Predigt aus dem Jahre 1987/ 88





14.07.2019

13. Sonntag im Jahreskreis (B) (Mk. 5, 21 - 43)

„Mädchen, ich sage dir, steh auf!“

Großartiges und Wunderbares hat unsere Zeit auf dem Gebiete der Medizin vollbracht. Die Kindersterblichkeit ist sehr gering, die Lebenserwartung ist sehr hoch. Darauf dürfen wir stolz sein.
Aber dennoch müssen wir immer wieder machtlos eingestehen, viele Krankheiten bereiten uns auch heute noch manches Rätsel. Im Wettlauf mit dem Tode sind wir doch die Verlierer.
Ja, Krankheit und Tod sind die bittere Frucht der Saat des Ungehorsams, zu dem der Teufel die Stammeltern einst verführt hat. Gott hat den Tod nicht gewollt. Er ist ein Gott des Lebens. Und wie er dieses Leben liebt, hat er uns erzeigt dadurch, „dass er seinen einziggeliebten Sohn dahin gab“, damit er uns in seinem Gehorsam am Kreuz wiedergab, was Adam uns nahm.
Diese Liebe zum Leben, leuchtet uns im heutigen Evangelium herrlich auf in der wunderbaren Heilung der bereits 12 Jahre kranken Frau und in der Auferweckung vom Tode des Töchterleins des Synagogenvorstehers Iairus.
Da hörten wir eben: „Ein Synagogenvorsteher namens lairus kam zu ihm, fiel ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an. Er sagte: „Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und lege ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.“
Und während der Meister, begleitet von einer großen Schar von Menschen, sich auf den Weg zum kranken Mädchen aufmacht, drängt sich eine Frau, die schon zwölf Jahre unter Blutungen litt und trotz Aufwendung all ihres Vermögens bei keinem Arzt Heilung finden konnte, an Jesus heran, in der Erwartung, „wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt“. Und wie hätte solch ein Vertrauen enttäuscht werden können.
Die Frau spürt sofort, dass sie von ihrem Leiden geheilt ist, und Jesus „fühlte, dass eine Kraft von ihm ausströmte“ und fragte: „Wer hat mein Gewand berührt?“ „Da kam die Frau zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.“ Und Jesus belobigt sie mit den Worten: „Dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!“
Und in den Freudenjubel der geheilten Frau dringt die Trauerbotschaft an Iairus durch seine Leute: „Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?“ Doch Jesus ist nicht nur gekommen ,den Kranken die Gesundheit wieder zu bringen. Er vermag auch dem Tod noch die Beute zu entreißen. Er betritt das Totenzimmer des Kindes, fasst es bei der Hand und sagt: „Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ Und der Vater darf sein Kind wieder in seine Arme nehmen.
Zwei Wundertaten Jesu, von denen es im Evangelium heißt: „Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.“ Und wir werden bekennen müssen, dass sie auch unser Herz im tiefsten berühren, denn solch eine Macht über Krankheit und Tod versetzt uns weit mehr in Staunen und Verwunderung als Krankheit und Tod unsere täglichen Begleiter.
Die Worte, die der Herr im heutigen Evangelium zu den Menschen gesprochen hat. Sie haben ihren Segen auch heute noch nicht verloren. Ja, sie gelten einem Jeden von uns, wenn wir im Bußsakrament vor unseren Herrn hintreten und ihm die Krankheit unserer Seele offenbaren. Dann sagt er auch uns: „Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin in Frieden. Ja, das ist weit mehr als der Trost, den wir bei unseren seelischen Depressionen finden können bei den Psychotherapeuten, zu denen heute ach so viele ihre Zuflucht nehmen, um schließlich wie die kranke Frau des Evangeliums zwar viel Geld ausgegeben zu haben, ohne Heilung gefunden zu haben.
Die Worte, die der Herr im heutigen Evangelium zu den Menschen gesprochen hat, haben ihren Segen auch heute noch nicht verloren. Ja, sie gelten einem Jeden von uns, wenn wir in der heiligen Kommunion die Stärkung der Seele empfangen, von der der Herr, im Evangelium sagt: „Eine Kraft ging von mir aus. Wer hat mich berührt?“ Ja, in der Kraft dieses himmlischen Brotes werden wir trotz all der Last dieses Lebens unser ewiges Ziel erreichen.
Die Worte, die der Herr im heutigen Evangelium zu den Menschen gesprochen hat, haben ihren Segen auch heute noch nicht verloren. Ja, sie gelten einem Jeden von uns, wenn am Ende der Zeiten Gott seine Engel aussenden wird, um das letzte große Gericht zu halten. Dann ergeht auch an einen Jeden von uns das Wort: „Ich sage dir stehe auf!“ Ja, er wird uns alle einst auferwecken zu einem völlig neuen Leben.
So wollen wir beten:
„Herr, lass das Geheimnis deiner Österlichen Freude wie eine Morgenröte hineinleuchten in unsere Tage. Lass uns wahrhaft österliche Menschen sein inmitten des Karsamstags unserer Geschichte. Lass uns durch die hellen und dunklen Tage dieser Zeit hindurch frohgemut unterwegs sein hin zu deiner kommenden Herrlichkeit.“