Tagesstärkung

Jesus v. Nazareth
von Papst Benedikt XVI




05.07.2021

6. Kapitel: Gethsemani

2. Das Gebet Jesu (Teil III)

Nach dieser Mahnung zur Wachsamkeit entfernt Sich Jesus ein Stück. Es beginnt das eigentliche Ölberggebet. Matthäus und Markus sagen uns, dass Jesus Sich auf die Erde niederwirft – die Gebetshaltung der äußersten Unterwerfung unter den Willen Gottes, des radikalen Sich-Ergebens an Ihn, die in der abendländischen Liturgie noch am Karfreitag und bei der Mönchsprofess wie bei der Diakonen-, der Priester- und der Bischofsweihe geübt wird.
Lukas sagt demgegenüber, dass Jesus kniend betet. Er stellt so von der Gebetshaltung her dieses nächtliche Ringen Jesu in den Zusammenhang der Geschichte des christlichen Betens hinein: Stephanus sinkt bei der Steinigung betend auf die Knie (Apg 7,60); Petrus kniet, ehe er Tabitha vom Tod erweckt (Apg 9,40); Paulus kniet, als er von den ephesinischen Presbytern Abschied nimmt (Apg 20,36) und nochmals, als die Jünger Ihm sagen, Er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen (Apg 21,5). Alois Stöger sagt dazu: „Sie alle beten knieend angesichts der Macht des Todes; das Martyrium kann nicht anders als durch das Gebet bewältigt werden. Jesus ist das Vorbild der Martyrer“ (Das Evangelium nach Lukas II, S. 247).