24.12.2017

4. Adventssonntag 1986

„Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf …“

Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn, der wie keiner seiner Freunde in die tiefsten Tiefen des Herzens seines Meisters geschaut hat, beginnt sein Evangelium mit einem Prolog.

Darin sagt er die Worte...“er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf, — die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden...“

„Er kam in sein Eigentum...“

Was das Heidentum tausende von Jahren erwartete ...“vom Himmel her muss einer kommen, um uns den Weg zum jenseitigen Ufer zu zeigen...“,-

was das Judentum 2 tausend Jahre hindurch ersehnte...“ o Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf...“, -

das wurde Wirklichkeit, als aus der Herrlichkeit des Himmels Gottes ewiger Sohn in die Armseligkeit der Erde herabstieg, um aus Maria die menschliche Natur anzunehmen und als Gott-Mensch unter uns zu wohnen.

Und welches war der Menschheit Antwort?

Johannes schreibt ...“doch die Seinen nahmen ihn nicht auf….“.

Dem Hauseigentümer werden von den Hausinhabern die Türen versperrt, — man weist ihn von der Schwelle seines Besitzes, — und er muss Zuflucht nehmen bei der unvernünftigen Kreatur, in einem Stall, bei Ochs und Esel darf er eintreten. -

Ja eine Krippe ist seine Geburtsstätte, rauhe Balken zu einem Kreuz verbunden sind seine Todesstätte, und die Lebenszeit dazwischen ein Leben der Entbehrung und des Unverstandenseins ... „die Vögel haben ihre Nester, die Füchse ihre Höhlen, aber der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann...“ '

So war es einst, da Gott kam in der Gestalt eines Menschen... und wie ist es heute, da er kommt in der Gestalt des Brotes? Müsste Johannes nicht wieder schreiben... „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf...“', — ja müsste er nicht sogar sagen ... „Sie nahmen ihn nicht nur nicht auf, — nein, sie missbrauchten ihn, denn sie nahmen wohl die Rose, — den Stengel und die Wurzel aber verachteten sie. „

Vor den Türen unserer Häuser brennt wohl hell der Christbaum, — die Herzen der Menschen aber, die darin wohnen, bleiben in Dunkel und Todesschatten, -

wie reich werden die Tische gedeckt sein an den Festtagen, — nach Ihm der vom Himmel kam, wird man nicht verlangen, -

wievielen ist der tiefe Sinn der heiligen Weihnacht verloren gegangen, -man feiert nur sich selbst,

... im Rausch des Lichterglanzes, des Tannengrüns und der Weihnachtskerzen, -

... im reichen Gebrauch von Essen, Trinken und Schlafen, -

... in der Maßlosigkeit des Schenkens und Beschenktwerdens.

„Denen aber, die ihn aufnahmen, gab er Kraft, Kinder Gottes zu werden“

Welch ein Wandel vollzieht sich in uns, wenn wir bereit sind, die Tür unseres Herzens zu öffnen für das „Licht der Welt“!

Christus errettet uns aus der Nacht der Sünde, in die uns das Versagen Adams gestoßen hat, in das Licht der Gnade.

Wie das Sternlein mit dem geschenkten Licht der Sonne die Nacht ein wenig tröstlicher macht, — so sollen wir „leuchten wie die Sterne inmitten eines verkehrten Geschlechtes“.

Welch eine Kraft ist uns gegeben, wenn in uns einkehrt Christus, das „Leben der Welt“.

Stürzte Adam uns durch seinen Ungehorsam am Baum des Paradieses in den Tod der Sünde, so finden wir durch Jesu Gehorsam am Baum des Kreuzes wieder zurück in das Leben Gottes. Wir heißen darum nicht nur Kinder Gottes, — nein wir sind Gottes Kinder, — nachgeborene Brüder und Schwestern Jesu Christi.

Welch eine Fähigkeit ist unserem Herzen geschenkt, wenn sein Grundakkord heißt „Liebe der Welt“!

Mit der Liebe Christi im Herzen schwindet aller Hass, aller Neid, alle Missgunst, und das Motiv all unseres Handelns heißt nun Liebe. Trachten wir nach dieser Liebe!