Predigt aus dem Jahre 1988/ 89





09.02.2020

5. Sonntag im Jahreskreis (C) (Lk, 5, 1-11)

Sie ließen alles zurück und folgten ihm nach.“

"Gott braucht Menschen." -
Muss das nicht ein beglückendes Bewusstsein sein? Gott braucht uns! Dieser allmächtige Gott, der das ganze Universum durch sein Wort: „Es werde!“ in das Dasein gerufen hat, braucht den Menschen, um durch ihn seine Schöpfung im Dasein zu erhalten, in ihr mit¬zuwirken, sie einem guten Ende zuzuführen.
Ja, alles Geschehen in der Welt vollzieht sich in dem gemein¬samen Wirken zwischen Gott, der Erstursache und dem Mensch als Zweitursache. Und dies geschieht nicht in einem „Du musst!" Nein, Gott erwartet unser freiwillig gegebenes „Ja!“ zu seiner Einladung.
Und welches ist unsere Antwort auf diesen Anruf Gottes? -
Im Gleichnis vom reichen Fischfang erzeigt uns Jesus den überaus reichen Segen, der dem gegeben ist, der seinen Anruf sich stellt.
Eine ganze Nacht haben die Fischer Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes auf ihrem See Genesareth ihre Netze ausgeworfen. Doch all ihre Mühe war vergebens, sie hatten nichts gefangen. Und eine Nacht ohne Fischfang ist für diese Männer gleichbedeu¬tend einem Tag ohne das tägliche Brot. Und so sitzen sie entmutigt am Ufer, um in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne, ihre Netze zu reinigen.
Und da kommt ER, der Mann aus Nazareth, der Zimmermannssohn, von dem man so viele wunderbare Dinge erzählt. Er geht nicht vorüber. Er sieht die Not dieser Männer und er hilft. Er ruft Simon zu: "Fahr hinaus auf den See! Dort werft eu¬re Netze zum Fange aus!"
Wie wird wohl dieses Wort in den Ohren des Profis Simon geklungen haben? - Jetzt, da die Fische vor dem Licht der Sonne flüchten auf den Grund des Meeres, soll ihm ein Fischfang gelingen? Doch er antwortet: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze aus¬werfen." Und da heißt es: "Das taten sie, und sie fingen eine so große Men¬ge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten."
Wie ein Wunder nur eine Hilfe ist, unser Vertrauen auf Gottes All¬macht zu stärken, so hat auch dieses Wunder des reichen Fisch¬fanges ein Nachspiel: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen!" Und da steht das schlichte und doch so bedeutungsvolle Wort: "Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach."
Wie Jesus einst am Gestade des Sees Genesareth diesen Fischern be-gegnete, steht er zu allen Zeiten am Gestade unseres Lebens, um auch den einen oder anderen von uns zum "Menschenfischer" zu machen.
Und warum versagen ihm heute so viele ihr: "Ich bin bereit!"?
Der erste Grund ist das völlige Verlorensein an diese Welt: Augen, die sich blenden lassen von dem Reichtum unserer Zeit, sind blind für die Fülle der Gnaden, die Gott uns schenken will. Hände, die nach allen Angeboten dieser Welt greifen, sind kaum fähig, sie auch einmal zum Gebet zu falten. Herzen, in denen der Teufel einmal seinen Thron aufgeschlagen hat, können sich nur schwer eröffnen dem Gnadenstrahl Gottes. Ohren, in denen der Lärm der Arbeit und des Vergnügens dröhnt, können Jesu Ruf zur Mitarbeit in seinem Weinberg nicht hören.
Ja, für so viele gilt das bittere Wort: „Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören. Verhärtet eure Herzen nicht!"
Ein zweiter Grund ist das fehlende Vertrauen zu einem Wagnis: War es nicht ein überaus großes Wagnis des Simon, gegen alle bessere Einsicht die Netze nochmals auszuwerfen, alles zu verlassen und der Einladung Jesu, das Leben mit ihm zu tei¬len, bedingungslos Folge zu leisten? Aber er und seine Freun¬de wagten es und sie wurden nicht enttäuscht.
Kann es denn ein schöneres Wagnis geben, als sein Leben in Got¬tes Dienst zu stellen, sich als Werkzeug gebrauchen zu lassen? Wer sich ganz Gott anvertraut, dem wird das Wagnis zum beglückenden Erlebnis und dies ganz im Gegensatz zum Wagnis der Freundes-, Gatten- und Berufs-Wahl. Wie oft sehen wir uns doch da enttäuscht und wagen es immer wieder neu, denn so trösten wir uns: „Wer nicht wagt, nicht gewinnt!"
Ein dritter Grund ist die Gottunfähigkeit des Menschen in unserer Zeit. Ja, das ist die Tragik des Menschen heute, dass er immerzu rastlos und ziellos unterwegs ist und nicht den Weg geht, auf dem er Jesus begegnen kann. Wer einmal Christus begegnet ist, wird mit Petrus sagen: "Herr, hier ist gut sein, lass uns drei Hütten bauen!“ Er wird mit den Emmausjüngern sprechen: "Herr, bleibe bei uns, es will Abend werden!“ Er wird mit Thomas niederknien und bekennen: „Mein Herr und mein Gott!“
Wer bereit ist zur Teilnahme am Priestertum Christi, dem gilt die Verheißung: Mit dem Blute meines Herzens bist du mir eingeschrieben in meine Handflächen. Mit dem Blute meines Herzens habe ich jeden erkauft, dich aber in besonderem Maße herausgehoben aus den Niederungen dieser Erde. Mit dem Blute meines Herzens habe ich dich geweiht, gesalbt, geheiligt und zu meinem Stellvertreter auf Erden gemacht.