleistung, so komme ihm zu Hilfe. Begegne ihm allezeit mit Höflichkeit. Sprich nur Gutes von ihm und beklage dich nicht, wenn er ungerecht gegen dich vorgeht. Und wenn du selbst mit ihm zu sprechen hast, tue es mit Sanftmut und Wohlwollen. Bete für ihn, bitte Gott aufrichtig um seine Bekehrung, um Barmherzigkeit und um das Heil seiner Seele.
Solche Gesinnung verlangt Jesus von seinen Jüngern. Er will, dass wir durch unerschöpfliche Liebe alle Feindschaften aus unserer Mitte verbannen. Wenn jemand uns beleidigt hat, so legen wir unsere Angelegenheit in Gottes Hand und bemühen uns, in christlicher Liebe zu verzeihen.
Bedenke außerdem, dass unsere Feinde uns meist wegen zeitlicher Güter angreifen, die ja eher ein Hindernis sind für unsere Heiligung. Aus dieser Sichtweise heraus solltest du jene nicht als Feinde betrachten, welche dir lediglich irdische Güter streitig machen wollen. Nur jene sind Feinde, die uns wirklich Böses zufügen. Aber auch dies tun sie nur durch die Zulassung Gottes und werden so zu Werkzeugen seiner Gerechtigkeit, die unsere Sünden straft. Mache dir bewusst, dass du Gott nicht vollkommen lieben kannst, wenn du die Werkzeuge seiner Hand hassest.
Vergiss nicht, dass auch Gott uns geliebt hat, als wir durch die Sünde noch seine Feinde waren! Gott hat uns durch die Gnade zu seinen Kindern gemacht und uns durch dieselbe Gnade befähigt, ebenso jene zu lieben, die uns keine Zuneigung erweisen.



26.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Ein Grundgesetz der Nächstenliebe
« Wie ihr von den Menschen behandelt sein wollt, so behandelt auch ihr sie.»
Betrachte, mit wie viel Gerechtigkeit der Sohn Gottes von uns verlangt, daß wir die Mitmenschen so behandeln, wie wir es von ihnen erwarten. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, müssen wir uns selbst an ihre Stelle setzen. Prüfe dich und deine berechtigten Wünsche! Erkenne, dass du die Hilfe und Zuneigung, die du von andern erwartest, auch dem Nächsten entgegenbringen musst. Die geübte Nächstenliebe zieht die Erbarmungen Gottes auf dich herab. Vielleicht betest du schon lange um eine Gnade, die Gott dir noch nicht erwiesen hat. Ist es nicht deshalb, weil deine Herzenshärte den Schoß der Güte Gottes verschließt?
Nach den Worten des Herrn ist in der Gottes- und Nächstenliebe das ganze Gesetz und die Propheten enthalten, das heißt alles, was Gott geboten und verheißen hat. Wenn wir also dem Nächsten aus Liebe zu Gott das erweisen, was wir für uns selbst wünschen, erfüllen wir das ganze Gebot und verdienen alle Verheißungen Gottes. Gibt es einen erhabeneren Beweggrund, den Nächsten wahrhaft zu lieben?



25.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus ermuntert seine Jünger, sich lästigen Bitten nicht zu entziehen
«Wer dich bittet, dem gib. Wer dir das Deinige nimmt, von dem fordere es nicht zurück.»
Verstehst du diese Worte? Bist du würdig, eine so herrliche Lehre zu vernehmen? «Sei wohlwollend und freigebig», sagt der Heiland. «Entziehe dich jenen nicht, die dich um etwas bitten. Nimm alle mit Wohlwollen auf, auch die Unbescheidenen und weniger Liebenswürdigen.» Die wahre Liebe lebt von der Verleugnung der ungeordneten Eigenliebe. Gib anderen mit deiner Gabe auch etwas von dir selbst. — Erweise dem Nächsten gern Dienste. Verweigere niemand deine Hilfeleistung und deinen Rat. Das Evangelium will, dass du auch den letzten der Menschen als deinen Bruder liebst und ihn dementsprechend wie einen Bruder behandelst. Sage nicht, dass er ein Unbekannter sei, ein Zudringlicher, denn Jesus betrachtet ihn als einen der Seinigen. Liegt es nicht in deiner Macht, die Bitte zu gewähren, so zeige wenigstens den guten Willen und sprich dein Bedauern aus, stoße aber nie jemanden lieblos zurück.
Wie steht es bei dir mit der Befolgung dieser Lehre? Fehlst du nicht täglich gegen das Gesetz der uneigennützigen, dienstbereiten Nächstenliebe, von der Jesus hier spricht? Gehst du nicht häufig mit einer Art von heidnischem Stolz an deinem Mitmenschen vorüber, wenn er sich in Armut und Not befindet? Bleibst du nicht fremd und gleichgültig gegen Bedrängte, die in ihrer peinlichen Lage auf dich rechnen, nur weil du fürchtest, einmal getäuscht zu werden? Hast du nicht hundert Vorwände und bedienst du dich nicht sogar der Lüge, um jene abzuschütteln, die sich vertrauensvoll an deine Güte wenden? Gehörst du nicht zu jenen, die nur unter der Bedingung hilfsbereit sind, dass ihnen daraus eitle Ehre oder persönlicher Nutzen erwächst? Müssen deine Dienste nicht um den Preis peinlicher Demütigungen und beschwerlicher Verpflichtungen erkauft werden? Erforsche dich hierüber und strebe Besserung an!



24.05.2019
76. Von der Geduld im Ertragen von Ungerechtigkeiten
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus ermahnt seine Jünger zur Geduld bei ungerechter Behandlung
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem Bösen keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange geschlagen hat, so biete ihm auch die andere dar.»
Bis zu diesem Grad will also der Heiland die Rachsucht aus dem Herzen seiner Jünger entfernen! «Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Verschafft euch nicht selbst Recht!» Es ist zwar nicht verboten, sich an die weltliche Gerechtigkeit zu wenden, damit man zum Recht gelangt, aber man soll es mit Zurückhaltung und ohne Erbitterung tun. So verlangt es der Geist des Evangeliums.
Aber der Heiland fordert noch mehr: «Ertraget lieber Schimpf und Ungerechtigkeit, als dass ihr die Liebe verletzt. Wenn ihr ein Unrecht erlitten oder eine Schmähung erfahren habt, seid bemüht, eurerseits die Liebe zu bewahren. Bewahrt sie in der Geduld, denn sie ist ein kostbares Gut.» Es ist immer ehrenhaft, sich stark zu zeigen, und die wahre Seelenstärke erprobt sich besonders im Ertragen. Die Vollkommenheit des Jüngers Christi geht soweit, dass er eher irdischen Gütern und dem persönlichen Ansehen entsagt, als dass er gegen die Nächstenliebe fehlt. So wird er Christus ähnlicher.
Wir sollen die Beleidigungen ertragen im Geiste der Demut und der Buße. Der wahre Christ glaubt als Strafe für seine Sünden weit mehr verdient zu haben, als er zu leiden hat.
Bist du einer dieser echten Jünger, von denen der Herr einen so hohen Grad von Selbstlosigkeit und Geduld verlangt? Wie kannst du dich zu ihnen zählen, wenn du dich bei der kleinsten Unfreundlichkeit, dem geringsten Unrecht, der unbedeutendsten Beleidigung immer wieder zur Heftigkeit hinreißen lässt?


23.05.2019
75. Von der Wahrhaftigkeit im Reden
(Mt 5)

II Jesus ermahnt seine Jünger zu einer vollkommenen Aufrichtigkeit
«Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Alles weitere ist vom Übel.»
Mit diesen Worten kennzeichnet Jesus eine der liebenswürdigsten Tugenden des Christen: die Aufrichtigkeit. Der Jünger Christi darf niemals lügen. Er spricht: «Das ist so, jenes ist nicht so» und sein Wort gilt ihm an Eides Statt. «Ja», oder «nein». So lautet seine Antwort auf alle Fragen, die man ihm stellt. Keine Lüge, keine Verstellung, keine Umschweife! Die Wahrhaftigkeit des Christen muss so vollkommen und so selbstverständlich sein, dass man seinem einfachen Wort so fest glaubt, als wenn er es durch tausend Eide erhärtet hätte. Alles, was man mehr sagt, fügt der Heiland bei, ist vom Bösen, d. h. es kommt von der Herzenshärte, der Bosheit und dem Betrug unter den Menschen. Der sündige Mensch ist voll Misstrauen gegenüber seinesgleichen, denn er neigt zu Verstellung und Lüge. Ein schlechter Mensch ist notwendig ein Lügner, weil es vorteilhaft für ihn ist, seine Handlungen zu verbergen und zu beschönigen. Da Jesus gekommen ist, die Menschheit zu bekehren und zu erneuern, macht Er die vollkommene Wahrhaftigkeit zur unerlässlichen Pflicht. Wir sind einander die Wahrheit schuldig, wie Glieder desselben Leibes sich gegenseitig Hilfe und Stütze sein müssen. Das Auge betrügt den Fuß nicht, und der Fuß entzieht dem Auge und dem Kopf nicht seine Dienste. Dieses Bild zeigt uns, wie wir uns zu einander verhalten sollen.
So erneuere dich denn im Geiste des Evangeliums; zeige dich so wahrhaftig, dass man dir auf dein bloßes Wort hin glaubt. Fliehe die Verstellung und tue nichts Böses, nichts Verdächtiges, nichts Schmähliches, so wirst du nichts zu verbergen haben. Hast du gesündigt und musst du deine Sünde deinem Beichtvater oder Seelenführer offenbaren, so tue es mit schlichten Worten. Suche nicht nach eitlen Entschuldigungen für deine Fehler, und verhülle deine Schuld nicht durch lange Umschweife. Sei immer und überall demütig, so wirst du stets wahr sein!



22.05.2019
75. Von der Wahrhaftigkeit im Reden
(Mt 5)

I Jesus verlangt Ehrfurcht vor dem heiligen Namen Gottes
«Weiter habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören.»
Lerne, wie man den Namen Gottes heilig halten soll. Jesus spricht hier zu Menschen, die gewohnt waren, den göttlichen Namen vergeblich auszusprechen und zu missbrauchen. «Ihr sollt nicht falsch schwören» , sagt das alte Gesetz. Jesus fügt hinzu: «Ihr sollt gar nicht schwören.» Er verbietet nicht, dass man Gott als Zeugen anrufe, sondern verurteilt die üble Gewohnheit seiner Zuhörer, den heiligen Namen Gottes zu missbrauchen.
Die Ehrfurcht vor Gott muss ein Charakterzug des Christen sein. Nun ist es aber ein offenbarer Mangel an Ehrfurcht vor Gott, Ihn leichtfertig zum Zeugen anzurufen für unbedeutende Dinge, Übertreibungen und zweideutige Reden. «Schwört gar nicht» , sagt Jesus, «und nehmt weder den Namen noch die Werke Gottes zum Zeugnis für die Wahrheit eurer Worte. Schwört auch nicht bei eurem eigenen Haupte, oder bei sonst einem Glied eures Körpers.» Auf diese Weise schwören heißt: Ich verpflichte mich zu dieser oder jener Strafe, falls das, was ich behaupte, nicht wahr ist. Durch solche Reden verfügt man aber widerrechtlich über sich selbst. Du gehörst dir nicht selbst an, hast folglich auch kein Recht, über dich selbst zu bestimmen. Erkenne die Oberherrschaft Gottes über dich an und lebe in vollkommener Abhängigkeit von Ihm. Hast du nicht auch hier Ursache, dein Gewissen zu erforschen, und musst du in deinem Verhalten nichts verbessern?



21.05.2019
74. Von der Reinheit des Herzens
(Mr 5)

II Er fordert um jeden Preis Flucht vor der Sünde
«Wenn also dein rechtes Auge dir zum Ärgernis wird, so reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer leib in die Hölle geworfen wird.»
Höre, welch große Entschiedenheit Jesus von dir verlangt, wenn es gilt, dich von dem fernzuhalten, was zur Sünde führt. Er fordert dich auf, kein Opfer zu scheuen, um dich vor der Sünde zu schützen. Kein irdisches Gut kann ja mit dem Wert unserer unsterblichen Seele verglichen werden. Um diese zu retten, muss uns selbst das Teuerste, was wir auf Erden besitzen, als ein sehr geringer Preis erscheinen.
Erwäge, wie die Hände unsere Beschäftigungen versinnbildlichen. Unser Herr verlangt, dieselben abzuhauen, falls sie uns hindern, das Gute zu tun. So sollen alle Beschäftigungen auf unsere Heiligung und auf das ewige Ziel ausgerichtet sein, und alles, was uns davon abbringt, sollen wir meiden. Erforsche dein Leben. Sind nicht schon die kleinen Dinge, in denen du deinem Eigensinn und deinen Launen folgst, die Ursache für den Mangel an Heiligkeit? Wieviel mehr musst du alles fliehen und von dir weisen, was dir Anlass zur Sünde werden könnte!



20.05.2019

Apostelgeschichte 14,5-18.

In jenen Tagen als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen, flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe, und in deren Umgebung. Dort verkündeten sie das Evangelium.
In Lystra war ein Mann, der von Geburt an gelähmt war; er saß ohne Kraft in den Füßen da und hatte nie gehen können.
Er hörte der Predigt des Paulus zu. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann darauf vertraute, gerettet zu werden, rief er laut: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war. Der Priester des Zeus vor der Stadt brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
Als die Apostel Barnabas und Paulus davon hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen unter das Volk und riefen:
Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur Menschen, von gleicher Art wie ihr; wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört. Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Völker ihre Wege gehen. Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
Doch selbst mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge kaum davon abbringen, ihnen zu opfern.


19.05.2019
73. Von der brüderlichen Liebe und Eintracht
(Mt 5, Lk 12)

II Jesus belehrt seine Jünger über die Notwendigkeit der Versöhnung und der brüderlichen Eintracht
«Wenn du also deine Opfergabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar, geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.»
Jesus beschließt seine Belehrung also: «Wenn du deinem Nächsten irgendein Leid zugefügt, etwas gegen ihn gesagt oder getan oder seinem guten Rufe geschadet hast, so versprich, den Schaden wiedergutzumachen. Hat man aber dir Böses getan, so sei bereit zu verzeihen.»
Wenn es uns an Nächstenliebe mangelt, hat Gott an keinem unserer Werke ein Wohlgefallen. Das Opfer unserer Empfindlichkeit ist Ihm angenehmer als die Darbringung äußerer Gaben; das versichert uns der Erlöser. Wie kannst du auch glauben, Gott, deinen Vater, zu versöhnen, wenn du nicht im Frieden lebst mit seinen Kindern, deinen Nächsten? Die Stimme der Zwietracht erstickt die Stimme des Gebetes. Nicht deine Gabe will der Herr, sondern dich selbst. Und die Gabe deiner selbst verliert vor Gott all ihren Wert, wenn Hass und Zorn dich beherrschen. Wenn du dem Herrn ein Opfer bringst, dabei aber Rachsucht in deinem Herzen nährst, so nimmst du mit der einen Hand wieder zurück, was du mit der andern Gott dargebracht hast.
Bedenke, dass der Heiland uns zur Versöhnung auffordert, bevor wir Ihm ein Opfer darbringen. Es ist doch vernünftig, seine Schulden zu bezahlen, bevor man großzügige Spenden macht. Unser Herr ist der Anwalt des Nächsten und verteidigt dessen Rechte. Deshalb weist Er den Unversöhnlichen zurück, damit er seine Sache wiedergutmacht, bevor er Ihm am Altar das Opfer darbringt. Leuchtet dir diese Wahrheit ein? Wenn also der Herr von dir diese Versöhnung fordert, könntest du sie Ihm verweigern? Wenn du deinen Bruder in Gott betrachtest und Gott in ihm siehst, wird es dir leicht fallen, ihm mit herzlicher Liebe zu verzeihen.
Wenn du betest und Gottes Barmherzigkeit um Verzeihung deiner Sünden anflehst, so denke an diese Lehre. Unter den Jüngern Jesu darf niemals Zwietracht herrschen.
Der göttliche Meister fügt noch andere Belehrungen bei, die du zu Herzen nehmen sollst. «Verständige dich ohne Verzug mit deinem Gegner, solange du noch mit ihm unterwegs bist. Sonst könnte dich der Gegner dem Richter übergeben und der Richter dem Gerichtsdiener, und man würde dich dann in den Kerker werfen.» Jesus will, dass der Geist der Liebe jede Uneinigkeit ausgleiche. «Verständigt euch ohne Zögern», sagt Er, «mögt ihr gegenseitig auch noch soviel wiedergutzumachen haben. Lasst nicht zuerst das Gericht zwischen euch treten. Entsagt allen rachsüchtigen Plänen; verabscheut die Prozesse. Seid euch selber Richter, damit ihr schonungsvoll urteilt!» In allen Rechtsforderungen lässt sich der wahre Jünger Christi nur vom Geist der Liebe leiten, die seinen göttlichen Meister beseelte. Ziehe Nutzen aus diesen kostbaren Lehren!


18.05.2019
73. Von der brüderlichen Liebe und Eintracht
(Mt 5, Lk 12)

I Jesus droht allen, die dem Nächsten zürnen, mit einem unerbittlichen Strafgericht
«Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten! Wer tötet, soll dem Gerichte verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gerichte 1verfallen.»
Knie demütig zu Füßen des göttlichen Lehrers nieder und höre, was Er von seinen Jüngern verlangt. Er will das menschliche Herz von Grund auf umwandeln. Wir sollen in den Zustand zurückkehren, den wir nach Gottes Willen nie hätten verlassen sollen.
«Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Der Mord ist ein Verbrechen. Ich aber sage euch: Ein Mörder vor Gott ist jeder, der seinem Bruder zürnt, ihm Böses wünscht oder Rachepläne gegen ihn schmiedet.»
Hiermit verdammt der Heiland die Handlungsweise gar vieler. Auch du musst zugeben, dass du es bis jetzt wenig ernst genommen hast mit dieser Lehre Jesu, da du dich noch so häufig der Erregung und dem Zorne überlässt. Welchen Zorn verdammt Jesus? Das ungeordnete Auflodern der Empfindlichkeit, das dazu drängt, dem Nächsten zu schaden und ihm Böses mit Bösem zu vergelten. Nicht jede Regung des Unwillens ist also mit diesen Worten Jesu verurteilt. Es gibt auch eine heilige Entrüstung, die dem Eifer für die Ehre Gottes und für das Wohl des Nächsten entspringt. Der Heiland selbst hat uns hierin ein Beispiel gegeben. Aber Er will unter seinen Jüngern keinen Zorn dulden, der die Liebe verletzt. Wollte man diesen als erlaubt und gerechtfertigt hinstellen, so würde man das Evangelium fälschen.
Bedenke auch, dass der unbeherrschte Zorn dich hinreißt zu lieblosen Worten und noch Schlimmerem und dass dadurch auch im Nächsten Böses geweckt wird. «Das Schweigen beruhigt den Zorn», sagt die Heilige Schrift. Wenn du also aufgeregt wirst, so sprich kein Wort! Dies ist das Mittel, das innere Feuer zu ersticken, um dadurch weder dir noch dem Nächsten zu schaden.
Stimme dieser Wahrheit von Herzen bei. Erforsche dein Gewissen. Beklage die Ausbrüche deiner üblen Laune, unter denen deine Umgebung so sehr zu leiden hat. Bitte Jesus, dein Herz nach dem seinigen zu gestalten, alle Bitterkeit darin zu unterdrücken, allen Groll zu besänftigen und alle Feindseligkeit auszurotten. Erneuere dich in der Liebe des göttlichen Herzens Jesu.
1 Das Gericht wurde in jeder Stadt aus den Priestern und Familienältesten gebildet. Darüber stand ein hoher Gerichtshof, der hohe Rat oder das Synedrium, das aus 72 Mitgliedern bestand und seinen Sitz in Jerusalem hatte; es verhandelte die wichtigen Fälle und hatte in letzter Instanz zu entscheiden.



17.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

III Jesus belehrt das Volk über die Unzulänglichkeit der rein äußerlichen Gesetzestreue
«Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen.»
Jesus wiederholt die Lehre, daß seine Jünger mehr und Besseres tun müssen als die Schriftgelehrten und Pharisäer. Was tun diese? Sie setzen ihre ganze Frömmigkeit in die Beobachtung äußerer Formen. Sie erfüllen alle Vorschriften, ohne in deren Geist einzudringen. Gott gefällt vor allem die Wahrheit; die Lüge verabscheut Er über alles. Und jeder Dienst Gottes, der nur in Äußerlichkeiten besteht, ist nichts anderes als eine Lüge Gott gegenüber. Ist es nicht Heuchelei und Lüge, Gott äußerlich zu dienen, während man innerlich seinen Götzen huldigt und seiner Selbstverherrlichung frönt? Man gibt sich äußerlich den Schein der Gerechtigkeit, der Liebe, der Demut und Sanftmut; im Innern aber ist man ungerecht, ehrsüchtig, selbstsüchtig, rachsüchtig und untreu gegen Gott. Unser göttlicher Meister bezeichnet eine solche Handlungsweise als verabscheuungswürdig. Du kannst nur dann sein Jünger sein, wenn du aufrichtig bist und wenn die Verehrung, die du Gott äußerlich bezeigst, von Herzen kommt, denn darauf sieht der Herr vor allem. Er will den ganzen Menschen, und der Mensch gibt sich dem ganz, dem er sein Herz schenkt. Täusche dich also nicht länger; zögere nicht, dich Gott von ganzem Herzen hinzugeben und Ihn so wahrhaft zu verehren!
Bedenke auch, daß jene, die sich dem Dienste Gottes geweiht haben, zu größerer Tugend verpflichtet sind als andere. Rufe dir alles, was du Gott gelobt hast in Erinnerung, angefangen bei deinen Taufgelübden bis zu den Versprechen, durch die du dich dem göttlichen Herzen Jesu und dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht hast. Du hast Gott so viel versprochen und du tust doch so wenig!
Und wie viele Gnaden hat Gott dir geschenkt; genug, daß du ein Heiliger werden könntest. Bemühe dich noch mehr, mit der Gnade Gottes gute Früchte der Heiligkeit zu bringen!



16.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

II Jesus ermutigt zur Treue gegen das Gesetz Gottes
«Glaubt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um sie aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Solange Himmel und Erde bestehen, wird kein Jota oder Häkchen vom Gesetze vergehen, bis alles erfüllt ist!»
Bete in Jesus den Vollender des Gesetzes an. Soeben hat Er die Pflicht seiner Jünger betont, sich durch ein mustergültiges Leben in den Augen aller auszuzeichnen. Aber nach welcher Regel sollen sie sich richten? Jesus sagt es uns: «Nach dem Gesetze Gottes.» Und Er fügt bei: «Ich bin gekommen, das Gesetz zu erfüllen.» Er ist in die Welt gekommen, um das Beispiel vollkommener Treue gegen das Gesetz zu geben. Bis zu welchem Grade will Er sich dem Gesetze unterwerfen? Bis zum Jota, d. h. bis zu den geringsten Einzelheiten, denn auch in ihnen offenbart sich die Oberhoheit Gottes. Die vollkommene Treue gegen das Gesetz Gottes ist der wesentliche Charakterzug eines Jüngers Christi. Nichts ist klein, wenn es mit dem Stempel des lautlichen Willens gezeichnet ist.
Worin besteht demnach die Freiheit der Kinder Gottes? Sie besteht darin, dass sie dem himmlischen Vater freiwillig die Beweise vollkommener Treue geben. Sie tun aus freier Wahl, was andere aus Zwang vollbringen. So kennzeichnet sich ihr kindliches Verhältnis zu Gott.
Verwirf mit Entschiedenheit jene falsche Ansicht, die unter Freiheit Unabhängigkeit von jedem Gesetz versteht. Wer ohne das Joch des Gesetzes leben will, erniedrigt sich /.um Sklaven der Sünde. Nur wer sich Gott aus ganzer Seele freiwillig unterwirft, gelangt zur wahren Freiheit.



15.05.2019
72. Von der vollkommenen Beobachtung des göttlichen Gesetzes
(Mt 5)

I Jesus empfiehlt das Apostolat des guten Beispiels
«Ihr seid das Salz der Erde . Ihr seid das licht der Welt .So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist.»
Höre mit gläubiger Aufmerksamkeit auf die Worte des göttlichen Meisters. Öffne deine Seele dem Einfluss des Heiligen Geistes. Bitte diesen Geist der Weisheit und des Verstandes, dich die volle Wahrheit des göttlichen Wortes erkennen und verkosten zu lassen.
«Ihr seid das Salz der Erde», spricht Jesus. Er wendet sich an die Apostel und an Gläubige, welche die Nachfolge Christi ernst nehmen. Wir sollen durch unser Beispiel und unsere Gespräche in andern den Sinn für wahre Frömmigkeit wecken, ihren Eifer beleben und das Verlangen nach dem Guten in ihnen wachhalten. Wie das Salz bei der Gewinnung aus dem Wasser geschieden wird, so sollen auch die Gläubigen sich durch ihr christliches Leben von den Weltmenschen unterscheiden. Deine Tugendkraft ist jedoch sehr gefährdet. Wie das Salz seine Kraft verliert, wenn es wieder ins Wasser zurückkehrt, so wirst auch du die übernatürliche Kraft schnell verlieren, wenn du deinen Neigungen zum Weltlichen nachgibst. Bedenke, wie der Heiland warnt, dass das schale Salz zu nichts mehr nütze ist, sondern von den Menschen zertreten wird. Gib acht, dass du die Glaubenskraft nicht verlierst durch Untreue und Nachlässigkeit.
«Ihr seid das Licht der Welt.» Unsere Werke sollen den Nächsten belehren und erbauen. Wir sind unseren Mitmenschen gutes Beispiel schuldig. Jesus will, dass das Leben seiner Jünger die Verkörperung seiner Lehre sei. «Seid Apostel des guten Beispiels», sagt Er zu den Seinigen, «sonst seid ihr nur dem Namen nach meine Jünger. Euer bloßer Anblick soll genügen, um die Menschen zu Gott zu führen. Das Licht eures Beispiels soll die Gewissen erhellen, jedes Vorurteil verscheuchen und der Sache des Evangeliums zum Siege verhelfen. Das ist eure Berufung!»
So spricht Jesus. Wie steht es mit dir? Wie förderst du die Ehre Gottes? Wieviel Gutes tust du deinen Mitmenschen? Welches Beispiel gibst du deiner Umgebung? Reicht dein Anblick hin, um zur Tugend anzuspornen? Wieviel Seelen hast du schon für Gott gewonnen?



14.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

IV Jesus spricht sein Wehe über die falschen Freuden der Welt
«Aber weh euch, ihr Reichen! Ihr habt schon euren Trost. Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Ihr werdet trauern und weinen. Wehe euch, wenn alle Welt euch umschmeichelt! Ihre Väter haben es ja mit den falschen Propheten ebenso gemacht.»
«Wehe!» — Höre dieses Verwerfungsurteil des Heilandes. Er hat es so entschieden ausgesprochen, dass alle gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechter es verstehen können. Wehe! Der Sohn Gottes ist also in der Welt erschienen nicht allein zum Segen, sondern auch zum Fluch. In Ihm finden die einen das Leben, und durch Ihn finden die andern den Tod.
Höre aufmerksam, gegen wen der Herr seine Drohungen ausspricht. Sein Zorn richtet sich gegen den selbstsüchtigen Reichtum, den unvernünftigen Ehrgeiz, den Missbrauch der Vergnügungen, die Befriedigung der Wollust. Der Sohn Gottes will uns dem Himmel wieder zuführen. Wer aber hartnäckig an die Erde gefesselt bleiben will, der ist vom Himmel ausgeschlossen. Jesus ist erschienen, um den Menschen die Erkenntnis und Liebe Gottes zu bringen. Wer es vorzieht, seine Götzen weiter zu verehren, wird verworfen werden. Jesus will alle lehren, den eigenen Willen unter das Joch des Schöpfers zu beugen. Wer sich dagegen auflehnt und empört, geht verloren. Mit diesen Unbotmäßigen will der Heiland keine Gemeinschaft haben. Er zieht sich von ihnen zurück und wird sie einst dem himmlischen Vater zeigen mit den Worten: «Sie sollen nicht mit mir eingehen in das Reich, das Du mir bereitet hast. Sie gehören nicht zu den Meinigen; ich verwerfe sie!»
Denke über diese ernsten Warnungen nach. Du hast die Wahl zwischen den beiden Wegen, von denen Jesus hier spricht, und du mußt diese Wahl treffen. Betrachte die Reichtümer dieser Welt nicht als etwas Erstrebenswertes, sondern eher als eine Gefahr, weil sie so viele Versuchungen zum Bösen in sich tragen, zu dem du ja so sehr die Neigung in dir hast. Was musst du in Zukunft ändern, um dem furchtbaren Urteil der Verwerfung zu entgehen?



13.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
«Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich!»
Betrachte, was der Herr dir durch diese Worte zusichert! Es muß ein großes Glück sein, unschuldig leiden zu können, denn die Tugend wird gefestigt in Kampf und Verfolgung.
Jene, die Verfolgung leiden, obwohl sie Gutes getan haben, ahmen unseren Herrn und auch die heiligen Märtyrer nach, welche lieber Unrecht leiden als Böses tun wollten. Sie sind selig, denn sie beweisen eine ganz reine Liebe zu Gott, welche seine Segnungen herabruft. Du glaubst nicht an diese Wahrheit, solange du dich durch eine kleine Widerwärtigkeit von guten Werken abhalten lässt. Wäre es nicht besser, ein vorübergehendes Leiden geduldig auf dich zu nehmen, als einen Lohn zu verlieren, der ewig dauern wird? Bedenke, dass jene ein doppeltes Anrecht auf das himmlische Paradies haben, die Gutes getan und um des Sohnes Gottes willen Leiden erduldet haben. Der Heiland ruft ihnen zu: «Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch wider euch reden um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!»



12.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die siebente Seligpreisung:
«Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden!»
Die wahrhaft Friedfertigen sind jene, die Frieden stiften und ihn auch den Mitmenschen vermitteln, indem sie mit Klugheit helfen, den Frieden dort wieder herzustellen, wo er nicht ist. Der Friedfertige wird so zu einem Werkzeug des Heiligen Geistes, der alle Menschen durch ein heiliges Band vereinen will. Gib acht, dass du nicht zum Werkzeug des Teufels wirst, indem du Verwirrung und Uneinigkeit stiftest durch deine Worte oder durch dein Tun. Dies wäre keine geringe Sünde, denn Gott verabscheut sie mehr als viele andere Sünden.
Bedenke auch, dass die Friedfertigen wahrhaft Kinder Gottes sind, denn Gott ist der Urheber des Friedens. Nur Er kann den wahren Frieden verleihen, denn Er ist der unendliche Friede, und der Friede in uns ist die Frucht seiner liebenden Gegenwart in unserem Herzen. Entsage deshalb allem, was den Frieden in deinem Herzen stören könnte, und Gott wird dich als sein Kind lieben.



11.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die sechste Seligpreisung
«Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!»
Wie das Herz das Leben des ganzen Menschen bewegt, so verleiht es auch allen Handlungen die Reinheit, falls es selber rein ist. Erkenne hier die Ursache all deiner Unvollkommenheiten. Weil du zu wenig über dein Innerstes wachst, lassen auch deine äußeren Werke zu wünschen übrig. Deshalb bist du so oft unzufrieden.
Die Reinheit des Herzens besteht in einem vollkommenen Freisein von schlechten Anhänglichkeiten. Ein Herz ist rein, wenn es ganz vom Verlangen beseelt ist, in allem Gott zu gefallen und nichts zu lieben außer Gott und alles in Gott. In einem solchen Zustand kann das Herz durch nichts befleckt werden. Die Erhabenheit dieser Forderung soll dich nicht entmutigen, sondern anspornen, diese Gnade zu ersehnen. Mit der Hilfe Gottes ist die Reinheit des Herzens möglich; man muss nur sorgfältig über seine Gedanken und Wünsche wachen und alles Schädliche sofort abweisen.
Betrachte das große Glück dieser Reinheit, da sie die Anschauung Gottes verdient, nicht nur im Himmel, sondern auch schon in diesem Leben, durch das innere Gnadenlicht nämlich, welches uns Gott und sein Wirken schauen lässt in allen Dingen. Die Mühe, welche du hast bei der Betrachtung und in den geistlichen Übungen, zeigt, dass dein Herz noch nicht ganz rein ist. Gott offenbart sich denen nicht, die in ihrem Herzen nach irdischen Dingen und nach der Weltlust verlangen.



10.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die fünfte Seligpreisung
«Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!»
Betrachte das große Geschenk, das Jesus Christus mit diesen Worten jenen verheißt, die barmherzig sind. Alle wahre Freude des Menschen in dieser Welt und auch die Glückseligkeit im Himmel, alle Gnaden, die wir empfangen, und die Verherrlichung, die wir erhoffen, alles ist eine Frucht der göttlichen Barmherzigkeit. Mache dir bewusst, wie sehr du der göttlichen Barmherzigkeit bedarfst, denn ohne sie kannst du nichts erhoffen. Suche deshalb die Mittel zu ergreifen, welche dir diese erlangen können.
Bedenke, daß die göttliche Barmherzigkeit jenen verheißen ist, welche selbst Barmherzigkeit gegen ihre Mitmenschen üben. Sie besteht in einem inneren Mitfühlen mit dem Elend des Nächsten und in der tätigen Hilfe, die man ihm erweist. Dafür darf der Barmherzige von Gott als Belohnung zuversichtlich innere und äußere Gnaden und auch die göttliche Barmherzigkeit für sich erhoffen. Unser Herr Jesus Christus betrachtet nämlich das Gute, das wir dem Nächsten erweisen, als für Ihn getan. Bemühe dich, in deinem Mitmenschen Jesus zu sehen, so wirst du eine herzliche Liebe für ihn haben. Staune auch über die Güte des Sohnes Gottes, der dein Schuldner sein will für das wenige, das Er auf diese Weise von dir empfängt, obwohl du Ihm ja nie das vergelten kannst, was du Ihm schuldest.



09.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die vierte Seligpreisung
«Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden!»
Durst nach Gerechtigkeit bedeutet Durst nach der Tugend der Heiligkeit. Wie unglücklich wärest du, wenn du nicht diesen Durst hättest, denn das Verlangen nach Heiligkeit ist ein Zeichen der Auserwählung. Erwecke in deinem Herzen dieses Verlangen und betrachte alle andern Wünsche als zweitrangig, weil dem gerechten und tugendhaften Menschen nichts mangeln wird.
Bedenke auch, dass dieses Verlangen lebendig sein muss, da unser Herr es Hunger und Durst nennt. Es ist also ein dringendes Streben, das nicht nachlässt und sich nicht ablenken lässt, das im Gegenteil immer mehr wächst angesichts des ersehnten Zieles und alles daran setzt, dieses zu erreichen. Deine Trägheit und Nachlässigkeit sind ein Beweis, dass dieses Hungern und Dürsten in dir zu schwach ist. Du kennst anscheinend nicht den Wert dieser Tugend, welche dir mangelt und doch so notwendig wäre für dich.
Welch ein Glück empfindet der Mensch, wenn seine Wünsche erfüllt sind. Das Verlangen nach der Heiligkeit wird sicher erfüllt, wie es unser Herr durch sein Wort verheißt. Woran mag es liegen, dass du noch nicht vollkommen bist? Es kommt daher, dass du viele Dinge wünschest, nach denen du nicht verlangen solltest, und dass du zu wenig nach dem verlangst, das Gott dir schenken würde, wenn du es nur richtig ersehntest.



08.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die dritte Seligpreisung
«Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!»
Durch diese Worte belohnt unser Herr die Tränen des Herzens, besonders die Tränen der Liebe. Es können Tränen der Trauer sein über den Verlust eines lieben Menschen, über das schmerzliche Zusehen-Müssen, wenn Angehörige in Not geraten oder gar den Glauben verlieren. Eine Ursache unserer Tränen sollen auch die Sünden sein, die wir begangen haben. Selbst wenn sie schon vergeben, sind wir selig, wenn wir sie noch beweinen, denn wir zeigen so, dass wir Gott lieben.
Bedenke auch, dass die gläubigen Seelen oft weinen wegen der Sünden, die andere gegen Gott begehen, der aller Liebe würdig ist. Durch die Sünden wird Gott, das höchste Gut, beleidigt und die Seelen werden ins Elend verstrickt. Das war auch der Grund für die bitteren Tränen Jesu, den man öfters solche Tränen des Schmerzes, Tränen des Mitleids und der Liebe gegen die Sünder weinen sah. Wirf im Geiste einen Blick auf die vielen Sünden und Verbrechen, die man heute gegen Gott begeht. So wird die Liebe zu Gott und zum Nächsten auch dein Herz zu Tränen bewegen.



07.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten
Die zweite Seligpreisung
«Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen!»
Die milde Güte der Sanftmut hat ihren Grund in der Unterwerfung des Herzens gegenüber den Anordnungen der göttlichen Vorsehung und im vollkommenen Gleichmut des Geistes bei Erfolg und Misserfolg. Dein unüberlegtes Reagieren, deine Ungeduld oder gar Heftigkeit sind der Sanftmut ganz entgegengesetzt. Diese Tugend bewirkt aber die Seligkeit, während dich ihr Mangel unglücklich macht!
Betrachte das Glück eines sanftmütigen Menschen. Seine Zufriedenheit ist nicht von andern abhängig, denn er beugt sich ganz dem Wirken Gottes. In der Beherrschung seiner Wünsche ist man im Besitz seiner selbst. Trete nicht aus dir heraus und suche nicht die Freude in äußeren Dingen, sondern unterwirf deinen Willen dem lieben Gott, der in deinem Herzen wohnt; dann wirst du alles haben, was dir zur Zufriedenheit notwendig ist.
Mache dir auch bewusst, dass das Besitzen des Landes, welches den Sanftmütigen verheißen ist, die geheimnisvolle Macht bezeichnet, welche man über die Herzen der Menschen gewinnt. Der göttliche Heiland hat die Welt durch seine milde Güte erobert. Durch dieselbe Tugend wird der Christ die Achtung und Liebe selbst seiner Feinde gewinnen und so wird er das Land der Lebendigen, den Himmel, besitzen. Der von Christus geforderte Friede mit deinen Mitmenschen, den du in deinem Herzen tragen sollst, ist die Voraussetzung zur Erlangung dieser Seligkeit.



06.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)


III Betrachtungen über die einzelnen Seligkeiten1
1 Betrachtungsgedanken aus Meditations ascetiques, par le R.P. Joseph de Dreux, N.-D. du Pointet, F-03110 Broüt-Vernet.

Die erste Seligpreisung
«Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich!»
Unser Herr Jesus Christus beginnt seine große Predigt, indem Er die Seligkeit mit der Armut verbindet, obwohl die Welt die Armut als das größte Übel betrachtet. Wem von beiden wirst du glauben? Da die Worte des Heilands unfehlbar sind, glaube Ihm, daß die Armut seligmachend sein kann und dass Er in seiner Allmacht das bewirkt, was Er verspricht.
Bedenke, dass diese Seligkeit nur jenen verheißen ist, die im Geiste arm sind, die, um mit dem hl. Paulus zu sprechen, die Dinge benützen, als hätten sie sie nicht. Die Armut im Geiste ist ein inneres Glück, ein Herzensgut, das nicht von äußerem Besitz abhängt. Daher ist für diese Seligkeit die innere Losschälung von den Gütern dieser Welt gefordert. Der hl. Johannes vom Kreuz sagt: «Das bloße Entbehren der Dinge macht die Seele nicht frei, wenn die Anhänglichkeit das Ersehnte festhält. Nicht die Dinge dieser Welt nehmen die Seele ein und schädigen sie, denn sie dringen ja nicht in ihr Inneres, wohl aber das Verlangen und die Begierde nach ihnen, die in ihr wohnen.»
Im Zustand der inneren Losschälung von irdischen Gütern ist man glücklich, denn man lebt ohne Unruhe und Besorgnis, weil man sich ganz in der Vorsehung Gottes geborgen weiß. Man wird so durch nichts gehindert, Gott aus ganzem Herzen zu besitzen. Prüfe dich, ob du dich wirklich von deinem Besitz freimachen kannst. Beschäftigst du dich nicht zu sehr in deinen Gedanken und mit der Liebe deines Herzens mit den Dingen, die du besitzest? Auch wenn du nur wenig dein eigen nennst, dich aber an dieses wenige klammerst, wäre dies ein Hindernis für das göttliche Wirken und die Seligkeit in deinem Herzen.
Dabei ist zu beachten, dass Jesus von der Armut sprach und nicht von Not und Elend, denen wir wehren müssen. Auch hat Er mit der Armut im Geiste nicht eine geistige Beschränktheit angesprochen. Im Sinne Jesu betrachtet, erhält die Armut im Geiste eine Erhabenheit, die Zeichen der Auserwählten ist, jener, die sich entfernt haben von dem, was so oft die Ursache von Sünden ist. Durch ihre bereitwillige Armut üben sie heldenhafte Tugend. Wenn du nach dem Paradies verlangst, so schätze auch diese Losschälung hoch. Sie gibt ein Anrecht auf dieses erhabene Glück. Sind dir die Tugendkraft in dieser Welt und die Verherrlichung im ewigen Leben nicht mehr wert als alle Reichtümer dieser Welt? Nun, um jene zu erlangen, braucht es die geistige Armut, wie es unser Herr Jesus Christus lehrt. Sie führt uns zu jener Freiheit, die Er uns gebracht hat. Herr, schenke mir die Gnade, mich von den irdischen Gütern innerlich zu lösen und sie so zu benützen, dass ich die himmlischen nicht verliere.



05.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

II Jesus lehrt, worin das wahre Glück auf Erden besteht
«Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen! Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden! Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden! Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden! Selig, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihrer ist das Himmelreich! Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse mit Unwahrheit wider euch reden um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!»
Diese Worte unseres Herrn sind voll göttlicher Weisheit. Jesus Christus verkündet hier sein neues Gesetz, das offensichtlich dem weltlichen Sinn des von der Erbsünde verblendeten Menschen widerspricht. Es ist die Belehrung über das neue Leben des erlösungsbedürftigen Menschen. Die Gnade Gottes allein kann dir das volle Verständnis dafür geben. Lies diese beseligenden Worte, betrachte und vertiefe sie in deinem Herzen und vor allem bete!
Zeige deine Bereitschaft, die Tugenden zu üben, an welche der Heiland die Verheißung der Seligkeit knüpft. Scheue vor den Opfern nicht zurück, sondern bringe sie der göttlichen Majestät freudig dar.



04.05.2019
71. Der erste Teil der Bergpredigt — Die acht Seligkeiten
(Mt 5, Lk 6)

I Jesus will alle Menschen glücklich machen
Da richtete Er seine Augen auf seine Jünger und sprach: «Selig.»1
Sammle dich zu Füßen des göttlichen Meisters. Nimm die Worte, die Jesus jetzt an die Menge richtet so auf, als seien sie für dich persönlich gesprochen. Bitte den Heiland, dass Er selbst deinen Geist dafür vorbereite, dich von jeder Selbsttäuschung befreie, jedes Vorurteil und alle falschen Begriffe in dir zerstöre.
Wie lautet das erste Wort der Bergpredigt? «Selig», sagt der Sohn Gottes. Er spricht also vom Glück und Er bringt es uns durch sein Evangelium. Sein ganzes Erlösungswerk hat zum Ziel, die Menschen zum wahren Glück zu führen. Wenn du das befolgst, was Er sie in der Bergpredigt lehrt, wirst du als Frucht innere Freude verspüren, die ein Unterpfand des himmlischen Glückes ist und uns schon auf Erden die ewige Seligkeit vorausverkosten lässt. Die Seligkeit dort zu suchen, wo sie nicht zu finden ist, wäre das größte Unglück im Leben. Jesus will einem solchen Irrtum zuvorkommen. Erkenne an, dass Er allein imstande ist, dir die ganze Wahrheit zu sagen, wie überraschend sie dir auch vorkommen mag.
1 Hier beginnt die Bergpredigt, die in den folgenden Kapiteln fortgesetzt wird bis zur Heilung des Aussätzigen. Nach dem hl. Lukas folgt diese Predigt sofort auf die Wahl der Apostel. Sie ist von größter Wichtigkeit; denn sie ist sozusagen die Verkündigung des neuen Gesetzes Christi. Der hl. Lukas gibt uns nur einen Auszug davon; der hl. Matthäus stellt sie in ihrer Gesamtheit dar.



03.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

III Jesus kehrt mit den Aposteln zum Volke zurück
Mit ihnen stieg Er hinab und machte auf einem ebenen Platze halt.1 Eine große Schar seiner Jünger und eine zahlreiche Menge Volkes aus ganz Judäa, Jerusalem und dem Küstenlande von Tyrus und Sidon war herbeigeströmt, um Ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
Jesus steigt mit seinen Aposteln vom Gipfel des Berges herab. Das Volk drängt sich zu ihrer Begrüßung heran, darunter viele Arme, Unwissende, Kranke und Sünder. In der großen Menschenschar finden sich auch Glückliche im Sinne der Welt und Gebildete, aber auch manche heilige Seelen. Jesus weist niemanden zurück, hält sich von keinem fern, denn alle bedürfen seiner. Sein Evangelium ist für alle ohne Ausnahme. Siehe, mit welch freudigem Eifer Er empfangen wird. Alles Volk suchte Ihn anzurühren; denn eine Kraft ging von Ihm aus und machte alle gesund. Seine Gegenwart ruft einen Freudensturm hervor: Freude über erwachendes, neues Leben, über erlangte Heilung, über die Vergebung der Sünden und über wiedererlangte Hoffnung; Freude, das Heil kennenzulernen und zu verstehen, zu finden und zu besitzen.
Nimm teil an dieser allgemeinen Freude. Da du nun ein Schüler des Sohnes Gottes bist, so vergiß alles eitle Wissen, das dich so lange getäuscht und irregeleitet hat. Öffne deine ganze Seele den Lehren der göttlichen Weisheit!
1 So übersetzen wir nach dem Text des hl. Lukas. Es handelt sich um eine tiefer gelegene Stelle des Berges, zu welcher Jesus herabstieg, nachdem Er auf dem Gipfel oder einem höher gelegenen Ort gebetet und seine Apostel erwählt hatte.



02.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

II Jesus erwählt seine Apostel
Und als es Tag geworden war, berief Er seine Jünger zu sich. Er bestellte zwölf.1 Sie sollten beständig bei Ihm sein, und Er wollte sie zum Predigen senden. Sie sollten auch Macht haben, Krankheiten zu heilen und die bösen Geister auszutreiben.
Jesus will den Grundstein zum Bau der Kirche legen. Wohne der Berufung der Apostel bei. Seine Wahl fällt auf solche, die gelehrige Werkzeuge in seiner Hand sein und ganz der Ehre ihres Meisters leben werden. Je geringer man in den eigenen Augen ist, desto würdiger ist man der Auserwählung. Warum solltest nicht auch du Verlangen nach solcher Auserwählung tragen? Alle sind zum Apostolat berufen, freilich nicht alle in derselben Weise und mit denselben Vollmachten. Aber von allen wird derselbe Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Mitmenschen gefordert. Um an dem Berufe der Apostel teilzunehmen, genügt es, herzliches Verlangen zu haben, andern die Wohltat des Evangeliums zu bringen und selbst aus den Lehren des Evangeliums Nutzen zu ziehen.
Nach der Wahl umringen die zwölf Apostel ihren göttlichen Meister. Betrachte sie einzeln; es waren Simon Petrus, Jakobus und Johannes, Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon aus Kana und Judas Thaddäus; auch Judas Iskariot, der Verräter, gehörte dazu. Siehe in ihnen deine Vorgänger als Apostel und verehre in ihnen die Stellvertreter des menschgewordenen Sohnes Gottes. Höre die ersten Unterweisungen, die sie empfangen. Gleich dir fühlen sie sich ungeschickt und unfähig, der hohen Berufung zu entsprechen, zu der sie erhoben worden sind. Indessen sind sie überzeugt, daß Gott niemanden ruft, ohne ihm die notwendigen Gnaden zu verleihen.
1 Es handelt sich um die endgültige Wahl der zwölf Apostel.



01.05.2019
70. Die Wahl der Apostel
(Mt 5, Mk 3, Lk 6)

I Jesus zieht sich in die Einsamkeit zurück, um zu beten
Es geschah aber in jenen Tagen, daß Er hinausging auf den Berg1, um zu beten; und Er brachte die Nacht im Gebete mit Gott zu.
Gehe in frommer Sammlung zu deinem Meister. Entferne aus deinem Geiste jeden fremden Gedanken und verbanne aus deiner Seele jede Unruhe. Wichtige Dinge bereiten sich vor. Die Zeit der Verkündigung des neuen Gesetzes ist angebrochen.
Jesus leitet dieses große Ereignis durch Gebet und Sammlung ein. Er weiß wohl, wie sehr die Menschen seiner bedürfen; aber trotzdem zieht Er sich in die Einsamkeit zurück. Er entfernt sich von der Menge, um später mit um so größerer Frucht an den Seelen arbeiten zu können. Je mehr Arbeit und Unruhe der Tag bringen wird, desto größer ist die Notwendigkeit, das Gebet zu verlängern. Um Zeit zum Gebet zu finden, verzichtet Er auf den Schlaf und bringt die Nacht im Gebet zu.
Bewundere die Weisheit Jesu, die sich hierin offenbart. Der Apostel ist berufen, seinen Brüdern die Gnade zu vermitteln, sei es durch sein Wort, durch sein Beispiel oder durch die Ausübung seiner priesterlichen Gewalt. Jede Seele hat die Aufgabe erhalten, anderen Seelen Gutes zu tun, jede soll sich als Vermittlerin zwischen Gott und diesen Seelen betrachten. Wo anders als im Gebet wird sie erfahren, wie sie diese Aufgabe erfüllen kann? Kannst du dies nicht auf dich selbst anwenden? So besteige denn mit dem Heiland den Berg. Knie andächtig neben Ihm nieder und lausche seinem Gebet. Er redet mit dem himmlischen Vater von allen, die Ihm teuer sind und die Er unterrichten will. Höre, wie Er deinen Namen nennt. Auch für dich betet Er; auch dich will Er unterweisen und retten. Frohlocke in heiligem Vertrauen.
1 Nach den glaubwürdigsten Überlieferungen handelt es sich um den Berg der acht Seligkeiten, der in Galiläa, nicht weit von dem Westufer des Sees von Tiberias liegt, ungefähr zwei Stunden entfernt von der Stadt gleichen Namens. Der Gebirgszug erhebt sich ungefähr 250 Meter über mehrere Einschnitte und Täler, die sich nach Arbel und Tiberias zum See hin senken. Nach Süden hin überragt er um 60 Meter die hügelige Ebene, die sich nach dieser Seite erstreckt. Diese beiden Erhebungen sind durch eine 400 Schritt lange Einsenkung voneinander getrennt.



30.04.2019
69. Der Messias
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

II Die nach dem Heil verlangende Menge kommt zu Jesus
Eine große Volksmenge aus Galiläa folgte Ihm. Auch aus Judäa und Jerusalem, aus ldumäa, aus der Gegend jenseits des Jordan sowie von Tyrus und Sidon strömten die Leute auf die Kunde von all seinen Taten in großen Scharen Ihm zu.
Mische dich unter die glückliche Menge. Es sind gerade, einfache Seelen, nicht weltkluge Seelen, deren Verstand nicht durch die stolzen Vorurteile der Wissenschaft und des Ehrgeizes verdunkelt ist. Sie sind alle gewillt, sich überzeugen zu lassen durch ein Wort, einen Blick, eine Wohltat. Sie haben Hunger und Durst nach der Wahrheit und nach ihrem Heil. Sie hegen die Überzeugung, dass Gott ihr Verlangen erfüllen wird, ohne sie zu langen Forschungen zu zwingen. In Massen strömen sie herbei zum Heiland. Er wird sie nicht täuschen.
Woher kommen sie? Aus allen Gegenden; denn überall verlangt man sehnsüchtig nach einem Erlöser. Aus allen Kreisen der Gesellschaft eilen die Unglücklichen zum Sohne Gottes. Finde auch du dich unter den Volksscharen ein, die der Wahrheit des Evangeliums huldigen! Fort mit allem Zögern, allen Zweifeln, allem Misstrauen. Öffne dein Herz der Liebe des Gottessohnes, der zu uns herabgestiegen ist!
Vor deinen Augen siehst du Ihn in der heutigen Betrachtung in all dem Liebreiz, den die Propheten von Ihm vorhergesagt haben. Lies und betrachte immer wieder die Stelle aus Isaias, die der Evangelist hier anführt: «Siehe, das ist mein Knecht, den ich auserkoren. Mein Liebling, an dem sich mein Herz erfreut. Ich will meinen Geist auf ihn legen. Und er wird unter den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht lärmen. Niemand soll auf den Gassen seine Stimme hören. Das geknickte Rohr wird er nicht brechen und den glimmenden Docht nicht löschen, bis er das Recht zum Siege geführt. Auf seinen Namen harren die Völker.» Das ist das Bild des Sohnes Gottes, deines Erlösers. Was hast du Ihm zu sagen, was Ihm zu opfern, worum Ihn zu bitten? Wirst du Ihn nun endlich so lieben, wie Er verdient, geliebt zu werden?



29.04.2019
69. Der Messias
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

I Jesus entzieht sich der Wut seiner Feinde
Auf der Stelle gingen die Pharisäer hinaus und berieten sich mit den Anhängern des Herodes wider Ihn, wie sie Ihn verderben könnten. Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück.
Die Feinde Jesu beschließen seinen Tod. Das ist der Lohn für seine Wohltaten. Durch die Arbeit zur Ehre Gottes macht man sich oft Feinde unter den Menschen. Bei der Nachricht von den Anschlägen seiner Widersacher zieht sich Jesus zurück. Er könnte sich ihnen ausliefern; aber Er tut es nicht. Seine Stunde ist noch nicht gekommen. Er möchte uns noch mehr Beweise seiner Liebe geben. Er hat uns noch nicht all das Gute erwiesen, wozu es Ihn drängte. Noch hat Er die falsche Frömmigkeit nicht hinreichend verurteilt, den Eifer der gottliebenden Seelen noch nicht genügend entfacht. Freue dich, Jesus bleibt bei dir. Seine Feinde werden Ihn dir niemals entreißen können, wenn du Ihm treu bleibst.
Folge Jesus! Er entfernt sich von jenen, die nichts von Ihm wissen wollen, um sich denen, die Ihn mit Liebe und Eifer aufnehmen, desto mehr zu widmen.



28.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

III Jesus heilt den Kranken
Jesus schaute sie alle ringsum an und sprach dann zu dem Manne: «Streck deine Hand aus!» Er tat es, und seine Hand ward wiederhergestellt.
Der Unglaube schlägt dem Herzen Jesu eine tiefe Wunde; aber dieser Schmerz hindert Ihn nicht, sich gütig gegen die Seinigen zu erweisen. Er hofft, dass ihr Eifer Ihm diese Bitterkeit mildern werde. «Strecke deine Hand aus», spricht Jesus zu dem Kranken. «Vermöge meiner Allmacht gebe ich dir Leben und Bewegung wieder; kehre zu deiner Arbeit zurück!»
Wende diese Worte auf dein geistliches Leben an. Es gibt Vorsätze, die du nicht zu fassen, es gibt Schritte, die du nicht zu unternehmen wagst. Du batest um Belebung deines Eifers. «Strecke deine Hand aus. Schüttle alle Schläfrigkeit ab und begib dich ans Werk!» spricht der Heiland zu dir. «Ich bedarf all deiner Kräfte, um am Heile der Seelen zu arbeiten. Was immer auch deinen Eifer lähmt, sei es menschliche Rücksicht, sei es Furcht vor dem Leiden, erinnere dich an das, was ich gelitten habe. Stütze dich auf mich, um nie mehr zu wanken!» Hörst du diese Sprache deines Meisters? Was willst du antworten, was willst du tun?



27.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

II Jesus rechtfertigt seine Handlungsweise bevor Er den Kranken heilt
Doch Er kannte ihre Gedanken und sprach zu dem Manne mit der verdorrten Hand: «Steh auf und stelle dich in die Mittel» Er stand auf und stellte sich hin.
Der Herr ruft den Kranken zu sich. «Stehe auf» , befiehlt Er ihm zuerst. Die Quelle der göttlichen Freigebigkeit ist zwar unerschöpflich; aber nur im geeigneten Augenblick lässt Gott die ersehnten Gnaden daraus hervorströmen. Wird der Heiland den Unglücklichen, der heute seiner Hilfe bedarf, auf eine spätere Zeit vertrösten?
Erfreue dich an dem erhebenden Beispiel, das sich dir bietet. Jesus erklärt laut, dass Er alle Tage bereit ist, seine Wohltaten zu spenden. Hierauf fragt Er die Pharisäer: «Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses, ein Leben retten oder umkommen lassen?» Man wirft Ihm vor, dass Er den Sabbat breche. Er antwortet, dass das Gesetz keineswegs untersagt, Gutes zu tun, andern Dienste zu erweisen und den Leidenden allzeit beizustehen. So spricht der Heiland, und Er wird sein Wort durch die Tat bestätigen. Der Kranke nähert sich Jesus mit den Gesinnungen tiefen Glaubens und frommen Vertrauens. Er glaubt an die höchste Weisheit des Erlösers und vertraut auf seine allmächtige Güte. Er ist seiner Heilung gewiss. Vereinige deine Bitten mit den seinen. Erflehe vom Heiland für dich und alle, die dessen bedürfen, die Gnade des Eifers. Entdecke Ihm alles, was dein übernatürliches Leben hemmt und am Aufblühen hindert, zeige Ihm die ganze Dürre deiner Seele und bekenne Ihm alle deine Schwächen.



26.04.2019
68. Die Heilung einer abgestorbenen Hand
(Lk 6, Mt 12, Mk 3)

I Die Begegnung Jesu mit dem Kranken
An einem andern Sabbat ging Er in die Synagoge und lehrte. Dort war ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und Pharisäer gaben acht, ob Er am Sabbat heile, um einen Grund zu einer Anklage gegen Ihn zu finden.
Betritt mit Jesus die Synagoge des Ortes, wo Er soeben angekommen ist. Er setzt seinen Heilsunterricht fort; es liegt nun an dir, Nutzen daraus zu ziehen. In der Synagoge befindet sich ein armer Kranker. Glücklich die Seele, die sich durch Elend und Trostlosigkeit nicht abhalten läßt, zu Jesus zu gehen.
Der Kranke hat eine gelähmte Hand. Er ist unfähig zu äußerer Tätigkeit, denn es fehlt ihm der Gebrauch des Gliedes, dessen man dazu am meisten bedarf. Ist meine Seele nicht von einem ähnlichen Übel befallen? Das Werkzeug, dessen ich mich vorzugsweise bediene, die Mittel, die mir gewöhnlich die Übung der Tugend und Frömmigkeit erleichtern, versagen. Alles, was ehedem meiner Seele zu einer innigen Andacht verhalf, ist plötzlich wirkungslos geworden. Scheint dir dein geistliches Leben nicht unfruchtbar? Mit welchem Eifer arbeitest du an deiner Vervollkommnung? Forsche nach den Ursachen deiner Lauheit und überlege mit Gott, welche Heilmittel du anwenden sollst.



25.04.2019
67. Die Apostel pflücken am Sabbat Ähren
(Mk 2, Mt 12, Lk 6)

II Jesus verteidigt seine Apostel gegen die Anklagen der Pharisäer
Als aber die Pharisäer das sahen, sprachen sie zu Ihm: «Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat verboten ist.»
Höre, wie die Pharisäer die Jünger beschuldigen. Welche Rechtfertigung stellt der Heiland ihrer Anklage gegenüber? Er macht den Pharisäern klar, dass die Jünger nur aus Notwendigkeit so handeln und dass sie durch die Gutheißung ihres Meisters rechtmäßig vom pharisäischen Sabbatgesetz entbunden sind. Auf diese Weise befreit Er sie von den überstrengen Gesetzesauslegungen, welche das Gewissen irreführt.
Jesus fährt fort: « Verständet ihr doch das Wort: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer, so hättet ihr Schuldlose nicht verurteilt.» Es widerspricht also dem Geiste des Evangeliums, auf den bloßen Schein hin harte Urteile zu fällen und voreilig von einer Handlung, deren Beweggründe und nähere Umstände man nicht kennt, Böses zu argwöhnen. In der Schule Jesu sind freventliche Urteile unerlaubt. Ein Vorgehen wie das der Pharisäer verbietet Jesus den Seinen. Erforsche dein Gewissen! Hast du keine Neigung zu diesem Fehler? Fällst du nicht leicht auf den äußeren Schein hin lieblose Urteile über deinen Nächsten? Mache dir die Ermahnung Jesu zunutze. Wer sich des Urteilens über andere enthält, vollbringt einen Akt der Liebe, und Jesus selbst belehrt dich, dass ein solches Werk den äußeren Übungen der Frömmigkeit vorzuziehen ist. «Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer», spricht Jesus. Die Meinigen sollen untereinander gütig und liebevoll sein. Durch Nachsicht und Milde im Urteil bringen sie dem himmlischen Vater ein vorzügliches Opfer dar, den Weihrauch der wahren Anbetung. Betrachte diese Worte und beherzige diese Lehre Jesu.



24.04.2019
67. Die Apostel pflücken am Sabbat Ähren
(Mk 2, Mt 12, Lk 6)

I Jesus lässt seine Apostel die Armut üben
Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger aber waren hungrig, rupften Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen davon.
Finde dich bei Jesus und seinen Jüngern in der Ebene Galiläas ein. In den einfachen Begebenheiten, die der Evangelist hier anführt, sind nützliche Lehren für dich enthalten. Siehe, wie die Apostel sich ihre Nahrung selbst bereiten. Der Meister, dem sie folgen, ist der König des Weltalls. Er könnte ihnen reichlich von den Schätzen der Erde mitteilen, und doch sorgt Er nur auf die notdürftigste Weise für ihre leiblichen Bedürfnisse. Jesus zeigt dir hierdurch, dass du in seiner Nachfolge in die Schule der evangelischen Armut eingetreten bist. Wer sich noch um irdisches Wohlsein sorgt, nachdem er sich einem solchen Meister ergeben hat, beweist, dass er noch lange nicht das Ziel erfasst hat, das Jesus bei den Seinigen erreichen will.
Geselle dich den Aposteln zu und erbitte dir von ihnen deinen Anteil an diesem Brote der Armen. Nähere dich Jesus, und im vertrauten Umgang mit Ihm wirst du es sicher schmackhaft finden.



23.04.2019
66. Die göttliche Sendung Jesu
(Joh 5)

II Jesus bezeichnet seinen Widersachern die Gründe ihres Unglaubens
«Weiß ich doch von euch, dass ihr keine Liebe zu Gott in euch habt... Wie könnt ihr zum Glauben kommen, da ihr voneinander geehrt sein wollt, aber nicht die Ehre von dem einen Gott sucht?»
Erwäge aufmerksam den berechtigten Vorwurf, den Jesus seinen Zuhörern macht. Seine Worte haben sie nicht überzeugt und auch seine Werke haben sie nicht für den Glauben gewonnen. Woher dieser hartnäckige Unglaube? Jesus sagt es ihnen. Wenn du den Tadel verstehst, den er an sie richtet, wird dir auch die Ursache deines eigenen schwachen Glaubens klar werden.
«Ihr liebt Gott nicht.» Ein Herz, das gegen Gott gleichgültig ist, ist notwendigerweise ungläubig. Um zu glauben, muss man lieben. Heißt glauben nicht, einer Lehre beistimmen und der Person, welche sie verkündet, anhangen? Der Gläubige zieht also diese Person und ihre Lehre andern vor. Dazu reicht aber die Vernunft nicht aus, das Herz muss daran teilhaben. Ich muss zuerst lieben, um wirklich zu glauben. Liebe ich aber die Geschöpfe übermäßig, wie werde ich da allzeit auf der Seite Gottes stehen? Rührt die Verfinsterung des Verstandes nicht von den ungeordneten Neigungen des Herzens her? Das ist der Fall bei den Zuhörern Jesu. Die Liebe zu Gott ist bei ihnen erkaltet durch das ungeordnete Streben nach irdischen Gütern und durch das Verlangen nach eitler Ehre. Diese Menschen sind von sich selbst eingenommen und ziehen sich Gott vor. Deshalb werden sie in ihrem Unglauben verharren.
Bedauere alle, die ihnen gleichen. Bete für sie! Bitte Gott, Er möge vor ihren Augen die Wolken des Stolzes zerstreuen, die das Licht des Evangeliums verdunkeln. Lass dich selbst entflammen für die Wahrheit.



22.04.2019

66. Die göttliche Sendung Jesu
(Joh 5)

I Jesus beweist den ungläubigen Juden seine göttliche Sendung
« Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt.»
Nimm wieder deinen Platz in dem Kreis um den göttlichen Meister ein. Er will seine Zuhörer bewegen, sich Ihm gläubig anzuvertrauen und ihr zukünftiges Los in seine Hände zu legen. Nur zu ihrem Heile will Er sie aufklären. Wie geht Er dabei vor? Zuerst beruft Er sich auf das Zeugnis anderer. «Was hat man euch von mir gesagt?»
Hat Johannes der Täufer nicht gesagt: «Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt?» Ich bin das Opferlamm für die Sünden; warum wollt ihr nicht durch mich versöhnt werden? Hat mein himmlischer Vater nicht laut verkündet: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn?» Ich bin von Ihm gesandt, warum nehmt ihr mein Wort nicht an? Habt ihr nicht in der Schrift gelesen, dass es ohne den verheißenen Erlöser keine Hoffnung des ewigen Lebens gibt? Ich bin euer Erlöser; warum verschmäht ihr das Leben, das ich euch bringe? Was habt ihr mir vorzuwerfen? Etwa meine Geburt? Ist es euch nicht genug, dass Ich durch sie wie einer von euch geworden bin? Missfällt euch meine Lebensweise? Ich wählte sie, um mich zu euresgleichen zu machen. Könnt ihr die Kraft meiner Ermahnungen oder die Strenge meines Tadels nicht ertragen? Bedenkt, dass beides notwendig ist, um euren fruchtlosen Erörterungen ein Ende zu machen und euch den drohenden Gefahren zu entreißen.
So spricht Jesus; betrachte seine Worte! Sie sind die Wahrheit selbst, und er fordert von dir, dass du der Wahrheit Glauben schenkst und sie in deiner Umgebung verkündest.



21.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

III Beim Gericht wird Jesus jedem nach seinen Werken vergelten
«Wundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, da alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Dann werden die, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens herauskommen, die Böses getan haben, zur Auferstehung für das Gericht.»
Vergegenwärtige dir im Geiste das letzte Gericht. Wie wird Jesus als Richter auftreten? Beachte jedes seiner Worte. Trotz seines innigen Wunsches, uns zu retten, kann Ihn seine Gerechtigkeit zwingen, uns zu verdammen. Jesus Christus, der Gottmensch, wird das Urteil verkünden, das die göttliche Gerechtigkeit gefällt hat. Jede Klage, jede Hoffnung auf Widerruf ist somit ausgeschlossen; der Urteilsspruch des Gottessohnes läßt sich nicht rückgängig machen. Ist einmal das Buch des Lebens dir verschlossen, so wird kein Erlöser es wieder öffnen. Wie würde heute der Urteilsspruch über dich lauten? Erforsche dein Leben. An deinen Werken wird dich Jesus erkennen, wie auch du Ihn an seinen Werken erkannt hast. Haben deine Werke Wert für das ewige Leben vor dem Auge des allheiligen Gottes?



20.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

II Jesus hat Gewalt, die Toten zu erwecken
«Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde, ja sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die auf sie hören, werden leben.»
Den Worten Jesu zufolge sterben wir nicht auf immer. Der Tod ist nur ein Schlaf, das Grab ist die Wiege eines neuen Lebens, wie der Heiland uns bezeugt. Danke Ihm dafür und überlasse Ihm alle Sorge für die Zukunft.
Warum noch den Anblick des Grabes fürchten und dem Gedanken an das Los, das unser dort harrt, ausweichen? Im Grabe werden wir zwar der Vergessenheit anheimfallen, und es wird nichts von uns übrig bleiben als eine Handvoll Staub, aber dieser Staub ist ein Same für die Ewigkeit. Unsere Toten schlafen in Erwartung der Auferstehung. Zu ihren Häuptern wacht die göttliche Güte. Der Sohn Gottes hat versprochen, sie einst wieder zu erwecken. Belebe deinen Glauben, denn der Augenblick der Auferstehung wird kommen. Da Jesus es verheißen hat und da Er die Macht besitzt, seine Verheißung zu erfüllen, warum sollen wir nicht im Vertrauen auf Ihn leben? Was kann Gott leichter sein als die Auferweckung der Toten? Ihm genügt ein Wort, ein gebietender Ruf, und das Leben kehrt zurück. Die Toten werden dieses Wort vernehmen, und deine Lieben werden gleich dir auferstehen. Lege deshalb alle Furcht ab, trockne deine Tränen und schließe dich deinem Heiland vertrauensvoll an.



19.04.2019

65. Der göttliche Richter
(Joh 5)

I Jesus erklärt sich als höchsten Richter aller Menschen
«Auch richtet der Vater niemand; er hat vielmehr das Gericht ganz dem Sohne übertragen. Alle sollen den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.»
Fahre fort, deinem göttlichen Meister zuzuhören. Er bezeugt von sich, daß Er alle Gewalt zu richten empfangen hat. Der himmlische Vater hat also den Menschen Denjenigen zum Richter gegeben, Der ihr Erlöser war. So liegt dein ewiges Los in den Händen Dessen, Der um den Preis seines Blutes sich das Recht erworben hat, dir den Himmel zu öffnen. Fasse Vertrauen! Wenn du seinen Willen erfüllst, wirst du gerettet werden.
Welche Bedingungen sind uns gestellt, um zum ewigen Leben und zur glorreichen Auferstehung zu gelangen? Unser himmlischer Vater fordert nur, dass wir dem Worte seines Sohnes glauben und Ihn mit Ehrfurcht aufnehmen. Kann man weniger verlangen? Knie vor deinem Herrn und Heiland nieder. Er ist der König der Könige. Beuge dich in Demut vor seiner Hoheit.



18.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

III Jesus bezeugt, dass seine Macht der des Vaters gleich ist
Jesus entgegnete ihnen: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts aus sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater vollbringen sieht. Was dieser wirkt, das wirkt in gleicher Weise auch der Sohn.»
Jesus ist der Allmächtige. Wort und Tat sind bei Ihm eins. Durch seinen Willen erweckt Er zum Leben. In Ihm und durch Ihn vermagst auch du alles. Um uns Vertrauen auf Ihn einzuflößen, weist der Heiland durch seine Werke auf seinen Ursprung hin. In diesen Werken sollen wir die Heiligkeit, die Wahrheit, die Weisheit und Güte Gottes erstrahlen sehen. Wenn Jesus spricht, sagt dir der Glaube, spricht Gott; wenn Er verzeiht, vergibt Gott; wenn Er dich ruft, ruft Gott. Er hat Macht über Leben und Tod.
Werde sein eifriger Schüler. Empfiehl dich seinem Schutze und vereinige dein Leben mit dem seinigen. Der Menschensohn kann alles, was Er will, weil sein Vater Ihn liebt. So liebe auch du Ihn aus ganzer Seele, und Er wird alles tun, was dir zum Heile dient.



17.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

II Jesus rechtfertigt sich gegenüber den Anschuldigungen der Juden
Deshalb trachteten Ihm die Juden erst recht nach dem Leben, weil Er nicht bloß den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und damit sich Gott gleichstellte.
Jesus ist der Sohn Gottes und gibt sich als solchen zu erkennen. Er hält diese Aussage aufrecht ungeachtet aller Verfolgungen, die sie gegen Ihn heraufbeschwört. Die Menschen sollen wissen, welche Ehre ihnen durch die Menschwerdung des Gottessohnes zuteil geworden ist und wer derjenige ist, dem sie ihr Heil verdanken. Mein Erlöser ist der Sohn Gottes. In Ihm und durch Ihn gelange ich zur Kenntnis meines gütigen Schöpfers, der stets zu meinem Heile tätig ist, mich unaufhörlich segnet und zu meinen Gunsten Wunder wirkt. Seine Hände, sein Wort, sein Herz sind Werkzeuge der Gottheit, um mir Gutes zu tun. Wirf dich vor dem Sohn Gottes nieder und bete Ihn an, wie du den anbetest, der Ihn gesandt hat. Der Sohn Gottes hat die Güte, Allmacht und das Leben des Vaters nicht in seiner Eigenschaft als Mittler, sondern als der ewig Gezeugte Logos. Du findest also den Vater in dem Sohne.
Rufe dir die Werke des Sohnes ins Gedächtnis und erblicke darin die Tätigkeit und die Liebe des himmlischen Vaters. Lerne durch die Wohltaten, die dir durch den Sohn zuteil werden, aufsteigen zu Gott, der Quelle alles Lebens. Ist dir diese Art der Verehrung des Vaters bekannt und geläufig? Bringt dir das Wirken des Sohnes allzeit die Tätigkeit des Vaters in Erinnerung? Erkennst du deinen himmlischen Vater in jeder Lossprechung, in jeder heiligen Kommunion und in den unscheinbaren Gnaden, die Er dir durch seinen Sohn vom Himmel sendet? Erwecke Akte der Liebe und Anbetung gegen deinen Vater, den du durch Jesus erkennst.



16.04.2019

64. Der göttliche Wundertäter
(Joh 5)

I Der unermüdliche Eifer Jesu in seiner Sendung
Jesus aber antwortete ihnen: «Mein Vater wirkt bis zur Stunde, und so wirke auch ich.»
Eile zum Tempel, wo der göttliche Meister dich bereits erwartet. Bitte Ihn, dass Er selbst deinen Geist sammle und dich seine Worte verstehen lehre.
Er wird dir erklären, dass sein Entschluss, für uns zu arbeiten und uns Gutes zu erweisen, nicht ein gelegentliches, vorübergehendes Wollen ist, sondern ein dauerndes. Er ist zu jeder Stunde und in jeder Lage zu unserer Hilfe bereit. Er weiß, dass wir unaufhörlich seiner bedürfen, und deswegen versichert Er uns, dass seine Vorsehung beständig über uns wacht. Du kannst dich also ruhig Ihm überlassen. Seine Liebe wird dir niemals fehlen. Unter allen Geschöpfen auf Erden ist der Mensch der vorzüglichste Gegenstand der göttlichen Fürsorge. Jesus wird nie müde, sich mit dir zu beschäftigen. Bist auch du davon durchdrungen? Welche Aufmerksamkeit widmest du dieser göttlichen Führung, die sich so barmherzig in deinem Leben offenbart? Wie entsprichst du ihr? Was hast du zu tun, um in Zukunft dieses Wirken klarer zu erkennen und den göttlichen Anregungen treuer zu folgen?



15.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

III Jesus heilt den Kranken und ermahnt ihn zur treuen Mitwirkung mit der Gnade
Da sprach Jesus zu ihm: «Steh auf, nimm dein Bett und geh umher!» Sogleich ward der Mann gesund, nahm sein Bett und ging umher. Es war aber Sabbat an jenem Tage.
Sieh, wie sich die Heilung des Kranken vollzieht. Der Kranke will genesen und ist bereit, alle Mittel zu gebrauchen, die ihm angegeben werden. Sein Wille ist in der Krankheit erstarkt, nichts scheint ihm unmöglich, das genügt dem Erlöser. Jesus findet guten Willen, mehr braucht Er nicht. Seine Allmacht wird das Übrige tun.
«Steh auf!» befiehlt Er ihm, «stehe auf und wandle! Du ersehntest das Ende deiner Leiden, du begehrtest einen Erlöser. Dein Gebet ist erhört. Ich bin vom Himmel gekommen, um dir zu helfen!»
Und der Kranke stand auf und ging. — Wohin geht er? Zum Tempel. Weshalb? Um Gott für die empfangene Wohltat zu danken und Ihm zu versprechen, einen guten Gebrauch davon zu machen. Er ist sich bewußt, dass er durch den Gnadenerweis des Himmels zum Schuldner Gottes geworden ist. Wie soll er seine Schuld abtragen? Jesus, dem er im Tempel begegnet, belehrt ihn darüber. «Fliehe die Sünde!» spricht der Herr. «Suche dich durch großmütige Treue gegen das göttliche Gesetz auszuzeichnen. Das ist alles, was Gott von dir verlangt.» — Bedenke, was du selbst von Gott empfangen hast, und erwäge, was Er von dir als Gegengabe erwartet.



14.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

II Jesus erblickt den verlassenen Kranken und bietet ihm die Heilung an
Da lag nun ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn daliegen sah und erfuhr, dass er schon lange Zeit sein Leiden hatte, fragte Er ihn: «Möchtest du gesund werden?» Der Kranke antwortete: «Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich hinabbringt, wenn das Wasser aufwallt. Bis ich komme, steigt schon ein anderer vor mir hinab.»
Welches sind die Bevorzugten des Herzens Jesu? Bei diesem Wunder kannst du es erfahren. Jesus erweist sich als Freund der Verlassenen. Er findet sich mit Vorliebe bei denen ein, die von den Menschen nichts mehr zu erwarten haben.
Siehe, wie Er sich zu dem elenden Lager niederbeugt, auf dem der Kranke schon seit Jahren die heftigsten Schmerzen in gänzlicher Verlassenheit erduldet hat. «Willst du gesund werden?» fragt Jesus den Kranken. «Willst du den freien Gebrauch deiner Glieder wiedererlangen und von deiner langjährigen Schwäche befreit werden? Ich will dir dazu verhelfen.»
Willst du? — Beachte wohl, zur Heilung ist also das Wollen notwendig. Jesus bietet Heilmittel an; du musst sie aber benützen wollen. Er schreibt Verhaltungsmaßregeln vor; du musst sie beobachten wollen. Er heilt nur diejenigen, die geheilt werden wollen, und Er führt nur diejenigen in den Himmel ein, die in den Himmel kommen wollen.
Vernimm die traurige Antwort des Kranken: «Ich habe niemanden. — Ich will, aber ich kann nicht. Ich kenne mein Übel, ich leide darunter, aber ich weiß mir nicht zu helfen.» In der Tat bedürfen alle, die guten Willens sind, eines Führers, einer Stütze. Eine Seele ohne Leitung bleibt im geistlichen Leben zurück. Der arme Kranke kam jedes Mal zu spät zum heilenden Wasser. Verstehst du die Notwendigkeit dieser Hilfe? Beraubst du dich derselben nicht durch eigene Schuld?



13.04.2019

63. Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken
(Joh 5)

I Jesus kommt nach Jerusalem und begibt sich zum Teich Bethesda
Danach war ein Fest der Juden,1 und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. In Jerusalem liegt am Schaftor ein Teich 2 mit fünf Hallen, der auf hebräisch Bethesda heißt. In diesen lag eine große Menge von Kranken, Blinden, Lahmen und Abgezehrten. Sie warteten auf die Wallung des Wassers.
Ziehe mit dem göttlichen Meister in die heilige Stadt ein und folge Ihm zum Teich Bethesda.3 Welche Gedanken mögen Ihn beschäftigen, welche Pläne mag Er entwerfen? Suche in seine Gedanken einzudringen, indem du beobachtest, was vor deinen Augen geschieht.
Siehe die Menge von Leidenden, welche die Hoffnung auf Genesung hierher geführt hat und in der Nähe des heilbringenden Wassers zurückhält. Ihre Gebrechen sind so recht ein Bild von dem Elend der gefallenen Menschheit. Alle menschliche Armseligkeit ruft zu Gott um Erbarmen. Der Sohn Gottes hat diesen Ruf gehört. Die Sünder sollen ein Mittel finden, die Gesundheit ihrer Seele wiederzuerlangen; Jesus bringt es ihnen. Was die göttliche Barmherzigkeit im Alten Bund nur angedeutet hat, bringt der Heiland zur Vollendung. Er schenkt uns immer von neuem die Gnade der Versöhnung. Danke deinem himmlischen Vater dafür und suche alle, die an der Seele krank und in den Banden der Sünde verstrickt sind, dieser Gnade teilhaftig zu machen.
1 Es war dies wahrscheinlich das Osterfest, das zweite während des öffentlichen Lebens Jesu. Wir sind also Ende März, Anfang April im 28. Jahre nach Christi Geburt.
2 Der Schafteich war nahe beim Tempel. Er ist jetzt zu Dreiviertel ausgefüllt.
3 An seiner Westseite bemerkt man noch heute zwei lange, gleichlaufende gewölbte Gänge; aber sie sind zum Teil verbaut, so daß sie nur in einer Länge von etwa fünfzig Schritt benutzbar sind.



12.04.2019

62. Die Heilung des Taubstummen
(Mt 9)

I Jesus heilt den Taubstummen
Als sie weggegangen waren, brachte man Ihm einen Stummen, der vom Teufel besessen war. Sobald der Teufel ausgetrieben war, konnte der Stumme reden.
Wunder häuft sich auf Wunder. Verweile andächtig beim Heiland. Beobachte den Taubstummen, den man Ihm zuführt. Hast du wohl schon nachgedacht über den traurigen Zustand einer Seele, die weder mit Gott noch von Gott reden kann? Bist nicht auch du von diesem Übel befallen? Bleibt dein Herz nicht stumm, wenn sich dir Gelegenheit bietet, dich im Dienst Gottes auszuzeichnen, die Ehre seines Namens zu verkünden oder seine heilige Kirche und ihre Diener zu verteidigen? Halten dich dann nicht Gleichgültigkeit, Trägheit, menschliche Rücksichten und andere Fesseln der Menschenfurcht in einem wenig ehrenvollen Schweigen gefangen? Ist der Stumme nicht dein Bild?
Wo ist ein Retter aus diesem unheilvollen Zustand? Er steht vor dir, es ist das menschgewordene Wort; das ewige Wort des Vaters. Ihm allein ist es möglich, den Stummen den Gebrauch der Sprache wiederzugeben, die Zunge zu lösen zum Lob Gottes und den bösen Geist zu vertreiben. Gib Ihm die Ehre, die Er deswegen verdient. Bring Ihm deine Huldigung dar und überlass dich rückhaltlos seinem allmächtigen Wirken.
Und der Stumme redete. Was mag sein erstes Wort gewesen sein? Sei aufmerksam und dringe möglichst tief in den kurzen Wortlaut des Evangeliums ein. Der Stumme wird zuerst mit lauter Stimme seinen Dank für die erhaltene Wohltat ausgesprochen und das Lob dessen verkündet haben, dem Er die Sprache verdankte. Nimm dir nach seinem Beispiel vor, nichts mehr zu sagen, was nicht zur Ehre dessen gereicht, von dem du alles empfangen hast und der dich geschaffen hat, damit du mit Wort und Tat sein Lob verkündest.

II Jesus wird von der Menge gepriesen
Voll Verwunderung rief das Volk: «Noch nie ist so etwas geschehen in Israel!» Die Pharisäer aber sagten: «Im Bunde mit dem Anführer der Teufel treibt Er die Teufel aus!»
Versetze dich in die rechte Stimmung, um aus der Betrachtung dieses Wunders großen Nutzen zu schöpfen! Warum gibt Jesus den Stummen die Sprache, den Blinden das Augenlicht wieder? Warum schlägt Er die Teufel in die Flucht? Er will uns für den Glauben an sein Evangelium gewinnen und uns bewegen, uns seiner Führung anzuvertrauen. Den einfachen, geraden Seelen ist der göttliche Stempel seiner Werke leicht erkenntlich und sie rufen laut aus: «Noch nie haben wir Ähnliches erlebt, nie so viel wohltuende Liebe sich offenbaren sehen! Ehre und Preis der göttlichen Güte!» Gehörst du auch zu diesen schlichten Seelen?


11.04.2019

61. Die Heilung der beiden Blinden
(Mt 9)

II Jesus prüft den Glauben der beiden Blinden
Kaum war Er nach Hause gekommen, da traten die Blinden zu Ihm heran. Jesus fragte sie: «Glaubt ihr, dass Ich das vermag?» Sie antworteten Ihm: «Ja, Herr.»
Folge mit den beiden Blinden Jesus in das Haus. Knie zu seinen Füßen nieder. «Glaubt ihr an Mich?» fragt Er die beiden Blinden. Merke dir, daß der Heiland seine Wohltaten nicht bedingungslos spendet. Er gewährt ihre Bitte als Belohnung für ihren Glauben.
Wie ist denn dein Glaube an Jesus beschaffen? Glaubst du, daß Er der Allmächtige ist? Glaubst du, dass Er die unendliche Güte, die unerreichte Vollkommenheit ist? Wie tief beugst du dich vor seiner Größe, um ihn deiner Bitte gnädig zu stimmen? Jesus sagt: «Ich bin das Licht der Welt, Ich bin die Wahrheit, Ich bin dein Erlöser und dein Gott!» Glaubst du das alles?
Höre, wie die Blinden antworten: «Ja, Meister, wir glauben. Wir glauben an deine Macht. Wir hoffen auf deine Güte. All unser Vertrauen setzen wir auf deine Weisheit und Barmherzigkeit. Hab Erbarmen mit uns!» Denke darüber nach und antworte wie sie. Du wirst das Licht nur durch den Glauben wiederfinden. Wenn dein Geist sich verfinstert hat, wenn dein Gewissen nicht mehr zu unterscheiden weiß, so ist dein Glaube eingeschlafen. Wenn der Glaube neu erwacht, kehrt auch das Licht wieder.

III Jesus heilt die Blinden
Nun berührte Er ihre Augen und sprach: «Wie ihr glaubt, so geschehe euch!» Da öffneten sich ihre Augen.
Betrachte, wie bei der Berührung der göttlichen Hände die Augen der Blinden sich öffnen. Sie haben geglaubt, nun sehen sie. Sie sehen Jesus, und zwar ganz in der Nähe. Sie freuen sich des trauten Beisammenseins mit Ihm. Nahe dich dem Heiland mit den Blinden, erflehe demütig deinen Anteil an den Werken seiner Allmacht. Überlass deinen verdunkelten Verstand der göttlichen Gnadenwirkung, lass ihm das helle Licht des menschgewordenen Wortes und seines Evangeliums leuchten. In diesem Licht wirst du den Weg zum Himmel finden und ihn entschlossen betreten.



10.04.2019

61. Die Heilung der beiden Blinden
(Mt 9)

I Die beiden Blinden flehen Jesus um Erbarmen an
Als Jesus von dort weiterging, folgten Ihm zwei Blinde. Die riefen laut: «Sohn Davids, erbarme Dich unser!» '
Erwarte den göttlichen Meister auf seinem Weg. Wie willst du seine Aufmerksamkeit auf dich ziehen und machen, daß Er dich hört? Die Blinden lehren es dich. Was tun sie? Sie eilen herbei und benutzen ohne Verzug die Gelegenheit, ihre Bitte vorzutragen, und sind bereit, jede Bedingung zu erfüllen, die ihnen vom Heiland auferlegt wird.
Was sagen die Blinden? Sie huldigen Jesus und setzen auf Ihn ihr ganzes Vertrauen, um so mehr als alle menschliche Hilfe versagt. Geselle dich ihnen zu, um dich von deiner Blindheit heilen zu lassen. Fehlt dir nicht jenes übernatürliche Licht, das dem Menschen auf dem Weg zum Himmel leuchtet? Von welcher Finsternis bist du umgeben? Bist du nicht blind für die Wichtigkeit deines ewigen Heils, für den Wert der Gnaden, für die Bosheit der Sünden? Erwecke ein glühendes Verlangen nach Heilung und flehe immer wieder zu deinem einzigen Helfer: «Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!»
1 Wir sind in Kapharnaum. Das Haus, von dem die Rede ist, ist wahrscheinlich jenes, das Jesus gewöhnlich in dieser Stadt bewohnte.



09.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

III Jesus beruhigt und ermutigt die Geheilte
Da kam die Frau erschrocken und zitternd herbei, denn sie wusste, was mit ihr vorgegangen war. Sie fiel vor Ihm nieder und erzählte Ihm den ganzen Hergang. Er aber sprach zu ihr: «Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh hin im Frieden und sei geheilt von deinem Leiden!»
Erbaue dich an dem demütigen Geständnis dieser Frau. Sie fürchtet, zu viel gewagt und vielleicht übel gehandelt zu haben. Jesus beruhigt sie und in ihrer Person alle zarten und ängstlichen Seelen.
«Sei getrost, meine Tochter», sagt Er zu ihr. Eine solch vertrauensvolle Kühnheit beleidigt Ihn niemals. Verlange alles, was du willst, bestehe auf deinem Verlangen und sei versichert, dass du damit dem Heiland willkommen bist. Zeige nur viel Glauben und viel Liebe. Das genügt Ihm, du brauchst keine anderen Förmlichkeiten zu beobachten.
So liebevoll ist der Erlöser, den der himmlische Vater dir geschenkt hat. Danke Ihm und erfreue dich seiner Nähe wie die kranke Frau. Wie glücklich könntest du sein, besäßest du etwas von dem Vertrauen, das ihr Herz erfüllte. Sie hat es so gut verstanden, des Heilands Segnungen auf sich herabzuziehen. Bitte sie doch, dass sie nun auch für dich Fürsprache einlege und dir die Gnade erlange, deine große Willensschwäche und dein beklagenswertes Misstrauen zu besiegen.



08.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

II Jesus zwingt die Kranke, offen zu bekennen, was sie getan hat
Jesus erkannte innerlich, dass eine Kraft von Ihm ausgegangen war, wandte sich sogleich in der Menge um und fragte: «Wer hat mein Gewand berührt?» Seine Jünger antworteten Ihm: «Du siehst doch, wie das Volk Dich umdrängt, und fragst noch: Wer hat Mich angerührt?» Doch er schaute nach der hin, die das getan hatte.
Höre, was Jesus zu seiner Umgebung sagt. Er weiß in seiner Nähe eine leidende, gläubige Seele voll guter Gesinnung. Das erfreut sein Herz. Er will zu ihr in Beziehung treten und ihren Namen allen bekannt machen. Nach seinen Worten zu schließen, sind solche Begegnungen in seinem Leben etwas Seltenes. Die wahre Frömmigkeit, die ganz von Liebe, Glaube und heiliger Scheu durchdrungen ist, findet Er nicht alle Tage.
Ziehe Nutzen aus dem belehrenden Vorgang. Die Menge drängt sich um Jesus. Sie preist und erhebt Ihn laut und spendet Ihm lauten Beifall. Zu all dem sagt Jesus nichts, es lässt Ihn unberührt. Verstohlen naht sich Ihm eine arme Frau, berührt mit zitternder Hand den Saum seines Kleides, und Jesus ruft aus: «Wer hat Mich berührt?» Sein Herz ist freudig bewegt. Wie wenig Bedeutung haben die Äußerlichkeiten für den Heiland. Ahme die Frömmigkeit dieser Frau nach, indem du dich bestrebst, dem Herrn näher zu kommen als die Menge der Christen. Suche immer besser zu erkennen, wer Jesus ist, was du von Ihm hoffen kannst und wie du Ihm gebührend begegnen musst.



07.04.2019

60. Die Heilung der unheilbaren Kranken
(Mt 9, Mk 5, Lk 8)

I Jesus heilt das kranke Weib
Da trat eine Frau, die schon zwölf Jahre am Blutflusse litt, hinter Ihm heran und berührte eine Quaste seines Gewandes.
Siehe unter der Menge die gläubige Frau, welche das Leiden nicht hoffnungslos gemacht hat. Sie verzweifelt nicht an der Hilfe des Himmels, wenn auch die Erde ihr keine Hoffnung mehr bietet. Der bloße Name Jesus hat ihr die Ahnung einer unendlichen Güte gegeben, und sie eilt herbei. Beglückwünsche sie. Selig, wer fest auf Jesus vertraut.
Sie hatte von niemand geheilt werden können. — Ihr Übel ist also wahrhaft unheilbar. Ihre einzige Hoffnung beruht auf der Güte und Allmacht des Heilandes. Ist ihr Vertrauen deshalb geringer? Diese Frau lehrt uns, niemals den Mut zu verlieren.
Sie trat von hinten hinzu und berührte den Saum seines Kleides, denn sie sprach bei sich selbst: «Wenn ich nur sein Kleid berühre, so wird mir geholfen sein.» Siehe, wie sie sich durch die Massen des Volkes zu ihrem Heiland drängt und den Saum seines Gewandes berührt. Betrachte die Schönheit dieser so einfachen Handlung. Sie glaubt, vertraut und erwartet das Wunder vom Himmel. Wie sollte der Herr nicht seine Schätze über ein so wohl vorbereitetes Erdreich ausgießen? Und sogleich fühlte sie, dass sie geheilt war. Die Wohltaten Jesu werden den demütigen und vertrauensvollen Seelen zuteil.



06.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)

III Jesus erweckt die Verstorbene zum Leben
Da fasste Er es bei der Hand und rief: «Mädchen, steh auf.» Da kehrte ihr Geist zurück, und es stand sogleich auf.
Betrachte aus nächster Nähe, wie gut dein Heiland ist und wie gern Er mit seiner Allmacht dir in deinem Leiden zu Hilfe kommt. «Mägdlein, ich sage dir, stehe auf!» spricht Er mit der Gewalt eines Machthabers. Das Mägdlein stand auf. Du hast also einen Herrn, dem selbst der Tod Untertan ist. Vergiss diese Wahrheit niemals und freue dich in diesem Gedanken. Das ist aber noch nicht genug, knie nieder und belebe deine Hoffnung auf die Unsterblichkeit und die Auferstehung. Das sei die erste Frucht dieser Betrachtung.
Sodann lerne auch, die Betrübten zu trösten und mit den Weinenden vom Himmel zu sprechen. Vor allem aber lass die lebensspendende Kraft Jesu auf dich wirken. Der himmlische Vater kann auch deiner im Todesschlaf versunkenen Seele die Wohltat der Auferweckung zuteil werden lassen. Lass deinen Glauben und dein Vertrauen erstarken. Beginn ein neues, übernatürliches Leben!



05.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)

II Jesus betritt das Haus des Jairus und beruhigt die klagende Menge
Als Jesus dann in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler und die lärmende Menge erblickte, sprach Er: «Geht hinweg! Das Mädchen ist ja nicht tot, es schläft nur.»
Tritt auch du mit Jesus in das Haus des Jairus. Der Heiland zeigt sich erstaunt über die Zeichen der Trauer und fragt in sanftem Ton: «Wozu der Lärm, wozu diese Tränen?» — «Göttlicher Meister, weil die Freude unseres Lebens, weil unser Liebstes uns genommen ist.» Jesus weiß das und er fragt trotzdem: «Wozu die Aufregung? Weshalb flößt euch der Tod Schrecken ein? Warum betrauert ihr den Verlust eurer Lieben? Vermag ich denn nichts gegen den Tod? Ich bin die Auferstehung und das Leben.»
Dieses Trostwort spricht Jesus allzeit zu uns, wenn wir am Sterbebett unserer Angehörigen stehen. Vergleiche es mit den Beileidsbezeugungen der Welt. Was sagt die Welt? «Sie sind tot, da ist nichts mehr zu hoffen.» Sie sucht durch lärmende Zerstreuungen unseren Schmerz zu betäuben. Was sagt Jesus? «Sie schlafen, Ich will sie aufwecken. Du möchtest deine Lieben ewig behalten, Ich werde sie dir wiedergeben, Ich bin der Herr über den Tod.»
Erwäge diese Worte und trockne deine Tränen. Empfiehl dem Heiland alle, die dir der Tod entrissen hat. Sie sind bei Ihm in sicherer Hut.



04.04.2019

59. Die Auferweckung der Tochter des Jairus
(Lk 8, Mt 9, Mk 5)
I Jesus vernimmt die Bitte des Jairus und ermahnt ihn zum Vertrauen
Da kam ein Mann mit Namen Jairus, ein Synagogenvorsteher. Er fiel Jesus zu Füßen und bat Ihn, in sein Haus zu kommen; denn seine einzige Tochter im Alter von etwa zwölf Jahren lag im Sterben.
Sieh, wie dieser tief betrübte Vater sich Jesus naht. Lerne von ihm, zu wem du in den Stunden der Traurigkeit deine Zuflucht nehmen musst. Ein Heiland ist zu uns vom Himmel gekommen. Er ist gütig, und der Anblick unserer Leiden bewegt Ihn tief. Seitdem Er durch die Menschwerdung unser Bruder geworden ist, hat Er unsere Sache auch zu der seinigen gemacht. Du redest stets von einem Glied seiner Familie, wenn du für einen der Deinigen betest. Setzest du immer dein ganzes Vertrauen in den Heiland?
Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. Die Prüfung verschafft also dem Jairus den Besuch Jesu mit seinen Segnungen. — Da kam jemand zu dem Synagogenvorsteher und sprach zu ihm: «Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Meister nicht weiter!» Beachte, was sich unterwegs zuträgt. Man kündigt dem Jairus die Trauernachricht an: «Die, für welche du bittest, ist tot. Warum noch weiter hoffen und beten?» Ist diese Frage berechtigt? Ist es wirklich unnütz, weiter zu hoffen und zu beten, weil nach menschlichem Ermessen alles verloren ist?
Was antwortet Jesus? «Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie leben!» Sind denn Gottes Macht Schranken gesetzt, weil der Mensch sich nicht mehr zu helfen weiß? Hab Vertrauen! Wer alles hofft, erhält alles. Ist es denn für den Sohn Gottes nicht ein leichtes, Wunder zu wirken? Was kann der Tod dir rauben, das der Sohn Gottes dir nicht wiedergeben könnte?



03.04.2019

58. Die Jünger in der Schule Jesu
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)
III Jesus will mit Geduld den Fortschritt der Seinen erwarten
«Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleid, sonst reißt der Flicken vom Kleide ab, und der Riss wird um so größer.»
Betrachte aufmerksam diese Worte, denn es ist gut für dich zu wissen, dass der übernatürliche Fortschritt ein Werk der Geduld ist. Die Gnade ahmt hierin die Natur nach. Nicht auf einen Schlag bildet sie die Heiligen. Es ist Sache der Seelenleitung, und zwar einer recht weisen Seelenleitung, die Tätigkeit der Gnade zu beobachten und die Seelen in ihrer Mitwirkung zu unterstützen. Das Auge blickt unverwandt auf die Höhen, die man erreichen will, aber man ersteigt sie nur Schritt für Schritt.
Bitte den Heiland, dir einen erleuchteten Seelenführer zu geben. Vor allem aber verliere nicht den Mut. Denn unter der Leitung eines so gütigen Meisters wie Jesus ist die Entmutigung eine große Torheit. Jesus weiß besser als irgend jemand, wie schwer es deinem Verstand fällt, sein Wort anzunehmen, deinem Willen, sich seinem Gesetz zu unterwerfen und deinem Herzen, seinem Beispiel nachzufolgen. Jesus wird nicht müde, auf uns zu warten. Er verlangt von uns nur, dass wir mit Vertrauen auf seine Gnade bauen, um allmählich unsere Feinde zu besiegen und um täglich Fortschritte zu machen in der Verwirklichung des Heilsplanes Gottes. Darum Mut und Vertrauen!



02.04.2019

58. Die Jünger in der Schule Jesu
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)
II Jesus erklärt, dass die Buße in seiner Nachfolge und in seinem Dienst unbedingt notwendig ist
«Es werden aber Tage kommen, da ihnen der Bräutigam entrissen wird, dann werden sie fasten.»
Bedenke wohl, die Zeit der Buße wird kommen. Es kommt die Zeit, wo der Jünger Jesu allen das Beispiel heroischer Buße geben muss. Dem göttlichen Meister liegt viel daran, seine Jünger über diesen Punkt aufzuklären. Wer die Buße nicht ernsthaft übt, ist kein wahrer Christ. Sie ist notwendig, um den gefallenen Menschen im Stand der Gnade zu erhalten. Es wäre unvernünftig zu glauben, dassx das neue Gesetz in seiner Liebe und Milde von der Buße freispreche.
Erkenne diese unabweisbare Pflicht und unterwirf dich ihr mutig. Hast du dich nicht schon zu lange geschont? Du darfst nicht länger mehr zögern und mußt alles Widerstreben überwinden. Belebe deinen Mut in der Liebe zu deinem Erlöser, um gegen dich selbst stark zu werden.




01.04.2019

57. Jesus als Freund der Sünder
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus erklärt, dass Er gekommen ist, um den Sündern Barmherzigkeit zu erweisen
Darüber murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sprachen zu seinen Jüngern: «Warum esst und trinkt ihr mit Zöllnern und Sündern?»
Höre das Murren dieser Scheinheiligen und Eifersüchtigen. «Warum mischt sich euer Meister unter die Unwissenden und Sünder?» fragen sie. Mit Sündern und Heiden verkehren heißt, nach dem Urteil der jüdischen Gesetzesausleger, sich verunreinigen. Äußerlich sich mit dem Elend zu bekleiden, um die Elenden zu retten, erscheint ihnen als Erniedrigung. Nach ihren Begriffen widerstrebt es der Heiligkeit Gottes, dem Sünder so sehr entgegenzukommen. Gott ist zu groß, um sich so weit herabzulassen, seine unendliche Reinheit kann den Anblick unserer Sündhaftigkeit gar nicht ertragen.
Unter dem Vorwand größerer Vollkommenheit wagen diese Menschen, der göttlichen Güte Grenzen zu ziehen, als ob die Vollkommenheit der Güte nicht gerade darin bestünde, dass sie grenzenlos ist. Sie verschließen gleichsam das Herz Gottes, als ob sie sich vor den Gnadenschätzen fürchteten, die dem geöffneten Herzen entfließen. Verwahre dich gegen diese verderbliche Lehre, die von dem Gift des Stolzes durchdrungen ist. Sei überzeugt, dass man das Herz Gottes sehr beleidigt, wenn man dem Vertrauen auf seine Güte Grenzen setzt.
Welche Antwort hält Jesus dem Murren der Pharisäer entgegen? «Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Denn Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder.» Ich will Barmherzigkeit üben. Mein Herz hat das Bedürfnis, sich zu erbarmen. Ich komme als Erlöser zu den Armen, deren Elend mich gerührt hat.
Blicke in dich und erkenne dich selbst. Gehörst du nicht zu denen, die Jesus sucht? Denke an die Geschichte seiner erbarmenden Liebe zu dir. Ermiss die große Entfernung zwischen Ihm und dir und sieh, wie Er diese trennende Kluft überschritten hat. Zähle die Demütigungen, denen Er sich bereitwillig unterzogen hat. Begib dich im Geiste an die heiligen Orte, wo Er als Mensch weilte, nach Bethlehem, Nazareth, in die Verbannung. Sieh Ihn in den Kämpfen seines öffentlichen Lebens. Bedenke, was Er getan hat und noch tun wird, und sprich: Das alles für Unwürdige, für Sünder, für mich! Zieh deine Schlussfolgerungen. Wirf dich Jesus zu Füßen. Versichere Ihn deiner rückhaltlosen Hingabe! Der Stolz, der dich von Ihm trennt, sein Erlösungswerk in dir verhindert oder verzögert, muss ausgerottet werden. Entschließe dich zu einem schonungslosen Kampf gegen diesen deinen Hauptfeind und gib dich Jesus ganz hin zum Dank für seine Erbarmungen.



31.03.2019

57. Jesus als Freund der Sünder
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus setzt sich mit den Sündern zu Tische
Levi gab Ihm nun in seinem Hause ein großes Gastmahl. Eine große Schar von Zöllnern und von andern Leuten waren mit ihnen zu Tische.
Folge dem Heiland in das Haus des Zöllners. Lerne von ihm, Jesus aufzunehmen und zu bewirten. An dem Tisch, wo der Herr sich niederlässt, wirst du von Ihm ergreifende Lehren empfangen. Bereite dich, sie zu verstehen und zu verkosten. Nimm an dieser Tafel die letzte Stelle ein, die dir zusteht.
Levi bereitet Jesus ein großes Gastmahl. Dieser Tag ist ein Feiertag für den Zöllner. Und doch ist es der Tag, an dem er der Gesinnung nach alles verlassen hat. Er hat den Entschluss gefasst, in Armut Dem zu folgen, der nichts hat, wohin Er sein Haupt legen kann. In dieser vollständigen Losschälung hat er das Glück gefunden. Im Reich Jesu zählen also die Tage der Losschälung zu den Festtagen.
Siehe, wie die Sünder herbeieilen. Nimm teil an der Herzensfreude deines guten Heilandes. Wo Er weilt, drängen sich alle Hilfsbedürftigen und Sünder um Ihn. Die Güte seines Herzens zieht diese Armen unwiderstehlich an. Welches sind die Gesinnungen dieser armen Leute? Was sagen sie dem Heiland? Sie legen Ihm ihre Zweifel vor, bekennen ihre Schuld und vertrauen Ihm ihre Nöte an. Sie verdemütigen sich und sind bereit, die erforderliche Genugtuung zu leisten. Sie sind voll Freude in der Hoffnung auf Verzeihung. Und was sagt Jesus zu ihnen? Höre zu, sammle dich! Betrachte den Freund der Sünder inmitten der Seinigen.
Meine Seele, warum wendest du dich von Ihm ab, wenn du dich schuldig fühlst? Warum fürchtest du dich, Ihm zu nahen und Ihm dein Elend zu zeigen? Zu wem willst du gehen, wenn nicht zu Ihm? Er hat sich nicht von dir abgewandt, Er erwartet deine Rückkehr ins Vaterhaus. So räume Ihm den Platz in deinem Herzen wieder ein, von dem du Ihn vertrieben hast. Er bittet dich darum. Warum fürchtest du dich? Knie vor deinem Heiland nieder, bekenne Ihm deine Schuld und sag Ihm alles, was dich bedrückt. Dann wirst auch du Feiertag haben.



30.03.2019

56. Die Berufung des Levi
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus lädt den Zöllner zu seiner Nachfolge ein
Jesus sprach zu ihm: «Folge mir nach!» Und er stand auf, verließ alles und folgte Ihm nach.
«Folge mir!» spricht Jesus. Die Stimme Gottes ruft ein Geschöpf, ein armseliges Wesen. O möchte ihr Klang auch in den Tiefen deiner Seele gehört werden. Es ist die Stimme des Allmächtigen. Sie bewirkt zur Stunde Wunderbares in der Seele des Zöllners: Weltentsagung, Vergessen seiner selbst und die Losschälung von den irdischen Gütern. Sie entzündet in seinem Herzen eine Liebesglut, die nie mehr erlöschen wird. «Ich bin bereit, ich will Dir folgen. Führe mich, wohin Du willst, mach mit mir, was Dir gefällt! Ich bin nur Schwäche, Du aber bist der Allmächtige. Ich übergebe mich Dir ohne Rückhalt.» Hege auch du solch edelmütige Gesinnungen wie der Zöllner, und wenn du dieselbe Stimme vernimmst, antworte wie er. Gleich ihm biete dich ohne Rückhalt an, für die Verbreitung des Reiches Gottes auf Erden zu arbeiten. Das ist der einzige Zweck, den Jesus verfolgt, und Er bittet dich, Ihm zu helfen. So gehe hin und folge Ihm nach!



29.03.2019

56. Die Berufung des Levi
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus nähert sich dem Haus des Zöllners
Er ging nun wiederum hinaus an das Meer, und alles Volk kam zu Ihm, und Er lehrte sie. Im Vorbeigehen sah Er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen.'
Gehe deinem göttlichen Meister entgegen. Er will der Menge seine Himmelsgaben spenden und bedarf dazu apostolischer Mitarbeiter; darum ergeht sein Ruf an hochherzige Seelen.
Begleite den Heiland zum Haus des Levi. Noch sitzt er, den Jesus sich zum Apostel auserkoren hat, an der Zollstätte, Geist und Herz ganz versenkt in die Verwaltung seiner irdischen Geschäfte. Durch nichts scheint seine Berufung bisher vorbereitet worden zu sein. Jesus erblickt ihn im Vorübergehen. Bedeutungsvolles Vorübergehen! Auch in der Regierung der Welt scheinen oft die wichtigsten Ereignisse eine Folge zufälliger Umstände zu sein. Doch alles, was für uns unvorhergesehen eintritt, hat die göttliche Vorsehung angeordnet und vorbereitet. Von Ewigkeit her hat der Sohn Gottes beschlossen, am Zollhaus vorbeizugehen und in diesem Augenblick ein Wunder der Bekehrung zu wirken.
Jesus bleibt stehen und erhebt den Blick. Er durchschaut den Zöllner so, wie er ist, mit seinen Sünden, seinem Elend, seinen Fehlern und Schwächen, aber auch mit seinem Großmut. Der Anblick der Übel hält den, der sie zu heilen vermag, nicht zurück. Alle Kämpfe, die du zu bestehen hast, alle Schwächen, die über dich kommen können, alle Befürchtungen, die du hegen magst, und alle Unmöglichkeiten, die du vorschützest, dein Heiland hat all das gesehen, gehört und verstanden. Aber seine Gnade ist allmächtig. Es gibt kein Hindernis, über das sie dir nicht den Sieg verleihen kann.
1 Die Zöllner waren Steuereinnehmer. Sie erhoben die Abgaben im Auftrag der römischen Regierung, und schon aus diesem Grund galten sie den Juden als Verkörperung der tyrannischen Fremdherrschaft, der Ungerechtigkeit und der rohen Gewalt. Man stellte sie den Dieben und öffentlichen Sündern gleich. Die römische Steuerbehörde erstellte Zollstätten auf den von den Karawanen am meisten benutzen Straßen, an den Grenzübergängen der verschiedenen Provinzen, überall, wo sie Zölle für den Durchgang, die Ein- und Ausfuhr und den Verkauf von Waren zu erheben hatte. Deshalb hatte auch Kapharnaum eine außergewöhnliche Bedeutung.



28.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

III Jesus heilt den Gichtbrüchigen, um seine Macht der Sündenvergebung zu bekräftigen
Da dachten einige Schriftgelehrte und Pharisäer bei sich: «Wer ist dieser, der da Gotteslästerungen ausstößt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?»
Die Pharisäer murren, der Meister aber rechtfertigt sich. Erkenne mit Freuden an, dass seine Beweisgründe unantastbar und seine Lehren die lautere Wahrheit sind. Ja, es ist wahr, infolge der Gewalt, die der Heiland mit voller Rechtmäßigkeit hat und die Er uns allen zu Diensten stellt, findest du jederzeit und überall die Stellvertreter seiner göttlichen Barmherzigkeit bereit, dich von deinen Sünden loszusprechen. So heilt der himmlische Vater unsere Seelenkrankheiten. Nun will der Herr auch äußerlich beweisen, was Er in der Seele des Kranken bewirkt hat. «Damit ihr aber seht, dass der Menschensohn Gewalt hat, Sünden zu vergeben, so sage ich dir: »Stehe auf, nimm dein Bett und kehre in dein Haus zurück.» Und sogleich erhob sich der Kranke, vollkommen geheilt. So offenbart sich die Allmacht des Allerhöchsten, Dem du dich rückhaltlos anvertrauen darfst.
Betrachte sein Wort auch als an dich gerichtet. Auch zu dir hat Jesus gesagt: «Steh auf!» Erhebe dich aus dem selbstverschuldeten Elend, in das du so lange versunken warst. «Nimm dein Bett!» sagt Jesus weiter zu dem Geheilten. Warum dieser Befehl? Ohne Zweifel, damit der Kranke niemals das Andenken an die erhaltene Wohltat verliere. Er trägt sein Bett nach Hause als augenfälligen Beweis der göttlichen Barmherzigkeit. Dieses Erbarmen wird er unablässig betrachten, und seine Dankbarkeit wird bleiben. Durchdringe auch du dich mit der dankbaren Gesinnung des Geheilten.
«Wir haben heute wunderbare Dinge gesehen», spricht erstaunt die Menge. Was haben sie gesehen? Einen Menschen, der Sünden vergibt. Die einfachen Seelen, vor denen das Ereignis sich abgespielt hat, sind davon ganz ergriffen.
Bedenke, dass auch heute noch Menschen auf Erden leben, die die gleiche Gewalt der Sündenvergebung besitzen. Jeder katholische Priester kann dich im Namen und Auftrag Jesu Christi mit Gott aussöhnen. Belebe deinen Glauben und danke dem himmlischen Vater, dass du durch die priesterliche Vermittlung der kostbaren Gnade der Versöhnung mit Gott teilhaftig werden kannst.



27.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

II Jesus lässt dem Gichtbrüchigen die Sünden nach
Und siehe, sie brachten zu Ihm einen Gelähmten, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gelähmten: «Sei getrost, mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben!»
Betrachte, was sich zuträgt. Ein Liebeswerk, das aus dem Glauben hervorging, lenkt die Aufmerksamkeit des Gottessohnes auf einen armen Kranken. Mitleidige Männer setzen einen Unglücklichen zu den Füßen Jesu nieder. Lerne von ihnen, dem Heiland die hilfsbedürftigen Seelen vorzustellen und Ihm ihr Elend darzulegen.
Wie nimmt Jesus das ungewöhnliche Vorgehen auf? Er erhebt den Blick und erkennt die Größe des Übels, Er schaut die Hässlichkeit der Sünde, die es verursacht hat. Da spricht Er das gütige Wort: «Sei getrost, mein Sohn!» Er verlangt nur Vertrauen vom Kranken. Vertraue auch du dich seiner Fürsorge an. Die unendliche Weisheit hat ihre eigene Art zu handeln. Ihr Auge entdeckt Übel, die sich dem menschlichen Auge entziehen.
«Deine Sünden sind dir vergeben», sagt Jesus zu dem Kranken. So verfährt die göttliche Weisheit, zuerst heilt Sie die Seele, dann den Leib. Du bittest um irdische Wohltaten. Mache dich ihrer würdig durch das Bekenntnis deiner Sünden. Flehe zuerst die Barmherzigkeit um Verzeihung an und dann komme zur Allmacht, um dich heilen zu lassen. Würdige das weise Vorgehen Jesu und entsprich von ganzem Herzen seiner Aufforderung zum Vertrauen. Enthülle Jesus die geheimsten Falten deiner Seele, alle Unvollkommenheiten deines täglichen Lebens, alle Mängel und Gebrechen. Höre, wie Er zu dir sagt: «Hab Vertrauen, mein Kind!»



26.03.2019

55. Die Heilung des Gichtbrüchigen
(Mt 9, Mk 2, Lk 5)

I Jesus nimmt die Menge des Volkes auf
Nach einigen Tagen kam Er wieder nach Kapharnaum. Und als es bekannt wurde, dass Er im Hause sei, kamen wieder viele Leute zusammen, so dass nicht einmal der Platz vor der Türe sie zu fassen vermochte, und Er verkündete ihnen das Wort.
Die Rückkehr Jesu gestaltet sich in Kapharnaum zu einem Fest. Geselle dich der herbeiströmenden Menge zu, um mitzufeiern. Jesus jedoch kehrt nur zurück, um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Er versammelt alle, die Ihn begrüßen und lehrt sie. Setze dich Ihm zu Füßen.
Von weit her ist das Volk herbeigeeilt, es hat um Jesu willen die tägliche Arbeit unterbrochen. Dennoch glaubt keiner, damit etwas Besonderes getan zu haben. Alle hoffen, als Lohn für ihre Anstrengungen Licht und Ermutigung zu empfangen. Sie werden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht werden. Wirf einen Blick in die Seelen. Ermiss das übergroße Elend, das sie sich selbst nicht eingestehen wollen. Vom Heiland geht eine göttliche Kraft aus, die erleuchtet, erhebt und heilt. Mit seiner Allmacht und Güte stellt Er sich allen zur Verfügung. Wie dieses Volk schließe auch du deine Seele dem übernatürlichen Einfluss deines Heilandes auf. Erflehe für alle die Gnadenwirkung des barmherzigen Erlösers!



25.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

III Jesus vertraut dem Geheilten das Apostolat bei seinem Volk an
So stieg Er denn in das Boot und fuhr zurück. Der Mann, aus dem die bösen Geister ausgefahren waren, bat Ihn, mit Ihm gehen zu dürfen.
Begib dich mit Jesus wieder ans Ufer. Der Heiland will anderen Seelen die Schätze seiner Gnade bringen, welche die engherzigen Gerasener verschmäht haben. Sein Herz ist verwundet worden. Nun findet Er eine großmütige Seele, die Ihn trösten will.
Betrachte mit liebender Aufmerksamkeit die rührende Szene, die sich dir darbietet. Der Besessene hat seine Freiheit wiedererlangt. Wozu wird er sie gebrauchen? «Meister, ich gebe sie Dir, nimm sie hin, verfüge über mich nach deinem Wohlgefallen. Erlaube mir, dein Leben zu teilen. Laß mich Dir folgen.» So spricht der Geheilte. Erwecke auch du in deinem Herzen die Dankbarkeit und erwäge die zahllosen Gründe, die du dazu hast.
Was antwortet der Erlöser? Er gewährt die Bitte nicht, sondern sagt: «Gehe hin in dein Haus zu den Deinigen und verkünde ihnen, was der Herr Großes an dir getan und wie Er sich deiner erbarmt hat!» Mit andern Worten: «Werde mein Apostel unter den Deinigen und arbeite an ihrem Seelenheil. Teile ihnen die Wohltat mit, die du Mir verdankst. Möchte dein Wort sie zum Glauben führen und dein Beispiel in ihnen das Verlangen nach meiner Rückkehr wecken. Setze deinen ganzen Eifer ein, um Mir in dem Lande, aus dem man Mich vertrieben hat, wieder Eingang zu verschaffen!» Dies ist die Aufgabe, die der Heiland ihm erteilt. Die erhabenste Aufgabe für den Menschen hienieden ist, den Willen Gottes an dem Ort zu vollziehen, den Er uns anweist, und zufrieden zu sein mit allem, was Er über uns verhängt. Das hat der großmütige neue Jünger sofort begriffen. Teile seine Freude und ahme seinen Eifer nach. Werde auch du ein Apostel in deinem Kreise!



24.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

II Die Undankbarkeit der Gerasener
Und siehe, die ganze Stadt ging hinaus, Jesus entgegen, und da sie Ihn sahen, baten sie Ihn, dass Er weggehe aus ihrem Gebiet.
Die Menge eilt zu Jesus, um Ihm eine Bitte nach Art feiger Seelen zu stellen: «Geh weg aus unserem Gebiet und wirke deine Wunder an andern Orten! Es kostet uns zu viele Opfer, Dich aufzunehmen und uns Dir zu unterwerfen.» Man möchte dem Herrn angehören, aber ohne etwas für Ihn zu opfern. Die Gerasener fürchten den Verlust ihrer irdischen Güter, sie werden die irdischen behalten, aber die himmlischen dafür verlieren. Beklage so viel Torheit und Verblendung.
Halte ernsthafte Einkehr und prüfe dich! Gehörst du nicht zu jenen engherzigen Seelen, die sich fern von Jesus halten, Ihn sogar von sich stoßen aus Furcht vor den Opfern, die mit seiner Nachfolge verbunden sind? Woher kommt dieses Übel? Die Menschen sind gewohnt, alle Ereignisse vom natürlichen Standpunkt aus zu betrachten, ohne sich zum Übernatürlichen zu erheben. Wie kann man in einem solchen Seelenzustand die Stimme der Gnade hören und ihr folgen? Indem man den Glauben wieder erweckt und den Heiligen Geist um Erleuchtung bittet. Ziehe Nutzen aus dieser Betrachtung!



23.03.2019

54. Die Gerasener
(Mt 8, Mk 5, Lk 8)

I Jesus redet mit dem Geheilten
Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was vorgefallen war. Sie kamen zu Jesus und fanden den Mann, aus dem die bösen Geister ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu Jesu Füßen sitzen. Sie gerieten in Furcht.
Setze dich auch zu Füßen des Herrn. An dem Geheilten ist keine Spur mehr von dem schrecklichen Leiden zu gewahren. Die Umnachtung seines Geistes ist gewichen, und seine Seele genießt vollen Frieden. Er ist frei, ruhig und seiner selbst wieder mächtig. Er erfreut sich der Gegenwart seines Wohltäters und scheint sich mit der Frage zu beschäftigen: «Was kann ich dem Herrn vergelten für eine solche Wohltat?» Glücklich die Seele, welche die tyrannische Herrschaft der Leidenschaften mit jener der Gnade vertauscht! Kann man hienieden einer größeren Seligkeit teilhaftig werden?
Verkoste den Frieden des Geheilten und nimm teil an seinem Glück. Gleich ihm zeige dem Heiland Dankbarkeit, Vertrauen und Hingabe, denn Er hat schon mehr als einmal dies Wunder der Befreiung vom bösen Geist an dir bewirkt. Erinnere dich der zahllosen Beweise der göttlichen Barmherzigkeit, und du wirst trostreiche Stunden in vertrautem Zwiegespräch mit deinem Erlöser zubringen.


22.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)

III Jesus bereitet dem Teufel eine schmachvolle Niederlage
Nun weidete in der Nähe am Bergabhang eine große Herde Schweine. Sie baten Ihn, Er möge ihnen gestatten, in die Schweine zu fahren. Er gestattete es ihnen. So fuhren denn die bösen Geister von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine. Die Herde stürmte den Abhang hinab in den See und ertrank.
Die Teufel bitten den Heiland zitternd um einen erniedrigenden Tausch. Welch eine entsetzliche Verheerung hat die Sünde in diesen ehemals reinen Geistern hervorgebracht! Es ist also wahr, daß der böse Feind, wenn er uns zur Sünde reizt, nichts anderes bezweckt, als uns in den Pfuhl des Lasters zu ziehen.
Erinnere dich der hohen Bestimmung derjenigen, die jetzt eine solche Bitte an den göttlichen Meister stellen, und des schmachvollen Abgrundes, in den eine Empörung des Stolzes diese Erstlinge der Schöpfung gestürzt hat. In die Tiefe dieses Abgrundes trachtet der Teufel uns mit sich hinabzuziehen, so oft er uns versucht. Welchen Widerwillen sollten daher die Zumutungen eines solchen Feindes uns einflößen, und mit welch tiefer Verachtung sollten wir ihn allezeit zurückweisen.
Wisse, der Teufel ist nur von dem Willen beseelt, dir zu schaden. Was hat das Unheil, das er hier anrichtet, zu bedeuten? Nicht die Erlaubnis, die Jesus gab, ist als dessen Ursache zu betrachten. Der Schaden durch den Verlust der Schweine, der den Gerasern zugefügt wurde, rührt einzig von dem bösen Geist her. Wenn Gott Züchtigungen für uns zuläßt, tut Er das entweder, um uns Gelegenheit zu bieten, eine schuldbeladene Vergangenheit zu sühnen, oder um uns zu einem heiligen Leben anzueifern, immer aber, um uns zu helfen, besser zu werden. Der Teufel hingegen will bei solchen Prüfungen nichts als unser Verderben. Er handelt einzig aus Bosheit, Neid und Rachsucht.



21.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)
Jesus befreit den Besessenen
Als er aber Jesus von ferne sah, lief er hinzu, warf sich vor Ihm nieder, schrie mit lauter Stimme und sprach: «Was habe ich mit Dir zu schaffen, Jesus, Du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre Dich bei Gott, quäle mich nicht!» Denn Er hatte zu ihm gesprochen: «Fahre aus von diesem Menschen, du unreiner Geist!»
Höre das wütende Geschrei des unglücklichen Menschen und die Antwort des Herrn. «Was habe ich mit dir zu schaffen?» ruft der Besessene aus. Wahrlich, zwischen Jesus und dem Satan kann nie eine Annäherung stattfinden. Wenn dies beim Meister eine Unmöglichkeit ist, soll es auch bei dir, dem Jünger, so sein.
Aber Jesus besitzt dieselbe Macht über die Hölle wie über die tobenden Wogen des Meeres, die Er mit einem Wort beruhigt. «Wie heißt du?» fragt der Erlöser. «Legion ist mein Name, denn unser sind viele», antwortet der Besessene. «Staune über die Leichtigkeit, mit der Jesus den Teufel zwingt, seinen Namen zu sagen, seine boshafte List, seine Pläne und seine Grausamkeit zu offenbaren. Die ganze Hölle vermag nichts wider dich, wenn die Gnade dich unterstützt.
«Unser sind viele», bekennt der Besessene. Wie war es denn möglich, dass zahlreiche Teufel sich hier Eingang verschaffen konnten? Das kommt daher, dass der in die Seele eingedrungene Feind fortwährend daran arbeitet, seine Herrschaft zu erweitern. Die Leidenschaft, die er benutzte, um die Seele zuerst in seine Gewalt zu bekommen, dient ihm dazu, andere Leidenschaften zu entzünden. Schlecht bewachte Sinne, ein ausgegossenes Herz und eine leicht erregbare Phantasie unterstützen nur zu sehr die Arbeit des Teufels. Sei also auf der Hut. Aber lass dich nicht entmutigen, der Satan fügt den Seelen Schaden zu, aber er kann es nur insoweit, als Gott es zulässt.



20.03.2019

53. Die Heilung eines Besessenen im Gebiete der Gerasener
(Lk 8, Mt 8, Mk 5)

I Jesus begegnet dem Besessenen
Und sie fuhren zum Lande der Gerasener, das Galiläa gegenüberliegt. Kaum war Er ans Land gestiegen, da kam Ihm aus den Grabhöhlen ein Mensch entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war.
Warum stieg Jesus gerade hier ans Ufer? Weil in diesem Landstrich viele unter dem Joch Satans schmachteten. Das traurige Los der Unglücklichen bewegt das gütige Herz des Heilandes, und er eilt ihnen zu Hilfe. Den Bedrängten und Geknechteten bietet Er sich als Befreier an. Lobpreise Ihn und begleite Ihn zu diesem armen Volk. Wo Jesus erscheint, da wird die Hoffnung wieder lebendig.
Zwischen Jesus und dem Satan entspinnt sich sogleich ein Kampf. Wirf auf den unglücklichen Besessenen einen mitleidigen Blick. Niemand konnte ihn bändigen. Fortwährend, Tag und Nacht, hielt er sich in den Grabhöhlen und in den Bergen auf, schrie und schlug sich selbst mit Steinen. Was für ein trauriges Los bereitet Satan seinen Opfern. Schwere Ketten, zahllose Wunden, entsetzliche Verderbnis, schmachvolle Erniedrigung! Ist es nicht der Höhepunkt der Verblendung, die Herrschaft eines solchen Tyrannen dem ruhmvollen Joch des Schöpfers vorzuziehen?
Für eines dieser bedauernswerten Opfer schlägt nun die Stunde der Erlösung. Siehe, wie Jesus dem Besessenen naht. Er hat ja das Land unserer Verbannung betreten, unsere menschliche Natur angenommen, um alle Gefesselten aus der Tyrannei der Hölle zu befreien.



19.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

III Jesus stillt den Sturm
Da traten seine Jünger zu Ihm, weckten Ihn und riefen: «Herr, rette uns! Wir gehen unter!» Er aber entgegnete ihnen: «Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?»
Höre die angstvolle Klage der entmutigten Jünger: «Kümmerst Du Dich nicht mehr um uns? Liegt Dir unser Wohl nicht mehr am Herzen? Sind wir nicht mehr die Deinen? Sind wir nicht in diese Gefahr geraten, weil wir Dir gehorcht haben?» Man möchte fast sagen, daß die Jünger mit ihren flehenden Bitten seine Güte wieder wecken wollten, als ob die Güte im Herzen Gottes einschlafen könnte! Weiß der Sohn Gottes vielleicht in der Stunde der Gefahr nicht mehr alles, was Er vorher gewußt hat? Ist Er dann weniger allmächtig und weniger geneigt, uns zu helfen? Darum höre den Vorwurf, den Jesus den Jüngern macht: «Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen! Wo ist euer Glaube? Wenn ihr an mich glaubt, was habt ihr da zu fürchten? Welchen Sturm sollte ich nicht beschwichtigen können? Gegen welche Feinde vermöchte ich euch nicht zu verteidigen? Bedenkt, wer ich bin, und ihr werdet erkennen, was ihr vermögt!» Beherzige den Tadel des Heilandes und ziehe Nutzen daraus. Alle Gewalt des Bösen zerschellt an einem Akt des Glaubens. Aber der Glaube ist nur dann stark, wenn er sich einzig auf das stützt, was Gott gesagt hat, und alles geringschätzt, was ihn von außen nachteilig schwächen will. Sieh zu, wie es mit deinem Glauben bestellt ist, und verbessere, was mangelhaft ist!
Um einen lebendigen, unerschütterlichen Glauben zu erlangen, bitte den Heiland, in dir die Empfänglichkeit für das Irdische zu vermindern, den aufgeregten Wogen des Stolzes, der Sinnlichkeit und des Zorns Schweigen zu gebieten und den heftigen Anreizungen der Begierlichkeit wie auch der Fieberglut unstatthafter Neugierde und unersättlicher Wünsche Einhalt zu tun. «Schweige! — Verstumme!» gebot Jesus. Der Wind legte sich, und es ward eine große Stille. Angesichts der göttlichen Allmacht und Güte festige für immer dein Vertrauen auf Jesus. Erkläre dich bereit, in allen Stürmen auszuhalten, wie seine Ehre es verlangt.



18.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

II Jesus schläft während des Sturmes
Während sie dahinfuhren, schlief Er ein. Da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, so dass das Boot von den Wogen überflutet wurde. Er aber schlief hinten im Boot auf dem Kissen.
Der Meister bedarf der Ruhe, Er hat so viel für die Seinen gearbeitet. Den ganzen Tag hat Er im Dienst jener zugebracht, die sein himmlischer Vater Ihm anvertraut hat. Auch du gehörst zu ihrer Zahl. Ermüdet schläft Er ein. Glaubst du, der Herr habe jetzt seine Jünger verlassen und sie seien nun weniger in Sicherheit? O nein, schlafend oder wachend ist Jesus immer der allwissende, allmächtige und gütige Gott.
Es erhob sich ein gewaltiger Sturm. Der Sturm erhebt sich, und Jesus fährt fort zu schlafen. Warum gibt Er den Anschein, als ob Er nichts wisse von dem, was vorgeht? Er will den Glauben und das Vertrauen der Jünger prüfen. Er überlässt sie kurze Zeit sich selbst, damit sie erfahren, wie ohnmächtig sie sind.
Die Jünger kämpfen mit den Wogen und verzagen. Es fehlt ihnen nicht an Energie und Erfahrung im Kampf gegen den Sturm, aber was vermögen eifrigste Arbeit und bewährte Geschicklichkeit, wenn der Glaube wankt? Der Glaube verleiht Stärke. Mitten im tobenden Sturm, selbst bei den heftigsten Angriffen der Hölle, wirst du unüberwindlich sein, wenn dein Glaube standhält und du bei Jesus ausharrst, selbst wenn Er dich deinem Schicksal zu überlassen scheint.



17.03.2019

52. Der Sturm auf dem Meer
(Lk 8, Mt 8, Mk 4)

I Jesus fährt mit seinen Jüngern über den See
An demselben Tage, da es Abend geworden war, sprach Er zu ihnen: «Laßt uns hinüberfahren an das andere Ufer!» Sie entließen also das Volk und nahmen Ihn, so wie Er war, im Boot mit. Es waren aber auch noch andere Boote mit Ihm.
Folge auch du der Einladung, die Jesus an seine Jünger richtet. Er will ihnen eine Lehre erteilen, die du ebenso notwendig hast. Sie sollen verstehen lernen, bis zu welchem Grade sie auf Ihn vertrauen müssen. Bereite mit den aufmerksamen Jüngern dem Heiland einen Platz im Schifflein. Bitte Ihn, es zu besteigen, und folge Ihm dann. Die Jünger haben nichts zu fürchten, denn sie unternehmen die Fahrt auf Befehl des Meisters. Wenn man sich auf einen Befehl Gottes stützt, kann man jeder Gefahr die Stirn bieten. Das Bewusstsein, den Willen Gottes zu erfüllen, gibt der Seele Kraft. Du wirst erfahren, dass Jesus den Seinigen die Prüfungen nicht erspart und dass seine größten Gunstbezeugungen niemanden vor den Stürmen des Lebens schützen. Aber an der Seite Jesu kann keine Seele zugrunde gehen. Verbanne alle Furcht und festige dich im Glauben.


16.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

III Jesus warnt seine Jünger vor Unbeständigkeit
Und ein anderer sprach: «Herr! Ich will Dir folgen, lass mich aber vorher von meiner Familie Abschied nehmen.» Jesus aber sprach zu ihm: «Keiner, der seine Hand an den Pflug legt und wieder zurückschaut, ist brauchbar für das Reich Gottes.»
Jesus lehrt noch eine dritte ernste Wahrheit. «Du hast mich gerufen», sagt dieser Jünger zum Herrn. «Ich will diesem Ruf folgen, jedoch nicht sogleich. Die Vorsätze, die deine Worte in mir geweckt haben und die ich jetzt in deiner Gegenwart fasse, will ich später ausführen. Vorerst erlaube mir, zu meinen Geschäften zurückzukehren.» Er will erst noch einmal zu dem zurückkehren, was er zu verlassen beabsichtigt. Er redet sich ein, daß er dann sein Opfer besser vollbringen könne. In Wirklichkeit treibt ihn der Wunsch, die Güter, die sein Herz bisher gefangen hielten, noch weiter zu genießen. Dieser Wunsch ist eine Täuschung der Eigenliebe, und der Jünger wird zu schwach sein, sich diesem Fallstrick zu entziehen.
Bewundere die Kraft, mit der der Meister diesem schwachen Jünger zu Hilfe kommt. Er stärkt ihn durch die Warnung vor einem schimpflichen Abfall. Jesus stößt ihn nicht zurück, sondern klärt ihn auf und bewahrt ihn vor der Untreue. Wie die Sehnsucht nach dem Besitz Jesu eine mächtige Hilfe ist, seinem Ruf zu entsprechen, so ist auch die Furcht, Ihn zu verlieren und keinen Fortschritt zu machen, ein notwendiger Ansporn. Bediene dich sowohl der einen wie der andern und bitte um Hochherzigkeit und Willensstärke. Es ist Zeit, deine vielfache Untreue wieder gutzumachen und deine Schritte auf dem Weg der Vollkommenheit zu beschleunigen. Kämpfe mit beharrlicher Anstrengung und vollende das angefangene Opfer.



15.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

II Jesus lädt einen seiner Jünger zu seiner vollkommenen Nachfolge ein
Zu einem andern aber sprach Er: «Folge mir nach!» Und dieser sprach: «Herr! Erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.» Jesus aber sprach zu ihm: «Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkünde das Reich Gottes!»
Höre die Einladung, die Jesus unerwartet an einen der Seinigen richtet. Er überrascht ihn, Er kommt ihm zuvor. «Folge mir!» sagt Er kurz. Aber dieser Jünger folgt Ihm doch schon. Wohin will Jesus ihn denn führen? Was verlangt Er von Ihm? Aus dem Jünger soll ein Apostel werden, und die freie Wahl für dieses Amt steht einzig dem Herrn zu.
Diese Wahl ist unendlich ehrenvoll, aber das Amt ist reich an Opfern. Der Jünger fühlt es und kann sich nicht enthalten, einen Einwand zu machen. Hier vernimmst du die Sprache deines eigenen schwachen Herzens: «Meister, laß mich zuerst für die Meinigen sorgen. Wohl möchte ich Dir ganz angehören, dem Gebet mich hingeben, Dir dienen und an deinem Werk arbeiten. Aber die Sorge und Liebe für meine Familie nehmen mich noch in Anspruch. Erlaube mir, diesem Zug meines Herzens zu folgen. Wenn ich dieser Pflicht der Liebe genügt habe, will ich Dir vollkommen angehören.»
Manche Seele, die Jesus durch seine Erwählung gerufen hat, muß sich eine solche Schwäche vorwerfen, eine Schwäche, die Jesus versteht und die Er heilen will. Deshalb besteht Er barmherzig auf seiner Forderung. «Laß die Toten ihre Toten begraben», entgegnete Er. «Laß jene, die mich nicht kennen, sich mit sich selbst beschäftigen und sich gegenseitig die Annehmlichkeiten des Lebens verschaffen.»
Verstehe den Sinn dieser ernsten Worte Jesu nicht falsch! Er betont, daß die Pflichten des Dienstes Gottes und des Apostolates allen menschlichen Neigungen vorzuziehen sind. Durch dieses Wort will der Heiland uns nicht von einer Pflicht der Liebe gegen die Angehörigen entbinden, noch die Beweise einer geordneten Zuneigung zu ihnen verbieten. Betrachte diese Lehre und nimm es ernst mit der Verpflichtung, dem Heiland alles zu opfern, was Er begehrt, und Ihm ohne Zögern dahin zu folgen, wohin Er will. Wer nur den natürlichen Neigungen folgt, statt auf die göttlichen Einsprechungen zu hören, setzt sich der Gefahr aus, diese nicht mehr zu verstehen. Wenn Jesus ruft, so zaudere nicht, dem Ruf zu entsprechen.



14.03.2019

51. Drei Berufungen
(Mt 8, Lk 9)

I Ein Schriftgelehrter will Jesus folgen
Während sie des Weges weiterzogen, sagte einer zu Ihm: «Ich will Dir folgen, wohin Du auch gehst.» Jesus erwiderte ihm: «Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester. Der Menschensohn aber hat keine Stätte, wohin er sein Haupt legen könnte.»
Begleite den Heiland, Er will dir heute wichtige Lehren erteilen. Ein Schriftgelehrter bietet sich Ihm als Jünger an mit den Worten: «Meister, ich will Dir nachfolgen, wohin immer Du gehst.» Man kann den Willen, dem Heiland anzugehören, nicht großmütiger ausdrücken. Aber welchen Wert hat dies Wort auf den Lippen des Schriftgelehrten? Es ist nichts anderes als ein Ausruf der Bewunderung, wie er auch deinem Herzen so manches Mal entstiegen, aber wirkungslos geblieben ist. Der Anblick des Guten begeistert leicht, darum hält man sich für entschlossen, es auszuüben, aber man täuscht sich.
Was antwortet der Heiland? Er prüft die Aufrichtigkeit unserer Entschlüsse. «Ich bin arm», sagt Er, «in meiner Nachfolge harrt deiner ein Leben der Entsagung.» Jesus, dem die ganze Welt mit ihren Reichtümern gehört, benützt nur das zu seinem Gebrauch, was Er sich bei seinen Geschöpfen vom Überfluß, den Er selbst ihnen gegeben hat, erbettelt. Tut Er das nicht, um dich die Verachtung der irdischen Güter zu lehren? Nur wenn du diese Lehre annimmst, wirst du Ihm vollkommen treu sein. Sei versichert, in der Nachfolge eines solchen Meisters darf man nicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens bedacht sein. Bringe sie Ihm deshalb zum Opfer. Verlange, seine Armut zu teilen und dir wenigstens alles Überflüssige zu versagen. Das ist das erste, was Jesus von seinen Jüngern fordert.



13.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

III Jesus predigt in den Städten Galiläas
Und das Volk suchte Ihn und kam bis zu Ihm, und es hielt Ihn zurück, daß Er nicht von ihnen gehen sollte. Er aber sprach zu ihnen: «Auch den andern Städten muss ich das Evangelium vom Reich Gottes verkünden, denn dazu bin ich gesandt.»
Man versucht, den Heiland in Kapharnaum zurückzuhalten. Denn das Volk hat Ihn kennengelernt. Er hat diesen armen Leuten schon so viel Gutes erwiesen, daß sie meinen, Ihn nicht mehr entbehren zu können. Auch du bedarfst seiner dringend. Deshalb räume Ihm eine unumschränkte Herrschaft über dein Leben ein.
Wie entspricht Jesus dem Drängen des Volkes? Er erinnert daran, daß Er für alle gekommen ist, nicht nur für die Menge, die Ihn hier umgibt. «Wenn ich nicht mehr bei euch bin», scheint Er zu sagen, «sollt ihr euch über meine Abwesenheit trösten in dem Gedanken, daß ich mich nur für kurze Zeit von euch entferne, um auch andere meiner Wohltaten teilhaftig zu machen.»
Wende diese Worte auf dich an. Preise deinen Erlöser, weil Er niemanden vom Segen seiner Ankunft ausschließt. Wohl ist Er für alle gekommen, doch nimmt Er sich am liebsten der Demütigen an. Das soll dich ermutigen, dich Ihm vertrauensvoll zu nahen. Er wird sich immer zu dir hinneigen, wenn du dich aufrichtig demütigst. Erwecke in dir das Verlangen, daß alle Menschen seine Worte bereitwillig aufnehmen und alle Herzen seine Gebote in Liebe umfassen. Das Reich Gottes soll sich in allen Herzen und unter allen Völkern ausbreiten. «Zu uns komme dein Reich!»



12.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

II Jesus wird vom Volk aufgesucht
Simon nun folgte Ihm nach mit allen, die bei ihm waren. Und da sie Ihn fanden, sagten sie zu Ihm: «Alle suchen Dich!» Er aber sprach zu ihnen: »Lasst uns in die nächstgelegenen Orte und Städte gehen, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen.»
Beobachte das Benehmen der Jünger auf dem Weg zu Jesus. Sie haben seine Spur verloren, weil sie zu spät aufgestanden sind. Aber im Dienst Jesu ist jeder Mangel wieder gut zu machen. Da sie Ihn suchen, werden sie Ihn sicher finden. Zu jeder Stunde läßt sich der Herr wieder finden von allen, die Ihn aufrichtig suchen und ihr ganzes Vertrauen auf Ihn setzen.
»Alle suchen Dich!» sagen die Apostel. Alle bedürfen des Heilandes. Denke über dieses allgemeine Bedürfnis der Seelen nach.
Kennst du in deiner Umgebung niemand, auf den der Heiland schon lange wartet und den du Ihm zuführen könntest? Gedenke auch der vielen Unglücklichen, die sich nach einem Erlöser sehnen, die aber weder seinen Namen kennen, noch von seinem Dasein und den Segnungen seines Reiches auf Erden etwas wissen und die deshalb in nutzlosen Anstrengungen, fern vom richtigen Weg, sich erschöpfen. Hab Mitleid mit ihrem traurigen Schicksal. Kannst du nichts tun, um ihnen zu helfen?



11.03.2019

50. Weiteres Wirken Jesu in Galiläa
(Mk 1, Lk 4)

I Jesus geht in die Wüste, um zu beten
Bei früher Morgendämmerung aber stand Er auf, ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort und betete dort.
Dein Erlöser bereitet sich zum Gebet. Eile zu Ihm und achte auf die Zeit, den Ort und die Weise seines Gebetes. Benutze die Gelegenheit und bitte Ihn, dich beten und betrachten zu lehren. Knie dich dicht neben Ihn. Flehe Ihn an, dir soviel Liebe zur täglichen Betrachtung zu geben, daß du eher den Schlaf abkürztest, wenn es notwendig wäre, als daß du sie unterläßt. Für wen betet Jesus? Wie bringt Er dem himmlischen Vater seine Huldigungen dar? Welche Bitten trägt Er Ihm vor? Welchen Dank opfert Er seiner unendlichen Güte auf? Durch welche Akte wird sein Gebet der göttlichen Majestät besonders angenehm? Betrachte den Heiland ganz in der Nähe und ziehe aus seinem Anblick Nutzen für deine Seele.


10.03.2019

49. Der gute Meister
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

II Jesus spendet allen die Schätze seiner unendlichen Güte und Liebe
So sollte erfüllt werden, was durch den Propheten Isaias gesagt ist, der da spricht: «Er hat unsere Gebrechen auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.»
Suche das unendliche Erbarmen Jesu tiefer zu erfassen. Die Güte, die Jesus allen erweist, war von den Propheten als der hervorstechendste Zug seiner göttlichen Persönlichkeit bezeichnet worden. Als Erkennungszeichen hatten sie von Ihm vorhergesagt: «Er hat alle unsere Schwächen getragen.» Alles Elend, das ein Mensch erdulden kann, alle Prüfungen, die über ihn verhängt werden können, alle Fehler, deren er sich schuldig machen kann, alles dies nimmt Jesus auf sich, in Liebe sprechend: «Ich belade mich damit. Ich will dafür büßen und sühnen.»
So nähere dich Jesus und erkenne in Ihm Denjenigen, von Dem die Propheten gesprochen haben. Siehst du nicht in Ihm alle Prophezeiungen erfüllt? Erwecke in deiner Seele die Gesinnungen eines kindlichen Vertrauens. Jesus ist in Wahrheit unser Erlöser und als solcher ist Er bereit, sich mit all unserem Elend zu beladen, damit wir von dieser Bürde befreit werden. In deiner abendlichen Gewissenserforschung kannst du ohne Furcht alles in sein göttliches Herz niederlegen. Er nimmt uns jeden Tag mit unseren Armseligkeiten in Liebe auf. Er ist unser Erlöser und nimmt alles von uns an, die Siege sowohl als die Niederlagen, wenn wir es Ihm nur mit Demut, Liebe und Vertrauen darbieten.



09.03.2019

49. Der gute Meister
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

I Die Menge drängt sich von neuem zu Jesus hin
Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu Ihm. Und Er trieb die Geister durch sein Wort aus und heilte alle Kranken.
Nutze mit Eifer diese letzte Stunde eines gnadenreichen Tages, in der Jesus sich allen widmet. Mische dich unter die gläubige Menge, die Ihm ihre Kranken bringt. Schon ist es spät geworden. Der Tag war recht ermüdend. Aber der Erlöser, den der himmlische Vater uns gesandt hat, ist zu jeder Stunde und für alle bereit. Wie sein ganzes Herz, so gehört auch jeder Augenblick den Seinigen. So sollen seine Jünger Ihn in der Erinnerung behalten. Und wenn es dann später einmal gilt, dem Nächsten wohl zu tun, werden sie in Nachahmung ihres Meisters niemals eine Unmöglichkeit vorschützen und keinen zurückweisen.
Er legte jedem die Hände auf. — Betrachte Jesus in der Ausübung seiner Sendung. Je mehr Er Gelegenheit hat, Wohltaten zu spenden, desto unerschöpflicher zeigt sich seine Güte. Nur jenen entzieht Er sich, die sich weigern, daran zu glauben. Bitte Ihn, Er möge seine Hände segnend auf allen ruhen lassen, die du liebst. Nenne sie Ihm mit Namen und sprich Ihm von ihren Bedürfnissen. Er wird dich anhören, als wärest du allein bei Ihm, ungeachtet der Menge, die Ihn umdrängt. Wie Er ganz für alle da ist, so ist Er auch ganz für jeden einzelnen da.
Welche Heilungen, welche Bekehrungen und welche Wunder begehrst du von Ihm? Öffne Ihm dein Herz. Nichts überschreitet die Grenzen seiner Allmacht, nichts erschöpft seine Güte, nichts setzt seine Weisheit in Staunen.



08.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

III Die Dankbarkeit der Geheilten
Sie stand auf und bediente sie.
Beachte, welchen Gebrauch die Geheilte von ihrer Gesundheit macht. Sie stellt sich ganz in den Dienst ihres Wohltäters. Der Heiland hat sie durch seine Wohltaten für sich gewonnen, und sie will Ihm treu bleiben. Er ist zu ihr gekommen, und sie bittet Ihn, zu bleiben. Welch schöne und kostbare Lehre für uns! Warum gibt Gott seine Gnade, warum wirkt Er Wunder, wenn nicht, um uns in seinem Dienst zu bestärken? — Hast du dies nicht oft vergessen, meine Seele, wenn du dich von Ihm fern hieltest und Ihn durch deine Untreue betrübt hast, anstatt dich zum Dank für seine Wohltaten Ihm ganz zu unterwerfen? Kehre zu Ihm zurück und bitte Ihn um Verzeihung.
Sie bediente Ihn. Im Haus Simons ist das Glück eingekehrt. Erfreue dich mit den übrigen Gästen daran. Setze dich an den Tisch, wo die Geheilte ihren Erlöser bedient. Nimm teil an der Unterhaltung und an der Dankbarkeit, die alle beseelt.



07.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

II Die Heilung der Kranken
Da nahm Er sie bei der Hand, und das Fieber verließ sie. Da erhob sie sich und bediente Ihn.
Wirf einen mitleidsvollen Blick auf die arme Kranke. Das verzehrende Fieber, die erregten Phantasien, die außerordentliche Schwäche haben sie dem Tode nahe gebracht. Ihre körperlichen Leiden sind ein Bild der Krankheiten deiner Seele. Gestehe es in Demut ein. Dein hochfahrender Stolz und die Glut der sinnlichen Begierden machen dein Herz vielleicht zum Herd eines verzehrenden Fiebers. Wie manches Mal betrübst du dich ohne Grund und bist erregt wegen nichtssagender Dinge! Der geringste Widerspruch verwirrt dich. Die kleinste Beleidigung bringt dich um deine Selbstbeherrschung. Dir tut Heilung ebenso not wie dieser armen Fieberkranken.
So eile denn zu Jesus, um geheilt zu werden! Der Blick des Heilands und der Segen seiner heiligen Hände geben immer den Frieden wieder. Zeige Jesus deine kranke Seele, flehe Ihn an, Er möge alle ungeordneten Regungen unterdrücken, die dich beunruhigen und dir den Geschmack am Himmlischen rauben. Warum sollte Jesus nicht auch für dich dieselbe Macht und Güte haben, die Er in diesem Wunder offenbart? Hab Vertrauen!



06.03.2019

48. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
(Mt 8, Mk 1, Lk 4)

I Jesus gewährt die Bitte, die Kranke zu besuchen
Und sogleich verließen sie die Synagoge und kamen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
Begleite den Heiland in das Haus des Simon Petrus. Sieh, wie Er von den Übungen der Frömmigkeit zu den Werken der Nächstenliebe übergeht. Darin liegt eine der tiefsten Lehren des Evangeliums. Höre, wie man auf dem Weg und an der Schwelle des Hauses inständige Bitten für die Kranke an Jesus richtet. Er kennt zwar alle unsere Bedürfnisse; dennoch will Er, daß wir sie Ihm vortragen und oft wartet Er mit der Hilfe, bis wir Ihn darum bitten. Der Schatz der göttlichen Barmherzigkeit steht uns allezeit zur Verfügung. Aber der Schlüssel dazu ist das Gebet. Die Apostel wissen dies und legen darum Fürbitte für die Kranke ein. Die Schwiegermutter des Simon aber lag fieberkrank danieder, und sogleich erzählten sie Ihm von ihr. Lerne von den Jüngern, für alle zu beten, die der Hilfe des Herrn, seiner Heimsuchung, seines Trostes und seiner Gnaden bedürfen. Sieh, wie der Sohn Gottes sich ihren Bitten geneigt zeigt, weil ihr Glaube uneingeschränkt und ihr Vertrauen ohne Grenzen ist. Sage niemals: «Meine Gebete sind nutzlos!» Etwas mehr Glaube und Vertrauen würden dich mächtig über das Herz Jesu machen, sowohl zu deinem eigenen Vorteil als auch zum Segen für andere.



05.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

III Jesus befreit einen vom Teufel Besessenen
Nun war in der Synagoge ein Mensch, der einen unreinen, bösen Geist hatte; dieser rief mit lauter Stimme und sprach: «Laß uns! Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus von Nazareth?»
Beobachte den unglücklichen Menschen. Ein unreiner Geist hat von ihm Besitz genommen. Er ruft aus: «Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus von Nazareth?» Die Wahrheit zwingt ihn, so zu sprechen, denn der Geist Gottes hat nichts gemein mit dem bösen Geist. Nun ist Jesus gekommen, um den Satan aus dem Reich Gottes zu vertreiben. Zwischen Ihm und dem bösen Geist ist jede Annäherung ausgeschlossen. Wer auf das Banner Jesu schwört, erklärt der Sünde und dem Satan den Vernichtungskrieg. Gib dich diesbezüglich keiner Täuschung hin. Doch Der, für Den du kämpfst, ist allmächtig. Kein böser Geist vermag Ihm zu widerstehen. Siehe, wie Jesus den Besessenen befreit. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist und sprach: « Verstumme und fahre aus von diesem Menschen!» -Verstumme! Dieses Wort genügt, um den Unglücklichen aus der höllischen Tyrannei zu befreien. Merke dir zu deinem Trost, welches auch der böse Geist sein mag, der dich versucht und plagt, es genügt zu seiner vollständigen Niederlage, ihn die Gegenwart Jesu fühlen zu lassen. So verschaffe dir oft das Glück der Gegenwart Jesu durch eifriges Gebet, durch heilige Sehnsucht nach Ihm und besonders durch die heilige Kommunion. Mache, daß Er dir allezeit nahe bleibt, damit du nie allein in den Kämpfen bist, die du zu bestehen hast. Jesus wird zu deinem Heil seinen Sieg über Satan erneuern. Sprich mit dem Heiland aufrichtig über die Feinde deiner Seele. Freilich sind sie zahlreich und mächtig, aber in und mit Jesus vermagst du alles gegen sie.



04.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

II Jesus lehrt in der Synagoge
Und Er lehrte sie daselbst an den Sabbaten. Man war von seiner Lehre hingerissen, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
Tritt mit Jesus in die Synagoge ein und wähle deinen Platz möglichst in seiner Nähe. Jesus, der Lehrer der Wahrheit, predigt das Gegenteil von dem, was die Welt lehrt, denn diese spricht nur Lügen. Er unterrichtet auch nicht wie die Schriftgelehrten und Gesetzeskundigen, um endlose Erörterungen hervorzurufen, sondern um die Zuhörer zum Glauben und zur Besserung ihres Lebens zu bewegen. Das Wort Jesu ist ein Wort voll Kraft und Wahrheit. Geist und Herz finden Ruhe in der Annahme seiner Lehre. Bete die Weisheit des Vaters an, die von den Lippen seines Sohnes fließt.
Welche Wirkung hatten die Worte Jesu? Die Menge begnügt sich mit nutzlosem Staunen, die stolzen Pharisäer nehmen Ärgernis, nur die Demütigen empfangen sie als frohe Botschaft. Die Jünger, die sich um den Heiland geschart haben, werden durch seine Worte in dem festen Entschluss unwandelbarer Treue bestärkt. Da du zu seinen Jüngern zählst, folge ihrem Beispiel!



03.03.2019

47. Jesus treibt einen unreinen Geist aus
(Mt 4, Mk 1, Lk 4)

I Jesus kehrt mit seinen Jüngern nach Kapharnaum zurück
Und Er verließ die Stadt Nazareth und kam und wohnte in Kapharnaum, welches am Meere gelegen ist, an den Grenzen Zabulons und Nephthalins.
Folge Jesus und seinen neuen Jüngern! Es ist der Abend eines an Opfern reichen Tages. Aber sie genießen die ganze Freude ihrer ersten, großmütigen Liebe. Wovon sprechen sie auf dem Weg? Was fragen sie ihren Meister? Was tut Jesus Seinerseits? Warum führt Er sie gerade nach Kapharnaum? Dort hat Er eine zweite Heimat gefunden, und diese sollen seine Jünger mit Ihm teilen, denn von nun an sollen sie Ihm immer nahe bleiben und dasselbe Leben führen wie Er. Noch ein zweiter Grund veranlasst den Heiland, zuerst mit den Jüngern nach Kapharnaum zu gehen.
Diese Gegend ist in der Finsternis des Irrtums befangen, Satan hat dort seinen Thron aufgeschlagen. Jesus will den Seinigen das Böse aus der Nähe zeigen und sie lehren, es zu bekämpfen.
Freue dich jetzt schon der Siege, welche die Apostel erringen werden. Erwäge die prophetischen Worte, die ankündigen, daß ein neues Licht unsere Finsternis zerstreuen wird. Dieses Licht ist das Wort der ewigen Weisheit. Laß die Sonne des Evangeliums deine Seele erleuchten.



02.03.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

III Jesus beruft Petrus und dessen Gefährten zu seiner Nachfolge
Und Er sprach zu ihnen: «Folget mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!» Sie aber verließen alsbald ihre Netze und folgten Ihm.
Höre, wie Jesus die begnadigten Jünger zu seiner Nachfolge beruft. Gott erhöht die Demütigen. Er liebt und bevorzugt sie. Da die Jünger ihr Nichts erkennen, kann Jesus sich ihrer bedienen. Sie werden seinen Plänen nicht hindernd entgegentreten. Denn sie haben ihre persönlichen Ansichten aufgegeben und werden sich blindlings von Ihm leiten lassen. «Folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!» sagt Jesus zu ihnen. «Der Erfolg, der euch soeben erfreut hat, ist ein Wunder, ein Vorspiel vieler anderer Großtaten Gottes. Die Menschheit ist in den Abgrund der Sünde geraten, sie muß daraus befreit werden. Wollt ihr euch mit mir diesem Apostolat weihen?» Wie entsprechen die Jünger dieser Einladung? Sieh, wie sie alsbald ihre Netze zusammenlegen und ohne Zögern ihr Gewerbe aufgeben, das sie gerade jetzt mit so reichem Ertrag erfreut hatte. Sieh, wie sie ihr Schifflein verlassen und sich von den Ihrigen trennen. Worin liegt das Geheimnis dieser opferwilligen Hingabe? Es liegt im Anblick und in der überwältigenden Offenbarung Dessen, Der sie beruft. Wo Gott sich kundgibt, kann der Mensch nicht widerstehen. Wenn du nur eine unbestimmte und unklare Kenntnis Gottes hast, so ist es nicht zu verwundern, dass du noch zauderst und fürchtest. Wenn du aber den lebendigen Gott in allem suchst, wirst du bald für Ihn gewonnen sein.
Die Aufforderung «Folge mir!» geht auch an dich. Wo ist denn für dich der Wirkungskreis, wohin der Meister dich beruft, um an der Verbreitung des Evangeliums mitzuarbeiten? Denke darüber nach und dann antworte wie Petrus und seine Gefährten. Schütze nicht deine Unfähigkeit vor, denn Jesus verspricht seinen Jüngern, dass Er selbst sie zu dem heranbilden wird, wozu Er sie berufen hat. Jesus wird nicht aufhören, dir beizustehen, damit du in seiner Nachfolge auszuharren vermagst. Deshalb vertraue!



01.03.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

II Der wunderbare Fischfang
Als sie dies getan hatten, fingen sie eine große Menge Fische. Ihre Netze drohten zu reißen. Da winkten sie ihren Gefährten in dem andern Boot, sie möchten kommen und ihnen helfen. Die kamen auch. Man füllte beide Boote, so dass sie beinahe versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: «Herr, geh hinweg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!»
Wohne im Geist diesem wunderbaren Fischfang bei und erneuere deine freudige Hingabe an den Heiland, in dessen Nachfolge das Vertrauen nie zuschanden wird. O meine Seele, sieh die übervollen Netze! Blicke dankbar zu deinem himmlischen Vater auf. Hier findest du bestätigt, daß du im Dienst Gottes allezeit hundertfältig wiederfindest, was du für Ihn geopfert hast. So verbanne alle Furcht aus deiner Seele und gib dich Ihm rückhaltlos hin.
«Herr, geh hinweg von mir!» ruft Petrus aus. Warum dieser Ausruf? Was bedeutet die rührende Szene, die ihn begleitet? Betrachte sie aufmerksam. Petrus fällt Jesus zu Füßen, er demütigt sich tief im Bewusstsein seines Nichts. Er hat einen Blick getan in die Abgründe der göttlichen Allmacht. Das genügt, um in ihm die lebhafte Empfindung seiner Niedrigkeit zu wecken. Nun weiß er, was er ist und welcher Platz ihm gebührt. Als armseliges Geschöpf wirft er sich dem Sohn Gottes zu Füßen und ruft in der Erkenntnis seiner Unwürdigkeit aus: «Ich bin nichts und weniger als nichts, denn ich bin ein armer Sünder!»
Petrus stellt sich auf den letzten Platz; tue ein Gleiches! Denn es ist der Platz, der dir gebührt. Aber an diesem Platz erfreut man sich überfließender Gnaden. Die Gebete des Demütigen dringen durch die Wolken, und der Herr nimmt seine Huldigungen und Danksagungen gnädig auf.



28.02.2019

46. Der reiche Fischfang
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

I Jesus fordert Petrus auf, zum Fischfang hinauszufahren
Als Er seine Rede beendet hatte, sprach Er zu Simon: «Fahr weit hinaus und werft eure Netze zum Fange aus!» Da antwortete Simon und sprach zu Ihm: «Meister! Wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen; doch auf dein Wort hin will ich das Netz auswerfen.»
Verweile in Sammlung bei Jesus im Schifflein des Petrus. Der Unterricht für die Volksmenge ist zu Ende. Nun beginnt jener für seine auserwählten Jünger. Sie brauchen gründlichere Unterweisungen, sie sollen höhere Tugenden üben. «Fahre hinaus in die Tiefe!» befiehlt Jesus dem Petrus. Was will Er damit sagen? «Begnüge dich nicht mehr mit einer Gottesverehrung, wie sie alle üben müssen. Strebe danach, dich auszuzeichnen durch festeren Glauben, größeres Vertrauen, tiefere Demut und vollkommenere Selbstverleugnung. Lenke dein Lebensschifflein in die tiefe See glühender Liebe, erhabener Gedanken, heldenmütiger Anstrengungen, glorreicher Ziele.» Diese überaus ehrenvolle Einladung kommt unerwartet. Gilt sie nicht auch dir? Höre die Antwort des Petrus und lerne von ihm, in die Absichten Gottes vollkommen einzugehen. «Die Stunde ist ungünstig, die Natur droht der Müdigkeit zu erliegen, die Aussicht auf Erfolg scheint ausgeschlossen. Aber du lädst mich ein, und ich zögere nicht. Du redest, und ich glaube. Du versprichst Erfolg, und ich vertraue dir.»
Das ist der wahre Glaube, der sich auf das Wort des Meisters sofort unterwirft. Das ist das wahre Vertrauen, das sagt: «Ich vertraue, weil Du es versprichst.» Glücklicher Jünger, den früherer Misserfolg nicht entmutigt hat! Petrus begreift schon, dass das Wort des Herrn sich wirksam erweist, wo menschliche Hilfe versagt, und dass man auf sein Wort hin alles vermag. Präge dir diese Wahrheit lief ein, um sie nie wieder zu vergessen!



27.02.2019

45. Jesus lehrt vom Schiff des Simon Petrus
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

II Jesus bittet Simon um einen Platz in seinem Schifflein
Es geschah aber, als sich das Volk an Ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand Er am See Genesareth. Und Er sah zwei Schiffe am Ufer liegen, die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg Er in das eine der Schiffe, welches dem Simon gehörte, und bat ihn, vom Lande etwas abzustoßen.
Hier bietet sich dem Heiland die Gelegenheit, von diesen Männern den ersten Dienst zu erbitten. Das Volk umdrängt den Meister am Ufer, um das Wort des Lebens zu hören. Ist diese Menge nicht ein Bild der gefallenen Menschheit mit ihrem unsäglichen Elend? Auf allen Wegen, wo Jesus vorübergeht, bis in die Einöden, in die Er sich flüchtet, drängen sich die hilfsbedürftigen Seelen. Allen will Er die Bürde erleichtern und ihnen das geben, was für sie das Notwendigste ist: sein göttliches Wort und durch dieses göttliche Wort das Leben der Seele. Jesus braucht deshalb Männer voll guten Willens, die Ihm seine Zuhörer heranbilden, ihnen seine Worte erklären und seine Gnade vermitteln. Dies ist die Aufgabe des Priesters in der Kirche. — «Lass mich in dein Schifflein steigen», sagt Jesus zu Simon: «Sei mir behilflich, dem Volke die Botschaft des Heils zu verkünden. Ich bedarf deiner.» Verkoste die Freude, die Simon empfindet, als er den Heiland aufnimmt! Er tut es mit inniger Herzensfreude und bietet Ihm den besten Platz an. Der Jünger wird zum Apostel, der sich ganz dem Dienst des Meisters weiht. Nimm zu Füßen Jesu Platz. Lass Petrus das Schifflein lenken, wie es dem Herrn gefällt. Du darfst indessen den Worten Jesu lauschen.
Und Er setzte sich und lehrte das Volk vom Schiffe aus. Der Lehrstuhl ist bescheiden, aber die Weisheit, die dort verkündet wird, ist erhaben über alles menschliche Wissen. Höre und wiederhole dir diesen göttlichen Unterricht, bei dem Jesus sich zum ersten Mal des Petrus bedient, um uns zu belehren. Jesus spricht vom wahren Leben, von der Liebe des himmlischen Vaters und von unseren Pflichten gegen Ihn.



26.02.2019

45. Jesus lehrt vom Schiff des Simon Petrus
(Mt 4, Mk 1, Lk 5)

I Jesus begegnet Petrus und seinen Gefährten
Als aber Jesus längs des Galiläischen Meeres wandelte, sah Er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder, wie sie eben das Netz ins Meer warfen.
Der göttliche Meister steht einsam am Ufer des Sees von Tiberias. Die Volksmenge hat Ihn noch nicht bemerkt. Es ist am Morgen eines bedeutungsvollen Tages. Wo weilt der Heiland mit seinen Gedanken? Was ist wohl der Gegenstand seiner Erwägungen? Jesus gedenkt der Zukunft. Er sieht die Bedürfnisse der Seelen in der langen Reihe der Jahrhunderte voraus. Er will für sie seine Kirche stiften, und dazu braucht er Apostel.
Die ersten Männer, die Er dazu wählen wird, sind schon gefunden. Petrus und sein Bruder Andreas stehen am Ufer. Etwas weiter erblickst du in ihren Booten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit ihrem Vater die Netze ausbessern. Bedenke, was die Erwählten jetzt sind und was der Heiland aus ihnen machen will, und fasse Vertrauen beim Anblick deiner eigenen Schwäche. In den Händen des Allmächtigen sind die geringsten Werkzeuge imstande, Großes zu vollbringen.
Aber Jesus entdeckt in diesen Fischern auch Eigenschaften, die sie zu ausgezeichneten Werkzeugen für die Ausführung seiner Pläne machen. Sie sind einfach, arbeitsam und opferwillig, deshalb geeignet, an der Gründung des neuen Gottesreiches zu arbeiten, und Jesus will sich ihrer dazu bedienen. Was ihnen fehlt, wird Er ersetzen. Willst nicht auch du dich im Dienst Gottes nützlich machen und die Wahl Jesu auf dich lenken? Betrachte diese so einfache und doch so wirkungsvolle Szene und entschließe dich, die Einfalt und Opferbereitschaft der ersten Jünger nachzuahmen.



25.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

III Jesus erhört die Bitte des königlichen Beamten
Jesus erwiderte ihm: «Geh hin, dein Sohn lebt!» Der Mann glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging.
Siehe, wie der Erlöser sich von der erneuten Bitte des Beamten rühren läßt und sein Gebet erhört! So ist selbst dies unvollkommene Gebet nicht unwirksam geblieben. Warum also mutlos werden und klagen: Ich kann nicht recht beten? Bete nur, so gut es eben geht, das genügt vorläufig. Indes bestrebe dich, Fortschritte zu machen, indem du mehr und mehr deinen Glauben vervollkommnest. Nimm dir ein Beispiel an dem glücklichen Vater. Jetzt glaubt er dem Sohn Gottes aufs Wort. Er glaubte und ging hinweg. Geh mit Ihm und bezeuge, daß alles, was Jesus sagt, wahr ist und daß Er alle seine Verheißungen erfüllt.
«Wann ist es besser geworden mit meinem Sohn?» fragt der Beamte seine Knechte. Er erforscht mit Sorgfalt die Stunde und näheren Umstände der Heilung seines kranken Kindes. Er möchte die Stunde der göttlichen Heimsuchung feststellen, um seinen Glauben zu vermehren und mit den Seinigen die dankbare Erinnerung an das große Wunder zu feiern. Tut er nicht recht daran, und drängt es dich nicht, ihn nachzuahmen?



24.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

II Jesus wirft dem königlichen Beamten seinen mangelhaften Glauben vor
Jesus sprach zu ihm: «Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.» Der königliche Beamte bat Ihn: «Herr komm herab, ehe mein Kind stirbt!»
Warum dieser Vorwurf aus dem Mund des guten Meisters? Er will den Bittsteller weder zurückstoßen noch ihm seine Unzufriedenheit bezeugen. Er will ihn nur lehren, besser zu beten, und ihm helfen, durch einen vollkommenen Glauben die Gnade zu verdienen, die er erfleht. «Du stellst Bedingungen für deinen Glauben», sagt Jesus. «Du willst nur glauben, wenn du gesehen hast. Es braucht Wunder, um dich zu überzeugen, während mein Wort dir genügen sollte.»
Handelst du nicht ähnlich? «Erhöre mich, und ich werde glauben.» Das ist nur zu oft der Inhalt deines Gebetes. Der Sohn Gottes aber, der die ewige Wahrheit ist, will, daß wir Ihm auf sein Wort hin glauben. Sein unfehlbares Wort ist die eigentliche Grundlage unseres Glaubens.
Ein anderer Fehler beim Gebet dieses Mannes liegt darin, daß er viel verlangt, ohne selbst etwas anzubieten; und doch ist das Gebet eigentlich ein Austausch zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Den Wohltaten Gottes muß das Opfer unserer Anbetung vorangehen. Diesen betrübten Vater treibt einzig das Verlangen, ein Leid von sich abzuwenden, zum Gebet. Er denkt zu viel an sich und zu wenig an Gott. Seinem Gebet fehlt die Huldigung, die das Geschöpf seinem Gott schuldet.



23.02.2019

44. Jesus heilt den Sohn des königlichen Beamten
(Joh 4)

I Ein königlicher Beamter bittet Jesus, seinen Sohn zu heilen
So kam Er wieder nach Kana in Galiläa, wo Er das Wasser in Wein verwandelt hatte. Da war ein königlicher Beamter, dessen Sohn in Kapharnaum krank darniederlag. Als dieser hörte, Jesus sei von Judäa nach Galiläa gekommen, ging er zu Ihm und bat, Er möge herabkommen und seinen Sohn heilen; denn er lag im Sterben.
Bitte den göttlichen Meister um die Erlaubnis, Ihm nach Kana zu folgen. Er kehrt gern dahin zurück, wo Er gut aufgenommen wurde. Nur kurze Zeit hatte Er dort gelehrt. Jetzt will Er sein Werk fortsetzen und zugunsten der leidenden Menschheit die Wunder der göttlichen Allmacht erneuern.
Höre die demütige Bitte des bedrängten Vaters. Ein großes Leid soll für Ihn die Stunde der Gnade herbeiführen. «Mein Sohn ist nahe daran zu sterben», sagt er zu Jesus. «Das Glück meines Lebens soll ich verlieren. Du allein bist meine Hoffnung. Ich habe von deiner Güte und Allmacht gehört. Komm, ehe mein Sohn stirbt!» Diese demütige Bitte verdient Erhörung.
Sieh, wie inständig man zu Gott betet, wenn alle menschlichen Hilfsmittel erschöpft sind. Hast nicht auch du vielleicht mehr als eine hoffnungslose Sache deinem Heiland zu empfehlen? Wende dich mit ganzem Vertrauen an die göttliche Barmherzigkeit!



22.02.2019

43. Das Wirken Jesu in Galiläa
(Mt 4, Mk 1,Lk 4, Joh 4)

II Jesus fordert zur Buße und zur Besserung des Lebens auf
Von dieser Zeit an begann Jesus zu predigen und zu sagen: « Tut Buße! Denn das Himmelreich ist nahe!»
Nähere dich dem Lehrstuhl Jesu in der Synagoge.1 Der göttliche Meister erklärt seinen Zuhörern, daß für sie die Zeit gekommen ist, Buße zu tun, ihr Leben zu bessern, den Kampf gegen die Leidenschaften aufzunehmen und Gott vollkommen in sich herrschen zu lassen. Hat der himmlische Vater nicht seinen Sohn in die Welt gesandt, um sein Reich auf Erden zu begründen? Soll aber Gott in deinem Herzen herrschen, so mußt du zuvor die Sünde daraus entfernen. Nimm die dabei unvermeidlichen Kämpfe mutig auf. «Das Reich Gottes ist nahe», fügt Jesus bei. Das Reich Gottes und alles, was es an Glück und Seligkeit enthält, ist gleichsam in deine Hand gegeben. Alles, was die göttliche Güte an Gnaden und Gaben während deines Lebens spenden kann, bietet Sie dir an. Es hängt nun von dir ab, schon jetzt einen Vorgeschmack der Freuden des Himmels zu genießen.
Du fragst nach der Bedingung dieses Glücks? Es ist der Glaube an das Evangelium. An das Evangelium glauben heißt, von ganzem Herzen der Lehre Jesu anzuhangen und sein Leben danach auszurichten. Entschließe dich also zur Nachfolge Jesu. Er will nur eines: dich sicher zum Reich Gottes führen. Wenn Er dir zur Erreichung dieses Zieles schwierige Wege zeigt, so bietet Er dir zugleich überfließende Gnade an, die dich selbst das Schwerste leicht finden läßt. Suche diese Wahrheit immer besser zu verstehen und erfreue dich an ihr.
Jesus hat seinen Lehrvortrag beendet, und alle spenden lauten Beifall. Stimme in das Lob ein, vergiß aber nicht, daß deine Zustimmung vor Ihm keinen Wert hat, wenn sie nicht von hochherzigen Entschlüssen begleitet ist.
1 Zur Zeit Christi gab es in Palästina sehr viele Synagogen. In Jerusalem waren deren mehrere. Die Versammlungen daselbst waren häufig. Außer den Pflichtgottesdiensten am Sabbat waren dort auch montags und donnerstags Zusammenkünfte.



21.02.2019

43. Das Wirken Jesu in Galiläa
(Mt 4, Mk 1,Lk 4, Joh 4)

I Jesus kommt nach Galiläa und wird vom Volk freudig aufgenommen
Nach zwei Tagen aber zog Er von da weg und begab sich nach Galiläa, denn Jesus selbst bezeugte, daß ein Prophet in seinem Vaterland nicht geehrt wird. Als Er nun nach Galiläa kam, nahmen Ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was Er zu Jerusalem an dem Fest getan, denn auch sie waren zu dem Fest gekommen.
Nach zwei Tagen apostolischer Wirksamkeit verließ Jesus Sichem. Überall hält Er sich nur ganz vorübergehend auf. Wie kurz aber auch die Dauer seiner Anwesenheit sein mag, stets hinterläßt Er tiefe, unverwischbare Spuren seiner Gegenwart. Die Samariter danken Ihm für alles, was Er ihnen Gutes getan hat. Das Andenken daran wird niemals schwinden. Beglückwünsche den Heiland zu diesem tröstlichen Erfolg. Mache dich bereit, sein Zeuge bei neuen Erfolgen zu sein.
Wohin wendet Jesus sich jetzt? Er lenkt seine Schritte zu jenen, die Er ehedem durch sein Beispiel erbaut hat. Das Erdreich ist gut vorbereitet. Die Galiläer haben seine Werke in Jerusalem gesehen. Darum kommen sie Ihm voll Eifer entgegen. Sie kennen Ihn, sie wissen, was Er ihnen bringen will und was sie von Ihm erwarten dürfen. Wer einmal die Wonnen der Gegenwart Jesu verkostet hat, den drängt es abermals in seine Nähe. Wer Ihn wahrhaft kennt, der nimmt Ihn allezeit mit Freuden auf. Geselle dich zu den Galiläern, teile ihr Verlangen, die Unterweisungen des Sohnes Gottes zu hören.



20.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

III Jesus gewinnt die Samariter für den wahren Glauben
Viele Samariter aus jener Stadt kamen zum Glauben an Ihn auf das Wort der Frau hin, die bezeugte: «Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.» Die Samariter zogen zu Ihm hinaus und baten Ihn, bei ihnen zu bleiben. So blieb Er zwei Tage dort.
Die Samariter umringen den Heiland. Ihm ganz nahe siehst du jene, die vor kurzem noch eine arme Sünderin war. Gleich am Tag ihrer Bekehrung wird sie zum Apostel. Seit ihrer Aussöhnung mit Gott hat sie dem Sündenelend ihrer traurigen Vergangenheit auf immer entsagt und aus Dankbarkeit für die von Jesus erlangte Gnade geht ihr ganzes Streben dahin, Ihm Seelen zu gewinnen. Es bleibt hienieden ein undurchdringliches Geheimnis, wie das Heil einer Familie, ja einer ganzen Stadt, zuweilen von dem Apostolat eines Einzigen abhängt. Lerne von der Samariterin, erfolgreich am Seelenheil anderer zu arbeiten. Sie stellt den ihrigen keine schweren Forderungen, sondern begnügt sich damit, Ihnen die frohe Botschaft zu verkünden. «Kommt und seht, was ich gesehen, hört, was ich zu meinem Heil gehört habe. Der Mann, mit dem ich zusammengetroffen bin, hat mich zur Selbstkenntnis geführt. Er hat mir die Wahrheit gezeigt. Er ist ein Prophet, ein Gesandter Gottes, niemand anders als Christus!» Betrachte die Bewohner der Stadt, die der Eifer dieser Frau so schnell dem Erlöser gewonnen hat. Sie tragen Jesus die vertrauensvolle Bitte vor, bei ihnen zu verweilen, und Jesus nimmt die Bitte an.
Er blieb daselbst zwei Tage. Und viel mehr glaubten an Ihn seiner Lehre wegen. Und sie sprachen zu der Frau: «Wir glauben nun nicht mehr um deiner Rede willen, denn wir haben Ihn selbst gehört und wissen, daß Dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.»
Mit Eifer begibt sich der Herr dort hin, wo Er den Seelen wohltun kann. Gehe mit dem Heiland in die gastfreundliche Stadt. Du wirst dort aufs neue lernen, wie dein Seeleneifer sich betätigen soll. Höre aufmerksam dem göttlichen Meister zu und achte auf alle seine Handlungen. Betrachte seine glühende Liebe, seine beharrliche Geduld, seinen unbeugsamen Mut. Erwecke in dir das sehnsüchtige Verlangen, der ganzen Welt den Namen Jesus zu verkünden.



19.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

II Jesus teilt den Jüngern seine Hoffnungen mit und fordert sie auf, mit Ihm zu arbeiten
«Erhebt eure Augen und betrachtet die Felder! Sie sind schon weiß für die Ernte! Schon empfängt der Schnitter den Lohn und sammelt Frucht fürs ewige Leben, daß sowohl Sämann und Schnitter sich freuen.»
Geführt von der Samariterin, nahen die Bewohner der Stadt. Wenige Worte Jesu haben in ihren Seelen neues, bis dahin nicht gekanntes Sehnen erweckt. Solch schöne, vielversprechende Saat muß gepflegt werden. Deshalb lädt der Heiland seine Jünger zur apostolischen Arbeit ein. Er beruft sie und mit ihnen auch dich zum Wirken am Heil der Seelen. Erwäge die ermutigenden Worte des Heilandes und sieh zu, wie du seinem Ruf folgen kannst. Schau um dich und auch du wirst Saatfelder erblicken, die der Ernte entgegen reifen: gerade, schlichte Seelen, die vielleicht nur eines guten Wortes und deines Beispiels bedürfen, um zu einer vollkommenen Hingabe an Gott zu gelangen. Denk nach, auf welche Weise du mit ihnen von Gott und ihrem Seelenheil reden kannst.
Um dich zu diesem Apostolat zu ermuntern, weist der Heiland auf den Lohn hin, den Er für seine Mitarbeiter bereitet hat. Den Arbeitern, den Schnittern ist ein Lohn gesichert. «Wer erntet, empfängt und sammelt Frucht fürs ewige Leben, daß sowohl der Säende sich freut wie der Erntende.» Die Mitarbeiter Jesu sind auch seine Auserwählten. Andere zum Himmel führen heißt sich selbst den Himmel sichern. Jesus weist darauf hin, um dich zu bestimmen, daß du deinen Anteil an den Arbeiten der Aussaat und Ernte übernimmst. Danke Ihm für deine Auserwählung und versprich Ihm, nicht untätig zu bleiben.



18.02.2019

42. Die Bekehrung der Samariter
(Joh 4)

I Jesus erklärt den Jüngern, worin das Werk seines Lebens besteht
Unterdessen baten Ihn die Jünger: «Meister, iss!» Er aber entgegnete ihnen: «Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.» Da sagten die Jünger zueinander: «Hat Ihm denn jemand zu essen gebracht?» Jesus erklärte ihnen: «Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat und sein Werk zu vollenden.»
Fahre in der Betrachtung der ergreifenden Szene fort, deren Zeuge du gewesen bist. Die Jünger kehren zurück und bieten ihrem Meister das bescheidene Mahl an, das sie Ihm bereitet haben. Sie sorgen, wie dies recht und billig ist, mit Freuden für seinen Unterhalt. Jesus benutzt die Gelegenheit, ihnen eine heilsame Lehre zu geben. «Ich habe eine andere Speise», sagt Er ihnen. «Eine andere Sorge erfüllt mich, ich habe Hunger und Durst nach dem Heil der Seelen, denn meine Lebensaufgabe ist es, für die Ehre meines Vaters zu arbeiten.»
Gott ist überall dem Menschen nahe und in allen Dingen ist Er sein Herr. Immer und überall Gottes heiligen Willen zu vollziehen, ist wahres Leben. Bedenke diese tiefe Wahrheit. Wann endlich wirst du die Absichten Gottes den bloß zeitlichen Interessen vorziehen?



17.02.2019

41. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (II)
(Joh 4)
II Jesus offenbart Sich der Samariterin als den von Gott gesandten Messias
«Ich weiß, dass der Messias kommt. Wenn nun Dieser kommen wird, wird Er uns alles verkünden.» Da sprach Jesus zu ihr: «Ich bin es, der mit dir redet!»
Die Samariterin eröffnet dem Heiland, welche Hoffnungen sie auf den verheißenen Erlöser setzt. «Christus wird uns alles lehren», bemerkt sie. «Er wird unsere Finsternis zerstreuen und alle Zweifel lösen. Wir werden an Ihn glauben und uns bekehren.»
Hat sie nicht Recht? Bezeichnet sie nicht mit diesen Worten den Weg, den wir alle wandeln müssen, wenn wir in Jesus den versprochenen Erlöser erkennen wollen? Uns ist Er erschienen. Nichts kann also unsere Unentschlossenheit in seinem Dienst rechtfertigen. Wir müssen Ihn hören und unsere Auffassung und Ausübung der Religion, unser ganzes Leben mit seiner Lehre in Einklang bringen.
Durch eine so bereitwillige Seelenverfassung erlangt die Samariterin die volle Erkenntnis. Jesus offenbart sich ihr ganz: «Ich bin der Messias, den du erwartest. Er, den dein armes Herz sucht, spricht mit dir.»
Frohlocke mit der Samariterin. Verkoste in stiller Sammlung die Seligkeit eines Herzens, dem plötzlich das Licht der Wahrheit aufgeht, nachdem es so lange in der Finsternis geschmachtet hatte. Wie schön und anziehend erscheint die Wahrheit auf den Lippen des Heilandes! Nun fällt es nicht mehr schwer, sie zur Richtschnur des Lebens zu wählen. Der Liebreiz, mit dem Jesus die Wahrheit zeigt, bewirkt die plötzliche Umwandlung der Samariterin. Sie verliert allen Geschmack an den sinnlichen Freuden der Erde, an eitler Ehre und am Lob der Menschen. Sie fängt an, das zu hassen, was sie bisher in sündhafter Weise geliebt, und das zu lieben, was sie verkannt hat. So wirkt ein einfaches Wort aus dem Mund des Gottessohnes. Bitte den Heiland, auch zu dir mit solch kraftvoller und zugleich milder Gewalt zu reden.



16.02.2019

41. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (II)
(Joh 4)

I Jesus erklärt der Samariterin, dass Er wahre Anbeter Gottes suche
Die Frau sagte zu Ihm: «Herr, ich sehe, Du bist ein Prophet.»
Verfolge die Unterhaltung Jesu mit der Samariterin. «Ich sehe, dass Du ein Prophet bist», sagt sie. Warum nennt sie Ihn so? Er hat ihr das Hindernis der Gnade in ihrer Seele gezeigt. Sie verlangt nach dem übernatürlichen Leben, das Jesus ihr anbietet, aber ihr Glaube ist noch unvollkommen, ihr Herz nicht frei von der Sünde, ihr Leben nicht geordnet. Jesus verhilft der Armen zur Erkenntnis ihres Zustandes und bereitet so ihre Seele für die Gnade der Bekehrung vor.
Die Sanftmut des Heilandes gewinnt die Samariterin. Sie will auf dem Weg voranschreiten, den die Gnade ihr gezeigt hat. Sie verlangt, gründlich belehrt zu werden und die ganze Wahrheit zu erfahren. Sie will wissen, welche Art der Verehrung Gott am wohlgefälligsten ist. «Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass zu Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten muss.» Mit diesen Worten will die Samariterin fragen: »Welches sind meine wahren Pflichten gegen Gott? Was muss ich tun, um den Absichten Gottes zu entsprechen?»
Was antwortet ihr der Lehrer der Wahrheit? Er erklärt ihr, dass die Stunde gekommen ist, allem Schein von Religion, allem rein äußerlichen Dienst, der Gott nur die Schale darbietet, ein Ende zu machen.
Der himmlische Vater verlangt eine innerliche, wahre Verehrung. Jesus spricht zu ihr: «Frau, glaube mir, es kommt eine Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch zu Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden. Aber es kommt die Stunde, und jetzt ist sie da, wo die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden. Denn auch der Vater verlangt solche Anbeter. Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn anbeten im Geist und in der Wahrheit.»
Dieses Opfer der Anbetung besteht in der Hingabe seiner selbst. Das Maß unserer Liebe ist das Maß unserer Gottesverehrung. Wozu nützt der Weihrauch, den man zu seiner Ehre verbrennt, wenn er nicht aus einem Herzen aufsteigt, das Gott liebt? Gott hat uns erschaffen, um Ihn zu lieben, Er hat seinen Sohn in die Welt gesandt, um die Liebe Gottes in den Herzen der Menschen wieder anzufachen. Wie glücklich sind wir, da wir den Heiland gefunden haben und mit seiner Gnade Gott so dienen und Ihn so lieben können, wie sein eingeborener Sohn es uns in Lehre und Beispiel gezeigt hat!



15.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

III Jesus offenbart der Samariterin die Größe seiner Gaben
Wenn du die Gabe Gottes kenntest und den, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, so hättest du Ihn gebeten, und Er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Suche das wahre Übel kennen zu lernen, an dem diese verirrte Seele leidet. «Wenn du die Gabe Gottes erkennst», spricht Jesus zu der Frau. Die Hauptursache ihres Unglücks ist der Mangel an übernatürlicher Erkenntnis. Sie widersteht und beraubt sich der Gnade und will in ihrem Zustand verharren, weil sie nichts Höheres kennt. Sie weiß nicht, dass es einen Erlöser gibt; sie kennt weder seinen Namen noch seine Größe und ahnt nicht, dass Er ihr nahe ist. Sie hat nur Sinn für irdische Freuden, denn die Freuden des Himmels sind ihr unbekannt.
Jesus will ihr nun alles offenbaren. Die Sonne der Wahrheit geht in der Finsternis dieser Seele auf. «O dass du doch den Wert der Gabe erkennen würdest, die dir angeboten wird! Wenn du wüsstest, wer ich bin und was ich dir bringe!» O meine Seele, weißt du es wirklich? Weißt du, wer Jesus ist? Schätzest du die Güter der Gnade, die Größe seiner Liebe, die Schönheit seines Beispiels? Tritt näher zu Ihm hin, betrachte Ihn gläubig und höre auf seine Worte! «Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit. — Sobald du erkennst, wer ich bin, wirst du zu mir eilen und mehr finden, als du erwartet hast. Ich will dir das Glück geben, das du umsonst bei den Geschöpfen gesucht hast. Ich bin gekommen, weil ich weiß, dass du ohne mich nicht glücklich sein kannst, selbst wenn alle Freuden der Welt dir offen stehen. Ich bringe dir übernatürliches Leben und himmlisches Glück. Das ist das lebendige Wasser, von dem ich zu dir gesprochen habe.» Erkenne die Wahrheit dieser Worte, hast du sie nicht schon an dir erfahren? Erregen nicht alle Genüsse, die man in den Geschöpfen findet, immer neue Wünsche und neuen Durst? So erhebe dein Herz über den Staub der Erde. Übergib es deinem Heiland, damit Er es reinige, beruhige und entzünde. Erwecke in dir ein unbegrenztes Verlangen und eine innige Kenntnis Jesu, deines Erlösers. Sprich aus ganzem Herzen mit der Samariterin: «Herr, gib mir von diesem lebendigen Wasser!»



14.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

II Jesus ruht am Brunnen aus und erwartet die Samariterin
Da nun Jesus von der Reise ermüdet war, setzte Er sich einfach am Brunnen nieder. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: «Gib mir zu trinken!»
Von der Reise ermüdet, setzte sich Jesus an den Rand des Brunnens. Auf der Suche nach dem verlorenen Schaf hat der gute Hirt sich müde gelaufen. Von ferne hatte Er gesehen, wie es der Wut der Wölfe ausgesetzt war. Nun eilt Er, es zu retten. Suche die barmherzigen Absichten des Sohnes Gottes zu verstehen. Welch einen weiten Weg musste der Herr zurücklegen, um der verirrten Seele die Gnade des Heils zu vermitteln. Es war ja nicht nur die Länge einer Tagesreise, nein, es war die Entfernung, die den Himmel von der Erde, die Zeit von der Ewigkeit trennt. Setze dich Jesus zu Füßen und betrachte Ihn mit Andacht. Wer ist diese Frau, die sich Ihm naht? Woher kommt sie und was will sie hier? Sie ist eine arme Verirrte, ihr Herz ist von den Banden sinnlicher Lust und von den Reizen des irdischen Lebens schmählich gefesselt. Sie hat nach den Einfällen ihrer Launen und dem Drang ihrer Leidenschaften gelebt, unbekümmert um die ewigen Interessen. Mit einem Blick weiß Jesus sie zu gewinnen, mit einem Wort bewirkt Er ihre Bekehrung. «Gib mir zu trinken!», bittet Er sie. Er begehrt wenig, um viel zu gewähren. Mit solcher Güte und Freigebigkeit teilt Gott seine zuvorkommenden Gnaden aus. Durch treue Mitwirkung mit diesen Gnaden wirst auch du das Glück finden.



13.02.2019

40. Die Samariterin am Jakobsbrunnen (I)
(Joh 4)

I Jesus verlässt Judäa, um sich seinen Feinden zu entziehen
Jesus verließ Judäa und begab sich wieder nach Galiläa. Dabei musste Er seinen Weg durch Samaria nehmen. So kam Er zu einer Stadt Samarias mit Namen Sichar. Dort war der Jakobsbrunnen.
Begleite den göttlichen Meister auf seinem Weg nach Samaria. Die Ausübung seiner Sendung hat Ihm Feinde erweckt. Deshalb verlässt Er Judäa. Man will Ihm Böses antun, während Er nur Gutes wirkt. Das ist der Lauf der Dinge auf dieser Welt. Richte dich danach ein. Jesus beklagt sich keineswegs, regt sich nicht auf und lässt sich auch nicht entmutigen. Er verlässt zwar Judäa, aber nicht sein begonnenes Werk. Er will noch nicht sterben. Er entzieht sich den Nachstellungen, denn es wäre zu früh, weil Er seine Sendung noch nicht erfüllt hat. Er bringt andern die Gnaden, die seine Feinde verschmähen. So nimmt Er seinen Weg nach Samaria. Bist nicht auch du aus diesem Land der Unwissenheit und des Irrtums? Verlasse seine Grenzen und geh Jesus entgegen. Erbitte dir einen reichen Anteil an den Gütern, die Er bringt.



12.02.2019

39. Die Gefangennahme Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

II Herodes sucht Johannes im Kerker auf
Gern hätte er ihn töten lassen, aber er fürchtete das Volk. Denn dieses hielt ihn für einen Propheten.
Betritt das Gefängnis des Johannes. Nun kannst du den Gottesmann in der Nähe betrachten. Er will dich lehren, dem Herrn mit Eifer zu dienen. Vorerst bitte ihn, dich zu segnen und küsse ehrfurchtsvoll seine Fesseln.
Herodes fürchtete Johannes, da er ihn als einen gerechten und heiligen Mann kannte, und er hörte ihn gerne. Er kann der Begierde, einen Heiligen zu hören, nicht widerstehen. Deshalb besucht er ihn in seinem Gefängnis. Der Anblick der Heiligkeit hat etwas Hinreißendes, selbst für die Gottlosen. Höre im Geist die Unterhaltung des Herodes mit Johannes. Der heilige Vorläufer spricht von den Rechten Gottes, vom Opfer seiner selbst, vom Eifer für das ewige Heil, vom Ernst der Pflicht, von der Abscheulichkeit der Sünde und der Schönheit der Tugend. Er vergilt mit Gutem das Böse, das ihm seine Feinde wünschen. Sein einziger Schmerz ist, dass Gott von so vielen verkannt wird. Mache dir das Beispiel solcher Seelengröße zu Nutzen und betrachte es. Willst du dich nicht bemühen, etwas von dem Einfluss zu gewinnen, den die Heiligen auf ihre Umgebung ausübten? Überlege, was Gott von dir zum Heil deiner Mitmenschen erwartet.



11.02.2019

39. Die Gefangennahme Johannes des Täufers
(Mt 14, Mk 6)

I Herodes lässt Johannes ergreifen und ins Gefängnis werfen
Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen, fesseln und in den Kerker werfen lassen wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, die er zur Frau genommen hatte. Siehe, was sich zuträgt, und suche es zu verstehen. Der Vorläufer hat seine Sendung hienieden erfüllt. Sein irdischer Lohn sind Ketten, Gefängnis und Tod. Wundere dich nicht darüber und urteile nicht vorschnell. Wenn Gott, die ewige Weisheit, seine Auserwählten dem Hass preisgibt, so bedeutet dies nicht, dass er sie verwirft. Er will sie im Gegenteil ehren. So fasst auch Johannes sein Los auf. Für die Wahrheit hat er gelebt, darum findet er es auch natürlich, für sie in den Tod zu gehen. Ihre Verteidigung war seine Pflicht, und die Pflicht steht ihm höher als das Leben. Sei Zeuge, wie Johannes die Soldaten des Herodes empfängt. Die Demütigung und das Leiden, die ihn erwarten, vermögen seinen Glauben nicht zu erschüttern. Diese Soldaten sind für ihn die Gesandten Gottes. Weit entfernt, über sein Schicksal zu murren, freut er sich vielmehr. Er betrachtet es als eine Auszeichnung, in der Hingabe seiner selbst bis zum Äußersten gehen zu können und sich der göttlichen Majestät als ein Brandopfer darzubringen. So muß ein wahrer Jünger Jesu gesinnt sein. Warum fürchtest du dich, für Gott zu leiden, meine Seele? Warum schreckst du vor Demütigungen, Verfolgung, menschlichem Undank zurück? Wenn Gottes Ehre durch deine Leiden gefördert wird, wie solltest du da nicht freudig alles erdulden wollen?



10.02.2019

38. Das letzte Zeugnis des Vorläufers
(Joh 3)

II Johannes der Täufer preist den Heiland vor aller Welt
Sie gingen zu Johannes und sagten zu ihm: «Meister, der am andern Jordanufer bei dir war und für den du Zeugnis abgelegt hast, der tauft, und alles strömt ihm zu.»
Höre dem Streit zu, der sich anbahnt. Man wirft dem göttlichen Meister vor, daß Er in die Tätigkeit des Johannes eingreift, mit den alten Überlieferungen bricht, zu seinen Gunsten die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich lenkt. Man betrachtet Ihn als einen ehrgeizigen Eindringling, der überall hindert und stört. Das ist die Sprache der verletzten Eigenliebe.
Johannes tritt sofort für Jesus ein und rechtfertigt Ihn. «Ihr selbst müßt mir bezeugen, daß ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, ich bin nur als sein Vorläufer gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich gar sehr über die Stimme des Bräutigams. So ist auch meine Freude jetzt vollkommen.» Freue dich über die Großmut, mit der der Vorläufer an der Verherrlichung des Sohnes Gottes arbeitet. Erwäge, was seine Worte alles enthalten an Glauben, Uneigennützigkeit, Eifer, Treue in dem von Gott verliehenen Beruf und an Liebe zu Jesus. Laut erhebt Johannes Den, für Den die andern nur Tadel haben.
«Alles für Jesus, Ihm gebührt jedes Recht und jeder Vorrang! Steht Er nicht unendlich hoch über uns allen? Nur Er hat das Recht zu taufen und loszusprechen. Er ist alles, und ich bin nichts. — Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen. Möge Er meine Stelle ganz einnehmen und ich immer mehr zurücktreten. Es war mein Lebenszweck, Ihn dem Volk bekannt zu machen. Ich sterbe jetzt zufrieden, da die Menge Ihm zuströmt.»
Solche Ehrfurcht sollst auch du deinem Erlöser, seiner Lehre, seinen Anregungen und seinen Sakramenten entgegenbringen. Johannes fügt bei: «Meine Freude ist vollkommen.» Er hat also durch die Arbeit für die Ehre Jesu das Glück gefunden. Den Höhepunkt des Glückes erreicht der Mensch, wenn er Gott durch seinen vollkommenen Dienst die höchste Ehre verschafft. Warum solltest du die Verdemütigung fürchten, da sie ein Mittel ist, die Ehre deines Erlösers zu fördern? Seine Verherrlichung erstrahlt auf den Trümmern deiner Eigenliebe. Stelle dich unter sein Banner, laß dich in die Reihen seiner Kämpfer aufnehmen und verpflichte dich, um jeden Preis die Menschen zu seiner Liebe und seinem Dienst zu führen. Jesus ist der Endzweck aller Dinge. Alle deine Arbeit soll nur Ihn und seine Liebe zum Ziel haben.



09.02.2019

38. Das letzte Zeugnis des Vorläufers
(Joh 3)

I Die Tätigkeit Jesu in Judäa
Darauf kam Jesus mit seinen Jüngern in die Landschaft Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Auch Johannes taufte noch in Änon bei Salim.«
Verweile mit Jesus, deinem Meister, in Judäa. Betrachte Jesus in der Ausübung seine Berufung. Er tauft, Er versöhnt die Sünder mit Gott, Er lehrt, Er tröstet und ermutigt. Dafür ist Er in die Welt gekommen. Mit welchem Eifer, mit welcher Hingabe und welchem Erfolg erfüllt Er seine Sendung! «Alle Welt läuft Ihm nach», berichtet man dem heiligen Johannes.
Siehe den Heiland, vom Volk umringt. Er ist so sanft, so gut und gewinnend. Er spricht so gütig und ermutigt die bekümmerten Seelen in so liebreicher Weise, daß alle zu Ihm eilen, wenigstens die einfachen, demütigen und gelehrigen Seelen. Benütze die Gelegenheit, dich dem Heiland mit der herbeiströmenden Menge zu nähern, und stell Ihm auch alle jene vor, von denen du weißt, wie sehr sie seines Wortes und seiner Sakramente bedürfen.
Empfange aus seinen Händen die Taufe des Neuen Bundes. Bitte Ihn, Er möge deine stolze Stirn selbst abwaschen und durch die Kraft seines allmächtigen Wortes jeden Makel in deiner Seele tilgen. Beschwöre Ihn, in dir die Taufgnade zu erneuern, die dir Vorjahren sein Priester vermittelt hat. Erneuere zu seinen Füßen dein Taufgelübde.



08.02.2019

37. Das Geheimnis des Heiles
(Joh 3)

II Jesus beklagt, dass die Menschen die Finsternis des Unglaubens dem Licht der Offenbarung vorziehen
«Wer an mich glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das Gericht besteht aber darin: Das Licht ist in die Welt gekommen, doch die Menschen hatten die Finsternis lieber als das Licht; denn ihre Werke waren böse.»
Der Heiland hat nur unendlich Tröstliches verkündet. Er verheißt den Menschen die Verzeihung ihrer Sünden, Er offenbart ihnen die Seligkeit des Himmel, deren Besitz Er auf den Glauben gründet. Und dennoch bleiben die meisten Menschen taub für ein solches Angebot. Sie sind angesteckt von der Torheit des Stolzes, der Menschenfurcht, der falschen Wissenschaft, des persönlichen Interesses. Beklage ihr Unglück.
Trage Sorge, einem solchen Schicksal zu entgehen. Da der Heiland selbst lehrt, daß man sich nur durch den Glauben vor dem ewigen Verderben bewahren kann, so zögere nicht, dich Ihm gläubig zu unterwerfen. Bemühe dich, einfach und gelehrig zu werden, wie es einem armen Geschöpf dem Sohn Gottes gegenüber geziemt.
«Die Menschen haben die Finsternis lieber als das Licht», sagt Jesus. Folge ihnen nicht. Verlass die Finsternis und komm zum Licht! Je mehr die Wahrheit dich erleuchtet, um so leichter und süßer wird dir das Joch der göttlichen Gebote werden. Gib dich Jesus hin. Er selbst wird dir übernatürliches Verständnis geben für die Geheimnisse, die Er dir offenbart. Um diese Geheimnisse besser zu erfassen, bring Ihm deinen Wunsch und Entschluss dar, dir selbst abzusterben und die Irrwege deines bisherigen sündhaften Lebens zu verlassen.



07.02.2019

37. Das Geheimnis des Heiles
(Joh 3)

I Jesus offenbart sich dem Nikodemus als Heiland und Erlöser
«Wenn ihr nicht glaubt, da ich von irdischen Dingen zu euch rede, wie werdet ihr glauben, wenn ich von himmlischen zu euch rede?. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe.»
Nimm deinen Platz zu Füßen Jesu wieder ein. Er will Geheimnisse enthüllen, die Er vom Himmel gebracht hat. «Meine Werke setzen dich in Staunen, meine Worte beunruhigen dich», sagt Er gleichsam. «Du möchtest wissen, wer ich bin und woher ich komme. So höre denn die volle Wahrheit. Ich bin von Gott zu den sündigen Menschen gesandt, ich bin ihre einzige Hoffnung, ihr Erlöser.» Betrachte diese ergreifenden Worte. Die Himmelspforte ist verschlossen, sie muss wieder geöffnet werden. Der gefallene Mensch ist seiner Rechte auf das himmlische Erbe verlustig geworden, er muss sie wieder gewinnen. Auf wen kann er seine Hoffnung setzen? Zu wem kann er mit Vertrauen sagen: «Gib mir wieder, was ich verloren habe, zeig mir wieder den Weg zum wahren Glück!» Meine Seele, blicke auf zu Jenem, Der mit dir redet. Dein Erlöser ist bei dir. Sag Ihm: «Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich und übergebe mich Dir ganz.»
So sehr hat Gott uns geliebt! Voll Mitleid mit unseren Verirrungen sprach Gott zu seinem eingeborenen Sohn: «Steig hinab und suche die Sünder auf. Gib dein Blut und Leben für sie hin.» So offenbart sich der Sohn Gottes als unser Erlöser. Er will als Heiland von uns aufgenommen werden. Er sagt: «Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern, um zu retten. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass Er die Welt richte, sondern, daß die Welt durch Ihn gerettet werde.» Darum fürchte Ihn nicht. Nur jene sollten Ihn fürchten, die meinen, keines Erlösers zu bedürfen, und die das Heil verschmähen, das Er ihnen bringen möchte. Diese werden ewig verlorengehen, denn Jesus kann uns nicht gegen unseren Willen retten.



06.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

III Jesus löst die Zweifel des Nikodemus
Nikodemus fragte: «Wie ist das möglich?» Jesus antwortete ihm: «Du bist Lehrer in Israel und verstehst das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir bezeugen, was wir gesehen haben; aber ihr nehmt unser Zeugnis nicht an.»
Noch zweifelnd fragt Nikodemus: «Wie kann das geschehen?» So sprechen jene, die erst anfangen, Jesus kennenzulernen und bei denen die Kenntnis über Ihn noch unvollkommen ist. Jesus ist die unendliche Weisheit und Allmacht. Mit einem Wink besiegt er jede Schwierigkeit, mit einem Wort klärt er die unfassbaren Geheimnisse auf. Diese Überzeugung will Jesus unserer Seele tief einprägen.
Höre, wie der Herr sein Erstaunen über die Unwissenheit des Nikodemus äußert. Jesus betrachtet seine Lehre, von der sein nächtlicher Besucher nichts versteht, als eine Grundwahrheit. Er macht dem Gesetzeslehrer den Vorwurf, daß er nicht weiß, was der geringste Gläubige wissen muß. Verdienst nicht auch du diesen Vorwurf? Müsstest du nicht schon lange durch deine feste Glaubensüberzeugung die Stütze der Schwachen, das Licht der Unwissenden, der Führer jener sein, welche die Wahrheit suchen? Wie bist du in deiner Überzeugung oft noch schwach und unbeständig!
Stärke deinen Glauben und schenke Jesus Vertrauen! Wir sollen seinen Worten glauben, eben weil Er, die ewige Wahrheit, zu uns spricht. «Ich rede, was ich weiß», erklärt Er, «und bezeuge, was Ich gesehen habe. Wenn Ich euch sage, dass Gott euch liebt, dass Er euch an Kindesstatt annehmen will und dass Er euch einen Anteil an seinem himmlischen Erbe hinterlegt hat, so teile Ich euch nur mit, was der Vater Mir zu verkünden aufgetragen hat. Glaubt meinen Worten!» Solchen Glauben verlangt Jesus von den Seinen. Beuge dich in Ehrfurcht vor seiner allerhöchsten Autorität. Bekenne dich zu seinen Anhängern. Bete kniend dein Credo.



05.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

II Jesus erklärt die Notwendigkeit der Wiedergeburt zu einem neuen Leben
Jesus entgegnete ihm: «Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht schauen. ... Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen.»
Bemühe dich, die geheimnisvolle Sprache Jesu zu verstehen. «Der Mensch muß wiedergeboren werden», sagt Er. «Wenn du dahin gelangen willst, wohin ich dich führen soll, so musst du wiedergeboren werden zu einem Leben, das ganz verschieden ist von jenem, das du bis jetzt geführt hast. Ich bin gesandt, dich zu Gott zu führen, dir sein Leben mitzuteilen, dich in sein Reich aufzunehmen und dich seiner Güter teilhaftig zu machen. Deswegen mußt du wiedergeboren werden. Unmöglich kannst du Gott von Angesicht zu Angesicht schauen und Ihn in seinem Reich besitzen, wenn du dich nicht dazu verstehst, dem bisherigen Leben der Sinne und der verkehrten Leidenschaften abzusterben. Du musst allem entsagen, was keinen Wert für die Ewigkeit hat.»
Erkennst du die zwingende Folgerichtigkeit dieser Sprache? Nimm sie von deinem Meister an. Lass' dich durch das Widerstreben des natürlichen Menschen nicht beirren. Der Sohn Gottes will, dass du deine gefallene Natur abtötest, um diesen Preis wirst du das wahre Leben erwerben. Biete dich großherzig zu allen Opfern der Entsagung an. Ziehe den irdisch gesinnten Menschen aus und nimm die Gesinnungen eines Kindes Gottes an.



04.02.2019

36. Nikodemus bei Jesus
(Joh 3)

I Jesus nimmt Nikodemus auf
Unter den Pharisäern war ein jüdischer Ratsherr namens Nikodemus. Dieser kam des Nachts zu Ihm.
Suche mit dem furchtsamen Jünger das Haus auf, wo der göttliche Meister wohnt.1 Dort erwartet Er auch dich, um deinen Glauben zu vermehren und zu stärken. Wer ist Nikodemus? Er ist ein Pharisäer. Die Umgebung, in der er bisher gelebt hat, ist für die Annahme des göttlichen Wortes nicht günstig: falsche Religionsbegriffe, hartnäckige Vorurteile, eifersüchtige Zänkereien, Erörterungen ohne Ende. Trotzdem ist das göttliche Wort auf guten Boden gefallen und hat Früchte getragen. Nikodemus ist, wenn auch furchtsam, doch ernst und aufrichtig. Er ist ganz erfüllt von dem, was er gesehen und gehört hat. So wenig er auch davon verstanden hat, so wird doch durch Nachdenken in ihm das lebhafte Verlangen geweckt, weiter vom Heiland belehrt zu werden. Er begnügt sich nicht mit der halben Wahrheit, er will sie ganz besitzen.
Mußt du nicht dasselbe Verlangen hegen nach allem, was du gesehen und gehört hast? Bitte den Heiland, alle deine Zweifel und Schwierigkeiten zu lösen.
Wie verhält sich Nikodemus? Er sprach zu Ihm: «Meister, wir wissen, daß Du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Wunder wirken, die Du wirkst, außer Gott ist mit ihm. — Ich glaube und bekenne, dass Du ein Gesandter Gottes bist, deine Wunder haben mich überzeugt.» Mehr sagt er nicht. Er wartet ohne Zweifel auf das Wort der Wahrheit; er öffnet Ihm sein Herz. Noch ist sein Geist in der Finsternis des Irrtums befangen, aber seine Gelehrigkeit ist die beste Vorbereitung für die Gnade des Glaubens. Gott allein kann in den Seelen, die Er unterweist, diesen Glauben wecken und zur Entfaltung bringen. Bitte Ihn demütig, in dir zu deinem geistlichen Fortschritt seine göttliche Wirksamkeit auszuüben.
1 Es war während des Aufenthaltes Jesu in Jerusalem, nach dem Osterfest, im Monat April.



03.02.2019

35. Das erste Osterfest
(Joh 2)

III Jesus weist auf sein Leiden und seine Auferstehung hin
Die Juden aber hielten Ihm entgegen: «Durch welches Wunderzeichen beweisest du uns, dass du dies tun darfst?» Jesus erwiderte ihnen: «Reißt diesen Tempel nieder, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen.»
Die Juden verlangen, dass Jesus über seine Handlungsweise Rechenschaft ablege. «Mit welchem Recht handelst du so? Beweise deine göttliche Sendung!» Höre die Antwort Jesu: «Brecht diesen Tempel meines Leibes ab, vergießt mein Blut, ich werde willig sterben und ich werde auferstehen, um euch zu beweisen, dass ich der Gesandte meines Vaters bin und daß ihr meinen Worten glauben sollt.»
Von Anfang an denkt Jesus daran, seinen Leib als Schlachtopfer für die Ehre Gottes und den Sieg der Wahrheit hinzugeben. Das ist der wahre Geist des Apostels, er ist bereit, alles zu opfern. Er achtet weder Arbeit noch Leiden, Leben und Tod gelten ihm gleich. Wenn nur der Wille Gottes siegt und die Seelen gerettet werden.
Die Juden aber verstehen nichts von dem, was Jesus zu ihnen redet. Ihr Herz ist von Misstrauen erfüllt. Die Menschenfurcht hält sie gefesselt. Ihr Geist ist in Vorurteilen befangen. Deshalb kann das Wort Gottes keine Wurzel fassen und der Glaube sich nicht entfalten. Entziehe dich dem Einfluss solcher im Glauben schwachen Menschen. Schließ dich eng dem Heiland an. Lege vor Ihm das Bekenntnis deines festen, kindlichen Glaubens ab. Werde ein Schüler des Herrn und versprich Ihm Treue.



02.02.2019

35. Das erste Osterfest
(Joh 2)

II Jesus reinigt den Tempel
Da flocht Er aus Stricken eine Geißel und trieb alle samt den Schafen und Rindern zum Tempel hinaus. Den Geldwechslern verschüttete Er das Geld und ihre Tische stieß Er um. Zu den Taubenhändlern sprach Er: «Schaff das fort von hier, und macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!»
Folge Jesus in den Tempel. Der Vorhof ist durch die Habsucht der Menschen entweiht. Die Majestät Gottes wird entehrt, seine Religion herabgesetzt. Unter dem Schein der Frömmigkeit verbirgt sich eine verabscheuungswürdige Gewinnsucht. Dieser Anblick empört den Sohn Gottes und entflammt seinen Eifer. «Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!» ruft Er aus. Hörst du diesen Ruf der Entrüstung?
Der wahre Eifer ist Ausdruck einer Liebe, die sich für den Geliebten verzehrt und in seinen Interessen aufgeht.
Hier erblickst du den Heiland als Eiferer für die Ehre Gottes. Er trieb alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und Ochsen. Staune nicht über ein solches Vorgehen. Was Wunder, dass Er solch schmähliche Handlungsweise auch schmachvoll straft. Wer die irdischen Güter den ewigen vorzieht und die Religion niedriger Gewinnsucht dienstbar macht, der ist verächtlich in den Augen Jesu. In einem Augenblick wird der sanftmütige Heiland zum furchterregenden Richter.
Erforsche dein Gewissen. Verdienst nicht auch du, wie jene Menschen, bestraft zu werden? Gleicht deine Seele nicht einem entweihten Heiligtum? Forderst du nicht den gerechten Zorn Gottes heraus durch deine ausschweifenden Gedanken, deine bösen Werke und deine irdische Gesinnung? Wenn dies der Fall ist, so knie vor deinem Heiland nieder und besänftige seinen Zorn durch Demut und Reue. Versprich Ihm, alles aus deiner Seele zu entfernen, was seinen Blicken missfällt.



01.02.2019

2. TEIL: DAS ÖFFENTLICHE LEBEN JESU
Das erste Jahr des öffentlichen Lebens Jesu

35. Das erste Osterfest

(Joh 2)

I Jesus geht nach Jerusalem zum Osterfest
Nun war das Osterfest der Juden nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.1 Im Tempel traf er Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkaufen, und Geldwechsler, die sich dort niedergelassen hatten.
Begleite deinen Heiland auf dem Weg nach Jerusalem und tritt mit Ihm in die Heilige Stadt ein.
Warum kommt Er nach Jerusalem? Welche Gedanken beschäftigen Ihn? Er kennt die traurigen Verirrungen des Judenvolkes. Die heilige Stätte wird entweiht und das göttliche Gesetz mit Füßen getreten. Die irdischen Interessen werden den geistigen vorgezogen. Gott muss zurücktreten. Jesus will die verletzte Ehre des himmlischen Vaters retten. Nach seinem Beispiel sollst auch du für die Wiederherstellung der Ehre Gottes eifern.
1 Das öffentliche Leben Jesu umfasst vier Osterfeste. Vermutlich schloss sich Jesus den Pilgern von Galiläa an und nahm Samaria meidend den Weg durch Peräa und kam über Bethanien und den Ölberg nach Jerusalem.



31.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

III Jesus verwandelt Wasser in Wein
Nun standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die Sitte der jüdischen Reinigung verlangte. Jeder von ihnen fasste zwei bis drei Maß1. Jesus gebot ihnen: «Füllt die Krüge mit Wasser.» Sie füllten sie bis zum Rande. Dann sprach Er zu ihnen: «Schöpft jetzt davon und bringt es dem Speisemeister!» Sie brachten es hin.
Betrachte, wie das Wunder sich im einzelnen vollzieht. Nie kann es dort an etwas fehlen, wo der Allmächtige selbst und diejenige, der Er alle Macht gegeben hat, gegenwärtig sind. «Alles, was Er euch sagt, das tut!» lautet der Rat Mariens. Nur durch vollkommene Erfüllung der Vorschriften des Heilandes macht man sich seiner Wohltaten würdig. Und Er verlangt nicht viel. Sie sollen Ihm nur das Wasser bringen, damit Er das Wunder der Verwandlung wirke. «Füllt die Krüge!» befiehlt Er. — «Bringt her zu mir alles, was ihr leer, verödet, verlassen findet: Ich werde Überfluss und Leben hineingeben.» — Eilig gehorchen die Diener. Ihr Gehorsam bezwingt das gütige Herz des Meisters, und nun geschieht das Wunder. Vertraue auch du, selbst wenn Gott die Bitte abzuweisen scheint. Gott verlangt, dass wir das Unsere tun, das uns möglich ist, so wird Er das Seine tun.
Komm und sieh die Wirkung göttlicher Allmacht, die alle Herzen mit Freude erfüllt. Führe ehrfurchtsvoll den Becher mit Wein an deine Lippen, den Jesus für die Hochzeitsgäste und auch für dich verwandelt hat. Er enthält den Trank, der Kraft verleiht gegen alle Entmutigung. Festige in dir die Überzeugung, dass du nichts verloren hast, solange dir jener bleibt, der mit einem Wort alles wieder geben kann. Erneuere zu seinen Füßen die Huldigung deines Glaubens. Ihm kannst du alles versprechen, denn von Ihm darfst du alles hoffen.
1 Dieses Maß war wahrscheinlich die römische Amphora, die 19 Liter hielt. Die Quelle, aus welcher vermutlich das Wasser geschöpft wurde, ist ungefähr 500 Schritte vom Ort entfernt und ist gegenwärtig noch wasserreich.



30.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

II Maria bittet bei ihrem Sohn für die Brautleute
Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu Ihm: «Sie haben keinen Wein mehr.» Jesus erwiderte ihr: «Was habe ich mit dir gemeinsam, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. » Seine Mutter sagte dann zu den Dienern: « Tut, was Er euch sagt!»
Wie gut ist doch Maria, wie umfängt sie mit liebender Sorge jene, die ihren göttlichen Sohn lieben! Sie bemerkt zuerst die Verlegenheit der Brautleute und ist gleich bereit, alles zu tun und ihren ganzen Einfluss aufzubieten, um dem Mangel abzuhelfen. Danke ihr von ganzem Herzen.
Blicke auf die hilfreiche Mutter, die dafür besorgt war, dass alles richtig und ordentlich zuging. Als sie den Wein ausgehen sah, ging sie zu ihrem Sohn und sagte zu ihm nur: «Sie haben keinen Wein mehr.» Als sagte sie: Mein Sohn, es fehlt hier an Wein. Sie deutete nur den Mangel an, ohne eine Bitte zu äußern, im Wissen, dass es bei einem Liebenden genügt, ohne jegliches Bitten auf die Notlage hinzuweisen. Daher sagte sie nicht: «Gib ihnen Wein», damit die Ehrfurcht vor dem Sohn gewahrt bleibt, sondern setzte ihre Hoffnung auf die Freigebigkeit und das Erbarmen des Sohnes. Aus ihrem gütigen Herzen heraus wollte sie dem gänzlichen Ausgehen des Weines zuvorkommen, so dass keine Verlegenheit entstünde. Und darum bat sie den Sohn, von dem sie wusste, dass Er die Macht dazu besaß. Erfüllt vom Heiligen Geist, sah sie das Wunder schon voraus, das ihr Sohn wirken würde.
Es ist anzunehmen, dass es nicht zufällig und von ungefähr geschah, daß der Wein ausging, da ja der Herr bei der Hochzeit anwesend war, vielmehr ergab sich so die Gelegenheit für ein Wunder.
Auf Mariens Bitten wird Jesus nun sein erstes Wunder wirken. Begründet dies nicht aufs neue dein Vertrauen auf Maria? Lerne daraus, in allen Nöten zu ihr deine Zuflucht zu nehmen. Fehlt es dir an Eifer, an Glauben, an Demut, an Ergebung, an Geduld, an geistlichem Trost? Geh durch Maria zu Jesus.



29.01.2019

34. Die Hochzeit zu Kana
(Joh 2)

I Jesus nimmt mit seiner Mutter und den Jüngern am Hochzeitsmahl teil
Am dritten Tage darauf war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu nahm daran teil. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.
Begleite den göttlichen Meister. Da du zu seinen Jüngern gehörst, darfst du überall mit Ihm zu Gast sein.
Man lädt Jesus zu einem Fest ein, und Er nimmt die Einladung an. Warum tut Er dies? Er weilt gern unter den Seinigen und mit Freuden ergreift Er jede Gelegenheit, ihnen Gutes zu tun, sie zu beglücken und zu heiligen. Im näheren Umgang mit Ihm empfindet man weder Befangenheit noch Furcht. Beglückwünsche die Brautleute, die an ihrem Ehrentag dem göttlichen Heiland einen Platz in ihrem Haus bereiten. Wenn sie einst Gott über ihr Leben Rechenschaft ablegen werden, können sie den höchsten Richter an den Platz erinnern, den sie Ihm eingeräumt haben. Sie können zu Ihm sagen: «Du warst mitten unter uns, wir haben nichts getan, was dein Auge hätte beleidigen können.»
Sieh unter den Hochzeitsgästen auch die Mutter Jesu. Sie ist auch deine Mutter, deshalb begrüße sie mit kindlicher Ehrfurcht. Nimm gern den letzten Platz beim Mahl ein.



28.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

III Jesus ermutigt die beiden Jünger in seiner Nachfolge
Jesus entgegnete ihm: «Du glaubst, weil ich dir gesagt, ich habe dich unter dem Feigenbaume gesehen? Noch Größeres als das wirst du sehen.» Dann fuhr Er fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes über dem Menschensohn auf und niedersteigen sehen.»
Fasse Mut bei diesem Wort, das der göttliche Meister an seinen neuen Jünger richtet: «Du wirst größere Dinge sehen!» Jesus denkt auch an dich, da Er diese Verheißung ausspricht.
«Ich werde euren Glauben belohnen. Ihr werdet größere Dinge sehen. Ihr habt mit der ersten Gnade mitgewirkt, ihr sollt weitere empfangen. Ihr glaubt an mich, den Menschensohn; ich aber werde mich euch im Glanz der Gottheit offenbaren. Ihr sähet die Wohnung des armen Handwerkers von Nazareth; ihr werdet die Herrlichkeit seines Himmels sehen. Ihr kanntet mich als den demütigen Gefährten eurer Arbeit; ihr werdet mir als dem König der Engel huldigen.»
Verkoste die Freude dieser ersten in der Gnade Auserwählten, da sie solche Verheißungen hörten. Nähere dich ihnen und bitte sie, dich in ihrem Kreis aufzunehmen. Leg allen Hochmut ab und geh entschlossen in die Schule wahrer Demut.



27.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

II Philippus führt Nathanael Jesus zu
Philippus traf Nathanael und berichtete ihm: «Wir haben Den gefunden, von dem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josephs aus Nazareth.» Nathanael entgegnete ihm: «Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?» Philippus erwiderte ihm: «Komm und sieh!»
Glühend vor Eifer, andere für die Wahrheit zu gewinnen, kehrt Philippus zu den Seinigen zurück. Es drängt ihn, auch seinen Freunden das Glück zu verschaffen, dessen er gewürdigt worden ist. «Wir haben den Messias gefunden, den die Propheten vorherverkündet haben, den Erlöser, den uns Gott gesandt hat. Jetzt wissen wir, wo die Wahrheit und das Leben ist. Komm und sieh!» sagt Philippus zu Nathanael.
Komm und sieh auch du, was er ihm zeigt. Er zeigt ihm die Wahrheit, die unter unscheinbarem Äußern sich verbirgt, die fern von leeren Worten irdischer Wissenschaft sich offenbart, die inmitten der Armen, der Geringen, der Einfältigen wohnt, die in einem Erdreich gedeiht, das die Weisen und Gelehrten der Welt verachten. Diese Art der Erscheinung gewinnt demütige Herzen. Ihr Staunen läßt ihren Glauben nur heller erstrahlen.
Es kommt nicht darauf an, woher die Wahrheit kommt, durch welche Werkzeuge und unter welchem Äußern sie sich offenbart, wenn man sie nur besitzt. So ist Nathanael gesinnt. Nach den ersten Worten Jesu ruft er aus: «Du bist Gottes Sohn, der König Israels!» Bewundere diesen Mann, der dich an Glaubensstärke übertrifft. Du hast so viele Bücher gelesen, so vielen Unterricht empfangen, so viele Wunder gesehen, so oft das Wort Gottes gehört, und noch immer ist dein Glaube so schwach und leblos.



26.01.2019

33. Die ersten Jünger Jesu (II)

I Jesus begegnet dem Philippus und lädt ihn ein, Ihm zu folgen
Tags darauf wollte Er nach Galiläa ziehen. Da traf Er Philippus und sprach zu ihm. «Folge mir.» Philippus stammte aus Bethsaida, der Heimat des Andreas und Petrus.1
Finde dich wieder beim göttlichen Meister ein, der auf dem Weg nach Galiläa ist. Jesus hat zu seinem Werk Apostel notwendig. Er sucht sie unter den einfachen Seelen. «Folge mir!» spricht Er zu Philippus. Diese Begegnung ist nicht zufällig.
Schon seit langem hat der Heilige Geist diese Seele auf den Ruf Jesu vorbereitet. Der Heilige Geist ist es, der dem menschgewordenen Sohn Gottes Apostel zuführt.
«Folge mir!» Ein kurzes, inhaltsreiches Wort! Gerade und einfache Seelen sind leicht empfänglich für das Gute. Philippus hat einen armen Handwerker aus Nazareth vor sich. Er weiß, daß Gott sich jedes Werkzeuges bedienen kann und daß Er zur Ausführung seiner Pläne jene auserwählt, die Er will. Philippus grübelt nicht, er macht keine Einwürfe. Er unterwirft und ergibt sich dem Heiland von ganzem Herzen.
So mußt du gesinnt sein, wenn du den Weg der Wahrheit wandeln willst. Je mehr du deiner eigenen Einsicht misstraust, um so mehr wird die göttliche Gnade mit ihrer belebenden Kraft deine Seele erfassen. Je kindlicher dein Glaube ist, desto weniger Mühe wirst du haben, dich Jesus ohne Vorbehalt hinzugeben.
1 Bethsaida liegt in der Nähe von Kapharnaum am Westufer des Sees von Tiberias.



25.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1)

III Andreas fuhrt seinen Bruder Simon zu Jesus
Einer von den beiden, die Ihm auf das Wort des Johannes hin folgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sprach zu ihm: «Wir haben den Messias — das heißt den Gesalbten — gefunden.» Und er führte ihn zu Jesus.
Andreas teilt alsbald seinem Bruder seine Entdeckung mit. Er fühlt sich glücklicher, da er die seinen zu Jesus führen kann, als wenn er ihnen einen zeitlichen Gewinn verschaffen könnte. Das ist die wahre Liebe. Lerne von Andreas, mit dem Nächsten von Gott zu sprechen, ihm Anteil an den Gnaden zu geben, die du im Gebet erhältst. Gibt es nicht mehr als eine Seele, die du für Gott gewinnen könntest? Fasse zur Ehre deines Meisters Vorsätze, die seiner würdig sind.
Jesus schaute ihn an und sprach: «Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas — das heißt Fels — genannt werden.» Wie belohnt Jesus den Seeleneifer des Andreas? Er wirft einen Blick der Gnade auf Simon, Er schaut ihm ins Herz. Jesus erkennt die Freude, die Simon empfindet, da er den Meister kennenlernt, sein Verlangen, Ihm näherzutreten, und seinen großherzigen Willen, alles für Ihn zu tun. Neben diesen guten Eigenschaften sieht Jesus auch seine Schwäche, seine Unerfahrenheit, und dennoch sagt Er zu ihm: «Du sollst Petrus heißen, Ich werde dich stärken. Ich werde dich zum unüberwindlichen Felsen meiner Kirche machen. Ich werde dich zum Sieg führen.» O meine Seele, warum fürchtest du, Jesus zu folgen, und zwar möglichst nahe, da Er die Stütze deiner Schwachheit und das Licht deiner Unwissenheit sein will?



24.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1
)

II Jesus ladet die zwei Jünger ein, Ihm zu folgen
Jesus wandte sich um und sah sie Ihm folgen. Da fragte Er sie: «Was sucht ihr?» Sie erwiderten Ihm: «Rabbi» — das heißt Meister — «wo wohnst du?» Er antwortete ihnen: «Kommt und seht!» Sie gingen mit Ihm und sahen, wo Er wohnte, und blieben jenen Tag bei Ihm. Es war um die zehnte Stunde.
Beglückwünsche die beiden Jünger, dass sie zur rechten Zeit sich eingefunden haben, um Jesus kommen zu sehen.
Beachte, nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort begegnet man dem Herrn. «Was sucht ihr?» fragt Jesus. Aus ganzem Herzen antworten die beiden Jünger: «Wir suchen Belehrung, Frieden, Fortschritt in der Tugend, inneres Glück.» Suchst nicht auch du diese Güter? Gerade dies hat Jesus auf die Erde gebracht. Schließ dich den Jüngern an und folge entschlossen dem Heiland nach.
Sie verließen Johannes und folgten Ihm, nicht nur mit den Schritten ihrer Füße, sondern auch in der Ergebenheit des Glaubens und in der Nachahmung der Werke. Ihm, von dem sie durch das Zeugnis des Johannes wussten, dass Er auch dessen Lehrer war, wollten sie sich anschließen und seine Lehre hören. Bewundere die schlichte, demütige und willige Nachfolge der Jünger, die ohne jeden Einwand und jede Nachforschung geschieht. Gesegnet sei der Herr, der in seinem Verlangen nach ihrem und aller Heil sich, in seiner Güte, zu ihnen umwandte, mit der Er sich immer denen zuwendet, die sich Ihm zuwenden, und die aufnimmt, welche zu Ihm kommen. Und als Er mit den Augen der Barmherzigkeit und der Güte sah, dass sie Ihm folgten, fragte Er sie, um ihnen Selbstvertrauen zu geben und Mut zu machen: «Was sucht ihr?» Als wollte Er sagen: «Ich stehe zu eurer Verfügung.» Er fragte nicht: «Wen sucht ihr?», weil sie über seine Person durch Johannes im klaren waren; sondern Er sagte: «Was sucht ihr?», denn Er wusste, daß sie etwas über das Heil erfahren wollten. Er fragte nicht aus Unwissenheit, damit Er etwas erfahre, sondern um sie durch seine Frage mit Ihm vertrauter zu machen und sie aufgrund ihrer Antwort besser zu leiten. Dass sich der Herr zu ihnen umwandte, sie anblickte und mit ihnen sprach, war ein Zeichen seiner Weisheit und seines Wohlwollens; Er wusste nämlich, mit welchem Verlangen sie Ihm folgten. Damit wird uns verständlich gemacht, dass Christus alle, die sich anschicken, Ihm reinen Herzens nachzufolgen, mit Vertrauen und mit der Hoffnung auf Erbarmen erfüllt. Und Er wendet sich um zu ihnen, um ihnen den Reichtum seines Erbarmens zu schenken.
Wohin führt Jesus die beiden? Er lädt sie zu sich ein: «Kommt und seht!» Die wahren Güter empfängt man in der nächsten Nachfolge des Herrn, und zu dieser fordert Jesus die Menschen auf. «Kommt!» sagt Er, «Ich will euch zeigen, wo ich wohne. Dort werde ich euch offenbaren, was den Weisen verborgen ist, dort will ich euch geben, was die Welt nicht geben kann. Dort sollt ihr die Freuden des wahren Lebens verkosten.» Fühlst du dich nicht gedrängt, einer so liebevollen Einladung zu folgen und mit den Jüngern in die demütige Wohnung des Heilandes einzutreten? Fürchte nicht, daß du dort Überdruss empfindest? Ist der vertraute Verkehr mit Jesus nicht die beglückendste Freude auf Erden? Selige Stunden bereitet der Meister den beiden, die Er zu sich eingeladen hat, Stunden, die ihnen als die schönsten ihres Lebens in der Erinnerung bleiben werden.
Bilde dich nach ihrem Beispiel. Was sagen sie, was tun sie während des Beisammenseins mit Jesus? Sie hören seine Worte, erbitten sich Belehrung, eröffnen Ihm ihr ganzes Herz mit seinen Wünschen und Mängeln und fassen großmütige Vorsätze. So weckt diese erste Unterredung mit Jesus in ihnen die Gesinnungen des Glaubens, der Liebe und des Vertrauens.
1 Wir sind an den Ufern des Jordans bei Bethsaida. Hier fanden die ersten Begegnungen Jesu mit seinen künftigen Aposteln statt.



23.01.2019

32. Die ersten Jünger Jesu (I)
(Joh 1)

I Jesus begegnet zwei Jüngern Johannes' des Täufers
Am folgenden Tage stand Johannes wieder da mit zwei von seinen Jüngern.1 Als er Jesus daherkommen sah, sprach er: «Seht, das Lamm Gottes!» Sobald die beiden Jünger ihn so sprechen hörten, folgten sie Jesus nach.
Geselle dich zu den Jüngern des heiligen Johannes. Der Vorläufer spricht mit den Seinen vom Erlöser. Die fromme Unterhaltung über Jesus verschafft ihnen das Glück seiner Gegenwart. Betrachte, wie Er jenen entgegenkommt, die danach verlangen, Ihn kennen- und liebenzulernen. Er kommt von weit her, denn vom Himmel ist Er herabgestiegen. Seht, das Lamm Gottes! Seht jenen, Den der himmlische Vater schon lange verheißen hat. Er will den Menschen die Wahrheit verkünden, ihnen die Last ihrer Sünden abnehmen und den Himmel wieder öffnen. Selig alle, die Ihn aufnehmen, selig alle, die Ihn ihren Brüdern offenbaren. Geh deinem Heiland entgegen, bereite dich, Ihm zu huldigen und Ihm deine Bitten vorzutragen, bemühe dich, seinen Blick auf dich zu ziehen.



22.01.2019

31. Jesus, das Lamm Gottes
(Joh 1)

II Johannes befestigt in den Herzen seiner Zuhörer den Glauben an Jesus
Weiter bezeugte Johannes: «Ich sah den Geist gleich einer Taube vom Himmel herabsteigen und über Ihm schweben. Ich habe es gesehen und bin Zeuge dafür geworden: Dieser ist der Sohn Gottes.»
«Er ist es wirklich», fährt Johannes fort, «Er ist das Lamm Gottes, Er ist der Abgesandte des himmlischen Vaters, unser Erlöser.»
Betrachte aufmerksam dieses erneute Zeugnis des heiligen Vorläufers und laß dich von dessen Wahrheit lebhaft durchdringen. Unter dem niedrigen Äußern entdeckt Johannes den Sohn Gottes und bemüht sich, Ihn als solchen gebührend zu erheben. «Er kommt nach mir», sagt er, «ist aber vor mir gewesen. Er ist von Ewigkeit, der Erstgeborene aller Menschen.» Erfreue dich an den Worten des Vorläufers und bitte deinen Erlöser demütig, sich dir so zu offenbaren, wie Er es dem heiligen Johannes getan hat. Diese Offenbarung hat den Vorläufer zu einem Apostel gemacht. Johannes hat nur noch ein Streben auf Erden: die Kenntnis Jesu zu verbreiten, und nur noch eine Freude: den Menschen zu verkünden, was er von Jesus weiß. So bitte Ihn denn, dir von seinem Geist mitzuteilen, damit du in deinem Beruf in gleicherweise für Jesus wirken kannst.
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